Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundachzehnten Tag nach Kriegsbeginn
Unbekannte erschießen drei irakische Soldaten in Mossul +++
Angriff auf niederländische Botschaft in Bagdad +++ Annan:
UN-Mission in Irak kann 'in wenigen Tagen' starten +++ Bush will
'Fakten' zu irakischen Massenvernichtungswaffen wissen +++
NATO-Generalsekretär schließt bei Treffen mit dem
US-Präsidenten größere Rolle in Irak nicht aus
Sa.31.01.04 - In der nordirakischen Stadt Mossul sind am Freitag drei irakische
Soldaten von Unbekannten erschossen und ein weiterer schwer verletzt
worden. Drei Unbekannte hätten aus einem vorbeifahrenden Auto auf
die Soldaten geschossen, die an einer Straßensperre am Eingang
des Präsidentenpalastes gestanden hätten, sagte ein Polizist
in Mossul der Nachrichtenagentur AFP. Die Täter seien geflohen.
Ein Gerichtsmediziner am örtlichen Krankenhaus bestätigte die
Angaben.
Die niederländische Botschaft in Bagdad ist Ziel eines
Raketenangriffs geworden. Da das Gebäude leer war, wurde niemand
beim Einschlag zweier Raketen verletzt, wie eine Sprecherin des
niederländischen Außenministeriums in Den Haag mitteilte. Es
sei aber ein Feuer ausgebrochen. "Ziel dieses Anschlags waren eindeutig
die Niederlande", sagte die Ministeriumssprecherin.
Die vier Mitarbeiter der Botschaft befänden sich in einem
US-Armeestützpunkt in Sicherheit. Einem US-Militärsprecher
zufolge folgte auf den Angriff ein kurzer Schusswechsel. Er hatte
zunächst von einer Explosion gesprochen.
Die Niederlande unterstützen die Koalitionstruppen in Irak mit
1200 Soldaten. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende hatte die
Truppe Anfang Januar überraschend in ihrem Hauptquartier in
Samawa, 270 Kilometer südlich von Bagdad, besucht.
Am Mittwoch waren sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad
ums Leben gekommen. Der Attentäter hatte sich vor einem Hotel in
der Nähe der polnischen Botschaft in die Luft gesprengt. Am 18.
Januar waren bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe des
Hauptquartiers der US-Streitkräfte in Bagdad mindestens 23
Menschen getötet worden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan will bereits in den kommenden Tagen
das angekündigte Expertenteam nach Irak entsenden. Die Mission
könne "in wenigen Tagen" beginnen, sagte Annan am Freitag bei
einem Besuch in Brüssel. Die UN-Experten sollen prüfen, ob
eine Übergangsregierung im Sommer bereits durch Wahlen eingesetzt
werden kann. Die USA halten Wahlen angesichts der fehlenden Strukturen
in Irak für nicht so rasch organisierbar; die irakischen Schiiten
ihrerseits wehren sich gegen die Einsetzung einer Interimsregierung
durch eine Delegiertenversammlung und fordern die Beteiligung der
Bevölkerung. Beide Seiten hatten die UNO um eine Vermittlung in
ihrem Streit gebeten.
US-Präsident George W. Bush hat sich am Freitag zu der bislang
vergeblichen Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak
geäußert. Auch er wolle die "Fakten" dazu kennenlernen,
sagte Bush vor Journalisten in Washington. Er wolle in der Lage sein,
die Erkenntnisse der US-Waffeninspekteure mit dem zu vergleichen, was
vor dem Krieg gegen Irak als sicher gegolten habe. Bush
äußerte sich aber nicht direkt zu der Frage, ob er eine
unabhängige Untersuchung zu US-Geheimdienstberichten
unterstütze, die die Existenz von Massenvernichtungswaffen
behauptet hatten. Eine solche Untersuchung hatten oppositionelle
Demokraten, aber auch der frühere US-Chefwaffeninspekteur David
Kay gefordert.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat bei seinem ersten
Treffen mit US-Präsident George W. Bush seit seinem Amtsantritt
eine größere Rolle der Allianz in Irak und Afghanistan nicht
ausgeschlossen. Die NATO könne sich mehr in Irak engagieren, wenn
eine souveräne irakische Regierung sie darum bitte, sagte de Hoop
Scheffer am Freitag im Weißen Haus in Washington. Vor dem Treffen
hatte er betont, Afghanistan habe für die NATO die höchste
Priorität.
(Quelle: afp)
US-Regierung gibt erstmals Fehlinformationen zu
Während der Hutton-Report die angeblichen Manipulationen der
englischen Regierung an den Beweisen für irakische
Massenvernichtungswaffen zurückweist, gab es die amerikanische
Regierung am Donnerstag zum ersten Mal zu, daß »die
Informationen der US-Geheimdienste, mit denen der Irak-Krieg
begründet worden war, möglicherweise falsch waren. «Ich
glaube, dass wir Beweise dafür haben, dass es Unterschiede
zwischen dem gibt, was wir vermutet haben und dem, was wir gefunden
haben», sagte Sicherheitsberaterin Rice dem Sender CBS. --
Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung, wie sie unter
anderem der Leiter der US-Waffeninspektoren, David Kay, erhoben hatte,
wies sie allerdings zurück...
Mehr bei "Netzeitung" (30.01.04 ?) unter:
http://www.netzeitung.de/spezial/irak/271062.html
«Hinter dem Widerstand im Irak steht die einfache sunnitische
Bevölkerung»
Mehr in einem Gespräch das telepolis (31.01.04) mit Robert Fisk führte::
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16659/1.html
Robert Fisk ist einer der renommiertesten Korrespondenten aus dem
arabischen Raum und Kriegsberichterstatter für die britische
Tageszeitung Independent [http://news.independent.co.uk/]
|
Hutton-Bericht zum Selbstmord des Waffenexperten Kelly:
BBC-Reporter Gilligan reicht Kündigung ein +++ Ex-BBC-Chef Dyke wirft Hutton-Kommission
'Schwarz-Weiß'-Bericht vor
Sa.31.01.04 - Der für die Kelly-Affäre maßgeblich verantwortliche
BBC-Reporter Andrew Gilligan hat seine Kündigung eingereicht. Das
teilte er in einer Erklärung an die britische Nachrichtenagentur
Press Association mit. Zugleich entschuldigte er sich für die
Fehler, die er begangen habe. Sein Radiobericht, in dem er behauptet
hatte, die Regierung habe ein Irak-Dossier mit unseriösem
Geheimdienstmaterial aufgebauscht, sei teilweise falsch gewesen.
Der 35-Jährige betonte, er gehe auf eigene Initiative, aber die
gesamte BBC sei Opfer einer "schweren Ungerechtigkeit". Ein
Untersuchungsbericht zum Selbstmord des Waffenexperten David Kelly
hatte der BBC schwere Vorwürfe gemacht.
"Ich liebe die BBC und ich gehe, weil ich sie schützen will",
erklärte Gilligan weiter. Er akzeptiere seinen Teil an der Krise
der Rundfunkanstalt. Aber eine größere Rolle spielten die
"unausgewogenen Urteile" in dem am Mittwoch veröffentlichten
Untersuchungsbericht von Lordrichter Brian Hutton zu Kellys Tod,
betonte der Reporter. Wenn Hutton die ihm vorliegenden Beweise "fair"
ausgewertet hätte, wäre er zu dem Schluss gekommen, dass "der
Großteil" seines Radioberichts richtig gewesen sei, fügte
Gilligan hinzu.
Hutton hatte der BBC vorgeworfen, sie habe die britische Regierung mit
"nicht fundierter" Berichterstattung in Misskredit gebracht. Die
BBC-Leitung habe sich zudem "schuldig" gemacht, indem sie keine
"eingehende Untersuchung" zu den von der Regierung als falsch
bezeichneten Vorwürfen Gilligans eingeleitet habe.
Die BBC bestätigte Gillians Kündigung. Der Reporter mache
gerade eine "sehr schwere Zeit" durch, hieß es in einer kurzen
Erklärung. Die britische Regierung wollte sich dazu nicht
äußern.
Als Konsequenz aus der Affäre war am Mittwoch bereits der
BBC-Verwaltungsratschef Gavyn Davies zurückgetreten; einen Tag
später folgte Generaldirektor Greg Dyke. Der Sender entschuldigte
sich bei der Regierung.
