Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertunddritten Tag nach Kriegsbeginn
Zehntausende Demonstranten fordern direkte Wahlen im Irak +++ Paris und
Washington auf Annäherungskurs +++ Debatte in Deutschland um
Irak-Einsatz der Bundeswehr neu entbrannt +++ Deutsche sollen irakische
Polizisten ausbilden +++ Erster Auftrag für Siemens beim
Wiederaufbau Iraks +++ 'Reporter ohne Grenzen': USA mitverantwortlich
für Tod von Journalisten im Hotel Palestine
Fr.16.01.04 - Zehntausende Iraker haben am Donnerstag im südirakischen Basra
für eine rasche direkte Wahl einer souveränen Regierung
demonstriert.
Die Demonstranten unterstützten die Forderung des im Irak
einflussreichen schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali el Sistani, der
den US-Plan für eine Machtübergabe im Irak ablehnt. Dem Plan
zufolge sollen bis Ende Juni regional nach Gruppen ausgewählte
Vertreter eine Übergangsregierung bestimmen.
US-Regierungsvertreter und die Mehrheit des von den USA eingesetzten
irakischen Regierungsrates halten eine Wahl im Irak vor 2005 unter
anderem aus organisatorischen Gründen für unmöglich. Sie
haben wiederholt versucht, Sistani von ihrem Plan einer
Machtübertragung zu überzeugen.
"Nein zu Amerika", skandierten die Demonstranten, als sie durch die
Straßen der hauptsächlich von Schiiten bewohnten Stadt
zogen. Es wurden auch Rufe laut wie "Ja, ja, Islam - kein Amerika und
kein Saddam". Die weitgehend friedliche Demonstration endete mit einer
Kundgebung an der örtlichen Moschee. Die Demonstranten schwenkten
Fahnen und hielten Fotos von Sistani in die Höhe, der selbst
jedoch nicht teilnahm. Der schiitische Geistliche Ali el Hakim el Safi
forderte die Menge in einer Rede auf, sich friedlich für ihre
Ziele einzusetzen. "Wir müssen keine Gewalt anwenden, um unsere
Rechte durchzusetzen, wenn wir auf friedlichem Weg kooperieren
können", sagte der Geistliche. "Wenn wir jedoch feststellen, dass
friedliche Mittel nicht mehr greifen, müssen wir uns andere
Methoden suchen." Unweit des Versammlungsorts der Demonstranten war
eine Bombe gefunden worden. In Basra stationierte britische Soldaten
riegelten Augenzeugen zufolge den Fundort ab.
Die Demonstration in Basra ist ein weiterer Beleg dafür, dass die
Bevölkerungsmehrheit der schiitischen Moslems die Forderung
Sistanis unterstützt und so eine Umsetzung des US-Plans zur
Machtübergabe in dem besetzten Land erschwert wird.
US-Regierungsvertreter haben zuletzt erklärt, den US-Plan
überarbeiten zu wollen, um den Prozess so offen und transparent
wie möglich zu gestalten.
Basra gilt als schiitische Hochburg im Irak. Die Schiiten wurden von
der gestürzten Regierung des sunnitischen Präsidenten Saddam
Hussein unterdrückt.
Der amtierende Präsident des von den USA eingesetzten irakischen
Verwaltungsrates, Adnan Patschatschi, wandte sich gegen die Forderung
Sistanis. Er glaube, der Großayatollah könne davon
überzeugt werden, dass es für Direktwahlen noch zu früh
sei. Die Vorschläge zur Ausrichtung einer Parlamentswahl
könnten jedoch noch verbessert werden, räumte Patschatschi in
einer Pressekonferenz in Bagdad ein. Er rief die Führer der
verschiedenen irakischen Gruppen zugleich dazu auf, sich auf die
Bildung der geplanten Übergangsregierung zu verständigen.
Andernfalls müsse damit gerechnet werden, dass die USA ihre
Besatzung für weitere zwei Jahre ausdehnten.
In den Beziehungen zwischen Paris und Washington stehen die Zeichen
nach Ansicht von Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie
auf Entspannung. "Es gibt den wirklichen Willen, die Spannungen
zwischen den USA und Frankreich beiseite zu legen", sagte Alliot-Marie
in Washington, nachdem sie erstmals seit dem Irak-Krieg mit ihrem
US-Kollegen Donald Rumsfeld zusammengekommen war. Die Pariser
Tageszeitung "Le Monde" berichtete über Überlegungen zur
Entsendung französischer Soldaten nach Irak unter UN-Mandat.
Die Situation habe sich entkrampft, und es bestehe offenbar der Wunsch,
wieder normale Beziehungen aufzunehmen, sagte Alliot-Marie. Nach ihrem
gut einstündigen Gespräch mit Rumsfeld traf die
französische Verteidigungsministerin auch mit Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice zusammen. Sie habe bei ihren Gesprächspartnern
eine große Bereitschaft zum Zuhören angetroffen, und es habe
einen wirklichen Austausch etwa über die Pläne für die
künftige europäische Verteidigung gegeben, sagte die
Ministerin.
Frankreich führte die Gruppe der Gegner des Irakkrieges mit
Deutschland und Russland an. Rumsfeld hatte im Streit um den Krieg
Frankreich und Deutschland abschätzig als "altes Europa"
bezeichnet.
Mit Rice habe sie über den Wiederaufbau in Irak gesprochen, sagte
Alliot-Marie. Frankreich sei nach wie vor bereit, sich daran zu
beteiligen, "sobald die Iraker ihre Souveränität wieder
erlangt haben". Entgegen der Darstellung in dem Bericht der "Monde"
sagte die Ministerin, es sei nicht davon die Rede, dass Frankreich
Soldaten nach Irak schicke. Sobald die Iraker wieder souverän
seien, könnte sich Frankreich zusammen mit Deutschland an der
Ausbildung von Soldaten und Polizisten beteiligen.
Nach Informationen der "Monde" erwägt der französische
Staatschef Jacques Chirac für die Zeit nach dem Ende der
US-Besatzung eine Entsendung französischer Soldaten, die unter
UN-Mandat in Irak stationiert wären. Ein Berater Chiracs sagte der
Zeitung, wenn der UN-Sicherheitsrat die NATO zur Entsendung einer
multinationalen Stabilisierungstruppe ähnlich der in Bosnien
auffordere, dann werde Frankreich sich nicht widersetzen. Es sei
denkbar, dass zwei ausländische Militärkontingente in Irak
nebeneinander bestünden: US-geführte Koalitionstruppen, die
nach der Übergabe der Souveränität an die Iraker im Land
verbleiben, sowie eine neue multinationale Truppe unter UN-Mandat.
Ein Militär-Einsatz der Bundeswehr im Irak kommt nach den Worten
von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) auch bei einem Engagement der
NATO nicht in Frage. Einen humanitären Einsatz der Bundeswehr
schloss er dagegen erneut nicht aus. "Wir werden es dann entscheiden,
wenn es ansteht. Jedenfalls gilt, dass wir uns im Irak militärisch
nicht engagieren", sagte Schröder am Donnerstag der
ARD-"Tagesschau".
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) kündigte für den
Fall entsprechender Bitten den Einsatz von Hubschraubern und Flugzeugen
für Hilfsleistungen an. Im Bundestag war zuvor eine Debatte
über die Entsendung deutscher Soldaten in den Irak entbrannt.
Schröder sagte am Abend in der ARD-"Tagesschau", eine
abschließende Antwort könne erst gegeben werden, «wenn
es - und das ist die Voraussetzung - eine irakische, vielleicht
provisorische (...) Regierung gibt». Sollte diese Autorität
um Hilfe bitten, «dann werden wir uns nicht verweigern
können, soweit es um den Transport von Verletzten, etwa Opfern von
Terrorangriffen geht». Schröder hatte bereits am Mittwoch
den Einsatz des Lazarett-Flugzeugs "Medevac" für den Irak in
Aussicht gestellt.
