Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundsechzehnten Tag nach Kriegsbeginn
Sechs Tote und ein Dutzend Verletzte bei Anschlag in Bagdad +++
Irakische Demonstranten verjagen von den USA eingesetzten Gouverneur
+++ UNO über Sicherheitslage in Irak weiter besorgt +++
US-Heereschef lässt für US-Truppenpräsenz in Irak bis
Ende 2006 planen +++ US-Präsident Bush gibt Türkei Garantien
über Kurden-Status in Irak - USA werden eine Ausweitung der
kurdischen Autonomie nicht unterstützen +++ Zurückgetretener
US-Waffeninspekteur Kay fordert Untersuchung von US-Geheimdienstarbeit
Di.29.01.04 - Bei dem Selbstmordanschlag auf ein Hotel in Bagdad sind am Mittwoch
sechs Menschen getötet und ein Dutzend verletzt worden. "Fünf
Iraker sowie der Fahrer des Wagens wurden getötet", teilte ein
Sprecher der US-geführten Koalition am Mittwoch mit. Das Fahrzeug
sei mit 200 bis 350 Kilogramm Sprengstoff beladen gewesen.
Zunächst hatte die Polizei von drei Toten gesprochen. Ein anderer
Sprecher teilte mit, unter den Verletzten sei auch ein Brite.
10.000 irakische Demonstranten haben den von den USA eingesetzten
Gouverneur der Stadt Nassirijah aus seinem Büro vertrieben. Sie
würden nur gewählte Politiker akzeptieren, erklärten die
Anhänger des schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr. Damit
schlossen sie sich den Forderungen von Großajatollah Ali el
Husseini el Sistani an, der seit Wochen für die Wahl einer
irakischen Regierung mobilisiert. "Nein zu Ernennungen, ja zu Wahlen",
stand auf den Plakaten vieler Demonstranten. Die in Nassirijah
stationierten italienischen Soldaten griffen gegen die Vertreibung von
Gouverneur Sabri el Rumaith nicht ein. Im November waren bei einem
Anschlag auf das italienische Hauptquartier in Nassirijah 19 Italiener
getötet worden.
Die Vereinten Nationen sind nach Angaben von Generalsekretär Kofi
Annan nach wie vor "besorgt" über die Sicherheitslage in Irak.
Für die Entsendung eines UN-Teams, das die Möglichkeiten
für die Ausrichtung von Wahlen prüfen solle, werde die Frage
der Sicherheit entscheidend sein, sagte Annan am Mittwoch in
Brüssel bei einem Besuch in der EU-Kommission. Der
UN-Sicherheitsrat sei sich der Situation in Irak bewusst. Eine
angemessene Sicherheit der Mitarbeiter müsse gewährleistet
sein, machte Annan klar: "Wir bereiten uns darauf vor, zurückgehen
zu können, aber Sicherheit ist der bestimmende Faktor."
Die amerikanischen Streitkräfte richten sich nach den Worten ihres
Heereschefs darauf ein, zehntausende Soldaten bis Ende 2006 in Irak zu
stationieren. General Peter Schoomaker sagte dem Militärausschuss
des Repräsentantenhauses in Washington am Mittwoch, er habe seinen
Stab aufgefordert, die Rotation großer Truppenkontingente
für 2005 und 2006 durchzuplanen. Die Entscheidung über ein
Ende der US-Besetzung trifft Präsident George W. Bush in
Konstultationen mit dem Nationalen Sicherheitsrat und den
US-Kommandeuren in Irak. Als Chef der Teilstreitkraft Heer ist
Schoomaker dafür verantwortlich, dass Soldaten für jegliche
Aufträge ausgebildet und ausgerüstet sind, die der
Präsident anordnet.
US-Präsident George W. Bush hat der Türkei versichert, dass
die USA keine Ausweitung der kurdischen Autonomie in Irak
unterstützen. Bei einem Treffen mit dem türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Weißen Haus
sagte Bush am Mittwoch, Ziel Washingtons sei ein friedliches und
demokratisches Irak, "das territorial intakt ist". Damit erteilte er
kurdischen Bestrebungen nach einer Ausweitung der bisherigen
Selbstverwaltung eine Absage. Ankara befürchtet, eine kurdische
Kontrolle über das ölreiche Gebiet in Nordirak könnte zu
einem unabhängigen Staat führen, der auch kurdische Gebiete
in der Türkei umfassen wolle. Erdogan reagierte befriedigt auf
Bushs Zusagen. "Wir teilen dieselben Ansichten hinsichtlich unserer
strategischen Partnerschaft beim Wiederaufbau Iraks", sagte er.
Der zurückgetretene US-Waffeninspekteur David Kay hat Mängel
bei der Informationsbeschaffung in den Geheimdiensten für die
vergebliche Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen
verantwortlich gemacht. Vor einem Senatsausschuss sprach er sich am
Mittwoch zugleich für eine unabhängige Untersuchung der
Fehlleistungen der Geheimdienste aus.
Bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Senats
in Washington sagte Kay hinsichtlich der Annahme, Irak habe verbotene
Waffen besessen: "Wir haben fast alle falsch gelegen, und ich
schließe mich dabei mit ein." Die US-Geheimdienste hätten
keine eigenen Informanten gehabt und seien zu sehr auf die
Informationen der UN-Inspektoren angewiesen gewesen.
Die UN-Waffeninspekteure hatten allerdings vor dem Krieg immer Zweifel
an der US-Darstellung geäußert, Irak verfügte noch
über verbotene Waffen. Der frühere Leiter der UN-Inspektoren
in Irak, Hans Blix, erklärte vor wenigen Tagen, die USA
hätten wissen müssen, dass die Geheimdienstinformationen
nicht stimmten. Schließlich hätten die Hinweise, denen sein
UN-Team nachgegangen sei, zu keinen Ergebnissen geführt.
Kay wies Vorwürfe der oppositionellen Demokraten zurück, die
Regierung von Präsident George W. Bush habe Druck auf die
Analysten der Geheimdienste ausgeübt, damit diese der Regierung
mit ihren Berichten über die angebliche Existenz von
Massenvernichtungswaffen in Irak einen Kriegsgrund lieferten.
Kay war am Freitag von seinem Posten als US-Waffeninspekteur für
Irak zurückgetreten.
(Quellen: afp, ap)
Kurden fühlen sich von den USA im Stich gelassen
Die Kurden in Irak fühlen sich allein gelassen. Vor dem Krieg habe
die Regierung in Washington ihnen Autonomie in einem
föderalistischen Staat zugesichert - und jetzt sei von den Zusagen
nicht mehr viel übrig geblieben, beklagen kurdische Politiker.
Unzufriedenheit und Angst werden weiter angeschürt von den
aktuellen Gesprächen im Weißen Haus, bei denen der
türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die
territoriale Integrität Iraks fordert und kurdischer Autonomie
eine Absage erteilt.
Bei Treffen vor dem Irak-Krieg im vergangenen Jahr versicherten
Vertreter der US-Regierung nach Berichten des kurdischen Politikers
Neschirwan Barsani, dass «die Kurden einen Löwenanteil des
neuen Iraks» erhalten würden. «Und dann hat sich alles
geändert. Nach dem Krieg hatten sie alles vergessen.»
Von einer weit reichenden Autonomie sei die Rede gewesen, erklären
Kurden. In Washington heißt es hingegen, solche Garantien habe es
nie gegeben. Zwar ziehen die USA bei der Machtübergabe an die
Iraker ein föderalistisches System in Betracht, allerdings nach
geographischen Kriterien, nicht nach ethnischen.
«In den vergangenen zwölf Jahren hatten wir eine offene und
demokratische Atmosphäre. Es ist den Kurden nicht möglich,
auch nur ein Quäntchen weniger zu akzeptieren», betont
Barsani, Regierungschef der Provinz Irbil. In Irbil, Suleimanijah und
Dohuk errichteten die Kurden nach dem Golfkrieg 1991 eine halbautonome
Region. Dort lebt ein Großteil der irakischen Kurden, die
insgesamt knapp 20 Prozent der 25 Millionen Einwohner des Landes
stellen. Ihr Ziel ist es, den autonomen Status zu festigen und ihr
Einflussgebiet auf die einst kurdische Stadt Kirkuk auszudehnen. Saddam
Hussein vertrieb zahlreiche Kurden aus der an Öl reichen Region
Kirkuk und siedelte arabische Iraker an.
Keine Partei habe nun das Recht, einem nicht föderalistisch
organisierten Staat zuzustimmen, sagt Barsani, der Neffe des Chefs der
Demokratischen Partei Kurdistans (KDP). Eine andere Lösung
würde auch die Bevölkerung nicht akzeptieren, ist er sich
sicher.
Das kurdische Parlament in Irbil hat dem Regierungsrat in Bagdad und
US-Zivilverwalter Paul Bremer einen Vorschlag für ein
föderalistisches System vorgelegt. Seit einigen Tagen sammeln die
Kurden außerdem Unterschriften in der Bevölkerung für
ein Referendum über eine föderalistische Lösung.
«Die Petition soll den Druck auf die Koalition, den Regierungsrat
und Menschenrechtsorganisationen erhöhen, die Wünsche des
kurdischen Volkes wahrzunehmen», erklärt Havel Abu Bakr von
der Universität Suleimanijah.
«Wir haben alle Angst, dass Amerika uns wieder verraten
wird», begründet die Schriftstellerin Tarsa Dschaff den
Druck. Schon nach dem Golfkrieg 1991 fühlten sich die Kurden von
den USA im Stich gelassen: Washington habe sie zum Aufstand gegen
Saddam Hussein aufgefordert und sei dann nicht eingeschritten, als
dieser blutig niedergeschlagen wurde.
