Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertunddreizehnten Tag nach Kriegsbeginn
Demokratischer Präsidentschaftskandidat Kerry wirft US-Regierung
Übertreibung der Bedrohung durch Irak vor +++
US-Außenminister Powell räumt Zweifel an
Massenvernichtungswaffen in Irak ein +++ Zurückgetretener
US-Waffeninspekteur Kay sieht Erklärungsbedarf bei den
Geheimdiensten +++ US-Truppen reagieren mit Razzien und Festnahmen auf
die jüngsten Anschläge in Irak +++ USA im Streit um
Machtwechsel in Irak offenbar zu Zugeständnissen bereit +++
US-Regierungsmitarbeiter gehen angeblich davon aus, dass Irak-Krise ohne
UN-Beteiligung nicht mehr lösbar ist
Mo.26.01.04 - Der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry hat dem
Weißen Haus vorgeworfen, bei der Darstellung der Bedrohung durch
Irak vor dem Krieg übertrieben zu haben. "Wir wurden in die Irre
geführt, nicht allein bei den Geheimdienstbeweisen, sondern auch
darin, wie uns der Präsident (George W. Bush) in den Krieg
führte", sagte der Senator von Massachusetts am Sonntag dem
US-Nachrichtensender Fox News. Er warf US-Vizepräsident Dick
Cheney weiter vor, in der Frage irakischer Massenvernichtungswaffen
sowie bei den vermuteten Verbindungen Iraks zum Terroristennetzwerk El
Kaida übertrieben zu haben.
Auch der frühere Leiter der UN-Inspekteure in Irak, Hans Blix,
erklärte, die USA hätten wissen müssen, dass die
Geheimdienstinformationen nicht stimmten. Schließlich hätten
die Hinweis, denen die UN-Inspekteure nachgegangen seien, zu keinen
Ergebnissen geführt. "Ich fragte mich, was da los ist", sagte Blix
der Nachrichtenagentur AP in einem Interview. "Wenn man merkt, dass der
Zug in die falsche Richtung fährt, ist es doch das beste, an der
nächsten Haltestelle auszusteigen."
US-Außenminister Colin Powell hat derweil erstmals
öffentlich eingeräumt, dass das irakische Regime von Saddam
Hussein vor dem Krieg möglicherweise keine
Massenvernichtungswaffen mehr besessen hat. Auf Aussagen des
zurückgetretenen US-Waffeninspekteurs David Kay angesprochen, der
nicht an große Menge chemischer oder biologischer Waffen in Irak
glaubt, sagte Powell am Samstag: "Die Antwort auf diese Frage ist: Wir
wissen es noch nicht".
Die Waffeninspekteure seien auf der Suche nach der Wahrheit gewesen,
nicht auf der Suche nach Waffen, sagte Kay am Sonntag in einem
Interview mit dem US-Radiosender "National Public Radio". Nachdem keine
Massenvernichtungswaffen in Irak gefunden worden seien, müssten
die USA nun der Frage nachgehen, warum der Geheimdienst von
entsprechenden Informationen gesprochen habe, erklärte Kay weiter.
In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Zeitung
"The Sunday Telegraph" erklärte Kay dagegen, Teile des irakischen
Waffenprogramms seien nach Syrien gebracht worden. Es gehe nicht um
große Waffenarsenale, sondern um Material für den Bau von
Massenvernichtungswaffen. Was genau nach Syrien gegangen sei,
müsse geprüft werden. Kay war am Freitag von seinem Posten
als Waffeninspekteur zurückgetreten.
Powell erklärte am Samstag in Georgien, die US-Regierung sei
überzeugt gewesen, dass Saddam Hussein über verbotene Waffen
verfügte. Viele Fragen seien jedoch offen gewesen, vor allem, um
welche Stoffe und welche Mengen es sich gehandelt haben soll. Die
US-Regierung hatte den Krieg vor allem mit der Existenz von
Massenvernichtungswaffen in Irak begründet.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, betonte am
Samstag, Washington halte an seiner Aussage fest, dass Irak zum
Zeitpunkt des Krieges Massenvernichtungswaffen besessen habe. Es sei
lediglich eine Frage der Zeit, bis sie gefunden würden.
Der britische Premierminister Tony Blair sagte der Zeitung "The
Observer", er glaube weiterhin, dass die ihm vor dem Krieg vorgelegten
Geheimdienstberichte korrekt gewesen seien. Er sei sicher, dass
entweder Waffen gefunden würden oder eine Erklärung
dafür, warum sie nicht entdeckt worden seien. Der frühere
Außenminister Robin Cook, der im März aus Protest gegen den
Krieg zurückgetreten war, erklärte hingegen, es sei
"würdelos, wenn der Premierminister weiter daran festhält,
dass er Recht hatte, während jetzt alle sehen können, dass er
sich irrte".
Wie auch schon Tony Blair erklärte der australische
Außenminister Alexander Downer am Sonntag, er glaube, dass noch
immer Massenvernichtungswaffen gefunden werden könnten. Ob Irak,
wie Kay jetzt erklärt habe, wirklich keine
Massenvernichtungswaffen gehabt habe, müsse sich noch
herausstellen.
Die Verantwortung für die Suche nach Massenvernichtungswaffen in
Irak übernahm der frühere UN-Kontrolleur Charles Duelfer. Der
51-Jährige tritt damit die Nachfolge Kays als Leiter der 1.400
Mann starken Expertengruppe der USA an. Vor dem Irak-Krieg hatte
Duelfer den harten Kurs der US-Regierung gestützt, sich nach
bislang erfolgloser Suche aber zunehmend skeptisch gezeigt, dass noch
Massenvernichtungswaffen gefunden werden.
Die US-Streitkräfte haben unterdessen mit Razzien und Dutzenden
Festnahmen auf eine Reihe von Anschlägen in Irak reagiert, bei
denen am Samstag fünf US-Soldaten und vier Iraker getötet
wurden. Ein weiterer Soldat erlag am Sonntag seinen Verletzungen. Im so
genannten sunnitischen Dreieck wurden fast 50 Verdächtige
festgenommen und zahlreiche Waffen beschlagnahmt, wie
Militärsprecherin Josslyn Aberle mitteilte.
In Bakuba nordöstlich von Bagdad nahmen die Truppen nach Angaben
Aberles bei einer Razzia am Sonntag 46 Personen fest. Den meisten werde
illegaler Waffenbesitz vorgeworfen, dreien die Beteiligung an gegen die
Besatzungstruppen gerichteten Aktivitäten. In Mukajschifa
südlich von Tikrit durchsuchten Soldaten ein Haus und
beschlagnahmten mehr als 200 Handgranaten. Wegen Korruptionsverdachts
sei darüber hinaus der Polizeichef der Stadt Tathrib festgenommen
worden. Bei der Aktion seien auch Sturmgewehre und Munition
sichergestellt worden.
Bei der Explosion einer Autobombe in Samarra nördlich von Bagdad
waren am Samstag nach Militärangaben vier Iraker getötet und
etwa 40 weitere verletzt worden. Drei US-Soldaten kamen bei einer
Detonation nahe einer Kontrollstelle der Truppen ums Leben, einem
Anschlag westlich von Bagdad fielen zwei Soldaten zum Opfer.
Der am Sonntag gestorbene Soldat war am Vorabend in seinem
Schützenpanzer in der mittelirakischen Stadt Beidschi angegriffen
worden. Soldaten in einem zweiten Panzer hätten das Feuer
erwidert, sagte Aberle. Später seien sechs Männer
festgenommen worden, die im Besitz eines Granatenwerfers gewesen seien.
Beidschi liegt nördlich von Tikrit im sunnitischen Dreieck, einem
Zentrum des Widerstands gegen die US-Truppen.
