Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA schließen Verschiebung der Machtübergabe im Irak nicht
aus +++ US-Verteidigungsminister Rumsfeld fordert größeres
NATO-Engagement im Irak +++ Außenminister der USA und Frankreichs
um Neuanfang bemüht +++ Bush benennt Irak-Kommission -
US-Demokraten: Untersuchungskommission zu Irak parteiisch +++ Powell
will sich nicht für Behauptung irakischer Waffen entschuldigen +++
Spanien plant keine Untersuchung zu Irak-Berichten +++ Irakischer
Finanzminister drängt zur Zahlung internationaler Hilfen
Sa.07.02.04 - Die US-Regierung bereitet sich angeblich auf eine spätere
Machtübergabe im Irak vor. Das jedenfalls haben Recherchen der
"Washington Post" ergeben. Demnach arbeitet die US- Regierung bereits an
neuen Plänen. Darunter seien Vorschläge, die
Machtübergabe auf den Anfang 2005 zu verschieben. Es werde auch
diskutiert, die Souveränität Ende Juni zu übergeben, dann
jedoch ohne vorher eine Übergangsregierung zu bestimmen.
In diesem Fall solle nach den Vorschlägen der derzeitige
Regierungsrat ausgebaut werden und bis zu freien Wahlen die
Regierungsgeschäfte führen. Hintergrund ist der Widerstand des
einflussreichen Schiitenführers Großayatollah Ali Sistani
gegen die bisherigen US-Pläne. Sistani wehrt sich dagegen, dass die
Übergangsregierung indirekt von regionalen Versammlungen
gewählt werden soll. Er besteht auf Direktwahlen.
Bislang ist geplant, Ende Juni einer neuen Regierung die Macht zu
übergeben.
Wahlexperten der Vereinten Nationen sollen im Irak prüfen, wann im
Irak freie Wahlen möglich sind. "Wir halten am 30. Juni fest. Aber
wir können nicht ausschließen, dass (die UN-Delegation) zu
anderen Ergebnissen darüber kommt, was bis zum 30. Juni oder einen
anderen Datum geschafft werden kann", zitiert die "Washington Post"
einen amerikanischen Regierungsbeamten.
Ein Sprecher Sistanis dementierte am Freitag Meldungen, wonach in
Nadschaf ein Anaschlag auf den Großajatollah verübt worden
sein soll. "Es hat keinen Attentatsversuch auf Sistani gegeben", sagte
der Repräsentant des Geistlichen in Beirut, Hamid Chaffaf, in einem
Interview des arabischen Nachrichtensenders El Dschasira. Zwar seien in
den letzten zwei Wochen die Sicherheitsvorkehrungen um Sistanis Haus in
Nadschaf verstärkt worden. "Aber Berichte, dass Sistani angegriffen
worden sei, weise ich aufs Entschiedenste zurück"» Sistanis
Glaubensgemeinschaft stellt die Bevölkerungsmehrheit im Irak.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat derweil die
NATO-Verbündeten zu größerem Engagement im Irak
aufgefordert. Nach Ansicht der US-Regierung soll die NATO sowohl in
Afghanistan als auch im Irak eine größere Rolle spielen. Das
sagte Rumsfeld nach einem informellen Treffen der
NATO-Verteidigungsminister in München. Einige NATO-Mitglieder
hätten eine Übernahme des polnisch-spanischen Sektors durch
die NATO angeregt. "Wann das geschieht, müssen wir sehen", sagte
Rumsfeld
Die Außenminister der USA und Frankreichs, Colin Powell und
Dominique de Villepin, haben sich bei einem Treffen in New York darum
bemüht, ihr Zerwürfnis im Irak-Konflikt zu überwinden.
Hintergrund der Annäherung ist das Interesse der USA, Frankreich
und weitere NATO-Staaten für die Entsendung von Truppen nach Irak
zu gewinnen.
"Meinungsverschiedenheiten kommen und gehen", sagte Powell vor einem
gemeinsamen Essen am Freitag. Er denke, dass es bei der Hilfe für
die irakische Bevölkerung eine übereinstimmende Auffassung
gebe. De Villepin sagte auf einer Pressekonferenz, die NATO leiste
technischen Beistand in Irak. "Sonst ist gegenwärtig nichts auf der
Tagesordnung."
US-Präsident George W. Bush hat am Freitag eine
überparteiliche Kommission eingesetzt, die Geheimdienstpannen vor
dem Irakkrieg untersuchen soll. Bush hatte sich auf Informatioen
berufen, wonach Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt
haben soll, und diese Bedrohung in den Mittelpunkt seiner Rechtfertigung
zur Invasion in Irak gestellt. Bisher wurden aber keine Belege für
die Existenz solcher Waffen gefunden. Die Kommission soll sich auch mit
Geheimdienstinformationen zu Iran, Nordkorea und zu Terrororganisationen
befassen. Zum Vorsitzenden der Kommission ernannte der Präsident
den früheren demokratischen Senator Chuck Robb. Zwei Ernennungen
stehen noch aus. Die Kommission hat nach Medienberichten 18 Monaten Zeit
für ihre Untersuchung. Damit liegt das Ergebnis erst lange nach
der Präsidentschaftswahl im November vor.
Die Berufung der Irak-Kommission ist in Washington auf Kritik
gestoßen. Allein die Tatsache, dass die Mitglieder der Kommission
ausschließlich von US-Präsident George W. Bush ernannt worden
seien, stärke nicht gerade das Vertrauen in ihre
Unabhängigkeit, sagte am Freitag die Fraktionschefin der Demokraten
im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Außerdem forderte die
Oppositionspartei, dass die Kommission ihre Ergebnisse bereits vor der
Präsidentenwahl im November vorlegen sollte.
US-Außenminister Colin Powell will sich nicht für seine
bislang nicht durch Waffenfunde belegten Behauptungen zu Iraks
Massenvernichtungsarsenal entschuldigen. "Ich glaube nicht, dass eine
Entschuldigung notwendig ist", sagte Powell am Freitag am Sitz der
Vereinten Nationen in New York. Die Annahme von Waffenprogrammen sei
"das beste Urteil" gewesen, "das wir damals über die
Aktivitäten Saddam Hussein fällen konnten". Den USA habe eine
"solide" Sammlung von Hinweisen und Informationen zur Verfügung
gestanden, die von Fachleuten und "weiteren Quellen" zusammengetragen
worden seien.
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
Bush- und Blair-Zitate zur Begründung des
Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Anders als die USA und Großbritannien sieht Spanien keine
Notwendigkeit für eine Untersuchung zu den offenkundig falschen
Informationen über das irakische Waffenpotenzial. Spanien habe den
Krieg wegen der "internationalen Überzeugung" unterstützt,
dass der irakische Staatschef Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen
besitze und eine Gefahr für die globale Sicherheit darstelle, sagte
Regierungssprecher Eduardo Zaplana am Freitag. "Die spanische Regierung
hat ihre Entscheidung zu keinem Zeitpunkt auf Berichte unserer
Geheimdienste gestützt", betonte Zaplana. Daher sehe sie keine
Notwendigkeit für eine Untersuchung.
Der irakische Finanzminister Kamel el Kilani hat beim
G-7-Finanzminister-Treffen in Boca Raton internationale Geber zur
Auszahlung zugesagter Finanzhilfen für sein Land gedrängt. Bei
einer Pressekonferenz am Freitag sagte Kilani, bei der Geberkonferenz
für Irak in Madrid im Herbst vergangenen Jahres hätten die
Geberländer großzügige Zusagen gemacht. Vor allem die
US-Regierung habe 18,6 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau
versprochen. Jetzt rufe er dringend andere Geber auf, die
Ausschüttung versprochener Hilfen und Kredite zu veranlassen. Die
internationale Hilfe sei dringend notwendig, um die größte
Not zu lindern und die irakische Wirtschaft zu reformieren, betonte
Kilani.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Bei Sicherheitskonferenz in München Straßenblockade - Mehr
als 170 Demonstranten von Polizei festgesetzt
Sa.07.02.04 - Mehrere hundert Kriegsgegner haben am Freitag in München gegen die
40. Sicherheitskonferenz demonstriert. Die Polizei nahm bis zum Abend
28 Demonstranten fest, unter anderem wegen Waffenbesitz, Verdacht auf
gefährliche Körperverletzung, Beleidigung oder Widerstand
gegen Beamte. Weitere 147 weitere Demonstranten wurden
vorübergehend in Gewahrsam genommen. Sie hätten versucht, die
Straße zu blockieren, andere hätten Widerstand geleistet
oder sich vermummt, sagte ein Sprecher, der die Atmosphäre "sehr
aggressiv" nannte.
