Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundersten Tag nach Kriegsbeginn
Menschenrechtsgruppe wirft USA Kriegsverbrechen in Irak vor.
Militärexperten: Vorgehen der US-Truppen in Irak ähnelt
immer mehr dem israelischen Vorgehen in den besetzten
palästinensischen Gebieten +++ US-Zivilverwalter
Bremer erteilt Forderung nach raschen Wahlen in Irak Absage. USA ist
indes an Regionalwahlen in bestimmten Landesteilen Iraks interessiert
+++ Offenbar viele Tote bei Autobombenanschlag in Bakuba +++ Wieder
US-Hubschrauber in Irak abgeschossen +++ Anhaltende Proteste der
schiitischen Bewohner von Kut gegen die Besatzung +++ USA öffnen
Vergabe von Irak-Aufträgen auch für Kriegsgegner
Mi.14.01.04 - Die US-Truppen in Irak begehen nach Ansicht der
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit der Zerstörung
von Häusern mutmaßlicher Rebellen und mit Festnahmen von
Angehörigen Aufständischer Kriegsverbrechen. Die US-Armee
wies diese Darstellung entschieden zurück.
Die in New York ansässige Menschenrechtsgruppe erklärte,
US-Truppen hätten in mindestens vier Fällen Häuser von
Irakern ohne ersichtlichen militärischen Grund alleine deshalb
zerstört, um die Familien der Rebellen zu bestrafen. Weiter warf
Human Rights Watch den US-Truppen Entführungen in zwei Fällen
vor. In dem einen Fall handele es sich um die Frau und die Tochter von
Issat Ibrahim el Duri, dem inzwischen meistgesuchten Vertreter des
früheren Regimes von Saddam Hussein. Beide seien vor sechs Wochen
festgenommen worden und weiter ohne Anklage in US-Gewahrsam.
US-Militärsprecher Oberst William Darley wies die Vorwürfe
zurück. Häuser würden nur zerstört, wenn sie als
Waffenlager oder bei einem Angriff benutzt worden seien. "Der Vorwurf,
dass Häuser als kollektive Strafmaßnahme zerstört
würden, ist falsch", betonte Darley. Auch würden Personen nur
festgenommen, wenn sie als Verdächtige gälten. Zum Fall der
Frau und Tochter von el Duri wollte er sich aber nicht
äußern. In ihrem Fall gebe es "besondere Umstände".
Militärexperten haben schon darauf verwiesen, dass das Vorgehen
der US-Truppen in Irak in letzter Zeit immer mehr dem israelischen
Vorgehen in den besetzten palästinensischen Gebieten ähnele.
Menschenrechtsgruppen werfen auch Israel Verstöße gegen die
Genfer Konventionen und damit Kriegsverbrechen vor.
US-Zivilverwalter Paul Bremer hat der Forderung des geistlichen
irakischen Schiitenführers Ayatollah Ali Sistani nach raschen
allgemeinen Wahlen eine Absage erteilt. Es gebe ein technisches
Problem, sagte Bremer am Dienstag dem US-Fernsehsender CBS. Es gebe
derzeit noch keine Wahlkommission, kein Wahlgesetz, keine
Parteiengesetze, keine Volkszählung, keine Wahlregister und keine
Wahlkreise. "Es gibt in den nächsten sechs Monaten nichts von dem,
was man für eine legitime und effektive Wahl braucht." Das
beschlossene Vorgehen sei zwar nicht so gut wie eine Wahl, räumte
Bremer ein. Es ermögliche aber die Einsetzung einer "effektiven
und repräsentativen Regierung".
Ungeachtet der Ablehnung baldiger allgemeiner Wahlen sind die USA an
Regionalwahlen in bestimmten Landesteilen Iraks interessiert. Es gebe
Gespräche mit den "verschiedenen Parteien" in Irak über die
Modalitäten, wie Regionalversammlungen gewählt werden
könnten, die dann die traditionelle Versammlung zur Wahl der
Regierungsmitglieder berufen sollten, sagte der stellvertretende
US-Außenamtssprecher Adam Ereli am Dienstag in Washington. Ein
weiterer US-Vertreter sagte, in einigen sicheren Regionen des Landes
seien Wahlen in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen möglich;
nicht aber in allen Landesteilen. Bei dem im November festgelegten
Zeitplan für die Rückkehr Iraks zur Selbstverwaltung Ende
Juni bleibe es jedoch, bekräftigte Ereli; darin sind allgemeine
Wahlen vor 2005 nicht vorgesehen.
In der zentralirakischen Stadt Bakuba sind am (heutigen) Mittwochmorgen
bei einer Bombenexplosion vor einer Polizeiwache nach Angaben von
Augenzeugen mehrere Menschen getötet worden.
Ein Polizeisprecher in Bakuba sagte, er habe ein weißes Auto
gesehen, das auf die Polizeiwache zugerast und explodiert sei. Anderen
Augenzeugen zufolge wurden viele Menschen auf den Boden geworfen und
einige seien dabei wohl getötet worden.
In Bakuba waren am Freitag mehrere Menschen bei einem
Selbstmordanschlag vor einer schiitischen Moschee getötet worden.
Im November waren bei zwei Autobombenanschlägen auf Polizeiwachen
in Bakuba sowie einem nahe gelegenen Ort mindestens 16 Menschen
getötet und mehr als 30 verletzt worden.
Die Stadt liegt rund 65 Kilometer nördlich der irakischen
Hauptstadt Bagdad im so genannten sunnitischen Dreieck, das als
Hochburg des Widerstands gegen die US-geführten Besatzungstruppen
gilt.
Nahe der westirakischen Stadt Habbanijah ist am Dienstag wieder ein
amerikanischer Hubschrauber abgeschossen worden. Die beiden Insassen
wurden nach Armeeangaben nicht verletzt. Bereits am 2. und am 8. Januar
wurden in der Region US-Helikopter abgeschossen, dabei kamen insgesamt
zehn Soldaten ums Leben. Im schiitischen Süden kam es den zweiten
Tag in Folge zu gewaltsamen Protesten gegen die Besatzungstruppen.
Militärsprecher Oberst William Darley erklärte, der
Kampfhubschrauber des Heeres vom Typ Apache AH-64 sei vermutlich von
feindlichem Feuer zum Absturz gebracht worden. In der Region westlich
von Bagdad kommt es häufig zu Angriffen Aufständischer gegen
die Besatzungstruppen.
In der südirakischen Stadt Kut hielten die Proteste der
schiitischen Bewohner gegen die Besatzung an. Hunderte Demonstranten
forderten mehr Nahrungsmittel und Arbeit. Ukrainische Soldaten schossen
in die Luft, um Menschenansammlungen aufzulösen. Vom westlichen
Stadtrand waren immer wieder Schüsse zu hören. Nach Angaben
aus Krankenhäusern wurden ein Mann getötet und zwei Personen
verletzt.
In Bagdad schossen US-Soldaten am Montag auf ein mit Zivilpersonen
besetztes Auto und töteten dabei den Fahrer und einen
Zehnjährigen, wie Verwandte der Opfer am Dienstag erklärten.
Zwei Frauen in dem Auto seien schwer verletzt worden. Unmittelbar zuvor
war ein Fahrzeug des US-Konvois von einer am Straßenrand gelegten
Bombe getroffen worden, wobei ein US-Soldat getötet wurde. Aus
einem weiteren Fahrzeug heraus sei dann wahllos das Feuer eröffnet
worden, berichteten Iraker. Brigadegeneral Mark Hertling erklärte,
der Vorfall sei nicht bestätigt, die Armee ermittele.
In Falludscha eröffneten im Rathaus stationierte US-Soldaten nach
einem Raketenangriff das Feuer und erschossen zwei Menschen. Bei den
Opfern handelte es sich um eine Frau, die im Haus ihrer Schwester von
einer Kugel getroffen wurde, und um einen Mann, der in einem Wagen
saß.
Ein Sprecher der US-Armee sagte unterdessen in Tikrit, einem
Untersuchungsbericht zufolge hätten Koalitionstruppen
wahrscheinlich Anfang Januar ein Taxi mit Zivilpersonen beschossen. Bei
dem Vorfall kamen vier Iraker ums Leben, darunter ein
siebenjähriger Junge. Da die betreffende Straße von
hunderten US-Einheiten befahren werde, sei es schwierig, den
Schützen ausfindig zu machen, erklärte Oberstleutnant Steven
Russell.
Die USA lockern offensichtlich ihre strikten Vorgaben für die
Ausschreibung von Aufträgen für den Wiederaufbau des Irak.
Zugelassen würden wohl auch Gebote deutscher und
französischer Firmen, verlautete am Dienstag nach einem Treffen
von US-Präsident George W. Bush mit Kanadas Ministerpräsident
Paul Martin aus kanadischen Regierungskreisen. Anfangs hatten die USA
Firmen jener Staaten von Generalaufträgen ausgenommen, die den
Irak-Krieg abgelehnt hatten. Dies betraf neben Frankreich und
Deutschland vor allem auch Russland und Kanada.
Bush sagte am Rande des Gipfels der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) im mexikanischen Monterrey, in der zweiten Ausschreibungsrunde
könnten sich auch kanadische Firmen um Großaufträge
bewerben. Bush war in Monterrey mit Martin zusammengekommen. Dessen
Vorgänger Jean Chretien gehörte zu den schärfsten
Kritikern des Irak-Krieges. Bush bemühte sich, ein gutes
Verhältnis zu Kanada zu demonstrieren. Von Tauwetter in den
Beziehungen wolle er nicht reden, denn dies würde bedeuten, dass
es eine Eiszeit gegeben habe, und dies sehe er nicht so.
Bush äußerte sich nicht dazu, ob sich in der zweiten
Ausschreibungsrunde auch deutsche oder französische Firmen
beteiligen können. In US-Regierungskreisen hieß es aber,
wenn andere Staaten die US-Bemühungen im Irak unterstützten,
könnten sich die Umstände (für Ausschreibungen)
ändern.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte jedoch bereits Anfang
des Jahres gesagt, er rechne damit, dass auch deutsche Firmen mit
umfangreichen Aufträgen im Irak zum Zuge kämen. Irak-Experten
gehen davon aus, dass die USA auf die Erfahrungen und die Kontakte
deutscher Unternehmen im Irak nicht verzichten können.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Übergriffe auf Reuters-Journalisten im Irak durch US-Militärs
Sie seien brutal behandelt worden, erniedrigt und eingeschüchtert.