Die US-Regierung ist im Streit um den Machtwechsel in Irak offenbar zu
Zugeständnissen bereit. Washington habe zugesagt, auf jeden
Vorschlag einzugehen, solange der Stichtag 30. Juni gewahrt bleibe,
zitierte die "Washington Post" einen hochrangigen UN-Mitarbeiter. Nach
dem zwischen der US-Regierung und dem irakischen Regierungsrat
ausgehandelten Zeitplan sollen die Iraker Ende Juni die
Souveränität erhalten.
Die geistliche Führung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit
fordert allerdings allgemeine Neuwahlen vor der Regierungsbildung,
während die US-Zivilverwaltung zunächst die Bildung einer
Übergangsversammlung vorsieht.
Nach Einschätzung der "Washington Post" verlieren die USA stetig
an Einfluss auf den Übergangsprozess in Irak.
US-Regierungsmitarbeiter gingen inzwischen davon aus, dass die
derzeitige Krise ohne eine Beteiligung der UNO nicht mehr lösbar
sei.
(Quellen: afp, ap)
Ehemaliger irakischer UN-Botschafter fordert freie Wahlen
Der ehemalige irakische UN-Botschafter Mohammed el Duri verfolgt die
Pläne der Vereinigten Staaten in seiner Heimat mit
äußerster Skepsis. Er hält nichts von der Absicht der
USA, eine Art Parlament zu ernennen, das dann die Regierung wählt.
Die Iraker müssten sofort über ihre Regierung entscheiden
können, fordert Duri im Interview mit der Nachrichtenagentur AP.
Die USA lehnten dies jedoch ab, weil sie befürchteten, die
Kontrolle über die Ölquellen und das strategisch gut gelegene
Land zu verlieren.
Duri kündigt an, er würde jeden Wahlausgang annehmen, selbst
wenn seine sunnitische Minderheit der schiitischen Mehrheit unterliegen
sollte. "Ich werde jeden akzeptieren, der gewählt wird, einen
Schiiten oder sogar einen Kurden, wenn das der Wunsch des Volkes ist",
erklärt er in seiner Wohnung im Emirat Ajman. Wichtig sei nur,
dass gewählt werde, und keine Einzelpersonen von den
ausländischen Besatzern bestimmt würden.
Die USA betonen, auch sie wünschten sich Wahlen in Irak. Eine
solche Abstimmung sei aber nicht kurzfristig zu organisieren. Duri
widerspricht: "Wahlen stellen eine große Gefahr für die
Zukunft der amerikanische Präsenz in Irak da, und die Amerikaner
spüren das." Die USA befürchteten, die Iraker könnten
Vertreter wählen, die sich gegen die Besatzung aussprächen.
Freie Wahlen müssen aber sofort stattfinden, denn "das irakische
Volk dürstet nach Demokratie".
Ungewöhnliche Worte aus dem Mund Duris, der als irakischer
UN-Botschafter die Politik seines Landes im Ausland verteidigte. Unter
der Regierung des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gab es
keine freien Wahlen. Wahrscheinlich wurden mindestens 300.000 Menschen
ermordet, die als Gegner des Regimes galten. Duri zählte jedoch
nicht als überzeugtes Mitglied der damals regierenden Baath-Partei
und wird nicht von den US-Truppen gesucht. Er beschreibt sich heute als
einen Akademiker.
Duri war 30 Jahre Juraprofessor, bevor Saddam Hussein ihm 1999 sein
erstes diplomatisches Amt anvertraute. Er habe sich nie als Politiker
betrachtet, erklärt Duri. Als UN-Botschafter von 2001 bis zum Sturz
des Regimes im vergangenen April habe er sich bemüht, sein Land zu
verteidigen, nicht seinen Präsidenten. "Mir ging es um Irak, mein
Land, nicht um Saddam Hussein", sagt er. "Ich machte mir große
Sorgen, aber Saddam Hussein schien zu glauben, dass der Krieg niemals
beginnen würde."
Den Widerstand gegen die Besatzungstruppen bezeichnet Duri als nicht
ungewöhnlich. Dieser werde weitergehen, bis die Soldaten abgezogen
würden. Den Menschen gehe es um ein Gefühl des Nationalismus,
sie hätten keine Verbindungen zur Baath-Partei. "Ich glaube nicht,
dass es jemanden gibt, der Saddam Hussein verteidigt", sagt er. "Ich
bin nicht davon überzeugt, dass es solche treuen Anhänger
gibt. Die Zeit Saddams ist vorbei." Er selbst habe keinen Kontakt zu
Widerstandskämpfern oder der Baath-Partei.
Saddam Hussein müsse eine fairen Prozess bekommen, lautet eine
weitere Forderung Duris. Er zweifelt jedoch daran, dass ein solches
Verfahren jemals stattfinden werde. Schließlich gebe es
Befürchtungen, der ehemalige Staatschef könne zu viele
Geheimnisse über seine Nachbarn und die Vereinigten Staaten ans
Licht bringen.
Nach dem Fall Bagdads hatte Duri einen Vertrag mit dem arabischen
Fernsehsender El Arabija geschlossen und war in die Vereinigten
Arabischen Emirate gezogen. Von dort aus kommentierte für den
Sender das Geschehen in seiner Heimat. Sein Vertrag lief im November
aus. Duri schrieb weiter ein Buch mit dem Titel "Das Spiel ist aus",
sein berühmtester Satz, mit dem er als erstes Mitglied der
irakischen Führung die militärische Niederlage einräumte.
In Irak habe er nichts zu befürchten, derzeit sei jedoch nicht die
Zeit für eine Rückkehr, sagt Duri. Er hoffe, dass eine
demokratisch gewählte Regierung sich seiner Rückkehr nicht
widersetzen werde. Während seines Interviews hat Duri eine
Fernsehsendung eingeschaltet, in der über Korruption in Libanon
diskutiert wird. "Wenn es schon vor langer Zeit solche Freiheiten in
der arabischen Welt gegeben hätte, dann hätte es viele der
aktuellen Krisen nicht gegeben."
Quelle: ap, 25.01.04
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US-Gericht: Massenbegnadigung von Todeshäftlingen in Illinois
rechtens
Mo.26.01.04 - Der Oberste Gerichtshof von Illinois hat die "Massenbegnadigung" aller
Todeshäftlinge des US-Bundesstaates vor einem Jahr für
rechtens befunden. Mit dem Urteil vom Freitag (Ortszeit) wies das
Gericht in Springfield Rundfunkberichten zufolge die Klage der
Justizministerin des Bundesstaates ab, der damals amtierende Gouverneur
George Ryan habe seine Autorität überschritten. Der
Republikaner Ryan hatte im Januar 2003 kurz vor dem Ende seiner
Amtsperiode alle 167 Todeshäftlinge von Illinois begnadigt.
Ryan begründete diesen Schritt mit der Besorgnis über die
vielen Fehlurteile. In Illinois waren zuvor dreizehn
Todeshäftlinge als unschuldig entlassen worden. Nach dem jetzigen
Urteil hat der Gouverneur ein nahezu allumfassendes Recht zum
Begnadigen.
Ryans Entscheidung erntete damals viel Lob und viel Kritik. Das
Parlament von Illinois verabschiedete im vergangenen Jahr neue und
angeblich faire Todesstrafen-Gesetze, um künftig Fehlurteile zu
vermeiden. Ryans ist inzwischen im Ruhestand. Möglicherweise wird
er aber selber noch im Gefängnis landen. Gegen ihn läuft ein
Verfahren wegen Bestechlichkeit im Amt.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv:
Gouverneur von Illinois begnadigt alle Todeskandidaten.
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0301140.htm#03011218
Todesstrafe in den USA: 'Eine Kette von Fehlern im Rechtssystem'
http://home.t-online.de(home/boa-archiv2/k0401240.htm#04012404
Amnesty fordert ein Ende der Hinrichtungen von Jugendlichen
http://home.t-online.de(home/boa-archiv2/k0401240.htm#04012405
Gericht in Texas nimmt Klage krebskranker deutscher Soldaten gegen
US-Rüstungskonzerne an
Mo.26.01.04 - Klage krebskranker deutscher Soldaten gegen US-Rüstungskonzerne in
den USA zugelassen
Eine Klage krebskranker ehemaliger Bundeswehrsoldaten gegen
US-Rüstungskonzerne ist nach einem Bericht der "Financial Times
Deutschland" in den USA zugelassen worden.
