Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zahl der Toten bei Selbstmordanschlägen in der nordirakischen
Kurdenstadt Erbil steigt auf 100 +++ US-Verwalter sieht Verbesserung
der Sicherheitslage in Irak +++ Annan sieht in der Frage der
Irak-Wahlen Weg aus Sackgasse +++ Powell zieht Begründung des
Irakkriegs in Zweifel +++ Nach Bush kündigt auch Blair
Untersuchung zu Irak-Geheimdienstdossier an
Mi.04.02.04 - Nach dem doppelten Selbstmordanschlag in der nordirakischen Kurdenstadt
Erbil am Sonntag hat sich die Zahl der Toten auf 100 erhöht. Wie
die Demokratische Partei Kurdistans (DPK) mitteilte, erlagen weitere
bei den Anschlägen Verwundete ihren Verletzungen. 125 der rund 200
Verletzten befänden sich noch immer in Krankenhäusern. Damit
handelt es sich um die bisher blutigste Tat seit dem offiziellen Ende
der Hauptkampfhandlungen in Irak im Mai 2003.
Bislang war die Zahl der Toten mit mindestens 56 angegeben worden. Laut
einer früheren Bilanz der kurdischen Parteizeitschrift "Chabat"
waren unter den Toten neun DPK-Führungsmitglieder sowie sechs
Führer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Bei den
übrigen Opfern habe es sich um Mitglieder und Anhänger der
beiden Kurdenparteien sowie um einfache Bürger gehandelt.
Die zwei Selbstmordattentäter hatten sich zeitgleich in den
Zentralen der beiden Kurdenparteien in der Stadt Erbil in die Luft
gesprengt. Die Büros waren wegen des moslemischen Opferfestes von
zahlreichen Menschen besucht. Bei der Explosion in den DPK-Räumen
wurde auch Provinzgouverneur Akram Mentem getötet. Nach Angaben
der US-geführten Koalition waren die Anschläge
möglicherweise ein Racheakt für die Festnahme eines
mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieds.
Trotz des blutigen Anschlags vom Sonntag erklärte
US-Zivilverwalter Paul Bremer am Dienstag, die Sicherheitslage in Irak
habe sich verbessert. "Die Situation ist seit dem Sturz Saddam Husseins
ruhiger geworden", sagte Bremer am in Bagdad.
In Bagdad feuerten Aufständische am frühen Dienstagmorgen
zwei Raketen auf den Internationalen Flughafen ab, wie die
Streitkräfte mitteilten. Dabei wurde niemand verletzt. Der
Flughafen ist einer der wichtigsten Stützpunkte der
US-Streitkräfte in Irak.
Ein Kind ist nahe der nordirakischen Stadt Kirkuk von einer
US-Mörsergranate getroffen und getötet worden. Drei weitere
Kinder seien dabei verletzt worden, hieß es in Polizeikreisen.
Die Kinder hatten in dem unbewohnten Gebiet rund fünf Kilometer
südlich von Kirkuk Ball gespielt. Die Mörsergranate war von
einem US- Stützpunkt im Flughafen von Kirkuk abgeschossen worden,
weil die Armee vermutete, dass in der Gegend Angriffe gegen die
Koalitionstruppen geplant würden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan ist derweil zuversichtlich, dass die
Frage über den Zeitpunkt von freien Wahlen im Irak zur
Zufriedenheit der Amerikaner und Iraker gelöst werden kann. "Wir
haben die Chance, dabei zu helfen, aus dieser Sackgasse heraus- und
voranzukommen", sagte Annan am Dienstag nach einem Treffen mit
US-Präsident George W. Bush in Washington. Wie ein Kompromiss
aussehen könnte, sagte Annan nicht.
Die Vereinten Nationen wollen ein Team in den Irak schicken, das
ausloten soll, ob bis zum Sommer Wahlen organisiert werden können.
Wann die UN-Beamten nach Bagdad gehen, sagte Annan nicht. "Ich hoffe,
dass das UN-Team eine Rolle spielen kann und den Irakern vermittelt,
dass sie auf bestem Wege (zu einer eigenen Regierung) sind, wenn sie
einen Konsens zur Regierungsbildung finden."
Washington will die Regierungsverantwortung in Bagdad am 1. Juli
abtreten. Die Mitglieder einer Übergangsregierung soll nach den
Vorstellungen der USA bei Versammlungen in den einzelnen Provinzen
bestimmt werden. Der einflussreiche schiitische Großajatollah Ali
el Sistani besteht aber auf Wahlen. Dafür bleibt nach Ansicht
Washingtons nicht genügend Zeit.
Bush lobte den UN-Einsatz. "Ich habe immer gesagt, dass die Vereinten
Nationen eine lebenswichtige Rolle spielen müssen", sagte Bush.
Nach dem Ende der Kampfhandlungen hatte Washington sich zunächst
lange gegen eine größere Rolle der UN beim Wiederaufbau und
der Regierungsorganisation im Irak gestemmt.
Wegen der vergeblichen Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen
hat US-Außenminister Colin Powell Zweifel an den Gründen
für den Krieg geäußert. Powell sagte in einem am
Dienstag veröffentlichten Interview der Zeitung "Washington Post",
er wisse nicht, ob er vor einem Jahr die Militäraktion empfohlen
hätte, hätte er gewusst, dass der damalige irakische
Machthaber Saddam Hussein keine verbotenen Waffen besitze. Dieses
angebliche Arsenal habe den "kleinen letzten Baustein" in der
Begründung des Krieges dargestellt, durch den Irak als "reale und
gegenwärtige Gefahr" für die Region und die Welt erschienen
sei.
Der britische Premierminister Tony Blair hat sich am Dienstag dem
innenpolitischen Druck gebeugt und eine Untersuchung der
Geheimdienstberichte über verbotene Waffenbestände im Irak
angekündigt.
"Ich denke, es ist richtig, ... dass wir die Erkenntnisse des
Geheimdienstes, die wir erhalten haben, darauf hin prüfen, ob sie
fehlerfrei waren oder nicht", sagte Blair vor einem Ausschuss des
Parlaments. Ein Untersuchungsbericht wird nach Worten von
Außenminister Jack Straw im Sommer erwartet. Auch
US-Präsident George W. Bush hatte tags zuvor angekündigt, die
Geheimdienstberichte zu den Waffen von einer unabhängigen
Kommission prüfen zu lassen. Beide Regierungen sind unter Druck
geraten, weil sie den Krieg gegen den Irak vor allem mit dessen
Waffenpotenzial begründet haben, ohne dass dafür bislang
Belege gefunden worden wären.
Eine Untersuchung der Entscheidung für den Irak-Krieg, wie dies
die oppositionellen Liberaldemokraten forderten, lehnte Blair strikt
ab. "Meiner Meinung nach brauchen wir keine Untersuchung der
politischen Entscheidung für den Krieg." Dass auch fast zehn
Monate nach dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein
keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien, untergrabe nicht
den rechtlichen oder moralischen Grund für den Krieg. Saddam habe
allemal die UNO-Resolutionen missachtet. "Hätten wir es
versäumt, auf Grundlage der Geheimdienstberichte, die wir erhalten
haben, zu handeln, dann, denke ich, wäre das ein großes
Pflichtversäumnis gewesen", sagte Blair. "Was immer als Ergebnis
dieser Untersuchung herauskommt, ich akzeptiere nicht, dass es falsch
war, Saddam Hussein zu beseitigen oder dass die Welt deshalb jetzt
nicht sicherer oder besser geworden ist."
Blair nahm auch auf den zurückgetretenen Chef der
US-Waffeninspekteure im Irak, David Kay, Bezug, der erklärt hatte,
er glaube nicht, dass es im Irak Bestände verbotener Waffen gebe.
"Dies ist einer der Gründe, weshalb ich glaube, dass wir eine
weitere Untersuchung brauchen", sagte Blair. Er hatte wie Bush lange
Zeit Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung
zurückgewiesen. Das Argument der britischen und der US-Regierung,
die vermuteten Waffen würden noch gefunden, wurde aber durch die
Äußerungen Kays erheblich geschwächt.
Vor dem Parlamentsausschuss schien Blair seine Position zum Irak-Krieg
nun zu modifizieren, als er sagte, der Militäreinsatz sei begonnen
worden, weil der Irak ein instabiler Staat "mit der Fähigkeit zu
Massenvernichtungswaffen" gewesen sei, die zu einem künftigen
Zeitpunkt in die Hände von Terrorgruppen hätten fallen
können. Vor dem Krieg hatte Blair gesagt, der Irak stelle eine
"ernste und gegenwärtige" Bedrohung dar und habe damit
fortgefahren, Massenvernichtungswaffen zu produzieren.
Der britische Außenminister Jack Straw erläuterte vor dem
Parlament Einzelheiten zur Untersuchung. Die Kommission werde Zugang zu
Berichten des Geheimdienstes und relevanten Regierungsunterlagen
erhalten. Zudem könnten Zeugen geheim befragt werden, sagte Straw.
Die Aufgabe sei es, jegliche Diskrepanz herauszufinden zwischen den
Geheimdienstberichten, die die Regierung vor dem Krieg benutzt habe,
und dem, was seit Ende der Kämpfe entdeckt worden sei.
Die oppositionellen Liberaldemokraten lehnten die Untersuchung in
dieser Form ab. "Eine Untersuchung, die Politiker von einer genauen
Überprüfung ausschließt, wird kaum das öffentliche
Vertrauen gewinnen", sagte der außenpolitische Sprecher der
Liberaldemokraten, Menzies Campbell. Die Liberaldemokraten wollen
vielmehr die politische Entscheidung für den Krieg
überprüfen lassen, als sich nur auf das Problem der
Geheimdienstberichte über Waffenbestände zu konzentrieren.
(Quelle: dpa, ap, rtr, afp)
Rückblick: Zitate zur Begründung des Irak-Krieges
Irakische Massenvernichtungswaffen als Bedrohung für die Region
und den Weltfrieden sind ein zentrales Argument von US-Präsident
George W. Bush und des britischen Premierministers Tony Blair für
den Krieg zum Sturz von Saddam Hussein gewesen. Solche Waffen wurden
bislang nicht gefunden. So äußerten sich beide Politiker
unter anderem:
Blair (24. September 2002): «Der Irak hat chemische und
biologische Waffen ... Saddam hat... militärische Planungen
für den Einsatz chemischer und biologischer Waffen, die innerhalb
von 45 Minuten aktiviert werden können ... Er ist dabei, sich
nukleare Fähigkeiten zu beschaffen».
Bush (26. September 2002): «Das irakische Regime besitzt
biologische und chemische Waffen. Das irakische Regime baut die
für die Produktion von mehr biologischen und chemischen Waffen
notwendigen Anlagen aus. Jeder verstreichende Tage könnte der
sein, an dem das irakische Regime Anthrax oder VX - Nervengas - oder
eines Tages eine Nuklearwaffe an einen terroristischen Verbündeten
gibt».