Verteidigungsminister Struck erklärte, "wir haben Flugzeuge,
Hubschrauber, die für medizinische Evakuierungen bestens
ausgestattet sind. Und wenn uns dann jemand bitten würde,
verwundete Iraker oder verwundete Soldaten auszufliegen aus Bagdad nach
Deutschland, würden wir das natürlich tun."
Nach Ansicht des früheren Verteidigungsministers Volker Rühe
(CDU) kann sich die Bundesregierung bei einem NATO-Beschluss über
einen Irak-Einsatz der Entsendung auch von Bundeswehr-Offizieren nicht
verweigern. Wenn ein NATO-Hauptquartier im Irak eingerichtet werden
sollte, "dann sind da deutsche Offiziere dabei", sagte der Vorsitzende
des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag der ARD. Über einen
solchen Einsatz könnte nach Worten Rühes auch Konsens mit der
Union gefunden werden.
Eine Entscheidung über einen NATO-Einsatz wäre
frühestens im Sommer zu erwarten: Die US-Besatzungsmacht will
Anfang Juli die Souveränität auf eine provisorische irakische
Regierung übertragen. Kurz zuvor ist Ende Juni der NATO-Gipfel in
Istanbul angesetzt.
Nach Einschätzung von UN-Diplomaten ist für einen
humanitären Hilfseinsatz keineswegs die Bitte einer legitimierten
irakischen Regierung, gestützt auf ein UN-Mandat, erforderlich.
Sie verweisen auf die Resolution 1511 des UN-Sicherheitsrates, die im
Oktober 2003 mit der Stimme Deutschlands angenommen worden war. Darin
werden alle Staaten unter anderem zur humanitären Hilfe für
den Irak aufgerufen.
Der Grünen-Linke Christian Ströbele kritisierte in der "Welt"
(Freitag), mit den vom Kanzler ausgelösten Spekulationen werde der
Eindruck erweckt, Rot-Grün verlasse den bisherigen Kurs. "Unsere
klare Anti-Kriegshaltung darf nicht nachträglich kritisiert
werden", sagte Ströbele. Sein Partei-Kollege Winfried Hermann
sagte dem Blatt, ein Einsatz des Bundeswehr-Lazaretts "Medevac" im Irak
sei "höchst unwahrscheinlich".
In seiner Ankündigung, sich einer entsprechenden Anfrage im Rahmen
eines UN-Mandats nicht zu verweigern, hat Schröder laut Hermann
einen Einsatz der Lazarett-Flieger an Bedingungen geknüpft, die
"politisch hohe Hürden" für eine tatsächliche Entsendung
markierten. So sei eine "legitimierte Regierung" in Bagdad weit und
breit nicht in Sicht, ein UN-Mandat nicht absehbar und der Wille der
NATO, sich im Irak zu engagieren, nicht vorhanden.
Union und FDP unterstützten das "Medevac"-Angebot des Kanzlers.
Nach Ansicht des verteidigungspolitischen Sprechers der CDU/CSU-
Bundestagsfraktion, Christian Schmidt, muss über einen "Medevac"-
Einsatz im Bundestag entschieden werden. Die FDP forderte zudem einen
klaren rechtlichen Rahmen durch Beschlüsse von UN und NATO.
Unterdessen konkretisieren sich die Pläne der Bundesregierung
für die Ausbildung irakischer Polizisten. Bundesinnenminister Otto
Schily will in den nächsten Tagen in die Vereinigten Arabischen
Emirate reisen, um Einzelheiten zu klären, wie eine
Ministeriumssprecherin am Donnerstag erklärte.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte im Oktober bei seinem Besuch
in der Hauptstadt Abu Dhabi ein Abkommen über die Kooperation bei
der Ausbildung irakischer Polizisten unterzeichnet. Den USA hatte er
die Beteiligung an der Ausbildung bereits vor mehreren Monaten zugesagt
und Schily mit der Umsetzung des Projekts beauftragt.
Der Siemens-Konzern hat beim Wiederaufbau der Infrastruktur in Irak
einen ersten Auftrag erhalten. Das Unternehmen werde im Norden des
Landes ein GSM-Mobilfunknetz aufbauen, sagte ein Sprecher am Donnerstag
in München.
Wie Siemens-Sprecher Peter Gottal mitteilte, wurde der Vertrag mit dem
Netzbetreiber, Wataniya Telecom in Kuwait, bereits vor Weihnachten
unterschrieben. Außerdem sei Siemens mit dem
US-Generalunternehmer Bechtel "bei zwei Kraftwerken als Zulieferer im
Gespräch", sagte Gottal. Ferner bewerbe sich Siemens um einen
Auftrag beim Bau eines konventionellen Kraftwerks in der nordirakischen
Stadt Kirkuk. Über Umfang und Wert der beiden Aufträge wollte
der Sprecher nichts sagen.
In der mittelirakischen Stadt Tikrit wurden am Donnerstag mindestens
drei Menschen getötet, als ein Bus über eine am
Straßenrand platzierte Panzerabwehrmine fuhr. Wie die
US-Streitkräfte weiter mitteilten, töteten Soldaten bereits
am Mittwoch im so genannten sunnitischen Dreieck in Mittelirak in der
Umgebung von Bakuba bei mehreren Zwischenfälle sieben
Aufständische. Ein US-Soldat sei verletzt worden.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen machte amerikanische
Behörden für den Tod zweier Journalisten mitverantwortlich,
die Anfang April beim Beschuss des Palestine-Hotels in Bagdad ums Leben
kamen. Dass in dem Hotel zahlreiche Reporter untergebracht waren, sei
weder den US-Streitkräften mitgeteilt worden noch in
entsprechenden Karten vermerkt gewesen, kritisierte Reporter ohne
Grenzen. «Die Frage ist, ob diese Information absichtlich
zurückgehalten wurde, auf Grund eines Missverständnisses,
oder aus krimineller Fahrlässigkeit», hieß es in einer
Erklärung.
Mit dem Ablauf einer dreimonatigen Umtauschfrist gibt es seit
Donnerstag in Irak keine Geldscheine mit dem Porträt des
gestürzten Diktators Saddam Hussein mehr. Wie die irakische
Zentralbank und die Zivilverwaltung mitteilten, sollen nun mehr als
10.000 Tonnen wertlos gewordene Scheine zerstört werden.
(Quellen: rtr, dpa, afp, ap)
US-Starreporter der Kriegslügen überführt
Jack Kelley, bewunderter Kriegsberichterstatter der
auflagenstärksten US-amerikanischen Zeitung USA-Today, hat Pech
gehabt. Weil viele seiner aufregendsten »Tatsachenberichte«
aus den Krisengebieten – von Bosnien und Kosovo über Afghanistan
bis zum Irak –, die er mit viel Gespür für das in Washington
politisch Gewünschte verfaßt hatte, frei erfunden waren,
wurde er jetzt gefeuert...
Mehr bei "junge Welt" (16.01.04) unter:
http://www.jungewelt.de/2004/01-16/009.php
Die Ohnmacht der Sieger
Je größer die Überlegenheit der USA und des Westens in
der konventionellen Kriegsführung wird, umso mehr verlagert sich
die Auseinandersetzung weg vom klassischen Schlachtfeld und hin zur
unsichtbaren Front des Terrorismus. Mit jeder militärischen
Entscheidung eines Konflikts nimmt die Gefahr weltweiter Attentate zu.
Ob die USA ihren Grenzschutz ins Ausland verlagern, Passagierflüge
ausfallen müssen oder die Falken des Pentagon mit dem Einsatz von
"Mini-Nukes" spekulieren: In der Sicherheitspolitik stehen alle Zeichen
auf Eskalation. (Le Monde diplomatique)
"Le Monde diplomatique" (Nr. 7259 vom 16.1.2004, Seite 8-9)
berichtet über die neuen US-Strategien für
asymmetrische Kriege:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0038.nf/text
|
Dämpfer für Clarks demokratische
US-Präsidentschaftsbewerbung
Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ist
Ex-General Wesley Clark durch Dokumente zu seiner Haltung im
Irak-Konflikt in Erklärungsnot geraten
Fr.16.01.04 - Clark hat im Wahlkampf stets betont, er sei gegen den Krieg im Irak
gewesen. Die regierenden Republikaner veröffentlichten nunmehr
indes Auszüge von Aussagen Clarks vor Ausschüssen des
Kongresses, in denen er der Anwendung von Gewalt gegen die Herrschaft
Saddam Husseins offenbar das Wort redete. In New Hampshire, wo am 27.