Verletzte gab es jedoch keine, lediglich zwei Beamte wurde mit
Pfefferspray besprüht. Die Polizisten drängten die
Demonstranten an mehreren Stellen von den Fahrbahnen; dabei setzten sie
auch Pfefferspray ein. Die Konferenzgegner hatten am Nachmittag zum
Protest eine Menschenkette rund um das Tagungshotel in der Innenstadt
gebildet, die jedoch mangels Teilnehmer lückenhaft blieb. Nach
Angaben der Veranstalter beteiligten sich daran mehr als 1.000
Menschen, laut Polizei waren es 500.
Der Polizeisprecher erklärte weiter, an der Taktik der Polizei
für den (heutigen) Samstag ändere sich nichts. Dabei werden
mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Seitens der Veranstalter wurde das
massive Vorgehen der Polizei bedauert.
Die Polizei hatte bereits am Freitagmorgen die Umgebung des
Tagungshotels "Bayerischer Hof" abgeriegelt. Anders als bei
früheren Konferenzen durften diesmal Passanten ohne Sonderausweis
nicht einmal in die Nähe des Hotels. Am Nachmittag gab es
kurzzeitig Aufregung um einen Schuss, der sich aus der Waffe eines
französischen Personenschützers in dem Hotel gelöst
hatte. Vier Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch
herumfliegende Splitter leicht verletzt, als das Geschoss im
Marmorboden landete. Vier weitere Polizisten erlitten ein Knalltrauma.
Zu der Konferenz am Samstag und Sonntag kommen rund 500 Teilnehmer,
darunter viele Verteidigungs- und Außenminister.
(Quellen: ap, rtr)
Europäer übernehmen mehr Verantwortung in Afghanistan
NATO-Verteidigungsminister vereinbaren zusätzliche
Wiederaufbauteams zur Entsendung in die afghanischen Provinzen
+++ Eurocorps soll Führung der ISAF-Truppe in Kabul übernehmen
Sa.07.02.04 - Die europäischen NATO-Staaten wollen sich stärker in
Afghanistan engagieren. Die NATO-Verteidigungsminister vereinbarten am
Freitag in München, zusätzliche Wiederaufbauteams in die
afghanischen Provinzen zu entsenden. Außerdem soll das Eurocorps
die Führung der ISAF-Truppe in Kabul übernehmen; dafür
stellten die Eurocorps-Staaten jedoch Bedingungen.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer betonte, die
Stabilisierung Afghanistans habe für die Allianz absolute
Priorität.
De Hoop Scheffer sagte, mehrere Länder hätten konkrete
Truppen-Zusagen für Wiederaufbauteams (PRT) in den afghanischen
Provinzen gemacht. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
ergänzte, er halte es für realistisch, dass die Teams bis zum
Sommer aufgebaut sein könnten. Deutschland hat als erstes Land
rund 200 Soldaten in der nordafghanischen Stadt Kundus unter
ISAF-Mandat stationiert. Nach Angaben von Diplomaten wollen Italien,
Großbritannien, die Türkei, Norwegen und die Niederlande
Aufbauteams in fünf Regionen entsenden.
Laut De Hoop Schaffer sind auch mehrere Länder bereit, der
Bundeswehr die Verantwortung für den internationalen Flughafen
Kabul abzunehmen. Die formellen Entscheidungen würden zwar auf dem
NATO-Gipfel im Juni in Istanbul getroffen, aber er sei «sehr
optimistisch».
Für die Übernahme der Führungsfunktion stellen die
Eurocorps-Länder Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und
Spanien noch Bedingungen, wie der luxemburgische Verteidigungminister
Charles Goerens nach einer Sondersitzung der fünf mitteilte. So
solle der NATO-Generalsekretär unter anderem zusichern, dass die
Aufgabe auf ein halbes Jahr begrenzt sei und dass die
Kommunikationskapazitäten der NATO genutzt werden könnten.
Eine Antwort De Hoop Scheffers werde in den nächsten Wochen werde
erwartet. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte zuvor
mitgeteilt, dass Spanien noch zwei bis drei Wochen Bedenkzeit brauche.
Rumsfeld begrüßte, dass die europäischen NATO-Partner
mehr Verantwortung übernehmen wollen: «Das ist gut für
die Allianz und für das afghanische Volk.» Auch
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, es sei vernünftig, dem
Eurocorps die ISAF-Führung zu übertragen.
Einen NATO-Einsatz in Irak hält De Hoop Scheffer für
möglich, wenn es dort eine souveräne Regierung gebe. Das sei
aber heute kein Thema. Rumsfeld sagte, «zum richtigen
Zeitpunkt» sollte die NATO die polnisch-spanische Division in
Irak übernehmen. Schröder betonte in Berlin, jetzt sei nicht
der Zeitpunkt, darüber zu reden.
Der Kanzler bekräftigte, die Differenzen über den Irak-Krieg
seien Vergangenheit. Die gemeinsame Aufgabe sei nun, für ein
friedliches und demokratisches Irak zu sorgen. Rumsfeld stufte die
Beziehungen zu den europäischen Irakkriegs-Gegnern als
«ziemlich gut» ein. Auch De Hoop Scheffer betonte, dass die
Differenzen hinter den Mitgliedstaaten lägen. «Die Allianz
lebt und zuckt», sagte er und fügte hinzu, jeder wolle jetzt
nach vorne schauen.
(Quelle: ap)
Arbeitsmarktdaten in USA sorgen für Enttäuschung
Befürchtungen über Ausbleiben einer nachhaltigen Erholung - Lage am
Arbeitsmarkt wird vermutlich zentrales Wahlkampfthema in den USA
Sa.07.02.04 - US-Unternehmen haben zu Beginn des Präsidentenwahljahres trotz der
kräftigen Konjunkturbelebung erneut weniger Stellen geschaffen als
erwartet. Bei Volkswirten löste dies Sorgen über ein
Ausbleiben einer nachhaltigen Erholung aus.
Das US-Stellenplus außerhalb der Landwirtschaft stieg im Januar
zwar den fünften Monat in Folge, fiel aber erneut deutlich
geringer aus als erwartet. Zugleich sank allerdings die
Arbeitslosenquote überraschend auf den tiefsten Stand seit einem
Jahr. Eine Erholung am Arbeitsmarkt gilt als entscheidende
Voraussetzung für eine nachhaltige Belebung der
weltgrößten Volkswirtschaft. Ein Ausbleiben dürfte im
Wahlkampf auch US-Präsident George W. Bush unter Druck setzen. Bei
Analysten und an den Finanzmärkten sorgten die Daten für
Enttäuschung.
In den USA gibt es seit längerem Befürchtungen, dass sich die
Impulse der Konjunkturerholung auf den Arbeitsmarkt unter anderem wegen
der Produktivitätsfortschritte der Unternehmen in Grenzen halten
werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "jobless
recovery" - also einer wirtschaftlichen Belebung ohne nennenswerten
Stellenzuwachs. Im vierten Quartal war die weltgrößte
Volkswirtschaft um annualisiert 4,0 Prozent gewachsen, die
Produktivität lag im vierten Quartal bei einer Jahresrate von 2,7
Prozent.
Wie das Arbeitsministerium mitteilte, kletterte die Zahl der
Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft im Januar um
112.000 nach einem nach oben revidierten Anstieg um 16.000 im Vormonat.
Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren Plus von 150.000
Stellen gerechnet. Zugleich sank die Arbeitslosenquote auf 5,6 Prozent
von 5,7 Prozent im Vormonat, während Volkswirte im Schnitt mit
einer unveränderten Rate gerechnet hatten. Die Berechnung von
Quote und Zahl der Stellen basiert auf unterschiedlichen Erhebungen:
die Stellenzahl auf einer Befragung von Arbeitgebern, die
Arbeitslosenquote auf einer Befragung von Haushalten in kleinerem
Umfang.
