Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertachtundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Zeitungen stellen Bushs Glaubwürdigkeit in Frage +++ Annan
zufrieden mit Arbeit von UN-Delegation in Irak +++ Powell:
El-Kaida-Dokument stützt These über Irak-Verbindung -
Topmitglied der El-Kaida ruft zu Terror im Irak auf +++ USA
veröffentlichen in Irak neue Fahndungsliste
Di.10.02.04 - Führende US-Zeitungen haben nach einem Fernsehinterview von
Präsident George W. Bush im Sender NBC seine Glaubwürdigkeit
in Frage gestellt. "Leidet Bush an einem
Glaubwürdigkeits-Defizit?" fragte sich das Wochenmagazin "Time"
auf dem Titel. Bush hatte sich in dem Interview als
"Kriegspräsident" bezeichnet und davor gewarnt, dass der Welt
weitere Gefahren drohen.
Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November hatte Bush
zudem gesagt: "Ich treffe meine Entscheidungen in auswärtigen
Angelegenheiten hier im Oval Office (des Weißen Hauses) und habe
dabei den Krieg im Hinterkopf." Der Krieg in Irak sei notwendig
gewesen, weil "wir keine Wahl hatten".
Die "New York Times" schreibt in einer Analyse des Interviews mit dem
Titel "Die Version des Mr. Bush": "Die von Bush dargebotenen
Ausführungen sind alles andere als beruhigend." Das einzig
deutliche an Bushs Vision scheine sein "perfekter Sinn für
Selbstrechtfertigung" zu sein. Weiter schreibt die "New York Times":
"Der Mangel an Klarheit und Zusammenhang in Bushs Kommentaren weist
darauf hin, dass er sich noch immer auf seinen moralischen Absolutismus
stützt, wonach es in einer gefährlichen Welt wichtig ist,
entschlossen zu handeln."
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich derweil zufrieden über
den bisherigen Verlauf der Arbeit einer Delegation der Vereinten
Nationen in Irak geäußert. Die Delegation, die die
Möglichkeit freier Wahlen in Irak ausloten soll, sei dort gut
aufgenommen worden, erklärte Annan am Montag in New York. Es habe
"sehr gute und freimütige Diskussionen" gegeben. "Ich glaube, dass
die Arbeit des Teams extrem gut verläuft", sagte Annan.
Die UN-Experten kamen am Montag mit mehreren irakischen Politikern
zusammen, Delegationsleiter Lakhdar Brahimi sprach außerdem mit
Vertretern des von den USA eingesetzten irakischen Verwaltungsrats. Das
Team war am Samstag in Irak eingetroffen und wird voraussichtlich zehn
Tage im Land bleiben.
Hintergrund ist ein Streit zwischen den USA und führenden
Vertretern der Schiiten, die die Mehrheit der Bevölkerung in Irak
stellen. Während die Schiiten baldige Direktwahlen verlangen,
halten die USA die Lage noch für zu instabil und hoffen, dass die
UN-Delegation zum selben Ergebnis kommt. Nach amerikanischer
Vorstellung soll die Macht am 1. Juli an eine Übergangsregierung
abgeben werden, die von 18 regionalen Wahlausschüssen bestimmt
werden soll.
Annan sagte, Brahimi werde auch mit dem schiitischen
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani zusammentreffen. Die
Delegation werde noch etwa eine Woche in Irak bleiben.
Anschließend werde sie nach New York zurückkehren, um ihren
Bericht abzuschließen. Nach einer Prüfung des Berichts werde
er seine Schlussfolgerungen dem irakischen Regierungsrat und der
US-Zivilverwaltung übermitteln, sagte Annan.
Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte sagte auf die Frage,
ob sich die USA an die Empfehlungen der UN halten würden:
"Sicherlich werden diese Auffassungen mit äußerster
Ernsthaftigkeit abgewogen."
Ein mutmaßliches Topmitglied der El Kaida hat dazu aufgerufen,
einen "sektiererischen Krieg" im Irak zu entfesseln. Das geht nach
Angaben der "New York Times" vom Montag aus einem Strategiepapier zur
Vertreibung der Amerikaner aus dem Land hervor, das den Amerikanern
Mitte Januar in die Hände gefallen sei.
Das Papier, das dem Jordanier Abu Mussab Sarkawi zugeschrieben wird,
ziele darauf ab, die sunnitische Minderheit gegen die schiitische
Mehrheit aufzuhetzen und damit Extremisten in die Arme zu treiben.
Helfen sollen dabei führende El-Kaida-Mitglieder.
Sarkawi gilt als Planer der Irak-Operationen des Terrornetzes und soll
sich nach US-Einschätzung im Irak aufhalten. Von der
Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wird er mit Haftbefehl als
Rädelsführer der islamistischen Terrorgruppe Al Tawhid
gesucht, die in Deutschland Anschläge auf Juden geplant haben
soll. In dem Memorandum, das laut "New York Times" von der US-
Regierung für authentisch gehalten wird, drückt der Verfasser
Frustration angesichts der bisherigen Unfähigkeit der Extremisten
im Irak aus, die US-Besatzer zu verjagen. Das Ziel lasse sich mit einer
Attacke gegen die Schiiten erreichen. Dies könne einen
Gegenangriff auf die Sunniten auslösen, die sich dann wiederum um
Extremisten scharen würden.
Der Fund des Memorandums stützt nach Ansicht von
US-Außenminister Colin Powell die These über Verbindungen
von Saddam Hussein zu der Terrororganisation. Dies gebe seinen
Ausführungen vor der UNO im vergangenen Jahr eine Art
"Beglaubigung", sagte Powell am Montag in Washington. Damals - vor dem
Kriegsbeginn im März - habe er Aktivitäten von Abu Mussab el
Sarkawi geschildert, die den Irakern bekannt gewesen sein müssten.
Zugleich räumte er ein, derzeit würden die mutmaßlichen
Verbindungen noch gesucht, um Beweise zu liefern. Das nun gefundene
Dokument sei "sehr aufschlussreich", weil es die "Schwächen" von
El Kaida im Kampf gegen die Besatzungsmächte in Irak aufzeige.
Zugleich beweise es aber, dass das Netzwerk versuche, "mehr Terroristen
nach Irak" einzuschleusen.
Die USA haben unterdessen eine neue Fahndungsliste der meistgesuchten
Gegner der Koalitionstruppen in Irak veröffentlicht, auf deren
Ergreifung eine Belohnung von insgesamt 16,5 Millionen Dollar ausgesetzt
ist. An der Spitze der fünf Namen umfassenden Liste steht die
Nummer zwei der früheren irakischen Führung, Essat Ibrahim.
An zweiter Stelle rangiert Abu Mussab el Sarkawi. Auf Hinweise,
die zur Ergreifung von Ibrahim führen, hatten die USA zehn
Millionen Dollar (rund acht Millionen Euro) ausgesetzt, für die
Festnahme Sarkawis die Hälfte.
An dritter Stelle der Liste wird ein Führungsmitglied der ehemals
regierenden Baath-Partei, Mohammed Junes el Ahmed, angeführt. Der
an vierter Stelle folgende Iraker Abdelbaki Abdelkarim Abdallah el
Saadune leitete laut Fahndungsausschreibung den militärischen Arm
der Baath-Partei in der nordöstlichen Provinz Dijala. Nummer
fünf der Liste ist Muammar Ahmed Jussef el Dschaber, der als
"Stellvertreter" Sarkawis bezeichnet wird. Für Hinweise auf den
Verbleib Ahmeds wurden eine Million Dollar ausgesetzt, für Saadune
und Dschaber jeweils 250.000 Dollar.
Zwei der fünf Gesuchten - Ibrahim und Abdallah - standen bereits
auf der von den USA nach Ende der Hauptkampfhandlungen Anfang Mai
veröffentlichten Fahndungsliste von 55 Irakern. Von diesen sind 13
weiter auf der Flucht; Ibrahim ist der ranghöchste von ihnen. Der
ehemalige Vize-Chef des Revolutionären Kommandorates gilt als
Drahtzieher vieler Anschläge auf die Koalitionstruppen. Sarkawi
wird seit 1999 von den Behörden zahlreicher Länder gesucht.
Jordanien sieht in ihm den Hintermann für die Ermordung eines
US-Diplomaten in Amman Ende Oktober 2002.
An einer Straße bei Bakuba entdeckten US-Soldaten nach
Militärangaben mehrere abschussbereite Raketen, die auf die Stadt
gerichtet waren. Die Geschosse wurden rechtzeitig entschärft.
Bakuba liegt gut 50 Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten
sunnitischen Dreieck, einem Zentrum des Widerstands gegen die
US-Truppen.
Bei einer Explosion in Nordirak wurden zwei US-Soldaten getötet
und sechs verwundet, wie die US-Streitkräfte weiter mitteilten.
Die Explosion habe sich offenbar bei der Beseitigung von Sprengstoff
ereignet, so dass es sich vermutlich um einen Unfall und nicht um einen
Anschlag gehandelt habe.
Weitere japanische Soldaten reisten am Montag von Kuwait nach Irak, um
ihre humanitäre Mission für den Wiederaufbau wahrzunehmen.
Fast gleichzeitig billigte das Parlament in Tokio formell den Einsatz,
der innenpolitisch äußerst umstritten ist. Nicaragua will
seine Ende Februar aus Irak zurückkehrenden 115 Soldaten wegen
Geldmangels nicht ersetzen. Es werde kein zweites Kontingent geben,
erklärte Verteidigungsminister José Adan Guerra.