Bush (28. Januar 2003): «Die britische Regierung hat erfahren,
dass Saddam Hussein kürzlich in Afrika nach größeren
Mengen Uran gesucht hat».
Blair (23. Februar): «Die Erkenntnisse sind klar: (Saddam) glaubt
weiterhin, sein Waffenprogramm ist nützlich für Repression im
Innern und Aggression nach außen». Und: «..wir
glauben, dass der Irak (die biologischen Gifte) Anthrax, Botulinum,
Toxin, Aflotoxin und Ricin produzieren kann».
Blair (6. März): «Wenn wir jetzt nicht handeln, wird er
(Saddam) fortfahren, diese Waffen zu entwickeln ... gefährliche
Waffen, besonders wenn sie in die Hände von Terroristen
fallen».
Bush (17. März): «Nachrichtendienstliche Erkenntnisse
unserer und anderer Regierungen lassen keinen Zweifel, dass das
irakische Regime einige der tödlichsten Waffen, die je erfunden
wurden, weiterhin besitzt und versteckt».
Blair (20. März): Die britischen Streitkräfte hätten den
«Auftrag, Saddam zu entmachten und dem Irak seine
Massenvernichtungswaffen zu nehmen..... Der Verbleib großer
Bestände an chemischen und biologischen Giften. ....(ist)
weiterhin ungeklärt».
Blair (14. April): «Saddam hat sechs Monate vor der Rückkehr
der UN-Inspekteure eine groß angelegte Aktion zur Verbergung von
Massenvernichtungswaffen gestartet».
Bush (10. Juni): «Der Irak hatte ein Waffenprogramm.
Geheimdienst-Erkenntnisse über das letzte Jahrzehnt haben gezeigt,
dass sie ein Waffenprogramm hatten».
Blair (8. Juli): «Ich habe absolut keinen Zweifel, dass wir
Beweise für Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen
finden werden». Nicht nur Programme, sondern auch «Produkte
dieser Programme» werde man finden, betont ein Sprecher Blairs
zwei Tage später.
Quelle: dpa, 03.02.04
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003
US-Außenminister Colin Powell hat am 5. Februar vergangenen
Jahres im UN-Sicherheitsrat «Beweise» für die Existenz
irakischer Massenvernichtungswaffen vorgelegt. Er berief sich dabei auf
«klare Quellen» und führte unter anderem
Satellitenaufnahmen vor. Daraus Auszüge aus einer
dpa-Dokumentation vom 5. Februar 2003:
FOTO: Aufnahme der Munitionsfabrik Taji. Vier der Bunker enthielten
chemische Kampfstoffe, sagte Powell. An den Bunkern seien Warnzeichen.
Davor stünden besondere Wachen mit Spezialgerät, um Lecks zu
prüfen. Der Lastwagen vor dem Gebäude enthalte Gegengift im
Fall eines Unfalls. Die Bunker seien unmittelbar vor der Ankunft der
Inspekteure gereinigt worden.
AUGENZEUGENBERICHT: Ein irakischer Chemieingenieur berichtet von der
Produktion von Biokampfstoffen unter den Augen früherer UN-
Inspekteure. Die Produktion sei immer von Donnerstagabend bis
Freitagabend gelaufen in der Annahme, dass die Inspekteure am
islamischen Ruhetag, dem Freitag, nicht unterwegs seien. Der Mann sei
inzwischen geflohen.
GRAFIK: Skizze von mobilen Biowaffenlaboren, nach Angaben von Powell
auf Grund technisch präziser Angaben von Überläufern.
Der Irak besitze davon mindestens sieben.
ÜBER VERSTECKE: Saddams Sohn Kusai habe den Abzug aller verbotenen
Waffen aus den Palästen seines Vaters angeordnet, sagte Powell.
Wissenschaftler hätten Unterlagen in ihren Wohnungen versteckt. In
Waffenfabriken seien Computerfestplatten ausgewechselt worden. Im
vergangenen Herbst seien Raketenabschussbasen und mit Biowaffen
bestückte Gefechtsköpfe aus der Umgebung von Bagdad in den
Westen des Landes verlegt worden.
CHEMIEWAFFEN: Der Irak hat nach amerikanischer Schätzung 100 bis
500 Tonnen chemische Kampfstoffe.
ATOMPROGRAMM: Der Irak versuche seit 1998, sich im Ausland spaltbares
Material für den Bau von Atombomben zu beschaffen. Der Irak habe
mehrfach versucht, im Ausland Aluminiumröhren zu bestellen, die
nach Überzeugung der US-Regierung für Zentrifugen zur
Anreicherung von Uran gedacht waren.
Quelle: dpa, 03.02.04
Blick ins Archiv:
7. Februar 2003 - Stimmungswandel in den USA nach Powells UN-Auftritt
Nach der Rede von US-Außenminister Colin Powell
im UN-Sicherheitsrat gibt es laut "Berliner Zeitung" in den USA keine
Frage: "Powell hat überzeugt. Selbst Kritiker der Opposition wie
der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Tom Daschle, sind der
Meinung, Powell habe überzeugende Beweise gegen Saddam Hussein
vorgetragen und damit Bagdad zu einer Reaktion gezwungen. Hatte Daschle
vor zwei Wochen noch eine detaillierte Erklärung für einen
möglichen Krieg von US-Präsident George W. Bush gefordert, so
sagte er nach Powells Rede: 'Die Inspektionen können nicht ewig
andauern.' John Kerry, einer der Präsidentschaftskandidaten der
Demokraten, hatte Bush vor wenigen Tagen ebenfalls noch vor einer Eile
zum Krieg gewarnt. Nach Powells Rede rief der die Uno dazu auf, Irak
ein Ultimatum für die umfassende Entwaffnung zu setzen", schreibt
die "Berliner Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 07.02.2003.
Ein Blick in die Zeitungen zeige, bis auf wenige Fälle, keine
Kriegseuphorie, bemerkt die Berliner Zeitung. Doch die
Präsentation Powells habe die meisten Kommentatoren
überzeugt, dass Saddam Hussein die Staatengemeinschaft an der Nase
herumführe. Die Berliner Zeitung führt dazu aus: "Selbst die
Los Angeles Times, die Bushs Irak-Politik bislang eher kritisch
gegenüberstand, hat die Uno aufgefordert, Irak ein Ultimatum zu
setzen, sonst liefe die Uno Gefahr, irrelevant zu werden. Während
die New York Times hofft, dass Saddam doch noch einlenkt, ist die
Washington Post der Meinung, dass die vergangenen zwölf Jahre
gezeigt hätten, dass 'es unmöglich ist, ein totalitäres
Regime mit solchen Mitteln (Inspektionen) zu entwaffnen' ".
In einer CNN-Erhebung sagten 71 Prozent der Befragten, Powell habe
überzeugend für den Einsatz von Gewalt im Irak argumentiert,
vorausgesetzt das Regime von Saddam Hussein könne anders nicht
entwaffnet werden. USA Today ermittelte, die generelle Zustimmung zu
einem Krieg sei von 50 auf 57 Prozent gestiegen.
Quellen: Berliner Zeitung, Süddeutsche Zeitung
10. März 2003 - Powell sieht kaum noch Chance für friedliche Irak-Lösung
Das diplomatische Fenster schließe sich sehr schnell. Die USA
seien einer Mehrheit im Weltsicherheitsrat für ultimative
Irak-Resolution sehr nahe. Powell warnt Frankreich vor Konsequenzen
eines Vetos. Der US-Außenminster hält an seiner Auffassung
fest, dass der Irak ein Nuklearprogramm verfolgt.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303100.htm#news
20. März 2003: Der Krieg gegen Irak beginnt
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen
Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST /
20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei
eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte
militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für
eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg
könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche
vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles
versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
9. September 2005 - Ex-US-Außenminister Powell bedauert seine Irak-Rede vor
UN-Sicherheitsrat
Der frühere US-Außenminister Colin Powell
hat sich von seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat distanziert, mit der
er im Februar 2003 den geplanten Krieg im Irak rechtfertigte. Diese
Rede sei ein "Makel" seiner politischen Bilanz, sagte Powell dem Sender
ABC News in einem Interview, das am heutigen Freitag ausgestrahlt
werden sollte. Es sei "schmerzlich", dass er damals angebliche Beweise
für Massenvernichtungswaffen vorgelegt habe, die sich als falsch
erwiesen. Powell hatte Satelliten-Fotos von angeblichen Lastwagen mit
mobilen Biowaffen-Labors vorgeführt. Den damaligen CIA-Chef George
Tenet nahm Powell in Schutz. Tenet habe an die Belege geglaubt. Andere
Geheimdienstler hätten aber gewusst, dass ihre Quellen
unzuverlässig waren.
Quelle: boa-Nachrichtenarchiv
Gab es während der Irak-Krise einen Moment im Sicherheitsrat, den
Sie nie vergessen werden?
Ja, der 5.Februar 2003,
als US-Außenminister Colin Powell mit einer Diashow belegen
wollte, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besaß. Es war
gespenstisch. Jeder im Saal wusste, dass seine Fakten falsch waren.
Jeder wusste auch, dass der Krieg bevorstand.
Gunter Pleuger, deutscher Ex-UN-Botschafter im SZ-Interview vom 12.08.2006
Hilfsorganisationen diskutieren zunehmend über die Strategie in
Kriegen und ihr Verhältnis zu den beteiligten Parteien. Trotzdem
nimmt ihre Instrumentalisierung zu
Genau 218 politische Konflikte zählte das "Heidelberger Institut
für Internationale Konfliktforschung" im vergangenen Jahr, 14
davon werden als offene Kriege, 21 als "ernste Konflikte" definiert.
"Insgesamt werden damit 35 Konflikte mit hohem Gewalteinsatz
ausgetragen", heißt es in dem kürzlich erschienenen Bericht
des Institutes. In diesen Konfliktgebieten zählt aber nicht nur
die militärische Stärke, eine oft entscheidende Rolle nehmen
auch die ausländischen Hilfsorganisationen ein. Während deren
Mitglieder in erster Linie ihrem humanitären Auftrag nachkommen
wollen, werden sie im Schatten des "Kampfes gegen den Terrorismus" von
Afghanistan über Irak bis Tschetschenien mehr und mehr zu
unfreiwilligen Vollstreckern der Militärs. Diese beziehen die
humanitäre Hilfe in ihre strategischen Planungen zunehmend ein.
Auch in Deutschland debattieren die humanitären Organisationen
nun, wie diesem Trend entgegengetreten werden kann. Die
Lösungsansätze könnten unterschiedlicher nicht sein....
