Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundachten Tag nach Kriegsbeginn
Bush verteidigt Irak-Krieg in Rede zur Lage der Nation +++ Streit um
Übergabe der Macht an Iraker: Kompromiss zwischen USA
und Schiiten in Sicht +++ Tausende Schiiten fordern Todesstrafe
für Saddam Hussein +++ Vereinigte Arabische Emirate erlassen Irak
Großteil der Schulden
Mi.21.01.04 - US-Präsident George W. Bush hat in seiner Rede zur Lage der Nation
den Irak-Krieg verteidigt. "Wir sind diesen ganzen Weg - durch Tragik,
harte Proben und Krieg - nicht gegangen, um zu zögern und unsere
Arbeit unvollendet zu lassen", sagte Bush am Dienstagabend (Ortszeit)
vor den Häusern des Kongresses und Millionen von
Fernsehzuschauern.
Die amerikanische Führerschaft habe geholfen, die Welt "zum
Besseren" zu verändern, sagte Bush. "Wenn wir nicht gehandelt
hätten, würden die Programme des Diktators für
Massenvernichtungswaffen bis zum heutigen Tag fortbestehen". Zugleich
wies er erneut Kritik an den USA und dem von ihnen angeführten
Krieg gegen den Irak zurück. Die USA bräuchten keine
internationale Erlaubnis, um ihre eigene Sicherheit zu bewahren.
Bislang wurden im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden, deren
Existenz die USA als Hauptgrund für den Krieg gegen den Irak
angeführt hatten. Dem Irak-Krieg fielen bislang mehr als 500
US-Soldaten zum Opfer.
Im Streit zwischen den USA und der schiitischen
Bevölkerungsmehrheit um den Zeitplan für die Übergabe
der Macht an die Iraker zeichnet sich möglicherweise ein
Kompromiss ab. Wie am Dienstag in Bagdad aus Kreisen der Koalition und
der Iraker verlautete, könnten die Besatzungstruppen Macht an den
Verwaltungsrat abtreten. Der Geistliche Großayatollah Ali el
Husseini el Sistani sei im Gegenzug bereit, auf seine Forderung nach
baldigen Wahlen zu verzichten, hieß es.
US-Präsident George W. Bush sprach in dieser Frage am Dienstag in
Washington auch mit Mitgliedern des irakischen Verwaltungsrats. Bush
äußerte dabei die Hoffnung, dass der von den USA angestrebte
Zeitplan für das Ende der Besatzung und für freie Wahlen
umgesetzt werden kann. Die USA waren zuletzt von den Schiiten unter
Druck gesetzt worden, deren geistlicher Führer baldige Wahlen
fordert. Die USA planten sie erst für 2005.
Bush Äußerungen deuteten daraufhin, dass die USA bestrebt
sind, einen Kompromiss zu erreichen. Auch Außenminister Colin
Powell erklärte jetzt, die USA hofften, den Zeitplan einhalten zu
können. Es könne möglicherweise aber auch
Änderungen geben, die für alle Seiten akzeptabel seien, sagte
Powell. In der vergangenen Woche hatte es noch geheißen, der
Zeitplan werde auf jeden Fall umgesetzt.
US-Zivilverwalter Paul Bremer hatte sich am Montagabend in New York in
einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan um die
Unterstützung der Vereinten Nationen bemüht. Annan zeigte
sich zwar bereit, eine Expertengruppe nach Irak zu schicken, die die
Möglichkeit baldiger Wahlen prüfen soll. Er verlangte aber
zunächst Sicherheitsgarantien für ein solches Team.
Beobachtern zufolge hoffen die USA, dass die UN-Experten nach
Überprüfung der Lage vor Ort ihre Einschätzung teilen,
wonach die prekäre Sicherheitslage baldige Wahlen nicht
zulässt. Aus UN-Kreisen verlautete am Dienstag, mit einer
Entscheidung Annans zur Entsendung der Expertengruppe sei
möglicherweise noch in dieser Woche zu rechnen. Andere Diplomaten
sagten, die offizielle Bekanntgabe könne sich aber auch um ein
paar Tage verzögern.
Tausende Schiiten haben am Dienstag in Bagdad gegen die Entscheidung
der USA demonstriert, den inhaftierten ehemaligen Machthaber Saddam
Hussein als Kriegsgefangenen einzustufen und unter den Schutz der
Genfer Konventionen zu stellen. "Saddam ist ein Kriegsverbrecher, kein
Kriegsgefangener. Exekutiert ihn!", skandierten die rund 5.000
Demonstranten.
AM Montag waren 100.000 Schiiten mit der Forderung nach demokratischen
Wahlen noch in diesem Jahr durch Bagdad gezogen. Ihr Anteil an den rund
25 Millionen Irakern wird auf etwa 60 Prozent geschätzt. Sie
fürchten, nach der Unterdrückung durch Saddam Hussein nun
abermals um ihren politischen Einfluss gebracht zu werden.
Die jüngste Demonstration in der Hauptstadt führte vom
Stadtteil Sadr zum El-Fardos-Platz, auf dem nach der Eroberung Bagdads
am 9. April eine überdimensionale Statue des gestürzten
Staatschefs niedergerissen worden war. "Wir verlangen die Hinrichtung
von Saddam, dem Ungläubigen, der unsere Söhne getötet
und in Massengräbern verscharrt hat", sagte eine Teilnehmerin der
Kundgebung, die nach eigenen Angaben unter dem alten Regime elf
Familienmitglieder verlor.
"Jede gute Muslimin und jeder ehrenhafte Mensch will die Hinrichtung
Saddams", sagte eine weitere Demonstrantin. "Wie können die USA
ihn da zum Kriegsgefangenen machen." In einer Erklärung der
Organisatoren des Protestes wurde ein Prozess gegen den Exdiktator in
Irak gefordert. "Vergisst Amerika die Schreie der Opfer", hieß
es. An einer ähnlichen Demonstration in Nadschaf nahmen einige
hundert Schiiten teil.
Bei ihren Bemühungen um einen weit reichenden Schuldenerlass
für Irak haben die USA einen weiteren Erfolg erzielt. Die
Vereinigten Arabischen Emirate sagten dem US-Sonderbeauftragten James
Baker am Dienstag zu, Irak den Großteil der auf vier Milliarden
Dollar (3,2 Milliarden Euro) geschätzten Schulden zu erlassen, wie
die staatliche Nachrichtenagentur WAM berichtete. Der Kronprinz von Abu
Dhabi, Scheich Chalifa bin Sajed el Nahajan, kündigte "sofortige
Verhandlungen" zur Schuldenerleichertung an, deren Ergebnis eine
künftige irakische Regierung "zufrieden stellen dürften".
(Quelle: ap)
Arundhati Roy - Laßt uns den Blick auf Irak werfen
Wenn alle von uns wirklich gegen Imperialismus und gegen das Projekt
des Neoliberalismus sind, dann laßt uns den Blick auf Irak werfen.
Irak ist die unvermeidliche Kulmination von beidem. Zahlreiche
Kriegsgegner haben sich seit der Gefangennahme Saddam Husseins
zurückgezogen. Ist die Welt nicht besser ohne Saddam Hussein?
fragen sie ängstlich.
Schauen wir der Sache ein für allemal ins Auge. Der Gefangennahme
Saddam Husseins durch die US-Army zu applaudieren und deshalb im
nachhinein ihre Invasion und Okkupation Iraks zu rechtfertigen, ist wie
Jack the Ripper (den Schlächter) anzubeten, weil er den
Boston-Würger ausgeweidet hat. Und das nach einem
Vierteljahrhundert Partnerschaft, in der Schlächter und
Würger ein gemeinsames Unternehmen betrieben. Es war ein
innerbetrieblicher Streit. Sie waren Geschäftspartner, die sich
wegen eines schmutzigen Deals entzweiten. Jack war der CEO, der Chief
Exekutive Officer.
Wenn wir also gegen den Imperialismus sind, sollten wir dann darin
übereinstimmen, daß wir gegen die US-Okkupation sind und
daß wir glauben, daß die USA sich aus Irak
zurückziehen und dem irakischen Volk Reparationen für die
Kriegsschäden zahlen müssen? Wie beginnen wir mit unserem
Widerstand? Beginnen wir mit etwas wirklich Kleinem. Die Frage ist
nicht, den Widerstand in Irak gegen die Besatzung zu unterstützen
oder zu debattieren, wer genau zum Widerstand in Irak gehört ( Sind
sie alte Baath-Killer? Sind sie islamische Fundamentalisten?) Wir
müssen der globale Widerstand gegen die Besatzung werden.
Unser Widerstand muß mit der Zurückweisung der
Legitimität der US-Okkupation Iraks beginnen. Das bedeutet
Handeln, um es dem Imperium unmöglich zu machen, seine Ziele zu
erreichen. Es bedeutet, Soldaten sollten sich weigern zu kämpfen,
Reservisten sich weigern, eingezogen zu werden. Arbeiter sollten es
ablehnen, Schiffe und Flugzeuge mit Waffen zu beladen. Es bedeutet
auch, daß wir in Ländern wie Indien und Pakistan die
Pläne der US-Regierung zum Scheitern bringen müssen, indische
und pakistanische Soldaten zum Saubermachen nach Irak zu schicken.