Man habe ihnen Tüten über den Kopf gestülpt und damit
gedroht, dass sie nach Guantanamo Bay geschickt werden. "Lass uns Sex
haben!" sollen die Soldaten den festgenommenen irakischen
Reuters-Journalisten ins Ohr geflüstert haben. "Was passiert dann
erst mit den gewöhnlichen Irakis?", fragt sich einer der Opfer.
Wie der Guardian in der heutigen Ausgabe berichtet, hat die
Nachrichten-Agentur Reuters, bei der die zwei irakischen
Kameramänner und der Fahrer beschäftigt sind, eine "formelle
Beschwerde" beim Pentagon eingelegt.
Die Journalisten hatten Anfang Januar in Falludscha am Ort eines
Helikopterabsturzes, bei dem ein US-Soldat ums Leben kam, gefilmt und
waren erst von US-Soldaten beschossen und danach festgenommen worden.
Das US-Militär hatte in einer ersten Stellungnahme behauptet, dass
die Reuters-Journalisten als "feindliche Personen (enemy personnel)"
betrachtet wurden, die Schüsse auf US-Truppen abgefeuert
hätten, weswegen man sie auch 72 Stunden lang festgehalten habe -
unter beschämenden Bedingungen und mit fragwürdigen
Verhörmethoden: so habe man einem der Gefangenen einen Schuh in
den Mund gesteckt. Die Journalisten mussten stundenlang mit erhobenen
Armen stehen.
Bislang, so der Guardian, habe sich das US-Militär noch nicht
entschuldigt. Nach Aussagen des verantwortlichen Generals der 82ten
Airborne Division, deren Soldaten die Journalisten festgenommen haben,
habe er beschworene Beweise, dass die Soldaten unter Beschuss gewesen
seien. Der General konzedierte jedoch, dass die Soldaten manchmal
"Schnappschuß-Urteilen" unterlägen.
Die Journalisten beteuerten, dass sie alle schusssichere Westen mit dem
deutlich erkennbaren Aufdruck "Presse" getragen hätten..
Quelle: telepolis, 13.01.04
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16516/1.html
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Vorwürfe von Ex-Finanzminister schlagen
in den USA hohe Wellen
Buch über Bushs Irak-Politik beruht angeblich auf tausenden
Regierungsdokumenten +++ Ermittlungen wegen Geheimnisverrats
Mi.14.01.04 - Die US-Regierung schlägt zurück: Nachdem der frühere
Finanzminister Paul O'Neill die Glaubwürdigkeit der Irak-Politik
von Präsident George W. Bush in Frage gestellt hat, wird gegen ihn
wegen Geheimnisverrats ermittelt. Das Finanzministerium leitete die
Untersuchung am Montag ein, weil in einem Fernseh-Interview mit O'Neill
ein Regierungsdokument gezeigt wurde. Und am am Dienstag erschien
O'Neills Buch, in das Informationen aus nicht weniger als 19.000
Regierungspapieren eingeflossen sein sollen.
Neill erklärte dazu am Dienstag, er habe die Dokumente nach seinem
Rücktritt von der Rechtsabteilung des Finanzministeriums erhalten.
Ich habe sie gebeten, «mir die Dokumente zu geben, die ich haben
dürfte», sagte O'Neill dem Fernsehsender NBC. Die
Rechtsabteilung habe ihm daraufhin einige Daten-CDs geschickt, die er
ungelesen an seinen Ghostwriter Ron Suskind weitergegeben habe. Sein
Verlag Simon & Schuster versicherte in einer Presseerklärung,
es liege kein Verstoß gegen die Gesetze zum Umgang mit
Geheiminformationen vor.
Das Buch «The Price of Loyalty» (zu deutsch: Der Preis
für Treue) löste vorab erheblichen Wirbel aus. O'Neill hatte
bei der Vorstellung des Werks in der CBS-Sendung «60
Minutes» am Sonntag erklärt, die Entscheidung für den
Golfkrieg sei bereits lange vor den Terroranschlägen vom 11.
September 2001 gefallen. Die Grundzüge für eine Invasion
seien bereits wenige Tage nach Bushs Amtsantritt im Januar 2001
festgelegt worden. Zudem seien die Entscheidungsprozesse innerhalb der
Regierung chaotisch.
Die oppositionellen Demokraten griffen die Vorwürfe sofort auf:
O'Neill «bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen
über diese Regierung», sagte General a.D. Wesley Clarke,
einer der demokratischen Präsidentschaftsanwärter. Sein
Konkurrent Dennis Kucinich warf Bush vor, die Bevölkerung
getäuscht zu haben.
Bush erklärte dazu am Montag, schon die Regierung Clinton sei
für einen Regimewechsel in Irak gewesen, und diese Linie habe er
übernommen. «Wir haben unsere Politik entsprechend
angepasst. Und dann kam plötzlich der 11. September.»
Außenamtssprecher Adam Ereli betonte, Bush habe seine Amtszeit
nicht in der Absicht angetreten, gegen den irakischen Staatschef Saddam
Hussein in den Krieg zu ziehen. Der US-Präsident habe Saddam
Hussein «eine ehrliche Chance gegeben, das Blatt zu wenden, aber
er hat es einfach nicht getan», sagte Ereli.
Was genau in der US-Regierung vor dem Irak-Krieg vor sich ging,
versprechen O'Neill und Suskind, ein früherer Reporter der
angesehenen Zeitung «Wall Street Journal», in ihrem Buch
aufzuklären. Suskind verarbeitete darin nach eigenen Angaben neben
den Interviews mit dem ehemaligen Finanzminister 19.000
Regierungsdokumente.
Sie seien beide der Überzeugung, dass Regierungsgeheimnisse
«fast keinen Wert haben», schreibt Suskind im Vorwort des
Buches, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Die wahre Bedrohung der
nationalen Sicherheit liege nicht in der Enthüllung von
Geheimnissen, sondern darin, dass die Regierung aus den vorliegenden
Informationen die falschen Schlüsse gezogen habe.
Der Fernsehsender CBS versicherte indessen, in «60 Minutes»
sei lediglich das Deckblatt eines Geheimdokuments gezeigt worden, nicht
aber dessen Inhalt. In der Sendung hatte Suskind erklärt, eines
der Regierungspapiere habe den Vermerk getragen: «Plan für
Post-Saddam-Irak».
Der republikanische Abgeordnete Bob Ney beschuldigte O'Neill, sich mit
dem Buch für seine Entlassung durch Präsident Bush
rächen zu wollen. O'Neill war Ende 2002 zurückgetreten,
nachdem er den Sinn der von Bush geforderten Steuersenkungen
angezweifelt hatte. «Mister O'Neill ist jetzt so bitter, wie er
als Finanzminister erfolglos war», sagte Ney. In «The Price
of Loyalty» wird O'Neill unter anderem mit den Worten zitiert,
bei Kabinettssitzungen habe Bush oft «wie ein Blinder in einem
Raum voller Tauber» gewirkt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel gibt besetzte Golan-Höhen nicht an Syrien zurück +++
Jüdischer Siedler von Palästinensern erschossen +++
Israelische Armee erschießt einen Palästinenser im
Gazastreifen
Mi.14.01.04 - Die israelische Regierung will die 1967 besetzten Golanhöhen trotz
einer Aufforderung an Syrien zu neuen Friedensgesprächen nicht
zurückgeben. Zachi Hanegbi, Minister für Innere Sicherheit,
sagte dem israelischen Armeesender am Dienstag, die amtierende
Regierung in Jerusalem habe «keinerlei Absicht, auf den Golan
verzichten».
US-Senator Bill Nelson sagte der israelischen Tageszeitung
«Haaretz» nach einem Besuch in Damaskus, der syrische
Präsident Baschar el Assad sei bereit, Friedensgespräche ganz
von vorn zu beginnen, was in Damaskus aber offiziell bestritten wurde.
Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav erneuerte am
Dienstag seine Einladung an Assad zu Verhandlungen.
Israel wolle Syrien zu öffentlichen oder geheimen Verhandlungen
auffordern und den Friedenswillen des Nachbarlandes testen, sagte
Katzav in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender El
Dschasira. Antisemitische Äußerungen Assads und die
Tatsache, dass Syrien Iran beim Schmuggeln von Waffen für die
Hisbollah-Miliz in Libanon behilflich sei, ließen allerdings
einige Zweifel am Friedenswillen der Syrer aufkommen. Der vom selben
Sender im Anschluss befragte syrische Parlamentsabgeordnete Saber
Falhut nannte Katzavs Einladung «vergiftet, vermint und
unglaubwürdig».
Der US-Senator hatte zuvor erklärt, möglicherweise gebe es
nun «eine Gelegenheit für Fortschritte». Assad habe
ihm bei einem Gespräch am Wochenende in Damaskus mehrfach gesagt,
er sei zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen «von Null
an» bereit. Bislang hatte Syrien immer darauf bestanden, die
Gespräche von dem Punkt an fortzusetzen, an dem sie vor vier
Jahren abgebrochen wurden. Syrien hatte die Gespräche beendet,
weil Israel sich weigerte, vorab einem kompletten Rückzug von dem
Gebiet zuzustimmen.
Der israelische Sicherheitsminister Hanegbi erklärte, Israel sei
nicht zur Rückgabe bereit und sagte weiter. «Somit sind alle
Botschaften, die in der letzten Zeit zwischen Damaskus und Jerusalem
ausgetauscht wurden, wertlos.» Das Zweite Israelische Fernsehen
hatte am Montagabend gemeldet, Ministerpräsident Ariel Scharon
wolle auch im Falle von Friedensgesprächen mit Syrien
«territoriale Ansprüche» auf die Golan-Höhen
geltend machen, die Hauptstreitpunkt zwischen Israel und Syrien sind.
Israel hatte das Berggebiet 1981 unter internationalen Protesten
annektiert. 1982 erklärten die Vereinten Nationen die Annexion
für nichtig.
Bei neuer Gewalt im Westjordanland und im Gazastreifen wurden am
Dienstag zwei Menschen getötet.
Heckenschützen haben vor einer jüdischen Siedlung im
Westjordanland ein Fahrzeug unter Beschuss genommen. Dabei wurde
Israeli getötet, zwei seiner Landsleute wurden verletzt, wie die
Streitkräfte mitteilten. Der Zwischenfall ereignete sich vor der
Siedlung Talmon bei Ramallah. Der 28-jährige Vater von fünf
Kindern war der erste Israeli, der in diesem Jahr von militanten
Palästinensern getötet wurde. Zu der Tag bekannten sich die
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die der Fatah-Bewegung des
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat nahe stehen.