(Quellen: ap, dpa, afp)
The Bush Files
Ron Suskind hat die ersten der 19.000 Dokumente, die er vom ehemaligen
Finanzminister und Bush-Kritiker O'Neill für sein Buch "The Price
of Loyalty" erhalten hat, im Web veröffentlicht...
Mehr bei telepolis (10.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/on/16718/1.html
Blick ins Archiv:
Ehemaliger US-Finanzminister Paul O'Neill: Bush plante Invasion
in den Irak schon vor 11. September 2001
So.11.01.04 - Die US-Regierung hat nach Darstellung des früheren
Finanzministers Paul O'Neill schon Monate vor den Terroranschlägen
vom 11. September 2001 mit den Planungen für einen Irak-Krieg
begonnen. Die Grundzüge für eine Invasion seien bereits
wenige Tage nach dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush im
Januar 2001 gelegt worden, sagte O'Neill in einem Interview des
Fernsehsenders CBS. "Von Anfang an herrschte die Überzeugung, dass
Saddam Hussein eine schlimme Person ist und verschwinden muss."
Auszüge des Interviews, das am Sonntagabend in der Sendung "60
Minutes" ausgestrahlt werden sollte, verbreitete der Sender am Samstag
vorab. Das Interview ist Teil einer Kampagne, mit der O'Neill für
ein neues Buch über die erste Hälfte von Bushs Amtszeit wirbt.
Das Buch des früheren Reporters des "Wall Street Journal" Ron
Suskind trägt den Titel "The Price of Loyality" ("Der Preis der
Loyalität"). Hauptquelle für das Buch ist O'Neill, der im
Dezember 2002 von Bush entlassen wurde.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, wollte weder
bestätigen noch dementieren, dass die Regierung bereits zu Beginn
von Bushs Amtszeit mit den Vorbereitungen für einen Krieg gegen
Irak begonnen hat. Er sagte lediglich, der irakische Präsident
Saddam Hussein sei schon vor dem 11. September 2001 eine Bedrohung
für den Frieden und die Stabilität gewesen und erst recht
danach. Die US-Regierung hat keine Beweise dafür gefunden, dass
Saddam Hussein in die Anschläge vom 11. September verwickelt ist.
Regierungsvertreter sagten jedoch, sie hätten die Möglichkeit
in Betracht ziehen müssen, dass Saddam Hussein einen weit
größeren Schlag gegen die USA plane.
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Nahost-Konflikt
Treffen Scharon-Kureia angeblich Ende Februar +++ Oberstes israelisches
Gericht beschäftigt sich mit Sperranlage +++ Palästinenser
erwägen Ausrufung eines unabhängigen Staates - Israel droht
für diesen Fall mit umgehender Annexion der
palästinensischen Gebiete +++ Jüdische Siedler im
Gazastreifen kündigen Zuzug von rund 500 Familien an, um Scharons
Räumungsplan zunichte zu machen +++ Israelische Soldaten
erschiessen zwei Palästinenser
Di.10.02.04 - Das lang erwartete erste Gipfeltreffen zwischen dem israelischen
Regierungschef Ariel Scharon und dem palästinensischen
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia soll am 21. oder 22. Februar
stattfinden, wie am Montag aus palästinensischen Kreisen
verlautete. Berater beider Ministerpräsidenten arbeiteten seit
Wochen an der Vorbereitung des Treffens.
Eine Begegnung zwischen Scharon und Kureia gilt als entscheidender
Schritt zur Wiederbelebung des internationalen Friedensplans für
den Nahen Osten. Seit Kureias Amtsantritt im Oktober kam eine solche
Begegnung nicht zu Stande. Vorige Woche mahnte ein israelischer
Regierungsvertreter, ein Gipfeltreffen sei möglicherweise die
«letzte Chance für die Road Map».
Die Gespräche sollten sich nach palästinensischen Angaben auf
die umstrittene israelische Grenzanlage zum Westjordanland
konzentrieren sowie auf die palästinensischen Anstrengungen, die
militanten Untergrundorganisationen zu einem Waffenstillstand zu
bewegen.
Der Streit über den israelischen Sperrwall zum Westjordanland hat
am Montag das Oberste Gericht in Jerusalem beschäftigt. In der
Anhörung ging es um die Klage zweier israelischer
Menschenrechtsorganisationen. Sie machten geltend, dass jedes
Bauvorhaben auf besetztem Land illegal sei und die Barriere die
Menschenrechte verletze. In zwei Wochen beschäftigt sich auch der
Internationale Gerichtshof in Den Haag mit der Rechtmässigkeit der
Sperranlage.
Ein Berater des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat
sagte am Montag, die Autonomiebehörde erwäge die Ausrufung
eines unabhängigen Staates, falls Israel an dem Wall festhalte.
"Wir diskutieren das nicht nur als akademische Übung, sondern als
echte Möglichkeit", sagte Jassir Abed Rabbo, der dem
Exekutiv-Komitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO
angehört.. Bei einer Sitzung führender Politiker am
Wochenende hätten viele die Idee unterstützt. Ob auch Arafat
hinter dem Vorschlag steht, sagte Rabbo nicht.
Die Palästinenser könnten ihren Staat auf dem Gebiet
ausrufen, das Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt hatte - dem
Gaza-Streifen, dem Westjordanland und dem arabischen Ostteil
Jerusalems, sagte Rabbo. Dann könnten sie die internationale
Anerkennung einfordern. "Das ist eine der Optionen, die als Antwort auf
Scharons einseitigen Plan und als Versuch, ihn scheitern zu lassen,
geprüft werden", sagte Rabbo.
Israel drohte für den Fall einer
Unabhängigkeitserklärung mit einer umgehenden Annexion der
palästinensischen Gebiete. Dies sei jedoch derzeit nicht die
Absicht der Regierung, sagte Salman Schowal, ein Berater des
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon.
Der bislang zu etwa einem Viertel fertig gestellte Wall reicht zum Teil
weit ins Westjordanland hinein und schliesst mehrere
palästinensische Städte und Ortschaften ein. Zehntausende
Palästinenser sind von ihrem Land, von Schulen oder
Sozialeinrichtungen abgeschnitten.
In der Anhörung vor dem Obersten Gericht forderte die Organisation
Hamoked (Center for the Defense of the Individual), den Verlauf der
Sperranlage zu ändern. Sie dürfe allenfalls entlang der vor
1967 gültigen Grenze verlaufen, sagte Anwalt Avigdor Feldman. Die
Vereinigung für Bürgerrechte in Israel (ACRI) klagte gegen
die Anordnung, dass Palästinenser eine Genehmigung zum Passieren
der Sperranlagen benötigen. Tausende seien auf Niemandsland
gefangen, einige hätten nicht einmal ein Aufenthaltsrecht für
ihre eigenen Wohnungen.
Regierungsanwalt Michael Blass erklärte, der Verlauf der Barriere
sei noch nicht endgültig festgelegt, und es werde alles
unternommen, um denjenigen Palästinensern zu helfen, die durch die
Anlage abgeschnitten seien. "Wir lernen unsere Lektionen, das Ganze ist
dynamisch", sagte Blass. "Wir müssen ihnen helfen, es müssen
Lösungen gefunden werden."
Der Vorsitzende Richter Aharon Barak sagte nach der Anhörung, das
aus drei Richtern bestehende Gremium werde "sobald wie möglich"
ein Urteil verkünden. Ob die Entscheidung noch vor Beginn der
Verhandlung in Den Haag fallen soll, war nicht bekannt.
Jüdische Siedler im Gazastreifen kündigten am Montag den
Zuzug von rund 500 Familien an. Damit wollen sie den Plan Scharons
zunichte machen, die Siedlungen räumen zu lassen. Die Familien
sollten in den kommenden Wochen in einen kleinen Ort namens Schirat
Hajam an der Küste ziehen sowie in Jugendherbergen in anderen
Siedlungen untergebracht werden, sagte Ejal Sternberg. Im Gazastreifen
leben rund 7.800 Israelis.
Unterdessen wurden zwei Palästinenser im Gazastreifen von
israelischen Soldaten erschossen. Bei den Opfern handelt es sich nach
palästinensischen Angaben um ein 22-jähriges Hamas-Mitglied
und einen 17-jährigen Jugendlichen.
(Quellen: ap, rtr)
USA planen angeblich Demokratie-Offensive von Nahost bis
Südostasien
Di.10.02.04 - Die US-Regierung arbeitet gemeinsam mit europäischen Partnern
einem Pressebericht zufolge an einer umfangreichen
Demokratie-Initiative für den Nahen und Mittleren Osten sowie
Südostasien. Das Vorhaben solle sich an ähnlichen Projekten
orientieren, die bereits in früheren Sowjetstaaten und in
Osteuropa angewandt worden seien, berichtete die "Washington Post" am
Montag. Der Plan stehe beim G-8-Gipfel im Juni zur
Veröffentlichung. "Das ist ein umfassender Wandel in unserem
Ansatz gegenüber dem Nahen Osten", zitierte die Zeitung einen
ranghohen Beamten des US-Außenministeriums.
(Quelle: afp)
Partei des iranischen Präsidenten Chatami nimmt an Wahl teil
Di.10.02.04 - Die reformorientierte Partei des iranischen Präsidenten Mohammad
Chatami will im Gegensatz zu der von seinem jüngeren Bruder
geführten IIPF an der für Mitte Februar angesetzten
Parlamentswahl teilnehmen. Nach Einschätzung von Beobachtern
dürfte dieser Schritt von vielen Iranern als erneute Kapitulation
des moderaten Präsidenten vor dem einflussreichen konservativen
Klerus gewertet werden.