Januar Vorwahlen der Demokraten anstehen, warf Clark am Donnerstag den
regierenden Republikanern vor, die Aussagen aus dem Zusammenhang
gerissen zu haben, um seiner Kandidatur zu schaden.
"Dieses Material ist von dem Nationalkomitee der Republikaner
ausgegraben worden. Sie hätten die gesamte Aussage lesen sollen,
denn sie widerlegt die Position (Präsident George W.) Bushs
total", sagte Clark auf einer Pressekonferenz in Manchester. Aus den
auf der Website des Komitees veröffentlichten Dokumenten geht
hervor, dass der frühere Nato-Kommandeur vor dem
Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses im September
2002 Saddam als Bedrohung bezeichnete. Er besitze bereits chemische und
biologische Waffen und strebe nach der Atombombe.
"Man muss sich der Sache annehmen, denn die Uhr tickt", sagte Clark
demnach sechs Monate vor der US-geführten Invasion im Irak, die
ohne ausdrückliches Mandat der Vereinten Nationen (UNO) erfolgte.
Clark verwies bei seiner Aussage zudem auf den von ihm geführten
NATO-Militäreinsatz im Kosovo-Krieg als Beispiel dafür, dass
ein US-Präsident auch ohne Zustimmung der UNO militärische
Maßnahmen einleiten könne.
Clark warf den Republikanern vor, hinter den Veröffentlichungen
stecke reines Wahlkalkül: "Offenbar haben sie schließlich
kapiert, dass ich die größte Bedrohung für George Bush
bin." Clark hatte zuletzt in Umfragen auf den aussichtsreichsten
demokratischen Konkurrenten Howard Dean aufgeschlossen. Clark lag in
einigen Befragungen nur noch fünf Prozentpunkte hinter dem
Favoriten. Bei den ersten offiziellen Vorwahlen der Demokraten in Iowa
am Montag tritt Clark indes nicht an.
(Quelle: rtr)
Bush bei Besuch am Grab Martin Luther Kings ausgebuht
Fr.16.01.04 - US-Präsident George W. Bush ist bei einem Besuch am Grab des
ermordeten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King von
Hunderten Demonstranten ausgebuht worden.
Als Bush am Donnerstag einen Kranz am Grab Kings in Atlanta ablegte,
riefen ihm Protestierende von der Straße aus zu: "Bush geh' nach
Hause" und "Friede, nicht Krieg." Bush verbeugte sich einige
Augenblicke lang vor dem Grab und verließ die Gedenkstätte
wortlos, als die Buhrufe sich verstärkten. Ein Sprecher Bushs
verteidigte den Besuch des Präsidenten am Grab Kings, der am
Donnerstag 75 Jahre alt geworden wäre. Bush habe einen Mann
geehrt, der die Welt positiv verändert habe.
Bereits zuvor hatte Bush bei einem Besuch einer vornehmlich von
Schwarzen besuchten Kirchengemeinde in New Orleans auf Kings Leistungen
für die US-Gesellschaft verwiesen. Bush versucht derzeit auch mit
Blick auf die Wahlen im November, seine Akzeptanz unter der schwarzen
Bevölkerung zu verbessern. Bei seiner Wahl im Jahr 2000 hatten dem
Republikaner weniger als zehn Prozent der afro-amerikanischen
Wähler ihre Stimme gegeben.
(Quelle: rtr)
Mehr unter:
http://wireservice.wired.com/wired/story.asp?
section=Breaking&storyId=814416&tw=wn_wire_story
Martin Luther King wäre am Donnerstag (15.01.04) 75 Jahre alt geworden...
Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King in einem Motel in Memphis erschossen.
Über 30 Jahre später, im Dezember 1999, kam ein Gericht zu
dem Schluss, daß eindeutige Beweise für ein Komplott gegeben
seien, an dem Mitglieder der Mafia und der US-Regierung beteiligt waren...
Mehr unter:
http://www.industrial-technology-and-witchcraft.de/
index.php?id=P3155
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El-Kaida-Ausbildungslager in Saudi-Arabien entdeckt
Fr.16.01.04 - Saudi-Arabien hat nach Angaben aus Regierungskreisen Ausbildungslager
des Terrornetzwerks El Kaida auf seinem Staatsgebiet entdeckt. Die
Lager in der Wüste seien genutzt worden, um Militante an der Waffe
und in Selbstverteidigung auszubilden und sie auf Terroraktionen
vorzubereiten, sagte ein Mitarbeiter des Innenministeriums am
Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Über die Zahl der
Trainingslager machte er keine Angaben.
Die Regierung in Riad hatte bereits vor Monaten erklärt, dass es
El-Kaida-Lager in dem Königreich geben könnte. Bislang hatte
sie aber keine näheren Hinweise darauf vorgelegt. Leiter der
Trainingslager waren dem Gewährsmann aus dem Innenministerium
zufolge unter anderem zwei mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder, die
bei Razzien gegen Terrorverdächtige im vergangenen Jahr
getötet wurden. Ihre Gruppe soll Befehle direkt von Osama bin
Laden entgegen genommen haben und wird mit den Bombenanschlägen
von Riad in Verbindung gebracht, bei denen im Mai mehr als zwei Dutzend
Menschen ums Leben kamen. Nach weiteren Lagerleitern werde noch gesucht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
In Saudi-Arabien hat der radikale Islam seinen Ursprung, hier
erfährt er seine wichtigste Unterstützung und Inspiration.
Dennoch drückt sich die US-Regierung konsequent davor, die wahre
Rolle Riads als Nährboden für Terrorismus anzuerkennen, ja,
man versucht sogar, diese zu verschleiern...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401050.htm#040105_a
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IKRK-Präsident zu Gesprächen über Guantanamo in
Washington
Fr.16.01.04 - Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Jakob
Kellenberger, ist am Donnerstag zu Gesprächen über die Lage
im US-Gefangenenlager Guantanamo in Washington eingetroffen.
Kellenberger werde die Situation der Gefangenen in dem
US-Stützpunkt auf Kuba bei Treffen mit Außenminister Colin
Powell, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und
Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz ansprechen, teilte das IKRK in
Genf mit.
Bei einem Besuch in Washington im vergangenen Jahr hatte Kellenberger
die Behandlung der Gefangenen in Guantanamo offen kritisiert und
rechtmäßige Gerichtsverfahren für die rund 650
Inhaftierten gefordert. Die USA betrachten die Häftlinge, die
während des Afghanistankriegs oder danach unter Terrorverdacht
festgenommen wurden, als feindliche Kämpfer und lehnen für
die meisten eine Anerkennung als Kriegsgefangene ab. Die Inhaftierung
ohne Gerichtsverfahren ist international umstritten.
Weitere Themen bei Kellenbergers Gesprächen in Washington sollen
nach IKRK-Angaben die Tätigkeit des Roten Kreuzes und die Lage der
Bevölkerung in Irak sowie in Israel, den palästinensischen
Autonomiegebieten und in Afghanistan sein.
(Quelle: ap)
Rechtlos in Guantanamo Bay
Vor zwei Jahren kamen die ersten Gefangenen nach Guantánamo Bay.
Heute sitzen etwa 660 Menschen im Delta Camp - in einem "juristischen
Schwarzen Loch", wie es der britische Lordrichter Johan Steyn nennt.
