Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Blair weiterhin stolz auf Kriegsentscheidung - Aufruhr während
Rede des britischen Premier im Unterhaus - 'Whitewash"-Aktion vor
Blairs Amtsitz +++ Ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter: Blairs Regierung
ignorierte Bedenken zu Irak-Dossier +++ Cook: Irak-Krieg
größter Fehler seit Suez-Krise +++ Rumsfeld rechnet weiter
mit Massenvernichtungswaffen in Irak +++ CIA-Chef Tenet will sich gegen
Vorwürfe falscher Analysen zur Existenz irakischer
Massenvernichtungswaffen verteidigen +++ Radikale Iraker bekennen sich
zu Selbstmordanschlag in Erbil +++ US-General spricht von Machtkampf
zwischen irakischen Gruppen +++ UN und USA bekräftigen Zeitplan
für Machtübergabe in Irak +++ NATO will bei Irak-Einsatz
deutsche Soldaten
Do.05.02.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat den Irak-Krieg erneut
verteidigt. Unterbrochen von Demonstranten, die bei der
Unterhausdebatte über den Bericht von Untersuchungsrichter Lord
Hutton "Mörder" von der Besuchertribüne riefen, erklärte
Blair am Mittwoch, er sei stolz auf die Kriegsentscheidung. Zwar seien
wider Erwarten keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden, gegen
UN-Resolutionen verstoßen habe das gestürzte irakische
Regime aber dennoch.
Blair sagte, der Hutton-Bericht habe gezeigt, dass seine Regierung
nicht wissentlich Geheimdienstmaterial aufgebauscht habe. Wegen der
Zwischenrufe ließ Parlamentspräsident Michael Martin
ließ die Besuchertribüne räumen. Die Sitzung wurde zehn
Minuten unterbrochen, die Polizei nahm nach eigenen Angaben sieben
Personen fest.
Blair sagte, er akzeptiere, dass die Waffeninspekteure in Irak keine
Massenvernichtungswaffen für den sofortigen Einsatz gefunden
hätten. Kritiker des Golfkriegs sollten nun jedoch auch
akzeptieren, dass andere Verstöße gegen die Resolutionen der
Vereinten Nationen wie verbotene Waffenlabors entdeckt worden seien.
Der Premierminister verteidigte zugleich den Hutton-Bericht. "Ihm
(Hutton) wurde im Laufe seiner Ermittlungen nicht der Hauch eines
Beweises vorgelegt, der ein anderes Ergebnis hätte rechtfertigen
können", sagte Blair. Die Bedrohung durch atomare, biologische und
chemische Waffen war das wichtigstes Argument der britischen Regierung
für den Golfkrieg.
Vor Blairs Amtssitz in der Downing Street bespritzten unterdessen
Demonstranten die Eingangstore mit weißer Farbe - der englische
Ausdruck für Schönfärberei ist "whitewash". Nach Angaben
eines Polizeisprechers wurden fünf Personen festgenommen.
Eine Woche nach seiner Entlastung in der Kelly-Affäre sieht sich
der britische Premierminister Tony Blair mit neuen Zweifeln am Umgang
mit Irak-Geheimdienstberichten konfrontiert. Einem früheren
Geheimdienstmitarbeiter zufolge hat die britische Regierung Bedenken
von Experten zu einem Bericht über Massenvernichtungswaffen im
Irak ignoriert. Erhebliche Zweifel an der Existenz derartiger Waffen,
die die Regierungen der USA und Großbritanniens als Grund
für den Irak-Krieg angeführt hatten, haben den britischen
Premierminister Tony Blair in eine Glaubwürdigkeitskrise
gestürzt.
"Meiner Meinung nach wurden die Geheimdienst-Experten des DIS
(Mitarbeiter des Geheimdienstes des Verteidigungsministeriums) bei der
Vorbereitung des Dossiers im September 2002 überstimmt", schrieb
der frühere Geheimdienstmitarbeiter Brian Jones am Mittwoch in
einem Beitrag für den "Independent". "Daraus resultierte eine
Präsentation, die in Bezug auf das Waffenpotenzial des Irak
irreführend war." Jones Äußerungen dürften die
Debatte über die Einschätzung des irakischen Waffenprogramms
durch die britische Regierung neu anheizen.
Jones war der Leiter einer Gruppe von Experten für chemische und
biologische Waffen, die für den Geheimdienst des britischen
Verteidigungsministeriums arbeiten. Seine Experten seien zwar der
Meinung gewesen, im Dossier müsse erwähnt werden, dass der
Irak möglicherweise über chemische oder biologische Waffen
verfüge. Der Abschlussbericht sei in diesem Punkt jedoch
darüber hinaus gegangen. Jones äußerte sich einen Tag,
nachdem sich Blair dem innenpolitischen Druck gebeugt und wie die USA
eine Untersuchung der Geheimdienstberichte über verbotene
Waffenbestände im Irak angekündigt hatte.
Blair war unter Druck geraten, weil er den Krieg gegen den Irak vor
allem mit dessen Waffenpotenzial begründet hatte, ohne dass
dafür bislang Belege gefunden worden wären. In der
vergangenen Woche war der Regierungschef in einer Untersuchung von
Lordrichter Hutton vom Vorwurf freigesprochen worden,
Geheimdienstberichte zum Irak aufgebauscht zu haben.
Elf Abgeordnete der regierenden Labour-Partei erhoben Protest gegen die
Ernennung von Lord Robin Butler zum Vorsitzenden des
Untersuchungsausschusses zu den Geheimdienstberichten über Irak.
Butlers Vergangenheit bringe seine "Glaubwürdigkeit als gerechter
und unparteiischer Vorsitzender" ins Wanken, erklärten die
Abgeordneten im Parlament. So habe Butler in den 90er Jahren einen
Minister der konservativen Regierung von John Major verteidigt, der
wegen illegaler Waffenverkäufe nach Irak in die Kritik geraten
war. Butler diente sowohl unter Margaret Thatcher und Major als auch
unter dem Labour-Regierungschef Blair als Kabinettssekretär, bevor
er 1998 in Pension ging.
Der ehemalige britische Außenminister Robin Cook hat den
Irak-Krieg als "größten Fehler der britischen Außen-
und Sicherheitspolitik seit der Suez-Krise" im Jahr 1956 kritisiert.
Mit dem Krieg in Irak sei keine einzige Massenvernichtungswaffe
entschärft worden, noch habe sich die Terrorgefahr für
Großbritannien verringert.
Stattdessen habe der Krieg die Autorität der Vereinten Nationen
untergraben, eine Kluft zu den Hauptverbündeten in Europa
geschaffen und dem Ansehen Großbritanniens vor allem in
moslemischen Ländern geschadet, wie Cook der Zeitung "The
Independent" sagte.
Der britische Premierminister Tony Blair habe sein Land nicht in den
Irak-Krieg geführt, weil er Beweise über die Existenz von
Massenvernichtungswaffen gehabt habe, sondern weil er US-Präsident
George W. Bush habe zeigen wollen, dass Blair sein "bester Freund und
Großbritannien sein treuester Verbündeter sei". Cook war aus
Protest gegen den bevorstehenden Einmarsch in Irak im März 2003
zurückgetreten.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hält die Entdeckung von
Massenvernichtungswaffen in Irak nach wie vor für möglich. Es
sei noch nicht erwiesen, dass solche Waffen zum Zeitpunkt der
US-geführten Invasion vor einem Jahr nicht existierten, sagte
Rumsfeld am Mittwoch. Die amerikanischen Rüstungsinspektoren
benötigten noch etwas mehr Zeit, um zu einer abschließenden
Feststellung zu kommen, sagte der Verteidigungsminister in einer
Anhörung des Streitkräfte-Ausschusses des Senats in
Washington.
Rumsfeld räumte in einer vorbereiteten Erklärung aber ein,
dass die Geheimdienstinformationen vor dem Krieg in einigen Aspekten
fehlerhaft gewesen sein könnten. Es habe aber keine Manipulationen
seitens der Regierung gegeben, um den Krieg zu rechtfertigen.
Es war Rumsfelds erste öffentliche Stellungnahme seit dem
Eingeständnis des zurückgetretenen US-Chefinspekteurs David
Kay vor einer Woche, Geheimdienstinformationen über das irakische
Massenvernichtungsprogramm seien grundlegend falsch gewesen. Rumsfeld
lobte ausdrücklich den Einsatz der Geheimdienste und hob die
Schwierigkeit hervor, Kontakte in einer abgeschotteten Gesellschaft wie
der irakischen herzustellen.
Der Verteidigungsminister listete einige "alternative Ansichten" auf,
die erklären könnten, warum in Irak bisher keine
Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Dass es in Irak nie
Massenvernichtungswaffen gegeben habe, sei "möglich, aber nicht
wahrscheinlich". Möglich sei auch, dass die Waffen vor dem Krieg
in ein drittes Land gebracht worden seien. Oder dass sie in Irak
verstreut und versteckt worden seien. Oder dass sie vor Kriegsbeginn in
Irak zerstört worden seien. Schließlich sei denkbar, dass es
kleine Mengen biologischer und chemischer Substanzen gegeben habe, die
schnell zu einem Waffenarsenal ausgebaut werden sollten. Und vielleicht
sei das ganze Massenvernichtungsprogramm nichts weiter als ein Theater
gewesen, dass das Regime von Präsident Saddam Hussein
aufgeführt habe.
Senator Edward Kennedy und andere Demokraten erinnerten Rumsfeld
angesichts der vielen Hypothesen an seine Äußerung vom
September 2002, die USA wüssten, wo die irakischen
Massenvernichtungswaffen seien. Rumsfeld sagte, dieser Satz mit "Wir
wissen..." habe sich im Nachhinein möglicherweise nicht als das
herausgestellt, was man sich gewünscht hätte.
Der US-Geheimdienst CIA verteidigt sich derweil gegen den Vorwurf
falscher Analysen zur Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen.
CIA-Direktor George Tenet will nach Angaben eines Sprecher in einer
Rede am heutigen Donnerstag erklären, dass es bei der
Interpretation dieser Geheimdienstberichte eine "falsche Wahrnehmung
und eklatante Ungenauigkeiten" gegeben habe.
Für endgültige Schlüsse zur Existenz irakischer
Massenvernichtungswaffen unter Saddam Hussein sei es aber noch zu
früh, heißt es in der geplanten Rede Tenets, wie ein hoher
CIA-Funktionär vorab verlauten ließ. Damit will der
CIA-Direktor offenbar auf Erklärungen des Experten David Kay
reagieren, der am 23. Januar sein Amt als Leiter der Einsatzgruppe zur
Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak niedergelegt hat. Danach
erklärte Kay, es sei sehr unwahrscheinlich, dass es vor dem Krieg
Massenvernichtungswaffen in Irak gegeben habe.
