Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundvierzehnten Tag nach Kriegsbeginn
Zehn Tote bei mehreren Angriffen in Irak +++ Menschenrechtler sehen
keine Rechtfertigung für Golfkrieg +++ Juristen befürworten
Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs gegen USA und
Großbritannien wegen möglicher Kriegsverbrechen in Irak:
Einsatz von Streubomben in Wohngebieten, die Angriffe auf Journalisten
und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur verstießen gegen
das Völkerrecht +++ London ändert Rechtfertigungsstrategie
für Krieg - Großbritanniens Außenminister Straw
hält Irakkrieg auch ohne Belege für ABC-Waffen für
rechtens - Informanten räumen möglichen Fehler in britischem
Irak-Bericht ein +++ Irakische Öleinnahmen reichen vermutlich
nicht für Wiederaufbau aus +++ Irak beantragt Mitgliedschaft in
WTO +++ Menschenrechtler gegen rein irakisches Saddam-Tribunal
Di.27.01.04 - Bei mehreren Angriffen und einer Bombenexplosion in Irak sind binnen 24
Stunden insgesamt zehn Menschen getötet worden, darunter sechs
irakische Polizisten. Bei der Explosion eines Sprengsatzes kamen im
Süden Bagdads zwei irakische Insassen eines Kleinbusses ums Leben,
zwei Mitfahrer wurden schwer verletzt. Zuvor waren zwei Polizisten an
einer Straßensperre südwestlich von Bagdad von Unbekannten
erschossen worden. Bei dem Angriff seien ein weiterer Polizist und zwei
Zivilisten verletzt worden, sagte Polizeileutnant Salah Mehdi.
Im Stadtzentrum von Bagdad schlug am Montagabend nach Angaben der
US-Streitkräfte eine Rakete ein. Die von den USA kontrollierte so
genannte Grüne Zone wurde von einer schweren Explosion
erschüttert, verletzt wurde aber offenbar niemand. Das Geschoss
ging auf einem leeren Parkplatz nieder, wie ein Militärsprecher
mitteilte.
Ein anderer Sprecher der Koalitionstruppen sagte, die Rakete sei nahe
einem Hubschrauberlandeplatz rund 200 Meter vom ehemaligen Palast der
Republik eingeschlagen, in dem Zivilverwalter Paul Bremer und ranghohe
Mitglieder der US-Streitkräfte Büros haben. Der Explosion
gingen gegen 22.35 Uhr zwei weitere Detonationen voraus, deren Ursache
zunächst nicht bekannt war. Über Lautsprecher wurden Anwohner
aufgefordert, in Deckung zu gehen, es war Sirenengeheul zu hören.
In Ramadi, rund einhundert Kilometer westlich von Bagdad, schossen
Unbekannte am Sonntagabend auf eine Polizeiwache und tötete vier
Polizisten, wie ihr Vorgesetzter Ahmed Mohammed el Dulaimi sagte. Eine
Viertelstunde zuvor hätten US-Soldaten die Wache verlassen. Die
Täter seien keine Aufständischen, sondern "Banditen" gewesen,
und sie seien entkommen.
Der Golfkrieg war nach Ansicht der Organisation Human Rights Watch
(HRW) nicht durch aktuelle Menschenrechtsverletzungen in Irak zu
rechtfertigen. Die schwersten Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein
hätten lange zurückgelegen, erklärte die
Menschenrechtsgruppe in ihrem am Montag in London veröffentlichten
Jahresbericht. Unmittelbar vor dem US-geführten Krieg sei es nicht
mehr zu Massentötungen gekommen, und es hätten keine Hinweise
auf drohende massive Menschenrechtsverletzungen vorgelegen.
"Die Bush-Regierung kann den Krieg in Irak nicht als humanitäre
Intervention rechtfertigen", sagte HRW-Geschäftsführer
Kenneth Roth. Mit Blick auf die irakischen Giftgaseinsätze gegen
Kurden 1988 erklärte er, ein Krieg könne nicht dazu dienen,
"auf Gräueltaten zu reagieren, die in der Vergangenheit ignoriert
wurden". Saddam Hussein habe zwar ohne Zweifel ein brutales Regime
geführt, jedoch nicht in einem Ausmaß, das aktuell einen
Krieg legitimiert hätte.
Eine Gruppe internationaler Juristen hat sich für Ermittlungen des
Internationalen Strafgerichtshofs gegen die USA und auch
Großbritannien wegen möglicher Kriegsverbrechen in Irak
ausgesprochen. Die acht Professoren aus Großbritannien,
Frankreich, Irland und Kanada kommen in einem am Montag in New York
vorgestellten Bericht zu dem Schluss, dass der Einsatz von Streubomben
in Wohngebieten, die Angriffe auf Journalisten und die Zerstörung
der zivilen Infrastruktur gegen das Völkerrecht verstießen.
Der Internationale Strafgerichtshof hat aber schon angedeutet, dass er
wohl nicht zuständig ist, da Irak das dem Gericht zu Grunde
liegende Abkommen von 1998 nicht ratifiziert hat. Die Juristen
äußerten aber die Ansicht, dass es genügend Gründe
gebe, gegen Mitglieder der britischen Regierung zu ermitteln.
Großbritannien hat das Abkommen im Gegensatz zu den USA
ratifiziert.
Die Waffeninspekteure der Vereinten Nationen sollen nach Ansicht eines
Mitglieds eines US-Forschungsinstituts nach Irak zurückkehren.
Joseph Cirincione vom Carnegie Endowment for International Peace
erklärte in New York zur Begründung, die Waffeninspekteure
hätten im Gegensatz zu den Geheimdiensten bis zum Irak-Krieg
korrekt gearbeitet. "Die besten Geheimdienste der Welt lagen falsch",
sagte Cirincione. "Führende Regierungspolitiker haben den
Amerikanern und der Welt systematisch eine falsche Bedrohung
dargestellt."
Angesichts der bislang ergebnislosen Suche nach irakischen
Massenvernichtungswaffen und dem Rücktritt von US-Waffeninspekteur
David Kay rückt auch die US-Regierung nun offenbar von ihren
Versicherungen ab, in Irak würden noch solche Waffen gefunden. Der
Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, erklärte am
Montag lediglich, es sei wichtig, dass die Waffeninspekteure ihre
Arbeit beendeten, damit "ein möglichst vollständiges Bild"
entstehe. Die vor dem Krieg bekannt gewordenen Geheimdienstberichte
sollten mit den aktuellen Ergebnissen verglichen werden, sagte
McClellan.
Kay hatte den Geheimdiensten indirekt Versagen vorgeworfen. Es
bestünden Zweifel an ihrer Fähigkeit, stichhaltige und
wahrheitsgetreue Informationen zu erlangen, sagte Kay.
Zwei Tage vor Veröffentlichung des Abschlussberichts zur
Kelly-Affäre hat London seine Strategie zur Rechtfertigung des
Irak-Krieges geändert. Der Einmarsch sei auch ohne Belege für
irakische Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt, sagte
Außenminister Jack Straw in Brüssel. Der damalige irakische
Machthaber Saddam Hussein habe ganz offensichtlich Resolutionen der
Vereinten Nationen missachtet.
Die Entscheidung für einen Krieg sei heute noch genauso
gerechtfertigt wie vergangenen März, sagte Straw am Rande des
EU-Außenministertreffens. Die UNO selbst habe Saddam Hussein als
"Bedrohung für den internationalen Frieden" eingeschätzt. Die
britische Regierung habe nie behauptet, dass Irak eine unmittelbare
Bedrohung für Großbritannien darstelle, sagte Straw dem
britischen Sender BBC. In dem Interview zeigte sich Straw zudem
"enttäuscht", dass bislang noch keine Massenvernichtungswaffen
für Irak gefunden wurden.
Die Regierung von Premierminister Tony Blair steht wegen der für
Mittwoch geplanten Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum
Tod des britischen Waffenexperten David Kelly massiv unter Druck.
London hatte den Irak-Krieg mit der Bedrohung durch ABC-Waffen
begründet, die angeblich binnen 45 Minuten einsatzbereit gewesen
sein sollen. Unter Berufung auf Kelly hatte die BBC der Regierung
vorgeworfen, entsprechende Geheimdienstberichte aufgebauscht zu haben.