Die kurdischen Forderungen lassen die Alarmglocken in der Türkei,
in Syrien und Iran schrillen. Die Nachbarländer fürchten,
dass eine weitgehende kurdische Autonomie in Irak die
Separatismusbestrebungen der Kurden auf ihrem Staatsgebiet
verstärken würde.
Auch auf amerikanischer Seite werden Warnungen laut, dass ein zu
starker Druck der Kurden kontraproduktiv sein könnte. «Dies
ist die beste Gelegenheit für sie, ihre Ziele zu erreichen»,
meint James Bullion von den US-Truppen in Irbil. «Aber sie
müssen realistisch bleiben. Wenn sie ihren Druck zu sehr
verstärken, könnten sie auch diese Chance verlieren.»
Quelle: ap, 28.01.04
Blick ins Archiv:
Kirkuk - Die geteilte Stadt
Es ist ein zerbrechliches Konstrukt, das die US-Armee im Nordirak
überwacht. Die Provinz- Hauptstadt Kirkuk inmitten großer
Erdölfelder ist Kern der Auseinandersetzung zwischen Arabern und
Kurden um die künftigen Grenzen in einem irakischen Bundesstaat.
Langsam wird es brenzlig...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/28/a0230.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/28/a0231.nf/text
Kirkuk und der Kampf ums mesopotamische Öl - Die Türkei will verhindern, daß Kirkuk zur
Hauptstadt eines unabhängigen oder föderalen kurdischen Staates im Nordirak wird
Sa.01.03.03 - ... Das 250 Kilometer nördlich von Bagdad noch außerhalb der
kurdischen Autonomiezone in der Nähe des Zagros-Gebirges liegende Kirkuk mit rund 900 000
Einwohnern bildet das Zentrum der irakischen Ölindustrie. Die Ölfelder von Kirkuk verfügen über
mindestens zehn Milliarden nachgewiesene Barrel Öl. Täglich werden bis zu einer Million
Tonnen gefördert. Das ist die Hälfte der gesamten irakischen Ausführmenge ...
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/03-01/003.php
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Reuters wirft US-Armee Misshandlung von Journalisten in Irak
Do.29.01.04 - Die britische Nachrichtenagentur Reuters hat dem
US-Verteidigiungsministerium vorgeworfen, sich nicht um den Schutz von
Journalisten in Irak zu kümmern. Die Agentur erklärte am
Dienstag in einem Schreiben an das Pentagon, am 2. Januar habe die
US-Armee zwei Reuters-Journalisten und ihren Chauffeur als
vermeintliche feindliche Kämpfer in der Nähe von Falludscha
westlich von Bagdad festgenommen, 72 Stunden lang festgehalten und
misshandelt. Auf die deswegen von Reuters eingereichte Beschwerde habe
es bislang keine Reaktion gegeben.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Übergriffe auf Reuters-Journalisten im Irak durch US-Militärs
Di.13.01.04 - Sie seien brutal behandelt worden, erniedrigt und eingeschüchtert.
Man habe ihnen Tüten über den Kopf gestülpt und damit
gedroht, dass sie nach Guantanamo Bay geschickt werden. "Lass uns Sex
haben!" sollen die Soldaten den festgenommenen irakischen
Reuters-Journalisten ins Ohr geflüstert haben. "Was passiert dann
erst mit den gewöhnlichen Irakis?", fragt sich einer der Opfer ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#040114_a
Architektur der Rechtslosigkeit
Guantanamo ist dank seines exterritorialen Status zum Inbegriff eines
rechtlosen Raums geworden.(telepolis, 28.01.04). Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/16636/1.html
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0006.nf/text
Hutton entlastet Blair in Kelly-Affäre
Do.29.01.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat die wohl schwerste Probe
seiner Regierungszeit überstanden: In dem am Mittwoch vorgelegten
Bericht der Untersuchungskommission zum Selbstmord des Waffenexperten
David Kelly wird Blair von jeglicher Verantwortung freigesprochen.
Zudem erklärte Lordrichter Hutton einen BBC-Bericht, wonach die
Regierung Geheimdienstinformationen über Irak vor dem Krieg
aufbauschte, für unhaltbar. Wenige Stunden später
kündigte der BBC-Vorstandsvorsitzende Gavyn Davies seinen
Rücktritt an.
«Man hat mich gelehrt, dass man sich seinen Schiedsrichter nicht
aussuchen kann und dass die Entscheidung des Schiedsrichters
endgültig ist», sagte Davies laut einem Bericht der
britischen Nachrichtenagentur PA mit Blick auf Huttons
Schlussfolgerungen. Er werde Blair schriftlich bitten, seinen
Rücktritt anzunehmen.
Zuvor hatte BBC-Direktor Greg Dyke Fehler in der Kelly-Affäre
eingeräumt und sich bei der Regierung entschuldigt. «Gewisse
Schlüsselbehauptungen» in dem umstrittenen Bericht seien
falsch, sagte Dyke.
Blair kritisierte die BBC nach der Vorlage des Hutton-Berichts scharf.
In einer Rede vor dem Parlament sagte der Premierminister: «Die
Behauptung, dass ich oder sonst irgendjemand dieses Haus belogen
hätte oder das Land durch eine Verfälschung von Informationen
über Massenvernichtungswaffen irregeführt hätte, ist die
eigentliche Lüge.»
Der BBC-Reporter Andrew Gilligan hatte im Juni nach einem Gespräch
mit Kelly unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten berichtet, die
Regierung habe Informationen über irakische
Massenvernichtungswaffen bewusst aufgebauscht, um den Irak-Krieg zu
rechtfertigen. Diese Behauptung sei völlig gegenstandslos gewesen,
urteilte Hutton in seinem Untersuchungsbericht. Kelly nahm sich wenige
Tage, nachdem sein Name als Quelle des Rundfunkberichts genannt worden
war, das Leben.
Kellys Name war vom Verteidigungsministerium an die Öffentlichkeit
gebracht worden. Der Regierung wurde deshalb vorgeworfen, ihren
langjährigen Mitarbeiter enormem Druck ausgesetzt und ihn dadurch
in den Selbstmord getrieben zu haben.
Hutton erklärte dazu, er sei überzeugt, dass keine der in
seinem Bericht genannten Personen eine solche Reaktion jemals
hätte in Erwägung ziehen können. Kelly habe zwar unter
erheblichem Druck gestanden, aber die Konsequenz, die er daraus gezogen
habe, sei für niemanden absehbar gewesen. Das
Verteidigungsministerium hätte ihm allerdings mehr moralische
Unterstützung zukommen lassen sollen.
Der Lordrichter warf der BBC vor, wichtige Fakten nicht
überprüft zu haben. Auch die in dem Bericht erhobenen
Vorwürfe gegen den im Sommer zurückgetretenen
Kommunikationschef der Regierung, Alastair Campbell, wies Hutton
zurück.
Kellys Gespräch mit BBC-Reporter Gilligan war nach Ansicht des
Lordrichters unangemessen: Als Regierungsberater hätte er seine
Vorgesetzten über das Treffen informieren müssen, urteilte
Hutton.
Zu einer gezielten Indiskretion kam es auch im Zusammenhang mit dem
Hutton-Bericht selbst: Teile des Untersuchungsberichts wurden bereits
vorab in der Zeitung «The Sun» veröffentlicht. Mehrere
Parlamentarier forderten eine Untersuchung, wer die Quelle gewesen sein
könnte.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema bei telepolis (28.01.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16640/1.html
Der Hatten-Bericht:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29.nf/ressort.q,TAZ.re,sw
http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/uk/2003/david_kelly_inquiry/
inquiry_documents/default.stm
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschiessen acht Palästinenser im
Gazastreifen +++ UNO: Zerstörung palästinensischer
Wohnhäuser ist 'unverhältnismäßig' +++
Annan sieht Existenz der Palästinenser-Behörde bedroht +++ Mindestens
acht Tote bei Anschlag auf Bus in Jerusalem
Do.29.01.04 - In Jerusalem hat sich ein Selbstmordattentäter am Donnerstagmorgen
nach Angaben aus Sicherheitskreisen in einem Bus in die Luft gesprengt
und mindestens acht Menschen getötet. Es habe Dutzende Opfer
gegeben, teilte die Polizei mit. Augenzeugen sprachen von rund 30
Verletzten.
Der Anschlag ereignete sich in der Nähe der Residenz des
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Scharon habe sich
zum Zeitpunkt der Explosion vermutlich nicht in der Residenz
aufgehalten, verlautete aus politischen Kreisen. Der Anschlag erfolgte
zu einem Zeitpunkt, da der unter deutscher Vermittlung erreichte
Gefangenenaustausch zwischen Israel und der radikal-islamischen
Hisbollah erfolgen soll.
Mindestens acht Menschen seien bei dem Anschlag in der
Gaza-Straße im Zentrum Jerusalems getötet worden, verlautete
aus den Sicherheitskreisen. Augenzeugen berichteten von fünf
Toten. Die Wucht der Explosion habe die Vorderseite des Busses zerfetzt
und Fensterscheiben zerschmettert. Dutzende Rettungswagen rasten zum
Anschlagsort.
Am (heutigen Donnerstag) sollte der Gefangenenaustausch zwischen Israel
und der radikal-islamischen Hisbollah erfolgen. Im militärischen
Teil des Flughafens Köln-Bonn landeten am Morgen zwei Flugzeuge,
in denen offenbar ein israelischer Geschäftsmann und 30 von Israel
freigelassene Araber saßen. Eine offizielle Bestätigung,
dass der Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum, die Särge mit den
Leichen dreier israelischer Soldaten sowie die Araber an Bord der
Maschinen waren, war zunächst nicht zu erhalten. Auch rund 400
palästinensische Gefangene sollen aus israelischer Haft
freikommen, sobald die drei israelischen Soldaten identifiziert sind.
