Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Bush sieht sich als 'Kriegspräsident' und liefert geänderte
Darstellung des Irak-Kriegsgrunds +++
Waffeninspekteur Blix wirft Blair-Regierung Dramatisierung der Berichte
über Irak vor +++ US-Truppen von Offizier der neuen
irakischen Streitkräfte angegriffen
Mo.09.02.04 - US-Präsident George W. Bush hat sich als "Kriegspräsident"
bezeichnet und davor gewarnt, dass der Welt weitere Gefahren drohen. In
einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender NBC
sagte Bush mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November:
"Ich treffe meine Entscheidungen in auswärtigen Angelegenheiten
hier im Oval Office (des Weißen Hauses) und habe dabei den Krieg
im Hinterkopf." Es wäre ihm zwar lieber, es wäre anders, aber
es sei nun einmal so. "Und das amerikanische Volk muss wissen, dass es
einen Präsidenten hat, der die Welt sieht, wie sie ist",
fügte Bush hinzu. Er sehe bestehende Gefahren, und es sei wichtig,
diesen entgegenzutreten.
Das Interview wurde am Samstag im Amtszimmer des Präsidenten im
Weißen Haus aufgezeichnet. Bush, dessen Umfragewerte laut einer
AP-Ipsos-Umfrage Anfang Februar auf 47 Prozent nach 56 Prozent im Januar
gefallen sind, äußerte sich erstmals in der In der Sendung
NBC-Sendung "Meet the Press".
In dem NBC-Interview verteidigte der US-Präsident erneut den
Irak-Krieg und lieferte eine veränderte Darstellung des
Kriegsgrunds gegen den Irak. Bush sagte, der frühere irakische
Präsident Saddam Hussein habe die "Kapazität zur Entwicklung
von Massenvernichtungswaffen" gehabt, was den Krieg notwendig gemacht
habe. Gleichzeitig räumte er ein, dass bislang keine derartigen
Waffen im Irak gefunden worden seien. Bislang hatte Bush die
US-Invasion stets damit begründet, der Golfstaat habe
Massenvernichtungswaffen besessen.
"Er (Saddam) hatte die Kapazitäten für den Besitz der Waffen,
zur Herstellung der Waffen", sagte Bush und fügte hinzu: "Wir
dachten, er habe Waffen. Die internationale Gemeinschaft dachte, er
habe Waffen. Und er hatte die Kapazität zur Herstellung der Waffe
und dazu, diese Waffe dann in die Hände eines schwer
durchschaubaren terroristischen Netzwerks fallen zu lassen". Mit
Verweis auf mehr als 500 getötete US-Soldaten im Irak wandte sich
Bush an die Hinterbliebenen: "Saddam Hussein war gefährlich ... Er
hatte zumindest die Fähigkeit, Waffen herzustellen".
Die USA hatten den Irak-Krieg unter anderem mit irakischen
Beständen von Massenvernichtungswaffen begründet und dies mit
Geheimdienstinformationen belegt. Der ehemalige
US-Chef-Waffeninspekteur David Kay hatte hingegen erklärt,
vermutlich habe es zu Beginn des Irak-Krieges im März in dem Land
keine Massenvernichtungswaffen gegeben.
Bush, der unter anderem wegen der bislang nicht auffindbaren irakischen
Massenvernichtungswaffen unter innenpolitischem Druck steht, hatte am
Freitag die von ihm angekündigte Kommission aus Mitgliedern beider
Parteien für eine unabhängige Untersuchung der
Geheimdienstinformationen zum Irak-Krieg eingesetzt. Sie soll ihre
Erkenntnisse bis zum 31. März 2005 vorlegen und damit nach der
Präsidentenwahl im November. Bush begründete seine
Entscheidung, den Bericht der Kommission erst lange nach den Wahlen
anzufordern: "Wir wollten uns nicht hetzen lassen".
Die Regierung des britischen Premierministers Tony Blair hat nach
Ansicht des früheren UN-Waffeninspekteurs Hans Blix ihre
Erkenntnisse über mögliche Massenvernichtungswaffen
"dramatisiert". Blix sagte am Sonntag in der BBC-Sendung "Breakfast
with Frost", es sei völlig unklar gewesen, was tatsächlich in
einem Geheimdienstbericht vom November 2002 mit der Behauptung gemeint
gewesen sei, Irak könne einige Massenvernichtungswaffen innerhalb
von 45 Minuten einsetzen.
"Es war die Absicht, etwas zu dramatisieren, so wie die Verkäufer
einiger Produkte versuchen, die Wichtigkeit und die Bedeutung ihrer
Sachen zu übertreiben", sagte Blix. "Ich denke, von Politikern,
von den Führern unserer westlichen Welt, können wir etwas
mehr erwarten. Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit." Er und die
anderen Inspekteure hätten US-Präsident George W. Bush und
Blair vor dem Krieg gewarnt, dass die Massenvernichtungswaffen nicht
auffindbar seien und möglicherweise gar nicht mehr existierten.
"Wir haben die korrekte Warnung rausgegeben", sagte Blix. "Aber sie
haben das nicht ernst genommen." Der amerikanische und der britische
Geheimdienst seien dafür mitverantwortlich: "Die haben ganz klar zu
viel von dem geglaubt, was (irakische) Überläufer gesagt
haben." Zusammen mit dem auf Massenwirkung bedachten
"Informationsmanagement" von Bush und Blair habe sich so ein Zerrbild
ergeben, sagte Blix.
Inzwischen hat sich auch Blair zu einer Untersuchung der
Geheimdienstberichte über irakische Massenvernichtungswaffen bereit
erklärt. Der BBC-Reporter Andrew Gilligan hatte im Mai vergangenen
Jahres mit einem Bericht für Aufruhr gesorgt, in dem er unter
Berufung auf eine anonyme Quelle berichtete, Blairs Regierung habe die
Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen wissentlich
aufgebauscht, um den Krieg zu rechtfertigen. Nachdem das
Verteidigungsministerium den Waffenexperten David Kelly als Quelle
genannt hatte, brachte sich dieser um. In einem Untersuchungsbericht
übte Lordrichter Hutton verheerende Kritik an der BBC, was zum
Rücktritt Gilligans und des BBC-Intendanten Greg Dyke führte.
Die Regierung Blair sprach Hutton hingegen weitgehend von allen
Vorwürfen frei.
Nach einer Umfrage will eine Mehrheit von 51 Prozent der Briten Blairs
Rücktritt. 35 Prozent der 1000 Befragten sprachen sich hingegen
dafür aus, dass er weitermachen solle; der Rest war unentschieden.
Auf die Frage, ob sie glaubten, dass Blair bei seinen Aussagen
über irakische Massenvernichtungswaffen gelogen habe, antworteten
54 Prozent mit Ja, 31 Prozent mit Nein. Die Umfrage wurde am Samstag
von der Zeitung "The Independent" veröffentlicht.
Derweil traf am Sonntag eine Gruppe von UNO-Experten mit dem von den
USA unterstützten Regierungsrat des Irak zusammen. Bei den
Gesprächen sollte es darum gehen, Vorschläge für den
Aufbau einer irakischen Regierung auszuarbeiten. Der frühere
algerische Außenminister Lakhdar Brahimi, der jetzt
UNO-Generalsekretär Kofi Annan berät, führt die
Delegation. Er lehnte es ab, dazu Stellung zu nehmen, welche Haltung
die Gruppe in der Frage vorgezogener Wahlen einnehme.
