Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertvierundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA sehen großen Willen für Nato-Engagement im Irak -
Deutscher Außenminister bekräftigt ablehnende Haltung
Berlins zu Irak-Einsatz +++ Irakischer Schiitenführer Sistani
entgeht Anschlag - Ein US-Soldat bei Angriff
getötet +++ Akzentverlagerung in der
Kriegsgrunddebatte - Bush: Massenvernichtungswaffen nicht entscheidend
für Vorgehen gegen Irak - CIA-Chef: Haben Irak nie als akute
Gefahr eingestuft +++ Waffeninspekteur Kay: Möglichen
Politikereinfluss auf Irak-Analysten des CIA prüfen
Fr.06.02.04 - In der Nato gibt es nach US-Einschätzung eine große
Bereitschaft, sich stärker im Irak zu engagieren. Für
formelle Gespräche darüber sei es aber noch zu früh,
sagte der amerikanische Nato-Botschafter Nicholas Burns am Donnerstag
in Brüssel.
"Eine Zahl europäischer Verbündeter hat vorgeschlagen, dass
die Nato eine eigenständige kollektive Rolle übernimmt",
sagte Burns. "Es gibt mit Sicherheit einen sehr starken politischen
Willen in der Allianz dafür, dass die Nato im Irak mehr tut." Die
USA haben vorgeschlagen, dass das Verteidigungsbündnis die
Führung einer derzeit vom Nato-Mitglied Polen angeführten
Division im Irak übernimmt. Mit Blick auf die scharfe Kritik der
Nato-Länder Frankreich und Deutschland an dem Irak-Krieg hatten
die USA das Thema aber bislang nicht forciert.
Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in München am Freitag
werde sich die Allianz auf die Ausweitung des Einsatzes in Afghanistan
konzentrieren, sagte Burns. Die Diskussion über eine Nato-Rolle im
Irak werde wohl erst später, möglicherweise im Frühling
oder Frühsommer, beginnen. Diplomaten haben ausgeschlossen, dass
die Nato im Irak tätig wird, bevor die USA die Macht im Land an
die Iraker übergeben. Ein ranghoher Nato-Vertreter sagte aber, es
sei gewiss möglich, dass ein Einsatz im Irak vor Jahresende
beginne. Die deutsche hat einen deutschen Truppeneinsatz im Irak
ausgeschlossen, solange es dort keine demokratisch legitimierte
Regierung gibt.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe mehrfach deutlich
gemacht, dass es kein deutsches militärisches Engagement geben
werde, sagte der deutsche Außenminister Joschka Fischer
(Grüne) nach einem Treffen mit dem neuen NATO-Generalsekretär
Jaap de Hoop Scheffer am Donnerstag in Berlin. Er selbst gehöre
"eher zu den Skeptikern" einer solchen Überlegung, die
gründlich geprüft werden müsse, sagte Fischer. De Hoop
Scheffer betonte, dass derzeit keine Entscheidung in dieser Frage
bevorstehe.
In Irak ist am Donnerstag bei einem Mörserangriff in der Nähe
des Flughafens von Bagdad ein US-Soldat getötet worden. Ein
weiterer Soldat sei verletzt worden, als Unbekannte am frühen
Nachmittag (Ortszeit) etwa viermal auf ein Versorgungslager in der
Nähe des Flugplatzes der irakischen Hauptstadt gefeuert
hätten, teilte ein US-Militärsprecher mit. Einer
Erklärung der Armee zufolge hatten sich die beiden Soldaten an
einem Kontrollposten außerhalb des internationalen Flughafens
befunden, als sie von den Geschossen getroffen wurden. Am Dienstag
hatten Unbekannte zwei Raketen auf den Flughafen abgefeuert, die aber
niemanden verletzten. Seit dem Ende der offiziell verkündeten
Hauptkampfhandlungen in Irak im Mai starben bislang 253 US-Soldaten bei
Angriffen.
Der einflussreiche Schiitenführer Großayatollah Ali Sistani
ist einem Mordanschlag entgangen. Auf Sistani sei am Mittwoch ein
Attentatsversuch verübt worden, teilte sein Büro in der
heiligen Stadt Nadschaf mit. Nähere Angaben zu der Tat machte es
nicht. Muaffak Rubai vom irakischen Regierungsrat sagte, er habe
Sistani getroffen, ihm gehe es gut.
Der Großayatollah und seine Anhänger fordern baldige
Direktwahlen in Irak. UN-Wahlexperten sollen die mögliche
Umsetzbarkeit der Forderung überprüfen. Die USA lehnen Wahlen
zu einem frühen Zeitpunkt ab. Sie wollen die Macht am 1. Juni
einer Übergangsregierung übertragen.
Die US-Kommission zur Überprüfung der Geheimdienstarbeit vor
dem Irak-Krieg muss nach Meinung von Ex-Waffeninspekteur David Kay auch
möglichen Politikereinfluss auf Analysten des US-Geheimdienstes
prüfen. "Das sollte ganz oben auf der Tagesordnung stehen", sagte
der zurückgetretene Leiter der Gruppe, die im Irak nach
Massenvernichtungswaffen sucht, am Donnerstag in Washington. Er selbst
habe allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass Politiker
Analysten je zu möglichst alarmierenden Risiko-Analysen
drängten.
Kay widersprach Verteidigungsminister Rumsfeld, der am Vortag gesagt
hatte, dass der Irak groß sei und vermeintliche biologische und
chemische Kampfstoffe noch gefunden werden könnten. Seine Gruppe
habe nach den vermeintlichen Produktionsstätten, Eingeweihten und
Unterlagen gesucht und nichts gefunden. "Das ist ein ziemlich
überzeugender Beweis, dass (die Massenvernichtungswaffen) nicht
existieren", sagte Kay.
In der Debatte um die Rechtfertigung des Irak-Kriegs hat CIA-Direktor
George Tenet derweil versichert, dass die Geheimdienste zu keinem
Zeitpunkt von einer unmittelbaren Bedrohung durch das Regime von Saddam
Hussein gesprochen haben. Die Existenz einer akuten Gefahr war vor
einem Jahr das Hauptargument von Präsident George W. Bush für
seine Vorbereitungen zum Krieg gegen Irak. Am Donnerstag aber deutete
Bush in einer neuen Akzentuierung der Debatte an, dass er auch dann den
Befehl zur Invasion gegeben hätte, wenn er bereits gewusst
hätte, dass es in Irak keine Massenvernichtungswaffen gebe.
"Sie haben nie gesagt, dass es eine unmittelbare Bedrohung gab",
betonte Tenet am Donnerstag in einer Rede vor der Georgetown
University. Vielmehr hätten die CIA-Fachleute das Bild eines
"brutalen Diktators" gezeichnet, "der sich fortgesetzt bemühte, zu
täuschen und Programme zu entwickeln, die uns ständig
überraschen und unsere Interessen bedrohen".
Tenet beendete mit seiner Erklärung ein wochenlanges Schweigen. Er
reagierte damit auf Vorwürfe von David Kay - der
zurückgetretene Leiter der US-Einsatzgruppe zur Suche nach
Massenvernichtungswaffen in Irak erklärte Ende Januar: "Wir lagen
fast alle daneben." Vor allem aber wollte Tenet mit seiner Rede der
Möglichkeit entgegenwirken, dass die CIA in der Kriegsgrunddebatte
zum Sündenbock gemacht wird.
Bush räumte in Charleston, South Carolina, ein, dass die Waffen
bisher nicht gefunden worden seien, auch wenn die Ermittler Hinweise
auf mögliche Programme für ihre Entwicklung gefunden
hätten. Dennoch sei der Krieg gerechtfertigt gewesen. "Im
Bewusstsein dessen, was ich damals wusste und dessen, was ich jetzt
weiß, hat Amerika in Irak das Richtige getan", sagte Bush.
Vor dem Krieg hatten Bush und führende Regierungsmitglieder
wiederholt klar gemacht, dass sie die von Saddam Hussein ausgehende
Bedrohung als sehr akut betrachten. "Er ist eine Bedrohung, auf die wir
so schnell wie möglich reagieren müssen", sagte Bush am 13.
September 2002 über Saddam Hussein. Und im Oktober 2002
erklärte er in einer Rede in Ohio: "Die Gefahr ist bereits jetzt
bedeutsam und wächst mit der Zeit nur noch mehr. Wenn wir wissen,
dass Saddam Hussein heute gefährliche Waffen hat - und das tun
wir, ist es dann in irgendeiner Weise sinnvoll, dass die Welt wartet,
bis sie etwas gegen ihn unternimmt?"
Bush- und Blair-Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Im Präsidentenwahljahr steht Bush jetzt unter wachsendem Druck der
oppositionellen Demokraten. Am Freitag wollte er die neun Mitglieder
eines Ausschusses berufen, die die Geheimdienstarbeit vor dem
Irak-Krieg untersuchen sollen. Einer von ihnen wird nach Informationen
aus Regierungskreisen der republikanische Senator John McCain sein. Die
aus Vertretern der beiden großen Parteien gebildete Kommission
soll ihren Bericht bis 2005 vorlegen, also erst nach der
Präsidentenwahl im November.
Die Demokraten wollen die Untersuchung auf die Frage konzentrieren, ob
die Fachleute der Geheimdienste vom Weißen Haus unter Druck
gesetzt wurden, Ergebnisse vorzulegen, die eine Invasion rechtfertigen
könnten. Hierauf antwortete Tenet bereits am Donnerstag mit der
Erklärung: "Niemand wies uns an, was wir sagen sollten oder wie
wir es sagen sollten."
(Quelle: ap, afp, rtr)
US-Verluststatistiken in Irak werden stärker denn je frisiert
Wenn man die offiziellen Statistiken über die Verluste der
Besatzungstruppen im Irak – etwa 90 Prozent davon US-amerikanische
Soldaten – genauer betrachtet, kommt man nicht umhin, die Präsenz
einer erheblichen Zahl von »Geistersoldaten«, von gar nicht
existierenden Militärs, zu konstatieren. Die US-amerikanische
Online-Zeitschrift »Counterpunch« jedenfalls kommt in ihrer
Ausgabe vom 1.Februar zu dem Ergebnis, daß die offiziellen
Statistiken die Verluste der Besatzer im Irak deutlich zu niedrig
ansetzen, und zwar bewußt. Im US-Wahljahr braucht man nicht lange
nach den Gründen zu suchen...
