Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneunundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Bei einem Autobombenanschlag im Zentrum Bagdads sterben am
Mittwochmorgen mindestens 20 Menschen - Am Vortag wurden bei einem
ähnlichen Anschlag südlich der irakischen Hauptstadt 50 Tote
gezählt +++ Führende US-Militärs warnen: Geld für
Irak-Einsatz geht aus: Armee hat in Irak monatliche Ausgaben von rund
3,7 Milliarden Dollar +++ Chilenische UN-Mission wurde vor der
Irak-Abstimmung abgehört
Mi.11.02.04 - Beim zweiten Autobombenanschlag binnen 24 Stunden im Irak sind am
Mittwochmorgen nach US-Armeeangaben bis zu 25 Menschen getötet
worden. Bereits am Vortag starben etwa 50 Menschen bei einem
ähnlichen Anschlag südlich von Bagdad.
"Eine Autobombe explodierte gegen 07.40 Uhr (Ortszeit, 05.40 Uhr MEZ)
am neuen Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in Bagdad", sagte
ein US-Sprecher. Bei dem Anschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt
kamen dem Sprecher zufolge 20 bis 25 Menschen ums Leben. In der
Nähe des Büros in der Gegend, die als Muthana Flughafen
bekannt ist, befinden sich auch Büros einer fundamentalistischen
Schiiten-Gruppe. Augenzeugen hatten zuvor von einer Explosion nahe
dieser Büros berichtet.
US-Soldaten riegelten die Gegend nach Berichten von Augenzeugen ab.
Dabei handelt es sich um ein kleines Flughafengelände, das
Jahrzehnte lang verwaist war und seit Kurzem von der neuen irakischen
Armee genutzt wird.
Am Dienstag waren bei einem Autobombenanschlag vor einer Polizeiwache
in Iskandarija südlich von Bagdad rund 50 Menschen getötet
worden. Bis zu 100 Personen wurden nach Behördenangaben bei der
Detonation verletzt. Bei den meisten Opfern handelte es sich um
Passanten und Zivilpersonen, die sich für den Polizeidienst
bewerben wollten, wie Krankenhausdirektor Rasak Dschabbar
erklärte. Auch einige Polizisten seien ums Leben gekommen.
Die Zahl der Todesopfer werde wahrscheinlich weiter steigen, da noch
Menschen unter den Trümmern begraben sein könnten, sagte
Dschabbar. Er berichtete am Abend von 53 Toten.
Der örtliche Polizeichef Abdul Rahim Saleh sprach von einem
Selbstmordanschlag. Der Täter habe in seinem Auto die Bombe
gezündet, als er an der Polizeiwache vorbeigefahren sei.
US-Brigadegeneral Mark Kimmitt erklärte hingegen, es sei noch
nicht klar, ob ein Selbstmordattentäter verantwortlich sei. Seiner
Schätzung zufolge hatte die Bombe ein Gewicht von etwa 225
Kilogramm.
Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Der Angriff trage
den Fingerabdruck der El Kaida, sagte Kimmitt. Der irakische
Polizeigeneralleutnant erklärte, die Motornummer des Wagens deute
darauf hin, dass das Auto einst einem Geheimdienstmitarbeiter Saddam
Husseins gehört habe. Nach Angaben von US-Militärsprecher Dan
Williams waren unter den Opfern keine ausländischen Soldaten.
Bei der Explosion wurde die Polizeiwache teilweise zerstört.
US-Truppen riegelten das Gebiet 50 Kilometer südlich der
Hauptstadt ab. Mehrere Stunden nach dem Anschlag stürmten
wütende Iraker die Ruine, nachdem Gerüchte laut geworden
waren, eine US-Raketen habe die Detonation verursacht. Die Polizei gab
Warnschüsse in die Luft ab.
Zuvor hatten die USA vor neuen Anschlägen auf Iraker gewarnt.
US-Beamte erklärten, in einem Brief, der bei einem El-Kaida-Kurier
gefunden wurde, sei die terroristische Führung um Hilfe bei der
Entfachung eines Bürgerkriegs zwischen sunnitischen und
schiitischen Muslimen gebeten worden. Der Verfasser brüstete sich
angeblich damit, bereits 25 Selbstmordanschläge in Irak
organisiert zu haben.
Bei einem Anschlag in Bagdad wurden am Dienstag vier irakische
Polizisten getötet, wie das Innenministerium mitteilte. Die
Angreifer seien entkommen.
Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen
Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak kommt es dort fast täglich
zu Anschlägen auf die US-geführten Besatzungstruppen und
irakischen Sicherheitskräfte. Die USA machen Anhänger von
Ex-Präsident Saddam Hussein und moslemische Extremisten aus dem
Ausland verantwortlich. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte
angesichts der anhaltenden Angriffe im Irak am Dienstag in Washington
eingeräumt, die US-Besatzungstruppen könnten nicht alle
Anschläge verhindern.