Doch jeder der Männer aus 44 Ländern hat seine eigene
Geschichte. Das US-Militär, das von Präsident Bush zu ihrem
Richter ernannt wurde, unterteilt sie in drei Kategorien. Die einen
werden still und leise entlassen, weil ihnen nicht einmal zum Schein
ein Verfahren anzuhängen ist. Die Mitglieder der zweiten Gruppe,
darunter sieben britische Bürger, dürfen in ihr Herkunftsland
zurück, wenn deren Regierung bereit ist, sie ständig zu
überwachen. Einer dritten Gruppe wird der Prozess gemacht, der im
rechtsstaatlichen Sinne keiner ist. Über die Urteile dieser
"Militärkommission" befindet am Ende ohnehin der
US-Verteidigungsminister....
Mehr in "Le Monde diplomatique" (Nr. 7259 vom 16.1.2004, Seite 1,16-17):
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0006.nf/text
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Nahost-Konflikt
London will neuen Aktionsplan für Nahost erarbeiten +++
Initiatoren der Genfer Friedensinitiative begrüßen
Unterstützung in Deutschland +++ Durch Abriegelung der
Grenze zum Gazastreifen tausende palästinensische Arbeiter
betroffen. Arbeitslosigkeit im Gazastreifen bei über 50 Prozent
Fr.16.01.04 - Großbritannien will offenbar mit einem neuen Plan den
stagnierenden Nahost-Friedensprozess wieder in Gang bringen. Wie der
ägyptische Außenminister Ahmed Maher am Donnerstag vor
Journalisten in Kairo mitteilte, informierte ihn der britische
Botschafter in Ägypten, Derek Plumbly, über ein
entsprechendes Vorhaben. Demnach knüpfte Großbritannien
bereits Kontakte mit anderen europäischen Staaten, den USA und den
Vereinten Nationen, um einen Aktionsplan auszuarbeiten, der den
Stillstand beenden soll. Der Plan sei noch in der Diskussion, aber es
habe den Anschein, als basiere er auf der Roadmap der USA, Russlands,
der EU und der UNO, sagte Maher. Dieser Nahost-Fahrplan sieht die
Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaates in drei
Schritten bis 2005 vor.
Der britische Premierminister Tony Blair vertrat unterdessen die
Ansicht, dass eine Wiederbelebung des Friedensprozesses ohne einen
glaubwürdigen Sicherheitsplan der palästinensischen
Autonomiebehörde unmöglich sei. Mit der Vorlage eines solchen
Plans sollten die Palästinenser für alle Menschen glaubhaft
machen, dass alles unternommen werde, den Terror gegen Israel zu
beenden, sagte Blair während seiner wöchentlichen
Pressekonferenz.
Die Initiatoren der Genfer Friedensinitiative für den Nahen Osten
haben derweil die "sehr klare Unterstützung" durch führende
deutsche Politiker begrüßt. Der Dank gehe vor allem an
Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) und Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne), sagte
der ehemalige palästinensische Informationsminister Jassir Abed
Rabbo, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. "Mit dieser
Unterstützung, auch mit der auf europäischer Ebene, werden
wir in der Lage sein voranzuschreiten", sagte Rabbo. Die Zukunft des
Nahen Ostens hänge davon ab, wie sehr sich die internationalen
Kräfte einer Friedenslösung zuwendeten.
Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag hat Israel am Donnerstag die
Grenze zum Gazastreifen für einen Tag geschlossen. Bei dem
Anschlag am Mittwoch hatte eine 22-jährige Palästinenserin am
Grenzübergang Eres vier Israelis mit in den Tod gerissen. Es war
der erste Selbstmordanschlag im Nahen Osten seit fast drei Wochen. Zu
der Tat bekannten sich in einer gemeinsamen Erklärung die Hamas
und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden.
Betroffen von der Grenzschliessung waren tausende palästinensische
Arbeiter, die nicht an ihre Arbeitsplätze in Israel konnten.
Geschlossen war auch das Industriegebiet Eres, wo 6.000
Palästinenser arbeiten. Derzeit haben rund 15.000
Palästinenser eine Arbeitserlaubnis für Israel, zudem
dürfen rund 4.000 Händler einreisen. Vor Beginn der
jüngsten Welle der Gewalt im Jahr 2000 arbeiteten rund 100.000
Palästinenser aus dem Gazastreifen in Israel. Sie waren die
Hauptquelle der Einkünfte im Gazastreifen. Derzeit liegt die
Arbeitslosigkeit in dem Gebiet bei über 50 Prozent.
An der Beisetzung der Attentäterin in der Stadt Gaza nahmen am
Donnerstag tausende Menschen teil. Der mit dem grünen Hamas-Banner
umhüllte Sarg wurde von maskierten Aktivisten der Hamas und der
Al-Aksa-Brigaden getragen. Es war das erste Mal, dass Mitglieder der
beiden rivalisierenden Gruppen gemeinsam marschierten.
Israel hatte den Leichnam der Attentäterin, die Mutter zweier
Kinder im Alter von 18 Monaten und drei Jahren war, entgegen den
sonstigen Gepflogenheiten den Palästinensern übergeben.
Gründe wurden nicht genannt. Israel beerdigt
Selbstmordattentäter normalerweise in nicht gekennzeichneten
Gräbern, um Kundgebungen der militanten Organisationen bei der
Beisetzung zu verhindern.
(Quellen: afp, ap)
Iranische Abgeordnete setzen Sitzstreik fort
Fr.16.01.04 - Trotz Vermittlungsbemühungen seitens des geistlichen Oberhaupts in
Iran, Ayatollah Ali Chamenei, haben Abgeordnete ihren Sitzstreik im
Parlament von Teheran am Donnerstag den fünften Tag in Folge
fortgesetzt. Chamenei hatte den von ihm ernannten konservativen
Wächterrat am Tag zuvor aufgefordert, dessen Entscheidung
über die Disqualifizierung von rund 3.000 Kandidaten für die
Parlamentswahl im Februar noch einmal zu überprüfen. Der
Protest werde erst beendet, wenn alle Bewerber zugelassen würden,
hieß es in einer Erklärung.
Chamenei forderte laut Medienberichten, derzeitige Abgeordnete
müssten als Bewerber zugelassen werden, wenn ihrer Kandidatur
nichts Grundsätzliches entgegen stehe. Für eine Zulassung
neuer Bewerber müsse eine nachvollziehbare Qualifikation
ausreichen.
Die Disqualifikationsentscheidung des Wächterrates hatte neben
Kritik der USA und der EU auch Rücktrittsdrohungen der Regierung
von Präsident Mohammed Chatami hervorgerufen. Für die
Parlamentswahl am 20. Februar haben rund 8.200 Bewerber ihre
Registrierung beantragt.
(Quelle: ap)
Rund sieben Millionen Äthiopier brauchen Nahrungsmittelhilfe
Fr.16.01.04 - Trotz einer guten Getreideernte im vergangenen Jahr braucht
Äthiopien weiter Nahrungsmittelhilfe. Wie das
Welternährungsprogramm (WFP) und die UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) am Mittwoch in Rom mitteilten, sinkt
die Zahl der Hilfsbedürftigen aber im Vergleich zum Vorjahr von
13,2 Millionen auf 7,2 Millionen. Von den für 2004 benötigten
980.000 Tonnen Lebensmittelhilfe seien bislang nur 160.000 Tonnen durch
Geberländer finanziert.
FAO und WFP schätzen die Getreideernte des vergangenen Jahres auf
Grund günstiger Regenfälle auf rund 13 Millionen Tonnen ein.
Um den Bedarf zu decken, müssten in diesem Jahr 210.000 Tonnen
Getreide importiert werden. Nur 50.000 Tonnen werden den
UN-Organisationen zufolge jedoch durch internationalen Handel
abgedeckt, der Rest müsse von Hilfsorganisationen geliefert
werden.
