Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihunderteinundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Bush und Blair wegen Irak-Kriegsgründen unter Druck - USA und
Großbritannien lassen Irak-Waffenfrage prüfen +++ Bush:
Sturz von Saddam Hussein weiterhin gerechtfertigt +++ Massaker in
Erbil: Zahl der Toten hat sich auf 65 erhöht - Kurden beschuldigen
Islamisten - US-geführte Kriegskoalition: Anschläge von Erbil
vielleicht Rache von El Kaida
Di.03.02.04 - US-Präsident George W. Bush lässt angesichts der
ergebnislosen Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak die
Geheimdienstberichte dazu nun doch überprüfen. Eine
unabhängige Untersuchungskommission soll mögliche Pannen der
Geheimdienste ermitteln. "Ich will alle Fakten kennen", sagte Bush am
Montag. Die Untersuchung solle klären, warum Berichte der
US-Geheimdienste über Bestände von biologischen und
chemischen Waffen im Irak sich bislang nicht bestätigt haben. Die
britische Regierung schließt eine solche Untersuchung inzwischen
ebenfalls nicht mehr aus.
Ein Sprecher von Premierminister Tony Blair sagte am Montag in London,
es müssten "berechtigte Fragen" geklärt werden. Auch in
Spanien, neben London der engste Verbündete der USA im Irak-Krieg,
wächst der Druck der Opposition auf die Regierung von
Ministerpräsident José María Aznar.
Bush hatte eine Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen als
Hauptgrund für den Krieg genannt. Noch in der vergangenen Woche
hatte er eine Untersuchung mit den Worten abgelehnt, erst einmal
müssten die Waffeninspekteure vor Ort ihre Arbeit beenden. Doch
Demokraten und schließlich auch Bushs republikanische
Parteifreunde hatten die Untersuchung mit der Begründung
gefordert, es gehe um die Glaubwürdigkeit der USA in der Welt.
Bush sagte am Montag, es gehe bei der Untersuchung auch darum
festzustellen, was die USA im Kampf gegen den internationalen
Terrorismus besser machen könnten.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, Bush werde die Kommission in den
kommenden Tagen vorstellen. Zu deren vermutlich neun Mitgliedern sollten
unabhängige Experten gehören. Auch Kongressabgeordnete beider
Partei könnten zu Rate gezogen werden. Die Kommission solle
entgegen den Wünschen der Demokraten jedoch erst im kommenden Jahr
und damit nach der Präsidentschaftswahl im November ihre
Ergebnisse vorlegen. Den Kreisen zufolge soll damit verhindert werden,
dass die Demokraten die Ergebnisse der Kommission im Wahlkampf gegen
Bush verwenden können.
Die Demokraten fordern derweil, dass die neunköpfige Gruppe sich
nicht nur damit befassen soll, ob die Geheimdienste bei ihrer
Einschätzung des irakischen Waffenpotenzials versagt haben,
sondern auch, ob das Weiße Haus die Berichte so ausgelegt hat,
wie es der Regierung genehm war.
Bush betonte, der Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein
sei weiterhin gerechtfertigt. "Wir wissen, dass Saddam Hussein die
Absicht und die Möglichkeiten hatte, großen Schaden
anzurichten. Wir wissen, dass er eine Gefahr war, und nicht nur eine
Gefahr für die Menschen in der freien Welt, er war auch eine
Gefahr für sein eigenes Volk. Er hat Tausende niedergemetzelt, er
hat Menschen eingesperrt." Die US-geführten Truppen waren im
März in den Irak einmarschiert. Seitdem sind dort mehr als 500
US-Soldaten ums Leben gekommen.
In Großbritannien will die Regierung dem Parlament nach Angaben
eines Blair-Sprechers "in Kürze" mitteilen, wie sie auf die
bislang fehlenden Waffenfunde reagieren will. Die Regierung Blair hatte
die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission bisher
immer abgelehnt. Doch am Montag berichteten britische
Fernsehkorrespondenten, in der Downing Street sei man zu dem Schluss
gelangt, dass eine Untersuchung unumgänglich werde, wenn sich
selbst Bush dazu bereit finde. Der konservative Oppositionsführer
Michael Howard hatte eine solche Untersuchung in Großbritannien
verlangt.
In Spanien warf die sozialistische Opposition der Regierung Aznar vor,
den Irak-Krieg auf der Grundlage von Manipulationen und Lügen
unterstützt zu haben. Während die USA und möglicherweise
auch Großbritannien ihre Geheimdienstberichte
überprüfen lassen wollten, "schaut die Aznar-Regierung zur
anderen Seite und weigert sich, ihre Verantwortung zu übernehmen",
kritisierte Sozialistenführer José Luis Rodríguez
Zapatero in Madrid.
Die Selbstmordanschläge im nordirakischen Erbil sind nach Angaben
der US-geführten Kriegskoalition möglicherweise ein Racheakt
für die Festnahme eines mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieds
gewesen. Das sagte ein Armeevertreter am Montag in Bagdad auf die Frage
nach den Drahtziehern der Attentate auf zwei Kurdenparteien. Der
Pakistaner Hassan Guhl war am 22. Januar in Irak an der Grenze zu Iran
gefasst worden. Offenbar war er dorthin gereist, um Kontakt mit
radikalen Islamisten aufzunehmen und Widerstandsaktionen gegen die
Besatzungsmächte zu organisieren. US-General Ricardo Sanchez hatte
die Festnahme als Beweis dafür gewertet, dass El Kaida zunehmend
in Irak aktiv ist.
Kurdische Politiker machten am Montag Islamisten des Terrornetzwerks El
Kaida oder Mitglieder der irakischen Terrorgruppe Ansar el Islam
für die blutigen Anschläge auf ihre Parteibüros in Erbil
am Vortag verantwortlich. Die beiden irakischen Kurdenparteien schworen
nach den Selbstmordattentaten, sich nicht von ihrem Streben nach einer
vereinten nordirakischen Kurdenprovinz abbringen zu lassen.
Die US-Armee in Bagdad berichtete am Montag, die Zahl der Toten der
beiden Attentate habe sich inzwischen auf 65 erhöht. Mehr als 200
Menschen waren durch die Explosionen in den Büros der
Patriotischen Union Kurdistans (PUK) und der Kurdischen Demokratischen
Partei (KDP)verletzt worden.
Der KDP-Vorsitzende Massud Barsani erklärte unterdessen nach einem
Besuch bei Verletzten in einem Krankenhaus in Erbil: "Dies wird den
demokratischen Föderalismus im Irak nicht aufhalten." Auch in der
nordirakischen Öl-Stadt Kirkuk, in der es seit Monaten Spannungen
zwischen der kurdischen Mehrheit und den Minderheiten der Turkmenen und
Araber gibt, wehten am Montag wegen der Anschläge alle Fahnen auf
Halbmast.
In Kirkuk nahm die US-Armee drei mutmaßliche Aufständische
fest, die bei einem Anschlag vor längerer Zeit drei Soldaten
getötet haben sollen. Ebenfalls in Kirkuk wurden nach US-Warnungen
vor Autobomben vier Jemeniten in einem Lastwagen festgenommen. Die
US-Armee und viele Iraker machen arabische Kämpfer aus dem Ausland
für den Großteil der Selbstmordanschläge verantwortlich.
Die irakische Polizei fasste nach US-Angaben am Montag zwei
Männer, die in der Nähe der Ölraffinerie Dura eine Bombe
legten wollten. Bei den Männer handele es sich vermutlich um einen
Iraner und einen Afghanen. Nähere Angaben wurden zunächst
nicht gemacht.
Während eines Besuchs von US-Vizeverteidigungsminister Paul
Wolfowitz in Mossul verübten Unbekannte am Montag einen Anschlag
auf einen amerikanischen Militärkonvoi in der nordirakischen
Stadt. Die Aufständischen feuerten aus einem Auto eine Panzerfaust
auf einen gepanzerten Truppentransporter, wie ein Militärsprecher
mitteilte. Niemand sei verletzt worden, die Täter seien
flüchtig. Der Anschlag auf den Konvoi stehe in keinem Zusammenhang
mit dem Wolfowitz-Besuch, hiess es. Als der Vizeverteidigungsminister
vor drei Monaten Bagdad besuchte, wurde sein Hotel von Raketen
beschossen.
(Quellen: dpa, rtr, ap)
Die Kurden im Nordirak und die Frage der Unabhängigkeit
Der Zeitpunkt der Attentate auf die Hauptquartiere zweier
Kurdenparteien in der nordirakischen Stadt Erbil war wohl gewählt.
Sie fielen mitten in die hitzige Debatte darum, wie viel Raum man den
Kurden im Irak künftig einräumen will. Während kurdische
Parteien Maximalforderungen stellen, ziehen sich die Schiiten von
bereits Vereinbartem zurück...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/03/a0206.nf/text
|
Bush bekommt im Umfragen erstmals weniger als 50 Prozent Zustimmung
- Kerry vor Bush
Di.03.02.04 - US-Präsident George W. Bush ist einer Umfrage zufolge vor allem
wegen seiner Irak-Politik in der Popularität auf unter 50 Prozent
gesunken. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John
Kerry liegt in den Umfragen zurzeit nicht nur vor seinen
innenparteilichen Konkurrenten, sondern auch vor US-Präsident
George W. Bush.