Einen Tag nach seinem Rücktritt hat Dyke scharfe Kritik an der
Hutton-Kommission geübt. Es sei "bemerkenswert", wie sehr
zugunsten der britischen Regierung und zulasten der BBC entschieden
worden sei, sagte Dyke am Freitagmorgen in der BBC-Radiosendung
"Today". Dem privaten Fernsehsender GMTV sagte er, die Führung des
Senders sei entsetzt über den Bericht des Ermittlungsrichters
Brian Hutton gewesen. "Wir waren schockiert, wie schwarz-weiß er
war." Die BBC habe zwar gewusst, dass ihre Reporter bei der
Berichterstattung Fehler gemacht hätten, "aber wir konnten es
nicht glauben, dass die allein bei uns gelegen haben sollen". Er
glaube, dass Hutton auch juristische Fehler unterlaufen seien.
(Quelle: afp)
Mehrheit der Briten lehnt laut Umfragen den Hutton-Bericht ab und traut
der BBC mehr als Blair
Tony Blair hätte an Stelle des BBC-Generaldirektors Greg Dyke
zurücktreten sollen. Das meint jedenfalls die britische
Bevölkerung. In einer Meinungsumfragen des Guardian nach der
Veröffentlichung des Hutton-Berichts am Mittwoch, in dem der BBC
die Alleinschuld an der Kelly-Affaire gegeben wird, erklärte eine
deutliche Mehrheit, der BBC mehr Vertrauen entgegenzubringen als der
Regierung - 31 gegenüber 10 Prozent. In einer Umfrage des Daily
Telegraph fanden 56 Prozent der Befragten den Hutton-Bericht einseitig
und unfair...
Auch die englische Presse hat in ihrer Mehrheit den Hutton-Bericht
scharf kritisiert. Nur die Sun und die Times standen bisher auf Seiten
der Regierung. Beide gehören zum Medienimperium von Rupert
Murdoch, der seine Blätter weltweit im Irakkrieg auf den Kurs von
US-Präsident Bush und Tony Blair eingeschworen hatte. Tausende
Angestellte der BBC haben eine Anzeige im Daily Telegraph bezahlt und
fordern, daß "die BBC nicht aufhört, nach den Fakten und
nach der Wahrheit zu suchen"....
Quelle: Ralf Sotschek - "Vom Hutton-Bericht zum Hutton-Skandal",
"tageszeitung" vom 31.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/31/a0090.nf/text
Der Hatten-Bericht:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29.nf/ressort.q,TAZ.re,sw
http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/uk/2003/david_kelly_inquiry/
inquiry_documents/default.stm
Blick ins Archiv
Auch BBC-Intendant tritt wegen Kelly-Bericht zurück
Fr.30.01.04 - Lordrichter Hutton hatte der BBC in seinem Abschlussbericht zur
Kelly-Affäre mangelnde Sorgfalt vorgeworfen +++ Zahlreiche
britische Zeitungen reagierten skeptisch auf den Hutton-Bericht und
sprachen von einem einseitigen Ergebnis - Blair war in dem Bericht von
jeglicher Verantwortung für den Selbstmord des Waffenexperten
David Kelly freigesprochen worden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401300.htm#04013001
Hutton entlastet Blair in Kelly-Affäre
Do.29.01.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat die wohl schwerste Probe
seiner Regierungszeit überstanden: In dem am Mittwoch vorgelegten
Bericht der Untersuchungskommission zum Selbstmord des Waffenexperten
David Kelly wird Blair von jeglicher Verantwortung freigesprochen.
Zudem erklärte Lordrichter Hutton einen BBC-Bericht, wonach die
Regierung Geheimdienstinformationen über Irak vor dem Krieg
aufbauschte, für unhaltbar. Wenige Stunden später
kündigte der BBC-Vorstandsvorsitzende Gavyn Davies seinen
Rücktritt an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012902
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Sicherheitsrat drängt zur Umsetzung der Anti-Terror-Sanktionen
Sa.31.01.04 - Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus hat der
Weltsicherheitsrat die UN-Mitgliedstaaten ultimativ zur Umsetzung
bestehender Resolutionen aufgefordert. Bis zum 31. März
müssten alle Staaten einen Bericht über ihre Maßnahmen
im Kampf gegen den Terror abgeben, heißt es einer in New York
verabschiedeten Resolution. Regierungen, die diese Frist nicht
einhalten, würden auf einer Liste genannt. Im Mittelpunkt steht
vor allem die Aufdeckung der Finanzströme der Terrororganisation
el Kaida und der Taliban.
(Quelle: dpa)
USA: Neun Milliarden Dollar für Raketenabwehr
Sa.31.01.04 - Der Entwurf für den US-Haushalt im Fiskaljahr 2005 sieht
zusätzliche Mittel für die Raketenabwehr vor. Nach auf der
Pentagon-Website veröffentlichten Zahlen ist dafür ein Posten
von 9,1 Milliarden Dollar vorgesehen. Damit sind für die
Raketenabwehr Mehrausgaben von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
geplant. Die Verteidigungsausgaben belaufen sich in dem Entwurf auf 401
Milliarden US-Dollar. Der Haushaltsplan, den das Weiße Haus am
Montag öffentlich vorstellen wird, sieht nach Angaben eines
Regierungsvertreters ein Defizit von 521 Milliarden Dollar vor.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
US-Präsident Bush fordert mehr Geld für die Rüstung
Sa.24.01.04 - ... Der Entwurf für den Verteidigungsetat
für das im Oktober beginnende neue Haushaltsjahr sieht eine
Steigerung der Ausgaben um 7 Prozent auf 401,7 Milliarden Dollar (316
Milliarden Euro) vor ... Das Pentagon gibt derzeit für den
Irak-Einsatz rund eine Milliarde Dollar pro Woche aus.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#04012402
Wirtschaftwachstum in den USA überraschend stark gebremst
Deutlich verlangsamtes Wachstum bei Konsumausgaben +++ Sorgenkind
Arbeitsmarkt
Sa.31.01.04 - Die gebremste Kauflust der amerikanischen Verbraucher hat das
Wachstumstempo der US-Wirtschaft Ende des vergangenen Jahres
überraschend stark gedrosselt.
Im Schlussquartal 2003 blieb der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) sowohl deutlich hinter dem Wert der vorangegangenen drei Monate
als auch hinter den Erwartungen von Experten zurück. Volkswirte
sprachen aber von einer immer noch beachtlichen Wachstumsrate, die eine
fortgesetzte Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft
erwarten lasse. Es sei allerdings weiterhin fraglich, ob diese
kräftig genug sei, um dem Arbeitsmarkt wieder auf die Sprünge
zu helfen. Die Finanzmärkte reagierten am Freitag enttäuscht
auf die BIP-Daten. Nach Veröffentlichung überraschend starker
Zahlen zur Entwicklung der Industrie und zum Konsumklima erholten sich
die US-Börsen und der Dollar aber wieder etwas.
Das US-BIP stieg im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 4,0
Prozent, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Die
Wachstumsrate war damit weniger als halb so hoch wie im dritten
Quartal, als der Anstieg vor allem dank milliardenschwerer
Steuersenkungen 8,2 Prozent betrug, und lag zudem deutlich unter der
durchschnittlichen Prognose von Reuters befragter Analysten von 4,8
Prozent.
"Es ist immer noch eine beachtliche Wachstumsrate, und Einzelheiten
zeigen, dass die Erholung auf gutem Weg ist", sagte Lara Rhame,
Volkswirtin bei Brown Brothers Harriman & Co. Ken Mayland von
Clearview Economics LLC wies darauf hin, dass die Belebung der
Produktion zunehmend vom Lageraufbau und den Exporten der Industrie
getragen werde und weniger von den Verbraucherausgaben, die in den USA
zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen. Nach den Worten von
Commerzbank-Experte Patrick Franke war vor allem der Lageraufbau
schwächer als erwartet. Hier könnten die Daten allerdings
noch deutlich nach oben korrigiert werden.
Die Konsumausgaben stiegen nach Ministeriumsausgaben im
Berichtszeitraum nur noch um 2,6 Prozent. In den vorangegangenen drei
Monaten hatten vor allem die Steuererleichterungen der US-Regierung
noch zu einem weitaus stärkeren Plus von 6,9 Prozent beigetragen.
Auch das Investitionswachstum schwächte sich den Angaben zufolge
ab. Die Dollar-Abwertung, die US-Produkte im Ausland günstiger
macht, trug demgegenüber zu einem mächtigen Exportschub bei.