Die Zeitung berichtete am Montag unter Berufung auf das Umfeld der
Ankläger, als mögliche Schadensersatzsumme seien 450
Millionen US-Dollar genannt. Angeklagt seien sechs Konzerne, darunter
Raytheon, Lucent Technologies und ITT Industries. Die rund 450
Kläger werfen den Herstellern von Radargeräten vor, dass
Wartung und Betrieb der Geräte zwischen 1958 und 1994
Leukämie und Hodenkrebs ausgelöst habe. Weiter berichtet das
Blatt, das Gericht im texanischen El Paso müsse nun bis zum 30.
Juni prüfen, ob die Fälle in einer Sammelklage gebündelt
werden können. Dann könne sich die Zahl der Kläger und
Schadenssumme deutlich erhöhen. Ein Raytheon-Sprecher sagte der
Zeitung, der Konzern werde sich energisch vor Gericht verteidigen.
In Deutschland laufen bereits seit 2002 Klagen ehemaliger
Bundeswehrsoldaten gegen das Verteidigungsministerium in Berlin. Eine
Entscheidung ist noch nicht gefallen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Jordanien fordert arabische Welt zur Versöhnung mit Israel auf +++
Palästinenser fordern von USA Druck auf Scharon +++ Hamas: Zehn
Jahre Waffenruhe nach israelischem Abzug
Mo.26.01.04 - Der jordanische Aussenminister Marwan Muascher hat zur Versöhnung
der arabischen Welt mit Israel aufgerufen. Er forderte die Nachbarn des
jüdischen Staates am Sonntag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
auf, ihre Friedensvorstellungen zu präsentieren und
palästinensische Selbstmordanschläge zu verurteilen.
"Wir haben bis heute nicht einstimmig und öffentlich unsere
Ablehnung der Anschläge bekundet", sagte Muascher auf einer
Nahost-Konferenz in dem Schweizer Wintersportort. "Wir haben dem
israelischen Volk nicht deutlich gemacht, dass Selbstmordanschläge
auch für uns vom moralischen und politischen Standpunkt falsch
sind." Zugleich forderte er Israel auf, den internationalen
Friedensplan umzusetzen und einen palästinensischen Staat in den
Grenzen bis zum Krieg von 1967 zu akzeptieren.
Der palästinensische Aussenminister Nabil Schaath warf
US-Präsident George W. Bush vor, seine Bemühungen um einen
Frieden eingestellt zu haben. "Wegen des Wahlkampfes ziehen sich die
USA zurück. In der Rede Bushs zur Lage der Nation hat sich der
Nahe Osten in Luft aufgelöst."
Schaath forderte die USA auf, den israelischen Regierungschef Ariel
Scharon zu neuen Verhandlungen im Nahostkonflikt zu drängen. Der
palästinensische Außenminister sagte beim
Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia weigere sich, Scharon
zu treffen, solange dieser nicht bereit sei, dabei auch über den
international heftig umstrittenen Sperrwall Israels zum Westjordanland
zu sprechen.
Schaath sagte, er habe vor einigen Tagen mit US-Außenminister
Colin Powell gesprochen und gefordert, ein Vermittler müsse
einschreiten, einen Zeitplan aufstellen sowie ein Abkommen vorbereiten,
das wenigstens einige gemeinsame Punkte enthalte. Kureia brauche die
Zusicherung von dritter Seite, dass ein Treffen mit Scharon konkrete
Ergebnisse bringen werde. Powell habe daraufhin eine neue
Nahost-Mission des US-Beauftragten David Satterfield angekündigt.
Schaath sagte, er verstehe dies als Zeichen des guten Willens
Washingtons.
Schaath zeigte sich in Davos hoffnungsvoll, dass sich die
palästinensischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad mit
ägyptischer Vermittlung zu einer Waffenruhe bereit erklären
und ihre Anschläge gegen Israel einstellen.
Die militante Palästinenser-Organisation Hamas hat derweil eine
zehnjährige Waffenruhe in Aussicht gestellt, falls Israel aus den
seit 1967 besetzten Gebieten abzieht.
"Wir akzeptieren einen Staat im Westjordanland, einschließlich
Jerusalems, und im Gaza-Streifen", sagte der führende
Hamas-Vertreter Abdel-Asis el Rantissi am Sonntag der
Nachrichtenagentur Reuters telefonisch aus seinem Versteck im
Gaza-Streifen. Ein solcher Vorschlag würde nicht bedeuten, dass
die Hamas Israel anerkenne. Er sei auch nicht das Ende des
israelisch-palästinensischen Konflikts. Seine Organisation sei
jedoch zu dem Schluss gekommen, dass es "zu diesem Zeitpunkt schwierig
(ist), all unser Land zu befreien, daher akzeptieren wir eine
phasenweise Befreiung."
Die Äußerungen Rantissis könnten darauf hindeuten, dass
sich die gewalttätige Organisation auf den Kurs von
Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zubewegt. Ähnlich
wie Rantissi hatte sich in jüngster Vergangenheit auch der
geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin,
geäußert. Die Hamas strebt die Zerstörung Israels an
und ist für zahlreiche Selbstmordattentate gegen Israelis
verantwortlich.
Israel hat Berichte über eine angebliche Mäßigung der
Hamas als Vorwand bezeichnet, den die Organisation dazu nutze, weitere
Anschläge vorzubereiten. Israel hat wiederholt eine Rückkehr
zu den Vorkriegs-Grenzen von 1967 ausgeschlossen. Die
Palästinenser könnten nicht mit Ost-Jerusalem, mit bestimmten
Siedler-Gebieten oder anderen für die Sicherheit Israels
erforderlichen Gebieten rechnen.
(Quellen: afp, ap, rtr)
Gefangenenaustausch zwischen Israel und libanesischer Hisbollah-Miliz
Deutschland zur Freilassung von drei Häftlingen für Ron Arad
bereit
Mo.26.01.04 - Die deutsche Regierung hat sich nach israelischen Medienberichten zur
Freilassung von drei Häftlingen im Tausch gegen den seit 1986
vermissten israelischen Navigator Ron Arad bereit erklärt. Die
israelische Zeitung «Haaretz» meldete am Montag,
Deutschland habe sich im Rahmen des umfassenden Gefangenenaustauschs
zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz verpflichtet,
zwei Libanesen und einen Iraner freizulassen, sollte dies die
Übergabe Arads ermöglichen.
Die drei Männer leisten wegen der Ermordung eines iranischen
Dissidenten in einem Berliner Restaurant 1992 lebenslängliche
Haftstrafen ab. Die Familie Arads teilte allerdings am Sonntag ab, sie
lehne die Freilassung von Mördern im Gegenzug für die
sterblichen Reste Arads ab, sollte dieser nicht mehr am Leben sein.
Arad war 1986 von libanesischen Milizionären verschleppt worden,
nachdem sein Flugzeug über Libanon abgeschossen worden war. Israel
geht davon aus, dass er danach in iranische Gefangenschaft geriet. Der
Hisbollah-Generalsekretär Scheich Hassan Nasrallah dementierte
dies jedoch am Sonntag vehement.
Der umfassende Gefangenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah soll
am Donnerstag auf einem deutschen Flughafen erfolgen. Am Montagabend
will Israel im Internet die Liste der 436 freizulassenden
Häftlinge veröffentlichen, um Proteste von Terroropfern zu
ermöglichen.
Unter den Freizulassenden sind die zwei ranghohen Hisbollah- Mitglieder
Scheich Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani sowie der in Israel wegen
Verstrickung in Terrorismus verurteilte Deutsche Steven Smyrek.