Ich schlage vor, daß wir auf einer gemeinsamen
Abschlußzeremonie von Weltsozialforum und Mumbai Resistance zwei
wichtige Unternehmen auswählen, die von der Zerstörung Iraks
profitieren. Wir könnten jedes Projekt, in das sie involviert
sind, erfassen. Wir könnten ihre Büros in jeder Stadt und in
jedem Land der Welt lokalisieren. Wir könnten sie jagen, zur
Schließung zwingen. Es ist eine Frage, unsere kollektive Weisheit
und Erfahrung aus vergangenen Kämpfen für ein einzelnes Ziel
einzubringen. Es ist eine Frage des Wunsches zu siegen.
Das »Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert«
strebt danach, Ungleichheit fortzusetzen und amerikanische Hegemonie um
jeden Preis, selbst wenn er apokalyptisch ist, zu errichten. Das
Weltsozialforum verlangt Gerechtigkeit und Überleben. Aus diesen
Gründen müssen wir uns als im Krieg befindlich betrachten.
Aus der Rede der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy auf dem
4.Weltsozialforum in Mumbai (Bombay):
http://www.jungewelt.de/2004/01-20/003.php
Solidarität mit dem irakischen Widerstand?
Arundhati Roys Aufforderung auf dem Weltsozialforum in Bombay, den
Widerstand im Irak zu unterstützen, hat zwei Seiten, von denen
eine richtig, die andere zumindest problematisch ist. Die Aufforderung
zum Widerstand ist richtig, weil berücksichtigt werden muss, dass
der Irak ein besetztes Land ist. Der Widerstand gegen eine
Besatzungsmacht ist, von höchst seltenen Ausnahmen abgesehen,
immer, jedenfalls im Falle Iraks, völlig legitim. Zudem handelt es
sich bei den Besatzern, wie die bisherige Erfahrung gezeigt hat, um
eine Macht, die sich in der gesamten Region niemals auf die Seite von
Freiheit und Demokratie gestellt hat....
Aus: Bahman Nirumand - "Die Besatzer müssen raus",
taz vom 21.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/21/a0251.nf/text
Bahman Nirumand ist iranischer Schriftsteller und Journalist und lebt
seit 1982 in Deutschland im Exil
Parolen konzentrieren die politische Linie. Das sollten sie wenigstens.
"Solidarität mit dem kämpfenden vietnamesischen Volk"
bedeutete in der Bundesrepublik der späten 60er-Jahre dreierlei:
die Unterstützung der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams
(FNL) und der von Ho Chi Minh geführten Demokratischen Republik
Vietnam (Nordvietnam) gegen die US-Aggression; die Unterstützung
des Volkskriegs, der die nationale Befreiung mit Schritten der sozialen
Emanzipation vereinen sollte - und schließlich, wie in Vietnam,
so andernorts, die Unterstützung des weltweiten
antiimperialistischen und antikolonialen Kampfes.
Können diejenigen unter uns, die sich gegen die US-Intervention im
Irak gewandt haben, heute mit derselben Berechtigung und mit derselben
Klarheit die Parole "Solidarität mit dem kämpfenden
irakischen Volk" aufstellen, mit der auch Arundhati Roy bei ihrer Rede
in Bombay sympathisierte? Offensichtlich nicht. Es fehlt auf der
irakischen Seite an Adressaten. Oder sollten etwa die Islamisten, die
übrig gebliebenen Elemente der Baath-Partei oder Kurden, die einen
demokratisch geeinten Irak gar nicht wollen, die Ansprechpartner
sein?...
Aus: Christian Semmler - "Es fehlt der Adressat",
taz vom 21.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/21/a0253.nf/text
Christian Semmler war ab 1965 Aktivist der
Vietnam-Solidaritätsbewegung und ist seit 1989 Redakteur der taz
Demokratie Iraqi-Style: Zurück zur Religion?
Hunderttausende demonstrieren im Namen eines Klerikers für freie
Wahlen und der Regierungsrat entscheidet sich in Ehe-Angelegenheiten
für eine Rückkehr zur Scharia...
Mehr bei telepolis (21.01.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16576/1.html
|
Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation
Bush kündigt entschlossene Fortsetzung des Anti-Terror-Kampfs an
- Appell an die US-Amerikaner, im Wahljahr 2004 an seiner Führung
festzuhalten
Mi.21.01.04 - US-Präsident George W. Bush hat angekündigt, dass er den
weltweiten Kampf gegen den Terrorismus weiterhin entschlossen
fortsetzen wolle. Bush warnte am Dienstagabend (Ortszeit) in seiner
Rede zur Lage der Nation, es wäre eine "gefährliche Illusion"
zu glauben, dass Terroristen und "gesetzlose Regime" nicht länger
eine Gefahr für die USA seien. Als Teil der Offensive gegen den
Terror müssten nicht nur die verschärften
Sicherheitsmaßnahmen innerhalb der USA fortgesetzt werden. Auch
müsse weiter solchen Staaten entgegengetreten werden, die
Terroristen beherbergten und unterstützten und sie mit
Massenvernichtungswaffen versorgen könnten.
Bush appellierte an die US-Amerikaner, im Wahljahr 2004 an seiner
Führung festzuhalten.
"Wir sind diesen ganzen Weg - durch Tragik, harte Proben und Krieg -
nicht gegangen, um zu zögern und unsere Arbeit unvollendet zu
lassen", sagte Bush vor den Häusern des Kongresses und Millionen
von Fernsehzuschauern. Bush bot an, Steuererleichterungen dauerhaft zu
machen. Für kleinere Unternehmen forderte er die Möglichkeit
von Zusammenschlüssen, um die Gesundheitskosten zu verringern.
Arbeiter sollen künftig besser auf die veränderten
Erfordernisse des Arbeitsmarktes vorbereitet werden. Die Demokraten,
die derzeit einen Kandidaten als Herausforderer für Bush bei den
Wahlen im November suchen, übten harsche Kritik an Bushs Rede.
Die Amerikaner würden nun vor einer Wahl stehen und könnten
entweder mit ihm nach vorne gehen oder umkehren. "Wir können mit
Zuversicht und Entschlossenheit nach vorne gehen - oder wir können
zurückkehren zu der gefährlichen Illusion, dass Terroristen
nichts planen und geächtete Regierungen keine Gefahr für uns
sind", sagte Bush in der 54-minütigen Rede. "Wir können die
Wirtschaftsreformen vorantreiben, die Reformen im Schulwesen und dem
Gesundheitssystem - oder wir können zur alten Politik (...)
zurückkehren", sagte er.
Die amerikanische Führerschaft habe geholfen, die Welt "zum
Besseren" zu verändern, sagte Bush. Auch 28 Monate nach den
Anschlägen vom 11. September 2001 seien die USA noch von
Terrorismus bedroht. "Wenn wir nicht gehandelt hätten, würden
die Programme des Diktators für Massenvernichtungswaffen bis zum
heutigen Tag fortbestehen", sagte Bush. Zugleich wies er erneut Kritik
an den USA und dem von ihnen angeführten Krieg gegen den Irak
zurück. Die USA bräuchten keine internationale Erlaubnis, um
ihre eigene Sicherheit zu bewahren.
Bislang wurden im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden, deren
Existenz die USA als Hauptgrund für den Krieg gegen den Irak
angeführt hatten. Dem Irak-Krieg fielen bislang mehr als 500
US-Soldaten zum Opfer.
"Mehr als zwei Jahre ohne einen Angriff auf amerikanischem Boden - nun
ist es verlockend, zu glauben, die Gefahr sei vorüber. Diese
Hoffnung ist verständlich, beruhigend und falsch", sagte Bush.
"Amerikas wachsende Wirtschaft ist auch eine sich verändernde
Wirtschaft (...) Wir müssen darauf reagieren, indem wir helfen,
dass mehr Amerikaner die Fähigkeiten erhalten, gute Jobs in
unserer neuen Wirtschaft zu finden", sagte Bush. Die jüngsten
Umfragen zeigen Bush vor allem bei innenpolitischen Themen angreifbar,
etwa was die Lage der Wirtschaft sowie das Gesundheitssystem angeht.
(Quellen: afp, rtr)
Die Rede des US-Präsidenten George W.Bush zur Lage der Nation (Di.20.01.04, Ortzeit)
findet sich auf der Homepage des Weißen Hauses in der
englischen Orginalfassung:
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2004/01/20040120-7.html
Nahost-Konflikt
Israelische Luftwaffe greift Hisbollah in Libanon an +++ Syrien soll laut Powell
Unterstützung der Hisbollah beenden +++ Israels
Streitkräfte zerstören 25 Häuser und Moschee in
Flüchtlingslager +++ Jüdische Siedler bauen von der Armee
zerstörte Synagoge wieder auf
Mi.21.01.04 - Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag Einrichtungen der
Organisation Hisbollah im Süden Libanons angegriffen. Nach Angaben
der israelischen Streitkräfte waren die Raketenangriffe eine
Reaktion auf einen Grenzvorfall vom Montag, bei dem ein israelischer
Soldat ums Leben kam. Hisbollah-Kämpfer hatten eine
Panzerabwehrrakete auf eine israelische Planierraupe abgeschossen, die
Sprengstoff räumte. US-Außenminister Colin Powell
verurteilte den Granatenangriff der Hisbollah am Dienstagabend scharf.
