Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundzehnten Tag nach Kriegsbeginn
Wieder Tote und Verletzte bei Angriffen im Irak: +++ Washington bittet
Brahimi um Unterstützung bei Machttransfer in Irak +++
US-Außenminister Powell äußert Erwartung, dass sich
bis Jahresende alle 26 NATO-Partner an der Stabilisierung Iraks
beteiligen +++ Deutscher Irak-Einsatz laut Ex-Generalinspekteur kein
Tabu +++ Weg frei für deutsche Firmen im Irak +++
US-amerikanisches Öl-Unternehmen Halliburton hat angeblich
Korruption bei Irak-Geschäft eingeräumt +++ Weißes Haus
zufrieden mit Entschuldungs-Initiative für Irak
Fr.23.01.04 - In Irak sind erneut US-Soldaten und kooperationsbereite Einheimische
tödlichen Angriffen zum Opfer gefallen. Bei Feuerattacken im
sunnitischen Unruhegebiet nordwestlich von Bagdad starben mindestens
neun Menschen, wie die US-Armee mitteilte.
In der Nähe von Falludscha nahmen Unbekannte am Mittwochmorgen
einen Minibus unter Feuer, in dem neun irakische Mitarbeiterinnen eines
Subunternehmens des US-Konzerns Halliburton unterwegs waren. Dabei
starben vier der Frauen. Eine Überlebende sagte, die Täter
seien vermutlich "Terroristen, die uns töten wollten, weil wir
gute Beziehungen zu den Amerikanern unterhalten". Alle neun Frauen
seien Christinnen gewesen, die auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz waren,
der US-Militärbasis Habbanijah.
Nördlich von Falludscha erschossen Unbekannte zwei irakische
Polizisten und einen Zivilisten. Die Beamten seien auf Patrouille
gewesen, teilte die Polizei mit. In der Unruhestadt Baakuba wurden zwei
US-Soldaten getötet und ein dritter schwer verletzt, als
Aufständische einen Armeevorposten mit Granaten beschossen. In der
Nähe von Kirkuk wurde ein Iraker getötet, als am
Straßenrand ein Sprengsatz explodierte, wie die Polizei
mitteilte. Die Straße werde häufig von US-Konvois genutzt.
Der Sicherheitschef der spanischen Truppen in Irak wurde bei einem
Anti-Terror-Einsatz lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben des
Madrider Verteidigungsministeriums erlitt der Guardia-Civil-Offizier
Gonzalo Perez Garcia bei der Razzia im Haus eines mutmaßlichen
Terroristenführers in Hamsa einen Kopfschuss. Hamsa liegt
südlich von Diwanija, dem Hauptstützpunkt der 1.300
spanischen Soldaten in Irak. Seit August sind in dem Land zehn Spanier
getötet worden.
In Basra wurde der Sohn eines ehemaligen ranghohen Sicherheitsbeamten
des gestürzten Regimes erschossen. In der südirakischen Stadt
leben überwiegend Schiiten, die von Saddam Husseins Regime brutal
unterdrückt wurden.
Der UN-Sonderberater Lakhdar Brahimi soll sich im Auftrag der USA in
Irak für einen reibungslosen Machttransfer einsetzen. Der Berater
von UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde am Donnerstag zu einem
Treffen mit US-Außenminister Colin Powell,
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und deren Nahost-Berater
Robert Blackwell einberufen, wie ranghohe US-Regierungsvertreter in
Washington mitteilten. Bei den Gesprächen über die
politischen Perspektiven Iraks sei es unter anderem darum gegangen, wie
der Widerstand der Schiiten gegen die US-Pläne zur
Machtübergabe eingedämmt werden könnte. Brahimi, der
frühere UN-Beauftragte für Afghanistan, war vergangene Woche
auf den Beraterposten berufen worden. Er gilt als guter Vermittler.
Die Schiiten, die auch in ganz Irak die Bevölkerungsmehrheit
stellen, dringen auf baldige Wahlen, um ihren Einfluss besser geltend
machen zu können. Nach jüngsten Angaben eines Sprechers von
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani ist dieser aber bereit,
seine Forderung zu revidieren, wenn irakische und UN-Experten gemeinsam
zu dem Ergebnis kommen sollten, dass der Zeitpunkt für eine
Abstimmung auf Grund der prekären Sicherheitslage noch nicht
gekommen sei. Das UN-Team soll schon bald in Irak eintreffen.
Nach einem Plan der USA vom 15. November sollen regionale
Wahlausschüsse eine neue Übergangsregierung wählen, die
am 1. Juli ihr Amt antreten soll. Sistani will indessen schon jetzt
Direktwahlen, was die USA für verfrüht halten. Ein Sprecher
des britischen Premierministers Tony Blair erklärte, die britische
Regierung sei ebenfalls der Ansicht, dass Direktwahlen zurzeit
unmöglich seien.
US-Außenminister Colin Powell äußerte derweil die
Erwartung, dass sich bis Jahresende alle 26 NATO-Partner an der
Stabilisierung Iraks beteiligen würden. Auch die Kriegsgegner
Deutschland und Frankreich hätten sich den USA angenähert.
US-Außenminister Powell sagte in einem Radiointerview, dass sich
die USA und die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich "nach einer
Phase der Irritation" wieder näher kämen. Alle, die gegen den
Krieg gewesen seien, prüften, wie sie am besten beim Wiederaufbau
Iraks helfen könnten. Ein Regierungssprecher in Berlin
bekräftigte die Position der Bundesregierung, sich nicht
militärisch in Irak zu beteiligen.
Ein Einsatz deutscher Truppen im Irak ist nach Ansicht des
früheren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Klaus Naumann, kein
Tabu mehr. Er gehe davon aus, dass Deutschland sich nicht mehr auf
starrsinnige Festlegungen von gestern zurückziehen werde. Das
sagte Naumann der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".
Deutsche Firmen dürfen sich nun auch um Generalaufträge an
US-Programmen zum Wiederaufbau des Iraks bewerben. Wie das
"Handelsblatt" aus US- Regierungskreisen erfuhr, werden die
Aufträge der zweiten Tranche offen ausgeschrieben. Dabei handelt
es sich um Projekte im Wert von 5 Milliarden Dollar in den Bereichen
Elektrizität, Wasserversorgung und Verkehr. Bei der ersten
Ausschreibung der US-Aufträge war die Teilnahme noch auf Staaten
begrenzt worden, die den Irak-Krieg unterstützt hatten.
Das Ölservice-Unternehmen Halliburton Co hat nach einem
Pressebericht gegenüber dem US-Verteidigungsministerium
Korruptionsfälle bei der Versorgung der US-Truppen im Irak
eingeräumt.
Zwei Halliburton-Mitarbeiter hätten bis zu sechs Millionen Dollar
Bestechungsgelder angenommen, berichtete das "Wall Street Journal" am
Freitag. Dafür hätten sie einer in Kuwait ansässigen
Firma Versorgungsaufträge für die US-Truppen zukommen lassen.
Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht
zunächst nicht erreichbar.
Dies ist der erste substanzielle Hinweis auf Korruption bei
US-Projekten im Irak. Für Halliburton, zu dessen Führung
früher auch der heutige Vizepräsident Dick Cheney
gehörte, könne dies Strafen und Klagen nach sich ziehen,
heißt es in dem Blatt. Die beiden betroffenen Mitarbeiter seien
entlassen worden.
Gegen Halliburton waren bereits Vorwürfe laut geworden, eine
Tochter des Unternehmen habe Treibstofflieferungen für die
US-Truppe deutlich überteuert.
Das Weiße Haus hat sich derweil optimistisch gezeigt, dass Irak
in diesem Jahr einen "substanziellen" Schuldenerlass erhalten wird. Die
entsprechende Mission des US-Sondergesandten James Baker sei
insbesondere in der Golfregion "sehr produktiv" gewesen, sagte
Präsidentensprecher Scott McClellan am Donnerstag in Roswell im
US-Bundesstaat New Mexico. Die meisten Länder hätten einer
bedeutenden Verringerung der irakischen Schuldenlast zugestimmt;
zugleich "machen wir Fortschritte beim Aufbau eines freien, friedlichen
und blühenden Irak".
Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate
wollen dem Irak einen Teil seiner Auslandsschulden erlassen.
Entsprechende Zusagen hätten sie dem US- Sonderbeauftragten James
Baker gegeben, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Nach
Schätzungen ist der Irak im Ausland mit über 120 Milliarden
Dollar verschuldet.
(Quellen: ap, rtr, afp, dpa)
US-Wahlkampf: Demokratische Kandidaten greifen Bush an
Kritik an Irak-Politik des US-Präsidenten
Fr.23.01.04 - Fünf Tage vor der zweiten Runde im US-Vorwahl-Marathon haben die
sieben Präsidentschaftsanwärter der Demokraten mit Angriffen
auf Amtsinhaber George W. Bush um Zustimmung geworben. Bei einer
öffentlichen Debatte in Manchester, der Hauptstadt des
Bundesstaates New Hampshire, nahmen die Bewerber die Außen- und
die Sozialpolitik des Präsidenten aufs Korn. Bush befand sich
derweil auf einer Wahlkampftour durch mehrere US-Staaten, um die
konservativen Wähler zu mobilisieren.
Die Debatte in Manchester war die letzte vor der Vorwahl in New
Hampshire am Dienstag. Dabei vermieden die Anwärter auf die
Präsidentschaftskandidatur gegenseitige Attacken und
konzentrierten ihre Kritik auf Bushs Irak-Politik. Der Senator von
Massachusetts, John Kerry, warf Bush ein Scheitern in Irak vor: "Er hat
den falschen Weg gewählt." Kerry hatte den Irak-Krieg wie die
meisten seiner Mitbewerber zunächst unterstützt.
Irak habe für die Vereinigten Staaten "keine unmittelbare
Bedrohung" dargestellt, sagte der lange Zeit als Favorit gehandelte
Kriegsgegner Howard Dean. Der ehemalige
US-Vizepräsidentschaftskandidat Joe Lieberman, der für den
Irak-Krieg gestimmt hatte, rückte von seiner Haltung ab: Bush habe
den "Sinn eines gerechten Krieges verkehrt".
Der frühere NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark warf der
Bush-Regierung vor, nicht genug für die Sicherheit der Amerikaner
zu unternehmen und versprach, El-Kaida-Chef Osama bin Laden zu jagen
und "terroristische Netzwerke zu zerschlagen". Clark versucht, gegen
den Feldherrn Bush mit seinen militärischen Erfolgen während
des Bosnien-Krieges zu punkten.
Der lange Zeit als chancenlos geltende Kerry hatte die erste Abstimmung
in Iowa überraschend klar gewonnen. Der als Favorit gehandelte
Dean landete dagegen abgeschlagen auf Platz drei. Ein ähnliches
Abschneiden in New Hampshire könnte Kerrys Favoritenrolle unter
den sieben noch verbliebenen Bewerbern zementieren.
Bush tourte derweil durch mehrere Staaten, um die konservative
Wählerschaft zu mobilisieren. In Roswell im Bundesstaat New Mexico
stellte er erneut den Kampf gegen den Terrorismus heraus und bekundete
Abtreibungsgegnern seine Unterstützung. Seine aussichtsreichsten
Herausforderer bei den Demokraten treten dagegen für das Recht auf
Abtreibung ein.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Der Weg zur US-Präsidentschaftskandidatur
Wer am 2. November als Kandidat der Demokratischen Partei gegen George
W. Bush um das Präsidentenamt der USA antritt, entscheidet sich in
einem mehrmonatigen Vorwahlkampf. In allen 50 Bundesstaaten sowie in
der Hauptstadt Washington und den vier US-Territorien Samoa, Guam,
Puerto Rico und Virgin Islands werden zwischen Januar und Juni
Delegierte für den Nominierungskongress der Demokraten Ende Juli
in Boston bestimmt.
Auch die Republikaner haben Vorwahlen. Für sie ist der Prozess
aber nur Formsache, da Präsident Bush keine innerparteiliche
Konkurrenz hat und als Kandidat feststeht.
In 14 Bundesstaaten findet bei den Demokraten ein «Caucus»,
eine Art Landesparteitag, statt - der erste fand am 19. Januar in
Iowa statt. Dabei stimmen eingetragene Parteimitglieder jeweils in
ihren Orten über die Kandidaten ab. Auf späteren
Versammlungen werden anhand der Wahlergebnisse Delegierte für den
nationalen Parteitag bestimmt. Dort vertreten sie mit ihrer Stimme den
Kandidaten, dem sie sich vorher verpflichtet haben. Außerdem kann
die regionale Parteiführung Plätze für den Parteitag
vergeben.
Häufiger als der «Caucus» ist die
«Primary» in 36 der 50 Staaten. Die erste ist am 27. Januar
in New Hampshire. Es gibt «offene» Vorwahlen, bei denen die
Wähler ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit abstimmen
können. Republikaner könnten also bei den Demokraten für
einen Kandidaten stimmen, der ihrer Meinung besonders einfach zu
besiegen ist. Bei den «geschlossenen» Vorwahlen bleiben
Mitglieder und Sympathisanten der Parteien unter sich. Um
stimmberechtigt zu sein, reicht es im Allgemeinen, sich auf der
Internet-Seite einer Partei einzutragen.
Die ersten Entscheidungen in Iowa und New Hampshire sind für den
Vorwahlkampf von großer Bedeutung. Jeder Kandidat will hier vorn
liegen, um mit dem Nimbus des Siegers die entscheidende Schwungkraft
für den Wahlkampf zu gewinnen.
Um den unverhältnismäßig großen Einfluss der
Voten in den beiden Bundesstaaten auszugleichen, haben andere Staaten
ihre Vorwahlen am selben Tag zusammen gelegt. Am «Super
Tuesday» (Super-Dienstag) - diesmal am 2. März - gibt es
zehn Vorwahlen. Bis zum 16. März haben dann auch die
bevölkerungsreichsten US-Bundesstaaten Kalifornien, Texas, New
York und Florida abgestimmt. Der Präsidentschaftskandidat der
Demokraten müsste dann feststehen.
(Quelle: dpa, 20.01.04)
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Rückschlag für US-Wahlen per Internet
Computerwissenschaftler: Es sei nicht möglich, mit Computern die
Microsofts Windows nutzen , ein sicheres Wahlsystem zu schaffen.
Pentagon wollte US-Soldaten im Ausland die Teilnahme an den
Präsidentschaftswahlen per Internet ermöglichen
Fr.23.01.04 - Amerikanische Hoffnungen auf baldige Wahlen per Internet haben einen
schweren Rückschlag erlitten. Amerikanische
Computerwissenschaftler übten scharfe Kritik an einem 22 Millionen
Dollar teurem Programm des US-Verteidigungsministeriums, das Soldaten
im Ausland die Teilnahme an den kommenden Präsidentschaftswahlen
per Internet ermöglichen sollte.
Das System sei so unsicher, dass es die Integrität der
amerikanischen Demokratie unterwandern könnte, und müsse
deshalb sofort gestoppt werden. «Es ist nicht möglich, ein
sicheres Wahlsystem zu schaffen mit Standardcomputern, die Microsofts
Windows nutzen, und dem augenblicklichen Internet», zitierte die
«Washington Post» am Donnerstag den Computerwissenschaftler
Avi Rubin von der Johns Hopkins Universität. Die Experten waren
von der Regierung mit der Überprüfung des Systems beauftragt
worden.
Besorgt äußerten sich die Kritiker vor allem darüber,
dass Hacker oder politische Gegner der USA die Gelegenheit nutzen
könnten, bei so wichtigen Ereignissen wie einer
Präsidentschaftswahl den Prozess mit allen Mitteln zu sabotieren.