Mehr bei telepolis (04.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16671/1.html
Bericht des "Heidelberger Institut für Internationale
Konfliktforschung" (PDF-Datei):
http://www.konfliktbarometer.de/de/barometer2003/
Konfliktbarometer_2003.pdf
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Kerry stärkt durch Siege bei US-Vorwahlen seine Favoritenrolle
Mi.04.02.04 - Mit weiteren Siegen bei den Vorwahlen der US-Demokraten hat sich
Senator John Kerry bei der Kür eines Herausforderers für
Präsident George W. Bush klar von seinen Mitbewerbern abgesetzt.
Nach offiziellen Zwischenergebnissen und TV-Prognosen siegte der
Vietnam-Veteran in fünf von sieben Staaten. Sein Senatskollege
John Edwards gewann in seinem Heimatstaat South Carolina.
Der 60-jährige Senator Kerry gewann offiziellen Teilergebnissen
zufolge in Missouri, North Dakota, New Mexico und Delaware.
TV-Prognosen sahen ihn auch in Arizona vorne. Kerry hatte sich bei den
ersten Vorentscheidungen in Iowa und New Hampshire an die Spitze
gesetzt. Im Wahlkampf präsentiert sich der Kriegsveteran als
moderate und in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik
verlässliche Alternative zu Amtsinhaber George W. Bush.
Jüngste Umfragen sahen Kerry in der US-weiten Wählergunst vor
dem Präsidenten.
Kerry übte nach den Wahlerfolgen scharfe Kritik an Präsident
Bush und warf ihm Irreführung und Wortbruch im Vorfeld des
Irak-Kriegs vor. Informationen über irakische
Massenvernichtungswaffen seien "offensichtlich falsch verwendet"
worden. Zudem habe Bush sein Versprechen gebrochen, beim Irak-Krieg auf
eine internationale Koalition zu bauen und den Krieg nur als letztes
Mittel einzusetzen.
Der Südstaaten-Senator John Edwards erreichte das selbst gesteckte
Ziel und gewann seinen Heimatstaat South Carolina. Vor jubelnden
Anhängern in Columbia, South Carolina, wiederholte Edwards seinen
Wahlkampfslogan: "Ich werde den Leuten das Weiße Haus
zurückgeben!"
Verlierer des Vorwahl-Marathons war der Kriegsgegner Howard Dean,
dessen Ergebnisse zumeist im Zehn-Prozent-Bereich lagen. Der vormals
als Favorit gehandelte Ex-Gouverneur des Bundesstaates Vermont
kündigte trotz erneuter Pleiten in dieser Abstimmungsrunde an,
weiter um die Kandidatur kämpfen zu wollen.
Senator Joe Lieberman verzichtete nach seinem schwachen Abschneiden auf
eine weitere Kandidatur. Nach Liebermans Verzicht waren nur noch sechs
demokratische Bewerber im Rennen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Palästinensischer Regierungschef begrüßt Scharons
Räumungspläne +++ Scharon will bei Scheitern seiner
Pläne, jüdische Siedlungen im Gaza-Streifen aufzugeben,
Neuwahlen anstreben +++ Radikale Palästinenser wollen
Anschläge fortsetzen
Mi.04.02.04 - Der palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia hat Israels
Pläne für eine Räumung jüdischer Siedlungen im
Gazastreifen begrüßt. Kureia forderte vom israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon konkrete Taten. Nur ein
Rückzug aus allen Palästinensergebieten werde aber einen
stabilen Frieden bringen, saget Kureia dem Sender Stimme
Palästinas. Scharon will die Pläne auch gegen den Willen
seiner Koalitionspartner vorantreiben. Oppositionsführer Schimon
Peres sagte seine Unterstützung zu.
Die israelische Regierung steht nach der Ankündigung von
Ministerpräsident Ariel Scharon, jüdische Siedlungen im
Gaza-Streifen auch gegen den Willen seiner Koalitionspartner
aufzugeben, vor einer Zerreißprobe.
Außenminister Silwan Schalom sagte am Dienstag, eine Umsetzung
der Pläne würde die Regierungskoalition sprengen. Scharons
Vize Ehud Olmert erklärte hingegen, Kabinett und Parlament
würden der Aufgabe der Siedlungen zustimmen. Die rechten
Koalitionspartner, die mit ihrem Rückzug drohen, könnten
ersetzt werden. Scharon hatte eine Regierungsumbildung in Aussicht
gestellt, sollten die Koalitionspartner seine Entscheidung nicht
mittragen. Radikale Palästinenser-Gruppen drohten ungeachtet der
Pläne mit weiteren Anschlägen in Israel.
Scharon hatte am Montag nach seiner überraschenden
Ankündigung, 17 von 21 jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen
aufzugeben, eine Vertrauensabstimmung im Parlament mit einer Stimme
Mehrheit gewonnen. Die Entscheidung zur Aufgabe der Siedlungen sei
schmerzlich, aber notwendig für die Zukunft des Landes, sagte
Scharon am Dienstag. "Ich bin zu der Entscheidung gekommen als jemand,
der die Verantwortung der 'maximalen Sicherheit' (für Israel) auf
den Schultern trägt", sagte der Ministerpräsident. Scharon
war lange Zeit ein großer Verfechter jüdischer Siedlungen in
den Palästinenser-Gebieten. In einer Umfrage der Zeitung "Jedioth
Ahronoth" unterstützten 59 Prozent der Befragten die Pläne
Scharons, 34 Prozent lehnten sie ab.
"Die Umsetzung des Plans wird zweifellos den Kollaps der Regierung zur
Folge haben", sagte Schalom, der wie Scharon der Likud-Partei
angehört. Auch im Likud sorgen die Ankündigung für
Unruhe. Der Likud-Politiker Olmert sagte, mit der Umsetzung von
Scharons Plan könne im Juni oder Juli begonnen werden. Zuvor
müsse er Regierung und Parlament vorgelegt werden, die ihn klar
unterstützen würden. "Wenn einige Koalitionspartner nicht
zufrieden sind und zu dem Schluss kommen, die Koalition zu verlassen,
haben wir im Kabinett immer Platz für neue Partner", sagte Olmert.
Scharon kündigte in einem Interview der Zeitung "Jedioth Ahronoth"
an, er werde eine neue Regierung bilden, sollten die Koalitionspartner
seine Politik blockieren wollen. "Nicht, dass ich es mit diesem Schritt
eilig hätte, aber ich habe nicht die Absicht, mich von der Gnade
der Fraktionen abhängig zu machen, ... die es mir nicht gestatten
wollen, im Interesse des Staates zu handeln." Ein Minister der rechten
Nationalen Religiösen Partei hatte auf Scharons Plan mit einer
Rücktrittsdrohung reagiert. Die Partei hat sechs Mandate inne.
Sollte sie die Regierung verlassen, würde Scharons Mehrheit auf 62
der 120 Knesset-Sitze schrumpfen.
Scharon will unterdessen bei einem Scheitern seines Vorhabens Neuwahlen
erwägen. Scharon habe seinen Vertrauten gesagt, sollte er mit
seiner Regierung keine Mehrheit im Parlament mehr haben und seine
Pläne somit nicht umsetzen können, würde er vor
Neuwahlen nicht zurückschrecken, berichtete das israelische
Fernsehen am Dienstag. Diese könnten im Juni oder Juli stattfinden
und würden sich als eine Art Referendum über Scharons
Pläne darstellen. Die letzte Parlamentswahl in Israel fand im
Januar 2003 statt. Scharons Likud-Partei war dabei mit Abstand
stärkste Partei geworden.
Während der palästinensische Ministerpräsident Ahmed
Korei Scharons Pläne begrüßte, erklärten radikale
Palästinenser- Gruppen, sie seien zu keinem Gewaltverzicht bereit.
"Sie (die Ankündigung) wird die Besetzung nicht beenden und
solange die Besetzung anhält, wird auch der Widerstand
fortgesetzt", sagte der führende Hamas-Vertreter Sajed Sejam. Ein
Anführer des Islamischen Dschihad, Nafes Assam, sagte der
Nachrichtenagentur Reuters: "Scharons Äußerung ist
zweifellos eine Folge der Größe des Widerstandes und der
Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes." Israel hatte den
Gaza-Streifen und das Westjordanland 1967 im Sechs-Tage-Krieg besetzt.
Die radikalen Gruppen erheben Anspruch auf die Gebiete für einen
unabhängigen Palästinenser-Staat und kämpfen für
die Zerstörung Israels.
Ein Sprecher Scharons sagte am Dienstag, Israel könnte sich eines
Tages bereit erklären, einige hauptsächlich von Arabern
bewohnte Gebiete an die Palästinenser abzutreten und damit den
Grenzverlauf ändern. Im Gegenzug würde Israel anstreben,
seine Siedlungen im Westjordanland auszuweiten. Eine derartige
Veränderung des Grenzverlaufs werde jedoch nur im
Einverständnis mit den Palästinensern geschehen.
(Quellen: afp, rtr, dpa)
Stichwort: Gaza-Streifen
Der Gaza-Streifen wurde 1967 von Israel im Sechstagekrieg besetzt. Der
360 Quadratkilometer große Küstenstreifen gehört im
völkerrechtlichen Sinne zu Ägypten. Nach dem Oslo-Abkommen
von 1993 steht der Gaza-Streifen seit 1994 unter der Selbstverwaltung
der Palästinenser. Diese Teilautonomie sollte nach dem Prinzip
"Land gegen Frieden" zu einer dauerhaften Lösung ausgeweitet
werden. Nach palästinensischen Selbstmordanschlägen und
israelischen Armeeaktionen stoppte dieser Prozess. Mit der "Roadmap
für den Frieden" von 2003 wurde ein neuer Anlauf zu einer
"endgültigen und umfassenden Beilegung" des Konflikts zwischen
Israel und Palästinensern" genommen. Die "Roadmap" sieht die
Auflösung der nach März 2001 illegal errichteten
jüdischen Siedlungen vor. Ariel Scharon bietet nun den kompletten
Abzug der Siedlungen an. Der Gaza-Streifen mit rund 1,2 Millionen
Einwohnern, darunter 7.500 jüdischen Siedlern, ist eine der am
dichtesten besiedelten Regionen der Welt.
Quelle: taz
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USA erwägen Aufhebung der Handelssanktionen gegen Libyen -
Deutschland und Libyen einig in Schuldenfrage
Mi.04.02.04 - Die USA erwägen eine Aufhebung der Handelssanktionen
gegenüber Libyen. Voraussetzung dafür sei, dass das
nordafrikanische Land seine im Dezember begonnenen
Abrüstungsbemühungen fortsetze, sagte
US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Dienstag. Nachdem Libyen
in den vergangenen Wochen zahlreiche Bauteile für Raketen und
Atomanlagen in die USA ausflog, sei es «angemessen, einen
politischen Dialog über die Zukunft zu führen».
