Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundsiebzehnten Tag nach Kriegsbeginn
US-Sicherheitsberaterin Rice: Bush hatte 'keine andere Wahl' als Krieg
gegen Irak +++ Elf Verletzte bei Bombenanschlag in Irak +++
El-Kaida-Netzwerk will nach US-Angaben Position in Irak ausbauen +++
Irakischer Regierungsrat hält an Wahltermin 2005 fest
Fr.30.01.04 - US-Präsident George W. Bush hat nach Ansicht seiner
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice "keine andere Wahl" gehabt, als
gegen Irak Krieg zu führen. Der ehemalige irakische Staatschef
Saddam Hussein sei "ein sehr gefährlicher Mann in einem sehr
gefährlichen Teil der Welt" gewesen, verteidigte Rice den
US-geführten Feldzug in einem Gespräch mit dem
US-Fernsehsender CBS am Donnerstag. Bush habe deshalb keine andere Wahl
gehabt, als sich mit dieser Bedrohung "zu befassen." "Wir hatten es mit
jemandem zu tun, der Massenvernichtungswaffen hatte, seine Nachbarn
zweimal angegriffen hatte, Terroristen in seinem Land zuließ und
Terroristen im Ausland finanziell unterstützte." In einem
Gespräch mit dem US-Fernsehsender NBC sagte Rice, Saddam Hussein
sei seit langem als Gefahr betrachtet worden - "und es war an der Zeit,
sich um diese Gefahr zu kümmern".
In Irak reisst derweil die Serie blutiger Bombenattentate nicht ab. Bei
einem Sprengstoffanschlag in Zentralirak sind am Donnerstag elf Menschen
verletzt worden. Die Bombe war in der Nähe eines Stadions in der
Stadt Bakuba versteckt, wie die Polizei mitteilte. Sie sei im
morgendlichen Berufsverkehr gezündet worden. Bei den Verletzten
handelte es sich um Mitarbeiter des Zivilschutzes und um Passanten.
Ein Sprecher der Zivilverteidigung, Sabri Salar Hussein, machte
für den Anschlag Anhänger des gestürzten Regimes und
ausländische Terroristen verantwortlich. Die Sicherheitskräfte
würden sich davon jedoch nicht abschrecken lassen. Einer der
Verletzten erklärte, die Bombe sei in einem verlassenen Wagen am
Straßenrand versteckt gewesen. "Als wir uns dem Wagen
genähert haben, ist es zu der Explosion gekommen. Wir konnten nur
noch Rauch sehen", sagte Junis Ali.
In Jordanien schlossen am Donnerstag die ersten Rekruten der irakischen
Polizei ihre dortige Ausbildung ab. Die 466 Polizisten feierten ihren
Abschluss in der Ortschaft El Muwakkar, 35 Kilometer östlich der
Hauptstadt Amman in einer einstündigen Zeremonie, an der auch der
irakische Innenminister Nuri Badran teilnahm. Insgesamt sollen 32.000
irakische Polizisten die achtwöchige Ausbildung durchlaufen.
Das El-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden will nach US-Angaben seine
Position in Irak offenbar weiter ausbauen. Die Festnahme des
hochrangigen pakistanischen El-Kaida-Anführers Hasan Guhl in der
vergangenen Woche deute darauf hin, dass die Organisation bereits seit
mindestens drei Monaten eine feste Basis in Irak habe, sagte der
Kommandeur der US-Bodentruppen in Irak, General Ricardo Sanchez, am
Donnerstag in Bagdad. Es lägen weiterhin Hinweise darauf vor, dass
El-Kaida-Kämpfer in Irak "auf taktischer Ebene" mit den
verbliebenen Widerstandskämpfern der früheren
Baath-Einheitspartei zusammenarbeiteten.
Ghul wurde von kurdischen Sicherheitskräften in Nordirak
festgenommen, wie die USA am Wochenende mitgeteilt hatten. Er gilt als
ranghoher Vermittler der El Kaida mit direkten Kontakten zu Chalid
Scheich Mohammed, einem der mutmaßlichen Drahtzieher der
Anschläge vom 11. September 2001. Mohammed war bereits im März
vergangenen Jahres in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt
Islamabad festgenommen worden.
Im Streit um den Zeitplan für den Machttransfer in Irak will der
irakische Regierungsrat weiter an dem zweistufigen Wahlmodell für
kommendes Jahr festhalten. Zunächst müssten im März 2005
die Mitglieder der Verfassungsversammlung in einer Direktwahl bestimmt
werden, sagte der irakische Außenminister Hoschjar Sebari am
Donnerstag bei einem Vortrag vor einer Nicht-Regierungsorganisation in
der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Dieses Gremium werde die
künftige Verfassung Iraks entwerfen. Anschließend solle Ende
2005 die künftige irakische Regierung gewählt werden, sagte
Sebari.
Die Schiiten - rund 60 Prozent der 26 Millionen Iraker - verlangen
indes seit Wochen eine baldige Direktwahl der Regierung Mitte des
Jahres 2004.
Der irakische Regierungsrat will die Vereinten Nationen um eine
Volkszählung bitten. "Die UNO wird eine wesentliche Rolle im
Verfassungsprozess spielen", sagte der amtierende Vorsitzende des
Gremiums, Adnan Patschatschi, am Mittwoch in der irakischen Hauptstadt
Bagdad. "Wir werden die Vereinten Nationen bitten, eine allgemeine
Volkszählung durchzuführen und uns dabei zu helfen, Wahllisten
sowie ein Gesetz zu den politischen Parteien vorzubereiten." Die
Volkszählung solle zur Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung,
zu einem anschließenden Volksentscheid über die Verfassung
und zur Wahl einer irakischen Regierung verwendet werden. Vor diesen
Abstimmungen solle aber - wie zwischen der US-Zivilverwaltung und dem
Regierungsrat vereinbart - eine Übergangsversammlung sowie eine
Interimsregierung gebildet werden, sagte Patschatschi.
(Quellen: afp, ap)
Auch BBC-Intendant tritt wegen Kelly-Bericht zurück
Lordrichter Hutton hatte der BBC in seinem Abschlussbericht zur
Kelly-Affäre mangelnde Sorgfalt vorgeworfen +++ Zahlreiche
britische Zeitungen reagierten skeptisch auf den Hutton-Bericht und
sprachen von einem einseitigen Ergebnis - Blair war in dem Bericht von
jeglicher Verantwortung für den Selbstmord des Waffenexperten
David Kelly freigesprochen worden
Fr.30.01.04 - Nach der Kritik der Hutton-Kommission an einem umstrittenen
Irak-Bericht der BBC ist am Donnerstag auch der Intendant des
britischen Rundfunksenders zurückgetreten. Greg Dyke folgte damit
dem BBC-Vorstandsvorsitzenden Gavyn Davies, der bereits am Mittwoch
sein Amt niedergelegt hatte. Außerdem entschuldigte sich der
BBC-Vorstand «für unsere Fehler und bei den Personen, deren
Ruf dadurch beschädigt wurde». Premierminister Tony Blair
nahm die Entschuldigung an. BBC-Mitarbeiter demonstrierten gegen die
Rücktritte.
Lordrichter Hutton warf der BBC in seinem am Mittwoch vorgelegten
Abschlussbericht zur Kelly-Affäre mangelnde Sorgfalt vor. Der
fragliche Radiobeitrag vom Mai vergangenen Jahres, wonach die Regierung
Geheimdienstinformationen zu Irak aufgebauscht haben soll, wurde als
unhaltbar kritisiert. Der Bericht stützte sich auf Angaben des
Waffenexperten David Kelly, der sich im Juli das Leben nahm.
Dyke sagte, er hoffe, dass mit seinem Rücktritt «jetzt ein
Schlussstrich unter die ganze Angelegenheit gezogen werden»
könne. «Ich denke, mein Weggang ist sehr wichtig, um die
journalistische Unabhängigkeit der BBC zu bewahren»,
erklärte er. Dies sei auch während der gesamten Affäre
sein vorrangiges Ziel als Intendant gewesen. Er habe stets im
öffentlichen Interesse handeln wollen.
Der amtierende Vorstandsvorsitzende der BBC, Richard Ryder, räumte
nach einer Krisensitzung des Gremiums ein, es habe «ernste
Mängel» im Arbeitsablauf gegeben. Blair kommentierte die
Entschuldigung mit den Worten, das sei alles gewesen, was er gewollt
habe. Sie erlaube, einen Schlussstrich zu ziehen und nach vorn zu
schauen.
Hutton warf der BBC vor, in ihrer Berichterstattung wichtige Fakten
nicht überprüft und dieses Versäumnis später nicht
eingestanden zu haben. Dagegen wurde Blair von jeglicher Verantwortung
für den Selbstmord Kellys freigesprochen. Der Regierungsberater
war wenige Tage vor seinem Selbstmord als Quelle für den
fraglichen BBC-Bericht enttarnt worden.
Kellys Name wurde vom Verteidigungsministerium an die
Öffentlichkeit gebracht. Der Regierung wurde deshalb vorgeworfen,
ihren langjährigen Mitarbeiter enormem Druck ausgesetzt und ihn
dadurch in den Selbstmord getrieben zu haben. Die Affäre heizte
die Debatte über die Rechtfertigung des Irak-Krieges weiter an und
stürzte die Regierung Blair in die schwerste
Glaubwürdigkeitskrise seit ihrem Amtsantritt.