Bei einer am Montag veröffentlichten Erhebung für den
Fernsehsender CNN führte der Senator von Massachusetts
gegenüber Bush mit 54 zu 46 Prozent. Eine Umfrage der
Quinnipiac-Unversität ergab ein Stimmenverhältnis von 51
gegen 43 Prozent. Selbst in der ungünstigsten Prognose von
"Newsweek" erreichte Kerry 48 Prozent und Bush 46 Prozent.
In den drei Erhebungen, für die jeweils mehr als 1.000
US-Bürger befragt wurden, erhält Bush für seine Politik
Zustimmungsquoten von 48 und 49 Prozent bei fast genau so vielen
Gegenstimmen. Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September
2001 hatte Bush teilweise 90 Prozent der Bürger hinter sich. Nach
der Festnahme des früheren irakischen Staatschefs Saddam Hussein
schnellte seine Beliebtheit noch einmal auf Werte nahe 60 Prozent.
Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten stehen
am heutigen Dienstag wichtige Entscheidungen an: In sieben US-Staaten
sollten insgesamt 269 Delegierte auf ihr Stimmverhalten beim
Nominierungsparteitag im Sommer in Boston verpflichtet werden. Der
Herausforderer von Präsident Bush muss dann auf mindestens 1.162
Delegiertenstimmen kommen.
Alle sieben Bewerber kämpften bis in die letzten Stunden um
Stimmen. Senator John Kerry, der bereits in Iowa und New Hampshire
gewann, lag Umfragen zufolge in sechs der sieben an diesem
Dienstag wählenden Staaten in Führung: Arizona, Delaware,
Missouri, New Mexico, und North Dakota und Oklahoma. In South Carolina
lag er gleichauf mit Senator John Edwards, der seinerseits
erklärte, er müsse in diesem Staat gewinnen. Kerry hoffte auf
einen grossen Sieg, der das Bewerberfeld schrumpfen lassen könnte.
(Quelle: dpa)
Bush will Verteidigungsbudget kräftig erhöhen - Rekorddefizit
Budget für Verteidigung soll um 7,1 Prozent wachsen - Für das Pentagon
402 Milliarden Dollar vorgesehen +++ 521
Milliarden Dollar Defizit in 2004 erwartet - Bush macht den
Antiterrorkampf und die milde Rezession 2001 für das Defizit
verantwortlich
Di.03.02.04 - US-Präsident George W. Bush will die Ausgaben für
Verteidigung und Terrorabwehr im nächsten Jahr erneut kräftig
erhöhen. Gleichzeitig sollen alle anderen Programme teilweise
drastisch beschnitten werden. Das geht aus dem Haushaltsentwurf hervor,
den das Weiße Haus am Montag vorlegte.
Das Pentagon soll 402 Milliarden Dollar erhalten, 7,2 Prozent mehr als
im laufenden Jahr. Sonderausgaben für die Einsätze im Irak
und in Afghanistan sind darin noch nicht enthalten. Der Entwurf hat
einen Gesamtumfang von 2,4 Billionen Dollar, rund 3,5 Prozent mehr als
im laufenden Jahr.
Bush rechnet in diesem Jahr mit einem noch höheren Defizit als das
Budgetbüro des Kongresses: insgesamt 521 Milliarden Dollar, rund
4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im kommenden Jahr soll es
auf 364 Milliarden Dollar oder drei Prozent des BIPs schrumpfen.
In absoluten Zahlen erreicht das Defizit damit in diesem Jahr
Rekordhöhe, gemessen am BIP war es 1983 mit 5,9 Prozent noch
größer. Bush versprach, den Fehlbetrag innerhalb von
fünf Jahren auf weniger als die Hälfte zurückzufahren.
Der vorerst letzte Überschuss wurde unter Bushs Vorgänger
Bill Clinton erzielt: 236 Milliarden Dollar im Jahr 2000.
Bush machte den Antiterrorkampf und die milde Rezession 2001 für
das Defizit verantwortlich. "Wir wurden angegriffen und wir führen
einen Krieg", sagte er nach einer Kabinettssitzung. "Die Wirtschaft
erholt sich aber, und wir sind in der Lage, einen Haushalt vorzulegen,
der das Defizit in fünf Jahren halbiert."
Das Weiße Haus geht von einem Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent
in diesem Jahr aus. Das Budget für Verteidigung soll um 7,1
Prozent wachsen, die Ausgaben für die Heimatverteidigung um 9,7
Prozent. Alle anderen Budgetposten sollen um ein Prozent wachsen,
weniger als die Inflationsrate. Landwirtschaft und Umwelt sollen mit
Kürzungen um 8,9 und 7,2 Prozent schrumpfen. Die
Weltraumbehörde NASA soll 5,6 Prozent mehr Geld bekommen, um Bushs
Vision, die Rückkehr von Astronauten auf den Mond bis 2015, zu
verwirklichen.
Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber haben Bushs
Haushaltspläne scharf kritisiert. Die aussichtsreichsten
Kandidaten wollen die massiven Steuersenkungen, die Bush durchsetzte,
teilweise aufheben. Dagegen drängt Bush den Kongress, die
Steuersenkungen, die nach dem Gesetz innerhalb von zehn Jahren
auslaufen, permanent zu machen. Der Haushaltsentwurf muss im Kongress
verabschiedet werden. Der demokratische Senator Edward Kennedy forderte
die Abgeordneten auf, Bushs Vorschläge abzulehnen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel will Teilung von Palästinensern vorantreiben - Scharon
plant Räumung der Siedlungen im Gazastreifen - Siedler
wollen Scharons Amtszeit 'auf legalem Wege abkürzen'
+++ Israelische Regierung will US-Menschenrechtsbericht verzögern
+++ EU gegen IGH-Anhörung über israelischen Grenzwall
Di.03.02.04 - Die israelische Regierung will ihren einseitigen Plan zur Trennung von
Palästinensern und Israelis bereits in wenigen Monaten umsetzen.
Das Vorhaben werde bereits "in vier oder fünf Monaten, also im
Juni oder Juli" in Kraft treten, sagte der stellvertretende
Ministerpräsident Ehud Olmert im israelischen Radio. Dem Plan
zufolge will Israel große Teile des Westjordanlandes annektieren
und im Gegenzug einige jüdische Siedlungen räumen.
Ministerpräsident Ariel Scharon hatte in einem Gespräch mit
der israelischen Tageszeitung "Haaretz" angekündigt, alle 17
Siedlungen aus dem Gazastreifen "zu verlegen", weil sie Israel Probleme
bereiteten. Das Interview wurde am Montag auszugsweise auf der
Internetseite der Zeitung veröffentlicht und rief sogleich einen
Sturm der Entrüstung unter den Siedlern hervor. Eine Sprecherin
jüdischer Siedler bezeichnete das Vorhaben umgehend als
"lächerlich".
Mit seiner Ankündigung überraschte der Scharon politische
Freunde wie Gegner gleichermaßen.
"Ich gehe von der Prämisse aus, dass es in Zukunft keine Juden im
Gaza-Streifen geben wird", sagte Scharon am Montag in einem Interview
der Zeitung "Haaretz". Wenig später bestätigte er seinen Plan
vor seiner Likud-Fraktion. Einen Zeitrahmen nannte Scharon nicht, sagte
aber, es gehe zunächst darum, eine Einigung mit den Siedlern zu
erreichen. Diese wiesen den Plan umgehend zurück und warfen
Scharon vor, mit der Vertreibung der Juden aus ihren Häusern eine
neue Tragödie über das israelische Volk zu bringen. Die
Palästinenser-Regierung reagierte zurückhaltend.
Es ist das erste Mal, dass Scharon so weit reichende Pläne
für eine Aufgabe von Siedlungen veröffentlichte, die das Land
seit der Besetzung palästinensischer Gebiete im Sechs-Tage-Krieg
1967 gebaut hat. Scharon droht seit längerem mit einer einseitigen
Lösung des Nahost-Konflikts und einer strikten Trennung zwischen
Palästinensern und Israel, wenn der Friedensprozess an der
anhaltenden Gewalt vollends scheitern sollte.
Scharon will den Plan noch in diesem Monat in Washington
US-Präsident George W. Bush vorlegen. "Es muss mit amerikanischer
Zustimmung und Unterstützung geschehen. Wir brauchen ihre
Unterstützung", sagte er. Der Likud-Abgeordnete Michael Eitan
sagte nach der Fraktionssitzung, Scharon wolle den USA einen Plan
vorlegen, der neben den Räumungen im Gaza-Streifen auch die
Evakuierung einer geringeren Zahl von Siedlungen im Westjordanland
vorsehe.