Die USA und der irakische Regierende Rat hatten sich auf den Aufbau
einer irakischen Regierung bis zum 30. Juni geeinigt. Der führende
schiitische Geistliche, der einflussreiche Ajatollah Ali el Sistani,
hatte jedoch rasche freie Wahlen gefordert und die US-Pläne
abgelehnt, die Macht zunächst an eine Übergangsregierung zu
übertragen.
Aufständische, unter ihnen ein Offizier der neuen irakischen
Streitkräfte, haben sich am Wochenende ein Gefecht mit US-Soldaten
geliefert, bei dem zwei der Rebellen sowie der Offizier getötet
wurden. Wie die US-Streitkräfte am Sonntag mitteilten,
observierten die Soldaten ein Haus in Kadisijah 50 Kilometer
südlich von Tikrit, in dem sie einen Drahtzieher von mehreren
Anschlägen vermuteten. Am Samstagabend sei aus dem Haus heraus das
Feuer eröffnet worden. Die US-Soldaten feuerten zurück und
warfen eine Handgranate in das Gebäude. Bei dem Getöteten
habe es sich um einen in Dienst stehenden Major gehandelt. Zwei
Rebellen seien festgenommen worden.
Bei einem erneuten Bombenanschlag südlich der irakischen
Hauptstadt Bagdad wurde ein US-Soldat getötet. In Tikrit kam ein
irakischer Polizist bei einer Schießerei mit US-Soldaten ums
Leben.
(Quellen: rtr, dpa, ap, afp)
Nahost-Konflikt:
Vier Tote bei israelischen Militäraktionen +++ Arabische Liga
wirft Israel Völkerrechtsbruch vor - Mussa: Sperrwall
verletzt Genfer Konventionen +++ Israel will Verlauf der Sperranlagen ändern
Mo.09.02.04 - Nach dem Tod eines militanten Palästinenserführers in Gaza
durch einen israelischen Raketenangriff haben am Sonntag hunderte
Mitglieder des Islamischen Dschihad Rache geschworen. Insgesamt starben
am Wochenende bei israelischen Militäraktionen im Gazastreifen vier
Palästinenser.
Bei dem Angriff war am Vortag auch ein elfjähriger Junge
umgekommen. Auf dem Begräbnis des Dschihad-Führers Asis el
Schami kündigte der Chef der radikalen Gruppe, Mohammed el Hindi,
neue Anschläge in Israel an. Schamis Tod werde "nicht ohne
schmerzhafte Sühne bleiben", sagte Hindi.
Am Sonntagmorgen drangen israelische Soldaten erneut mit mehreren
Panzern in die Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen ein. Ein von
Israel gesuchter Palästinenser wurde bei dem Versuch getötet,
ihn festzunehmen. In der Nacht zum Sonntag war in der Nähe des
Grenzbereichs zwischen Israel und dem Gazastreifen ein 18-jähriger
bewaffneter Palästinenser erschossen worden.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon begann unterdessen
Gespräche mit wichtigen Kabinettsmitgliedern, bei denen er für
Unterstützung für seinen Räumungsplan jüdischer
Siedlungen im Gazastreifen werben wollte. Die israelische Zeitung
"Jediot Achronot" meldete am Sonntag unter Berufung auf Informationen
aus Scharons Büro, die Räumung der 17 Siedlungen solle schon
im Sommer beginnen und bis zum Herbst abgeschlossen sein.
Die Arabische Liga wird Israel vor dem Internationalen Gerichtshof
(IGH) in Den Haag wegen des Sperrwalls den Bruch des Völkerrechts
vorwerfen. Dies sagte Amre Mussa, Generalsekretär der Arabischen
Liga, am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Nach seinen Worten teilt der
Sicherheitszaun zahlreiche Städte und Dörfer der
Palästinenser. Mit dem dadurch hervorgerufenen Leid verstoße
Israel gegen die Genfer Menschenrechtskonventionen.
Die Anhörung vor dem Gerichtshof in Den Haag beginnt am 23.
Februar. Die UN-Generalversammlung hat den IGH um eine Stellungnahme zu
der Sperranlage gebeten. Diese wird zwar nicht bindend sein, könnte
jedoch für das internationale Ansehen Israels große
Bedeutung haben. "Sollte das Völkerrecht nicht respektiert werden,
müssen wir unsere eigenen Konsequenzen ziehen", sagte Mussa im
AP-Interview.
Nach israelischer Darstellung ist die nach Planungen 710 Kilometer
lange Sicherheitsanlage zur Abwehr palästinensischer
Selbstmordattentäter notwendig. Die Palästinenser sehen darin
eine Landnahme, durch die das Westjordanland in unzusammenhängende
Kantone aufgeteilt wird.
Die Arabische Liga ist eine von 40 Organisationen und Regierungen, die
schriftliche Stellungnahmen zu dem Sperrwall in Den Haag eingereicht
haben. Während die arabische Welt die Anhörung vor dem Haager
Gericht befürwortet, stößt die Anrufung des Gremiums in
den USA und der EU auf Ablehnung. Nach Ansicht der westlichen
Regierungen handelt es sich beim Streit um den Sicherheitszaun um einen
politischen Konflikt, der nicht juristisch gelöst werden kann.
Israel will unterdessen den Verlauf der umstrittenen Sperranlagen zum
Westjordanland ändern. Dadurch solle vermieden werden dass ganze
Ballungszentren auf palästinensischer Seite von dem Wall
eingeschlossen würden, sagte ein Berater von Ministerpräsident
Ariel Scharon, Salman Schowal, am Sonntag.
Schowal begründete die Änderung am Verlauf der Sperranlage
mit den Worten, Israel wolle es den Palästinensern "so leicht wie
möglich" machen. Wer beispielsweise auf seine Felder müsse,
solle weniger Kontrollpunkte zu passieren haben. Die geplanten
Änderungen betreffen laut Schowal in erster Linie die Umgebung der
Stadt Kalkilja, die praktisch komplett von dem Wall eingeschlossen ist.
Lediglich ein Durchgang führt auf die andere Seite. Einen Bericht
der Zeitung "Haaretz", wonach die Absperrung, die bereits zu einem
Viertel fertig ist, insgesamt um 100 Kilometer kürzer werden soll,
bestätigte Schowal nicht.
(Quellen: dpa, ap)
Bald wird das Tor verschlossen sein. Auch dieses. Eine riesige Platte
wird mit der anderen verbunden, wie Legoblöcke. Und der Beton wird
alles absperren. Hier gibt es keine Debatte: das ist eine Mauer – kein
Trennungszaun. Eine Mauer. Ein mächtiges Bauwerk – zweimal so hoch
wie seine historische Schwester, die Berliner Mauer
Warum diese Höhe? Über 8 Meter. Hat das etwas mit dem
Größenwahnsinn seiner Erbauer zu tun? Ein
unersättlicher Wunsch zu demütigen? Um ihnen ihren Platz
anzuweisen: wie kleine Insekten vor einer kolossalen Mauer. Um sie vor
unseren Blicken verschwinden zu lassen und so den letzten israelischen
Traum der „Trennung" zu verwirklichen? Glauben zu machen, dass wenn wir
sie hinter der Mauer verstecken – wir sie nicht mehr sehen, dass sie
aufhören zu existieren? Eine Mauer mitten in der Stadt, die Abu
Dis in zwei Teile teilt. Keiner fragt warum – warum gerade hier, mitten
in der Stadt? Und warum diese unmenschliche Höhe? Keiner ist
interessiert, keiner macht sich die Mühe, dies zu erklären.
Der „Jerusalem-Umschlag". Noch ein euphemistischer, abmildernder
Ausdruck für einen anderen Schrecken der Besatzung.