Israelische Soldaten haben im südlichen Gazastreifen einen
bewaffneten Palästinenser erschossen. Eine Armeestreife sei in der
Nähe von Rafah mit automatischen Waffen und Granaten angegriffen
worden, verlautete am Dienstag aus dem Militär. Die Soldaten
hätten den bewaffneten Mann aufgespürt und getötet. Wie
es in palästinensischen Sicherheitskreisen hieß, ereignete
sich der Schusswechsel in der Nähe der jüdischen Siedlung
Rafah Jam. Das Militär sei mit Panzern und Planierraupen
angerückt und habe zehn Häuser zerstört, berichteten
palästinensische Augenzeugen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
An den Stabschef, Generalleutnant Moshe Ya'alon:
Am 51. Tag der Unabhängigkeit Israels hatten Sie mich auf
'Ammunition Hill' zum Oberstleutnant ernannt. Ich war aktiver Reservist
und wurde in den Ruhestand versetzt - nach 31 Jahren Dienst in der IDF
(Israelische Armee). Ich hatte als Artillerist am Jom-Kippur- und am
Libanonkrieg teilgenommen und gegen die Erste Intifada gekämpft.
Hiermit gebe ich Ihnen meinen Rang zurück. Ein Staat, dessen Armee
zivile Demonstrationen mit scharfen Schüssen auflöst, ist
kein demokratischer Staat. Eine Armee, die ihre Soldaten lehrt,
Verbrechen dieser Art in Erwägung zu ziehen, hat ihre Grenzen (aus
den Augen) verloren. Ich war Zeuge des Verfalls - Stufe um Stufe:
wegsehen - gegen die Armeeregeln - wenn Gefangene misshandelt werden.
Wegsehen, wenn Soldaten auf unbewaffnete palästinensische
Zivilisten schießen. Wegsehen, wenn (jüdische) Siedler die
Gesetze brechen, einschließlich bewaffneter Überfälle
auf palästinensische Dörfer. Eine zivile Population wird
unterdrückt - mittels Checkpoints, Blockaden, Abriegelungen und
Ausgangssperre - auf Befehl. Das Militär ignoriert, wenn
Palästinenser an Checkpoints, bei Durchsuchungen und in Gewahrsam
degradiert, misshandelt und malträtiert werden. Man eröffnet
das Feuer auf steinewerfende Kinder, auf Arbeiter und unbewaffnete
Leute, augenscheinlich auf Befehl. Man führt
Militäroperationen durch, inklusive präventiver
Liquidierungen, wobei man im Voraus weiß, dass auch Unschuldige
zu Schaden kommen werden. In Israel schießt die Polizei auf
israelische Bürger, um Demonstrationen aufzulösen - angeblich
in lebensbedrohlicher (Situation).
Der Wert des Lebens - er verfällt graduell. Stufe um Stufe werden
Soldaten, Kommandeure, die ganze Nation, korrumpiert....
Aus: Eitan Ronel - "'Ich gebe Ihnen meinen Rang zurück' - Brief an
den israelischen Armeestabschef", Ha'aretz / ZNet 09.01.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=975
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&ItemID=4817
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Annan prangert Islam- und Judenfeindlichkeit an
Mi.14.01.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die religiöse Intoleranz
gegenüber Muslimen und Juden angeprangert. In seiner
Robert-Burns-Gedächtnisrede sagte er am späten Dienstagabend
in New York: «Eine der übelsten Formen religiöser
Intoleranz ist Islamophobie; ein neues Wort für ein altes
Phänomen.» Seit den Anschlägen vom 11. September seien
Muslime vor allem im Westen Verdächtigungen,
Einschüchterungen und Diskriminierungen ausgesetzt. «Zu
viele Menschen sehen den Islam als einen Block, der in Opposition zum
Westen steht.»
Dabei hätten die Völker im Westen und in der islamischen Welt
eine lange Geschichte des Handels, der kulturellen und
gesellschaftlichen Vermischung und gegenseitigen Bereicherung.
Ebenso sei Judenfeindlichkeit «ein weiterer gefährlicher
Hass, der unsere Welt verschandelt». Die jüngsten Attacken
gegen Juden, Synagogen, Friedhöfe und andere jüdische
Einrichtungen in Europa, der Türkei und anderswo zeigten, dass
Antisemitismus noch immer virulent sei.
Einige judenfeindliche Ausfälle seinen als Reaktion auf den
Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu
verstehen. «Aber niemand sollte Kritik an israelischen Aktionen
als Vorwand für Judenfeindlichkeit missbrauchen», sagte
Annan in New York. Zugleich dürfte der Antisemitismusvorwurf nicht
als Instrument benutzt werden, um legitime Diskussionen zu ersticken.
(Quelle: ap)
Irans Präsident Chatami droht mit Rücktritt
Mi.14.01.04 - Im Streit um den Ausschluss tausender Kandidaten von der anstehenden
Parlamentswahl in Iran hat Präsident Mohammed Chatami mit seinem
Rücktritt sowie dem Rückzug aller Reformpolitiker gedroht.
Zusammen mit allen reformorientierten Kräften werde er sich aus
der Politik zurückziehen, falls der konservative Wächterrat
seine Entscheidung nicht überprüfe, sagte Chatami. Sein
Bruder Mohammed Resa Chatami, zugleich Chef der größten
iranischen Reformpartei, warnte vor einer Eskalation der Lage. Die vom
Wächterrat kontrollierte Wahlkommission hielt an der
Kandidatenauswahl fest.
"Wir werden alle zusammen gehen oder alle zusammen bleiben. Wir
müssen standhaft bleiben", sagte Präsident Chatami an seine
reformorientierten Verbündeten gerichtet. Die Wahlausschüsse
hätten bei der Überprüfung der Kandidaten nicht die
gültigen Kriterien angewandt, betonte er nach einem Treffen mit
den Gouverneuren aller 27 Provinzen. Die Provinzchefs hatten ebenso wie
dutzende Minister und Vizepräsidenten mit einem geschlossenen
Rücktritt gedroht. Etwa achtzig Parlamentsabgeordnete setzten in
Teheran am dritten Tag in Folge ihren Proteststreik fort.
Auch Chatamis Bruder, Mohammed Resa Chatami, drohte mit ernsthaften
Konsequenzen: Sollten die ausgeschlossenen Kandidaten nicht doch noch
zugelassen werden, habe seine Partei "andere Pläne, die wir
später bekannt geben werden", sagte der Reformpolitiker. Der
Parteichef selbst ist ebenfalls von der Ausschlussverfügung des
konservativen Wächterrats betroffen.
Das politisch mächtigste Gremium in Iran hatte am Wochenende die
Kandidatur zahlreicher profilierter Reformpolitiker untersagt. Nach
Angaben des Innenministeriums schlossen die vom Wächterrat
abhängigen Wahlausschüsse 44,2 Prozent oder 3605 der
insgesamt 8157 Kandidatinnen und Kandidaten von der Parlamentswahl am
20. Februar aus. Als Grund für die Ausschlüsse wurden in den
meisten Fällen "Verstöße gegen den Islam" genannt oder
Nicht-Einhaltung des Prinzips, wonach in politischen Dingen das
Religiöse an erster Stelle zu stehen habe.
Die für die Auswahl der Kandidaten zuständige Wahlkommission
zeigte sich von den Protesten der Reformer unbeeindruckt: "Die
Anhänger der westlichen Demokratie müssen wissen, dass Iran
eine Islamische Republik ist", sagte ein Sprecher.
(Quelle: afp)
Zahlreiche Rebellen bei Gefechten in Nepal getötet
Mi.14.01.04 - Bei mehreren Gefechten zwischen Regierungstruppen und maoistischen
Rebellen in Nepal sind mindestens 13 Rebellen getötet worden, wie
das Verteidigungsministerium am Mittwoch bekannt gab. Die Rebellen
haben ihre Attacken auf Verwaltungs- und zivile Ziele nach dem
Scheitern von Friedensverhandlungen im August verstärkt. Bei den
jüngsten Gefechten in den vergangenen beiden Tagen seien keine
Regierungssoldaten verletzt worden, hieß es in Katmandu. Die
Aufständischen, die sich auf den chinesischen
Revolutionsführer Mao Tse-tung berufen, kämpfen seit 1996
gegen die konstitutionelle Monarchie und für die Errichtung eines
kommunistischen Staates in Nepal. Dem Aufstand sind seitdem mehr als
8.500 Menschen zum Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
EU eröffnet Handelskammer in Nordkorea
Mi.14.01.04 - Ungeachtet der internationalen Spannungen um das nordkoreanische
Atomprogramm hat die EU in Pjöngjang eine Handelskammer
eröffnet. Das Korea-Europa-Zentrum für technologische und
wirtschaftliche Dienstleistungen ist eine Zweigstelle der
EU-Handelskammer in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Seine
Aufgabe ist es, europäischen Unternehmen den Weg in den
nordkoreanischen Markt zu ebnen. Dazu zählt die Unterstützung
bei der Suche nach Geschäftspartnern und
Investitionsmöglichkeiten, beim Umgang mit den Behörden und
der Überwindung der Sprachbarriere.
Das Büro mit zwei Beschäftigten öffnete bereits am
Montag vergangener Woche. Die Europäer hätten ein Interesse
daran, den Fuß in der Tür zu haben, erklärte
Jean-Jacques Grauhar, Generalsekretär der EU-Handelskammer in
Korea.
Das verarmte Nordkorea hat großes Interesse an einer Ausweitung
seiner Geschäftsbeziehungen. Bislang ist der
Schweizerisch-Schwedische Konzern ABB das einzige größere
europäische Unternehmen mit einer ständigen Repräsentanz
in dem kommunistischen Land. Aus Europa gingen 2002 Exporte im Wert von
300 Millionen Euro nach Nordkorea, die Importe beliefen sich auf 100
Millionen Euro. Das Handelsvolumen der EU mit Südkorea betrug im
Vergleich dazu insgesamt 43,5 Milliarden Dollar.
