Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsechsundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Delegation in Irak eingetroffen +++ Deutschland will Nato bei
Irak-Einsatz nicht blockieren - Fischer hält Ablehnung des
Irak-Kriegs nach wie vor für richtig +++ US-Verteidigungsminister
Rumsfeld wertet Irak-Feldzug als Erfolg +++ Britischer Verteidigungsminister Hoon verteidigt auf
Münchner Sicherheitskonferenz Irak-Krieg
So.08.02.04 - Zur Einschätzung der Möglichkeit für freie Wahlen in
Irak ist am Samstag eine Delegation der Vereinten Nationen in Bagdad
eingetroffen. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte in New
York, die Delegation werde intensive Beratungen mit irakischen
Führungspersönlichkeiten und Vertretern der Besatzungstruppen
aufnehmen. Er hoffe, dass die Arbeit der Abordnung dazu beitragen
werde, die Sackgasse, in die der politische Prozess zur Bildung einer
provisorischen Regierung in Irak geraten sei, zu überwinden.
Die USA sind an einer Lagebeurteilung seitens der UN stark
interessiert. Sie hoffen auf Rückendeckung für ihre Position,
dass es in Irak für Direktwahlen noch zu früh sei und die
für Juli anvisierte Übergangsregierung deshalb von
Wahlausschüssen bestimmt werden sollte, auch wenn die
Bevölkerungsmehrheit der Schiiten dies ablehnt. Die UN hatten nach
einem Anschlag auf ihr Hauptquartier in Bagdad alle internationalen
Beschäftigten aus Irak abgezogen.
Deutschland wird einen Irak-Einsatz der Nato nicht blockieren,
sähe ihn nach Worten von Außenminister Joschka Fischer
(Grüne) aber mit "tiefer Skepsis".
"Die Bundesregierung wird sich einem Konsens nicht verweigern, auch
wenn wir keine Truppen in den Irak senden werden", sagte Fischer bei
der Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik am Samstag.
Für Frieden in der Region sei aber vielmehr ein umfassender Ansatz
nötig, Fischer schlug eine "neue transatlantische Initiative
für den Nahen und Mittleren Osten" vor. CDU-Chefin Angela Merkel
forderte eine Antwort auf die Frage, ob deutsche Stabsoffiziere dann
von Nato-Funktionen im Irak ausgeschlossen würden. "Ich glaube, an
dieser Stelle wird sich Deutschland auf Skepsis allein nicht
beschränken können", sagte Merkel. Die Verteidigungsminister
der USA und Großbritanniens, Donald Rumsfeld und Geoffrey Hoon,
verteidigten den Irak-Krieg, während Fischer die deutsche
Ablehnung als auch im Rückblick richtig hervorhob. Russlands
Verteidigungsminister Sergej Iwanow hob das Interesse seines Landes
hervor, dass die USA und ihre Verbündeten in Irak erfolgreich
seien.
Fischer unterstrich, "dass wir den Frieden gemeinsam gewinnen
müssen, weil wir ansonsten gemeinsam verlieren werden, egal wie
unsere Haltung zum Krieg gewesen ist". Deutschland werde einen
Nato-Einsatz nicht blockieren. "Aber das Risiko eines Scheiterns und
die möglicherweise sehr ernsten und unter Umständen fatalen
Folgen für das Bündnis müssen unbedingt bedacht werden."
Diplomaten zufolge fällt eine Entscheidung erst beim Nato-Gipfel
im Juni in Istanbul. Zur innenpolitisch potenziell strittigen Frage der
deutschen Stabsoffiziere der Nato bei einem Irak-Einsatz
äußerte sich Fischer nicht.
Seine Initiative für den Nahen und Mittleren Osten setzt
zunächst dabei an, die Ansätze der Nato und der
Europäischen Union (EU) für den Mittelmeerraum zu
bündeln. Dabei sollten neben den Nato- und EU-Mitgliedern die
Maghreb-Staaten Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien sowie
Israel, Ägypten, Jordanien, die Palästinensischen Gebiete,
Syrien und Libanon einbezogen werden. Ein weiterer Schritt könne
dann eine "Erklärung für eine gemeinsame Zukunft" sein, die
sich auch an die übrigen Staaten der Arabischen Liga und den Iran
richten könne.
Neben einer Sicherheitspartnerschaft solle es auch um wirtschaftliche
Beziehungen gehen. Denkbar sei, bis zum Jahr 2010 eine Freihandelszone
für den gesamten Mittelmeerraum zu schaffen. Seine Initiative
solle von bestehenden Institutionen getragen werden, sagte Fischer.
Regelmäßige Ministertreffen böten sich zur Steuerung
an. Fischer charakterisierte die von ihm vorgeschlagene Erklärung
als einen Vertrag, in dem sich die beteiligten Länder unter
anderem zu Demokratie und zum Kampf gegen den Terrorismus
verpflichteten. Bei den Gipfeln von G8, EU und Nato in den kommenden
Monaten böten sich Gelegenheiten, "ein solches Projekt praktisch
auf den Weg zu bringen".
Der neue Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer machte
deutlich, dass ein Irak-Einsatz der Nato in Sichtweite ist. "Eine neue
Verpflichtung könnte auf uns zukommen: Irak", sagte er. "Wenn eine
legitimierte, souveräne irakische Regierung um unsere Hilfe bittet
und wir die Unterstützung der Vereinten Nationen haben, sollte die
Nato nicht von ihren Pflichten zurücktreten." Die Nato müsse
bereit sein für diese Aufgabe.
Diese Frage hatte auch das informelle Treffen der
Nato-Verteidigungsminister am Vortag in München beschäftigt.
Rumsfeld hatte eine größere Rolle für die Nato in
Afghanistan und im Irak gefordert, Polen dringt auf einen gemeinsamen
Irak-Einsatz.
Fischer unterstrich, dass er die Ablehnung des Irak-Kriegs nach wie vor
für richtig halte. "Die Bundesregierung sieht sich durch den Gang
der Ereignisse in ihrer damaligen Haltung bestätigt." Er war
über diese Frage bei der Konferenz vor einem Jahr, die sieben
Wochen vor Kriegsbeginn stattfand, mit Rumsfeld aneinander geraten.
Rumsfeld verteidigte den Irak-Krieg erneut. "Als wir uns das letzte Mal
trafen, lebte das irakische Volk in Angst vor einem Diktator", sagte
er. "Heute bewegt sich das Land auf eine freie Gesellschaft zu."
Der Vorgänger von US-Verteidigungsminister Rumsfeld, William
Cohen, warf dem deutschen Außenminister indes
Widersprüchlichkeiten vor. Wenn die Nato im Nahen und Mittleren
Osten eine Rolle übernehmen solle, wie es Fischer sage, dann solle
Deutschland auch erwägen, Soldaten zu entsenden.
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) betonte die Notwendigkeit
einer sich ergänzenden Kooperation von Nato und EU. "Ein starkes
Europa ist auch im Interesse der Nato", sagte er mit Blick auf
US-Vorbehalte gegenüber der geplanten größeren
sicherheitspolitischen Rolle der EU. Von beiden Organisationen bleibe
die Nato die erste Adresse für konfliktreiche Einsätze zur
Friedenserzwingung. Struck regte eine Arbeitsgruppe von Experten an,
die die Nato auf die neuen Herausforderungen vor allem durch
internationalen Terrorismus vorbereiten solle.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zog eine positive Bilanz des
Irak-Krieges. Die 25 Millionen Iraker seien von Saddam Husseins Regime
befreit worden, und Libyen habe seine Pläne zum Bau von
Massenvernichtungswaffen aufgegeben, sagte Rumsfeld auf der
Sicherheitskonferenz in München am Samstag.
"Sobald die Saat der Freiheit im Nahen Osten Fuß gefasst hat,
kann sie sich weiter ausbreiten" wie nach dem Zweiten Weltkrieg in
Europa und Japan. "Die Ausweitung des Mittelmeer-Dialogs sollte oben
auf der Tagesordnung" des NATO-Gipfels von Istanbul im Juni stehen,
sagte Rumsfeld.
Wenn Terroristen an Massenvernichtungswaffen gelangten und
Hunderttausende Menschen töten könnten, "dann wartet man nicht
ab", sagte Rumsfeld und verteidigte die Doktrin der Vorbeugung. Solche
Waffen würden "hin und her verschoben". Wenn Terroristen sie in die
Hand bekommen könnten, "muss man sich der Herausforderung stellen".