Zahlreiche britische Zeitungen reagierten am Donnerstag skeptisch auf
den Hutton-Bericht und sprachen von einem einseitigen Ergebnis. Ein
Boulevardblatt zeigte Blair als «Heiliger Tony» auf seiner
Titelseite. Die liberale Zeitung «The Guardian» schrieb:
«Die Regierung mag ja im Falle von Dr. Kellys Tod entlastet
worden sein, aber das heißt nicht, dass sie die Wahrheit
über Irak sagte.»
Nach Dykes Rücktritt gingen hunderte BBC-Mitarbeiter auf die
Straße. Einige trugen Schilder mit der Aufschrift: «Bringt
Greg zurück». «Ich bin schockiert und am Boden
zerstört, und so geht es wohl den meisten Mitarbeitern der
BBC», sagte der 42-jährige Techniker Harry Matharu.
«Greg hat für die BBC mehr getan als irgendjemand
sonst.» Der 35-jährige Ingenieur Richard Curtis
äußerte die Befürchtung, dass die Redakteure
künftig davor zurückschrecken könnten, die Regierung in
Frage zu stellen.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema bei telepolis (28.01.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16640/1.html
Der Hatten-Bericht:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29.nf/ressort.q,TAZ.re,sw
http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/uk/2003/david_kelly_inquiry/
inquiry_documents/default.stm
US-Heer soll auf 510.000 Soldaten anwachsen
Fr.30.01.04 - Die größte Teilstreitkraft des US-Militärs, das Heer,
soll infolge der besonderen Aufgaben in Afghanistan und Irak
vorübergehend auf 510.000 Soldaten anwachsen. Wie aus
US-Verteidigungskreisen in Washington verlautete, soll im Rahmen einer
Umstrukturierung allein die Infanterie um 23.000 Mann erweitert werden.
Die Vergrößerung des Heeres noch weiter über die vom
Kongress gesetzte Obergrenze von 482.400 Soldaten hinaus sei unter dem
Ausnahmezustand erforderlich und rechtlich möglich, den
Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 erklärt habe. Zur Zeit hat das Heer 493.000 Mann
unter Waffen.
Bei der Umstrukturierung schwebe dem Heer vor, 48 Brigaden als mehr
selbstständige Kampfeinheiten mit jeweils mehreren tausend
Soldaten zu schaffen. Sie sollten umfassender mit schweren Waffen
ausgerüstet werden und Brigadekommandeure so im Kampf flexibler -
ohne Unterstützung beim Hauptquartier anfordern zu müssen -
reagieren können. Der Umbau solle so erfolgen, dass die 48
Brigaden später auch in eine kleineres vom Kongress genehmigtes
Limit hinein passten, hieß es.
(Quelle: ap)
Base Structure Report 2003 - Die USA weiten ihre militärische
Präsenz weltweit aus
Die Streitkräfte der USA vereinigen in sich die größte
Militärmacht, die es jemals auf dem Globus gegeben hat. Dennoch
wollen sie ihre Vormachtstellung weiter ausbauen. Gleichzeitig sind die
tatsächlichen Ausmaße ihrer aktuellen militärischen
Präsenz über den Erdball noch nicht genügend in die
Öffentlichkeit gedrungen, obwohl diese die neue Ausrichtung der
amerikanischen Militärstrategie noch augenscheinlicher machen
könnten. ...
Mehr bei telepolis (30.01.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16607/1.html
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USA und Russland führen Gespräche über
Rüstungskontrolle
Fr.30.01.04 - Die USA und Russland haben am Donnerstag neue Gespräche über
schärfere Rüstungskontrollen aufgenommen.
US-Staatssekretär im Außenministerium John Bolton traf in
Moskau zunächst mit dem stellvertretenden russischen
Außenminister Sergei Kisljak zusammen. Die US-Regierung will
Moskau bewegen, der Sicherheitsinitiative gegen die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen beizutreten.
Bislang unterstützen 16 Staaten die Initiative von
US-Präsident George W. Bush. Sie sieht vor, dass Transporte von
Raketen oder Komponenten für Massenvernichtungswaffen auf See, in
der Luft, auf Straßen und Schienen gestoppt werden können.
Russland und auch China begründeten ihre bisherige Ablehnung
damit, dass die Umsetzung der Initiative nicht mit dem Völkerrecht
in Einklang stehen könne.
Bei weiteren Gesprächen mit zahlreichen hohen Militärs und
Politikern wollte Bolton weitere Themen ansprechen: Die Atomprogramme
von Nordkorea und Iran, der so genannte Vertrag von Moskau, mit dem
sich die USA und Russland zur Abrüstung ihrer Raketenarsenale
verpflichteten, sowie den Vertrag über konventionelle Waffen in
Europa. Aus Kreisen amerikanischer Diplomaten verlautete, auch eine
mögliche russisch-amerikanische Zusammenarbeit bei der
Raketenabwehr solle erörtert werden.
Der Besuch Boltons in Moskau folgt wenige Tage auf eine Visite von
Außenminister Colin Powell in Russland. Neben einem Bekenntnis zu
engen Verbindungen zwischen Moskau und Washington erhob Powell auch
Vorwürfe gegen die Politik des russischen Präsidenten
Wladimir Putin. Er kritisierte, dass Oppositionsparteien keinen Zugang
zu den öffentlichen Medien hätten, den Prozess gegen den
Ölkonzern Jukos und dessen Expräsident Michail Chodorkowski,
den Tschetschenienkrieg sowie den Druck auf das benachbarte Georgien.
(Quelle: ap)
Drei Jugendliche aus Guantanamo entlassen
Fr.30.01.04 - Drei Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren sind aus dem
US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba entlassen worden. Sie
hatten dort rund ein Jahr verbracht. Nach Angaben des Pentagon waren
zwei von ihnen in Trainingslagern der afghanischen Taliban festgenommen
worden. Inzwischen haben die USA nach eigenen Angaben 87 der rund 600
Gefangenen in Guantánamo freigelassen. Die im Lager Inhaftierten
werden weder als Kriegsgefangene noch nach amerikanischem Recht
behandelt.
(Quelle: dpa)
Architektur der Rechtslosigkeit
Guantanamo ist dank seines exterritorialen Status zum Inbegriff eines
rechtlosen Raums geworden.(telepolis, 28.01.04). Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/16636/1.html
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0006.nf/text
Verheerende Zustände in kalifornischen Jugendgefängnissen
Fr.30.01.04 - US-Psychologen haben verheerende Zustände in den
Jugendgefängnissen von Kalifornien angeprangert. Jugendliche
würden regelmäßig zur Bestrafung in Käfige
gesperrt, heißt es in einer vertraulichen Studie, die der
Nachrichtenagentur AP vorliegt. Geistig behinderte Täter
würden ohne Grund mit Medikamenten ruhig gestellt und
vernachlässigt. «Der großen Mehrheit von Jugendlichen
mit mentalen Problemen wird im Strafvollzug nicht geholfen»,
schrieben die Experten.
Häftlingen, die weder eine Gefahr für sich selbst noch
für andere darstellten, würden Beruhigungsmittel verabreicht.
Psychiatrische Gutachten würden in vielen Einrichtungen nur
flüchtig erstellt und erfüllten nicht die erforderlichen
Standards, heißt es in dem Bericht des Kinderpsychologen Eric
Trupin und des Gerichtspsychiaters Raymond Patterson aus Washington.
Die Studie ist die erste von insgesamt sechs über die
Zustände in den elf kalifornischen Jugendgefängnissen. Dort
sind rund 4.600 Menschen unter 25 Jahren untergebracht.
Die demokratische Senatorin Gloria Romero bezeichnete die Ergebnisse
der Untersuchung als inakzeptabel. «Das sind nicht die 30er
Jahre. Ich dachte, dass wir uns von diesen Praktiken vor langer Zeit
verabschiedet haben, selbst in psychiatrischen Einrichtungen»,
sagte Romero. Ein Sprecher der Gefängnisbehörde, Tip Kindel,
räumte Probleme in den Jugendstrafanstalten ein und kündigte
an, diese sollten so rasch wie möglich behoben werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Truppen rücken in Bethlehem ein +++ Palästinenser
bei israelischer Militäraktion bei Hebron erschossen +++ Israel
und Hisbollah tauschten Gefangene aus - Selbstmordanschlag in Jerusalem
mit elf Toten überschattet Austausch - Anschlag vom Sicherheitsrat
nicht verurteilt +++ Hisbollah-Chef droht mit Entführung weiterer
israelischer Soldaten
Fr.30.01.04 - Zu einer Vergeltungsaktion nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in
Jerusalem sind am Freitagmorgen rund 20 israelische
Militärfahrzeuge in Bethlehem eingerückt. Der
Attentäter, der am Donnerstag in einem Jerusalemer Stadtbus elf
Fahrgäste mit in den Tod riss, stammte aus einem
Flüchtlingslager bei Bethlehem. Er war Polizist.
Vor dem Morgengrauen forderten Augenzeugenberichten zufolge israelische
Soldaten palästinensische Sicherheitskräfte auf, ihre
Kontrollposten vor Bethlehem zu verlassen. Dann fuhr die
Militärkolonne in die Stadt hinein. Israelische Militärkreise
bestätigten lediglich, das eine Aktion stattfinde. Zunächst
gab es keine Berichte über Schusswechsel.
Ein militanter Palästinenser ist bei einer israelischen
Militäraktion in der Nähe von Hebron im Westjordanland
getötet worden. Nach palästinensischen Angaben wurde der Mann
erschossen, als er vor israelischen Soldaten flüchten wollte. Die
Soldaten wollten den Mann festnehmen.