(Quelle: ap)
Amerika-Gipfel in Monterrey beendet - OAS-Treffen nennt keine
Frist für Freihandelszone
US-Handelspolitik heftig unter Beschuss geraten
Mi.14.01.04 - Beim Gipfeltreffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) im
mexikanischen Monterrey haben die USA am Dienstag gleich zwei Schlappen
hinnehmen müssen. Die Teilnehmer sprachen sich zwar für eine
Freihandelszone auf dem gesamten Kontinent aus, legten sich aber
entgegen dem Drängen Washingtons nicht auf eine Frist dafür
fest. Des weiteren verwarfen sie die US-Initiative, korrupte Staaten
künftig von den Gipfeltreffen auszuschließen.
US-Präsident George W. Bush hatte sich entschieden dafür
eingesetzt, eine Frist zur Schaffung der Freihandelszone bis 2005 zu
beschließen. Unter anderem an diesem Vorhaben war vor Beginn der
zweitägigen Konferenz der Versuch gescheitert, schon vorab einen
vollständigen Entwurf für die Abschlusserklärung
auszuarbeiten. Dieser enthält nunmehr keinen Zeitrahmen für
die Errichtung der Freihandelszone und droht auch nicht mit Sanktionen
für korrupte Staaten. Stattdessen heißt es in dem Entwurf
lediglich, die OAS werde Korruptionsvorwürfe erörtern.
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez konnte im
Abschlussdokument seinen Vorschlag durchbringen, die Einrichtung eines
internationalen Fonds für humanitäre Hilfe zu prüfen.
Chavez, der der Freihandelszone ablehnend gegenüber steht,
erklärte sich daraufhin zur Unterzeichnung der Erklärung
bereit.
Bei den Erörterungen der Gipfelteilnehmer wart die
US-Handelspolitik heftig unter Beschuss geraten. US-Präsident
George W. Bush hatte in seiner Rede vor den Delegierten betont, der
Handel sei langfristig der sicherste Weg zu dauerhaftem Wohlstand. Die
Bürger profitierten von freien Gesellschaften und freien
Märkten. Kritik an der von den USA vorangetriebenen Schaffung
einer Freihandelszone auf dem Kontinent kam aus Peru, Chile und
Venezuela. Auch der kanadische Ministerpräsident Paul Martin
äußerte sich skeptisch zur Handelspolitik des Nachbarlandes.
Entwicklungsländer könnten dem harten Wettbewerb weltweit
noch nicht standhalten, erklärte Martin. Er verwies darauf, dass
auch reiche Länder wie die Vereinigten Staaten in der
Vergangenheit Zeit gebraucht hätten, um ihre Länder mit
Agrarsubventionen und anderen Hilfen den veränderten
Marktbedingungen anzupassen. Diese Länder hätten ihre
Subventionen jedoch schon längst abschaffen müssen. Der
peruanische Präsident Alejandro Toledo kritisierte die Weigerung
der US-Regierung, die Agrarsubventionen für die amerikanischen
Bauern zu senken. Gleichzeitig fordere Washington jedoch von
ärmeren Ländern, dem Freihandel zuzustimmen.
«Dies ist nicht der ärmste Kontinent, aber vielleicht einer
der unfairsten», sagte der chilenische Präsident Ricardo
Lagos. Sein venezolanischer Kollege Hugo Chavez forderte in seiner Rede
eine neue Moral in einer Region, die die Ärmsten unterstützen
müsse. Er verwies darauf, dass die USA die Depression der 30er
Jahre nicht mit Hilfe neoliberaler Initiativen überwunden
hätten, sondern mit staatlichen Arbeitsprogrammen.
Trotz anhaltender Unstimmigkeiten waren die Regierungschefs aber um die
Darstellung ihre guten Beziehungen bemüht. So bekräftigte der
mexikanische Präsident Vicente Fox seine Unterstützung
für Bushs neues Einwanderungsprogramm. Bush lud Fox zu einem
Besuch auf seine texanische Ranch im März ein. Ein Sprecher des
mexikanischen Regierungschefs sprach von einer
«180-Grad-Wendung» im Verhältnis beider Staaten.
US-Außenminister Colin Powell unterzeichnete eine Vereinbarung
über die Rückgabe von 20 Millionen Dollar an Peru, die ein
ehemaliger peruanischer Geheimdienstchef auf amerikanischen Konten
versteckt haben soll.
(Quelle: ap)
IWF-Chef Köhler: Weltwirtschaft hat die Wende geschafft
Mi.14.01.04 - Die Weltwirtschaft hat nach Einschätzung des Internationalen
Währungsfonds (IWF) die Wende zum Aufschwung geschafft. Ein
starkes Wachstum sei nun möglich, falls die richtigen
Entscheidungen getroffen würden, sagte IWF-Chef Horst Köhler
beim Gipfeltreffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) im
mexikanischen Monterrey.
"An der Schwelle zu 2004 ist die Weltwirtschaft entscheidend über
den Berg gekommen", sagte Köhler am Montag. "Wir wissen, dass es
weiter Risiken gibt, aber ich bin zuversichtlich, dass - mit den
richtigen Entscheidungen - die Weltwirtschaft bereit für die
Rückkehr zu einem robusten und nachhaltigen Wachstum ist."
Die amerikanischen Staats- und Regierungschefs forderte Köhler zu
marktorientierten Wirtschaftsreformen auf. Zudem warnte er vor den
hohen Haushaltsdefiziten einiger Staaten der Region. "Dauerhaft hohe
Staatsdefizite in der Region können noch immer das gefährden,
was bislang erreicht worden ist", sagte Köhler in seiner Rede.
Eine Ausweitung des Handels sei als einzelner Faktor der wichtigste
Motor für Wachstum in der Region. Die amerikanischen Staaten
forderte Köhler auf, Handelshemmnisse weiter abzubauen. Den USA
gratulierte er dafür, dass ihre Wirtschaft weiterhin der Motor der
Weltwirtschaft sei.
(Quelle: rtr)
Argentinien wirft IWF zu starken Druck vor
Mi.14.01.04 - Der argentinische Präsident Nestor Kirchner hat dem
Internationalen Währungsfonds (IWF) am Rande des Amerika-Gipfels
in Mexiko schwere Vorwürfe erhoben. In seiner Abschlussansprache
sagte er am späten Dienstagabend (Ortszeit) in Monterrey, sein
Land sei ein Opfer «unbegreiflichen Drucks, unklarer Antworten
und Verzögerungen» seitens des IWF. Die Organisation scheine
nicht zu begreifen, wie wichtig Wirtschaftswachstum für die
Überwindung des Schuldenproblems seines Landes sei. Am Montag
hatte der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna
angekündigt, seine Regierung werde nur ein Viertel ihrer
Auslandsschulden bezahlen.
(Quelle: ap)
Amnesty kritisiert Internet-Einschränkung in Kuba
Mi.14.01.04 - Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" hat die
Entscheidung Kubas kritisiert, die Nutzung des Internet weiter
einzuschränken. Dies sei eine Verletzung der Meinungsfreiheit,
erklärte die Organisation in Havanna. Mit den neuen
Maßnahmen solle verhindert werden, dass Informationen über
die Menschenrechtslage in dem Land nach außen dringen. Die
staatliche Telefongesellschaft hatte angekündigt, dass
Internet-Zugänge, die mit Pesos bezahlt werden können, nur
noch an Personen mit einer Regierungserlaubnis vergeben werden.
Ansonsten müsse für das Internet-Surfen und das Verschicken
von E-Mails in Dollar bezahlt werden. Dies aber ist für viele
Kubaner unbezahlbar.
(Quelle: br-Radionnachrichten)
Bericht: Öleinnahmen in Angola verschwunden
Mi.14.01.04 - Von 1997 bis 2002 sind in Angola laut dem Bericht einer
Menschenrechtsorganisation mehr als vier Milliarden Dollar staatlicher
Öleinnahmen verschwunden. Während das angolanische Volk Not
leide, habe seine Regierung dem Verschwinden einer gewaltigen Geldsumme
zugesehen, erklärte Arvind Ganesan von der Organisation Human
Rights Watch mit Sitz in New York am Dienstag. Die Regierung von
Präsident José Eduardo dos Santos nahm zu dem Bericht
zunächst nicht Stellung.
Regierungsvertreter haben aber wiederholt Vorwürfe
zurückgewiesen, dass ein Großteil der Öleinnahmen des
Landes in den Taschen korrupter Beamter verschwinde. Human Rights Watch
beruft sich auf eine Analyse von Zahlen des Internationalen
Währungsfonds (IWF). Demnach ist der Verbleib von 4,22 Milliarden
Dollar aus dem Ölgeschäft ungeklärt, das entspricht 9,25
Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Die Organisation
warf der Regierung, die seit der Unabhängigkeit des Landes von
Portugal 1975 von derselben Partei gebildet wird, Korruption und
Missmanagement vor. Millionen Angolaner leben in Armut, fast die
Hälfte der 7,4 Millionen Kinder des Landes leidet nach UN-Angaben
an Unterernährung. Angola ist nach Nigeria der größte
Ölexporteur in Afrika südlich der Sahara.
(Quelle: ap)
Brüssel verklagt EU-Finanzminister wegen
Streit um Stabilitätspakt
Berlin reagiert mit Unverständnis auf Klage der EU-Kommission
Mi.14.01.04 - Die EU-Kommission wird den Rat der Finanzminister wegen des Streits um
den Euro-Stabilitätspakt vor dem Europäischen Gerichtshof
(EuGH) verklagen. Dies entschied die Brüsseler Behörde bei
einer Sitzung am Dienstag in Straßburg, wie der liberale
Europaabgeordnete Graham Watson mitteilte. Damit setzte sich
EU-Währungskommissar Pedro Solbes mit seiner Forderung durch.
Die EU-Finanzminister hatten gegen den Willen der EU-Kommission am 25.
November die laufenden Defizitverfahren gegen Deutschland und
Frankreich ausgesetzt. Dies hatte besonders die Berliner Regierung
gefordert. Solbes wollte die Defizitverfahren dagegen verschärfen,
weil beide Länder die EU-Vorgaben zur Reduzierung ihrer
Haushaltsdefizite nicht erfüllt hatten. Nach seiner Ansicht
wäre dieser Schritt gemäß dem Euro-Stabilitätspakt
zwingend gewesen. Die anders lautende Entscheidung der Finanzminister
verstieß nach Meinung von Solbes gegen den Pakt.
Solbes hat bereits angekündigt, ein Eilverfahren anzustreben, so
dass eine Entscheidung des Luxemburger Gerichts in wenigen Monaten
gefällt werden könnte. Zunächst aber muss das Gericht
die Klage annehmen. Wann dies geschieht, war nach Angaben einer
Gerichtssprecherin unklar.