Allerdings sei schwer zu erkennen, wann und wo das der Fall sei.
"Natürlich machen wir Fehler", sagte Rumsfeld. Er sei froh, dass
Präsident George W. Bush die Leistung der US-Geheimdienste vor dem
Irakkrieg untersuchen lasse.
Aber Saddam Hussein habe Menschen gefoltert und getötet, Giftgas
eingesetzt und 17 UN-Resolutionen missachtet. Heute seien Irak und
Afghanistan auf dem Wege der Demokratisierung, in vielen anderen Staaten
gebe es Fortschritte.
Die Spannungen mit den europäischen Irakkriegs-Gegnern bewertete
Rumsfeld als nebensächlich. Die Welt verändere sich, "und es
kracht überall im Gebälk. Die NATO passt sich an", sagte er.
Das sei immer wieder so gewesen. "Jeder Affe, der vom Mars auf die Erde
schaut, sieht, dass Amerika und Europa die gleichen Werte haben", sagte
Rumsfeld. Die NATO sei ein Katalysator für politische und
wirtschaftliche Reformen.
Ebenso wie US-Verteidigungsminister Rumsfeld verteidigte auch der
britische Verteidigungsminister Geoff Hoon den Irak-Krieg. Ohne den
Einsatz der USA und Großbritanniens wäre Saddam Hussein
heute noch an der Macht, sagte Hoon auf der Münchner Konferenz
für Sicherheitspolitik am Samstag. Er wisse zwar, dass die Frage
der Massenvernichtungswaffen "kontrovers" bleibe. Der Hutton-Bericht
habe aber gezeigt, dass Saddam Hussein solche Waffen angestrebt habe.
Durch den Einsatz in Irak sei zudem die Weiterverbreitung von
ABC-Waffen etwa in Nordkorea, Iran und vor allem Libyen
eingeschränkt worden. Die Münchner Sicherheitskonferenz war
im vergangenen Jahr wegen des bevorstehenden Irak-Krieges von
Kontroversen zwischen Befürwortern und Gegnern eines
militärischen Vorgehens geprägt gewesen.
In Irak ist ein Bus der irakischen Truppen westlich der
Hauptstadt Bagdad mit Granaten angegriffen worden. Fünf Soldaten
und ein Zivilist wurden verletzt, wie die irakischen Streitkräfte
erklärten. Der Zwischenfall habe sich am Samstag in Falludscha in
der Nähe des Büros des Bürgermeisters ereignet, sagte
Militärsprecher Raad Mussab. Die Angreifer entkamen.
Im Norden des Landes wurde nach irakischen Angaben ein
mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Ansar el Islam
festgenommen. Der Verdächtige Warsir Ali Wali Mamoji habe
versucht, von Iran aus ins Land zu gelangen und sei an einem
Kontrollpunkt in der kurdischen Provinz Suleimanijah entdeckt worden,
sagte Verwaltungsmitarbeiter Omar Gharib. Mamoji sei Mitglied eines
Komitees, das politische Stellungnahmen für Ansar el Islam
verfasse. Es wird vermutet, dass die Organisation die beiden
Anschläge auf kurdische Parteibüros in Erbil am vergangenen
Wochenende verübte. Dabei waren 109 Menschen ums Leben gekommen.
Die kurdische Zeitung "Kurdistani Nuwe" berichtete am Freitag, Mamoji
habe in das so genannte sunnitische Dreieck reisen wollen. Dort habe er
sich möglicherweise mit Anhängern des ehemaligen Staatschefs
Saddam Hussein treffen wollen.
Mehr als 200 ehemalige Mitglieder des irakischen
Informationsministeriums demonstrierten am Samstag in der Nähe des
Sitzes der Alliierten in Bagdad und verlangten die Auszahlung ihrer
Gehälter. Die Angestellten waren im Mai 2003 nach der
Auflösung des Ministeriums entlassen worden. Das Ministerium galt
als Sprachrohr des alten Regimes.
Der stellvertretende italienische Ministerpräsident Gianfranco
Fini besuchte am Samstag überraschend die Truppen seines Landes in
Südirak. Fini traf am Morgen auf dem italienischen Stützpunkt
bei Nassirijah ein und wollte noch am Nachmittag wieder nach Rom
zurückkehren, wie ein Sprecher des Stützpunktes
erklärte. Fini ist das ranghöchste Mitglied der italienischen
Regierung, das die rund 2.600 in Irak stationierten Soldaten des Landes
besuchte. Bei einem Selbstmordanschlag in Nassirijah kamen am 12.
November 19 Italiener ums Leben.
(Quellen: ap, afp, rtr)
"Eine Working-Class-Armee, die für das reiche Amerika kämpfen
und sterben soll"
.. 512 (tote US-Soldaten im Irak) - eine kleine Zahl, verglichen mit
jenen zehntausenden Irakern, die dem neuesten einseitigen "Irakkrieg"
zum Opfer fielen. Der mächtigste Militärstaat in der
Weltgeschichte befand sich im Kampf mit einem geschwächten,
sterbenden Regime, das selbst für seine Nachbarn nur noch eine
minimale Bedrohung darstellte. Die Zahl 512 ist jedoch auch relativ
niedrig, denkt man an die vielen verwundeten US-Soldaten: Seit Beginn
der Irak-Invasion sind es viele Tausende, die "die orthopädischen
Chirurgen" im 'Walter Reed Hospital' "auf Trab halten". Die Verwundeten
werden in C-17-Transportflugzeugen in ihre imperiale Heimat
zurückgeflogen. Viele der verletzten US-Soldaten haben einen Arm
oder ein Bein verloren - oder mehrere Gliedmaßen - als Folge der
furchtbaren Angriffe mit raketengestützten Granaten,
ferngezündeten Minen oder "improvisierten Explosivvorrichtungen",
wie das Pentagon das nennt (siehe Vernon Loebs 'Iraq's Unspoken Toll:
Wounded Troops': http:/www.detnews.com/2003/nation/0309/21/a01-276738.htm
- ein schauderhafter Bericht vom Herbst 2003.).
Das Pentagon selbst gibt Verletztenzahlen nur auf ausdrückliche
Nachfrage heraus - anders als Totenzahlen. Aus Gründen der
PR-Propaganda genießen hehre Gefallene und beflaggte Särge
nunmal Präverenz gegenüber lebenslang Invalidisierten.
Tausende US-Soldaten, die in den Irak geschickt wurden, hat dieses
Schicksal ereilt. Die Zukunft dieser verletzten Soldaten ist
zusätzlich bedroht durch Pläne der US-Regierung, Leistungen
für Veteranen zu kürzen bzw. durch Einschnitte ins Netz der
Kranken- und Sozialversicherung, die weniger betuchte Amerikaner
treffen. 512 - auf der anderen Seite sind das mehr tote Amerikaner als
in der Vergleichs- Phase der amerikanischen Invasion in Vietnam fielen.
Hinzu kommt der unermeßlich hohe Preis, den die Hinterbliebenen
jeder/jedes Einzelnen der toten Soldaten/Soldatinnen zahlen: Ehepartner,
die Mann oder Frau verloren und deren Kinder. Mütter und
Väter betrauern ihre Söhne und Töchter; Brüder und
Schwestern ihre Geschwister, Freunde einen Freund oder eine Freundin.
Am Heimatort wird der Verlust eines Bürgers, Arbeiters,
Steuerzahlers beklagt.
Aber wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?
Jenseits der einfachen moralischen Selbstevidenz, dass diese Menschen
Individuen waren, die es verdient gehabt hätten, ein erfülltes
Leben zu führen, das (nur) ihnen gehört, Menschen, auf die
andere bauten, ist vor allem eines wichtig: Diese Soldaten kamen
überwiegend aus den benachteiligten Regionen unserer
sozio-ökonomischen Landschaft. In einem Times-Report - zu Beginn
der Irak-Invasion veröffentlicht - stand: "Verschafft man sich
einen Überblick über die bis zum Überdruss gesammelten
und analysierten demographischen Fakten bezüglich US-Militär,
so ergibt sich das Bild einer Kampftruppe, die alles andere als eine
amerikanische Mischung ist". Das Militär "spiegelt", so die New
York Times, " Working-Class-Amerika". Die Zusammensetzung des
Militärs erinnere weit eher an eine "2jährige Handelsschul-
oder Pendlerklasse" am Rande Birminghams oder Biloxis als an ein Getto
oder ein Barrio bzw. eine 4-jährige Bostoner Universität. Was
man hier sieht, sei "im Grunde eine Armee der Arbeiterklasse", von der
"erwarte(t) wird, dass sie für das reiche Amerika kämpft und
stirbt". ...