Bald wird das Tor verschlossen sein, wenn der letzte
palästinensische Arbeiter den letzten Riegel ihres Käfigs
installiert hat. Wir hier – sie dort, und wir natürlich auch dort:
herumstöbern, ausreißen, demolieren, pflastern, graben,
Zement gießen, aufbauen, gerade machen, Schrauben anziehen, mit
einander verbinden, schützen – bis wir eine Mauer haben, eine
Apartheidmauer....
Aus: Gideon Levy - "Ein Schlag gegen die Mauer",
Ha' aretz / ZNet Deutschland 07.02.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=999
«Es lohnt sich, dagegen Widerstand zu leisten»
"Keine Mauer, keine Isolierung", schallte es am Samstag durch den
palästinensischen Ort. Eine acht Meter hohe Betonwand trennt Abu
Dis, ein Vorort Ost-Jerusalems, in zwei Teile. Etwa 3.000 Demonstranten
folgten deshalb dem gemeinsamen Aufruf des örtlichen "Komitees
gegen die Apartheid-Mauer" und israelischen Friedensgruppen, eine
große Menge für hiesige Verhältnisse....
Mehr bei telepolis (09.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/16715/1.html
Blick ins Archiv:
Nahost-Experte: 'Der Sperrwall radikalisiert den Nahen Osten'
Mi.24.12.03 - Der Nahost-Experte und Direktor des Deutschen Orient-Institutes,
Professor Udo Steinbach, hat die israelische Politik scharf kritisiert.
Mit dem Bau des Sperrwalls werde die gesamte Region radikalisiert und
neuer Terror provoziert, sagte er im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312240.htm#031224_d
|
Palästina will EU-Mitglied werden
Mo.09.02.04 - Palästina möchte der Europäischen Union beitreten. Der
Aussenminister der palästinensischen Autonomiebehörde, Nabil
Schaath, sagte am Sonntag auf der Münchner Sicherheitskonferenz:
«Wenn Palästina nach einem Friedenschluss Mitglied der
Europäischen Union werden könnte, wäre das ein
wundervoller Anreiz.»
(Quelle: ap)
Auch Israel in die EU?
Absurd? Verrückt? Jenseits jeder Diskussion? Falsch - in der
Diskussion. Die Regierung von Israel will Mitglied der supranationalen
Europäischen Union werden. . Mehr in dem Bericht "Israel in die EU?"
von Andrea Noll, ZNet vom 15.12.03:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=942
http://www.zmag.org/sustainers/content/2003-12/14noll.cfm
Gegensätzliche Nahost-Ansätze bei Münchner
Sicherheitskonferenz
Mo.09.02.04 - In der Debatte um die Zukunft des Nahen Ostens haben sich in
Beiträgen führender Politiker der Region, Europas und der USA
zur Münchner Sicherheitskonferenz gegensätzliche Ansätze
und kein gemeinsames Vorgehen gezeigt.
Der jordanische König Abdallah betonte in seiner Rede am Sonntag,
eine Stabilisierung und Entwicklung der Krisenregion sei nur durch die
Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts
möglich. Er widersprach damit dem amerikanischen
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der in München erneut die
"positive Dominotheorie" vertrat, wonach positive Reformen in der
ganzen Region von der Befreiung des Irak ausgingen. Außenminister
Joschka Fischer legte eine Initiative mit ähnlich umfassendem
Ansatz wie Abdallah vor. Der palästinensische Außenminister
Nabil Schaath warnte vor einer Stagnation der Friedensbemühungen
durch das Wahljahr in den USA.
Die Zukunft des Nahen Ostens nach der Zäsur des Irak-Kriegs stand
im Zentrum des Abschlusstags der Sicherheitskonferenz. Die USA arbeiten
seit einiger Zeit an einem Konzept für die weitere Region, die sie
im Zuge des Irak-Kriegs stabilisieren und ordnen wollen. Es
enthält aber wenig konkrete Aussagen für Kernprobleme wie den
Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.
Abdallah forderte eine "internationale Koalition für Frieden"
zwischen Israelis und Palästinensern: "Eine solche Allianz kann
die Zukunft Israels und Palästinas sichern." Eine Lösung
ihres Konflikts wäre ein größerer Beitrag zur
Stabilisierung der Region als ein Erfolg im Irak: "Egal wie erfolgreich
man im Irak ist, das Kernproblem ist der
israelisch-palästinensische Konflikt."
Hinter diesem Appell steht, wie bei Fischer, die Sorge, dass die USA
durch die Konzentration auf den Irak und innenpolitische Zwänge im
Wahljahr ihre entscheidende Rolle zur Lösung des Kernkonflikts
vernachlässigen. Schaath sagte mit Blick auf die US-Wahlen im
Herbst: "Bis November untätig zu bleiben, wäre desaströs
für Palästinenser und Israelis." Die anderen drei im
"Quartett" zusammenarbeitenden Partner sollten die Bemühungen
vorantreiben: "Wenn die USA zu beschäftigt sind (...), sollten sie
vielleicht ihren Partnern, der Europäischen Union, Russland und
den Vereinten Nationen erlauben, die Arbeit fortzusetzen."
Der israelische Oppositionsführer Schimon Peres sagte bei einem
Besuch in Spanien, die EU solle Israel und den Palästinensern
engere Beziehungen anbieten, um die Bemühungen um Frieden zu
fördern, hieß es in spanischen Regierungskreisen.
Auch Fischer betonte die Bedeutung der Lösung des Kernkonflikts
für das Ziel einer stabilen Großregion Nahost, die sonst
Nährboden für Terrorismus bleibe. Er unterstrich damit die
Kritik Deutschlands und anderer EU-Staaten an der Fixierung der
US-Nahostpolitik auf den Irak. Seine "neue transatlantische Initiative
für den Nahen und Mittleren Osten" ist der Versuch, das Vorgehen
der Supermacht bei dieser größten außenpolitischen
Herausforderung des Westens zu beeinflussen und mit gemeinsamem
Vorgehen die transatlantischen Beziehungen zu reparieren.
Entscheidend dürfte sein, wie die USA auf Fischers Vorschlag
reagieren. Bundeskanzler Gerhard Schröder will ihn Ende Februar
bei US-Präsident George W. Bush ansprechen, wie Schröders
außenpolitischer Berater Bernd Mützelburg Reuters sagte.
In Rumsfelds Rede wurde erneut deutlich, wie sehr die USA die
Nahost-Politik weiter aus dem Kampf gegen den internationalen
Terrorismus ableiten. Und er bezog die US-Politik in der Region
entgegen den Appellen von Fischer und Abdallah weiter auf den Fixpunkt
Irak: "Wenn das Lied der Freiheit einmal im Nahen Osten gesungen wurde,
kann es sich nach meiner Überzeugung in der Region ausbreiten."
Zum engeren israelisch-palästinensischen Konflikt
äußerte er sich nicht.
Die Vertreter beider Seiten, Israelis Sicherheitsberater Giora Eiland
und der palästinensische Minister Nabil Schaath, tauschten auf dem
Podium ihre üblichen Gegensätze und Vorwürfe aus und
bestätigten damit eine pessimistische Aussage von König
Abdallah: "Die beiden Parteien sind allein nicht zu einer Lösung
in der Lage", sagte er und begründete damit seinen Appell an die
internationale Gemeinschaft, ihren unterschiedlichen Ansätzen zum
Trotz eine gemeinsame Friedensinitiative zu starten.