Drei Tage nach dem Doppel-Selbstmordanschlag im nordirakischen Erbil
hat sich eine der Extremistenorganisation Ansar el Islam nahe stehende
irakische Gruppe zu den Bluttaten bekannt. Die Organisation Ansar el
Sunna (Anhänger der Lehre des Propheten) erklärte am Mittwoch
im Internet, zwei ihrer "Märtyrer-Brüder" hätten die
"beiden Höhlen des Teufels in Erbil" angegriffen. Bei dem Anschlag
zum moslemischen Opferfest am Sonntag kamen nach neuesten
Agenturmeldungen109 Menschen ums Leben. Zwei Attentäter hatten
sich zeitgleich in den Zentralen der beiden wichtigsten Kurdenparteien
in die Luft gesprengt.
Ein führender General der US-Besatzungstruppen in Irak sieht die
Hintergründe der fortgesetzten Anschläge in einem Machtkampf
der unterschiedlichen ethnischen Gruppen. "Die Leute wollen sich bei
der Bildung der nächsten Regierung die besten Ausgangspositionen
verschaffen, und das tun sie mit Gewalt", sagte Generalmajor Raymond
Odierno am Mittwoch in Tikrit. Der Kommandeur der 4. Infanteriedivision
der Armee erklärte, es sei möglich, die Aufstandsbewegung
innerhalb eines Jahres niederzuschlagen.
Trotz des Streits um die Bedingungen der Machtübergabe an eine
irakische Regierung wollen die USA und die UN an dem Zeitplan für
die politische Neuordnung Iraks festhalten. Die UN wollten prüfen,
ob sich die Forderungen irakischer Politiker nach Wahlen noch vor dem
30. Juni erfüllen ließen, sagte UN-Generalsekretär Kofi
Annan am Mittwoch in New York. Ansonsten werde man nach für die
Iraker akzeptablen Alternativen suchen. Das US-Außenministerium
betonte, es halte am 30. Juni als Termin für die
Machtübergabe fest.
Führer der schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Irak hatten
gegen die Pläne der USA protestiert, weil sie allgemeine Wahlen
erst im kommenden Jahr vorsehen. Die Mitglieder der
Übergangsregierung, die am 30. Juni antreten soll, sollen demnach
durch regionale Wahlausschüsse bestimmt werden.
Man hoffe, dass die UN in diesem Streit vermitteln könnten,
verlautete aus Washingtoner Regierungskreisen. Falls keine Einigung zu
Stande komme, werde die US-Regierung aber trotzdem an ihrem Zeitplan
festhalten.
Irakische Rebellengruppen drohen unterdessen damit, im Zuge eines
allmählichen Abzugs der Besatzungstruppen die Kontrolle über
das Land zu übernehmen. Wann die US-Streitkräfte sich
zurückziehen werden, steht bislang nicht fest. Nur für Bagdad
wurde ein Zeitplan vorgelegt: Dort soll die Kontrolle bis Mai 2005 nach
und nach an irakische Sicherheitskräfte übergeben werden.
Auf in den Städten Ramadi und Falludschah aufgetauchten
Flugblättern irakischer Rebellen heißt es jedoch: "Amerika
macht sich bereit, seine Truppen mit eingezogenem Schwanz aus unserem
Land zurückzuziehen." In den "befreiten Zonen" würden die
Rebellen dann eine dreitägige Ausgangssperre verhängen, um
die Kontrolle zu übernehmen. Irakern, die jetzt nicht mit den
US-Streitkräften zusammenarbeiteten, werden auf den
Flugblättern Vorteile versprochen. Als Absender wurde unter
anderem "Muhammads Armee" genannt.
Rund 90 japanische Soldaten sind am Mittwochmorgen in Kuwait
eingetroffen. Sie sollen dort auf ihren Einsatz in Irak vorbereitet
werden. Die hauptsächlich aus Ingenieuren bestehende Bodentruppe
ist das erste größere Kontingent von insgesamt etwa 1.000
japanischen Soldaten, die in Irak humanitäre Aufbauhilfe leisten
sollen.
Es ist die erste größere Auslandsmission der japanischen
Streitkräfte seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Opposition lehnt den
Einsatz aus historischen Gründen, aber auch wegen der
prekären Sicherheitslage in Irak strikt ab. Dies hat zu heftigen
Debatten innerhalb und außerhalb des Parlaments geführt.
Auch die Nachbarstaaten betrachten den Einsatz wegen der Rolle Japans
im Zweiten Weltkrieg mit Skepsis.
In Deutschland droht der rot-grünen Koalition anscheinend neuer
Ärger um die Entsendung deutscher Soldaten in den Irak. Die
"Berliner Zeitung" berichtet unter Berufung auf die NATO, die Allianz
erwarte für den Fall eines Irak-Einsatzes von Deutschland
Bündnissolidarität. Das stellt Regierung vor ein Problem:
Denn selbst wenn sie Truppen verweigern würde, sind
Bundeswehroffiziere in die NATO-Führungsstäbe eingebunden.
SPD-Außenpolitiker Gernot Erler bekräftigte, Deutschland
werde ausschließlich humanitäre Hilfe leisten.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Struck hält humanitäres Engagement der Bundeswehr in Irak
für möglich
Do.05.02.04 - Verteidigungsminister Peter Struck kann sich in einigen Jahren
humanitäres Engagement der Bundeswehr in Irak vorstellen.
«Wenn eine demokratisch gewählte Regierung um
humanitäre Hilfe bittet, werden wir uns nicht verweigern»,
sagte der SPD-Politiker der «Süddeutschen Zeitung»
(Mittwochausgabe). Einen militärischen Einsatz schloss Struck aus.
Ähnlich hatte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder im Januar
geäußert.
Struck sagte weiter, in Irak könnte nur veränderte
Rahmenbedingungen wie ein neuer UN-Beschluss oder eine irakisch
gewählte Regierung Abhilfe schaffen. Mehr militärische
Präsenz löse die Probleme Iraks nicht, sagte der Minister.
Deshalb stelle sich die Frage nach dem Bundeswehr-Einsatz nicht. Dies
gelte auch, falls die Länder, die derzeit Truppen stellen, um
Ablösung bitten würden. Die Zukunft Iraks wird auch Thema der
Münchner Konferenz der Sicherheitspolitik sein, zu der sich am
Wochenende Verteidigungsminister und Militär-Vertreter aus aller
Welt treffen.
Struck verwies darauf, dass die Bundeswehr die Hauptarbeit der
internationalen Staatengemeinschaft in Afghanistan leiste. Ab August
werde Deutschland durch den Einsatz des Eurokorps im ISAF-Hauptquartier
voraussichtlich noch weitere Verantwortung übernehmen. Die Zahl
der Soldaten müsse dazu nicht erhöht werden, weil an anderen
Stellen Soldaten abgezogen werden könnten. Finanziell komme die
Bundeswehr aber an die Grenze, sagte Struck.
Der Verteidigungsminister sagte weiter, Landesverteidigung müsse
neu definiert werden. «Wir schützen unser Land, wenn wir
verhindern, dass wir von irgendwo auf der Welt bedroht werden: durch
Terroristen, terroristische Ausbildung oder gewaltbereite
Staaten.» Auch angesichts dieser neuen Aufgaben halte er an der
Wehrpflicht fest. Berufsarmeen seien weniger gut geeignet, sagte Struck.
Für die Wehrpflicht spreche, dass «deutsche Soldatinnen und
Soldaten in der Welt akzeptiert sind», sagte Struck. Eine
Berufsarmee würde zur Entfremdung der Gesellschaft von der
Bundeswehr führen. Zudem seien auch bei einer Berufsarmee
mindestens 240.000 Soldaten nötig. «Wenn wir 55.000
Wehrpflichtige nicht mehr haben, müssen wir andere Leute holen und
sie bezahlen.» Struck sprach sich für eine intensive
Diskussion über die Zukunft der Wehrpflicht aus.
(Quelle: ap)
Bush kündigt arabischsprachigen US-Sender für Nahen Osten an
Do.05.02.04 - Mit Hilfs eines neuen arabischsprachigen Fernsehsenders will die
US-Regierung ihr Ansehen im Nahen und Mittleren Osten verbessern. Das
Programm werde in der kommenden Woche auf Sendung gehen, kündigte
US-Präsident George W. Bush am Mittwoch an. Der Sender heisse
«der Freie» auf Arabisch und werde Nachrichten, Filme,
Sport und Unterhaltungssendungen zeigen. «Um die
hasserfüllte Propaganda zu durchbrechen, die die Frequenzen in der
muslimischen Welt anfüllt, werden wir die Botschaft der Toleranz
und der Wahrheit auf arabisch und persisch an Millionen senden»,
sagte Bush.
(Quelle: ap)
US-Milliardär Soros: 'Amerika ist eine Gefahr für die Welt'
Do.05.02.04 - Der US-Milliardär und Philanthrop George Soros sieht in den
kommenden Präsidentschaftswahlen "eine Frage von Leben und Tod."
Der erklärte Gegner von Präsident George W. Bush urteilt in
einem Interview des Hamburger Magazins "stern": "Diese Regierung
ist in die Hände von politischen Extremisten gefallen, die einer
primitiven Form von Sozialdarwinismus anhängen: Das Leben ist
für sie ein ständiger Kampf ums Dasein, und das
Überleben wird durch Gewalt, letztendlich Krieg, gesichert."
Daraus ergibt sich nur eine Schlußfolgerung: "Diese Wahl ist
einzigartig. Es geht um Amerika, aber es geht auch um den Rest der
Welt". Denn so Soros, Bushs "Amerika ist eine Gefahr für die Welt."
Der 73-jährige Milliardär, der sein Vermögen mit
Börsenspekulationen verdient hat, will mit seinem Geld für
"Waffengleichheit im Wahlkampf" sorgen. "Ich habe bisher 12,5 Millionen
Dollar für Organisationen ausgegeben, die den Demokraten nahe
stehen", sagt er im stern. "Aber es ist ja nich mehr als ein
Tropfen auf den heißen Stein."
Soros' persönlicher Wunsch für die Zukunft ist, "dass Amerika
seine Rolle in der Welt neu überdenkt, internationale
Verträge respektiert und mit den internationalen Organisationen
ehrlich zusammenarbeitet, sie nicht einfach herumkommandiert. Ich will
nicht, dass die Welt brav in Reih und Glied hinter Amerika
hermarschiert."