Für ihre Freilassung sollen vier Israelis repatriiert werden,
darunter drei für tot erklärte Soldaten.
Hinsichtlich der Klärung des Schicksals von Arad sollen der
Vereinbarung gemäß Deutschland und die Hisbollah weiter
forschen. Im Gegenzug für ein Lebenszeichen oder eine DNA-Probe
von Arads sterblichen Überresten will Israel den Libanesen Samir
Kuntar freilassen, der 1979 drei Israelis getötet hatte. Der
israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas hatte am Sonntagabend
gesagt, Israel sei so nah wie nie zuvor an einer Aufklärung des
Schicksals von Ron Arad. Seit seiner Gefangennahme ist Arad in Israel
zu einer nationalen Symbolfigur geworden.
(Quelle: dpa)
Israel warnt vor Antisemitismus in Frankreich
Mo.26.01.04 - Israel hat die französische Regierung zu einem energischeren
Vorgehen gegen antisemitische Tendenzen aufgefordert. "Die Situation
der Juden in Frankreich ist sehr problematisch", warnte der für
außerhalb Israels lebende Juden zuständige Minister Nathan
Scharanski am Sonntag in Jerusalem. Im Vorjahr sei fast die Hälfte
der antisemitischen Vorfälle in Westeuropa in Frankreich
registriert worden. Zwar habe Frankreich eines der besten
Anti-Rassismus-Gesetze der Welt, doch müsse dieses auch
unverzüglich angewandt und durchgesetzt werden, forderte
Scharanski.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Antisemitismus-Debatte
Antisemitismus: ein praktischer Leitfaden von Uri Avnery
http://www.zmag.de/artikel.php?id=979
Der Zusammenhang von Weltmarkt, Kapitalismus und Antisemitismus
Ein Interview mit Moishe Postone. Es soll helfen, die
historischen Entwicklungen innerhalb der spezifischen sozialen
Formation des Kapitalismus zu verstehen, die für die Entstehung
von Antisemitismus ausschlaggebend sind. Mehr unter:
http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=171&print=
Moishe Postone promovierte 1983 an der Goethe-Universität in
Frankfurt/M. und lehrt heute an der University of Chicago
Geistesgeschichte und Gesellschaftstheorie. Sein Buch "Zeit, Arbeit und
soziale Herrschaft" ist soeben auf deutsch bei ça ira
erschienen.
Wird der Antisemitismus durch den neuen Antiislamismus abgelöst?
Die These, der Antisemitismus sei durch einen neuen Antiislamismus
abgelöst worden, ist nicht belegbar und verantwortungslos. Sie
verschleiert die wahren Gefährdungslagen, meinen Michael Kiefer
und Eberhard Seidel in der "tageszeitung" vom 20.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/20/a0192.nf/text
Drogenkonferenz im Februar in Afghanistan
Mo.26.01.04 - Als weltgrößter Produzent von Opium wird Afghanistan im
Februar eine internationale Konferenz zur Bekämpfung von Handel,
Anbau und Konsum von Drogen ausrichten. An dem Treffen am 8. und 9.
Februar werden neben Vertretern der afghanischen Regierung auch
internationale Organisationen sowie Abgesandte verschiedener
Länder teilnehmen, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen in
Kabul. In Afghanistan wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3600 Tonnen
Opium produziert - 77 Prozent der Weltproduktion.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Drogen in Afghanistan größtes Problem nach Terrorismus
Das Land ist wieder der weltweit größte... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.ktm#03121803
Nach dem Sieg über die Taliban stand für Afghanistan ein
ambitioniertes Projekt namens Nationbuilding auf der Agenda...
...Doch zwei Jahre nach Bildung der Koalitionsregierung unter
Präsident Karsai beschränkt sich die Autorität der
Zentralregierung noch immer auf die Hauptstadt Kabul. Das Land
produziert 36-mal mehr Opium als zu Zeiten der Taliban. In den Regionen
herrschen nach wie vor die "starken Männer", die sich weder von
der Regierung noch von den internationalen Organisationen in ihre
Angelegenheiten - und in ihre Geschäfte - hinreinreden lassen. Ein
aufschlussreiches Beispiel für die faktische Autonomie der
regionalen Autoritäten ist die Provinz Herat an der Grenze zum
Iran....
Mehr in Le Monde diplomatique (Nr. 7232 vom 12.12.2003, Seite 5):
http://www.taz.de/pt/2003/12/12/a0029.nf/text
Iran: Wächterrat lehnt Wahlrechtsreform ab
Mo.26.01.04 - Der konservative Wächterrat im Iran bleibt im Wahlrechtsstreit mit
reformorientierten Parlamentsabgeordneten offenbar hart.
Das zwölf Mitglieder umfassende Gremium habe die beschlossene
Wahlrechtsreform abgelehnt, sagte der Abgeordnete Resa Jusefian, der
den Reformern zugerechnet wird, am Sonntag der Nachrichtenagentur
Reuters. Die Ablehnung zeige, dass der Wächterrat keiner
Lösung des Konflikts zustimmen wolle. Aber auch die Abgeordneten
würden nicht von ihren Forderungen abrücken, sagte Jusefian.
Nach dem Ausschluss reformorientierter Kandidaten von der
Parlamentswahl im Februar durch die konservative Geistlichkeit hatte
das iranische Parlament am Sonntag für eine Änderung der
Wahlgesetze gestimmt. Danach dürften Abgeordnete nur nach einer
umfassenden rechtlichen Begründung von einer Wahl ausgeschlossen
werden, wodurch viele der derzeit betroffenen Abgeordneten nicht
abgewiesen werden könnten. Der Wächterrat hatte fast die
Hälfte der 8200 Kandidaten von der Wahl am 20. Februar
ausgeschlossen, darunter 80 der 290 Abgeordneten des jetzigen
Parlaments, in dem die Reformer die Mehrheit haben.
Der nicht gewählte Wächterrat ist als Gegengewicht zum
Parlament gedacht und kann Gesetze, die er für nicht vereinbar mit
der Verfassung und dem islamischen Recht hält, mit seinem Veto
blockieren.
(Quelle: rtr)
Vier Tote bei Arbeiterprotesten in Iran
Mo.26.01.04 - Bei der gewaltsamen Zerschlagung von Arbeiterprotesten in der
iranischen Provinz Kerman sind vier Menschen getötet worden.
Zahlreiche weitere Demonstranten seien bei den gewaltsamen
Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften am Samstag schwer
verletzt worden, teilte der reformorientierte Abgeordnete der Provinz,
Mansur Soleimani Meimandi, in einer vom staatlichen Rundfunk
übertragenen Parlamentssitzung in Teheran mit.
Arbeiter einer Kupferfabrik im Dorf Chatunabad in der Nähe von
Schahrebabak hätten auf der Demonstration Festanstellungen
eingefordert, weswegen sie auch bereits mehrere Tage gestreikt hatten.
Die Behörden hätten in Spezialeinheiten angefordert, die das
Dorf mit Unterstützung von Hubschraubern gestürmt
hätten. In Iran gibt es kein Streikrecht.
Meimandi verurteilte das Vorgehen der Behörden. Die "illegale
Polizeiaktion" habe "die Bevölkerung gedemütigt". Der
Abgeordnete beteiligt sich an dem seit zwei Wochen dauernden Sitzstreik
reformorientierter Parlamentarier, die gegen den Ausschluss tausender
Kandidaten von der Parlamentswahl durch den konservativen
Wächterrat protestieren.
(Quelle: afp)
Kuba verschiebt Internet-Kontrollen auf unbestimmte Zeit
Mo.26.01.04 - Kuba hat die angekündigten Zugangskontrollen der Internet-Nutzung
auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Kunden würden zu gegebener
Zeit darüber informiert, wann die neue Bestimmung umgesetzt
würde, teilte die staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA
am Samstag mit. Die Organisation hatte die Kontrollen an diesem
Wochenende aufnehmen wollen. Laut einer Ankündigung vom Dezember
sollen in dem kommunistischen Karibikstaat künftig nur noch
diejenigen das Internet nutzen können, die dazu die Genehmigung
von "den Organen der Zentralverwaltung des Staates und den
Institutionen des Landes" bekommen. De facto wird es damit Kubanern,
die ihre Telefonrechnung in der Landeswährung Peso bezahlen, fast
unmöglich gemacht, das weltweite Informationsnetz zu benutzen.