Mit Viren, Würmern, trojanischen Pferden und anderen
Hackermethoden sei es möglich, zehntausende Computer für eine
solche Attacke zu nutzen.
Das Pentagon erklärte nach Medienberichten, es stehe weiter zu dem
Programm, das erstmals bei den Vorwahlen im Bundesstaat South Carolina
Anfang Februar getestet werden soll. Das System sei sicher, sagte ein
Sprecher.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
US-Vize-Außenminister sieht Friedensbemühungen in der
Sackgasse +++ Palästinensische Arbeiter protestieren am
Grenzübergang Eres +++ Israelische Soldaten erschießen
palästinensischen Jungen +++ Palästinenser protestieren mit
Hungerstreik gegen Haft in Israel
Fr.23.01.04 - Die USA befinden sich nach Einschätzung ihres
Vize-Außenministers Richard Armitage bei den
Vermittlungsbemühungen im Nahost-Konflikt in einer Pattsituation.
"(Der palästinensische) Ministerpräsident Korei ist nicht in
der Lage oder bereit dazu, eine harte Haltung bei der Sicherheitsfrage
einzunehmen, und auf der anderen Seite beabsichtigen die Israelis,
ebenfalls keinen Kompromiss einzugehen", sagte Armitage am Donnerstag
ungewohnt offen einem ägyptischen Fernsehsender. Die USA seien
also etwas in einer Pattsituation, sagte er. Vertreter Israels sagten
unterdessen nach Gesprächen mit US-Diplomaten in Washington, die
Aussichten für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in Nahost
seien schlecht. Am Wochenende wollen US-Vertreter zu Gesprächen
über die Umsetzung des internationalen Friedensplanes in die
Region reisen.
"Jeder ist beunruhigt, dass es keine Anzeichen für eine positive
Bewegung gibt", sagte in israelischer Vertreter nach den
Gesprächen in Washington, an denen auch die
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice teilnahm. "Die
US-Einschätzung ist nicht anders", fügte er hinzu. Der
Reformprozess mache Rückschritte. Die US-Regierung lehnte indes
einen Kommentar zu den Aussichten für den internationalen
Friedensplan nach den Gesprächen ab.
Kritiker haben den USA zuletzt zu geringes Engagement bei der Umsetzung
des von ihnen zusammen mit der Europäischen Union, Russland und
den Vereinten Nationen entworfenen Nahost-Friedensplans vorgeworfen.
Kritiker werfen US-Präsident George W. Bush zudem vor, im Wahljahr
lieber auf eine aktive Vermittlerrolle der USA in dem Konflikt zu
verzichten. In seiner Rede zur Lage der Nation in dieser Woche hatte
Bush das Thema ausgespart. Als Beleg dafür, dass die USA weiter
eine aktive Rolle übernehmen, nannte Armitage indes die geplante
Reise zweier US-Experten in die Region. Die USA würden "weiterhin
sehr engagiert bleiben", sagte Armitage.
Bislang hat keine der Konfliktparteien in Nahost viele Schritte
unternommen, um den Friedensplan umzusetzen. Dieser fordert von den
Palästinensern unter anderem, entschieden gegen militante
Palästinenser vorzugehen, die Israelis angreifen. Israel soll
unter anderem im Gegenzug seinen umstrittenen Siedlungsbau stoppen. Der
als "Road-map" bezeichnete Plan sieht zudem unter anderem die Schaffung
eines Palästinenserstaates bis zum nächsten Jahr vor.
Palästinensische Arbeiter aus dem Gazastreifen haben am Donnerstag
am Grenzübergang Eres gegen die Einreisebeschränkungen der
israelischen Behörden protestiert. Soldaten feuerten
Gummigeschosse ab und gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten
vor. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem etwa zehn Palästinenser
leicht verletzt wurden. Es handelte sich bereits um die dritte
Protestaktion dieser Art binnen vier Tagen. Die Teilnehmer warfen
Israel mutwillige Schikane bei der Einreise vor.
Am Grenzübergang Eres hatte sich eine Hamas-Aktivistin am 14.
Januar in die Luft gesprengt und vier Israelis - drei Soldaten und
einen Wachmann - mit in den Tod gerissen. Anschliessend blieb der
Kontrollpunkt mehrere Tage geschlossen, danach wurden die
Sicherheitsvorkehrungen erheblich verschärft. Der
Grenzübergang wird täglich von tausenden Palästinensern
benutzt, die nur in Israel Arbeit finden können.
Israelische Soldaten haben in der Nähe des Grenzzauns zum
Gazastreifen einen elfjährigen Jungen erschossen. Der Junge war
unbewaffnet und nach Angaben seiner Familie auf der Vogeljagd. Die
Soldaten glaubten dagegen nach Armeeangaben, der Junge wolle unerlaubt
die Grenze überqueren. Die Gegend, in der sich der Vorfall am
Donnerstag ereignete, war schon des öfteren Schauplatz von
Sprengstoffanschlägen und Infiltrationsversuchen von
Palästinensern.
Der Junge wurde von mehreren Kameraden begleitet, zwei von ihnen wurden
angeschossen und verletzt. Sie wurden in ein israelisches Krankenhaus
gebracht. Zunächst gab es nur Berichte über die Verletzten,
von dem Todesfall wurde zunächst nichts bekannt.
Die Jagd auf Vögel ist bei palästinensischen Jungen durchaus
verbreitet, die sich damit ihr Taschengeld aufzubessern. So bringt ein
Distelfink umgerechnet knapp 20 Euro auf den Märkten in Gaza.
Mehr als 7000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen und
Gefangenenlagern sind am Donnerstag aus Protest gegen ihre
Haftbedingungen in einen 24-stündigen Hungerstreik getreten. Sie
wollten auf Mängel bei der medizinischen Versorgung und andere
Probleme aufmerksam machen, sagte der Vorsitzende einer
Gefangenen-Hilfsorganisation, Issa Karakea. Die Hungerstreikenden
protestierten zudem dagegen, dass die israelischen
Strafvollzugsbehörden kürzlich in den Besucherräumen der
Anstalten Trennscheiben aus Glas anbrachten, um den direkten Kontakt
zwischen den Gefangenen und ihren Besuchern zu unterbinden.
(Quellen: afp, ap, rtr)
Frauen in Afghanistan gehen für Wahlen auf die Straße
Fr.23.01.04 - Hunderte afghanische Frauen haben am Donnerstag auf einer Kundgebung
ihre Unterstützung für die im Juni geplanten Wahlen
demonstriert. Das teilten die Vereinten Nationen mit. Die rund 500
Frauen seien dem Aufruf einer Fernsehmoderatorin gefolgt und durch die
Straßen der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif gezogen, sagte
UN-Sprecher Manoel de Almeida e Silva. Die Aktion endete vor einer
Schule, in der sich Stimmberechtigte für die Wahlen registrieren
lassen können.
Die Abstimmung gilt als entscheidender Schritt Richtung Frieden und
Stabilität in Afghanistan. Die UN befürchten allerdings, die
anhaltende Gewalt im Süden und Osten des Landes könnte eine
Verschiebung notwendig machen oder die Wahlen ganz verhindern. Bislang
haben sich dafür erst etwa fünf Prozent der rund zehn
Millionen Wahlberechtigten registrieren lassen, mehr als ein
Fünftel davon Frauen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Afghanistans Frauen nach der 'Befreiung'
hhtp.//www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401040.htm#040104_c
Immer wieder versuchen sich Frauen in Afghanistan selbst zu verbrennen
.Über die Gründe wollen die Angehörigen nur selten
sprechen - meist aus Scham. Manch Überlebende endet später im
Gefängnis. Warum flüchten die Frauen in den Tod?