Eine Gruppe von Exil-Irakern hat derweil eingeräumt, der
britischen Regierung möglicherweise unwahre Informationen
über die militärischen Fähigkeiten Iraks gegeben zu
haben. Die von der Londoner Regierung als wichtiges Argument für
den Irakkrieg angeführte Behauptung, die Regierung von Saddam
Hussein sei in der Lage, binnen 45 Minuten chemische oder biologische
Waffen einzusetzen, habe auf einer einzigen, ungeprüften Quelle
basiert, sagte der Vertraute eines irakischen Regierungsratsmitglieds,
Nick Theros, der britischen Zeitung "Guardian" (Dienstagsausgabe). Die
Dokumente seien der britischen Regierung "im guten Glauben"
übermittelt worden. "Es war den Geheimdiensten überlassen,
sie zu überprüfen", sagte Theros. Die Informationen schienen
nun "ein Haufen Scheiße" zu sein. "Offensichtlich haben wir ja
keine Massenvernichtungswaffen gefunden."
In einer historischen Entscheidung billigte die japanische Regierung
die Entsendung von Truppen nach Irak.
Die japanische Regierung beschloss, insgesamt 600 Soldaten nach Irak zu
schicken. Kurz darauf erteilte Verteidigungsminister Shigeru Ishiba den
Marschbefehl. Der erste Einsatz japanischer Truppen in einem
Kampfgebiet seit dem Zweiten Weltkrieg ist in Japan heftig umstritten.
Eine Vorhut hatte in der vergangenen Woche die Sicherheitslage im
Einsatzgebiet in Samawa geprüft.
Kurz vor dem Beschluss des Kabinetts wurde ein Transporter mit
Bauteilen für ein Haus für einen japanischen Offizier in Irak
angegriffen. Bei der Attacke in Ramadi westlich von Bagdad sei der
jordanische Fahrer getötet worden, teilte das
Verteidigungsministerium in Tokio mit.
UN-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, spätestens am
Dienstag über die Entsendung eines UN-Teams zur Vorbereitung von
Wahlen in Irak zu entscheiden. Die Delegation solle prüfen, ob
Wahlen bis Juni möglich seien, sagte Annan dem schwedischen
Fernsehen.
Irak wird in den kommenden vier Jahren voraussichtlich nicht
genügend Geld mit seinem Erdöl verdienen, um damit den
Wiederaufbau des Landes finanzieren zu können. Nach den am Montag
vorgestellten Schätzungen des Haushaltsausschuss im US-Kongress
wird Irak von 2004 bis 2007 etwa 69 Milliarden Dollar (rund 55
Milliarden Euro) einnehmen, davon etwa zwölf in diesem Jahr.
Für seine Berechnungen stellte der Ausschuss zwei Szenarien auf:
Einmal ging er davon aus, dass Irak viel Erdöl ausführt und
einen hohen Preis pro Barrel erzielt - dann könnten die Einnahmen
dem Bericht zufolge etwa 89 Milliarden Dollar betragen, und das Land
hätte 20 Milliarden mehr für Investitionen.
Die irakische Übergangsverwaltung hat unterdessen die
Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO) beantragt. Das geht
aus Dokumenten hervor, die am Montag im Internet veröffentlicht
wurden. Die von den USA stark unterstützte Bewerbung steht jedoch
vor einer Reihe von Hindernissen. Nicht zuletzt müsste der
Regierungsrat beweisen, dass Irak ein souveräner Staat ist. Die
USA wollen die Macht bis zum 30. Juni übergeben, falls bis dahin
die Bildung einer neuen Regierung glücken sollte.
In dem Antrag, den der irakische Interimswirtschafsminister Ali Abdul
Amir Allawi in der vergangenen Woche in Genf eingereicht haben soll,
heißt es, die Mitgliedschaft sei für die wirtschaftliche
Entwicklung des Landes entscheidend. Zusätzlich zu
makroökonomischer Stabilität seien eine Ausdehnung des
privaten Sektors sowie neue Strukturen für die Staatsunternehmen
erforderlich.
Wie aus Kreisen von WTO-Diplomaten in Genf verlautete, wurde der
irakischen Delegation zunächst der Beobachterstatus in Aussicht
gestellt - jedoch nur für den Fall, dass Irak ein offizieller
Kandidat für die Mitgliedschaft wird. Als weiteres Problem neben
der mangelnden Souveränität könnte sich herausstellen,
dass bereits zahlreiche weitere Staaten der Region auf den Beginn von
Beitrittsverhandlungen mit der WTO warten.
Der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth Roth, lehnt die vom
irakischen Regierungsrat vertretene Forderung ab, ein irakisches
Tribunal über Saddam Hussein zu Gericht sitzen zu lassen.
"Irakische Juristen haben keine Erfahrungen mit solchen umfassenden und
schwierigen Fällen", sagte er der "Berliner Zeitung"
(Dienstagausgabe). Human Rights Watch habe in Irak Anwälte und
Verteidiger befragt, keiner von ihnen habe je an einem Prozess
teilgenommen, der länger als eineinhalb Tage dauerte.
"Die Einberufung eines irakischen Tribunals läuft hinaus auf ein
schnelles Verfahren, ein Todesurteil und seine Vollstreckung", warnte
der Menschenrechtler. Damit würde die Chance verpasst, in Irak
für die Einführung eines demokratischen Rechtssystems zu
werben. "Wir befürworten hingegen ein internationales Tribunal",
sagte Roth. Ein Prozess vor einem internationalen Gericht würde
von vielen Menschen, und zwar nicht nur in Irak, verfolgt.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Wie stark haben die USA Saddam Hussein unterstützt?
Der bevorstehende Prozess gegen Saddam Hussein wird nicht nur dessen
irakische Verbündete nervös machen. Notgedrungen werden auch
Fragen darüber auftauchen, ob die USA den Exdiktator im Iran-Krieg
unterstützten. Bis heute hält sich zudem der Verdacht,
Washington habe das Bagdader Regime - wenn überhaupt - nur
halbherzig von Giftgasangriffen abzuhalten versucht. Im Mittelpunkt
dürfte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stehen. Der traf
1983 und 1984 als Sondergesandter von Präsident Ronald Reagan
mehrmals in Bagdad mit Saddam Hussein zusammen
Fest steht, dass der im vergangenen Dezember aus einem Erdloch geholte
Expräsident und seine früheren Mitarbeiter zu ihrer
Verteidigung etwaige Geschäfte mit der US-Regierung vorbringen
werden. Derzeit bereitet der irakische Verwaltungsrat ein Tribunal vor,
internationale Justizexperten fordern dagegen einen UN-Gerichtshof, der
die Causa Saddam Hussein aufarbeiten soll.
«Kaum ein ranghoher Iraker wird sagen: 'Hey, die USA haben unser
Programm für Massenvernichtungswaffen tatkräftig
unterstützt'», schätzt Richard Murphy, in den 80er
Jahren Chef der Nahost-Abteilung im Außenministerium. Dagegen
glaubt Thomas Blanton, Direktor der Nationalen Sicherheitsarchive
für Außenpolitik, der Prozess werde für die
US-Regierung «extrem peinlich». Für andere Staaten mit
noch engeren Beziehungen zu Irak, allen voran Frankreich, könne
der Prozess gleichwohl noch unangenehmer werden.
Infolge des 11. Septembers 2001 erklärte US-Präsident Georg
W. Bush Saddam Husseins angebliches Streben nach ABC-Waffen, seine
angebliche Unterstützung internationaler Terroristen sowie seine
unbestreitbaren Menschenrechtsverletzungen zu Kriegsgründen. In
den 80er Jahren hatte Washington andere Sorgen. Alarmiert durch das
Geiseldrama in der US-Botschaft in Teheran fürchtete die
US-Regierung, Iran könne sich nicht nur Irak, sondern weitere
Staaten einverleiben, um ein strikt islamisches Großarabien zu
errichten.
Auch wenn Saddam Hussein den Krieg gegen Iran selbst begann und sich
längst als rücksichtsloser Diktator gezeigt hatte, war er aus
Sicht Washingtons das geringere Übel. Irak war ein säkularer
Staat mit starkem Einfluss in der arabischen Welt, verfügte
über gigantische Ölreserven und sollte nicht unter den
Einfluss der Sowjetunion geraten.
Zur Zeit von Rumsfelds erster Bagdad-Visite wussten die
US-Geheimdienste, dass Saddam in Iran Chemiewaffen einsetzte. Die
bislang zugänglichen Dokumente legen nahe, dass der heutige
Pentagonchef das Thema dennoch nicht erwähnte. Ein Jahr
später kehrte Rumsfeld an den Tigris zurück. In der
Zwischenzeit hatte Washington Iraks Einsatz von Giftgas offiziell
verurteilt. Rumsfelds Mission war es jedoch, Irak die
Unterstützung der USA gegen Iran zu versichern.