Die Partei des Präsidenten werde an den Wahlten teilnehmen, sagte
ein Parteimitglied am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dagegen
hatte bereits vergangene Woche der Bruder des Präsidenten und Chef
der Islamischen Iranischen Beteiligungsfront (IIPF), Mohammad Resa
Chatami, erklärt: "Wir haben keine Hoffnung auf faire, freie und
rechtmäßige Wahlen am 20. Februar. Daher können wir
nicht teilnehmen".
Der von zwölf nicht gewählten konservative Geistlichen und
islamischen Richtern gebildete Wächterrat prüft im Iran unter
anderem die Tauglichkeit von Bewerbern für politische Ämter.
Zunächst hatte er mehr als die Hälfte der rund 8200
Kandidaten von der Wahl ausgeschlossen, später aber nach Protesten
von Reformpolitikern auf Anweisung des geistlichen Oberhaupt des
Landes, Ajatollah Ali Chamenei, sein Urteil revidiert. Damit sind von
dem Ausschluss noch immer mehr als 2000 Bewerber, darunter auch 80 der
290 Abgeordneten des jetzigen Parlaments betroffen. Unter ihnen sind
vor allem Anhänger des Präsidenten Chatami.
Dennoch hatten am Wochenende die reformorientierten Kräfte im Iran
sich dem Druck des konservativen Wächterrates gebeugt und ihren
Versuch zur Verschiebung der Wahl aufgegeben. Sie werfen dem
Wächterrat aber weiterhin vor, mit ihrem Vorgehen eine bereits von
langer Hand geplante Machtübernahme des Parlaments erreichen zu
wollen. Mehr als 120 reformorientierte Abgeordnete haben aus Protest
ihr Mandat niedergelegt.
(Quelle: rtr)
Pakistan: Deutsche an illegalem Atomhandel beteiligt - Gruppen wie El Kaida
erhielten keine Atomwaffen
Di.10.02.04 - Nach der Enthüllung illegaler Atomgeschäfte hat der
pakistanische Außenminister Khurshid Mahmud Kasuri die
Verwicklung von drei Deutschen als Mittelsmänner bestätigt.
Pakistan habe die Namen der Deutschen und eine Reihe von Beweisen gegen
sie. Nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer
(Grüne) in Berlin verteidigte Kasuri den Umgang der pakistanischen
Behörden mit den illegalen Atomgeschäften des Forschers und
Nationalhelden Abdul Qadeer Khan.
Laut Kasuri handelte es sich bei den illegalen Vorgängen um
"Aktivitäten in den achtziger und neunziger Jahren". Die Angaben
zu den Deutschen müssten nun von der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) an die Regierung in Berlin weitergegeben
werden, sagte Kasuri der "Süddeutschen Zeitung". Dies sei nicht
Aufgabe Pakistans. Er betonte zugleich, seit dem Jahr 2000 habe keine
atomare Technologie mehr pakistanische Anlagen verlassen. Fischer sagte
zu den drei verdächtigten Deutschen, bei ihnen handele es sich um
"Altfälle".
Bei den Ermittlungen zu den illegalen Atomgeschäften sei niemand
verschont geblieben, obwohl die Regierung unter "erheblichem Druck"
gestanden habe, sagte Kasuri. Im Laufe der Ermittlungen habe Khan auch
"andere Namen" genannt.
Kasuri betonte, seine Regierung werde alle ihr zur Verfügung
stehenden Informationen der Internationalen Atomenergie-Behörde
(IAEA) zuleiten. Insgesamt sei gegen elf Personen ermittelt worden, von
denen drei nun aber nicht mehr im Fadenkreuz der Behörden
stünden.
Berichte über eine angebliche Lieferung von Atommaterial an
Nordkorea seien "völliger Unsinn", sagte ein pakistanischer
Außenamtssprecher auf die entsprechende Frage eines Journalisten.
Das in Verdacht geratene pakistanische Transportflugzeug habe im Juli
2002 "nur schultergestützte SA-16-Raketen" in Nordkorea abgeholt,
jedoch "keine Kerntechnik an Bord" gehabt. "Das ist wohlbekannt", und
deshalb sollten "Spekulationen" über einen angeblichen Export
aufhören.
Auch extremistische Gruppen wie El Kaida haben nach Angaben Pakistans
nie Nuklearwaffen oder -Technologie aus dem Land erhalten.
"Wir schließen diese Möglichkeit aus", sagte
Militärsprecher Schaukat Sultan am Montag in Rawalpindi auf die
Frage, ob Nukleartechnologie durch den wissenschaftlichen Berater der
pakistanischen Regierung, Abdul Qadeer Khan, an Gruppen wie El Kaida
gelangt sein könnte. Entsprechende Hinweise hätten weder die
eigenen noch die Untersuchungen anderer Geheimdienste ergeben,
fügte er hinzu.
Khan, der als der Konstrukteur der pakistanischen Atombombe gilt, hatte
zugegeben, Atomtechnologie weitergegeben zu haben. Er war daraufhin Ende
Januar von der pakistanischen Regierung aus seinem Amt entlassen worden.
Die USA machen die El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama
bin Laden für die Anschläge vom 11. September 2001
verantwortlich, bei denen rund 3000 Menschen getötet wurden. Sie
befürchten, Gruppen wie El Kaida könnten in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen gelangen und mit diesen Anschläge
verüben.
(Quelle: rtr, afp)
UN-Lebensmittelhilfen für Nordkorea aufgebraucht
Di.10.02.04 - Angesichts ausbleibender Spenden gehen den Vereinten Nationen die
Lebensmittelhilfen für Nordkorea aus. "Wir kratzen die letzten
Reste zusammen", warnte der Vertreter des
UN-Welternährungsprogramms für Nordkorea, Masood Hyder. Die
Vorräte seiner Organisation reichten nicht mehr aus, um alle vier
Millionen Bedürftigen zu ernähren.
Sollte nicht bald Hilfe von außen eintreffen, könnten im
Februar und März nur noch Notprogramme für rund 75.000
schwangere Frauen und 8000 Kinder in Waisenhäusern und
Krankenhäusern aufrecht erhalten werden, sagte Hyder. Die meisten
der Hilfsbdürftigen müssten derzeit mit zwei Dritteln des
täglichen Kalorienbedarfs auskommen. Sollte der Zustand weiter
anhalten, drohten ihnen "irreparable Schäden".
Nach seinen Angaben ging das WFP in seiner Planung für dieses Jahr
von Lebensmittelspenden in Höhe von insgesamt 485.000 Tonnen aus.
Doch nicht einmal ein Drittel davon sei von den Geberländern
zugesagt worden, und nur ein Bruchteil davon wiederum sei bisher in dem
stalinistischen Land eingetroffen.
(Quelle: afp)
Oxfam-Studie: Ausbeutung von Frauen in globalen Lieferketten
großer Konzerne
Große Markenfirmen und Verkaufsketten der Bekleidungs- und
Lebensmittelindustrie sind einer neuen Studie der
Entwicklungsorganisation Oxfam International zufolge für die
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Millionen von Arbeiterinnen
auf der ganzen Welt verantwortlich
Di.10.02.04 - Der Bericht "Unsere Rechte im Ausverkauf - Frauenarbeit in globalen
Lieferketten von Bekleidungsunternehmen und Supermärkten" wurde am
Montag im Rahmen von Oxfams Kampagne für einen
entwicklungsgerechten Welthandel "Make Trade Fair" in Berlin
vorgestellt. Er ist die deutsche Kurzfassung der englischsprachigen
Studie "Trading Away Our Rights - Women Working in Global Supply
Chains", die ebenfalls weltweit veröffentlicht wurde.
Im Mittelpunkt der Studie, die auf Oxfam-Untersuchungen in 13
Ländern und mehr als 1.000 Interviews basiert, steht die
Unternehmensstrategie transnationaler Unternehmen in ihren weltweiten
Lieferketten. Die Studie belegt, dass ein Großteil der enormen
Gewinne von Unternehmen im Bekleidungs- und Supermarktsektor auf Kosten
der Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben entsteht.
Oxfam behauptet, dass die riesigen Geschäftsimperien der
Einzelhandels- und Supermarktketten durch ihre Unternehmensstrategie,
die eine immer schnellere und billigere Versorgung mit immer
aktuelleren und frischeren Produkten verlangt, die Durchsetzung genau
derjenigen Arbeitsstandards hintertreiben, für die sie angeblich
einstehen.
Die Unternehmen benutzen ihre Machtstellung am oberen Ende der globalen
Lieferketten, um ihre Zulieferer zu schröpfen. Kosten und Risiken
werden an das untere Ende der Lieferketten verlagert. Die Einkaufteams
der Unternehmen üben massiven Druck aus und zwingen ihre
Zulieferer zu "just in time"-Lieferungen zu niedrigen Preisen. Dieser
Kostendruck wird sofort auf die Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben
abgewälzt; was sich in immer mehr Überstunden, höheren
Produktionsvorgaben unter meist schlechten Arbeitsbedingungen und
unsicheren Arbeitsverhältnissen äußert. Millionen von
Frauen werden so um ihren gerechten Anteil an den Früchten der
Globalisierung betrogen.
