Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundfünften Tag nach Kriegsbeginn
18 Tote bei Bombenanschlag vor US-Besatzungsverwaltung in Bagdad.
Die meisten Opfer sind Iraker +++ Drei US-Soldaten bei Anschlag
auf amerikanischen Schützenpanzer nahe Bagdad getötet - Damit
steigt die Zahl der in Irak getöteten US-Soldaten auf 500
So.18.01.04 - Bei einem Selbstmordanschlag vor dem Hauptquartier der amerikanischen
Besatzungsverwaltung in Bagdad sind am Sonntag mindestens 18 Menschen
getötet worden. Bei den meisten von ihnen handelte es sich um
Iraker, die am Tor vor dem ehemaligen Republikpalast um Arbeit
anstanden. Unter den Toten sind auch zwei amerikanische
Firmenvertreter, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Mindestens 28
Menschen wurden verletzt, unter ihnen sechs Amerikaner.
Die in einem Auto transportierte Bombe explodierte am Morgen gegen 8.00
Uhr Ortszeit vor der Zentrale der «Coalition Provisional
Authority» (CPA). «Es war die Zeit, in der die Arbeiter in
den Palast gehen», sagte der irakische Ingenieur Chalid Taleb.
Ein anderer Augenzeuge, Haidar Hanun, sagte, er habe sich in die
Warteschlange von Arbeitssuchenden eingereiht, als ein Land Cruiser und
ein weiteres Fahrzeug explodiert seien. «Es war sehr heftig. Es
gibt viele Verletzte und Tote.»
Das Fahrzeug mit der Bombe wurde nach Angaben des irakischen
Polizeichefs Hassan el Obeidi von einem einzelnen
Selbstmordattentäter gesteuert. Das Gebiet am Tigris-Ufer, die so
genannte Grüne Zone, ist einer der am stärksten gesicherten
Stadtteile von Bagdad. Die irakische Polizei verkündete nach dem
Anschlag über Lautsprecher, dass die US-Streitkräfte eine
Belohnung von 2.500 Dollar für Hinweise auf die Täter
ausgesetzt hätten.
Bei einem Bombenanschlag auf ein amerikanisches Panzerfahrzeug
nördlich von Bagdad sind am Samstag drei US-Soldaten und zwei
irakische Sicherheitskräfte getötet worden. Zwei weitere
US-Soldaten wurden nach Militärangaben verletzt. Die Opfer waren
in einem Schützenpanzer unterwegs, als dieser über einen
Sprengsatz rollte und Feuer fing.
Nach dem Anschlag nahe Tadschi, rund 30 Kilometer nördlich der
irakischen Hauptstadt, wurden nach Militärangaben drei Männer
festgenommen. In ihrem Fahrzeug wurde Material zur Herstellung von
Bomben gefunden. Wie das US-Zentralkommando am Samstag mitteilte, starb
weiter ein amerikanischer Soldat an den Folgen einer Schussverletzung,
die jedoch nicht von einem feindlichen Angriff herrührte. Mit den
jüngsten Todesfällen stieg die Zahl der in Irak
getöteten US-Soldaten auf 500.
Mindestens 20.000 Iraker starben laut Hilfsorganisation infolge des
Kriegs.
Mehr unter: http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401100.htm#040110_b
Die US-Streitkräfte nahmen am Samstag einen ehemaligen irakischen
Major fest, der an Anschlägen gegen die Koalitionstruppen
beteiligt gewesen sein soll. Der Mann sei nach einem Hinweis bei einer
Razzia nördlich von Tikrit verhaftet worden. In Hilla südlich
von Bagdad griffen Aufständische das örtliche Büro der
US-Zivilverwaltung an und töteten einen Iraker, mehrere weitere
wurden verletzt.
Ein Mitglied des Regierungsrats, Mohammed Bahr el Ullum, warnte vor
Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften im Irak. "Die Sunniten
werden nicht an den Rand gedrängt werden", versicherte der
liberale schiitische Gelehrte in einem Interview der arabischen Zeitung
«al-Sharq al-Awsat». Er warnte zugleich "einige arabische
Länder" davor, die Spannungen zwischen den Glaubensgemeinschaften
anzuheizen. In den vergangenen Monaten wurden mehrfach blutige
Anschläge auf Moscheen verübt.
In Kuwait trafen unterdessen etwa 30 japanische Soldaten mit einem
Linienflug aus Tokio ein und reisten zu einem amerikanischen
Stützpunkt in der Wüste weiter, der dem Vorausteam als
Trainingscamp dienen soll. Der Trupp bereitet einen humanitären
Einsatz von insgesamt 1.000 Soldaten im Süden Iraks vor, der in
den kommenden Wochen beginnen soll. Die Soldaten wollen unter anderem
die medizinische Versorgung verbessern und zerstörte Schulen
wieder aufbauen, Waffen tragen sie nur zur Selbstverteidigung. Der
Einsatz ist in Japan dennoch heftig umstritten. Nach Ansicht von
Kritikern steht die pazifistische Landesverfassung einer
Truppenentsendung entgegen.
(Quellen: ap)
Kasten 1:
Es brodelt im multiethnischen und multireligiösen Irak
Im ethnisch und religiös gespaltenen Irak brodelt es. Es gibt
sogar Anzeichen für gewaltsame Konflikte zwischen den
verschiedenen Bevölkerungsgruppen: In der vergangenen Woche wurden
bei einer Explosion vor einer schiitischen Moschee in Bakuba fünf
Menschen getötet, wenig später wurde vor einem zweiten
schiitischen Gotteshaus eine Autobombe entschärft. Im Dezember
wurde in Bagdad eine sunnitische Moschee zum Ziel eines Anschlags, der
drei Menschen das Leben kostete.
Obwohl die Täter in keinem dieser Fälle bekannt sind, liegt
es nicht fern, ihre Motive auch im Machtkampf zwischen sunnitischen und
schiitischen Arabern zu suchen. Jahrzehntelang hatte Saddam Hussein die
sunnitische Minderheit gefördert und die Schiiten - wie auch die
Kurden im Norden - unterdrückt. Diese Politik hat im Zweistromland
lange Tradition: Von 1534-1918 war das heutige Irak Bestandteil des
osmanischen Reichs, dessen Herrscher sunnitischen Glaubens waren. Auch
nachdem Irak britisches Mandatsgebiet geworden war, behielten die
Sunniten ihre Vormachtstellung.
Heute fühlen sich viele Sunniten von den Amerikanern
benachteiligt: Diese schenkten den politischen Forderungen schiitischer
Geistlicher zu viel Beachtung, lautet der Vorwurf. Als Befürworter
eines demokratischen Iraks können die Amerikaner die Wünsche
der schiitischen Bevölkerungsmehrheit allerdings nicht ignorieren.
Einig sind sich Schiiten und Sunniten darin, die kurdischen
Autonomiebestrebungen abzuwehren. Die Forderung der Kurden, die
Kontrolle über die Stadt Kirkuk und die umliegenden Ölfelder
zu erhalten, stößt im arabisch dominierten irakischen
Regierungsrat auf heftigen Widerstand.
Doch vor Ort wurden bereits Fakten geschaffen: Seit dem Sturz des
Regimes in Bagdad sind nach Angaben der Stadtverwaltung rund 35.000
Kurden nach Kirkuk gezogen, etwa 100.000 Araber haben die
1,2-Millionen-Stadt verlassen. Zahlreiche Verwaltungsposten wurden von
Kurden übernommen. «Sie haben das alte Regime einfach
beerbt», sagt Hussein Ali Saleh, ein arabischer Lokalpolitiker.
Seit Ende der Kampfhandlungen kam es mehrfach zu gewaltsamen
Zusammenstößen zwischen kurdischen, arabischen und
turkmenischen Einwohnern in Kirkuk - im Mai, im August und an
Silvester. Die Auseinandersetzungen kosteten insgesamt 25 Menschen das
Leben. Die US-Truppen haben inzwischen eine nächtliche
Ausgangssperre verhängt und zahlreiche Waffen beschlagnahmt.
Kurdische Peschmerga-Kämpfer zeigen sich dennoch entschlossen, die
Stadt nicht mehr aus der Hand zu geben: «Dies ist nicht die
Heimat der Araber, ihre Heimat liegt im Süden», sagt der
25-jährige Ibrahim. Wie viele Kurden unterstützte er die
US-Invasion in Irak und erwartet dafür nun Unterstützung von
den USA.