Wie die israelische Regierung machte auch Powell indirekt Syrien
für den Vorfall mitverantwortlich. Die Regierung in Damaskus
müsse die Unterstützung für Terrorgruppen beenden, sagte
Powell auf einer Pressekonferenz in Washington. Dazu gehöre auch,
Waffenlieferungen über syrisches Territorium zu unterbinden und
Führern militanter Organisationen in Damaskus nicht länger
Zuflucht zu bieten. Allerdings müsse auch Israel seine Handlungen
sorgfältig prüfen, sagte Powell.
Zuvor hatten bereits Außenminister Silvan Schalom und
Verteidigungsminister Schaul Mofas Syrien beschuldigt, hinter den
Angriffen der Hisbollah zu stehen. "Wenn (der syrische) Präsident
meint, er könne die Hisbollah als verlängerten Arm im Kampf
gegen uns einsetzten, sollte er mit einer deutlichen Antwort rechnen",
sagte Schalom am Dienstag. Mofas sprach von einer "Provokation durch
Syrien".
Der syrische Botschafter in Washington, Imad Mustapha, wies die
Vorwürfe am Dienstag zurück. "Bringen Sie mir Beweise, dass
irgendeine Operation von Damaskus aus geplant wurde", forderte er auf
einer Pressekonferenz. Zwar hätten mehrere Gruppen in der
Vergangenheit Büros in der syrischen Hauptstadt unterhalten, diese
seien aber von der Regierung geschlossen worden.
Die Hisbollah hatte den Granatenangriff am Montag damit begründet,
dass das israelische Militärfahrzeug die Grenze nach Libanon
überquert habe. Auch nach Auffassung der Vereinten Nationen hat
die israelische Planierraupe libanesisches Territorium verletzt.
Nach ihren Untersuchungen könne die UN-Mission UNIFIL feststellen,
dass sich der israelische Bulldozer auf libanesischem Gebiet befand,
als er getroffen wurde, sagte ein Sprecher der UN-Interimstruppen in
Libanon (UNIFIL) am Dienstag in Beirut. "Er hat die blaue Linie
überschritten", sagte er in Bezug auf die Grenze, die nach dem
Ende der 22-jährigen israelischen Besatzungszeit in
Südlibanon im Mai 2000 von der UNO festgelegt worden war Ein
israelischer Militärkommandeur räumte am Dienstag ein, "Teile
des Fahrzeuges" hätten libanesisches Territorium erreicht.
Israelische Kampfjets schossen nach libanesischen Angaben drei Raketen
auf Hisbollah-Stützpunkte nahe den Dörfern Sebkin und Vadi
ab, die zehn Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegen.
Eine israelische Militärsprecherin erklärte, es handele sich
um Hisbollah-Stützpunkte, von denen aus Angriffe gegen Israel
verübt worden seien. Unterstützt von Iran und Syrien verletze
die Terrorgruppe Vereinbarungen. Die libanesische Regierung
schließe davor die Augen. Von einem Schlag gegen Syrien sei
abgesehen worden, um die angespannte Situation nicht weiter zu
verschärfen.
Syrien unterstützt die Hisbollah nach US-Angaben mit Waffen und
Geld und steht auf der US-Liste derjenigen Staaten, die den Terrorismus
unterstützen. Die Hisbollah wird von Washington als
Terrororganisation eingestuft. Die schiitische Organisation
kämpfte gegen die israelische Besetzung Südlibanons, die im
Mai 2000 endete. Seitdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen
an der Grenze, bei denen mehrere israelische Soldaten getötet und
entführt wurden. Israelische Kampfjets fliegen
regelmäßig über Südlibanon und durchbrechen dabei
die Schallmauer.
Die israelischen Streitkräfte haben am Dienstag eine neue
Offensive im Flüchtlingslager Rafah gestartet und dabei laut
Augenzeugen 25 Häuser und eine Moschee zerstört. Rund 400
Bewohner seien obdachlos geworden, sagte Bürgermeister Madsched
Agha. Erstmals seit Juni begannen Soldaten, einen bewohnten
Außenposten einer jüdischen Siedlung abzubauen. Der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia rief die
internationale Gemeinschaft zur Verhinderung des Baus des Sperrwalls
zwischen Israel und dem Westjordanland auf.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wurden in Rafah
Häuser niedergerissen, aus denen in der Nacht zuvor Soldaten
beschossen worden seien. Die Informationen über die
Zerstörung einer Moschee wollte ein Militärsprecher
zunächst nicht bestätigen. Anwohner und
Sicherheitskräfte erklärten, neben der Moschee seien 17
Häuser vollständig zerstört und acht weitere stark
beschädigt worden.
Das Flüchtlingslager Rafah war in den vergangenen drei Jahren
immer wieder Ziel israelischer Militäreinsätze. Insgesamt
wurden dabei mehrere hundert Häuser zerstört, in denen sich
nach israelischer Darstellung Extremisten und Waffenschmuggler
versteckt hielten.
Kureia forderte am Dienstag internationale Unterstützung für
den Kampf gegen die geplante Sperranlage zum Westjordanland. "Dieser
Wall dient der Annektierung und der Expansion und nicht der
Sicherheit", sagte er vor Journalisten. Am 23. Februar will sich der
Internationale Gerichtshof in Den Haag mit der völkerrechtlichen
Legitimität des Sicherheitszauns befassen.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte am Montag
eine Überprüfung des Verlaufs und der Gestalt der 700
Kilometer langen Barriere angeordnet. Außenminister Silvan
Schalom erklärte am Dienstag jedoch: "Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um den von der Regierung festgelegten
Verlauf des Zauns umzusetzen."
Scharon drohte Jordanien bei einer Rede vor einem Parlamentsausschuss
mit einer Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen, falls Amman
die Sperranlage weiter kritisiere. Das teilte sein Berater Raanan
Gissin am Dienstag mit. Die jordanische Regierung befürchtet, dass
die Sperranlage tausende Palästinenser zur Auswanderung nach
Jordanien bewegen könnte.
Im Westjordanland wurden israelische Soldaten von aufgebrachten
Siedlern angegriffen, als sie den Siedlungsvorposten West Tapuah
abzubauen begannen. Die Soldaten rissen gegen den Widerstand der
Bewohner Teile der Synagoge nieder. Laut Berichten des Armeerundfunks
wurden drei Soldaten leicht verletzt und 14 Siedler festgenommen.
Israel ist dem internationalen Friedensplan zufolge zum Abriss mehrerer
Dutzend Siedlungsvorposten verpflichtet, in denen insgesamt etwa 1.000
Menschen leben.
In der Synagoge sollte ein Seminar zum Studium der Lehren der
antiarabischen Kach-Bewegung untergebracht werden. Die Gruppierung ist
in Israel verboten und wird von den USA als terroristische Organisation
eingestuft.
Jüdische Siedler haben am Mittwoch mit dem Wiederaufbau der
zerstörten Synagoge begonnen.
Ein palästinensischer Häftling wurde von Israel am Dienstag
in den Gazastreifen abgeschoben. Das aus dem Westjordanland stammende
Mitglied des Islamischen Dschihad dürfe zwei Jahre lang nicht in
seine Heimat zurückkehren, teilten palästinensische
Sicherheitskräfte mit. Israel hat in den vergangenen zwei Jahren
insgesamt 26 Palästinenser aus dem Westjordanland in den
Gazastreifen verbannt.
(Quelle: ap)
Alle Kontrollpunkte der IDF (Israelische Verteidigungsarmee) in den
besetzten Gebieten sind unmoralisch und illegal ..
meint Gideon Levy.
Mehr bei Ha'aretz / ZNet Deutschland 18.01.04:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=981
|
Bern und London sehen Genfer Initiative als sinnvolle Ergänzung
Mi.21.01.04 - Die Schweiz und Großbritannien betrachten die Genfer
Nahostinitiative als wertvolle Ergänzung zur so genannten Road
Map. Die Initiative könne dazu beitragen, die Unterstützung
der Zivilgesellschaft und von Regierungen zur Wiederbelebung der
Friedensgespräche im Nahen Osten zu fördern, erklärten
die schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey und ihr
britischer Kollege Jack Straw nach einem Treffen vom Dienstagabend in
Bern.
Eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen
Konflikts müsse aber auf dem internationalen Friedensplan der Road
Map beruhen. Die beiden Außenminister erörterten an dem
Treffen auch die bilateralen Verhandlungen zwischen der Schweiz und der
EU und die Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf die neuen
Mitgliedländer der Gemeinschaft. Weitere Themen waren die
Partnerschaft für den Frieden sowie die Lage in Irak, Iran, Libyen
und Simbabwe. Calmy-Rey und Straw vereinbarten ferner bilaterale
Gespräche auf Expertenebene über Fragen der Vereinten
Nationen, der Menschenrechte und der Situation in Südosteuropa.
Straw machte auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos Station in
Bern.
(Quelle: ap)
Pakistan dementiert Einladung für israelischen Minister
Mi.21.01.04 - Pakistan hat Angaben dementiert, wonach es den israelischen
Landwirtschaftsminister Israel Katz zu einem Besuch eingeladen habe.
Die Regierung habe keine solche Einladung ausgesprochen, sagte ein
Sprecher des Außenministeriums in Islamabad am Dienstag der
Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte Katz im israelischen Armeerundfunk
erklärt, er sei als Mitglied einer Delegation der
Welternährungsorganisation (FAO) "offiziell" nach Pakistan
eingeladen worden und werde im März dorthin reisen. Es handele
sich um einen wichtigen Besuch, weil Pakistan eine moslemische
Atommacht sei. Katz betonte, Pakistan, Indien und Israel stünden
im Kampf gegen den Terrorismus auf der gleichen Seite wie die USA.