Mehr in "junge Welt" vom 06.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-06/004.php
Aufschlußreiche Statistik
US-Nachrichtenagentur schlüsselt Nationalität der
Guantanamo-Häftlinge auf...
Mehr in "junge Welt" vom 06.02.04:
US-Nachrichtenagentur schlüsselt Nationalität der Guantanamo-Häftlinge auf
|
Treffen der NATO-Verteidigungsminister in München - Polizei
rechnet mit weniger Demonstranten bei Sicherheitskonferenz
Fr.06.02.04 - Die Verteidigungsminister der 19 NATO- Staaten kommen heute in
München erstmals mit dem neuen Generalsekretär der Allianz,
Jaap de Hoop Scheffer, zusammen. Bei dem informellen Treffen vor der
internationalen Sicherheitskonferenz geht es vor allem um die
Ausdehnung des Afghanistan-Einsatzes. Geplant ist die Aufstockung
regionaler Aufbauteams in der Provinz. Am Vormittag kommt de Hoop
Scheffer zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Berlin noch mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen.
Zur 40. Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende
erwartet die Polizei weniger Demonstranten als in den Jahren zuvor. Der
Anteil der gewaltbereiten Autonomen könnte aber mit etwa 600 bis
800 Personen höher sein, sagte Polizeivizepräsident Jens
Viering am Donnerstag in München. Bei der größten
Gegendemonstration am Samstag sei mit rund 5.000 Teilnehmern zu
rechnen. An der Konferenz nehmen Minister und hohe Offiziere aus aller
Welt teil, darunter auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.
Nach Vierings Angaben sind 23 Veranstaltungen gegen die früher als
Wehrkundetagung bekannte Konferenz angemeldet. Am Freitagnachmittag
wollen Demonstranten eine Menschenkette um das Tagungshotel in der
Innenstadt legen; dieses wird allerdings von der Polizei
weiträumig abgesperrt. Die Polizei rechnet mit etwa 1.600
Teilnehmern. Am Samstag veranstaltet das linke
«Aktionsbündnis gegen die NATO-Kriegskonferenz» einen
Demonstrationszug durch die Innenstadt.
Die Konferenzgegner hätten in den vergangenen Tagen im Internet
und auf Flugblättern zu Blockaden aufgerufen, sagte Einsatzleiter
Viering weiter. Dies hätten auch Unterlagen bestätigt, die
Ende Januar bei einer Durchsuchung in einem Szenetreff sicher gestellt
wurden. Das Motto der autonomen Szene laute «Desertieren,
Sabotieren, Blockieren». Zu den Protesten werden den Angaben
zufolge Demonstranten aus ganz Deutschland und vereinzelt aus dem
benachbarten Ausland erwartet.
Die Polizei will gegen aggressive Demonstranten rasch und energisch
einschreiten, wie Viering weiter sagte. Bis zu 4.000 Polizisten aus der
ganzen Bundesrepublik werden im Einsatz sein. München bleibe
für Gewalttäter «ein höchst unangenehmes und
unattraktives Pflaster». Der Einsatzleiter rechnete mit einzelnen
Gewahrsamnahmen, aber nicht mit Massenfestnahmen wie in den Vorjahren.
«Die meisten wollen friedlich demonstrieren.»
Viering sagte weiter, die Konferenz stelle wegen der Teilnahme
zahlreicher hochrangiger Regierungs- und Militärvertreter auch ein
mögliches Anschlagsziel für islamistisch-fundamentalistische
Terroristen dar. Die abstrakte Gefährdung sei hoch. Konkrete
Hinweise auf geplante Anschläge gibt es laut Viering aber nicht.
Die Polizei sei auf mögliche Sicherheitsrisiken vorbereitet.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Bündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz plant Umzingelung des
Kriegsgipfels in München
»M – eine Stadt sucht die Mörder«. In Anlehnung an den
bekannten Film von Fritz Lang ist die Zeitung des
Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
überschrieben. Gemeint sind die rund 200 Teilnehmer der
Münchner Sicherheitskonferenz, darunter Außen- und
Verteidigungsminister der NATO-Staaten, hochrangige Militärs und
Rüstungslobbyisten.
Entgegen der Behauptung ihres Veranstalters Horst Teltschik wird auch
die 40. Münchner Sicherheitskonferenz am 6. und 7. Februar keine
»Friedenskonferenz« sein. »Bei der sogenannten
Münchner Sicherheitskonferenz geht es nicht um internationale
Sicherheit. Es geht um Absprachen und Koordination weltweiter
Strategien zur militärischen Absicherung ökonomischer
Herrschaftsansprüche«, heißt es im Aufruf eines
»Aktionsbündnisses gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz«, dem unter anderem ATTAC, die
Gewerkschaft GEW, PDS, DKP und die trotzkistische IV. Internationale
angehören.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#040124_a
Planet Peace 2004 - Kulturfestival gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.planet-peace.de
Attac ruft auf zum Protest gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.sicherheitskonferenz.info/
Internationale und öffentliche Gegenveranstaltung zur 'Sicherheitskonferenz'
http://www.dfg-vk.de/sicherheitskonferenz
Kundgebung und Demo in München: Samstag 7.2. 2004, 12.00 Uhr Marienplatz
http://www.muenchner-friedensbuendnis.de
Sonderseiten zur Sicherheitskonferenz
http://www.linkeseite.de/index391.htm
nadir-aktuell-Schwerpunkt: NATO Kriegskonferenz:
http://www.nadir.org/nadir/aktuell/schwerpunkte/munich.html
No NATO, no NATO-Sicherheitskonferenz
http://www.no-nato.de
Offizielle Homepage der Sicherheitskonferenz:
http://www.securityconference.de
Deutschland sichert der NATO weiteres Engagement in Afghanistan zu
Fr.06.02.04 - rotz anhaltend hoher Anschlagsgefahr in Afghanistan hat Deutschland
der NATO eine Fortsetzung des Engagements bei der Stabilisierung des
Landes zugesagt. Der deutsche Beitrag zur Befriedung Afghanistans
bleibe sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich weiter
auf «hohem Niveau», sicherte Außenminister Joschka
Fischer am Donnerstag dem neuen NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop
Scheffer in Berlin zu. Es war sein Antrittsbesuch bei der
Bundesregierung. Der Generalsekretär begrüßte die
Ankündigung Fischers.
De Hoop Scheffer hatte die NATO zuvor zu größerem Engagement
in Afghanistan aufgerufen. «Wir können es uns nicht leisten,
in Afghanistan zu verlieren», betonte der Holländer. Auch
Fischer äußerte sich mit Blick auf die anstehenden Wahlen in
dem asiatischen Land in diese Richtung. Die Befriedung müsse
Erfolg haben, meinte er.
De Hoop Scheffer erläuterte seine Vorstellungen über die
künftige Rolle der NATO in Afghanistan in der
«Süddeutschen Zeitung». Er wolle zunächst
fünf weitere regionale Aufbauteams entsenden, sagte er. «Die
Weltgemeinschaft, also auch die NATO, kann es sich nicht leisten, in
Afghanistan zu scheitern.» Die Soldaten für die weiteren
Aufbauteams müssten nicht nur von NATO-Mitgliedern gestellt
werden. «Ich stelle mir kombinierte Wiederaufbau-Teams vor, zum
Beispiel ein nordisches Team.»
De Hoop Scheffer sagte laut «Süddeutscher Zeitung», er
unterstütze eine Übernahme des Kommandos der internationalen
Schutztruppe ISAF durch das Eurocorps. «Das wäre sehr
gut.» Er sprach sich auch dafür aus, die beiden
Afghanistan-Einsätze von ISAF und der US-geführten
Anti-Terror-Operation Enduring Freedom einem Kommandeur zu
unterstellen. Der «SZ» zufolge wird in NATO-Kreisen
erwartet, dass dies der NATO-Oberbefehlshaber, US-General James Jones,
sein könnte. Nach seinem Besuch bei Fischer machte De Hoop
Scheffer klar, dass er keine formale Zusammenlegung der Truppen wolle.
Die Ausweitung des NATO-Einsatzes in Afghanistan wollen
Verteidigungsminister und Militärvertreter aus aller Welt bei der
Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik an diesem
Wochenende beraten. 2003 war die Münchner Sicherheitstkonferenz
von dem Streit zwischen Deutschland und den USA über den
Irak-Krieg überschattet. De Hoop Scheffer und Fischer rechnen mit
einer guten Atmosphäre in diesem Jahr.
Einen NATO-Einsatz in Irak hielt De Hoop Scheffer für
möglich, wenn eine souveräne irakische Regierung diese Bitte
äußere. In dem Land hänge alles vom politischen Prozess
ab, sagte er. Einen entsprechenden Vorstoß hatte die
französische Regierung gemacht. Fischer sagte, er verhehle nicht,
das er dem Vorschlag skeptisch gegenüber stehe. Darüber
müsse «sehr, sehr gründlich» nachgedacht werden.
De Hoop Scheffer rief die Allianz außerdem zu mehr
Geschlossenheit auf. Die NATO habe ein schwieriges Jahr hinter sich,
sagte der Generalsekretär mit Blick auf die Spannungen wegen des
Irak-Kriegs. Deutschland und Frankreich hätten die USA zwar
legitimerweise nicht unterstützt. «Diese Spaltung war weder
gut für die Allianz noch für die EU», sagte der
NATO-Generalsekretär. Er sehe in den USA, aber auch in Europa die
Bereitschaft, Sicherheitspolitik wieder in der NATO zu betreiben.
«Die stärkste Koalition ist die NATO.»
(Quelle: ap)
Nato
http://www.nato.int/
No Nato
http://www.no-nato.de
Blick ins Archiv:
Bundeswehr wird komplett auf Auslandseinsätze ausgerichtet
Mi.14.01.04 - Verteidigungsminister: Mögliches Einsatzgebiet für die
Bundeswehr ist die ganze Welt ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#04011417
Für Präventivschlag vorbereitet
Die rot-grüne Koalition passt die Streitkräfte an die neue
Sicherheitsstrategie von Nato und EU an. An deren Ausarbeitung war sie
selbst aktiv beteiligt .. Mehr in der "tageszeitung" vom 14.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/14/a0188.nf/text
Deutsche an die Front!