Unweit des Amtssitzes von Ministerpräsident Ariel Scharon hatte
sich am Donnerstagmorgen ein 24-jähriger palästinensischer
Polizist in einem Bus in die Luft gesprengt. Außer dem
Attentäter starben elf Menschen. Mehr als 50 Fahrgäste und
Passanten wurden verletzt. Wenig später bekannten sich die
Al-Aksa-Brigaden, die zur Fatah- Organisation von Jassir Arafat
gehören, zu dem Anschlag. In einer Videoaufzeichnung, die im
Westjordanland verbreitet wurde, erklärte der Täter, seine
Aktion sei ein Racheakt für die Tötung von neun
Palästinensern am Vortag durch die israelische Armee in Gaza.
Algerien hat im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Verurteilung
des palästinensischen Selbstmordanschlags verhindert. Nach Angaben
von Diplomaten forderte das einzige arabische Land in dem höchsten
UN-Gremium in den dreistündigen Beratungen am Donnerstag in New
York, dass auch der Tod von acht Palästinensern bei einer
israelischen Militäraktion am Mittwoch in Gaza in dem Dokument
verurteilt werden müsse. Einige weitere Ratsmitglieder hätten
in den dreistündigen Beratungen die algerische Position
unterstützt.
Israel bezeichnete dies als ungeheuerlich. Der stellvertretende
israelische UN-Botschafter Arje Mekel sagte auf einer Pressekonferenz,
seine Regierung sei bestürzt darüber, "dass der Rat keinen
Weg gefunden hat, das Töten unschuldiger Menschen zu verurteilen".
Der Versuch Algeriens, «eine Parallele zwischen einem Gefecht
israelischer Soldaten mit bewaffneten Palästinensern und einem
Selbstmordanschlag in einem Bus zu ziehen, der zehn Zivilisten
tötet, ist absolut ungeheuerlich», sagte er.
Israel plane, seine Empörung in Briefen an den
Ratspräsidenten und UN-Generalsekretär Kofi Annan
auszudrücken. Israel sei ebenfalls darüber bestürzt,
dass Annan in einer Erklärung zum Nahen Osten am Donnerstag den
Anschlag nicht erwähnt habe. Annan hatte diejenigen verurteilt,
die Gewalt und Terror ausübten und an Israelis und
Palästinenser appelliert, wieder Friedensverhandlungen aufzunehmen.
Mit Trauer in Israel und Jubel in Libanon ist der erfolgreiche
Abschluss des von Deutschland vermittelten Gefangenenaustausches
aufgenommen worden. Nach der Ankunft der sterblichen Überreste von
drei israelischen Soldaten fand auf dem Flughafen von Tel Aviv eine
militärische Ehrenzeremonie statt. Israel trauerte zudem um zehn
Menschen, die am Morgen bei einem palästinensischen
Selbstmordanschlag in Jerusalem getötet wurden. 21 von Israel
freigelassenen Libanesen wurde in Beirut ein Heldenempfang bereitet.
Die Vereinbarung zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz
war unter monatelanger Vermittlung des Geheimdienstkoordinators im
Kanzleramt, Ernst Uhrlau, zu Stande gekommen. Auf dem
militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn hatten
israelische Gesandte die Leichen der drei Soldaten sowie einen
Geschäftsmann übernommen, die zuvor von der Hisbollah
übergeben worden waren. Sie flogen in einer israelischen
Militärmaschine nach Tel Aviv. Im Austausch brachte ein deutscher
Luftwaffen-Airbus etwa 30 von Israel freigelassene Araber nach Beirut.
Beide Gruppen waren am frühen Donnerstagmorgen in Köln-Bonn
angekommen. Gleichzeitig ließ Israel im Westjordanland und im
Gaza- Streifen über 400 Palästinenser frei und übergab
die Leichen von etwa 60 Hisbollah-Kämpfern. Trotz des schweren
Selbstmordattentats in Jerusalem verlief der Gefangenenaustausch ohne
Zwischenfälle.
Bei einer militärischen Trauerzeremonie am Flughafen von Tel Aviv
warnte Scharon die militanten Organisationen vor weiteren
Entführungen israelischer Soldaten. Falls dies geschehen sollte,
könne Israel militärische Mittel einsetzen, die es bislang
noch nicht verwendet habe. Weitere Einzelheiten nannte Scharon nicht.
Der Premier dankte dem deutschen Kanzler Gerhard Schröder und dem
Geheimdienstkoordinator Uhrlau für ihre Bemühungen um die
Rückführung der israelischen Vermissten. Die Hisbollah hatte
erst kurz vor der Übergabe den Tod der drei israelischen Soldaten
offiziell bestätigt. Sie waren im Oktober 2000 verschleppt worden.
Der israelische Geschäftsmann Elchanan Tennenboim, der nach
Medienberichten im Rahmen krimineller Geschäfte in den Libanon
gelockt wurde, wurde nach seiner Ankunft in Israel von seiner Familie
und seinem Anwalt begrüßt. Nach einer ärztlichen
Versorgung sollte der israelische Geheimdienst den chronisch kranken
Mann verhören.
In Beirut wurde den 21 aus israelischer Haft heimgekehrten Libanesen
ein Heldenempfang bereitet. Die gesamte Staatsführung und
Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah begrüßten die
Freigelassenen, darunter Mustafa Dirani, ein führendes Mitglied
der schiitischen Amal-Miliz, und der Hisbollah-Führer Scheich
Abdel Karim Obeid schiitischen Extremisten.
Mehrere der von Israel freigelassene Häftlinge wollen in
Deutschland Asyl beantragen. Das Bundesamt für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge rechnet mit drei bis vier
Asylgesuchen. Ein syrischer Kurde habe bereits über seinen Anwalt
einen Antrag gestellt, teilte das Bundesamt in Nürnberg mit. Nach
Angaben von Kurden, die ihn am Flughafen erwarteten, war er aus der
syrischen Armee desertiert und nach Israel geflohen, wo er als
mutmaßlicher Spion inhaftiert wurde.
Der deutsche Hisbollah-Kämpfer Steven Smyrek (32) bleibt nach
Angaben von «Focus Online» in Deutschland. Grund sei ein
neuer Haftbefehl wegen Drogendelikten. Smyrek war 1999 wegen
Terrorismus in Israel zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.
Nach Abschluss des Gefangenenaustauschs mit Israel hat die schiitische
Hisbollah mit der Entführung weiterer Israelis gedroht, um
Libanesen aus israelischer Haft freizubekommen. Auf einer Kundgebung
zur Begrüßung von 21 im Rahmen des Austauschs freigelassener
Libanesen sagte Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah am
Donnerstagabend in Beirut, Kämpfer der Organisation könnten
weitere Israelis entführen, um Israel zur Verhandlungen über
die Freilassung der restlichen Gefangenen zu zwingen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Stichwort: Hisbollah
Die Hisbollah oder Partei Gottes wurde 1982 nach dem Einmarsch
israelischer Truppen in Libanon gegründet. Hinter der schiitischen
Organisation steht Iran, das nach Schätzungen pro Monat zehn bis
20 Millionen Dollar überweist. Hauptziel der Organisation war es
damals, die israelischen Truppen aus der so genannten Sicherheitszone
im Süden Libanons zu vertreiben. Dieses Gebiet hielt Israel von
1985 bis Mai 2000 besetzt.
Als politisches Ziel verfolgt die Hisbollah nach iranischem Vorbild die
Errichtung einer islamischer Republik in Libanon. Allerdings ist die
Organisation in den vergangenen Jahren zusehends moderater geworden.
Auch deshalb genießt die Hisbollah unter den rund 1,2 Millionen
Schiiten in Libanon immer größere Beliebtheit. Sie
unterhält Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und baut
zerstörte Straßen und Häuser wieder auf. Seit 1992 ist
die Hisbollah im Beiruter Parlament vertreten, aber nicht an der
Regierung beteiligt.
Die Hisbollah verfügt über schätzungsweise 5.000 aktive
Kämpfer, die zügig in die von Israel im Mai 2000
geräumten südlibanesischen Gebiete einrückten. An der
Spitze der Organisation steht Hassan Nasrallah. Die US-Regierung stufte
die Hisbollah im November 2001 als terroristische Gruppe ein.
Quelle: ap, 29.01.04
Sieger in der psychologischen Kriegsführung
Hisbollah feiert schon jetzt den Erfolg der Verhandlungen über den
auch mit deutscher Hilfe geplanten Gefangenenaustausch ... bedeuten sie
doch eine quasi offizielle Anerkennung durch die israelische Regierung,
die die libanesische Organisation bisher als "blutrünstige
Terroristen" gebrandmarkt hatte und normalerweise mit "Terroristen"
nicht verhandelt....
Mehr bei telepolis (23.11.03) unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ost/16134/1.html
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Afghanistan: Kommandeur von Kundus fordert Bundeswehr-Einsatz gegen
Drogenanbau
Bundesregierung lehnt Anti-Opium-Einsatz ab +++ Afghanistan lässt
21 pakistanische Taliban-Anhänger frei +++ Islamabad will
US-Offensive gegen Taliban auf pakistanischem Gebiet nicht zulassen +++
Sieben US-Soldaten bei Explosion eines Waffenlagers in Afghanistan
getötet
Fr.30.01.04 - Der afghanische Kommandeur von Kundus hat die Bundeswehr aufgefordert,
gegen die Drogenmafia vorzugehen. Bisher hätten die Deutschen
nichts gegen das größte Problem der Region getan, sagte Daud
Khan der "Financial Times Deutschland". Die Bundesregierung lehnt einen
Anti-Opium-Einsatz strikt ab. Unterdessen forderte der deutsche
Afghanistan-Kommandeur Norbert van Heyst zusätzliche
Wiederaufbauteams, die die Sicherheit für die im Sommer geplanten
Wahlen gewährleisten sollen.