(Quelle: rtr)
Friedliche Proteste gegen Sicherheitskonferenz
Mo.09.02.04 - Nach dem friedlichen Protest von mehreren tausend Menschen gegen die
Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik hat die Polizei
eine positive Bilanz gezogen. Insgesamt sei die Konferenz
ungestört verlaufen, sagte der Münchner Polizeipräsident
Jonas Viering. Es seien weder Menschen verletzt worden, noch sei es zu
größeren Sachschäden gekommen, lediglich eine
Schaufensterscheibe wurde eingeworfen.
Aus Sorge vor gewalttätigen Übergriffen im Rahmen der
Proteste gegen die Konferenz waren 4000 Polizisten im Einsatz. Bei der
größten Demonstration gegen die zweitägige
Sicherheitskonferenz zogen am Samstag laut Polizei 5000 Menschen durch
die Innenstadt, nach Angaben der Veranstalter waren es 10.000. Nach
einer Kundgebung auf dem Marienplatz begannen die Demonstrierenden mit
einem Marsch durch die Innenstadt. Dabei trugen sie Plakate mit
Aufschriften wie "Stoppt die Kriegstreiber" oder "Ausreiseverbot
für die Bundeswehr".
Insgesamt fanden mehr als 20 Protestveranstaltungen statt. Diese hatten
allerdings einen geringeren Zulauf als von den Veranstaltern, zu denen
unter anderem das globalisierungskritische Netzwerk Attac gehörte,
erhofft. Die Polizei nahm trotz des friedlichen Verlaufs insgesamt 260
Menschen vorübergehend fest. Zum Großteil geschah dies, weil
sie sich an Blockaden in der Innenstadt unter dem Motto "no pasaran"
(Sie kommen nicht durch) beteiligt hatten. Bis auf einen Mann seien
alle am Sonntag wieder auf freiem Fuß gewesen. Gegen den
24-Jährigen sei Haftbefehl wegen gefährlicher
Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz
erlassen worden, so Viering. Der Mann hatte demnach versucht, einen
Polizisten mit einer Fahnenstange anzugreifen.
(Quelle: afp)
Tausende demonstrierten am Samstag gegen Münchner Sicherheitskonferenz
So.08.02.04 - Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot haben am Samstag
mehrere tausend Menschen gegen die Münchner Sicherheitskonferenz
demonstriert. Bei der Abschlusskundgebung, 500 Meter vom abgeschirmten
Tagungshotel entfernt, forderten die Demonstranten den «Abzug der
Besatzungstruppen aus Irak». Die Veranstalter sprachen von 10.000
Kundgebungsteilnehmern, die Polizei von 5.000. Rund 50 Kriegsgegner
wurden fest- oder in Gewahrsam genommen.
Der Liedermacher Konstantin Wecker rief die Soldaten auf, im
Kriegsfalle zu desertieren... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402080.htm#04020801
US-Senator Kerry gewinnt auch Vorwahl im US-Bundesstaat Maine
Mo.09.02.04 - Nach seinen Siegen beim Kandidatenausscheid der Demokraten für die
Präsidentenwahl in den US-Bundesstaaten Michigan und Washington
hat Senator John Kerry am Sonntag auch in Maine gewonnen.
Fast die Hälfte aller Stimmen entfielen in Maine auf den Senator
aus Massachusetts. Sein Mitbewerber Howard Dean wurde mit deutlichem
Abstand zweiter vor Dennis Kucinich.
Damit hat Kerry zehn der bislang zwölf Vorwahlen gewonnen und so
seinen Anspruch gestärkt, als Kandidat der Demokraten bei der
Präsidentenwahl im November gegen Amtsinhaber George W. Bush
anzutreten. In einigen landesweiten Umfragen rangiert er bereits vor
Bush.
Kerrys Kampf um eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten
der Demokraten galt noch vor einem Monat als hoffnungslos.
Spätestens nach seinen Siegen vergangene Woche in Arizona, North
Dakota, Delaware, Missouri und New Mexico ist er jedoch für viele
der aussichtsreichste Bewerber, um im November gegen Bush anzutreten.
Die meisten Stimmen für den entscheidenden Parteikonvent der
Demokraten sind aber bei den noch kommenden Abstimmungen in den
bevölkerungsreichsten Staaten zu holen. Das Nominierungsverfahren
der Demokraten besteht aus einem komplizierten System von Vor- und
Urwahlen in den einzelnen Bundesstaaten. Der
Präsidentschaftskandidat wird im Juli auf einem Parteikonvent in
Boston bestimmt. Die Republikaner haben auf Vorwahlen verzichtet.
(Quelle: rtr)
Dollar trotz G-7-Erklärung im Abwärtstrend
Mo.09.02.04 - Trotz der Warnung der G-7 vor einer übertriebenen Volatilität
an den Devisenmärkten hat der Dollar in Fernost seinen
Abwärtstrend zum Euro fortgesetzt und ist am (heutigen) Montag auf
ein Zwei-Wochen-Tief gefallen.
Zunächst hatte die US-Devise von der Erklärung der sieben
führenden Industriestaaten (G-7) profitiert, die am Samstag ihre
Sorge vor heftigen Kursausschlägen an den Devisenmärkten zum
Ausdruck gebracht hatten. Danach fiel der Kurs zum Euro jedoch auf ein
Zwei-Wochen-Tief von 1,2727 Dollar. Händler äußerten
Zweifel, dass die Erklärung als gemeinsames finanzpolitisches
Signal zur Stärkung des Dollar zu werten sei. Die
Aktienmärkte schlossen nach anfänglichen Kursgewinnen im
Minus, da sich Hoffnungen auf einen schwächeren Yen und somit
verbesserte Rahmenbedingungen für export-orientierte Unternehmen
nicht erfüllten.
Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 hatten nach ihrem Treffen
am Wochenende in Boca Raton im US-Bundesstaat Florida erklärt,
Wechselkurse sollten die wirtschaftlichen Fundamentaldaten
widerspiegeln. Übertriebene Volatilität und ungeordnete
Bewegungen an den Devisenmärkten seien allerdings nicht
wünschenswert für das Wirtschaftswachstum.
Die Erklärung habe sowohl die Notwendigkeit von Flexibilität
als auch eine Warnung vor exzessiver Volatilität enthalten, sagte
Toshiaki Kimura von Mitsubishi Trust and Banking. "Ich denke, der
derzeitige Trend eines schrittweisen Rückgangs des Dollar(-Kurses)
bleibt, da die Erklärung nicht darauf abzielt, die Schwäche
des Dollar zu stoppen", fügte er hinzu. Gegen 07.20 Uhr (MEZ)
kostete der Euro 1,2726 Dollar nach 1,2705 Dollar im späten
US-Handel. Zur japanischen Währung notierte der Dollar weitgehend
unverändert bei 105,66 Yen.
Der Tokioter Aktienmarkt hatte am Montagmorgen zunächst leichte
Gewinne verzeichnet, bevor die Kurse wieder nachgaben. Exportwerte wie
Toyota Motor Corp stiegen im frühen Handel, gaben ihre Gewinne im
Laufe des Tages aber wieder ab, als sich abzeichnete, dass der Anstieg
des Dollar nur vorübergehend war. Der 225 Werte umfassende
Nikkei-Index gab um 0,56 Prozent nach und schloss mit rund 10.402
Punkten. Der breiter gefasste TOPIX-Index verlor 0,39 Prozent bei 1024
Punkten.