Die israelischen Truppen haben eine neue Offensive im Gazastreifen
gestartet und dabei am Mittwoch acht Palästinenser erschossen. Die
Streitkräfte erklärten, Extremisten hätten in der
Nähe der jüdischen Siedlung Netzarim das Feuer auf die
Soldaten eröffnet und einen Sprengsatz gezündet. Die Truppen
hätten zurückgeschossen. Laut Krankenhausangaben wurden zwei
Palästinenser getötet.
Anschliessend rückten die Streitkräfte in ein nahe gelegenes
Wohngebiet in Gaza-Stadt ein, wo es erneut zu einem Gefecht kam. Dabei
seien sechs weitere Palästinenser getötet und mehrere
verletzt worden, sagte ein palästinensischer Arzt. Rettungswagen
eilten zum Ort des Geschehens.
Unter den Toten seien vier Mitglieder der militanten Organisation
Islamischer Dschihad sowie ein Kämpfer der Hamas-Bewegung, teilten
Krankenhausmitarbeiter mit. Bei den drei anderen Opfern handele es sich
offenbar um Passanten. Der Islamische Dschihad kündigte Vergeltung
für die Offensive an.
Die UN-Hilfsorganisation für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) hat die Zerstörung von
palästinensischen Wohnhäusern durch die israelische Armee als
"unverhältnismäßig" kritisiert. Die UNO komme
angesichts der Militäraktionen im Gazastreifen nicht mehr mit dem
Bau neuer Unterkünfte nach, sagte UNRWA-Chef Peter Hansen am
Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Israel vernichte schneller
Häuser, als die UNO Gelder auftreiben könne. Dem UN-Hilfswerk
fehlten derzeit rund 30 Millionen Dollar (knapp 24 Millionen Euro). Von
den etwa 1400 zerstörten Häusern in Gaza habe die UNO bislang
rund 300 wiederaufgebaut, weitere 400 entstünden gerade.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat derweil vor der Möglichkeit
eines teilweisen Zusammenbruchs der Palästinenserbehörde
gewarnt, sollten die Palästinenser nicht stärker
unterstützt werden. Setze sich die derzeitige Entwicklung in den
besetzten Gebieten fort, werde dies zu tiefer Verzweiflung führen,
sagte Annan am Mittwoch in Brüssel nach einem Treffen mit dem
amtierenden EU-Ratsvorsitzenden, Irlands Außenminister Brian
Cowen. Die UNO und die EU teilten die Sorge über die
wirtschaftliche, soziale und humanitäre Lage in den
palästinensischen Gebieten, sagte Annan: "Wir müssen einen
Weg finden, um den Stillstand zu durchbrechen und vorwärts
kommen", damit das Ziel zweiter Staaten erreicht werde, die Seite an
Seite in Sicherheit leben könnten.
Eine amerikanische Delegation traf unterdessen mit dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia zusammen.
Die Gesandten John Wolf und David Satterfield wollten sich dabei um
eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen bemühen. Kureia
erklärte, Wolf und Satterfield hätten ihn zu einem baldigen
Treffen mit dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon aufgefordert.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat sagte, die
Offensive im Gazastreifen schade den Vermittlungsbemühungen.
Jüdische Siedler bestätigten am Mittwoch Berichte, wonach
Scharon den Verzicht auf sieben jüdische Siedlungen im
Westjordanland und im Gazastreifen vorgeschlagen hat. Führende
Siedler hätten ein entsprechendes Schreiben von Scharons Büro
erhalten, sagte Pinhas Wallerstein, einer der Anführer der
Siedlerbewegung.
Den Berichten des israelischen Rundfunks zufolge handelt es sich bei
den betroffenen Siedlungen um Ganim, Kadim, Sanur und Homesch im
Westjordanland sowie um Netzarim, Kfar Darom und Morag im Gazastreifen.
In allen sieben der isoliert liegenden Gemeinden haben militante
Palästinenser in der Vergangenheit immer wieder Anschläge
verübt. Scharon hat mehrfach einseitige Schritte angedroht,
sollten die Friedensbemühungen weiterhin erfolglos bleiben.
(Quellen: rtr, afp, ap)
USA planen Großoffensive gegen El Kaida in Pakistan
Do.29.01.04 - Das US-Verteidigungsministerium plant offenbar eine militärische
Großoffensive gegen das El-Kaida-Netzwerk in Pakistan.
Spezialeinheiten, reguläre Bodentruppen und ein
Flugzeugträger im Arabischen Meer sollten noch in diesem Jahr in
großem Stil in Aktion treten, berichtete die Zeitung "Chicago
Tribune" unter Berufung auf Pentagon-Beamte. Der genaue Zeitpunkt
für die Militäroperation hänge von "den Ereignissen in
der Region" ab.
An der Aktion würden tausende US-Soldaten teilnehmen, die zum Teil
bereits im benachbarten Afghanistan stationiert seien. Auch mit der
pakistanischen Armee werde dabei zusammengearbeitet. US-Militärs
suchten darüberhinaus derzeit nach Wegen zu einer Zusammenarbeit
mit Teheran, damit verhindert werde, dass El-Kaida-Kämpfer
über Iran nach Irak gelangten, berichtete die Zeitung weiter.
Dem Bericht zufolge wurden in den vergangenen Wochen eine Reihe von
Planungsbefehlen für die Operation unter dem Arbeitsnamen
"Frühlingsoffensive" herausgegeben. Die Grundzüge sollten
demnach bereits vor rund einer Woche feststehen.
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hatte aus Angst vor
der islamistischen Opposition in seinem Land immer wieder einen Einsatz
von US-Truppen auf pakistanischem Boden ausgeschlossen, zuletzt in der
vergangenen Woche beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Gleichwohl sind
in einigen Gebieten Pakistans bereits seit September 2001 US-Einheiten
auf der Suche nach El-Kaida-Anführer Osama bin Laden.
(Quelle: afp)
Iranische Provinzgouverneure drohen mit Wahlboykott
Auch die größte reformorientierte Studentenbewegung in Iran
ruft zu einem landesweiten Boykott der am 20. Februar geplanten Wahl auf
Do.29.01.04 - Aus Protest gegen den Ausschluss liberaler Kandidaten von der
Parlamentswahl in Iran haben die Provinzgouverneure des Landes mit
einer Verhinderung des Urnengangs gedroht. «Alle Gouverneure
haben einstimmig erklärt, dass es unter den gegenwärtigen
Umständen unmöglich sein wird, die Wahl abzuhalten»,
sagte ein Sprecher des iranischen Innenministeriums am Mittwoch. Zuvor
hatte auch Präsident Mohammad Chatami angekündigt, den
konservativen Wächterrat weiter unter Druck zu setzen.
Bis zum Vormittag habe das Gremium bereits mehr als 700 der insgesamt
rund 3.600 Ausschlüsse rückgängig gemacht, sagte Chatami
nach einer Kabinettssitzung. Er zeigte sich optimistisch, dass weitere
Kandidaten zu der Wahl zugelassen werden würden. «Selbst
wenn nur ein einziger Mensch unrechtmäßig disqualifiziert
worden ist, werde ich als Präsident sein Recht verteidigen»,
erklärte Chatami.
Der stellvertretende Innenminister und oberste Wahlleiter Mortesa
Moballegh warf dem Wächterrat vor, sich bei der
Überprüfung der Ausschlüsse zu viel Zeit zu lassen.
«Unter den wieder zugelassenen Kandidaten ist nicht eine
prominente Person oder ein Abgeordneter», schrieb er in einer auf
der Website des Innenministeriums veröffentlichten Stellungnahme.
«Wenn nur einige wenige der ausgeschlossenen Personen wieder
zugelassen werden, werden wir keine Wahl abhalten.»
Der Wächterrat hatte mehr als ein Drittel der 8.200 Bewerber unter
Angaben formaler Gründe von der Wahl ausgeschlossen. 80 davon
sitzen derzeit im Parlament.
Reformorientierte Abgeordnete kritisierten die bisherige Rücknahme
als rein kosmetisch und zu zögerlich. «Für uns ist es
bedeutungslos, an der Wahl teilzunehmen, wenn Bewerber anderer
Richtungen nicht teilnehmen dürfen», sagte Ali Tadschernia,
der von der Abstimmung ausgeschlossen wurde.
Die größte reformorientierte Studentenbewegung in Iran rief
zu einem landesweiten Boykott der am 20. Februar geplanten Wahl auf. Es
gebe keine Hoffnung auf eine faire und freie Abstimmung, erklärte
das Büro zur Förderung der Einheit laut einer Meldung der
amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Die Gruppe rief Abgeordnete auf,
ihre Protestaktionen gegen die Disqualifikationen fortzusetzen.
In der vergangenen Woche hatten aus Protest gegen den Ausschluss
liberaler Kandidaten die meisten der sechs Vizepräsidenten und 24
Minister ihren Rücktritt eingereicht. Mehr als 70 Spitzenbeamte
und auch Chatami selbst hatten mit ihrer Demission gedroht, sollten
freie und gerechte Wahlen nicht gewährleistet werden. Chatami
erklärte allerdings später, er werde im Amt bleiben.
(Quelle: ap)
Haiti: Student bei Demonstration gegen Präsident
Aristide getötet
Do.29.01.04 - Bei einer Studentendemonstration gegen den haitianischen
Präsidenten Jean-Bertrand Aristide vor dem US-Konsulat in der
Hauptstadt Port-au-Prince ist am Mittwoch ein Student getötet
worden. Wie ein Arzt sagte, wurde der junge Mann in der Nähe des
Konsulats offenbar von einer von der Polizei abgefeuerten
Tränengasgranate am Rücken tödlich getroffen.
Zuvor hatten die Demonstranten vor dem Konsulatsgebäude einen Sarg
verbrannt. Die Polizei ging mit Tränengas und Warnschüssen in
die Luft gegen die Studenten und Gegendemonstranten vor.