So verdoppelte sich das Wachstum der Ausfuhren im vierten Quartal
nahezu auf mehr als 19 Prozent.
Das Konsumklima wird weiterhin durch die Entwicklung des Arbeitsmarktes
gedämpft, der der konjunkturellen Erholung noch deutlich hinterher
hinkt. Neue Zahlen zur Industrie unterstreichen dies. So beschleunigte
sich zwar die Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe im
Großraum Chicago im Januar überraschend stark auf das
höchste Niveau seit neuneinhalb Jahren, wie der Anstieg des viel
beachteten Chicagoer Einkaufsmanagerindexes zeigt. Der Teilindikator
Beschäftigung weist zugleich aber auf einen anhaltenden
Arbeitsplatzabbau hin. Der Stellenzuwachs der gesamten US-Wirtschaft im
Dezember war vernachlässigenswert gering ausgefallen und deutlich
hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Arbeitsmarktbericht
für Januar wird kommenden Freitag erwartet.
Immerhin hat sich das Konsumklima dank der anhaltenden
Aktienmarkt-Stärke zum Jahresbeginn deutlich aufgehellt. Der von
der Universität Michigan ermittelte Index zum Verbrauchervertrauen
legte im Januar nach endgültigen Berechnungen unerwartet
kräftig zu. Nach Einschätzung von Lynn Reaser, Volkswirt bei
Banc of America Capital Management, spiegelt dies auch die gestiegenen
Hoffnungen auf bessere Beschäftigungsperspektiven wider. Sein
Kollege Franke von der Commerzbank räumte zwar ein, dass das
Wachstum des US-BIP verglichen mit Deutschland "extrem gut" sei. "Die
USA brauchen aber mehr für den Beschäftigungsaufbau", gab er
aber zu bedenken.
Im Gesamtjahr 2003 beschleunigte sich das BIP-Wachstum in den
Vereinigten Staaten auf 3,1 (Vorjahr 2,2) Prozent. Das ist die
höchste Rate seit dem Jahr 2000. In Deutschland war die Wirtschaft
dagegen im vergangenen Jahr leicht geschrumpft.
(Quelle: rtr)
Wird es neue Jobs auf dem Mond geben, oder müssen Amerikas
Arbeiter warten, bis wir auf dem Mars landen?
Diese Frage und ähnliche drängten sich mir unweigerlich auf,
als das Weiße Haus seine kühne neue Initiative
verkündigte - Installation einer Mond-Basis als erster Schritt, um
Menschen auf den Mars zu schicken. Es war am gleichen Tag, als das
US-Arbeitsministerium etwas verkündete, was alle in Erstaunen
versetzte: Im Dezember sind lediglich 1 000 neue Jobs entstanden. Das
lag völlig unterhalb der Erwartungen (in ihren Voraussagen waren
die Experten von 150 000 Jobs ausgegangen). Auch die Finanzmärkte
waren geschockt - aber viel wichtiger, uns wurde wieder bewusst, dass
wir nach wie vor in einem Aufschwung mit 'Jobverlust' leben. 25 Monate
nach dem offiziellen Ende der letzten Rezession im Land hängt die
Wirtschaft noch immer um 776 000 Jobs nach - ein Scheitern, das
seinesgleichen sucht in einer Zeit wirtschaftlicher Erholung.
Normalerweise gewinnt die Wirtschaft in den Jahren nach einer Rezession
Millionen neuer Jobs hinzu. Aber momentan sieht es ganz danach aus, als
würde George W. Bush der erste Präsident Amerikas seit
Herbert Hoover (vor mehr als 70 Jahren), der in seiner
Präsidentschaft netto - also unterm Strich - Jobs verliert. ...
Aus: Mark Weisbrot - "Jobs auf dem Mond?", ZNet vom 25.01.04:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=989
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=10&ItemID=4883
Mark Weisbrot ist Ko-Direktor des 'Center for Economic and Policy
Research' [http://www.cepr.net] in Washington, D.C
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Nahost-Konflikt
USA fordern Den Haager Gerichtshof auf, nicht über
israelischen Sperrwall zu entscheiden - Auch London will Prüfung der
Sperranlage durch Internationalen Gerichtshof verhindern
+++ Arafat in USA auf 20 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt +++
Israelische Armee marschiert erneut in Bethlehem ein +++ Berlin will
Vermittlung zwischen Israel und Hisbollah fortsetzen
Sa.31.01.04 - Die USA haben den Internationalen Gerichtshof in Den Haag aufgefordert,
von einer Verhandlung über die Rechtmäßigkeit des
israelischen Sperrwalls im Westjordanland abzusehen. Eine rechtliche
Prüfung des umstrittenen Bauwerks durch das UN-Tribunal wäre
"unangebracht" und könnte Fortschritte bei einer friedlichen
Lösung des Nahost-Konfliktes erschweren, sagte
Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag in Washington. Mit
der Road Map von USA, EU, UNO und Russland liege eine Instrument vor,
mit dem ein Abkommen zwischen Palästinensern und Israel auf dem
Verhandlungsweg erreicht werden könne.
London will nach einem Zeitungsbericht Einspruch gegen eine
Begutachtung der umstrittenen israelischen Sperranlage im
Westjordanland durch den Internationalen Gerichtshof einlegen.
Großbritannien wolle einen Präzedenzfall verhindern, mit dem
die UN- Vollversammlung kontroverse Themen prinzipiell dem Gerichtshof
in Den Haag vorlegen könnte, berichtete der "Guardian".
Großbritanniens Einmarsch im Irak könne sonst ebenfalls vor
dem Gerichtshof verhandelt werden.
Ein bei einem Angriff vor zwei Jahren in Israel verletzter Amerikaner
hat in einer Klage vor einem US-Bundesgericht den
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat und fünf
palästinensische Gruppen auf 20 Millionen Dollar Schadenersatz
verklagt. Moshe Saperstein, der bei dem Angriff am 18. Februar 2002
eine Hand verlor, machte zusammen mit den Hinterbliebenen des bei
demselben Zwischenfall getöteten israelischen Anwalt Ahuva Amergi
Arafat und palästinensische Organisationen für Anschläge
auf jüdische Zivilisten in Israel und dem Westjordanland
verantwortlich. In der am Donnerstag in Miami eingereichten
Klageschrift berief er sich auf ein US-Gesetz, das Bundesgerichten
Zuständigkeit bei Fällen internationalen Terrorismus sowie
Verstössen gegen internationales Recht und US-Verträgen
einräumt.
Saperstein hat die amerikanische und israelische
Staatsbürgerschaft. Beim Jom-Kippur-Krieg 1973 verlor er einen
Arm; nach der Verwundung vor zwei Jahren musste ihm die Hand des
anderen Arms amputiert werden.
Die israelische Armee ist derweil in der Nacht zu Samstag erneut in
Bethlehem im Westjordanland eingerückt. Nach Angaben
palästinensischer Sicherheitskräfte nahmen etwa 20
Militärfahrzeuge, darunter auch Panzer, an dem Einmarsch teil.
Schusswechsel waren zunächst nicht zu vernehmen. Ein israelischer
Armeesprecher bestätigte, dass eine "Militäroperation im
Gange" sei.
Deutschland will seine Vermittlermission nach dem erfolgreichen
Austausch israelischer und arabischer Gefangener in Nahost fortsetzen.
Der israelische Botschafter in Berlin, Schimon Stein, warnte die
Hisbollah vor weiteren Entführungen von Israelis.
Regierungssprecher Béla Anda erklärte, dass die
Bemühungen des deutschen Geheimdienstes «mit der ersten
Massnahme nicht zu Ende» seien. Auch Stein, nannte die
Übergabe von Köln nur den «ersten Teil» eines
umfassenden Austauschs. Er würdigte im ARD-Morgenmagazin die Rolle
Deutschlands beim Gefangenenaustausch. Das Erfolgsgeheimnis sei, dass
die Deutschen Vertrauen auf beiden Seiten genössen. Beim zweiten
Teil des Austauschs solle das Schicksal des 1986 über Libanon
abgeschossenen Kampfpiloten Ron Arad aufgeklärt werden.
Im Südwestrundfunk warnte der Botschafter die Hisbollah. Sollte
der Anführer der Schiiten-Organisation, Scheich Hassan Nasrallah,
meinen, Israel mit weiteren Entführungen in die Knie zwingen zu
können, dann werde es für ihn «ein paar unerfreuliche
Nachrichten» geben. Er solle den Gefangenenaustausch nicht als
Zeichen der Schwäche deuten. Auf künftige Entführungen
werde so geantwortet, dass es ihm eine Lektion sein werde.