"Ich habe angeordnet, die Evakuierung von 17 Siedlungen im
Gaza-Streifen zu planen", sagte Scharon der Zeitung. Damit würden
drei Siedlungen bestehen bleiben. "Wir reden von einer Bevölkerung
von 7500 Menschen. Das ist keine einfache Sache. Wir reden von
Tausenden von Quadratkilometern mit Häusern, Fabriken und
Verpackungsbetrieben. Das sind Leute, die in der dritten Generation
dort leben."
Als ersten Schritt seines Plans nannte Scharon, die Siedler um ihre
Zustimmung zu bitten, "eine Vereinbarung mit den Bewohnern (der
Siedlungen) zu erreichen." "Das wird nicht schnell gehen", fügte
er hinzu, "besonders, wenn es unter Feuer geschehen muss". Die
Siedlungen haben sich in dem seit drei Jahren anhaltenden Aufstand der
Palästinenser gegen die israelische Besatzung zu einem Brennpunkt
der Gewalt entwickelt und werden häufig von Palästinensern
beschossen und angegriffen.
Ein Sprecher der Siedler im Gaza-Streifen bezeichnete den Plan Scharons
als erbärmlich und sagte, das nationalistische Lager werde "alles
dafür einsetzen, .... Scharons Amtszeit als Ministerpräsident
auf legalem Wege abzukürzen." Der Likud-Abgeordnete Jehiel Hasan
sagte nach der Rede Scharons vor der Fraktion: "Ich bin schockiert."
"Ich glaube, der Ministerpräsident denkt, er sei der Chef der
Arbeitspartei, von Merez und Schinui, und nicht des Likuds." Die
genannten Parteien stehen politisch links vom Likud.
Der palästinensische Minister Saeb Erekat sagte zu den
Plänen: "Normalerweise, wenn die israelische Regierung über
die Räumung von Siedlungen spricht, handelt es sich nur um eine
PR-Aktion. Wenn Israel Gaza verlassen will, wird kein
Palästinenser im Weg stehen."
Israel hat derweil das US-Aussenministerium gebeten, seinen
jährlichen Bericht zur Lage der Menschenrechte in der Welt
später als geplant zu veröffentlichen. Wie am Montag in
Washington verlautete, befürchtet die israelische Regierung, dass
die Ergebnisse beim bevorstehenden Prozess vor dem Internationalen
Gerichtshof gegen Israel verwendet werden könnten. Der Gerichtshof
in Den Haag verhandelt vom 23. Februar an über einen Antrag der
Palästinenser, den Bau der Sperranlage zum Westjordanland zu
ächten.
US-Aussenamtssprecher Richard Boucher erklärte, sein Ministerium
plane, den Menschenrechtsbericht wie gewohnt Ende Februar zu
veröffentlichen. Über einen Antrag Israels auf Verschiebung
sei er nicht informiert. Ein Beamter, der nicht genannt werden wollte,
sagte jedoch, das israelische Gesuch werde zurzeit geprüft. Die
USA stehen dem Bau der Sperranlage zwar sehr kritisch gegenüber,
lehnen einen Prozess vor dem Internationalen Gerichtshof aber ab.
Auch die Europäische Union hat sich gegen ein solches Verfahren
ausgesprochen. Dies geht aus einem Brief der amtierenden irischen
EU-Ratspräsidentschaft an das Gericht hervor, wie am Montag aus
diplomatischen Kreisen in Brüssel verlautete. Die EU kritisierte
zwar die Grenzanlage, sei aber zugleich der Ansicht, die
Auseinandersetzung könne juristisch nicht gelöst werden.
Die EU erkenne das Recht Israels an, sich gegen Terrorismus zu
schützen, hiess es aus den Brüsseler Kreisen weiter. Kritisch
sehe die EU aber, dass der Schutzwall zum Teil auf
palästinensischem Gebiet verlaufe. Der aussenpolitische
EU-Vertreter Javier Solana bekräftigte am Montag, die Grenzanlage
«ist kein Beitrag zum Frieden». EU-Aussenkommissar Chris
Patten ergänzte, unter den 15 Mitgliedstaaten gebe es in dieser
Frage keine Differenzen.
Die Anhörung vor dem Gerichtshof in Den Haag beginnt am 23.
Februar. Die UN-Generalversammlung hatte den IGH um eine Stellungnahme
zu der Sperranlage gebeten. Der palästinensische Präsident
Jassir Arafat warb am Montag für Unterstützung. Israel
verstosse mit dem Bau des Walls gegen internationales Recht. Israel
argumentiert, der 750 Kilometer lange Wall, bestehend aus Zäunen
und Mauern, sei zum Schutz vor Selbstmordanschlägen notwendig.
Solana traf am Montag in Brüssel mit den Verfassern des Genfer
Friedensplanes zusammen, dem früheren israelischen Justizminister
Jossi Beilin und seinem Palästinensischen Verhandlungspartner
Jasser Abed Rabbo. Solana sagte, die EU unterstütze die Initiative
vom Dezember.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Fast 50 Stellungnahmen zum israelischen Grenzwall eingegangen
Di.03.02.04 - Beim Internationalen Gerichtshof haben im Streit um die israelische
Grenzsperranlage bis zum Ablauf der Frist am Freitag fast 50 Staaten
schriftliche Stellungnahmen eingereicht. Ein Gerichtsbeamter
bestätigte am Montag in Den Haag israelische Medienberichte,
wonach Israel den Ausschluss eines ägyptischen Richters aus dem
15-köpfigen Richtergremium beantragt hat. «Das Gericht hat
hierzu eine Entscheidung getroffen», sagte der Beamte, ohne
nähere Einzelheiten zu nennen.
Richter Nabil Elarabi ist ein früherer Rechtsberater des
ägyptischen Aussenministeriums, der seit drei Jahrzehnten mit dem
Nahostkonflikt befasst ist. Er war Mitglied der ägyptischen
Delegation, die den Friedensvertrag von Camp David 1978 aushandelte.
Die meisten der Richter des Gerichtshofs kommen aus Staaten, die
Stellungnahmen zu der Sperranlage eingereicht haben. Den Regeln des IGH
zufolge haben die für neun Jahre gewählten Richter das Recht,
auch dann in dem Gremium zu verbleiben, wenn sie Staatsbürger
eines an dem verhandelten Fall beteiligten Landes sind.
Die Anhörung vor dem Gerichtshof in Den Haag beginnt am 23.
Februar. Die UN-Generalversammlung hatte den IGH um eine Stellungnahme
zu der Sperranlage gebeten. Der palästinensische Präsident
Jassir Arafat warb am Montag für Unterstützung. Israel
verstosse mit dem Bau des Walls gegen internationales Recht. Israel
argumentiert, der mehr als 700 Kilometer lange Wall, bestehend aus
Zäunen und Mauern, sei zum Schutz vor Selbstmordanschlägen
notwendig.
Das Gericht muss zunächst feststellen, ob es zu dem Fall Stellung
bezieht. Israel und die USA machen geltend, dass es sich um eine
politische und nicht um eine juristische Frage handele und das Gericht
daher nicht zuständig sei. Auch die Europäische Union hat
sich gegen die Einschaltung des IGHs ausgesprochen.
Aus diplomatischen Kreisen verlautete, auch Russland, Japan, Kanada und
Australien hätten das Gericht aufgefordert, eine Verhandlung
abzulehnen. Mehrere EU-Mitglieder hätten darüber hinaus
eigene Stellungnahmen eingereicht. Die schriftlichen Stellungnahmen
bleiben bis zum Beginn der mündlichen Anhörungen unter
Verschluss, wie das Gericht erklärte.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.icj-cij.org/icjwww/iwhats.htm
Washington plant 2005 1,2 Milliarden Dollar Hilfen für Afghanistan
Di.03.02.04 - Zum Wiederaufbau Afghanistans hat die US-Regierung für das Jahr
2005 Hilfen von 1,2 Milliarden DollarMilliarden Euro) eingeplant. Um
diesen Betrag bat US-Präsident George W. Bush am Montag den
Kongress bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs 2005. In der Summe
sind nicht die Kosten für den Militäreinsatz der US-Armee in
Afghanistan enthalten. Diese belaufen sich im laufenden Haushaltsjahr
auf rund elf Milliarden Dollar.
(Quelle: afp)
Größte Reformpartei im Iran kündigt Wahlboykott an -
Irans Wahlkomission droht Abgeordneten
Di.03.02.04 - Im Iran hat die größte Reformpartei einen Boykott der
Parlamentswahlen angekündigt, nachdem der konservative
Wächterrat am Ausschluss zahlreicher reform-orientierter
Kandidaten festhält.
"Wir haben keine Hoffnung auf faire, freie und rechtmäßige
Wahlen am 20. Februar. Daher können wir nicht teilnehmen", sagte
am Montag der Chef der Islamischen Iranischen Beteiligungsfront (IIPF),
Mohammad Resa Chatami. Die Partei werde nur dann Bewerber für die
Wahl aufstellen, wenn der Kandidaten-Ausschluss zurückgenommen und
die Wahl verschoben werde. Der Bruder von Präsident Mohammad
Chatami betonte aber, dass seine Partei nicht zu einem Wahlboykott
aufrufe.