(Quelle: ots)
Neue Ermittlungen gegen US-Ölkonzern Halliburton wegen Bestechung
Do.05.02.04 - Das US-Justizministerium hat einem Medienbericht zufolge Ermittlungen
gegen den umstrittenen US-Ölkonzern Halliburton wegen
mutmaßlicher Bestechung beim Bau einer Gasförderanlage in
Nigeria eingeleitet. Wie das Magazin "Newsweek" am Mittwoch in seiner
Internetausgabe berichtete, war zur Zeit des Auftrags Ende der
neunziger Jahre Vize-US-Präsident Dick Cheney Chef bei
Halliburton. Die Ermittlungen sollen laut "Newsweek" klären, ob
der Konzern in die Korruptionsaffäre verstrickt ist, bei der rund
180 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) geflossen seien. Dem Magazin
zufolge gibt es "keine Beweise" dafür, dass Cheney über den
Vorgang informiert war. Einer seiner damaligen Mitarbeiter habe ihn in
Schutz genommen, Cheney sei nicht eingeweiht gewesen. Auch die
US-Börsenaufsicht SEC ermittele. Halliburton ist bereits in eine
Korruptionsaffäre bei der Vergabe öffentlicher Aufträge
für den Wiederaufbau in Irak verstrickt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Anlauf für Treffen Kureia-Scharon +++ Scharon erwägt
Referendum über Aufgabe von Siedlungen - Annan begrüßt
Räumungsplan +++ Palästinenser werfen EU Scheinheiligkeit im
Streit um Sperranlage vor +++ Genfer Nahost-Friedensplan soll
Unterstützung in den USA bekommen
Do.05.02.04 - Israelis und Palästinenser haben am Mittwoch einen neuen Anlauf
für ein lange geplantes Treffen ihrer Regierungschefs Ariel
Scharon und Ahmed Kureia unternommen. Die Büroleiter beider
Politiker hätten sich zu Gesprächen getroffen, berichtete der
israelische Rundfunk. Zuvor hatte Kureia den Plan des israelischen
Ministerpräsidenten Scharon für eine Räumung des
Gazastreifens begrüßt.
In Zeitungsberichten hieß es, die Zusammenkunft beider Politiker
könne schon in der kommenden Woche organisiert werden. Direkte
Gespräche zwischen den Regierungschefs gelten als eine
Voraussetzung dafür, Fortschritte bei einer Beilegung des
Nahost-Konfliktes zu erzielen. Kureia will in der kommenden Woche bei
einer Europa-Reise für die Positionen der Palästinenser um
Zustimmung werben.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon erwägt ein Referendum
über seine Pläne, die meisten Siedlungen im Gaza-Streifen
aufzugeben. Diese Pläne stoßen bei Siedlern und in der
Regierungskoalition auf Kritik.
"Wenn sie ein Referendum wollen, dann ist das eine gute Idee", sagte
Scharon am Mittwoch seinem Sprecher Raanan Gissin zufolge auf den
Hinweis, zwei Abgeordnete seiner rechten Likud-Partei wollten eine
Volksabstimmung beantragen. Oppositionschef Schimon Peres sicherte
Scharon Unterstützung zu, sollte seine Initiative zur Aufgabe von
17 der 21 Siedlungen im Gaza-Streifen von seinen Koalitionspartnern
abgelehnt werden.
In führenden politischen Kreisen hieß es, die Bereitschaft
Scharons zu einem Referendum deute an, dass er zuversichtlich sei, die
Mehrheit in der Bevölkerung für seinen Plan zu gewinnen. Mit
seinem Vorstoß zur Aufgabe der meisten Siedlungen im
Gaza-Streifen überraschte Scharon, der als einer Verfechter der
Siedlungspolitik gilt, Parteifreunden und politischen Gegnern
gleichermaßen. Umfragen zufolge befürworten 59 Prozent der
Israelis einen Abzug aus dem Gaza-Streifen.
Die angekündigte Räumung jüdischer Siedlungen im
Gazastreifen setzt den israelischen Ministerpräsidenten in den
eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Zehn Abgeordnete seiner
Likud-Partei drohten am Mittwoch in einem Schreiben an den
Regierungschef, ihm ihre Unterstützung zu versagen, wenn er den
Plan ohne ihre Zustimmung vorantreibe. Sie hätten genug
Rückhalt bei anderen Parlamentariern, um Scharon eine Mehrheit im
Parlament zu verweigern, erklärte der Abgeordnete Juli Edelstein.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat derweil die vom israelischen
Regierungschef Ariel Scharon angekündigte Räumung der
jüdischen Siedlungen im Gazastreifen begrüßt. "Die
Evakuierung des Gazastreifens ist eine positive Entwicklung", sagte
Annan am Mittwoch im UN-Hauptquartier in New York. Die Räumung
könnte eine "neue Dynamik" des Friedensprozesses in Gang setzen.
Er hoffe, dass das Nahost-Quartett aus den Vereinigten Staaten,
Russland, EU und der UNO bei der Umsetzung ds Planes mitarbeiten
könne. Annan schränkte mit Verweis auf die Lage in
Westjordanland zugleich ein, dass der Scharon-Plan nur ein "erster
Schritt" sein könne.
Nach den USA und mehreren EU-Staaten hat sich auch Russland gegen eine
Anhörung zur Sperranlage Israels im Westjordanland vor dem
Internationalen Gerichtshof in Den Haag ausgesprochen. Ein
entsprechendes Rechtsgutachten werde wohl kaum neue Erkenntnisse
bringen, zitierte Vize-Außenminister Juri Fedotow am Mittwoch in
Moskau aus der offiziellen russischen Stellungnahme. Russland ist als
Mitglied des so genanten Nahost-Quartetts mit den USA, den Vereinten
Nationen und der EU in die Verhandlungen um Frieden in der
Konfliktregion eingebunden.
Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath hat der
Europäischen Union im Streit um die Sperranlage Scheinheiligkeit
vorgeworfen. Schaath reagierte damit auf Erklärungen, wonach sich
die EU und mehrere ihrer Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, gegen
eine Begutachtung der Sperranlage durch den Gerichtshof ausgesprochen
haben. "Diese Position ist scheinheilig", sagte Schaath dem Sender
Stimme Palästinas. Europa und die USA erklärten zwar, die
Sperranlage sei illegal, wollten aber kein Rechtsgutachten dazu. "Die
Mauer wurde nicht auf Basis von Verhandlungen gebaut, Israel hat eine
einseitige Entscheidung getroffen", sagte Schaath weiter.
Der Initiator des Genfer Nahost-Friedensplans, der Schweizer Alexis
Keller, hofft derweil auf die Unterstützung seines Plans durch die
Demokraten und die jüdische Gemeinde in den USA. Er sei fest davon
überzeugt, dass die Initiative ohne Rückendeckung der
jüdischen Gemeinde in den USA "keinen Erfolg" haben werde, sagte
Keller am Mittwoch in Genf. Auch die Unterstützung Washingtons als
"Schlüssel-Akteur im Nahen Osten" sei dafür
unerlässlich. Keller räumte ein, dass der Genfer Friedensplan
bislang von der Regierung in Washington weniger enthusiastisch
aufgenommen wurde als in Europa.
(Quellen: ap, rtr, dpa, afp)
Iran: Chamenei lässt Kandidatenliste zum zweiten Mal
überprüfen
Do.05.02.04 - Im Konflikt um die Kandidatenzulassung für die iranische
Parlamentswahl hat der geistliche Führer Ali Chamenei die zweite
Überprüfung der Liste innerhalb von vier Wochen angeordnet.
Das teilte ein Regierungssprecher am Mittwoch in Teheran mit. Sein
Zugeständnis nach einem Krisentreffen mit Präsident Mohammed
Chatami wurde aber mit der Verbindung verknüpft, die Wahl
müsse am 20. Februar wie geplant stattfinden.
Der von Chamenei berufene Wächterrat hatte die Kraftprobe
ausgelöst, indem er zunächst 3.600 von 8.200 Bewerbern von
der Kandidatur ausschloss. Nach heftigen Protesten und der ersten von
Chamenei angeordneten Überprüfung wurden 1.160 meist wenig
bekannte Kandidaten wieder zugelassen - die bekanntesten
Reformpolitiker blieben aber ausgeschlossen. Die Reformer, die im
derzeitigen Parlament in der laufenden Legislaturperiode erstmals seit
der islamischen Revolution von 1979 die Mehrheit haben, sprachen von
einer kosmetischen Aktion der Hardliner.
Der Wächterrat hatte die Ausschlüsse mit fehlenden
Qualifikationen der Bewerber begründet. Unter den
disqualifizierten waren 80 Abgeordnete. Im Parlament kam es zu
Protestaktionen, 120 Abgeordnete erklärten ihren Rücktritt
und die größte Reformpartei kündigte an, sie werde die
Wahl boykottieren.
Chamenei verurteilte am Mittwoch scharf die Protestaktionen der
Reformer. «Einige hatten maßlose Forderungen gestellt und
versucht, mit Schikanen ihre Forderungen durchzusetzen. Sie haben Druck
auf den Präsidenten, den Wächterrat und den
Parlamentspräsidenten ausgeübt, die dem Druck aber
widerstanden», sagte er. Aus Opposition dürfe sich niemand
weigern, seine gesetzmäßigen Pflichten auszuüben.
«Sich seiner Verantwortung durch Rücktritt oder andere
Mitteln zu entziehen ist gesetzwidrig und religiös verboten.»
Regierungssprecher Abdullah Ramesansadeh teilte mit, die erneute
Überprüfung solle vom Geheimdienstministerium
durchgeführt werden, das nominell unter Kontrolle der
Reformkräfte steht. «Wir hoffen, sobald wie möglich zu
einem endgültigen Ergebnis zu kommen, das es uns erlaubt, eine
Wahl mit einer hohen Beteiligung abzuhalten», sagte Ramesansadeh.
«Ich denke, wir können schon morgen mit einigen positiven
Ergebnissen rechnen.»
(Quelle: ap)
Vier indische Soldaten bei Anschlag in Kaschmir getötet
Do.05.02.04 - Bei einem Bombenanschlag im indischen Teil von Kaschmir sind am
heutigen Donnerstag mindestens vier Soldaten ums Leben gekommen und
vier verletzt worden. Ein Lastwagen mit den Soldaten fuhr nach
Militärangaben bei Mattan, 65 Kilometer südlich von Srinagar,
auf den Sprengsatz auf, der daraufhin explodierte. Die Behörden
vermuten, dass es sich bei den Tätern um islamische Rebellen
handelt.