(Quelle: afp)
Stockholmer Museum nimmt Plakat mit umstrittenem Ausstellungsstück ab
Mi.21.01.04 - Nach israelischen Protesten gegen ein Kunstwerk mit dem Foto einer
palästinensischen Selbstmordattentäterin will das betroffene
Museum in Stockholm mehrere Ausstellungsplakate austauschen. Das
umstrittene Kunstwerk selbst werde aber weiterhin gezeigt, sagte am
Dienstag der künstlerische Leiter der Ausstellung, Thomas
Nordanstad. Der israelische Botschafter in Schweden, Zvi Mazel, hatte
am Wochenende einen Scheinwerfer gegen das Kunstwerk gestoßen.
Auch die israelische Regierung übte heftige Kritik an dem
Ausstellungsstück.
Es besteht aus einem kleinen Schiff, auf dem ein Foto der
Palästinenserin montiert ist, die sich im Oktober in Haifa in die
Luft sprengte und 21 Menschen mit in den Tod riss. Dasselbe Foto war
auch auf einem Teil der Plakate abgedruckt, mit denen das Museum
für Nationale Altertümer für die Ausstellung warb. Diese
Plakate, die unter anderem in den 26 U-Bahn-Stationen Stockholms
hängen, sollen durch andere Motive ersetzt werden.
Zur Begründung erklärte Nordanstad, das Plakat habe viele
Menschen verletzt, was er sehr bedaure. «Wenn ich als
künstlerischer Leiter irgendetwas tun kann, um das wieder gut zu
machen, werde ich es tun.» Nordanstad sagte, er habe sogar
Todesdrohungen erhalten. Dies sei aber nicht der Grund für den
Austausch der Plakate.
Das umstrittene Kunstwerk wurde von dem gebürtigen Israeli Dror
Feiler geschaffen. Seinen Angaben zufolge soll es deutlich machen, dass
Hilflosigkeit einsame Menschen zu furchtbaren Taten verleiten kann. Die
Selbstmordattentäterin von Haifa hatte kurz vor dem Anschlag
mitansehen müssen, wie ihr Bruder von israelischen Soldaten
erschossen wurde.
Israel hat die Entfernung des Kunstwerks aus dem Museum gefordert.
Andernfalls will das Land seine Teilnahme an einer Konferenz zur
Verhütung von Völkermord absagen, die Ende Januar in
Stockholm stattfindet.
(Quelle: ap)
Afghanistan: US-Streitkräfte weisen Bericht über
getötete Zivilisten zurück
Mi.21.01.04 - Die US-Streitkräfte in Afghanistan haben Vorwürfe
zurückgewiesen, wonach ein Luftangriff am Wochenende elf
afghanische Zivilisten das Leben kostete. Das US-Kampfflugzeug habe auf
fünf bewaffnete Männer geschossen, sagte Militärsprecher
Bryan Hilferty am Dienstag. Im Bezirk Char Chino in der Provinz
Urusgan, wo der umstrittene Militäreinsatz stattfand, explodierte
am Dienstagmorgen eine Mine und tötete fünf Afghanen,
darunter zwei Soldaten.
Nach Ansicht des Verwaltungschefs von Char Chino, Abdul Rahman, galt
die Mine US-Soldaten. Vermutlich sei sie von Taliban-Kämpfern
ausgelegt worden und kein Überbleibsel früherer Konflikte,
sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Unterdessen versammelten sich rund 200 Menschen zu einer
Protestveranstaltung gegen den Luftangriff am Wochenende. An der
Kundgebung nahm auch der Gouverneur der Provinz Urusgan, Jan Mohammed
Chan, teil. Nach seinen Angaben kamen bei dem Bombardement vier
Männer, drei Frauen und vier Kinder ums Leben.
Militärsprecher Hilferty zufolge galt der Einsatz in der Nacht zum
Sonntag einem Gebäude, in dem mehrere Taliban-Führer vermutet
wurden. Eine amerikanische Spezialeinheit habe das Haus zusammen mit
afghanischen Milizen umstellt, um die Taliban gefangen zu nehmen oder
zu töten. Der Luftangriff sei befohlen worden, als mehrere
bewaffnete Männer das Gebäude verlassen und sich im Dunkeln
auf die Soldaten zubewegt hätten.
Nach dem Angriff seien zahlreiche Bewaffnete aus dem umstellten
Gebäude gestürmt, woraufhin die Soldaten sich
zurückgezogen hätten, um eine Schlacht zu vermeiden,
berichtete Hilferty weiter. Am nächsten Morgen seien sie
zurückgekehrt und hätten das Flussbett, in das die Bombe
einschlug, und die umliegenden Gebäude durchsucht. Dabei sei
jedoch «nichts von Bedeutung» gefunden worden, sagte der
Militärsprecher.
(Quelle: ap)
Iran: Noch keine Lösung bei Kandidaten-Ausschluss
Mi.21.01.04 - Der iranische Präsident Mohammed Chatami hat erneut versprochen,
sich entschlossen gegen den Ausschluss tausender Kandidaten für
die Parlamentswahl einzusetzen. Freie Wahlen unter Beteiligung des
Volkes seien nur "mit freiem Wettbewerb" möglich, und wenn die
Wähler "eine breite Wahl" hätten, schrieb Chatami in einem
von der Nachrichtenagentur Irna veröffentlichten offenen Brief an
die Reformkoalition. Er werde seine Befugnisse vollständig nutzen,
"um dieses Ziel zu erreichen".
Chatami zeigte sich zuversichtlich, dass die Intervention des obersten
geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei beim Wächterrat
Wirkung zeigen werde und das Gremium seinen heftig umstrittenen
Ausschluss von Kandidaten zurücknehmen werde.
Nach Angaben der zentralen Kommission der Wahlausschüsse reichten
3100 Kandidaten Protest gegen ihren Ausschluss von der Parlamentswahl
ein. Insgesamt schlossen die vom Wächterrat abhängigen
Wahlausschüsse 3605 der 8157 Kandidaten aus. Als Grund wurden in
den meisten Fällen "Verstöße gegen den Islam" genannt.
Betroffen sind vor allem Reformpolitiker.
Nach anhaltenden Protesten in Iran hat der konservative Wächterrat
den Wahlausschluss von 200 reformorientierten Kandidaten
zurückgenommen. Zugleich sagte das von Ayatollah Ali Chamenei
eingesetzte Verfassungsgremium am Dienstag zu, die Bewerbungen von
weiteren der rund 3.000 nicht akzeptierten Personen zu
überprüfen. Chamenei hatte dies angeordnet, nachdem
zahlreiche Betroffene im Parlament in einen Sitzstreik getreten und
zeitweise auch die Nahrung verweigert hatten.
Die protestierenden Abgeordneten zeigten sich wenig beeindruckt vom
jetzigen Einlenken des Wächterrats. Die erste Rücknahme von
Wahlausschlüssen sei zwar eine positive Entwicklung, reiche aber
keinesfalls aus, sagte der betroffene Abgeordnete Radschabali Masruei.
Es müssten umgehend alle 3.000 abgelehnten Bewerber zur Wahl
zugelassen werden, andernfalls sei ein Boykott der Abstimmung zu
erwarten. Der reformorientierte Innenminister Mortesa Moballegh hat
bereits damit gedroht, die Parlamentswahl ganz abzusagen.
(Quellen: afp, ap)
Weltsozialforum in Bombay
Indische Delegierte fordern billigere Aids-Medikamente +++ Amnesty
prangert schwere Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea an: Regime
lasse Oppositionelle systematisch hungern
Mi.21.01.04 - Delegierte des Weltsozialforums in Indien haben vor dramatischen
Konsequenzen für aidskranke Familien gewarnt, falls die Preise
für Medikamente gegen die Immunseuche nicht weiter gesenkt
würden. In armen Ländern stünden Familien mit mehreren
kranken Mitgliedern aus Kostengründen vor der Entscheidung, wer
von ihnen am Leben bleiben dürfe und wer nicht, erklärten
Aids-Aktivisten am Dienstag in Bombay. Amnesty International prangerte
unterdessen schwere Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea an.
"Aids-Opfer treffen schreckliche, schreckliche Entscheidungen, welches
Mitglied ihrer Familie sie am Leben erhalten sollen", sagte Alice Wynne
Willson von der Organisation ActionAid. Zwar seien die Preise für
Aids-Medikamente bereits gesenkt worden, dies müsse jedoch weiter
gehen. Bislang könnten sich nur Kranke mit festem Einkommen die
Mittel leisten, sagte Willson der Nachrichtenagentur AP: "Die
großen Pharmahersteller haben noch einen langen Weg vor sich."
Das Thema Aids stand am vorletzten Konferenztag im Mittelpunkt des
sechstägigen Weltsozialforums, an dem rund rund 100.000 Delegierte
teilnehmen und das zum ersten Mal in Asien stattfindet. Von den 40
Millionen Aidskranken weltweit leben 28 Millionen in Afrika. Auch im
asiatisch-pazifischen Raum sowie in Teilen der früheren
Sowjetunion breitet sich die Krankheit rasch aus.