Die IIPF ist eine der wichtigsten Stützen des als moderat
geltenden Präsidenten. Dieser hat seinen Reformkurs in den
vergangenen Jahren kaum gegen die mächtigen Konservativen im Land
durchsetzen können. Der Wächterrat hat mehr als 2000 der etwa
8200 Kandidaten von der Wahl ausgeschlossen, darunter mehr als 80 der
290 Abgeordneten des jetzigen Parlaments. Das Reformlager hat bei den
Wahlen vor vier Jahren mit rund 190 Mandaten die Mehrheit in dem
Parlament errungen.
Die Forderung nach einem Aufschub der Wahl hat der Wächterrat
bereits in der vergangenen Woche abgelehnt. Der Rat wacht über die
Einhaltung der moslemischen Verfassung des Landes und prüft unter
anderem auch die Tauglichkeit von Bewerbern für politische
Ämter in der Islamischen Republik.
Nach der Mandatsniederlegung Dutzender iranischer Abgeordneter hat die
Wahlkommision den Reformpolitikern mit juristischen Konsequenzen
gedroht. Jeder Rücktritt werde als Behinderung des Wahlprozesses
betrachtet und könne verfolgt werden, sagte laut Presseberichten
der Chef der Wahlkommission in Teheran, Ahmed Asimisadeh. Solche
"Machenschaften" würden als "mangelnde Loyalität
gegenüber der Islamischen Republik" gewertet. Die
Mandatsniederlegungen und die begleitenden Erklärungen zeigten
zudem, dass die Kommission die Kandidaten zu Recht von der
Parlamentswahl ausgeschlossen habe.
Im iranischen Parlament wurde am Sonntag eine nicht
funktionsfähige Bombe gefunden, wie der Sicherheitschef der
Stadtregierung von Teheran, Ali Taala, der studentischen
Nachrichtenagentur Isna sagte. Nach einer Bombendrohung sei das
Gebäude durchsucht worden. Das Bombenpaket sei am Eingang gefunden
worden, es habe jedoch nur einen Zünder und keinen Sprengstoff
enthalten.
Am Sonntag hatten 120 der 290 Parlamentsabgeordneten aus Protest gegen
den Ausschluss tausender Kandidaten von der Parlamentswahl ihre Mandate
niedergelegt. Durch diesen Schritt könnte das Parlament
arbeitsunfähig werden.
(Quellen: rtr, afp)
Taiwans Präsident bietet China Gespräche an
Di.03.02.04 - Der taiwanische Präsident Chen Shui-bian hat China Gespräche
über die beiderseitigen Beziehungen angeboten. Ziel der "offenen
Gespräche" solle es sein, eine militärische Konfrontation
abzuwenden und die "friedlichen Beziehungen" zwischen beiden Staaten zu
entwickeln, sagte Chen in Taipeh. Künftige Gespräche sollten
auf dem "Prinzip des Friedens" begründet sein, und alle
Problemfelder müssten mit friedlichen und demokratischen Mitteln
gelöst werden.
Zwischen China und Taiwan gab es seit 1996 keine Kontakte mehr auf
hochrangigen Regierungsebenen. China betrachtet Taiwan als
abtrünnige Provinz. Auch die meisten westlichen Staaten verfolgen
eine "Ein-China-Politik".
(Quelle: afp)
BBC berichtet über Giftgas-Experimente in nordkoreanischem Lager
Di.03.02.04 - Nordkorea soll einem Bericht des britischen Fernsehsenders BBC zufolge
Häftlinge mit Giftgas getötet haben. Die Fernsehdokumentation
stützte sich auf die Aussagen eines Mannes namens Kwon Hyok, bei
dem es sich laut BBC um einen ehemaligen nordkoreanischen
Geheimdienstagenten handelt, der 1999 nach Südkorea
flüchtete. Weiter hiess es, Kwon Hyok habe früher das
Gefangenenlager Nummer 22 geleitet. In dem am Sonntag ausgestrahlten
Bericht beschrieb er eine Gaskammer in dem Lager. Sie sei dreieinhalb
auf drei Meter gross und aus Glas gewesen sein. So hätten
Wissenschaftler, die die Wirkung des Gases testen wollten, den
Todeskampf der Häftlinge beobachten können. Er sei Zeuge
gewesen, wie eine ganze Familie vergast worden sei - «die Eltern,
der Sohn und eine Tochter», sagte Kwon Hyok.
(Quelle: ap)
Nepal: Generalstreik lähmt Kathmandu
Di.03.02.04 - Ein Generalstreik hat am Montag die nepalesische Hauptstadt Kathmandu
weitgehend lahm gelegt. Sicherheitskräfte setzten
Bambusstöcke und Tränengas ein, um einen Protestmarsch von
rund 15.000 Menschen aufzulösen. Mindestens zwölf Menschen
wurden verletzt.
Die Streikenden richteten sich mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben
gegen das Durchgreifen der Regierung bei Demonstrationen für mehr
Demokratie. Nach fast täglichen Forderungen nach Neuwahlen hat die
Regierung im vergangenen Monat alle öffentlichen Kundgebungen
verboten. Seitdem ist es bei dennoch durchgeführten
Demonstrationen teilweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der
Polizei gekommen.
Schulen und Geschäfte blieben geschlossen, auf den Strassen fuhren
keine Autos. Zu dem Generalstreik hatten mehrere Parteien aufgerufen.
(Quelle: ap)
Südafrika: Bischof Tutu unterstützt Sammelklagen von
Apartheidopfern
Di.03.02.04 - Der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger
Desmond Tutu unterstützt gegen den Willen der
südafrikanischen Regierung die Sammelklagen von Apartheidopfern in
den USA gegen westliche Firmen. Wie die Zeitung "Sunday Independent"
berichtete, forderte Tutu die Gerichte in den Vereinigten Staaten auf,
die Klagen zuzulassen. Die von Südafrikas Regierung beschlossenen
einmaligen Entschädigungszahlungen für Opfer der
Apartheidzeit seien völlig ungenügend.
Die südafrikanische Regierung hatte im vergangenen Jahr auf der
Grundlage des Berichts der Wahrheitskommission die Zahlung von je
30.000 Rand (rund 3.500 Euro) an 22.000 Apartheidopfer beschlossen.
Zuvor hatte sich Präsident Thabo Mbeki wiederholt gegen die
Zulassung der Sammelklagen in den USA ausgesprochen. Die
südafrikanische Geschichte müsse in Südafrika und nicht
in einem andern Land aufgearbeitet werden, hatte er argumentiert. Mbeki
dürfte es dabei laut Diplomaten aber auch darum gegangen sein,
westliche Firmen nicht vor weiteren Investitionen in Südafrika
abzuschrecken.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv:
Apartheid-Opfer: Südafrika beginnt mit Auszahlung von
Entschädigung
Di.18.11.03 - Südafrikanische Firmen sind weiterhin nicht bereit, sich an
Reparationszahlungen zu beteiligen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311180.htm#03111810
Deutsche Firmen sollen südafrikanische Apartheidopfer
entschädigen
Do.18.12.03 - Hilfsorganisationen und Bürgerinitiativen haben fünf deutsche
Banken und Unternehmen aufgefordert, die Opfer der Rassentrennung in
Südafrika zu entschädigen. Die Deutsche Bank, die Dresdner
Bank, die Commerzbank sowie die Rheinmetall AG und DaimlerChrysler
seien während der Apartheid eng mit der Regierung am Kap
verflochten gewesen, erklärte die "Internationalen Kampagne
für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#03121809
Elf Tote bei Kämpfen mit maoistischen Rebellen auf Philippinen
Di.03.02.04 - Bei heftigen Gefechten zwischen Soldaten und maoistischen Rebellen sind
auf den Philippinen elf Menschen getötet worden. Bei einem
Feuergefecht in der südphilippinischen Provinz Davao el Sur
starben am Montag sechs Rebellen der linksextremen Neuen Volksarmee
(NPA), wie ein Militärsprecher bekannt gab. Es sei zu heftigen
Schusswechseln gekommen. Bereits am Sonntag hatten NPA-Rebellen im
Norden der Philippinen in einem Hinterhalt fünf Soldaten
getötet, wie am Montag offiziell bekannt wurde. Zwei Soldaten
seien leicht verletzt worden.
(Quelle: afp)
Frankreich und Brasilien wollen weltweiten Hunger bekämpfen
Errichtung eines globalen Fonds zur Armutsbekämpfung
angestrebt
Di.03.02.04 - Der französische Präsident Jacques Chirac und sein
brasilianischer Amtskollege Luiz Inácio Lula da Silva streben
die Errichtung eines globalen Fonds zur Armutsbekämpfung an. Der
Fonds solle den Namen des brasilianischen Staatschefs tragen, sagte
Chirac am Freitagabend in Genf nach einem Treffen mit Lula, dem
chilenischen Präsidenten Ricardo Lagos und UN-Generalsekretär
Kofi Annan.