Indien und Pakistan haben Ende November vereinbart, den Konflikt um
Kaschmir in Verhandlungen zu lösen, die im Februar beginnen
sollen. Die islamischen Rebellengruppen, die im indischen Teil von
Kaschmir für einen eigenen Staat oder den Anschluss an Pakistan
kämpfen, haben sich jedoch nicht zu einem Waffenstillstand bereit
erklärt.
(Quelle: ap)
Europa
EU-Währungskommissar Solbes: Stabilitätspakt in schlechten
Zeiten zu restriktiv
Do.05.02.04 - EU-Währungskommissar Pedro Solbes hat den europäischen
Stabilitäts- und Wachstumspakt als zu restriktiv in wirtschaftlich
schlechten Zeiten bezeichnet und Änderungen vorgeschlagen.
"In wirtschaftlich schlechten Zeiten wirkt der Pakt zu restriktiv,
manchmal scheinen die Regeln des Pakts zu starr", sagte Solbes dem
Magazin "Wirtschaftswoche" in einem am Mittwoch vorab
veröffentlichten Interview. Er schlug vor, nicht mehr allein das
laufende Haushaltsdefizit, sondern die Gesamtverschuldung eines Staates
als Kriterium zur Beurteilung der Haushaltslage zu
berücksichtigen. So solle einem Land mit einem geringen
Schuldenstand ein vorübergehender Anstieg der Neuverschuldung
gestattet werden, wenn das Land beispielsweise öffentliche
Investitionen steigere, um strukturelle Probleme anzugehen.
Bisher dürfen die Haushaltsdefizite nicht mehr als drei Prozent
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.
(Quelle: rtr)
Stoiber spekuliert über Schwarz-Grün
Do.05.02.04 - CSU-Chef Edmund Stoiber hat sich erstmals offen gezeigt für
schwarz-grüne Koalitionen auf Ebene der Bundesländer.
"A priori zu sagen, Koalitionen mit den Grünen dürfen nicht
sein, weil das Schmuddelkinder seien, ist nicht meine Auffassung",
sagte der bayerische Ministerpräsident in einem am Mittwoch
veröffentlichten Interview des Magazins "Stern". Die CDU
müsse dies von Land zu Land entscheiden. Die Grünen seien in
manchen Bereichen pragmatischer geworden und hätten
Führungsleute, die nicht mehr ideologisch argumentierten. "Daraus
kann sich in dem einen oder anderen Land durchaus ein Vorrat an
Gemeinsamkeiten ergeben", sagte Stoiber. Die Differenzen zwischen Union
und Grünen seien aber nach wie vor groß. In der Haltung zu
moderner Technologie, innerer Sicherheit und Zuwanderung gebe es noch
tiefe Gräben.
Gedankenspiele über schwarz-grüne Koalitionen gibt es derzeit
unter anderem in Hamburg, wo Ende Februar gewählt wird, sowie in
Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und die bayerische
Grünen-Vorsitzende Theresa Schopper erteilten den Gedankenspielen
am Mittwoch umgehend eine Abfuhr. Auch für den
schleswig-holsteinischen CDU-Landeschef Peter Harry Carstensen kommt
eine Koalition mit den Grünen nicht in Frage.
Bütikofer sagte dazu im "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe),
Stoiber verkenne den Unterschied zwischen "fröhlicher Fantasie und
realistischer Perspektive". Die ökologischen und emanzipatorischen
Grundpositionen seien für die Grünen unverrückbar. Die
Union habe hier "dramatischen Nachholbedarf".
Die bayerischen Grünen dankten Stoiber ironisch für "die
höchste Weihe der Koalitionsfähigkeit". Ein Ende der
ideologischen Grabenkämpfe wäre zu begrüßen, sagte
Schopper in München. "Als Steigbügelhalter für
rückwärts gewandte Politik stehen wir allerdings nicht zur
Verfügung", schränkte sie ein. Eine Politik, die Umweltschutz
und nachhaltiges Denken nicht in den Mittelpunkt stelle, die
Bürgerrechte einschränke und sich gegen Minderheiten richte,
sei mit den Grünen nicht zu machen.
Auch Carstensen lehnte eine schwarz-grüne Koalition für sein
Bundesland in den "Lübecker Nachrichten" (Donnerstagausgabe) ab.
Die Grünen seien als Regierungspartner der SPD mit verantwortlich
"für Chaos und Rückbau in Schleswig-Holstein". Für den
brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm stellt sich
die Frage nicht, wie er im "Handelsblatt" sagte. Die Grünen seien
dort eine "Hand voll außerparlamentarischer Opposition". Die
saarländische CDU sieht nach den Worten von Fraktionschef Peter
Hansehe zwar "keine unüberbrückbaren Gegensätze" zu den
Grünen, dennoch setze man auf die absolute Mehrheit, sagte er im
«Handelsblatt».
Hingegen beurteilte der ehemalige Grünen-Abgeordnete Oswald
Metzger das Szenario positiv. "Eine Partei darf sich nicht nur an einen
Partner binden", sagte er in der Münchner Zeitung "tz".
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper erklärte, die
Christdemokraten irrten, wenn sie die regierungsgrüne
Leisetreterei bei Menschen- und Bürgerrechten für den
Abschied vom grünen Dogmatismus hielten. Die Grünen seien
mitverantwortlich für die schlechte deutsche Regierungsbilanz,
betonte Pieper.
(Quellen: dpa, ap)
Grünen-Basis gegen Zugeständnisse bei Zuwanderung
Do.05.02.04 - Bei den Grünen-Landesverbänden wächst der Widerstand
gegen Zugeständnisse beim geplanten Zuwanderungsgesetz. In einem
Appell des Berliner Grünen-Landesvorstandes an die Parteispitze
heißt es, die Zulassung von Ausländern nach einem
Punktesysytem sei als "modernes Kernstück des
Zuwanderungsgesetzes" unverzichtbar. Zuvor war bereits in anderen
Landesverbänden Protest laut geworden.
Der Landesvorstand der Berliner Grünen wies in seinem
Protestschreiben ausdrücklich auf die "große Differenzen"
zur Position von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hin. Schily
hatte gesagt, seiner Überzeugung nach könne "niemand das
Gesetz an dieser Frage scheitern" lassen.
Zuvor hatten sich bereits die Landesvorsitzenden von
Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg in
einem Schreiben besorgt über den Verlauf der Verhandlungen
über das Zuwanderungsgesetz geäußert. Es bestehe die
Befürchtung, dass kein Verhandlungsergebnis erzielt wird, welches
die in Dresden verabschiedeten Kriterien erfüllen könnte,
hieß es in dem Brief an die Partei- und Fraktionsspitze von Mitte
Januar. Die Bremer Grünen schrieben ebenfalls Ende Januar einen
ähnlichen Brief an die Parteichefs Angelika Beer und Reinhard
Bütikofer.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, betonte die Gemeinsamkeiten von Parteibasis und Spitze. "Bei der
Verteidigung der grünen Linie passt zwischen Grünen-Basis und
Grünen-Verhandlungsführern kein Blatt." Der Landesvorsitzende
von Baden-Württemberg, Andreas Braun, signalisierte aber auch
Kompromissbereitschaft. "Ich persönlich bestehe nicht auf einem
Punktesystem, wenn es was anderes gibt, das gesteuerte Zuwanderung
ermöglicht", sagte er.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte im ZDF: "Wehe, wenn
wir scheitern. Es geht nicht nur um ein Gesetz, sondern auch um den
inneren Frieden in unserem Land." Der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nannte eine Einigung
"möglich, aber nicht sicher". Die SPD sei bereit, die Forderungen
der CDU in ihre Erwägungen miteinzubeziehen. "Den gleichen
Eindruck habe ich auf Seiten der Grünen bisher nicht."
(Quelle: ap)
Furcht in der SPD vor Wahlniederlagen-Serie wächst
Mitglieder gegen Parteispitze aufgebracht +++ In
SPD-Landesverbänden wächst Unmut über Reformen ++
Münterfering: Kurswechsel im Wahljahr bringt nichts +++ Zunehmend
Spekulationen über eine mögliche Kabinettsumbildung
Do.05.02.04 - Angesichts anhaltend schlechter Umfrageergebnisse wächst in der
SPD die Furcht vor einem Debakel bei den 14 in diesem Jahr anstehenden
Wahlen.
Führende Sozialdemokraten verlangten eine Stärkung des
sozialen Profils der Partei. Auch Spekulationen über eine
Kabinettsumbildung nahmen in der Partei zu. SPD-Fraktionschef Franz
Müntefering wandte sich gegen einen Kurswechsel bei den Reformen
im Wahljahr.
Führende SPD-Politiker sagten der Nachrichtenagentur Reuters am
Mittwoch, die SPD-Anhänger seien gegen die Parteiführung
aufgebracht. Viele Mitglieder seien durch Argumente nur noch schwer zu
erreichen. In der SPD wird erwartet, dass Bundeskanzler Gerhard
Schröder sich künftig mehr in die Zuständigkeitsbereiche
seiner Minister einmischt, um die Außendarstellung zu verbessern.
Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie sagte Reuters, die
Bundesregierung müsse ihre Politik nachvollziehbar machen. "Sonst
sind die, die wir mitnehmen müssen, nicht mehr an unserer Seite."
Auch müsse die Umsetzung der Reformen sorgfältiger werden.
Der SPD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Harald Schartau,
warnte die Bundesregierung vor einem zu hohen Reformtempo. Schartau
sagte dem "Handelsblatt", zwar müsse es vorwärts gehen, die
Bevölkerung müsse aber auch die Chance haben, die Richtung zu
begreifen. "Die Schlagzahl ist zu hoch. Das ist kontraproduktiv." Das
Thema Gerechtigkeit sei noch nicht bearbeitet worden. In NRW, dem
Stammland der SPD, stehen in diesem Jahr Kommunalwahlen an, 2005 wird
der Landtag neu gewählt. Der SPD droht hier der Machtverlust.
Auch Niedersachsens SPD-Fraktionschef Sigmar Gabriel forderte, die SPD
müsse ihre Politik besser vermitteln, um die verunsicherten
Wähler zurückzugewinnen. Gabriel schrieb in der
"Bild"-Zeitung: "Nie zuvor war die Bereitschaft, SPD zu wählen,
geringer." Die SPD könne das Blatt nur wenden, wenn sie bei den
Reformen mehr an die kleinen Leute denke und ihre Ideen besser
vermittle. Nicht alles, was die SPD in den vergangenen Monaten geplant
habe, sei realistisch gewesen. Gabriel mahnte, Reformen auf ihre
Auswirkungen zu überprüfen. "Reformen dürfen und
müssen (...) nicht immer heißen, den Menschen immer in die
Tasche zu greifen." Der frühere niedersächsische
Ministerpräsident wird in Teilen der SPD als Nachfolger für
den umstrittenen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz favorisiert.