Aus: Paul Street - "Lächeln im Angesicht der Totennamen -
Überlegungen zu einer grinsenden, blutgetränkten
Präsidentschaft", ZNet 30.01.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=997
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=15&ItemID=4912
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Tausende demonstrieren gegen Münchner Sicherheitskonferenz
'Abzug der Besatzungstruppen aus Irak' gefordert
So.08.02.04 - Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot haben am Samstag
mehrere tausend Menschen gegen die Münchner Sicherheitskonferenz
demonstriert. Bei der Abschlusskundgebung, 500 Meter vom abgeschirmten
Tagungshotel entfernt, forderten die Demonstranten den «Abzug der
Besatzungstruppen aus Irak». Die Veranstalter sprachen von 10.000
Kundgebungsteilnehmern, die Polizei von 5.000. Rund 50 Kriegsgegner
wurden fest- oder in Gewahrsam genommen.
Der Liedermacher Konstantin Wecker rief die Soldaten auf, im
Kriegsfalle zu desertieren: «Verweigert die Befehle der
Generäle!». Auf Plakaten forderten die Demonstranten
«Stoppt die Kriegstreiber», «Miteinander für
Frieden und Gerechtigkeit» sowie «Nein zum globalen Krieg
der NATO-Staaten». In einer Rede bei der Auftaktkundgebung nannte
Mitinitiator Klaus Schreer die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz
Völkerrechtsverbrecher.
Während des Zuges gab es immer wieder Rangeleien, bei denen die
Polizei Plakate beschlagnahmte. Bis in den späten Abend lieferten
sich Sondereinsatzkommandos und einige Autonome ein «Katz- und
Mausspiel», wie ein Polizeisprecher sagte. Auf dem Marienplatz
wurden nach der Demonstration ein Dutzend Personen eingekesselt und
festgenommen. Insgesamt 3.500 Einsatzkräfte schützten die
Sicherheitskonferenz.
Insgesamt nahm die Polizei 39 Demonstranten unter anderem wegen
Beleidigung und Widerstands fest und weitere zehn Personen in
Unterbindungsgewahrsam. Von den 175 am Freitag festgesetzten
Demonstranten waren in der folgenden Nacht fast alle wieder
freigelassen worden, neun Personen sollten dem Haftrichter
vorgeführt werden. Der Fraktionschef der Münchner
Grünen, Siegfried Benker, nannte das Auftreten der Polizei
«unnötig provozierend».
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac wertete die Proteste als
großen Erfolg. «Die Friedensbewegung setzt in München
ein deutliches Zeichen. Wir nehmen es nicht hin, dass die Politik immer
stärker auf militärische Mittel setzt und neue Kriege
vorbereitet», sagte Sarah Seeßlen von Attac München.
Zu der Demonstration hatten neben dem Netzwerk unter anderem die
Gewerkschaften ver.di und GEW sowie die katholische Friedensbewegung
Pax christi aufgerufen.
Vor einem Jahr hatten noch rund 20.000 Menschen gegen die Konferenz
demonstriert.
(Quelle: ap)
MÜNCHEN - Breaking-News +++ 07-02-2004 14:47 Demo hat
Viktualienmarkt passiert, wird immer wieder kurzzeitig gestoppt u.
Seitentransparente entfernt, teilw. Polizeispalier +++ 07-02-2004 13:50
Demo wurde kurzzeitig gestoppt wegen "auflagenwidriger"
Seitentransparente, Polizei geht in den Zug. +++ 07-02-2004 13:29
Kundgebung beendet. 5.000-10.000 setzen sich in Bewegung. Auflagen:
Alle TeilnehmerInnen mit Gesichtsbemalungen/Kostümen müssen
der Polizei gemeldet werden. +++ 07-02-2004 13:01 Zur Auftaktkundgebung
auf dem Marienplatz haben sich derzeit ca. 5000 Menschen versammelt.
+++ ....
Quelle: Indymedia
http://www.germany.indymedia.org/index.shtml
Blick ins Archiv:
Bei Sicherheitskonferenz in München Straßenblockade - Mehr
als 170 Demonstranten von Polizei festgesetzt
Sa.07.02.04 - Mehrere hundert Kriegsgegner haben am Freitag in München gegen die
40. Sicherheitskonferenz demonstriert. Die Polizei nahm bis zum Abend
28 Demonstranten fest, unter anderem wegen Waffenbesitz, Verdacht auf
gefährliche Körperverletzung, Beleidigung oder Widerstand
gegen Beamte. Weitere 147 weitere Demonstranten wurden
vorübergehend in Gewahrsam genommen. Sie hätten versucht, die
Straße zu blockieren, andere hätten Widerstand geleistet
oder sich vermummt, sagte ein Sprecher, der die Atmosphäre "sehr
aggressiv" nannte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#04020701
Frieden und Gerechtigkeit gestalten - Nein zum Krieg !
Parallel zur NATO-Sicherheitskonferenz findet in München eine
»Internationale öffentliche Friedenskonferenz« statt.
Organisiert wurde die Veranstaltung, auf der alle wesentlichen
internationalen Konfliktherde behandelt werden sollen, von der
Deutschen Friedensgesellschaft, ATTAC und kirchlichen Gruppen...
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2004/02-07/011.php
http://www.dfg-vk.de/sicherheitskonferenz
Presseerklärung der Internationalen Friedenskonferenz::
http://www.linkeseite.de/index654.htm?
PHPSESSID=a11968b9737c5b75452d71a35d22b801
Planet Peace 2004 - Kulturfestival gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.planet-peace.de
Attac ruft auf zum Protest gegen die 'Sicherheitskonferenz'
http://www.sicherheitskonferenz.info/
Internationale und öffentliche Gegenveranstaltung zur 'Sicherheitskonferenz'
http://www.dfg-vk.de/sicherheitskonferenz
Kundgebung und Demo in München: Samstag 7.2. 2004,
12.00 Uhr Marienplatz
http://www.muenchner-friedensbuendnis.de
Sonderseiten zur Sicherheitskonferenz
http://www.linkeseite.de/index391.htm
nadir-aktuell-Schwerpunkt: NATO Kriegskonferenz:
http://www.nadir.org/nadir/aktuell/schwerpunkte/munich.html
No NATO, no NATO-Sicherheitskonferenz
http://www.no-nato.de
Offizielle Homepage der Sicherheitskonferenz:
http://www.securityconference.de
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Mehrheit der Briten will laut Umfrage Blairs Rücktritt
So.08.02.04 - Der Freispruch der Regierung von Premierminister Tony Blair im Bericht
von Lordrichter Hutton hat viele Briten offenbar nicht überzeugt.
Nach einer am Samstag veröffentlichten Umfrage sind 51 Prozent der
Befragten für einen Rücktritt Blairs, und 54 Prozent glauben,
dass der Regierungschef über die irakische Bedrohung vor dem Krieg
gelogen habe. Der Lordrichter hatte in seinem Bericht die Londoner
Regierung Ende Januar von dem Vorwurf freigesprochen, wissentlich
Geheimdienstmaterial aufgebauscht zu haben, um den Krieg gegen Irak zu
rechtfertigen.
Blair erklärte sich Anfang der Woche - einen Tag nach der
US-Regierung - zu einer Untersuchung der Geheimdienstberichte über
irakische Massenvernichtungswaffen bereit. In der Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts NOP für die Zeitung «The
Independent» waren 68 Prozent der Befragten der Ansicht, eine
solche Untersuchung werde das Vorgehen der Regierung
schönfärben. Auch Lordrichter Hutton wurde von Kritikern
vorgeworfen, der Regierung einen «Persilschein» ausgestellt
zu haben. Der Labour-Fraktionschef im Unterhaus, Peter Hain,
erklärte zu der Umfrage im Sender BBC, die Regierung habe
zweifellos ein Vertrauensproblem.
(Quelle: ap)
US-Senator Kerry gewinnt Vorwahlen in Michigan und Washington
So.08.02.04 - US-Senator John Kerry hat am Wochenende auch die Vorwahlen seiner
Demokratischen Partei in Michigan und Washington klar gewonnen. In
beiden Staaten erzielte der 60-Jährige rund 50 Prozent der
Stimmen. Auf den zweiten Platz kam jeweils der noch Ende vergangenen
Jahres als Favorit gehandelte Howard Dean. In Maine sollte am Sonntag
während einer Parteikonferenz über den demokratischen
Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November
entschieden werden.