Da wären wir also wieder... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401100.htm#040110_g
Verteidigungsminister Struck: Landesverteidigung nicht mehr oberste
Aufgabe der Bundeswehr. Deutschland wird am Hindukusch verteidigt
Fr.06.12.02 - Verteidigungsminister Peter Struck will das nicht
hören, aber er hat der Bundeswehr eine Reform der
Reform verordnet. Noch gravierender als seine Streichliste ist jedoch
seine zweite, überraschende Botschaft. Er gibt den deutschen
Soldaten einen neuen Auftrag. So verkündet der
Sozialdemokrat am Donnerstag in Berlin in Abkehr von seinem
Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) den Abschied von der
Landesverteidigung als oberste Aufgabe der Armee... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_x
Mehr zum Thema NATO und Auslandseinsätze der Bundeswehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#040114gb
Nahost-Konflikt
Israelische Militäraktion im Westjordanland +++ Chef der
Palästinenserpolizei überlebt Anschlag +++ Stellvertretender
israelischer Regierungschef Olmert: Räumung jüdischer
Siedlungen im Gazastreifen in diesem Jahr
Fr.06.02.04 - Bei einer israelischen Militäraktion im Westjordanland ist am
Donnerstag ein Soldat schwer verwundet worden. Wie ein
Militärsprecher mitteilte, waren die Truppen mit 30 Fahrzeugen in
die Stadt Dschenin eingerückt und dort in ein Feuergefecht mit
bewaffneten Palästinensern verwickelt worden. Im israelischen
Rundfunk hiess es, die Soldaten hätten mutmassliche Terroristen
gesucht.
Bei einer Schiesserei im palästinensischen Polizeipräsidium
in Gaza wurde unterdessen ein Polizist getötet, zehn weitere
wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In einer
Erklärung hiess es weiter, es habe sich um ein Attentat auf
Polizeichef Ghasi Dschabali gehandelt. Der Generalmajor sei unverletzt
geblieben. Die Angreifer wurden als "Gesetzlose" bezeichnet. In einer
separaten Erklärung der palästinensische
Sicherheitsorganisation hiess es jedoch, es habe sich nicht um ein
Attentat auf Dschabali gehandelt. Der Polizeichef habe sich mit vier
nicht näher identifizierten Beamten getroffen und bei der
Unterredung sei es zum Streit gekommen, der in eine Schiesserei
eskaliert sei.
In beiden Erklärungen hiess es dann wieder übereinstimmend,
die an dem Zwischenfall beteiligten Personen seien festgenommen worden.
Aus Sicherheitskreisen verlautete, es handele sich um einen Machtkampf
zwischen Dschabali und den früheren starken Mann in Gaza, Mohammed
Dahlan.
Der stellvertretende israelische Regierungschef Ehud Olmert hat bei
seinem Besuch in den USA einen ungefähren Zeitpunkt für die
Räumung jüdischer Siedlungen im Gazastreifen genannt.
"Definitiv in diesem Jahr" werde etwas passieren, sagte Olmert am
Donnerstag nach einem Gespräch mit US-Außenminister Colin
Powell in Washington. Die Umsetzung der Pläne werde Zeit brauchen,
"doch ich denke, zu Beginn der zweiten Jahreshälfte wird der Plan
fertig sein und wir werden dann vorangehen können".
(Quelle: ap, afp)
Die fortschrittlichen Juden Europas handeln unter erschwerten
Bedingungen gegen die israelische Okkupationspolitik
Einerseits argumentiert die israelische Regierung, die europäische
Kritik an ihrer Politik wurzele im Antisemitismus, andererseits ist der
Antisemitismus in Europa eine latent vorhandene Erscheinung, die sich
auch in der Kritik am »jüdischen Staat« festmacht. Wie
also können sich die kritischen Jüdinnen und Juden wehren
gegen den permanenten Bruch des Völkerrechts durch Israel? Oder,
wie (der Jude Richard) Kuper formuliert: »Es gibt immer die
Gefahr, daß Antisemitismus geweckt wird, aber wir können uns
durch diese Gefahr nicht zum Schweigen erpressen lassen.«...
Aus: »Wir wissen, was passiert« - Jüdische
Organisationen Europas gegen Israels Okkupationspolitik. Ein
Gespräch mit Richard Kuper, "junge Welt" vom 06.02.04.
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2004/02-06/006.php
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Machtprobe in Iran vor Parlamentswahl dauert an
Fr.06.02.04 - Im Streit um die Zulassung tausender iranischer Parlamentskandidaten
dauert die Konfrontation zwischen Reformern und dem konservativen
Wächterrat an. Trotz eines Ultimatums reformorientierter Politiker
ließ das mächtige Gremium bei einer weiteren
Überprüfung nur 51 von etwa 2500 ausgeschlossenen Kandidaten
für die Wahl am 20. Februar wieder zu, wie der Chef der
größten iranischen Reformpartei, Mohammed Resa Chatami,
erklärte.
Nach einem Bericht der Tageszeitung "Dscham e Dscham" wurde das Verbot
für etwa 100 Kandidaten zurückgezogen. Rund 130
Parlamentarier kündigten einen Boykott der Wahl an.
"Das ist das schlimmstmögliche Ergebnis", kritisierte Chatami.
Seine Partei, die Beteiligungsfront, bleibe bei der Entscheidung, nicht
an der Wahl teilzunehmen. Unter den für die Wahl zugelassenen
Bewerbern befänden sich acht oder neun Parlamentsabgeordnete. In
seiner ursprünglichen Entscheidung hatte der aus konservativen
Geistlichen und Rechtsverständigen zusammengesetzte
Wächterrat alle Reformabgeordneten von der Wahl ausgeschlossen.
Nach Vorlage von 120 Bewerbungen durch das Informationsministerium habe
der Rat eine Prüfung weiterer Fälle abgelehnt, kritisierte
der Bruder von Präsident Mohammed Chatami. Nach Angaben der
studentischen Nachrichtenagentur Isna unterzog das Gremium rund 600
Kandidaturen einer erneuten Prüfung. Für die Angaben von
Oppositionsführer Chatami und den Bericht von "Dscham e Dscham"
lagen zunächst keine offizielle Bestätigungen vor. Die
Reformparteien hatten dem Wächterrat am Mittwoch ein Ultimatum
gestellt, das am Donnerstag auslaufen sollte.
Reformorientierte Abgeordnete warfen dem Wächterrat vor, einen
"Staatsstreich" zu planen. Dieser solle mittels "halblegaler
Hilfsmittel" organisiert werden. Zu den aktuellen Bedingungen wäre
die Wahl illegal.
Iran befindet sich in einer der schwersten politischen Krisen seit der
Gründung der Republik vor rund 25 Jahren, nachdem der konservative
Wächterrat knapp ein Drittel der 8000 Kandidaten von der
Parlamentswahl ausgeschlossen hatte. Die meisten der abgelehnten
Bewerber sind Reformpolitiker. Aus Protest forderten die
reformorientierten Politiker daraufhin eine Verschiebung des
Urnengangs, was vom obersten geistlichen Führer in Iran, Ayatollah
Ali Chamenei, abgelehnt wurde.
(Quelle: afp)
Pakistanischer Atomskandal: Musharraf begnadigt Nuklearwissenschaftler
Khan
Der Begründer des pakistanischen Atomprogramms hatte sich zuvor
öffentlich für die Weitergabe von Nukleartechnologie ins
Ausland entschuldigt +++ El Baradei: Fall Khan nur 'Spitze des
Eisbergs' +++ Pakistans Präsident hält am international
kritisierten Atomwaffenprogramm des Landes fest +++
US-Regierung verteidigt Pakistans Präsidenten in Atomdebatte
Fr.06.02.04 - Der Begründer des pakistanischen Atomprogramms ist nach seiner
öffentlichen Entschuldigung für die Weitergabe von
Nukleartechnologie ins Ausland begnadigt worden. Präsident Pervez
Musharraf teilte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit, er habe
das Gnadengesuch des Ingenieurs Abdul Qadeer Khan bewilligt.
Medienberichte, wonach auch Angehörige der Regierung und der
Streitkräfte am Export von Nukleartechnologie an Libyen, Iran und
Nordkorea beteiligt waren, wies Musharraf zurück.
Am Mittwoch hatte es auch aus Geheimdienstkreisen geheißen, die
Regierung wolle ein Verfahren gegen Khan vermeiden, weil dies peinliche
Informationen über eine mögliche Mitwisserschaft hochrangiger
Beamter und Offiziere zu Tage fördern könnte. Musharraf
lehnte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe ab.
«Die Wahrheit ist, dass die Regierung nicht darin verwickelt ist
und dass die Streitkräfte nicht darin verwickelt sind»,
sagte er am Donnerstag.
Khan hatte am Mittwoch in einer vom Fernsehen übertragenen
Ansprache die alleinige Verantwortung für den Verkauf von
Nukleartechnologie in den späten 80er und frühen 90er Jahren
übernommen. Oppositionsparteien hatten der Regierung daraufhin
vorgeworfen, den in Pakistan als Nationalheld verehrten Wissenschaftler
zu der öffentlichen Entschuldigung gezwungen zu haben. Musharraf
sagte dazu: «Man kann einen Helden nicht schützen, wenn dies
dem Land schadet.»
Was mit den sechs inhaftierten Mitarbeitern Khans geschehen werde, sei
noch nicht entschieden, sagte der Präsident. Die Ermittlungen
gegen die Wissenschaftler wurden im November vergangenen Jahres
eingeleitet. Damals hatte Iran der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) Informationen über sein
Nuklearprogramm übermittelt.
Eine Kontrolle der pakistanischen Nuklearanlagen durch die IAEA schloss
Musharraf am Donnerstag jedoch aus. Pakistan werde sein Atomwaffen
niemals aufgeben, betonte er. Islamabad sei aber bereit, mit der IAEA
über das Problem der Weitergabe von Atomtechnologie zu diskutieren.
IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei kündigte unterdessen weitere
Untersuchungen zum geheimen Handel mit Nukleartechnologie an. Im Lichte
von Khans Geständnis müssten die Exportkontrollen
verschärft werden, sagte er. «Doktor Khan ist nur die Spitze
des Eisbergs. Wir haben noch viel zu tun», erklärte
ElBaradei. Der IAEA-Chef äußerte Zweifel daran, dass Khan
die illegalen Exporte alleine organisierte. «Er war ein wichtiger
Teil in dem Prozess, aber er hat nicht allein gearbeitet. Es gab eine
Kette von Aktivitäten, die wir weiterverfolgen müssen.»
Die USA haben derweil den pakistanischen Präsidenten Pervez
Musharraf ausdrücklich verteidigt, obwohl er zuvor den
Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan begnadigte, der die Weitergabe
von Atomtechnologie an Libyen, Iran und Nordkoreas eingestanden hatte.
Entscheidend sei, dass Pakistan das Netz der Weiterverbreitung
zerrissen habe, dass es nicht länger existiere, sagte ein Sprecher
des US-Präsidialamtes am Donnerstag. Musharraf habe zudem
zugesichert, dass die pakistanische Regierung nicht in die Weitergabe
von Atomtechnologie verwickelt gewesen sei.
In der US-Regierung werde es offenbar als politische Notwendigkeit
angesehen, die Begnadigung Khans durch Musharraf zu akzeptieren, sagte
David Albright, Leiter des Washingtoner Instituts für Wissenschaft
und internationale Sicherheit. Musharraf sei immerhin ein
verlässlicher Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus, und
er stehe selbst unter starkem Druck seiner politischen Gegner. Dies
könne jedoch nach hinten losgehen, denn dadurch könnten an
dem Atomprogramm beteiligte Wissenschaftler die Schlussfolgerung
ziehen, sie hätten bei einem Verkauf von Atomgeheimnissen nicht
viel zu verlieren, sagte Albright.
(Quellen: ap, rtr)
Indisches Parlament wird aufgelöst
Fr.06.02.04 - Zur Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen wird heute das indische
Parlament aufgelöst. Die Regierung von Premierminister Atal Behari
Vajpayee strebt Termine im April oder Mai an. Vajpayees
nationalistische Hindu-Partei BJP hofft, von der derzeit guten
wirtschaftlichen Lage, der Wiederannäherung an den Erzfeind
Pakistan sowie der Schwäche der zerstrittenen Opposition
profitieren zu können.
Die indische Wahlkommission hatte am Mittwoch aufgerufen, die
Vorbereitungen für die Parlamentswahl zu beschleunigen. In Indien
wird an mehreren Tagen gewählt.
(Quelle: afp)
Nord- und Südkorea vereinbaren Militärgespräche
Fr.06.02.04 - Nord- und Südkorea haben am Freitag hochrangige
Militärgespräche mit dem Ziel vereinbart, die Spannungen
zwischen beiden Staaten zu verringern. Die Gespräche sollten
bereits in Kürze aufgenommen werden, hieß es in einer
gemeinsamen Erklärung zum Abschluss viertägiger
Regierungsgespräche in Seoul. Die Verhandlungen würden auf
Ebene von Brigadegenerälen oder höher stattfinden, teilte die
südkoreanische Regierung mit. Im September 2000 waren die
Verteidigungsminister beider Länder zusammengetroffen.
Die beiden Delegationen vereinbarten außerdem für Ende
März eine weitere Familienzusammenführung. Die Gespräche
auf Kabinettsebene sollen vom 4. bis 7. Mai in Pjöngjang
fortgesetzt werden. Die Belastung der internationalen Beziehungen durch
das nordkoreanische Atomprogramm steht im Mittelpunkt einer neuen Runde
von Sechs-Staaten-Gesprächen am 25. Februar in Peking. Neben den
beiden koreanischen Staaten nehmen auch China, die USA, Russland und
Japan daran teil.
Es war die 13. Gesprächsrunde seit dem historischen Gipfeltreffen
des damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung mit
dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il im Jahr 2000.
(Quelle: ap)
Rebellen in Uganda töten rund 50 Menschen in Flüchtlingslager
- Uganda ruft nach internationaler Hilfe
Fr.06.02.04 - Ugandische Rebellen haben im Norden des Landes bei einem Massaker in
einem Flüchtlingslager etwa 50 Menschen getötet. Ein
Rundfunkjournalist berichtete am Donnerstag von mindestens 47 Toten nach
dem Angriff der "Lord's Resistance Army" (LRA) in Abia, rund 360
Kilometer nördlich der Hauptstadt Kampala. Da insgesamt rund 200
Hütten in Brand geraten seien, könnte sich die Zahl der Opfer
noch erhöhen. Der katholische Priester Sebat Ayala sagte der
Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Augenzeugen, bei dem Angriff
selbst seien 44 Menschen getötet worden, acht weitere seien im
Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Er selbst habe an der Beerdigung
von 17 Menschen teilgenommen.
Massaker in den Dörfern gehören im Norden Ugandas längst
zur blutigen Tagesordnung. Die Menschen leben in ständiger Angst
vor den Überfällen der Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn
(LRA) und den anhaltenden Entführungen von Kindern und
Jugendlichen, die an die Waffe gezwungen und als Kämpfer und
Konkubinen missbraucht werden. Die Rebellengruppe kämpft seit rund
17 Jahren gegen Präsident Yoweri Museveni und terrorisiert ohne
Skrupel die Bevölkerung. Museveni hofft nun auf eine Anklage der
LRA-Führer vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH).
Der ugandische Präsident hat den neu geschaffenen Haager
Gerichtshof bereits um Ermittlungen gegen die LRA und ihren
Anführer Joseph Kony gebeten. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo
sehe nach dem Aufruf Musevenis im Dezember eine «ausreichende
Grundlage» für die Prüfung möglicher Ermittlungen,
teilte der Gerichtshof in dieser Woche mit. Sollte Moreno-Ocampo die LRA
vor Gericht bringen, könnten die ugandischen Rebellenführer
als erste Angeklagte in die IStGH-Geschichte eingehen. Kony wird von
Beobachtern als nicht zurechnungsfähig eingestuft und will nach
eigenen Angaben die ugandische Verfassung durch die zehn Gebote
ersetzen.
Mehr als 23.000 Menschen sind dem Krieg in Norduganda nach
Schätzungen von Hilfsorganisationen bis zum vergangenen Jahr schon
zum Opfer gefallen. Rund 20.000 Kinder und Jugendliche seien von den
LRA-Rebellen verschleppt und grausam zur Gewalt gezwungen worden.
Tausende Hütten hätten die «Olum» - wie die
LRA-Kämpfer von den Einheimischen genannt werden - niedergebrannt,
hunderttausende Menschen in die Flucht geschlagen. Und nahezu
täglich werden neue Gräueltaten bekannt.
Die rote Erde des Landes werde mit dem Blut der zahllosen Opfer immer
röter, beklagte kürzlich der Comboni-Missionar Sebhat Ayele.
Allein in den vergangenen acht Wochen hätten die Rebellen fast 300
Menschen getötet, sagte er der Missionsnachrichtenagentur MISNA.
Aus Angst vor Entführungen flüchten sich jeden Abend tausende
Jungen und Mädchen aus den umliegenden Dörfern in die
sichereren Städte Nordugandas. Der Weg allerdings ist immer wieder
riskant. Erst am Mittwoch meldete MISNA die Entführung von 16
Kindern und Jugendlichen, die nächtliche Zuflucht in der Stadt Gulu
suchen wollten.
Rund eine Million weitere Menschen haben sich vor den LRA-Kämpfern
in so genannte «geschützte Dörfer»
geflüchtet. Doch auch die Flüchtlingslager bieten nur
begrenzten Schutz. Zudem wird das Elend in den Lagern nach Berichten
internationaler Helfer von Tag zu Tag schlimmer. «Die
humanitäre Lage ist dramatisch», erklärte Combini-Pater
Ayele. «Es fehlt an allem.» Hilfsorganisationen können
den Berichten zufolge häufig nicht zu den Lagern oder in abgelegene
Dörfer gelangen, weil die Fahrt durch Rebellengebiet zu
gefährlich wäre. «Wir brauchen eine Friedensmission, um
viele unschuldige Leben zu retten», appellierte Ayele an die
Vereinten Nationen.
Auch für die Festnahme der LRA-Führer wäre Uganda bei
einer Anklage des Haager Gerichtshofs auf internationale Hilfe
angewiesen, wie der IStGH betonte. Vor allem eine Zusammenarbeit mit
Sudan wäre wohl ausschlaggebend. Der Süden des Nachbarlandes
galt lange Jahre als unangetastetes Rückzugsgebiet der LRA. Vor
knapp zwei Jahren gestattete die sudanesische Regierung den ugandischen
Truppen, die Rebellen auf ihrem Staatsgebiet zu verfolgen. Die
«Operation Eiserne Faust» trieb die Kämpfer aber wieder
nach Uganda zurück und löste eine neue Welle von
Überfällen aus. Vor einigen Wochen kursierten Gerüchte,
LRA-Rebellen hätten sich wieder über die Grenze
zurückgezogen - ihre blutige Spur in Uganda hat sich jedoch seitdem
nicht verloren.
Rebellen haben unterdessen am Albert-See im Nordosten von Kongo einen
Bootskonvoi der Vereinten Nationen angegriffen. Die UN-Mitarbeiter waren
auf dem Weg in die Ortschaft Gobu, um dort Berichten über ein
Massaker nachzugehen, wie der Sprecher der UN-Mission in Kongo,
Leocadio Salmeron, am Donnerstag mitteilte. Die vier Boote seien am
Mittwoch unter heftigen Beschuss geraten und hätten das Feuer
erwidert. Anschließend sei die Mission abgebrochen worden. Von den
UN-Mitarbeitern sei niemand getötet oder verletzt worden.
(Quelle: )
Vier Tote bei regierungsfeindlichen Unruhen in Haiti
Fr.06.02.04 - Bei regierungsfeindlichen Unruhen in Haiti sind nach Rundfunkberichten
mindestens vier Menschen ums Leben gekommen und 20 verletzt worden.