Der saarländische Landesvorsitzende der Partei, Heiko Maas,
konstatierte: "Wir haben das Vertrauen unserer Stammwähler
verloren." Maas, der in diesem Jahr ebenfalls Landtagswahlen zu
bestreiten hat, sagte der "Berliner Zeitung" weiter: "Wir dürfen
bei den Reformen nicht immer nur Rentner, Arbeitslose und
Sozialhilfeempfänger belasten." Ein nicht namentlich genannter
führender SPD-Politiker wird von dem Blatt mit den Worten zitiert:
"Wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir keine einzige der 14
Wahlen gewinnen." Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles,
forderte, niedrige Einkommen dürften bei der Rentenreform nicht zu
sehr belastet werden. Gebe es hier keine Nachbesserung, könne auch
die Dämpfung des Rentenanstiegs nicht wie geplant eingeführt
werden.
SPD-Fraktionschef Müntefering sagte der Wochenzeitung "Die Zeit",
die Bundesregierung werde bei den Reformen Kurs halten: "Jeder Versuch,
durch einen Kurswechsel bei den Reformen eine kurzfristige Entspannung
im Wahljahr zu erreichen, hilft uns überhaupt nicht weiter."
Schröder hatte vergangene Woche die Reform der Pflegeversicherung
gestoppt und damit eine scharfe Debatte zwischen SPD und Grünen
über das Reformtempo ausgelöst. Müntefering warf den
Grünen vor, die Entscheidung Schröders böswillig
interpretiert zu haben. "Es ist nicht das erste Mal, dass der
Koalitionspartner versucht, sich auf unsere Kosten einen schlanken
Fuß zu machen."
In der SPD hieß es, in der Partei werde zunehmend über eine
mögliche Kabinettsumbildung spekuliert. Es gebe aber derzeit keine
konkreten Anzeichen für einen solchen Umbau. Als umstrittene
Minister gelten Manfred Stolpe (Verkehr), Hans Eichel (Finanzen),
Edelgard Bulmahn (Bildung), Otto Schily (Innen) und Ulla Schmidt
(Soziales). Schröder hatte sich vor kurzem ausdrücklich
hinter Schmidt und Bulmahn gestellt.
Nach einer am Mittwoch vorab veröffentlichten Forsa-Umfrage im
Auftrag des "Stern" würde die SPD bei einer Bundestagswahl derzeit
nur 24 Prozent erhalten. Die Union führt mit 49 Prozent, die
Grünen liegen bei zehn Prozent, die FDP bei acht Prozent.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsforscher: Rentner stärker für Reformen belasten
Do.05.02.04 - Die heutige Rentnergeneration sollte nach Ansicht des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stärker als von der
Regierung geplant besteuert werden.
"Ein sozial ausgeglichener Beitrag der aktuellen Rentnergeneration ist
mittels einer Revision der Besteuerung von gesetzlichen Renten
möglich und - wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert -
längst überfällig", schrieben die DIW-Forscher in einer
am Mittwoch veröffentlichten Studie. Dabei sollte die Besteuerung
heutiger Rentner über das von der Regierung geplante Maß
hinaus gehen. Dagegen erhöhten andere von der Regierung auf den
Weg gebrachte Schritte wie die Aussetzung der Rentenerhöhung oder
die Finanzierung der Beiträge zur Pflegeversicherung das
Armutsrisiko älterer Menschen.
Die Bundesregierung will die steuerliche Handhabung der gesetzlichen
und privaten Altersvorsorge völlig umkehren und damit einem Urteil
des Verfassungsgerichts folgen. Künftig sollen dann die
Rentenzahlungen besteuert und stattdessen die Beiträge von der
Steuer abgezogen werden können. Von 2005 an sollen generell 50
Prozent der Rente einer Besteuerung unterworfen werden. Dies gilt auch
für Bestandsrenten. Für jeden neu hinzu kommenden
Rentnerjahrgang wird der Anteil bis 2020 um jährlich zwei Punkte
auf 80 Prozent ansteigen. Bis 2040 steigt er jährlich um einen
Prozentpunkt auf dann 100 Prozent.
Nach Ansicht des DIW sollte der Gesetzgeber den Anteil aber schneller
erhöhen und für alle Rentnerjahrgänge weiter anpassen.
"Davon wären nur wenige gut verdienende alte Menschen betroffen,
während ein Aussetzen der Rentenanpassung auch Rentner mit einer
geringen gesetzlichen Rente belastet", hieß es weiter. Die
derzeitigen Freibeträge lägen so hoch, dass ein Rentner
derzeit ein jährliches Einkommen von 38.000 Euro haben
müsste, um überhaupt besteuert zu werden. Nach Ansicht des
DIW sollte der zu versteuernde Anteil statt zunächst nur auf 50
direkt auf 70 Prozent angehoben werden. "Ich würde sogar gleich
auf 100 Prozent gehen, um die Lasten nicht wieder zukünftigen
Generationen aufzubürden", sagte Markus Grabka vom DIW.
Die Studie belegt zudem, dass besonders ältere Paare im Schnitt
finanziell deutlich besser gestellt sind als Familien mit Kindern. Die
Altersarmut sei in den vergangenen 20 Jahren deutlich
zurückgegangen. "Anfang der 80er-Jahre waren von Armut noch mehr
als 25 Prozent der Alten betroffen - ein mehr als doppelt so hoher
Anteil wie bei Familien mit Kindern", schrieben die DIW-Forscher.
"Heute dagegen haben Familien mit Kindern ein höheres
Armutsrisiko."
Das DIW verwies in der Studie aber auch die höchst
unterschiedlichen Einkommensverhältnisse älterer Menschen.
"Allein lebende Alte haben eine im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
unterdurchschnittliche Einkommensposition." So liege das gewichtete
verfügbare Einkommen Alleinlebender zwischen 65 und 74 Jahren im
Schnitt bei 80 Prozent des Durchschnitts aller Haushalte, bei über
74-Jährigen sogar nur bei 75 Prozent. Das Armutsrisiko sei
dementsprechend hoch. Dagegen kämen Zwei-Personen-Haushalte, in
denen die älteste Person über 65 Jahre ist, auf rund 98
Prozent des durchschnittlichen verfügbaren Einkommens. Ist die
älteste Person über 75, liegt dem DIW zufolge der Wert sogar
bei rund 105 Prozent. Familien mit Kindern unter 17 Jahren haben
dagegen nur 90 Prozent des durchschnittlichen verfügbaren
Einkommens.
(Quelle: rtr)
Deutsche sehen mit Pessimismus ins neue Jahr
Negative Erwartungen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, zur
wirtschaftlichen Lage und zur eigenen finanziellen Situation +++
Eurobarometer: Image der EU bei den Deutschen gesunken
Do.05.02.04 - Die Deutschen sehen mit Pessimismus ins neue Jahr. Wie das am Mittwoch
in Berlin vorgestellte Eurobarometer ermittelte, sind vor allem die
Erwartungen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, zur wirtschaftlichen
Lage und zur eigenen finanziellen Situation negativ. Was die EU angeht,
so befürwortet eine Mehrheit der Deutschen eine vertiefte
Integration: vor allem mehr Gemeinsamkeit in der Außen- und
Sicherheitspolitik und mehr Unabhängigkeit von den USA. Gleichwohl
ist das Image der EU bei den Deutschen gesunken.
Das Eurobarometer der EU-Kommission für Herbst 2003 zeigt, dass
nur 39 Prozent der Deutschen ein positives Bild von der
Europäischen Union haben. In der ersten Jahreshälfte waren es
noch 46 Prozent. Einer der Autoren der Studie, Christian Holst, glaubt
trotzdem, dass «die EU bei den Deutschen auf einer festen Basis
steht». Sie erwarteten von der Union Sicherheit und Wohlstand.
Ein positives Image hat die EU vor allem bei Menschen mit
überdurchschnittlicher Ausbildung und mit eher linksgerichteter
politischer Orientierung. Am häufigsten assoziieren die Deutschen
mit der EU den Euro (56 Prozent), die Freiheit, im europäischen
Binnenmarkt reisen, studieren und arbeiten zu können (51 Prozent),
sowie Frieden. Bei den negativen Assoziationen steht Geldverschwendung
(35 Prozent) an erster Stelle.
Das sperrige Verhältnis der Deutschen zur Europäischen Union
drückt sich laut Eurobarometer auch in anderen Zusammenhängen
aus. Der Anteil der Deutschen, die die EU-Mitgliedschaft für eine
gute Sache halten, sank von April bis Oktober dramatisch von 59 Prozent
auf 46 Prozent. Gleichzeitig würden aber 42 Prozent bedauern, wenn
die Europäische Union scheitern würde. Auch das Vertrauen in
die EU-Institutionen ist gefallen. In der Vertrauensskala rangiert der
Europäische Gerichtshof mit 64 Prozent vor der Europäischen
Zentralbank (EZB) mit 57 Prozent und dem Europaparlament mit 56 Prozent.
Die im Mai anstehende EU-Erweiterung wird von den Ostdeutschen mit 62
Prozent deutlich positiver aufgenommen als von den Westdeutschen (55
Prozent), obwohl sie von der Öffnung der Grenzen unmittelbarer
betroffen sind. Von der Erweiterung erhofft sich der Leiter der
Kommissionsvertretung in Berlin, Gerhard Sabathil, eine Mobilisierung
für die Europawahl am 13. Juni. 1999 hatte die Wahlbeteiligung in
Deutschland nur bei 45,2 Prozent gelegen.
Eine Mehrheit von 54 Prozent sprach sich laut Eurobarometer für
die fortschreitende Entwicklung hin zu einer politischen Union aus.
Für eine gemeinsame Außenpolitik plädierten 72 Prozent,
für eine gemeinsame Verteidigungspolitik 76 Prozent. Damit denken
die Deutschen europäischer als die EU-Bürger insgesamt.
Einhellig wird auch die Aussage unterstützt, dass die
Außenpolitik der EU von den USA unabhängig sein sollte (79
Prozent). Allerdings wurde diese Meinung während des Irak-Kriegs
im April mit 84 Prozent noch vehementer vertreten. Besonders positiv
wird die Rolle der EU für den Frieden in der Welt, den Kampf gegen
den Terrorismus und beim Umweltschutz gesehen.
Die Grundstimmung der Deutschen ist eher verhalten. Eine
Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt erwarten 62 Prozent, der
wirtschaftlichen Lage 57 Prozent und der eigenen finanziellen Situation
34 Prozent. Auch die generelle Zufriedenheit liegt mit 73 Prozent auf
dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren, wie Autor Uwe Reising
erklärte.