"Das ist der Punkt, wo die Globalisierung versagt, ihr Potential
auszuschöpfen, Menschen aus der Armut zu befreien und Entwicklung
zu fördern.", sagt Jörn Kalinski, von Oxfam Deutschland. "Die
Diskrepanz zwischen den rhetorischen Bekenntnissen zu globaler sozialer
Verantwortung und der tatsächlichen Unternehmensstrategie wird
immer größer. Viele Unternehmen haben "Codes of Conduct" und
verlangen von ihren Zulieferern die Einhaltung international
anerkannter Arbeitsstandards. Aber ihre eigenen rücksichtslosen
Einkaufs- und Zulieferpraktiken machen es oft unmöglich, dass
diese Arbeitsstandards eingehalten werden können." Unternehmen wie
z.B. Tesco (Großbritannien), Wal-Mart (USA) und El Corte
Inglés-Induyco (Spanien) müssen ihre Einkaufs- und
Preispolitiken gegenüber ihren Produzenten radikal ändern,
sagt Oxfam. In den Interviews erklärten Farm- und Fabrikbesitzer,
dass die wirkliche Macht innerhalb der Konzerne bei den Einkaufteams
liegt und nicht bei den Verantwortlichen für die "Codes of
Conduct". "Die heutige Geschäftsethik besteht oft nur aus drei
Forderungen: schnell, billig und flexibel. Alle, die über die
furchtbaren Arbeitsbedingungen bestürzt sind, sollten sich fragen:
Wer hat den Druck verursacht?", so Kalinski.
Arbeiterinnen sind besonders hart betroffen: Ihre Geschichten
entzaubern den Mythos, dass ihr Lohn ja "zusätzliches" Einkommen
für die Familien sei. Von vielen Frauen wird erwartet, für
ihre Familien zu sorgen und den Lebensunterhalt zu verdienen - dies
aber zunehmend in unsicheren und rechtlosen
Beschäftigungsverhältnissen. Diese Belastung ruiniert ihre
Gesundheit, zerstört ihre Familien und beeinträchtigt die
Zukunftschancen ihrer Kinder. Viele Regierungen - ermutigt von
Weltbank, IWF und transnationalen Unternehmen - sind ebenfalls
schuldig. In ihrem Bestreben, Investoren anzulocken, erlassen sie
Gesetze und schließen Handelsabkommen, die "flexible"
Beschäftigung ermöglichen. Dies führt zwischen den
Entwicklungsländern zu einem Wettbewerb um immer "flexiblere"
Arbeitskräfte und zu einem Ausverkauf der Rechte der
Beschäftigten.
In Chile sind z. B. 75 % der Obstpflückerinnen auf der Basis
befristeter Arbeitsverträge beschäftigt und arbeiten
während der Saison 60 Stunden pro Woche. Jede Dritte von ihnen
verdient nur das Mindestgehalt oder noch weniger. In
Großbritannien erhielten Arbeitgeber das Recht, in Heimarbeit
Beschäftigten nur 80 % des Mindestgehalts zu zahlen, ohne
Abfindung, bezahlten Urlaub, Lohnzahlung im Krankheitsfall oder
Rentenansprüche. Mehr als die Hälfte der Frauen in
Bangladeschs Bekleidungsfabriken hat keinen Arbeitsvertrag, und die
meisten haben auch weder Mutterschutz noch Krankenversicherung. In
Chinas Sonderwirtschaftszonen müssen Frauen 150 Überstunden
pro Monat absolvieren, und 90 % haben keinen Zugang zur
Sozialversicherung. Oxfam hat weltweit Hunderte von ähnlichen
Missbräuchen dokumentiert.
Neben den erforderlichen Änderungen der Unternehmensstrategien ist
es daher nötig, dass die Regierungen die Rechte der
Beschäftigten schützen, insbesondere das Recht, in
Gewerkschaften einzutreten und Tarifverhandlungen zu führen. Die
Regierungen müssen die international anerkannten Arbeitsstandards
durchsetzen, insbesondere solche, die Beschäftigte mit Familien
schützen. Die Konsumenten ihrerseits sollten solche Marken
unterstützen, die anspruchsvolle Mode unter guten
Arbeitsbedingungen produzieren lassen.
Den ausführlichen Bericht "Trading Away Our Rights: Women Working
in Global Supply Chains" kan über http://www.maketradefair.com
herunterladen werden, die deutsche Zusammenfassung "Unsere Rechte im
Ausverkauf - Frauen in globalen Lieferketten von Supermärkten und
Bekleidungsunternehmen" über http://www.oxfam.de.
(Quelle: ots)
Malaysia: UN-Konferenz zur Artenvielfalt - Biologische Vielfalt nimmt
weiter ab
Di.10.02.04 - Vereinte Nationen und Europäische Union haben vor den Folgen des
nach wie vor anhaltenden Artensterbens gewarnt. Der Direktor des
UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sagte am Montag zu Beginn einer
Konferenz über biologische Vielfalt in Kuala Lumpur, die
Ausrottung Tausender Tier- und Pflanzenarten gehe weiter, weil die auf
dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro vor zwölf Jahren gemachten
Zusagen nicht eingehalten würden. Vor allem
Entwicklungsländer seien vom Aussterben bedrohter Arten betroffen.
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström forderte in Brüssel,
die Konferenz in Kuala Lumpur müsse zum Ausgangspunkt für
konkrete Schritte werden. «Wir können uns ein Scheitern
einfach nicht leisten.» Die EU-Kommission fordert die Einrichtung
eines Netzes, «das Schutzgebiete auf allen Kontinenten umfasst
und bedrohten Arten und Ökosystemen eine Überlebenschance
bietet». Wichtig sei, dass sich auch die Entwicklungsländer
engagierten.
Auch Töpfer mahnte: «Wir müssen mehr tun, nicht nur
Lippenbekenntnisse ablegen.» Seinen Angaben zufolge werden
jährlich 60.000 Arten ausgerottet. Ursache dafür sei die von
den reichen Ländern bestimmte «globale
Entwicklungsagenda», die die meisten Naturreserven der Erde
aufzehre. Der Exekutivsekretär der Konvention, Hamdallah Zedan,
warnte: «Das Überleben der menschlichen Art hängt von
der biologischen Vielfalt ab.» Der Wert der Vielfalt in der Natur
sei unschätzbar, werde aber oft von Regierungen und Unternehmen
übersehen.
Mehr als 2.000 Regierungsvertreter, Wissenschaftler und
Umweltschützer nehmen an der 7. Konferenz der Unterzeichner der
Konvention über biologische Vielfalt teil, die zwei Wochen dauert.
Die Konferenz ist eine Folge des Rio-Gipfels, auf dem 1992
Umweltschutzziele vereinbart wurden.
Damals hatten sich rund 180 Staaten dafür eingesetzt, das
Aussterben der Arten bis 2010 "deutlich zu vermindern". Die EU will bis
2010 sogar erreichen, dass keine Tiere und Pflanzen mehr aussterben.
(Quellen: ap, afp)
Seventh Meeting of the Conference of the Parties to the Convention to
the Convention on Biological Diversity (COP 7). 9 to 20 February 2004 -
Putra World Trade Centre (PWTC), Kuala Lumpur, Malaysia.:
http://www.biodiv.org/meetings/cop-07/
Aufstand gegen haitianischen Präsidenten hat elf Städte
erfasst - Haitis Polizei erobert wichtige Stadt zurück
Di.10.02.04 - In Haiti hat sich die Revolte gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide auf mindestens elf Städte ausgeweitet. Nach sporadischen
Schießereien erlangte die Polizei am Montag wieder die Kontrolle
über die Hafenstadt St. Marc, 70 Kilometer westlich der Hauptstadt
Port-au-Prince. Seit Beginn der Rebellion am Donnerstag kamen
mindestens 41 Menschen bei den Zusammenstößen ums Leben, wie
aus Berichten von Augenzeugen, des Roten Kreuzes und Radiomeldungen
hervorging.
Ministerpräsident Yvon Neptune rief Bevölkerung und
Aufständische bei einem Besuch in St. Marc zur Ruhe auf. Die
Polizei allein könne die Ordnung nicht wieder herstellen, sagte
er. Der Oppositionspolitiker Himler Rebu sprach von einem
«bewaffneten Volksaufstand». Rebu führte 1989 einen
Putschversuch gegen General Prosper Avril an. In Gonaives, der
viertgrößten Stadt Haitis, und anderen Ortschaften wurden in
den vergangenen Tagen Polizeiwachen in Brand gesteckt und die
Sicherheitskräfte vertrieben. Menschen errichteten auf den
Zufahrtsstraßen nach Gonaives, St. Marc und Cap Haitien Blockaden
mit brennenden Reifen, gefällten Bäumen und Autowracks. Da
Tankwagen zur Versorgung von Generatoren die Städte nicht mehr
erreichen können, droht dort ab dem späten Dienstagabend ein
Stromausfall.
Die 200.000 Einwohner zählende Stadt Gonaives liegt im Nordwesten
von Haiti und ist seit Monaten ein Zentrum des Widerstands gegen den
Präsidenten. Aristide lehnt einen Rücktritt ab und hat
angekündigt, er werde bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2006 an
der Macht bleiben. Die Widerstandsfront Gonaives war einst mit Aristide
verbündet. Im vergangenen Jahr wandte sie sich gegen ihn mit dem
Vorwurf, die Regierung habe ihren Führer Amiot Metayer
getötet, damit dieser keine Informationen über den
Präsidenten preisgeben könne.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York, die Lage werde
beobachtet. Die USA verurteilten die Welle der Gewalt. Die Probleme
Haitis müssten im Dialog gelöst werden, hieß es.
Außenamtssprecher Richard Boucher rief die Regierung Aristides
auf, die Menschenrechte der Bürger zu achten.
(Quelle: ap)
Filmregisseur Fernando Solanas: Weltinstitutionen tragen Mitschuld an
Argentiniens Krise
Di.10.02.04 - Der argentinische Regisseur Fernando Solanas hat den internationalen
Institutionen eine Mitschuld an der Wirtschaftskrise in seinem
Heimatland gegeben. Bei der Berlinale soll der Filmemacher für
sein Lebenswerk und sein gesellschaftliches Engagement mit einem
"Goldenen Ehrenbären" ausgezeichnet werden.