Während des Krieges versuchte die Reagan-Regierung alles, um
andere Staaten an Waffenlieferungen nach Teheran zu hindern. Schiffe
nach Irak wurden dagegen nicht aufgehalten. Ein früherer
Mitarbeiter im Nationalen Sicherheitsrat, Howard Teicher, erklärte
1995 unter Eid, der US-Geheimdienst CIA habe Waffenlieferungen anderer
Staaten an Irak sogar arrangiert.
War amerikanischen Firmen die Lieferung von Waffen an Irak untersagt,
erlaubte die Reagan-Regierung doch den Export von Produkten und
Gerät «von zivilem oder militärischem Nutzen»;
also Pestizide und Hubschrauber. Zudem bleibt der Verdacht, die USA
hätten Saddam Hussein bei dessen Biowaffenprogramm
«versehentlich» unterstützt: In den 80er Jahren, so
wird in Washington eingeräumt, lieferten Regierung und
Privatfirmen Bakterienstämme nach Bagdad, die etwa zur Herstellung
von Milzbranderregern eingesetzt werden konnten.
Ein weiteres sensibles Thema ist die Zusammenarbeit amerikanischer und
irakischer Geheimdienste während des Iran-Krieges. Unklar ist nur
noch, welche Informationen die US-Agenten Saddam Hussein
bereitstellten. Nach der Erklärung Teichers ging es um
strategische Ratschläge. So habe der damalige Vizepräsident
Georg Bush Saddam Hussein aufgefordert, die Bombardierung Irans
auszuweiten. Die heikelste offene Frage lautet: Hat Saddam Hussein
US-Aufklärung für Giftgasangriffe gegen Iran genutzt? Von
offizieller Seite wird dies scharf dementiert.
Quelle: ap, 26.01.04
Die Vereinigten Staaten haben im Irakkrieg gegen die Genfer
Konventionen verstoßen
Das kritisiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW)
in ihrem gestern veröffentlichten Jahresbericht. Durch den Einsatz
von Streumunition und die verfehlte "Enthauptungsstrategie", mit der
politische Führer umgebracht werden sollten, seien unzählige
Zivilisten getötet und verletzt worden...
Aus der "tageszeitung" vom 27.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/27/a0008.nf/text
Kenneth Roth, Direktor von Human Rights Watch (HRW): "Es ist etwas sehr
Interessantes geschehen: Sie erinnern sich, dass Human Rights Watch
1999, während des Jugoslawienkrieges, herausfand, dass ein Viertel
der Zivilisten, die durch Nato-Bomben ums Leben kamen, durch den
Einsatz von Streubomben in Wohngebieten starben. Wir kritisierten die
US-Luftwaffe deswegen sehr scharf. Interessanterweise haben sie uns
zugehört: In Afghanistan und Irak hat die Luftwaffe fast
völlig auf den Einsatz von Streubomben in Wohngebieten verzichtet.
Wunderbar! Das Problem ist, dass der Irakkrieg der erste Krieg seit
über einem Jahrzehnt war, in dem eine große Anzahl
Bodentruppen zum Einsatz kam. Leider hat die Army ihre Doktrin nicht
genauso verändert wie die Luftwaffe. Sie feuerte aus
Artilleriegeschützen Streumunition in Wohngebiete...."
Mehr in der "tageszeitung" vom 27.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/27/a0112.nf/text
Menschenrechte in gewaltsamen Konflikten - das ist das Thema des
neuen Weltberichts der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW)
Zum ersten Mal
besteht der Bericht nicht aus einer Sammlung von Länderreports,
sondern aus 15 persönlich gekennzeichneten Essays, die sich dem
Hauptthema aus verschiedenen Perspektiven nähern. Kenneth Roth
stellt in einem Grundsatzessay klar, dass der Irakkrieg nicht als
humanitäre Intervention bezeichnet werden kann. Ein weiterer Text
widmet sich dem Nachkriegsirak - noch immer kommen Zivilisten ums Leben,
noch immer herrscht eine Konfliktsituation, und noch immer gibt es
keine klaren Regelungen für die Bevölkerung, um tödliche
Missverständnisse im Umgang mit den Besatzern zu vermeiden.
In Afghanistan, folgert Human Rights Watch aus der Analyse der
Situation, sind die alliierten Kräfte dabei, den Frieden zu
verlieren - an die Warlords, die außerhalb des Großraums
Kabul das Land regieren. Und in den USA ist die Bush-Regierung laut
HRW-Bericht dabei, in ihrem Krieg gegen den Terror Rechtsstaatlichkeit
und Wahrung der Menschenrechte auszuhebeln.
Wie es seit nunmehr 25 Jahren dem Schwerpunkt der Organisation
entspricht, beschäftigen sich mehrere Essays eingehend mit Fragen
der Kriegführung und den entscheidenden internationalen
Konventionen. Erneut prangert HRW mit einer detaillierten Beschreibung
der Einsätze im Irak die Benutzung von Streubomben an, widmet sich
aber auch Fragen der sexualisierten Gewalt, den vergessenen Kriegen
Afrikas oder den Fortschritten der internationalen Strafjustiz. (taz vom
27.01.04)
Mehr bei Human Rights Watch unter:
http://www.hrw.org/german/press/2004/global012604de.htm
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US-Richterin erklärt Teile des Antiterrorgesetzes für
verfassungswidrig
Di.27.01.04 - Eine US-Bundesrichterin hat jetzt erstmals Teile des nach dem 11.
September erlassenen Antiterrorgesetzes (Patriot Act) für
verfassungswidrig erklärt. Dabei geht es um die Vorschrift, die
jegliche Unterstützung und Hilfen für Gruppen verbietet, die
zu ausländischen Terrororganisationen erklärt wurden.
Richterin Audrey Collins erklärte in ihrem Urteil vom Freitag, das
am Montag bekannt gegeben wurde, die Wortwahl in der Regelung sei zu
unbestimmt. Das Justizministerium prüft das Urteil.
Geklagt hatten fünf Organisationen und zwei US-Bürger, die
sich nach Angaben des Gerichts für legale und friedliche
Aktivitäten der Kurdischen Arbeiterpartei und der Befreiungstiger
von Tamil Eelam einsetzen wollten. Den Klägern drohten nach
Angaben des Projekts humanitäres Recht bis zu 15 Jahre Haft, weil
sie Gruppen, die für das Selbstbestimmungsrecht der Kurden in der
Türkei eintreten, beraten wollten. Die Kurdische Arbeiterpartei
und die Befreiungstiger von Tamil Eelam, die für mehr Rechte
für die Tamilen in Sri Lanka kämpfen, stehen seit 1997 auf
der US-Liste ausländischer Terrororganisationen.
(Quelle: ap)
Terroropfer aus aller Welt fordern Ende der Gewalt
Di.27.01.04 -Hunderte Terroropfer aus Israel, Algerien, Irland und vielen
anderen Staaten haben am Montag zu einem Ende politisch motivierter
Gewalt aufgerufen. Der Terrorismus könne nur erfolgreich
bekämpft werden, wenn die Staatengemeinschaft eine gemeinsame
Front bilde, sagte der Spanier Javier Romeo Pastor, der 1991 einen
Briefbombenanschlag der baskischen Untergrundorganisation ETA
überlebt hatte, auf einer zweitägigen Konferenz in Madrid. An
dem Treffen nahmen rund 600 Delegierte aus etwa einem Dutzend Staaten
teil.
«Der Terror prägt unser Leben», sagte Pastor.
«Er kann nur bekämpft werden, wenn wir alle zusammen dagegen
aufstehen.» Mit der Konferenz solle die Öffentlichkeit auf
die persönlichen Auswirkungen von Anschlägen aufmerksam
gemacht werden. «Ich bin hier, um den Menschen die tiefe
Einsamkeit zu vermitteln», sagte Arnold Roth aus Israel. Er
verlor bei einem Selbstmordanschlag im August 2001 seine 15 Jahre alte
Tochter. «Die Einsamkeit ist unsere gemeinsame Erfahrung, egal,
in welchem politischen System wir leben.»
Der spanische Kronprinz Felipe sagte: «Die soziale Isolation und
moralische Schwäche von Terroristen wird von Tag zu Tag
offensichtlicher. Die soziale Ächtung des Terrors wird immer
deutlicher.» Die Terroropfer spielten eine entscheidende Rolle
bei der Bezwingung des Terrorismus.
Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Pat Cox, wies zur
Eröffnung der Konferenz auf die jüngsten
Anti-Terror-Maßnahmen der Europäischen Union hin. Die EU
habe seit den Anschlägen vom 11. September 2001 unter anderem eine
Liste von Terrororganisationen erstellt und die rechtlichen
Voraussetzungen für grenzüberschreitende Festnahmen
geschaffen, sagte Cox.