Chirac und Lula wollen eine Arbeitsgruppe benennen, die die
Möglichkeiten zur Geldbeschaffung für den Fonds
erörtert. Dabei solle keine Variante ausgeschlossen werden, so
Chirac. Beide Politiker nannten Abgaben auf Waffengeschäfte und
auf "bestimmte Finanztransaktionen" als Möglichkeit, um den Kampf
gegen die Armut zu finanzieren.
Chirac bezeichnete den Hunger als weltweiten Skandal, der sich vor den
Augen der internationalen Öffentlichkeit abspiele. Der
französische Präsident betonte indes, dass er in der Frage
der Subventionen für europäische Bauern die Meinung Lulas
nicht teile. Lula will, dass die Europäische Union die
Agrarsubventionen drastisch kürzt.
In einer gemeinsamen Erklärung von Chirac, Lula, Lagos und Annan
wird die Notwendigkeit unterstrichen, den Hunger global zu
bekämpfen. Alle anderen "Führer der Welt" seien zum Mitmachen
aufgefordert, heißt es in dem Dokument. Arme Länder sollten
mehr ausländische Hilfe erhalten, heißt es in der
Erklärung. Zudem seien Schuldenerlasse, größere
Investitionen in armen Ländern und fairer Handel nötig, um
das Los der 1,1 Milliarden Menschen zu verbessern, die mit weniger als
einem US-Dollar täglich auskommen müssen.
Besonders wichtig sei es, bis 2015 die Zahl der Unterernährten um
die Hälfte zu verringern, betonten die drei Staatschefs und der
UN-Generalsekretär. Bisher gehe die Verwirklichung der
Jahrtausend-Ziele der Vereinten Nationen zur Armutsbekämpfung zu
langsam voran. Annan mahnte die Politiker, den Worten Taten folgen zu
lassen. Das Jahr 2004 sollte ein Jahr der erfüllten Versprechen
werden. Die Welt könne sich nicht noch mehr verpasste Chancen bei
der Bekämpfung von Hunger und Armut leisten, so der
Generalsekretär der Weltorganisation.
(Quelle: epd)
IWF: Konjunkturerholung verfestigt sich - Risiken bleiben
Di.03.02.04 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in den massiven
Ungleichgewichten der Leistungsbilanzen weltweit weiter eine Gefahr
für die an Fahrt gewinnende Konjunkturerholung.
Der jüngste Kursanstieg des Euro zum Dollar trage jedoch zu einem
Ausgleich dieser Ungleichgewichte bei, sagte IWF-Chef Horst Köhler
am Montag auf einer Konferenz von Notenbankern der
EU-Beitrittsländer in Prag vor allem mit Blick auf das große
Leistungsbilanzdefizit der USA. Zugleich wies er darauf hin, dass er
mit einer Anhebung der Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft in
diesem Jahr rechne. Köhler rief die zehn EU-Beitrittsstaaten zu
einer soliden Finanzpolitik auf, da sie nur so ihr Ziel einer
Übernahme des Euro verwirklichen könnten.
"Die Erholung (der Weltwirtschaft) verstetigt und verfestigt sich,
wobei sich in allen Regionen eine Verbesserung zeigt", sagte
Köhler. Es bestünden jedoch weiter Risiken, insbesondere
durch die anhaltend hohen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen
weltweit. Der Fonds hatte in seinem im September vorgelegten
Halbjahresbericht ein Wachstum für die Weltwirtschaft von 4,1
Prozent für dieses Jahr prognostiziert.
Der Entwicklung hin zu einem dringend benötigten Ausgleich
insbesondere des US-Leistungsbilanzdefizits werde durch den Anstieg des
Euro zum Dollar beschleunigt, sagte Köhler. Allein im vergangenen
Jahr hat der Euro zur US-Währung rund 20 Prozent an Wert gewonnen.
Durch einen niedrigeren Dollar verbessern sich die Exportchancen der
USA und verringert sich zudem die Attraktivität von US-Anlagen,
wodurch das US-Leistungsbilanzdefizit zurückgeht.
Die jüngsten heftigen Kursausschläge des Euro zum Dollar
betrachtet Köhler jedoch nach seinen Worten mit Sorge. Er
fügte jedoch hinzu: "Aber ich glaube auch, dass wir zu diesem
Zeitpunkt Überreaktionen vermeiden müssen. Der Euro ist
ungefähr da, wo er 1998 stand." Nach der früheren
Schwächephase solle die Aufwertung des Euro auch als willkommenes
Zeichen für das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung
betrachtet werden. Er teilte die Einschätzung der Finanzminister
der Euro-Zone, wonach die Entwicklung aufmerksam verfolgt werden solle.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung der EU-Beitrittsländer sagte
Köhler, die Einhaltung der Maastrichtkriterien sei die beste
Grundlage auf dem Weg zu einer Übernahme des Euro. Die zehn
Staaten, die Anfang Mai der Europäischen Union (EU) beitreten,
haben das Ziel, den Euro einzuführen. Sie versprechen sich dadurch
eine Verringerung der Schuldenlast und eine stärkere Eingliederung
in den Wirtschaftsraum der Euro-Staaten. Köhler sagte, die
Beitrittsstaaten könnten langfristig mit einer Übernahme der
Gemeinschaftswährung eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um
weitere 20 bis 25 Prozent erreichen. Nähere Angaben dazu machte er
jedoch nicht.
Es wird erwartet, dass ab etwa 2008 die neuen Beitrittsstaaten auch in
die Euro-Zone aufgenommen werden könnten. Einige der Länder,
darunter Polen und Ungarn, kämpfen jedoch mit großen
Haushaltsdefiziten, wodurch der von ihnen angestrebte
frühstmögliche Beitritt erschwert wird.
(Quelle: rtr)
Deutsche Regierung bekräftigt Ablehnung einer EU-Steuer
Di.03.02.04 - Die Bestrebungen der EU-Kommission für eine eigene EU-Steuer
stoßen bei der Bundesregierung weiter auf Ablehnung.
"Das Thema EU-Steuer ist kein Thema, das von der Bundesregierung
verfolgt wird", bekräftigte ein Sprecher des Finanzministeriums am
Montag in Berlin. Die Haltung der Regierung dazu sei eindeutig. "Die
Problemlage der EU stellt sich weniger auf der Einnahme- als auf der
Ausgabeseite", ergänzte der Sprecher. EU-Haushaltskommissarin
Michaele Schreyer hatte sich zuvor im "Handelsblatt" erneut für
eine EU-Steuer ausgesprochen. Dabei gehe er nicht um eine Aufstockung,
sondern um eine Umschichtung von Steuern.
Schreyers Sprecherin sagte in Brüssel, die Kommission wolle bis
zum Sommer einen Bericht über die künftigen Eigeneinnahmen
der Europäischen Union vorlegen. Die Frage eigener
EU-Steuereinnahmen sei nicht an die am 10. Februar anstehenden
Vorschläge für den Finanzrahmen der EU von 2007 bis 2013
gebunden. Am 10. Februar wird die Kommission erklären, wo aus
ihrer Sicht die Obergrenze des EU-Haushalts liegen sollte. Deutschland
und andere Länder, die mehr zahlen als sie aus Brüssel
bekommen, wollen die Obergrenze auf ein Prozent des
Bruttonationaleinkommens senken. Die meisten Kommissare wollen sie
daher bislang bei 1,24 Prozent belassen.
Einhergehend mit einer eigenen EU-Steuer sollen nach Schreyers Worten
die Beitragszahlungen der EU-Mitgliedsländer an den Brüsseler
Haushalt sinken. Zudem solle das komplizierte Finanzierungssystem der
EU transparenter werden. Als eigene Finanzierungsquellen der EU kommen
nach Einschätzungen aus Kommissionskreisen die Mehrwertsteuer, die
Energiesteuer oder die Körperschaftssteuer in Betracht.
(Quelle: rtr)
Konfliktparteien in Nordirland verhandeln wieder
Di.03.02.04 - Die Konfliktparteien in der Unruheprovinz Nordirland wollen ab heute
einen neuen Anlauf zur Wiederbelebung des erlahmten Friedensprozesses
machen. Ziel der Gespräche zwischen Protestanten und Katholiken
ist die Wiedereinsetzung der Regionalregierung, wie sie im
Karfreitagsabkommen vorgesehen ist. Großbritannien und Irland,
die in dem Konflikt vermitteln, hatten die Konfliktparteien zurück
an den Verhandlungstisch gedrängt.
Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 hatten sich Katholiken und
Protestanten zu einer Allparteienregierung zusammengeschlossen. Im
Oktober 2002 war die Regierung jedoch auseinandergebrochen und
Nordirland wieder unter Londoner Direktverwaltung gestellt worden. Die
Regionalwahlen Ende November gewann der radikale
Protestantenführer Ian Paisley, der das Abkommen ablehnt.