"Nicht nur die Unfähigkeit und Bestechlichkeit unserer Regierenden
ist verantwortlich für diese Krise, sondern auch die
internationalen Organisationen, die Argentinien mit neoliberalen
Wirtschaftsplänen zu einer finanziellen Anpassung gezwungen
haben", sagte Solanas am Montag am Rande der Berlinale in einem
Interview mit Reuters TV. "Diese Pläne haben Millionen von
Argentiniern sozial entrechtet und große Wut und Verarmung
ausgelöst. Wie in anderen Ländern, wo die Rezepte der
internationalen Organisationen angewandt wurden, kam es so zu
zahlreichen sozialen Tragödien."
Solanas hatte mit seinen Werken schon in den 60-er Jahren gegen die
Militärdiktatur gekämpft. In seinem jüngsten
Dokumentarfilm "Memoria del Saqueo" (Geschichte einer Plünderung)
prangert der 67-Jährige am Beispiel der Wirtschaftskrise in seinem
Heimatland die Folgen von Globalisierung und neoliberaler Politik an.
Lateinamerika ist in diesem Jahr eines der Schwerpunktthemen der
Berlinale.
Nachdem die argentinische Wirtschaft 2002 zusammengebrochen war, lebt
derzeit die Hälfte der rund 36 Millionen Argentinier von einem
Dollar pro Tag. Inmitten schwerer Unruhen wegen der Wirtschaftskrise
war 2002 auch der damalige Präsident Fernando de la Rua
zurückgetreten. Das Land gehört zu den größten
Schuldnern des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Er wolle mit "Memoria del Saqueo" eine Frage beantworten, die ihm in
den vergangenen Jahren häufig gestellt worden sei, sagte Solanas.
"Alle wollten wissen: Was ist mit Argentinien geschehen? Warum erleidet
ein so reiches Land, das ganz Südamerika ernähren
könnte, so viel Elend, Hunger und Armut?" Mit seinem Film wolle er
die Ursachen der Krise ergründen und darüber Zeugnis ablegen.
"Ich habe diesen Film vor allem für diejenigen gemacht, die nach
uns kommen", sagte Solanas. Was in Argentinien passiere, sei eine
Reaktion auf die politische Mafia, die Entwertung von Parlament und
Justiz sowie das System der Banken und Konzerne, die ihr Geld ins
Ausland schafften. "All dies ist aber nicht originär argentinisch.
Ich sehe die gleichen Skandale in Europa, nur sind sie dort vielleicht
ein bisschen besser versteckt", sagt Solanas. "Für diesen Film
habe ich 40 Jahre gebraucht. Ich meine, die Produktion hat nur zwei
Jahre gedauert. Aber seit 40 Jahren denke ich darüber nach, wie
man eine solch umfassende geschichtliche, soziologische und
wirtschaftliche Untersuchung der gesellschaftlichen Zustände
filmisch umsetzen kann."
Zugleich sei "Memoria del Saqueo" ein hoffnungsvoller Film, sagt der
Regisseur. "Er legt Zeugnis ab über das globale System und die
Globalisierung, und er ist auch ein gutes Zeugnis dafür, wie
dieses System zu Grunde geht." Sein Film zeige den ersten Sieg des
argentinischen Volkes über die Globalisierung: "Eines Tages sind
sie auf die Straße gegangen, weil sie es so Leid waren, und sie
sind nicht nach Hause gegangen, bis die Regierung von Fernando de la
Rua zurückgetreten war." Für die Zukunft sei er daher sehr
optimistisch. "Mein Volk ist ein sehr geduldiges und friedliebendes
Volk. Es strebe nach den gleichen Werten wie alle anderen Völker
auf der Welt: Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt."
(Quelle: rtr)
Russland: Rätselraten um vermissten
Präsidentschaftskandidaten Iwan Rybkin
Di.10.02.04 - Das Schicksal des seit Tagen vermissten russischen
Präsidentschaftskandidaten Iwan Rybkin hat in Russland
Rätselraten ausgelöst. Die Moskauer Staatsanwaltschaft
leitete zunächst Ermittlungen wegen Mordes ein, stoppte sie kurz
darauf aber wieder. Die Polizei sucht nach dem 57-jährigen
früheren Parlamentspräsidenten, der seit Donnerstagabend
spurlos verschwunden ist.
Das Mitglied im Sicherheitsausschuss der Duma, Gennadi Gudkow,
versicherte zwar der Nachrichtenagentur Interfax, Rybkin halte sich zur
Kur im Bezirk Odinzewo auf. Das Kurheim selbst wies die Berichte im
Radio "Moskauer Echo" wieder zurück, und auch ein Polizeisprecher
versicherte, Ermittlungen in diese Richtung hätten nichts ergeben.
Offenbar auf Veranlassung der Generalstaatsanwaltschaft musste die
Moskauer Staatsanwaltschaft ihr Mordverfahren nach nur einer Stunde
wieder einstellen. Inzwischen wird ein Mitarbeiter Rybkins per
Haftbefehl gesucht, weil er zur Durchsetzung der Kandidatur
Unterschriften gefälscht haben soll. Viktor Fedoruk sei zur
Fahndung ausgeschrieben, weil "ein Teil" der zwei Millionen
Unterschriften gefälscht sei, meldete die russische
Nachrichtenagentur RIA Nowosti.
Rybkins Verschwinden wurde erst bekannt, nachdem er am Samstag als
einer von sieben Kandidaten für die Präsidentenwahl am 14.
März registriert worden war. Als Chef eines Flügels der
zersplitterten Partei Liberales Russland wird er von einem der
schärfsten Gegner von Präsident Wladimir Putin
unterstützt, dem im Londoner Exil lebenden Multimillionär
Boris Beresowski. Rybkin war bis 1996 Präsident der Duma.
Wie Beresowksi der russischen Zeitung "Kommersant" berichtete, hatte
ein Sprecher des Sicherheitsrats noch am Samstag Rybkins Frau Albina
zugesichert, dass ihr Mann am Montag unbeschadet wieder auftauchen
werde. Ein hochrangiger Vertreter der Moskauer Polizei versicherte
ebenfalls gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, Rybkin sei
"noch am Leben".
Beresowski hatte die Partei "Liberales Russland" 2002 ins Leben
gerufen, doch schon ein Jahr später spaltete sie sich in
Anhänger des umstrittenen Multimillionärs und seine Gegner.
Im vergangenen April wurde der Chef des abtrünnigen Flügels,
Sergej Juschenko, vor seiner Moskauer Wohnung ermordet.
(Quelle: afp)
Chirac und Schröder bleiben im EU-Verfassungsstreit hart
Di.10.02.04 - Deutschland und Frankreich zeigen in den zentralen Streitfragen der
EU-Verfassung keine Bereitschaft zum Kompromiss. Bei ihren informellen
Konsultationen bei Berlin bekräftigten Frankreichs
Staatspräsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard
Schröder zugleich ihren Widerstand gegen eine Erhöhung der
EU-Ausgaben. Die EU-Kommission legt an diesem Dienstag Vorschläge
für die mittelfristige Finanzplanung der erweiterten EU vor.
Schröder erhielt von Chirac das Mandat, am Abend bei Irlands
Ministerpräsidenten Bertie Ahern in Dublin die gemeinsame
deutsch-französische Haltung zu vertreten. Auch bei Themen wie
Irak und Afghanistan demonstrierten Chirac und Schröder
Geschlossenheit. Am Donnerstagabend trifft Schröder den britischen
Premierminister Tony Blair in Berlin. Themen seien die EU-Verfassung
sowie Nahost, Irak und Afghanistan, teilte Vize-Regierungssprecher
Thomas Steg mit.
Im Verfassungsstreit begrüßten Schröder und Chirac die
Absicht der irischen Ratspräsidentschaft, bis Juni einen
Kompromiss zu finden. Es dürfte jedoch «nicht eine Einigung
um jeden Preis» sein, sagte Schröder. Chirac betonte, die
Verfassung müsse spätestens bis Ende 2004 stehen. Beide
bekräftigten ihr uneingeschränktes Festhalten an der so
genannten doppelten Mehrheit nach Staaten und Bevölkerungszahl
sowie an einer verkleinerten EU-Kommission. Vor allem die doppelte
Mehrheit wird nach wie vor von Polen und Spanien abgelehnt.
In dem sich abzeichnenden Streit mit der EU-Kommission um die
Ausweitung der Ausgaben der erweiterten Union verwiesen Schröder
und Chirac auf ihr Schreiben an Kommissionspräsident Romano Prodi
vom Dezember. Darin hatten Paris und Berlin zusammen mit vier weiteren
Ländern, die mehr in die EU-Kasse einzahlen, als sie
herausbekommen, eine Deckelung der Ausgaben auf ein Prozent der
Wirtschaftsleistung der EU verlangt. «Diese Position bleibt
weiterhin verbindlich», sagte Schröder.
Ihre Positionen in Sachfragen und «unsere Vision vom
zukünftigen Europa» seien «absolut»
übereinstimmend, sagte Chirac. In der Irak- Frage seien die
Positionen «identisch». In Afghanistan prüften beide
Länder den Einsatz der deutsch-französischen Brigade. An dem
Treffen im Berlin-Brandenburgischen Institut für
deutsch-französische Beziehungen in Europa nahmen auch die
Außenminister Dominique de Villepin und Joschka Fischer
(Grüne) teil.
In den Übernahmekampf der Pharmakonzerne Aventis und
Sanofi-Synthélabo wollen sich Schröder und Chirac nicht
einmischen. Das sei «Marktgeschehen, auf das die Politik keinen
Einfluss hat», sagte Schröder. Beide Politiker betonten
aber, dass die rund 9000 Aventis-Arbeitsplätze in der Region
Frankfurt/Main erhalten bleiben müssten.