Am (heutigen) Dienstag werden auf dem Internationalen Kongress
über Terroropfer unter anderem Nobelpreisträger David Trimble
aus Nordirland und der kolumbianische Vizepräsident Francisco
Santos erwartet. Die Abschlussrede sollte der spanische
Ministerpräsident Jose Maria Aznar halten, der 1995 einen
Autobombenanschlag der ETA überlebte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Frage der Rechtmäßigkeit der Sperranlage zum Westjordanland:
Israel will Zuständigkeit von Haager Gerichtshof anfechten +++ EU
uneins über Gerichtsvorlage zu israelischem Sperrwall +++ Kureia
kündigt Reformen der Sicherheitsdienste an +++ Israel
veröffentlicht Liste für Gefangenenaustausch im Internet
Di.27.01.04 - Israel will nach Zeitungsinformationen die Befugnis des Internationalen
Gerichtshofs in Den Haag in Frage stellen, sich über die
Rechtmäßigkeit der Sperranlage zum Westjordanland zu
äußern. Wie die "Jerusalem Post" am Montag berichtete, plant
die Regierung, die "fehlende Zuständigkeit" des Gerichts in den
Mittelpunkt ihrer Argumentation zu stellen. Nach Angaben von Gideon
Meir, einem Vertreter des israelischen Außenministeriums, wird
die Regierung bis Ende der Woche eine schriftliche Stellungnahme zu dem
Verfahren einreichen. Ob sie auch bei den Anhörungen in Den Haag
vertreten sein wird, ließ er offen.
Im Streit um den israelischen Sperrwall im Westjordanland hat sich die
Europäische Union nicht auf eine gemeinsame Vorlage beim
Internationalen Gerichtshof einigen können. Über das Thema
werde weiter diskutiert, sagte der irische Außenminister Brian
Cowen am Montag in Brüssel. Der Gerichtshof in Den Haag hat erste
Anhörungen um die völkerrechtliche Legitimität der
Sperranlage für den 23. Februar angekündigt und auch die
europäischen Staaten um eine förmliche Einschätzung
gebeten.
Nach Ansicht der EU verletzt der Grenzzaun internationales Recht.
Zugleich fürchtet die EU, dass eine Stellungnahme des
Internationalen Gerichtshofes aber ohne Einfluss auf den
Friedensprozess im Nahen Osten bleiben werde, da sie nicht
rechtsverbindlich ist. Der Sperrwall soll nach israelischen Angaben
Selbstmordattentäter fern halten. Nach Ansicht von
Palästinensern kommt die Grenzanlage, die in einigen Abschnitten
weit in palästinensische Gebiete hineinreicht, dagegen einer
faktischen Beschlagnahme ihres Landes gleich.
Mit einer Reihe von Reformen innerhalb der Sicherheitsdienste will der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia die
Sicherheitslage in den Palästinensergebieten verbessen. Unter
anderem sei geplant, die Arbeit der unterschiedlichen Dienste in zwei
"Operationszentren" im Gazastreifen und Westjordanland zu koordinieren,
teilte Kureia am Montag in Ramallah nach einem Treffen der
Autonomiebehörde und des Nationalen Palästinensischen
Sicherheitsrats unter Vorsitz von Palästinenserpräsident
Jassir Arafat mit.
Israel hat am Dienstag im Internet mit der Veröffentlichung der
Gefangenen begonnen, die vermutlich am Donnerstag mit der schiitischen
Hisbollah-Miliz ausgetauscht werden sollen. Die dreiteilige Liste
enthält die Namen von 371 Palästinensern, 60
Palästinensern, die ohne Prozess festgehalten werden, 30 Libanesen
sowie Bürgern anderer arabischer Staaten und der Deutsche Steven
Smyrek, der für die Hisbollah spioniert haben soll.
Auf der Liste stehen auch die beiden prominenten Hisbollahführer
Mustafa Dirani und Scheich Abdel Karim Obeid, die 1994 beziehungsweise
1989 von Israel entführt wurden. Im Gegenzug will die Miliz den
israelischen Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum aus der Geiselhaft
entlassen und die Leichen von drei israelischen Soldaten
überführen.
Israelische Soldaten begannen am Montag mit der Exhumierung von 59
getöteten Libanesen, deren Leichen den Angehörigen
zurückgegeben werden sollen. Die mutmaßlichen Extremisten
waren bei Kämpfen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet ums
Leben gekommen und im Norden Israels begraben worden. Die
Rückführung der sterblichen Überreste ist Teil der unter
deutscher Vermittlung geschlossenen Vereinbarung über einen
umfangreichen Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hisbollah.
(Quelle: ap, afp)
Karsai unterzeichnet neue afghanische Verfassung
Sie sieht einen islamischen Staat unter einem starken Präsidenten
vor +++ ISAF-Soldat bei Selbstmordanschlag in Kabul getötet
+++ Vier Tote bei Feuergefecht im Süden Afghanistans
Di.27.01.04 - Mit der Unterzeichnung der neuen afghanischen Verfassung hat
Präsident Hamid Karsai zwei Jahre nach dem Sturz der Taliban den
Weg für allgemeine Wahlen in seinem Land freigemacht. Karsai
unterschrieb das historische Dokument am Montag während einer
Zeremonie im Außenministerium in Kabul. An der Feier nahmen unter
anderen der frühere afghanische König Mohammed Sahir Schah
sowie zahlreiche Regierungsvertreter und ausländische Diplomaten
teil.
Nach drei zähen Verhandlungswochen hatte sich die Loja Dschirga
(Große Ratsversammlung) am 4. Januar auf eine demokratische
Verfassung geeinigt. Sie sieht einen islamischen Staat unter einem
starken Präsidenten vor; außerdem werden die gleichen Rechte
von Mann und Frau anerkannt, und das Parlament wird gestärkt.
Mit der Verfassung ist die wichtigste Voraussetzung für die im
Juni geplante Parlamentswahl und die anschließende Bildung einer
dauerhaften Regierung geschaffen. Angesichts der kritischen
Sicherheitslage in Afghanistan haben die Vereinten Nationen jedoch vor
einer möglichen Verzögerung der Wahl gewarnt. Zudem sind
bislang nur rund 500.000 der schätzungsweise zehn Millionen
Wahlberechtigten registriert.
Ein Selbstmordattentäter hat unterdessen in der afghanischen
Hauptstadt Kabul einen kanadischen Soldaten der Internationalen
Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) mit in den Tod gerissen. Zwei
weitere kanadische Soldaten wurden verletzt, wie ein kanadischer
Offizier in Kabul sagte. Der Mann habe sich den in einem
südwestlichen Stadtteil patrouillierenden Soldaten genähert
und sich in die Luft gesprengt. Die drei Soldaten wurden per
Hubschrauber abtransportiert. Die zerfetzte Leiche des Attentäters
lag noch am Tatort herum, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur
AFP berichtete.
Bei einem Feuergefecht im Süden Afghanistans wurden vier
Menschen getötet. Soldaten eröffneten an einem Kontrollposten
in der Provinz Helmand das Feuer auf ein Fahrzeug, das nicht anhielt,
wie der stellvertretende Gouverneur Hadschi Pir Mohammed mitteilte. In
dem Auto befanden sich zwei Soldaten und zwei Zivilpersonen, die
zurückschossen. Alle vier Insassen wurden getötet und drei
weitere Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Offenbar hätten
die Soldaten in dem Wagen ihre Kameraden nicht erkannt und
befürchtet, Opfer eines Überfalls zu werden, sagte Mohammed.
(Quellen: afp, ap)
Afghanistan vor Opium-Rekordernte
Eine bislang unveröffentlichte UN-Studie prognostiziert besonders
hohe Zuwächse im Gebiet der Nordallianz. Der Anbau weitet sich auf
neue Gebiete aus. Studie empfiehlt internationaler Gemeinschaft eine
verstärkte Zusammenarbeit mit den Gemeinden ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 27.01.04
http://www.taz.de/pt/2004/01/27/a0070.nf/text
Deutscher Verteidigungsminister Struck: Eurocorps sollte in Afghanistan
ISAF-Führung übernehmen
Di.27.01.04 - Die NATO-Operation in Afghanistan sollte nach einem Vorschlag von
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) vom Eurocorps in
Straßburg geführt werden. Das Eurocorps sei militärisch
in der Lage, Ende dieses Jahres das Hauptquartier der internationalen
Schutztruppe (ISAF) in Kabul zu übernehmen, sagte Struck am Montag
bei einer Veranstaltung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik
in Berlin. Derzeit wird die ISAF vom deutsch-amerikanischen Stab aus
Heidelberg geführt. Dieser wird nun zunächst von Kanada
abgelöst.