Seit Monaten kommt es zu Protesten gegen Aristide. Die Opposition wirft
ihm Machtmissbrauch und mangelnde Unterstützung für die Armen
vor. Der frühere Priester Aristide wurde 1990 der erste frei
gewählte Präsident Haitis und galt als Hoffnungsträger.
Ein Jahr später wurde er in einem Militärputsch gestürzt
und 1994 mit amerikanischer Hilfe wieder eingesetzt. 1996 trat er ab,
da ihm nur eine Amtszeit gestattet war, wurde aber im Jahr 2000
wiedergewählt. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage und
Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung haben sich jedoch viele
seiner früheren Anhänger von ihm abgewandt.
Während der Proteste kamen in den vergangenen vier Monaten
mindestens 50 Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt.
Anhänger und Gegner der Regierung machen sich gegenseitig für
die Gewalt verantwortlich. Die meisten Opfer waren jedoch Gegner
Aristides.
(Quelle: ap)
Tausende Zivilisten in Burundi fliehen vor Kämpfen
Do.29.01.04 - Im ostafrikanischen Bürgerkriegsland Burundi sind seit fast einer
Woche tausende Zivilisten auf der Flucht vor Kämpfen zwischen zwei
rivalisierenden Hutu-Gruppen. Das berichtete ein AFP-Korrespondent aus
der Region um Nyabibondo, rund 20 Kilometer östlich der Hauptstadt
Bujumbura. Ein Flüchtling berichtete in Nyabibara, die Ex-Rebellen
der Streitkräfte zur Verteidigung der Demokratie (FDD) hätten
die Nationale Befreiungsfronst (FNL) angegriffen.
Der Gouverneur der Provinz Bujumbura Rurale, Ignace Ntawembarira, sagte
AFP, die Behörden wüssten von den Kämpfen und
würden derzeit versuchen, die Flüchtlinge zu identifizeren,
um ihnen helfen zu können.
Nach Angaben der FNL und der burundischen Armee wurden bereits am
ersten Tag der Kämpfe mehr als 20 FDD-Kämpfer getötet
und zwei weitere gefangen genommen. Die FDD widersprach zum
wiederholten Mal den Berichten über Gefechte. Zivilisten
berichteten jedoch übereinstimmend davon. Ein Offizier der
Regierungstruppen bestätigte, Lastwagen der Armee würden die
kämpfenden FDD-Soldaten versorgen.
Die burundische Menschenrechtsorganisation Iteka kritisierte die
Regierung von Präsident Domitien Ndayizeye für ihr Schweigen
angesichts der Kämpfe. Dies sei ein "schuldiges Schweigen", sagte
der Präsident der Organisation, Vianney Kavumbagu. Die Regierung
stehle sich aus ihrer Verantwortung für die Sicherheit des Landes.
Die FDD ist seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens vom 16.
November vergangenen Jahres an der von der Tutsi-Volksgruppe
dominierten Regierung beteiligt. Das Abkommen sieht unter anderem vor,
dass die Regierungsarmee allein für die Bekämpfung der FNL
zuständig ist und dass die FDD-Kämpfer kaserniert werden
sollen.
(Quelle: afp)
Stockholmer Konferenz fordert vorbeugende Schritte gegen Völkermord
Do.29.01.04 - Konkrete Schritte zur Verhinderung von Völkermord und Vertreibung
haben Delegierte aus 55 Ländern in Stockholm gefordert. Zum
Abschluss ihrer dreitägigen Konferenz gegen Völkermord
mahnten sie Früherkennungsmechanismen für drohende Massaker
an. Sie sprachen sich für eine umfassende Aufklärung der
Bevölkerung aus und stellten sich hinter den Vorschlag von
UN-Generalsekretär Kofi Annan, ein neues UN-Komitee gegen
Völkermord zu gründen und einen dem Weltsicherheitsrat direkt
unterstellten Sonderberichterstatter zu ernennen.
Keine Erwähnung in der nicht bindenden Abschlusserklärung
findet der Internationale Strafgerichtshof (IStGH), den die USA
ablehnen. Der Leiter der US-Delegation in Stockholm, Pierre-Richard
Prosper, betonte vor Journalisten, dies sei nicht auf Druck der USA
geschehen. Vielmehr sei es den Delegierten auf einen Konsens
angekommen, der mit einem Verweis auf den Gerichtshof nicht hätte
erzielt werden können. Die USA lehnen das UN-Gericht in Den Haag
strikt ab, weil sie befürchten, dass US-Soldaten aus politischen
Gründen angeklagt werden könnten.
Der schwedische Ministerpräsident Göran Persson zeigte sich
enttäuscht von der amerikanischen Haltung zum Internationalen
Strafgerichtshof. Er verwies auf die Erfolge der UN-Tribunale für
das frühere Jugoslawien und Ruanda und betonte, es gebe durchaus
Grund, eine dauerhafte und über diese Sonderfälle hinaus
gehende Einrichtung zu schaffen. «Ich finde es überraschend,
dass diese Meinung nicht von den USA geteilt wird», sagte er nach
Abschluss der Konferenz. Es sei aber unrealistisch anzunehmen,
«dass eine internationale Konferenz in Stockholm zu Beginn eines
Wahlkampfs plötzlich die Außenpolitik von
(US-Präsident) George Bush ändert».
Das Treffen war das vierte und letzte einer im Jahr 2000 gestarteten
Veranstaltungsreihe des Stockholmer Internationalen Forums. Die
Konferenzen begannen 2000 mit einem Gipfel zum Holocaust. 2001 wurde
über mögliche Wege aus der Intoleranz beraten, im Jahr darauf
diskutierten die Delegierten über Gerechtigkeit und
Versöhnung.
(Quelle: ap)
UN wirft reichen Ländern konfuse Haltung
zu Einwanderung vor
Do.29.01.04 - Die Vereinten Nationen haben den reichen Ländern Europas,
Nordamerikas und Asiens einen widersprüchlichen Umgang mit
Einwanderern vorgeworfen. Der Leiter der UN-Bevölkerungsabteilung,
Joseph Chamie, sagte am Mittwoch in New York, einerseits wünschten
wohlhabende Länder angesichts rückläufiger eigener
Bevölkerungszahlen Arbeitskräfte - möglichst gut
ausgebildet. Andererseits führten politische und wahltaktische
Überlegungen dazu, möglichen Einwanderern das Schild
«Draußen bleiben» entgegen zu halten.
Chamie sprach am Vorabend einer Rede von UN-Generalsekretär Kofi
Annan im Europaparlament, in der Annan die Europäer zur Aufnahme
von mehr Ausländern und zur Akzeptanz einer größeren
Vielfalt ihrer Bevölkerungsstruktur aufforderte. Chamie wies
darauf hin, dass in der EU die Bevölkerung im vergangenen Jahr nur
um 294.000 Menschen zugenommen habe - Indiens Bevölkerung wachse
in dieser Größe in nur sieben Tagen. 2004 seien in der EU
900.000 Einwanderer eingetroffen. In den USA würde die
Bevölkerungszahl ohne Einwanderung bei 300 Millionen stagnieren.
Einwanderer würden aber bis 2050 für eine Zunahme auf 400
Millionen sorgen. Nach Chamies Worten wird Einwanderung zu einer der
großen Herausforderungen, die die Menschheit in den kommenden
Jahrzehnten lösen müsse.
(Quelle: ap)
Annan: Europa braucht Einwanderer
Do.29.01.04 - Europa sollte sich nach Einschätzung von UN-Generalsekretär
Kofi Annan auf die Aufnahme von vielen Millionen Einwanderern
einstellen. "Die europäischen Gesellschaften brauchen
Einwanderer", erklärt Annan in einem Beitrag für die Pariser
Tageszeitung "Le Monde". Ohne Einwanderer werde die
Gesamtbevölkerung der erweiterten Europäischen Union von
heute 450 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 400 Millionen Einwohner
schrumpfen.
Dies könne zu einem Stillstand in der Wirtschaft führen,
führte Annan aus. In den kommenden Jahrzehnten sei die
Einwanderung daher eine "Herausforderung" für die Europäer.
"Es wäre eine Fehler, wenn die Europäer ihre Türen
verschlössen", erklärte Annan weiter. "Das würde nicht
nur ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage schaden, sondern auch dazu
führen, dass immer mehr Menschen versuchen, mit unerwünschten
Mitteln auf ihr Territorium zu gelangen." Als Beispiele nannte der
UN-Generalsekretär Schlepperbanden und überladene
Fähren, die übers Meer nach Europa vorzudringen versuchten.
Um die Einwanderung zu einem "Trumpf" zu machen, müssten
"einfallsreiche Strategien der Integration" gefunden werden, forderte
Annan. Wenn die Europäer es verstünden, die Einwanderung zu
lenken, werde der Kontinent dadurch "gerechter, reicher, stärker
und jünger".
(Quelle: afp)
Vom Nutzen der Migration
Ein Plädoyer für einen offenen Kontinent Europa von Kofi Annan in
der "tageszeitung" vom 29.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0213.nf/text
EU-Kommission treibt Zulassungverfahren von Genmais weiter voran
Do.29.01.04 - Die EU-Kommission hat am Mittwoch das Zulassungsverfahren für eine
genveränderte Maissorte weiter vorangebracht. Es handelt sich um
die Süßmaissorte Bt-11 von Syngenta, die als Dosenmais bei
uns in die Supermarktregale käme. Die Kommission brachte einen
entsprechenden offiziellen Vorschlag an die EU-Staaten auf den Weg. Das
verlautete aus der Behörde in Brüssel. Seit fünf Jahren
sind keine genveränderten Lebensmittel oder Pflanzen mehr in der
Europäischen Union zugelassen worden. Innerhalb der EU sind
genveränderte Lebensmittel und entsprechendes Saatgut heftig
umstritten. Er herrscht eine Pattsituation zwischen den
Mitgliedstaaten. Sollte es im Ministerrat binnen 90 Tage nicht zur
nötigen Mehrheit dafür oder dagegen reichen, kann die
Kommission die Entscheidung allein treffen und den Verkauf der
Maiskörner erlauben.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Kanadischer Farmer bietet Gentechnikkonzern die Stirn
Do.22.01.04 - Ein Prozess vor dem Obersten Gericht in Kanada um genmanipulierten Raps
zeigt, auf welche Probleme mittelfristig auch deutsche Landwirte nach
der geplanten Freigabe des Anbaus gentechnisch veränderter
Pflanzen stoßen könnten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012209
Die Uckermark bleibt sauber
Bauern im nördlichen Brandenburg schaffen per Selbstverpflichtung
die größte gentechnikfreie Region Deutschlands....