Tatsächlich war Kirkuk bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine rein
kurdische Stadt. Doch dann ermunterten die osmanischen Sultane in
Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, türkischsprachige Siedler,
sich in Nordirak niederzulassen. Bereits 1957 war der Anteil der Kurden
an der Bevölkerung auf 48 Prozent geschrumpft, Araber stellten 28
Prozent, Turkmenen rund 21 Prozent der Einwohner Kirkuks.
Verlässliche Statistiken aus jüngerer Zeit gibt es nicht, der
Anteil der arabischen Einwohner dürfte aber noch gestiegen sein.
Denn die seit 1968 regierende Baath-Partei verfolgte eine gezielte
Arabisierungspolitik; mit finanziellen Anreizen wurden Araber aus dem
Süden zum Umzug ins Kurdengebiet bewogen. Kurdischen Angaben
zufolge wurden rund 300.000 Kurden aus Kirkuk vertrieben.
Kirkuk gehörte nicht zu der von den USA und Großbritannien
eingerichteten Flugverbotszone, unter deren Schutz die Kurden ab 1991
eine weitgehende Autonomie erlangten. Jetzt wollen kurdische Politiker
die Industriestadt aber zu einer von sechs kurdischen Verwaltungszonen
machen, die nach ihrem Willen auch im künftigen Irak weitgehend
autonom bleiben sollen.
Die Araber in Kirkuk haben bereits Widerspruch eingelegt. Viele
Einwohner haben nun Angst davor, was passieren könnte, wenn die
Besatzungstruppen aus Kirkuk abziehen. «Die Polizei wird gegen
die Milizen der politischen Parteien nicht ankommen», warnt
Burhan Taha, ein turkmenischer Polizist.
(Quelle: ap, 17.01.04)
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Deutsche Parlaments-Vizepräsidentin Volmer kritisiert
Interventionspolitik der USA
So.18.01.04 - Die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Antje Vollmer, hat die USA
scharf für ihre weltweite Interventionspolitik kritisiert. Die
Entscheidungen für ein Eingreifen fielen aus einer «Mischung
aus machtgeleiteter Interessenpolitik, die eine moralische
Begründung sucht, aus echter Empörung und aus der
Fähigkeit, die Weltmedien darauf zu lenken. Deshalb gab es die
Intervention in Irak, während in Ruanda niemand eingegriffen
hat», sagte die Grünen-Politikerin dem «Tagesspiegel
am Sonntag».
«Menschenrechte werden zum Grund für Kriegsattacken
ausgerufen, doch auf diese Weise wird der Einsatz für sie
delegitimiert», erklärte Vollmer. Es erscheine
willkürlich, auf welches Geschehen die Weltgesellschaft - und mit
ihr die Weltmediengesellschaft - den Blick lenke. «Und es
erscheint willkürlich, in welchen Fällen sich die
US-Administration darauf fokussiert und in wie vielen anderen
Fällen wir das mit Bedauern durchwinken.»
Die Grünen-Politikerin sprach sich gegen ein internationales
Tribunal zur Verurteilung Saddam Husseins aus. Die Wirkung
internationaler Strafgerichte werde überschätzt. «Es
hätte auch Serbien mehr geholfen, wenn der Prozess gegen den
früheren Diktator Milosevic im eigenen Land stattgefunden
hätte. Vielleicht wäre dann auch Premier Zoran Djindjic noch
am Leben.»
(Quelle: dpa)
WTO warnt USA vor Handelsbarrieren durch Anti-Terror-Vorkehrungen
So.18.01.04 - Die Welthandelsorganisation (WTO) hat die USA davor gewarnt, durch ihre
Vorkehrungen gegen Terroranschläge neue Hindernisse für
Handel oder Investitionen aufzubauen. Die verschärfte
Sicherheitspolitik dürfe keine "unnötigen Barrieren" für
den Handel mit Waren und Dienstleistungen oder für
Auslandsinvestitionen nach sich ziehen, heißt es in einem am
Freitag in Genf veröffentlichten WTO-Bericht zur Entwicklung der
US-amerikanischen Handelspolitik. Insgesamt hätten die USA in den
vergangenen beiden Jahre jedoch ein weitgehend offenes
Wirtschaftssystem gewährleistet. Der Zugang zu einigen
US-Märkten sei allerdings nach wie vor eingeschränkt. Dies
betreffe vor allem die Stahl- und die Textilbranche sowie den
Agrarmarkt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israel hebt Abriegelung des Gazastreifens wieder auf +++ Hamas droht
Israel bei Tötung ihres Gründers Jassin mit blutiger
Vergeltung +++ Arafat empfängt tschechischen Außenminister.
Der palästinensische Präsident macht Israel für die
erfolglosen Bemühungen zur Wiederaufnahme der
Friedensgespräche verantwortlich
So.18.01.04 - Nach dreitägiger Dauer hat Israel am Samstag die Abriegelung des
Gazastreifens wieder aufgehoben, wie die Streitkräfte mitteilten.
Mit der Schliessung der Grenze hatte Israel auf einen
Selbstmordanschlag reagiert, bei dem am Mittwoch eine 22-jährige
Palästinenserin am Grenzübergang Eres vier Israelis mit in
den Tod gerissen hatte. Zu der Tat bekannten sich in einer gemeinsamen
Erklärung die Hamas und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden.
Betroffen von der Grenzschliessung waren tausende palästinensische
Arbeiter, die nicht an ihre Arbeitsplätze in Israel konnten.
Derzeit haben rund 15.000 Palästinenser eine Arbeitserlaubnis
für Israel, zudem dürfen rund 4.000 Händler einreisen.
Vor Beginn der jüngsten Welle der Gewalt im Jahr 2000 arbeiteten
rund 100.000 Palästinenser aus dem Gazastreifen in Israel. Sie
waren die Hauptquelle der Einkünfte im Gazastreifen. Derzeit liegt
die Arbeitslosigkeit in dem Gebiet bei über 50 Prozent.
Die radikalislamische Hamas-Bewegung hat Israel mit einer beispiellosen
Anschlagserie gedroht, sollte der jüdische Staat ihren
Gründer Scheich Ahmed Jassin töten. Israel werde für
jeden Tötungsversuch "einen hohen Preis bezahlen", hieß es
am Samstag in Gaza in einer Mitteilung des bewaffneten Hamas-Arms, den
Kassam-Brigaden. "Wir werden die israelischen Zionisten in einem Meer
von Blut ertränken."
Der palästinensische Präsident Jassir Arafat hat in seinem
isolierten Amtssitz in Ramallah im Westjordanland zum ersten Mal seit
Monaten wieder einen ranghohen Gast empfangen. Er traf sich am Samstag
mit dem tschechischen Außenminister Cyril Svoboda. Nach dem
Gespräch machte Arafat Israel für die bisher erfolglosen
Bemühungen zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche
verantwortlich.
"Sie errichten Hindernisse für eine Wiederaufnahme der
Verhandlungen", erklärte Arafat mit Blick auf die israelische
Seite. Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath
berichtete unterdessen nach seiner neuntägigen Europareise,
mehrere Länder hätten zugesagt, die Kontakte mit Arafat
wieder aufnehmen. Er habe Zusicherungen von Frankreich, Schweden,
Irland und Großbritannien erhalten, die ranghohe Delegierte,
darunter auch Außenminister, nach Ramallah entsenden wollten.
Israel bemüht sich um eine Isolation Arafats. Ausländischen
Diplomaten, die Arafat treffen wollten, wurde erklärt, der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und andere
Regierungsvertreter seien möglicherweise nicht bereit, sie zu
empfangen.
Die Vereinigten Staaten sind unterdessen offenbar unzufrieden mit den
Ermittlungen nach einem Bombenanschlag auf einen amerikanischen
Diplomatenkonvoi vor drei Monaten im Gazastreifen. Der
palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat erklärte am
Samstag, die US-Behörden beklagten eine mangelnde Kooperation der
Palästinenser, was die Auszahlung von finanzieller
Unterstützung behindern könnte. Eine direkte Androhung einer
Reduzierung der Finanzhilfe habe es jedoch nicht gegeben. Bei dem
Bombenanschlag waren am 15. Oktober drei amerikanische
Sicherheitsbeamte ums Leben gekommen.