Mit 76.000 neuen Jobs kam ein Großteil des Stellenzuwachses im
Januar aus dem Einzelhandelssektor, wie der Bericht zeigte. Im
Verarbeitenden Gewerbe, wo die Lage anhaltend schwierig ist, strichen
die Arbeitgeber den 42. Monat in Folge Stellen. Ein Lichtblick
zumindest war eine leichte Belebung der Beschäftigtenlage im
Baugewerbe, wo das Stellenplus 24.000 betrug. Die durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit stieg im Januar zudem auf 33,7 Stunden
von 33,5 Stunden im Vormonat. Oftmals weiten Unternehmen zunächst
für die bestehenden Arbeitnehmer die Arbeitszeit aus, bevor sie
neu einstellen.
Die Beschäftigungssituation gewinnt zunehmend auch politische
Brisanz. Bush, der um seine Wiederwahl im November kämpft, steht
unter erheblichen Druck, eine Entspannung am Arbeitsmarkt vorweisen zu
können. Seine politischen Gegner werfen ihm vor, mit seiner
Wirtschaftspolitik vor allem den Wohlhabenden geholfen, aber kaum
Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Das Thema Arbeitsmarkt wird im
allmählich anlaufenden Wahlkampf aller Voraussicht nach ein
zentrales Thema sein.
Analysten sahen angesichts der Daten weiterhin keine merkliche
Entspannung am Arbeitsmarkt. "Es ist enttäuschend, 112.000 ist
unter den Erwartungen. Es zeigt, dass die Unternehmen mit Einstellungen
immer noch sehr zögerlich sind", sagte Larry Wachtel von Wachovia
Securities in New York. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe schwach.
Bei Steven Wood von Insight Economics rückte zunehmend die
steigende US-Produktivität in den Blickpunkt. "Wir schaffen
einfach nicht viele Stellen. Ich denke, es dreht sich vorwiegend um die
Produktivität. Sie wächst sehr schnell. Die Wirtschaft
wächst sehr schnell. Wenn dies aber alles auf Grund der
Produktivität geschieht, dann wird man die Jobs nicht bekommen",
sagte er. "Wenn man bei der Beschäftigung die Zuwächse nicht
bekommt, erhält man eine Wirtschaftserholung, die sich nicht von
selbst tragen kann", fügte er hinzu. Ohne neue Jobs entstünde
auch nicht mehr Einkommen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Israelische Armee verletzt Kleinkind bei Schusswechsel in Rafah +++
Annan will mit Scharon über Räumung von Siedlungen sprechen
+++ Gaza-Rückzugspläne bringen Scharon Unterstützung bei
Wählern
Sa.07.02.04 - Israelische Soldaten haben bei einer Schießerei im
Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen zwei Palästinenser
verletzt, darunter ein 18 Monate altes Kleinkind. Das Kind sei im Haus
gewesen, als es von Maschinengewehr-Feuer im Hals getroffen wurde,
berichteten Krankenhausmitarbeiter und Augenzeugen am Freitag. Ein
Militärsprecher sagte, eine israelische Patrouille sei in der
Nähe der ägyptischen Grenze zweimal mit Granaten beschossen
worden. Beim zweiten Angriff hätten die Soldaten das Feuer
erwidert. Zwei Soldaten seien leicht verletzt worden. Wer auf
palästinensischer Seite getroffen wurde, könne er nicht sagen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon um ein ausführliches
Gespräch über dessen Pläne zur Räumung von
Siedlungen im Gazastreifen gebeten. Er habe am Freitag mit dem
israelischen Regierungschef telefoniert und ein Treffen während
Scharons USA-Reise Anfang März vorgeschlagen, sagte Annan. Er wolle
Einzelheiten der Pläne wissen und sichergehen, dass ein Abzug der
Siedler aus dem Gazastreifen nur ein erster Schritt auf dem Weg zum
Frieden sei.
Der durch einen Korruptionsskandal in Bedrängnis geratene
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon stößt mit
seinen Vorschlägen zum Abbau jüdischer Siedlungen Umfragen
zufolge auf Zustimmung bei den Wählern.
In einer von der Zeitung "Maariv" am Freitag veröffentlichten
Umfrage stieg die Zustimmung für die Politik Scharons auf 39
Prozent nach einem Tiefstand von 33 Prozent in der vergangenen Woche.
52 Prozent aller Befragten stimmten der Umfrage zufolge einer
Räumung aller 21 israelischen Siedlungen im Gaza-Streifen zu, 36
Prozent waren dagegen.
Scharon hatte vorgeschlagen, 17 Siedlungen im Gaza-Streifen zu
räumen. Auch einige Siedlungen im Westjordanland müssten nach
seinen Plänen aufgelöst werden, sollte der internationale
Friedensplan scheitern und sein Trennungsplan umgesetzt werden.
In einem Kommentar zur Umfrage hieß es, es sei erwartet worden,
dass die Medienberater Scharons eine "saftige diplomatische Offensive
bringen würden, um ihn aus den Klauen (der Ermittler) und der
Flaute bei den Umfragen zu bekommen." Scharon selbst hat Vorwürfe
zurückgewiesen, den Gaza-Plan nur vorgelegt zu haben, um aus den
Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal zu
kommen.
In dem Korruptionsskandal geht es um Geschäfte von Scharons Sohn
Gilad mit dem wegen versuchter Bestechung angeklagten
Immobilienhändler David Appel. Die Staatsanwaltschaft prüft
eine Anklage gegen Ariel Scharon im Zusammenhang mit der
möglicherweise illegalen Finanzierung seines Wahlkampfs vor drei
Jahren. Die Affäre könnte Beobachtern zufolge im Fall einer
Anklage Scharons zu dessen Rücktritt führen.
Vor den Anhörungen des Internationalen Gerichtshofs zu der
umstrittenen Sperranlage an der Grenze zum Westjordanland will die
ultraorthodoxe israelische Rettungsorganisation ZAKA das Wrack des
Busses nach Den Haag fliegen, in dem vergangene Woche ein
Selbstmordanschlag verübt worden war. Das Wrack solle die
tragischen Ausmasse des Anschlags verdeutlichen, sagte ein
ZAKA-Sprecher. Bei dem Anschlag waren elf Menschen getötet und
Dutzende weitere verletzt worden. Die Anhörungen in Den Haag
beginnen am 23. Februar.
(Quellen: afp, rtr, ap)
18 Todesopfer hat die israelische Militäraktion in der
palästinensischen Stadt Nablus bereits gefordert
Die Armee weist alle Vorwürfe von sich. Nablus sei ein
"Stützpunkt des Terrors", rechtfertigt man die nächtlichen
Übergriffe. Der Fall eines Unbeteiligten: Abdel Afur Kuassas...
Mehr in der "tageszeitung" vom 07.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/07/a0100.nf/text
Die seit Ende September 2000 andauernde zweite Intifada forderte
bislang mindestens 3.000 Menschenleben auf palästinensischer
Seite, so die Zahlen der israelischen Menschenrechtsorganisation
"Betselem". Über 30.000 Palästinenser wurden verletzt. Von
den Verletzten waren laut einer Studie der Universität Kassel 28
Prozent minderjährig. Über ein Drittel sei durch scharfe
Munition zumeist im oberen Teil des Körpers getroffen worden.
Besonders hoch sei der Anteil der Verletzten oder Toten, die sich
zufällig in der Nähe so genannter präventiver
Hinrichtungen befanden. Rund 85 Prozent der Opfer von insgesamt "254
außergerichtlichen Hinrichtungen" seien Zivilisten gewesen, so
die Studie. (tageszeitung vom 07.02.04)
Willst Du das Geschäft Deines Lebens machen? Dann geh nach Gaza!
Du kannst mit von der Regierung zur Verfügung gestellten
gepanzerten Fahrzeugen dorthin gelangen. Dort erhältst Du eine
Villa, von der Du Dein Leben lang geträumt hast, zweistöckig
und mit grünem Rasen – für fast nichts. Der Staat ist reich.
Du kannst dort Gewächshäuser aufbauen und Blumen und
Gemüse ziehen. Es war mal eine Zeit, da konnte man
palästinensische Arbeiter anstellen, die für einen Hungerlohn
arbeiteten. Es gab für sie keine Alternative, weil ihnen das Land
weggenommen wurde. Jetzt ist es zu gefährlich. Also wirst du
Arbeiter aus Thailand anstellen – die bekommen noch weniger. Da gibt es
keine rechtlichen Probleme, keinen Mindestlohn, keinen Jahresurlaub,
keine Entlassungsentschädigung oder all diesen Unsinn. Israels
Gesetze gelten dort nicht. ...