(Quelle: epd)
Menschenrechtler: Regierung im Sudan missbraucht Hunger als Waffe
Fr.16.01.04 - Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat der sudanesischen
Regierung vorgeworfen, Hunger als Waffe im Krieg gegen Rebellen im
Westen des Landes einzusetzen. In der Region Darfur drohe eine
humanitäre Katastrophe, weil die Behörden internationalen
Hilfsorganisationen den Zugang zur Not leidenden Bevölkerung
verweigerten, warnte der Afrika-Referent der Organisation, Ulrich
Delius, am Mittwoch in Göttingen. Rund eine Million Menschen
benötigten Hilfe, nur 15 Prozent von ihnen würden derzeit
versorgt.
Rund 95.000 Menschen sind den Angaben zufolge vor den Kämpfen der
Armee mit den Rebellen der "Sudanesischen Befreiungsarmee" (SLA) und
der "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" in das Nachbarland
Tschad geflohen. Viele ländliche Gebiete in Darfur seien
inzwischen entvölkert. In der Region gebe es einen Konflikt
zwischen afrikanischen Bauern vom Volk der Fur und arabischen Nomanden.
Die zugewanderten Nomaden vertrieben die Fur-Bauern mit
Unterstützung der islamischen Regierung von ihrem Land, so die
Gesellschaft. Alleine im Oktober 2003 hätten arabische Milizen 150
Dörfer überfallen und 250.000 Menschen zur Flucht gezwungen.
(Quelle: epd)
Der Schwarze Kontinent bekommt die Destabilisierung durch die
wirtschaftliche Globalisierung mit besonderer Schärfe zu
spüren....
Nach ihrer nationalen Unabhängigkeit konnten die ohnehin schwachen
jungen Staaten keine staatliche Souveränität im eigentlichen
Sinne ausüben. Die mächtigen internationalen Konzerne und die
von IWF und Weltbank verordneten Strukturanpassungsprogramme haben
dafür gesorgt, dass der Spielraum der Staatsmacht in vielen
afrikanischen Ländern gegen null geht....
Mehr in "Le Monde diplomatique" (Nr. 7259 vom 16.1.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0067.nf/text
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Globalisierungskritiker versammeln sich zum Weltsozialforum in Bombay
Fr.16.01.04 - Mehrere zehntausend Globalisierungsgegner und Friedensaktivisten haben
sich am heutigen Freitag im indischen Bombay zum vierten
Weltsozialforum versammelt. Zu dem sechstägigen Treffen werden
mehr als 100.000 Teilnehmer aus über 130 Staaten erwartet. Auf dem
Programm stehen gut 1.000 Veranstaltungen zu Themen wie Krieg und
Frieden, religiöser Fanatismus, unfairer Welthandel, Armut sowie
den Rechten von Frauen, Kindern und Tieren.
Das Weltsozialforum wurde in den Jahren 2000 bis 2002 drei Mal im
brasilianischen Porto Allegre abgehalten und versteht sich als
Gegenveranstaltung zum jährlichen Weltwirtschaftsgipfel im
schweizerischen Davos. In diesem Jahr ist erstmals Indien Tagungsort,
um mehr Menschen aus Afrika und Asien die Teilnahme zu ermöglichen.
Das Forum in Bombay steht unter dem Motto «Eine andere Welt ist
möglich» und will Umwelt-, Sozial- und Friedensgruppen die
Möglichkeit zur Zusammenarbeit und Vernetzung eröffnen.
(Quelle: ap)
Stichwort: Weltsozialforum
Das Weltsozialforum der Globalisierungskritiker entstand in Brasilien
als Gegengipfel zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Kommen in dem
Schweizer Kurort jährlich ein paar Staatsmänner und
Topmanager zusammen, um die Lage der Welt zu erörtern, setzten die
Initiatoren in Südamerika auf die Basis: Im ersten Jahr kamen
15.000 Aktivisten ins brasilianische Porto Alegre, beim dritten Mal im
Januar 2003 waren es schon 100.000 Menschen.
Zum vierten Weltsozialforum vom 16. bis 21. Januar in Bombay werden bis
zu 75.000 Teilnehmer erwartet. Die meisten werden Inder sein. Unter dem
Motto "Eine andere Welt ist möglich" versammeln sich Mitglieder
von Umwelt-, Menschenrechts- und Bauernbewegungen, von Frauen- und
Anti-Rassismus-Initiativen. Von einem Tagungsort in Indien versprechen
sich die Organisatoren mehr Beteiligung aus Asien und Afrika. Die
beiden Kontinente waren bislang unterrepräsentiert.
Wichtige Themen waren im vergangenen Jahr der bevorstehende Irak-Krieg
und die geplante Gesamtamerikanische Freihandelszone. Für Bombay
zeichnen sich neben Globalisierung, Imperialismus, Militarismus und
Patriarchat die großen Blöcke Kastenwesen, religiöser
Fanatismus und ethnische Konflikte ab.
Das Weltsozialforum versteht sich als Bewegung, feste Strukturen werden
auf ein Minimum begrenzt. Ein Internationaler Rat mit mehr als 100
Mitgliedern trifft die wichtigsten Entscheidungen. Die Prinzipien der
Toleranz, Gewaltfreiheit, Demokratie, Menschenrechte und Pluralismus
sind in einer Charta festgelegt. (Quelle: epd)
Mehr unter:
http://www.wsfindia.org
http://www.forumsocialmundial.org
Weltsozialforum? Ja, aber
Die wichtigste Veranstaltung der GlobalisierungskritikerInnen droht zum
Megaevent ohne Folgen zu werden. Nötig sind nicht Promi-Auftritte,
sondern Kontroversen ...
schreibt Christa Wichterich in der "tageszeitung" vom 15.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/15/a0242.nf/text
Christa Wichterich ist Soziologin, Publizistin, Beraterin in der
Entwicklungszusammenarbeit und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat
von Attac. 2003 erschien ihr Buch "Femme global - Globalisierung ist
nicht geschlechtsneutral" (VSA-Verlag)
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EU-Kommissionspräsident Prodi: Türkei hat sich der
Europäischen Union angenähert
Fr.16.01.04 - Die Türkei hat EU- Kommissionspräsident Romano Prodi zufolge
Fortschritte bei ihren Bemühungen um eine Mitgliedschaft in der
Europäischen Union gemacht.
"Meine Hauptbotschaft an die Türkei ist, sie solle auf dem Pfad
der Reformen bleiben", sagte Prodi am Donnerstag auf einer
Pressekonferenz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip
Erdogan in Ankara. "Es sind beeindruckende Fortschritte erzielt worden,
und das Land hat sich jetzt der Union angenähert." Er wiederholte,
dass eine Lösung der Zypern-Frage sich nach wie vor positiv auf
die Beitrittsbemühungen auswirken würde. "Aber das ist
eindeutig keine Vorbedingung", sagte Prodi.
Prodi besucht als erster EU-Kommissionspräsident seit Jahrzehnten
die Türkei. Das Land hat zahlreiche Reformen eingeleitet - unter
anderem wurde die Todesstrafe abgeschafft - um für eine
Mitgliedschaft in der EU in Frage zu kommen. Ein Hauptkritikpunkt ist
die Menschenrechtssituation in der Türkei.
Zypern ist seit 1974 in den international anerkannten, griechischen
Südteil und den türkischen Nordteil geteilt. Zypern tritt der
EU am 1. Mai bei; dies gilt zunächst aber nur für den
griechischen Teil. Die Türkei will 2005 Beitrittsgespräche
aufnehmen.
(Quelle: rtr)
EU-Kommissare dringen auf flexibleren Stabilitätspakt
Fr.16.01.04 - EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat sich für einen flexibleren
europäischen Stabilitätspakt eingesetzt.
Die starre Defizit-Obergrenze von drei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts müsse in beide Richtungen etwas
abgeändert werden, sagte Fischler dem "Handelsblatt" vom Freitag.
In Zeiten des Abschwungs müssten die nationalen Regierungen die
Drei-Prozent-Hürde überschreiten dürfen. "Dafür
müssen sie aber in Zeiten des Aufschwungs strikter vorgehen und
unter Umständen Budgetüberschüsse einfordern", sagte
Fischler. Außerdem sollten nicht mehr alle Euro-Länder in
jeder Situation gleich behandelt werden.