(Quelle: afp)
Kuba und das Internet: Zensur oder Zugang für alle?
jw-Gespräch vom 06.01.04 mit dem kubanischen Minister für
Informatik und Kommunikation, Ignacio González Planas, Kubas
Minister für Informatik und Kommunikation:
http://www.jungewelt.de/2004/01-26/014.php
Saakaschwili als neuer Präsident Georgiens vereidigt
Mo.26.01.04 - Zwei Monate nach dem Umsturz in Georgien ist der Anführer der
damaligen Protestbewegung als neuer Präsident vereidigt worden.
Michail Saakaschwili legte am Sonntag in Tiflis seinen Amtseid auf die
Verfassung ab. «Wir müssen das Georgien schaffen, von dem
unsere Vorfahren träumten», rief er tausenden Menschen auf
dem Platz vor dem Parlamentsgebäude zu. Saakaschwili hatte im
November die Proteste gegen Staatschef Eduard Schewardnadse
angeführt, die diesen schließlich zum Rücktritt zwangen.
«Ich werde die Verfassung Georgiens verteidigen, das Amt des
Präsidenten ehrenvoll ausführen und unseren Bürgern
Sicherheit und Würde garantieren», erklärte
Saakaschwili. Die Präsidentenwahl nach Schewardnadses
Rücktritt am 4. Januar hatte der 36-Jährige mit 96 Prozent
der Stimmen gewonnen. Zur Vereidigung reiste auch der amerikanische
Außenminister Colin Powell an. Er überbrachte Saakaschwili
eine Einladung von George W. Bush für den 25. Februar ins
Weiße Haus.
Zum vorrangigen Ziel seiner Präsidentschaft hat Saakaschwili den
Kampf gegen die Korruption erhoben, den er schon in seiner kurzen
Amtszeit als Justizminister in der Regierung Schewardnadse vor vier
Jahren führte. Schewardnadse habe ihm eine praktisch leere
Staatskasse hinterlassen, sagte Saakaschwili in einem Fernsehinterview
vom Samstagabend. Jetzt stehe das Land vor der schwierigen Aufgabe, die
Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. «Das Wichtigste ist, das
System zu verändern, das auf Korruption aufgebaut wurde»,
erklärte der neue Präsident.
Am Sonntag bekräftigte er, er wolle die angespannten Beziehungen
zu Russland verbessern. Gleichzeitig werde sich seine Regierung um
engere Verbindungen zur Europäischen Union bemühen.
Nach seiner Vereidigung unterzeichnete der neue Präsident als
erstes eine Verfügung, nach der die Fahne der früheren
Oppositionsbewegung zur neuen Staatsflagge des Landes erklärt
wird. Neben der neuen Flagge hisste er in einer symbolischen Geste auch
die Fahne der Europäischen Union.
Saakaschwili hat außerdem zugesagt, die Einheit Georgiens durch
Verhandlungen mit Separatisten wiederherzustellen. Er flog noch am
Sonntagmorgen in die autonome Provinz Adscharien und traf sich dort mit
Gouverneur Aslan Abaschidse. Beide nahmen eine Militärparade ab
und äußerten die Hoffnung auf eine Verbesserung der
Beziehungen. Später kam es jedoch zu Zusammenstößen
zwischen Anhängern beider Politiker.
Powell betonte, in Georgien dürfe kein Wettbewerb zwischen den USA
und den Nachbarländern ausgetragen werden. Er forderte jedoch
Russland auf, gemäß einer Zusage von 1999 seine Truppen aus
dem Land abzuziehen. Er werde dieses Thema in Moskau ansprechen,
erklärte Powell.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Georgien: Saakaschwili will 'das Land aufräumen'
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#04012413
Saakaschwili Sieger bei Präsidentenwahl in Georgien
Bemühen um engeren Anschluss an Europa und an die USA +++ Der
Westen hat Interesse an einer vor allem von den USA finanzierten
Öl-Pipeline. Mehr unter:
http://home.t-online.de(home/boa-archiv2/k0401050.htm#04010510
Georgische Demonstranten stürmen Parlament
Schewardnadse verhängt den Ausnahmezustand +++ Zehntausende
fordern den Rücktritt des Staatschefs +++ Russischer
Außenpolitiker Dmitri Rogosin spricht von einem
Staatsstreich nationalistischer Kräfte in Georgien mit 'klarer
Unterstützung der Amerikaner'. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311220.htm#03112230
Steckte US-Multimilliardär Soros hinter dem Umsturz in Georgien?
"Ich kann nicht insgesamt über die USA sprechen ... Ich hoffe,
dass die US-Administration nicht beteiligt war", sagte Schewardnadse,
als er über die Hintermänner des Umsturzes in Georgien
sprach. Bereits im Wahlkampf hatte sich der Politiker über die
Einmischungsversuche besonders eines US-Amerikaners beklagt: Des
Multimilliardärs George Soros, dessen Stiftungen und
Gesellschaften in allen postsowjetischen Staaten aktiv sind....
War die angeblich "samtene Revolution" in Georgien also in Wirklichkeit eine
"Soros-Revolution?" Diese Frage untersucht Jürgen Elsäser in
einem telepolis-Artikel vom 08.12.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16262/1.html
Führer von russischer Oppositionspartei geben auf
Mo.26.01.04 - Wegen des schlechten Ergebnisses ihrer Partei bei der russischen
Parlamentswahl ist die Führungsspitze der liberalen
Oppositionspartei Union der Rechten Kräfte (SPS)
zurückgetreten. Ein Parteitag nahm am Samstag den Rücktritt
von Boris Nemzow, Irina Chakamada, Anatoli Tschubais und Egor Gajdar
an, wie Medien berichteten.
Ebenso wir die liberale Partei Jabloko war die SPS bei der
Parlamentswahl am 7. Dezember erstmals seit dem Ende der Sowjetunion an
der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und konnte nur mit einigen
Direktmandaten ins neu gewählte Unterhaus einziehen. Laut der
Online-Zeitung gazeta.ru soll ein neuer Parteichef erst nach der
Präsidentschaftswahl am 14. März bestimmt werden.
Am Sonntag sollten die Parteimitglieder entscheiden, ob die SPS
Chakamadas unabhängige Kandidatur bei der
Präsidentschaftswahl unterstützen wird. Die Partei stellt
keinen eigenen Bewerber. Chakamada drohte mit ihrem Austritt, sollte
ihre Partei Amtsinhaber Wladimir Putin unterstützen. Ihr werden
bei dem Urnengang keine Chancen eingeräumt.
(Quelle: afp)
Konferenz gegen Völkermord in Stockholm
Mo.26.01.04 - In Stockholm beginnt am (heutigen) Montag eine zweitägige
Konferenz gegen Völkermord. Das internationale Treffen ist das
vierte und letzte einer Veranstaltungsreihe des Stockholmer
Internationalen Forums. Erwartet werden rund 1.000 Delegierte aus 60
Staaten. Als Redner sind unter anderem UN-Generalsekretär Kofi
Annan, EU-Chefdiplomat Javier Solana und der ehemalige
UN-Waffeninspekteur Hans Blix angekündigt.
Auch Israel hat seine Teilnahme zugesagt, nachdem es zunächst mit
einem Boykott gedroht hatte, weil ein schwedisches Museum ein
Ausstellungsstück nicht entfernen wollte, das eine
palästinensische Selbstmordattentäterin zeigt. Der
israelische Botschafter in Schweden hatte vergangenes Wochenende
für einen Eklat gesorgt, weil er das Kunststück während
eines Museumsbesuchs demolierte.