Der französische Sanofi-Konzern hat Aventis ein feindliches
Übernahmeangebot gemacht. Dazu sagte Schröder, es sei
«prinzipiell zu begrüßen», wenn deutsche und
französische Unternehmen zusammenarbeiten, um auf den
Weltmärkten stärker zu sein. Dies sollte aber
«freundschaftlich und nicht feindlich» organisiert werden.
Vertagt haben Schröder und Chirac den einzigen aktuellen
deutsch-französischen Streitpunkt, die von Frankreich
gewünschte Senkung der Mehrwertsteuersätze bei
Dienstleistungen. Dies lehnt Deutschland ab. Man sei
übereingekommen, diese Frage «im Lichte der
Wirtschaftsentwicklung der nächsten Jahre» erneut zu
diskutieren, sagte Chirac. «Natürlich bleibt Frankreich bei
seiner Position», fügte er hinzu.
(Quelle: dpa)
Verheugen für 'gesteuerte Zuwanderung' in die EU
Di.10.02.04 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat eine
europäische Zuwanderungs-Initiative gefordert. "Nur durch
sinnvolle und gesteuerte Zuwanderung" könne das absehbare Problem
eines Fachkräfte-Mangels in der EU gelöst werden, sagte er am
Freitagabend auf einer Fachtagung in Düsseldorf. Angesichts der
Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung werde es von 2009 an in
Deutschland und den meisten anderen EU-Staaten einen Mangel an
qualifizierten Arbeitskräften geben.
Die geplante EU-Erweiterung um zehn auf 25 Staaten werde das Problem
des Fachkräftemangels nicht beheben können. An einem Quoten-
und Verteilungssystem für Zuwanderer und Flüchtlinge
führe daher kein Weg vorbei. Der EU-Kommissar warnte
ausdrücklich vor einem "Ausbau der Festung Europa" und mehr Druck
auf Herkunfts- und Transitländer.
"Eine Bekämpfung illegaler Einwanderung ohne gleichzeitiges
positives Management für legale Zuwanderung macht die Lage nur
schwieriger und erhöht den Druck im Kessel", sagte Verheugen.
Nötig sei aber die Bekämpfung von Armut und
Unterdrückung, die Ursache für Wanderungsbewegungen und
für Terrorismus seien.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD)
warnte vor einem Scheitern des Zuwanderungsgesetzes in Deutschland.
Wenn es bei der nächsten Sitzung im Vermittlungsausschuss am 27.
Februar keine Einigung gebe, sei eine Modernisierung des deutschen
Ausländergesetzes "auf Jahre" blockiert, sagte Behrens am Samstag
zum Abschluss der Tagung "Integrieren statt ignorieren" zur
Vorbereitung der bundesweiten Interkulturellen Woche im Herbst.
Der katholische Weihbischof Josef Voß aus Münster setzte
sich für die Anerkennung nichtstaatlicher und
geschlechtsspezifischer Verfolgung als Asylgrund ein. Das
Zuwanderungsgesetz müsse zudem eine "praktikable
Härtefallregelung" und einen großzügigen
Familiennachzug vorsehen.
(Quelle: epd)
Ruf nach Neuwahlen ist bei der Union verstummt
Di.10.02.04 - Drei Tage nach dem überraschenden Rückzug von Bundeskanzler
Gerhard Schröder hat sich bei der Union die Aufregung über
mögliche weitergehende Konsequenzen gelegt. Bei den Beratungen von
Präsidium und Bundesvorstand der CDU spielte am Montag die auch
von Parteichefin Angela Merkel erhobene Forderung nach Neuwahlen keine
Rolle mehr. Merkel ging auf das Thema erst auf Fragen ein: Ein Blick
ins Grundgesetz zeige, dass der Schlüssel zu Neuwahlen in den
Händen derer liege, die die Mehrheit haben.
Auch die von CSU-Generalsekretär Markus Söder eilig neu
gestellte «K-Frage» war am Montag wieder vom Tisch.
«Ich rate dazu, dass wir uns auf das konzentrieren, was die
Menschen in unserem Land interessiert», sagte Merkel dazu - wobei
sie offensichtlich davon ausging, dass es nicht von öffentlichem
Interesse ist, ob die Union im Fall der Fälle mit dem
CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber oder mit Merkel ins Kanzleramt will.
Das Verstummen der Neuwahl-Forderungen und das Abblocken einer neuen
Kanzlerkandidaten-Diskussion ließ darauf schließen, dass
mittlerweile verstärkt der politische Verstand regiert und dass es
zudem einige Telefongespräche zwischen Berlin und München
gegeben hat. Den Unionsstrategen ist klar geworden, dass Schröder
auch ohne Parteivorsitz auf dem besten Wege bleibt, der CDU in den 14
Wahlkämpfen des Jahres siegen zu helfen.
Seine Reformpolitik ist in der Bevölkerung als nicht sozial
ausgewogen angekommen, hat der SPD Umfrage-Tiefstwerte beschert und
Mitglieder scharenweise aus der Partei getrieben. Auch ohne
Parteivorsitz wird Kanzler Schröder im Bewusstsein der Wähler
weiter mit der SPD identifiziert werden. Ein
CDU-Präsidiumsmitglied meinte am Montag ironisch: «Wir
können doch auf Schröder als Wahlhelfer nicht
verzichten.»
Merkel ließ keinen Zweifel daran, dass sie bei ihrem Konzept der
konstruktiven Opposition bleiben und den Kanzler weiter mit radikalen
Reformvorschlägen unter Druck setzen will. Am 7. März wollen
die Präsidien von CDU und CSU ihren gemeinsamen «Masterplan
für Deutschland» beschließen. Bestandteile des Plans
sollen Arbeitsmarkt-Reformen sowie Reformen der sozialen
Sicherungssysteme und des Steuersystems sein. Dabei setzt die
CDU-Vorsitzende offenbar darauf, dass der Kanzler sein Reformtempo mit
Rücksicht auf die SPD und ihre Wahlchancen drosseln muss und die
Union sich mit ihren Vorschlägen als die bessere und konsequentere
Alternative präsentieren kann.
Merkel könnte auch anders und über die Unionsmehrheit im
Bundesrat fast die gesamte Reformpolitik von Rot-Grün entweder
blockieren oder doch wenigstens erheblich bremsen. Offenbar verspricht
sie sich aber mehr Vorteile für das Ansehen der Union beim
Wahlvolk, wenn sie nicht «den Karren vor die Wand fahren»
lässt. Anhänger einer solchen Strategie gibt es auch in der
Union - einer der prominentesten ist der hessische
Ministerpräsident und innerparteiliche Merkel-Gegenspieler Roland
Koch. Der blieb am Montag den Beratungen der CDU-Führung fern.
Anders als Merkel machte FDP-Chef Guido Westerwelle am Montag das Thema
Neuwahlen zu seiner zentralen Forderung. Der Vorsitzende der kleineren
Oppositionspartei hatte als studierter Jurist natürlich vorher ins
Grundgesetz geschaut: Schröder müsse nach Artikel 68 der
Verfassung die Vertrauensfrage stellen, verlangte er in der Hoffnung,
dass bei ausreichend Sozialdemokraten die politische Todessehnsucht
stärker ist als der Wille, weiter zu regieren. Nach einer
verlorenen Vertrauensabstimmung kann der Bundespräsident binnen
drei Wochen Neuwahlen ausschreiben, wenn nicht inzwischen ein neuer
Kanzler gewählt wurde.
(Quelle: ap)
Unruhe in der SPD über künftigen Reformkurs -
Grüne drängen auf Kurswechsel in der Reformpolitik
Di.10.02.04 - Nach dem Wechsel an der Parteispitze herrscht bei den Sozialdemokraten
noch Unruhe wegen des künftigen Kurses der SPD. Während
führende Sozialdemokraten ebenso wie die Spitzen der Grünen
betonten, die Reformen dürften nicht zurückgedreht werden,
forderten andere SPD-Politiker sowohl Korrekturen als auch eine
sozialere Schwerpunktsetzung. Bundeskanzler Gerhard Schröder will
zum künftigen Reformkurs im März eine
Regierungserklärung abgeben.
Der designierte SPD-Chef Franz Müntefering erteilte allen
Versuchen eine Absage, begonnene Reformen rückgängig zu
machen. Die SPD werde aber auch in Zukunft darauf achten, dass es bei
allen Reformbemühungen gerecht zugehe. SPD-Parteivize Ute Vogt
lehnte Nachbesserungen ab. "Was entschieden wurde, muss im Nachhinein
nicht mehr korrigiert werden", sagte sie der "Augsburger Allgemeinen".
Der nordrhein-westfälische SPD-Landesvorsitzende Harald Schartau
forderte hingegen Nachbesserungen bei der Belastung von
Betriebsrentnern. Der SPD-Politiker und IG-Bau-Vorsitzende Klaus
Wiesehügel wiederum verlangte die Abschaffung der umstrittenen
Praxisgebühr.
Auch der Vorsitzende der
Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Hubertus Schmoldt
bekräftigte den Bedarf an Korrekturen an der Reform: "Doppelte Beiträge zur
Krankenversicherung auf Betriebsrenten - das verstößt gegen
die Verfassung. Hier sehen wir Korrekturbedarf", sagte Schmoldt der
"Bild"-Zeitung einem Vorabbericht aus der Dienstagsausgabe zufolge.