Afghanistan hat unterdessen 21 wegen Unterstützung der Taliban
inhaftierte Pakistaner freigelassen. Die Übergabe der Gefangenen
an pakistanische Diplomaten solle "die guten Beziehungen zwischen den
beiden Staaten deutlich machen", sagte ein Sprecher des afghanischen
Außenministeriums am Donnerstag in Kabul. Sicherheitsbeamte der
beiden Länder treffen am Samstag mit Kommandeuren der in
Afghanistan stationierten US-Truppen zusammen, um über das weitere
Vorgehen gegen die Taliban-Kämpfer im gemeinsamen Grenzgebiet zu
beraten.
Afghanistan hat Pakistan in den vergangenen zwei Jahren wiederholt
vorgeworfen, nicht energisch genug gegen diese Kämpfer vorzugehen,
die zum Teil von Pakistan aus operieren sollen. Präsident Hamid
Karsai hat in der Vergangenheit aber schon mehrfach einfache
Taliban-Kämpfer begnadigt. Der stellvertretende pakistanische
Botschafter in Kabul, Abdel Hamid Afridi, begrüßte die
Freilassung. Er verwies darauf, dass Islamabad seinerseits 196
afghanische Gefangene freigelassen habe. Afghanistan entließ vor
zwei Wochen bereits 49 Pakistaner.
Ein hochrangiger pakistanischer Offizier machte unterdessen deutlich,
dass Islamabad im Kampf gegen die Taliban eine Offensive von
US-Soldaten auf pakistanischem Gebiet nicht zulassen werde. Dies
widerspreche den Grundsätzen der pakistanischen Politik, sagte
Javed Iqbal Cheema, der Leiter der Nationalen Behörde für
Krisenmanagement, der Nachrichtenagentur AP. Ein Regierungsbeamter in
Washington hatte am Mittwoch angedeutet, dass das
US-Verteidigungsministerium eine neue Offensive in Afghanistan plane,
die sich bis nach Pakistan ausdehnen könnte.
In einer pakistanischen Ortschaft nahe der afghanischen Grenze wurden
am Donnerstag 1.600 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Es handele sich um
den größten Heroinfund in der Geschichte Pakistans, teilte
der Sprecher der Zollbehörden in der Provinz Baluchistan mit. Das
Heroin sei in einem leer stehenden Haus in der Ortschaft Kili Ali Akbar
entdeckt worden, die an einer der wichtigsten Schmuggelrouten von
Afghanistan Richtung Westen liegt.
Bei der Explosion eines Waffenlagers in der ostafghanischen Provinz
Ghasni sind sieben US-Soldaten getötet worden. Ein Soldat werde
noch vermisst, teilte das Zentralkommando der US-Streitkräfte mit.
Drei amerikanische Soldaten und ein afghanischer Übersetzer seien
verletzt worden. Ein Vertreter der Regierung des betroffenen Distrikts
betonte, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Den Soldaten sei ein
Fehler unterlaufen, der zur Explosion geführt habe. Einzelheiten
wurden nicht bekannt.
(Quellen: dpa, ap)
Iran: Wächterrat legt Kandidatenliste für Wahl
Fr.30.01.04 - Rund drei Wochen vor der iranischen Parlamentswahl soll der
Wächterrat heute die endgültige Liste der Kandidaten
vorlegen. Bislang ließ das konservative Gremium nach einer
erneuten Prüfung mehr als 800 der zuvor abgelehnten Kandidaten
wieder zu, wie ein Sprecher mitteilte. Bei dieser Zahl werde es
voraussichtlich bleiben.
Laut dem Innenministerium nahm der Wächterrat bei keinem der 80
Parlamentarier, die von einer erneuten Kandidatur ausgeschlossen
wurden, seine Entscheidung zurück. Insgesamt hatte das Gremium
zunächst 3605 von 8157 Kandidaten disqualifiziert. Die
Entscheidung hatte eine Regierungskrise ausgelöst. Die Wahl ist
für den 20. Februar vorgesehen.
(Quelle: afp)
Mehrere Tote und Verletzte bei sudanesischem Luftangriff in Tschad
Fr.30.01.04 - Bei einem Angriff der sudanesischen Luftwaffe auf mutmaßliche
Rebellen sind im Grenzgebiet zu Tschad mehrere Zivilisten getötet
und verletzt worden. Zehn Menschen seien bei dem Angriff am Donnerstag
auf dem Gebiet des Tschad in der zwischen beiden zentralafrikanischen
Staaten geteilten Stadt Tine getötet und 16 weitere verletzt
worden, verlautete aus der Armee des Tschad in N'Djamena. Ein Vertreter
des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR in Tine sprach dagegen von
mindestens zwei Toten und 15 Verletzten, um die sich die
Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kümmere. Nach Angaben
des UNHCR-Regionalkoordinators für Ost-Tschad, Yvan Sturm, traf
der Angriff ein Gebiet, in das mehr als tausend Menschen aus der
westsudanesischen Region Darfur geflohen waren.
(Quelle: afp)
Sudans Politik der verbrannten Erde
Der Krieg im westsudanesischen Darfur treibt immer mehr Menschen in die
Flucht Richtung Tschad, zumeist Frauen und Kinder. Die Vertriebenen
berichten von täglichen Luftangriffen und verbrannten
Dörfern. Die Hilfswerke sind mit der Versorgung überfordert
....
Mehr in der "tageszeitung" vom 30,01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/30/a0121.nf/text
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Menschenrechtsgruppe: 10.000 Kongolesen aus Angola vertrieben
Fr.30.01.04 - Mehr als 10.000 Kongolesen sind nach Informationen einer kongolesischen
Menschenrechtsgruppe seit Dezember aus dem Norden des Nachbarlands
Angola vertrieben worden. Polizei und Streitkräfte hätten die
Einwanderer mit Waffengewalt aus dem an Diamantminen reichen Gebiet
verjagt, schreibt die Organisation Voice of the Voiceless (Stimme der
Stimmlosen) in ihrem am Donnerstag vorgestellten Bericht. Die
angolanische Regierung wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.
Der kongolesische Innenminister Theophile Bemba erklärte, seinen
Beamten sei auf Anfrage mitgeteilt worden, die Vertriebenen hätten
ohne Erlaubnis Diamanten geschürft. Angola hatte sich in der
Vergangenheit mehrfach darüber beschwert, dass Ausländer die
Diamantenvorkommen des Landes - die viertgrößten der Welt -
plünderten.
Von Voice of the Voiceless genannte Flüchtlinge bestätigten
der Nachrichtenagentur AP am Telefon, sie seien von angolanischen
Sicherheitskräften angegriffen worden. «Die angolanischen
Streitkräfte und Polizisten haben auf uns geschossen und unsere
Hütten verbrannt», sagte Puis Kabanga, der bei Geistlichen
im Süden Kongos Zuflucht fand. Drei Kongolesen seien bei den
Angriffen ums Leben gekommen. Kabanga floh mit Landsleuten Richtung
Grenze, die sie nach elf Tagen Fußmarsch erreichten.
Auf dem Weg seien die Flüchtlinge von bewaffneten angolanischen
Zivilisten überfallen und ausgeraubt worden, berichtete Kabanga.
Ihr letztes Hab und Gut hätten schließlich die angolanischen
Grenztruppen beschlagnahmt.
Voice of the Voiceless warf Angola außerdem vor, Hunderte von
Kongolesen «unter unmenschlichen Bedingungen» gefangen zu
halten. Einige der Vertriebenen sollen unter dem Schutz der
angolanischen Rebellengruppe UNITA gearbeitet haben, die ihren Kampf
gegen die Regierung 2002 einstellte.
(Quelle: ap)
Rivalisierende Gruppen in Somalia einigen sich auf Regierungsbildung
Fr.30.01.04 - Die rivalisierenden Gruppen in Somalia haben am Donnerstag ein Abkommen
zur Bildung einer gemeinsamen Regierung unterzeichnet. Zunächst
wollen die 42 an den Friedensgesprächen in Nairobi beteiligten
Clanführer ein neues Parlament wählen lassen, das dann die
erste Zentralregierung des Landes seit 13 Jahren ernennen soll. Die
Friedensverhandlungen dauern seit einem Jahr an.
Die Übereinkunft sieht die Wahl eines 275-köpfigen Parlaments
vor. Die vier größten Clans sollen dabei über jeweils
61 Abgeordnete entscheiden und eine Koalition kleinerer Gruppen
über die verbleibenden 31. Das Parlament wird dann einen
Präsidenten wählen, der schließlich einen
Ministerpräsidenten mit der Regierungsbildung beauftragen soll.
Ein Zeitplan für den Prozess wurde zunächst nicht festgelegt.
Der Vertreter der Europäischen Union bei den Gesprächen,
Carlo Ungaro, kündigte internationale Unterstützung für
eine neue somalische Regierung an. «Die internationale
Gemeinschaft wird Somalia nicht seinem Schicksal überlassen,
sobald die Konferenz vorbei ist», sagte der italienische
Diplomat. In den kommenden Wochen werde eine Geberkonferenz stattfinden.
Somalia hat seit dem Sturz von Präsident Mohammed Siad Barre 1991
keine wirksame Zentralregierung mehr. Verschiedene Clanführer
bekämpfen sich gegenseitig. Das Mandat einer vor zwei Jahren
eingesetzten Übergangsregierung lief im August ab. Ihre Macht
reichte allerdings kaum über die Hauptstadt Mogadischu hinaus.