Anhänger der Protestbewegung gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide stürmten am Freitag öffentliche Gebäude in der
200.000 Einwohner zählenden Stadt Gonaives. «Gonaives ist
befreit», sagte der Führer der Gonaives Resistance Front,
Wynter Etienne, vor Journalisten.
Die Aufständischen drangen am Donnerstag in die zentrale
Polizeiwache von Gonaives ein, setzten das Gebäude in Brand und
befreiten mehr als 100 Häftlinge. Außerdem wurden das Haus
von Bürgermeister Stephan Moise und eine Tankstelle in Brand
gesetzt, die diesem gehört, wie der Privatsender Radio Kiskeya
berichtete.
Regierungssprecher Mario Dupuy sagte zu den Vorfällen: «Das
sind terroristische Aktionen des bewaffneten Flügels der
Opposition.» Die Polizei werde die nötigen Maßnahmen
zur Wiederherstellung der Ordnung ergreifen. Etienne kündigte
hingegen an, dass die Opposition weitere Städte unter ihre
Kontrolle bringen wolle.
Die Mitglieder der Gonaives Resistance Front standen früher auf
Seiten Aristides, sagten sich aber im Herbst vergangenen Jahres von
diesem los. Grund war ein Mordanschlag auf den Politiker Amiot Metayer
am 22. September, in den Regierungsmitglieder verwickelt sein sollen.
Gonaives liegt im Nordwesten von Haiti und ist seit Monaten ein Zentrum
des Widerstands gegen Aristide. Dieser hat die Forderung abgelehnt, vor
Ende seiner Amtszeit im Jahr 2006 zurückzutreten. Bei politisch
motivierten Unruhen sind seit Mitte September vergangenen Jahres
mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen.
(Quelle: ap)
45 Straßenkinder in Honduras getötet
Fr.06.02.04 - In Honduras sind nach Angaben von Menschenrechtlern allein im Januar 45
Straßenkinder und Jugendliche ermordet worden. Die Behörden
hätten keinen einzigen Fall aufgeklärt, sagte der Leiter der
Organisation "Casa Alianza", José Capellín, vorgestern in
Tegucigalpa. Seit Januar 1998 seien in dem mittelamerikanischen Land
weit mehr als 2.000 Straßenkinder getötet worden. Die
Organisation spricht von einer "sozialen Säuberung", an der auch
Polizisten und andere Sicherheitskräfte beteiligt seien.
Darüber hinaus seien viele Jugendliche blutigen Kämpfen
rivalisierender Straßenbanden zum Opfer gefallen. Capellín
forderte die Regierung dringend auf, sich für die Aufklärung
der Verbrechen einzusetzen. Auf Drängen der UNO und der
Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai)hatte
Präsident Ricardo Maduro im vergangenen Jahr eine
Untersuchungskommission ins Leben gerufen. Bislang wurden jedoch erst
in einem Bruchteil der Fälle die Verantwortlichen vor Gericht
gestellt.
(Quelle: epd/taz)
Protestmarsch gegen US-Konzerne in Nicaragua
Bauern machen Hersteller des krebserregenden Pestizids Nemagon (DBCP)
für ihre schweren Gesundheitsschäden verantwortlich - Mehr
als 17.000 Landarbeiter von den zerstörerischen Folgen des
Pestizids betroffen
Fr.06.02.04 - Tausende Bauern haben in Nicaragua einen Protestmarsch in die
Hauptstadt Managua angetreten, um die Unterstützung der Regierung
bei ihrer Schadenersatzklage gegen US-Chemiekonzerne und
Bananeproduzenten einzufordern.
Die Landarbeiter, die auf den Bananenplantagen des Landes durch das in
den USA hergestellte Pestizid Nemagon (DBCP) vergiftet wurden,
starteten ihren 130-Kilometer-Marsch Anfang der Woche im Nordwesten des
Landes und wollen am Mittwoch kommender Woche in Managua eintreffen.
Sie machen die Hersteller des krebserregenden Pestizids für ihre
schweren Gesundheitsschäden verantwortlich und fordern von den
US-Konzernen Schadenersatz in Höhe von insgesamt zehn Milliarden
Dollar. Die Konzerne weigern sich zu zahlen und haben ihrerseits die
ehemaligen Plantagenarbeiter wegen angeblicher
"Mafia-Zugehörigkeit" verklagt.
Das Pestizid Nemagon wurde zwischen 1960 und 1980 unter anderem auf den
Bananen-Plantagen Nicaraguas eingesetzt, um die gefürchteten
Fadenwürmer zu vernichten.
Nach Angaben von Victorino Espinales, dem Präsidenten des
Klägerverbandes, sind mehr als 17.000 Landarbeiter von den
zerstörerischen Folgen des Pestizids betroffen. Sie leiden demnach
unter Hautkrankheiten, Knochendeformationen, Unfruchtbarkeit oder
Krebs. Etwa 700 Menschen seien an den Folgen ihrer Krankheiten
gestorben. Die Landarbeiter haben insgesamt acht Konzerne verklagt:
Dole, Shell, Chiquita Brands International, Standard Fruit Company, Del
Monte Tropical Fruit Company, Occidental Chemical Corporation, Dow Agro
Sciences sowie Aka del Monte Foods.
Ein Gericht in Nicaragua hatte die Unternehmen Dole, Shell und Dow im
Dezember 2002 zu 490 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt, was
diese aber ablehnten. Stattdessen verklagten die drei Konzerne Ende
vergangenen Jahres die Landarbeiter vor einem Gericht in Los Angeles,
Mitglieder internationaler Mafia-Organisationen zu sein, die den
Interessen der Konzerne schaden wollten. Die US-Konzerne fordern die
Einstellung aller in Nicaragua und in den USA gegen sie angestrengten
Verfahren. Das Parlament in Managua hatte im vergangenen Jahr ein
Gesetz verabschiedet, das solche Verfahren erlaubt.
(Quelle: afp)
Russland: Mindestens 22 Tote bei Explosion in Moskauer U-Bahn
Fr.06.02.04 - 8:16 - Bei einer Explosion in der Moskauer U-Bahn sind nach Angaben der
Feuerwehr am Freitagmorgen mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen.
Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax.
Das Katastrophenschutzministerium bestätigte die Explosion in
einer zentralen Linie der Metro, nannte aber zunächst keine
Details zu möglichen Opfern. In Polizeikreisen wurde einer Meldung
der Nachrichtenagentur Interfax zufolge ein Terrorakt nicht
ausgeschlossen. Das hätten erste Befragungen von aus der U-Bahn
geretteten Fahrgästen ergeben, berichtte Interfax unter Berufung
auf die Kreise. Offizielle Angaben über die Ursache der Explosion
gab es zunächst aber nicht.
Die Explosion ereignete sich nach Angaben des Metro-Betreibers zur
Hauptverkehrszeit am Morgen um 8.30 (Ortszeit).
Eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums sagte, nach ersten
Erkenntnissen habe sich die Explosion in einem U-Bahnzug zwischen den
Stationen Paweleskaja und Awtosowodskaja ereignet.
Tschetschenische Rebellen, die für die Unabhängigkeit ihrer
Republik von der Russischen Föderation kämpfen, haben bereits
mehrfach Anschläge in Russland verübt. Auch die russische
Hauptstadt war bereits Ziel tschetschenischer Rebellen. Im Oktober 2002
hatten Rebellen mehr als 700 Menschen in einem Moskauer Theater als
Geiseln genommen.
(Quelle: rtr)
Annan lädt zu Zypern-Gesprächen nach New York ein
Fr.06.02.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Anführer der beiden
verfeindeten Zypern-Teile zu Gesprächen über eine
Wiedervereinigung eingeladen. Der griechisch-zyprische Präsident
Tassos Papadopoulos und der Anführer des türkischen Teils der
Insel, Rauf Denktasch, seien für kommenden Dienstag nach New York
eingeladen, teilte ein Sprecher Annans mit.
Auch Griechenland, die Türkei und Großbritannien seien
gebeten worden, Vertreter zu entsenden. Ziel sei die Vorbereitung eines
Referendums, bei dem noch im April über die Wiedervereinigung der
geteilten Insel abgestimmt werden könne. Sollte dies gelingen,
könnte Zypern am 1. Mai als Ganzes der EU beitreten.
Die Insel ist seit 1974 geteilt. Der türkische Teil ist
international nicht anerkannt. Bei der EU-Erweiterung am 1. Mai
würde völkerrechtlich ganz Zypern der Europäischen Union
beitreten, der türkische Norden gälte dann als besetztes
Gebiet.
Der ungelöste Zypern-Konflikt gehört zu den
größten Hindernissen für eine EU-Kandidatur der
Türkei. Die von der UNO geführten Verh
(Quelle: afp)
Frankreich: Muslime wollen Kopftuch-Verbot unterwandern
Fr.06.02.04 - Die französischen Muslime wollen das Kopftuch zum modischen
Accessoire erklären und so das geplante Verbot religiöser
Symbole in öffentlichen Schulen unterwandern. «Die
Mädchen können dann ihren Schulleitern sagen: 'Ich tue dies
für meine Schönheit'», sagte am Donnerstag der
Präsident der Union Islamischer Organisationen in Frankreich
(UOIF), Lhaj-Thami Breze.
Das von der Regierung im Parlament eingebrachte Gesetz verbietet
muslimischen Schülerinnen das Tragen eines Kopftuchs als Zeichen
ihrer Religionszugehörigkeit. Das Gesetz, das sich auch auf die
jüdische Kippa oder große christliche Kreuze erstreckt, soll
mit Beginn des neuen Schuljahrs im September in Kraft treten.
(Quelle: ap)
Deutschland: Starker Anstieg der Arbeitslosenzahl -
Fast 4,6 Millionen Erwerbslose
Fr.06.02.04 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist zu Jahresbeginn trotz
statistischer Eingriffe wieder deutlich gestiegen. Im Januar
zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Deutschland fast
4,6 Millionen Menschen ohne Job. Gründe seien vor allem die
Winterpause in einigen Branchen und die geschrumpften Fort- und
Weiterbildungsprogramme der BA, berichtete die Bundesbehörde in
Nürnberg.