Die US-Behörde für Internationale Entwicklung, die
palästinensische Gruppen in den vergangenen zehn Jahren mit 1,3
Milliarden Dollar unterstützte, will im kommenden Monat über
Verträge für ein Wasserprojekt entscheiden. Das Projekt komme
zwei Millionen Palästinensern zugute, sagte Erakat.
(Quellen: ap, afp)
Israelischer Botschafter in Schweden demoliert Kunstwerk zu Nahost-Konflikt
So.18.01.04 - Der israelische Botschafter in Schweden hat bei einem Museumsbesuch ein
Kunstwerk demoliert, das er als unzulässige Verklärung
palästinensischer Selbstmordattentäter empfand. «Das
war kein Kunstwerk. Es war eine Ungeheuerlichkeit, eine obszöne
Verzerrung der Realität», sagte Zvi Mazel in einem
Radio-Interview, nachdem das Museum Nationaler Altertümer in
Stockholm ihn am Freitag des Hauses verwiesen hatte. Mazel hatte einen
Scheinwerfer ergriffen und ihn gegen das im Hof des Museums
aufgestellte Kunstwerk geworfen.
Das Ausstellungsstück besteht aus einem kleinen Schiff, auf dem
ein Foto der Palästinenserin montiert ist, die sich im Oktober in
Haifa in die Luft sprengte und 21 Menschen mit in den Tod riss. Das
Schiff schwimmt in einem Becken mit rot gefärbtem Wasser.
Geschaffen wurde das Kunstwerk von einem gebürtigen Israeli, Dror
Feiler. Seinen Angaben zufolge soll das Werk mit dem Titel
«Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit» deutlich
machen, dass Hilflosigkeit einsame Menschen zu furchtbaren Taten
verleiten kann. Die Selbstmordattentäterin von Haifa, Hanadi
Dschadarat, hatte kurz vor dem Anschlag mitansehen müssen, wie ihr
Bruder von israelischen Soldaten erschossen wurde.
Nach Angaben von Museumsdirektor Kristian Berg wurde das Kunstwerk im
Zusammenhang mit einer internationalen Konferenz zur Vermeidung von
Völkermord aufgestellt, die Ende Januar in Stockholm stattfindet.
Er werde Mazel zu einer Diskussionsrunde einladen, sagte Berg.
Das schwedische Außenministerium bestellte den Botschafter
für die kommende Woche zum Gespräch ein. «Wir werden
ihn um eine Erklärung bitten und deutlich machen, dass es für
uns inakzeptabel ist, Kunstwerke zu zerstören», sagte eine
Sprecherin.
(Quelle: ap)
Afghanistan: Struck will Bundeswehr-Truppe in Kundus aufstocken
Deutschland ist mit rund 2000 Soldaten am Einsatz der Internationalen
Afghanistan-Schutztruppe Isaf beteiligt +++ Nato-Generalsekretär
De Hoop Scheffer appeliert an Bündnispartner für
verstärktes Engagement in Afghanistan +++ Mutmaßliche
Taliban-Kämpfer töten zwei afghanische Soldaten +++
Schleppender Verlauf der Wahlregistrierung - Karsai ruft Landsleute zu
verstärkter Eintragung in Wahlregister auf
So.18.01.04 - Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) will die
Bundeswehr-Truppe im afghanischen Kundus aufstocken. Wie ein
Regierungssprecher am Samstag in Berlin bestätigte, informierte
Struck das Kabinett am vergangenen Mittwoch über die Entsendung
zusätzlicher Soldaten.
Keine Angaben machte der Sprecher darüber, wie viel Mann in die
Region im Norden Afghanistans geschickt werden sollen. Auch das
Verteidigungsministerium hielt sich bedeckt und erklärte
lediglich, in Kundus seien bisher rund 200 deutsche Soldaten
stationiert, nach dem geltenden Mandat für den Einsatz seien aber
bis zu 450 Soldaten möglich. Das Magazin "Der Spiegel" berichtete,
die Truppe in Kundus werde auf 320 Soldaten ausgeweitet.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer forderte die
Bündnispartner zu größerem Engagement in Afghanistan
auf.
Dem "Spiegel" zufolge ist die Truppen-Verstärkung in Kundus
notwendig, weil neue Anlaufpunkte für Entwicklungshelfer und
Militärs geplant seien. Deutschland ist insgesamt mit rund 2000
Soldaten am Einsatz der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf
beteiligt, die von der Nato geführt wird. Die Isaf soll die
Übergangsregierung von Präsident Hamid Karsai stützen.
In Kundus sollen zivile Aufbauhelfer geschützt werden.
Nato-Generalsekretär De Hoop Scheffer schrieb in der "Bild am
Sonntag" mit Blick auf Afghanistan: "Wir müssen unsere
Anstrengungen dort verdoppeln. Denn wer den Krieg gegen den Terrorismus
gewinnen will, darf Afghanistan nicht verlieren." Die Ausweitung der
Nato-Präsenz über die Hauptstadt Kabul hinaus sei politisch
wie militärisch richtig. Deutschland habe sich hier große
Verdienste erworben. "Aber ich erwarte von allen Bündnispartnern
eine noch größere Bereitschaft, genug Truppen und Gerät
für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen", fügte der
Niederländer hinzu und deutete zugleich eine größere
Rolle der Nato im Irak an.
"Eine Diskussion über eine größere Nato-Rolle im Irak
ist nicht ausgeschlossen. Wenn die Diskussion beginnt, müssen wir
auf beiden Seiten des Atlantik sorgfältig miteinander umgehen",
schrieb De Hoop Scheffer.
Eine Gruppe mutmaßlicher Taliban-Kämpfer hat am Samstag im
Süden Afghanistan den Konvoi einen Verwaltungschefs
überfallen und zwei Soldaten getötet. Etwa 40 Männer
eröffneten in der Provinz Kandahar das Feuer auf die Wagenkolonne,
die den Verwaltungschef des Bezirks Chakrek, Hajatullah, zu seinem
Büro bringen sollte. Hajatullah blieb unverletzt. Zwei afghanische
Soldaten und drei der Angreifer wurden getötet, wie ein Sprecher
der Regierung in Kandahar erklärte.
Weitere neun Soldaten und etwa fünf Angreifer seien verletzt
worden, erklärte der Sprecher. Das Gefecht etwa 240 Kilometer
südwestlich der Hauptstadt Kabul habe 40 Minuten gedauert, dann
hätten die Kämpfer sich zurückgezogen und ihre
Verletzten mitgenommen. Amerikanische Truppen seien an den Kämpfen
nicht beteiligt gewesen. Seit der Ratifizierung der ersten afghanischen
Verfassung nach dem Sturz der Taliban am 4. Januar wurden im Süden
und Osten des Landes mindestens 45 Menschen getötet.
Angesichts der schleppend angelaufenen Wählerregistrierung hat der
afghanische Präsident Hamid Karsai seine Landsleute zu mehr
Engagement für die Demokratie aufgerufen. "Je mehr registrierte
Wähler es gibt, desto eher werden die Afghanen eine Regierung nach
ihrem Wunsch bekommen", sagte Karsai am Samstag in Kabul. Bislang
hätten sich nur 350.000 der schätzungsweise zehn Millionen
Wahlberechtigten registrieren lassen. Die Wähler müssten
wissen, dass die geplanten Abstimmungen "ein sehr wichtiges Ereignis
für Afghanistan" seien, sagte der Präsident.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Pakistan: Präsident Musharrafs Auftritt vor Parlament löst
Tumult aus
Abgeordnete der oppositionellen Allianz zur Wiederherstellung der
Demokratie protestieren gegen die Machtbefugnisse des Staatschefs
So.18.01.04 - Tumultartige Proteste der Opposition haben die erste Rede des
pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf vor dem Parlament
begleitet. Abgeordnete der oppositionellen Allianz zur
Wiederherstellung der Demokratie (ARD) riefen "Schande! Schande" als
der General zu Beginn der gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern
in Islamabad auf dem Podium Platz nahm. Die Abgeordneten demonstrierten
mit dem lautstarken Protest gegen die Machtbefugnisse des Staatschefs.
Davon offenbar unbeeindruckt rief Musharraf in seiner Rede zu einem
"Heiligen Krieg" gegen Extremismus auf.