«Die Tage von (Präsident) George Bush sind
gezählt», sagte Kerry vor seinen Anhängern in Richmond
im US-Staat Virginia. Er bezeichnete die regierenden Republikaner als
extrem, während die Demokraten für die Mitte stünden.
Kerry kam in Washington auf 49 Prozent der Stimmen und in Michigan
sogar auf 52 Prozent. Auf Platz zwei kam Dean mit 30 Prozent in
Washington und 17 Prozent in Michigan. Die anderen Bewerber, darunter
der frühere NATO-Befehlshaber Wesley Clark und Senator John
Edwards, landeten deutlich abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.
Kerry gewann damit bisher sieben der neun Vorwahlen und
Parteiversammlungen. Er kommt nach diesen Erfolgen inzwischen auf 250
der 2.169 für die Nominierung erforderlichen Delegiertenstimmen.
Seine Rivalen schafften jeweils weniger als die Hälfte. Am
Dienstag wird in den Staaten Virginia und Tennessee gewählt, eine
Woche später in Wiscosin. Den Umfragen zufolge lag Kerry in allen
drei Staaten klar vorn.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Tote bei Luftangriff auf Dschihad-Führer +++ 400 Fatah-Mitglieder
aus Protest gegen Führung ausgetreten +++ Tausende Israelis und
Palästinenser protestieren gegen Sperranlage
So.08.02.04 - Bei einem israelischen Hubschrauberangriff in Gaza ist neben einem
radikalen Palästinenserführer auch ein
Zwölfjähriger getötet worden. Acht weitere Menschen
wurden den Angaben zufolge verletzt, unter ihnen zwei Kinder im Alter
von zwei und zehn Jahren. Die Hubschrauberbesatzung hatte eine
Rakete auf das Auto von des radikalen Palästinenserführers
Asis Mahmud Schami abgefeuert, als dieser eine belebte Strasse in
Gaza-Stadt entlangfuhr. Der palästinenische Regierungschef Ahmed
Kureia verurteilte den Angriff, der seiner Ansicht nach auf "die
Eskalation der Gewalt" abzielte.
Asis Mahmud Schami arbeitete nach Angaben des Islamischen Dschihad auch
als Leibwächter für den obersten Führer der Gruppe,
Abdullah Schami. Dieser schwor den Streitkräften Rache für
den Tod seines Cousins. "Der Islamische Dschihad ist eine
Widerstandsbewegung und wird auf diesen Angriff mit aller Macht
reagieren", sagte er, als er den Leichnam seines Verwandten besuchte.
Asis Mahmud Schah war kurz nach dem Angriff in einem Krankenhaus seinen
Verletzungen erlegen. Die israelischen Streitkräfte
begründeten den Angriff damit, dass Schami einen grösseren
Anschlag auf die Siedlung Netzarim geplant habe. Darüber hinaus
sei er für den Tod mehrerer Soldaten sowie einen doppelten
Selbstmordanschlag 1995 in Netanja verantwortlich gewesen, bei dem 21
Israelis ums Leben kamen.
Drei weitere Verletzte befanden sich nach Angaben der
palästinensischen Ärzte in einem kritischen Zustand. Ob es
sich um Insassen des Autos oder Passanten handelte, wurde nicht
bekannt. Das zwölfjährige Opfer war zum Zeitpunkt des
Angriffs auf dem Weg zur Schule und sofort tot, wie die Ärzte
mitteilten.
Aus Protest gegen die Führung sind am Samstag rund 400 Mitglieder
aus der Fatah-Partei des palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat ausgetreten. In einem Brief an Arafat und andere führende
Funktionäre beklagten sie sich über Korruption,
Misswirtschaft und mangelnde Geradlinigkeit bei der Handhabung des
Konflikts mit Israel. Hatem Abdul Chader, ein prominenter junger
Abgeordneter der Fatah, sagte, obwohl die Partei hunderttausende
Mitglieder habe, müsse der Austritt von nahezu 400 Mitgliedern
ernst genommen werden. Besonders die jüngere Generation ist
unzufrieden mit der alten Garde der Fatah.
Fast 3000 Israelis und Palästinenser haben gegen die umstrittene
israelische Sperranlage protestiert. Sie versammelten sich am
Fuße der Zementplatten am Rande des von Israel annektierten
Ostteils von Jerusalem. Der israelische Friedensaktivist Uri Avneri
bezeichnete die Anlage als "Monster".
"Diese Mauer wird fallen, und (der israelische Ministerpräsident
Ariel) Scharon und seine Regierung werden mit ihr fallen", sagte Avneri
unter dem Applaus der israelischen und palästinensischen
Demonstranten. "Diese Mauer wird nur den Hass und die Gewalt
verstärken und zu mehr Blutvergießen führen, für
das Israel verantwortlich sein wird", sagte Nihad Abu Ghusch, der nach
eigenen Angaben im Namen der "nationalen palästinensischen
Kräfte" sprach.
Die Kundgebung wurde von den zwei israelischen Friedensgruppen Gusch
Schalom und Tajusch organisiert und von allen Palästinensergruppen
mit Ausnahme der radikalen Organisationen Hamas und Islamischer
Dschihad unterstützt.
Die palästinensischen Behörden erhoben am Samstag Anklage
gegen vier Männer, die sie für einen Bombenanschlag auf einen
US-Diplomatenkonvoi im Oktober verantwortlich machen. Ein
Militärstaatsanwalt erklärte, die Angeklagten hätten an
einer wichtigen Verbindungsstrasse Bomben ausgelegt, um israelische
Panzer zu sprengen. Möglicherweise sei es einer dieser
Sprengsätze gewesen, der eines der US-Fahrzeuge in Stücke
riss und drei amerikanische Sicherheitskräfte tötete. Nach
dem Anschlag hatten sich allerdings Hinweise darauf gefunden, dass die
Urheber absichtlich den US-Konvoi sprengten. In der Nähe wurde ein
Gerät gefunden, mit dem sich die Sprengsätze ferngesteuert
zünden liessen.
(Quellen: afp, ap)
Angeblich zwanzig Tote bei Kämpfen in Afghanistan
So.08.02.04 - Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen im Nordosten
Afghanistans sind nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom
Samstag 20 Menschen ums Leben gekommen und weitere 40 verletzt worden.
Die Gefechte seien am Donnerstagabend bei Orgo in der Provinz
Badachschan zwischen Anhängern des Bürgermeisters und eines
örtlichen Milizkommandeurs ausgebrochen. Die Provinzregierung habe
hunderte Soldaten in die Region entsandt, doch dauerten die Kämpfe
an fünf verschiedenen Orten an. Der stellvertretende Innenminister
Hilalludin Hillal bestätigte die Kämpfe. Er erklärte
aber, die Angaben über die Opferzahl seien nicht korrekt. Andere
Zahlen nannte er indes nicht. Eine Delegation aus Kabul versuche, die
Lage zu beruhigen.
(Quelle: ap)
Irans Präsident will an Wahltermin festhalten
So.08.02.04 - Im Streit um die Kandidatenlisten für die iranische Parlamentswahl
hat Präsident Mohammed Chatami gegenüber den Konservativen
eingelenkt und eine Einhaltung des Wahltermins am 20. Februar
zugesichert. Derweil will der Wächterrat keinen einzigen der
Kandidaten zur Wahl zulassen, für die reformorientierte Politiker
sich ausdrücklich eingesetzt hatten.
Weder der Präsidentenbruder und Chef der größten
iranischen Reformpartei, Mohammed Resa Chatami, noch der Leiter des
parlamentarischen Außenausschusses, Mohsen Mirdamadi, standen auf
einer Liste der zugelassenen Kandidaten, die die studentische
Nachrichtenagentur Isna verbreitete.
In einem mit Parlamentspräsident Mehdi Karubi verfassten Brief an
den geistlichen Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, kritisierte
Chatami den Ausschluss zahlreicher Kandidaten, wie die
Nachrichtenagentur Irna meldete. Chatami und Karubi kritisierten, dass
der Wächterrat nicht die Anordnung Chameneis befolgt habe, die
Kandidatenliste noch einmal gründlich zu überprüfen. Der
Ausschluss von Kandidaten schränke den Wettbewerb ein und mindere
das Interesse der Wähler an dem Urnengang, erklärten Chatami
und Karubi weiter.