Offiziell registrierte die BA im Januar 4 597 400 Arbeitslose - 282 300
mehr als im Dezember. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Zahl
wegen einer Umstellung der Statistik um 26 400 zurück - das erste
Mal seit zweieinhalb Jahren. Bereinigt um diese statistischen
Neuerungen waren im Januar sogar 4 677 400 Männer und Frauen ohne
Job - 368 600 mehr als im Dezember. In den vergangenen sechs Jahren
hatte der Anstieg im Schnitt nur bei 300 000 gelegen. Im Vergleich zum
Jahresbeginn 2003 nahm die Erwerbslosenzahl um 24 800 zu.
Seit Jahresbeginn werden Teilnehmer von beruflichen
Trainingsmaßnahmen - wie bislang schon bei ABM-Maßnahmen
und Weiterbildungskursen - nicht mehr als arbeitslos gezählt. Die
Neuregelung ist Teil der Hartz-Reform.
Der kommissarische BA-Chef Frank-Jürgen Weise, der nach der
Entlassung von Florian Gerster die Arbeitsmarktdaten bekannt gab,
zeigte sich dennoch optimistisch. «Die Arbeitslosenzahlen sind
viel niedriger als manche Fachleute noch vor einigen Monaten für
den Januar prognostiziert haben», sagte der Finanzvorstand.
Nach den jüngsten Zahlen rechnet auch BA-Vorstandsmitglied
Heinrich Alt für diesen Winter bei der Arbeitslosenzahl nicht mehr
mit einem Überschreiten der Fünf-Millionen-Marke.
«Davon sind wir im Moment weit entfernt». Positiv sei auch
der Rückgang der Kurzarbeit. Dies zeige, dass die Firmen ihre
Produktion wieder anfahren würden, sagte der BA-Vertreter.
Auch die Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen weise darauf hin,
dass der Beschäftigungsabbau allmählich zum Ende komme.
Saisonbereinigt sei die Erwerbstätigkeit im November 2003 - dem
statistischen Spiegelbild der Arbeitslosenzahlen - saisonbereinigt nur
noch um 4000 gesunken. Unbereinigt belief sich die Zahl der
Erwerbstätigen auf 38,61; das seien 236 000 weniger als vor einem
Jahr.
Insgesamt sei die Entwicklung im Januar aber
«ungünstig» verlaufen, räumten Alt und Weise ein.
Sie führen dies unter anderem auf das umstrittene
Zurückfahren der Weiterbildungsprogramme zurück. Die Zahl der
Teilnehmer solcher Kurse sei im Vergleich zum Januar 2003 um rund 90
000 gesunken.
Auch habe die Winterpause in vielen Außenberufen die Zahl der
Erwerbslosen im Januar ansteigen lassen. Fast die Hälfte der im
Januar neu hinzugekommen Arbeitslosen seien etwa auf dem Bau, in der
Landwirtschaft oder in Gärtnereien beschäftigt gewesen.
Darüber hinaus steige die Arbeitslosigkeit traditionell im Januar
wegen des Kündigungstermins zum Jahresende.
Ein Abbild der sich verschlechternden Lage auf dem Arbeitsmarkt im
Januar ist auch die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen. Diese stieg
auf vergleichbarer Basis im Januar erstmals seit Mai 2003 wieder an -
und zwar um 28 000. Auf der Grundlage der seit Jahresanfang geltenden
Statistikverfahren war sie hingegen um 81 000 gesunken. Die
Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 11,0 Prozent. Nach dem bis
Ende 2003 geltenden Statistikverfahren läge die Arbeitslosenquote
bei 11,2 Prozent.
In Westdeutschland stieg die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung
im Januar um 176 900 auf 2 927 200. Das waren 28 600 mehr als zu Beginn
des vergangenen Jahres. In Ostdeutschland wurden im Januar 1 670 200
Erwerbslose gezählt. Das waren 105 400 mehr als im Dezember 2003,
aber 55 000 weniger als vor einem Jahr.
Unterschiedlich bewerteten unterdessen Regierung und Opposition die
neusten Arbeitsmarktdaten. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement
(SPD) sprach von einer Besserung auf dem Arbeitsmarkt und machte
dafür die Reformpolitik der Regierung verantwortlich. Daneben
zeigten auch die Anstrengungen für mehr Ausbildungsplätze und
zusätzliche Fördermöglichkeiten für junge Menschen
Wirkung. Auch der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner sah eine
«Fortsetzung des positiven Trends».
Die Opposition warf dagegen der Regierung Manipulation vor. CDU-
Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann forderte ein sofortiges Ende der
«billigen Statistiktricks». Nach den Worten des
CSU-Politikers Peter Ramsauer hat die Regierung damit die Marke von
fünf Millionen Arbeitslosen verhindert. FDP-Vize Rainer
Brüderle sagte, «mit hilflosen Zahlentricksereien bekommt
die Bundesregierung die Arbeitslosen vielleicht aus der Statistik, von
der Straße holt man sie auf diese Weise nicht». Der
Deutsche Gewerkschaftbund (DGB) sah am Arbeitsmarkt «Bewegung am
ohne Fortschritte», begünstigt durch die
Statistik-Änderung.
(Quelle: dpa)
Tarifgespräche ohne Ergebnis - Weiter Warnstreiks der IG Metall
Fr.06.02.04 - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie sind die
Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg am Donnerstag ohne
Ergebnis vertagt worden. Als neuer Termin wurde der 11. Februar
vereinbart. An den erneuten Warnstreiks in ganz Deutschland beteiligten
sich nach Angaben der Gewerkschaft am Donnerstag rund 90.000 Metaller.
"Wir kauen nach wie vor an unseren Problemen", sagte der
Arbeitgeber-Verhandlungsführer Otmar Zwiebelhofer nach der
fünften Tarifrunde am Donnerstagabend in Böblingen. Der
IG-Metall-Bezirksvorsitzende Jörg Hofmann erklärte, die
Gewerkschaft habe erwartet, dass sich die Arbeitgeber hin zu einer
Verhandlungslösung bewegen. "Diese Erwartungen wurden
enttäuscht - sowohl bei der Frage des Lohns als auch bei der
Struktur." Weiterverhandelt werden solle nun am 11. Februar. Für
den 12. Februar sei bereits die Große Tarifkommission der
Gewerkschaft einberufen worden. Diese könnte dann über die
Einleitung einer Urabstimmung für einen Streik entscheiden.
Die Warnstreiks sollen in den kommenden Tagen ausgeweitet werden. Damit
sollen die Forderungen der Gewerkschaft für die rund 3,4 Millionen
Beschäftigten der Branche unterstützt werden.
Die Tarifpartner hätten sich am Donnerstag nur mit der Ausweitung
der Arbeitszeit auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich befasst, sagte
Zwiebelhofer. "Wir haben noch nicht über Geld gesprochen. (...)
Trotzdem müssen wir versuchen, am Verhandlungstisch eine
Lösung zu finden und nicht auf der Straße."
Der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte zuvor
erklärt, bis Ende Februar müsse es Klarheit geben. "Entweder
wir haben bis dahin einen Tarifabschluss, oder wir müssen
tatsächlich einen Arbeitskampf vorbereiten", sagte er der
"Berliner Zeitung".
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bietet eine zweistufige
Lohnerhöhung um je 1,2 Prozent, knüpft dies aber an
Öffnungsklauseln, die auch unbezahlte Mehrarbeit von bis zu
fünf Stunden je Woche ohne die Mitsprache der Gewerkschaft
erlaubt. Die IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten rundweg ab, hat
aber Gespräche zur Flexibilisierung der Arbeitszeit angeboten. Sie
will zudem vier Prozent mehr Lohn durchsetzen. Für die IG Metall
geht es es auch darum, nach den im Sommer 2003 gescheiterten Streiks in
Ostdeutschland ihre Kampfkraft zu beweisen.
Seit dem Ablauf der Friedenspflicht vor einer Woche haben sich nach
Angaben der Gewerkschaft rund 260.000 Metaller an den zumeist kurzen
Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen während der Arbeitszeit
beteiligt. Am Freitag sollen die Warnstreiks massiv ausgeweitet werden.
Die Gewerkschaft will dann vor allem mittelständische Firmen
treffen. Der Druck werde täglich erhöht. "Die Arbeitgeber
testen jetzt, ob wir angezählt sind oder ob wir kämpfen
können", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bei einer
Kundgebung in Ingolstadt.
(Quelle: rtr)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Freispruch für Mzoudi im Hamburger Terrorprozess
Fr.06.02.04 - Im zweiten deutschen Prozess um die Anschläge vom 11. September
2001 ist der als Terrorhelfer angeklagte Marokkaner Abdelghani Mzoudi
aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.
Mzoudi werde nicht freigesprochen, weil das Gericht von der Unschuld
des 31jährigen überzeugt sei, sagte der Vorsitzende Richter
des Hamburger Obelandesgerichts, Klaus Rühle, bei der
Urteilsverkündung am Donnerstag. Es könne sehr wohl sein,
dass er von der Vorbereitung der Anschläge gewusst habe, bei denen
mehr als 3000 Menschen starben. Es sei aber nicht nachzuweisen, dass er
die Anschläge mit vorbereitet habe. Die Beweise reichten für
eine Verurteilung nicht aus. Indirekte Kritik äußerte
Rühle an den USA, die wichtige Zeugen-Vernehmungen verhindert
hätten.
Generalbundesanwalt Kay Nehm zeigte sich zuversichtlich, dass das
Urteil in einer Revision vor dem Bundesgerichtshof keinen Bestand haben
werde. Nehm will die von der Hamburger Innenbehörde geforderte
Ausweisung Mzoudis verhindern, um weiter strafrechtlich gegen den
Marokkaner vorzugehen.
Mzoudi war bereits Mitte Dezember aus der Untersuchungshaft frei
gekommen, weil das Gericht nach einer Zeugenaussage keinen dringenden
Tatverdacht mehr gesehen hatte. Bis zuletzt hatten Bundesanwaltschaft
und Nebenklage durch die Benennung eines weiteren Zeugen und den
Antrag, ein erneutes Rechtshilfeersuchen an die USA zu richten, einen
Freispruch zu verhindern versucht.