Natürlich gibt es da ein Sicherheitsproblem. Du und alle anderen
7000 Siedler im Gazastreifen leben unter einer Million von
Palästinensern. Ihr habt ihnen die wesentlichen Landreserven und
die Hälfte des Wassers weggenommen. Deshalb seid Ihr dort nicht
gerade beliebt. Aber was macht's ? Die IDF wird Euch verteidigen – ein
ganzes Bataillon, um eine Siedlung mit ein paar Dutzend Familien zu
verteidigen, eine ganze Division für den Gazastreifen. Viele
Soldaten. Viele Hauptquartiere. Viele gepanzerte Fahrzeuge. Viel Geld.
Aber der Staat zahlt....
Aus: Uri Avnery - "Geh nach Gaza!", ZNet Deutschland 07.02.2004
http://www.zmag.de/artikel.php?id=996
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Fünf Polizisten bei Anschlag in Algerien getötet
Sa.07.02.04 - Bei einem Bombenanschlag in Nordalgerien sind fünf Polizisten
getötet worden. Bei Boghni rund 110 Kilometer östlich der
Hauptstadt Algier explodierte am Donnerstag in dem Moment eine Bombe,
als eine Polizeipatrouille vorbeifuhr, wie Sicherheitskräfte
mitteilten. Sie machten radikale Islamisten für die Tat
verantwortlich.
Erst vor wenigen Tagen waren an einer vermeintlichen
Straßensperre nahe Tigzirt drei Sicherheitskräfte
getötet worden. Die Region ist die Hochburg der islamistischen
Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC).
Seit Jahresbeginn wurden bei Gewalttaten und Kämpfen in Algerien
47 Menschen getötet, darunter 31 Islamisten. Im vergangenen Jahr
waren offiziellen Zahlen zufolge fast 900 Menschen ums Leben gekommen,
etwa die Hälfte von ihnen waren bewaffnete Islamisten.
(Quelle: afp)
Ranghoher Milizenführer in Kaschmir getötet
Sa.07.02.04 - Polizisten im indischen Teil Kaschmirs haben einen ranghohen
Separatistenführer getötet. Wie ein Polizeisprecher am
Freitag mitteilte, wurde Rafiq Ledri am Donnerstag nach einer Razzia in
seinem Versteck in Srinagar erschossen. Er leitete den Angaben zufolge
vermutlich den bewaffneten Arm der Ul-Umar-Mudschaheddin. Auf die
Nachricht von Ledris Tod demonstrierten mehrere hundert Menschen vor
seinem Haus für ein Ende der indischen Herrschaft in der
Himalaya-Region.
In Bandipora nördlich von Srinagar töteten indische Soldaten
drei mutmaßliche Extremisten, wie ein Militärsprecher
mitteilte. Bereits am Donnerstag wurden bei Militäroperationen
zehn mutmaßliche Extremisten getötet; fünf Soldaten
kamen bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe
ums Leben.
(Quelle: ap)
In Haiti eskaliert die Gewalt - Rebellen bringen Stadt unter ihre
Kontrolle
Sa.07.02.04 - Bewaffnete Rebellen haben in Haiti die viertgrößte Stadt des
Landes unter ihre Kontrolle gebracht. "Gonaives ist frei", sagte ein
Anführer der Widerstandsgruppe RARF in der im Nordwesten gelegenen
Stadt. Bei einem Angriff auf eine Polizeiwache wurden mindestens elf
Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Im angrenzenden
Gefängnis der Stadt befreiten die Kämpfer außerdem mehr
als hundert Häftlinge.
RARF-Mitglieder patrouillierten schwer bewaffnet durch die Stadt. Nach
Berichten örtlicher Medien flohen zahlreiche Einwohner aus dem
Stadtzentrum.
Elf Menschen wurden getötet und etwa zwanzig weitere Menschen
verletzt, als die Widerstandsgruppe die Polizeiwache in Brand steckte
und zerstörte, wie ein Mitarbeiter vom Roten Kreuz den
örtlichen Medien sagte. Zuvor war von vier Toten die Rede gewesen.
Die meisten der bis zu hundert Polizisten, die zum Zeitpunkt des
Angriffs im Gebäude waren, konnten nach Angaben von Augenzeugen
entkommen. Demnach steckten die Angreifer auch das Haus des
Bürgermeisters in Brand.
Mehrere tausend Bewohner von Gonaives haben die Vertreibung der
bisherigen Verwaltung als Sieg über Präsident Jean-Bertrand
Aristide gefeiert. "Die Revolution hat begonnen!" rief eine
27-jährige Demonstrantin am Freitag vor der am Vortag
gestürmten Polizeiwache.
Ein Sprecher der Widerstandsfront Gonaives, Buteur Metayer,
kündigte Widerstand gegen jeden Versuch der Regierung an, die
Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. "Wir werden unseren Sieg
verteidigen", sagte Metayer der Nachrichtenagentur AP. "Wir errichten
Kontrollstellen an den Zufahrten der Stadt, um einen Angriff der
Polizei zu verhindern." Dem Aufstand schlossen sich Soldaten an, die
mit schweren Waffen auf den Straßen von Gonaives patrouillierten.
Auch in der Hauptstadt Port-au-Prince wurde am Freitag gegen Aristide
demonstriert. Die Polizei setzte nach einem Bericht von Radio Vison
2000 Tränengas ein, um die Menschenmenge aufzulösen. Ein
Student erlitt eine Schussverletzung im Arm.
Die 200.000 Einwohner zählende Stadt Gonaives liegt im Nordwesten
von Haiti und ist seit Monaten ein Zentrum des Widerstands gegen
Aristide.
Ein Sprecher von UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York,
der UN-Generalsekretär verfolge die Lage in Haiti genau und sei
"zutiefst besorgt über die zunehmende Gewalt". Mit den
"Ereignissen" in Gonaives sei die Gewalt weiter eskaliert. Die
Bevölkerung solle den Konflikt friedlich und "mit
verfassungsgemäßen Mitteln" lösen.
Die seit Monaten demonstrierenden Gegner von Präsident Jean
Bertrand Aristide werfen dem einstigen Armenpriester vor, das Land mit
diktatorischen Methoden und durch Korruption weiter in Armut und Elend
zu treiben. Aristide lehnt einen Rücktritt ab und will sein Mandat
bis 2006 zu Ende führen. Bei den andauernden Protesten in dem
Karibikstaat kamen bereits über sechzig Menschen ums Leben.
(Quellen: afp, ap)
Internationale Aufbauhilfe für Liberia
Sa.07.02.04 - Die internationale Gemeinschaft hat dem westafrikanischen Staat Liberia
520 Millionen Dollar als Starthilfe zur Überwindung der
Bürgerkriegsfolgen zugesagt. Die Delegationen von 96 Staaten und
45 Organisationen begrüßten das Ergebnis ihrer
zweitägigen Geberkonferenz am Freitag in New York mit Applaus. Der
liberianische Übergangspräsdent Gyude Bryant versprach, die
Mittel sinnvoll einzusetzen.
Das Ergebnis der Konferenz entspricht etwa den Erwartungen von
UN-Generalsekretär Kofi Annan, der die Geberländer um 500
Millionen Dollar für den Wiederaufbau und zusätzlich 100
Millionen Dollar an humanitärer Soforthilfe gebeten hatte. Allein
die USA und die EU sagten jeweils 200 Millionen Dollar zu. 50 Millionen
Dollar kommen in Form von Krediten von der Weltbank.
Der Friedensprozess in Liberia beendet 14 Jahre Bürgerkrieg mit
mehr als 150.000 Todesopfern. Nach einer Offensive der Rebellen gegen
die Hauptstadt Monrovia fand sich Präsident Charles Taylor im
August vergangenen Jahres dazu bereit, das Land zu verlassen. Die
Rebellen beteiligten sich an der Bildung der Übergangsregierung
unter Bryant. Ende 2005 sollen Wahlen stattfinden, denen Anfang 2006
die Bildung einer neuen Regierung folgen soll.