Die Konferenz gegen Völkermord ist die erste größere
internationale Veranstaltung zu diesem Thema seit Verabschiedung der
UN-Konvention gegen Völkermord 1948 und wird von einem
umfangreichen Kulturangebot begleitet. Die Veranstaltungsreihe begann
im Jahr 2000 mit einem Gipfel zum Holocaust. 2001 wurde über
mögliche Wege aus der Intoleranz beraten, im Jahr darauf
diskutierten die Delegierten über Gerechtigkeit und
Versöhnung. Im vergangenen Jahr fand keine Konferenz statt.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Blair verteidigt geplante Anhebung der
Studiengebühren
Mo.26.01.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat die geplante Anhebung der
Studiengebühren auf fast das Dreifache als unausweichlichen
Schritt für die Zukunft verteidigt. Ohne die Aufstockung werde
Großbritannien in ein zweitklassiges Universitätssystem
abrutschen, sagte Blair laut einem Bericht des «Observer»
vom Sonntag. Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass Universitäten
künftig eine Höchstgebühr von 3.000 Pfund (4.400 Euro)
statt bisher 1.100 Pfund (1.600 Euro) pro Jahr erheben dürfen.
Bildungsminister Charles Clarke erklärte, eine Klausel garantiere,
dass in den kommenden fünf Jahren keine weitere Anhebung erfolgen
werde. Zudem solle drei Jahre nach Einführung der neuen
Gebühren eine Überprüfung des Systems erfolgen, wurde
Clarke von der BBC zitiert. Die Regierung werde an ihrem Entwurf
festhalten, dass die Universitäten selbst über die Höhe
der erhobenen Gebühren entscheiden sollen, betonte der Minister.
Das Unterhaus stimmt am Dienstag über die Gesetzesvorlage ab.
Zahlreiche Abgeordneten kritisieren die Gebührenanhebung als
elitär, Widerstand kommt auch aus den Reihen von Blairs
regierender Labour-Partei.
Rund 20 Studenten begannen am Samstag einen 100 Kilometer langen
Protestmarsch gegen die geplante Regelung. Sie wollen am Dienstag
London erreichen. Die höheren Abgaben schreckten Angehörige
der niedrigeren Einkommensschichten von einem Studium ab, sagte der
Organisator des Marsches, Dan Mayer.
(Quelle: ap)
Frankreich: Antiislamischer Anschlag auf Handelshochschule in Nantes
Mo.26.01.04 - Nach der Ernennung eines muslimischen Präfekten in Frankreich ist
am Sonntag ein weiterer Anschlag verübt worden, der in Verbindung
zu dem aus Algerien stammenden Politiker gebracht wird. Unbekannte
brachten vor der Handelshochschule Audencia in Nantes, die Aïssa
Dermouche bis vor kurzem leitete, eine Bombe zur Explosion. Die
Tür sowie zahlreiche Fensterscheiben wurden zerstört. Die
Polizei sperrte das Areal ab und nahm die Ermittlungen auf. Erst vor
einer Woche war das Auto des 57 Jahre alten Dermouche von einem
Sprengsatz zerstört worden. Verletzte gab es bei beiden
Anschlägen nicht.
Präsident Jacques Chirac ernannte Dermouche am 14. Januar zum
Vertreter des Zentralstaats im ostfranzösischen Département
Jura. Dass Chirac den prestigeträchtigen Posten mit einem
Einwanderer aus Algerien besetzte, gilt als Geste an die islamische
Minderheit. Etwa fünf Millionen Muslime leben in Frankreich, mehr
als in jedem anderen europäischen Staat.
(Quelle: ap)
Weltwirtschaftskonferenz in Davos
Schwellenländer wollen USA wirtschaftlich Konkurrenz machen
Mo.26.01.04 - Die so genannten Schwellenländer haben auf dem
Weltwirtschaftsforum in Davos ein deutliches Wirtschaftswachstum
für die kommenden Jahre angekündigt. China, Indien, Brasilien
und Russland wollen so auf absehbare Zeit der Weltmacht USA Konkurrenz
machen.
China werde bis zum Jahr 2020 die zweitgrößte
Volkswirtschaft der Welt stellen, erklärte der Berater des
Präsidenten der Bank of China, Zhu Min. Das chinesische
Bruttoinlandsprodukt werde dann bei vier bis fünf Billionen Dollar
liegen, das amerikanische bei 14 bis 16 Billionen. Zhu räumte
jedoch ein, wegen der weitaus größeren Bevölkerung in
China werde das Pro-Kopf-Einkommen mit 4.000 bis 5.000 Dollar weiter
auf einem relativ niedrigen Stand bleiben.
(Quelle: ap)
Weltwirtschaftsforum (WEF):
Ofizielle Homepage:
http://www.weforum.org/
Alternative Informationen zum WEF:
http://www.nadir.org/nadir/
aktuell/schwerpunkte/wef_davos.html
http://switzerland.indymedia.org/de/
Public Eye on Davos:
http://www.publiceyeondavos.ch
Deutschland
CDU und CSU einigen sich auf gemeinsame Grundsätze in Steuerpolitik
Mo.26.01.04 - CDU und CSU haben sich nach monatelangem Streit am Sonntagabend auf
gemeinsame Grundsätze in der Steuerpolitik geeinigt. CDU-Chefin
Angela Merkel und der bayerischen Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) verständigten sich nach Informationen der Deutschen
Presse-Agentur (dpa) darauf, dass die Union nun geschlossen
«einen völligen Neuanfang bei der Einkommen- und
Körperschaftsteuer» anstreben will.
Ziel sei die massive Vereinfachung des Steuerrechts und eine Senkung
der Steuerlast, hieß es nach den mehrstündigen Beratungen,
an der auch andere Spitzenpolitiker beider Parteien teilnahmen. Das
Präsidium der CDU wird sich am Montag voraussichtlich mit dem
Vorschlag beschäftigen.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte im Anschluss an Sitzung
der dpa: «Wichtig ist, dass die Union ein neues Steuerrecht will.
Es wird mit uns kein Herumdoktern am bisherigen
verbürokratisierten System mehr geben.»
CDU und CSU wollen die Regierungskoalition damit 2004 unter Zugzwang
setzen. SPD und Grünen sollen aufgefordert werden, klar zu sagen,
ob sie bereit seien, einen radikalen Neuanfang im Steuerrecht
mitzutragen. Dazu müsste die Koalition zwingend einen
Gesetzentwurf vorlegen. Insgesamt signalisiert die Union ihre
Bereitschaft, unter diesen Voraussetzungen mit der Regierung in diesem
Jahr über eine große Steuerreform zu verhandeln.
In einer gemeinsamen Erklärung beider Parteien, die der dpa
vorliegt, heißt es: «Ein neues Steuerrecht muss einfach,
gerecht und übersichtlich sein. Die Ermittlung von Einkünften
muss von einer bereiten Bemessungsgrundlage und niedrigen
Steuersätzen ausgehen.» Mit dem Hinweis auf die breite
Bemessungsgrundlage schlagen beide Parteien den Weg ein, bisherige
Steuervergünstigungen zu Gunsten von allgemein niedrigeren
Steuersätzen zu streichen.
Dies war der Grundgedanke des Steuerkonzepts der CDU, dass von
Fraktionsvize Friedrich Merz erarbeitet worden war und auf dem
Parteitag im Dezember in Leipzig beschlossen wurde. Die CSU wollte mit
ihrem Konzept zu Jahresbeginn ebenfalls in diese Richtung gehen,
allerdings nicht so radikal wie die CDU.