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/13/a0157.nf/text
Weitere Informationen zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209_i
Aventis-Aufsichtsrat lehnt Übernahmeangebot von Sanofi ab
Do.29.01.04 - Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis
hat das 48 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot des
französischen Konkurrenten Sanofi einstimmig abgelehnt. Das
meldete am Mittwochabend die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones
unter Berufung auf Mitglieder des Gremiums. Der Aufsichtsrat, der am
Abend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkam,
unterstützt damit die Haltung des Aventis-Vorstands in dem
Übernahmepoker.
Sanofi ist unterdessen offenbar nicht bereit, sein
Übernahmeangebot zu erhöhen. Sanofi-Chef Jean-François
Dehecq sagte dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe): «Das ist nicht
der Moment, um über Verhandlungen zu sprechen. Wir haben ein
offenes Angebot vorgelegt und haben darüber hinaus nichts zu
sagen.»
Befürchtungen, im Falle einer Fusion sei ein starker Personalabbau
in Deutschland zu erwarten, seien nicht zutreffend, sagte Dehecq
weiter. Wir brauchen eine starke Position in Deutschland»,
betonte der Sanofi-Chef. Auch der Forschungsstandort von Aventis in
Deutschland sei von großer Bedeutung, etwa im Bereich der
Diabetes-Forschung. Sanofi-Forschungschef Gerard Le Fur ergänzte:
«Das ist definitiv eine große Chance für Sanofi, ein
solches Zentrum zu haben.» Es sei keineswegs geplant,
Forschungsaktivitäten, etwa die Biotechforschung, aus Deutschland
abzuziehen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Milliardenpoker um Aventis
Pharmakonzern Sanofi will Aventis feindlich übernehmen - Bei einem
Zusammenschluss entstünde der weltweit drittgrösste
Pharmagigant +++ Clement schaltet sich in
Sanofi-Übernahmepläne ein +++ Aventis: Übernahme
würde Tausende Arbeitsplätze kosten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#04012808
Opfer der eigenen Strategie
... Es gehört zur Ironie der Pharma-Geschichte, dass mit Aventis
jetzt ein Unternehmen gefressen werden könnte, das sich selbst
eine Reihe von Übernahmen und Fusionen zugemutet hat, um genau
diesem Schicksal zu entgehen...(sz vom 27.01.04) Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_d
>Sichwort: Feindliche Übernahme
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_e
Mannesmann-Prozess: Esser erhebt schwere Vorwürfe gegen Ankläger
Der ehemalige Mannesmann-Konzernchef wirft der Staatsanwaltschaft
«schlimme Entgleisungen» eine «exzessive
Kampagne» gegen ihn vor +++ Esser verteidigt vor Gericht
die Millionen-Prämien, die er im Zusammenhang mit der
Übernahme des Unternehmens durch Vodafone bekommen hatte
Do.29.01.04 - Im Mannesmann-Prozess hat der ehemalige Konzernchef Klaus Esser schwere
Vorwürfe gegen die Ankläger erhoben und die
Millionen-Prämien gerechtfertigt. Die Staatsanwaltschaft betreibe
mit «schlimmen Entgleisungen» eine «exzessive
Kampagne» gegen ihn, sagte der wegen Beihilfe zur Untreue
angeklagte ehemalige Top-Manager vor dem Düsseldorfer Landgericht.
Esser stand nach seiner fast dreistündigen Stellungnahme als
einziger dem Gericht Rede und Antwort. Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann und die vier weiteren Angeklagten wollten keine Fragen
beantworten.
Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer rief Esser zur
Mäßigung auf, nachdem er den Ermittlern «plumpe
Tricks» und die «Verführung von Zeugen»
vorgeworfen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten schwere
Untreue oder Beihilfe dazu vor. Dabei geht es um Prämien in
Höhe von 57 Millionen Euro, die ehemalige Mannesmann-Manager im
Zusammenhang mit der Übernahme des Unternehmens durch Vodafone vor
vier Jahren erhalten hatten.
Esser hatte nach dem verlorenen Abwehrkampf mehr als 60 Millionen DM
(30 Mio Euro) an Abfindungen und Prämien bekommen. Die Höhe
seiner Anerkennungsprämie von 30 Millionen DM sei nur ein
Hundertstel der üblichen Erfolgsbeteiligung an der Wertsteigerung
von einem Prozent gewesen, rechtfertigte er die Zahlungen. Bei einem
Aktienoptionsprogramm hätte er ein Vielfaches der Summe erhalten,
Eine Ablehnung der Prämie durch den Aufsichtsrat wäre von den
Aktionären als Affront verstanden worden.
Er habe es allerdings für inakzeptabel gehalten, dass
Aufsichtsratschef Joachim Funk, der ebenfalls auf der Anklagebank
sitzt, über dessen eigene Prämie abgestimmt habe, räumte
Esser ein. Er habe deswegen um eine interne und externe
aktienrechtliche Prüfung gebeten. Danach sei entschieden worden,
dass über die Prämie für Funk erst nach dessen
Ausscheiden aus dem Kontrollgremium abgestimmt werden könne.
Diesem Verfahren hätten auch die Wirtschaftsprüfer zugestimmt.
«Die Staatsanwaltschaft hat ein Jahr lang für richtig
befunden, was sie nach einer Weisung von oben nun als Straftat
darzustellen versucht», sagte der Manager weiter und wies den
Vorwurf der Käuflichkeit als «ungeheuerlich»
zurück. «Es gab keinen gekauften Sinneswandel, es gab gar
keinen Sinneswandel», sagte Esser.
Canning Fok, der Vertreter des Hauptaktionärs Hutchison Whampoa,
habe ihm die Zahlung einer Anerkennungsprämie von rund 30
Millionen DM vorgeschlagen. «Ich habe Fok nicht um die
Prämie gebeten, sondern im Gegenteil Bedingungen für deren
Annahme gestellt», sagte Esser. «Hätte ich rechtliche
oder sonstige Zweifel gehabt, hätte ich den Bonus nicht
angenommen.»
Die Bedenken der Wirtschaftsprüfer der KPMG erklärte Esser
mit dem drohenden Verlust ihres Mandats durch die Übernahme. Es
habe eine «gewisse Nervosität» gegeben und die Angst,
neue Prüfer deckten die Schwächen der alten auf. «Die
Prämien wären der Anlass für ein typisches
Scharmützel zwischen den Prüfern gewesen», sagte Esser.
Der Medienexperte und Kommunikationsberater Michael Spreng riet
Deutsche-Bank-Chef Ackermann unterdessen zu mehr Demut. «Er hat
sich und der Bank sehr geschadet. Vor Gericht ist eine ruhige,
sachliche Handlung angemessen, überzogene Emotionen sind fehl am
Platz», sagte er der Wochenzeitung «Die Zeit». Ein
Angeklagter, der scherzt und lacht, erwecke den Eindruck, dass er den
Prozess nicht sonderlich ernst nehme. Der Prozess soll an diesem
Donnerstag mit dem Beginn der Beweisaufnahme und ersten
Zeugenvernehmungen fortgesetzt werden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Fresssen oder gefressen werden
Die Vodafone-Mannesmann-Fusion
Größte Wirtschaftstransaktion der Geschichte
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/feindl01.htm
Landgericht ließ Anklage in Mannesmann-Affäre zu
Sa.20.09.03 - Vorstandschef der deutschen Bank muss vor Gericht... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309200.htm#03092008
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309240.htm#03092408
Mannesmann-Prozess beginnt mit Antrag gegen das Gericht
Do.22.01.04 - Im holzgetäfelten Gerichtssaal gaben sich die Angeklagten
demonstrativ gelassen +++ Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann scheitern mit dem
Versuch, den spektakulären Prozess um die
millionenschweren Abfindungen bei der Mannesmann-Übernahme bereits
am ersten Tag platzen zu lassen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012219
Mannesmannprozess: Ackermann und Esser attackieren die
Staatsanwaltschaft
Fr.23.01.04 - «Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten
lassen», verteidigte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die
umstrittenen Millionenprämien +++ Ex-Mannesmann-Chef Esser wirft
der Anklagebehörde «üble Nachrede» vor +++
Staatsanwaltschaft wirft Ackermann, Esser und dem ehemaligen IG-Metall-Chef
Zwickel Untreue oder Beihilfe dazu vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401230.htm#04012316
Ein weiterer Bericht mit zahlreichen Links zum Thema bei heise-online (22.01.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-22.01.04-006/
Harsche Kritik an Angeklagten im Mannesmann-Prozess
Fr.23.01.04 - Die Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderer
Topmanager im Mannesmann-Prozess sind bei SPD und beim
Arbeitnehmerflügel der Union auf scharfe Kritik gestoßen.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sprach am Donnerstag in Berlin von
"unglaublicher Arroganz" und dem "Zynismus hoch dotierter Manager".
CDA-Chef Hermann-Josef Arentz kritisierte im Zusammenhang mit dem
Prozess die erschütternde "Raffgier" einzelner Manager...