Der SPD-Sozialexperte Peter Dreßen forderte: "Wir müssen
prüfen, ob wir den Rentnern in diesem Jahr wirklich eine Nullrunde
zumuten dürfen." Und die SPD-Finanzexpertin Sigrid Skarpelis-Sperk
sprach sich im Gespräch mit der Zeitung für "einen
spürbaren Kurswechsel" in der Regierungspolitik aus. "Nur so kann
die SPD das Blatt wenden und Vertrauen zurückgewinnen."
In der Debatte über die Reformen der Bundesregierung drängen
nun auch Politiker des grünen Koalitionspartners auf einen
Kurswechsel.
Mit dem Wechsel an der Parteispitze der SPD würden die Kräfte
in der Partei gestärkt, die die Reformen der Agenda 2010 sozialer
gestalten wollten, sagte der stellvertretende Fraktionschef der
Grünen im Bundestag, Christian Ströbele, der "Berliner
Zeitung" (Online-Ausgabe vom Dienstag). Dies stimme ihn hoffnungsvoll.
Auch Ströbeles Fraktionskollege Winfried Hermann sagte dem Blatt:
"Der Wechsel an der Parteispitze wäre umsonst, wenn ihm nicht auch
eine inhaltliche Korrektur folgen würde." Und die grüne
Finanzpolitikerin Kerstin Andreae äußerte in der Zeitung die
Erwartung: "Die Verteilungsgerechtigkeit könnte künftig ein
höheres Gewicht erhalten."
Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer und
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) pochten auf eine
Fortsetzung der Reformen. SPD und Grüne wollen bei einer
Koalitionsrunde am Freitag das weitere Vorgehen abstimmen. Die
Grünen haben laut Bütikofer mit der aus der SPD erhobenen
Forderung nach einer höheren Besteuerung großer
Vermögen keine Probleme. Der Grünen-Chef verwies auf
entsprechende Pläne auch seiner Partei.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) sprach
sich dafür aus, bei den noch anstehenden Reformen die soziale
Gerechtigkeit stärker in den Vordergrund zu stellen. Projekte wie
die Erbschaftssteuerreform und die Einführung der
Bürgerversicherung im Gesundheitswesen sollten vorangetrieben
werden, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Müntefering
äußerte sich zu Ausbildungsplatzabgabe und Erbschaftsteuer
vorsichtig: "Da müssen wir drüber reden", sagte er.
CDU-Chefin Angela Merkel wandte sich gegen einen "Stillstand" und warf
der SPD andauernde "Selbstbeschäftigung" vor. Sie verlangte, das
"Tempo für die notwendigen Reformen zu erhöhen, weil wir
Stillstand auf gar keine Fall gebrauchen können".
(Quellen: afp, rtr)
Höhere Kassenbeiträge bei Firmenrenten bleiben -
Sozialverband droht mit Verfassungsklage wegen Rentenbesteuerung
Di.10.02.04 - Die Bundesregierung will die Erhöhung der
Krankenkassenbeiträge für Betriebsrentner nicht
zurücknehmen. Ihm sei «keine gesetzgeberische Initiative mit
diesem Ziel bekannt», sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.
Er reagierte damit auf Forderungen des nordrhein-westfälischen
SPD-Vorsitzenden Harald Schartau nach einer Korrektur bei der seit
Jahresbeginn geltenden vollen Einbeziehung von Firmenrenten und
Direktversicherungen in die Krankenkassenbeiträge.
Auf Betriebsrenten müssen seit dem 1. Januar im Zuge der
Gesundheitsreform volle Kassenbeiträge gezahlt werden statt bisher
nur 50 Prozent. Schartau hat geforderte, es müsse zumindest
Übergangsregelungen und Vertrauensschutz für Hunderttausende
von betroffenen Firmenpensionären geben.
Das Sozialministerium verwies darauf, dass die Gesundheitsreform mit 90
Prozent der Stimmen des Bundestages und 80 Prozent der Stimmen im
Bundesrat beschlossen worden sei. Auch das Land Nordrhein-Westfalen,
dessen Landesregierung Schartau als Arbeits- und Wirtschaftsminister
angehört, habe im Bundesrat zugestimmt, sagte Ministeriumssprecher
Klaus Vater.
Auch die Grünen lehnen einen Verzicht auf höhere
Beiträge für Betriebsrenten ab. Grünen-Chef Reinhard
Bütikofer erklärte: «Auch aus unserer Sicht wäre
das nicht vernünftig.» Die FDP begrüßte dagegen
den Vorstoß Schartaus. Die Chancen auf Rücknahme der
«kalten Enteignung» stiegen damit, erklärte
Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele.
Mit Blick auf die von 2005 an geplante Rentenbesteuerung kritisierte
das Finanzministerium Angaben des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel», wonach Betriebsrentner von der Umstellung besonders
betroffen seien. 80 Prozent der Ruheständler seien nicht
betroffen, die Beitragszahler würden dagegen entlastet, sagte
Sprecher Stefan Giffeler. CDU-Chefin Angela Merkel erklärte, die
Union werde darauf achten, dass es zu keinen Ungerechtigkeiten, keiner
Doppelbesteuerung und zu keiner überhöhten Belastung der
älteren Generation komme.
Im Streit um die Pläne der Bundesregierung für eine
erweiterte Rentenbesteuerung hat der Sozialverband VdK unterdessen mit
einer Verfassungsklage gedroht.
"Wenn das Gesetz zur Rentenbesteuerung so verabschiedet wird, wie es
jetzt aussieht, werden wir zu überlegen haben, ob wir vor das
Bundesverfassungsgericht gehen", sagte VdK-Präsident Walter
Hirrlinger der "Berliner Zeitung" (Dienstagsausgabe). Die Rentner
hätten bereits ihre Beiträge aus versteuerten Einkommen
geleistet. Bei einer Ausweitung der Steuer auf die Renten "erhebt sich
die Frage, ob hier nicht eine Doppelbesteuerung erfolgt", sagte er.
(Quellen: dpa, rtr)
Patientenbeauftragte wirft Ärzten und Kassen Blockade vor
Di.10.02.04 - Ärzte- und Kassenvertreter blockieren die Einführung von
Qualitätsstandards in Krankenhäusern - dieser Ansicht ist die
Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel. Die
Selbstverwaltung unterlaufe die Gesetze, sagte Kühn-Mengel der
«tageszeitung». Dabei gehe es um die Mindestzahl von
Operationen, die ein Krankenhaus für schwierige Eingriffe
vorweisen muss. Der Ausschuss aus Ärzte- und Kassenvertretern habe
diese Mindestmenge nur für fünf seltene Operationen
festgelegt, kritisierte Kühn-Mengel.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema in der "tageszeitung" vom 10.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/10/a0119.nf/text
Abgeordnete fühlen sich im Dauerstress
Fast tausend Parlamentarier beteiligten sich an Umfrage - Große
Mehrheit ist zufrieden mit den Wirkungsmöglichkeiten
Di.10.02.04 - Die meisten deutschen Parlamentarier fühlen sich im
Abgeordnetenjob so ausgelastet wie nie zuvor in ihrem Arbeitsleben. Die
westdeutschen Abgeordneten sind eher mit ihren
Wirkungsmöglichkeiten zufrieden als die ostdeutschen. Dies hat
eine umfangreiche Befragungsaktion mit über 950 Beteiligten
ergeben, mit der die Universität Jena eine Dauerbeobachtung der
Politiker eingeleitet hat, wie sie am Montag mitteilte.
Dabei soll untersucht werden, «ob und wie sich ihr
Selbstverständnis als Träger der parlamentarischen Demokratie
in einer Zeit rascher gesellschaftlicher Umbrüche
ändert», erklärte der Politologe Michael Edinger als
Projektkoordinator. Zwei weitere Befragungen sollen 2007
beziehungsweise 2010/11 stattfinden. Dazu soll wiederum auch ein Teil
jener herangezogen werden, die an der im September 2003 eingeleiteten
und jetzt abgeschlossenen ersten Erhebung teilnahmen. Den Angaben
zufolge handelt es sich um 152 Bundestagsabgeordnete und 33
Europaabgeordnete, die restlichen kamen aus zehn Landtagen - den
ostdeutschen und vergleichbaren westdeutschen.
Entgegen landläufiger Ansicht, dass Abgeordnete nicht allzu viel
zu tun hätten, gaben zwei von drei Befragten an, sie hätten
noch nie in ihrem Berufsleben so viel gearbeitet wie als
Parlamentarier. Trotz einer Arbeitszeit von 50 bis 60 Stunden in der
Woche üben fast 30 Prozent noch eine weitere Tätigkeit aus.
Im Westen ist der Anteil der «Nebenberufler» doppelt so
hoch wie im Osten.
Über 75 Prozent der Befragten zeigten sich zufrieden mit ihrer
Abgeordnetentätigkeit. Bei den Ostdeutschen machen die
Unzufriedenen knapp ein Drittel aus, bei den Westdeutschen sind es nur
15 Prozent. Das dürfte nach Ansicht Edingers daran liegen, dass
sich die Ostdeutschen beim Einzug ins Parlament größere
Gestaltungsmöglichkeiten erhofft hätten. Die Westdeutschen
schätzten auf Grund ihrer längeren, «klassischen»
Parteikarrieren ihre Handlungsspielräume realistischer ein und
erlebten deshalb auch weniger Enttäuschungen.
Zusätzlich wurden 550 ehemalige Abgeordnete befragt, um zu
erkunden, wo die Parlamentarier nach ihrem Ausscheiden verbleiben.
Dabei zeigte es sich, dass über zehn Prozent der Ostdeutschen nach
dem Ende der Parlamentskarriere zumindest zeitweise arbeitslos waren,
bei den Westdeutschen waren es zwei Prozent.