Die deutsche Regierung hat mit Unverständnis auf die
Entscheidung der EU-Kommission reagiert. Die Entscheidung der
Finanzminister sei «mit dem EG-Vertrag voll vereinbar» und
entspreche «dem Geist und Buchstaben des Stabilitäts- und
Wachstumspaktes», erklärte Bundesfinanzminister Hans Eichel
am Dienstag in Berlin. Insofern sei die Entscheidung der Brüsseler
Behörde «wenig nachvollziehbar».
Eichel fügte hinzu: «Nicht zuletzt auch mit Blick auf die in
naher Zukunft anstehenden Aufgaben der Europäischen Union
wäre es dienlicher, auf Kooperation statt auf Konfrontation der
Organe der Europäischen Union zu setzen.» Die
Bundesregierung werde diesen Weg jedenfalls weiter verfolgen.
(Quelle: ap)
Denktasch billigt neue Regierung Nordzyperns
Mi.14.01.04 - Der türkische Volksgruppenführer auf Zypern, Rauf Denktasch,
hat die neue Regierungskoalition für den Nordteil der Insel am
Dienstag gebilligt. Nach wochenlangem Ringen hatten sich
Befürworter und Gegner einer Wiedervereinigung mit dem
griechischen Süden am Sonntag auf eine Zusammenarbeit geeinigt.
Ministerpräsident wird Mehmet Ali Talat von der
Türkisch-Republikanischen Partei, die den UN-Friedensplan und den
EU-Beitritt unterstützt. Sein Stellvertreter wird Denktaschs Sohn
Serdar von der Demokratischen Partei.
Talat erklärte am Dienstag, die neue Regierung werde in
Zusammenarbeit mit der Türkei eine «gemeinsame
Politik» für neue Friedensgespräche mit dem
griechischen Süden entwickeln. «Die türkischen Zyprer
brauchen Frieden und Klarheit. Wir werden unser bestes tun, um ihnen
das zu geben», sagte der designierte Ministerpräsident.
Sein künftiger Stellvertreter Serdar Denktasch hatte bislang wie
sein Vater den UN-Friedensplan abgelehnt. Am Montag erklärte Rauf
Denktasch jedoch überraschend, der Plan liege nach wie vor auf dem
Tisch. Die Zusammenarbeit zwischen Gegnern und Befürwortern der
Wiedervereinigung wurde wegen des Patts nach der Wahl vom 14. Dezember
unausweichlich.
Zypern ist geteilt, seit die türkischen Streitkräfte 1974 den
Norden der Insel besetzten. Anlass war ein Putsch rechtsextremer
griechisch-zyprischer Offiziere, die mit Unterstützung der
damaligen Athener Militärjunta den Anschluss der Insel an
Griechenland durchsetzen wollten. Obwohl der Putsch nach wenigen Tagen
zusammenbrach, sind bis heute 40.000 türkische Soldaten in
Nordzypern stationiert, das nur von der Türkei als Staat anerkannt
wird. Wenn es nicht zu einer Wiedervereinigung kommt, tritt im Mai nur
der griechische Süden der Europäischen Union bei.
(Quelle: ap)
Verfassungsgericht in Rom lehnt Immunitätsgesetz ab
Der Weg für die Wiederaufnahme eines Korruptionsprozesses gegen
den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist frei
Mi.14.01.04 - Der Oberste Gerichtshof in Rom erklärte am Dienstag das
umstrittene Immunitätsgesetz für verfassungswidrig. Die
Bestimmung, wonach die Inhaber der fünf höchsten
Spitzenämter vor Strafverfolgung geschützt sind,
verstößt dem Urteil zufolge gegen den Gleichheitsgrundsatz.
Mit dem Gesetz hatten Anhänger Berlusconis im Juni vergangenen
Jahres eine mögliche Verurteilung des Regierungschefs wegen
Korruption verhindert.
Einer der Anwälte Berlusconis, Niccolo Ghedini, sagte der
Nachrichtenagentur AP, der Prozess in Mailand werde vermutlich in etwa
zwei Monaten wieder aufgenommen. Dafür würden dann auch neue
Richter bestellt. Die Vorlage für das Gesetz war eingebracht
worden, nachdem Berlusconis Anwälte mit dem Versuch gescheitert
waren, einen seit Jahren laufenden Bestechungsprozess von Mailand an
einen anderen Ort verlegen zu lassen. Die Anhänger des
Regierungschefs wollten damit auch verhindern, dass es während der
EU-Präsidentschaft Italiens im zweiten Halbjahr 2003 zu einer
Verurteilung Berlusconis kommt.
Der Oppositionsabgeordnete und frühere Mailänder Staatsanwalt
Antonio Di Pietro begrüßte das Urteil. «Jedermann ist
vor Gesetz immer noch gleich», erklärte er. Di Pietro hatte
Unterschriften für ein Referendum über eine Abschaffung des
Gesetzes gesammelt. Das Referendum erübrigt sich nun. Ein
Abgeordneter von Berlusconis Partei Forza Italia, der Anwalt Carlo
Taormina, nannte das Urteil politisch motiviert.
Berlusconi musste sich in dem Prozess gegen den Vorwurf verantworten,
in den 80er Jahren römische Richter bestochen zu haben, um ein
Urteil über den Verkauf des staatlichen Unternehmens SME zu
beeinflussen. Berlusconi hat die Vorwürfe zurückgewiesen und
erklärt, er habe nur deshalb interveniert, um die Interessen des
Landes zu wahren. Der Ministerpräsident betrachtet sich nach
eigener Aussage als Opfer linksgerichteter Justizkreise.
(Quelle: ap)
Berlusconi-Freund verklagt Dario Fo - Eine Million Schadensersatz
Mi.14.01.04 - Ein Vertrauter des italienischen Ministerpräsidenten Silvio
Berlusconi verklagt den Literaturnobelpreisträger Dario Fo wegen
einer Satire zu einer Million Euro Schadensersatz. Dario Fo missbrauche
sein neues Theaterstück «L'anomalo bicefalo» (Der
anomale Doppelkopf) für Angriffe auf die Reputation des
Regierungschefs, begründet Senator Marcello Dell'Utri seine Klage
laut italienischen Zeitungsberichten. Dell'Utri gehört der
Berlusconi-Partei Forza Italia an.
Dagegen spricht der Nobelpreisträger von einem «abermaligen
Versuch, Angst und Panik zu verbreiten». Er will das Stück,
das in Italien großen Erfolg hat, weiter aufführen. Bereits
seit Monaten sind Berlusconi-kritische TV-Satiren unter Beschuss der
Regierung. Zudem fordert der private Fernsehsender Mediaset, der der
Familie Berlusconi gehört, vom staatlichen TV-Rivalen RAI 20
Millionen Schadensersatz. Die RAI-Satiresendung «Raiot» auf
RAI 3 habe Mediaset diffamiert.
(Quelle: dpa)
Schweizer Gletscher geschmolzen wie noch nie
Mi.14.01.04 - Schweizer Gletscher schmelzen so stark wie nie. In der Messperiode
2002/03 wurden Längenverluste von bis zu 152 Metern festgestellt.
Auch die Masseverluste erreichten neue Höchstwerte, teilte die
Schweizer Akademie der Naturwissenschaften mit. Dank der Schmelze gab
es im Rekordsommer aber keine Wasserknappheit.
(Quelle: ap/taz)
Deutschland
Bundeswehr wird komplett auf Auslandseinsätze ausgerichtet
Verteidigungsminister: Mögliches Einsatzgebiet für die
Bundeswehr ist die ganze Welt +++ Rüstungskürzungen von 26
Milliarden Euro +++ Struck will an Wehrpflicht festhalten +++
Städte- und Gemeindebund sowie mehrere Sozialverbände stemmen
sich gegen Abschaffung des Zivildienstes
Mi.14.01.04 - Die Bundeswehr steht vor der radikalsten Strukturreform ihrer
Geschichte. Verteidigungsminister Peter Struck will die
Streitkräfte komplett auf Auslandseinsätze ausrichten, 45.000
Stellen im militärischen und zivilen Bereich streichen, und 26
Milliarden Euro bei Rüstungsprojekten kürzen. Die Zukunft der
Wehrpflicht bleibt allerdings weiter offen.
Während Struck am Dienstag bei der Vorstellung seines Konzepts
entschieden für eine Beibehaltung plädierte,
bekräftigten die Grünen ihre Forderung nach einer
Freiwilligenarmee. Städte, Gemeinden und Sozialverbände
warnten vor drastischen Auswirkungen auf Betreuungseinrichtungen, falls
mit der Wehrpflicht auch der Zivildienst abgeschafft werde.
«Mögliches Einsatzgebiet für die Bundeswehr ist die
ganze Welt», sagte Struck. Danach sollen die Streitkräfte in
drei neue Kategorien gegliedert werden: 35.000 Eingreifkräfte
für multinationale Kampfeinsätze, 70.000 Soldaten für
Stabilisierungsmissionen wie derzeit auf dem Balkan oder in Afghanistan
und 137.500 Unterstützungskräfte. Weitere 10.000 Soldaten
sollen noch auf die drei Bereiche aufgeteilt werden.
Damit würde die Truppenstärke von derzeit 285.000 Soldaten
auf 250.000 reduziert. Von den Kürzungen im Rüstungsbereich
sind die Beschaffung von 10.000 ungepanzerten Lastwagen, die
Verbesserung der «Patriot»-Raketen und die geplante
Aufklärungs-Drohne der Marine betroffen.
Struck zeigte sich zuversichtlich, dass sich die SPD im kommenden Jahr
für eine Beibehaltung der Wehrpflicht entscheiden werde. Die
Grünen sahen in dem Konzept des Verteidigungsministers dagegen
einen weiteren Schritt zu einer Freiwilligenarmee.
CDU/CSU-Verteidigungsexperte Christian Schmidt forderte ein Machtwort
von Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Klärung des
Koalitionsstreits um die Zukunft der Wehrpflicht. CDU-Chefin Angela
Merkel forderte in einem Brief an Schröder, dass Struck seine
Pläne noch in dieser Woche im Bundestag erläutert.