(Quelle: afp)
Chirac stellt sich vor seinen Parteichef Juppé
Frankreich brauche "Männer von seiner Qualität" -
Juppé ist wegen illegaler Parteienfinanzierung zu einer
Bewährungsstrafe und den Verlust der Wählbarkeit für
zehn Jahre verurteilt
Di.03.02.04 - Der zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilte
konservative französische Parteichef Alain Juppé ist von
Präsident Jacques Chirac als "Politiker von
außergewöhnlicher Qualität" gerühmt worden. Er
empfinde für den 58-jährigen Juppé "Freundschaft,
Hochachtung und Respekt", sagte Chirac vor dem Stadtrat von Marseille.
Es war die erste öffentliche Stellungnahme des Staatschefs zu dem
Urteilsspruch vom Freitag, bei dem ein Strafgericht in Nanterre gegen
den Chef der Regierungspartei UMP wegen illegaler Parteienfinanzierung
eine Bewährungsstrafe und den Verlust der Wählbarkeit
für zehn Jahre verhängt hatte. Da Juppé Berufung
einlegte, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Der UMP-Parteichef wollte voraussichtlich am Montagabend oder Dienstag
bekannt geben, welche politischen Konsequenzen er aus dem Urteil zieht.
Es wurde nicht ausgeschlossen, dass er die Parteiführung
niederlegt. Neben seiner Eigenschaft als Parteichef ist Juppé
Abgeordneter der Nationalversammlung und Bürgermeister von
Bordeaux.
Chirac bescheinigte Juppé "Kompetenz" und "Aufrichtigkeit" und
erklärte, Frankreich brauche "Männer von seiner
Qualität". Egal, wie Juppé sich entscheide, werde er dies
"respektieren", fügte Chirac hinzu.
Die Verhandlung gegen Juppé hatte ein Korruptionssystem offen
gelegt, bei dem Mitarbeiter der damaligen Chirac-Partei RPR durch
Baufirmen oder direkt aus der Pariser Stadtkasse bezahlt wurden. Das
Strafgericht Nanterre sah es als erwiesen an, dass Juppé sich
der "illegalen Einflussnahme" schuldig gemacht hatte. Als
Rathaus-Finanzchef und RPR-Generalsekretär duldete er demnach
Schein-Arbeitsverträge zu Lasten der Stadtkasse, die in
Wirklichkeit der Partei zu Gute kamen. Chirac war in der fraglichen
Zeit RPR-Chef und Pariser Bürgermeister.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
18 Monate Haft auf Bewährung für französischen
Ex-Premier Juppé
Sa.31.01.04 - Der frühere französische Premierminister Alain Juppé
ist wegen «illegaler Vorteilsnahme» zu 18 Monaten Haft auf
Bewährung verurteilt worden. Das Urteil fällte ein
Strafgericht am Freitag in Nanterre. Mit dieser Strafe für den
amtierenden Bürgermeister von Bordeaux ist der Verlust des
passiven Wahlrechts verbunden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#04013110
Frankreich: Juppé-Richterin beklagt Wanzen und Drohbriefe
Richterin Pierce hatte den Strafprozess gegen Ex-Regierungschef
Juppé geleitet. In dem Gerichtsverfahren wurde ein
Korruptionssystem offen gelegt, bei dem Mitarbeiter der damaligen
Chirac-Partei RPR durch Baufirmen oder direkt aus der Pariser
Stadtkasse bezahlt wurden.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402020.htm#04020211
Abwehrkampf gegen feindliche Übernahme
Aventis benennt
Weiße Ritter - Sanofi zieht in Deutschland umstrittene Werbung
mit Kind zurück
Di.03.02.04 - Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis kann sich im
Abwehrkampf gegen eine unerwünschte Übernahme durch den
französischen Konkurrenten Sanofi-Synthelabo vier europäische
und US-Konzerne als möglichen Fusionspartner vorstellen. Der
Vorstand habe als Kandidaten Novartis, GlaxoSmithKline, Johnson &
Johnson und Pfizer genannt, berichtete die Financial Times Deutschland
gestern unter Berufung auf Teilnehmer der gemeinsamen Sitzung von
Aventis-Vorstand und -Aufsichtsrat. Aventis führe allerdings noch
keine konkreten Verhandlungen mit Konzernen, die mit einem Gegenangebot
den unerwünschten Übernahmebewerber ausstechen könnten.
Fusionsverhandlungen mit einer dritten Firma seien die zweitbeste
Lösung. Ein Aventis-Sprecher kommentierte den Bericht nicht.
Analysten sind skeptisch, ob ein solcher Deal überhaupt Sinn
macht. Sie wiesen darauf hin, dass die französische Regierung eine
rein französische Lösung unterstützen würde.
Nach heftigen Protesten zieht der französische Pharmakonzern
Sanofi-Synthelabo in Deutschland seine Werbung mit einem kranken Kind
("Jan") für die feindliche Übernahme des Konkurrenten Aventis
zurück. "Wollen sie Jan etwa sagen, dass seine Medizin erst in 20
Jahren erfunden wird?" fragt Sanofi in der Anzeige suggestiv. Der
Deutsche Werberat hatte dies als Verstoß gegen die guten Sitten
verurteilt.
Die Werbeagentur Publicis Groupe hatte die Anzeige auch in der
französischen, britischen und spanischen Presse geschaltet.
Publicis - Chef Eric Giuily erklärte am Montag in Paris, der
Verzicht auf die Fortführung der Kampagne in Deutschland sei
freiwillig erfolgt. In den anderen Staaten laufe die Kampagne weiter.
Sanofi will den deutsch-französischen Pharmakonzern für 47
Milliarden Euro in eigenen Aktien und Bargeld übernehmen
(Quelle: rtr/taz, dpa)
Blick ins Archiv:
Milliardenpoker um Aventis
Pharmakonzern Sanofi will Aventis feindlich übernehmen - Bei einem
Zusammenschluss entstünde der weltweit drittgrösste
Pharmagigant +++ Clement schaltet sich in
Sanofi-Übernahmepläne ein +++ Aventis: Übernahme
würde Tausende Arbeitsplätze kosten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#04012808
Opfer der eigenen Strategie
... Es gehört zur Ironie der Pharma-Geschichte, dass mit Aventis
jetzt ein Unternehmen gefressen werden könnte, das sich selbst
eine Reihe von Übernahmen und Fusionen zugemutet hat, um genau
diesem Schicksal zu entgehen...(sz vom 27.01.04) Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_d
Aventis-Aufsichtsrat lehnt Übernahmeangebot von Sanofi ab
Do.29.01.04 - Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis
hat das 48 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot des
französischen Konkurrenten Sanofi einstimmig abgelehnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012912
Sichwort: Feindliche Übernahme
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_e
Pflege fährt Rekorddefizit ein - Grüne verlangen Reform
Di.03.02.04 - Die Pflegeversicherung hat nach Angaben der Krankenkassen im
vergangenen Jahr ein Rekorddefizit aufgewiesen. Die Grünen
forderten angesichts der prekären Finanzlage, in die
Pflegeversicherung eine kapitalgedeckte Säule einzuziehen.
Ein Sprecher des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) sagte
am Montag in Berlin, das Minus werde voraussichtlich bei 650 Millionen
Euro liegen und damit deutlich höher als im Jahr 2002, als es noch
380 Millionen Euro betragen hatte. In den ersten drei Quartalen 2003
habe die Pflegeversicherung ein Defizit von 673 Millionen Euro
angehäuft. Der VdAK gehe aber davon aus, dass es durch bessere
Einnahmen im vierten Quartal - etwa auf Grund des Weihnachtsgeldes -
auf rund 650 Millionen Euro sinke. Seit 1999 übersteigen bei der
Pflegekasse die Ausgaben die Einnahmen. Mit einem Minus von 650
Millionen Euro für 2003 würde die Rücklage der
Pflegeversicherung auf 4,28 Milliarden Euro zusammenschmelzen.
Die Grünen verlangten als Konsequenz aus der schwindenden Reserve,
dass - ähnlich wie bei der Rentenversicherung - auch in der
Pflegeversicherung eine kapitalgedeckte Säule eingezogen wird.
Dies würde bedeuten, dass die Bürger für mögliche
Pflegekosten im Alter ansparen. "Wir werden eine kapitalgedeckte
Säule einziehen müssen", sagte die pflegepolitische
Sprecherin der Grünen, Petra Selg, der Nachrichtenagentur Reuters.
Eine solche Reform müsse so frühzeitig wie möglich
angegangen werden.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte die Reform der
Pflegeversicherung in der vergangenen Woche vorerst gestoppt und dabei
insbesondere gegen einen Sonderbeitrag für Kinderlose
interveniert. Damit wollte Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) ein
Urteil des Bundesverfassungsgerichtes umsetzen, wonach Eltern in der
Pflegeversicherung besser gestellt werden sollen. Nun ist geplant,
Kinderlose nicht zu belasten, sondern Eltern zu entlasten - was dazu
führen dürfte, dass die ohnehin schwindende Reserve der
Pflegekasse noch schneller aufgebraucht wird. SPD-Generalsekretär
Olaf Scholz hatte am Wochenende erklärt, die Finanzsituation der
Pflegeversicherung sei nicht so schlecht, dass es jetzt eine
große Reform geben müsse.