Dazu würden amerikanische und britische Regierungsvertreter am
Freitag in London mit einer libyschen Delegation zusammentreffen, sagte
Boucher. "Wenn die libysche Regierung beweist, dass sie es ernst meint,
wird sie Vertrauen zurückgewinnen." Der libysche Staatschef
Muammar Gaddafi hatte am 19. Dezember angekündigt, künftig
auf die Entwicklung den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu
verzichten.
Deutschland und Libyen haben derweil nach mehrjährigen
Verhandlungen eine Einigung in der Schuldenfrage erzielt.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und der libysche
Finanzminister Al Ageli Abdussalam Ibreni unterzeichneten eine
Vereinbarung zur abschließenden Regelung der noch offenen
deutschen Forderungen, wie das Ministerium am Dienstag in Berlin
bekannt gab.
Innerhalb von sechs Monaten soll demnach Libyen einen Betrag zur
Schuldentilgung im "unteren dreistelligen Millionenbereich" an
Deutschland überweisen, hieß es. Clement würdigte die
Vereinbarung als "wesentliche Voraussetzung für die
Wiedereröffnung von Hermes-Deckungen" und damit als Beitrag zur
Chancengleichheit für deutsche Unternehmen im internationalen
Wettbewerb. Ibreni bekräftigte den Angaben zufolge den Wunsch
seines Landes nach einem verstärkten Engagement deutscher Firmen
in Libyen.
(Quellen: ap)
NATO will angeblich Einsatz in Afghanistan bedeutend ausbauen
Mi.04.02.04 - Die NATO will ihren Einsatz in Afghanistan einem Zeitungsbericht
zufolge bedeutend ausbauen. Unter anderem solle die Zahl der
Wiederaufbauteams in den Provinzen von derzeit zehn auf 18
vergrößert werden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine
Zeitung" (Mittwochausgabe). Weiter sei beabsichtigt, der NATO die
operative Führung des Kampfes gegen El Kaida zu übertragen,
was auf eine Zusammenlegung der Internationalen Schutztruppe für
Afghanistan (ISAF) mit der bisher getrennt geführten
Militäraktion "Enduring Freedom" hinauslaufe. Damit verbunden
wäre eine Aufstockung der NATO-Truppen um schätzungsweise
5000 bis 14.000 Soldaten.
(Quelle: afp)
Pakistan: Musharraf soll von Weitergabe von Atomtechnologie gewusst
haben
Regierungsbeamter: Auch Deutscher an Schmuggel für Pakistans
Atomchef Khan beteiligt
Mi.04.02.04 - Der Begründer des pakistanischen Atomprogramms, Abdul Qadeer Khan,
hat nach Darstellung eines seiner Freunde Nukleartechnologie mit dem
vollen Wissen des jetzigen Präsidenten Pervez Musharraf und
anderer Generäle ans Ausland weitergegeben. Der Freund, der anonym
bleiben wollte, zitierte Khan am Dienstag mit den Worten: «Was
auch immer ich getan habe, es geschah im Wissen der Bosse.» Khan
habe ihm in der vergangenen Woche außer Musharraf explizit
General Mirza Aslam Beg und General Jehangir Karamat genannt.
Er sei überzeugt davon, dass Khan nicht alleine hätte handeln
können, sagte der Freund der Nachrichtenagentur AP. Ein
Militärsprecher wies jegliche Mitwisserschaft Musharrafs dagegen
entschieden zurück. «Das ist absolut falsch», sagte
Generalmajor Shaukat Sultan. Musharraf sei an dergleichen nicht
beteiligt gewesen. «Nichts derartiges ist passiert, seit er 1999
an die Macht kam.» Musharraf ist seit 1998 Oberbefehlshaber der
Armee, zuvor hatte er eine Reihe Spitzenfunktionen in der Armee inne.
Khan räumte Regierungsangaben zufolge die eigenmächtige
Weitergabe von Nukleartechnologie an Iran, Libyen und Nordkorea ein.
Wie ein Regierungsbeamter am Montag in Islamabad erklärte, gab
Khan vor einigen Tagen dazu eine schriftliche Erklärung ab.
Demnach erfolgte der Transfer in den späten 80er und den
frühen 90er Jahren. Als Tatmotiv Khans nannte der Beamte
«persönliche Habgier und Ehrgeiz».
Nach offiziellen Angaben vom Dienstag schmuggelte Khan Zentrifugen, die
zur Anreicherung atomwaffenfähigen Urans genutzt werden
können, und anderes Gerät über ein internationales
Schwarzmarktnetz nach Iran, Libyen, Nordkorea und Malaysia. In einigen
Fällen seien Chartermaschinen für den Transport des
Geräts ins Ausland eingesetzt worden, sagte ein ranghoher
Regierungsbeamter der AP. Dabei hätten zwei Personen aus Sri Lanka
und aus Deutschland im Auftrag Khans gehandelt. Sie seien von den 80er
Jahren bis mindestens 1997 tätig gewesen.
Die Ermittlungen gegen Khan, der als Volksheld verehrt wird, und
mehrere seiner Mitarbeiter wurden im November eingeleitet. Damals hatte
Iran der Internationalen Atomenergiekommission (IAEA) Informationen
über sein Nuklearprogramm übermittelt.
(Quelle: ap)
Irans geistlicher Führer Chamenei lehnt Verschiebung der
Parlamentswahl ab - Geplante Studentendemonstration in Iran verboten
Mi.04.02.04 - Der geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hat
Forderungen von Reformkräften und Regierung nach einer Verschiebung
der Parlamentswahl am 20. Februar zurückgewiesen. Das teilte der
liberale iranische Abgeordnete Radschabali Masruei am Dienstagabend
mit. Chamenei habe bei einem Krisentreffen mit Präsident Mohammad
Chatami darauf bestanden, dass die Wahl unter allen Umständen wie
vorgesehen stattfinden müsse. Chamenei stellte sich damit hinter
den konservativen Wächterrat, der den Termin für die Wahl
festgesetzt hat.
Zahlreiche Reformpolitiker und die Regierung von Präsident Chatami
hatten gegen die Wahl protestiert, weil der Wächterrat gut 2.400
liberale Kandidaten von einer Teilnahme ausgeschlossen hatte. Darunter
sind auch Masruei und 79 weitere Kandidaten, die zurzeit ein
Abgeordnetenmandat innehaben. Die größte Reformpartei unter
Leitung des stellvertretenden Parlamentspräsidenten und Bruder des
Präsidenten, Mohammad Resa Chatami, hat angekündigt, sie werde
die Wahl boykottieren, sollte sie stattfinden. An dem
Krisengespräch nahmen auch der reformorientierte
Parlamentspräsident Mahdi Karrubi und der konservative Justizchef
Ayatollah Mahmud Haschemi Schahrudi teil.
Das iranische Innenministerium hatte zuvor eine von Studenten geplante
Demonstration gegen den Wächterrat verboten. Die Studenten drohten
mit einem Boykott der Vorlesungen, sollten freie Wahlen nicht
gewährleistet werden. Führer des Reformlagers erklärten
allerdings, sie hätten den Studenten von Straßenprotesten
abgeraten, da dies der Polizei und Schlägertrupps im Auftrag der
Hardliner einen Vorwand zum Eingreifen geben würde.
(Quelle: ap)
Süd- und Nordkorea beginnen neue Annäherungsgespräche
Mi.04.02.04 - Süd- und Nordkorea haben neue Gespräche über die
Verbesserung der bilateralen Beziehungen begonnen. Die Delegationen der
beiden Länder trafen dazu in einem Seouler Hotel zusammen. Die 13.
Ministergespräche sind erneut vom Konflikt um das umstrittene
nordkoreanische Atomprogramm überschattet. Nordkorea hatte jedoch
gestern einer neuen Runde multilateraler Gespräche in diesem Monat
über Wege zur Beilegung des Atomstreits zugestimmt.
(Quelle: dpa)
Internationale Nordkorea-Gespräche am 25. Februar in China
Nordkorea fordert von USA Entschädigung für Atomprogramm
Mi.04.02.04 - Ein halbes Jahr nach der ersten Runde von Gesprächen über das
Atomprogramm Nordkoreas starten die sechs beteiligten Staaten am 25.
Februar einen neuen Anlauf. Nordkorea erklärte sich am Dienstag zu
den neuen Gesprächen bereit, die erneut in China stattfinden
sollen. Beteiligt sind außerdem Südkorea, die USA, Russland
und Japan.
Alle Seiten stimmten darin überein, dass die Bedingungen für
die Wiederaufnahme der Gespräche gegeben seien, sagte eine
Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Zhang Qiyue. Die
Gespräche sollten «mit Ernsthaftigkeit und
Flexibilität» geführt werden. Die Einzelheiten der
Tagesordnung müssten noch bestimmt werden, sagte Zhang.
Der stellvertretende südkoreanische Außenminister Lee Soo
Hyuck erklärte, er rechne damit, dass Nordkorea seine Position
darlegen und einen Stopp seines Atomprogramms anbieten werde. Lee
betonte, seine Regierung habe Pjöngjang bisher keine
Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Der nordkoreanische Diplomat
Kim Ryong Song sagte während eines Besuchs in Seoul, der Erfolg
der Gespräche hänge von der Haltung der Vereinigten Staaten
ab. Die nordkoreanischen Vorschläge bezeichnete er als fair.
Erster Schritt zur Beilegung des Streits um das nordkoreanische
Atomprogramm muss nach Ansicht Nordkoreas eine Entschädigung
seitens der USA für die Einstellung des Atomprogramms sein. Dies
machte Medienberichten zufolge der nordkoreanische
Chefunterhändler Kim Ryon Song am heutigen Mittwoch bei
Gesprächen in Seoul deutlich. Worauf es ankomme, seien
gleichzeitige Maßnahmen beider Seiten, sagte Kim. Die USA
fordern, dass Nordkorea als ersten Schritt sein Atomprogramm einstellt.
Der Atomstreit zwischen beiden Ländern eskalierte, nachdem die USA
im Oktober 2002 berichtet hatten, Nordkorea verfolge ein Atomprogramm,
das einem bilateralen Abkommen aus dem Jahre 1994 widerspreche. Die
Regierung in Pjöngjang erklärte danach, es benötige
Atomwaffen zur Abschreckung gegen einen möglichen Angriff der USA.
Nordkorea deutete allerdings die Bereitschaft zu einem Verzicht auf das
Atomwaffenprogramm an, falls die USA ihre Sanktionen gegen den
kommunistischen Staat aufheben.
(Quelle: ap)
Brasilien weitet Anti-Hunger-Programm in Großstädten aus
Mi.04.02.04 - Die brasilianische Regierung wird ihr Anti-Hunger-Programm in den
Armenvierteln der Großstädte ausweiten. Nach Angaben der
Tageszeitung "O Globo" vom Montag sollen bis Ende 2004 zusätzlich
900.000 Familien einen Haushaltszuschuss von durchschnittlich
umgerechnet 20 Euro bekommen. Bislang erhalten 660.000 arme Haushalte
Finanzhilfen.