Der Städte- und Gemeindebund sowie mehrere Sozialverbände
stemmten sich gegen eine Abschaffung des Zivildienstes. Es sei
angesichts der katastrophalen Finanzlage der Kommunen völlig
illusorisch, die Arbeit von Zivildienstleistenden auf reguläre
Kräfte zu verteilen, erklärte der
Städtebund-Präsident Gerd Landsberg. Der Sozialverband VdK
warnte vor einem Zusammenbruch der ambulanten Sozialdienste.
(Quelle: ap)
Für Präventivschlag vorbereitet
Die rot-grüne Koalition passt die Streitkräfte an die neue
Sicherheitsstrategie von Nato und EU an. An deren Ausarbeitung war sie
selbst aktiv beteiligt ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 14.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/14/a0188.nf/text
Deutsche an die Front!
Da wären wir also wieder...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401100.htm#040110_g
Blick ins Archiv
Verteidigungsminister Struck: Landesverteidigung nicht mehr oberste
Aufgabe der Bundeswehr. Deutschland wird am Hindukusch verteidigt
Fr.06.12.02 - Verteidigungsminister Peter Struck will das nicht
hören, aber er hat der Bundeswehr eine Reform der
Reform verordnet. Noch gravierender als seine Streichliste ist jedoch
seine zweite, überraschende Botschaft. Er gibt den deutschen
Soldaten einen neuen Auftrag. So verkündet der
Sozialdemokrat am Donnerstag in Berlin in Abkehr von seinem
Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) den Abschied von der
Landesverteidigung als oberste Aufgabe der Armee...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_x
Ludger Volmer hält stärkeres Militär-Engagement Deutschlands für unausweichlich
Mi.16.01.02 - Volmer, Mitglied der Grünen und Staatsminister im Auswärtigen Amt, fordert von den
Anhängern des Pazifismus wegen der "neuen Bedrohung" durch den internationalen
Terrorismus ein Umdenken...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0201160.htm#top
Bundeswehr plant Präventivschläge
"Studie fordert Fähigkeit zum Präventivschlag"
überschrieb die Süddeutschen Zeitung am 9. November 2002
ihren Bericht über ein Papier des "Zentrums für Analysen und
Studien der Bundeswehr" in Waldbröl.
Diese Studie (SFT 21) ist eine Zukunftsanalyse der
sicherheitspolitischen Bedürfnisse der Bundesrepublik und der
daraus abzuleitenden Strategien und Strukturen der Streitkräfte.
Dabei kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass aufgrund einer
veränderten Bedrohungslage die Bundeswehr zu "offensiven
Operationen" zu befähigen sei. Angesichts der Gefährdung
durch Massenvernichtungswaffen solle über die Möglichkeit
präventiver militärischer Optionen politisch entschieden
werden, empfahlen die Autoren.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/a0211100.htm#top
Nato peilt weltweite Einsätze an - Stratiegieentwurf sieht
vorbeugende Schläge gegen Terror vor
BRÜSSEL, 6. Juni 2002 - Beim Kampf gegen den Terrorismus schwenkt die Nato auf die Linie der
USA ein, die auf militärische Präventivschläge gegen
jene Staaten dringt, die der Unterstützung von Terroristen
verdächtigt werden. Das Bündnis schließt damit welt
weite Einsätze nicht mehr aus. Auf ihrem Gipfel im November in
Prag will die Nato sich durch Rüstungsbeschlüsse für
diese Aufgaben fit machen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_v
NATO-Planspiel «Dynamic Response '07»
Nato-Verteidigungsminister testen globale Einsatzbereitschaft
Do.09.10.03 - Kurzfristige Nato-Kampfeinsätze auf der ganzen Welt haben am
Mittwoch die Debatte der Nato-Verteidigungsminister während ihres
Treffens in den USA bestimmt.
In einem vierstündigen Planspiel testeten die Minister und
Armeechefs der 19 Mitgliedstaaten die Beilegung politischer und
militärischer Differenzen über Kampfeinsätze
außerhalb der historischen Nato-Grenzen. Das Szenario spielte
Teilnehmerkreisen zufolge im Jahr 2007 und hatte mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen in einem fiktiven Land in der
Mittelmeer-Region oder dem Nahen Osten zu tun. Details der Übung
"Dynamic Response '07" wurden zunächst geheim gehalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310090.htm#03100901
«Fatale Folgen für die Weltordnung»
Fr. 07.06.2002 - Nato-Strategieentwurf sieht vorbeugende Schläge gegen Terror vor.
Friedensforscher warnen davor, das Recht auf Selbstverteidigung in eine Präventivstrategie umzudeuten.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206070.htm#top
Mehr zum Thema "Präventivschlag-Doktirn" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311050.htm#031105_a
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Clement erwägt Privatisierung deutscher Autobahnen
Mi.14.01.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement erwägt die
Privatisierung deutscher Autobahnen. «Wir könnten einen
Gutteil öffentlicher Aufgaben und Ausgaben völlig anders
regeln», wird der SPD-Politiker in der «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe) zitiert. «Es ist beispielsweise
nicht naturgegeben, dass öffentliche Bauinvestitionen wie der
Straßenbau auf ewig öffentlich unterhalten und finanziert
werden.»
Der Wirtschaftsminister erklärte den Angaben zufolge, dass andere
EU-Staaten längst eine solche Strategie umgesetzt hätten.
«Gerade im Bereich des Autobahnbaus, des Autobahn-Services und
der Autobahn-Unterhaltung sind Staaten wie Frankreich oder Italien ganz
anders, nämlich privat organisiert, und das keineswegs ohne jeden
Erfolg», sagte er.
Die rot-grüne Bundesregierung hatte vergangene Woche bekannt
gegeben, die Forschungsausgaben von Staat und Wirtschaft bis zum Jahr
2010 von derzeit 2,5 Prozent auf dann drei Prozent steigern zu wollen.
«Besser wäre sogar, wir würden die drei Prozent und
mehr noch etwas früher erreichen», sagte Clement der
«Berliner Zeitung». Das Geld müsse aus höherem
wirtschaftlichem Wachstum, zu erheblichen Teilen aus erhöhten
Forschungsinvestitionen der Wirtschaft und zum anderen Teil aus den
öffentlichen Haushalten des Bundes und der Länder kommen.
«Das bedeutet erhebliche Umschichtungen», wird Clement
zitiert. «Aber wir werden ja nicht auf Dauer Milliarden an
Steuermitteln für den Arbeitsmarkt aufwenden wollen, sondern
müssen die Arbeitslosigkeit und damit die Kosten herunter
bringen.»
(Quelle: ap)
Grüne wollen Gentechnik-Gesetz korrigieren
Mi.14.01.04 - Trotz grundsätzlicher Zustimmung sehen die Grünen im
Bundestag noch Korrekturbedarf am geplanten Gentechnik-Gesetz von
Verbraucherministerin Renate Künast. «Das Gesetz ist gut,
hat aber noch ein paar problematische Punkte», wird die
agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Höfken, in der
«Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe) zitiert.
Höfken fordert den Angaben zufolge einen leichteren Zugang zum
Standortregister, in dem sich Bauern über Gen-Äcker
erkundigen können. Sie verlangte ferner, auch genveränderte
Organismen in Labors dem Gesetz zu unterwerfen. Bisher sollen diese
«geschlossenen Systeme» von den Auflagen befreit werden.
Kritik kam auch von der Agrarministerin Sachsen-Anhalts, Petra
Wernicke. «Von einer Zustimmung im Bundesrat sind wir noch weit
entfernt», sagte die CDU-Politikerin der «Berliner
Zeitung». Sie sehe besonders bei den Haftungsregeln im Fall
unfreiwilliger Vermischungen von genveränderten und normalen
Pflanzen noch erheblichen Diskussionsbedarf, erklärte sie. Man
könne das finanzielle Risiko nicht hauptsächlich den Bauern
auferlegen, die genveränderte Organismen anwenden. «Da
könnten Unsummen zusammenkommen.»
(Quelle: ap)
CDU-Politiker Rauen will Feiertage vom Urlaub abziehen
Mi.14.01.04 - Die Deutschen sollen nach Ansicht des CDU- Politikers Peter Rauen mehr
arbeiten. Freie Tage zu Anlässen wie Hochzeit oder Todesfall sowie
Feiertage sollten vom Jahresurlaub abgezogen werden, forderte Rauen in
der «Saarbrücker Zeitung». Er sei überzeugt, dass
man nur dann mehr Wachstum und mehr Beschäftigung erreiche, wenn
man auch wieder mehr und länger arbeite. Rauen regte an, das Jahr
2004 zum Maßstab zu nehmen: Künftig sollten sieben Feiertage
bezahlt, der Rest mit Urlaub verrechnet werden.
(Quelle: dpa)
Metallbranche steuert auf Konflikt zu
Mi.14.01.04 - In der Metall- und Elektroindustrie von Hessen, Rheinland-Pfalz und
Saarland steuern Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen Tarifkonflikt
zu. Die zweite Runde der Verhandlungen über die Löhne und
Gehälter der rund 430.000 Beschäftigten wurde am Dienstag
nach nur eineinhalb Stunden ergebnislos vertagt. Die Arbeitgeber
fordern für die Unternehmen das Recht, die Arbeitszeit auf bis zu
40 Stunden pro Woche auch ohne Lohnausgleich verlängern zu
können.
Die IG Metall sprach von abenteuerlichen Forderungen und verwies
darauf, dass Warnstreiks nach dem Ende der Friedenspflicht am 28.
Januar möglich seien. Der Verhandlungsführer der
Gewerkschaft, Klaus Mehrens, sagte, sollten sich die Arbeitgeber
durchsetzen, führe dies für die Beschäftigten zu einer
Senkung des Stundenlohns von bis zu 12,5 Prozent. Zugleich seien bei
einer Verlängerung der Arbeitszeit in den drei betroffenen
Bundesländern 60.000 Arbeitsplätze gefährdet. Die
Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne und
Gehälter um vier Prozent.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Heinrich Fischer, warb
erneut für eine Öffnung des Flächentarifvertrags in
Richtung auf eine «35- bis 40-Stundenwoche». Um die
Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken, sei eine
Arbeitszeitverlängerung unerlässlich, sagte Fischer:
«Wenn wir den Flächentarif zum Nutzen der Betriebe nicht
gesteuert öffnen, dann werden die Betriebe durch Abwanderung
für die große ungesteuerte Öffnung sorgen.»