(Quelle: ap)
Oberstes Gericht in Simbabwe weist Klage gegen Mediengesetz ab
Sa.07.02.04 - Das Oberste Gericht in Simbabwe hat die Klage eines
Journalistenverbandes gegen ein umstrittenes Mediengesetz am Donnerstag
abgewiesen. Demnach bleibt es eine Straftat, wenn Journalisten ihren
Beruf ohne die Genehmigung durch eine Regierungskommission
ausüben, wie die südafrikanische Nachrichtenagentur Sapa
berichtete. Vier von fünf Richtern hätten die Lizenzpflicht
für Journalisten und die Strafandrohung für
verfassungskonform erachtet.
Der Regierung von Präsident Robert Mugabe werden massive
Verstöße gegen die Pressefreiheit vorgeworfen. Die
"Vereinigung Unabhängiger Journalisten in Simbabwe" hatte für
die Beibehaltung einer lediglich freiwilligen Akkreditierung
plädiert. Das Oberste Gericht folgte ihrer Klage nur in einem
Punkt, indem es die Bestrafung des Missbrauchs journalistischer
Privilegien verwarf. Das Mediengesetz war im März 2002 nach der
umstrittenen Wiederwahl Mugabes verabschiedet worden.
Im vergangenen September hatte die Regierung die Tageszeitung "Daily
News" geschlossen und einige Mitarbeiter inhaftiert, weil das Blatt
keine Lizenz beantragt hatte. Seit 22. Januar erscheint die
regierungskritische Zeitung wieder, nachdem ein Gericht die
Schließung für unwirksam erklärt hatte. Die Regierung
will aber per Oberstem Gerichtshof erneut ein Verbot erreichen.
(Quelle: epd)
Mindestens 39 Tote bei Anschlag in Moskauer U-Bahn
Putin macht Tschetschenien-Führer Maschadow verantwortlich
Sa.07.02.04 - Mitten im morgendlichen Berufsverkehr ist am Freitag eine Bombe in der
Moskauer U-Bahn explodiert und hat mindestens 39 Menschen getötet.
Unklar blieb zunächst, ob die Bombe in dem voll besetzen Wagen
deponiert oder wie zunächst berichtet von einer
Selbstmordattentäterin getragen wurde. Russlands Präsident
Wladimir Putin machte umgehend den tschetschenischen
Rebellen-Anführer Aslan Maschadow für den Anschlag
verantwortlich, bei dem nach Regierungsangaben auch 129 Menschen
verletzt wurden. Maschadow wies den Vorwurf zurück.
Tschetschenische Separatisten haben zahlreiche Anschläge in
Russland verübt.
Augenzeugen zufolge detonierte die rund fünf Kilogramm schwere
Bombe um 08.30 Uhr (Ortszeit, 06.30 Uhr MEZ) im zweiten Wagen der mit
Berufspendlern voll besetzten Bahn vor der Station Paweletskaja.
Moskaus Vize-Bürgermeister Waleri Schanzew sprach zunächst
von einem Selbstmordanschlag. In Polizeikreisen hieß es, es gebe
Hinweise darauf, dass eine Selbstmordattentäterin den Anschlag
verübt habe. Später schlossen Behörden jedoch nicht aus,
dass die Bombe in den Zug versteckt worden sei. Die Polizei gab ein
Fahndungsfoto von einem etwa 40 bis 45 Jahre alten Mann heraus, der
kaukasische Gesichtszüge trug.
"Wir brauchen keine indirekte Bestätigung", sagte Putin der
Nachrichtenagentur Interfax zur Identität der Drahtzieher des
Anschlags. "Wir wissen mit Sicherheit, dass Maschadow und seine
Banditen in Verbindung zu diesem Terrorismus stehen." Er warf Maschadow
vor, den Anschlag mit Blick auf die Präsidentenwahl am 14.
März geplant zu haben, bei der Putin erneut kandidiert. Ein
Sprecher Maschadows erklärte, dieser verurteile den Anschlag, mit
dem er nichts zu tun habe. Maschadow war einst tschetschenischer
Präsident, wurde aber mit Beginn des zweiten Tschetschenien-Kriegs
1999 von Russland entmachtet.
Putin verfolgt eine harte Linie gegen die tschetschenischen Rebellen,
die seit mehr als zehn Jahren für die Unabhängigkeit ihrer
Republik von der Russischen Föderation kämpfen. Sollte es
sich um die Tat tschetschenischer Separatisten handeln, wäre es
der schwerste Anschlag seit Juli 2003. Damals hatten sich zwei
Selbstmordattentäterinnen bei einem Freiluft-Konzert in Moskau in
die Luft gesprengt und 14 Menschen getötet. Im Oktober 2002 hatten
Rebellen mehr als 700 Menschen in einem Moskauer Theater als Geiseln
genommen. Bei der Befreiungsaktion starben 129 Geiseln und 41
Tschetschenen.
Die US-Regierung sprach den Opfern ihr Beileid aus. US-Präsident
George W. Bush habe mit Putin telefoniert, sagte Bushs Sprecher in
Washington. "Die beiden Präsidenten haben ihre Entschlossenheit
betont, im Kampf gegen den Terror zusammenzuarbeiten", sagte der
Sprecher. Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte, die
Bundesregierung sei "entsetzt über den verbrecherischen Anschlag".
(Quelle: rtr)
Verheugen optimistisch für EU-Beitritt eines vereinten Zyperns
Denktasch meldet Vorbehalte gegen Zypern-Pläne Annans an
Sa.07.02.04 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat sich zuversichtlich
geäußert, dass die geteilte Mittelmeerinsel Zypern
wiedervereint am 1. Mai der Europäischen Union (EU) beitritt.
Die Wiederaufnahme der Friedensgespräche unter Vermittlung der UNO
bedeute, dass die beteiligten Konfliktparteien bereits im Grundsatz zu
einer Einigung gekommen seien, sagte Verheugen am Freitag in
Brüssel. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte die Vertreter
des griechischstämmigen und des türkischen Teils Zyperns
für Dienstag zu Gesprächen nach New York eingeladen. Der
Anführer der türkischen Zyprer, Rauf Denktasch, sagte seine
Teilnahme zu, bekräftigte jedoch seine Vorbehalte gegen die
Pläne Annans. Dieser will über das Ergebnis der Verhandlungen
in beiden Teilen der Insel am 21. April Volksabstimmungen abhalten.
Verheugen sagte nach Gesprächen mit dem türkischen
Außenminister Abdullah Gül, Annan hätte einer
Wiederaufnahme der Gespräche nicht zugestimmt, wenn ihm nicht alle
Parteien ein Ergebnis zugesichert hätten. Er selbst werde in der
kommenden Woche an der Spitze einer hochrangigen EU-Delegation nach New
York reisen, um die Verhandlungen zu unterstützen, sagte Verheugen.
Gül bekräftigte, die Türkei wolle eine Einigung in der
Zypern-Frage vor dem Beitrittsdatum am 1. Mai erreichen. "Es ist unsere
Absicht, alles vor Mai zum Abschluss zu bringen, also müssen wir
alles beschleunigen", sagte Gül. Die Türkei hat sich für
eine schnelle Wiederaufnahme der Friedensgespräche bemüht.
Zuvor hatte sie aber einen vor fast einem Jahr von der UNO
vorgeschlagenen Kompromiss abgelehnt. Dieser hatte nach einer
Wiedervereinigung beider Inselteile eine weitgehende Autonomie
zugesichert und die Garantie enthalten, dass keine
Bevölkerungsgruppe die andere dominieren kann.
Denktasch bezeichnete das Treffen in New York als Vorgespräch, von
dem abhänge ob es zu Friedensverhandlungen komme. Er werde Annan
eine Liste mit den Bedenken seiner Seite vorlegen. Sowohl Denktasch als
auch der Anführer der griechischstämmigen Zyprer, Tassos
Papadopoulos, haben Bedenken wegen des Zeitplans Annans
geäußert. Papadopoulos hat bislang noch nicht einer
Teilnahme an dem Treffen zugesagt, es wird jedoch erwartet, dass er
nach New York reisen werde.
Diplomaten in Nikosia, der geteilten Hauptstadt von Zypern, sagten am
Donnerstag, Annan wolle einen Abschluss der Verhandlungen bis zum 25.
März. Dann wäre in beiden Teilen Zyperns am 21. April ein
Referendum über das Verhandlungsergebnis möglich. Sollte bis
zum 1. Mai keine Einigung erzielt sein, wird zunächst nur der
griechischstämmige Teil der EU beitreten. Der türkische
Nordteil der Mittelmeerinsel wird nur von der Türkei anerkannt.