Musharraf, der sich im Oktober 1999 an die Macht geputscht hatte,
stellte sich zu Beginn des Jahres einem Vertrauensvotum, nachdem er
seine Machtbefugnisse in einem Abkommen mit der einflussreichen
Islamischen Allianz von Muttahida Majlis-e-Amal (MMA) absicherte. Im
Gegenzug sagte der General zu, bis Ende 2004 als Armeechef abzutreten.
Das Oppositionsbündnis ARD erkennt Musharraf dagegen nicht als
Staatschef an.
Pakistan müsse jegliche terroristischen Aktivitäten in seinen
Stammesgebieten mit aller Macht niederschlagen, sagte Musharraf in
seiner Rede. Darin äußerte er sich besorgt über den Ruf
Pakistans in der Welt. So würden Stammesregionen als
Ursprungsgebiete des Terrorismus in Afghanistan betrachtet, Pakistan
gelte international als extremistisch und intolerant. Ferner werde
Islamabad der Verbreitung von Atomwaffentechnik beschuldigt.
Das Land ist einer der Hauptverbündeten der USA im internationalen
Kampf gegen den Terrorismus. In der von der Zentralregierung in
Islamabad nahezu unabhängigen Region an der Grenze zu Afghanistan
werden viele Anhänger der Taliban und Mitglieder des
El-Kaida-Terrornetzwerkes vermutet.
(Quelle: afp)
Zahlreiche Tote bei gewalttätigen Vorfällen in Kaschmir
So.18.01.04 - Bei zwei gewalttätigen Zwischenfällen im indischen Teil
Kaschmirs sind am Samstag nach Polizeiangaben zwölf Menschen
getötet worden. Bei einem Feuergefecht im südlichen Bezirk
Pulwama seien zwei Grenzsoldaten und ein moslemischer Kämpfer ums
Leben gekommen, teilte die Polizei mit. Bei der Schießerei sei
der Geheimdienstchef der Rebellengruppe Hizb-ul-Mujahedin, Tariq Aziz,
entkommen. Bei einem zweiten Vorfall wurden den Angaben nach im
nördlichen Bezirk Baramulla drei indische Soldaten und sechs
mutmaßliche moslemische Kämpfer getötet.
Indische Soldaten haben nach offiziellen Angaben vom Freitag in
Kaschmir drei ranghohe Separatistenführer getötet. Bei zwei
der Getöteten handelt es sich laut einem Armeesprecher um Ghulam
Rasool, den Feldkommandeur der Untergrundorganisation
Hezb-ul-Mujahedeen, und Fayaz Ahmad, ein weiteres Führungsmitglied
der größten Rebellengruppe in Kaschmir. Beide seien bei
einer Schießerei während einer Razzia in einem Dorf bei
Srinagar erschossen worden. Zuvor hatten Soldaten am Donnerstag in
einem Vorort von Srinagar Schüsse auf ihr Fahrzeug erwidert und
dabei nach Angaben eines Sprechers der Grenztruppen Abbas Malik
getötet, den stellvertretenden Befehlshaber von Hezb-ul-Mujahedeen.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan. Die Auseinandersetzungen kosteten in den vergangenen 14
Jahren bereits mehr als 65.000 Menschen das Leben. Indien und Pakistan
haben sich im November auf einen Waffenstillstand entlang der Grenze
geeinigt. Militante Gruppen haben jedoch eine Fortsetzung der
Anschläge angekündigt.
(Quellen: afp, ap)
Protest gegen Ausschluss iranischer Reformer von Wahl verschärft
So.18.01.04 - Die iranischen Reformer haben am Samstag ihren Druck auf den
konservativen Wächterrat erhöht, seine Entscheidung zum
Ausschluss von rund 3.000 Kandidaten für die Parlamentswahl
zurückzunehmen. Wahlleiter Mortesa Moballegh kündigte an, er
werde die für den 20. Februar vorgesehene Abstimmung absagen, wenn
die Disqualifikationen nicht aufgehoben würden. Zahlreiche
Parlamentarier verschärften ihren Protest und traten in
Hungerstreik.
Die rund 80 reformorientierten Abgeordneten hatten zuvor bereits sechs
Tage im Sitzstreik im Parlament von Teheran verbracht. Sie wollen ihren
Protest erst beenden, wenn alle Bewerber zugelassen werden.
Außerdem haben 27 Provinzgouverneure für Montag ihren
Rücktritt angekündigt, sollte der Wächterrat seine
Entscheidung nicht revidieren.
Vermittlungsbemühungen des geistlichen Oberhaupts in Iran,
Ayatollah Ali Chamenei, blieben bislang erfolglos. Chamenei hatte den
von ihm ernannten Wächterrat laut Medienberichten aufgefordert,
derzeitige Abgeordnete müssten als Bewerber zugelassen werden,
wenn ihrer Kandidatur nichts Grundsätzliches entgegen stehe.
Für eine Zulassung neuer Bewerber müsse eine nachvollziehbare
Qualifikation ausreichen.
Die Ausschlussentscheidung des Wächterrates hat neben Kritik der
USA und der EU auch Rücktrittsdrohungen der Regierung von
Präsident Mohammed Chatami hervorgerufen. Für die
Parlamentswahl haben rund 8.200 Bewerber ihre Registrierung beantragt.
(Quelle: ap)
Mindestens 20 Tote bei Kämpfen in Norduganda
So.18.01.04 - Bei Gefechten mit Rebellen in Norduganda haben Regierungssoldaten
mindestens 20 Aufständische getötet. Wie ein
Militärsprecher am Samstag mitteilte, kam es in der vergangenen
Woche zu mehreren Kämpfen in den Bezirken Lira, Kitgum und Pader.
Auch ein Soldat sei dabei ums Leben gekommen.
Die Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) kämpfen seit
1986 gegen die Regierung von Präsident Yoweri Museveni und richten
immer wieder Blutbäder unter der Zivilbevölkerung an. Ihr
gewaltsamer Aufstand hat den gesamten Norden des ostafrikanischen
Landes zerstört, tausende Bewohner das Leben gekostet und rund
eine Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Ihre Kämpfer
rekrutiert die LRA hauptsächlich bei Überfällen auf
Dörfer: Die Rebellen entführen Kinder und Jugendliche und
zwingen sie an die Waffe oder misshandeln Mädchen als Konkubinen.
Aus Furcht vor Überfällen suchen vor allem Jugendliche jede
Nacht Schutz in den Städten.
(Quelle: ap)
Kasten 1:
«Ich spreche von Afrika »
Das Jahr 1990, besser gesagt, die frühen 90ger, brachten viele
bemerkenswerte Ereignisse mit sich, die bis zu einem bestimmten Punkt
auch die Gegenwart erklären. Für manche war es der Beginn
einer neuen Ära: das Ende des Kalten Kriegs; Nelson Mandela kam
aus dem Gefängnis frei - das Signal für den Anfang vom Ende
der südafrikanischen Apartheid. Der längste Krieg Afrikas -
zwischen Eritrea und Äthopien - ging nach 30 Jahren der
Kämpfe zu Ende. Die Ermordung Melchior Ndadayes - des ersten
gewählten Präsidenten Burundis - löste einen
10jährigen Bürgerkrieg aus. Und die 90ger Jahre schenkten uns
den Untergang der Schreckensherrschaft Mobutu Sese Sekos. Zu den
Zielen, die sich der Kontinent (Afrika) in dieser Zeit setzte,
zählt MDG: '2015 Entwicklungsziele für das Jahrtausend'.
MDG wurde in den 90gern auf die Bahn gebracht, mit dem Ziel, die Armut
zu reduzieren und den Handel anzukurbeln. Damals schien die Idee nicht
sonderlich ehrgeizig. 14 Jahre später hört sich MDG wie ein
illusionärer Traum an. Die ökonomischen Wachstumsraten sind
Afrika-weit von 4,3% auf 3,2% im Jahr 2002 geschrumpft. Sie kommen
nicht mal in die Nähe jener 7%, die nötig wären, das
Anti-Armutsziel zu erreichen (1). Es wird geschätzt, dass 2015
rund 345 Millionen Menschen in Afrika in extremer Armut leben werden -
also von einem US-Dollar am Tag. Als die Ziele zuerst festgelegt
wurden, waren es noch 100 Millionen. Auch der Handel wurde nicht
genügend angekurbelt. Der Exportanteil Afrikas am Weltmarkt fiel
von 10% vor 50 Jahren auf heute 2,7%. Die massiv subventionierten
Landwirtschaftsindustrien der westlichen Welt tragen zu einer weiteren
Verschlimmerung der Lage bei.