In den Großstädten wie Rio de Janeiro oder São Paulo
gingen absolute Armut, Drogenkriminalität und die Auflösung
von Familienstrukturen Hand in Hand, so Staatspräsident Luiz
Inácio Lula da Silva. Die Zahl der besonders Bedürftigen
wird auf insgesamt drei Millionen Familien geschätzt.
Lula hatte sich am Freitag zusammen mit dem französischen
Präsident Jacques Chirac für die Errichtung eines globalen
Fonds zur Armutsbekämpfung ausgesprochen. Dazu solle eine
entsprechende Arbeitsgruppe eingesetzt werden, teilten Lula und Chirac
nach einem Gespräch mit dem chilenischen Präsidenten Ricardo
Lagos und UN-Generalsekretär Kofi Annan in Genf mit.
Ziel des Fonds sei vor allem, das Los von mehr als einer Milliarde
Menschen zu verbessern, die in extremer Armut leben und mit weniger als
einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen.
(Quelle: epd)
Brasilianische Aktivisten kritisieren, daß 'Lulas'
Null-Hunger-Programm den Bock zum Gärtner macht
Brasiliens nicht mehr ganz neuer linker Präsident Luiz
Inácio da Silva, den alle Welt meist Lula nennt, hat sich nicht
viel, dafür aber Großes vorgenommen: »Wenn am Ende
meiner Amtszeit alle Brasilianer dreimal am Tag essen können, habe
ich die Mission meines Lebens erfüllt«, hatte er kurz nach
seinem Amtsantritt am 1. Januar 2003 verkündet. Doch zum
Bündnispartner und nicht ganz uneigennützigen Sponsor in
seinem Kampf gegen den Hunger hat er sich ausgerechnet den Schweizer
Lebensmittel-Multi Nestlé ausgesucht, einen Konzern, gegen den
entwicklungspolitische Gruppen und Gewerkschafter seit Jahrzehnten Sturm
laufen....
Mehr in "junge Welt" vom 02.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-02/010.php
|
Europa
Schweden gegen sofortige Freizügigkeit für neue EU-Staaten
Mi.04.02.04 - Schweden will nach dem Beitritt der zehn neuen EU-Mitglieder die
Freizügigkeit für Arbeitnehmer noch mindestens zwei Jahre
lang beschränken. Diese Ankündigung stellt eine Kehrtwende
der Regierung dar, die bislang für volle Freizügigkeit von
Anfang an eingetreten war. Der Minister für Einwanderungsfragen,
Barbro Holmberg, erklärte jedoch am Dienstag im Rundfunk, sein
Land wolle für Einwanderer aus den Beitrittsländern vorerst
weiterhin Arbeitsgenehmigungen sowie Aufschluss über deren
Einkommensverhältnisse verlangen. Diese Restriktionen würden
noch mindestens zwei, wenn nicht fünf Jahre lang aufrechterhalten.
Andere EU-Staaten wollen die volle Freizügigkeit am Arbeitsmarkt
sogar erst nach sieben Jahren umsetzen.
(Quelle: ap)
Chiracs Parteichef Juppé hält an seinen politischen
Ämtern trotz Veruteilung fest
Mi.04.02.04 - Auch nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung wegen illegaler
Parteienfinanzierung will der frühere französische Premier
Alain Juppé seine politischen Ämter behalten. Er habe gegen
das Urteil Berufung eingelegt, sagte der 58-Jährige Vertraute von
Präsident Jacques Chirac. Die Entscheidung Juppés wurde von
Teilen der französischen Öffentlichkeit mit Überraschung
aufgenommen. Die oppositionellen Sozialisten zeigten sich über die
Unterstützung Chiracs für Juppé "schockiert".
Vorerst werde er als Bürgermeister von Bordeaux und als Chef der
Regierungspartei UMP im Amt bleiben, kündigte Juppé im
TV-Sender TF1 an. Allerdings werde es im Herbst einen neuen UMP-Chef
geben. Er wolle die Zwischenzeit nutzen, um "eine gelassene Abstimmung"
über seinen Nachfolger zu organisieren.
Die Mittwochsausgabe der Tageszeitung "Le Monde" war bereits mit der
Schlagzeile erschienen, Juppé wolle "zumindest den Vorsitz der
UMP" aufgeben und Premierminister Jean-Pierre Raffarin stehe als
Nachfolger bereit. Gegen Juppé war am Freitag von einem
Strafgericht in Nanterre wegen illegaler Parteienfinanzierung eine
Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und der Verlust der
Wählbarkeit für zehn Jahre verhängt worden. Dabei ging
das Gericht deutlich über das von der Staatsanwaltschaft
geforderte Strafmaß von acht Monaten hinaus.
Das Strafgericht in Nanterre hatte entschieden, in der Affäre um
Korruption im Pariser Rathaus habe Juppé "das Vertrauen des
Volkes betrogen", um der UMP-Vorgängerpartei RPR zu helfen.
Juppé war damals die rechte Hand von Chirac, dem
Bürgermeister von Paris und RPR-Chef. Sieben hauptamtliche
Parteimitarbeiter erhielten ihre Gehälter nach Feststellungen des
Gerichts aus der Stadtkasse, andere direkt von Baufirmen, die im
Gegenzug öffentliche Aufträge bekamen.
Die öffentliche Unterstützung des Staatschefs für seinen
Vertrauten sei "inakzeptabel", sagte der Abgeordnete Arnaud Montebourg.
Das Urteil gegen Juppé "zielt auch auf Jacques Chirac, auf das
von ihm eingeführte System", sagte der sozialistische
Fraktionschef Jean-Marc Ayrault dem Rundfunksender Europe 1.
"Vielleicht hätte nicht Alain Juppé (vor dem Gericht) in
Nanterre stehen sollen, sondern Jacques Chirac", fügte Ayrault
hinzu.
(Quelle: afp)
Clement sieht Aventis-Standort in Frankfurt nicht gefährdet
Der Wirtschaftsminister geht davon aus, dass die Arbeitsplätze
in Frankfurt bei einer Übernahme des französisch-deutschen
Pharmakonzerns Aventis durch den Konkurrenten Sanofi-Synthelabo
erhalten bleiben. Die beteiligten Unternehmen hätten ihm das
glaubwürdig versichert +++ Wachsender Widerstand bei Management
und Mitarbeitern von Aventis gegen Übernahme durch Sanofi +++
Aventis-Führung fordert die Politik auf, sich aus dem Übernahmekampf
herauszuhalten +++ Aventis-Vorstand wusste angeblich von Sanofi-Plänen
Mi.04.02.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht bei einer
Übernahme des französisch-deutschen Pharmakonzerns Aventis
durch den kleineren Konkurrenten Sanofi-Synthelabo den Aventis-Standort
in Frankfurt nicht gefährdet.
"Ich gehe davon aus, dass wie immer sie (die Übernahmeschlacht)
ausgeht, der Standort Frankfurt und die vielen vielen
außerordentlich wertvollen Arbeitsplätze dort erhalten
bleiben", sagte Clement am Dienstagabend in der ARD. Dies sei ihm von
den beteiligten Unternehmen glaubwürdig versichert worden. Der
Standort mit seinen vielen Arbeitsplätzen in der Forschung sei
nicht nur für Deutschland, sondern auch für das Unternehmen
außerordentlich wichtig.
Derartige Fragen etwa möglicher Synergien würden jedoch
letztlich von dem Unternehmen und den Aktionären entschieden. Der
Einfluss der Politik sei da sehr begrenzt. "Ich selbst halte nichts
davon, nach purer Größe zu streben, aber wir können das
nicht ändern." Grundsätzlich seien Arbeitsplatzverluste nach
einer Übernahme nicht auszuschließen.
Aventis beschäftigt in Deutschland rund 9000 Mitarbeiter, davon
etwa 7800 im Rhein-Main-Gebiet. Sanofi-Synthelabo hatte vorige Woche
eine Übernahmeofferte im Volumen von derzeit rund 46 Milliarden
Euro für die - gemessen am Umsatz - etwa doppelt so große
Aventis vorgelegt. Das Aventis-Management hat die Offerte bereits
mehrmals als zu niedrig zurückgewiesen. Bei einer Fusion der
beiden größten Arzneimittelfirmen Frankreichs entstünde
ein Pharmariese, der nach der britischen GlaxoSmithKline und dem
Branchenprimus Pfizer die dritte Position in der Branche belegen
würde.
Bei Aventis in Deutschland wächst derweil bei Management und
Mitarbeitern der Widerstand gegen eine feindliche Übernahme des
Konzerns durch den französischen Konkurrenten Sanofi-
Synthélabo. Rund 5.000 Aventis-Beschäftigte protestierten
auf einer Betriebsversammlung gegen die drohende feindliche
Übernahme. Mit Transparenten wie «Hände weg von
Aventis», «feindliche Übernahme ist Krieg» und
«Sa NO! Fi» sprachen sie sich gegen die Übernahme aus.
Nach Schätzungen des Aventis-Betriebsrates könnte die
Übernahme durch Sanofi den Verlust Tausender Arbeitsplätze
bei dem Konzern bedeuten
Das Übernahme-Angebot von Sanofi sei «ein Witz» und
weder im Sinne der Aktionäre noch der Mitarbeiter, sagte der Chef
der Aventis Pharma Deutschland GmbH, Heinz-Werner Meier, bei der
Protestveranstaltung..
«Wir wollen nicht aufgekauft werden, auch nicht für einen
höheren Preis», betonte Meier. Es gebe Optionen, die
strategisch mehr Sinn machten. Gleichzeitig forderte die deutsche
Aventis-Führung die Politik auf, sich aus dem Übernahmekampf
mit Sanofi-Synthélabo herauszuhalten. Es handele sich um die
Auseinandersetzung zwischen zwei Privatfirmen, sagte Meier «Mit
Sanofi können wir alleine kämpfen, aber nicht mit der
französischen Regierung.»
Auch der stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Werner Bischoff,
wandte sich gegen eine Einmischung der Politik. «Es darf keine
Auseinandersetzung mit nationalistischen Elementen geben», sagte
Bischoff. Er forderte das Management von Aventis auf, in die Offensive
zu gehen und eine überzeugende Gegenstrategie zu entwickeln.
Aventis-Vorstand Frank Douglas versicherte, dass der Konzern die
Übernahme verhindern wolle. «Wir werden weiter kämpfen,
um unabhängig zu bleiben oder einen guten Partner zu haben»,
sagte Douglas . Er sei sicher, dass Aventis dabei Erfolg haben werde.
Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Konzerns will am
heutigen Mittwoch in Straßburg über das weitere Vorgehen
beraten.
Wegen der drohenden feindlichen Übernahme durch den
französischen Konkurrenten Sanofi droht beim Pharmakonzern Aventis
einem Zeitungsbericht zufolge ein Streit zwischen Aufsichtsrat und
Vorstand. Einem Bericht der Tageszeitung «Die Welt»
(Mittwochsausgabe) zufolge fühlen sich Mitglieder des
Kontrollgremiums von Vorstandschef Igor Landau schlecht informiert.
Landau wusste demnach bereits drei Wochen vor dem Bekanntwerden des
feindlichen Angebots von dem Plan Sanofis.
Das Blatt zitierte aus einer Stellungnahme des Pariser Konzerns an die
US-Börsenaufsicht SEC wonach bereits am 7. Januar in einem
Telefonat zwischen Landau und Sanofi-Chef Jean-François Dehecq
eine feindliche Übernahme thematisiert wurde. Der
Aventis-Aufsichtsrat moniere nun, darüber nicht informiert worden
zu sein. Zudem werde kritisiert, dass die Vorbereitungen für einen
Abwehrkampf nur schleppend begonnen wurden, schreibt die Zeitung weiter.
Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»
will der Pharmakonzern Aventis kleinere Bereiche seiner Pharmasparte
veräußern. Darüber werde mit einem amerikanischen
Finanzinvestor verhandelt, berichtete die FAZ unter Berufung auf
Finanzkreise. Der Straßburger Pharmakonzern wolle so sein Profil
schärfen und sein Portfolio bereinigen. Das Transaktionsvolumen
könnte sich auf bis 1,5 Milliarden Euro belaufen.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Mehr Firmenpleiten trotz aufhellender Konjunktur
Rekordwert des Vorjahres wird 2004 wahrscheinlich übertroffen
Mi.04.02.04 - Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland und Europa wird trotz der
konjunkturellen Aufhellung wohl auch 2004 weiter zunehmen und damit den
Rekordwert des Vorjahres übertreffen. Vor allem die geringe
Eigenkapitalausstattung macht vielen kleinen und mittelständischen
Unternehmen zu schaffen.
"Die Konjunktursignale in Westeuropa stehen auf Grün, aber weder
in Deutschland noch in Gesamteuropa lassen sich diese positiven
Tendenzen auf die Entwicklung der Insolvenzen fortschreiben", stellte
der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei
Creditreform, Helmut Rödl, am Dienstag in Düsseldorf fest.
"Von einer Trendwende zu sprechen, wäre verfrüht," sagte er
mit Blick auf die Entwicklung in Deutschland. "Das Hauptproblem ist und
bleibt die Arbeitslosigkeit." Zunehmend existenzbedrohend werde zudem
die geringe Eigenkapitalquote vieler Firmen. Angesichts der
künftigen Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II)
werde dieses Problem noch an Schärfe gewinnen, warnte Rödl.
"Viele kleine und mittlere Unternehmen betrachten den Zugang zur
Finanzierung als Problem."
Für 2004 erwartet die 1879 gegründete Wirtschaftsauskunftei
in Europa eine weitere Zunahme der Firmeninsolvenzen um fünf
Prozent auf rund 165.000 Fälle und der Gesamtinsolvenzen um
zwölf Prozent auf 300.000 Fälle. In Deutschland rechnet sie
mit einer Zunahme auf 40.000 bis 42.000 Unternehmenspleiten und auf
68.000 bis 70.000 private Insolvenzen.
Nach Angaben von Creditreform erhöhte sich 2003 die Zahl der
Unternehmensinsolvenzen in Europa um 3,9 Prozent auf 157.138. Im Jahr
zuvor hatte es noch ein Anstieg um 10,7 Prozent gegeben. "Trotz des
Anspringens der Wirtschaft in vielen europäischen Ländern
sieht es nach wie vor nicht nach einem Turn Around in Sachen
Insolvenzentwicklung aus", stellte Rödl fest.
In Deutschland lag die Steigerungsrate über dem europäischen
Durchschnitt: Die Zahl der Firmeninsolvenzen stieg um 5,5 Prozent auf
39.700. Ein Jahr zuvor hatte es aber noch 16,1 Prozent mehr
Unternehmenszusammenbrüche gegeben. Zu den bekanntesten Pleiten
gehörten die Traditionsfirmen Grundig und Wienerwald. Für
Schlagzeilen sorgten aber auch die Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd
und die Beteiligungsgesellschaft Gold Zack.
Die Zahl der Insolvenzanmeldungen von Privatpersonen erhöhte sich
in Deutschland um 28,7 Prozent auf 60.100. Die Gesamtschäden durch
Insolvenzen summierten sich in Deutschland nach Angaben von
Creditreform auf 40,5 (Vorjahr: 38,4) Milliarden Euro. "Vor allem bei
privaten Insolvenzen sehen die Gläubiger in der Regel keinen
einzigen Euro mehr", beschrieb Rödl die Situation.
Zum ersten Mal untersuchte Creditreform für das vergangene Jahr
auch die Entwicklung in den Beitrittsländern der Europäischen
Union. In den sieben untersuchten Ländern Polen, Tschechien,
Litauen, Ungarn, Slowakei, Lettland und Slowenien nahm die Zahl der
Firmenpleiten demnach um drei Prozent zu auf 21.478 Fälle.
Allerdings dürfte die Dunkelziffer deutlich höher sein, da in
den meisten osteuropäischen Ländern noch kein
funktionierendes Insolvenzrecht existiere, hieß es.
(Quelle: rtr)
Gewinnanstieg bei Deutscher Bank - Mannesmann-Prozess belastet
Mi.04.02.04 - Vorstandssprecher Josef Ackermann wird am Donnerstag voraussichtlich
ein passables Jahresergebnis 2003 der Deutschen Bank präsentieren.
Der Schweizer dürfte dabei vor allem das wieder erstarkte
operative Geschäft in den Vordergrund stellen - und muss auf der
Pressekonferenz in Frankfurt doch mit unliebsamen Fragen zum
Mannesmann-Prozess rechnen. Das Verfahren um die von Ackermann damals
mit bewilligten Millionen-Abfindungen an ehemalige Mannesmann-Manager
überschattet seine persönliche Bilanz und ein vergleichsweise
erfolgreiches Jahr für Deutschlands größtes
Kreditinstitut.
Der Nettogewinn hat sich nach Einschätzung von Analysten mehr als
verdreifacht auf 1,36 Milliarden Euro von bescheidenen 397 Millionen
Euro im Krisenjahr 2002. Dazu dürften vor allem eine niedrigere
Risikovorsorge für faule Kredite sowie ein gestiegenes Ergebnis im
Eigenhandel beigetragen haben.
Vor dem Düsseldorfer Landgericht läuft seit einigen Wochen
die Hauptverhandlung gegen Ackermann und andere Manager wegen der
Millionen-Abfindungen bei der Übernahme von Mannesmann durch
Vodafone vor vier Jahren. Er ist der schweren Untreue angeklagt und
muss bei einer Verurteilung mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.
Am Donnerstag wird sich demonstrativ erstmals die gesamte
Führungsriege der Deutschen Bank - also alle elf Mitglieder des
erweiterten Vorstands - den Fragen der Journalisten stellen. Ob damit
schon die Spekulationen über ein Führungsvakuum an der Spitze
der Bank im Falle eines langwierigen Prozesses verstummen, ist
fraglich. "Der Markt braucht die Garantie, dass die Bank ihren
Reformkurs auch ohne Ackermann an der Spitze fortsetzen würde",
sagte Analyst Alexander Holcroft von BNP Paribas in London.
Ackermanns Verteidiger scheinen auf die Einstellung des Verfahrens
gegen eine Geldbuße hinzuarbeiten und haben mehrfach betont, sie
wollen ihren Mandaten so schnell wie möglich wieder zum
Vollzeit-Banker machen. "Der schnellste Weg heraus ist der Beste und
gerade für Ackermann gilt 'Zeit ist Geld'", sagt sein
Strafverteidiger. Auch intern wird eigentlich nur Ackermann zugetraut,
den großen Abstand zur angelsächsischen Konkurrenz zu
verringern und das Institut wenn nötig in eine Fusion oder
Übernahme zu führen.
Gemessen an der weltweit gültigen Akquisitionswährung - dem
Aktienwert - ist die Deutsche Bank leichte Beute für eine ganze
Reihe von Konkurrenten. Umgerechnet hat sie eine
Börsenkapitalisierung von etwa 46 Milliarden Dollar, weitaus
weniger als die 85 Milliarden Dollar der Schweizer UBS oder 87
Milliarden Dollar der Royal Bank of Scotland's. Der
weltgrößte Finanzkonzern Citigroup ist mit 255 Milliarden
Dollar gleich fünf Mal soviel wert wie die Deutsche Bank und hat
alleine im Schlussquartal 2003 mit 4,76 Milliarden Dollar ein
vielfaches dessen verdient, was von den Frankfurtern für das
Gesamtjahr erwartet wird.
Im Schlussquartal 2003 hat die Deutsche Bank nach Einschätzung der
Analysten unterm Strich zwar mit 432 Millionen Euro weniger als die 576
Millionen von Juli bis September verdient, schaffte aber eine deutliche
Wende im Vergleich zum verlustreichen Schlussquartal 2002.
Für 2003 prognostizieren die Branchenexperten einen Rückgang
der Risikovorsorge auf 1,16 (2,09) Milliarden Euro. Bei den zwei
größten operativen Ertragspositionen - dem Zins- und
Provisionsgeschäft - sehen sie allerdings leichte
Rückgänge auf 6,157 (7,186) Milliarden und 9,419 (10,834)
Milliarden Euro, dem ein Anstieg im Eigenhandel auf 5,266 (4,024)
gegenüber steht.
(Quelle: rtr)
Rentenversicherung droht angeblich Finanzloch von 800 Millionen Euro
Mi.04.02.04 - Die finanzielle Krise der gesetzlichen Rentenversicherung ist laut
"Bild"-Zeitung schlimmer als bislang angenommen. Spätestens Ende
November 2004 drohe ein Finanzloch von rund 800 Millionen Euro,
berichtet das Blatt unter Berufung auf ein internes Schreiben des
Präsidenten der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
(BfA), Herbert Rische. Zu diesem Zeitpunkt wird laut Rische "ein
zinsloses Darlehen des Bundes erforderlich".
Es wäre das erste Mal, dass die gesetzliche Rentenversicherung die
so genannte Bundesgarantie in Anspruch nehmen müsste, um ihre
Zahlungsfähigkeit zu sichern.