Stein drückte die Hoffnung aus, dass die Bundesrepublik auf
humanitärem Gebiet weiterhin aktiv sein werde. Für die
Lösung des Nahostkonflikts führe an der zentralen Rolle der
USA allerdings kein Weg vorbei. Deutsche und Europäer könnten
nur eine «ergänzende Rolle» spielen.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Irans Wächterrat erwägt Parlamentswahl ohne Regierungshilfe
Sa.31.01.04 - In Iran geht der Machtkampf zwischen den Reformen und dem Klerus
weiter. Der konservative Wächterrat erwägt, die
Parlamentswahl am 20. Februar ohne Unterstützung der Regierung
abzuhalten. Damit reagiert das Kontrollgremium auf die Drohung von
Innenminister Mussawi Lari, die Wahl zu verschieben.
Unterdessen ließ der Wächterrat endgültig knapp 5500
von insgesamt 8000 Kandidaten zur Wahl zu. In einer von der
studentischen Nachrichtenagentur Isna verbreiteten Erklärung des
Wächterrats heißt es, von insgesamt 7900 Bewerbern seien
5451 zu dem Urnengang am 20. Februar zugelassen. Von den mehr als 3600
von ihm ursprünglich ausgeschlossenen Bewerber wurden demnach 1160
im Nachhinein doch noch zugelassen.
Die Zahl 7900 weicht von den früher genannten 8157 Kandidaten ab.
Der Wächterrat machte keinerlei Angaben dazu, wer
nachträglich zugelassen wurde. Er verwies lediglich darauf, dass
ausgeschlossene Kandidaten ab Freitag um Mitternacht drei Tage Zeit
hätten, um gegen ihren Ausschluss Widerspruch einzulegen.
Nach Protesten und einer neuen Prüfung hatte das Gremium zuvor
schon mehr als 800 der zuvor abgelehnten Kandidaten wieder zugelassen.
Nach Angaben des reformorientierten Innenministeriums nahm der
Wächterrat aber bis dahin bei keinem der 80 Abgeordneten, die von
einer neuerlichen Kandidatur ausgeschlossen wurden, seine Entscheidung
zurück. Das Gremium hatte den Ausschluss zumeist damit
begründet, dass die Kandidaten gegen den Islam oder die Verfassung
verstoßen hätten.
(Quellen:dpa, afp )
UN: Lage von 135.000 Sudan-Flüchtlingen im Tschad spitzt sich zu
Sa.31.01.04 - Im Tschad spitzt sich die Lage für rund 135.000 sudanesische
Flüchtlinge nach UN-Angaben dramatisch zu. Bislang seien in der
Grenzregion zum Sudan keinerlei Spendengelder eingetroffen, um die Not
leidenden Menschen ins sichere Landesinnere des Tschad zu bringen,
teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf mit. Die
Frauen, Männer und Kinder seien etwa den Angriffen sudanesischer
Rebellen schutzlos ausgeliefert. Am Donnerstag wurden den Angaben
zufolge bei einem Bombenangriff der sudanesischen Luftwaffe zwei
Menschen in der Grenzstadt Tine im Tschad getötet.
Die Menschen litten unter mangelnder Ernährung, Wasserknappheit
und teilweise katastrophalen hygienischen Bedingungen. Neu ankommende
Flüchtlinge aus der umkämpften westsudanesischen Region
Darfur berichteten von plündernden Milizionären. Die Lage
werde sich während der beginnenden Regensaison im Mai weiter
verschärfen. Dann könnten wegen der unpassierbaren Wege die
Menschen nicht mehr aus der Region wegtransportiert werden, teilte das
UNHCR mit.
Seit einigen Wochen eskaliert in der Region Darfur der Konflikt
zwischen der Armee und der Rebellengruppe "Sudanesische
Befreiungsarmee". Dabei kommt es Berichten zufolge immer wieder zu
Angriffen der Luftwaffe auf Dörfer. Nach Angaben des britischen
Senders BBC (online) eroberte die Armee in den vergangenen Tagen
Gebiete zurück, die bislang die Rebellen kontrolliert hatten.
Wie der UN-Informationsdienst IRIN berichtete, schlugen am Donnerstag
Bomben in der Grenzstadt Tine im Tschad ein. Offenbar habe der Angriff
aber Stellungen von Rebellen im Sudan gegolten. Die Dynamit-Bomben der
sudanesischen Streitkräfte seien besonders unpräzise und
vermutlich irrtümlich jenseits der Grenze gelandet. Unter den zwei
Toten sei ein zweijähriges Mädchen. 15 Zivilisten seien
verletzt worden.
Im September hatte das UNHCR zu Spenden in Höhe von 10,3 Millionen
US-Dollar aufgerufen. Inzwischen habe sich der Bedarf jedoch
beträchtlich erhöht, weil immer mehr Flüchtlinge sich
auf den Weg in die Grenzregion zum Tschad machten, hieß es.
(Quelle: epd)
Brasiliens Präsident schlägt weltweite Steuer im Kampf gegen
Hunger und Armut vor
Sa.31.01.04 - Im Kampf gegen Armut und Hunger ist eine weltweite Steuer auf gewisse
Formen des Waffenhandels und Finanztransaktionen im Gespräch. Der
Vorschlag kommt von Brasiliens Präsident Lula da Silva. Er traf
sich in Genf mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac und dem
chilenischen Präsidenten Ricardo Lagos bei UN-Generalsekretär
Kofi Annan, um über Maßnahmen zur Bekämpfung von Hunger
und Armut zu beraten. Brasilien und Frankreich setzen eine
Arbeitsgruppe ein, die herausfinden soll, ob eine solche Besteuerung
möglich ist.
(Quelle: dpa)
Deutschland unterstützt Georgien mit Millionenhilfen
Sa.31.01.04 - Georgien kann zur Stabilisierung der Demokratie mit umfangreicher
deutscher Finanz- und Fachhilfe rechnen. Anlässlich des Besuchs
des neuen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili in Berlin
sagte die Bundesregierung dem Kaukasusland zusätzliche
Unterstützung in Höhe von 26 Millionen Euro zur
Förderung von Wirtschaft und Demokratisierung zu.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versprach Saakaschwili zudem
die Entsendung deutscher Experten zum Aufbau eines Zollsystems und der
Ausbildung von Diplomaten. Saakaschwili, der am Sonntag als
jüngster Staatschef Europas vereidigt worden war, versprach,
"jeder Euro" werde seinem Volk zugute kommen.
Schröder bezeichnete Georgien nach einem Treffen mit Saakaschwili
vor Journalisten in Berlin als "Schlüsselland in einer nicht
konfliktfreien Region", das beim Prozess der Stabilisierung
Unterstützung brauche. Der georgische Staatschef versprach einen
verantwortungsvollen Umgang mit der Hilfe "im Gegensatz zur
früheren Regierung" unter Ex-Präsident Eduard Schewardnadse.
Saakaschwili war auf Einladung Schröders nach Berlin gekommen. Am
Nachmittag sollte er von Bundespräsident Johannes Rau empfangen
werden.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) erklärte in
Berlin, Georgien stehe "vor der großen Herausforderung, die
Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern". Die Ministerin
erklärte die Bereitschaft der Bundesregierung, Saakaschwili bei
seinen Plänen zur Korruptionsbekämpfung zu unterstützen.
Bereits seit Dezember ist ein Beauftragter des Entwicklungsministeriums
in Tiflis, um die Zusammenarbeit mit Georgien zu verstärken. Kurz
darauf stellte das Entwicklungsministerium 12 Millionen Euro
Soforthilfe zur Verfügung, um die Stromversorgung in Georgien in
den Wintermonaten zu verbessern. Zudem ist Deutschland mit knapp zehn
Millionen Euro an den neuen Finanzzusagen der Europäischen Union
beteiligt.
(Quelle: afp)
18 Monate Haft auf Bewährung für französischen
Ex-Premier Juppé
Sa.31.01.04 - Der frühere französische Premierminister Alain Juppé
ist wegen «illegaler Vorteilsnahme» zu 18 Monaten Haft auf
Bewährung verurteilt worden. Das Urteil fällte ein
Strafgericht am Freitag in Nanterre. Mit dieser Strafe für den
amtierenden Bürgermeister von Bordeaux ist der Verlust des
passiven Wahlrechts verbunden. Gegen das Urteil will der ehemalige
Regierungschef Berufung einlegen.
Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess um Scheinarbeit und
Parteienfinanzierung acht Monate Haft auf Bewährung für
Juppé gefordert. Für den konservativen Politiker stand bei
dem Prozess die politische Karriere auf dem Spiel. Er hatte gesagt, bei
einem Urteil, das seine Unwählbarkeit nach sich zieht, wolle er
sich aus der Politik zurückzuziehen.
27 Angeklagte standen wegen der Affäre um Parteienfinanzierung in
der ersten Hälfte der neunziger Jahre vor dem Strafgericht,
darunter zwei damalige Schatzmeister der neogaullistischen Partei RPR.
Auch Staatspräsident Jacques Chirac soll in die weit verschlungene
Affäre um Scheinbeschäftigung verwickelt gewesen sein. Der
Präsident kann jedoch wegen der Immunität als Staatsoberhaupt
nicht angeklagt werden. Juppé war seinerzeit
Generalsekretär der Partei und im Pariser Rathaus mit den Finanzen
betraut.
(Quelle: dpa)
Deutschland:
Koalition beschließt Reform der Pflegeversicherung bis 2006
Sa.31.01.04 - Nach massiver Kritik in den vergangenen Tagen hat sich die
Regierungskoalition entschlossen, die Pflegeversicherung bis zur
nächsten Bundestagswahl 2006 doch zu reformieren. In einem
Spitzengespräch im Kanzleramt einigte sich Rot-Grün am
Freitag darauf, ein neues Konzept zu erarbeiten, wie Regierungssprecher
Bela Anda in Berlin mitteilte. Die Union warf der Regierung in einer
Aktuellen Stunde im Bundestag vor, die Wähler zu täuschen.
Das neue Konzept solle stufenweise umgesetzt werden, sagte die
Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager im Anschluss an die
Koalitionsrunde. Neben der fristgerechten Umsetzung des Urteils des
Bundesverfassungsgerichts zur Entlastung von Familien solle die
Situation von Demenzkranken verbessert und die ambulante Pflege
gestärkt werden. Die Versicherungsleistungen sollten dynamisiert
werden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte am Dienstag in der
SPD-Fraktionssitzung überraschend verkündet, die Reform der
Pflegeversicherung werde gestoppt. Dagegen hatten die Grünen
protestiert.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) forderte im Bundestag
eine breite öffentliche Debatte über die Frage, "was uns die
Pflege wert ist". Das finanzielle Defizit der Pflegeversicherung, das
sich nach Schätzungen 2003 auf rund 500 Millionen Euro belaufen
soll, der rot-grünen Koalition anzulasten, sei unredlich, warf
Schmidt der Union vor. Durch den gedeckelten Beitragssatz sei die
Pflegeversicherung von Anfang an mangelhaft ausgestattet worden.
Der Gesundheitsexperte der Unionsfraktion, Horst Seehofer (CSU)
kritisierte, dass die Regierung wegen der bevorstehenden Wahlen das
Land in Stillstand versetze und die Pflegeversicherung in eine ernste
Krise stürze. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur
Besserstellung der Familien in der Pflegeversicherung sei von 2001. Die
Regierung habe drei Jahre Zeit gehabt, es umzusetzen. Sie sei jedoch zu
einem "Inbegriff von Unfähigkeit" geworden.
Die FDP warnte vor den Folgen einer Verschiebung der Reform. Es werde
zu weiteren Rationierungen in der Pflege, zu einem Abschmelzen der
Rücklagen der Versicherung und zu steigenden Beiträgen
kommen, sagte der pflegepolitische Sprecher Daniel Bahr. Bloße
Ankündigungen der Regierung lösten die Probleme nicht. Die
Grünen warfen der Union vor, selbst kein schlüssiges Konzept
für die Pflegereform zu haben.
(Quelle: epd)
DGB-Chef kündigt Massenproteste gegen Sozialabbau für 3.April an
Sa.31.01.04 - DGB-Chef Michael Sommer hat für den 3. April Massenproteste gegen
Sozialabbau und die Politik von Rot-Grün angekündigt. Die
Gewerkschaften wollten «die fortschrittlichen gesellschaftlichen
Kräfte bündeln für eine andere Politik», sagte
Sommer der «Bild am Sonntag». Auch die Gewerkschaften in
anderen europäischen Ländern wollen laut dem DGB-Chef an
diesem Tag zu Protesten gegen Sozialkürzungen aufrufen. So seien
unter anderem Großkundgebungen in Rom, Madrid, Paris und London
geplant.
(Quelle: dpa)
Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund für den 3. April 2004
geplanten Großdemonstrationen gegen Sozialabbau in Europa sind
Teil der Kampagne "Das soziale Europa ist in
Gefahr", zu welcher der Europäische Gewerkschaftsbund
(EGB) die Bürgerinnen und Bürger Europas für den 2. und
3. April aufruft. Aufruf als PDF-Datei unter:
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/
abisz_doks/e/egb_europ_aktionstag.pdf
Auslandsgeschäft der Maschinenbauer zieht kräftig an
Sa.31.01.04 - Das Geschäft der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer hat im
Dezember insbesondere durch mehrere Großaufträge aus dem
Ausland kräftig angezogen.
Insgesamt habe die Branche im Dezember 29 Prozent mehr Aufträge im
Vergleich zum Vorjahresmonat erhalten, teilte der Verband Deutscher
Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Freitag mit. Die Bestellungen aus
dem Ausland hätten dabei deutlich um 43 Prozent zugenommen. Die
Bestellungen im Inland verzeichneten ein Plus von fünf Prozent.
"Nachdem bereits im Vormonat die Inlandsnachfrage nach deutschen
Maschinenbauerzeugnissen rekordverdächtig war, setzt die
Auslandsnachfrage im Dezember nun nach", kommentierte
VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers die Dezemberzahlen. Im November war
die Inlandsnachfrage wegen einiger Großaufträge um 46
Prozent zum Vorjahreszeitraum nach oben geschnellt. "Es hat im Dezember
aus dem Ausland mehrere großvolumige Aufträge gegeben",
sagte Wiechers Reuters. Bei einigen Kunden seien Projekte
möglicherweise jetzt freigegeben worden, über die zuvor noch
keine Einigkeit bestanden habe. "Die Jahresendrally in den letzten
beiden Monaten war noch einmal ein Segen für den Auftragseingang
im Gesamtjahr." Konkrete Zahlen für 2003 legte der Verband indes
noch nicht vor.
In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten
Dreimonatsvergleich Oktober bis Dezember ergebe sich ein Plus von 17
Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei verzeichneten die Inlandsorders
einen Zuwachs von 16 Prozent, während die Auslandsaufträge um
18 Prozent zunahmen. "Dies ist erfreulich, insbesondere weil sich im
Quartal der Zuwachs auf das Inland und auf das Ausland annähernd
gleichmäßig verteilt", sagte Wiechers.
Sorge bereitet den stark exportorientierten Maschinenbauern aber der
starke Euro, der die Produkte der Unternehmen verteuert und damit
weniger konkurrenzfähig macht. "Er entscheidet letztlich über
die Ertragsqualität der gewonnenen Aufträge", kommentierte
Wiechers. Bei 1,25 Dollar sei die Schmerzgrenze beim Euro/Dollar-Kurs
bereits erreicht. "Das spürt man schon in den
Vertragsabschlüssen", sagte Wiechers. Allerdings wechselten die
Kunden nicht so schnell das Unternehmen, was eine Frage des
vergleichbaren Angebots sei. Aber auch die Kundenbindung spielt nach
Einschätzung von Wiechers eine Rolle.
Am Freitag lag der Euro-Kurs bei rund 1,2370 Dollar. Der Chefvolkswirt
rechnet für das laufende Jahr mit keiner deutlichen Entspannung
bei den Wechselkursen. Allein im vergangenen Jahr hatte sich der Euro
im Verhältnis zum Dollar um mehr als ein Fünftel verteuert.
Im Oktober waren nach Verbandsangaben etwa 880.000 Menschen in der
Branche beschäftigt. Zum Jahresende 2003 dürfte die Zahl der
Beschäftigten nach Einschätzung von Wiechers etwa bei 875.000
gelegen haben. Das wäre ein Rückgang von 25.000 im Vergleich
zum Vorjahr.