Deutschland und Frankreich hatten 2003 zum zweiten Mal in Folge die
Drei-Prozent-Hürde gerissen. Die EU-Finanzminister hatten die von
der EU-Kommission geforderten Sanktionen gegen beide Länder
abgelehnt. Daraufhin hat die Kommission den Rat der Finanzminister vor
dem Europäischen Gerichtshof verklagt.
EU-Regionalkommissar Michel Barnier vertritt nach Informationen des
"Handelsblatts" eine ähnliche Position. Unter Berufung auf
Kommissionskreise meldete die Zeitung, auch Barnier sei dafür, die
Regierungen zu verpflichten, in wirtschaftlich guten Zeiten
Steuereinnahmen beiseite zu legen. Diese Gelder sollten dann in
Rezessionszeiten zur Eindämmung drohender Defizite verwendet
werden.
(Quelle: rtr)
Das stufenweise Defizitverfahren ist im Maastricht-Vertrag von 1993
geregelt und wurde im Stabilitäts- und Wachstumsvertrag von 1997
auf deutschen Wunsch mit strengen Fristen versehen.
In welchen Schritten das Verfahren abläuft ist nachzulesen in der
"tageszeitung" vom 15.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/15/a0226.nf/text
Die Absender der explosiven Briefe an EU-Politiker und -Institutionen
sind weiterhin unbekannt...
Verschiedene EU-Einrichtungen bekommen weiterhin Briefe mit explosiven
Inhalt. Vor wenigen Tagen soll abermals ein Brief abgefangenen. Um
Weihnachten begann die Serie von Anschlägen, die in Medien schnell
verkürzt als Briefbombenserie gegen EU-Einrichtungen bezeichnet
wurden.
Zunächst explodierten in unmittelbarer Nähe des Wohnsitzes
von Romano Prodi, des Präsidenten der Europäischen Kommission
zwei Heimwerkersprengsätze. In den nächsten Tagen bekamen
neben Prodi zahlreiche EU-Einrichtungen diese ominösen Briefe.
Anders als die Etikettierung nahe legt, waren darin allerdings keine
Bomben. "Diese Umschläge enthalten keinen Sprengstoff, sondern
eine brennbare Substanz, die beim Öffnen in eine Stichflamme
aufgeht", präzisierte der Kriminologe Christian Pfeiffer.
Doch die Etikettierung erfüllte ihren Zweck. Denn schnell hatte
die italienische Regierung Anarchisten als Urheber ausgemacht und das
globalisierungskritische Spektrum bis hin zu Attac gleich mit in die
Verantwortung genommen. Schon in den vergangenen Jahren waren in
Italien NoGlobals genannten Globalisierungskritiker von der
Berlusconi-Regierung und den ihr nahestehenden Medien immer wieder in
die Nähe des Terrorismus gerückt worden
Erst vor wenigen Tagen wurden in Rom 12 bekannte
Globalisierungskritiker, darunter ein Stadtrat der Linkspartei
Rifondazione Comunista verhaftet, weil sie sich an den Protesten gegen
den EU-Gipfel am 4.Oktober 2003 in Rom beteiligt haben sollen.
Besonders vor dem G8-Gipfel in Genua lief die Propagandamaschinerie auf
Hochtouren. Auch damals explodierten mehrere Briefbomben, deren Urheber
nie verifiziert werden konnten.
Manchen Beobachter fühlen sich an die Strategie der Spannung im
Italien der 70er Jahre erinnert. In der ursprünglich vom CIA
konzipierten und von Netzwerken wie P2 und Gladio ausgeführten
Strategie wurden Terroranschläge inszeniert, für die dann die
Linke verantwortlich gemacht wurde. Selbst anarchistische Gruppen waren
zu diesem Zweck gegründet worden. Das Ziel dieser Strategie
bestand darin, die öffentliche Meinung nach Rechts zu drehen und
eine Regierungsbeteiligung der in den 70er Jahren starken
Kommunistischen Partei zu verhindern. Zahlreiche Linke wurden verfolgt
und saßen teilweise jahrelang unschuldig in Haft....
Aus: Peter Nowak - "Neuauflage der Strategie der Spannung?", telepolis
vom 15.01.04.
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16529/1.html
http://at.indymedia.org/feature/display/35922/index.php
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Deutschland
Gesundheitsreform wird nachgebessert
Gesundheitsministerin Ministerin Schmidt räumt Probleme bei der
Umsetzung der Reform ein. Schuld daran seien die Vertreter der
Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, also hauptsächlich
Ärzte und Krankenkassen
Fr.16.01.04 - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat angekündigt, dass die
Änderungen zu Gunsten von chronisch Kranken bereits in der
nächsten Woche beschlossen werden. Der Gemeinsame Ausschuss von
Kassen und Ärzten habe den Termin von Ende Januar vorverlegt,
sagte Schmidt am Donnerstagabend im ZDF-«heute-journal».
Kassen und Ärzte hatten sich zuvor darauf geeinigt, dass auch jene
Patienten, die sich wegen gravierender Dauererkrankungen ambulant
behandeln lassen, zu den Chroniker zählen. Somit müssen auch
sie weniger zuzahlen.
Die Ministerin hatte zuvor im Bundestag eingeräumt, dass es bei
der Umsetzung der Reform «Detailprobleme» gebe. Schuld
daran seien aber die Vertreter der Selbstverwaltung im
Gesundheitswesen, also hauptsächlich Ärzte und Krankenkassen.
Die Union teilt diese Einschätzung grundsätzlich und sprach
sich gegen eine Änderung des gemeinsam verabschiedeten Gesetzes
aus. Die FDP verlangte die Abschaffung der Praxisgebühr, die
Ärzte und Patienten verunsichert habe.
Unter dem Druck aus Politik und Öffentlichkeit verständigten
sich Ärzte und Kassen nach den Worten von Schmidt auf eine
erweiterte Definition für chronische Erkrankungen. Auch jene
Patienten, die sich wegen gravierender Dauererkrankungen ambulant
ärztlich behandeln lassen, sollen dazu zählen. Die
Erweiterung der Chroniker-Richtlinie - Schmidt nannte neben Krebs- und
Aidskranken auch Diabetiker, die sich regelmäßig Insulin
spritzen - hat für die Betroffenen erhebliche finanzielle
Bedeutung: Chroniker müssen nach den Regelungen der Anfang Januar
gestarteten Gesundheitsreform nur halb so viel zur medizinischen
Behandlung zuzahlen wie andere Patienten.
Unklar blieb, ob es künftig Jahresrezepte für die
Anti-Baby-Pille gibt. Damit will Schmidt verhindern, dass junge Frauen
zwischen 18 und 21 Jahren bei jeder Abholung eines Folgerezeptes
für die Pille erneut die Praxisgebühr entrichten müssen.
Aus den Reihen der SPD- Fraktion war eine solche Regelung auch für
andere Dauermedikationen gefordert worden. Die Grünen wandten sich
gegen weitere Ausnahmen.
Für Sozialhilfeempfänger in Pflegeheimen zeichnete sich eine
reduzierte Zuzahlungsobergrenze von drei Euro im Monat ab. Das
bestätigte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo
Schröder. Über eine entsprechende Ausnahmeregelung werde
derzeit mit Kostenträgern und Krankenkassen verhandelt. Andere
Sozialhilfeempfänger sollen maximal 6 Euro im Monat zuzahlen.
Aktuell müssen bedürftige Heimbewohner fast ihr gesamtes
Taschengeld für Zuzahlungen aufwenden.
Auch das Problem der Fahrtkostenerstattung für Arztbesuche von
besonders Gehbehinderten oder Hilfsbedürftigen ist praktisch
gelöst. Sie sollen schon von diesem Freitag an die Kosten von der
Kasse erstattet bekommen. Im Vorgriff auf eine abschließende
Regelung sagten die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen eine
solche Erstattungspraxis zu, teilte Staatssekretär Schröder
mit.