Mehr in einer Reportage von ARD-Korrespondent Armin-Paul Hampel:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2812834_REF1,00.html
Indien vereinbart mit Kaschmir-Separatisten Ende des
Blutvergießens
Fr.23.01.04 - Indien hat sich mit Führern der Separatisten in Kaschmir auf ein
Ende des Blutvergießens in der Himalaya-Region verständigt.
«Wir sind überein gekommen, dass der einzige Weg nach vorn
darin besteht, ein Ende aller Formen von Gewalt auf allen Ebenen zu
gewährleisten», hieß es am Donnerstag in einer
gemeinsamen Erklärung. Zuvor waren beide Seiten erstmals auf
ranghoher Ebene zu Verhandlungen zusammengetroffen.
Das zweieinhalbstündige Treffen sei der «erste wichtige
Schritt im Dialogprozess» gewesen, hieß es weiter. Nun
sollten Schritt für Schritt alle noch offenen Fragen im
Kaschmir-Konflikt geklärt werden. Eine weitere Verhandlungsrunde
sei für Ende März angesetzt worden. Der stellvertretende
indische Ministerpräsident Lal Krishna Advani sagte, die
Kaschmir-Separatisten hätten um ein Gespräch mit
Regierungschef Atal Bihari Vajpayee gebeten, das am Freitag stattfinden
solle.
An dem Treffen in Neu-Delhi nahmen ranghohe Mitglieder der
kaschmirischen Allparteienkonferenz Hurriyat sowie eine indische
Delegation unter Führung von Advani teil. Die Allparteienkonferenz
ist die größte Separatistenvereinigung in Kaschmir und eine
legale politische Organisation. Einigen ihrer Mitglieder wird jedoch
vorgeworfen, Verbindungen zu bewaffneten Aufständischen zu
unterhalten.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan. Die Auseinandersetzungen kosteten in den vergangenen 14
Jahren mehr als 65.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Stichwort: Kaschmir
Spannungen an der Grenze zwischen dem indischen und dem pakistanischen
Teil des ehemaligen Fürstenstaates Kaschmir gibt es schon seit der
Unabhängigkeit des indischen Subkontinents von
Großbritannien 1947. Um einem Konflikt zwischen Hindus und
Moslems vorzubeugen, wurde der Subkontinent damals in die Länder
Indien und Pakistan aufgespalten. Doch besonders in Kaschmir hielten
die Spannungen an.
Indien und Pakistan haben 1948 und 1965 Kriege um das fruchtbare,
landwirtschaftlich intensiv genutzte Kaschmirtal geführt. Im
indisch-pakistanischen Krieg um Bangladesch fanden 1971 auch an der
Grenze zwischen beiden Teilen Kaschmirs Kämpfe statt. Indien
beansprucht den größeren südöstlichen Teil
Kaschmirs, Pakistan den kleineren im Nordwesten.
1957 hatte Indien seinen Teil Kaschmirs unter der Bezeichnung Jammu und
Kaschmir zum Bundesland erhoben und ihm Sonderrechte mit einer
uneingeschränkten Autonomie zugebilligt. Gegen indischen Protest
übernahm Pakistan 1974 formell die Verwaltung in dem von ihm
beherrschten Teil mit Namen Azad Kaschmir (Freies Kaschmir). Eine 1949
beschlossene Volksabstimmung über die politische Zukunft Kaschmirs
fand niemals statt.
Der auf indischer Seite liegende Unionsstaat Jammu-Kaschmir ist das
einzige Bundesland in dem Vielvölkerstaat mit einer vorwiegend
moslemischen Bevölkerung. Von den rund sechs Millionen Einwohnern
des an China und Pakistan grenzenden Gebietes bekennen sich zwei
Drittel zum Islam, ein Drittel sind Hindus. Die auf indischer Seite
lebenden Moslems Kaschmirs kämpfen für einen eigenen Staat
oder den Anschluss an Pakistan, die jenseits der Grenze lebenden
Moslems wollen sie dabei unterstützen. Die Auseinandersetzungen
kosteten in den vergangenen 14 Jahren mehr als 65.000 Menschen das
Leben.
Vor mehr als fünf Jahren stiegen beide Staaten in den Kreis der
Atommächte auf. Indien zündete zwischen dem 11. und dem 13.
Mai 1998 fünf unterirdische Atombomben. Pakistan reagierte darauf
mit einer Serie eigener Atomtests. Dies verstärkte die Sorge vor
einem atomaren Wettrüsten auf dem Subkontinent. Beide Staaten
testeten im April 1999 Mittelstreckenraketen. Einen Monat später
brachen erneut Kämpfe im umstrittenen Grenzgebiet aus. Im November
2003 einigten sich Indien und Pakistan auf einen Waffenstillstand
entlang der Grenze. Militante Gruppen haben jedoch eine Fortsetzung der
Anschläge angekündigt.
Um den Dauerkonflikt zu entspannen, vereinbarten beide Staaten Anfang
Januar die Wiederaufnahme ihres Dialogs. Darüber hinaus kamen am
Donnerstag indische Regierungsvertreter und kaschmirische Separatisten
erstmals auf hochrangiger Ebene zu Gesprächen zusammen.
(Quelle: ap, 22.01.04)
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UN-Kommandeur sieht internationale Mitschuld am Völkermord in
Ruanda
Fr.23.01.04 - Der frühere Kommandeur der UN-Truppen in Ruanda hat der
internationalen Gemeinschaft eine Mitschuld am Völkermord in dem
ostafrikanischen Land zugewiesen. General Romeo Dallaire erklärte
am Donnerstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, das
Wegschauen der Welt sei für den Tod von mehr als einer halben
Million Tutsi und moderater Hutu mitverantwortlich.
Der Kanadier Dallaire erwähnte Frankreich, Belgien und die USA.
Die Regierungen seien unkooperativ gewesen und hätten ihm keine
Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt. Die UN-Mission
habe das Blutvergießen vor zehn Jahren nicht stoppen können,
da sie nur ein beschränktes Mandat sowie zu wenig Personal und
Waffen gehabt habe, sagte Dallaire. Seine Forderungen nach
Verstärkung seien abgelehnt worden. Der pensionierte General sagte
im Prozess gegen die mutmaßlichen Anführer des
Völkermords aus.
Wegen Beteiligung am Genozid verurteilte das UN-Tribunal in der
tansanischen Stadt Arusha am Donnerstag ein Mitglied der damaligen
extremistischen Hutu-Regierung zu lebenslanger Haft. Der ehemalige
Bildungsminister Jean de Dieu Kamuhanda war 1999 in Frankreich
festgenommen und nach Arusha überstellt worden.
(Quelle: ap)
Überfall auf UN-Stützpunkt in kongolesischer Krisenprovinz
Ituri
Fr.23.01.04 - Rebellen in Nordostkongo haben einen Stützpunkt von Truppen der
Vereinten Nationen überfallen, wie die UN am Donnerstag in der
Krisenprovinz Ituri mitteilten. Bei dem Überfall in Nizi, rund 25
Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Bunia, und einem
anschließenden rund 15-minütigen Feuergefecht seien keine
der pakistanischen UN-Soldaten verletzt worden. Berichte über
Verletzte auf Seiten der Angreifer gab es nicht.
Vermutlich habe es sich bei den Angreifern um Kämpfer der
Hema-Volksgruppe gehandelt, die die Region um Nizi faktisch
kontrollieren, erklärte UN-Sprecherin Isabell Abric. In den
vergangenen Tagen kam es wiederholt zu Gefechten zwischen UN-Truppen
und Milizen der rivalisierenden Volksgruppen der Hema und Lendu.
Der Gewalt in der Krisenprovinz Ituri fielen in den vergangenen Jahren
zehntausende Menschen zum Opfer. Die Vereinten Nationen haben
mittlerweile rund 4.600 Soldaten und Beobachter in der Region
stationiert, um dem Blutvergießen ein Ende zu setzen.