Selbst Südafrika, das Land, das als Hoffnungsträger des
Kontinents gilt, ist nicht vor Armut gefeit. Vielmehr leben etwa 40%
der 43 Millionen Südafrikaner in Armut. Die Freilassung Nelson
Mandelas aus der Haft und die Geburt des 'Neuen Südafrika' haben
die sozio- ökonomischen Bedingungen des Landes nicht wirklich
verändert. Die grundlegenden Probleme, gegen die Mandela
ankämpfte, sind nach wie vor intakt: die Wirtschaftsstruktur
bevorteilt die Weißen, eine Mehrheit der Schwarzen bleibt
marginalisiert und arm. Stattdessen hat sich eine kleine Kaste geradezu
obszön reicher Schwarzer - machtvoll - herausgebildet.
Abgesehen von dieser kleinen Klasse aber blieb alles beim Alten. Die
Weißen stellen 13,6% der Bevölkerung, kontrollieren jedoch
rund 84% des kultivierbaren Bodens (3). Und wie eine Studie des
südafrikanischen Arbeitsministeriums belegt, dominieren
Weiße nach wie vor bei Ausbildungen im Management-Bereich, bei
Fachberufen und im technischen Bereich. Rund 71% der Auszubildenden im
Bereich Management sowie bei Fachberufen waren weiß, 83% der im
funktionellen Jobbereich Auszubildenden hingegen schwarz (4). Um diese
Ungleichheit aus Apartheidszeiten bis zum heutigen Tag
aufrechtzuerhalten, hat es nur einer Sache bedurft: des IWF. 1993 hatte
der Internationale Währungsfonds Südafrika ein Darlehen
über $850 Millionen gewährt - unter der Voraussetzung, die
neue südafrikanische Regierung müsse sich zu einer
neoliberalen Wirtschaftspolitik verpflichten ...
Aus: Mandisi Majavu - "Ich spreche von Afrika", ZNet Kommentar
14.01.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=978
http://www.zmag.org/sustainers/content/
2004-01/14majavu.cfm
|
Brasilianischer Präsident fordert Steuer auf Finanztransaktionen
So.18.01.04 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva setzt sich
für eine Steuer auf alle internationalen Finanztransaktionen zur
Finanzierung der weltweiten Kampagne gegen den Hunger ein. Die
brasilianische Regierung erklärte am Samstag, der Präsident
werde UN-Generalsekretär Kofi Annan bei einem Treffen am 29.
Januar in Genf einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.
Die Steuer soll der Abgabe ähneln, die in Brasilien bereits auf
alle Finanztransaktionen erhoben wird. Die Steuer in Höhe von 0,38
Prozent bringt dem Staat jährlich rund sieben Milliarden Dollar
ein. Weitere Einzelheiten werden noch diskutiert. Silva hatte vor einem
Jahr das Präsidentenamt mit dem Versprechen angetreten, den Hunger
in Brasilien auszuräumen. Er führte das Programm «Kein
Hunger» ein, das nach Angaben von Kritikern aber bisher noch
nicht alle Armen des Landes erreicht hat. Silvas Vorgänger
Fernando Henrique Cardoso hatte 1999 eine ähnliche Abgabe auf
Finanztransaktionen gefordert.
(Quelle: ap)
Tobin-Steuer - Eine Steuer auf spekulative Devisentransfers
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0203210.htm#tobin_4
Weltsozialforum in Bombay
Bauernführer sagen WTO den Kampf an +++ Oxfam prangert
Kleinwaffen als 'die eigentlichen Massenvernichtungswaffen' an +++
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi warnt den Westen vor
einer einseitigen Beurteilung der muslimischen Welt
So.18.01.04 - Am zweiten Tag des Weltsozialforums in der indischen
Millionenstadt Bombay haben Bauernführer scharfe Kritik an
der Welthandelsorganisation (WTO) und der Agrarpolitik der EU und der
USA geäußert. Der französische Bauernführer
José Bové sagte am Samstag, weltweit seien die Bauern die
ersten Opfer der WTO-Politik. 60 Prozent der Hungernden auf der Welt
seien Bauern. Bové forderte, die WTO solle sich
künftig nicht mehr mit Landwirtschaft befassen. Er rechtfertigte
Aktionen wie die Zerstörung von genmanipuliertem Reis. "Die WTO
ist die wirkliche Gewalt."
Für das internationale Bauernnetzwerk Via Campesina sagte die
Brasilianerin Itevina Massioli, es gehe um das Recht der Völker,
gemäß ihres Bedarfs ihre eigenen Nahrungsmittel zu erzeugen.
Notwendig sei die "Umverteilung der Ländereien in Brasilien,
Lateinamerika und allen Entwicklungsländern". Dazu bedürfe es
des "Kampfs gegen das kapitalistische System und seine die
Agrarproduktion weltweit beherrschenden multinationalen Konzerne".
Der Bauernführer Rafael Alegria aus Honduras warf den reichen
Staaten vor, die Agrarmärkte der armen Länder zu
zerstören. "Die WTO ist tot", sagte er. Die WTO-Verhandlungen in
Cancun (Mexiko) waren im September am Widerstand von
Entwicklungsländern gescheitert. Diese hatten kritisiert, dass die
reichen Staaten von ihnen die Öffnung ihrer Märkte verlangt,
sich aber weigerten, die Subventionen für die eigenen Bauern zu
beenden.
Die Globalisierungsgegner müssten weiter Druck auf die
Welthandelsorganisation (WTO) ausüben, forderte der britische
Abgeordnete Jeremy Corbyn. Den Abbruch der WTO-Verhandlungen in Mexiko
im vergangenen September wertete er als Erfolg des letzten
Weltsozialforums. Unter Führung von Brasilien, Indien und
Südafrika hatte eine Gruppe von 21 Entwicklungsländern die
Verhandlungen in Cancún abgebrochen, weil die Industriestaaten
zu einer substanziellen Senkung ihrer Landwirtschaftssubventionen nicht
bereit waren.
Was war der Grund für das Scheitern der WTO-Konferenz in Cancun?
Mehr unter: http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309160.htm#030916_f
Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hatte am Freitagabend die
US-Regierung angegriffen. Sie rief dazu auf, zwei US-Konzerne zu
bestimmen und "dicht zu machen", die am Irak-Krieg profitiert
hätten. Angesichts des Strebens der US-Regierung um weltweite
Vorherrschaft müsse das Weltsozialforum erwägen, "sich im
Krieg zu befinden", sagte Roy.
Die britische Hilfsorganisation Oxfam prangerte auf dem Weltsozialforum
Kleinwaffen als "die eigentlichen Massenvernichtungswaffen" an. Fast in
jeder Minute falle ein Mensch einer Kugel oder Granate zum Opfer, sagte
Oxfam-Chefin Mary Robinson. Oxfam fordert von der internationalen
Gemeinschaft eine Eindämmung des Waffenhandels.
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi warnte den Westen derweil
vor einer einseitigen Beurteilung der muslimischen Welt.
Die Iranerin bezeichnete die Theorie, es gebe einen Kampf der Kulturen
zwischen dem christlichen Westen und dem muslimischen Nahen Osten, als
gefährlich. "Seit diese Theorie in amerikanischen
Universitäten gelehrt wird, haben sie angefangen, Krieg zu
rechtfertigen", sagte Ebadi. Terroristen, die sich auf den Islam
beriefen, missbrauchten die Religion.
Das von 100.000 Teilnehmern besuchte Weltsozialforum ist die
Gegenveranstaltung der Globalisierungskritiker zum
Weltwirtschaftsforum, bei dem sich jedes Jahr Wirtschaftsführer
und Politiker treffen; in diesem Jahr vom 21. bis 25. Januar. Die
ersten drei Weltsozialforen fanden in Porto Alegre (Brasilien) statt.
Sven Giegold vom Koordinationsrat von Attac Deutschland sprach am
Samstag von einem erfolgreichen Start des Forums in Bombay. "Der Sprung
über die zwei Ozeane von Brasilien nach Indien ist geglückt."
In der offiziell Mumbai genannten Stadt Bombay begann am Samstag mit
"Mumbai Resistance 2004" (Mumbai Widerstand 2004) ein weiteres Forum.