(Quelle: ap)
Gewinneinbruch von fast 20 Prozent in der Landwirtschaft
Bauernverband: Landwirte 'Hauptbetroffene des extremen Preiskampfes im
Lebensmitteleinzelhandel' +++ Bei Ökobetrieben Gewinnrückgang
lediglich um 0,6 Prozent
Do.05.02.04 - Hochwasser, extreme Trockenheit und Konjunkturkrise haben den
Landwirten in den letzten zwei Jahren drastische
Einkommenseinbußen beschert. So sank im Wirtschaftsjahr 2002/2003
der Gewinn pro Unternehmen um durchschnittlich 19,8 Prozent, wie
Landwirtschaftsministerin Renate Künast am Mittwoch bei der
Vorstellung des Agrarberichts 2004 in Berlin mitteilte. Für das
laufende Wirtschaftsjahr 2003/2004 prognostizierte die Ministerin einen
erneuten Gewinnrückgang zwischen drei bis acht Prozent.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) erklärte, Bauern und ihre
Familien seien im dritten Jahr in Folge «Hauptbetroffene des
extremen Preiskampfes im Lebensmitteleinzelhandel». Das
landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr läuft jeweils von Sommer zu
Sommer. 2001/2002 waren die Gewinne um 6,6 Prozent zurückgegangen.
Die deutschen Bauern hatten nach diesen Angaben 2002/2003 den
höchsten Gewinnrückgang seit sechs Jahren. Der
Überschuss pro Betrieb sank auf durchschnittlich 26.957 Euro.
Künast sprach von «tatsächlich drammatischen
Zahlen». Die Ursachen seien unterschiedlich. So habe das
Jahrhunderthochwasser 2002 etwa im betroffenen Sachsen-Anhalt zu einem
Gewinneinbruch von 41,3 Prozent pro Betrieb geführt. Auch der
starke Preisdruck für landwirtschaftliche Erzeugnisse im Handel
seien für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Wegen der
starken Trockenheit im Hitzesommer 2003 sei auch im noch laufenden
Wirtschaftsjahr 2003/2004 mit einer weiteren Verschlechterung zu
rechnen.
Besser abgeschnitten haben nach Angaben der Ministerin die
Ökobetriebe. Hier seien die Gewinne verglichen zum Vorjahr
lediglich um 0,6 Prozent zurückgegangen. Die Öko-Höfe
hätten einen Durchschnittsgewinn von 33.599 Euro pro Betrieb
erwirtschaften können. Ein konventionell geführter Bauernhof
von vergleichbarer Größe und Produktionsstruktur hätte
hingegen nur 27.569 Euro Überschuss generiert.
Während Ackerbau-Betriebe 2002/2003 wegen des Hochwassers einen
Gewinnverlust von 25,8 Prozent hinnehmen mussten, hätten die
Weinbauern ein Plus von 9,2 Prozent zu verzeichnen. Die
größten Rückgänge habe es in der Geflügel-
und Schweinehaltung mit einem Minus von 44 Prozent gegeben.
Deutschland werde 2004 als erstes Land der EU die Agrarreform umsetzen,
sagte Künast. Ziel sei es, nicht einseitig die Produktionsmenge
durch Zuschüsse zu belohnen, sondern gezielt etwa tiergerechte
Haltung und Umweltschutz zu fördern. Der Bauernverband warnte
angesichts der anstehenden Reform vor «unseligen
Umverteilungsdiskussionen».
(Quelle: ap)
Dienstleistungsbranche in Deutschland wieder im Aufwind
Deutschen Dienstleistern fehlt allerdings noch Standbein Konsum +++ Weiter
Personalabbau um Kosten zu senken
Do.05.02.04 - Die Geschäfte der deutschen Dienstleister haben sich im Januar
wieder deutlich verbessert. Damit lieferte auch diese Branche nach
Ansicht von Volkswirten einen Beleg für die in Gang kommende
wirtschaftliche Erholung.
Der Reuters-Service-Index für Deutschland stieg auf 55,2 von 54,6
Punkten im Dezember, wie das Forschungsinstitut NTC am Mittwoch
mitteilte. Als Grund für die positive Entwicklung nannten die rund
500 befragten Einkaufsmanager aus der Dienstleistungsbranche ein
merklich zunehmendes Neugeschäft und wachsende
Auftragsbestände. Manchen Unternehmen machte allerdings der starke
Euro-Kurs zu schaffen. "Die Stimmung hat sich deutlich verbessert,
einige Dienstleister profitieren eindeutig von der sich abzeichnenden
Erholung", sagte Carsten Demski von der Bankgesellschaft Berlin.
Auch die Branche in der Euro-Zone wuchs im Januar wieder stärker
und blickt so zuversichtlich in die Zukunft wie seit fast zwei Jahren
nicht mehr. Der Index für das Währungsgebiet stieg auf 57,3
von 56,6 Punkten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten für
Deutschland mit einem Wert von 55,0 und für die Euro-Zone von 57,0
Zähler gerechnet. Auch in den USA verbesserten sich die
Geschäfte der Dienstleister weit stärker als von Analysten
erwartet. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Service-Index
des Institute for Supply Management (ISM) stieg im Januar auf 65,7 von
58,0 Punkten im Dezember. Im Schnitt hatten die Prognosen bei 60,0
Zählern gelegen.
In den USA expandierte der Sektor im Januar in Rekordtempo und
unterstreicht damit die kräftige Konjunkturerholung der
weltgrößten Volkswirtschaft. Dies führte allerdings
nicht zu einem Beschäftigungsschub in der Branche, wie die am
Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Institute for Supply
Management (ISM) zudem zeigt. Volkswirte rechnen dennoch weiterhin mit
relativ starken Beschäftigungszahlen in dem am Freitag anstehenden
US-Arbeitsmarktbericht für den vergangenen Monat. Auch in der
Euro-Zone und speziell in Deutschland verstärkte sich das Wachstum
des Dienstleistungssektors deutlicher als erwartet.
Der an den Finanzmärkten stark beachtete ISM-Service-Index
für die US-Branche stieg im Januar auf 65,7 (Dezember 58,0)
Punkte, wie ISM am Mittwoch mitteilte. Das ist das höchste Niveau
seit Einführung des Branchenbarometers im Juli 1997. Von Reuters
befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem geringeren Anstieg auf
60,0 Punkte gerechnet.
In Frankreich verbesserten sich die Geschäfte sogar so stark wie
seit drei Jahren nicht mehr. "Die Verbraucher in Frankreich scheinen
derzeit in einer viel besseren Stimmung zu sein als beispielsweise in
Deutschland oder Italien", sagte NTC-Volkswirt Chris Williamson.
Dadurch hätten die französischen Dienstleister ein zweites
Standbein für Wachstum.
In Deutschland hänge die Branche dagegen noch ganz am Tropf der
Industrie, die Verbraucher seien auch durch die Reformen der Regierung
sehr verunsichert. Sollte eine weitere Aufwertung des Euro die
Industrie bremsen, werde dies auch die Dienstleister unter Druck
setzen. Am Montag hatte der Einkaufsmanager-Index für die
Industrie weiteres Wachstum signalisiert. Derzeit erwarte er auch einen
Aufschwung in Deutschland, sagte Williamson. "Hinter dem Wachstum steht
aber noch ein großes Fragezeichen." Sorgen über den
Euro-Kurs dämpften auch die Zuversicht der Dienstleister. Dennoch
überwogen optimistische Bewertungen der zukünftigen
Geschäfte.
Insgesamt erholte sich der Service-Index vom leichten Rückgang im
Vormonat und lag nur knapp unter dem Drei-Jahres-Hoch von November.
"Der Aufwärtstrend der letzten Monate scheint weiter intakt zu
sein", sagte Demski. "Wir befinden uns am Anfang eines moderaten
Aufschwungs, der sich im weiteren Jahresverlauf verstärken sollte."
Grund zur Zuversicht lieferte die wachsende Nachfrage: Die
Auftragsbücher der Dienstleister füllten sich NTC zufolge im
Januar stärker als im Vormonat. Das gute Neugeschäft sorgte
aber dafür, dass einige Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen
stießen und wie im Dezember die unerledigten Aufträge
zunahmen. Dennoch bauten sie wie seit April 2002 Personal ab, um Kosten
zu senken.
(Quelle: rtr)
Beschleunigte Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst
Do.05.02.04 - Die Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst haben sich im
vergangenen Jahr beschleunigt. Mitte 2003 waren noch 4,05 Millionen
Beamte, Angestellte und Arbeiter bei Bund, Ländern und Gemeinden
beschäftigt, wie das Statistische Bundesamt unter Berufung auf
vorläufige Ergebnisse mitteilte. Das war rund ein Prozent weniger
als im Vorjahr.
Zugleich nahm die Zahl der Teilzeitstellen zu: 1,13 Millionen
Mitarbeiter - das war mehr als jeder vierte - hatten eine
verkürzte Arbeitszeit, 15.000 mehr als Ende Juni 2002. Die Zahl
der Vollzeitstellen sank im gleichen Zeitraum um 57.000. Die
gesetzliche oder tarifliche Altersteilzeit nahmen demnach 125.000
Beschäftigte in Anspruch.
In den Gemeinden sank die Zahl der Beschäftigten bis Mitte
vergangenen Jahres um 33.000 auf 1,41 Millionen, in den Ländern um
10.000 auf 2,15 Millionen. Beim Bund veränderte sich die Zahl der
Beschäftigten mit 491.000 demnach kaum. Einschließlich der
Zweckverbände, der Bahn und dem mittelbaren öffentlichen
Dienst waren Ende Juni 2003 rund 1,69 Millionen Beamte, 2,29 Millionen
Angestellte und 603.000 Arbeiter vom Staat beschäftigt. Im Vorjahr
hatte sich die Zahl der Mitarbeiter nur um rund 0,2 Prozent verringert.
(Quelle: afp)
Gezielte Förderung für zukunftsfähige Arbeitsplätze
Do.05.02.04 - Die Bundesregierung wird mit Millionenbeträgen innovative
Arbeitsplätze fördern. Das Kabinett beschloss dazu am
Mittwoch die Einrichtung eines neuen 500-Millionen-Euro-Fonds für
kleine und mittlere Unternehmen. Damit soll die Kapitalausstattung
einfallsreicher Firmen verbessert und vielversprechende Produkte
bereits in der Anfangsphase gefördert werden.
Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will bis zum Jahr 2009 rund
260 Millionen Euro in die Entwicklung der Mikrosysteme investieren.
Dank der Mikrosystemtechnik ist Deutschland unter anderem bei der
Herstellung von Airbags und ABS weltweit an der Spitze. Bereits heute
seien rund 680 000 Arbeitsplätze in Deutschland direkt mit der
Mikrosystemtechnik verbunden, sagte Bulmahn.