Fischer sagte, die Forderung nach vier Prozent mehr Lohn passe nicht in
die Zeit: «Die Arbeitnehmer müssen sich auf sehr bescheidene
Zuwächse einstellen.» Die Lohnerhöhung in diesem Jahr
müsse unter der Produktivitätsentwicklung von 1,5 Prozent
liegen. Die Verhandlungen werden am 2. Februar fortgesetzt.
(Quelle: ap)
Tarifverhandlungen für Zeitungsredakteure ergebnislos abgebrochen
Mi.14.01.04 - In der Zeitungsbranche rückt ein Arbeitskampf näher. Die
Tarifparteien brachen ihre Verhandlungen für die rund 14.000
Tageszeitungsredakteure am Dienstag in Frankfurt am Main ergebnislos
ab, ohne einen neuen Termin zu vereinbaren, wie
ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke erklärte. Die
Gespräche wurden von Warnstreiks begleitet, an denen sich nach
Angaben des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) bundesweit rund 60
Redaktionen beteiligten.
In der kommenden Woche solle nun über die Einleitung einer
Urabstimmung entschieden werden, betonte Werneke. Er gehe davon aus,
«dass eine Urabstimmung eingeleitet wird». Nach Angaben von
Werneke hatten die Arbeitgeber bei der fünften Verhandlungsrunde
ein Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaft jedoch als völlig
unzumutbar zurückwies.
Darin schlugen die Verleger nach Angaben der Gewerkschaft neben einer
zweijährigen Nullrunde eine Reduktion des Urlaubsgeldes um 25
Prozent vor. Darüber hinaus sei eine Streichung von fünf
Urlaubstagen sowie eine Öffnungsklausel vorgesehen gewesen, die
eine Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld ohne Beteiligung der
Tarifparteien vorsehe, hieß es. Da die Verleger keinen
Verhandlungsspielraum mehr hätten erkennen lassen, seien die
Verhandlungen abgebrochen worden, erklärte Werneke. Er warf den
Arbeitgebern vor, fahrlässig einen Arbeitskampf zu riskieren.
Die Arbeitnehmervertreter hatten ein unverändertes
Wiederinkraftsetzen des Manteltarifvertrags sowie branchenübliche
Gehaltserhöhungen und eine tarifliche Regelung zur
Beschäftigungssicherung gefordert. Darüber hinaus waren sie
nach eigenen Angaben bereit, zeitlich befristete Öffnungsklauseln
für Verlage anzubieten, die sich in wirtschaftlichen
Schwierigkeiten befinden.
(Quelle: ap)
Gesetz gegen Schwarzarbeit löst Ansturm
auf Minijob-Zentrale aus
Mi.14.01.04 - Das geplante Gesetz gegen Schwarzarbeit hat zahlreiche Privathaushalte
aufgeschreckt und der Minijob-Zentrale einen beispiellosen Ansturm
beschert. Aus Angst, sich strafbar zu machen, versuchten täglich
rund 25.000 Anrufer, ihre Haushaltshilfen anzumelden, erklärte
eine Sprecherin der Bundesknappschaft am Dienstag in Essen auf Anfrage.
Bislang waren es etwa 7.000 pro Tag.
Mit der Flut der Anrufe ist die Bundesknappschaft jedoch heillos
überfordert. Deshalb sollten «demnächst» 51
zusätzliche Mitarbeiter im Call-Center eingestellt werden,
berichtete die Sprecherin. Derzeit nehmen in der Zeit von 07.00 bis
19.00 Uhr 105 Mitarbeiter die Telefonate entgegen.
Wenn die Hotline der Bundesknappschaft besetzt ist, werden die Anrufer
den Angaben zufolge automatisch in eine Warteschleife umgeleitet. Per
Fax oder Internet könne dann die Anmeldung erfolgen,
erläuterte die Sprecherin. Innerhalb von zwei Tagen werde ein
Mitarbeiter der Servicestelle zurückrufen.
Neben den Telefonanrufen hat die Bundesknappschaft in den ersten Tagen
des neuen Jahres rund 4.200 E-Mails bekommen. Sonst sind es 10.000 im
ganzen Monat. Nach Behördenangaben waren vergangenes Jahr rund 98
Prozent aller Haushaltshilfen schwarz beschäftigt.
Seit dem 1. April 2003 gelten die neuen Regelungen für Minijobs.
Die monatliche Verdienstgrenze für geringfügig
Beschäftigte wurde von 325 auf 400 Euro angehoben. Bis 800 Euro
müssen Arbeitgeber und Beschäftigte geringere Sozialabgaben
und Steuern entrichten. Insgesamt sind bislang 6,7 Millionen Minijobber
im gewerblichen und privaten Bereich gemeldet. Die Mehrheit von ihnen
sind Frauen. Allerdings bewirkte der Boom bei den Minijobs bislang
keinen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit.
(Quelle: ap)
Deutsche Lebenshaltungskosten im Dezember gestiegen
Mi.14.01.04 - Die Kosten der privaten Haushalte für die Lebenshaltung sind im
Dezember wie vor Weihnachten üblich gestiegen.
Die Verbraucherpreise seien um 0,8 Prozent höher gewesen als im
November, erklärte das Statistische Bundesamt nach
endgültigen Berechnungen am Mittwoch. Die Jahresteuerungsrate fiel
auf 1,1 Prozent. Damit betrug die Inflationsrate im Schnitt des
Gesamtjahres 2003 1,1 Prozent und erreichte den niedrigsten Stand seit
1999. Das Amt bestätigte damit seine vorläufigen
Schätzungen.
Im November waren die Verbraucherpreise zum Vormonat um 0,2 Prozent
gefallen und zum Vorjahr um 1,3 Prozent gestiegen.
Wie schon seit dem Sommer vergangenen Jahres beeinflussten die Preise
für Mineralölerzeugnisse die Teuerungsrate kaum. Ohne
Heizöl und Kraftstoffe wäre die Jahresinflation auf plus 1,0
Prozent gesunken.
Den für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
maßgeblichen Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI)
korrigierte das Amt leicht nach oben. Der HVPI lag zum Vormonat bei
plus 0,9 Prozent und zum Vorjahr bei plus 1,1 Prozent.
(Quelle: rtr)
Weiter Auslegungsstreit über Gesundheitsreform
Mi.14.01.04 - Die Gesundheitsreform sorgt weiter für Verwirrung und Streit um
die Auslegung von Einzelheiten. So wollen die Krankenkassen zwar die
Sehschärfemessung beim Augenarzt zahlen, nicht aber beim Optiker.
Bei der Praxisgebühr beharrt Ministerin Ulla Schmidt trotz
wachsender Kritik auf einer Ausnahmeregelung für die
Anti-Baby-Pille. Weitere strittige Fragen soll der Gemeinsame
Bundesausschuss von Ärzteschaft, Kassen und Patientenvertretern
klären, der sich am Dienstag erstmals traf.
Schmidt bestand darauf, bei Folgerezepten für die Pille auf die
Praxisgebühr zu verzichten. Dies sei auch mit der Union so
abgesprochen. CDU-Gesundheitsexperte Andreas Storm bestritt das. Mit
dem Gebührenerlass für die Pille sei weiteren Ausnahmen
Tür und Tor geöffnet, sagte er der
«Bild»-Zeitung. SPD-Gesundheitsexperte Klaus Kirschner
forderte in der «Frankfurter Rundschau», auch bei
langwierigen Asthma- und Schilddrüsenbehandlungen für
Folgerezepte keine Praxisgebühr zu verlangen.
Die Ministerin will aber keine weiteren gesetzlichen Ausnahmen bei der
Praxisgebühr zulassen. Die Pille sei ein Sonderfall, da die Kassen
die Kosten nicht erstatten. Bei dem Preis für eine
Dreimonatspackung könnte den Frauen nicht noch die
Praxisgebühr von zehn Euro zugemutet werden, wenn sie ein
Folgerezept abholen wollten. Auch bei anderen Medikamenten sei man im
Gespräch. Allerdings sollte das Erlassen der Gebühr dann
nicht gesetzlich regelt werden.
Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen erklärten,
sowohl die Sehschärfemessung als auch die Brillenverordnung beim
Augenarzt gehörten zur Diagnostik und blieben weiterhin eine
Kassenleistung. Beim Optiker jedoch sei die Messung
ausschließlich als Vorleistung zur Herstellung einer Brille zu
sehen und werde also auch nicht mehr bezahlt. Der Augenoptikerverband
ZVA sah darin einen eklatanten Widerspruch gegen die bisherige Praxis
und ein weiteres Beispiel für die «Konfusion» der
Gesundheitsreform.
Unklar ist unter anderem noch, wer als chronisch krank gilt und nach
dem neuen Gesetz nur maximal ein Prozent seines Bruttoverdienstes
für Medikamente und Arztbehandlungen selbst aufbringen muss. Offen
ist auch, in welchen Fällen die Fahrt zur Arztpraxis oder
bestimmte nicht verschreibungspflichtige Mittel doch von der Kasse
erstattet werden. Ebenso wird noch darüber verhandelt, ob jeder
Notfallpatient zehn Euro Gebühr zahlen muss. Am Donnerstag wollen
Kassenchefs und Ärztevertreter darüber weitere Gespräche
im Gesundheitsministerium führen.
AOK-Chef Hans-Jürgen Ahrens sagte der «Bild»-Zeitung
(MIttwochausgabe), bis zur Klärung werde es etwa bei Fahrtkosten
Behinderter «unbürokratische Zwischenlösungen»
geben. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schlug vor,
dass bei «planbaren Notfällen» wie etwa einem
notwendigen Verbandwechsel am Wochenende keine Praxisgebühr
anfallen soll. Schmidt schloss sich dem an.
Sie zeigte sich weiter zuversichtlich, dass die Krankenkassen - wie mit
der Reform angestrebt - ihre Beiträge in diesem Jahr senken. Schon
im Januar würden elf Millionen Versicherte entlastet, im
März/April kämen nochmals zwölf Millionen
Kassenmitglieder in den Genuss niedrigerer Beiträge. Die Kassen
stünden im Wettbewerb und würden daher alles daran setzen,
die Sätze zu senken.