Die Türkei selbst bemüht sich ebenfalls seit langem um einen
Beitritt zur EU.
(Quelle: rtr)
Proteste gegen Ausweisung von Asylbewerbern in den Niederlanden
Sa.07.02.04 - In den Niederlanden nehmen die Proteste gegen die Asylpolitik der
Regierung zu. Mehrere tausend Menschen protestierten am Donnerstagabend
in der nördlichen Provinz Friesland gegen die geplante Ausweisung
von 26.000 abgewiesenen Asylbewerbern. Sie warfen der Ministerin
für Ausländerfragen, Rita Verdonk, Unmenschlichkeit vor.
Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Flüchtlingsorganisationen
riefen zu weiteren Protestaktionen und Demonstrationen auf. Die meisten
der von Ausweisung bedrohten Menschen lebten bereits seit mehr als
fünf Jahren in den Niederlanden und seien gut integriert.
In vielen Kommunen wurden in den vergangenen Wochen
Bürgerinitiativen gegründet. Bürger erklärten sich
bereit, Flüchtlinge zu verstecken. Die Kirchen wollen im
bestimmten Fällen Kirchenasyl geben. Die sozialdemokratische
Partei rief alle Bürgermeister des Landes zu "zivilem
Ungehorsam"auf. Nach neuesten Umfragen lehnt eine Mehrheit der
Bevölkerung die Pläne der Regierung ab.
Die rechtsliberale Ministerin hatte Ende Januar angekündigt, in
den kommenden drei Jahren 26.000 Menschen in ihre Heimat
zurückzuschicken, weil ihre Asylanträge abgewiesen worden
seien. Rund 2.300 Menschen erhalten dagegen aus humanitären
Gründen eine Aufenthaltsgenehmigung. Die rund 26.000
Flüchtlinge sollen in so genannte Ausweisungszentren eingewiesen
werden. Sollten sie mit den Behörden für ihre Heimkehr nicht
zusammenarbeiten, würden sie auf die Straße gesetzt,
kündigte die Ministerin an. Sie hätten dann keinerlei
Anspruch auf Unterbringung, Nahrungsmittelversorgung oder finanzielle
Unterstützung mehr.
(Quelle: epd)
Schröder tritt als SPD-Vorsitzender ab
Müntefering soll Partei führen +++ Opposition fordert
Rücktritt des Bundeskanzlers und Neuwahlen +++ Märkte
reagierten gelassen auf den Wechsel an der SPD-Spitze
Sa.07.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder tritt als SPD-Vorsitzender
zurück. In einem selbst für Mitglieder der engeren
SPD-Führungsmannschaft überraschenden Schritt gab
Schröder am Freitag seinen Rücktritt vom Parteivorsitz bekannt
und nominierte Fraktionschef Franz Müntefering für den Posten.
Mit seiner Entscheidung will Schröder den Reformkurs der Regierung
retten sowie den befürchteten Absturz bei mehr als einem Dutzend
Wahlen noch abwenden. Der radikale Wechsel an der Parteispitze wird
durch den Abgang des umstrittenen Generalsekretärs Olaf Scholz
komplettiert.
Schröder und der designierte Parteichef Müntefering
kündigten eine Fortsetzung des Reformkurses an. Die Opposition
forderte den Rücktritt des Bundeskanzlers und Neuwahlen. Die
Märkte reagierten gelassen auf den Wechsel an der SPD-Spitze.
"Ich werde dem Parteivorstand vorschlagen, Franz Müntefering auf
einem Sonderparteitag Ende März als Parteivorsitzenden zu
wählen", sagte Schröder vor Journalisten in Berlin. Der
Kanzler betonte, der laufende Reformprozess sei die wichtigste Reform
der Nachkriegszeit und werde weitergehen, auch wenn es bei der Umsetzung
Akzeptanzprobleme gebe. "Dieses Vermittlungsproblem gibt es auch in
meiner Partei", räumte Schröder ein. Er fürchte keinen
Autoritätsverlust durch die Aufgabe des Partei-Amtes. "Wir wollen
und wir werden zu einer Konzentration der Kräfte von uns beiden
kommen." Schröder ließ mit Blick auf die Koalition mit den
Grünen erkennen, dass er seinen Reformkurs auch nach den
Bundestagswahlen 2006 mit Vizekanzler Joschka Fischer fortsetzen wolle.
Den radikalen Schritt, das seit Frühjahr 1999 von ihm
ausgeübte Parteiamt niederzulegen, nannte Schröder
unvermeidlich: "Ich denke, dass die Schwierigkeiten, die wir in diesem
Vermittlungsprozess haben, es rechtfertigen, zu einer solchen
Konzentration der Kräfte zu kommen...Das war einfach objektiv
notwendig."
Müntefering kündigte an, auch der seit langem umstrittene
Generalsekretär Scholz werde seinen Posten aufgeben. Einen
Nachfolger wollte er nicht nennen. Auch Müntefering betonte, die
Reformen würden fortgesetzt. "Wir wollen als Sozialdemokraten nicht
den Rückwärtsgang einschalten", sagte er. "Wichtige Schritte
haben wir beschlossen, anderes ist noch zu tun." Dafür wolle er
Zustimmung gewinnen. "Wir müssen jetzt den Mut haben, Dinge
voranzubringen, auch wenn es manche noch schwer haben zuzustimmen."
Müntefering, der die Parteibasis beim SPD-Parteitag in Bochum im
November mit einer kurzen, prägnanten und stark emotionalen Rede
mitgerissen hatte, zeigte sich gelöst und hocherfreut über die
neue Position. "Das ist das schönste Amt neben dem Papst", sagte
der Katholik aus dem Sauerland.
CDU-Chefin Merkel sagte: "Dieser Tag ist ein Tag des Scheiterns des
Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Es ist der Anfang vom Ende des
Bundeskanzlers." CSU-Chef Edmund Stoiber forderte Schröder zum
Rücktritt auf. "Er müsste selbst zurücktreten als
Kanzler, um Deutschland nach vorne zu bringen", sagte der bayerische
Ministerpräsident. "Das ist ein gewaltiger Autoritätsverlust,
wenn man als Parteivorsitzender gescheitert ist. Letzten Endes braucht
Deutschland eine neue Regierung." FDP-Chef Guido Westerwelle forderte
Neuwahlen. "Die SPD hat dem Bundeskanzler für seine Politik das
Vertrauen entzogen."
Die SPD war nach einer Reihe von Reformen in der Arbeits-, Sozial- und
Gesundheitspolitik in Umfragen auf ein Niveau von rund 25 Prozent
gesunken. Auch im Januar hatte es keine Besserung gegeben. In diesem
Jahr stehen 14 Wahlen an, die nächste ist die
Bürgerschaftswahl in Hamburg Ende Februar.
Der Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, forderte die SPD
auf, mit dem Personalwechsel auch inhaltliche Änderungen zu
verbinden. Notwendig sei eine Politik, die Reformen besser als bislang
mit sozialer Gerechtigkeit vereinbare. Auch SPD-Linke wie die hessische
Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti und ihr saarländischer Kollege
Heiko Maas forderten eine stärker sozial ausgerichtete Politik.
An der Börse wurde die Nachricht zunächst mit
Zurückhaltung aufgenommen. "Ein Wechsel an der SPD-Spitze hat
zunächst keinen Einfluss auf den Markt", sagte Marktanalyst
Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz. Aktienstratege Oliver
Plein von der Fondsgesellschaft dit äußerte sich
ähnlich: "Viel wichtiger ist, ob der Reformprozess an Fahrt gewinnt
oder ins Stocken gerät." Ein Händler kommentierte den
Führungswechsel mit den Worten: "Der Wechsel an der SPD-Spitze wird
sich erst dann auf die Finanzmärkte auswirken, wenn sich das Ganze
zu einer Führungskrise auswächst und dadurch die
Reformbemühungen ins Stocken kämen. Das wäre schlecht
für den Markt."
(Quelle: rtr)
Umfrage: SPD steckt weiter in historischem Stimmungstief
Sa.07.02.04 - Die SPD steckt nach wie vor in einem historischen Stimmungstief. Wenn
am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden nur noch 24 Prozent
der Wähler für die SPD stimmen, hieß es in einer am
Freitag in Berlin veröffentlichten Umfrage von infratest-dimap
für die ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». Damit verlor
die SPD wieder zwei Prozentpunkte im Vergleich zu Januar. Die Union
konnte um einen Prozentpunkt auf 49 Prozent zulegen.