...Scharfe Kritik kommt auch von dem katholischen Sozialethiker Friedhelm
Hengsbach. "Ich habe den Eindruck, der Mann ist entweder dumm oder
stillos oder beides", kommentierte der Leiter des Frankfurter "Oswald
von Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und
Gesellschaftsethik" die Äußerungen Josef Ackermanns vor
Gericht. Er halte es für "nicht gerechtfertigt, dass ein
Konzernchef das Zehntausendfache einer Lackiererin in einer
Montagehalle verdient", sagte Hengsbach, der sich von dem Prozess
Aufschluss über die "Verfilzung" und "Vetternwirtschaft" in den
deutschen Chefetagen erhofft." Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401230.htm#04012315
Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie
Do.29.01.04 - Mit Ablauf der Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie ist
es am frühen Donnerstagmorgen zu ersten Warnstreiks gekommen. Bei
DaimlerChrysler in Sindelfingen legten um 00.30 Uhr rund 1.000
Beschäftigte der Nachtschicht für eine Stunde ihre Arbeit
nieder, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte. Auch in Bayern,
Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Berlin und Thüringen
sollten erste Protestaktionen stattfinden.
Die Gewerkschaft will mit den Warnstreiks von den Arbeitgebern die
Vorlage eines höheren Angebots durchsetzen. Das erste Angebot
für die 3,5 Millionen Beschäftigten umfasst neben einer
zweistufigen Lohn- und Gehaltserhöhung um jeweils 1,2 Prozent die
Forderung nach Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu fünf
Stunden bei vollem, teilweisem oder ohne Lohnausgleich, die die
Betriebsparteien vor Ort vereinbaren sollen. Die Gewerkschaft fordert
vier Prozent mehr Geld.
In Bayern waren unter anderem Protestaktionen bei Osram in Augsburg und
bei Epcos und Infineon in München geplant. Und in Berlin
kündigte die Gewerkschaft einen Warnstreik bei DaimlerChrysler an.
In Thüringen hat die IG Metall die Beschäftigten der Alcatel
SEL und der «Entwicklungs- & Produktionszentrum GmbH»
Donnerstagmorgen zum Warnstreik aufgerufen. Da die
Arbeitgeberverbände statt eines verhandelbaren Angebotes bisher
nur «unverschämte Forderungen nach
Arbeitszeitverlängerung - natürlich ohne Bezahlung» -
vorgelegt hätten, seien Warnstreiks erforderlich, sagte der Erste
Bevollmächtigte der IG Metall Erfurt, Gerd Brücker.
Nach Angaben der IG-Metall-Bezirksleitung in Hannover sollten
unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht in Niedersachsen in vier
größeren Betrieben in Hannover (VB Autobatterie), Gifhorn
(Conti-Tewes), Salzgitter (BoschElektronik) und Bramsche bei
Osnabrück (Lacroix+Kress) Warnstreiks beginnen.
(Quelle: ap)
Streit um Arbeitszeit beherrscht Tarifrunde 2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
Stichwort: 35-Stunden-Woche
Der Kampf um die 35-Stunden-Woche in der westdeutschen
Metallindustrie vor fast 20 Jahren gehört zu den härtesten
Tarifauseinandersetzungen, die die IG Metall jemals geführt hat... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304260.htm#030426_c
Stichwort: Streikrecht
Das Streikrecht ist durch Artikel 9 Absatz 3 des
Grundgesetzes verfassungsrechtlich geschützt. Als Druckmittel in Tarifkonflikten
sichert es die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaften... Mehr unter:
http://home.t-onine.de/home/boa-archiv/k0304260.htm#030426_d
Stichwort: Tarifautonomie
Die Tarifautonomie leitet sich ab aus dem Grundgesetz und dem
Tarifvertragsgesetz. Dort wird Gewerkschaften und Arbeitgebern
zugesprochen, die Arbeits- und Einkommensbedingungen ohne staatliche
oder sonstige Eingriffe in freien Tarifverhandlungen kollektiv
festzulegen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128ta
Wirtschaftsweiser Kromphardt: Lohnzurückhaltung wäre falsch
Mo.17.11.03 - ... "Eine Vereinbarung von knapp unter drei Prozent mehr Lohn in der
Metall- und Elektroindustrie würden von der Kostenseite her keine Probleme bereiten."...
Lohnzurückhaltung sei falsch, weil dadurch die Nachfrage negativ beeinflusst würde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311170.htm#03111713
Wirtschaftsweiser für mehr als zwei Prozent in Metall-Tarifrunde
und gegen längere Arbeitszeiten
Mi.07.01.04 - Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt hält einen
Tarifabschluss in der deutschen Metall- und Elektroindustrie oberhalb
von zwei Prozent für vertretbar...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401070.htm#04010721
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen um 130 Prozent...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128xx
Knapp 95 Prozent der Tageszeitungsredakteure für Streik
Do.29.01.04 - Knapp 95 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Redakteure an
Tageszeitungen haben sich in einer Urabstimmung für Streik
ausgesprochen. Das teilten die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und
der Deutsche Journalistenverband (DJV) am Mittwoch in Berlin mit. Der
Urabstimmung waren mehrere ergebnislose Tarifrunden mit dem
Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) vorausgegangen. Die
Redakteure wehren sich vor allem gegen die Absicht der Arbeitgeber, das
Urlaubsgeld zu kürzen und die Arbeitszeit zu verlängern.
DJV und ver.di sprachen von einem hervorragenden Abstimmungsergebnis
und einem «deutlichen Zeichen, dass die Redakteure eine
nachhaltige Verschlechterung des Tarifniveaus nicht hinnehmen
werden». Die Gewerkschaften forderten die Verleger auf, ihre
Position zu überdenken und an den Verhandlungstisch
zurückzukehren. Um einen Streik zu legitimieren, muss es beim DJV
in der Urabstimmung zwei Drittel Ja-Stimmen geben, bei ver.di liegt die
Hürde bei 75 Prozent.
(Quelle: ap)
Deutschlands Verleger billigen den Clement-Entwurf zum neuen
Pressefusionsrecht. Damit wird sich die Konzentration auf dem
Zeitungsmarkt deutlich beschleunigen
Nach dem Clement-Entwurf könnten Verlage künftig ohne
Beschränkung Titel zukaufen, auch wenn sie damit eine
marktbeherrschende Stellung erlangen. Genau dies soll das bisher
gültige Pressefusionsrecht eigentlich verhindern...
Mehr in der "tageszeitung" vom 29.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0250.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0244.nf/text
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Steuereinnahmen offenbar höher als erwartet
Do.29.01.04 - Bund, Länder und Gemeinden haben nach einem Zeitungsbericht 2003
mehr Steuern eingenommen als erwartet.
Ohne die reinen Gemeindesteuern hätten die Einnahmen mit 441,79
Milliarden Euro um 194 Millionen Euro über dem Ergebnis der
letzten Steuerschätzung vom November 2003 gelegen, berichtete die
"Financial Times Deutschland" am (heutigen) Donnerstag unter Berufung
auf den noch nicht veröffentlichten Monatsbericht des
Bundesfinanzministeriums. Eine Bestätigung war zunächst nicht
zu erhalten. Dem "FTD"-Bericht zufolge stiegen insbesondere die
Einnahmen aus der Körperschaftssteuer, die 2003 um eine Milliarde
Euro über der Prognose der Steuerschätzer von 7,26 Milliarden
Euro gelegen hätten. Nach den vorläufigen Daten des
Finanzministeriums hätten die Steuereinnahmen damit fast genau die
Höhe des Vorjahres erreicht.
Stabilisiert worden seien die Einnahmen vor allem durch die neuen
Regelungen für die Besteuerung der großen
Kapitalgesellschaften, hieß es weiter. Sie könnten unter
anderem Steuerguthaben aus früheren, damals höher besteuerten
Gewinnen nicht mehr unbegrenzt geltend machen. Dem Bericht zufolge
hätten die Einnahmen des Bundes um 29 Millionen Euro über dem
geschätzten Ergebnis von 191,9 Milliarden Euro gelegen. Die
Länder hätten 229 Millionen Euro mehr als die erwarteten
177,3 Milliarden Euro erzielt. Im Dezember seien die Steuereinnahmen
allerdings gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent
zurückgegangen. Die Lohnsteuereinnahmen seien um 2,8 Prozent, die
veranlagte Einkommenssteuer um 1,6 Prozent zurückgegangen. Auch
die Mehrwertsteuereinnahmen seien um 2,6 Prozent gefallen. Die
Körperschaftssteuereinnahmen seien dagegen um 3,8 Prozent
gestiegen.
(Quelle: rtr)
Kanzler Schröder stoppt Reform der Pflegeversicherung
Offenbar vor dem Hintergrund anhaltend schlechter Umfrage-Ergebnisse
für die SPD hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die
geplante Reform der Pflegeversicherung gestoppt. Bei den Grünen
stieß er damit auf offenen Widerspruch
Do.29.01.04 - Regierungssprecher Bela Anda sagte am Mittwoch in Berlin, Schröder
und Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hätten am Dienstag
gemeinsam beschlossen, auf eine große Reform in diesem Bereich
zum jetzigen Zeitpunkt zu verzichten. In der SPD-Fraktion hatte
Schröder dies damit begründet, dass die Bürger derzeit
nicht weiter belastet werden dürften. Die
Grünen-Gesundheitsexpertin Birgitt Bender sprach von einem
einsamen Beschluss des Kanzlers. Auch in der SPD-Fraktion zeigte man
sich überrascht. Das Sozialministerium kündigte an, in diesem
Jahr zumindest die vom Bundesverfassungsgericht geforderte
Besserstellung von Eltern in der Pflegeversicherung umzusetzen. Die
Union sprach von einer Niederlage für Ministerin Schmidt. Die FDP
begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung.