(Quelle: rtr)
Erholung in deutscher Industrie kommt voran - Konsum bleibt nach wie
vor sehr schwach
Di.03.02.04 - Die wirtschaftliche Erholung in den Industriebetrieben in Deutschland
und der übrigen Euro-Zone hat sich zum Jahresanfang in
unvermindertem Tempo fortgesetzt.
Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für Deutschland blieb im
Januar auf seinem Drei-Jahreshoch bei 53,0 Punkten. Auch der Index
für die Euro-Zone erreichte nach Angaben des britischen
Forschungsinstituts NTC vom Montag den höchsten Stand seit drei
Jahren. Die Firmen konnten sich trotz der Euro-Stärke über
ein kontinuierliches Wachstum von Aufträgen und Produktion freuen.
"Insgesamt deutet das auf ein weiteres relativ zufrieden stellendes
Wachstum der Industrie zur Jahreswende hin", sagte Bernd Weidensteiner
von der DZ-Bank. Viele Volkswirte erwarten im laufenden Quartal ein
stärkeres Wirtschaftswachstum als im Schlussquartal 2003.
Der Index für die Euro-Zone stieg leicht auf 52,5 von 52,4 Punkten
an, blieb damit aber etwas unter den Erwartungen.
Werte über 50 Punkte signalisieren eine Verbesserung der
Geschäfte im Vergleich zum Vormonat. Analysten hatten mit einem
Anstieg des deutschen EMI auf 53,5 Zähler gerechnet, nachdem auch
andere Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima zuletzt
wachsende Zuversicht unter den Firmen angedeutet hatten.
Die Einkaufsmanager in Deutschland zeigten sich ermutigt durch eine
steigende Nachfrage aus Schlüsselbranchen wie Zulieferern und
Investitionsgüterherstellern. Trotz des Euro-Höhenflugs zum
Jahresanfang verbuchten die Firmen besonders aus den USA, Asien und
Osteuropa viele Bestellungen. In anderen Ländern berichteten die
Manager dagegen, wegen des starken Euro hätten die Bestellungen
aus den USA weniger stark zugenommen als Ende 2003. Sie machten vor
allem die Nachfrage aus der Euro-Zone für ihren Auftragsanstieg
verantwortlich.
Volkswirte äußerten sich mehrheitlich positiv über die
jüngsten EMI-Daten und verwiesen auf die anhaltend hohen
Index-Werte. Einige Analysten wie Andreas Rees von der Hypovereinsbank
zeigten sich aber skeptisch zur wirtschaftlichen Erholung: "Der
Aufschwung ist bislang aber lediglich vom Unternehmenssektor getragen,
steht also nur auf einem Bein. Der Konsum bleibt nach wie vor sehr
schwach." Während Rees das Wachstum im ersten Quartal mit 0,6
Prozent deutlich stärker erwartet als etwa andere Kollegen, zeigte
er sich für die Zeit danach eher zurückhaltend. "Der
Aufschwung ist etwas wackelig."
Der Index Auftragseingang für Deutschland blieb mit 56,6 Punkten
fast unverändert nach einem Dezember-Wert von 56,8. Viele Firmen
konnten die vielen Neuaufträge nicht komplett abarbeiten, so dass
ihr Auftragsbestand weiter anstieg.
Die Firmen in Deutschland und der übrigen Euro-Zone fuhren
angesichts der steigenden Nachfrage ihre Produktion weiter hoch: Dieser
Teilindex signalisierte in Deutschland das stärkste Wachstum seit
Februar 2001. Die Einkaufsmanager berichteten jedoch, dass viele Firmen
wegen des harten Wettbewerbs auch im Januar Mitarbeiter
entließen. Der starke Euro habe viele Firmen zu Preissenkungen
gezwungen, was ihre Gewinne schmälere und Sparmaßnahmen
erfordere. Auch im europäischen Ausland entließen die Firmen
Mitarbeiter, um ihre Produktivität zu steigern.
In den USA stieg der ebenfalls am Montag veröffentlichte EMI des
Institute for Supply Management (ISM) etwas schwächer als von
Experten erwartet. Der Index lag im Januar bei 63,6 nach 63,4 Punkten
im Dezember. Analysten hatten im Schnitt mit 64,0 Zähler
gerechnet. Während sich bei den Neuaufträgen das Wachstum
verlangsamte, gab der Beschäftigungsindex leicht nach auf 52,9
nach 53,5 Punkten im Dezember.
(Quelle: rtr)
Metall-Arbeitgeber lehnen Arbeitszeitkonten ab - IG Metall setzt
Warnstreiks fort
Di.03.02.04 - Im Streit um flexiblere Arbeitszeiten für die 3,5 Millionen
Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie beharren die
Tarifparteien weiter auf ihren gegensätzlichen Positionen.
Während der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg
Hofmann auf das Modell der Arbeitszeitkonten verwies, pochten die
Arbeitgeber auf Mehrarbeit ohne garantierten Lohnausgleich. In
Nordrhein-Westfalen sowie Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
wurde die dritte Verhandlungsrunde ergebnislos vertagt. Tausende
Metaller traten erneut in Warnstreiks.
In der Frage flexiblerer Arbeitzeiten verwies die Gewerkschaft auf die
bereits erarbeitete Diskussionsgrundlage: "Wir werden die Arbeitgeber
daran erinnern, dass wir zu diesem Thema bereits einen
Verhandlungsstand aus dem letzten Jahr haben", sagte
Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Hofmann der "Berliner Zeitung".
Mit Zeitkonten würde den Betrieben genau dann die Arbeitskraft zur
Verfügung stehen, wenn etwa neue Produkte entwickelt werden.
Gesamtmetall lehnte den Vorschlag ab und beharrte auf der Forderung
nach der Möglichkeit, Arbeitszeit ohne garantierten Lohnausgleich
zu verlängern. Arbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser sagte
im Berliner Inforadio, der Vorschlag der IG Metall sei etwas
grundsätzlich anderes als die Forderung der Arbeitgeber. "Ein
Langzeitkonto verteilt die Arbeit anders."
Bei Bosch in thüringischen Eisenach legten nach
Gewerkschaftsangaben die Mitarbeiter der Nachtschicht zeitweise die
Arbeit nieder. Kurzzeitig bestreikt worden seien auch fünf
DaimlerChrysler-Werke in Baden-Württemberg und Kassel. In Hessen
seien insgesamt 4000 Mitarbeiter zu Warnstreiks aufgerufen. Auch in
zahlreichen Betrieben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen habe die
Arbeit geruht. Die Beschäftigten kämpfen für vier
Prozent mehr Lohn und Gehalt und gegen die 40-Stunden-Woche.
Die nordrhein-westfälischen Metall-Unternehmer schlossen sich dem
Angebot aus Baden-Württemberg mit zwei Mal 1,2 Prozent mehr Lohn
und einem Mehrarbeits-Korridor von 35 bis 40 Stunden ohne garantierten
Lohnausgleich an. "Ein solches Programm zur Vernichtung von
Arbeitsplätzen kann die IG Metall unmöglich unterschreiben",
sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Peter Gasse. Nach
Berechnungen der Gewerkschaft stehen bei einer solchen
Öffnungsklausel allein in NRW 48.000 Jobs auf der Kippe,
bundesweit rechnet die IG Metall mit 400.000.
(Quelle: ap)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Mehr zur Tarifrunde 2004 im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
E.ON Energie attackiert Emissionsrechte-Plan
Di.03.02.04 - Im Streit um den Handel von Emissionsrechten beim
Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) hat der Energieversorger E.ON vor
einer Umsetzung der vom Bundesumweltministerium erarbeiteten Pläne
gewarnt. Zugleich sprach sich E.ON Energie-Chef Johannes Teyssen
dafür aus, beim vorläufigen Scheitern einer Einigung
über den von der EU gesetzten Termin am 31. März zu
verhandeln.
"Wenn wir die Wirtschaft ruinieren wollen, können wir das machen",
sagte Teyssen am Montag in München auf einer Unions-Veranstaltung.
Der von Umweltstaatssekretär Rainer Baake vorgelegte
Allokationsplan sei in seinen möglichen negativen Auswirkungen
kaum zu unterschätzen und werde das Aus für die Aluminium und
Zement produzierende Industrie bedeuten. Die Wirtschaft müsse die
ganze Last tragen. "Wenn es so käme, sähe es düster aus."
Teyssen verwies darauf, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
der Energiewirtschaft keine weitergehenden Belastungen versprochen
habe. Zwar habe er keinen Anlass, an Schröders Wort zu zweifeln,
sagte der Vorstandsvorsitzende der größten Konzerntochter,
fügte aber hinzu: "Herr Baake scheint den Kanzler nicht ernst zu
nehmen."