Grund für den Zahlungsengpass ist laut Rische die Absenkung des
Finanzpolsters in der Rentenkasse, der so genannten Schwankungsreserve,
zu Jahresbeginn. Dies führt im Jahresverlauf zu
Zahlungsschwierigkeiten. Wörtlich heißt es in dem Schreiben:
"Ab September 2004 reichen die Mittel auch nicht mehr zur
vollständigen Zahlung der Renten aus." Deshalb müsse der Bund
einspringen und später fällige Bundeszuschüsse vorziehen.
(Quelle: afp)
Städtetag: Defizit der Kommunen weiter auf Rekordhöhe
Nach einem Defizit von 9,7 Milliarden Euro 2003 rechnet der Verband
2004 mit einem Defizit von 10 Milliarden Euro
Mi.04.02.04 - Die Finanznot der Städte und Gemeinden in Deutschland bleibt nach
Einschätzung des Deutschen Städtetages auch im laufenden Jahr
dramatisch.
"Wir sind im vierten Jahr in einer der schwersten Finanzkrise und es
ist auch kein Ausweg in Sicht", sagte Städtetag-Präsidentin
Petra Roth am Dienstag in Berlin. "Die Finanzlage der Kommunen hat sich
2003 weiter verschärft und sie wird sich auch in diesem Jahr nicht
verbessern." Nach einem Defizit von 9,7 Milliarden Euro 2003 rechne der
Verband 2004 mit einem Defizit von 10 Milliarden Euro. Die
Rekorddefizite gingen mit einem Anstieg der Ausgaben für
Sozialleistungen und einem Rückgang der Investitionen einher. Der
stellvertretende Präsident des Städtetages, Herbert
Schmalstieg, sagte: "Die Lage ist so ernst wie nie zuvor."
"Viele Städte stehen mit dem Rücken zur Wand und sind
finanziell handlungsunfähig", sagte Roth. Deshalb dringe der
Städtetag darauf, dass eine Reform der Gemeindefinanzen auf der
Tagesordnung bleibe. Der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und
Bundesrat hatte die von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) geplante
Reform der Gemeindefinanzen gekippt und stattdessen ein
Soforthilfeprogramm für die Städte beschlossen.
Roth räumte allerdings ein, derzeit keine Anzeichen dafür zu
haben, dass die Bundesregierung oder die Bundesländer einen neuen
Anlauf zur Reform der Gewerbesteuer nehmen: "Wir haben da eine Flaute
derzeit, der Reformwille ist erschöpft." Der Städtetag werde
jedoch weiterhin an einem Erhalt der Gewerbesteuer festhalten. "Es gibt
derzeit keine schlüssigen Entwürfe, die uns fordern, dazu
Stellung zu nehmen."
Sorge bereite dem Städtetag zudem die genaue Ausgestaltung des im
Vermittlungsausschusses beschlossenen Zusammenlegung von Arbeitslosen-
und Sozialhilfe, sagte Roth. Die Kommunen sollten danach die Kosten
für die gesamten Unterbringungskosten tragen. Diese Belastung
übersteige aber die an anderer Stelle vorgesehenen Einsparungen
von 2,5 Milliarden Euro: "Das heißt, wir haben nicht ein Plus in
der Kasse, sondern ein Minus." Wenn zudem die Kosten für den
Ausbau der Kinderbetreuung hinzukämen, überfordere das die
Finanzlage der Städte und Gemeinden.
Dies wirke sich dramatisch auf die Investitionen der Kommunen aus, die
der größte staatliche Investor seien, sagte Schmalstieg.
Nach Angaben des Verbandes sanken die Summe der Investitionen im
vergangenen Jahr um 8,7 Prozent und liegen damit um über 35
Prozent unter dem Stand von 1992. Schmalstieg forderte Bund und
Länder deshalb auf, die Ergebnisse des Vermittlungsausschusses zu
korrigieren und die Finanzlage der Kommunen durch eine vernünftige
Gemeindefinanzreform nachhaltig zu verbessern: "Wenn der Staat, Bund
und Länder gemeinsam, den Städten das geben würden, was
sie tatsächlich brauchen, dann ist das die beste
Wirtschaftsförderung."
(Quelle: rtr)
Schröder will Reformen entschlossen fortsetzen
Mi.04.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder will seinen Reformkurs entschlossen
fortsetzen, dabei aber mehr Rücksicht auf Bedenken der Bürger
nehmen. Man müsse die Menschen in diesem Prozess besser mitnehmen
«als uns das in der Vergangenheit gelungen ist», sagte er
am Dienstag. Angesichts des Rekorddefizits der Pflegeversicherung
wächst der Druck auf die Bundesregierung, diesen Teil des sozialen
Netzes grundlegend zu reformieren. Mehrer Länder riefen
Rot-Grün zu raschem Handeln auf. CDU-Chefin Angela Merkel warnte
den Kanzler vor einer «Rückkehr zur ruhigen Hand».
Schröder hatte in der vergangenen Woche auf neue Belastungen bei
der Pflegeversicherung verzichtet und damit in der Koalition eine
heftige Diskussion über das weitere Reformtempo ausgelöst.
Bei einem Innovationskongress des Deutschen Industrie- und
Handelskammertags (DIHK) sagte der Kanzler, die Reformen müssten
«entschieden und sorgsam» fortgesetzt werden. Zwar sehe er
eine allgemeine Einsicht, was die Notwendigkeit von Reformen angeht.
Die nehme aber ab, sobald man selbst davon betroffen sei.
Neben dem Umbau der Sozialsysteme sei die Anfang des Jahres gestartete
Innovationsoffensive ein integraler Bestandteil der Agenda 2010,
betonte der Kanzler. Bis zum Frühjahr würden gemeinsam mit
Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft «erste sehr konkrete
Vorschläge» zur Verbesserung der Startchancen für
Unternehmen, zum leichteren Zugang zu Risikokapital, zum weiteren
Bürokratieabbau und zur Umsetzung neuer Ideen in marktfähige
Produkte erarbeitet.
Merkel sagte, trotz der 14 anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen
dürfe 2004 nicht zu einem verlorenen Jahr im Reformprozess werden.
«Es muss mit Normaldruck vorangehen.» Die im vergangenen
Jahr auf den Weg gebrachten Reformen seien nur «der Beginn eines
langen Weges».
Neben einer Reihe unionsgeführter Länder macht auch das von
SPD und Grünen regierte Nordrhein-Westfalen bei der
Pflegeversicherung Druck auf die Bundesregierung. Eine Reform sei
«unverzichtbar, weil wir schnelle Antworten auf den
beschleunigten gesellschaftlichen Alterungsprozess finden
müssen», sagte Sozialministerin Birgit Fischer (SPD).
Die bayerische Landesregierung schlug unter anderem vor, den
Pflegeversicherungsbeitrag erziehender Eltern um zehn Euro zu senken
und die Versorgung Demenzkranker zu verbessern. Auch Niedersachsen,
Thüringen und das Land Berlin appellierten an die Bundesregierung,
den Reformprozess bald in Gang zu setzen. Das Bundessozialministerium
sagte zu, die Reform bis Ende 2006 auf den Weg bringen zu wollen,
schloss aber Schnellschüsse aus.
(Quelle: ap)
Unmut in der SPD über Reformdebatte wird lauter
Mi.04.02.04 - In der SPD wird der Unmut über die Reformdebatte in der Partei
lauter.
"Wir haben das Vertrauen unserer Stammwähler verloren", sagte der
Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl im Saarland, Heiko
Maas, der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. "Wir dürfen bei den
Reformen nicht immer nur Rentner, Arbeitslose und
Sozialhilfeempfänger belasten." Ein nicht namentlich genannter
führender SPD-Politiker wird mit dem Satz zitiert: "Wenn es so
weitergeht wie bisher, werden wir keine einzige der 14 Wahlen
gewinnen." In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung schreibt der
frühere Ministerpräsident von Niedersachsen, Sigmar Gabriel
(SPD), nie zuvor sei die Bereitschaft, SPD zu wählen geringer
gewesen. "Viele reden nun von Personen - im Kabinett, in der Partei.
Wer muss weg, wer muss kommen? Aber die SPD braucht jetzt nichts
weniger als eine Personaldebatte."
Die SPD müsse klar sagen, warum sie im vergangenen Jahr harte
Entscheidungen getroffen habe und auf die Reformnotwendigkeiten
hinweisen, forderte Gabriel. "Nur so können wir das Blatt wenden."
Vor allem müsse bei Veränderungen in diesem Jahr an die
kleinen Leute gedacht werden.
Nach einer am Mittwoch vorab veröffentlichten Forsa-Umfrage im
Auftrag des Magazins "Stern" würde die SPD bei einer
Bundestagswahl derzeit nur 24 Prozent erhalten. Die Union führt
deutlich mit 49 Prozent, die Grünen liegen bei zehn Prozent,
gefolgt von der FDP mit acht Prozent. Ein Einzug der PDS in den
Bundestag wäre mit dem Umfrage-Ergebnis von fünf Prozent
unsicher. Für die Umfrage wurden in der letzten Januarwoche
über 2500 Bürger befragt.
(Quelle: rtr)
Erneut zehntausende Metaller an Warnstreiks beteiligt
Mi.04.02.04 - An den Warnstreiks der IG Metall für vier Prozent mehr Lohn und
die Beibehaltung der 35-Stunden-Woche haben sich am Dienstag in sechs
Bundesländern 43.000 Arbeitnehmer aus 96 Betrieben beteiligt. Wie
die Gewerkschaft mitteilte, legten allein in Nordrhein-Westfalen 19.000
Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder. Die IG Metall
bekräftigte erneut ihre Kampfbereitschaft, schlug aber auch
versöhnliche Töne an.
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sagte auf einer Kundgebung vor
mehr als 1.000 Beschäftigten in Stuttgart, die Gewerkschaft wolle
nicht streiken. Allerdings forderte er Gesamtmetall auf, ein
höheres Angebot vorzulegen. Bislang ist die Arbeitgeberseite
lediglich bereit, die Löhne und Gehälter in zwei Stufen um
jeweils 1,2 Prozent mit einer Laufzeit von 27 Monaten zu erhöhen.
Zugleich fordern die Arbeitgeber im Tarifvertrag eine Option auf
Mehrarbeit ohne Lohnausgleich.
Am Donnerstag gehen die Tarifverhandlungen in dem traditionellen
Pilotbezirk Baden-Württemberg in die fünfte Runde. Sollte
auch dann kein Ergebnis erzielt werden, sollen die Verhandlungen am 11.
Februar fortgesetzt werden, wie die IG Metall bestätigte. Am
Montag zuvor kommen nach Angaben einer Gewerkschaftssprecherin die
Bezirksleiter in Frankfurt am Main zusammen. IG-Metall-Chef Jürgen
Peters hatte unlängst angekündigt, bis dahin werde sich
entschieden haben, ob es eine friedliche Lösung des Konflikts am
Verhandlungstisch geben werde.