Die beteiligten Staaten des Eurocorps - Deutschland, Frankreich,
Spanien, Belgien und Luxemburg - würden am Rande der Münchner
Sicherheitskonferenz Anfang Februar über ein Angebot an die NATO
beraten, sagte Struck. Zu einer Aufstockung der deutschen Soldaten in
Afghanistan werde es voraussichtlich nicht kommen. Struck geht davon
aus, dass das deutsche Engagement im Rahmen des Bundestagsmandats zu
leisten sei. Zu einem Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan wird
es nach seinen Angaben nicht kommen.
In seiner Rede betonte der Minister ferner, dass auch «angesichts
unseres enormen Engagements in Afghanistan» ein Einsatz deutscher
Soldaten im Irak weiterhin «nicht realistisch» sei.
Außerdem sei das Hauptziel im Irak noch nicht erreicht. Dies sei
ein tragfähiger Stabilitätsansatz unter dem Dach der
Vereinten Nationen, der irakische Souveränität und
gesellschaftliche Normalisierung unter demokratischen Vorzeichen
ermögliche. Deutschland ist aber bereit, mit Lazarett-Flugzeugen
der Bundeswehr humanitäre Hilfe zu leisten.
Struck sagte weiter, Deutschland und Frankreich sollten
Großbritannien und andere europäische Staaten in den Prozess
einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
integrieren. Einige Staaten müssten vorangehen. Es dürfe aber
nicht zur Spaltung der EU kommen.
(Quelle: dpa)
Pakistan räumt Weitergabe von Atommaterial
durch Forscher ein
Di.27.01.04 - Die pakistanische Regierung hat am Montag eingeräumt, dass
einzelne Wissenschaftler des Landes an der Weitergabe von Atommaterial
beteiligt waren. Die ein bis zwei Forscher hätten sich damit
offenbar persönlich bereichern wollen, sagte Informationsminister
Sheikh Rashid Ahmed auf einer Pressekonferenz in Islamabad. Namen
wollte er nicht nennen.
Pakistanische Ermittler haben wegen eines möglichen Verkaufs von
Atomtechnologie an Iran, Nordkorea und Libyen bis zu sieben
Wissenschaftler festgenommen. Die Behörden kündigten an, die
Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Eine offizielle Weitergabe von
Material an die drei Staaten bestreitet Pakistan vehement.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
IAEA-Chef Baradei warnt vor Gefahr eines Atomkriegs
Auml;ußerst beunruhigt' über wachsenden atomaren
Schwarzmarkt. Internationale Exportkontrollen hätten in den
letzten Jahren völlig versagt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401250.htm#04012501
Experten: Atomwaffen werden durch den Irakkrieg nur noch begehrter
http://www.taz.de/pt/2003/04/28/a0136.nf/text
Radioaktives Material für schmutzige Bombe in USA leicht
zu beschaffen
Terroristen könnten atomar strahlende Stoffe ganz legal erwerben. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311130.htm#03111302
Atombehörde IAEA: USA halten sich nicht an Atomwaffen-Sperrvertrag
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120sn
US-Militärs und Rüstungslobby erwägen Einsatz von
Nuklearwaffen - Aufrüstung mit Mini-Nukes
http://www.jungewelt.de/2003/08-11/005.php
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15407/1.html
Russland besorgt über US-Pläne zur Entwicklung neuer
Atomwaffen
Generalstabschef der russischen Streitkräfte: Moskau müsse
seine Nuklearstrategie überdenken. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311270.htm#03112701
Ex-Diktator Videla in Argentinien festgenommen
Nürnberger Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl bei den
argentinischen Behörden beantragt - Vildela und zwei weitere
Angehörige der einstigen Militärjunta werden beschuldigt, bei
der Tötung der deutschen Soziologin und Theologiestudentin
Elisabeth Käsemann und des Münchner TU-Studenten Manfred
Zieschank während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983
beteiligt gewesen zu sein
Di.27.01.04 - Die argentinischen Behörden haben auf Ersuchen der deutschen
Justiz Ex-Staatschef Jorge Videla und zwei weitere Angehörige der
einstigen Militärjunta festgenommen. Wie aus Justizkreisen in
Buenos Aires verlautete, stehen der frühere Admiral Emilio Massera
und der Ex-General Carlos Suarez Mason unter Hausarrest.
Die Nürnberger Staatsanwaltschaft hatte über Interpol
Haftbefehl bei den argentinischen Behörden beantragt, weil sie von
einer Beteiligung der drei Männer bei der Tötung der
deutschen Soziologin und Theologiestudentin Elisabeth Käsemann und
des Münchner TU-Studenten Manfred Zieschank während der
Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ausgeht.
Bei einer Anhörung am Freitag sprachen sich der 78-jährige
Videla und der ein Jahr ältere Suarez Masón gegen eine
Auslieferung nach Deutschland aus. Der 78-jährige Massera habe aus
Gesundheitsgründen der Vorladung nicht folgen können. Das
argentinische Recht erlaubt einen Einspruch gegen Auslieferungsgesuche,
verbunden mit dem Antrag auf einen Prozess in Argentinien. Im August
hatte bereits der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón
in mehreren anderen Fällen erfolglos die Auslieferung Videlas
beantragt.
Käsemann wurde laut den Ermittlungen im Alter von 29 Jahren im Mai
1977 gemeinsam mit anderen Gefangenen in der Nähe von Monte Grande
in der Provinz Buenos Aires erschossen. Der 24-jährige Zieschank
verschwand im März 1976. Seine Leiche wurde sieben Jahre
später gefunden und 1985 identifiziert. Videla führte den
Putsch 1976 an und übte in den ersten fünf Jahren der
Diktatur in Argentinien die Macht aus.
(Quelle: afp)
Guatemala: Behörden lassen verurteilten Ex-Militär laufen
Di.27.01.04 - Einem wegen Mordes verurteilten guatemaltekischen Ex-Militär ist
die Flucht gelungen, weil sich die Behörden mit seiner Festnahme
tagelang Zeit ließen. Die Polizei habe das Haus von Ex-Oberst
Juan Valencia drei Tage nach dem Richterspruch nur noch leer
vorgefunden, teilte die Staatsanwaltschaft in Guatemala-Stadt am
Freitag (Ortszeit) mit. Ein Berufungsgericht hatte Valencia am Montag
wegen Mordes an der Anthropologin und Menschenrechtlerin Myrna Mack im
Jahr 1990 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.
Die UN-Mission in Guatemala sprach von "Nachlässigkeit und
Ineffizienz" und drängte darauf, endlich Justiz und Verwaltung zu
stärken. Nach Angaben des Staatsanwaltes wird Valencia auch im
Ausland über Interpol gesucht. Er ist einer der wenigen ranghohen
Militärs, die nach Ende des Bürgerkriegs (1960-1996) wegen
Menschenrechts-Verbrechen verurteilt wurden. Das Urteil der ersten
Instanz 2002 war international als wichtiger Sieg gegen die
Straflosigkeit für Militärs gefeiert worden.
Mack hatte sich mit Kriegsverbrechen der Regierungstruppen gegen die
Maya-Urbevölkerung beschäftigt. Ein kirchlicher
Untersuchungsbericht macht das Militär für rund 80 Prozent
der Menschenrechts-Vergehen im Bürgerkrieg verantwortlich.
(Quelle: epd)
Kolumbien: OAS vermittelt bei Verhandlungen mit Paramilitärs
Di.27.01.04 - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wird die Verhandlungen
zwischen rechten Paramilitärs und der Regierung in Kolumbien
begleiten. Wie die kolumbianische Regierung am Sonntag (Ortszeit)
mitteilte, einigten sich der OAS-Generalsekretär César
Gaviria und Präsident Álvaro Uribe bereits am Freitag auf
eine entsprechende Vereinbarung. Das Abkommen zur Begleitung des
Friedensprozesses in Kolumbien erlaubt der OAS, mögliche
Verhandlungen zwischen der linken Guerilla und der Regierung zu
unterstützen.
Die OAS darf danach kontrollieren, ob vereinbarte Feuerpausen
eingehalten werden. Außerdem beobachten OAS-Diplomaten die
Verhandlungen. Die Regierung von Uribe steht im Kontakt mit zahlreichen
Paramilitär-Organisationen, um deren Entwaffnung bis Ende 2005 zu
erreichen und die Wiedereingliederung der Kämpfer in die
Gesellschaft zu ermöglichen.
Die rechten Paramilitärs wurden in den 80er Jahren von
Großgrundbesitzern aufgestellt, um die linke Guerilla zu
bekämpfen. Derzeit sind etwa 18.000 Kämpfer in ihren Reihen.