(Quelle: ap)
Fünf Tote bei Generalstreik in der Dominikanischen Republik
Fr.30.01.04 - Am zweiten Tag eines Generalstreiks sind in der Dominikanischen
Republik fünf Menschen ums Leben gekommen. Wie die Polizei
bestätigte, wurden sie bei Zusammenstößen mit den
Sicherheitskräften in verschiedenen Landesteilen erschossen.
Dutzende Menschen wurden verletzt. Der Generalstreik richtet sich gegen
die miserable Wirtschaftslage in der Karibikrepublik und gegen
Präsident Hipólito Mejía. Im Mai sind Wahlen geplant.
(Quelle: dpa)
Georgien will in die EU
Fr.30.01.04 - Georgien strebt langfristig eine Mitgliedschaft in der
Europäischen Union an. Dies erklärte der neue georgische
Präsident Michail Saakaschwili am Donnerstag zum Auftakt seines
zweitägigen Besuchs in Berlin.
Nach einem Treffen mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD)
bat der Nachfolger des gestürzten Eduard Schewardnadse weiter um
deutsche Unterstützung beim Demokratieaufbau in seinem Land. Bei
einem Gespräch mit Außenminister Joschka Fischer
(Grüne) ging es vor allem um die Heranführung Georgiens an
Europa und die NATO.
Deutsche Unternehmen wollen ihr Engagement in der Kaukasus- Republik
ausbauen. Insbesondere bei Infrastrukturprojekten und in der
Petrochemie gebe gute Chancen, erklärte der Ost-Ausschuss der
deutschen Wirtschaft nach einem Gespräch.
Der 36-jährige Saakaschwili, der am am vergangenen Sonntag die
Amtsgeschäfte in Tiflis übernommen hatte, trifft an diesem
Freitag Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD).
(Quelle: dpa)
Türkei will alle Kriterien für EU-Beitritt erfüllen
Fr.30.01.04 - Die Türkei will bis zum Sommer alle politischen Kriterien der
Europäischen Union erfüllen, um Ende des Jahres mit den
Beitrittsverhandlungen beginnen zu können. "Die noch die offenen
Probleme im Reformprozess werden Regierung und Parlament bis zum Sommer
lösen", sagte der türkische EU-Botschafter Oguz Demiralp der
"Financial Times Deutschland" ("FTD"). Seine Regierung gehe davon aus,
dass die EU positiv über die Aufnahme von Beitrittsgesprächen
entscheiden werde.
Zur Debatte über einen EU-Beitritt der Türkei innerhalb von
CDU und CSU sagte Demiralp, alle deutschen Regierungen -
christdemokratische eingeschlossen - hätten sein Land in den
vergangenen Jahrzehnten stets unterstützt. Dies erwarte er auch
für die Zukunft.
Der Zeitpunkt eines tatsächlichen EU-Beitritts der Türkei war
für den Diplomaten laut "FTD" kein drängendes Thema. "Es
wäre abwegig, darüber jetzt zu diskutieren", zitierte ihn die
Zeitung. Für Ankara habe zunächst der Einstieg in
Verhandlungen Vorrang. Die Vereinbarung einer "Speziellen
Partnerschaft" zwischen beiden Seiten - als Alternative zur
EU-Mitgliedschaft - schloss Demiralp dagegen völlig aus: "Eine
Beziehung zweiter Klasse zur EU" könne die Türkei nicht
akzeptieren.
Die Lösung des Zypern-Problems gehört nach Demiralps Worten
nicht zu den "politischen Kriterien" für die EU-Anwartschaft.
"Dennoch wollen wir, dass die Verhandlungen so schnell wie möglich
abgeschlossen werden", sagte er.
(Quelle: afp)
Aktionstag gegen die inhumane EU-Flüchtlingspolitik
Fr.30.01.04 - Europaweit werden am morgigen Samstag Flüchtlings- und
Migrantenorganisationen für die Abschaffung von Lagern und die
Legalisierung aller Migranten ohne gültige Papiere demonstrieren.
Die Idee zu diesem Aktionstag gegen die Flüchtlingspolitik der EU
entstand auf dem Pariser Sozialforum im November 2003. »In
Industrieländern sind die Illegalen (Menschen ohne Papiere) die
ersten Opfer des neoliberalen Kapitalismus, um die fortschreitende
Verarmung zu globalisieren und die Lebensbedingungen überall
herunterzufahren«, heißt es im Aufruf, der unter anderem
von den französischen Sans Papiers, der italienischen
Basisgewerkschaft COBAS und Kanak Attak in Deutschland unterzeichnet
wurde. Auf europäischer Ebene wird die Schließung aller
Internierungslager, das Ende aller Abschiebungen, Bewegungs- und
Niederlassungsfreiheit sowie das Recht auf Staatsbürgerschaft und
dauerhaften Aufenthalt gefordert...
Mehr bei "junge Welt" vom 30.01.04:
http://www.jungewelt.de/2004/01-30/011.php
In Deutschland finden Demonstrationen zum europaweiten Aktionstag gegen
Lager in München, Bremen, Frankfurt/Main, Göttingen,
Nürnberg und Weimar statt. Mehr bei:
http://www.noborder.org/
Stopp der Pflegereform führt zu Richtungsstreit
Schröder: Stopp der Pflegereform war Einzelmaßnahme +++
Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske gegen Neuauflage der 'Politik
der ruhigen Hand' +++ Meinungsforscher: Schröder-Entscheidung
hilft SPD nicht
Fr.30.01.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den Stopp der
Pflegereform verteidigt und betont, dass er damit nicht das Ende seiner
Reformpolitik eingeleitet habe.
Schröder sagte am Donnerstagabend in Berlin, bei der zunächst
geplanten Reform der Pflegeversicherung habe es sich um einen Vorschlag
gehandelt, den er in dieser Form nicht habe akzeptieren können. Es
sei geplant gewesen, Bürger, die früher Kinder erzogen
hätten, schlechter zu stellen als heutige Eltern. Dies sei nicht
gerecht. Schröder fügte hinzu: "Das hat überhaupt nichts
zu tun mit Reformbremse." Es gehe um eine Einzelmaßnahme und
"keine generelle Geschichte". Schröder unterstrich, es gebe auch
keinen Zusammenhang mit den in diesem Jahr anstehenden Wahlen.
Nach dem Stopp der Pflegereform entwickelt sich in der rot-grünen
Koalition ein Richtungsstreit. Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske
wandte sich im «Handelsblatt» (Freitagausgabe) gegen eine
Neuauflage der «Politik der ruhigen Hand». Die SPD
verteidigte hingegen den Kurs von Kanzler Gerhard Schröder, bei
schmerzlichen Sozialreformen auf die Bremse zu treten. In der
Wirtschaft traf der Stopp der Pflegereform auf Kritik.
Schröder hatte zu Beginn der Woche die Pläne von
Sozialministerin Ulla Schmidt für eine umfassende Pflegereform
gestoppt. Sie hatte unter anderem vorgesehen, dass Beitragszahler ohne
Kinder oder mit erwachsenen Kindern 2,50 Euro monatlich zusätzlich
in die Kasse einzahlen. Damit sollten Eltern besser gestellt werden,
was das Bundesverfassungsgericht verlangt hat. Stattdessen sollen
Eltern nun auf andere Weise entlastet werden. Die von Schmidt geplante
Strukturreform soll zurückgestellt werden.
Ein Regierungssprecher betonte am Donnerstag nur, die geforderte
Besserstellung von Eltern werde im Lauf des Jahres verwirklicht. Der
konkrete Lösungsweg werde in den nächsten Wochen in Schmidts
Ministerium erarbeitet.
Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend verteidigte diesen Kurs.
«Die Schmerzgrenze für die Menschen ist erreicht»,
sagte Wend dem «Tagesspiegel». Deshalb seien die meisten in
der SPD-Fraktion erleichtert über den Kurswechsel des Kanzlers bei
der Pflege. Vorerst dürfe es keine weiteren finanziellen
Belastungen durch Sozialreformen geben.
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte indes, die
Entscheidung dürfe kein Vorbote eines umfassenden Reformstopps
sein. Sie sei «eine vorübergehende Abweichung von einem
Kurs, an dem wir festhalten wollen», sagte Göring-Eckardt
dem «Tagesspiegel». Gerade die Pflegereform dürfe
nicht um Jahre aufgeschoben werden.
Auch die Wirtschaft rief die Regierung auf, den Reformprozess
fortzusetzen. «Deutschland braucht nicht weniger, sondern mehr
Reformen», sagte Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen
Industrie- und Handelskammertages. Industriepräsident Michael
Rogowski warnte vor einem Ende des Aufschwungs.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte auch ganz konkret eine
umfassende Reform der Pflegeversicherung, um einen befürchteten
Beitragsanstieg zu verhindern. Hierzu gehöre eine «senkende
Gleichstellung der Leistungsniveaus» von ambulanter und
stationärer Versorgung. Die bayerische Sozialministerin Christa
Stewens (CSU) beklagte, die Bundesregierung habe nun keinen Plan mehr,
wie die Vorgaben des Verfassungsgerichts umgesetzt werden sollten:
«Ich fordere die Bundesregierung auf, endlich mutig eine Reform
anzugehen.»
Der Sozialverband VdK nannte es richtig, dass es nicht zum
«Bußgeld für Kinderlose» komme. Stattdessen
müssten Eltern in der Pflegeversicherung nun aus Steuermitteln
entlastet werden.