In der von der FDP beantragten Aktuellen Stunde wiesen Koalition und
Union gemeinsam die Forderung der FDP zurück, das Gesetz zu
ändern und die Praxisgebühr zu streichen.
Übereinstimmend traten sie für eine rasche Lösung aller
anstehenden Probleme durch die Beteiligten ein. Die FDP machte Ulla
Schmidt für die «Katastrophe» verantwortlich und legte
ihr den Rücktritt nahe.
Änderungen am Reform-Gesetz forderte SPD-Präsidiumsmitglied
Harald Schartau. Insbesondere für die Altersvorsorge müsse
Vertrauensschutz gelten, sagte der nordrhein-westfälische
SPD-Vorsitzende. Durch die Reform müssen Rentner seit dem 1.
Januar auf Betriebsrenten den vollen Kranken- und
Pflegeversicherungssatz zahlen.
In der Gesetzlichen Krankenversicherung gab es 2003 wieder erhebliche
Mitgliederbewegungen. Bei den vergleichsweise günstigen
Betriebskrankenkassen (BKK) wuchs die Zahl der Mitglieder um 718 000
auf 10,4 Millionen. Deutschlands größte Krankenkasse, die
Barmer Ersatzkasse, verlor laut «Hamburger Abendblatt»
(Freitag) 275 000, die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) 348 000
Mitglieder. Die Techniker Krankenkasse (TK) gewann rund 121 000 neue
Mitglieder.
(Quelle: dpa)
Gesundheitsreform: Kollateralschäden werden billigend in Kauf
genommen!
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen hat in einer
Pressemitteilung die Kollateralschäden der Gesundheitsreform
aufgelistet:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/14-4.htm
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Merz pocht auf weitere Arbeitsmarktreformen
Weitere Lockerung der Tarifverträge und beim Kündigungsschutz
gefordert
Fr.16.01.04 - Unionsfraktionsvize Friedrich Merz hat sich für eine weitere
Lockerung der Tarifverträge und beim Kündigungsschutz
ausgesprochen. «Je lockerer wir die Regeln fassen, desto mehr
Perspektiven für neue Beschäftigung werden
eröffnet», sagte Merz der «Süddeutschen
Zeitung» (Donnerstagausgabe). Nach seiner Einschätzung solle
der Schwellenwert fallen, ab dem in Kleinstbetrieben der
Kündigungsschutz gilt.
Die Schwelle war erst zu Jahresbeginn von fünf auf elf Mitarbeiter
heraufgesetzt worden. Merz riet jedoch dazu, erst einmal die Effekte
der aktuellen Änderungen abzuwarten, um
«Angstreaktionen» zu vermeiden. Der CDU-Politiker pochte
weiter auf eine Lockerung der Tarifverträge. «Wir brauchen
ein wesentlich höheres Maß an einzelbetrieblicher
Verantwortung bei den Lohn- und Arbeitsbedingungen», sagte er.
Möglicherweise werde die Union ihren eigenen Gesetzentwurf wieder
einbringen, nach dem die Arbeitnehmer entscheiden könnten,
länger zu arbeiten, um ihren Arbeitsplatz zu retten. Das weitere
politische Verfahren hänge von Ergebnis der laufenden
Metall-Tarifrunde ab, sagte Merz.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber bekräftigen Forderung nach Öffnungsklauseln
Fr.16.01.04 - Die baden-württembergischen Metallarbeitgeber haben am Donnerstag
ihre Forderung nach einer Öffnungsklausel für eine
Verlängerung der Wochenarbeitszeit bekräftigt.
Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer sagte in Freiburg, ohne eine
Regelung über einen Arbeitszeit-Korridor zwischen 35 und 40
Stunden könne er sich keinen Tarifvertrag über Lohn und
Gehalt vorstellen. Die wirtschaftliche Lage in der Metall- und
Elektroindustrie sei unverändert ernst.
Die IG Metall fordert für die rund 800.000 Beschäftigten in
Baden-Württemberg vier Prozent mehr Geld. Zwiebelhofer sagte, vor
dem Hintergrund einer dreijährigen Stagnationsphase in diesem
Industriezweig gehe die Gewerkschaftsforderung an den wirtschaftliche
Realitäten vorbei. In dieser Situation müsse der Tarifvertrag
Möglichkeiten zulassen, mit denen die Kosten reduziert und damit
die Chancen für zusätzliche Aufträge verbessert
würden. «Nur so können wir Beschäftigung sichern
und sogar neue Arbeitsplätze schaffen.»
IG-Metall-Sprecher Frank Stroh wies die Arbeitgeberforderung vehement
zurück. Eine Arbeitszeitverlängerung sei kontraproduktiv. Es
dürfe kein Lohnraub betrieben werden. Die Verhandlungen im
Südwesten werden am 23. Januar in Böblingen in dritter Runde
fortgesetzt. Dabei wollen die Arbeitgeber ein Angebot vorlegen.
(Quelle: ap)
Initiative 'Partner für Innovation' gestartet
Fr.16.01.04 - Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich nach den Worten von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf eine
Innovations-Initiative verständigt.
"Wir wollen eine Partnerschaft für Innovation gründen und
machen", gab Schröder am (heutigen) Freitag in der ARD als
Ergebnis seines Treffens mit führenden Vertretern von Wirtschaft
und Wissenschaft am Vorabend im Kanzleramt bekannt. Bereits Mitte/Ende
März sei ein weiteres Treffen geplant, bei dem Absprachen
konkretisiert werden sollten. Deutschland könne seinen Wohlstand
nur sichern, wenn es besser sei als seine Konkurrenten auf den
Weltmärkten. Das sei nur möglich, wenn das Land neue,
innovative Produkte anbiete.
Stark sei Deutschland vor allem in der Automobilindustrie und dem
Werkzeugmaschinenbau, aber auch in der Chemie und der Biotechnologie,
sagte Schröder. "Das sind alles Forschungsfelder, wo wir unsere
Stärke ausspielen wollen für neue Produkte und neue
Arbeitsplätze." Das gehe nur in einer gemeinsamen Anstrengung von
Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, "und das wollen wir jetzt
anpacken".
Bei der Forderung der SPD nach Elite-Universitäten gehe es darum,
die Leistungsfähigsten zu gewinnen. Sie gebe es an allen
Hochschulen, und nun gelte es, ihre Tätigkeit zu vernetzen. In der
Debatte um neue Produkte störe ihn die Einstellung, dass
zunächst nur über deren Risiken und dann erst über ihre
Chancen diskutiert werde. Die Debatte müsse umgekehrt geführt
werden.
(Quelle: rtr)
Bayern will Unterrichtsstoff um 60 Prozent verringern
Fr.16.01.04 - Die Gymnasialzeit in Bayern wird bereits ab nächstem Schuljahr auf
acht Jahre verkürzt. Nach langer Debatte stimmte die CSU-Fraktion
dem Vorschlag von Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstag
in Wildbad Kreuth zu. Stoiber kündigte an, der Unterrichtsstoff
werde um 60 Prozent gekürzt. Auch das Berliner Abgeordnetenhaus
beschloss, dass das Abitur in der Hauptstadt ab dem Frühjahr 2012
nach zwölf Schuljahren abgelegt werden soll. Die Kinder sollen
außerdem schon mit fünfeinhalb Jahren eingeschult werden.
Die Lehrpläne würden entsprechend geändert,
erklärte die Sprecherin des Kultusministeriums, Claudia Piatzer.
«Wenn im Biologieunterricht Säugetiere behandelt werden,
gibt der Lehrer eben statt fünf nur noch ein Beispiel.» Es
werde nur am Umfang, nicht an den Inhalten gespart. «Das
achtjährige Gymnasium wird die hohe Qualität bayrischer
Bildung erfüllen und die Kinder und Jugendlichen nicht
überfordern», sagte Stoiber.