(Quelle: ap)
Unabhängige Zeitung Simbabwes erscheint wieder
Fr.23.01.04 - Die einzige unabhängige Zeitung Simbabwes ist am Donnerstag in
gekürzter Form erstmals seit September wieder erschienen. Die
achtseitige Ausgabe der «Daily News» wurde den
Verkäufern regelrecht aus der Hand gerissen. In Harare kam es
stellenweise zu Verkehrsstaus, weil Autofahrer einfach aus ihrem
Fahrzeug stiegen, um die Zeitung zu kaufen. Ein ranghohes Gericht hatte
die Behörden am Mittwoch angewiesen, die Belagerung der Redaktion
und der Druckerei zu beenden.
Aufgelegt wurden am Donnerstag 100.000 Exemplare der Zeitung. Auf der
Titelseite dankte Geschäftsführer Sam Sipepa Nkomo den Lesern
ebenso wie den Anzeigenkunden für ihre Unterstützung und ihre
Geduld. Es werde noch ein paar Tage dauern, bis wieder
vollständige Ausgaben erscheinen könnten. Die 1999
gegründete «Daily News» ist die einzige Publikation in
Simbabwe, die dem seit 23 Jahren regierenden Ministerpräsidenten
Robert Mugabe kritisch gegenüber steht. Die beiden anderen
Tageszeitungen des südafrikanischen Landes sowie Rundfunk und
Fernsehen sind fest in staatlicher Hand.
Im Januar 2001 wurde die Redaktion der «Daily News» bei
einer Bombenexplosion zerstört. Nach dem ein Jahr später
verabschiedeten Mediengesetz ist die Zeitung immer wieder am Erscheinen
gehindert worden, bis ihr am 12. September vergangenen Jahres
schließlich keine Lizenz mehr erteilt wurde. Vier frühere
Gerichtsentscheide, die Publikation wieder zuzulassen, hatte die
Regierung ignoriert.
(Quelle: ap)
'Superminister' soll in Brasilien Kampf gegen Armut führen
Fr.23.01.04 - Ein "Superminister" soll dem brasilianischen Präsident Luiz
Inácio Lula da Silva künftig bei der Bekämpfung von
Hunger und Armut zur Hand gehen. Die brasilianische Regierung stehe
kurz vor einer größeren Kabinettsumbildung und der
Präsident werde voraussichtlich am (heutigen) Freitag unter
anderem die Schaffung eines Superministeriums für Soziales bekannt
geben, sagte ein Sprecher am Mittwoch (Ortszeit). Wer als neuer
Superminister in Frage komme, sagte er nicht. Es werde ein Vertrauter
Lula da Silvas aus den Reihen der sozialistischen PT sein. Das neue
Ministerium für Soziale Entwicklung werde auch die Programme zum
Kampf gegen Hunger und Armut betreuen.
(Quelle: ap)
Zahl der Arbeitslosen weltweit auf Rekordstand
Fr.23.01.04 - Die Zahl der Arbeitslosen weltweit ist nach Angaben der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) auf den Rekordstand von 186 Millionen
gestiegen. Hunderte von Millionen weiterer Menschen hätten zwar
einen Arbeitsplatz, könnten mit ihrem Verdienst aber kaum ihr
Überleben sichern. Der Ausbruch der Lungenseuche Sars, der
Irak-Krieg und der Rückgang im Tourismus wegen der Angst vor
Terrorismus habe die Arbeitslosenzahl im vergangen Jahr noch einmal um
500.000 Menschen ansteigen lassen, erklärte die Organisation in
ihrem Jahresbericht.
Die Arbeitslosenquote betrug den Angaben zufolge 6,2 Prozent nach 6,3
Prozent im Jahr 2002. Der prozentuale Rückgang ist mit dem Wachsen
der Weltbevölkerung zu erklären. Am schlimmsten betroffen von
der Arbeitslosigkeit - vor allem in den Entwicklungsländern - sind
laut ILO die Jugendlichen. Die Statistik beruht auf den offiziellen
Angaben der Regierungen von 180 Ländern.
(Quelle: ap)
Europa
Griechenlands Außenminister Papandreou optimistisch in Zypernfrage
Fr.23.01.04 -Der griechische Außenminister Giorgos Papandreou hält eine
Beilegung des Zypern-Konflikts auch nach dem EU- Beitritt der geteilten
Mittelmeerinsel am 1. Mai 2004 noch für möglich. Im Anschluss
an ein Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Joschka Fischer am
Donnerstagabend in Berlin sagte Papandreou der griechischen
Nachrichtenagentur ANA: «Unser Wunsch ist es, das Problem noch
vor dem 1. Mai zu lösen. Wir dürfen aber nicht pessimistisch
sein, wenn wir es bis dahin nicht schaffen».
Sehr wichtig sei die anstehende Entscheidung, wann die Türkei EU-
Beitrittsverhandlungen aufnehmen kann, die im Dezember dieses Jahres
gefasst werden soll. «Ich glaube, dass das der Zeitraum ist (bis
Dezember 2004), in dem wir uns eine Lösung vorstellen
sollten», sagte Papandreou weiter.
Sowohl in Athen als auch in der geteilten zyprischen Hauptstadt Nikosia
wird eine Wiederaufnahme der seit zehn Monaten festgefahrenen
Zypern-Verhandlungen unter UN-Schirmherrschaft derzeit für
«sehr gut möglich» gehalten.
(Quelle: dpa)
EZB-Chefvolkswirt weiter besorgt über Wechselkursschwankungen
Fr.23.01.04 - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Worten ihres
Chefvolkswirts Otmar Issing weiterhin besorgt über zu starke
Kursschwankungen des Euro am Devisenmarkt.
"Wir sind weiter in Sorge über die Brutalität" der
Wechselkursschwankungen, sagte Issing am Donnerstag am Rande des
Weltwirtschaftsforums in Davos. Ein starker Euro werde allerdings dazu
beitragen, die Inflation zu senken, auch wenn dies Zeit benötigen
werde. Die EZB hatte zuvor in ihrem Januar-Monatsbericht ihre Besorgnis
über zu starke Devisenkursausschläge wiederholt. Der Euro
setzte seinen Aufwärtstrend der vergangenen Tage trotzdem fort.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
EU-Finanzminister und EZB besorgt über starke Euro-Schwankungen
Trotz Besorgnis über die starken Wechselkursbewegungen werden offenbar
keine Gegenmaßnahmen diskutiert +++
Zentralbank, Minister und Kommission äußern sich positiv zu den
Konjunkturaussichten. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401200.htm#04012010
«Der Euro blockiert Politikinstrumente»
Ökonom Wilhelm Hankel hält die Gemeinschaftswährung
für die Wurzel der wirtschaftlichen Misere in Deutschland...
Mehr in der "tageszeitung" vom 22.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/22/a0140.nf/text
EU will Abschiebung von Ausländern finanzieren
Fr.23.01.04 - Mit 30 Millionen Euro will die Europäische Union in den kommenden
zwei Jahren Pilotprojekte zur Abschiebung illegal eingereister
Ausländer finanzieren. Dazu sollen von den Mitgliedstaaten
gemeinsam angemietete Flugzeuge gehören, um illegale Einwanderer
und abgelehnte Asylbewerber aus mehreren EU-Ländern zugleich in
ihre Heimat zurückzuschicken, wie der irische Justizminister
Michael McDowell in Dublin sagte. Bei den dortigen informellen
Beratungen der EU-Minister für Justiz und Inneres warnte
UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers die EU vor erheblichen
Asylproblemen aufgrund der bevorstehenden Erweiterung.
Nach den Vorstellungen der Ministerrunde soll die EU den
Heimatländern der Abgeschobenen mit der Finanzierung von Projekten
zur Wiedereingliederung helfen. Diese Unterstützung soll Teil
einer umfassenden Politik sein, zu der auch Abkommen mit Drittstaaten
über die Rücknahme von Flüchtlingen gehören. Eine
Annäherung wollte der irische EU-Ratsvorsitz bei dem bis Freitag
dauerndem Ministertreffen über die seit über einem Jahr
strittigen Regeln für die An- und Aberkennung des
Flüchtlingsstatus erreichen. Dazu gehört das unter anderem
von Deutschland favorisierte Konzept "sicherer Drittstaaten". Bewerber
aus solchen Ländern würde dabei in der EU kein
Flüchtlingsstatus mehr zuerkannt.