"Das Gericht hat sich die Aufgabe nicht leicht gemacht", sagte
Rühle. "Wir sind an die Grenzen der Wahrheitsfindung
gestoßen." Wichtige Zeugen aus den USA hätten auf Grund von
Restriktionen durch US-Behörden nicht gehört werden
können. "Wir haben im Zweifel für den Angeklagten
entschieden." Eine Verurteilung nur aus Gründen der Sühne
für die Toten vom 11. September könne es in einem Rechtsstaat
nicht geben.
An die Angehörigen der über 3000 Opfer der Anschläge auf
das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in
Washington gerichtet, sagte Rühle, der Freispruch werde von ihnen
womöglich mit Unverständnis oder gar mit Wut aufgenommen. Von
einigen werde das Urteil womöglich auch als Niederlage im Kampf
gegen den Terrorismus gewertet. Niemand habe aber die Bilder der
einstürzenden Hochhäuser vergessen. An Mzoudi gewandt sagte
er: "Sie sind freigesprochen worden. Das mag für Sie Anlass zur
Erleichterung sein, aber nicht zum Jubel."
Rühle äußerte Zweifel an der Darstellung der Anklage,
die Mzoudi Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe sowie
Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen vorwirft. Nach
Darstellung der Bundesanwaltschaft soll Mzoudi - wie sein bereits im
Februar 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilter Landsmann Mounir El
Motassadeq - als Mitglied der Hamburger Gruppe um den
Flugzeugentführer Mohammed Atta von der Planung der Anschläge
gewusst und die Vorbereitung unterstützt haben.
Für eine solche Unterstützung gebe es über Hinweise wie
die Zahlung von Semesterbeiträgen für einzelne
Gruppenmitglieder oder die Bereitstellung seiner Postanschrift hinaus
keine belastbaren Beweise, sagte Rühle. "Der Angeklagte ist in
dieser Gruppe eine Randfigur, ein Mitläufer. Die Hauptverhandlung
hat nicht ergeben, dass Mzoudi in die Anschlagspläne eingeweiht
oder sonstwie davon erfahren hat." In der Gruppe um Atta habe es zwar
eine verbale politische und religiöse Radikalisierung gegeben und
Gruppenmitglieder hätten Hass auf die USA, die Juden und auf
Israel gepredigt. Es sei aber noch keine Vereinigung mit dem Ziel
gewesen, Mordanschläge zu verüben.
Die Anschläge seien in Afghanistan und nicht wie von der Anklage
dargestellt in Hamburg geplant worden, sagte Rühle. "Atta und
seine Konsorten sind als Gemeinschaft gar nicht in der Lage, einen
Anschlag dieses schrecklichen Ausmaßes durchzuführen." Dazu
hätte es der Vorarbeit des Netzwerkes El Kaida des
Moslem-Extremisten Osama bin Laden bedurft. Auch ein dreimonatiger
Aufenthalt Mzoudis in deren afghanischen Ausbildungslager sei noch kein
Beleg für dessen Verwicklung in die Anschläge. "Dorthin
fuhren viele Moslems", sagte Rühle.
Bundesanwalt Walter Hemberger sagte nach dem Freispruch, das Gericht
habe entlastende Aussagen überinterpretiert. "Das, was das Gericht
in seiner Urteilsbegründung vorgetragen hat, vermag uns nicht zu
überzeugen. Wir werden deshalb gegen dieses Urteil Revision
einlegen." Bereits das erste Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts,
die Verurteilung Motassadeqs, befindet sich in Verhandlung vor dem
Bundesgerichtshof. Eine Entscheidung hat der BGH in Karlsruhe für
Anfang März angekündigt.
Hamburgs Innensenator Dirk Nockemann (Partei Rechtstaatlicher
Offensive) erneuerte seine Forderung, Mzoudi abzuschieben. Er halte
diesen nach wie vor für gefährlich. Nehm sagte indes, er habe
Verständnis für die Sicherheitsinteressen des Hamburger
Senats. Die Bundesanwaltschaft habe aber weiter ein Interesse an der
Strafverfolgung des Marokkaners.
(Quelle: rtr)
Atomindustrie bestreitet besondere Terrorgefahr
Fr.06.02.04 - Die Atomindustrie sieht keine besondere Gefährdung der 18
deutschen Reaktoren durch terroristische Angriffe aus der Luft.
«Ich halte die Diskussion wirklich für an den Haaren herbei
gezogen», sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Gert
Maichel, am Donnerstag in Berlin. Er räumte aber ein, dass es
«für keine Anlage eine Null-Risiko-Situation» gebe und
dass an einem besseren Schutz gearbeitet werde.
Maichel bezog sich damit auf ein Aufsehen erregendes Gutachten der
Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) im Auftrag von
Umweltminister Jürgen Trittin, wonach Terroristen mit einem
gezielten Anschlag aus der Luft nach Art des 11. September 2001 an
jedem der deutschen Reaktoren eine Strahlenkatastrophe auslösen
könnte. Als besonders gefährdet gelten demnach drei
ältere Atomkraftwerke.
Selbst die älteste deutsche Atomanlage habe einen besseren
Grundschutz als beispielsweise Chemieanlagen, die ebenfalls
gefährdet seien, sagte Maichel. Die Wahrscheinlichkeit, ein
Atomkraftwerk aus der Luft zu treffen, sei sehr gering. Dennoch habe
die Industrie vorgeschlagen, Atomanlagen im Gefahrenfall blitzartig zu
vernebeln, um «das Restrisiko zu minimieren».
Das Konzept wird seit geraumer Zeit vom Bundesumweltministerium
geprüft. Dazu ist Maichel zufolge eine GRS-Studie in Arbeit, deren
Ergebnisse aber noch nicht bekannt seien.
Maichel attackierte Trittin wegen seiner Endlagerpolitik. Trittin will
nach Angaben seines Ministeriums noch in diesem Jahr eine Änderung
des Atomrechts als Grundlage eines neuen Verfahrens zur Endlagersuche
vorschlagen.
Für eine erneute bundesweite Suche nach einem Endlagerstandort
werde die Industrie kein Geld geben, betonte Maichel. Vielmehr solle
das Erkundungsmoratorium für den Salzstock Gorleben aufgehoben und
dort ab 2005 weiter geforscht werden. Auch solle der bereits genehmigte
Standort Schacht Konrad wie ursprünglich vorgesehen zur Lagerung
von schwach- und mittelradioaktiven Abfälle genutzt werden.
Trittin will stattdessen ein einziges Endlager für alle Arten
radioaktiver Abfälle.
Maichel bekannte sich zwar zu dem mit der Bundesregierung
ausgehandelten Atomausstieg, nannte ihn aber erneut falsch. Deutsche
Reaktoren hätten 2003 165,1 Milliarden Kilowattstunden Strom
produziert. Europa- und weltweit habe die Atomkraft eine große
Zukunft.
Umweltschützer von Robin Wood protestierten anlässlich der
Tagung des Atomforums gegen die Nutzung der Kernkraft. Der Energiemix
in Europa müsse ohne Atomstrom auskommen. Auch der Bundesverband
Erneuerbare Energien bestritt Maichels Aussage, dass der Atomausstieg
Schaden für Wirtschaft und Umwelt bedeute. Gerade Atomkraftwerke
hätten durch die Einleitung warmen Kühlwassers die
Ökologie vieler Flüsse geschädigt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
BUND veröffentlicht Gutachten über Terrorgefahren bei
Atomkraftwerken
Mi.04.02.04 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine
Kurzfassung des bislang unveröffentlichten Gutachtens zu den
Terrorgefahren für deutsche Atomkraftwerke ins Internet gestellt.
Die Umweltorganisation will nach eigenen Angaben vom Dienstag die
Öffentlichkeit über die Risiken des Weiterbetriebs der
Reaktoren aufklären.
Ein gezielter Flugzeugabsturz auf ein Atomkraftwerk in Deutschland kann
nach Ansicht der Umweltschutzorganisation BUND eine Katastrophe
auslösen, die den Reaktorunfall von Tschernobyl weit
übertrifft... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#04020424
Die Kurzfassung des GRS-Gutachtens ist als PDF-Datei abrufbar unter:
http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/grs_gutachten.pdf
Emissionshandel: Stahlindustrie stellt Bedingungen
Fr.06.02.04 - Die Stahlbranche hat ihre weitere Teilnahme an den Verhandlungen
über die Gestaltung des Emissionshandels an Bedingungen
geknüpft.
Der Zuteilungsplan für Verschmutzungsrechte dürfe nicht zu
einer Verschiebung im Strommix von Kohle zu emissionsärmerem
Erdgas führen, sagte Stahl-Verbandspräsident Dieter Ameling
am Donnerstag in Düsseldorf. Außerdem sollten die
Unternehmen in der ersten Phase des europäischen Emissionshandels
angesichts des jetzt schon fast erreichten deutschen Klimaschutzziels
nicht mit konkreten Reduktionszielen belastet werden. Erst wenn diese
beiden Bedingungen erfüllt seien, mache es für die Energie
intensiven Branchen Sinn, weiterzuverhandeln, sagte Ameling.
Vor einer Woche hatte Umweltstaatssekretär Rainer Baake den
Entwurf eines Plans vorgestellt, der nicht mit dem für
Energiefragen zuständigen Wirtschaftsministerium abgestimmt war.
Daraufhin war die Verhandlungsrunde aus Politik und Wirtschaft, die
seit Wochen um den nationalen Zuteilungsplan für
Verschmutzungsrechte ringt, auseinandergebrochen. Ein weiteres Treffen
war ursprünglich für den 12. Februar angesetzt gewesen.
Der Entwurf aus dem Haus von Umweltminister Jürgen Trittin
(Grüne) sieht vor, dass die rund 2600 in den Emissionshandel
eingebundenen Anlagen ihren Kohlendioxyd-Ausstoß (CO2) von 2005
bis 2007 um durchschnittlich 7,5 Prozent senken. Dem hält der
Hauptgeschäftsführer des Vereins deutscher Zementwerke,
Martin Schneider, entgegen, Deutschland brauchte in dieser ersten Phase
gar nicht zu reduzieren, weil das deutsche Klimaschutzziel bereits
heute fast erreicht sei. Deutschland will seinen CO2-Ausstoß bis
2012 gegenüber 1990 um 21 Prozent reduzieren und hat bislang etwa
19 Prozent Minderung geschafft. Neben der Zement- und Stahlindustrie
gehören unter anderen auch die Glas-, Kalk und Papierindustrie zu
den Energie intensiven Branchen.