Die Parteiführungen vereinbarten, dass die Bürger insgesamt
um zehn Milliarden Euro effektiv entlastet werden sollen. Dies sei
schon notwendig, um individuelle Härten beim Streichen von
Steuervergünstigungen zu vermeiden und Deutschland insgesamt
wettbewerbsfähiger zu machen, hieß es. Die Begrenzung auf
zehn Milliarden Euro könnte die CSU als Erfolg für sich
verbuchen, da nach ihren Berechnungen das Merz-Modell der CDU insgesamt
zwar größere Entlastungen für den Bürger bringen
würde, aber umgekehrt auch die öffentlichen Haushalte mehr
kosten könnte. Nach Ansicht der CSU lässt die Kassenlage dies
aber nicht zu. Merz hatte die Darstellungen der CSU aber
zurückgewiesen.
Insgesamt enthält die Erklärung noch keine Aussagen, welche
Steuervergünstigungen im einzelnen gestrichen werden sollen. Die
CDU will nahezu alle Vergünstigungen abbauen. Die CSU will
insbesondere an der Pendlerpauschale festhalten. Auch zum Tarifverlauf
- dem zweiten großen Streitpunkt der vergangenen Wochen - ist
noch nichts Detailliertes gesagt. Die CDU schlägt einen
Stufen-Tarif mit 12, 24 und 36 Prozent an Steuersätzen vor. Die
CSU favorisiert einen linear- progressiven Tarif mit einem leicht
höheren Eingangs- und Spitzensteuersatz von 13 beziehungsweise 39
Prozent.
Mit der Klärung der Details sollen sich in den nächsten
Wochen Merz und bayerischen Finanzminister Kurt Faltlhauser
beschäftigen. Detaillierte Leitsätze sollen dann am 7.
März auf der gemeinsamen Präsidiumssitzung verabschiedet
werden. Festgeschrieben ist jetzt aber bereits, dass das Steuerrecht
familienfreundlicher werden soll. Darüber hinaus soll die
Gewerbesteuer wegfallen. Stattdessen würden die Kommunen nach dem
Unions-Plänen einen festen Anteil an der Einkommen-,
Körperschaft- und Umsatzsteuer zufließen. Auf Betreiben der
CSU soll darüber hinaus der Mittelstand bei der Erbschaftsteuer
entlastet werden.
(Quelle: dpa)
Bundesarbeitsminister kündigt Verkleinerung der Bundesagentur
für Arbeit an
Mehr Arbeitsvermittlung vor Ort +++ Clement sucht für Gerster-Nachfolge
Wirtschaftsvertreter - DGB-Chef gegen 'abgetakelte
Wirtschaftsführer' an BA-Spitze +++ Gerster sieht seine
Ablösung als nicht gerechtfertigt
Mo.26.01.04 - Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement hat eine Verkleinerung der
Zentrale der Bundesagentur für Arbeit angekündigt. Clement
sagte am Abend in der ZDF-Sendung «Berlin direkt», die
Zentrale werde von bisher 1100 Stellen auf etwa 400 Stellen
«heruntergefahren». Es gehe alles in die Vermittlung vor
Ort. Man werde in den Ländern, in den Städten und Gemeinden
die Arbeitsagentur vor Ort haben. Sie werde mit den Kommunen
zusammenarbeiten, betonte Clement.
Nach der Entlassung des Chefs der Bundesagentur für Arbeit,
Florian Gerster, will die Bundesregierung einen Manager aus der
Wirtschaft an die Spitze der Behörde setzen. Arbeitsminister
Wolfgang Clement nahm die Unternehmen für die Suche nach einem
Nachfolger in die Pflicht: Man brauche die besten Leute für solche
Funktionen. Die Reform der Arbeitsvermittlung solle mit aller
Konsequenz fortgesetzt werden, sagte Clement. Bei der Nachfolge
für Gerster hat der BA-Verwaltungsrat das Vorschlagsrecht.
DGB-Chef Michael Sommer favorisiert wie Arbeitsminister Wolfgang
Clement einen erfahrenen Manager als künftigen Chef der
Bundesagentur für Arbeit. «Das ist einer der schwierigsten
Jobs, die dieses Land zu vergeben hat.» Da brauche man die
Erfahrung, wie man eine Behörde führe und reformiere, sagte
Sommer in der ZDF-Sendung «Berlin direkt.» Er denke dabei
etwa an Arbeitsdirektoren in Konzernen. Was man nicht brauche seien
abgetakelte Politiker oder Wirtschaftsführer.»
Der vor der Entlassung stehende Vorstandschef der Bundesagentur
für Arbeit, Florian Gerster, sieht seine Ablösung als nicht
gerechtfertigt an. «Das Ergebnis stand fest, bevor der
Prüfungsbericht der Innenrevision vorliegen konnte», sagte
Gerster am Sonntagabend in der ARD-Talk-Show «Sabine
Christiansen». Der Verwaltungsrat der Bundesagentur, der ihm am
Samstag das Misstrauen ausgesprochen hatte, habe ihm keine Fakten
vorlegen können, die eine Entlassung gerechtfertigen hätten,
kritisierte Gerster. Er räumte aber auch eigene Fehler ein.
Fehler bei der umstrittenen Vergabe von Beraterverträgen seien
selbst in dem Kontrollgremium nicht als Entlassungsgrund
eingeschätzt worden. «Mir wurde gesagt, nein, das gibt es
nicht her, aber Sie müssen trotzdem gehen», sagte Gerster.
Auf die Frage warum, habe er nur Antworten bekommen, «die man
atmosphärisch nennen konnte», etwa Stilfragen, mangelnde
Wertschätzung des Verwaltungsrats oder unzureichende
Mitarbeitermotivation.
Er habe erleben müssen, dass viele Mitglieder des Verwaltungsrates
sich einem Gruppendruck gebeugt hätten, ihm das Misstrauen
auszusprechen. Angesichts des eindeutigen Votums von 20 zu einer Stimme
habe die Bundesregierung dann nicht anders handeln können, als ihn
zu entlassen, räumte Gerster ein.
«Ich kämpfe mit einem Bild, das Menschen erzeugt haben die
mich zum Teil gar nicht kennen oder die ein Interesse daran hatten,
dieses Bild so zu malen», sagte er zum Vorwurf der Arroganz und
Selbstherrlichkeit. Er räumte jedoch ein, dass es «sowohl in
Stilfragen wie auch im konkreten Verhalten den einen oder anderen
Fehler gab».
Er selbst sei nur bei dem umstritten Beratervertrag für die
PR-Firma WMP an der Auftragsvergabe persönlich beteiligt gewesen
und habe dabei wegen Eilbedürftigkeit eine Ausschreibung für
unnötig gehalten. «Es war ein Beurteilungsfehler, und wir
hätten tatsächlich ein Vierteljahr warten müssen und
richtig ausschreiben. Dann hätte ich den ganzen Schlamassel nicht
am Hals gehabt», sagte Gerster.
Ein eleganter Rückzug vom Amt sei für ihn nicht in Frage
gekommen, fügte er hinzu. «Ich wollte kämpfen und ich
wollte denen, die mich nach Hause schicken in die Augen sehen.»
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Gerster als BA-Vorstandschef entlassen
So.25.01.04 - Nach dem Streit um Berater-Verträge muss der Vorstandschef der
Bundesagentur für Arbeit seinen Stuhl räumen +++
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gerster wegen der Veruntreuung von
Geld im Zusammenhang mit der Vergabe von Beraterverträgen +++
Gerster erhält nach seiner Entlassung noch drei Jahre die
Hälfte seiner Bezüge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401250.htm#04012509
Stolpe kommt Toll Collect bei LKW-Maut weiter entgegen
Mo.26.01.04 - Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) ist bereit, dem für
die Mauteinführung zuständigen Unternehmen Toll Collect trotz
der bisherigen Verzögerungen weiter entgegenzukommen.