Lubbers schloss nicht aus, dass sich die Verteilung der
Asylanträge in der EU deutlich verschieben wird, weil die
Behörden in den zehn zum 1. Mai beitretenden Staaten
überfordert sein könnten. In einigen der neuen
Mitgliedstaaten gebe es derzeit nur 15 oder 20 Mitarbeiter, die
über Asylanträge entscheiden würden. In diesen
Ländern bestehe die Gefahr, dass die harmonisierten Verfahren
"einfach zusammenbrechen, was zu mehr - anstatt zu weniger -
irregulären Bewegungen zwischen den EU-Staaten führen
würde". Lubbers schlug deshalb die Einrichtung EU-weit
zentralisierter Asylzentren vor. Zudem solle ein System für eine
gerechte Lastenteilung zwischen den EU-Staaten eingeführt werden.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
UNHCR und amnesty kritisieren EU-Asylrichtlinie
Besorgt über "Drittstaaten"-Regelung und Abschiebung vor
Berufungsentscheid...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311250.htm#03112530
EU-Asylpolitik: Amnesty kritisiert geplante Drittländer-Regelung
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401210.htm#04012111
EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Luftverschmutzung
Fr.23.01.04 - Die EU-Kommission hat Deutschland und acht weitere EU-Staaten vor dem
Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg verklagt, weil die
Länder EU-Rahmengesetze zur Luftreinhaltung nicht umgesetzt haben.
Die Staaten müssten jetzt schnell handeln, forderte
Umweltkommissarin Margot Wallström am Donnerstag in Brüssel.
"Verzögerungen steigern für die Bevölkerung nur das
Risiko von Gesundheitsproblemen." Das Bundesumweltministerium
räumte ein, dass sich die Umsetzung wegen Beratungen mit den
Bundesländern verzögert habe. Allerdings würden alle
Regelungen noch im Laufe dieses Jahres in deutsches Recht
überführt, sagte ein Sprecher.
Deutschland wird verklagt, weil es ein 2001 verabschiedetes
Rahmengesetz für nationale Emissionshöchstmengen für
Schwefeldioxid, Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen und
Ammoniak nicht umgesetzt hat. Eine letzte Warnung vor einer Klage
schickte die Kommission an Deutschland, weil auch ein Rahmengesetz
über Abgasgrenzwerte für Großfeuerungsanlagen vom
Oktober 2001 noch nicht in deutsches Recht überführt ist.
Neben Deutschland verklagte die Kommission noch Belgien, Italien,
Griechenland, Portugal, die Niederlande, Luxemburg, Österreich und
Spanien wegen der mangelnden Umsetzung von insgesamt sieben
Rahmengesetzen zur Luftreinhaltung.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
EU-Staaten drohen Klimaschutzziele zu verfehlen
Ausstoß an Treibhausgasen gestiegen statt gesunken +++ Gerade
auch Deutschland hat seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht gemacht
+++ Russland ratifiziert Kyoto-Protokoll nicht, weil es Einschnitte
für das Wirtschaftswachstum des Landes mit sich bringe...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#03120318
Verkehr an Treibhausgasmisere der EU schuld
Im Zeitraum von 1990 bis 2010 werden die Emissionen von Treibhausgasen
um 34 Prozent ansteigen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#031203_d
Industrieverband BDI stellt in Verhandlungen mit der Regierung seine
Klima-Versprechen komplett in Frage
Mehr in der "tageszeitung" vom 05.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/05/a0075.nf/text
Klimafolgeschäden 2003: 60 Milliarden Dollar
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#031212_f
Deutsche empfinden Klimawandel als reale Bedrohung
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#03120118
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Klima unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_p
Mannesmannprozess: Ackermann und Esser attackieren die
Staatsanwaltschaft
«Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten
lassen», verteidigte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die
umstrittenen Millionenprämien +++ Ex-Mannesmann-Chef Esser wirft
der Anklagebehörde «üble Nachrede» vor +++
Staatsanwaltschaft wirft Ackermann, Esser und dem ehemaligen IG-Metall-Chef
Zwickel Untreue oder Beihilfe dazu vor
Fr.23.01.04 - Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Mitangeklagten haben
im Mannesmann-Prozess die Untreue-Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
selbstbewusst zurückgewiesen. Deutschlands mächtigster Banker
sagte am Donnerstag im spektakulärsten Wirtschaftsprozess in der
Geschichte der Bundesrepublik, die Millionenprämien für
Mannesmann-Chef Klaus Esser und sein Team seien «eine
außergewöhnliche Anerkennung für eine
außergewöhnliche Leistung» gewesen. Er halte sie auch
heute noch für richtig und angemessen.
Esser selbst warf der Staatsanwaltschaft vor, die Vorwürfe der
Bestechung, der Käuflichkeit und einer Verschwörung gegen die
Mannesmann AG erfunden zu haben. Auch Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk
und der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel bestritten jede
Schuld.
Die Manager müssen sich zusammen mit zwei weiteren
Führungskräften wegen des Vorwurfs der
«gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren
Fall» beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die
180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den
Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 genutzt haben, um Managern und
Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in
Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.
«Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten
lassen», verteidigte Ackermann die umstrittenen Prämien.
Immerhin habe der Bonus für Esser nur 0,02 Promille des Gewinns
ausgemacht, den die Aktionäre aus dem Übernahmekampf mit
Vodafone gezogen hätten. «Hätten wir Herrn Esser sagen
sollen: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann
gehen?», fragte Ackermann rhetorisch.
Er selbst habe überhaupt keinen Vorteil von den
Millionenprämien gehabt, betonte der Manager. «Ich bin
überzeugt, dass ich mich richtig verhalten und auf jeden Fall
nicht strafbar gemacht habe.»
Esser warf der Anklagebehörde «üble Nachrede»
vor. Mit aller Macht habe die Behörde dafür gekämpft, in
seinem Fall eine öffentliche Vorverurteilung wegen
Käuflichkeit zu erreichen. Dabei sei noch keine Bezahlung eines
Vorstandes rechtlich vorab so intensiv geprüft worden wie diese
Millionenprämie. Sogar die Staatsanwaltschaft habe den Vorgang
noch vor der Auszahlung unter die Lupe genommen - und damals keine
Probleme gesehen.
Unangemessen findet der Manager den Millionenregen auch heute nicht.
«Es trifft keineswegs zu, dass solch ein Bonus in Deutschland
einzigartig gewesen wäre, nicht einmal in der Höhe»,
betonte Esser. Aber es sei der einzige Fall gewesen, wo dies
öffentlich gemacht worden sei. Doch gerade diese Transparenz habe
zu einer beispiellosen Kampagne und in der Folge zum Strafverfahren
geführt.
Auch Funk bezeichnete die Prämiengewährung als eine
«vernünftige unternehmerische Entscheidung orientiert an
Leistung und Erfolg». Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
über dubiose Verfahrensabläufe wies er zurück: «Es
ging hektisch zu. Eine feindliche Übernahme ist kein Spaziergang
durch einen schönen Park. Die Situation gleicht mehr einem
Schlachtfeld.»
Zwickel, der als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Mannesmann
saß, betonte, bei all seinen Entscheidungen sei es ihm um die
Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze gegangen.
«Ich habe in meinen Leben viele Kompromisse gemacht und machen
müssen. Aber käuflich war ich nie», sagte der
Gewerkschafter. lle Entscheidungen des Aufsichtsrates, an denen er
beteiligt war, seien aktienrechtlich korrekt gewesen.