Am vergangenen Donnerstag war es in den Verhandlungen über den
Zuteilungsplan zum Eklat gekommen, weil Baake ohne Abstimmung mit dem
Wirtschaftsministerium sein Konzept vorgelegt hatte. Es sieht unter
anderem vor, dass die rund 2600 in den Emissionshandel eingebundenen
Anlagen bis 2007 ihren CO2-Ausstoß um im Schnitt 7,5 Prozent
senken. Deutschland muss wie alle anderen EU-Staaten bis zum 31.
März einen Plan für die Zuteilung der CO2-Rechte bei der
EU-Kommission einreichen. Ansonsten drohen rechtliche Konsequenzen.
"Wenn wir ihn am 1. Mai in Brüssel einreichen, wird Brüssel
den Schmerz verwinden", sagte Teyssen und schloss sich damit der
Haltung des Bundesverbands der Deutschen Industrie an. Er wolle lieber
eine richtige, als eine vorschnelle Lösung.
(Quelle: rtr)
Ab 2005 schreibt die EU den Emissionshandel vor....
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/03/a0199.nf/text
Blick ins Archiv:
Umweltministerium fordert deutliche Kohlendioxid-Reduktion
Ressortentwurf für den Allokationsplan: Rund 2600 in den Emissionshandel eingebundene Produktionsanlagen
sollen ihren Kohlendioxid-Ausstoß um durchschnittlich 7,5 Prozent senken +++ BDI
weist den Entwurf als wachstumshemmend zurück... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#04013116
Industrie angeblich vor Verhandlungs-Ausstieg bei Emissionen
So.01.02.04 - Die Industrieunternehmen wollen einem Medienbericht zufolge aus den
Verhandlungen mit der Bundesregierung um die Zuteilung von
Verschmutzungsrechten (Emissionshandel) aussteigen.
Grund sei weniger die harte Haltung von Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne), sondern die Unvereinbarkeit der
Interessen innerhalb der Wirtschaft, berichtete das Magazin "Der
Spiegel" am Samstag vorab... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402010.htm#04020115
Prozess gegen BGS-Beamte wegen Tod eines Sudanesen bei Abschiebung
Di.03.02.04 - Zum Auftakt des Frankfurter Prozesses um den Tod eines
Abschiebehäftlings haben Bundesgrenzschützer von
Ausbildungsmängeln berichtet. In dem am Montag eröffneten
Verfahren vor dem Amtsgericht Frankfurt sind drei BGS-Polizisten wegen
fahrlässiger Tötung angeklagt, weil sie im Mai 1999 den
Sudanesen Aamir Ageeb so in seinen Flugzeugsitz gedrückt haben
sollen, dass er erstickte.
Die zwischen 31 und 40 Jahre alten Angeklagten schwiegen zunächst
zu den Vorwürfen. Stattdessen schilderten zwei BGS-Kollegen vom
Frankfurter Flughafen als Zeugen, wie die Abschiebung des 30 Jahre
alten Ageeb begonnen hatte. Dieser habe sich bereits in der Zelle
gewehrt und sei daraufhin gefesselt worden. Außerdem sei ihm ein
Integral- Motorradhelm aufgesetzt worden.
Das Herunterdrücken des Kopfes in den Sitz sei ein recht
häufig verwendetes Mittel gewesen, um einen Häftling ruhig zu
stellen, sagte ein 30 Jahre alter Beamter. Dies sei allerdings nicht in
Lehrgängen vermittelt, sondern unter Kollegen weitergegeben
worden. Die Methode gilt nach Erkenntnissen der US-Polizei als
häufige Todesursache bei Festnahmen, da der fixierte Mensch in
dieser Lage zu wenig Luft atmen kann.
Der andere Zeuge hat nach eigener Aussage nie eine besondere Ausbildung
zur Abschiebung von Häftlingen erhalten. Beide Polizisten kannten
zudem nach eigenem Bekunden eine BGS-Vorschrift aus dem Jahr 1998
nicht, nach der Plastik- und Metallfesseln an Bord von
Verkehrsmaschinen verboten sind.
Vor Prozessbeginn hatten mehrere Menschenrechtsgruppen vor dem Gericht
eine Mahnwache abgehalten. Neben der langen Zeit bis zum
Gerichtsverfahren kritisierten sie die BGS-Führung, die
medizinische Erkenntnisse zum lagebedingten Erstickungstod nicht
weitergegeben habe. Auch die Besatzung des Lufthansa-Airbusses habe
sich falsch verhalten, sagte der Arzt Klaus Metz. Am Mittag sollte ein
dritter Grenzschützer als Zeuge gehört werden.
(Quelle: dpa)
Frist für Zwangsarbeiter-Entschädigungen geplant
Di.03.02.04 - Die Stiftung für die Entschädigung der ehemaligen
Zwangsarbeiter plant die Einführung einer Frist, mit der nicht
abgerufene Leistungen verfallen sollen. Wie ein Sprecher der Stiftung
"Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" in Berlin mitteilte, werden dazu
derzeit Gespräche mit der Bundesregierung geführt.
Geklärt werden müsse, wie lange eine gewährte
Entschädigung von den zuständigen Stellen zurückgestellt
werden soll, wenn die Betroffenen das Geld nicht umgehend abrufen.
Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ist geplant, die Gelder nach
zweieinhalb Jahren verfallen zu lassen. Das gehe aus einem Bericht der
Stiftung an den Innenausschuss des Bundestages hervor. Der Sprecher der
Stiftung bestätigte dies allerdings nicht. Nach seinen Angaben
werden gewährte Leistungen etwa dann nicht abgerufen, wenn der
betroffene Zwangsarbeiter nach der Antragstellung verstirbt. In diesen
Fällen müsse dann nach dem Rechtsnachfolger gesucht werden,
was aber nicht immer gelinge. Die Leistungen würden aber nur in
zwei bis drei Prozent aller Fälle nicht abgerufen.
Die Stiftung rechnet mit einer Gesamtzahl von 1,8 Millionen
Antragsstellern. Für sie steht eine Summe von 4,1 Milliarden Euro
zur Verfügung. Bis Sommer 2005 sollen alle Anträge bearbeitet
und die Leistungen ausgezahlt werden.
(Quelle: afp)
Internet-Wurm 'Mydoom' legt Webseiten von Softwarefirma SCO lahm
Di.03.02.04 - Der Internet-Wurm MyDoom hat die Web-Seiten der US-Software-Firma SCO
lahm gelegt, die zuvor Nutzer des Betriebssystem Linux mit der
Forderung von Lizenzgebühren gegen sich aufgebracht hatte.
Der Softwarekonzern Microsoft bereitete sich nach eigenen Angaben auf
einen vergleichbaren Angriff vor, den Experten für diesen Dienstag
erwarten. Die Unternehmen haben eine Belohnung von jeweils 250.000
Dollar für Hinweise auf den Autor des Computerwurms ausgesetzt.
MyDoom, das sich in Anhängen zu E-Mails verbreitet, ist so
programmiert, dass es von befallenen Rechnern aus unzählige
Anfragen an die Webseiten von SCO beziehungsweise Microsoft sendet. Die
Flut der Anfragen bei einem solchen "Denial of Service"-Angriff
überfordert den Server, so dass das Internet-Angebot nicht mehr
erreichbar ist.
SCO hatte den Angriff zunächst bekämpft, nahm seine
Internet-Seiten aber später vom Netz. "Statt weiter zu
kämpfen schien es uns vorteilhafter, die Site abzuschalten", sagte
ein SCO-Sprecher am Sonntag. Das Angebot unter www.sco.com war am
Montag weiter nicht erreichbar.
Die Softwarefirma steht im Zentrum eines Streits um das frei
erhältliche Betriebssystem Linux. SCO hat den Computerkonzern IBM
verklagt, dem es vorwirft, seine Urheberrechte verletzt zu haben. Die
Firma fordert Lizenzgebühren von den Nutzern des Betriebssystems
und droht andernfalls mit weiteren Klagen. Verschiedene
Großunternehmen aus der Branche, darunter Hewlett-Packard und
Intel, unterstützen IBM und haben Schritte unternommen, um
Linux-Nutzer vor Schadensersatzforderungen zu schützen.
Experten für Computersicherheit waren von der Schwere des Angriffs
überrascht, wenngleich es keine Berichte über andere
Ausfälle auf Grund des Wurmes gab. Der Wurm war so programmiert,
dass die befallenen Computer am Sonntag um 17.09 Uhr MEZ mit dem
Angriff beginnen sollten. Da jedoch die Uhren vieler Computer falsch
gestellt seien, habe der Angriff schon Stunden vorher begonnen, sagte
Mikko Hypponen von dem finnischen Hersteller von Anti-Viren-Software
F-Secure. "Es wird für SCO mit der Zeit nur noch schlimmer."
Andere Experten verwiesen darauf, dass sich der Wurm weiter ausbreite.
(Quelle: rtr)
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