(Quelle: rtr)
Zehntausende Metaller im Warnstreik - Metall-Arbeitgeber nennen
Warnstreiks ein falsches Signal
Sa.31.01.04 - Zehntausende Metaller sind für vier Prozent mehr Lohn und gegen
längere Arbeitszeiten in den Warnstreik getreten. Bis zum
Nachmittag hätten sich 50.000 Beschäftigte an den
Arbeitsniederlegungen beteiligt, teilte die IG Metall in Frankfurt am
Main mit. Schwerpunkt sei Baden-Württemberg gewesen, wo
zunächst rund 32.000 Beschäftigte stundenweise die Arbeit
niedergelegt hätten.
In Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen hätten
sich mehr als 10.000 Beschäftigte in 27 Betrieben beteiligt, in
Niedersachsen weit über 5300 Metaller. Den größten Teil
der Warnstreiks erwartete die Gewerkschaft für den späten
Nachmittag und Abend.
In Baden-Württemberg waren insgesamt 51.000 Beschäftigte in
76 Betrieben zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Am Vormittag
hätten bereits 2300 Mitarbeiter bei Bosch und Automotive Lighting
in Reutlingen für mehrere Stunden die Produktion bestreikt. In der
Region Heilbronn-Neckarsuml hätten rund 15.000 Metaller
frühzeitig ihre Schicht beendet, unter anderem bei Audi,
Kolbenschmidt, KS-ATAG und Läpple. Bei Bosch in Homburg wurden
2350 Streikende gezählt, bei ZF Getriebe in Saarbrücken und
Festo in Rohrbach nahmen je 1500 Arbeitnehmer an Aktionen teil.
Bereits am Donnnerstag waren bundesweit mehr als 16.000 Metaller in den
Ausstand getreten. Die IG Metall will für die 3,5 Millionen
Beschäftigten der Branche vier Prozent mehr Lohn und Gehalt und
lehnt die von den Arbeitgebern geforderte längere Arbeitszeit ohne
garantierten Lohnausgleich ab. Für das Wochenende rief die IG
Metall zu weiteren Warnstreiks auf.
Die Arbeitgeber boten bisher zwei Mal 1,2 Prozent mehr Geld verbunden
mit der Forderung nach einem Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden
pro Woche. Ob die Beschäftigten einen Lohnausgleich erhalten, soll
nach dem Willen von Gesamtmetall künftig auf betrieblicher Ebene
geregelt werden.
Der Präsident des Verbandes der sächsischen Metallindustrie,
Bodo Finger, verteidigte die von Gesamtmetall geforderte
Öffnungsklausel. Damit wollten die Arbeitgeber "nur einer
längst geübten Praxis entsprechen", sagte Finger dem in
Berlin erscheinenden "Tagesspiegel". Der Verbandspräsident
betonte, die Arbeitgeber strebten zwei Arbeitszeitkorridore an: mit und
ohne Lohnausgleich. Der Korridor sei nötig, damit "die Unternehmen
flexibel reagieren können".
Als falsches Signal hat der Präsident der Arbeitgeberverbände
der Metall- und Elektroindustrie, Martin Kannegiesser, die Warnstreiks
bezeichnet. Dass sich die Gewerkschaft den Verhandlungen völlig
verschließe, sei eine Zuspitzung, die man nicht für richtig
halte, sagte Kannegiesser in Düsseldorf. Die Arbeitgeber wollten
die Reallöhne sichern. Dies gehe aber nur, wenn alle
Betriebsparteien bereit seien, über die Strukturen nachzudenken.
(Quellen: afp, dpa)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Mehr zur Tarifrunde 2004 im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
Streiks bei Tageszeitungen gehen weiter
Sa.31.01.04 - Die unbefristeten Streiks der Redakteure bei Tageszeitungen sind am
Freitag nach Angaben der Gewerkschaften ausgeweitet worden. Bundesweit
hätten mehr als 2200 Beschäftigte in rund 100 Reaktionen die
Arbeit niedergelegt, berichteten die Mediengewerkschaften DJV und dju
in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die
Arbeitskampfmaßnahmen sollen auch am Wochenende andauern.
Ein Sprecher der dju in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
bestätigte in Berlin ein entsprechendes Angebot der Arbeitgeber
zur Fortsetzung der Verhandlungen, sich am 4. Februar in Frankfurt/Main
wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. In einem Brief hätten
dju und DJV den Zeitungsverlegern ihre Verhandlungsbereitschaft
erklärt. «Das Ergebnis der Urabstimmung und die Beteiligung
an den Arbeitskampfaktionen zeigt, dass das vorgelegte Paket an
Verschlechterungen von den Redakteurinnen und Redakteuren nicht
akzeptiert wird», heißt es in dem Schreiben.
Schwerpunkt des am Donnerstag begonnenen Arbeitskampfes war am Freitag
Bayern. Nach Gewerkschaftsangaben legten dort Hunderte von Redakteuren
in zehn Zeitungshäusern die Arbeit nieder. Betroffen seien zehn
Zeitungen im gesamten Freistaat, sagte eine ver.di- Sprecherin in
München. Es sei damit zu rechnen, dass viele Zeitungen am Samstag
nur in Notausgaben erscheinen können.
DJV und dju kündigten an, die Streiks ausweiten zu wollen. Auch
habe es in mehreren Verlagshäusern Warnstreiks gegeben.
Fortgesetzt wurden die Streiks in Nordrhein-Westfalen,
Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Auch bei der «Saarbrücker Zeitung» streikten
Redakteure. Chefredakteur Friedhelm Fiedler sprach von einer hohen
Streik-Beteiligung: «Wir werden trotzdem alles versuchen, morgen
eine Zeitung mit reduziertem Umfang herauszubringen.»
Die Gewerkschaften hatten eine Gehaltserhöhung in Höhe der
Inflationsrate gefordert und eine zeitlich befristete
Öffnungsklausel für Verlage in «nachgewiesenen
wirtschaftlichen Schwierigkeiten» angeboten. Die Arbeitgeber
wollen die Gehälter bis zum 31. Juli 2005 einfrieren.
Außerdem soll das Urlaubsgeld auf 75 Prozent eines Monatsgehalts
und die Urlaubsdauer von derzeit bis zu 35 Tagen auf maximal 30 Tage
begrenzt werden.
Streikende Redakteure aus mehreren Verlagshäusern wiesen
unterdessen daraufhin, dass es ihnen in erster Linie nicht um
Gehaltsfragen gehe. Wichtig sei, dass der Bundesverband der Deutschen
Zeitungsverleger eine «tarifliche Öffnungsklausel für
Lohn und Arbeitszeit fordert, ohne die wirtschaftliche Lage eines
Verlages offen legen zu müssen». Im Gegenzug sei von
Arbeitgeberseite nicht an eine Beschäftigungssicherung gedacht.
In einer Urabstimmung hatten nach Gewerkschaftsangaben 95 Prozent der
Redakteure für Streik votiert. An der Abstimmung waren nach
Gewerkschaftsangaben 3000 Redakteure an etwa 70 Tageszeitungen in zehn
Bundesländer beteiligt. Die Wahlbeteiligung habe bei 80 Prozent
gelegen. Die Urabstimmungen würden fortgesetzt, hieß es. Die
Tarifverhandlungen für die insgesamt 14 000 Redakteure waren Mitte
Januar nach der fünften Runde ohne Ergebnis abgebrochen worden.
(Quelle: dpa)
Umweltministerium fordert deutliche Kohlendioxid-Reduktion
Ressortentwurf für den Allokationsplan: Rund 2600 in den Emissionshandel eingebundene Produktionsanlagen
sollen ihren Kohlendioxid-Ausstoß um durchschnittlich 7,5 Prozent senken +++ BDI
weist den Entwurf als wachstumshemmend zurück
Sa.31.01.04 - Die rund 2600 in den Emissionshandel eingebundenen Produktionsanlagen
sollen ihren Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) nach Plänen des
Umweltministeriums bis 2007 um durchschnittlich 7,5 Prozent senken.
Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Ressortentwurf
für den Allokationsplan hervor, der die Menge der CO2-Rechte auf
rund 92,5 Prozent des aktuellen CO2-Ausstoßes in der Industrie
festsetzt. Grundannahme ist, dass die Industrie ihre CO2-Emissionen von
derzeit 505 Millionen Tonnen auf 488 Millionen bis 2007 senkt. Hinzu
kommen Sonderregelungen, die zwar einzelne Firmen entlasten, die
Reduktionspflicht für die anderen Anlagen im Gegenzug aber
erhöhen. Zusätzliche Rechte sind etwa für Firmen
vorgesehen, die frühzeitig CO2 vermieden haben,
Kraftwärmekoppelung betreiben oder Emissionen aus chemischem
Prozessen verursachen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wies den Entwurf als
wachstumshemmend zurück. Auch der Energiekonzern RWE lehnte die
Pläne ab. Die Aktien des Essener Stromkonzerns gaben im
Tagesverlauf rund drei Prozent nach und lagen am frühen Abend rund
zwei Prozent im Minus bei 32,40 Euro.
Der Handel mit Verschmutzungsrechten (Emissionshandel) soll ab 2005
EU-weit eingeführt werden. Den Firmen werden dann Rechte
zugeteilt, mit denen sie handeln können. Stößt ein
Unternehmen mehr CO2 aus, als es seiner Anfangszuteilung entspricht,
kann es von sparsameren Firmen CO2-Rechte erwerben. Der Allokationsplan
ist entscheidend, da er die Anfangszuteilung der Rechte festsetzt.
Deutschland muss wie alle anderen EU-Staaten bis Ende März der
EU-Kommission einen Allokationsplan vorlegen.
RWE kritisierte, das Umweltministerium sei von seiner Zusage
abgerückt, den Unternehmen keine Zusatzlasten aufzuerlegen. "Unter
den vom BMU vorgesehenen Regelung wird der Bau neuer Kohlekraftwerke
wirtschaftlich nicht möglich sein." Der CO2-Handel dürfe
nicht dazu benutzt werden, "einseitige ideologische Vorstellungen von
einem zukünftigen Energiemix durchzusetzen". Dies schade dem
Energiestandort Deutschland.
Der BDI-Experte Joachim Hein forderte, die Vorgabe von 488 Millionen
Tonnen CO2 fallen zu lassen: "Der Druck auf den Anlagenbestand ist viel
zu groß." Stattdessen solle sich die Zuteilung der Rechte an den
505 Millionen Tonnen Ist-CO2-Ausstoß orientieren.
Sondertöpfe sollten zudem so klein wie möglich gehalten
werden. Auch der Stromverband VDEW forderte, den Stand von 500
Millionen Tonnen CO2 als Ausgangsbasis zu nehmen.
Im Umweltministerium hieß es indes, die Vorschläge seien
keine Wachstumsbremse, sondern Motor für Investitionen in
klimaschonende Produktionstechniken. Die Gesamtmenge der Zertifikate
leite sich aus der Selbstverpflichtung der Wirtschaft ab, ihre
CO2-Emissionen bis 2012 um 45 Millionen Tonnen zu senken. "Wir erwarten
nicht mehr aber auch nicht weniger Minderungsleistungen als die
deutsche Wirtschaft zugesagt hat."
Der Allokationsplan wird seit Monaten zwischen Industrie, Umwelt- und
Wirtschaftsministerium verhandelt und ist hart umstritten. Die
Bundesregierung hatte der Industrie zugesichert, ihr durch den
CO2-Handel keine Zusatzlasten aufzubürden. Der Entwurf des BMU ist
noch nicht mit dem Wirtschaftsministerium abgestimmt. Ein nächstes
Treffen mit der Industrie soll es am 12. Februar geben.
(Quelle: rtr)
Wissenschaftsrat empfiehlt Nationale Akademie - Radikale
Veränderungen für Studienanfänger vorgeschlagen
Nationalakademie soll als wichtigste unabhängige Stimme die
deutsche Spitzenforschung in internationalen Gremien vertreten +++
Hochschulen sollen umfassendes Auswahlrecht für Numerus-
Clausus-Fächer erhalten
Sa.31.01.04 - Der Wissenschaftsrat hat sich in seiner Vollversammlung in Berlin
für die Einrichtung einer Nationalen Akademie in Deutschland
ausgesprochen. Eine entsprechende Empfehlung wurde nach einem Bericht
der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von den Vertretern
des Bundes und der Länder in einem Eckpunktepapier mehrheitlich
beschlossen.
Die Nationalakademie soll als künftig wichtigste unabhängige
Stimme die deutsche Spitzenforschung in internationalen Gremien
vertreten sowie in zentralen gesellschaftlichen Fragen die Politik und
Öffentlichkeit beraten.
Die Details der Organisation und der Aufgaben der Nationalakademie
sollen in Abstimmung mit den großen Wissenschaftsorganisationen
sowie den sieben Länderakademien, der Akademie der
Technikwissenschaften (acatech) und der Deutschen Akademie der
Naturforscher Leopoldina ausgearbeitet werden.
Ausdrücklich habe sich der Wissenschaftsrat allerdings gegen eine
«bloße Zusammenführung bestehender Akademien unter
einem gemeinsamen Dach» als Ersatz für eine Nationale
Akademie ausgesprochen. Damit stelle er sich gegen die vor kurzem von
den etablierten Akademien angekündigte Gründung einer
Dachorganisation «Deutsche Akademien der Wissenschaften»
(DAW) nach amerikanischem Vorbild.
Auf Studienanfänger könnten in Zukunft radikale
Veränderungen zukommen. Nach einem Beschluss des Wissenschaftsrats
sollen Hochschulen künftig ein umfassendes Auswahlrecht für
Numerus- Clausus-Fächer erhalten. In Fächern mit freiem
Zugang ist eine Studieneingangsphase von einem Jahr vorgesehen, an
deren Ende geprüft werden soll, ob der Studierende für das
Fach geeignet ist.
Mit seinen Empfehlungen will der Wissenschaftsrat die Zahl der
Studienabbrecher senken und die Motivation der Studenten stärken.
Das Gremium, das Bund und Länder in Forschungsfragen berät,
betonte am Freitag bei seiner Sitzung in Berlin, es müsse
garantiert sein, dass die Abiturbesten einen Studienplatz bekommen. Das
Gremium folgte mit seinen Empfehlungen sowohl den Vorstellungen der
SPD- als auch der Unions-geführten Bundesländer. Die
A-Länder wollten den Abiturbesten einen Anspruch auf ein Studium
sichern, die B-Länder wollten den Hochschulen das Auswahlrecht
geben, sagte der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Wedig von
Heyden.
Er gehe davon aus, dass Bund und Länder jetzt zügig den
Hochschulzugang neu regeln und eine entsprechende Novelle des
Hochschulrahmengesetzes (HRG) beschließen. Im Wissenschaftsrat
sind neben Wissenschaftlern Politiker von Bund und Ländern
vertreten.
Für den Schulbereich schlugen die Experten vor, mittelfristig
überall ein Zentralabitur oder andere Verfahren zur gerechten
Vergleichbarkeit von Abiturzeugnissen einzuführen. In der
Oberstufe soll ein naturwissenschaftliches Grundlagenfach unterrichtet
werden. Gedacht wird an einen Grundkurs aus Biologie, Chemie und
Physik; eine Spezialisierung wäre dann im Leistungskurs
möglich. Außerdem sollen die Schulen zusammen mit den
Hochschulen ihr Beratungsangebot systematisch ausbauen und den
Schüler deutlich machen, was konkret im Studium von ihnen verlangt
wird.
(Quelle: dpa)
Wehrmachtsausstellung änderte Blick auf die deutsche Geschichte
Die Ausstellung ist zum letzten Mal bis zum 28. März auf dem
hamburger Kampnagel-Gelände zu sehen
Sa.31.01.04 - Es ist nur eine Wanderausstellung: Ein paar Tafeln mit Fotos und
Texten, ein Raum mit Sitzen und Lautsprechern, alles sehr hell und
nüchtern. Name: «Verbrechen der Wehrmacht», im
Sprachgebrauch Wehrmachtsausstellung. Seit der Eröffnung am 5.
März 1995 hat die Schau wie keine andere die deutsche
Öffentlichkeit beschäftigt. «Über das Thema
Verbrechen der Wehrmacht wird man nicht mehr so reden wie vor
1995», sagte der Leiter des Hamburger Instituts für
Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, an der letzten Station der
Exponate in Hamburg.
Das Forschungsinstitut des Millionärs stellte die Ausstellung
zusammen und steuerte sie durch alle Stürme. Das Institut
beschäftigt sich seit langem mit Themen wie Krieg, Gewalt,
Machtausübung und der NS-Zeit. Aus dieser langjährigen Arbeit
ging die Ausstellung hervor.