In Nordrhein-Westfalen will Schulministerin Ute Schäfer bis zu den
Osterferien ein Konzept für die Verkürzung der Schulzeit bis
zum Abitur auf zwölf Jahre vorlegen. Es gebe Überlegungen,
erste Bildungsgänge zum Abitur nach zwölf Schuljahren im
Schuljahr 2005/06 zu starten, sagte Sprecher Ralph Fleischhauer. Die
Koalition von SPD und Grünen hatte sich im Juni vergangenen Jahres
grundsätzlich darauf geeinigt, das Abitur nach zwölf Jahren
künftig als Regelfall einzuführen, daneben aber auch
weiterhin Bildungsgänge mit dem Abitur erst nach 13 Schuljahren
anzubieten.
Offen sei noch, wie das zwischen den Kultusministern vereinbarte
Mindestvolumen von 265 Wochenstunden vor dem Abitur künftig auf
acht statt neun Jahre verteilt werden könne, sagte Fleischhauer.
Derzeit absolvierten Schüler in NRW bis zum Abitur 273
Wochenstunden. Geklärte werden müsse auch die Finanzierung,
da die Übergangszeit mit zusätzlichen Kosten verbunden sei.
Das neue Schulgesetz Berlins wurde am Donnerstagabend vom
Abgeordnetenhaus verabschiedet. Der Berliner SPD-Landesvorsitzende und
Stadtentwicklungssenator Peter Strieder sagte, Berlin sei das erste
Bundesland, das auf den Pisa-Schock reagiert habe. «Damit setzt
Berlin bildungspolitische Maßstäbe.» Wichtigste Ziele
der Reform seien, die Bildungschancen, die Qualität der
schulischen Angebote und die Integration ausländischer
Schüler zu verbessern, erklärte Strieder. Dazu gehöre
die Einschulung mit fünfeinhalb Jahren - verbunden mit einer
verbindlichen Sprachstandsprüfung -, die flächendeckende
Einführung der Halbtagsgrundschule bis 2006 und das Abitur nach
Klasse 12.
(Quelle: ap)
Einberufung zur Bundeswehr laut Gericht grundgesetzwidrig
Fr.16.01.04 - Die derzeitige Einberufungspraxis zur Bundeswehr ist dem Kölner
Verwaltungsgericht zufolge nicht verfassungsgemäß. Das
Gericht gestand nach Angaben eines Sprechers vom Donnerstag einem
Kläger im Eilverfahren zu, dass er zunächst dem
Einberufungsbefehl nicht Folge leisten muss. Die Richter beriefen sich
auf den Gleichheitsgrundsatz und befanden, zu viele junge Männer
würden auf Grund von Ausnahmeregelungen nicht einberufen. Das
Verteidigungsministerium erklärte dagegen, die Richtlinien seien
verfassungskonform.
In dem bereits am 23. Dezember gefassten Beschluss kritisierten die
Kölner Richter, dass seit gut einem halben Jahr Wehrpflichtige,
die verheiratet oder älter als 23 Jahre sind, nicht mehr
einberufen werden. Das gelte auch für junge Männer, die bei
der Musterung nicht in die ersten beiden Tauglichkeitsstufen fallen,
erklärte der Gerichtssprecher. Dies verstoße nach Auffassung
der Richter gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz.
Die Eilentscheidung ist laut Verwaltungsgericht nicht anfechtbar, im
Hauptverfahren muss allerdings noch entschieden werden. Zunächst
hat der Beschluss der Kölner Richter nach den Worten des
Gerichtssprechers nur für den Bereich des dortigen
Kreiswehrersatzamtes Bedeutung.
Der Kölner Rechtsanwalt Bernward Münster teilte dagegen mit,
der Kölner Beschluss könne bedeuten, dass jeder, der einen
Einberufungsbescheid zum Wehr- oder Zivildienst erhalten und
rechtzeitig angefochten habe, «gute Chancen» habe, mit
einem ordnungsgemäßen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz
beim zuständigen Verwaltungsgericht zunächst eine
Heranziehung zu verhindern. Wer bereits eingerückt sei, könne
versuchen, einstweiligen Rechtsschutz auf Entlassung in Anspruch zu
nehmen. Die Erfolgsaussichten hingen jedoch davon ab, ob andere
Verwaltungsgerichte der «Kölner Linie» folgen,
erklärte der Jurist.
Das Verteidigungsministerium erklärte, bei der Entscheidung
handele es sich um einen Beschluss in einem vorläufigen
Rechtsschutzverfahren eines Verwaltungsgerichts im Einzelfall. Es sei
beabsichtigt, die neuen Einberufungsregelungen bei der nächsten
Änderung des Wehrpflichtgesetzes mit zu berücksichtigen.
(Aktenzeichen: 8 L 3008/03)
(Quelle: ap)
Gesetzesänderung: MAD soll Bundeswehr im Ausland schützen
Fr.16.01.04 - Der Militärische Abschirmdienst (MAD) soll künftig auch bei
Bundeswehreinsätzen im Ausland zum Schutz der Soldaten tätig
werden dürfen. Der Bundestag beschloss am Donnerstag mit den
Stimmen der Koalition und der FDP eine entsprechende
Gesetzesänderung, die gleichzeitig strenge Auflagen vorsieht. Mit
der Ausweitung der Tätigkeit wird eine Sicherheitslücke
für Personal und Material der Bundeswehr geschlossen. Der MAD soll
neben der Bekämpfung von Spionage und Sabotage für die Abwehr
extremistischer und terroristischer Gefahren zuständig sein.
«Es ist nicht hinnehmbar, dass Soldatinnen und Soldaten im
Ausland - trotz größerer Gefährdung - einen geringeren
Schutz erfahren als im Inland», heißt es in der
Begründung des Kabinetts für die Erweiterung des
Aufgabenspektrums. Der MAD, der bei den Streitkräften die
ansonsten dem Verfassungsschutz zufallenden Aufgaben wahrnimmt, ist
eigentlich ein Inlandsnachrichtendienst. Im Ausland darf er nur
örtlich, zeitlich und von den Aufgaben her streng begrenzt
tätig werden.
Der Einsatz ist danach an die Einsätze der Bundeswehr gekoppelt.
Die Aufgaben sind auf die Sicherung der Truppe und ihrer Einrichtungen
sowie auf die Überprüfung der einheimischen Zivilangestellten
beschränkt. Informationen sammeln darf der
Militär-Geheimdienst nur innerhalb der Quartiere und Dienststellen
der Truppe, nicht überall in der Region. Ansonsten darf er nur
öffentliche Stellen um Auskunft ersuchen. Der Einsatz
nachrichtendienstlicher Mittel wie Lauschangriffe oder Agenten
außerhalb von Unterkünften und Dienststellen ist in keinem
Fall zulässig.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.bundeswehr.de/forces/
hintergrund/struk_skb_hg_mad .php
Friedensbewegung kritisiert Strucks Umbaupläne für die
Bundeswehr
Mehr in "junge Welt" vom 16.01.04 unter:
http://www.jungewelt.de/2004/01-16/011.php
Blick ins Archiv
Bundeswehr wird komplett auf Auslandseinsätze ausgerichtet
Verteidigungsminister: Mögliches Einsatzgebiet für die
Bundeswehr ist die ganze Welt +++ Rüstungskürzungen von 26
Milliarden Euro +++ Struck will an Wehrpflicht festhalten +++
Städte- und Gemeindebund sowie mehrere Sozialverbände stemmen
sich gegen Abschaffung des Zivildienstes
Mi.14.01.04 - Die Bundeswehr steht vor der radikalsten Strukturreform ihrer
Geschichte. Verteidigungsminister Peter Struck will die
Streitkräfte komplett auf Auslandseinsätze ausrichten, 45.000
Stellen im militärischen und zivilen Bereich streichen, und 26
Milliarden Euro bei Rüstungsprojekten kürzen. Die Zukunft der
Wehrpflicht bleibt allerdings weiter offen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#04011417
Deutsche an die Front!
Da wären wir also wieder...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401100.htm#040110_g
Weitere Berichte zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#040114zy
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