(Quelle: rtr)
G7 will Afghanistan mit 'Aktionsplan' in die Marktwirtschaft führen
Mo.09.02.04 - Die sieben führenden Industriestaatenwollen Afghanistan im Rahmen
eines "Aktionsplans" beim Aufbau einer funktionierenden Marktwirtschaft
unterstützen. Der am Samstag am Rande des
G7-Finanzministertreffens in Boca Raton vorgelegte Plan sieht
zusätzliche Finanzhilfen vor, "um Afghanistan beim beschleunigten
Aufbau einer dynamischen Marktwirtschaft" zu helfen, wie es in dem Text
heißt. Von der afghanischen Regierung verlangten die Minister,
zusammen mit der internationalen Gemeinschaft gegen den Opiumanbau
vorzugehen. Der Drogenanbau stelle eine "Gefahr für die
Sicherheit, die wirtschaftliche Erholung und den Wiederaufbau" des
Landes dar.
(Quelle: afp)
Konferenz zum Kampf gegen Drogen in Afghanistan
Mehr als 200 Drogenexperten in Kabul zusammengekommen +++ Sieben Tote
bei Kämpfen um Drogeneinnahmen in Afghanistan +++ Afghanischer
Finanzminister: Afghanistankonferenz Ende März wahrscheinlich in
Berlin
Mo.09.02.04 - Mehr als 200 Experten aus aller Welt sind in Kabul zu einer Konferenz
zur Bekämpfung des Drogenanbaus in Afghanistan zusammengekommen.
Der Direktor des UN-Büros für Drogen und Verbrechen, Antonio
Maria Costa, erklärte, der Kampf gegen den Terrorismus könne
nur Erfolg haben, wenn der Drogenhandel gestoppt werde.
Afghanistan ist der größte Opium-Produzent der Welt. Mehr
als zwei Drittel des illegalen Opiums stammt aus dem Land am
Hindukusch. Nach Angaben der UNO wird Schlafmohn mittlerweile auch in
Gebieten angebaut, in denen die Opiumproduktion früher nie eine
Rolle gespielt hat. In Afghanistan nimmt demnach nicht nur die
Rauschgiftsucht zu; die Gelder aus dem Opiumhandel fördern auch
korrupte Strukturen im Lande.
Costa sagte, es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass Drogengelder zur
Finanzierung krimineller Machenschaften verwendet würden. Dies
schließe auch den Terrorismus ein. Afghanistan laufe Gefahr, dass
der Opiumhandel alles unterminiert, was beim Aufbau der Demokratie
bisher erreicht wurde.
Unterdessen sind bei schweren Kämpfen um Drogeneinnahmen im neuen
Einsatzgebiet der Bundeswehr im Nordosten Afghanistans mindestens
sieben Milizionäre getötet worden. Acht Angehörige
rivalisierender Milizen in der Provinz Badachschan seien bei den
Zusammenstößen verletzt worden, sagte der örtliche
Kommandeur.
Eine internationale Afghanistankonferenz wird nach Angaben des
afghanischen Finanzministers Aschraf Ghani Amadsai am 30. und 31.
März in Deutschland stattfinden. An der Konferenz, die
"wahrscheinlich in Berlin" abgehalten werde, sollten alle
Geberländer teilnehmen, sagte der Minister am Samstag am Rande der
G-7-Finanzminister-Tagung im US-Bundesstaat Florida. Dann solle auch
über die von seinem Land benötigten Finanzhilfen in den
kommenden sieben Jahren beraten werden. Für den Wiederaufbau
brauche Afghanistan insgesamt 25 Milliarden Dollar (19,7 Milliarden
Euro). Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin wollte den
konkreten Termin nicht bestätigen. Auch der Tagungsort werde noch
abgestimmt.
(Quelle: afp, dpa)
El Kaida kaufte angeblich Nuklearwaffen in Ukraine
Mo.09.02.04 - Die Extremisten-Organisation El Kaida von Osama bin Laden hat einem
Zeitungsbericht zufolge nukleare Waffen in der Ukraine gekauft.
Die Waffen würden derzeit an einem sicheren Ort gelagert,
berichtete die arabische Zeitung El Hajat am Sonntag unter Berufung auf
El-Kaida-Kreise. El Kaida beabsichtige möglicherweise einen
Einsatz der Waffen in den USA oder für den Fall, dass die
Organisation selbst Ziel eines "vernichtenden Schlages" werde - etwa
wenn nukleare oder chemische Waffen gegen El-Kaida-Kämpfer
eingesetzt würden.
El Kaida habe die Waffen bereits 1998 von ukrainischen Wissenschaftlern
im afghanischen Kandahar gekauft, berichtete die Zeitung weiter.
Kandahar war die Hochburg der damals in Afghanistan regierenden
Taliban, die El Kaida Unterschlupf gewährten. Das Blatt machte
keine Angaben dazu, um wie viele Waffen es sich handelte, und
berichtete lediglich, sie seien in Koffern übergeben worden.
Die Ukraine verfügte über ein umfangreiches Waffenarsenal aus
sowjetischer Zeit. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 verschwanden
nach den Worten des damaligen nationalen russischen Sicherheitsberaters
Alexander Lebed bis zu 100 tragbare Sprengsätze in
Koffer-Größe. Lebed zufolge hat jeder von ihnen eine
Sprengkraft von rund 1000 Tonnen TNT und könnte bis zu 100.000
Menschen töten. Die russische Regierung hat die Existenz solcher
Sprengsätze stets bestritten.
Die USA machen El Kaida für die Anschläge vom 11. September
2001 verantwortlich und haben immer wieder die Besorgnis
geäußert, Gruppen wie El Kaida könnten in den Besitz
von Massenvernichtungswaffen gelangen und sie gegen US-Bürger
einsetzen.
(Quelle: rtr)
Iranische Studenten rufen zum Wahlboykott auf
Rücktritt des reform-orientierten Präsidenten Mohammad
Chatami und eine Volksabstimmung über die Verfassung gefordert
Mo.09.02.04 - Als Reaktion auf den Ausschluss zahlreicher reform-orientierter
Kandidaten bei den bevorstehenden Parlamentswahlen haben im Iran
hunderte Studenten am Sonntag zum Wahlboykott aufgerufen.
Sie versammelten sich auf dem Campus der Universität von Teheran,
der von Polizisten mit Schlagstöcken abgeriegelt wurde. "Der
Boykott der Parlamentswahl ist der Weg, den die Iraner beschreiten
müssen", riefen die Studenten. Die Proteste verliefen friedlich.
Der konservative Wächterrat, der über die Einhaltung der
moslemischen Verfassung des Landes wacht, hatte mehr als die
Hälfte der rund 8200 Kandidaten von der Wahl am 20. Februar
ausgeschlossen, später aber aber sein Urteil revidiert und einen
Teil der Kandidaten wieder zugelassen. Der Ausschluss hatte den Iran in
eine politische Krise gestürzt.
Die Studenten forderten auch einen Rücktritt des
reform-orientierten Präsidenten Mohammad Chatami und eine
Volksabstimmung über die Verfassung, die den konservativen
Kräften im Iran erheblichen Einfluss zusichert. "Referendum,
Referendum", skandierten die Studenten. "Unser politisches System muss
durch die direkte Wahl des Volkes bestimmt werden."
Chatami werfen die Studenten vor, dem Druck der konservativen
Kräfte nachzugeben und Reformen nicht entschieden genug
voranzutreiben.