Schmidt hatte noch Ende Dezember erklärt, die Reform der
Pflegeversicherung sei notwendig, um die ambulante Pflege besser
fördern zu können. Mit einem Zusatzbeitrag der Kinderlosen
von 2,50 Euro pro Monat könne bis zum Jahr 2015 der geltende
Beitragssatz für die Pflegeversicherung von 1,7 Prozent garantiert
werden. Diesen Zusatzbeitrag soll es nach SPD-Angaben nun zunächst
nicht geben. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte, in diesem Jahr
werde die Entlastung von Eltern umgesetzt. Dies kann nach
Einschätzung von Gesundheitsexperten der Koalition bedeuten, dass
die Beitragsbemessungsgrundlage für diese Gruppe heruntergesetzt
wird. Der Ministeriumssprecher sagte, den Zeitpunkt für eine
weitere umfassende Pflegereform könne er nicht nennen.
Er begründete den kurzfristigen Sinneswandel bei der Pflegereform
mit einem Lernprozess der vergangenen Wochen. Es gehe darum, den
Reformprozess zu entzerren. Bereits die bisherigen Reformen seien eine
gewaltige Herausforderung für die Politik. Regierungssprecher Anda
sagte, mit der Entscheidung reagiere die Bundesregierung nicht auf
schlechte Umfragewerte.
Schröder hatte am Dienstag in der SPD-Fraktionssitzung Teilnehmern
zufolge gesagt, es dürfe nun keine zusätzlichen Belastungen
der Bürger mehr geben. Der parlamentarische
Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt, sagte,
unabhängig von der Pflegeversicherung sei die Grenze der
Zumutbarkeit von Reformen bei den Bürgern nahezu erreicht.
Nötig sei jetzt eine "Phase des Umsetzens und des
Verständnisses". Schmidt wies in diesem Zusammenhang auch auf die
weiterhin niedrigen Umfragewerte der SPD hin. Die SPD-Abgeordneten
hätten in ihren Wahlkreisen schwierige Zeiten zu bestehen: "Es ist
einfach heftig."
In der jüngsten Forsa-Umfrage war die SPD in der so genannten
Sonntagsfrage auf 24 Prozent abgesackt. Dies ist nach Angaben der
Meinungsforscher der schlechteste Wert, der für die SPD unter
Kanzler und Parteichef Schröder je gemessen wurde.
In der SPD-Fraktion wurde die Entscheidung der Regierung mit
Überraschung aufgenommen. Eine für Mittwochabend geplante
Informationsveranstaltung der Fraktion über die Pflegeversicherung
wurde kurzfristig abgesagt.
Die Grünen-Gesundheitsexpertin Bender sagte Reuters, es handele
sich um eine Entscheidung Schröders. "Das hat mit
Überlegungen zum Wahljahr zu tun." Die Grünen seien von der
Entscheidung völlig überrascht worden. Wenn nun auf eine
Belastung von Kinderlosen verzichtet würde, müsse die
geplante Entlastung von Eltern möglicherweise über die
Reserven der Pflegekassen finanziert werden. Damit werde die Finanzlage
der Pflegeversicherung noch schwieriger. Noch in dieser Wahlperiode
müsse deshalb eine umfassende Pflegereform umgesetzt werden.
Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschefin Krista
Sager in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die 1995
eingeführte Pflegeversicherung hatte im Jahr 2002 ein Defizit von
400 Millionen Euro verzeichnet.
(Quelle: rtr)
Gesundheitsreform verdarb Deutschen die Kauflaune
Die Verwirrung bei der Umsetzung der Gesundheitsreform hat den
Deutschen nach Einschätzung der Gesellschaft für
Konsumforschung (GfK) zum Jahresbeginn die Kauflaune verhagelt.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von einer gewissen
Konsumzurückhaltung, forderte die Öffentlichkeit aber dazu
auf, angesichts besserer Wachstumserwartungen mit dem Jammern
aufzuhören
Do.29.01.04 - Wegen der schlechteren Verbraucherstimmung sei der
GfK-Konsumklimaindikator für Februar auf 5,0 von 5,3 Zählern
gefallen, teilte die GfK am Mittwoch mit. Damit sank der Indikator
erstmals seit April 2003. In der Januar-Umfrage hätten sich die
Befragten zu ihren zukünftigen Einkommen und zur Konjunktur
merklich pessimistischer geäußert. Ihre Neigung zum Kauf
langlebiger Produkte stürzte auf den niedrigsten Stand seit
über einem Jahr ab. Schröder appellierte auch an die Medien,
für eine bessere Stimmung in Deutschland zu sorgen.
GfK-Experte Rolf Bürkl sagte, der Indikator spiegele die
Verwirrung der Konsumenten mit Blick auf ihre finanziellen Aussichten
wider. Auf der einen Seite trage die Diskussion über die
Praxisgebühr nicht zur Vertrauensbildung bei. Andererseits
könnten die Menschen nicht abschätzen, wie weit sie von den
Steuerentlastungen profitierten. Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal.
Oppenheim, sagte: "Man sieht, dass die Leute verunsichert sind und
nicht mehr wissen, was auf sie zukommt." Die Einkommenserwartungen
schwächten sich entsprechend ab: Der Indikator sank auf minus 14,5
von minus 8,2 Punkten.
Die Kauflaune litt der GfK zufolge besonders stark unter der Debatte um
die Gesundheitsreform. Die Anschaffungsneigung brach mit minus 41,7
nach minus 32,2 Punkten auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2002
ein. Schröder sagte in Magdeburg: "Es gibt noch eine gewisse
Konsumzurückhaltung, aber die löst sich auf." Wichtig sei,
dass jetzt das Jammern aufhöre.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) räumte bei der
Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichtes ein, dass Reformen auch
Umverteilung bedeuteten. Die Steuerentlastungen der Bürger seien
aber deutlich stärker als die Belastungen etwa durch die
Gesundheitsreform. "Da ist eine Wahrnehmung, die hoffentlich bald
wieder ins Lot kommt", sagte der Minister.
Die GfK wie auch Ökonomen betonten, dass der private Konsum - auf
den etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen - erst
mit einer spürbar besseren Lage am Arbeitsmarkt wieder
stärker anziehen werde. GfK-Vorstandsvorsitzender Klaus
Wübbenhorst sagte der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe),
die Bundesregierung müsse den Verbrauchern endlich eine klare
ökonomische Perspektive geben. GfK-Berechnungen zufolge werde der
private Konsum dieses Jahr bestenfalls um 0,5 Prozent zunehmen und
keinen entscheidenden Wachstumsbeitrag leisten.
Selbst beim Blick auf die Konjunktur wuchs bei den Bürgern der
Pessimismus. Die Konjunkturerwartungen gaben gut vier Punkte auf minus
5,8 Zähler nach. "Damit zeigen sich die Verbraucher hinsichtlich
der weiteren konjunkturellen Entwicklung zurzeit weniger optimistisch
als die Unternehmen, wie der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas
beweist", sagte Bürkl. Der Ifo-Index war im Januar
überraschend deutlich auf 97,4 Zähler gestiegen.
Gerd Haßel von der ING BHF Bank sah in der Konjunkturskepsis der
Bürger auch eine Folge der Diskussionen um den starken Euro: "Die
Bundesbürger wissen ja auch, wie wichtig der Export für unser
Land ist." Die Sorgen seien aber überzogen, der weltweite
Aufschwung werde die Aufwertung mehr als ausgleichen. Da zudem die
Reaktion auf die Gesundheitsreform wohl etwas zu heftig ausgefallen
sei, werde sich das Konsumklima wohl wieder aufhellen. "Im Februar
könnte das alles schon wieder anders aussehen", sagte Haßel.
Ökonomen gehen wie die Bundesregierung davon aus, dass die
deutsche Wirtschaft nach dem leichten Rückgang des BIP 2003 im
laufenden Jahr wieder zwischen 1,5 und 2,0 Prozent wachsen kann. Vor
allem das dynamische US-Wachstum gilt dabei als treibende Kraft. In den
USA zeigten sich die Verbraucher zuletzt so optimistisch wie seit Mitte
2002 nicht mehr.
(Quelle: rtr)
VDR-Chef Ruland warnt vor drastischer Rentensenkung
Do.29.01.04 - Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher
Rentenversicherungsträger (VDR), Franz Ruland, hat vor einer
drastischen Senkung des Rentenniveaus gewarnt. Sollte - wie derzeit in
der Diskussion - die so genannte Sicherungsklausel bei der
Rentenzahlung gestrichen werden, «könnte das Niveau der
Standard-Rente von heute rund 70 auf unter 53 Prozent des Nettolohns
sinken», sagte Ruland der «Bild»-Zeitung
(Donnerstagausgabe).
Die bisherige Klausel im Rentengesetzbuch, nach der das Niveau der
Altersgelder nicht unter 67 Prozent der Nettolöhne sinken darf,
soll nach Vorstellung der Bundesregierung gestrichen werden, wie das
Blatt berichtet. Diese Änderung sei im Gesetzentwurf zur
Rentensteuer versteckt, die 2005 in Kraft treten soll.
(Quelle: ap)
Studie zum Grundschulwissen deutscher Viertklässler im
internationalen Vergleich
Soziale Herkunft entscheidet schon in Grundschule über Leistungen
+++ Beste Noten für Viertklässler aus Baden-Württemberg
und Bayern +++ Mehr als ein Drittel der Viertklässler kann nicht
richtig lesen
Do.29.01.04 - Wie gut Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen können, hängt in
Deutschland schon in der Grundschule vom sozialen Status der Eltern ab.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Grundschulwissen deutscher
Viertklässler im internationalen Vergleich, die am Mittwoch in
Berlin vorgestellt wurde. Danach können mehr als ein Drittel der
Schüler am Ende der vierten Klasse nicht richtig lesen. Bei den
Bundesländern führte der Süden - Baden-Württemberg
und Bayern - die Leistungstabelle an.