"Mumbai Resistance 2004" [http://mumbairesistance.org/] tritt nach eigenen Angaben für "einen
militanten Kampf gegen imperialistische Globalisierung" ein. Die
Gruppen auf dem Weltsozialforum vertreten dagegen gewaltfreie
Strategien.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Mehr unter:
http://www.wsfindia.org
http://www.forumsocialmundial.org
http://india.indymedia.org
http://www.taz.de/pt/2004/01/15/a0242.nf/text
Warum Mumbai Resistance 2004?:
http://india.indymedia.org/en/2003/11/8257.shtml
Blick ins Archiv
4. Weltsozialforum in Bombay eröffnet
Scharfe Kritik an USA +++ Appelle gegen Krieg, Unterdrückung und
Armut
Sa.17.01.04 - Mit scharfer Kritik an der Politik der USA und Aufrufen gegen
Krieg, Unterdrückung und Armut hat in der indischen
Finanzmetropole Bombay das vierte Weltsozialforum begonnen. Unter dem
Applaus der bis zu 100 000 Globalisierungskritiker rief die
preisgekrönte indische Schriftstellerin Arundhati Roy am Freitag
dazu auf, zwei US-Konzerne zu bestimmen und «dicht zu
machen», die am Irak-Krieg profitiert hätten. Angesichts des
Strebens der US- Regierung um weltweite Vorherrschaft müsse das
Weltsozialforum erwägen, «sich im Krieg zu befinden».
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi forderte,
der Kampf gegen den "Terrorismus" müsse auf das internationale
Recht gegründet sein. Die USA und einige andere Staaten
hätten "unter dem Deckmantel der Rechtmäßigkeit eine
massive Verletzung der Menschenrechte entfesselt". Das sechstägige
Treffen von Globalisierungskritikern startete mit einem Friedenskonzert
einer pakistanischen Rockband...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401170.htm#04011709
Vor dem Weltsozialforum in Bombay
Über die Geschicke der Welt bestimmen die wenigen Menschen, die an
Schlüsselpositionen in den entscheidenden Institutionen sitzen.
Seit den Protesten in Seattle wächst die Bewegung für eine
andere Globalisierung. Sie versammelt unterschiedlich radikale
Bewegungen und Gruppierungen aus ganz verschiedenen Bereichen, die sich
gegen die durchgreifenden neoliberalen Umwälzungen zur Wehr
setzen. Sie tun dies mittels lokaler Initiativen, die sich auf konkrete
Themen wie etwa die Gesundheitspolitik beziehen, aber auch durch
große überregionale oder globale Sozialforen...
Mehr in dem Bericht "Vor dem Weltsozialforum in Bombay - Weder
Woodstock noch Internationale" von François Houtart (Le Monde
diplomatique Nr. 7208 vom 14.11.2003, Seite 6):
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0012.nf/text
François Houtart ist Leiter des Centre Tricontinental und der
Zeitschrift Alternatives sud, Louvain-la-Neuve (Belgien).
Gipfelmarathon in Porto Alegre, New York und München
Do.31.01.02 - In New York trifft sich die Globalisierungselite beim Weltwirtschaftsforum.
Zeitgleich veranstalten Globalisierungsgegner ein Weltsozialforum in Porto Alegre,
und in München findet eine Konferenz der "Kriegsstrategen" statt.
Beim zweiten Weltsozialforum kritisiert der amerikanische Linguist und Philosoph Noam
Chomsky das amerikanische Freihandelsabkommen. Gegengipfel zum Weltwirtschafts-
forum fordert Verhaltenskodex für Unternehmen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0201310.htm#top
Das erste Weltsozialforum fand im Januar 2001 statt
15 000 Globalisierungskritiker aus mehr als 100 Ländern waren nach Porto
Alegre gereist und hatten eine Woche lang über Gegenstrategien zur
neoliberalen Wirtschaftswelt diskutiert. Die Initiative dazu war
ausgegangen von der brasilianischen Landlosenbewegung MST und der
europäischen Attac-Bewegung, die in Frankreich von der Redaktion
der "Le Monde Diplomatique" ins Leben gerufen worden war.
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Italien
Parmalat: Sieben-Milliarden-Euro-Konto nicht gefunden
So.18.01.04 - Die Bank of America hat nach Angaben des in einen Bilanzskandal
verwickelten italienischen Lebensmittelunternehmens Parmalat die
Existenz eines New Yorker Kontos bestritten, auf dem sich angeblich
sieben Milliarden Euro aus dem Parmalat-Vermögen befinden sollen.
Carlo Zauli, Anwalt einer Gruppe von Parmalat-Gläubigern, hatte
erklärt, er habe ein Konto der Bank of America in New York mit
Parmalat-Geldern gefunden und könne die Nummer nennen.
Parmalat teilte daraufhin am Samstag mit, die Bank of America habe auf
Nachfrage erklärt, dass in ihrer New Yorker Filiale kein Konto mit
der genannten Nummer geführt werde.
Die italienische Staatsanwaltschaft schätzt das Loch in der
Parmalat-Bilanz auf mehr als zehn Milliarden Euro. Die
Bilanzfälschung war im Dezember bei einer auf den Kaiman-Inseln
ansässigen Tochter der Bank of America offenkundig worden, als
sich ein in der Bilanz geführtes Konto mit mehreren Milliarden
Euro als nicht vorhanden erwies. Mehrere Manager wurden im Zusammenhang
mit den verschwundenen Milliarden bislang inhaftiert. Derzeit arbeitet
das Unternehmen mit weltweit 35.000 Mitarbeitern unter
Gläubigerschutz weiter.
(Quelle: rtr)
Tausende protestieren in Paris gegen Bau neuer Atomreaktoren
78,2 Prozent des in Frankreich verbrauchten Stroms stammt aus
Atomkratwerken
So.18.01.04 - Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Paris gegen die Pläne
der französischen Regierung zum Bau neuer Atomreaktoren
protestiert. Die Organisatoren erklärten, sie wollten mit der
Demonstration auf die Probleme mit dem Europäischen
Druckwasserreaktor EPR (European Pressurized Water Reactor) hinweisen.
Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 6.000 an, die Veranstalter
sprachen von 15.000 Menschen.
Die 58 französischen Atomreaktoren produzieren zusammen 78,2
Prozent des in Frankreich verbrauchten Stroms. Allerdings müssen
2020 die ersten von ihnen aus Altersgründen vom Netz.
Industrieministerin Nicole Fontaine hat daher erklärt, sie wolle
zu Beginn des Jahres den Bau eines EPR-Prototypen bis 2010 vorschlagen.
Bei einem erfolgreichen Probebetrieb könnten dann weitere EPR
gebaut und bis 2020 in Dienst gestellt werden.
Die neuen Generatoren werden vom staatlichen Energieunternehmen
Elecritice de France gemeinsam mit französischen und deutschen
Firmen gebaut, darunter Framatome und Siemens. Der Sprecher der
Atomkraftgegner, Stephane Lhomme, sagte, die geplanten Reaktoren seien
genau so problematisch wie die alten und reduzierten nicht den
Atommüll. Fontaine erklärte am Samstag in einer
Stellungnahme, sie wolle die Pläne mit den Atomkraftgegnern und
Mitgliedern der Grünen Partei diskutieren.
(Quelle: ap)
Tausende bei Demonstrationen gegen Kopftuch-Verbot
So.18.01.04 - Gegen ein Verbot islamischer Kopftücher an öffentlichen
Schulen sind in Europa und in mehreren arabischen Ländern tausende
Demonstranten auf die Straßen gegangen. In Paris und anderen
französischen Städten protestierten mehrere tausend Menschen.
In Berlin protestierten etwa 600 Menschen gegen das dort geplante
Kopftuch-Verbot im öffentlichen Dienst.
An dem Protestzug in Paris nahmen etwa 3000 Menschen teil. Die
Demonstrationsteilnehmer, in der Mehrheit Frauen, trugen
Spruchbänder mit Slogans wie "Frankreich ist mein Vaterland, der
Hidschab (islamisches Kopftuch) ist mein Leben". In Straßburg
gingen etwa eintausend Menschen auf die Straße, in Marseille
knapp 2000. Kleinere Demonstrationen wurden auch aus Toulouse, Nizza
und Poitiers gemeldet. Der Protest entzündete sich an einer
Gesetzesinitiative des französischen Bildungsministers Luc Ferry,
wonach in öffentlichen Schulen das Tragen von Kopftüchern
verboten werden soll.