Der Wächterrat erklärte, er habe so wenige namhafte
Reformpolitiker nachträglich zugelassen, "um zu zeigen, dass der
Wächterrat nur seine Pflicht erfüllt hat und dass es in
diesem Land ein Organ gibt, das denjenigen an der Macht Widerstand
leistet, die ihren Willen mit Gewalt aufzudrängen versuchen".
Indem Regierung und Parlament sich mit der "geringen Menge"
Ausgeschlossener befassten, "beleidigten" sie diejenigen Kandidaten,
die zur Wahl zugelassen sind.
Der Rat ließ 206 Kandidaten nachträglich zu. Er hatte Mitte
Januar eine Staatskrise ausgelöst, indem er knapp einem Drittel
der 8000 Bewerber eine Kandidatur für die Parlamentswahl
untersagte. Die Entscheidung führte zu einer schweren
Konfrontation zwischen Konservativen und Reformern, die in einen
Sitzstreik von Parlamentariern mündete und am vergangenen
Wochenende mit dem Rücktritt von 120 der 290
Parlamentsabgeordneten eskalierte.
(Quelle: afp)
Tote bei Anschlag auf Markt in Kaschmir
So.08.02.04 - Mutmaßliche separatistische Rebellen haben am Samstag im
indischen Teil Kaschmirs eine Granate auf einen belebten Markt
geschleudert. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens vier Menschen
getötet und 21 weitere verletzt. Der Anschlag ereignete sich in
Shopian, einer Stadt 60 Kilometer südlich von Srinagar. Die
Täter flüchteten. Ziel des Anschlags war offenbar eine
Militärpatrouille, die meisten Opfern waren laut Polizei aber
Zivilpersonen.
In der Stadt Anantnag zwanzig Kilometer weiter südlich erschossen
mutmaßliche Aufständische einen früheren Rebellen.
Mehrere bewaffnete Männer stürmten in das Haus von Zahoor
Achmed Baba, der mit den Streitkräften zusammenarbeitete. Sie
gaben nach Polizeiangaben mehrere Schüsse aus nächster
Nähe ab. Baba sei sofort tot gewesen, hieß es.
Indien und Pakistan haben Ende November vereinbart, den Konflikt um
Kaschmir in Verhandlungen zu lösen, die noch im Februar beginnen
sollen. Die islamischen Rebellengruppen, die im indischen Teil von
Kaschmir für einen eigenen Staat oder den Anschluss an Pakistan
kämpfen, haben sich jedoch nicht zu einem Waffenstillstand bereit
erklärt. Seit 1989 sind in dem Konflikt mindestens 65.000 Menschen
getötet worden.
(Quelle: ap)
Parlament in Sri Lanka aufgelöst
So.08.02.04 - Die Präsidentin von Sri Lanka, Chandrika Kumaratunga, hat am
Samstag das Parlament aufgelöst und einen Termin für
vorgezogene Neuwahlen am 2. April gesetzt. Eine entsprechende
Erklärung der Präsidentin sei in der Parteizentrale
eingetroffen, sagte ein hoher Regierungsbeamter in Colombo.
Verfassungsgemäß würde die nächste Wahl in vier
Jahren stattfinden. Kumaratunga hatte bereits Anfang November
während einer Auslandsreise von Ministerpräsident Ranil
Wickremesinghe das Parlament für mehrere Wochen aufgelöst und
die Ministerien für Verteidigung, Inneres und Information
übernommen.
Der anhaltende Machtkampf mit Wickremesinghe hat den Friedensprozess
mit den tamilischen Rebellen nachhaltig gestört. Wickremesinghe
sagte als erste Reaktion auf den Schritt Kumaratungas am Samstag eine
Reise nach Thailand ab. Die Präsidentin wirft Wickremesinghe vor,
den Rebellen zu viele Zugeständnisse zu machen. Sie tritt für
eine härtere Verhandlungslinie ein.
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) warnten schon vor Wochen,
die Regierungskrise könnte zu neun Kämpfen führen.
Wickremesinghe unterzeichnete mit den Rebellen im Februar 2002 einen
Friedensvertrag, der nach 19 Jahren Bürgerkrieg und 65.000 Toten
die Waffen zum Schweigen brachte. Derzeit liegen die
Friedensgespräche jedoch auf Eis.
(Quelle: ap)
Gefechte in haitianischer Stadt Gonaives
So.08.02.04 - Zwei Tage nach der Vertreibung der bisherigen Verwaltung aus der
haitianischen Stadt Gonaives durch Aufständische haben
Polizeikräfte am Samstag damit begonnen, die Stadt wieder unter
ihre Kontrolle zu bringen. Rund 150 schwer bewaffnete Polizisten
rückten mit Fahrzeugen und zu Fuß in die
viertgrößte Stadt Haitis ein. Bewohner bewarfen die
Heranrückenden mit Steinen. Bei einem Gefecht zwischen Rebellen
und Sicherheitskräften wurde ein Polizist getötet und ein
weiterer verletzt.
Kämpfer der lose organisierten Widerstandsfront Gonaives
versteckten sich beim Einmarsch der Polizei in Seitenstraßen oder
suchten in Hauseingängen Deckung. Ein Sprecher der
Widerstandsfront, Wilfort Ferdinand, sagte von seinem Balkon aus:
«Ich bin kein Terrorist. Wir kämpfen für das Volk von
Haiti.» Er werde seine Waffe niederlegen, sobald Präsident
Jean-Bertrand Aristide zurücktrete. Ein weiterer
Rebellenführer, Buteur Metayer, hatte zuvor Widerstand gegen jeden
Versuch der Regierung angekündigt, die Stadt wieder unter ihre
Kontrolle zu bringen. «Wir werden unseren Sieg
verteidigen», sagte Metayer am Freitag der Nachrichtenagentur AP.
Die Aufständischen, denen sich auch Soldaten anschlossen, waren am
Donnerstag in die zentrale Polizeiwache von Gonaives eingedrungen und
hatten das Gebäude in Brand gesteckt. Sie vertrieben die Polizei
und befreiten mehr als 100 Häftlinge. Auch die Stadtverwaltung
wurde vertrieben. Bewohner feierten haben dies als Sieg über
Aristide. «Die Revolution hat begonnen!» rief eine
27-jährige Demonstrantin am Freitag vor der am Vortag
gestürmten Polizeiwache. Bei der Erstürmung öffentlicher
Gebäude kamen am Donnerstag nach Angaben des Roten Kreuzes sieben
Menschen ums Leben, unter ihnen drei Polizisten.
Die 200.000 Einwohner zählende Stadt Gonaives liegt im Nordwesten
von Haiti und ist seit Monaten ein Zentrum des Widerstands gegen
Aristide. Dieser hat die Forderung abgelehnt, vor Ende seiner Amtszeit
im Jahr 2006 zurückzutreten. Bei politisch motivierten Unruhen
sind seit Mitte September vergangenen Jahres mindestens 58 Menschen ums
Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Hereros ziehen Klage gegen Deutschland vorerst zurück
So.08.02.04 - Die Entschädigungsklage des Volkes der Hereros gegen Deutschland
wegen eines Massakers vor hundert Jahren im heutigen Namibia ist
vorerst zurückgezogen. Das Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» meldete am Samstag vorab, bereits im Februar 2002 sei
die vor einem US-Gericht erhobenen Klage aus formalrechtlichen
Gründen nicht der Bundesregierung vorgelegt worden. Eine
Parallelklage in den USA gegen deutsche Firmen, die angeblich durch das
1904 begangene Massaker begünstigt wurden, sei noch nicht
entschieden.
Hintergrund des Völkermordvorwurfs ist die blutige Niederschlagung
des Herero-Auftandes im Jahr 1904 durch Truppen des deutschen
Kaiserreichs unter Führung des Generals Lothar von Trotha. Seit
1995 verlangen die Nachfahren eine Entschädigung, drangen damit
aber weder bei der Bundesregierung noch beim Internationalen
Gerichtshof in Den Haag durch. 2001 verklagten Hereros die
Bundesrepublik nach US-Recht in einem Sammelklageverfahren auf Zahlung
von zwei Milliarden US-Dollar. Die Klage lehnt sich an das Muster der
Sammelklagen von NS-Zwangsarbeitern an, die schließlich
außergerichtlich geregelt wurden.