Nordkorea lässt Oppositionelle einem Bericht der
Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) zufolge
systematisch hungern. Die Regierung in Pjöngjang richte die
Verteilung von Lebensmitteln an politischem Wohlverhalten aus,
hieß es in dem Bericht. "Politisch loyale" und "wirtschaftlich
aktive" Landsleute würden durch Lebensmittelzuteilungen belohnt
und als beispielhaft dargestellt; Regierungskritiker würden
dagegen durch Rationierung bestraft. Bereits Schulkinder müssten
öffentlichen Hinrichtungen von Menschen zusehen, die Lebensmittel
oder anderes zum bloßen Überleben gestohlen hätten.
Der Autor des auf dem Weltsozialforum in Bombay vorgelegten Berichts,
Rajiv Narayan, appellierte an die Geberländer der internationalen
Gemeinschaft, Lebensmittelhilfen an Nordkorea zwar nicht als
Druckmittel einzusetzen, aber die Menschenrechtsfrage mit diesem
"Dialog" zu verbinden. Narayan forderte besseren Zugang für
unabhängige Beobachter.
In Nordkorea wütete in den 90er Jahren eine Hungersnot. Dem
Bericht von ai zufolge starben in dieser Zeit bis zu drei Millionen
Nordkoreaner an Unterernährung. Obwohl die größte Not
1999 durch internationale Hilfe gelindert werden konnte, ist das
Versorgungsproblem bislang nicht gelöst.
Laut Amnesty International ist ein siebenjähriger Nordkoreaner,
der zur Zeit der Hungersnot geboren wurde, rund zehn Kilogramm leichter
und etwa zwanzig Zentimeter kleiner als ein gleichaltriger
Südkoreaner.
(Quellen: ap, afp)
Mehr Informationen zum Weltsozilaforum (WSF) unter:
http://www.wsfindia.org
http://www.forumsocialmundial.org
http://india.indymedia.org
http://www.taz.de/pt/2004/01/15/a0242.nf/text
Webblog vom Weltsozialforum:
http://newstandardnews.net/wsfblog/
Berichte zum WSF im boa-Nachrichten.Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401200.htm#04012009
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401200.htm#040120rk
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401190.htm#04011901
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401190.htm#040119_a
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401180.htm#04011811
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401180.htm#040118ew
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401170.htm#04011709
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401160.htm#04011609
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401160.htm#040116ws
Rede der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy
auf dem 4. Weltsozialforum in Mumbai (Bombay):
http://www.jungewelt.de/2004/01-20/003.php
Absage an militanten Widerstand: Friedensorganisation DFG-VK distanziert sich von den
Äußerungen der Globalisierungskritikerin Arundhati Roy:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/19-5.htm
Alternativforum "Mumbai Resistance" :
http://mumbairesistance.org/
Weltwirtschaftsforum (WEF):
Ofizielle Homepage:
http://www.weforum.org/
Alternative Informationen zum WEF:
http://www.nadir.org/nadir/
aktuell/schwerpunkte/wef_davos.html
Kolumbianische Farc offenbar wieder aktiv
Mi.21.01.04 - Rund zwei Wochen nach der Festnahme ihres führenden Mitglieds
Ricardo Palmera alias Simón Trinidad haben die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) ihren Kampf
gegen die Regierung offenbar wieder aufgenommen. Unbekannte sprengten
eine Ölpipeline bei Arauqita in der Provinz Arauca rund 400
Kilometer nordöstlich von Bogotá, wie die Polizei am Montag
mitteilte. Der 53-jährige Trinidad war Anfang Januar in der
ecuadorianischen Hauptstadt Quito festgenommen und nach Kolumbien
überstellt worden. Trinidad gilt als die Nummer vier der Farc und
als einer der Vordenker der 1964 gegründeten Guerilla. 16 Jahre
lang war der frühere Bankier und Wirtschaftsprofessor Mitglied der
Farc-Führung. Trinidad war an den 1999 begonnenen
Friedensverhandlungen beteiligt, die die Regierung des damaligen
Präsidenten Andrés Pastrana führte. Der
rechtsgerichtete Präsidenten Alvaro Uribe erklärte aber bei
seinem Amtsantritt 2002 der Farc den Kampf. Farc-Rebellen erschossen am
Montag zwei Polizisten.
(Quelle: afp/taz)
Menschenrechtsgruppe: Türkei foltert weiterhin 'systematisch'
Mi.21.01.04 - In der Türkei wird nach Erkenntnissen von Menschenrechtsexperten
weiterhin "systematisch" gefoltert. Trotz anderslautender
Ankündigungen von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan seien
Misshandlungen immer noch an der Tagesordnung, kritisierte der
Internationale Rat zur Rehabilitierung von Folteropfern (IRCT) in
Kopenhagen. Wie eine IRCT-Vertreterin sagte, behandelte die
türkische Opfervereinigung Human Rights Foundation of Turkey
(HRFT) im vergangenen Jahr insgesamt 924 türkische Folteropfer.
Unter ihnen seien 225 Frauen und 33 Kinder gewesen.
Bei seinen Bemühungen um einen Beitritt zur EU vergesse Erdogan
offenbar die Achtung der Menschenrechte in seinem Land, kritisierte die
IRCT-Vertreterin.
Neun Mitgliedern der Menschenrechtsorganisation HRFT müssen sich
derzeit den Angaben zufolge vor einem türkischen Gericht
verantworten. Ihnen wird demnach die illegale Sammlung von Spenden zur
Behandlung von Hungerstreikenden in türkischen Gefängnissen
vorgeworfen. Die IRCT-Vertreterin nannte die Vorwürfe "grotesk".
Die HRFT-Mitarbeiter hätten allein Spenden entgegengenommen, um
ihre Arbeit fortzusetzen.
In der Debatte um die mögliche Aufnahme von
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hatte Ende Dezember
bereits Amnesty International die mangelnde Durchsetzung der
Menschenrechte seitens der Regierung in Ankara kritisiert.
(Quelle: afp)
EU-Asylpolitik: Amnesty kritisiert geplante Drittländer-Regelung
Mi.21.01.04 - Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat die
europäischen Innenminister vor möglichen Folgen einer
Drittstaaten-Regelung in der Asylpolitik gewarnt. In einem Brief an den
irischen Vorsitzenden des EU-Innenministerrates schrieb ai am Dienstag,
die Mitgliedstaaten stünden unter starkem Druck, eine gemeinsame
Asylgesetzgebung zu schaffen.
"Amnesty international ist sehr besorgt, dass dieser Druck die
Mitgliedstaaten dazu bringen könnte, gemeinsame Standards zu
verabschieden, die die Genfer Flüchtlingskonvention und andere
wichtige Instrumente der internationalen Flüchtlings- und
Menschenrechtsabkommen verletzen", schrieb der EU-Direktor der
Menschenrechtsorganisation, Dick Oosting, an den irischen
Justizminister Michael Mac Dowell.
Die europäische Flüchtlingspolitik steht nach diesen Angaben
beim informellen Treffen der Innen- und Justizminister am Donnerstag
und Freitag dieser Woche in der irischen Hauptstadt Dublin erneut auf
der Tagesordnung.
Amnesty international fürchtet insbesondere, dass ein System so
genannter sicherer Drittstaaten letztlich eine Gefahr für
Asylbewerber wird. Die Flüchtlinge könnten auf diese Weise
auch in Länder abgeschoben werden, die sie nie zuvor gesehen haben.
Der Begriff sicherer benachbarter Drittstaaten hänge zudem mit
keinem internationalen Standard zusammen. Es wäre "ernsthaft
fragwürdig", das EU-System der Zurücksendung von
Asylbewerbern auf Einreiseländer außerhalb der
Europäischen Union auszuweiten, denn in manchen
Nachbarländern wie Rumänien und Bulgarien habe das Asylsystem
Mängel.
(Quelle: dpa/taz)
Widerstand gegen Geldwünsche der EU-Kommission wächst
Mi.21.01.04 - Immer mehr EU-Staaten verlangen eine Absenkung des Haushalts der
Europäischen Union (EU) und protestieren gegen Pläne der
EU-Kommission, die bislang nicht ausgeschöpfte Obergrenze bis 2013
beizubehalten.
Inzwischen kritisierten zehn der künftig 25 EU-Staaten die
durchgesickerten Pläne der Kommission, die Obergrenze des
EU-Haushalts in der nächsten Finanzplanungsperiode 2007 bis 2013
bei 1,24 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu belassen, sagte
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Rande einer Sitzung mit
seinen Kollegen am Dienstag in Brüssel. Damit hätten sich
vier Länder entsprechenden Forderungen Deutschlands und sechs
weiterer Netto-Zahler der Union angeschlossen, sagte Eichel und nannte
namentlich Italien, EU-Ratspräsident Irland und das künftige
Mitglied Slowenien. Die Netto-Zahler fürchten Mehrkosten in
Milliardenhöhe für ihre knappen Staatshaushalte, falls die
Haushaltsobergrenze in der erweiterten EU nicht sinkt.
Eichel rief die EU-Kommission auf, bei ihrer Entscheidung am 10.
Februar einen Kompromissvorschlag vorzulegen, um eine heftige
Auseinandersetzung in der EU zu vermeiden. "Das schließt aus,
dass die Kommission eine Extremposition bezieht", sagte er. Eichel
warnte, dass zu hohe Ausgaben für die EU zu einer
europafeindlichen Stimmung bei der Wahl des EU-Parlaments am 13. Juni
führen könne. "Die Kommission sollte daran denken, die
Europawahl zu einem Erfolg zu machen", sagte er. Die Wahl müsse zu
einem europafreundlichen Ergebnis führen. Zudem sei die
Leistungsfähigkeit der EU-Staaten durch den Stabilitätspakt
begrenzt.