Ebenso wie die bahnbrechende PISA-Studie zeige auch der
Grundschulvergleich, dass nirgendwo auf der Welt die soziale Herkunft
der Schüler so über Leistungen und Bildungsabschluss
entscheide wie hier zu Lande, erklärte Wilfried Bos, der die
«Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung» (IGLU)
für Deutschland leitete. «Das Problem gilt für alle
Bundesländer.» Die Schule gleiche die unterschiedlichen
Startchancen der Jungen und Mädchen durch das Elternhaus nicht aus.
«Der Sohn eines Chefarztes hat auch bei mittlerer Leistung eine
viel höhere Chance auf das Gymnasium zu kommen, die Tochter einer
türkischen Putzfrau hat es auch bei sehr guter Leistung
schwer», betonte der Erziehungswissenschaftler. Auch
Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) sagte:
«Wir haben ein großes Gerechtigkeitsproblem bei Noten und
Schulempfehlung.»
Beim Lese-Spitzenreiter Baden-Württemberg haben Kinder aus
höheren sozialen Schichten gegenüber Kindern aus
Arbeiterfamilien sechsfach höhere Chancen, eine
Gymnasialempfehlung zu erhalten. Auch in anderen Bundesländern
beeinflusst die soziale Herkunft die Schullaufbahn. Die Empfehlung werde
keinesfalls ausschließlich nach Leistung vergeben, betonte auch
Bos.
Im Ländervergleich hatten die Viertklässler in
Baden-Württemberg, Bayern und Hessen beim Lesen die Nase vorn,
während Brandenburg und Bremen die Schlusslichter der Republik
waren. Ein ganzes Schuljahr seien die Viertklässler aus dem
«Musterländle» Baden-Württemberg ihren Bremer
Kollegen im Lesen voraus, sagte Bildungsforscher Bos. International
belegten Schüler in Baden-Württemberg beim Lesen Platz 5
hinter Schweden, den Niederlanden, England und Bulgarien. Hingegen
erreichten Viertklässler aus Bremen nur Platz 23.
Mehr als ein Drittel der deutschen Viertklässler kann der Studie
zufolge nicht richtig lesen und schreiben. Am Ende der vierten Klasse
hätten 38 Prozent der getesteten Grundschüler eine
Lesefähigkeit, die es ihnen nicht ermögliche, den Sinn kurzer
Texte zu erschließen, sagte Bos. Es sei ein ernstes Problem, dass
auf die weiterführenden Schulen ein großer Teil von
Schülern komme, die nicht gut genug Lesen und Schreiben
könnten. In der fünften und sechsten Klasse sei
Leseförderung nicht mehr vorgesehen.
(Quellen: ap, dpa)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16644/1.html
http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/IGLU/home.htm
Studentenprotest gegen Sparpläne in Magdeburg
Do.29.01.04 - Unter dem Motto «Der Letzte macht das Licht aus» haben am
Mittwoch in Magdeburg rund 2.000 Studenten gegen die Sparpläne der
Landesregierung im Hochschulbereich protestiert. Sie zogen vom Bahnhof
durch die Innenstadt zum Domplatz vor das Landtagsgebäude, in dem
der Bildungsausschuss des Landesparlaments von Sachsen-Anhalt gerade
eine Anhörung abhielt.
Thema war das geplante Hochschulstrukturgesetz, das dem
Kultusministerium das Recht einräumen soll, einseitig per
Verordnung Studiengänge zu verlagern oder aufzulösen. Die
Hochschulen müssen ab 2003 mit bis zu zehn Prozent weniger Geld
auskommen. Zudem sollen Studiengebühren für Langzeitstudenten
eingeführt werden.
Auf dem Domplatz präsentierten die Studenten der einzelnen
Hochschulen mit einer «Bildungsmesse» die Fachbereiche, die
von Schließung beziehungsweise Verlegung bedroht sind. Das
geplante Gesetz bedeute eine Abschaffung der Hochschulautonomie,
kritisierten die Studenten. Die Mitbestimmung der Hochschulen und der
Studenten würden eliminiert, hieß es in einer
Erklärung. In den Augen der Landesregierung seien Studierende nur
noch ein lästiger Kostenfaktor, der minimiert werden müsse.
Was bleibe, könne nicht mehr als Nährboden für die
blühenden Landschaften dienen, geschweige denn als
Hoffnungsschimmer.
(Quelle: ap)
Maut-Einführung auf 2005 verschoben
Einnahmeausfall für den Bund von rund 2,2 Milliarden im Jahr 2004
+++ Verkehrsminister Stolpe und Finanzminister Eichel
müssen nun sehen, wie sie den Einnahmeausfall
haushaltsmäßig verbuchen, ohne sämtliche
Verkehrsinvestitionen zum Stillstand und damit die Bauindustrie an den
Rand des Ruins zu bringen
+++ Auch bei Toll Collect bislang Verluste in dreistelliger
Millionenhöhe durch die Mautpannen
Do.29.01.04 - Die seit August mehrfach verschobene Einführung einer Lkw-Maut auf
deutschen Autobahnen ist jetzt auch 2004 nicht mehr zu erwarten. Das
neue Angebot des Betreiberkonsortiums Toll Collect sieht einen
zweistufigen Systemstart jeweils zu Beginn 2005 und 2006 mit
höheren Vertragsstrafen bei neuer Terminüberschreitung als
bisher vor.
Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) unterrichtete am Mittwoch die
Bundestagsausschüsse für Verkehr und Haushalt. Danach haben
die Toll Collect-Gesellschafter DaimlerChrysler und Deutsche
Telekom kurzfristig nicht mit einer Vertragskündigung zu
rechnen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte den neuen
Zeitplan. Eine solche Stufenlösung sei vertretbar, sagte
Schröder in Magdeburg. Es mache Sinn, mit einer ersten Version
anzufangen. «Ich gehe davon aus, dass die Diskussion jetzt
beendet ist.» Erst kürzlich hatte er den Konzernchefs bis
Samstag dieser Woche ein Ultimatum gestellt. Sie sollten realistische
Termine nennen und sich nicht der Haftung für die
Mautausfälle entziehen. «Sonst wird die Zusammenarbeit
beendet.»
:«Deutschland muss das jetzt in Gang setzen. Das sind wir unserem
Ruf als innovatives Technologieland schuldig.», sagte
Schröderbei einer High-Tech-Besichtigung in Magdeburg. Im
politischen Berlin traute sich am Mittwoch niemand, im Zusammenhang mit
der Maut noch innovative Technologie zu bemühen.
Verkehrsminister Manfred Stolpe und Finanzminister Hans Eichel
müssen nun sehen, wie sie den Einnahmeausfall von einigen hundert
Millionen Euro 2003 und 2,2 Milliarden Euro für 2004
haushaltsmäßig verbuchen, ohne sämtliche
Verkehrsinvestitionen zum Stillstand und damit die Bauindustrie an den
Rand des Ruins zu bringen. Stolpe erklärte, das werde nach der
endgültigen Abstimmung über den Haushalt 2004 geklärt,
die für den 13. Februar angesetzt ist. Die Opposition dagegen
verlangte eine Klärung vor diesem Termin oder einen
Nachtragshaushalt - mit Neuverschuldung. Einen
«Schattenhaushalt» mit einer Fonds-Lösung oder
ähnlichem werde die Opposition jedenfalls nicht zulassen,
erklärte Dirk Fischer für die CDU.
Stolpe hat also in den nächsten Wochen einiges zu verhandeln.
Parallel zu der Haushaltsfrage muss er mit Toll Collect die kleinen
Fallstricke in den neuen Vorschlägen klären. Dazu gehört
etwa die Frage, wer zur Kasse gebeten wird, wenn 120.000 bereits
eingebaute Erfassungsgeräte in den Lkws in stundenlanger
Werkstattarbeit ausgetauscht werden müssen. Oder die Frage, ob
beim Übergang von «Maut light» zu «Maut
full» wieder Eingriffe ins Lkw-Cockpit nötig sind oder ob
einfach eine neue Software aufgespielt werden kann.
Weiter fragt sich, ob bis zum Beginn von «Maut light» die
jetzt geforderten 500.000 bis 700.000 Erfassungsgeräte
überhaupt zur Verfügung gestellt werden können. Wer
haftet - und in welcher Höhe - über die Vertragsstrafe
hinaus, wenn schon «Maut light» nicht funktioniert? Fragen,
die schon vor knapp einem Jahr ungelöst blieben, nur mit anderen
Zahlen.
Stolpe ließ auch durchblicken, wie er sich ärgerte, dass die
Toll-Collect-Mütter DaimlerChrysler und Telekom nach all dem
Gezerre um die Maut und ihrem eigenen Versagen nicht
großzügiger bei den Zugeständnissen für den Fall
waren, dass sie auch die neuerlichen Termine reißen. Die Option,
die Verträge zu kündigen, sei noch nicht vom Tisch, sagte der
Minister. Und Alternativvorschläge würden weiter geprüft.
Aber was immer die Alternativen sein mögen, sie kommen den Bund
nach Ansicht von Experten noch teurer als das Beibehalten der
Verträge mit Toll Collect. Den Vertretern der öffentlichen
Hand blieb am Mittwoch nur ein schwacher Trost: Auch Toll Collect hat
bislang Verluste in dreistelliger Millionenhöhe durch die
Mautpannen. Telekom wie Daimler haben in Technik und Arbeitsplätze
investiert, für die bisher keine Kompensation aus Berlin geflossen
ist. Das dürfte den Verhandlungsspielraum der Konzerne aber auch
nicht vergrößern. Nur die Spediteure haben nun die Aussicht
auf ein weiteres maut- und vignettenfreies Jahr.
(Quellen: dpa, ap)
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