Auch die FDP konnte sich der Umfrage zufolge um einen Punkt auf acht
Prozent steigern. Die Grünen würden elf Prozent erreichen.
Die PDS blieb unverändert bei fünf Prozent und würde
damit wieder als Fraktion in den Bundestag einziehen. Für die SPD
sei es der niedrigste jemals in einem ARD-Deutschlandtrend gemessene
Umfragewert, teilte die ARD mit.
(Quelle: ap)
In SPD-Fraktion Forderung nach Stopp der Rentenreform - BfA
setzt sich für gesetzliche Mindestrente ein
Sa.07.02.04 - In der koalitionsinternen Debatte um das Reformtempo ist in der
SPD-Fraktion der Ruf nach einem Stopp der geplanten Rentenreform laut
geworden.
Es sei nicht erforderlich, die angestrebten Neuerungen noch in dieser
Legislaturperiode anzugehen, sagte die SPD-Linke und
Bundestagsabgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk der Nachrichtenagentur
Reuters am Freitag in Berlin. "Es ist nicht notwendig. Wir sollten uns
lieber darum kümmern, Bildung und Beschäftigung zu
forcieren." Skarpelis-Sperk forderte, den Bürgern müsse
"reiner Wein" eingeschenkt werden, wie sich die Rentenreform und die
Reform der Besteuerung der Alterseinkünfte auf ihr Einkommen
auswirkten. Einem Zeitungsbericht zufolge kritisiert auch die
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) die geplante
Rentenreform.
Der Bundestag hat bereits im vergangenen Dezember in erster Lesung ein
Gesetz zur langfristigen Reform der Rente beraten. Die Regelung von
Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) sieht unter anderem vor, dass
der jährliche Anstieg der Altersbezüge durch einen so
genannten Nachhaltigkeitsfaktor gebremst wird. Das Gesetz wird am
kommenden Mittwoch im zuständigen Bundestagsausschuss besprochen.
Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles, hatte schon vor einigen
Tagen in Frage gestellt, ob der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt
werden kann.
In jüngster Zeit haben mehrere SPD-Politiker eine Abkehr vom
Reformkurs verlangt und davor gewarnt, die Bürger zu stark zu
belasten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) selbst stoppte
vorerst die Reform der Pflegeversicherung.
Nach einem Bericht des "Handelsblatt" fordert die BfA in einer
Stellungnahme für die Bundestagsanhörung am Mittwoch eine
gesetzliche Mindestrente. Um ein nach unten offenes Rentenniveau zu
verhindern, müsse eine gesetzliche Untergrenze für
Rentenkürzungen festgeschrieben werden, zitiert die Zeitung aus
der Stellungnahme. Die Pläne der Regierung sehen dies nicht vor.
Eine BfA-Sprecherin bestätigte die Existenz des Schreibens, wollte
zu Inhalten aber keine Angaben machen. Die BfA hatte jedoch schon im
Dezember moniert, die Rentenreform der Regierung ziehe keine Grenze
für ein Absinken des Rentenniveaus. Eine Sprecherin des
Bundessozialministeriums wies die Kritik der BfA zurück. "Die
Rente ist verfassungsrechtlich geschützt, deswegen kann von einem
freien Fall nicht die Rede sein."
(Quelle: rtr)
Weise neuer Chef der Bundesagentur für Arbeit
Sa.07.02.04 - Zwei Wochen nach der Abberufung Florian Gersters hat die
Nürnberger Bundesagentur für Arbeit einen neuen Chef:
Frank-Jürgen Weise, Gersters bisheriger Stellvertreter, wird
künftig die Arbeitsbehörde leiten. Der Verwaltungsrat sprach
sich am Freitag in Nürnberg einstimmig für Weise aus, der die
Agentur bereits kommissarisch leitete. Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement (SPD) kündigte die Zustimmung der Bundesregierung
an; CDU und FDP äußerten herbe Kritik.
Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete Weise dagegen als einen
«der tüchtigsten Leute», die man für die Aufgabe
gewinnen könne. Clement nannte den 52-jährigen früheren
Manager «die beste Wahl» für den Posten. Er erwarte,
dass die kritische Phase der Bundesagentur damit überwunden und
abgeschlossen sei. Weise habe durch seine bisherige Tätigkeit als
Finanzvorstand der Bundesagentur bewiesen, dass er fähig sei, den
«unabweisbar notwendigen Reformprozess am Arbeitsmarkt» zu
steuern.
Weise selbst sagte nach seiner Benennung in Nürnberg, er wolle den
Reformprozess unverändert fortsetzen. Sein Hauptziel sei, die
Mitarbeiter der Bundesagentur stärker für die Reformen zu
gewinnen. Weise räumte Versäumnisse des Vorstands ein,
verteidigte aber zugleich die umstrittenen Beraterverträge in
Millionenhöhe, wegen derer Gerster gehen musste. Ohne den
Beratereinsatz hätte die Bundesagentur den notwendigen Umbau nicht
so schnell in Gang bringen können, sagte Weise und lobte die
Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger.
Weise setzte sich gegen den Bremer Bürgermeister Henning Scherf
durch, der sich ebenfalls bereit erklärt hatte, den Vorsitz zu
übernehmen, wie der Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat, Peter
Clever, erklärte.
Die Vorsitzende des Verwaltungsrats, DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer,
sprach von einem historischen Ergebnis. Alle 21 Mitglieder des Gremiums
seien sich einig gewesen. Weise sei kompetent und verkörpere den
Umbau der Bundesagentur, der nun erfolgreich und reibungslos
fortgesetzt werden könne. Der Arbeitgebervertreter Clever sprach
von einem perfekten Vorstandsteam. Weise habe sich als exzellenter
Manager des Reformprozesses bereits bewährt. Durch sein Engagement
seien 1.500 Arbeitsplätze entstanden. «Wenn wir 3.000 Weises
in Deutschland hätten, dann hätten wir keine Arbeitslosigkeit
mehr», sagte Clever.
CDU-Vize Christoph Böhr erklärte dagegen, mit der Berufung
Weises sei kein Problem der Bundesagentur gelöst. An den
Strukturen habe sich nichts geändert. Der FDP-Arbeitsmarktexperte
Dirk Niebel kritisierte, Weise habe als Finanzvorstand auch mit den
Beraterverträgen zu tun gehabt. Deshalb wäre eine externe
Lösung besser gewesen. Gerster sei an den Strukturen in der BA
gescheitert und diese hätten sich nicht geändert.
Bundeskanzler Schröder wies dagegen Vorwürfe als
«absolut nicht nachvollziehbar» zurück, nach denen
Weise in die unrechtmäßige Vergabe von Berateraufträgen
verstrickt gewesen sei. Unterstützung soll Weise vom neu
ernannten, dritten Vorstand der Führungsspitze erhalten. Der
Verwaltungsrat berief den 45-jährigen Juristen Raimund Becker in
den Vorstand, der erst zum Jahreswechsel zum Personalleiter der
Bundesagentur ernannt worden war.
(Quelle: ap)
Gewerkschaft: Journalisten streiken weiter bis Mitte Februar
Sa.07.02.04 - Im Tarifkonflikt der deutschen Tageszeitungen wollen die Journalisten
ihre Streiks bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 16. Februar
fortsetzen.
"Die Arbeitskämpfe der Tageszeitungsjournalisten werden flexibel
und zielgerichtet fortgeführt", erklärte der
Verhandlungsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV),
Hubert Engeroff, am Freitag in Bonn. Der Druck auf die Verleger werde
bis zum nächsten Verhandlungstermin weiter aufgebaut. "Wo, wann
und in welcher Stärke wir streiken, bleibt unser tägliches
Überraschungsgeschenk an die Verleger."
Der Streik in der Tageszeitungsbranche ist der erste seit 15 Jahren.