Zugleich lehnte Eichel Forderungen von Österreichs Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel nach einer aufkommensneutralen EU-Steuer ab. "Es
entsteht der Eindruck, dass es um eine Erhöhung von Steuern und
Abgaben geht", sagte er. Deshalb sei eine Debatte über eine - von
ihm früher auch favorisierte - EU-Steuer derzeit verfehlt.
Eichel warnte Beitrittsländer wie Polen davor, in der Debatte
über das künftige EU-Budget auf die falschen Partner zu
setzen. Wenn in den jetzigen 15 EU-Staaten nicht gekürzt und
zugleich den Beitrittsländern geholfen werden solle, führe
dies zu steigenden Ausgaben auch für die Beitrittsländer,
sagte er.
Die EU-Kommission hat davor gewarnt, eine EU zum Schnäppchenpreis
anzustreben. Diese könne dann die ihr übertragenen Aufgaben
und zusätzliche Wünsche etwa in der Außenpolitik nicht
wahrnehmen. Die meisten Kommissare wollen deshalb an der jetzigen
Obergrenze des Haushalts von 1,24 Prozent des BNE festhalten.
Kommissare großer Mitgliedstaaten wie die deutsche
Haushaltskommissarin Michaele Schreyer haben sich für einen
Kompromiss von 1,15 Prozent des BNE ausgesprochen.
Auch Österreich und Großbritannien bekräftigten bei der
Sitzung der Finanzminister ihre Forderung nach einer Absenkung der
Haushaltsobergrenze auf das derzeit tatsächlich genutzte Niveau
von einem Prozent des BNE. Österreichs Finanzminister Karl-Heinz
Grasser sagte, die jetzigen Überlegungen der Kommission seien
"völlig inakzeptabel". Die Kommission könne nicht einerseits
zum Sparen auffordern und dann hohe Ausgaben verlangen. Eichel
verlangte, die Kommissionsvorschläge müssten nach ihrer
Bekanntgabe unverzüglich von den Finanzministern beraten werden.
(Quelle: rtr)
Volkswirte: Deutscher Aufschwung wird nachhaltig
Jedoch keine deutliche Belebung am Arbeitsmarkt
Mi.21.01.04 - Deutschland steuert nach Ansicht von Experten trotz des starken Euro
auf einen nachhaltigen Aufschwung zu. Die am Dienstag
veröffentlichte Reuters-Quartalsumfrage belegte, dass die
Wirtschaft dabei vor allem von der weltweiten Konjunkturerholung
profitieren dürfte.
Für 2004 prognostizieren die Experten dabei im Mittel ein
deutsches Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent und für 2005 von 1,9
Prozent. "Die Zeichen für den Aufschwung mehren sich. Aber es wird
in moderatem Tempo den Hügel raufgehen - Deutschland wird nicht
über Nacht vom Schlusslicht zum Gipfelstürmer", dämpfte
Jürgen Michels von der Citigroup zu hohe Erwartungen.
Auch die monatliche Umfrage des Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigte die Zuversicht der Ökonomen,
wenngleich das ZEW-Konjunkturbarometer im Januar auf 72,9 von 73,4
Punkte sank. "Bestätigt wird der weiterhin große Optimismus
zunehmend von fundamentalen Konjunkturdaten", erklärte ZEW-Chef
Wolfgang Franz mit Blick auf die zuletzt merklich stärkere
Produktion und das bessere Neugeschäft. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn
nannte den Aufschwung in Deutschland ebenfalls intakt, warnte aber vor
den Gefahren eines dauerhaft starken Euro.
Den minimalen Rückgang der Konjunkturerwartungen der vom ZEW
befragten etwa 300 Analysten und institutionellen Anlegern werteten
Bankenvolkswirte als Stagnation auf hohem Niveau. "Einerseits ist der
Euro stärker als erwartet - anderseits auch die
Auslandskonjunktur. Das hat sich die Waage gehalten", sagte Ralph
Solveen von der Commerzbank.
Wie die meisten Ökonomen erwartet die Bundesregierung für
2004 ein Wirtschaftswachstum zwischen eineinhalb und zwei Prozent. Nun
sei mitentscheidend, dass die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der
Wirtschaft nicht dauerhaft leide und die Reformen in Deutschland weiter
gingen, erklärte ZEW-Chef Franz. Die aktuelle Lage schätzten
die vom ZEW Befragten etwas weniger pessimistisch als bislang ein. Der
entsprechende Saldo kletterte auf minus 74,9 von minus 83,7 Punkten.
Der Höhenflug des Euro bis fast auf 1,29 Dollar hat zuletzt die
Sorge geschürt, die deutschen Exporte könnten international
stark an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und als Konjunkturmotor
ausfallen. Am Dienstag notierte der Euro bei 1,255 Dollar.
Nach Ansicht von Analysten stehen den deutschen Exporteuren aber in
diesem Jahr gute Geschäfte ins Haus. "Das Wirtschaftswachstum in
Osteuropa, im Fernen Osten und in Nordamerika wird helfen, die
Nachfrage nach deutschen Exportprodukten anzuheizen", sagte Ulrike
Kastens von Sal. Oppenheim. In der Reuters-Umfrage prognostizierten die
Analysten für dieses und kommendes Jahr ein Wachstum der deutschen
Exporte um fast fünf Prozent. "Die deutschen Exporte hängen
stärker von der globalen Nachfrage ab als vom Wechselkurs. Von
daher kann man für die deutsche Wirtschaft schon optimistisch
sein", erklärte Gerd Haßel von der ING BHF-Bank. 2003 waren
die Exporte nur gut ein Prozent gewachsen, das gesamte
Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar erstmals seit 1993 etwas geschrumpft.
Grund zur Zuversicht lieferten die Reuters-Umfragen aus anderen
G7-Staaten. Für die USA erwarten die Ökonomen nun ein
Wachstum von deutlich über vier Prozent in diesem Jahr. Selbst das
schon lange von einer hartnäckigen Deflation geplagte Japan kann
nach Ansicht der Volkswirte ein Wachstum von mehr als zwei Prozent
erreichen. Die gesamte Euro-Zone wird mit dem erwarteten BIP-Zuwachs
von 1,8 Prozent ebenfalls den USA hinterherhinken.
EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sprach von günstigen Bedingungen
für anhaltendes Wirtschaftswachstum. Die Euro-Zone werde vom
stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft profitieren.
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte dagegen in Brüssel,
dem Aufschwung in der Euro-Zone fehle es noch an Nachhaltigkeit.
Ifo-Chef Sinn betonte derweil die Gefahren des festen Euro und forderte
die Europäische Zentralbank (EZB) zum Eingreifen auf. Der Euro sei
derzeit erheblich überbewertet, sagte Sinn der Agentur Reuters.
"Die EZB muss versuchen, den Kurs unter 1,20 Dollar zu halten - das ist
nur mit Devisenmarktinterventionen möglich." Eine Zinssenkung
käme zu spät. EZB-Chefvolkswirt Issing räumte zwar ein,
dass der starke Euro den Export dämpfen könnte, sprach aber
von ausgeglichenen Konjunkturrisiken. Der Leitzins in der Euro-Zone von
zwei Prozent sei angemessen.
Nach Worten Sinns ist der Aufschwung in Deutschland zwar intakt, jedoch
zu schwach für eine deutliche Belebung am Arbeitsmarkt. Auch in
der Reuters-Umfrage gingen die Analysten davon aus, dass erst im Jahr
2005 die Arbeitslosigkeit spürbar sinken wird.
(Quelle: rtr)
Reformen kosten Rentner bis zu 500 Euro im Jahr
Mi.21.01.04 - Die jüngsten Reformen kommen Rentner teuer zu stehen. Nach
Berechnungen der Stiftung Warentest müssen Ruheständler mit
Betriebsrenten künftig bis zu 500 Euro mehr pro Jahr für
höhere Krankenkassen- und Pflegebeiträge aufbringen. Dies
meldete die Zeitschrift Finanztest am Dienstag vorab. Die Neuregelung
trifft einen Großteil aller Beschäftigten. Laut
Arbeitgeberverbänden haben 57 Prozent der Arbeitnehmer in der
Privatwirtschaft mittlerweile Anspruch auf eine betriebliche
Altersvorsorge.
Hintergrund der Mehrbelastung für Rentner sind zwei Neuerungen:
Mit der seit 1. Januar geltenden Gesundheitsreform muss auf
Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten oder Direktversicherungen der
volle Krankenkassenbeitrag entrichtet werden. Zudem müssen Rentner
als Teil des Rentennotprogramms ab 1. April den vollen Beitrag zur
Pflegeversicherung von 1,7 Prozent ihrer Bezüge zahlen, statt
bisher die Hälfte.
Die Stiftung Warentest riet Betroffenen, den Wechsel in eine
günstigere Krankenkasse zu erwägen. Nach einer Modellrechnung
muss zum Beispiel ein Ehepaar mit zusammen 1.400 Euro gesetzlicher
Rente und 500 Euro Betriebsrenten in Zukunft monatlich 47,65 Euro mehr
für Pflege- und Kassenbeiträge aufbringen. Angenommen wurde
der durchschnittliche Krankenkassenbeitrag von 14,3 Prozent. Wer in
eine Billigkasse mit 12,9 Prozent Beitragssatz wechselt, kann der
Rechnung zufolge immerhin 17 Euro pro Monat sparen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verteidigte die Beitragspflicht
für Betriebsrenten. Die Rentner trügen bislang
unterdurchschnittlich zu Finanzierung der Krankenkassen bei. Zugleich
warnte er aber davor, die Betriebsrenten weiter zu belasten. «Die
betriebliche Altersvorsorge ist - allen Unkenrufen zum Trotz - wieder
stark im Kommen.» Dies könnte durch weitere
Verschlechterungen gefährdet werden.