(Quelle: ap)
IG Metall rechnet kaum noch mit Verhandlungserfolg
Di.10.02.04 - Kurz vor der entscheidenden Tarifrunde für die Metall- und
Elektroindustrie rechnet der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold
Huber, kaum noch mit einem baldigen Verhandlungserfolg. «Ich bin
skeptisch, dass wir eine Lösung am Verhandlungstisch finden
werden», sagte Huber der «Financial Times
Deutschland» (Dienstagausgabe). Die Forderung der Arbeitgeber,
die Wochenarbeitszeit in den einzelnen Betrieben in einem Korridor
zwischen 35 und 40 Stunden freizugeben, sei inakzeptabel.
Zusätzlich hätten die Reformen der Bundesregierung ein Klima
erzeugt, in dem die Menschen sagten: «Es reicht jetzt».
Am Mittwoch treffen sich die Tarifparteien in Pforzheim zur
voraussichtlich für ganz Westdeutschland entscheidenden
Tarifverhandlung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg.
Sollten die Gespräche scheitern, könnte laut Huber ein Streik
Ende Februar oder Anfang März beginnen. Zwar habe die IG Metall
kein Interesse an einem Arbeitskampf. Zweifel an der Streikbereitschaft
der Gewerkschaft dürfe es aber nicht geben: «Die Menschen
halten die Idee, 40 Stunden in der Woche - in manchen Betrieben sogar
ohne Lohnausgleich - zu arbeiten, für eine inakzeptable
Provokation.
Mit der Diskussion um flexible Arbeitszeiten habe der Tarifkonflikt
eine europäische Dimension erreicht, sagte Huber: «Ich bin
überzeugt, wenn wir hier nachgeben und die Bewährungsprobe
nicht bestehen, hat dies tief greifende Auswirkungen auf die
Arbeitszeitsysteme überall in Europa.» Gleichwohl deutete
Huber bei der Arbeitszeitfrage Gesprächsbereitschaft an: So
könne der Anteil der Belegschaft, der heute schon länger
arbeiten dürfe, flexibilisiert werden und von 18 Prozent um einige
Prozentpunkte leicht ansteigen.
Der IG-Metall-Vorstand wollte am (heutigen) Dienstag (ab 10.00 Uhr) in
Frankfurt am Main über das weitere Vorgehen in dem Tarifkonflikt
beraten. Am Montagabend waren bereits die Bezirksleiter der
Gewerkschaft zu Beratungen zusammenkommen. Der niedersächsische
Bezirksleiter Hartmut Meine hatte nach der ergebnislosen
Verhandlungsrunde am Montag in Hannover unverhohlen mit einem
unbefristeten Streik gedroht. Bisher bieten die Arbeitgeber in zwei
Stufen jeweils 1,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die IG Metall fordert
vier Prozent.
(Quelle: ap)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Fliegendes Personal lehnt Lufthansa-Sparpläne ab
Di.10.02.04 - Die Deutsche Lufthansa steuert mit ihrer Forderung nach weiteren
Zugeständnissen von den Mitarbeitern möglicherweise auf einen
Konflikt mit den Gewerkschaften zu.
"Mehr Arbeit ist nur für mehr Geld möglich", sagte Mirco
Vorwerk, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft des fliegenden
Personals Ufo und Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa, dem
Tagesspiegel (Dienstagsausgabe). Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber
hatte am Samstag erneut gefordert, dass das Lufthansa-Personal mehr
arbeiten solle, ohne dafür besser bezahlt zu werden. Die
Konzernleitung habe die Gewerkschaften offiziell zu neuen
Tarifverhandlungen aufgefordert, sagte Vorwerk. Am Donnerstag finde ein
erstes Gespräch mit der Ufo-Gewerkschaft statt.
Die Lufthansa hatte im Herbst bekannt gegeben, 1,2 Milliarden Euro
Kosten einsparen zu wollen - davon 300 Millionen beim Personal. Das
sehen die Gewerkschaften zwar grundsätzlich ein, wollen aber etwas
im Tausch für eventuelle Zugeständnisse haben. Ufo-Chef
Vorwerk glaube Mayrhuber's Versprechen nicht, dass die Mitarbeiter dann
in besseren Zeiten profitierten. "Das ist eine Illusion, der wir uns
nicht hingeben", sagte Vorwerk. Die Geschäftsführung spreche
ihnen gegenüber von "nachhaltiger Wirkung" der Einschnitte, die
Zugeständnisse würden in der Zukunft nicht mehr
zurückgenommen werden.
Auch beim Bodenpersonal sei die Reaktion zurückhaltend. "Es wird
nicht einfach sein, mehr Arbeit für das gleiche Geld zu bekommen",
zitiert die Zeitung betriebsratsnahe Kreise. Die Piloten wollten sich
nicht detailliert äußern, da die Verhandlungen gerade
liefen. "Wir führen konstruktive Gespräche", sagte Markus
Kirschneck, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, der Zeitung.
Im September 2003 hatte die Lufthansa die im April wegen der durch die
Lungenkrankheit SARS und dem Irak-Krieg ausgelöste Luftfahrtkrise
verhängte Arbeitszeitverkürzung für die
Beschäftigten des Bodenpersonals wieder aufgehoben. Im Oktober
hatte die Fluglinie angekündigt, in den kommenden Jahren rund 2000
Stellen zu streichen. Dabei sollten betriebsbedingte Kündigungen
vermieden werden. Trotz hoher Verluste im ersten Quartal hat die
Lufthansa, die weltweit rund 95.000 Mitarbeiter zählt, das
Krisenjahr 2003 nach Angaben von Anfang Januar operativ nicht mit einem
Verlust abgeschlossen.
(Quelle: rtr)
Lufthansa-Chef fordert Zugeständnisse seiner Mitarbeiter
So.08.02.04 - Der Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, setzt
bei seinen Sparbemühungen im Personalbereich auf ein
Entgegenkommen der Mitarbeiter...
"Wir müssen insgesamt die Kosten senken. Deshalb brauchen wir eine
konzertierte Aktion innerhalb der Belegschaft der Lufthansa - mehr
Arbeit für gleiches Geld", sagte er in einem Gespräch mit dem
Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe)... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402080.htm#04020820
Ex-RAF-Mitglied Rolf Pohle in Athen gestorben
Di.10.02.04 - Der als RAF-Mitglied verurteilte Deutsche Rolf Pohle ist bereits am
Samstag in Athen gestorben. Wie die griechische Presse berichtete,
starb Pohle im Alter von 62 Jahren. Pohle machte in den deutschen
Medien vor allem Schlagzeilen, als er im März 1975 im Austausch
gegen den entführten CDU-Politiker Peter Lorenz aus dem
Gefängnis freigelassen wurde. Offenbar war er vor seinem Tod schon
seit längerem unheilbar krank.
Pohle gehörte der Ende der sechziger Jahre entstandenen
Außerparlamentarischen Opposition (APO) an und war
AStA-Vorsitzender der Universität München. Nach dem Attentat
auf den Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 gründete
der frühere Jurastudent die so genannte Rechtshilfe der APO.
1974 wurde er wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und
Unterstützertätigkeit für die Rote Armee Fraktion (RAF)
zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, aber im Jahr darauf gemeinsam
mit Horst Mahler, Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann,
Ingrid Siepmann und Rolf Heißler im Austausch gegen Lorenz aus
dem Gefängnis entlassen.
Lorenz war von der "Bewegung 2. Juni" entführt worden; die
freigepressten Inhaftierten wurden damals in Begleitung des Pfarrers
Heinrich Albertz in den kommunistischen Südjemen ausgeflogen.
Pohle reiste von dort weiter nach Griechenland, wo er im Juli 1976
verhaftet und auf Veranlassung des Obersten Gerichtshofs an Deutschland
ausgeliefert wurde. 1982 wurde er nach sechsjähriger Haft
entlassen; zwei Jahre später ließ er sich endgültig in
Griechenland nieder. Dort arbeitete er bis zum Ausbruch seiner
Krankheit als Deutschlehrer und Übersetzer.
(Quelle: afp)
Computerwurm-Attacke: 'Mydoom'-Nachfolger greift
Microsoft an
Di.10.02.04 - Ein neuer Wurm wandelt auf den Spuren des Schädlings "Mydoom": Der
mit einer Vielzahl von Namen belegte Wurm nutzt die von Mydoom A und B
installierten Hintertüren, um sich auf befallenen Rechnern
festzusetzen. Anschließend deinstalliert "W32.HLLW.Deadhat" alias
"Doomjuice" alias "Mydoom.C" den Originalwurm und sucht dann nach dem
Zufallsprinzip weitere von Mydoom befallene Rechner. "Doomjuice"
versucht außerdem Virenscanner außer Gefecht zu setzen und
versucht über die Öfffnung von Port 2766 eine neue
Hintertür zu öffnen.
Genau wie "Mydoom.B" soll "Doomjuice" außerdem eine DDoS-Attacke
(Distributed Denial of Service) gegen die Microsoft-Site
starten.Während der Konzern allerdings keine Beeinträchtigung
seiner Server festgestellt haben will, sprechen einige
Sicherheitsexperten von einer höheren Reaktionszeit am vergangenen Wochenende.
(Quelle: futurezone)
Aufklärung online: Immanuel Kants Werke ins Internet gestellt
Di.10.02.04 - Wissenschaftler der Universität Bonn haben die kompletten Werke
und Briefe des vor 200 Jahren verstorbenen Philosophen Immanuel Kant
ins Internet gestellt. Das Kant-Informationssystem erlaubt Nutzern in
Zukunft auch den Zugriff auf gescannte Originalschriften...
Mehr bei heise-online (09.02.04):
http://www.heise.de/newsticker/meldung/44445
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