(Quelle: ap)
Ein weiterer Bericht mit zahlreichen Links zum Thema bei heise-online (22.01.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-22.01.04-006/
Blick ins Archiv:
Mannesmann-Prozess beginnt mit Antrag gegen das Gericht
Im holzgetäfelten Gerichtssaal gaben sich die Angeklagten
demonstrativ gelassen +++ Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann scheitern mit dem
Versuch, den spektakulären Prozess um die
millionenschweren Abfindungen bei der Mannesmann-Übernahme bereits
am ersten Tag platzen zu lassen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012219
Landgericht ließ Anklage in Mannesmann-Affäre zu
Vorstandschef der deutschen Bank muss vor Gericht
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309200.htm#03092008
Fresssen oder gefressen werden: Die Vodafone-Mannesmann-Fusion
Größte Wirtschaftstransaktion der Geschichte
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/feindl01.htm
Harsche Kritik an Angeklagten im Mannesmann-Prozess
Fr.23.01.04 - Die Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderer
Topmanager im Mannesmann-Prozess sind bei SPD und beim
Arbeitnehmerflügel der Union auf scharfe Kritik gestoßen.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sprach am Donnerstag in Berlin von
"unglaublicher Arroganz" und dem "Zynismus hoch dotierter Manager".
CDA-Chef Hermann-Josef Arentz kritisierte im Zusammenhang mit dem
Prozess die erschütternde "Raffgier" einzelner Manager.
Ackermann sowie der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser und die
ehemaligen Aufsichtsräte Klaus Zwickel und Joachim Funk hatten im
Prozess um die Millionen-Abfindung für Esser jeden
Rechtsverstoß bestritten. Sie sind der Untreue in einem besonders
schweren Fall angeklagt. Ackermann sagte jedoch, die
Millionen-Prämien für Esser und sein Team seien "eine
außergewöhnliche Anerkennung für eine
außergewöhnliche Leistung" gewesen. Er halte sie auch heute
noch für richtig und angemessen. "Wir haben vernünftige
unternehmerische Entscheidungen getroffen, wir haben keine Formfehler
begangen und nichts überstürzt oder verheimlicht", betonte
Ackermann. Auch der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel,
Mannesmann-Chef Klaus Esser sowie Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk
wiesen die Vorwürfe zurück.
Daraufhin erklärte SPD-Generalsekretär Scholz, den
Angeklagten fehle offenbar jeder Bezug zu den Menschen im Lande. Sie
hätten nicht begriffen, dass an ihre Position auch besonders hohe
ethische Erwartungen geknüpft gewesen seien, sagte Scholz gestern
in Berlin. Es zeuge von einer "unglaublichen Arroganz", wenn die
Angeklagten versuchten, das Gerichtsverfahren als kleinkariert und
spießig zu diskreditieren. Damit vertieften sie die Gräben in
der Gesellschaft. Mit ihrer Haltung verhöhnten die Exmanager die
arbeitenden Menschen in Deutschland und vertieften die Gräben in
der Gesellschaft.
Es gehe bei dem Prozess auch um Moral. "Das zu verstehen, fällt
den Männern auf der Anklagebank offenbar schwer. Das ist die
eigentliche Tragödie dieses Prozesses." Die juristische Anklage
laute auf Untreue. "Die moralische Anklage lautet: Verhöhnung der
arbeitenden Menschen in Deutschland", erklärte Scholz.
Auch Arentz sprach in der "Westfalenpost» (Freitagausgabe) von
einem Lehrstück für den Verfall der Moral. "Die selben Leute,
die den Arbeitnehmern Bescheidenheit predigen, schieben Vorständen
111 Millionen Mark Prämien zu", sagte der CDA-Vorsitzende. Arentz
forderte eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft, damit die
"erschreckenden Fälle des Missbrauchs zu Gunsten einiger weniger
ein Ende finden".
Scharfe Kritik kommt auch von dem katholischen Sozialethiker Friedhelm
Hengsbach. "Ich habe den Eindruck, der Mann ist entweder dumm oder
stillos oder beides", kommentierte der Leiter des Frankfurter "Oswald
von Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und
Gesellschaftsethik" die Äußerungen Josef Ackermanns vor
Gericht. Er halte es für "nicht gerechtfertigt, dass ein
Konzernchef das Zehntausendfache einer Lackiererin in einer
Montagehalle verdient", sagte Hengsbach, der sich von dem Prozess
Aufschluss über die "Verfilzung" und "Vetternwirtschaft" in den
deutschen Chefetagen erhofft."
(Quellen: ap, taz, dpa)
Erneuter Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland
Fr.23.01.04 - Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im Oktober 2003 wieder
kräftig gestiegen.
Bei den Amtsgerichten hätten 3461 Unternehmen Insolvenz
angemeldet, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden
mit. Das waren 6,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit stieg die
Gesamtzahl der Firmenpleiten in den ersten zehn Monaten des vergangenen
Jahres zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf
insgesamt 33.285 an.
Die Gesamtzahl aller Insolvenzen - Unternehmen und andere Schuldner -
betrug im Oktober dem Amt zufolge 9154. Das waren 19,3 Prozent mehr als
ein Jahr zuvor. Dabei stieg die Zahl der Verbraucher-Pleiten zum
Oktober 2002 um 47,9 Prozent auf 3226. Für den hohen Anstieg
machen Experten die Erleichterung von Privatkonkursen verantwortlich.
In den ersten zehn Monaten 2003 kletterte die Gesamtzahl aller
Insolvenzen zum Vorjahreszeitraum um 20,5 Prozent auf 84.250. Damit
liegt die Zahl nur noch knapp unter der Gesamtzahl des Jahres 2002 mit
rund 84.400 Konkursen.
(Quelle: rtr)
Arbeitsplatzabbau in neuen Ländern am stärksten
Fr.23.01.04 - Der Rückgang der Beschäftigung in Deutschland hat 2003 die
neuen Bundesländer mehrheitlich am härtesten getroffen. Wie
der Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung am Donnerstag in Wiesbaden
berichtete, sank die Zahl der Erwerbstätigen in
Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen prozentual am stärksten.
Bundesweit reduzierte sich die Zahl der Erwerbstätigen um
durchschnittlich ein Prozent auf 38,3 Millionen.
Den Angaben des Arbeitskreises zu Folge kamen Niedersachsen und das
Saarland mit einem Minus von 0,4 Prozent am glimpflichsten weg.
Vergleichsweise gering war auch der Rückgang der
Beschäftigung in Bremen mit 0,5 und in Baden-Württemberg mit
0,6 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Mecklenburg-Vorpommern
mit einem Minus von 2,4 Prozent sowie Thüringen, wo die Zahl der
Erwerbstätigen um 2,3 Prozent sank.
Unter den westdeutschen Flächenländern musste Hessen mit
einem Minus von 1,3 Prozent die empfindlichsten Einbußen
hinnehmen, wie der Arbeitskreis mitteilte. Unter den neuen
Bundesländern habe Sachsen mit einem Rückgang um 0,7 Prozent
am besten abgeschnitten. Mit rund 8,2 Millionen gibt es die meisten
Erwerbstätigen nach wie vor in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von
rund 6,2 Millionen Beschäftigten in Bayern.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber lassen angeblich Gerster fallen
Fr.23.01.04 - Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Florian Gerster, hat
angeblich nicht mehr die volle Rückendeckung des Verwaltungsrats
der BA. Bei der Präsidiumssitzung des Aufsichtsgremiums
hätten die Teilnehmer übereinstimmend festgestellt, dass das
Vertrauensverhältnis gestört sei, berichtet die "Financial
Times Deutschland" unter Berufung auf Kreise des Verwaltungsrats. In
der Sitzung sei einer der umstrittenen drei Beraterverträge der
Agentur als eindeutig rechtswidrig eingestuft worden. Gerster sagte
derweil seine für heute geplante Eröffnungsrede zur Messe
KarriereStart in Dresden ab.