Im Grunde war auch 1995 die zentrale Aussage der Schau keine Neuigkeit:
Die Präsentation belegt, dass die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg
im Osten beim Völkermord der Nazis bereitwillig mitgemacht hat.
«Die Wehrmacht hat sich im Osten aktiv und passiv an den
Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt», fasste Reemtsma
die Kernaussage zusammen. Das galt unter Militärhistorikern auch
damals schon lange als gesichertes Wissen.
Aber weite Teile der deutschen Öffentlichkeit sahen die Sache noch
anders: Viele ehemalige Soldaten und andere Bürger glaubten an das
Märchen von der sauberen Wehrmacht. Demnach hätten die
Soldaten sich im Grunde korrekt verhalten, für die Gräuel
waren SS und andere Naziorganisationen verantwortlich. Diese
Geschichtsklitterung entstand in der Nachkriegszeit, nachdem die
Wehrmacht bei den Nürnberger Prozessen nicht als verbrecherische
Organisation eingestuft worden war und viele Offiziere in den 50er
Jahren in Deutschland Karriere machten.
Die Wehrmachtsausstellung ließ diese Illusion platzen. Viele alte
Soldaten, aber auch NPD und andere Rechtsaußen-Gruppen
protestierten gegen die Ausstellung, was das Interesse nur anheizte:
Über 1,3 Millionen Menschen an 45 Stationen sahen sie.
Von 1999 bis 2001 war die Ausstellung allerdings geschlossen, weil
Historiker die Wahrheit mancher Bilder bezweifelt hatten. Die Exponate
wurden nach den Fälschungsvorwürfen zurückgezogen. Ein
Expertengutachten ergab jedoch, dass die Wehrmachtsausstellung zwar
Fehler aufwies, in ihrer Kernaussage aber richtig war. Reemtsma
ließ daraufhin eine völlig neue Schau zum selben Thema
erarbeiten.
Die neue Ausstellung mit dem offiziellen Namen «Verbrechen der
Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944» zeigt
sechs Themenbereiche des Vernichtungskrieges: Völkermord an den
sowjetischen Juden, Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen,
Ernährungskrieg, Zwangsarbeiter, Partisanenkrieg,
Geiselerschießungen. Am Ende steht ein Kapitel über deutsche
Soldaten, die unter Lebensgefahr Verfolgten geholfen haben.
Im Abschnitt Völkermord legen die Ausstellungsmacher zahlreiche
Beweise dafür vor, dass reguläre Wehrmachtseinheiten bei der
Tötung von Juden mitgemordet haben. «Zahlreiche
Oberbefehlshaber rechtfertigten in Tagesbefehlen ausdrücklich den
Massenmord an den sowjetischen Juden», heißt es im
Begleitheft. Besonders bedrückend ein Feldpostbrief des
Wehrmachtssoldaten «Franzl» aus Wien: «Gestern waren
wir mit der SS gnädig, denn jeder Jude, den wir erwischten, wurde
sofort erschossen... Bis jetzt haben wir zirka 1.000 Juden ins Jenseits
befördert, aber das ist viel zu wenig für das, was die
gemacht haben.» Als Ergebnis dieses Briefes wurde die
Feldpostzensur verschärft, damit die Angehörigen in der
Heimat nicht zu viel von den Kriegsverbrechen erfahren sollten.
Bedrückend auch das Kapitel «Ernährungskrieg»: In
den Jahren 1941 und 42 belagerte die Wehrmacht 500 Tage Leningrad, das
vor- und nachmalige St.Petersburg. «Unter bewusstem Verzicht auf
die Einnahme der Stadt verfolgte die Wehrmacht eine Strategie, die den
Hungertod der zivilen Stadtbevölkerung bewusst
einkalkulierte», wie auf einer Schautafel steht. 632.000
Einwohner kamen um.
Einen starken Eindruck hinterlässt auch der 15 Quadratmeter
große Raum, in dem es um elf deutsche Soldaten geht, die unter
Lebensgefahr Juden und Gefangenen geholfen haben. Man sitzt auf
einfachen Hockern, an den Wänden hängen Fotos von Feldwebel
Anton Schmid, Feldarzt Erwin Leder und den neun anderen. Eine Stimme
vom Tonband erzählt ihre Geschichten.
Etwa die von Schmid: Er setzte sich für 140 gefangene Juden ein:
«Diese baten mich, ich solle sie hier wegbringen oder es einem
Fahrer mit Wagen sagen. Da ließ ich mich überreden - Du
weißt ja wie mir ist mit meinem weichen Herzen.» Das
schrieb der kleine Soldat an seine Familie, ehe er hingerichtet wurde.
Die Ausstellung ist zum letzten Mal bis zum 28. März auf dem
hamburger Kampnagel-Gelände zu sehen, ehe sie im Deutschen
Historischen Museum in Berlin eingelagert wird. Dazu ist ein
großes Begleitprogramm vorbereitet.
(Quelle: ap)
Informationen zur Wehrmachtsausstellung unter:
http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész warnt vor
Wiederaufleben des Judenhasses
Sa.31.01.04 - Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész hat bei der
Eröffnung der Wehrmachtsausstellung in Hamburg vor einem
Wiederaufleben des Judenhasses in Deutschland gewarnt. «Es
scheint, als würden Sprache und Redeweise der kollektiven
Diskriminierung, die vor Auschwitz existierten und zu Auschwitz
führten, ohne jede Schwierigkeit wiederkehren und sich als
benutzbar erweisen», sagte der Literaturnobelpreisträger am
Mittwochabend. Vor allem in der Kritik an Israel sehe er einen
wachsenden Antisemitismus.
(Quelle: ap)
Judenhass hat Konjunktur
Experten warnen vor einer neuen Dimension des Antisemitismus in der EU
Die New Yorker bringen es in ihrer trocken-sarkastischen Art auf den
Punkt: "Anti-Semitism is hating the jews more than necessary." Es war
der Soziologe Natan Sznaider aus Tel Aviv, der diese Beschreibung von
Judenfeindlichkeit auf der Konferenz "Antisemitismus heute" in Berlin
zum Besten gab - mit der Bemerkung, diese Definition von Judenhass
gefalle ihm eigentlich am besten.
Zugleich traf Sznaider damit das Hauptproblem der internationalen
Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung, die gestern zu Ende ging: Was
ist eigentlich Antisemitismus? Wann wird aus Kritik an Israel
Antisemitismus? Und: Gibt es einen "neuen Antisemitismus" in Europa?
...
Mehr in der "tageszeitung" vom 31.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/31/a0141.nf/text
Konferenz "Antisemitismus heute - Europäische Debatten im
Vergleich":
http://www.boell.de/de/01_event/2263.html
Redebeiträge zur Konferenz:
http://www.boell.de/downloads/vkal4/antisem_beitraege.pdf
Der Antisemitismus ist die längstdauernde Obsession Europas...
... - er
hat den religiösen Kontext, in dem er entstanden ist, besser
überdauert als dieser selbst -, und kommt doch - auch
außerhalb europastämmiger Kulturen - immer wieder daher, als
wäre er gerade neu erfunden worden.
Der christliche Vorwurf des Gottesmordes steht nicht mehr im
Vordergrund antisemitischer Propaganda und ist doch alles andere als
vergessen. Gleichzeitig gelingt es dem Antisemitismus immer wieder,
sich als Element in aktuelle politische Diskussionen einzumischen, ein,
wie Sartre es formuliert hat, "Molekül, das sich mit beliebigen
anderen Molekülen verbinden kann, ohne sich selbst zu
verändern". Der Fall Hohmann war instruktiv. ...
Aus: Jan Philip Reemtsma - "Vom Nutzen eines Tabus", Le Monde
diplomatique (Nr. 7232 vom 12.12.2003, Seite 2,):
http://www.taz.de/pt/2003/12/12/a0020.nf/text
Jan Philip Reemtsma: Gründer und Vorstand des Hamburger Instituts
für Sozialforschung, Literaturwissenschaftler, Essayist. Zuletzt
erschien: "Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug" Stuttgart 2003. Bei dem
in Le Monde diplomatique veröffentlichten Text handelt es sich um
die Dankesrede zur Verleihung des Heinz-Galinski-Preises am 26.
November 2003.
Mehr zum Thema Antisemitismus unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401260.htm#040126ts
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