Die Hoffnung der Industrie ruht auf Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD). "Das Kanzleramt ist mit der Koordination (der Vorbereitung des
Emissionshandels) sehr wohl beschäftigt", sagte Ameling.
Schröder hatte erklärt, durch den Emissionshandel solle die
Industrie nicht weiter belastet werden. Nordrhein-Westfalens
Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) erklärte, die
NRW-Landesregierung werde sich bei der Bundesregierung massiv für
eine Lösung einsetzen, die die Wettbewerbsfähigkeit der
Industrie nicht beeinträchtige und langfristige
Investitionsentscheidungen ermögliche.
In der Stahlindustrie werden zur Herstellung von einer Tonne Stahl 1,5
Tonnen CO2 ausgestoßen. Je Tonne Zement werden etwa 0,7 Tonnen
CO2 frei gesetzt. Eine Verringerung der Verschmutzung sei nur noch
über eine Rückführung der Produktion möglich, da
alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerungen ausgeschöpft
seien, sagten die Verbandsvertreter.
Der Europäische Emissisonshandel soll 2005 als Anreizsystem zum
Einsparen von CO2 eingeführt werden. Emittiert ein Unternehmen
weniger CO2 als es Verschmutzungsrechte hat, kann es die
Überschüssigen verkaufen. Stößt es mehr CO2 aus,
muss es zusätzliche Zertifikate zukaufen.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
E.ON Energie attackiert Emissionsrechte-Plan
Di.03.02.04 - Im Streit um den Handel von Emissionsrechten beim
Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) hat der Energieversorger E.ON vor
einer Umsetzung der vom Bundesumweltministerium erarbeiteten Pläne
gewarnt. Zugleich sprach sich E.ON Energie-Chef Johannes Teyssen
dafür aus, beim vorläufigen Scheitern einer Einigung
über den von der EU gesetzten Termin am 31. März zu
verhandeln... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402030.htm#04020321
Umweltministerium fordert deutliche Kohlendioxid-Reduktion
Ressortentwurf für den Allokationsplan: Rund 2600 in den Emissionshandel eingebundene Produktionsanlagen
sollen ihren Kohlendioxid-Ausstoß um durchschnittlich 7,5 Prozent senken +++ BDI
weist den Entwurf als wachstumshemmend zurück... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#04013116
Industrie angeblich vor Verhandlungs-Ausstieg bei Emissionen
So.01.02.04 - Die Industrieunternehmen wollen einem Medienbericht zufolge aus den
Verhandlungen mit der Bundesregierung um die Zuteilung von
Verschmutzungsrechten (Emissionshandel) aussteigen.
Grund sei weniger die harte Haltung von Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne), sondern die Unvereinbarkeit der
Interessen innerhalb der Wirtschaft, berichtete das Magazin "Der
Spiegel" am Samstag vorab... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402010.htm#04020115
Ab 2005 schreibt die EU den Emissionshandel vor....
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/03/a0199.nf/text
Aventis verkauft Anteile - rüstet sich gegen Übernahme
Großaktionär möglicherweise vor Ausstieg bei Aventis
Fr.06.02.04 - Aventis stellt ein durchschnittliches Umsatzwachstum von zehn bis elf
Prozent in Aussicht. Die Aventis-Aktie stieg am Donnerstag bis 15.20
Uhr um 0,97 Prozent auf 62,75 Euro.
Im vergangenen Jahr sei der Überschuss um 17,5 Prozent auf 2,44
Milliarden Euro gestiegen, teilte Aventis am Donnerstag in
Straßburg und London mit. Der Gewinn je Aktie sei um 18,6 Prozent
in die Höhe geschossen. Mit der Ankündigung 2004 vier neue
Produkte in den Markt einzuführen, versuchte Konzernchef Igor
Landau die Investoren von Aventis Strategie zu überzeugen. Zudem
will sich der Konzern von älteren, wachstumsschwachen Arzneien im
Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz trennen.
"Diese Zahlen belegten, dass Sanofis Offerte von 47 Milliarden Euro
'Aventis fundamental unterbewertet', sagte Konzernchef Landau. "Das
feindliche Übernahmeangebot ist lediglich ein Versuch von Sanofi,
die eigenen Risiken auf Aventis zu übertragen. Sanofi braucht uns,
aber wir brauchen sie nicht", unterstrich Landau. Eine Fusion mit
Sanofi wäre ein deutlicher Schritt rückwärts, sagte der
Konzernchef. Ein Zusammenschluss mit einem nicht mindestens
gleichgroßen Partner ergebe für Aventis keinen Sinn . Der
Konzernchef hatte unlängst die Sanofi-Offerte als lächerlich
niedrig bezeichnet und gesagt, erst ab einer Aufstockung von 40 bis 50
Prozent werde die Offerte interessant.
Sanofi will am 16. Februar die Vorlage seiner Geschäftszahlen
nutzen, um für die Übernahme von Aventis zu werben.
Grünes Licht von der Börsenaufsicht hat Sanofi bereits
erhalten. Bei einer Übernahme würde Sanofi weltweit der
drittgrößte Pharmakonzern. Dies würde nach
Gewerkschaftsangaben 12.000 der mehr als 100.000 Arbeitsplätze
kosten. Aventis alleine hatte 2003 rund 69.000 Mitarbeiter.
Aventis kündigte an, die verbliebenen "nicht strategischen
Produkte" für 1,5 Milliarden Euro zu verkaufen. Die Einnahmen
sollen zur Finanzierung des Rückkaufs eigener Aktien im Wert von 2
bis 3 Milliarden Euro beitragen, mit dem Aventis die Hürde
für eine Übernahme höher legen will. Bereits 2003 hatte
Aventis Aktien für 718 Millionen Euro zurückgekauft.
Dafür hatte der 1999 aus der Hoechst AG und Rhône-Poulenc
gebildete Konzern auch eine Erhöhung der Verschuldung um 508
Millionen auf 3,96 Milliarden Euro in Kauf genommen. Aventis hält
jetzt 2,8 Prozent am eigenen Stammkapital.
Für 2004 erwartet Aventis einen währungsbereinigten
Umsatzzuwachs von 6 bis 7 Prozent. In den drei Folgejahren soll das
Geschäft währungsbereinigt um 10 bis 11 Prozent expandieren.
Insgesamt seien 94 Wirkstoffe und Impfstoffe in der Entwicklung,
hieß es.
Der Großaktionär Kuwait Petroleum Corporation (KPC) des
französisch-deutschen Pharmakonzerns Aventis bereitet nach
Zeitungsinformationen möglicherweise einen Ausstieg aus dem
Unternehmen vor.
Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete am Donnerstag vorab, KPC habe
das schweizerische Bankhaus UBS sowie den US-Konzern Citigroup
engagiert, die es beraten und möglicherweise den Ausstieg bei
Aventis vorbereiten sollen. In der kommenden Woche solle es erste
Gespräche mit Sanofi-Synthelabo-Chef Jean-Fancois Dehecq geben. In
Londoner Finanzkreisen werde der Auftrag an die Bankhäuser
bestätigt, hieß es.
Mit einem Anteil von 13,5 Prozent (zum Jahresende 2002) ist KPC, das
sich im Besitz der kuwaitischen Herrscherfamilie befindet, der
größte Einzelaktionär bei Aventis. Die Kuwaitis waren
schon Aktionäre der früheren Hoechst AG, als diese sich 1999
mit der französischen Rhone-Poulenc zu Aventis zusammengeschlossen
hatte. In der vergangenen Woche hatte der Aventis-Aufsichtsrat, bei dem
nach Angaben des Straßburger Pharmakonzerns auch ein Vertreter
von KPC anwesend war, das Sanofi-Angebot einstimmig abgelehnt. Aus mit
der Situation vertrauten Kreisen hatte die Nachrichtenagentur Reuters
zu dem Zeitpunkt erfahren, dass KPC das Angebot als zu niedrig
verworfen habe.
(Quellen: dpa, rtr)
Blick ins Archiv:
Opfer der eigenen Strategie
... Es gehört zur Ironie der Pharma-Geschichte, dass mit Aventis
jetzt ein Unternehmen gefressen werden könnte, das sich selbst
eine Reihe von Übernahmen und Fusionen zugemutet hat, um genau
diesem Schicksal zu entgehen...(sz vom 27.01.04) Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_d
Clement sieht Aventis-Standort in Frankfurt nicht gefährdet
Mi.04.02.04 - Der Wirtschaftsminister geht davon aus, dass die Arbeitsplätze
in Frankfurt bei einer Übernahme des französisch-deutschen
Pharmakonzerns Aventis durch den Konkurrenten Sanofi-Synthelabo
erhalten bleiben. Die beteiligten Unternehmen hätten ihm das
glaubwürdig versichert +++ Wachsender Widerstand bei Management
und Mitarbeitern von Aventis gegen Übernahme durch Sanofi +++
Aventis-Führung fordert die Politik auf, sich aus dem Übernahmekampf
herauszuhalten +++ Aventis-Vorstand wusste angeblich von Sanofi-Plänen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#04020412
Abwehrkampf gegen feindliche Übernahme
Di.03.02.04 - Aventis benennt Weiße Ritter. Der deutsch-französische
Pharmakonzern Aventis kann sich im
Abwehrkampf gegen eine unerwünschte Übernahme durch den
französischen Konkurrenten Sanofi-Synthelabo vier europäische
und US-Konzerne als möglichen Fusionspartner vorstellen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402030.htm#04020317
Aventis-Aufsichtsrat lehnt Übernahmeangebot von Sanofi ab
Do.29.01.04 - Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis
hat das 48 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot des
französischen Konkurrenten Sanofi einstimmig abgelehnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012912
Sichwort: Feindliche Übernahme
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128_e
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