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Hinweise darauf, dass die
Paramilitärs mit den kolumbianischen Streitkräften
zusammenarbeiten. Den Paramilitärs werden Massaker an der
Zivilbevölkerung und Beteiligung am Drogenhandel zur Last gelegt.
Gegen ihren Anführer Carlos Castaño haben die USA einen
internationalen Haftbefehl erstellt.
(Quelle: epd)
Russland - USA: Powell und Putin betonen stabile bilaterale Beziehungen
Zuvor hatte Powell in einem Zeitungsartikel Besorgnis über die
demokratische Entwicklung in Russland geäußert
Di.27.01.04 - US-Außenminister Colin Powell und der russische Staatschef
Wladimir Putin haben am Montag die guten Beziehungen zwischen Moskau
und Washington betont. Meinungsverschiedenheiten seien zwar nicht zu
übersehen, erklärte Powell während eines Empfangs im
Kreml. Darüber könne dank des «großartigen»
Verhältnisses jedoch in aller Offenheit gesprochen werden.
Bereits bei einem Treffen mit Außenminister Igor Iwanow hatte
Powell erklärt, er teile dessen Einschätzung, «dass
unsere bilateralen Beziehungen ein sehr starkes Fundament haben».
Putin beglückwünschte die USA zu ihren Erfolgen bei der
Mars-Mission und regte eine weitere Zusammenarbeit bei
Raumfahrtprogrammen an. Powell verwies auf die bisherige Kooperation
mit Moskau in Irak und Afghanistan und erklärte, Washington freue
sich auf weitere gemeinsame Raumfahrtprojekte.
Zuvor hatte Powell in einem Zeitungsartikel Besorgnis über die
demokratische Entwicklung in Russland geäußert. «Das
demokratische System in Russland scheint noch nicht die wichtige
Balance zwischen Exekutive, Legislative und Judikative gefunden zu
haben», schrieb er in einem Artikel für die Montagausgabe
der russischen Zeitung «Iswestija».
Beobachtern zufolge bereitete Powell mit seinem Artikel offene
Diskussionen mit russischen Regierungsvertretern über
Entwicklungen vor, die Washington nach Powells Worten «inne
halten ließen». Neben dem Krieg in Tschetschenien und einer
von einem ranghohen Mitarbeiter Powells als sehr einseitig
beschriebenen Medien-Berichterstattung zur Parlamentswahl Ende 2003
handelte es sich auch um die Verhaftung des Geschäftsmanns Michail
Chodorkowski und Russlands Umgang mit Nachbarn, die ehemals zur UdSSR
gehörten.
Die USA respektierten Moskaus «natürliches Interesse»
an den Angelegenheiten seiner Nachbarstaaten, schrieb Powell.
«Aber wir erkennen nicht weniger die souveräne
Integrität der russischen Nachbarn und ihr Recht auf friedliche
und respektvolle Beziehungen» an, erklärte er.
Unterdessen formieren sich die Gegenkandidaten Putins für die
Präsidentschaftswahl am 14. März. Der von seiner Partei
Liberales Russland unabhängig kandidierende Iwan Rybkin gab am
Montag in Berlin bekannt, er habe bereits 4,2 Millionen Unterschriften
von Unterstützern gesammelt. Für eine Teilnahme sind zwei
Millionen nötig.
Rybkin, der ehemalige Sowjetgouverneur und Verhandlungsführer in
Tschetschenien, stellt sich derzeit im Westen vor. Er sagte der
Nachrichtenagentur AP, er werde 2,5 Millionen der gesammelten
Unterschriften am (morgigen) Dienstag bei den Behörden in Moskau
einreichen. Ein gewisser Prozentsatz werde erfahrungsgemäß
nicht anerkannt. Bis zum Abschluss des Wahlkampfes könne er mit
sechs Millionen Unterschriften rechnen.
Neben Rybkin gibt es neun weitere mögliche Gegenkandidaten, denen
allerdings nur marginale Chancen eingeräumt werden, nachdem sich
Putin seit der Dezemberwahl auf einer Zweidrittel-Mehrheit in der
Staatsduma stützen kann. Wie andere Gegenkandidaten übt
Rybkin scharfe Kritik an Putins Wahlkampf, der unfair und mit teilweise
ungesetzlichen Mitteln geführt werde. Rybkin machte dafür
Putins nahezu uneingeschränkte Kontrolle über die Medien
verantwortlich. Rybkin besuchte nach eigenen Angaben Washington, London
und Brüssel.
(Quelle: ap)
Sankt Petersburg feiert Befreiung von deutschen Truppen
Di.27.01.04 - Sankt Petersburg, das ehemalige Leningrad, feiert am (heutigen)
Dienstag den 60. Jahrestag seiner Befreiung von deutschen Truppen.
Währen der 900-tägigen Belagerung Leningrads durch deutsche
Truppen von September 1941 bis Januar 1944 kamen durch Hunger und
Bombenangriffe über eine Million Menschen ums Leben. Die meisten
der Opfer verhungerten, weil es praktisch keine Lebensmittel mehr in
der Stadt gab und der größte Teil der Zivilbevölkerung
nicht rechtzeitig evakuiert worden war. Hitler hatte es sich zum
erklärten Ziel gesetzt, die zweitgrößte Stadt der
Sowjetunion auszuhungern und von der Landkarte zu löschen. 1944
befreite die Rote Armee die während des Zweiten Weltkriegs fast
drei Jahre eingekesselte Stadt.
(Quellen: epd, ap)
Polen bleibt im EU-Verfassungsstreit hart
Lehnt die Einführung einer doppelten Mehrheit bei der
Stimmengewichtung der Mitgliedstaaten weiter ab
Di.27.01.04 - Die polnische Regierung hat ihre Blockadehaltung gegen eine
europäische Verfassung untermauert. Außenminister
Wlodzimierz Cimoszewicz sagte am Montag in Brüssel beim ersten
Treffen der EU-Ressortchefs nach dem gescheiterten Verfassungsgipfel,
Polen lehne die Einführung einer doppelten Mehrheit bei der
Stimmengewichtung der Mitgliedstaaten weiter ab. Die EU sollte am
Vertrag von Nizza festhalten und damit «praktische Erfahrungen
sammeln».
Der Verfassungsgipfel im Dezember war letztlich am Widerstand Polens
und auch Spaniens gescheitert, die doppelte Mehrheit zu akzeptieren.
Warschau und Madrid wollen am Vertrag von Nizza festhalten, der sie
gemessen an ihrer Bevölkerungsstärke bevorteilt. Besonders
Deutschland dringt dagegen auf die Einführung der doppelten
Mehrheit, in der die Bevölkerungsgröße der
Mitgliedstaaten stärker berücksichtigt wird.
Cimoszewicz sagte, die Vorbehalte seiner Regierung hätten Bestand.
«Wir glauben weiter, dass der Abstimmungsmodus von Nizza der
bessere ist.» Aus seiner Sicht sei es auch nicht fair, Polen
für das Scheitern des Gipfels verantwortlich zu machen.
«Polen musste einen hohen politischen Preis bezahlen.»
EU-Außenminister wollten bei einem Mittagessen über das
weitere Vorgehen beraten. Die irische Ratspräsidentschaft plante
dazu eine generelle Aussprache. Der Dezember-Gipfel hatte der irischen
Regierung aufgetragen, den Staats- und Regierungschefs bei ihrem
nächsten Treffen Mitte März einen Bericht vorzulegen, wie es
mit den Verhandlungen über die Verfassung weiter gehen soll.
Vor dem Treffen hatte sich die spanische Außenministerin Ana
Palacio allerdings kompromissbereit gezeigt. «Wir wollen ein
Abkommen», sagte sie. «Wir waren immer
kompromissbereit.» Wann die Verhandlungen wieder aufgenommen
werden sollen, ist bislang unklar. Diplomaten äußerten sich
aber bereits skeptisch, dass die irische Regierung bis zum Ende ihrer
Präsidentschaft im Juni einen Durchbruch erzielen kann.
(Quelle: ap)
Fischer mahnt Einigung zu EU-Verfassung vor Europawahl an
Der deutsche Außenminister warnt zugleich vor einem Europa der
zwei Geschwindigkeiten
Di.27.01.04 - Deutschland strebt eine Einigung im Streit um die EU-Verfassung noch
vor der Wahl zum Europäischen Parlament im Juni an.