Bisher zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die 1995 eingeführte
Pflegeversicherung zusammen 1,7 Prozent des Bruttolohns ein. Die
Versicherung nimmt seit Jahren weniger ein als sie für eine
steigende Zahl von Pflegepatienten aufwendet. Nach bisherigen Prognosen
des Sozialministeriums sind die Reserven 2007 aufgebraucht.
Laut Klaus-Peter Schöppner vom Umfrageinstitut emnid, wird die
Entscheidung über die Pflegeversicherung keine positive
Auswirkung auf die Umfragewerte der SPD haben: "Das verstärkt nur
die vorherrschende Meinung, dass die Regierung Politik auf Zuruf
betreibt." 85 Prozent der Bevölkerung nähmen die Regierung
als plan- und visionslos wahr. "Wenn die Regierung sich einen Gefallen
tun will, sollte sie nachvollziehbare Politik machen und nicht jeden
Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben." Der Parteienforscher Peter
Lösche sagte, entscheidend für einen Stimmungswechsel sei ein
Anspringen der Konjunktur.
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Kanzler Schröder stoppt Reform der Pflegeversicherung
Do.29.01.04 - Offenbar vor dem Hintergrund anhaltend schlechter Umfrage-Ergebnisse
für die SPD hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die
geplante Reform der Pflegeversicherung gestoppt. Bei den Grünen
stieß er damit auf offenen Widerspruch... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012917
Reform trifft Obdachlose und Sozialhilfebezieher hart
Fr.30.01.04 - Die Gesundheitsreform hat laut Bundesarbeitsgemeinschaft
Wohnungslosenhilfe harte Folgen für Obdachlose und
Sozialhilfebezieher. Arztbesuche würden wegen Praxisgebühr
verschleppt und die Einnahme von Medikamenten wegen Zuzahlungen
abgebrochen, sagte die Vizevorsitzende Werena Rosenke gestern. Sie
forderte, die Betroffenen von allen Gebühren zu befreien. Der
Dachverband von 180 Hilfseinrichtungen hat einen "drastischen
Rückgang" bei der Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher
Dienste durch Wohnungslose beobachtet. Der tägliche Regelsatz der
Sozialhilfe liege mit 9,90 Euro noch unter der Praxisgebühr von
zehn Euro. Krankheiten würden so lange verschleppt, bis eine
Notaufnahme im Krankenhaus notwendig werde.
(Quelle: epd/taz)
Gesundheitsreform: Kollateralschäden werden billigend in Kauf
genommen!
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen hat in einer
Pressemitteilung die Kollateralschäden der Gesundheitsreform
aufgelistet:
http://www.linkeseite.de/Texte/2004/januar/14-4.htm
Deutsche gehen deutlich weniger zum Arzt
Fr.30.01.04 - Die Einführung der Praxisgebühr zu Jahresbeginn zeigt einem
Bericht zufolge bereits deutliche Wirkungen. In den ersten vier Wochen
des Jahres hätten sich deutlich weniger Patienten beim Arzt
behandeln lassen als im Vorjahr, berichtete die "Bild"-Zeitung unter
Berufung auf den Deutschen Hausärzteverband.
Demnach gingen im Januar bislang etwa 17 Prozent weniger Versicherte
zum Arzt als im vergleichbaren Zeitraum des Monats Dezember 2003.
Gegenüber dem Vorjahresmonat sei die Zahl der Patienten bundesweit
um rund 8 Prozent zurückgegangen.
Der zweite Vorsitzende und Sprecher des Verbands, Heinz Jarmatz, sagte
der Zeitung: "Das ist eine Folge der Gesundheitsreform. Viele haben
sich mit Arzneimitteln bevorratet, beobachten die Entwicklung der
Zuzahlungsregelungen."
(Quelle: afp)
Verwirrung um CDU-Steuerpolitik
Fr.30.01.04 - Die Suche der CDU nach einer einheitlichen Linie in der Steuerreform
geht weiter. Für neue Verwirrung sorgte am Donnerstag der
stellvertretende Fraktionschef Friedrich Merz. Nachdem er zunächst
im Gegensatz zur Parteiführung für einen eigenen
Gesetzentwurf der Union plädiert hatte, machte er kurz darauf
einen Rückzieher.
In der «Westdeutschen Zeitung» (Freitag) widersprach Merz
der Darstellung, er sei für einen eigenen Gesetzentwurf der Union.
Insofern gebe es keinen Widerspruch zwischen ihm und CDU-Chefin Angela
Merkel. Auch gegenüber der Zeitung «Die Welt»
(Freitag) betonte Merz, seine Position und die Merkels beim Vorgehen
zur Steuerreform seien «identisch».
Zuvor hatte Merz der «Westfalenpost» in Hagen erklärt:
«Ich habe immer gesagt, dass eine Opposition auch hin und wieder
konkret werden muss». Wenn die Bundesregierung
«grundsätzlich den Weg der Vereinfachung» des
Steuerrechts mitgehen wolle, könne er sich «unverändert
vorstellen, dass wir dann auch konkrete Gesetzestexte machen».
Aus der Umgebung Merkel hieß es, die Vereinbarungen der
Parteiführung seien nach wie vor gültig. Danach würden
CDU und CSU auf einer gemeinsamen Präsidiumssitzung am 7.
März Leitlinien beraten und danach einen Antrag mit konkreten
Finanzierungsvorschlägen in den Bundestag einbringen. Zusammen mit
dem bayerischen Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) soll Merz bis
dahin ein gemeinsames Unionskonzept ausarbeiten.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Fraktion, Volker Beck, sagte, Merz führe «das
Messer im Gewande». Ungeachtet der Vielstimmigkeit in den
Unionsparteien über den Inhalt und das Verfahren bei der
Steuerreform habe Merz in der Sache aber Recht. SPD-Fraktionsvize
Joachim Poß begrüßte den ursprünglichen Merz-
Vorschlag und meinte, dann müsse die Union die Karten auf den
Tisch legen. Der FDP- Steuerpolitiker Hermann Otto Solms sagte der dpa,
das Hin und Her der Union verunsichere die Bürger.
(Quelle: dpa)
IG Metall weitet Warnstreiks massiv aus
Fr.30.01.04 - Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie weitet die Gewerkschaft
ihre Warnstreiks aus: In Baden-Württemberg sollen am (heutigen)
Freitag mehr als 51.000 Beschäftigte in 76 Betrieben in einen
mehrstündigen Ausstand treten, wie die IG Metall ankündigte.
Schwerpunkte sollen bei Audi in Neckarsulm und Bosch in Reutlingen
liegen. In Niedersachsen sind 3.000 Beschäftigte zu Warnstreiks
aufgerufen. Auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und im
Saarland soll es zu Protesten kommen.
Bereits am Donnerstag hatten sich bundesweit mehr als 16.000
Beschäftigte an den Protestaktionen beteiligt. Mehrere
Gewerkschaftsvertreter hatten den Arbeitgebern mit einem
flächendeckenden Streik gedroht. Die IG Metall verlangt eine
Aufstockung des letzten Angebots von zwei Mal 1,2 Prozent. Die
Forderung nach Betriebsvereinbarungen über längere
Arbeitszeiten lehnt die Gewerkschaft ab. Vor diesem Hintergrund wird
die nächste und insgesamt fünfte Verhandlungsrunde im
traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg am kommenden
Donnerstag mit Spannung erwartet.
(Quelle: ap)
Mehr zur Tarifrunde 2004:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
Rund 2.000 Redakteure an Tageszeitungen im Streik
Fr.30.01.04 - Zum ersten Mal seit 15 Jahren sind am Donnerstag rund 2.000 Redakteure
an Tageszeitungen in einen unbefristeten Streik getreten. Bundesweit
seien 70 Redaktionen betroffen, teilten der Deutsche
Journalisten-Verband (DJV) und die Gewerkschaft ver.di mit. Für
den (heutigen) Freitag drohten die Gewerkschaften mit einer Ausweitung
des Arbeitskampfs. Die Verleger boten neue Verhandlungen an und zeigten
sich bereit, unter anderem auf die Forderung nach längeren
Arbeitszeiten vorerst zu verzichten.
Nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden hatten sich bei einer
Urabstimmung in zehn Bundesländern knapp 95 Prozent der
beteiligten Redakteure für einen Streik ausgesprochen. Die
Gewerkschaften berichteten, der Streik sei in Baden-Württemberg,
Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und
Schleswig-Holstein geplant. In München traten ver.di zufolge 180
Redakteure in den Warnstreik, in Niedersachsen und Bremen
demonstrierten 300 Redakteure von vier Verlagen. In Rheinland-Pfalz
traten nach Angaben von ver.di am Donnerstagmorgen rund 70 Redakteure
von zwei Zeitungen in den Ausstand.
Ver.di-Sprecher Harald Reutter drohte mit einem unbefristeten und
flächendeckenden Streik mit Ausnahme der neuen Bundesländer,
wo zahlreiche Verleger nicht verbandsgebunden seien. DJV-Sprecher
Hendrik Zörner betonte die Verhandlungsbereitschaft seines
Verbandes, der sich einem ernsthaften Angebot nicht verschließen
werde.
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) forderte neue
Verhandlungen und zeigte sich bereit, die Forderung nach längeren
Arbeitszeiten und einer Kappung der Berufsjahresstaffel auszuklammern.
An seiner Forderung nach einer Kürzung von Urlaubsgeld und
Urlaubszeit will der Verband aber festhalten.
BDZV-Verhandlungsführer Werner Hundhausen erklärte in Bonn,
statt auf unsinnige Streiks solle man sich darauf konzentrieren,
sinnvolle Lösungen zu finden. Die Streiks änderten nichts an
der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Zeitungsunternehmen, die
die Basis der Tarifforderungen sei.
Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke warf den
Verlegern zusammen mit DJV-Hauptgeschäftsführer Hubert
Engeroff vor, in der letzten Verhandlungsrunde höhere Einkommen
für die Redakteure verweigert zu haben. Stattdessen hätten
sie Urlaubsverkürzungen um bis zu fünf Tage,
Urlaubsreduzierung um 25 Prozent und Arbeitszeitverlängerung um
bis zu 3,5 Wochenstunden gefordert.
Außerdem sollten die Vergütungen für urheberrechtlich
geschützte Leistungen eingeschränkt und die Gehälter und
Honorare für zwei Jahre eingefroren werden. Die Verleger forderten
darüber hinaus Verhandlungen über eine Veränderung der
Gehaltsstruktur mit dem Ziel einer dauerhaften Reduzierung des
Lebenseinkommens, erklärten Werneke und Engeroff. Zudem strebten
sie eine Öffnungsklausel an, die ohne Beteiligung der
Tarifparteien weitere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen vorsehe.
(Quelle: ap)
Kartellamts-Chef Ulf Böge warnt vor geplantem Presse-Fusionsgesetz
Mit dem seien sinistre Geschäfte und theoretisch ein Pressemonopol
möglich ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 30.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/30/a0191.nf/text
Blick ins Archiv
Deutschlands Verleger billigen den Clement-Entwurf zum neuen
Pressefusionsrecht. Damit wird sich die Konzentration auf dem
Zeitungsmarkt deutlich beschleunigen
Nach dem Clement-Entwurf könnten Verlage künftig ohne
Beschränkung Titel zukaufen, auch wenn sie damit eine
marktbeherrschende Stellung erlangen. Genau dies soll das bisher
gültige Pressefusionsrecht eigentlich verhindern...
Mehr in der "tageszeitung" vom 29.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0250.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0244.nf/text
Clement will Klagen gegen genehmigte Fusionen erschweren
Di.23.12.03 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will Klagen gegen
genehmigte Fusionen einem Zeitungsbericht zufolge erschweren.
Künftig sollten nur noch diejenigen Unternehmen gerichtlich gegen
eine Ministererlaubnis für eine bereits genehmigte Fusion vorgehen
können, die direkt von dem Zusammenschluss betroffen seien,
berichtete das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf den
Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums für das neue Gesetz
gegen Wettbewerbsbeschränkungen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312230.htm#03122312
Deutschland: Angeblich schnelle Regel-Lockerung für
Verlags-Fusionen geplant +++ Verlage verlangen: Gebot der
Pressefreiheit soll nicht länger Fusionen im Wege stehen
Mi.24.09.03 - Verlage können einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise
schon in Kürze mit einer Lockerung der Regelungen für
Übernahmen rechnen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) prüfe derzeit, ob die
geplante Lockerung für die Verlage in den vorbereiteten Entwurf
zur Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen noch
aufgenommen werden könne, berichtete die "Financial Times
Deutschland" am Mittwoch. Der Minister werde darüber bald
entscheiden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309240.htm#03092407
Regierung erwägt angeblich Lockerung der Pressefusionskontrolle
So.31.08.03 - Die Bundesregierung prüft nach einem Magazinbericht die Lockerung
der Pressefusionskontrolle. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe bei einem Treffen mit
Verlegern in Aussicht gestellt, Regelungen, die den Zusammenschluss von
Zeitungen erleichtern würden, in einen Entwurf zur Novelle des
Kartellrechts aufzunehmen, berichtete "Der Spiegel" am Samstag vorab..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308310.htm#03083109
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Bauindustrie sieht 70.000 Arbeitsplätze durch Maut-Ausfälle
gefährdet
Fr.30.01.04 - 70.000 Arbeitsplätze sind aus Sicht der Bauindustrie durch die
Einnahmeausfälle bei der Lkw-Maut in Gefahr. Diese Zahl nannte der
Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbandes, Michael
Knipper, am Donnerstag in Berlin. Der Maut-Betreiber Toll Collect
müsse für die Ausfälle gerade stehen. Auch
Verkehrsminister Manfred Stolpe warnte vor der Verzögerung
wichtiger Projekte. Der Grünen-Abgeordnete Albert Schmidt forderte
den Minister auf, die neuen Pläne des Konsortiums sehr kritisch zu
prüfen.
Knipper meinte, die Bauindustrie habe eine schnelle Lösung des
Finanzierungsproblems bitter nötig; ansonsten müsse das
Baujahr 2004 abgeschrieben werden. Durch die Mautausfälle seien
allein 2004 Verkehrswegeinvestitionen im Umfang von 2,1 Milliarden Euro
zur Disposition gestellt. Innerhalb und außerhalb der
bauausführenden Wirtschaft seien damit 70.000 Arbeitsplätze
akut gefährdet. Der Verkehrsdrehscheibe Deutschland drohe kaum 100
Tage vor der EU-Osterweiterung ein investitionspolitisches Debakel,
kritisierte Knipper.
Knipper forderte das Bau- und Verkehrsministerium auf, «hart zu
bleiben». Die Verursacher des Mautdebakels müssten auch in
die finanzielle Verantwortung genommen werden. Entweder müssten
die Toll-Collect-Gesellschafter selbst dem Bund eine
Zwischenfinanzierung zur Verfügung stellen. Oder sie müssten
eine Lösung über die
Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (VIFG) verbürgen.
Stolpe sagte in Goslar beim Verkehrsgerichtstag, er habe noch bis zu
neun Änderungswünsche zum neuen Plan der Maut-Einführung
an Toll Collect. Gleichwohl lobte er, dass das neue Management bei Toll
Collect «mit großer Entschlossenheit und dem Segen ihrer
Unternehmensspitze» das Projekt nun vorantreibe. Das Unternehmen
hatte vorgeschlagen, Anfang 2005 mit einer abgespeckten und Anfang 2006
mit der Vollversion der Maut zu beginnen.
Der Minister gab sich zuversichtlich über den möglichen
Ersatz der bisherigen Schäden, die der Bundesregierung im
Zusammenhang mit dem Maut-Desaster entstanden sind. Sie sollen in einem
Schiedsgerichtsverfahren geklärt werden. «Unsere massive
Erwartung, dass die Einnahmeausfälle ausgeglichen werden, werden
wir in einem Schiedsgerichtsverfahren klären können. Dazu hat
sich die andere Seite inzwischen auch bereit erklärt», sagte
Stolpe.
Wegen der Ausfälle dürfe es nicht zur Verzögerung von
Projekten kommen, sagte der SPD-Politiker. «Wir können uns
keinen Investitionsstau leisten.» Am Nachmittag traf er sich mit
Finanzminister Hans Eichel, um Finanzierungsmöglichkeiten zu
beraten. Eine Einigung wurde noch nicht erwartet.
Schmidt sagte im WDR, Stolpe solle das Angebot «sehr
misstrauisch» prüfen, denn der Bund sei von Toll Collect
«schon allzu oft vertröstet und mit unhaltbaren Zusagen
hingehalten worden». Es gebe also allen Grund, «auch die
Pferdefüße, die versteckt sind, ausfindig zu machen und
gegebenenfalls auf Änderung zu dringen».
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Maut-Einführung auf 2005 verschoben
Do.29.01.04 - Einnahmeausfall für den Bund von rund 2,2 Milliarden im Jahr 2004
+++ Verkehrsminister Stolpe und Finanzminister Eichel
müssen nun sehen, wie sie den Einnahmeausfall
haushaltsmäßig verbuchen, ohne sämtliche
Verkehrsinvestitionen zum Stillstand und damit die Bauindustrie an den
Rand des Ruins zu bringen
+++ Auch bei Toll Collect bislang Verluste in dreistelliger
Millionenhöhe durch die Mautpannen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012922
Statistik-Änderung bremst Anstieg der Arbeitslosenzahl
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar nach
Einschätzung einzelner Experten winterbedingt um 320.000 bis
340.000 auf deutlich über 4,6 Millionen angestiegen. Dank einer
Statistik-Änderung wird die von der Bundesagentur für Arbeit
ausgewiesene Zahl allerdings weitaus geringer sein. Dies könnte
dazu führen, dass die unbereinigte Arbeitslosenzahl erstmals seit
rund zweieinhalb Jahren unter den Vorjahresstand fällt
Fr.30.01.04 - Bei der saisonbereinigten Entwicklung rechneten die
Arbeitsmarktexperten, die von Reuters am Donnerstag befragt wurden, mit
einem Rückgang um etwa 20.000 Erwerbslose im Vergleich zum
Dezember. Dies sei nach wie vor größtenteils Ergebnis des
strikteren Vorgehens der Arbeitsagenturen gegen unwillige Arbeitslose.
Das Anziehen der Konjunktur werde sich erst im Laufe des Jahres am
Arbeitsmarkt niederschlagen. "Ab Jahresmitte könnte sich die Zahl
der Erwerbstätigen stabilisieren oder sogar wieder steigen", sagte
Peter Meister von der ING BHF-Bank. Harald Jörg von der Dresdner
Bank rechnete mit einer "Trendwende beim Arbeitsplatzaufbau auf jeden
Fall in der ersten Jahreshälfte". Dabei schlage sich vor allem die
steigende Zahl von Ich-AGs und Mini-Jobs nieder.