Die Initiativen von Bulmahn und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
(SPD) sind Teil des Maßnahmenkataloges, mit dem die Regierung
Innovationen fördern will. Mit dem Geld weitere Mittel von
privaten Geldgebern mobilisiert werden.
(Quelle: dpa)
Kaum Bewegung im Metaller-Tarifstreit
Zehntausende Beschäftigte legen erneut Arbeit nieder +++
Arbeitgeberpräsident Hundt ruft Gewerkschaften zum
Maßhalten auf +++ Gesamtmetall-Chef Kannegiesser: Arbeitgeber
nicht bereit, für gewerkschaftlche Zugeständnisse bei der Arbeitszeit mehr
Lohn zu bieten +++ IGM-Vizechef Huber stellt Metall-Arbeitgebern
Ultimatum bis Monatsende
Do.05.02.04 - Im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie hat es auch einen
Tag vor neuen Verhandlungen im möglichen Pilotbezirk
Baden-Württemberg kaum Zeichen für eine Annäherung
gegeben. Am Mittwoch legten erneut zehntausende Beschäftigte
vorübergehend die Arbeit nieder. Der Arbeitgeberverband
Gesamtmetall warnte eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen der
Warnstreiks. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rief alle
Gewerkschaften zum Maßhalten auf. Bei den Tarifverhandlungen
für die Tageszeitungsredakteure sorgte unterdessen ein neues
Angebot der Verleger für Bewegung.
Wie die IG Metall mitteilte, beteiligten sich bis zum Nachmittag rund
37.000 Arbeitnehmer in 210 Betrieben in mindestens neun
Bundesländern an den Warnstreiks. Schwerpunkte waren demnach
Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Am (morgigen)
Donnerstag werden die Verhandlungen im entscheidenden Pilotbezirk
Baden-Württemberg fortgesetzt. Auch die Warnstreiks sollen dann
weitergehen.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser kritisierte die Warnstreiks im
«Handelsblatt» als «sehr negatives Signal an Kunden
und Investoren». Er bekräftigte, dass die Arbeitgeber nicht
bereit seien, für Zugeständnisse bei der Arbeitszeit mehr
Lohn zu bieten. Allerdings deutete der Verhandlungsführer in
Nordrhein-Westfalen, Michael Jäger, Kompromissbereitschaft an. Er
sagte der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung», bei
Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich könnten
nachträglich Prämien fließen.
Bisher bieten die Metall-Arbeitgeber für die 3,5 Millionen
Beschäftigten in zwei Stufen jeweils 1,2 Prozent mehr Lohn und
Gehalt bei 27 Monaten Laufzeit, die Gewerkschaft fordert vier Prozent.
Zugleich verlangen die Arbeitgeber im Tarifvertrag eine Option auf
Mehrarbeit ohne Lohnausgleich.
Arbeitgeberpräsident Hundt rief alle Gewerkschaften zum
Maßhalten auf. Abschlüsse oberhalb des
Produktivitätszuwachses würden die leichte Konjunkturerholung
schon in der Startphase abwürgen, warnte Hundt in Berlin.
Die IG Metall hat unterdessen den Arbeitgebern ein Ultimatum zur
Beilegung des Tarifkonflikts gestellt. Die Gewerkschaft werde bis Ende
Februar darüber entscheiden, ob sie Urabstimmungen für einen
Streik einleitet, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft,
Berthold Huber, der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe).
Wörtlich sagte Huber demnach: "Dann heißt es hü oder
hott: Entweder haben wir bis dahin einen Tarifabschluss, oder wir
müssen tatsächlich einen Arbeitskampf vorbereiten". Er
fügte hinzu, dass er bei der am (heutigen) Donnerstag beginnenden
Verhandlungen in Böblingen nicht mit einem Durchbruch rechne. Die
Arbeitgeber müssten ein neues Angebot vorlegen.
(Quelle: ap)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Mehr zur Tarifrunde 2004 im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128kq
Bau-Arbeitgeber für längere Arbeitszeit und gegen
Lohnerhöhung
Do.05.02.04 - Die Arbeitgeber des deutschen Baugewerbes wollen mit der Forderung nach
einer längeren Wochenarbeitszeit in die diesjährige
Tarifrunde gehen und allenfalls geringe Lohnerhöhungen zulassen.
"Es ist kein Geld da, wir haben nichts zu verteilen", sagte der
Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Werner Kahl, am späten
Dienstagabend in Berlin. Er sprach sich für eine
Öffnungsklausel aus, die es Betrieben erlauben solle, die
Wochenarbeitszeit um bis zu drei Stunden auf 42 Stunden zu erhöhen
- möglichst ohne Lohnausgleich. "Das soll kein Allheilmittel sein,
aber ich kann damit Arbeitsplätze sichern", sagte Kahl. Zudem
plädierte er für einen Tarifvertrag mit dreijähriger
Laufzeit, der etwa ab der zweiten Stufe eine Lohnerhöhung
beeinhalten könnte. Dies sei aber nur eine Option, sagte Kahl, der
Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes ist.
Schwerpunkt der Tarifrunde, für die es bisher noch keinen Termin
gibt, dürfte vor allem die Beschäftigungssicherung sein. Denn
die kriselnde Baubranche hat seit 1995 fast die Hälfte ihrer
Arbeitsplätze verloren und zählt derzeit nur noch rund
800.000 Beschäftigte. Die Branchenverbände rechnen auch
dieses Jahr mit Umsatzrückgängen und erwarten eine
spürbare Erholung erst 2005. Die Gewerkschaft IG Bau hatte in der
vorigen Woche angekündigt, sie gehe ohne konkrete Lohnforderungen
in die Gespräche und wolle sich in erster Linie für die
Erhaltung von Arbeitsplätzen einsetzen. Die geltenden
Tarifverträge laufen bis Ende März.
Nach einem bundesweiten Streik hatten sich die Tarifparteien Mitte 2002
auf zweistufige Lohn- und Gehaltserhöhungen von 3,2 und 2,4
Prozent geeinigt. Kahl plädierte für ein neues Lohnsystem,
das die Leistungsanreize der Beschäftigten erhöhen solle.
Nach betrieblich vereinbarten Leistungsvorgaben sollten die
Beschäftigten je nach Ergebnis ihrer Arbeit mehr oder weniger Lohn
erhalten. Eine Tariflohngarantie solle es nicht mehr geben. Als
wichtigen Schritt, um die Baukrise zu beenden, nannte Kahl einen
stärkeren Kampf gegen die Schwarzarbeit.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
IG BAU verzichtet in Tarifrunde vorerst auf Lohnforderung
Mi.28.01.04 - Die Industriegewerkschaft BAU will in der anstehenden Tarifrunde
für die krisengeschüttelte Baubranche vorerst auf eine
Lohnerhöhung verzichten. Vorrangig solle anstelle dessen über
die Sicherung der verbliebenen Arbeitsplätze verhandelt werden,
sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Wiesehügel am Dienstag in
Frankfurt am Main... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#04012810
Keine Einigung bei Tarifverhandlungen für Tageszeitungsredakteure
Do.05.02.04 - Der Arbeitskampf der Redakteure bei Tageszeitungen geht weiter. Die
Tarifverhandlungen wurden am Mittwoch in Frankfurt am Main erneut
ergebnislos vertagt. Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche
Journalisten-Verband (DJV) äußerten sich am Abend
enttäuscht über die mehr als achtstündigen Verhandlungen
und kündigten eine Fortsetzung des Streiks an. Ein neuer Termin
für die dann siebte Verhandlungsrunde stand zunächst noch
nicht fest.
«Aus unserer Sicht ist kein Weg zu einem Kompromiss
erkennbar», sagte ver.di-Sprecher Frank Steibli.
DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff kritisierte, dass die
Verleger von ihren Maximalforderungen nicht abgerückt seien. Nach
Steiblis Angaben hatten die Verleger ihr Angebot im Laufe des
Nachmittags wieder verschlechtert. So sollten Gehälter und
Honorare zwischen 2004 und 2005 um ein Prozent erhöht werden,
zuvor sei von ein bis zwei Prozent die Rede gewesen. Bis Sommer 2004
soll demnach einen Nullrunde eingelegt werden.
Zudem umfasste das neue Angebot laut den Gewerkschaften eine
Kürzung des Urlaubsgeldes auf nun 80 Prozent, der Urlaub solle
künftig 32 Tage betragen. Nach Angaben von DJV-Vertreter Engeroff
wollen die Arbeitgeber die geforderten Absenkungen dauerhaft verankert
sehen. «Das ist die Fortsetzung der Beton-Position der
Verleger», kritisierte er.
Begleitet wurden die Verhandlungen weiter von Streiks, an denen nach
Gewerkschaftsangaben auch am Mittwoch wieder rund 2.300 Redakteure in
100 Betrieben teilnahmen. Vor den Gesprächen hatten die
Gewerkschaften ver.di und der DJV mit einer Ausweitung des seit knapp
einer Woche dauernden Streiks gedroht, sollten sich die Verleger nicht
bewegen.
Der Ausstand hatte am Donnerstag vergangener Woche nach fünf
ergebnislosen Verhandlungsrunden begonnen. Die Gewerkschaften verlangen
eine moderate Erhöhung der Gehälter und Honorare für die
rund 14.000 Redakteure sowie einen Tarifvertrag zur
Beschäftigungssicherung für nachweislich in Not geratene
Verlage. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert
unter anderem eine Kürzung des Urlaubsgeldes und der Urlaubsdauer
sowie Öffnungsklauseln für Regelungen auf Betriebsebene.
(Quelle: ap)
Bundeskartellamt untersagt Holtzbrinck Übernahme des Berliner
Verlags
Holtzbrinck will Übernahme gerichtlich erzwingen
Do.05.02.04 - Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Berliner Verlags durch
die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck untersagt. Damit wollen die
Wettbewerbshüter einer ihrer Ansicht nach drohenden
marktbeherrschenden Stellung von Holtzbrinck auf dem Berliner
Zeitungsmarkt einen Riegel vorschieben. Holtzbrinck kündigte an,
juristisch gegen die Entscheidung vorgehen zu wollen.
Die Unternehmen hätten auch nach der Abmahnung durch das
Kartellamt im vergangenen Dezember die Bedenken der
Wettbewerbshüter nicht ausräumen können, begründete
Kartellamtspräsident Ulf Böge am Mittwoch in Bonn die
Entscheidung. Nach Einschätzung der Kartellwächter
würden der Erwerb der Kontrolle über den Berliner Verlag
("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Tip") durch Holtzbrinck zu
einer marktbeherrschenden Stellung führen.