Außenminister Joschka Fischer sagte am Montag in Brüssel,
dies wäre angesichts der Herausforderungen für die EU 2004
von großer Bedeutung. Er hoffe, dass bereits auf dem
März-Gipfel «der Weg zu einem Durchbruch» geebnet
werde. Die EU könne sich «ein zweites Scheitern nicht mehr
leisten», sagte Fischer beim ersten Treffen der
EU-Außenminister seit dem erfolglosen Verfassungsgipfel im
Dezember.
Fischer warnte zugleich vor einem Europa der zwei Geschwindigkeiten.
Eine engere Zusammenarbeit in Gruppen von Staaten sei nicht der Weg,
eine nach außen «starke und handlungsfähige
Union» mit 25 Mitgliedstaaten aufzubauen. Dies könne nur mit
einer «gehärteten Spitze der Verfassung» zu Stande
kommen. Nach dem Scheitern im Dezember waren Warnungen laut geworden,
in der EU könnten sich mehrere Mitgliedstaaten zu einem Kerneuropa
zusammenschließen.
(Quelle: ap)
EU prüft Aufhebung des Waffenembargos gegen China
Di.27.01.04 - Die Europäische Union wird die Möglichkeit einer Aufhebung
des Waffenembargos gegen China prüfen. Die EU-Außenminister
beauftragten ihre Botschafter in Brüssel zu untersuchen, wie die
Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Das Embargo wurde nach
der gewaltsamen Unterdrückung von Protesten gegen das
kommunistische Regime in Peking 1989 verhängt. Der für die
Außenbeziehungen zuständige EU-Kommissar Chris Patten
betonte, die Situation in China habe sich in den letzten Jahren
spürbar verändert.
(Quelle: dpa)
EU-Abgeordnete müssen auf Diäten-Erhöhung warten
Di.27.01.04 - Die geplante kräftige Erhöhung der Diäten für bald
732 Abgeordnete des Europäischen Parlaments ist in weite Ferne
gerückt. Eine entsprechende Vorlage fand am Montag in Brüssel
nicht die erforderliche Mehrheit der EU-Außenminister.
Deutschland, Österreich, Frankreich und Schweden stimmten dagegen.
Damit ist das Thema für diese Legislaturperiode vom Tisch. Der
deutsche Außenminister Joschka Fischer sagte: «Alle
Beteiligten sollten da noch mal in Ruhe drüber nachdenken.»
Fischer verwies auf die einschneidenden Reformen im deutschen
Sozialsystem. Eine Erhöhung der EU-Diäten wäre zum
jetzigen Zeitpunkt «nicht darstellbar» gewesen. Die
gewonnene Zeit biete «den Abgeordneten auch die Chance im
Wahlkampf, wo sie in einen Kontakt mit der Bevölkerung kommen,
für ihre Position zu werben». Das Europäische Parlament
wird vom 10. bis 13. Juni neu gewählt, in Deutschland ist der
Urnengang am 13. Juni.
Der CDU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Klaus-Heiner Lehne,
bedauerte die Entscheidung. Der Vorschlag des Parlaments sei
«seriös und ausgewogen» gewesen. Das Parlament wollte,
dass alle Abgeordneten einheitlich 9.053 Euro beziehen. Bislang werden
die EU-Parlamentarier gemäß den Diäten der nationalen
Abgeordneten bezahlt. Deutsche Abgeordnete erhalten monatlich 7.009
Euro. Parlamentarier aus den neuen EU-Ländern bekommen dagegen
wesentlich weniger, wenn sie der Volksvertretung nach der Wahl im Juni
angehören.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
EU-Abgeordneten-Diäten sollen offenbar deutlicher steigen als
bekannt
So.11.01.04 - Die Diäten der Europaabgeordneten sollen offenbar deutlicher
steigen als bislang bekannt. «Bild am Sonntag» und
«Spiegel» berichteten am Samstag übereinstimmend, die
Bezüge der EU-Parlamentarier würden schon ab Sommer auf 9.053
Euro erhöht. Zuvor sei nur eine Anhebung auf rund 8.500 Euro ab
2006 vorgesehen gewesen, hieß es. Laut «Bild am
Sonntag» entspräche dies einem Anstieg um rund 30 Prozent
für die 99 deutschen Europaabgeordneten, die bislang die
Diäten der nationalen Parlamente, in Deutschland monatlich 7.009
Euro, bezögen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401110.htm#04011115
Niederländisches Gericht eröffnet Verfahren wegen NATO-Angriff
Di.27.01.04 - Ein niederländisches Gericht hat am Montag mit der Anhörung
ehemaliger Regierungsmitglieder begonnen, denen Verantwortlichkeit
für zivile Todesopfer während eines NATO-Luftangriffes 1999
im ehemaligen Jugoslawien vorgeworfen wird. Nach Anhörung des
früheren Ministerpräsidenten Wim Kok, von
Exaußenminister Jozias van Aartsen und dem ehemaligen
Verteidigungsminister Frank de Grave wollte das Gericht über die
Zulassung eines Schadensersatzprozesses entscheiden.
(Quelle: ap)
Bundestag gedenkt der Opfer des Holocaust
Di.27.01.04 - Mit einer Gedenkstunde erinnert der Bundestag heute an die Opfer des
Holocaust. Sprechen wird in diesem Jahr neben Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse (SPD) auch die französische Politikerin und
ehemalige Präsidentin des EU-Parlaments, Simone Veil. Zu der
Veranstaltung im Reichstagsgebäude sind auch Jugendliche aus
Deutschland, Frankreich und Polen eingeladen, die sich gegen
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus engagieren.
Der 27. Januar war vom früheren Bundespräsidenten Roman
Herzog 1996 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
erklärt worden. An diesem Tag hatten 1945 sowjetische Truppen das
Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit.
(Quelle: dpa)
Jewish Claims Conference publiziert Berichte von Nazi-Versuchsopfern
Di.27.01.04 - Die Jewish Claims Conference (JCC) hat auf ihrer Internetseite Berichte
von Juden veröffentlicht, die Opfer medizinischer Versuche der
Nationalsozialisten waren. "Die von uns gesammelten Berichte tragen
viel zum Wissen über diese fürchterlichen Taten bei, die zu
den abscheulichsten Taten der Menschheitsgeschichte zählen",
erklärte der JCC-Vizepräsident Gideon Taylor am Montag in New
York. Die Überlebenden berichten unter anderem von Experimenten
zur Änderung der Augenfarbe durch Spritzen sowie von Amputationen,
Organentnahmen, absichtlichen Krankheitsübertragungen und anderen
Grausamkeiten. Die Zeitzeugenberichte sollen dem Holocaust-Museum in
Washington und der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel
überreicht werden.
Claims Conference hat knapp 1.800 jüdische Opfer von
pseudomedizinischen Experimenten während der NS-Zeit ermittelt.
Die heute in 33 Staaten lebenden Menschen erhalten diese Woche eine
symbolische Entschädigung von 4.240 Euro aus der deutschen
Bundesstiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft», wie
die Claims Conference am Montag in Frankfurt am Main mitteilte.
Die Recherchen ergaben laut Claims Conference zahlreiche neue
Erkenntnisse «über eines der schrecklichsten Kapitel des
Dritten Reiches».
(Quellen: ap, afp)
Mehr bei "Jewish Claims Conference" unter:
http://www.claimscon.org/index.asp?url=medex_main
Im Gedenken sollte man von einer Selektion absehen
Noch ehe das zentrale Mahnmal in Berlin ans Netz des Gedenkens geht,
ist es Zeit, den infantilen Streit der einzelnen Opfergruppen zu
beenden. Das anscheinend unvermeidliche Mal muss für alle Opfer
der Nazis offen sein. Ein klares Wort zum heutigen Holocaust-Gedenktag
von Rafael Seligmann in der "tageszeitung" (27.01.04):
http://www.taz.de/pt/2004/01/27/a0091.nf/text
Rafael Seligmann, 56, lebt in Berlin. Im März erscheint von ihm:
"Hitler. Die Deutschen und ihr Führer"
|
Fünf Klagen gegen Synagoge in Leipzig
Di.27.01.04 - Gegen den Bau eines jüdischen Begegnungszentrums mit Synagoge in
einem Leipziger Nobelviertel sind nach Angaben des Fördervereins
fünf Klagen anhängig. Einige Nachbarn machten darin
"bautechnische Argumente und Sicherheitsbedenken" geltend, sagte
Vorstandsmitglied Doris Benner dem Evangelischen Pressedienst am Montag
in der Messestadt. Offenbar befürchteten die Kläger "einen
Wertverlust ihrer Objekte durch die religiöse Nutzung nebenan".
Die Klagen richteten sich gegen die Stadt Leipzig und eine von ihr
erteilte Baugenehmigung, so Benner. Die Klagen seien "einzeln und
offenbar ohne gegenseitige Absprache" eingereicht worden. Wann das
Verwaltungsgericht entscheide, sei noch offen.