Das Schicksal Gersters dürfte sich am Samstag entscheiden: Dann
kommt der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit zu einer
Sondersitzung in Nürnberg zusammen. Auf der Tagesordnung steht die
Bewertung des Berichts der Innenrevision über die
Beraterverträge. Im Aufsichtsgremium der BA sitzen Vertreter von
Arbeitgebern, Gewerkschaften, Bund und Ländern.
Zur Begründung für die Absage des Dresden-Termins habe
Gerster erklärt, er wolle im Moment keine offiziellen Termine
wahrnehmen, teilten die Veranstalter mit. Bei der Messe vom 23. bis 25.
Januar geht es um Aus- und Weiterbildung, Unternehmensgründung
sowie die Rekrutierung von Fachkräften und Nachwuchs.
Im Arbeitgeberlager wird Gerster laut "FTD" keine Chance mehr gegeben,
das wegen der umstrittenen Vergabe der Beraterverträge
zerstörte Vertrauen zurückzugewinnen. Bei den Gewerkschaften
hieß es dagegen, er habe noch eine letzte Chance, wenn es ihm am
Samstag gelinge, die Vorgänge aufzuklären und Zweifel an
seiner Person auszuräumen.
(Quelle: afp)
Ärzte und Kassen einig über Chronikerregelung und Fahrtkosten
Fr.23.01.04 - Ärzte und Krankenkassen haben sich am Donnerstag auf
Änderungen verständigt, die für einen Teil der Patienten
die finanziellen Belastungen der Gesundheitsreform vermindern. Die
Korrekturen betreffen chronisch Kranke, die Fahrtkostenerstattung sowie
die Praxisgebühr.
Der Gemeinsame Bundesausschuss der Leistungserbringer und der
Krankenkassen fand in Bonn eine neue, weitergehende Definition
chronischer Erkrankungen sowie eine Fahrtkostenregelung, die weitgehend
den Zustand vor der Gesundheitsreform wieder herstellt.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt begrüßte die
Neuregelungen, die mit sofortiger Wirkung in Kraft treten sollten.
Nach dem Beschluss des Bundesausschusses gilt künftig jeder
Patient als chronisch krank, der sich in einer Dauerbehandlung
befindet, die mindestens einen Arztbesuch pro Quartal erforderlich
macht. Zusätzlich muss der Patient eines von drei Kriterien
erfüllen:
- Er muss in Pflegestufe 2 oder 3 eingestuft sein oder
- über eine Behinderung beziehungsweise Erwerbsminderung von
mindestens 60 Prozent verfügen oder
- vom Arzt bescheinigt bekommen, dass ein Absetzen der Behandlung
(medizinische Behandlung, Psychotherapie, Arzneimitteltherapie oder
Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) eine
lebensbedrohliche Verschlimmerung herbeiführen, die
Lebenserwartung vermindern oder eine dauerhafte Beeinträchtigung
der Lebensqualität bedeuten würde. Für alle diese
Patienten gilt dann eine jährliche Zuzahlung von höchstens
einem statt zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens.
Kosten für die Fahrt zur Behandlung können die Krankenkassen
künftig bei Strahlen- und Chemotherapie sowie bei Dialyse
übernehmen. Zusätzlich können Fahrtkosten aber auch
erstattet werden, wenn «vergleichbare Umstände und
Behandlungen» vorliegen. Außerdem gilt die neue Regelung
für Schwerbehinderte mit außergewöhnlicher
Gehbehinderung, Erblindung oder besonderer Hilfsbedürftigkeit
sowie unter vergleichbaren Umständen auch dann, wenn kein
Schwerbehindertenausweis vorliegt.
Gesundheitsministerin Schmidt sagte in Berlin, mit den neuen
Richtlinien sei sichergestellt, dass in der Gruppe der chronisch
Kranken niemand durch die Zuzahlungen überfordert werde. Auch mit
der Ausweitung der Erstattung von Fahrtkosten zeigte sich Schmidt
zufrieden.
Bei der Praxisgebühr gelten die Änderungen rückwirkend
ab 1. Januar. In Köln beschlossen am Abend die Spitzenvertreter
von Ärzten und Krankenkassen, dass Rezepte für die
Anti-Baby-Pille wo medizinisch möglich für einen Zeitraum von
sechs Monaten ausgestellt werden können. Auch so genannte nicht
ärztliche Psychotherapeuten (meist Kinder- oder
Jugendpsychotherapeuten) dürfen eine Quittung über die beim
Erstbesuch eines Arztes im Quartal fällige Praxisgebühr von
zehn Euro auszustellen. Die Gebühr wird dann bei einem Arztbesuch
im selben Quartal nicht erneut fällig.
Bei «planbaren Notfällen» muss die Gebühr nicht
mehr mehrfach entrichtet werden. Beispiel dafür ist nach
Darstellung des Sprechers der Kassenärztlichen Bundesvereinigung,
Roland Stahl, etwa eine Verletzung an einem Freitag, die vom Hausarzt
behandelt wird. Dort wurde Praxisgebühr bezahlt. Muss aber am
Wochenende dann der ärztliche Notdienst wegen eines
Verbandswechsels bemüht werden, muss nicht noch einmal die
Gebühr bezahlt werden.
Außerdem dürfen Laborärzte keine eigene
Praxisgebühr verlangen, wenn kurz vor Quartalsende eine Blut- oder
Gewebeprobe entnommen wird, die das Labor erst im nächsten Quartal
analysieren kann.
(Quelle: ap)
Kritik an Regelungen für chronisch Kranke
Fr.23.01.04 - Verbraucherschützer haben die neuen Regelungen für chronisch
Kranke kritisiert. Der Gesundheitsexperte beim Bundesverband der
Verbraucherzentralen, Thomas Isenberg, sagte der "Berliner Zeitung", er
halte es "für einen Skandal, dass per Gesetz wesentlich weniger
Patienten als Chroniker eingestuft werden". Der Bundesausschuss von
Ärzten, Krankenkassen und Patientenverbänden hatte sich am
Donnerstag auf eine neue Definition von chronischen Krankheiten
geeinigt, die maßgeblich für die Festsetzung von
Zuzahlungsobergrenzen ist.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Strafanzeige gegen Politiker nach Tod eines armen Nierenkranken
Nach dem Tod eines mittellosen Dialysepatienten aus Hameln hat ein
Taxifahrer wegen der Gesundheitsreform Strafanzeige gegen Sozialministerin
Ulla Schmidt und andere Politiker gestellt. Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401200.htm#04012012
Kein Verfahren gegen Bundesgesundheitsministerin
Mi.21.01.04 - Nach dem Tod eines Dialysepatienten aus Hameln wird es kein
Ermittlungsverfahren gegen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401210.htm#04012116
Gesundheitsreform: Kollateralschäden werden billigend in Kauf genommen:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/14-4.htm
Experten: Gesundheitsreform bremst Konjunktur
Die Verunsicherung der Bürger über die finanziellen Folgen
der Sozialreformen könnte nach Einschätzung führender
Wirtschaftsexperten den Aufschwung in Deutschland deutlich
abschwächen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401180.htm#04011817
Arzneimittelausgaben im Dezember explodiert
Fr.23.01.04 - Die Ausgaben der Krankenkassen sind zum Jahresende 2003
ungewöhnlich stark gestiegen. Wie der «Münchner
Merkur» (Freitagausgabe) berichtete, mussten die Kassen im
vergangenen Dezember bis zu 40 Prozent mehr für Arzneimittel
überweisen als im Dezember 2002. «Es kam auf Grund der
großen Verunsicherung in der Bevölkerung zu echten
Hamsterkäufen, in den Praxen konnte man sich des massiven Drucks
von aufgebrachten Patienten kaum mehr erwehren», zitierte die
Zeitung den stellvertretenden Vorsitzenden der Kassenärztlichen
Vereinigung Bayerns, Wolfgang Hoppenthaller. So hätten offenbar
viele Versicherte die letzte Gelegenheit genutzt, um sich vor
In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform mit Medikamenten einzudecken.
(Quelle: ap)
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