Eine weitere Klage über zwei Milliarden US-Dollar richtet sich
gegen drei deutsche Unternehmen, darunter die Deutsche Bank,
beziehungsweise deren Rechtsnachfolger. Dabei ist rechtlich offenbar
umstritten, ob die Nachfolger überhaupt beklagbar sind.
Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass nicht sie für die
Gräueltaten Trothas haftbar gemacht werden kann. Sie verweist
darauf, dass Deutschland in Namibia der weltweit größte
Geber von Entwicklungshilfe sei.
Außenminister Joschka Fischer, der Namibia Ende Oktober besuchte,
bekräftigte, dass Deutschland auf Grund seiner kolonialen
Vergangenheit zu seiner «besonderen Verantwortung» für
das Land stehe, zu der sich der Bundestag 1989 bekannte hatte. Eine
Entschuldigung für die deutsche Kolonialgeschichte vermied er wie
andere Äußerungen, die
«entschädigungsrelevant» sein könnten.
Das Massaker, begann am 11. August 1904 am Waterberg, als das
Expeditionskorps unter Trotha mit weit überlegener Feuerkraft die
versammelten Hereros angriff. Bis dahin war die im ehemaligen
Deutsch-Südwestafrika stationierte Schutztruppe dem Aufstand der
nomadischen Viehzüchter gegen fortschreitende Landverluste
über Monate nicht Herr geworden.
Den Kämpfen fielen zwischen 65.000 und 80.000 Hereros und rund
10.000 Namas zum Opfer. Als besonders brutal gilt der Befehl Trothas,
keine Gefangenen zu machen. Fliehende Hereros wurden in die wasserlose
Omaheke-Wüste getrieben.
(Quelle: ap)
Südwestafrika 1904 bis 1908: Der erste deutsche Völkermord:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401110.htm#040111_f
Massenproteste gegen Regierung in Albanien
Klage über "unzulässig" verschlechterte
Lebensverhältnisse vor allem der einfachen Leute
So.08.02.04 - Zahlreiche Demonstranten haben am Samstag in der albanischen Hauptstadt
Tirana versucht, gewaltsam in Regierungsgebäude einzudringen. Die
Polizei und die Nationalgarde gaben Warnschüsse mit scharfer
Munition ab, um die Menge auseinander zu treiben. Mehrere Polizisten
sowie zwei Offiziere der Nationalgarde seien verletzt worden, sagte ein
Sprecher. Der Zorn der Demonstranten richtete sich gegen die Regierung
von Ministerpräsident Fatos Nano. Sie habe es nicht vermocht, die
schlechten Lebensverhältnisse in dem ehemals kommunistischen Staat
zu verbessern.
«Nano Go» war auf den Schildern der Protestierenden zu
lesen. Angeführt wurde der zunächst friedliche
Demonstrationszug mit mehreren tausend Teilnehmern von
Oppositionsparteien. Sali Berischa von der Demokratischen Partei warnte
Regierungschef Nano, ihn werde das selbe Schicksal wie Eduard
Schewardnadse ereilen. Der frühere georgische Präsident wurde
im November von einer Oppositionsbewegung aus dem Amt gedrängt.
Berischa rief die Sicherheitskräfte auf, sich den Demonstranten
anzuschließen. Preissteigerungen für Brot, Strom und
Telefonieren hätten die Bedingungen für die einfachen
Menschen unzulässig verschlechtert, kritisierte er.
Im Laufe der Proteste spaltete sich eine kleine Gruppe ab und warf
Steine und Stöcke auf den Regierungssitz. Zahlreiche
Fensterscheiben gingen zu Bruch, wie die Sicherheitskräfte
berichteten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Polizisten mit einer
Kalaschnikow auf eine Frau einschlugen. Gleichwohl gab es keine
offiziellen Angaben über Verletzte in den Reihen der
Demonstranten. 64 Protestierende seien festgenommen worden, hieß
es.
(Quelle: ap)
Georgisches Parlament erteilt Saakaschwili weitgehende Vollmachten
So.08.02.04 - Nur zwei Wochen nach seiner Vereidigung hat sich der georgische
Präsident Michail Saakaschwili weitgehende Vollmachten vom
Parlament bewilligen lassen. Nach den in der Nacht zum Samstag
verabschiedeten Verfassungsänderungen kann Saakaschwili einen
Ministerpräsidenten ernennen und unter bestimmten Umständen
das Parlament auflösen. Das Gesetz wurde mit 170 zu 0 Stimmen
bestätigt. Kritiker werfen Saakaschwili vor, einen
autoritären Regierungsstil anzustreben.
Der neue Präsident führte die Oppositionsbewegung, die den
früheren Regierungschef Eduard Schewardnadse Ende November aus dem
Amt drängte. Vorwürfe wies er am Samstag zurück:
«Die Menschen haben mich nicht gewählt, damit ich Macht
abgebe. Meine Hauptaufgabe ist es, das Land aus der Krise zu
holen.» Zum Ministerpräsidenten wird Saakaschwili
voraussichtlich seinen Vertrauten Surab Schwania ernennen. Auch er war
einer der Führer der Oppositionsbewegung.
Mit der Schaffung des neuen Postens, so vermuten Kritiker, wolle
Saakaschwili vor allem die Ambitionen Schwanias befriedigen. Aus
Protest legte Koba Dawistaschwili, bisher ein enger Mitarbeiter des
Präsidenten, seinen Posten nieder. Er gab zudem an, das ihm
angebotenen Amt des Verteidigungsministers abgelehnt zu haben.
Die am späten Freitagabend verabschiedeten
Verfassungsänderungen erlauben es zudem dem Parlament, einen
Großteil des Kabinetts zu entlassen.
(Quelle: ap)
Fünf Russen bei Gefechten in Tschetschenien getötet
So.08.02.04 - Tschetschenische Rebellen haben am Samstag bei mehreren Angriffen
fünf russische Polizisten und Soldaten getötet, wie ein
Regierungsbeamter der Kaukasusrepublik mitteilte. Demnach kamen zwei
Polizisten ums Leben, als Aufständische in der Hauptstadt Grosny
aus dem Hinterhalt auf ihr Fahrzeug feuerten. Bei Gefechten in der
Region Schali wurde ein Soldat erschossen. Bei 15 weiteren Angriffen im
ganzen Land wurden zwei weitere Soldaten getötet und 14 weitere
verletzt. Die russische Artillerie ging in vier Sektoren
Tschetscheniens gegen Stellungen der Rebellen vor. Über Opfer auf
seiten der Aufständischen wurden keine Angaben gemacht. Die Zahlen
vom Samstag entsprechen der täglichen Quote in dem blutigen Krieg,
der nunmehr seit fünf Jahren andauert. Russische Truppen
kontrollieren zwar den flachen Norden. In Grosny sowie im bergigen
Süden behaupten sich die Rebellen jedoch nach wie vor.
(Quelle: ap)
Ifo-Chef: EZB soll gegen Euro intervenieren
So.08.02.04 - Der Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat die EZB aufgefordert,
gegen den starken Euro-Kurs am Devisenmarkt zu intervenieren.
"Die EZB muss, wenn der Dollar weiter schwächelt, Euro gegen
Dollar verkaufen", sagte Sinn dem Magazin "Der Spiegel" in einem am
Samstag vorab veröffentlichten Interview. Die Europäische
Zentralbank (EZB) solle dabei den Alleingang nicht scheuen: "Eine
Notenbank, die abwerten will, kann sich durchaus allein gegen die
Marktkräfte stemmen." Wissenschaftlichen Berechnungen zufolge
müsse die EZB 30 Milliarden Dollar (korrekt) aufkaufen, um den
Wechselkurs des Euro nachhaltig um zehn Cent zu senken. Eine
Zinssenkung im Euroraum - die zweite Möglichkeit, um dem starken
Euro-Kurs entgegenzusteuern - sei dagegen nicht zu empfehlen, sagte der
Ifo-Chef. "Immerhin zieht die europäische Wirtschaft an, da
wären mittelfristig eher Zinserhöhungen angezeigt."
Der starke Euro ist eines der wichtigsten Themen beim Treffen der
Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden
Industriestaaten (G7), das am Freitagabend im US-Bundesstaat Florida
begann. Die Wirtschaft fürchtet, der starke Euro-Kurs könne
die Exporte dämpfen und so die konjunkturelle Erholung in der
Euro-Zone abwürgen.
Der Euro hatte seinen Höhenflug am Freitag fortgesetzt und war
nach der Veröffentlichung schwacher US-Daten auf 1,27 Dollar
gestiegen. Sinn sagte, für die hiesige Wirtschaft sei die
Schmerzgrenze bei einem Euro-Kurs von 1,30 Dollar erreicht.