Der Schwerpunkt der Protestaktionen vom Dienstag lag laut Gewerkschaft
in Köln, wo 12.000 Ford-Arbeiter an zwei Kundgebungen teilnahmen.
In Hessen, Thüringen und dem Saarland waren es 9.200 Streikende,
in Bayern 7.200 und in Baden-Württemberg 6.800.
Südwestmetall-Präsident Otmar Zwiebelhofer äußerte
indessen die Hoffnung, dass es zu einer Verhandlungslösung kommt.
«Wir haben uns bei den bisherigen Verhandlungen nicht völlig
verhakt», sagte er den «Stuttgarter Nachrichten»
(Mittwochausgabe).
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Südwesten forderte
die IG Metall jedoch auf, sich beim Thema Arbeitszeit zu bewegen. Eine
weitere Flexibilisierung reiche nicht aus. «Auch wenn die IG
Metall keinen Freudensprung macht: Wir müssen eine Lösung
finden, sonst macht es der Gesetzgeber für uns. Das wäre der
schlechtere Weg.» Mehrarbeit ohne Entgeltausgleich sollte es laut
Zwiebelhofer aber nur in «besonderen, eingegrenzten
Fällen» geben.
(Quelle: ap)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Mehr zur Tarifrunde 2004 im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
Redakteure wollen Streiks bei Scheitern von nächster Runde
ausweiten
Mi.04.02.04 - Im Tarifstreit bei den Tageszeitungen wollen die Gewerkschaften die
Streiks ausweiten, wenn die sechste Verhandlungsrunde am heutigen
Mittwoch scheitern sollte. Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegten,
würden "weitere Redaktionen zur Urabstimmung aufgerufen",
erklärte der stellvertretende Vorsitzende der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, am Dienstag in
Berlin. Er schloss dabei "Solidaritätsstreiks" in Technik und
Verwaltung der Verlage nicht aus. "Die Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer der Druckindustrie wissen, dass die Unternehmer von ihnen
ähnliche Opfer verlangen werden wie in der Redakteursrunde",
erklärte Werneke.
(Quelle: afp)
Zahl der Sonderschüler steigt weiter
Chancen der Sonderschüler im Berufsleben sind schlecht
Mi.04.02.04 - Die Zahl der Kinder mit Lernbehinderungen und anderen schweren
Schulproblemen steigt in Deutschland weiter. Wie die
Kultusministerkonferenz (KMK) am Dienstag in Bonn mitteilte, wurden im
Jahr 2002 rund 495.200 Schülerinnen und Schüler mit
sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet, mit 262.400
mehr als die Hälfte davon wegen Lernbehinderungen.
Die Zahl der Schüler an Sonderschulen stieg nach den Angaben der
Kultusminister um 1,1 Prozent auf 429.400. Trotz der zunehmenden
Tendenz, Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
auch in allgemeinen Schulen zu unterrichten, sei die Zahl der
Sonderschüler von 1993 bis 2002 um 15,5 Prozent gestiegen.
65.800 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem
Förderbedarf wurden nach den Angaben der KMK im Jahr 2002 nicht an
Sonderschulen unterrichtet, sondern in den Unterricht an allgemeinen
Schulen integriert. Ihre Zahl stieg um vier Prozent im Vergleich zum
Vorjahr.
Die Chancen der Sonderschüler im Berufsleben sind weiterhin
schlecht: Von den 47.100 Absolventen der Sonderschulen verließen
37.800, das sind 80,3 Prozent, die Schule ohne Hauptschulabschluss.
17,7 Prozent schafften einen Hauptschulabschluss, 1,9 Prozent einen
mittleren Abschluss und knapp 60 oder 0,1 Prozent die
Studienberechtigung.
(Quelle: ap)
Mehrheit der Bundesbürger lehnt Kopftücher an Schulen ab
Deutsche sehen Kopftuch als Unterdrückungs-Symbol
Mi.04.02.04 - Bundespräsident Johannes Rau stößt mit seiner Haltung
im Kopftuchstreit bei der Mehrheit der Deutschen auf Widerspruch. Einer
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zufolge teilen nur
28 Prozent der Befragten die Meinung des Staatsoberhaupts, bei einem
Kopftuchverbot in Schulen müssten auch religiöse Symbole
anderer Bekenntnisse verboten werden. 53 Prozent der 1065 Befragten
vertraten die Auffassung, bei dem Kopftuch handele es nicht um ein
religiöses, sondern ein politisches Symbol. Es stehe für die
Unterdrückung der Frau und sei deshalb "mit unserer Kultur
unvereinbar".
Während unter den männlichen Befragten immerhin noch jeder
Dritte die Einschätzung von Rau teilte, lag die Zustimmungsquote
bei den Frauen mit nur 24 Prozent noch einmal deutlich niedriger. 55
Prozent der Frauen betrachteten das Kopftuch als Ausdruck für die
Unterdrückung der Frau im Islam.
Ein anderes Bild ergab sich allerdings in Ostdeutschland: 45 Prozent
der Ostdeutschen sahen im Kopftuch vor allem ein religiöses
Symbol, das mit allen anderen religiösen Symbolen an Schulen
entweder erlaubt oder verboten werden sollte. Nur 38 Prozent der
Befragten in Ostdeutschland wiesen auf eine politische Botschaft des
Kopftuchs hin, die mit der Gleichberechtigung von Männern und
Frauen unvereinbar sei.
(Quelle: afp)
BUND veröffentlicht Gutachten über Terrorgefahren bei
Atomkraftwerken
Mi.04.02.04 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine
Kurzfassung des bislang unveröffentlichten Gutachtens zu den
Terrorgefahren für deutsche Atomkraftwerke ins Internet gestellt.
Die Umweltorganisation will nach eigenen Angaben vom Dienstag die
Öffentlichkeit über die Risiken des Weiterbetriebs der
Reaktoren aufklären.
Ein gezielter Flugzeugabsturz auf ein Atomkraftwerk in Deutschland kann
nach Ansicht der Umweltschutzorganisation BUND eine Katastrophe
auslösen, die den Reaktorunfall von Tschernobyl weit
übertrifft. Der BUND sieht sich in dieser Ansicht durch ein
Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit bestätigt.
Eine vom Umweltministerium erstellte Zusammenfassung dieser bisher
nicht veröffentlichten Studie hat der BUND in das Internet
gestellt. Damit solle die Öffentlichkeit über die Risiken
aufgeklärt werden.
Das inzwischen ein Jahr alte Gutachten der Gesellschaft für
Reaktorsicherheit (GRS) ergab laut BUND, dass Kamikaze-Einsätze
gegen Atomkraftwerke wie bei den Attacken am 11. September 2001
Katastrophen auslösen können, die den Reaktorunfall von
Tschernobyl weit übertreffen.
Die neunseitige Kurzfassung des Gutachtens stammt den Angaben zufolge
vom Bundesumweltministerium, das auch das Gutachten selbst unter
Verschluss halte.
BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt erklärte, Teile der Kurzfassung
lägen bereits bei Zeitungsredaktionen. Sie seien von
österreichischen Grünen verbreitet worden. Die Geheimhaltung
sei gescheitert: «Wenn Bundesumweltminister Jürgen Trittin
und die Landesumweltminister die Geheimniskrämerei um das
Gutachten nicht beenden wollen, müssen wir das jetzt tun.»
(Quellen: dpa, ap)
Die Kurzfassung des GRS-Gutachtens ist als PDF-Datei abrufbar unter:
http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/grs_gutachten.pdf
München: 3.500 Polizisten schützen Sicherheitskonferenz
Mi.04.02.04 - Rund 3.500 Polizisten sollen bei der 40. Münchner Konferenz
für Sicherheitspolitik für Ruhe und Ordnung sorgen. Der
bayerische Innenminister Günther Beckstein sagte am Dienstag, der
Freistaat wolle einen ruhigen und sicheren Ablauf der Demonstrationen
gewährleisten. «Wir setzen auf die bewährte bayerische
Linie der Deeskalation durch Stärke. Jeder militante Extremist
sollte sich zudem bewusst sein, dass die Beamten mit niedriger
Einschreitschwelle handeln», sagte der CSU-Politiker.
Zu der Sicherheitskonferenz werden ab Freitag US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld, Bundesverteidigungsminister Peter Struck sowie weitere
Minister und Militär-Vertreter aus aller Welt erwartet. Vor allem
bei der Großdemonstration am Samstag seien gewalttätige
Ausschreitungen nicht auszuschließen, sagte Beckstein. Mit
scharfen Kontrollen sollen gewaltbereite Demonstranten bereits bei der
Anreise gestoppt werden. Die Polizei werde an den Zufahrtsstraßen
Busse und Autos kontrollieren.
Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte der
«Süddeutschen Zeitung», bislang seien 21
Demonstrationen angemeldet. Wegen des Treffens der
NATO-Verteidigungsminister sei die Konferenz ein mögliches
Anschlagsziel für Terroristen. Darauf seien die
Sicherheitskräfte aber vorbereitet.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Bündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz plant Umzingelung des
Kriegsgipfels in München
»M – eine Stadt sucht die Mörder«. In Anlehnung an den
bekannten Film von Fritz Lang ist die Zeitung des
Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
überschrieben. Gemeint sind die rund 200 Teilnehmer der
Münchner Sicherheitskonferenz, darunter Außen- und
Verteidigungsminister der NATO-Staaten, hochrangige Militärs und
Rüstungslobbyisten.
Entgegen der Behauptung ihres Veranstalters Horst Teltschik wird auch
die 40. Münchner Sicherheitskonferenz am 6. und 7. Februar keine
»Friedenskonferenz« sein. »Bei der sogenannten
Münchner Sicherheitskonferenz geht es nicht um internationale
Sicherheit. Es geht um Absprachen und Koordination weltweiter
Strategien zur militärischen Absicherung ökonomischer
Herrschaftsansprüche«, heißt es im Aufruf eines
»Aktionsbündnisses gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz«, dem unter anderem ATTAC, die
Gewerkschaft GEW, PDS, DKP und die trotzkistische IV. Internationale
angehören.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#040124_a
Planet Peace 2004 - Kulturfestival gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.planet-peace.de
Attac ruft auf zum Protest gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.sicherheitskonferenz.info/
Internationale und öffentliche Gegenveranstaltung zur 'Sicherheitskonferenz'
http://www.dfg-vk.de/sicherheitskonferenz
Kundgebung und Demo in München: Samstag 7.2. 2004, 12.00 Uhr Marienplatz
http://www.muenchner-friedensbuendnis.de
Sonderseiten zur Sicherheitskonferenz
http://www.linkeseite.de/index391.htm
No NATO, no NATO-Sicherheitskonferenz
http://www.no-nato.de
Offizielle Homepage der Sicherheitskonferenz:
http://www.securityconference.de
mehr Kurznachrichten...