Der Minister schloss in einem am Sonntag vorab veröffentlichten
Interview des "Handelsblatts" nicht aus, eine stufenweise
Einführung der Maut zu akzeptieren. Auch eine Einführung der
LKW-Maut erst 2005 lehnte er nicht ab. "Es ist möglich, dass Toll
Collect mit einer Zwei-Stufen-Lösung kommt", sagte Stolpe. Jedes
gestaffelte Angebot werde genau geprüft. Da dann die
Bundesregierung auf einen Teil ihres Leistungsanspruchs verzichte,
müsse dies bei einem Interessensausgleich mit Toll Collect
berücksichtigt werden. Zu der Frage eines Starts der Maut im
kommenden Jahr antwortete Stolpe: "Wenn wir eine verlässliche
Terminzusage bekommen, die möglicherweise im Jahr 2005 liegt, dann
kann das besser sein, als sich auf Alternativen zuzubewegen." Auch dies
müsse durchgerechnet werden.
Stolpe betonte, Toll Collect habe bis Ende Januar Zeit, ein
verbindliches Angebot zur Einführung der Maut vorzulegen: "Am 30.
Januar zu kommen und zu sagen 'Wir haben uns bemüht, aber wir
brauchen noch vier Wochen', das wird nicht laufen." Auch bei Kanzler
Gerhard Schröder (SPD) sei die Geduld zu Ende. Er forderte: "Uns
muss ein transparenter, substanzieller und verbindlicher Projektplan
vorgelegt werden."
Nach bereits vor einer Woche bekannt gewordenen Berichten plant das
Maut-Konsortium um DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und Cofiroute
einen Zwei-Stufen-Plan, wonach am 3. Oktober zunächst eine
vereinfachte Version des Mautsystems starten soll und rund ein Jahr
später die vollständige Version. Der für vergangenen
August geplante Start war aufgrund technischer Probleme mehrfach
verschoben worden.
Stolpe erklärte, falls keine Zusammenarbeit mit Toll Collect zu
Stande komme, könne die Euro-Vignette für einen befristeten
Zeitraum wieder eingeführt werden. Dann wäre Zeit gewonnen,
um andere Angebote zu prüfen. Angesprochen auf die Schweizer Firma
Fela, die bei der Maut-Auftragsvergabe nicht berücksichtigt wurde,
sagte er: "Fela hatte damals nicht die nötige Finanzkraft für
eine große Lösung. Eine neue Ausschreibung würde eine
neue Chance bedeuten." Eine Pkw-Maut schloss Stolpe aus. Der Minister
erhob erneut schwere Vorwürfe gegen Toll Collect: "Ich bin
getäuscht und enttäuscht worden durch die klaren Aussagen,
die Termine würden gehalten."
Eine Erhöhung der Mautgebühren zur Finanzierung der
Einnahmeausfälle für schwere Lastwagen ist unwahrscheinlich.
"Im Ministerium gibt es keine derartigen Pläne", sagte ein
Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Samstag auf Anfrage. Auch
Verkehrsexperten von SPD und Grünen hatten bereits der
Nachrichtenagentur Reuters erklärt, solche Überlegungen gebe
es in der Koalition nicht. Das Magazin "Focus" hatte berichtet, in
nicht näher genannten Politik-Kreisen sei eine Erhöhung der
Mautgebühren auf 15 Cent im Gespräch, da das Fuhrgewerbe
wegen der Verzögerungen beim Maut-Start die Autobahnen derzeit
kostenlos nutze.
Stolpe erklärte, einstweilen fehlten die Maut-Einnahmen im
Haushalt seines Ministeriums. Er machte deutlich, dass dadurch
Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur gefährdet seien. "Und
ich nenne die Fußball-WM 2006: Kommt das Geld nicht, dann
können wir sie eigentlich absagen."
(Quelle: rtr)
Vatikan-Botschafter in Deutschland gegen Kopftuch-Verbot
Wer Kreuz und Ordenstracht dulde, dürfe das Kopftuch nicht
verbieten
Mo.26.01.04 - Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, ist gegen
ein Verbot des muslimischen Kopftuches im öffentlichen Dienst.
Laut Berliner «Tageszeitung» (Montagausgabe) sagte der
Botschafter des Vatikans, wer Kreuz und Ordenstracht dulde, dürfe
das Kopftuch nicht verbieten. Für ein Verbot des Kopftuchs bei
Beamtinnen im Dienst hatte sich am Freitag die hannoversche
evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann
ausgesprochen, weil das Kopftuch oft für politische Zwecke
missbraucht werde.
Erzbischof Ender plädierte laut «taz» für eine
Beruhigung der Diskussion. Man solle vielleicht nicht so viel Aufhebens
um ein Kleidungsstück machen.
Am 7. Januar hatte bereits das Zentralkomitee der deutschen Katholiken
(ZdK) Besorgnis wegen der Kopftuchdebatte ausgedrückt. Das Problem
dürfe nicht mit einem generellen Ausschluss religiöser
Symbole aus dem öffentlichen Dienst gelöst werden, hieß
es damals. Allerdings gehe es beim Kopftuchstreit nicht um Religion,
sondern um die Gleichberechtigung der Frau.
Der Sprecher des Berliner Innensenators Ehrhart Körting (SPD) hat
den Vorstoß von Margot Käßmann begrüßt.
Sprecher Peter Fleischmann sagte laut Zeitung «B.Z.»:
«Aus unserer Sicht ist das eine sympathische Position und
wäre für Berlin eine vernünftige Lösung.»
Wegen der Koalition mit der PDS müsse man aber eigene Wege gehen.
«Einer Sekretärin oder einer Schreibkraft wird der Staat
nicht das Tragen des Kopftuchs verbieten können. Bei Polizei,
Justiz, Staatsanwaltschaft, Schule, überall dort, wo der Staat
massiv auf den Bürger einwirkt, wird es ein Kopftuchverbot
geben.»
Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) verteidigte laut
«Bild»-Zeitung das Kopftuchverbot für Lehrerinnen mit
der Erklärung, Eltern und Schüler müssten sich darauf
verlassen können, dass die Lehrkräfte mit voller
Überzeugung hinter den Prinzipien der Menschenwürde und
Gleichberechtigung stünden und die demokratischen Grundsätze
verträten. Der Innenexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Wolfgang Bosbach, sagte der Zeitung zufolge, es sei schade, dass
Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Kritik am Kopftuchverbot
«gegen Ende seiner Amtszeit ein solches gesellschaftspolitisches
Signal setzt».
(Quelle: ap)
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.01.04_
http://www.taz.de/pt/2004/01/26/a0121.nf/text
Blick ins Archiv:
Meinungsstreit ums Kopftuch tobt weiter
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#04012423
Für die iranisch-französische Autorin Chahdortt Djavann ist
das Kopftuch das Emblem des islamistischen Systems, das in Europa
gefährlich an Einfluss gewonnen hat
Es sei "ein Symbol, das alle Gewalt autorisiert. Es zeigt: Die Frauen
sind das minderwertige, erniedrigte Geschlecht"...Mehr in der "tageszeitung" vom 24.01.03
http://www.taz.de/pt/2004/01/24/a0148.nf/text
Die theoretischen Grundlagen für einen islamischen
Fundamentalismus wurden Mitte des 20. Jahrhunderts gelegt.
Einer seiner Vordenker war der muslimische Inder Sayyid Abu-l-Ala Maududi...Mehr in der "tageszeitung" vom 24.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/24/a0268.nf/text
Tausende bei Demonstrationen gegen Kopftuch-Verbot
So.18.01.04 - Gegen ein Verbot islamischer Kopftücher an öffentlichen
Schulen sind in Europa und in mehreren arabischen Ländern tausende
Demonstranten auf die Straßen gegangen. In Paris und anderen
französischen Städten protestierten mehrere tausend Menschen.
In Berlin protestierten etwa 600 Menschen gegen das dort geplante
Kopftuch-Verbot im öffentlichen Dienst...Mehr unter:
http//home.t-online.de/boa-archiv2/k0401180.htm#04011814
Kopftuchverbot in Frankreich
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401060.htm#040106uy
Kopftuch-Debatte in Deutschland
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401120.htm#040112_j
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401140.htm#04011426
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#031218_i
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_o
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