(Quelle: rtr)
UN-Artenschutzkonferenz in Malaysia
Laut WWF-Studie sind Gebiete unter Naturschutz durch Ausbeutung
gefährdet
Mo.09.02.04 - Zum Auftakt des UN-Kongresses über den Schutz der Artenvielfalt
haben Umweltschützer wegen der zunehmenden Gefährdung von
unter Schutz stehenden Waldflächen Alarm geschlagen. Weltweit
seien Wälder trotz ihrer Ausweisung als Schutzgebiete von
Wilderei, illegalem Holzeinschlag und landwirtschaftlicher Nutzung
bedroht, heißt es in einem am Montag am Rande des Treffens in der
malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur vorgestellten Studie der
Umweltgruppe WWF. "Schutzgebiete funktionieren nur, wenn sie wirklich
unter Schutz stehen, und dies ist nicht immer der Fall", kritisieren
die Experten. Die Untersuchung von beinahe 200 geschützten
Waldgebieten in 34 Ländern ist nach WWF-Angaben die bislang
umfassendste Studie dieser Art.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01649/
http://www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/
waelder/protected_area_management_report.pdf
UN-Artenschutzkonferenz
Vertreter aus 180 Staaten streiten ab heute in Kuala Lumpur über
die Rettung von vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen
Mo.09.02.04 - Bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten sterben täglich aus. Dieses
rasante Schwinden aufzuhalten und bis 2010 deutlich zu verringern, ist
Ziel der siebten UN-Artenschutzkonferenz. Ab heute bis zum 20. Februar
tagen im malaiischen Kuala Lumpur Vertreter von 180 Staaten, die auf
dem UN-Umweltgipfel in Rio 1992 die Konvention über die
Biologische Vielfalt (CBD) unterzeichnet haben. Verhandelt wird
über den Schutz von Berg-Ökosystemen, die weltweite
Vernetzung von Schutzgebieten und die Artenvielfalt in der
Landwirtschaft. Thema ist auch die Nutzung von genetischen Ressourcen:
Forschung und Industrie sollen künftig ihre Gewinne, die sie etwa
mit Heilpflanzen machen, mit den Ursprungsländern teilen. Die
Umsetzung der Beschlüsse von Kuala Lumpur werden mit Mitteln der
Globalen Umweltfazilität (GEF) finanziert. In diesen von Weltbank
und UNO verwalteten Topf zahlen die Rio-Vertragsstaaten ein.
Umweltverbände fordern eine deutliche Erhöhung. Ihre
Rechnung: Jeder in den Artenschutz investierte Euro bringt rund 100
Euro Gewinn für die Volkswirtschaft, weil so Trinkwasser und
Wälder geschützt und Hochwasser vermieden werden.
Quelle: taz
Mehr zum Thema in der "tageszeitung" vom 09.02.04 unter:
http://www.taz.de/pt/2004/02/09/a0182.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/02/09/a0184.nf/text
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Sechs asiatische Staaten beschließen Freihandelszone
Mo.09.02.04 - Sechs asiatische Staaten haben am Sonntag den Aufbau einer
Freihandelszone mit fast zwei Milliarden Menschen bis 2017 beschlossen.
Vertreter aus Indien, Thailand, Birma, Sri Lanka, Bhutan und Nepal
unterzeichneten im thailändischen Phuket ein entsprechendes
Abkommen. Bangladesch kündigte an, nach der Klärung einiger
Fragen zu dem Abbau von Zöllen ebenfalls beitreten zu wollen. Die
sieben Staaten der BIMST-EC-Gruppe haben zusammen ein
Bruttoinlandsprodukt (BIP) von mehr als 700 Milliarden Dollar. Die
Staats- und Regierungschefs der Staaten sollen sich im Juli in Bangkok
zu weiteren Gesprächen treffen.
(Quelle: rtr)
Kein Fortschritt bei gesamtamerikanischem Freihandel
Mo.09.02.04 - Regierungsvertreter aus 34 Staaten des amerikanischen Kontinents haben
bei einer viertägigen Konferenz in Mexiko keine Fortschritte bei
den Verhandlungen zur Bildung einer gesamtamerikanischen
Freihandelszone (FTAA-ALCA) erzielt. Die Gespräche sollen in der
mexikanischen Stadt Puebla im März wieder aufgenommen werden.
Einer der Hauptstreitpunkte waren die Agrarsubventionen. Mehrere
Länder Südamerikas verlangen von den USA einen Abbau dieser
Subventionen, die USA wollen darüber aber nur innerhalb der
Welthandelsorganisation (WTO) verhandeln. Die Verhandlungen über
das Freihandelsabkommen laufen schon seit 1998.
(Quelle: dpa/taz)
Politischer Aktivist in Brasilien ermordet
Mo.09.02.04 - In Brasilien ist am Wochenende ein führender politischer Aktivist
vor seinem Haus erschossen worden. Nach Medienberichten vom Sonntag
schossen zwei Männer von einem Motorrad auf Jose Ribamar, als er
am Samstagabend vor seinem Haus in Rondon do Para 2.000 Kilometer
nördlich von Sao Paulo stand. Die katholische Gruppe Land
Pastoral, die sich für die Landreform in Brasilien einsetzt,
erklärte, Ribamar sei offenkundig wegen seiner Rolle bei der
Besetzung von Farmen ermordet worden. Die Aktivisten nutzen die Taktik,
um die Regierung zur schnelleren Umsetzung der Landreform zu zwingen.
Streitereien zwischen Großgrundbesitzern und mittellosen Farmern
sind in Brasilien fast an der Tagesordnung und enden oft mit blutiger
Gewalt. Nach einem Bericht von Land Pastoral kamen bei derartigen
Unruhen im vergangenen Jahr 46 Brasilianer ums Leben.
(Quelle: ap)
Aufstand der Rebellen in Haiti weitet sich aus
Mo.09.02.04 - In Haiti hat sich der Aufstand gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide ausgeweitet. Die Polizei gab ihren Rückzug aus der von
Rebellen besetzten Stadt Gonaives bekannt, die sie tags zuvor in einem
bewaffneten Vorstoß zurückerobern wollte. Rebellen rissen
Brücken ein und hoben Gräben aus, um eine Rückkehr der
Sicherheitskräfte in die 200.000-Einwohner-Stadt zu verhindern,
wie Radiosender meldeten.
Nach den Kämpfen in Gonaives habe sich die Polizei zu einer
"Rückzugsstrategie" entschlossen, hieß es in einer
offiziellen Erklärung. Angaben zu Opfern machten die Behörden
nicht. Fernsehbilder aus der Küstenstadt zeigten Leichen am
Straßenrand und Rebellen, die mit Gewehren und Macheten durch die
Stadt patrouillierten. Augenzeugen berichteten in lokalen Radiosendern
von drei bis sieben getöteten Polizisten allein während der
Gefechte am Samstag, die Rebellen meldeten den Tod von 14
Ordnungskräften.
In mehreren Städten steckten Aristide-Gegner
Regierungsgebäude in Brand, wie Medien berichteten. Aus der
Großstadt Cap Haïtien wurden brennende Straßensperren
gemeldet, in der Stadt Grand-Goave brannte eine Polizeistation nieder.
Auch Aristide-Anhänger gingen in mehreren Städten auf die
Straße. In Port-au-Prince errichteten sie Barrikaden und
zündeten diese an.
Ministerpräsident Yvon Neptune bezichtigte Aristides politische
Gegner, die Gewalt zu schüren. "Diese Gewalt hat mit einem
Putschversuch zu tun", sagte er in einem Fernsehinterview. Er forderte
die Opposition auf, der Gewalt ein Ende zu bereiten und sich an der
Vorbereitung von Parlamentswahlen zu beteiligen.
Seit vergangenem Jahr hat Haiti kein Parlament mehr. Neuwahlen nach
Auslaufen der Legislaturperiode waren nicht zustande gekommen, weil
sich die politischen Gruppierungen nicht auf die Einrichtung einer
Wahlkommission verständigen konnten. Präsident Aristide
regiert seitdem per Dekret.