Das Kartellamt gehe auch davon aus, dass die Anteile am "Tagesspiegel",
die von den Stuttgartern an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre
Gerckens verkauft werden sollen, weiter Holtzbrinck zuzurechnen seien,
teilte das Amt mit. Dies ergebe sich bereits aus dem Kaufvertrag, der
Holtzbrinck die Möglichkeit gebe, wesentliche Anteile am
"Tagesspiegel" von Gerckens zurückzukaufen. Holtzbrinck habe zwar
angeboten, diese Option anders als früher geplant bis zum 31.
Dezember 2004 zu verkürzen. Dieser Vorschlag sei aber "allein vor
dem Hintergrund der von den Beteiligten bis zum 31. Dezember 2004
erwarteten Änderung der Pressefusionskontrolle" zu sehen. Im
Bundeswirtschaftsministerium gibt es Pläne für neue Regeln im
Zeitungswesen, die den Verlagen künftig Übernahmen
erleichtern könnten.
Vor gut einem Jahr hatte das Bundeskartellamt die Übernahme der
"Berliner Zeitung" durch Holtzbrinck schon einmal untersagt, da der
Verlag in der Bundeshauptstadt den "Tagesspiegel" herausgab und eine zu
starke Stellung erreichen würde. Holtzbrinck hatte daraufhin eine
Ministererlaubnis beantragt, verkaufte den "Tagesspiegel" aber kurz vor
der Entscheidung überraschend an den hauseigenen Manager Gerckens,
der alle Ämter bei Holtzbrinck niederlegte.
Selbst wenn Gerckens' Anteile nicht Holtzbrinck zugeschlagen
würden, wäre die Übernahme nicht genehmigungsfähig,
teilte das Kartellamt mit. Gerckens und Holtzbrinck nähmen dann
eine gemeinsame marktbeherrschende Stellung auf dem Berliner Lesermarkt
für Abonnement-Tageszeitungen ein.
Holtzbrinck kündigte an, die Entscheidung des Kartellamts vor
Gericht anfechten zu wollen. "Holtzbrinck wird Beschwerde beim
Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen", sagte ein Sprecher. Die
Verlagsgruppe halte sowohl die Zurechnung der Anteile Gerckens' noch
die vorgenommene Marktabgrenzung mit dem geltenden Kartellrecht
für vereinbar, betonte der Sprecher zur Begründung.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Kartellamts-Chef Ulf Böge warnt vor geplantem Presse-Fusionsgesetz
Mit dem seien sinistre Geschäfte und theoretisch ein Pressemonopol
möglich ... Mehr in der "tageszeitung" vom 30.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/30/a0191.nf/text
Deutschlands Verleger billigen den Clement-Entwurf zum neuen
Pressefusionsrecht. Damit wird sich die Konzentration auf dem
Zeitungsmarkt deutlich beschleunigen
Nach dem Clement-Entwurf könnten Verlage künftig ohne
Beschränkung Titel zukaufen, auch wenn sie damit eine
marktbeherrschende Stellung erlangen. Genau dies soll das bisher
gültige Pressefusionsrecht eigentlich verhindern...Mehr in der "tageszeitung" vom 29.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0250.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/29/a0244.nf/text
Clement will Klagen gegen genehmigte Fusionen erschweren
Di.23.12.03 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will Klagen gegen
genehmigte Fusionen einem Zeitungsbericht zufolge erschweren.
Künftig sollten nur noch diejenigen Unternehmen gerichtlich gegen
eine Ministererlaubnis für eine bereits genehmigte Fusion vorgehen
können, die direkt von dem Zusammenschluss betroffen seien,
berichtete das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf den
Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums für das neue Gesetz
gegen Wettbewerbsbeschränkungen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312230.htm#03122312
Gewerkschaften gegen Lockerung des Pressefusionsrechts
Mo.29.12.03 - Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV)
haben sich energisch gegen eine Liberalisierung des Pressefusionsrechts
gewandt. Entsprechende Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums
seien «Neoliberalismus pur» sagte DJV-Sprecher Hendrik
Zörner der Nachrichtenagentur AP. Der stellvertretende
ver.di-Vorsitzende Frank Werneke kritisierte, mit der geplanten
Gesetzesnovelle würden kleinere Verlage «zum Abschuss
freigegeben». Die Pressevielfalt sei daher gefährdet... Mehr unter:
http://home-t-online.de/home/boa-archiv2/k0312290.htm#03122918
Deutschland: Angeblich schnelle Regel-Lockerung für
Verlags-Fusionen geplant +++ Verlage verlangen: Gebot der
Pressefreiheit soll nicht länger Fusionen im Wege stehen
Mi.24.09.03 - Verlage können einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise
schon in Kürze mit einer Lockerung der Regelungen für
Übernahmen rechnen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) prüfe derzeit, ob die
geplante Lockerung für die Verlage in den vorbereiteten Entwurf
zur Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen noch
aufgenommen werden könne, berichtete die "Financial Times
Deutschland" am Mittwoch. Der Minister werde darüber bald
entscheiden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309240.htm#03092407
Regierung erwägt angeblich Lockerung der Pressefusionskontrolle
So.31.08.03 - Die Bundesregierung prüft nach einem Magazinbericht die Lockerung
der Pressefusionskontrolle. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe bei einem Treffen mit
Verlegern in Aussicht gestellt, Regelungen, die den Zusammenschluss von
Zeitungen erleichtern würden, in einen Entwurf zur Novelle des
Kartellrechts aufzunehmen, berichtete "Der Spiegel" am Samstag vorab.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308310.htm#03083109
Über 50 Verteidigungs- und Außenminister auf
Sicherheitskonferenz
Do.05.02.04 - Der Leiter der Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik,
Horst Teltschik, erwartet in diesem Jahr ein Rekordaufgebot an
Verteidigungs- und Außenministern aus aller Welt in der
bayerischen Landeshauptstadt. "Wir haben noch nie so viele Minister in
München gehabt", sagte Teltschik am Mittwoch der
Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt hätten über 50
Amtsträger zugesagt, darunter US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld und dessen russischer Kollege Sergej Iwanow. Der neue
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer werde am Freitag
erstmals mit allen Verteidigungsministern des Bündnisses
zusammentreffen und in München seinen ersten großen
öffentlichen Auftritt haben.
(Quelle: afp)
Weniger Protest, mehr Polizei - 4.000 Beamte zur Münchner
Sicherheitskonferenz im Einsatz - wegen Terrorgefahr
Abends gegen halb neun flog plötzlich die Tür auf, dann
stürmte eine Hundertschaft der Polizei herein, durchwühlte
Schränke, beschlagnahmte Papiere und stellte die Personalien von
50 Personen fest.
Mit der Durchsuchung des linksalternativen Café Marat hat die
Münchner Polizei ein paar Tage vor der Sicherheitskonferenz - die
morgen im Nobelhotel Bayerischer Hof beginnt - ein
unmissverständliches Signal gesetzt. Für die Gegner der
Militärtagung herrscht null Toleranz oder, wie es Bayerns
Innenminister Günther Beckstein (CSU) formulierte: "Wir setzen auf
die bewährte bayerische Linie der Deeskalation durch
Stärke."...
Damit in Ruhe diskutiert werden kann, bewachen rund 4.000 Polizisten
die Tagung, die bis Sonntag dauert. Das sind mehr Beamte als im
vergangenen Jahr, dabei werden weitaus weniger Demonstranten erwartet.
Im Februar 2003 protestierten, mobilisiert durch den drohenden
Irakkrieg, mehr als 30.000 Menschen in München...
"So viele werden es dieses Jahr mit Sicherheit nicht", sagt Hagen Pfaff
von der Münchner Attac-Gruppe und fügt sarkastisch hinzu;
"Aber mir ist es lieber, es kommen weniger, und dafür gibt es
keinen Krieg." Für ihn steht in diesem Jahr der Proteste "gegen
die Ausweitung von Nato-Einsätzen und gegen die militärische
Aufrüstung der EU" im Mittelpunkt. Das elektrisiert die Massen
aber weitaus weniger als ein bevorstehender Krieg....
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr planen DGB und SPD ... keinen
Protest. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der
damals mitdemonstrierte, empfängt die Teilnehmer der Veranstaltung
nun wieder mit einem offiziellen städtischen Empfang. Der Krieg
ist eben vorbei. Außer für den Münchner
Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer: Der rechtfertigt die
gigantische Polizeipräsenz damit, dass die Sicherheitskonferenz
ein lohnendes "Anschlagsziel für Terroristen" sei.
Aus der "tageszeitung" vom 05002.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/05/a0155.nf/text
Blick ins Archiv:
Bündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz plant Umzingelung des
Kriegsgipfels in München
»M – eine Stadt sucht die Mörder«. In Anlehnung an den
bekannten Film von Fritz Lang ist die Zeitung des
Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
überschrieben. Gemeint sind die rund 200 Teilnehmer der
Münchner Sicherheitskonferenz, darunter Außen- und
Verteidigungsminister der NATO-Staaten, hochrangige Militärs und
Rüstungslobbyisten.
Entgegen der Behauptung ihres Veranstalters Horst Teltschik wird auch
die 40. Münchner Sicherheitskonferenz am 6. und 7. Februar keine
»Friedenskonferenz« sein. »Bei der sogenannten
Münchner Sicherheitskonferenz geht es nicht um internationale
Sicherheit. Es geht um Absprachen und Koordination weltweiter
Strategien zur militärischen Absicherung ökonomischer
Herrschaftsansprüche«, heißt es im Aufruf eines
»Aktionsbündnisses gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz«, dem unter anderem ATTAC, die
Gewerkschaft GEW, PDS, DKP und die trotzkistische IV. Internationale
angehören.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#040124_a
Planet Peace 2004 - Kulturfestival gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.planet-peace.de
Attac ruft auf zum Protest gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.sicherheitskonferenz.info/
Internationale und öffentliche Gegenveranstaltung zur 'Sicherheitskonferenz'
http://www.dfg-vk.de/sicherheitskonferenz
Kundgebung und Demo in München: Samstag 7.2. 2004,
12.00 Uhr Marienplatz
http://www.muenchner-friedensbuendnis.de
Sonderseiten zur Sicherheitskonferenz
http://www.linkeseite.de/index391.htm
nadir-aktuell-Schwerpunkt: NATO Kriegskonferenz:
http://www.nadir.org/nadir/aktuell/schwerpunkte/munich.html
No NATO, no NATO-Sicherheitskonferenz
http://www.no-nato.de
Offizielle Homepage der Sicherheitskonferenz:
http://www.securityconference.de
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