(Quelle: rtr)
Frankreich: Wieder Demonstration gegen Kopftuchverbot
So.08.02.04 - Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Paris abermals gegen das
geplante Verbot des Tragens von religiösen Symbolen in den
französischen Schulen protestiert. Die Teilnehmer skandierten
Parolen wie «Die Schule ist mein Recht - das Kopftuch ist meine
Wahl». Die Kundgebung fiel aber deutlich kleiner aus als
ähnliche Veranstaltungen in den vergangenen Wochen.
Der umstrittene Gesetzentwurf sieht vor, das Tragen deutlich sichtbarer
religiöser Zeichen und Kleidungsstücke in öffentlichen
Schulen zu untersagen. Das betrifft Kopftücher bei muslimischen
Frauen, aber auch größere christliche Kreuze und die
jüdische Kippa. Das vom Kabinett beschlossene Gesetz geht am
Dienstag ins Parlament und soll noch vor dem Beginn des nächsten
Schuljahrs im September in Kraft treten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Klaus Uwe Benneter wird neuer SPD-Generalsekretär -
Müntefering einstimmig als neuer Parteichef nominiert
So.08.02.04 - Der Berliner Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter soll Nachfolger
von Olaf Scholz als Generalsekretär der SPD werden. Der
SPD-Vorstand schloss sich in Berlin einem entsprechenden Vorschlag von
Franz Müntefering an. Gleichzeitig nominierte der Vorstand
Müntefering einstimmig als neuen Parteichef. Das Gremium folgte
damit einem Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD),
der am Freitag seinen Rückzug als Parteivorsitzender
angekündigt hatte.
Schröder und Müntefering riefen die Sozialdemokraten dazu
auf, die Chance zum "Neuanfang" durch den Wechsel an der Parteispitze
zu nutzen. Schröder sagte, der Reformkurs müsse
"ungeschmälert" fortgesetzt werden. Er forderte dazu
Geschlossenheit und Disziplin in der Partei ein. Diskussionen in der
Sache sollten aber nicht vermieden werden. Müntefering sprach von
"Risiken und Chancen" für die SPD. Chancen bestünden, wenn
die SPD in "gemeinsamer Loyalität und Solidarität" ihrer
Aufgabe gerecht werde. Er sicherte dem Kanzler zu, dieser könne
sich auch künftig auf ihn und die Partei verlassen.
Müntefering führte aus, dass die Diskussionen in den
SPD-Spitzengremien von dem Bewusstsein geprägt gewesen seien, dass
sich die Partei in einer schwierigen und historischen Situation
befinde. Deutschland müsse neu "aufgestellt" werden. Es gehe nun
auch darum, Vertrauen zurückzugewinnen und "Schritt für
Schritt aus dem Keller herauszukommen, in dem uns die Umfragen im
Moment sehen".
Der designierte SPD-Generalsekretär Benneter gehörte vor
seiner Wahl in den Bundestag im Oktober 2002 dem Berliner
Abgeordnetenhaus an. Im Bundestag übernahm er den Vorsitz des
Wahlbetrugs-Untersuchungsausschusses. Seit seiner Zeit als
Juso-Vorsitzender in den siebziger Jahren gilt Benneter als Freund von
Bundeskanzler Schröder.
Die Parteivorsitzenden der Union forderten unterdessen den
Rücktritt von Schröder auch als Bundeskanzler. "Das Beste
wäre jetzt: Neuwahlen so schnell wie möglich", sagte
CDU-Chefin Angela Merkel der "Welt am Sonntag". Schröder sei "nur
noch Kanzler von Münteferings Gnaden". CSU-Chef Edmund Stoiber
sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", Schröder
würde "dem Land dienen, wenn er abtritt - und zwar mit seiner
Regierungstruppe".
(Quelle: afp)
Rentenniveau könnte stärker sinken als geplant
So.08.02.04 - Das Rentenniveau könnte im Zug der geplanten Rentenreform
womöglich stärker sinken als ursprünglich geplant.
Regierungsberater Bert Rürup sagte der "Welt am Sonntag", durch
den Nachhaltigkeitsfaktor, der die demographische Entwicklung
widerspiegelt, könne das Bruttorentenniveau unter die avisierten
40 Prozent sinken, wenn die gesamtwirtschaftliche Entwicklung
ungünstiger verliefe als in den Modellrechnungen angenommen.
Der Nachhaltigkeitsfaktor, der von Rürup konzipiert wurde, soll
die Rente künftig von der demografischen Entwicklung abhängig
machen: Gibt es weniger Beitragszahler, fallen die Rentenanpassungen
geringer aus. Bis zum Jahr 2030 soll der Rentenbeitragssatz so auf
maximal 22 Prozent steigen. Das Bruttorentenniveau sollte den
ursprünglichen Berechnungen nach von heute 48 auf etwa 40 Prozent
sinken. Eine Garantieklausel für ein Mindestniveau der Rente, die
bisher im Gesetz festgeschrieben war, soll jedoch gestrichen werden.
Die Bundesregierung hatte dies mit der neuen Rentenbesteuerung
begründet: Eine einheitliche Mindest-Nettorente für alle
Jahrgänge könne daher nicht mehr garantiert werden.
Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge wird die geplante Reform
der Rentenbesteuerung den Betriebsrentnern im nächsten Jahr
erhebliche Zusatzlasten bescheren. Ruheständler, die neben einer
gesetzlichen Rente von 5000 Euro weitere 10.000 Euro pro Jahr aus einer
betrieblichen Vorsorge beziehen, müssten rund 200 Euro
zusätzlich an Steuern zahlen. Die Bezieher von Altersgeldern
zwischen 10.000 und 15.000 Euro im Jahr zahlen demnach zwischen 100 und
900 Euro mehr. Höhere Steuern von bis zu 1300 Euro im Jahr
müssten auch jene Rentner zahlen, die neben ihrem Altersgeld
Mieteinnahmen haben. Insgesamt müssten nächstes Jahr rund 1,3
Millionen Rentner erstmals Steuern zahlen, schreibt der "Spiegel" unter
Berufung auf interne Berechnungen des Bundesfinanzministeriums.
(Quelle: afp)
Forderungen in SPD nach Kurskorrektur mehren sich
So.08.02.04 - Nach dem Führungswechsel in der SPD mehren sich bei den
Sozialdemokraten die Stimmen, die Änderungen am Reformkurs fordern.
Der nordrhein-westfälische SPD-Landeschef Harald Schartau und die
Jungsozialisten mahnten Kurskorrekturen an. "Man muss
Sensibilitäten für Ungerechtigkeiten entwickeln", sagte
Schartau, der Chef des mitgliederstärkstens SPD-Landesverbandes
ist. Der Koalitionspartner Grüne sowie der Bundesverband der
Deutschen Industrie (BDI) forderten, den Reformkurs fortzusetzen. Der
vom SPD-Vorsitz zurückgetretene Bundeskanzler Gerhard
Schröder und sein designierter Nachfolger Franz Müntefering
hatten dies bereits angekündigt.
Als Beispiel für Korrekturen nannte Schartau in einem
"Focus"-Interview die Verdoppelung der Beiträge bei den
Betriebsrenten. Hier müsse sich etwas verändern. Schartau,
der in diesem Jahr Kommunal- und im nächsten Jahr Landtagswahlen
in Nordrhein-Westfalen zu bestehen hat, äußerte die
Erwartung, dass sich Schröder nun ganz auf die Regierungsarbeit
konzentriert. "Das muss auch so sein, weil wir an einem
riesengroßen Reformrad drehen." Bei der SPD lägen die Nerven
blank.
Juso-Chef Niels Annen forderte im Deutschlandradio Berlin eine
Kurskorrektur. Die SPD müsse eine sozial ausgewogenere
Reformpolitik verfolgen, bislang habe es eine soziale Schieflage
gegeben. Der baden-württembergische SPD-Fraktionschef Wolfgang
Drexler bekräftigte die zuletzt in der Partei laut gewordene
Forderung einer Kabinettsumbildung. "Ein guter Zeitpunkt wäre die
Jahresmitte", sagte Drexler der "Bild am Sonntag".
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt
begrüßte die Ankündigung Schröders und
Münteferings, die Reformpolitik fortsetzen zu wollen.