Seit Ende Januar haben bereits mehrere tausend Beschäftigte
bundesweit nach erfolglosen Tarifverhandlungen ihre Arbeit
niedergelegt. Die Arbeitgeber verlangen eine zweijährige Nullrunde
beim Gehalt, bis zu fünf Tage weniger Urlaub sowie eine
25-prozentige Kürzung des Urlaubsgeldes. Die Gewerkschaften
fordern dagegen branchenübliche Gehaltserhöhungen für
die rund 14.000 Tageszeitungsredakteure und die Wiederinkraftsetzung
des alten Manteltarifvertrages. In der Druckindustrie, mit denen sich
die Tageszeitungsbranche gewöhnlich vergleicht, waren
Gehaltserhöhungen von 1,5 Prozent im ersten und 1,7 Prozent im
zweiten Jahr vereinbart worden.
(Quelle: rtr)
Zeuge bestätigt Bedenken gegen Mannesmann-Prämien
Sa.07.02.04 - Im Prozess um die Millionen-Zahlungen bei der Mannesmann-Übernahme
durch Vodafone hat ein Zeuge erstmals bestätigt, dass es teils
massive Bedenken gegen die Höhe der Prämien und die Art der
Beschlussfassung gegeben hat.
Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hätten vor vier Jahren nach
dem Ende der Übernahmeschlacht Vorbehalte gegen die Höhe der
Prämie an den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser
geäußert, sagte Götz Müller, Ex-Leiter des
Büros für Gesellschaftsorgane und Beteiligungen bei
Mannesmann, am Freitag vor dem Düsseldorfer Landgericht. Zudem
hätten die Wirtschaftsprüfer moniert, dass Joachim Funk in
seiner Rolle als damaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates seine eigene
Prämie selbst mitgebilligt habe. "Es war klar, dass es in dieser
Form nicht ging", sagte Müller vor Gericht.
Im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den
britischen Mobilfunkriesen Vodafone waren Abfindungen und Boni in
Millionen-Höhe an Mannesmann-Manager gezahlt worden, die sich nach
monatelanger Gegenwehr letztendlich doch der Übernahme
fügten. Allein Esser hatte dabei rund 30 Millionen Euro erhalten.
Wegen der Genehmigung dieser Zahlungen müssen sich nun mehrere
Mitglieder des Aufsichtsrates wegen des Vorwurfs der schweren Untreue
vor Gericht verantworten, darunter auch der Chef der Deutschen Bank,
Josef Ackermann. Esser ist der Beihilfe zur Untreue angeklagt.
Der Zeuge Müller ergänzte vor Gericht, er selbst habe auch
Bedenken gegen den Anfang 2000 gefassten Beschluss gehabt. Dieser sei
nicht richtig vorbereitet worden. Die Protokolle der Sitzungen seien
darüber hinaus "etwas ungewöhnlich" gewesen. Im Falle Funks
sei es von Anfang an "völlig klar" gewesen, dass die
ursprüngliche Prämienentscheidung vom 4. Februar
"teilnichtig" gewesen war. Diese sei später erneut beschlossen
worden, um die Mängel aufzuheben.
In der vergangenen Woche hatte Esser ausgesagt, es habe seinerzeit
Bedenken gegen die Zahlung eines Bonus an den Aufsichtsratschef Funk
gegeben. Letztendlich seien die Beschlüsse aber korrekt gefasst
worden.
Als weiterer Zeuge wurde der Investmentbanker Dietrich Becker
gehört, der bei Morgan Stanley arbeitet und früher bei der
Deutschen Bank beschäftigt war. Er war mit den
Mannesmann-Abwehrmaßnahmen in der Übernahmeschlacht
vertraut. Am entscheidenden 2. Februar 2000 habe Esser alleine mit
Chris Gent, dem damaligen Vodafone-Chef, verhandelt. In dieses
Gespräch sei Canning Fok, Managing Director des früheren
Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa, geplatzt. Er
wollte Esser Geld bieten, um die "Verhandlungen zu erleichtern", sagte
Becker aus. Fok habe Becker gesagt: Das wäre "der chinesische
Weg." Schließlich konnte Becker ihn aber überzeugen, die
beiden Firmenlenker wieder alleine verhandeln zu lassen.
Unterdessen kündigte die Richterin Brigitte Koppenhöfer am
Freitag an, dass Ex-Vodafone-Chef Gent am 25. März als Zeuge
gehört wird. Zudem dürfte eine Video-Konferenz mit Fok nach
Hong-Kong zu Stande kommen.
Deutsche Bank-Chef Ackermann will sich am kommenden Mittwoch noch
einmal zur Sache äußern. Der Schweizer hatte bisher in einer
Aussage seine Unschuld beteuert. Ackermann saß damals im
Aufsichtsrat von Mannesmann und hat über die Prämien
mitentschieden, selber aber keine erhalten.
Am vergangenen Donnerstag hatte Ackermann gesagt, es gäbe derzeit
keine Signale für ein schnelles Prozessende. Zudem sagte er, dass
das von ihm im Gerichtssaal gezeigte "Victory"-Zeichen als
despektierliche Geste gegenüber dem Gericht missverstanden worden
sei. "Wenn jemand dadurch in seiner Ehre getroffen ist oder glaubt, ich
respektiere die deutsche Gerichtsbarkeit nicht, tut es mir leid", hatte
Ackermann gesagt. Seine Geste sei im Rahmen eines "lockeren
Gesprächs" mit den anderen Angeklagten sowie den Verteidigern
über den US-Popstar Michael Jackson gefallen, der in den USA wegen
Kindermissbrauchs angeklagt ist.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Fresssen oder gefressen werden
Die Vodafone-Mannesmann-Fusion
Größte Wirtschaftstransaktion der Geschichte
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/feindl01.htm
Landgericht ließ Anklage in Mannesmann-Affäre zu
Sa.20.09.03 - Vorstandschef der deutschen Bank muss vor Gericht... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309200.htm#03092008
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309240.htm#03092408
Mannesmann-Prozess beginnt mit Antrag gegen das Gericht
Do.22.01.04 - Im holzgetäfelten Gerichtssaal gaben sich die Angeklagten
demonstrativ gelassen +++ Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann scheitern mit dem
Versuch, den spektakulären Prozess um die
millionenschweren Abfindungen bei der Mannesmann-Übernahme bereits
am ersten Tag platzen zu lassen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012219
Mannesmannprozess: Ackermann und Esser attackieren die
Staatsanwaltschaft
Fr.23.01.04 - «Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leiten
lassen», verteidigte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die
umstrittenen Millionenprämien +++ Ex-Mannesmann-Chef Esser wirft
der Anklagebehörde «üble Nachrede» vor +++
Staatsanwaltschaft wirft Ackermann, Esser und dem ehemaligen IG-Metall-Chef
Zwickel Untreue oder Beihilfe dazu vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401230.htm#04012316
Ein weiterer Bericht mit zahlreichen Links zum Thema bei heise-online (22.01.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-22.01.04-006/
Harsche Kritik an Angeklagten im Mannesmann-Prozess
Fr.23.01.04 - Die Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderer
Topmanager im Mannesmann-Prozess sind bei SPD und beim
Arbeitnehmerflügel der Union auf scharfe Kritik gestoßen.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sprach am Donnerstag in Berlin von
"unglaublicher Arroganz" und dem "Zynismus hoch dotierter Manager".
CDA-Chef Hermann-Josef Arentz kritisierte im Zusammenhang mit dem
Prozess die erschütternde "Raffgier" einzelner Manager...
...Scharfe Kritik kommt auch von dem katholischen Sozialethiker Friedhelm
Hengsbach. "Ich habe den Eindruck, der Mann ist entweder dumm oder
stillos oder beides", kommentierte der Leiter des Frankfurter "Oswald
von Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und
Gesellschaftsethik" die Äußerungen Josef Ackermanns vor
Gericht. Er halte es für "nicht gerechtfertigt, dass ein
Konzernchef das Zehntausendfache einer Lackiererin in einer
Montagehalle verdient", sagte Hengsbach, der sich von dem Prozess
Aufschluss über die "Verfilzung" und "Vetternwirtschaft" in den
deutschen Chefetagen erhofft." Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401230.htm#04012315
Mannesmann-Prozess: Esser erhebt schwere Vorwürfe gegen Ankläger
Do.29.01.04 - Der ehemalige Mannesmann-Konzernchef wirft der Staatsanwaltschaft
«schlimme Entgleisungen» eine «exzessive
Kampagne» gegen ihn vor +++ Esser verteidigt vor Gericht
die Millionen-Prämien, die er im Zusammenhang mit der
Übernahme des Unternehmens durch Vodafone bekommen hatte... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012913
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