In Berlin zogen die Demonstranten vom Stadtteil Kreuzberg Richtung
Mitte, wo am späten Nachmittag eine Kundgebung stattfinden sollte.
Das unter anderem für Berliner Schulen geplante Kopftuch-Verbot
bedrohe die Religionsfreiheit und diffamiere die
Kopftuch-Trägerinnen als fundamentalistisch, betonten die
Veranstalter. Sie forderten eine Gleichbehandlung mit anderen
religiösen Bekenntnissen.
In Großbritannien und der Türkei sowie in mehreren
arabischen Ländern versammelten sich Demonstranten vor
diplomatischen Vertretungen Frankreichs. In London zogen etwa 3000
Menschen vor die Botschaft. Die Teilnehmer warfen der Regierung in
Paris vor, eine "neue Front im Krieg gegen den Islam" zu eröffnen
und beklagten "religiöse Intoleranz". In Brüssel
demonstrierten etwa 300 Menschen. In Ankara und Istanbul versammelten
sich der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge insgesamt knapp 200
Demonstranten.
Bei einer der größten Demonstrationen in Nahost versammelten
sich in Gaza rund eintausend Menschen. In der jordanischen Hauptstadt
Amman demonstrierten rund einhundert Frauen für das Kopftuch. Rund
tausend Frauen solidarisierten sich in der libanesischen Hauptstadt
Beirut mit den in Frankreich lebenden Moslems. Zu weiteren kleineren
Protesten kam es in Kuwait-Stadt und in Khartum im Sudan.
(Quelle: afp)
Kopftuchverbot in Frankreich
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401060.htm#040106uy
Kopftuch-Debatte in Deutschland
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401120.htm#040112_j
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401140.htm#04011426
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#031218_i
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_o
Deutschland
Merkel schließt Gespräche über Steuerreform aus
So.18.01.04 - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel schließt Verhandlungen mit der
Bundesregierung über eine große Steuerreform aus. In diesem
Jahr werde es nicht mehr dazu kommen, sagte sie der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung». Signale der Bundesregierung wiesen
«auf große Verzagtheit hin, was den Umbau des Steuersystems
angeht». Die Bundesregierung habe offenbar kein Interesse an
einer echten Reform, sagte Merkel. «Ich habe leider nicht den
Eindruck, dass Kanzler Schröder die Kraft und die Kreativität
hat, eine wirklich radikale Steuerreform durchzusetzen.»
Zugleich sucht Merkel einen Kompromiss ihrer Partei mit der CSU im
Streit um ein gemeinsames Steuerkonzept mit einer Netto-Entlastung
für Steuerzahler. «Das Merz-Konzept sieht eine
Nettoentlastung zwischen fünf und acht Milliarden Euro vor. Das
ist machbar», sagte sie. Eine Vereinfachung ohne jede Entlastung
sei schwierig, weil dann bei einer Verbreiterung der
Bemessungsgrundlage eine Menge Ungerechtigkeiten erzeugt würden.
«Im Vordergrund steht ein neues, einfaches Steuersystem»,
betonte Merkel.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Der Wettstreit um das beste Steuerkonzept
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401080.htm#040108_e
Umsetzung der Gesundheitsreform: Schmidt stellt Ärztevereinigungen
Ultimatum
So.18.01.04 - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat von den
Kassenärztlichen Vereinigungen ultimativ verlangt, die
Gesundheitsreform umzusetzen und noch offene Fragen binnen einer Woche
zu klären. Zugleich drohte Schmidt im Nachrichtenmagazin "Spiegel"
mit der Abschaffung der Ärztevereinigungen. "Den
Ärztefunktionären und Kassen muss klar sein: Die
Gesundheitsreform ist ihre letzte Chance", sagte die Ministerin.
Wenn es ihnen nicht gelinge, für bessere Qualität und mehr
Wirtschaftlichkeit zu sorgen, "verliert die Selbstverwaltung ihre
Existenzberechtigung", sagte Schmidt weiter. Die Kassenärztlichen
Vereinigungen "wären dann überflüssig". Schmidt gab den
Medizinern die Hauptschuld an den Pannen seit Inkrafttreten der Reform.
(Quelle: afp)
Gesundheitsreform: Kollateralschäden werden billigend in Kauf
genommen:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/14-4.htm
Experten: Gesundheitsreform bremst Konjunktur
Die Verunsicherung der Bürger über die finanziellen Folgen
der Sozialreformen könnte nach Einschätzung führender
Wirtschaftsexperten den Aufschwung in Deutschland deutlich
abschwächen
So.18.01.04 - Andreas Cors vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte
der "Berliner Zeitung" vom Samstag: "Die Gesundheitsreform wirkt wie
eine Konjunkturbremse." Die Auswirkungen der Reform könnten
kurzfristig die erwartete Konjunkturbelebung gefährden. Udo Ludwig
vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle sagte, die Bürger
hätten noch keinen Überblick über ihre künftigen
finanziellen Belastungen und gäben ihr Geld daher
zurückhaltend aus. Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD)
verteidigte die Reform, die Beitragssatz-Erhöhungen bei den
gesetzlichen Krankenkassen vermeide.
Konjunktur-Experte Ludwig sagte, die Verunsicherung der Bürger
führe dazu, dass sie ihr Geld nur sehr zurückhaltend
ausgeben. "Der private Konsum dürfte als Impulsgeber für die
Konjunktur in diesem Jahr weitgehend ausfallen." Die Entlastungen durch
die Steuerreform reichten bei weitem nicht aus, um der Konjunktur
"einen ordentlichen Schub" zu geben. Joachim Scheide vom Kieler
Institut für Weltwirtschaft sagte, der private Konsum werde nur
gering steigen, da die Einkommenserwartungen der Bürger
gedämpft seien.
Dagegen geht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von
einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in diesem Jahr aus. "Zwei
Prozent Wachstum sind noch möglich - dank der deutschen
Ausfuhren", sagte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben der
"Bild am Sonntag". Die Bundesregierung hat für 2004 ein Wachstum
zwischen 1,5 und zwei Prozent prognostiziert.
Schmidt sagte dem Magazin "Der Spiegel": "Niemand darf vergessen, dass
wir ohne die Reform zum 1. Januar deutliche Beitragserhöhungen
(bei den gesetzlichen Krankenkassen) gehabt hätten." Die Barmer
Ersatzkasse etwa hätte dann ihren Satz um einen halben
Prozentpunkt erhöhen müssen. Nun sei das Ziel erreichbar, den
durchschnittlichen Beitragssatz in diesem Jahr auf unter 14 Prozent zu
senken.
Eine Umfrage des Magazins "Focus" ergab, dass im Januar bislang
zwölf Krankenkassen ihre Beitragssätze gesenkt haben,
darunter mehrere Ortskrankenkassen und die Deutsche
Angestellten-Krankenkasse (DAK). Acht weitere Kassen wollten ihre
Sätze ab April oder später senken, darunter die
Barmer-Ersatzkasse. 103 Kassen verlangten derzeit höhere
Beiträge als vor einem Jahr. 45 Prozent der Kassenmanager
erwarteten in diesem Jahr sinkende Beitragssätze, nur zwei Prozent
rechneten mit steigenden Beiträgen. 53 Prozent der Kassenchefs
erwarteten stabile Sätze.
(Quelle: rtr)
Raffelhüschen rechnet mit Anstieg der Krankenkassenbeiträge
Die Gesundheitsreform sei ein Fehlschlag und die Praxisgebühr sei
Unsinn
So.18.01.04 - Der Gesundheitsexperte Bernd Raffelhüschen rechnet bis zum
Jahresende mit steigenden Krankenkassenbeiträgen. Der «Bild
am Sonntag» sagte Raffelhüschen: «Die
Gesundheitsreform ist ein Fehlschlag.» Es werde immer klarer,
dass die Krankenkassenbeiträge weiter steigen werden. Ich rechne
eher damit, dass sie Ende des Jahres im Durchschnitt bei mindestens 15
Prozent liegen werden. Die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal
bezeichnete er als Unsinn. Er sprach sich für eine deutliche
Steigerung des Selbstbehaltes aus.