Unterdessen kritisierte der Bürgerverein Waldstraßenviertel,
der sich für die Interessen des Stadtteils einsetzt, die
öffentliche Kritik des Thomaskirchen-Pfarrers Christian Wolff. Er
hatte den Klägern am Wochenende Antisemitismus vorgeworfen und sie
aufgefordert, ihre Klagen zurück zu nehmen. Es sei skandalös
zu argumentieren, die jüdische Gemeinde sei ein Sicherheitsrisiko,
"nur weil deren Einrichtungen vor möglichen Übergriffen
geschützt werden müssen", so Wolff. Die jüdische
Gemeinde Leipzig wollte zu den Klagen nicht Stellung nehmen.
(Quelle: epd)
Prozess nach Erstickungstod eines Abschiebehäftlings
Di.27.01.04 - Fast fünf Jahre nach dem Tod eines Abschiebehäftlings beginnt
Anfang Februar vor dem Frankfurter Amtsgericht der Prozess gegen drei
Beamte des Bundesgrenzschutzes (BGS) wegen des Vorwurfs der
fahrlässigen Tötung. Prozessauftakt ist am Montag, den 2.
Februar, wie die Flüchtlingshilfe-Organisation Pro Asyl am Montag
in Frankfurt am Main mitteilte.
Die Angeklagten - zwei Polizeiobermeister und ein Polizeimeister -
hatten am 28. Mai 1999 den sich heftig wehrenden Sudanesen Aamir Ageeb
auf dem Flug von Frankfurt nach Khartoum in Sudan begleitet. Dabei
hatten sie der Anklage zufolge den Gefesselten so heftig in seinem Sitz
nach unten gedrückt, dass dieser dabei erstickte.
In ihrer Anklageschrift beruft sich die Staatsanwaltschaft auf ein
Gutachten der Münchner Rechtsmedizin. Danach war durch das
Herunterdrücken des Oberkörpers die Brust- und Bauchatmung
des Sudanesen verhindert worden. Ageeb sollte abgeschoben werden, weil
er wegen Nötigung, Diebstahls, Hausfriedensbruchs,
gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vorbestraft
war. Den drei BGS-Beamten droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren.
(Quelle: ap)
Regierung ruft Wettbewerb für Elite-Unis aus
Bund will jährlich bis zu 300 Millionen Euro für Spitzenunis
zahlen +++ Grüne lehnen Wettbewerb um Elite-Unis ab
Di.27.01.04 - Die Bundesregierung will in einem Wettbewerb Deutschlands
Spitzen-Universitäten auswählen und diese mit jährlich
bis zu 300 Millionen Euro fördern. Bildungsministerin Edelgard
Bulmahn (SPD) kündigte in Berlin an, der Bund wolle den besten
Hochschulen fünf Jahre lang jährlich jeweils 50 Millionen
Euro zur Verfügung stellen. In den Genuss dieser Förderung
sollen fünf Universitäten kommen. Die Förderung soll
2006 starten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
unterstützte die Idee. Die CDU kritisierte die Ankündigungen;
auch aus den Reihen der SPD wurde Skepsis laut.
Bulmahn kündigte den Start des Wettbewerbs "Brain Up! Deutschland
sucht seine Spitzenuniversitäten" noch vor der Sommerpause an.
Daran können sich alle deutschen Universitäten beteiligen,
aus denen die besten Hochschulen von einer Jury aus nationalen und
internationalen Experten ausgewählt werden sollen. Am Ende sollen
etwa fünf Universitäten gefördert werden.
Die Hochschulen, die sich bewerben, sollen deutlich machen, wie sie in
die internationale Spitze aufsteigen wollen. Außerdem sollten die
Universitäten passende Partner - wie etwa Forschungsinstitute und
Wirtschaftsunternehmen - einbeziehen. Die Jury soll dann in einem
ersten Schritt bis zu zehn Universitäten auswählen. Diese
bekommen finanzielle Unterstützung, um ihre Entwürfe zu einem
umfassenden Konzept auszuarbeiten. In einer zweiten Runde wählt
die Jury dann die Gewinner aus.
Schröder unterstützte den Wettbewerb ausdrücklich. Die
Bundesregierung werde zu ihren Ankündigungen stehen, sagte er auf
einem Innovationskongress in Berlin. Der Kanzler setzte sich zudem
für eine "Innovationskultur" in Deutschland ein, die sich nicht
nur auf Spitzeninstitute und Wissenschaftsförderung
beschränken dürfe.
Kritik an den Plänen Bulmahns kam aus der Union. Bulmahn
präsentiere einen neuen "bürokratischen Klotz", erklärte
die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria
Böhmer. Es bleibe auch das Geheimnis der Ministerin, wo sie die
Gelder herzaubern wolle.
Der bildungs- und wissenschaftspolitische Sprecher der
SPD-geführten Länder, Jürgen Zöllner, zeigte sich
skeptisch. Wettbewerb sei notwendig, aber die Auswahl könne nicht
wie bei der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" laufen.
Statt auf einzelne Hochschulen müsse sich die
Spitzenförderung auf verschiedene Wissenschaftsbereiche beziehen.
Kritik kommt auch von den Grünen. "Ich halte das für ein
fragwürdiges Konzept", sagte die Fraktionsvorsitzende der
Grünen im Bundestag, Krista Sager. Die Regierung dürfe sich
bei der Förderung der Spitzenforschung nicht auf einzelne
Hochschulen beschränken, sondern müsse vielmehr die
Studienbedingungen in der Breite verbessern.
"Es reicht nicht aus, wenn der Bund einen Wettbewerb ausschreibt, sich
gleichzeitig aus der Finanzierung des Hochschulbaus zurückzieht,
und dann sagt: das war's", kritisierte die Grünen-Politikerin in
der "Berliner Zeitung" das Vorhaben Bulmahns.
(Quelle: afp)
Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten
Information des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - im Internet unter:
http://www.bmbf.de/de/1321.php
Kfz-Steuer soll sich nach Schadstoffausstoß richten
Di.27.01.04 - Im Umweltbundesamt in Berlin wird nach Informationen der
«Süddeutschen Zeitung» eine Umstellung der
Kraftfahrzeugsteuer vorbereitet. Dem Bericht in der Dienstagausgabe
zufolge liegt der Zeitung ein Entwurf vor, wonach vom 1. Januar 2005 an
nicht mehr der Hubraum, sondern der Kohlendioxid-Ausstoß eines
Kraftfahrzeugs maßgeblich für die Höhe der Steuer sein
soll. Damit würden verbrauchsarme Fahrzeuge, vor allem auch solche
mit Dieselmotor, steuerlich begünstigt, Fahrzeuge mit hohem
Verbrauch hingegen spürbar höher belastet.
Kohlendioxid (CO2) ist eines der so genannten Treibhausgase, die
Klimaveränderungen auf der Erde bewirken. Die Zeitung schrieb, die
rot-grüne Regierung wolle mit der Neuerung ihrem Ziel näher
kommen, den CO2-Ausstoß um 25 Prozent zu senken. Grundlage des
Vorhabens sei der Koalitionsvertrag, der vorsehe, dass die Kfz-Steuer
in Zusammenarbeit mit den Ländern aufkommensneutral
ökologisch weiterentwickelt werden solle. Dem Blatt zufolge
würde sich das Kfz-Steuer-Aufkommen jedoch beträchtlich
erhöhen, wenn der Entwurf verwirklicht würde.
(Quelle: ap)
Computer und Internet
Online-Angriffe durch Mutation vorhersehen
Di.27.01.04 - Sicherheitssoftware kennt und blockiert neue Angriffsmuster von
Viren und Würmern, bevor Angreifer sie entwickeln können
Neuartige Viren und Würmer können sich oft in wenigen Stunden
ungehindert rund um den Globus ausbreiten, da Firewalls und
Antivirus-Software Schädlinge nur anhand bereits bekannter
Merkmale identifzieren können. Gegen komplett neue
Angriffsstrategien und Schadensroutinen ist die Software machtlos. Das
US-Unternehmen Icosystem will nun mittels eines neu entwickelten
Programms, das künftige Hacker- und Viren-Attacken basierend auf
bekannten Infos simulieren soll, vorhersagen können, welche
Gefahren in Zukunft auf die Internet-Nutzer zukommen.
Durch diesen Informationsvorsprung sollen Security-Software-Hersteller
schon vor dem erstmaligen Auftreten gerüstet sein. Die Technik
wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem US-Army Criminal Investigation
Command getestet....
Mehr bei futurezone (26.01.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=211292&tmp=46535
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