Die seit Monaten demonstrierenden Aristide-Gegner werfen dem einstigen
Armenpriester vor, das Land mit diktatorischen Methoden und durch
Korruption weiter in Armut und Elend zu treiben. Aristide lehnt einen
Rücktritt ab und will sein Mandat bis 2006 zu Ende führen.
(Quelle: afp)
Europa
Vaclav Klaus gegen rasche Euro-Einführung in Beitrittsstaaten
Mo.09.02.04 - Die osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten sollten nach Ansicht des
tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus möglichst lange
an ihren nationalen Währungen festhalten. In der Euro-Zone sei das
Wirtschaftswachstum nach der Einführung der
Gemeinschaftswährung nicht sehr hoch, die Arbeitslosigkeit aber
höher als vorher, sagte Klaus der «Passauer Neuen
Presse» (Montagausgabe). Dies sei zwar ein Zeichen verschiedener
Probleme, «aber ein Zufall ist es auch nicht». Die Kosten,
die die Länder für die Euro-Einführung bezahlen
müssten, lägen sicherlich im einstelligen Prozentbereich des
Wirtschaftswachstums.
(Quelle: ap)
Italiens Richter attackieren Berlusconi
Mo.09.02.04 - Der italienische Richterbund hat die geplante Justizreform der
Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi
ungewöhnlich scharf kritisiert. Es handele sich um einen
«Versuch zur Faschistisierung der Richter», sagte der
Sekretär der Organisation, Carlo Fucci, am Sonntag.
Ausdrücklich verwies er auf die Methoden der Gleichschaltung unter
Faschistenführer Mussolini in den 20er Jahren.
Die Regierung setzte ihre Macht «wie einen Knüppel»
gegen die Justiz ein. Der Richterbund beschloss bei seiner Konferenz in
Venedig daher für Anfang März einen Streik gegen die
Justizreform.
Damit hat der seit Jahren andauernde Konflikt zwischen Berlusconi, der
demnächst in einem Korruptionsprozess wieder vor Gericht muss, und
der Justiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Berlusconi selbst hatte
die Justiz jüngst als «Kampfinstrument» bezeichnet und
mit dem Faschismus verglichen. Bei einer Parteiveranstaltung las er den
Brief eines Anhängers vor, in dem es heißt: «Der
Faschismus war weniger gehässig als diese in Roben gehüllte
Bürokratie.»
Berlusconi behauptet immer wieder, angeblich linke Richter würden
ihn verfolgen und wollten seine Mitte-Rechts-Regierung stürzen.
Nach der Ablehnung eines neuen Immunitätsgesetzes durch das
Verfassungsgerichts muss er sich in Kürze wieder vor einem
Mailänder Gericht verantworten. Insgesamt musste er sich in den
vergangenen Jahren in einem halben Dutzend Prozessen verantworten, etwa
wegen Bilanzfälschung, schwarzer Kassen und Bestechung. Zwei Mal
wurde Berlusconi in erster Instanz zu Gefängnisstrafen verurteilt.
Seitdem endeten einige Verfahren wegen Verjährung, andere wurden
eingestellt, einige Male gab es Freispruch.
Der Richterbund plädierte zwar auch für eine Reform des
Rechtswesens. Er fürchtet aber, die Regierung werde diese nutzen,
um die Unabhängigkeit der Justiz zu beschneiden. Der vorliegende
Entwurf sieht etwa Strafen bei politischem Engagement von Richtern und
Staatsanwälten sowie bei von der Norm abweichenden Urteilen vor.
(Quelle: dpa)
Fahrverbot für Autos wegen Luftverschmutzung - Zehntausende
Italiener gingen zu Fuß
Mo.09.02.04 - Zehntausende Italiener in Rom, Mailand und in über 100 kleineren
und mittleren Städten haben ihr Auto zu Hause lassen müssen.
Wegen anhaltend hoher Luftverschmutzung verhängten vor allem
Kommunen in Norditalien ein Fahrverbot für Autos und
Motorräder. In Rom handelte es sich um das strengste Fahrverbot
seit 30 Jahren: Neben der historischen Altstadt waren auch angrenzende
Wohnviertel davon betroffen. Auch in Brescia, Verona und Como mussten
die Menschen auf Straßenbahn und Bus umsteigen.
(Quelle: dpa)
Deutschland: Neuer BA-Chef erwartet leichte Erholung am Arbeitsmarkt
Weise: Radikaler Abbau der Arbeitslosigkeit ist langfristig
unrealistisch
Mo.09.02.04 - Der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen
Weise, erwartet schon bald sinkende Arbeitslosenzahlen. Wenn nun der
Wirtschaftsaufschwung komme, könne die Erwerbslosigkeit im Herbst
bei vier Millionen liegen, sagte der Behördenchef der «Welt
am Sonntag». Momentan gibt es 4,6 Millionen Arbeitslose.
Weise sagte, die Fünf-Millionen-Grenze werde sicherlich nicht mehr
erreicht. Ein radikaler Abbau der Arbeitslosigkeit sei aber langfristig
ebenso unrealistisch. «Eine Idee, dass man die Arbeitslosigkeit
halbieren und dies gar selber verantworten könnte, ist
abenteuerlich.» Eine «voll professionelle»
Arbeitsvermittlung könne die Quote allenfalls um einen Prozentpunkt
senken, also von derzeit elf auf zehn Prozent. Das müsse das Ziel
sein, «das sich in ein paar Jahren erreichen lässt»,
sagte der bisherige Finanzvorstand der Nürnberger Behörde.
Weise, der mit seinem entlassenen Vorgänger Florian Gerster
befreundet ist, kündigte an, er werde die Behörde im
Unterschied zu Gerster «so unpolitisch wie möglich
führen» und sich aus der Öffentlichkeit
zurückhalten. Dies mache die BA weniger angreifbar, sagte er dem
«Focus».
In nächster Zeit wolle er überprüfen, was einzelne
Arbeitsmarktinstrumente wie etwa Eingliederungszuschüsse oder
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wirklich bringen. Das werde heikel,
«weil wir natürlich einigen auf die Füße
treten».
In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
räumte Weise ein, dass ABM- und Weiterbildungsmaßnahmen
häufig keine Jobs bringen oder gar kontraproduktiv seien. «Es
kann aber auch ein politisches Ziel sein, Menschen, die keine Stelle
finden, mit ABM arbeitsmarktfähig zu halten. In das politische
Spiel mische ich mich nicht ein», sagte er.
Weise räumte ein, dass die Unterzeichnung der umstrittenen
Beraterverträge zu seinem Vorstandsbereich gehört habe. Er
selbst habe keine Kontrakte unterschrieben, übernehme aber die
Verantwortung für «Mängel in seinem Bereich». Als
Vorstand habe er nicht jeden Schritt begleitet, sondern sich auf seine
Führungsebene verlassen, «dass das rechtlich korrekt
umgesetzt wird».
Weise berichtete, er habe während der jüngsten Krise dem
Verwaltungsrat sogar seinen Rücktritt angeboten, sollte jemand
symbolisch die Verantwortung übernehmen müssen. Das sei
abgelehnt worden. Bei der Entlassung seines Vorgängers sei es dann
aber letztlich weniger um die Beraterverträge gegangen. «Die
Gründe lagen wohl eher im persönlichen Bereich.» Dem
Verwaltungsrat habe am Ende das Vertrauen in Gerster gefehlt.
Seine neue Aufgabe bei der Bundesagentur betrachtet Weise nach eigenen
Worten eher als «Kontinuum» denn als Neuanfang. «Die
Reformkonzepte, die wir erarbeitet haben, wurden ordnungspolitisch von
Florian Gerster begleitet und betriebswirtschaftlich und organisatorisch
von mir. Diese Ideen wurden dann von unseren Führungskräften
ausgearbeitet und von externen Beratern unterstützt. Jetzt werden
die Konzepte umgesetzt», sagte Weise.