Skeptisch zeigte sich Andreas Rees von der HypoVereinsbank. "Von der
Konjunkturseite erwarten wir in diesem Jahr gar keine Entlastung
für den Arbeitsmarkt." Die Hartz-Reformen würden sich als
Einmaleffekt erweisen, der auslaufen werde. Zudem werde bei den Ich-AGs
"spätestens im Sommer das Pendel zurück schwingen". Ihre Zahl
werde dann wieder sinken, weil sich viele der dahinter stehenden
Geschäftsideen als nicht tragbar erweisen würden.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) legt die Arbeitsmarktdaten
für Januar am nächsten Donnerstag in Nürnberg vor. Dabei
kommt erstmals eine Gesetzesänderung zum Tragen, die seit
Jahresanfang gilt. Arbeitslose, die sich in so genannten
Eignungsfeststellungs- oder Trainingsmaßnahmen befinden, werden
nun nicht mehr als Arbeitslose gezählt. Im Dezember waren dies
immerhin 86.300 und im Jahresdurchschnitt 2003 knapp 78.000
Erwerbslose, um die die statistisch ausgewiesene Arbeitslosenzahl nun
sinkt. Dies betrifft die unbereinigte Arbeitslosenzahl, während
der Effekt für die saisonbereinigte Zahl gering sein soll.
Begründet wird die Neuregelung mit der schrittweisen
Annäherung an Standards der Europäischen Union.
Im Ergebnis könnte dies der BA für Januar zu der Botschaft
verhelfen, dass die Arbeitslosenzahl erstmals seit Juli 2001 unter den
Stand des Vorjahres gesunken sei. Im Dezember lag der seit Monaten
schrumpfende Vorjahresabstand noch bei rund 91.000. Unter
Berücksichtigung der Statistik-Änderung gehen die ING
BHF-Bank und die Deutsche Bank von einer Zunahme der statistisch
ausgewiesenen Arbeitslosenzahl um nur etwa 230.000 aus - dies
wären etwa 4,55 Millionen Arbeitslose, während im Januar 2003
noch 4,623 Millionen Erwerbslose registriert waren.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung kürzt angeblich Mittel für die Bahn
Fr.30.01.04 - Bahn-Chef Hartmut Mehdorn muss angeblich mit massiven Kürzungen
der Bundesmittel für sein Unternehmen rechnen. Wie die
«Financial Times Deutschland» (Freitagausgabe) berichtete,
plant die Bundesregierung offenbar, die Staatszuschüsse für
die Schieneninfrastruktur für die nächsten fünf Jahre
auf knapp 16 Milliarden Euro zu senken. Dies würde nach
Darstellung des Blattes eine Reduzierung der Geldflüsse um bis zu
einem Drittel bedeuten. Laut «Financial Times Deutschland»
würden die Einschnitte den für 2005 anvisierten
Börsengang der Deutschen Bahn AG in weite Ferne rücken.
(Quelle: ap)
Mobilfunk: Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor Elektrosmog
Versicherungen schließen Mobilfunk-Risiken oft aus
Fr.30.01.04 - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt erneut vor
möglichen Gefahren des Elektrosmogs aus Mobilfunk-Geräten.
"Es gibt derzeit zwar keinen wissenschaftlichen Nachweis für
gesundheitliche Gefahren, vor denen die Grenzwerte nicht schützen,
wohl aber Hinweise auf mögliche Risiken und Fragen, die
wissenschaftlich noch nicht beantwortet werden können", sagte der
BfS-Präsident Wolfram König der Berliner Zeitung.
Zu Presseberichten, laut denen es für Mobilfunkfirmen und
Handy-Hersteller immer schwerer werde, sich gegen mögliche
Schadenersatzklagen wegen elektromagnetischer Strahlung zu versichern,
meinte König, es dürften keine Horrorszenarien entworfen
werden. Auch sei eine Vorsorge unbestritten notwendig. Es sei allein
Sache der Versicherer, für sie unkalkulierbare Risiken zu bewerten.
Die Versicherungswirtschaft schließt in ihren Policen
gesundheitliche Risiken durch den Mobilfunk vielfach aus. "Das ist in
der Branche so üblich", sagte ein Allianz-Sprecher in
München. Der größte deutsche Versicherungskonzern
schließe diese Risiken bei Verträgen mit Handy-Herstellern
schon seit längerem aus. Bei Netzbetreibern werde von Fall zu Fall
entschieden.
Hintergrund sind Befürchtungen, die elektromagnetische Strahlung
beim Mobilfunk könne gesundheitsschädlich sein. Bisher gibt
es keinen unumstrittenen wissenschaftlichen Beleg für diese These.
Solange es keine fundierten Daten gebe, bestehe eine theoretische,
potenzielle Gefahr, sagte der Allianz-Sprecher. Unkalkulierbare Risiken
seien aber nicht versicherbar.
Auch nach Beobachtung der beiden weltgrößten
Versicherungsmakler, Marsh und Aon, werden die Risiken zunehmend nicht
übernommen. In den Vertragsverhandlungen für das laufende
Jahr seien sie «erstmals auf breiter Front» ausgeschlossen
worden, sagte Georg Bräuchle, Geschäftsführer bei Marsh
Deutschland, der «Süddeutschen Zeitung».
Hintergrund des vorsichtigen Vorgehens der Versicherer sind die
Erfahrungen mit Asbest, das lange als unbedenklich galt. Seit bekannt
ist, dass der Stoff krebserzeugend ist, mussten die Versicherer vor
allem in den USA Milliardenzahlungen leisten.
(Quellen: heise, dpa)
Die Handymasten-Datenbank:
Daten von 52.000 Sendeanlagen und 4.500 Messstellen online abrufbar:
http://emf.regtp.de
Blick ins Archiv:
Studie: Strahlende Handys für Kinder ungeeignet
So.14.12.03 - Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) [http://www.bfs.de]
weist in einer neuen Broschüre darauf hin, dass drei Viertel der
in Deutschland erhältlichen Mobiltelefone für Jugendliche
nicht zu empfehlen sind. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312140.htm#03121418
Dauerreizthema Mobilfunk
Mehr als 60 Millionen Handys klingeln täglich in
Deutschland über 50 000 Sendestationen – und 12 000
Bürgerinitiativen protestieren dagegen. Wenn 2005 die UMTS-Technik
eingeführt wird, werden es voraussichtlich doppelt so viele
Antennen und vielleicht auch Widerständler..
Dass der Einfluss von elektrischen Schwingungen zu Schäden im
Erbsubstanzmolekül DNS und zur Produktion von Stressproteinen
führen kann, gilt zwar als gesichert, ob jedoch diese
Veränderungen den Menschen schaden, wird offiziell weiterhin
beharrlich bezweifelt. ..
Immobilien, die sich in der Nähe von Mobilfunkantennen befinden,
ließen sich weit schlechter verkaufen und vermieten. Zwischen
fünf und 50 Prozent Wertminderung seien hinzunehmen, sagten Makler
bei einer Umfrage des Münchner Umweltinstituts aus... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309280.htm#030928_q
Freiburger Appell gegen Umweltbelastungen durch Mobilfunk
Di.25.02.03 - Rund 35.000 Menschen sollen mittlerweile den
Freiburger Appell unterzeichnet haben.
30.000 Unterschriften kamen allein aus Deutschland und darunter wiederum 1000 von Ärzten...Mehr unter
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302250.htm#03022530
Forscher: Hinweise für Zellschäden durch Mobilfunk
Do.07.08.03 - Ein internationales Forscherteam hat in Laborversuchen Hinweise
dafür gefunden, dass elektromagnetische Felder wie etwa Mobilfunk
das menschliches Erbgut schädigen können...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308070.htm#03080721
Aus Angst vor Bürgerprotesten: Mobilfunk-Antennen werden zunehmend versteckt angebracht
21.11.2001 - Auf den ersten Blick sieht es aus, als wird das Dach des
Kirchturms der Christuskirche im ostwestfälischen Löhne
repariert. Nur wenn man ganz genau hinsieht, kann man erkennen: In
Wirklichkeit wird hier gerade ein Mobilfunksender eingebaut. Damit man
den von außen nicht sieht, tauscht eine Spezialfirma die Ziegel
gegen speziell angefertigte Plastik-Dachpfannen aus, die die Strahlung
durchlassen...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
mednews8.htm#0111210
Unmenschliche Arbeitsbedingungen in der PC-Produktion
Fr.30.01.04 - Die britische Organisation CAFOD prangert unmenschliche
Arbeitsbedingungen bei der Hardware-Herstellung in Ländern wie
China und Mexiko an. CAFOD kritisiert namentlich die US-Firmen Dell,
Hewlett-Packard und IBM scharf. Die Catholic Agency for Overseas
Development mit Sitz in London legt in ihrem Bericht dar, dass vor
allem junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren gnadenlos ausgebeutet
werden und unter Arbeitsbedingungen leiden, die in
Industrieländern undenkbar wären.
Nach dem Bericht werden Produktionsfehler mit Lohnabzug oder
öffentlichen Demütigungen bestraft, Arbeiter dürften
sich nicht organisieren, Rassismus und Intoleranz sind an der
Tagesordnung. Eine Liste der Firma IBM zähle unter anderem als
Gründe für die Nicht-Einstellung auf: Anzeichen von
Homosexualität, mehr als zwei Tätowierungen, Ohrringe, lange
Haare, Schwangerschaft, aktive Parteimitgliedschaft,
verwandtschaftliche Beziehungen zu einem Rechtsanwalt, vorhergehende
Tätigkeit für eine Gewerkschaft oder einen Rechtsanwalt....
Mehr bei heise-online (20.01.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/44134
CAFOD-Bericht:
http://www.cafod.org.uk/news_and_events/news/
computer_factory_sweatshops_20040126
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