Laut Hundt stieg die Zahl der Arbeitnehmer mit Betriebsrente seit der
Rentenreform 2002 um zehn Prozent auf 15 Millionen. Das sind 57 Prozent
aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der
Arbeitgeberpräsident räumte ein, dass ein Großteil des
Zuwachses auf die Einführung der Riester-Rente Anfang 2002
zurückgeht, die Arbeitnehmern die Möglichkeit einer
Entgeltumwandlung eröffnet, die Arbeitgeber aber nichts kostet.
Die Zahl der arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten blieb nach Angaben
der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
dagegen unverändert. Hundt sprach dennoch von einem Erfolg. Die
geplanten Einschnitte bei der Commerzbank und dem Gerling-Konzern
stünden diesem Trend nicht entgegen, da beide generell an einem
Betriebsrentensystem festhalten wollten.
(Quelle: ap)
Auch im Todesfall wird Praxisgebühr fällig
Mi.21.01.04 - Drei Wochen nach dem Start der Gesundheitsreform werden immer neue
Tücken bekannt: So gilt die Praxisgebühr von zehn Euro unter
Umständen auch im Todesfall, wie die Kassenärztliche
Bundesvereinigung am Dienstag in Berlin bestätigte. Zudem
versuchen nach Darstellung der Krankenkassen einige Ärzte,
Kassenpatienten zu Behandlungen auf Rechnung zu überreden, was die
Betroffenen meist teuer kommt. Die KBV rechnet aber damit, dass viele
Zweifelsfälle am Donnerstag in Spitzengesprächen
ausgeräumt werden.
Die Praxisgebühr werde auch dann fällig, wenn Patienten
während einer Notfallbehandlung sterben, bestätigte ein
KBV-Sprecher einen Bericht der «Bild»-Zeitung. Sei der
Patient beim Eintreffen des Notarztes schon tot, falle hingegen keine
Praxisgebühr an.
Die Regelung sei allerdings eine von mehreren im Zusammenhang mit der
Praxisgebühr, die am Donnerstag bei einem Spitzentreffen von
Kassen und Kassenärzten in Köln zur Sprache kommen sollen.
Daneben soll auch festgelegt werden, dass die Praxisgebühr bei
Notfällen, deren Behandlung sich über mehrere Tage erstreckt,
nur einmal anfällt. Das soll auch gelten, wenn der Hausarzt einen
Patienten beispielsweise zur Wundversorgung am Wochenende an eine
Notfallambulanz verweist.
Bereits am Donnerstagmorgen will sich in Bonn der Gemeinsame
Bundesausschuss mit der Frage befassen, wer als chronisch krank gilt
und somit Vergünstigungen bei den neuen Zuzahlungen genießt.
Außerdem soll die Erstattung von Fahrtkosten geklärt werden.
Der Sozialverband Deutschland forderte die Aussetzung der neuen
Zuzahlungsregelungen. «Uns sind zahlreiche Fälle gemeldet
worden, in denen die Zuzahlungen nicht aufgebracht werden können
und die Betroffenen daher lebensnotwendige medizinische Behandlungen
oder Arzneimittel nicht erhalten», erklärte
SoVD-Präsident Adolf Bauer. Arme Patienten seien verzweifelt. Der
Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, wies die Forderung
umgehend zurück. Der Verband gefalle sich in der Rolle zu
ängstigen. «Wie er das macht, ist das
widerwärtig», sagte Vater.
Vor einer weiteren Neuerung des Gesetzes warnten unterdessen die
Krankenkassen ausdrücklich: vor der Wahl der Kostenerstattung.
Einige Ärzte, vor allem Kieferorthopäden, hätten
Kassenpatienten dazu gedrängt, erklärte die
Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen. Doch
bringe dies für Kassenpatienten «erhebliche finanzielle
Mehrbelastungen».
Seit dem 1. Januar kann im Prinzip jeder Kassenpatient für jeweils
mindestens ein Jahr auf Kostenerstattung umsteigen. Das bedeutet, dass
Patienten zunächst die Rechnung des Arztes bezahlen und
anschließend von der Kasse eine Erstattung einfordern. Allerdings
dürfen Ärzte bei Kostenerstattung den teureren Satz für
Privatpatienten abrechnen, während die Kassen nur ihren
niedrigeren Satz ersetzen.
Der Bundesverband der Deutschen Kieferorthopäden nannte die
Vorwürfe der Kassen falsch. «Kein Patient wird zur
Kostenerstattung gezwungen», erklärte er in Berlin.
«Jeder Patient wird behandelt.»
Der Streit, wer an den Ungereimtheiten bei der Einführung der
Reform schuld ist, ging unterdessen weiter. FDP-Chef Guido Westerwelle
warf Sozialministerin Ulla Schmidt im NDR dilettantische Umsetzung vor.
SPD-Gesundheitsexpertin Gudrun Schaich-Walch meinte hingegen, die
Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen sei verantwortlich.
(Quelle: ap)
Kein Verfahren gegen Bundesgesundheitsministerin
Mi.21.01.04 - Nach dem Tod eines Dialysepatienten aus Hameln wird es kein
Ermittlungsverfahren gegen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
oder andere Politiker geben. «Die Obduktion hat ergeben, dass der
Frührentner an massiven Vorerkrankungen litt», sagte der
Hannoveraner Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Dienstag. Ein
Zusammenhang mit dem Eintritt des Todes und einer versäumten
Dialysebehandlung sei nicht festgestellt worden. Deshalb werde die von
einem Rechtsanwalt gestellte Strafanzeige gegen Schmidt nicht weiter
geprüft.
Der Frührentner hatte eine Dialyse versäumt, weil er die mit
der Gesundheitsreform fälligen Zuzahlungen von zehn Euro für
die Taxifahrt nicht aufbringen konnte. Bei der Dialyse am Montag
vergangener Woche erlitt er einen Kollaps und starb am Tag darauf.
Rechtsanwalt Rüdiger Zemlin hatte im Auftrag eines Taxifahrers
Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen mehrere Politiker
erstattet. Diese hätten es bei der Verabschiedung der
Gesundheitsreform im Gesetzgebungsverfahren an der notwendigen Sorgfalt
fehlen lassen und so das Durcheinander produziert, dessen Opfer der
Frührentner geworden sei.
(Quelle: ap)
Strafanzeige gegen Politiker nach Tod eines armen Nierenkranken
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401200.htm#04012012
Gesundheitsreform: Kollateralschäden werden billigend in Kauf genommen:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/14-4.htm
IG Metall droht Arbeitgebern mit Warnstreik
Mi.21.01.04 - Die IG Metall hat den Arbeitgebern mit Warnstreiks gedroht, falls sie
an der Forderung nach Arbeitszeitverlängerung festhalten.
Gewerkschaftschef Jürgen Peters sagte der Tageszeitung «Die
Welt» (Mittwochausgabe), damit trage Gesamtmetall den Konflikt in
die Tarifrunde. Wenn bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. Januar
keine Lösung auf dem Tisch liege, «dann haben wir keine
andere Chance, als die Verhandlungen mit Druck aus den Betrieben zu
beschleunigen».
Zugleich warnte Peters die Arbeitgeber, am kommenden Freitag zum
Auftakt der dritten Verhandlungsrunde ein Angebot vorzulegen, das
Lohnerhöhungen von maximal 1,4 Prozent vorsieht. «Wenn das
Angebot diese Dimension haben sollte, dann kann ich den Arbeitgebern
nur empfehlen, es in der Tasche zu lassen, denn sie machen sich bei den
Arbeitnehmern lächerlich», zitierte das Blatt den
IG-Metall-Chef.
Die Forderung der Arbeitgeber, durch freiwillige Betriebsvereinbarungen
das Arbeitsvolumen und die zugeordnete Bezahlung innerhalb einer
Bandbreite von 35 bis 40 Stunden zu gestalten, nannte Peters
inakzeptabel: «Es geht den Arbeitgebern schlicht um die
Verlängerung der Arbeitszeit. Und es geht ihnen um eine plumpe
Senkung der Lohnkosten, indem sie Arbeitnehmern einen Teil ihrer Arbeit
schlicht nicht bezahlen wollen.»
(Quelle: ap)
Verkehrsministerium erwägt Milliardenkredit wegen
Maut-Ausfällen
Mi.21.01.04 - Die Bundesverkehrsministerium erwägt die Aufnahme eines Kredits
von 2,1 Milliarden Euro, um das Straßen- und Schienennetz trotz
der Einnahmeausfälle bei der Lkw-Maut ausbauen zu können.
Ministeriumssprecher Michael Zirpel bestätigte am Dienstag in
Berlin die Existenz eines entsprechenden «Arbeitspapiers».
Dieses Modell sei aber nur eines von mehreren, eine Entscheidung sei
noch nicht gefallen. Regierung und Koalitionsfraktionen hätten
jedoch den klaren politischen Willen, dass die Einnahmeausfälle
nicht zu Lasten der Infrastruktur gehen dürften.
Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete am Dienstag, mit
diesem «internen Gesetzesvorschlag» gebe es in der
Bundesregierung erstmals konkrete Pläne, wie das Maut-Desaster
finanziell bewältigt werden könne. Der Vorschlag sehe vor,
dass der Milliardenkredit von der
Verkehrs-Infrastruktur-Finanzierungs-Gesellschaft (VIFG) aufgenommen
werde, die dem Bund gehört und die bislang keine Schulden machen
darf. Dies solle per Gesetz geändert werden, heißt es in dem
Bericht. Zurückgezahlt werden könnte der Kredit aus den
künftigen Maut-Erlösen. Das Verkehrsministerium wolle auf
diesem Wege vermeiden, dass Finanzminister Hans Eichel der EU neue
Schulden melden müsse.
Zirpel wies unterdessen den Vorwurf zurück, Verkehrsminister
Manfred Stolpe habe das Parlament im September über den geplanten
Starttermin für die Mauterfassung getäuscht. Das ZDF-Magazin
«Frontal 21» berichtete am Dienstag, das Bundesamt für
Güterverkehr (BAG) habe am 8. September 2003 in einem Schreiben an
das Verkehrsministerium einen Mautstart zum 2. November ausgeschlossen.
Gut zwei Wochen später habe Stolpe in einer Bundestagsdebatte
gesagt: «Uns hat das Bundesamt noch einmal erklärt: Bei
Erfüllung aller Voraussetzungen ist auch ein Start am 2. November
erreichbar.»
Zirpel bestätigte das Schreiben des BAG, wies die Interpretation
von Stolpes Rede aber zurück. Der Minister habe in der
Bundestagsdebatte ausdrücklich erklärt, dass der Starttermin
2. November keine Forderung von ihm sei. Ihm sei ein verlässlicher
Start viel wichtiger. Trotzdem habe das Betreiberkonsortium Toll
Collect am 2. November festgehalten.
(Quelle: ap)
Rot-Grün verschleudert Geld für Asphalt
Bis 2015 will die Regierung rund 32 Milliarden Euro in den Aus- und
Neubau von Straßen stecken. "Pure Verschwendung", kritisiert der
BUND: Der Bundesverkehrswegeplan wimmele vor Absurditäten - zum
Beispiel neuen Pisten für zehn Autos...
Mehr in der "tageszeitung" vom 20.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/20/a0149.nf/text
|
Regierung wirft Stromkonzernen überzogene Preise vor
Mi.21.01.04 - Die Bundesregierung hat den deutschen Energiekonzernen eine unfaire
Gestaltung der Strompreise vorgeworfen. «Während die
Strom-Konzerne schöne Gewinne erwirtschaften, schauen die
Verbraucher in die Röhre», sagte
Verbraucher-Staatssekretär Matthias Berninger der «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe). Der Wettbewerb auf dem Strommarkt
funktioniere noch nicht, kritisierte der Grünen-Politiker.
Berninger forderte nach Angaben des Blattes Erleichterungen für
die Verbraucher beim Anbieterwechsel und eine bessere Markttransparenz
für die Kunden. «Nicht überall wo Ökostrom drauf
steht, ist auch Ökostrom drin», kritisierte der
Staatssekretär. Zugleich forderte er die EU auf, einheitliche
Kriterien zu entwickeln.
Massive Kritik an der Preisgestaltung übte laut «Berliner
Zeitung» auch die Energieexpertin der
Grünen-Bundestagsfraktion, Michaele Hustedt: «Abzocke trifft
den Kern des Vorgangs.» Schon seit drei Jahren in Folge
explodierten die Gewinne der Energieversorger. Der private Verbraucher
hingegen habe davon bislang in keiner Weise profitieren können.
(Quelle: ap)
Bulmahn will Bildungskompetenzen neu ordnen
Mi.21.01.04 - Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat sich dafür
ausgesprochen, die Zuständigkeiten von Bund und Ländern in
der Bildungs- und Forschungspolitik genauer festzuschreiben. "Notwendig
ist eine klare Aufgabenverteilung", sagte die Ministerin in einer
Grundsatzrede an der Berliner Humboldt-Universität. Die
Verantwortlichkeiten müssten "klarer zugeordnet und
Mischfinanzierungen abgebaut werden." Bulmahn machte sich zudem
für eine verbesserte Zusammenarbeit von Bund und Ländern
stark.
Bulmahn schlug vor, den Ländern die Zuständigkeit für
den Hochschulbau zu übertragen. Zum Ausgleich böten sich
Entlastungen der Länder im Bereich der Forschungsförderung
sowie im Rahmen der Finanzverfassungsreform an. Der Bund soll sich nach
den Vorstellungen der Ministerin im Hochschul- und Forschungsbereich
auf Spitzenforschung und -lehre, die Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses, die Ausbildungsförderung und die
überregionale außeruniversitäre Forschung konzentrieren.
Die Bundesregierung setzt der Bildungsministerin zufolge in der
Hochschulpolitik auf "größtmögliche Autonomie, auf
Wettbewerb, auf Exzellenz und auf eigenständige Profilbildung der
Hochschulen". Sie sei bereit, das Hochschulrahmengesetz
grundsätzlich zu entrümpeln, sagte Bulmahn. Es müsse nur
noch bleiben, was länderübergreifener Regelungen
bedürfe. Sie zählte dazu die Bereiche Zulassung,
Abschlüsse, Dienstrecht und Qualitätssicherung. Bulmahn
mahnte zugleich die Länder, die Universitäten in die Freiheit
zu entlassen.
Zu der von der SPD angestoßenen Debatte um deutsche
Spitzen-Universitäten sagte Bulmahn, Deutschland werde nur dann
einer der weltweit führenden Wissenschafts- und
Forschungsstandorte bleiben, "wenn wir sowohl in der Breite als auch in
der Spitze erstklassig sind".
Die deutschen Hochschulen müssten in die Lage versetzt werden, mit
weltweit anerkannten Spitzenhochschulen wie Harvard oder Oxford zu
konkurrieren. Eine Spitzenuniversität entwickle sich aber nicht
aufgrund einer Verordnung, sondern nur durch erbrachte Leistung. "Die
Idee, dass der Bund eine eigene Universität erwirbt und diese dann
zur Eliteuniversität erklärt, ist absurd", betonte Bulmahn.
(Quelle: afp)
Deutschland will rund 10.000 Libanesen abschieben
Mi.21.01.04 - Deutschland will rund 10.000 Libanesen in ihre Heimat abschieben, weil
sie nach dem Abzug der israelischen Truppen aus Südlibanon ihren
Flüchtlingsstatus verloren haben. Dies erklärte
Bundesinnenminister Otto Schily am Dienstag nach Gesprächen mit
seinem libanesischen Kollegen Elias Murr in Beirut. Etwa 50.000
Libanesen leben derzeit in Deutschland. Schily erklärte, beide
Ländern würden ein Abkommen erarbeiten, dass die
Rückkehr der Flüchtlinge regeln werde. Das Abkommen solle bei
einem Besuch Murrs in Berlin unterzeichnet werden.
Nach libanesischen Angaben ging es bei den Gesprächen auch um eine
Verbesserung der Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus, illegale
Einwanderung, das organisierte Verbrechen und den Drogenschmuggel.
Während des libanesischen Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 und
der israelischen Besetzung Südlibanons durch Israel von 1982 bis
2000 hatten tausende Libanesen ihr Land verlassen und unter anderem
auch in Deutschland politisches Ayls beantragt. Schily besuchte Libanon
im Rahmen einer Reise durch mehrere Länder des Nahen Ostens.
(Quelle: ap)
'Tätervolk' ist Unwort des Jahres 2003
Mi.21.01.04 - Der Begriff "Tätervolk" ist Unwort des Jahres 2003. Der Begriff
sei verwerflich, weil er den Vorwurf der Kollektivschuld erhebe und
ohne Ausnahme ein ganzes Volk für die Untaten kleinerer oder
größerer Tätergruppen verantwortlich mache,
erklärte die Jury der "Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres"
am Dienstag in Frankfurt.
Die Verbindung zu "den" Juden belege außerdem einen bis heute
wirkenden Antisemitismus.
Der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (CDU) war im Oktober aus der
Unions-Fraktion ausgeschlossen worden, weil er die Juden als
Tätervolk bezeichnet hatte.
Auf den zweiten Platz wählte die Jury die Wortschöpfung
"Angebotsoptimierung", die etwa bei der Stilllegung von Bahnstrecken
eine Verringerung von Dienstleistungen beschönigen oder
verschleiern solle. Auch der Abbau von Briefkästen sei als
"Briefkastenoptimierung" bezeichnet worden. Auf den dritten Platz kam
das Wort "Abweichler". Es sei zur Diskriminierung Abgeordneter
missbraucht worden, die ihre grundgesetzlich verankerte Pflicht zur
Gewissensentscheidung über den Fraktionszwang gestellt hätten.
Zum Begriff "Reform" stellten die Juroren fest, er sei besonders im
vergangenen Jahr entwertet worden. Das Wort gelangte jedoch nur in die
engere Wahl und erhielt keine Platzierung.
2002 war die "Ich -AG" zum Unwort des Jahres gekürt worden. Davor
waren es Ausdrücke wie "Gotteskrieger" (2001), "national befreite
Zonen" (2000), "Kollateralschaden" (1999) und "sozialverträgliches
Frühableben" (1998).
(Quelle: rtr)
mehr Kurznachrichten...