(Quelle: ap)
Niedersächsisches Kabinett beschließt Kopftuch-Gesetz
Schulgesetzänderung soll Lehrkräften
«friedensstörende» politische oder religiöse
Äußerungen verbieten
Mi.14.01.04 - Die niedersächsische Regierung hat am Dienstag ein Gesetz
beschlossen, das Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches in der Schule
verbietet. Dem Entwurf zufolge sollen Lehrkräften
grundsätzlich «den Schulfrieden störende»
politische oder religiöse Bekundungen untersagt werden. Nach
Angaben von Kultusminister Bernd Busemann findet diese Änderung
des Schulgesetzes auch die Zustimmung der niedersächsischen
Regierungsfraktionen von CDU und FDP. Der Entwurf nimmt
«christliche und abendländische» Traditionen
ausdrücklich von dem Bekundungsverbot aus.
Die Regelung beschränke sich nicht allein auf das Tragen von
Kopftüchern, betonte Busemann. Sie untersage vielmehr den
Lehrkräften in der Schule alle Formen politischer, religiöser
oder weltanschaulicher Bekundungen, die geeignet seien, «die
Neutralität des Landes gegenüber Schülerinnen und
Schülern in Frage zu stellen oder den Schulfrieden zu
gefährden oder zu stören». Damit würden etwa auch
entsprechende verbale Äußerungen untersagt. Gesetze
hätten «abstrakt zu sein», erklärte der
Innenminister. Deswegen komme die Schulgesetzänderung «ohne
Nennung des Kopftuches aus».
Laut dem Gesetzentwurf soll zudem die Einstellung angehender Lehrer
untersagt werden, die ihrer Neutralitätspflicht nicht nachkommen.
Wer «nicht die Gewähr für die Einhaltung» des
Bekundungs-Verbotes biete, «darf weder in den öffentlichen
Schuldienst eingestellt werden noch ein Amt an einer öffentlichen
Schule erhalten», heißt es in der Vorlage. Ausnahmen von
der strikten Neutralitätspflicht will das Gesetz bei Referendaren
im Vorbereitungsdienst und bei der Erteilung von Religionsunterricht
zulassen. Ausgenommen werden von dem Verbot christliche und
jüdische Symbole. «Die Bekundung christlicher und
abendländischer Bildungs- und Kulturwerte oder Traditionen
widerspricht nicht dem Bildungsauftrag der Schule», heißt
es im Gesetzestext.
Nach Angaben von Kultusminister Busemann soll das Gesetz ohne eine
Expertenanhörung vom Landtag verabschiedet werden und
voraussichtlich noch vor Ostern in Kraft treten. Es sei «kein
Gummiparagraf, sondern eine gute Vorschrift», die auch
muslimische Schülerinnen und Schüler nicht diskriminiere.
Deutschland sei historisch ein Land des Christentums und habe eine
entsprechende Jahrhunderte alte Tradition. Auch muslimische
Schüler würden deswegen in Niedersachsen auf der Grundlage
des Christentums unterrichtet.
(Quelle: ap)
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#031218_i
70 Übergriffe der Polizei auf Ausländer dokumentiert
Mi.14.01.04 - Mindestens 70 Fälle von Polizeigewalt gegen Ausländer hat die
Aktion Courage in den vergangenen vier Jahren dokumentiert. Nach der am
Dienstag in Berlin vorgestellten Dokumentation starben dabei drei
Menschen, einer konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der
Grünen-Politiker Cem Özdemir, stellvertretender Vorsitzender
des Kuratoriums, erklärte, Ausländer würden allein wegen
ihres «auffälligen Aussehens» schneller
verdächtigt.
Fälle wie der des Nigerianers Michael Ibeh, der im August 2003 in
Braunschweig von Polizisten misshandelt worden sei, seien zwar
Ausnahmen, sagte Özdemir. Trotzdem sei die Gefahr höher, als
Ausländer Opfer von Polizeigewalt zu werden. Ibeh war der
Dokumentation zufolge nach einer Fahrzeugkontrolle mit auf die Wache
genommen, gefesselt und nackt auf dem Boden liegend eine dreiviertel
Stunde lang geschlagen und getreten worden. Die Polizei reagierte auf
seine Anzeige wegen Körperverletzung mit einer Gegenanzeige wegen
Widerstands gegen die Staatsgewalt.
«Viele trauen sich nicht, die Übergriffe anzuzeigen, weil
sie Angst haben, dass ihre Anzeige auf Körperverletzung weniger
ernst genommen wird als eine Gegenanzeige der Polizei», sagte
Otto Diederichs, Autor der Dokumentation. Die Dunkelziffer sei sehr
hoch. Die Polizei müsse konsequenter gegen Rassismus vorgehen.
«Häufig werden die Beamte, die Übergriffe ihrer
Kollegen nicht tolerieren, als 'Netzbeschmutzer' beschimpft und
für ihr Verhalten noch bestraft», erklärte Diederichs.
(Quelle: ap)
Leipziger Dokfilm-Festival soll in europäische Spitze
aufrücken
Mi.14.01.04 - Das Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm will
schon bald im Konzert mit den großen europäischen Festivals
mitspielen. «Wir wollen mit Amsterdam und Marseille auf eine
Stufe», sagte der designierte Direktor des Leipziger Festivals,
Claas Danielsen, am Montag. Der 37-Jährige tritt das Amt am 1.
April an.
Vor allem wolle er den deutschen Dokumentarfilm international mehr ins
Bewusstsein bringen, kündigte Danielsen an. Dieser werde im
Ausland bisher nicht so wahrgenommen, wie er es verdiene.
«Leipzig ist der ideale Platz dafür», meinte der
gebürtige Hamburger. Derzeit leitet Danielsen noch in München
den Discovery Campus, eine Fortbildungseinrichtung für
Dokumentarfilmer. Seine Aufgabe als Studienleiter dort werde er zu
Gunsten Leipzigs deutlich reduzieren, versprach Danielsen.
Ausbauen will er nach eigenen Angaben die Bedeutung von Leipzig als
Treffpunkt der ost- und westeuropäischen Dokumentarfilmer. Noch
wolle er für Deutschlands größtes Dokfilmfestival
«keine revolutionären Konzepte präsentieren»,
fügte er hinzu. Anliegen sei es ihm aber, Leipzig auch als
Handelsplatz für deutschsprachige Dokumentarfilme zu etablieren.
«Nach Leipzig sollen Entscheidungsträger aus
europäischen Rundfunkanstalten kommen, die auch Geld
mitbringen», meinte Danielsen. In diesem Bereich gebe es in
Deutschland ein «Vakuum, das bisher kein anderes Festival
ausfüllen konnte».
Dazu sei es jedoch notwendig, dass in der sächsischen Metropole
das Angebot der besten Dokumentarfilme des vorangegangenen Jahres zu
sehen sei. «Mit dem bisherigen Budget wird das aber nicht zu
machen sein», zwinkerte Danielsen Leipzigs Kulturbeigeordnetem
Georg Girardet zu. Er gab sich aber sicher, dass er zwecks
Kofinanzierung «auch auf Bundesebene offene Ohren
dafür» finden werde.
Dem Dokumentarfilm als solchem will Danielsen auch über das
Leipziger Festival ein neues Image im Bewusstsein des Publikums
verschaffen. «Dokumentarfilme gelten als bierernste und schwer
verdauliche Kost», klagte er. Ihm komme es darauf an, mit der
traditionsreichen Leipziger Veranstaltung den Dokumentarfilm auch als
«leichtes, lustvolles und ästhetisches Erlebnis
herauszustellen.»
Erste offizielle Amtshandlung Danielsens war die Ankündigung eines
Nachwuchs-Förderpreises. Bereits ab diesem Jahr werde der mit
10.000 Euro dotierte Preis für junge Dokumentarfilmer vergeben.
Über die Preisträger entscheide eine internationale Jury.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://www.dokfestival-leipzig.de
BBC überträgt tonlose Komposition von John Cage
live im Radio
Mi.14.01.04 - Der britische Rundfunksender BBC will am Freitag in seinem dritten
Radioprogramm eine ungewöhnliche und bislang im öffentlichen
britischen Rundfunk noch nie dargebotene Komposition des US-Komponisten
John Cage zu Gehör bringen. Das als Meisterwerk des musikalischen
Minimalismus angekündigte Stück "4'33" dauert exakt vier
Minuten und 33 Sekunden und kommt ohne jeden Ton aus. Interpretiert
wird das Stück aus dem Jahr 1953 nach Angaben des Senders live von
einem Symphonieorchester im Barbican-Konzertsaal in London. Nach
Einschätzung des Pianisten David Tudor, der sich als Interpret
experimenteller Musik einen Namen machte, handelt es sich bei dem Werk
um "eine der intensivsten Hörerfahrungen, die man machen kann".
Die BBC-Techniker müssen laut Sender allerdings dafür sorgen,
dass sich das BBC-Notsystem nicht aktiviert, dass bei plötzlichen
Programmausfällen automatisch Alarm schlägt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Halberstadt: Aufführung von Cages Orgelwerk
«As slow as possible»
Sa.01.03.03 - Gestern wurde in der St.-Buchardi-Kirche zu
Halberstadt der erste Ton der experimentellen Komposition "As
slow as possible" ("So langsam wie möglich") angeschlagen. Das
Werk des 1992 verstorbenen Ambient-Komponisten John Cage
nimmt den Titel wörtlich: Seit am 5. September 2001 Motor und
Blasebalg der Kirchenorgel eingeschaltet wurden, war Stille. Dem
ersten E-Dur-Akkord lauschten unter anderem Christina Weiss,
Staatsministerin für Kultur und Medien, der Biologe Jens Reich und
der Schriftsteller und Regisseur Alexander Kluge.
Die ehrgeizige Aufführung kommt auf Betreiben der in Halberstadt
ansässigen John-Cage-Orgelstiftung, wo auch eine Cage-Akademie
geplant ist, zustande. Sie wurde gestern von Performances und
Lesungen begleitet. (Quelle: taz)
http://www.taz.de/pt/2003/03/01/a0008.nf/text
Organ2/ASLSP
Orgelmusik für 639 Jahre: Das Cage-Projekt von Halberstadt
639 Jahre lang wird eine im September 2000 begonnene
Aufführung der Orgelkomposition "Organ2/ASLSP" von
John Cage dauern - auf einer noch zu bauenden Orgel.
639 Jahre für ein ursprünglich 20-minütiges Klavierstück.
Eine Projektgruppe "John Cage in Halberstadt" bestehend
aus Musikwissenschaftlern, Musikern und einem
Orgelbauer, hat diese Zahl festgelegt: So lange muss -
nichts anderes verbirgt sich hinter ASLSP (as slow as
possible: so langsam wie möglich) - das Stück in der
Halberstädter Variante dauern...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303010.htm#030301_o
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