(Quelle: dpa)
Unverheirateten Paaren könnte Freibetrag gestrichen werden
So.18.01.04 - Unverheirateten Paaren mit Kindern kann der Freibetrag für
Alleinerziehende gestrichen werden. Eine Sprecherin des
Finanzministeriums bestätigte grundsätzlich einen Bericht des
«Focus». Das Magazin hatte berichtet, alle Inhaber der
Steuerklasse 2 müssten bis September schriftlich versichern, dass
sie allein mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern in einem
Haushalt leben. Andernfalls werde rückwirkend für 2004 den
Freibetrag für Alleinerziehende in der Höhe von 1308 Euro
gestrichen.
(Quelle: dpa)
Noch tausende Jugendliche ohne Ausbildungsplatz
So.18.01.04 - Anfang des Jahres waren nach Informationen der «Welt am
Sonntag» noch immer tausende Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.
Wie die Zeitung unter Berufung auf das Bundesministerium für
Arbeit berichtet, gab es am Stichtag 1. Januar 16.300 ernsthafte
Bewerberinnen und Bewerber um eine Lehrstelle. Insgesamt seien sogar
35.600 Jugendliche nicht vermittelt gewesen. Bundesarbeitsminister
Wolfgang Clement bezeichnete die Zahl von 560.000
Ausbildungsverhältnissen als Erfolg. Zugleich kündigte er an,
in diesem Jahr früher für neue Lehrstellen zu werben.
Zu den bestehenden Ausbildungsverhältnissen sagte Clement dem
Blatt: «Die gemeinsamen Bemühungen von Bundesregierung,
Kammern, Bundesagentur für Arbeit und Gewerkschaften in der
Nachvermittlung und auch die neuen Fördermöglichkeiten haben
Wirkung entfaltet.» Dennoch wolle er in diesem Jahr früher
für neue Lehrstellen werben: «Ziel muss sein, die in den
letzten Jahren regelmäßig notwendige, schwierige
Nachvermittlung für die Zukunft zu vermeiden. Deshalb arbeiten wir
mit Nachdruck daran, dass künftig allen ausbildungswilligen
Jugendlichen schon im ersten Anlauf ein Ausbildungsplatz angeboten
werden kann.»
Den nicht vermittelten Jugendlichen soll dem Bericht zufolge ein
Praktikumsplatz oder eine berufsvorbereitende Maßnahme angeboten
werden. Wer das verweigere, könne nach dem Willen der
Bundesregierung nicht mehr mit öffentlicher Unterstützung
rechnen.
Von den insgesamt 35.600 bislang nicht vermittelten
Ausbildungsplatzsuchenden sind den Angaben zufolge 40 Prozent
Jugendliche, die der Einladung von Kammern und Arbeitsagentur zu einem
Informationsgespräch gar nicht erst nachgekommen sind. Mehr als
die Hälfte (57 Prozent) seien Bewerber aus Vorjahren.
Die Zahl der Abbrecher von Ausbildungen stieg laut «Welt am
Sonntag» in den letzten drei Monaten von 18.000 auf 29.700.
Allerdings seien von ihnen bereits 10.400 neu vermittelt worden, so
dass netto 19.300 Abbrecher übrig geblieben seien.
(Quelle: ap)
Gerster erwartet nach Hartz-Reformen deutlich weniger Arbeitslose
So.18.01.04 - Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, erwartet,
dass die Zahl der Arbeitslose allein durch die neuen
Arbeitsmarktgesetze innerhalb der nächsten beiden Jahre unter die
Vier-Millionen-Grenze sinken wird. «Wenn die Reform in die
Fläche vordringt und in jeder Geschäftsstelle umgesetzt wird,
schätzen wir, dass wir allein durch die Reformen 2006 etwa 400.000
Arbeitslose weniger haben können», sagte Gerster am Sonntag
in Nürnberg der Nachrichtenagentur AP. Für einen weiteren
Abbau müsse die Konjunktur sorgen.
Der BA-Chef zog ein Jahr nach dem In-Kraft-Treten der ersten
Hartz-Gesetze auch beim Umbau der ehemaligen Nürnberger
Bundesanstalt trotz Negativ-Schlagzeilen eine positive Bilanz:
«Der Veränderungsprozess ist bislang besser gelaufen, als
erwartet werden konnte.» Ohne die neue Geschäftspolitik
seines Vorstands und die ersten Reformgesetze hätte es 2003 im
Jahresdurchschnitt 100.000 Arbeitslose mehr gegeben.
«Finanzminister Hans Eichel hätte mindestens einige hundert
Millionen Euro, wenn nicht sogar in Milliardenhöhe mehr
Zuschüsse an die BA überweisen müssen», sagte
Gerster. «Ich finde das nicht so schlecht für das erste Jahr
der Reformen.»
Wesentlichen Erfolg verspricht sich Gerster vom ab 2005 geltenden
Arbeitslosengeld II: «Die Verkürzung der Dauer von
Lohnersatzleistungen von 32 Monaten auf in der Regel zwölf bis
höchstens 18 Monate ist von den verschiedenen Arbeitsmarktreformen
mit die wichtigste.»
Lange Arbeitslosengeld-Zahlung habe dazu beigetragen, dass ältere
Arbeitnehmer aus Beschäftigung in den Vorruhestand gedrängt
worden seien: «Die Verkürzung der Lebensarbeitszeit ist
einer der größten Fehler, den die deutsche
Gesellschaftspolitik in den achtziger Jahren gemacht hat»,
kritisierte der BA-Chef. Auch die schrittweise Absenkung der
Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau werde «deutlich machen,
dass man sich in der Langzeitarbeitslosigkeit auf Dauer nicht
einrichten kann».
Bis Ende diesen Jahres würden alle 180 bisherigen
Arbeitsämter als Agenturen auf neue Kundenzentren mit Job-Centern
umgestellt sein. «Das Auswechseln von Überschriften und
Türschildern allein wäre nicht ernst zu nehmen»,
verteidigte Gerster die 7,5 Millionen Euro teure Umbenennungsaktion.
«Unser Ziel ist aber, dass sich so viel verändert, dass die
alte Bundesanstalt als Teil des bürokratischen Sozialstaates nicht
mehr zu erkennen ist.»
Der Bewusstseinswechsel in den Arbeitsbehörden sei die
entscheidende Veränderung unter den Arbeitsreformen, betonte
Gerster. Das wirksamste Instrument sei ein gutes Fallmanagement
für die betroffenen Arbeitslosen bis hin zu
Trainingsmaßnahmen, um Vermittlungshemmnisse abzubauen:
«Trotz der verschlechterten Konjunktur haben wir 2003 elf Prozent
mehr Menschen aus Arbeitslosigkeit wieder in Beschäftigung
eingliedern können.»
Nach dem guten Start der Ich-AG hoffe die Bundesagentur, dass auch die
Personal-Serviceagenturen (PSA) bei einem sich abzeichnenden Aufschwung
mit Zeitarbeitsvermittlung noch zu einem Erfolg werden könnten.
Gerster wies zugleich Vorwürfe zurück, die Bundesagentur
schöne mit strengeren Anforderungen an Arbeitssuchende die
Statistik: «Wer von der Solidargemeinschaft Unterstützung
erwartet, muss diese auch dann annehmen, wenn sie nicht nur angenehm
ist, sondern hart und fordernd.»
(Quelle: ap)
Hartz-Gesetze und andere Zumutungen:
http://www.jungewelt.de/2003/12-23/008.php
Arbeitsämter verhängen offenbar mehr Sperrzeiten
http.//www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401150.htm#04011515
Arbeitslosenzahl im Dezember deutlich gestiegen - Höchster Stand seit 1997
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401090.htm#04010915
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401090.htm#040109ep
Umfrage - Arbeitsplatzabbau in Deutschland setzt sich 2004 fort
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401090.htm#04010916
40 Millionen Euro für Bundesagentur-Berater in diesem Jahr
So.18.01.04 - Für Berater und Sachverständige hat die Bundesagentur
für Arbeit in diesem Jahr Ausgaben in Höhe von 40 Millionen
Euro vorgesehen. Das seien 8 Millionen mehr als im letzten Jahr, sagte
eine BA-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Die Steigerung werde im
Haushaltsplan mit erhöhtem Beratungsbedarf für die
«Neuausrichtung der Dienstleistungen, der organisatorischen
Strukturen und der Prozesse der Bundesagentur» begründet.
(Quelle: dpa)
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