Zukunftsinteressen müssten nun vor Gegenwartsinteressen gestellt
werden. Müntefering werde es gelingen, nicht nur die SPD-Basis,
sondern auch die Gesellschaft zu erreichen. Er werde deutlich machen,
"wo es hingehen soll", sagte Göring-Eckhardt im Deutschlandradio
Berlin.
Der BDI räumte der Regierung eine dauerhafte Chance ein, wenn sie
erfolgreich an ihren Reformen arbeite. Sollte es Rot-Grün jedoch
nicht gelingen, möglichst viele Reformen durchzusetzen, werde die
Koalition früher oder später scheitern, sagte
BDI-Präsident Michael Rogowski im Deutschlandradio Berlin.
(Quelle: rtr)
Metall-Arbeitgeber drohen Gewerkschaften
So.08.02.04 - Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie verschärfen die
Arbeitgeber den Ton. Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer sagte
am Samstag, die Politik könnte mit Einschnitten in die
Tarifautonomie reagieren, sollte die Gewerkschaft sich nicht auf
betriebliche Optionen für längere Wochenarbeitszeiten
einlassen. Auch Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser drohte
mit Reaktionen, falls die IG Metall zum Streik aufruft.
Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
wollen sich Kannegiesser und IG-Metall-Chef Jürgen Peters
persönlich in die Tarifverhandlungen im Südwesten
einschalten. Um einen Streik zu verhindern, solle es am Mittwoch ein
Spitzentreffen geben, berichtete das Blatt. Sprecher von IG Metall und
Gesamtmetall nannten dies auf AP-Anfrage «reine
Spekulation».
Kannegiesser sagte der Zeitung: «Ein Arbeitskampf in dieser
labilen wirtschaftlichen Situation würde den Aufschwung in
Deutschland ersticken.» Südwestmetall-Chef Zwiebelhofer
drohte in der «Welt am Sonntag»: «Wenn die IG Metall
sich jetzt nicht bewegt, dann wird sie durch politische Eingriffe
bewegt werden.» Der Gesetzgeber werde es nicht hinnehmen, wenn
die Tarifparteien in den Verhandlungen nur eine Maus gebärten.
Zwiebelhofer sprach von einer Woche der Entscheidung: «Jetzt geht
es darum, ob wir uns am Verhandlungstisch annähern können
oder ob die IG Metall die Situation eskalieren lässt.»
Für eine Einigung müssten sich beide Seiten «noch
einmal gewaltig bewegen».
Der CDU-Wirtschaftsexperte Karl-Josef Laumann forderte in der
«Neuen Osnabrücker Zeitung», die Gewerkschaften
sollten mehr betriebliche Elemente in die Tarifverträge
übernehmen. Sollten die Tarifparteien nicht zu einer freiwilligen
Lösung bereit sein, werde die Union per Gesetz klarstellen, dass
betriebliche Bündnisse zur Beschäftigungssicherung
möglich seien: «Das kann auch bedeuten, dass unter Tarif
bezahlt wird oder mehr als tariflich vorgesehen gearbeitet wird, wenn
dadurch Entlassungen verhindert werden.»
Die Arbeitgeber forderte Laumann im Gegenzug auf, «den Bogen
nicht zu überspannen». Wenn die Unternehmer alle wichtigen
Entscheidungen über Arbeitsbedingungen und Entgelte in
betriebliche Hände legen wollten, könnten sie gleich aus der
Tarifautonomie aussteigen.
CSU-Generalsekretär Markus Söder rief die Modernisierer in
der IG Metall zur Revolte gegen den «verhängnisvollen
Kurs» ihrer Führung auf. «IG-Metall-Chef Peters
übertrifft die schlimmsten Befürchtungen», sagte der
CSU-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Die Forderung nach vier Prozent mehr Lohn sei
ein Förderprogramm für Arbeitsplätze im Ausland.
Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard bezeichnete die
Gewerkschaftsforderung als «jenseits von Gut und
Böse»: «Wenn keine Arbeitsplätze vernichtet
werden sollen, muss unter zwei Prozent abgeschlossen werden. Alles
darüber wäre fatal», sagte er.
Die Verhandlungen im Südwesten sollen am kommenden Mittwoch in
ihre möglicherweise entscheidende Runde gehen. Am Dienstag
berät der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt am Main über das
weitere Vorgehen, am Abend zuvor kommen die Bezirksleiter zu Beratungen
zusammen. Bisher bieten die Arbeitgeber in zwei Stufen jeweils 1,2
Prozent mehr Lohn und Gehalt, die IG Metall fordert vier Prozent.
(Quelle: ap)
Stichwort: Tarifautonomie
Die Tarifautonomie leitet sich ab aus dem Grundgesetz und dem
Tarifvertragsgesetz. Dort wird Gewerkschaften und Arbeitgebern
zugesprochen, die Arbeits- und Einkommensbedingungen ohne staatliche
oder sonstige Eingriffe in freien Tarifverhandlungen kollektiv
festzulegen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128ta
Wirtschaftsweiser Kromphardt: Lohnzurückhaltung wäre falsch
Mo.17.11.03 - ... "Eine Vereinbarung von knapp unter drei Prozent mehr Lohn in der
Metall- und Elektroindustrie würden von der Kostenseite her keine Probleme bereiten."...
Lohnzurückhaltung sei falsch, weil dadurch die Nachfrage negativ beeinflusst würde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311170.htm#03111713
Wirtschaftsweiser für mehr als zwei Prozent in Metall-Tarifrunde
und gegen längere Arbeitszeiten
Mi.07.01.04 - Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt hält einen
Tarifabschluss in der deutschen Metall- und Elektroindustrie oberhalb
von zwei Prozent für vertretbar...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401070.htm#04010721
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen um 130 Prozent...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128xx
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Lufthansa-Chef fordert Zugeständnisse seiner Mitarbeiter
Konzertierte Aktion innerhalb der Belegschaft für mehr Arbeit
zu gleichem Geld angestrebt
So.08.02.04 - Der Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, setzt
bei seinen Sparbemühungen im Personalbereich auf ein
Entgegenkommen der Mitarbeiter. Für das laufende Jahr zeigte sich
Mayrhuber angesichts der eingeleiteten politischen Reformen und der
sich bisher auf die Buchungen nicht negativ auswirkenden Vogelgrippe
verhalten optimistisch.
"Wir müssen insgesamt die Kosten senken. Deshalb brauchen wir eine
konzertierte Aktion innerhalb der Belegschaft der Lufthansa - mehr
Arbeit für gleiches Geld", sagte er in einem Gespräch mit dem
Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). "Das heißt dann aber
auch: Mehr Perspektive und mehr Geld zu einem späteren Zeitpunkt,
wenn es wieder besser läuft und auch die Konjunktur angezogen
hat", fügte er hinzu. Die Gewerkschaften seien bereit zum
Gespräch, Termine mit allen Berufsgruppen seien bereits vereinbart.
Mayrhuber sieht "viele Möglichkeiten", die Arbeitszeiten ohne
Gehaltssteigerungen einzuführen. "Bei den Piloten könnte ich
mir im Tarifvertrag ein gleitendes Arbeitszeitkonto vorstellen, bei den
Flugbegleitern Schichtplanveränderungen."
Im September 2003 hatte die Lufthansa die im April wegen der durch die
Lungenkrankheit SARS und dem Irak-Krieg ausgelöste Luftfahrtkrise
verhängte Arbeitszeitverkürzung für die
Beschäftigten des Bodenpersonals wieder aufgehoben. Im Oktober
hatte die Fluglinie angekündigt, in den kommenden Jahren rund 2000
Stellen zu streichen. Dabei sollten betriebsbedingte Kündigungen
vermieden werden. Trotz hoher Verluste im ersten Quartal hat die
Lufthansa, die weltweit rund 95.000 Mitarbeiter zählt, das
Krisenjahr 2003 nach Angaben von Anfang Januar operativ nicht mit einem
Verlust abgeschlossen.
Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Mayrhuber
angesichts der angeschobenen politischen Reformen verhalten
optimistisch. "Ich denke, dass die jetzt eingeleiteten Reformen ein
Hoffnungsschimmer sind dafür, dass die Verunsicherung beim
Konsumenten aufhört, er wieder Mut fasst und Geld für das
Reisen ausgibt." Die sich in Asien ausbreitende Vogelgrippe habe
bislang keine Auswirkung auf die Lufthansa gehabt. "Bis jetzt hat sich
das auf die Buchungen nicht ausgewirkt", bekräftigte Mayrhuber
frühere Angaben.
(Quelle: rtr)
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