Auf die Frage, warum sich kein Manager für den Chefposten bei der
BA habe finden lassen, sagte Weise: «Die Bezahlung ist einfach
nicht adäquat zur Aufgabe und Größenordnung unserer
Institution.»
(Quelle: ap)
Gesamtmetall stellt 100.000 neue Arbeitsplätze in Aussicht -
IG Metall wirft Arbeitgebern 'unseriöse Finte' vor
Die Arbeitgeber machen freiwillige Vereinbarungen für längere
Arbeitszeiten - zum Teil auch ohne Lohnausgleich - zur Bedingung
für einen Tarifabschluss
Mo.09.02.04 - Wenige Tage vor der womöglich entscheidenden Verhandlungsrunde
kommt Bewegung in den Tarifstreit der Metallindustrie. Die Arbeitgeber
stellten am Wochenende 100.000 neue Arbeitsplätze in Aussicht,
wenn die Gewerkschaft Öffnungsklauseln für längere
Wochenarbeitszeiten akzeptiere. Die IG Metall wies dies als
«unseriöse Finte» zurück. Doch zugleich forderte
Gewerkschaftsvize Berthold Huber Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser
auf, das in der «Bild am Sonntag» veröffentlichte
Angebot in einen Tarifvertrag umzusetzen.
«Sollte Kannegiesser es ernst meinen, dann kann ich ihn nur
auffordern, mit der IG Metall einen Tarifvertrag zu schließen,
der bei betrieblicher Arbeitszeitflexibilisierung mindestens 100.000
zusätzliche Arbeitsplätze garantiert», sagte Huber der
«Neuen Osnabrücker Zeitung». Solche Zusicherungen
hätten die Arbeitgeber aber bisher stets abgelehnt. Daher sei das
Angebot eine «schlichte Irreführung». Kannegiesser
setze in Wahrheit auf einen Wirtschaftsaufschwung, der alleine
zusätzliche Beschäftigung schaffen könne.
Derweil bekundete der designierte SPD-Vorsitzende Franz
Müntefering seine Sympathie für die Position der IG Metall.
«Wer längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich fordert,
verlangt faktisch eine Lohnkürzung», sagte Müntefering
der «Bild am Sonntag». Er verstehe, dass die Gewerkschaften
an dieser Stelle allergisch reagierten. Allerdings müssten die
Tarifparteien den konkreten Konflikt untereinander ausmachen.
Zuvor hatten Arbeitgeber und CDU Eingriffe der Politik gefordert,
sollte sich die Gewerkschaft bei den Verhandlungen nicht bewegen.
Kannegiesser sagte der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung»: «Ein Arbeitskampf in dieser labilen
wirtschaftlichen Situation würde den Aufschwung in Deutschland
ersticken.» Südwestmetall-Chef Ottmar Zwiebelhofer drohte in
der «Welt am Sonntag»: «Wenn die IG Metall sich jetzt
nicht bewegt, dann wird sie durch politische Eingriffe bewegt
werden.»
Der CDU-Wirtschaftsexperte Karl-Josef Laumann forderte in der
«Neuen Osnabrücker Zeitung», die Gewerkschaften
sollten mehr betriebliche Elemente in die Tarifverträge
übernehmen. Sollten die Tarifparteien nicht zu einer freiwilligen
Lösung bereit sein, werde die Union per Gesetz klarstellen, dass
betriebliche Bündnisse zur Beschäftigungssicherung
möglich seien.
Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung» wollen sich Kannegiesser und IG-Metall-Chef
Jürgen Peters persönlich in die Tarifverhandlungen im
Südwesten einschalten. Um einen Streik zu verhindern, solle es am
Mittwoch ein Spitzentreffen geben, berichtete das Blatt. Sprecher von
IG Metall und Gesamtmetall nannten dies auf AP-Anfrage «reine
Spekulation».
Die Verhandlungen im Südwesten sollen am kommenden Mittwoch in
ihre möglicherweise entscheidende Runde gehen. Am Dienstag
berät der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt am Main über das
weitere Vorgehen, am Abend zuvor kommen die Bezirksleiter zu Beratungen
zusammen. Bisher bieten die Arbeitgeber in zwei Stufen jeweils 1,2
Prozent mehr Lohn und Gehalt, die IG Metall fordert vier Prozent.
(Quelle: ap)
Sanofi-Großaktionäre angeblich für
Aventis-Übernahmeangebot
Mo.09.02.04 - Die beiden Großaktionäre des französischen
Pharmakonzerns Sanofi-Sythelabo, Total und L'Oreal, haben einem
Zeitungsbericht zufolge die Unterstützung des
Übernahmeangebots für den Rivalen Aventis vereinbart.
Damit werde zugleich verhindert, dass Sanofi selbst von einem anderen
Wettbewerber übernommen werde, berichtete die "Financial Times" am
Sonntag auf ihrer Website. In der vergangenen Woche hatte es dem Blatt
zufolge Gerüchte gegeben, der US-Pharmakonzern Pfizer bereite ein
Übernahme-Angebot für Sanofi vor. Die Unternehmen waren
zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Sanofi hatte Ende Januar eine Übernahmeofferte im Volumen von rund
48 Milliarden Euro für den - gemessen am Umsatz - etwa doppelt so
großen französischen-deutschen Pharmakonzern Aventis
vorgelegt. Das Management der erst 1999 aus der Fusion der ehemaligen
Rhone-Poulenc und der Hoechst AG entstandenen Aventis hat die Offerte
als zu niedrig zurückgewiesen. Bei einem Zusammenschluss der
beiden größten Arzneimittelfirmen Frankreichs entstünde
ein Pharmariese, der weltweit den dritten Rang in der Branche belegen
würde.
(Quelle: rtr)
Aventis verkauft Anteile - rüstet sich gegen Übernahme
Fr.06.02.04 - Aventis stellt ein durchschnittliches Umsatzwachstum von zehn bis elf
Prozent in Aussicht. Die Aventis-Aktie stieg am Donnerstag bis 15.20
Uhr um 0,97 Prozent auf 62,75 Euro +++ Großaktionär möglicherweise
vor Ausstieg bei Aventis... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020620
Weitere Berichte zur Aventis/Sanofi-Übernahmeschlacht unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#040206ga
Abwärtstrend bei Zahlen der Asylbewerber hält an
Mo.09.02.04 - Der Abwärtstrend bei den Asylbewerberzahlen hat sich auch im
Januar fortgesetzt. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres sank die Zahl
um mehr als ein Drittel (38,5 Prozent) auf 2.357, wie das
Bundesinnenministerium am Sonntag mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat
sei aber ein Anstieg um gut zehn Prozent zu verzeichnen. Nur 1,7
Prozent der mehr als 6.800 im Januar bearbeiteten Asylanträge sei
anerkannt worden. In zwei Prozent der Fälle sei auf
Abschiebeschutz erkannt worden.
Die meisten Asylbewerber kommen den Angaben zufolge weiterhin aus der
Türkei (493 im Januar), gefolgt von Serbien und Montenegro (328),
Russland (259), Iran (184), Aserbaidschan (158), Irak (129), Vietnam
(126), Afghanistan (123), Pakistan (104) und Algerien (103). Die Zahl
der Personen, deren Asylanträge das Bundesamt noch nicht
entschieden hat, liegt den Angaben zufolge bei fast 20.000. Mehr als
4.000 weitere Anträge beträfen Folgeverfahren.
(Quelle: ap)
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