Unterdessen wurde ein weiteres ranghohes Mitglied der früheren
Regierung von Saddam Hussein festgenommen. Dabei handelt es sich laut
US-Verteidigungsministerium um Muhsin Chadr el Chafadschi, die Nummer
48 auf der US-Liste der 55 meistgesuchten Iraker. Er sei den US-Truppen
am Wochenende im Raum Bagdad übergeben worden. Nach Angaben des
US-Oberkommandos Mitte war Chadr Vorsitzender der Baath-Partei im
Bezirk Kadissijah. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von einer
Million Dollar ausgesetzt. Nach Chadrs Festnahme befanden sich noch elf
der 55 Gesuchten auf der Flucht.
Führende US-Militärs haben davor gewarnt, dass das Geld
für den Irak-Einsatz bis September ausgehen werde, sollte der
Kongress keine zusätzlichen Mittel freigeben. Derzeit habe die
Armee Ausgaben von rund 3,7 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro)
monatlich in Irak sowie weiteren 800 bis 900 Millionen Dollar in
Afghanistan, sagte General Peter Schoomaker am Dienstag (Ortszeit) vor
dem Streitkräfte-Ausschuss des Senats in Washington. Bis Anfang
September würden die Mittel auslaufen. Er sei besorgt, wie die
Zeit zwischen dem Ende des Haushaltsjahres am 1. Oktober und 2005
überbrückt werden solle, fügte Schoomaker hinzu. Die
politische Führung des Pentagon hatte erklärt, dass sie bis
dahin keine neuen Gelder für Irak fordern werde.
Vor der entscheidenden Abstimmung über die Haltung der Vereinten
Nationen zu Irak im vergangenen Jahr sind die Telefone der chilenischen
UN-Vertretung abgehört worden, wie die Regierung in Santiago am
Dienstag erklärte. Wer als Urheber der Abhöraktion
verdächtigt wird oder möglicherweise bekannt ist, sagte
Regierungssprecher Patricio Santamaria nicht. Damals habe Chile seine
Besorgnis gegenüber den zuständigen Institutionen
ausgedrückt. "Wir haben über diplomatische Kanäle
vertraulich gehandelt. Die Sache gilt als abgeschlossen."
Chile war Anfang 2003 Sicherheitsratsmitglied und zunächst wie
sechs weitere Mitglieder unentschlossen, ob es die von den USA
eingebrachte Resolution für eine Militäraktion gegen Irak
unterstützen sollte. Santiago entschloss sich schließlich
dazu, gegen die Resolution zu stimmen. Der damalige chilenische
UN-Botschafter Juan Gabriel Valdes sagte der spanischen Zeitung "El
País", Techniker hätten die Telefone Anfang 2003 aufgrund
von Berichten in britischen Medien überprüft, wonach der
britische Geheimdienst von den USA zur Mithilfe beim Belauschen von
UN-Mitarbeitern aufgefordert worden sei. Dabei habe sich
herausgestellt, dass die Mehrzahl der Telefone mit Wanzen ausgestattet
gewesen sei, zitierte "El País" Valdes am Dienstag.
(Quellen: ap, rtr, afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
Ein weiterer Tag und wieder wurden zwei oder drei amerikanische
Soldaten im Irak getötet. Der body count hat noch nicht den
kritischen Punkt erreicht, an dem die Öffentlichkeit sich gegen
das Weiße Haus wie im Vietnam-Krieg wenden wird. Normalerweise
ist die Zahl 1.000, da drei Nullen am Ende irgendwie den Eindruck von
Größe suggerieren. Damit geht zusammen, dass in einem Jahr
die Menschen in den USA genug haben werden. Die US-Amerikaner
mögen ihre Kriege kurz und schmerzlos, nicht länger als ein
paar Monate oder höchstens zwei Jahre, zusammen mit einem klaren
und deutlichen Sieg. Im Irak ist bislang noch nichts davon zu sehen.
Wichtiger aber ist das Profil derer, die getötet werden. So wie
die Art der Kriege sich verändert, so verändert sich der
Typus der Soldaten, die zum Töten aufgefordert werden oder
getötet werden. Nationalismus - oder, wie die Amerikaner ihre
Version nennen: Patriotismus - spielt zweifellos eine Rolle, aber sie
ist geringer als in der Vergangenheit. Die Meisten betrachten die
Streitkräfte als "Karriere", d.h. als eine schnelle und leichte
Möglichkeit, seinen Unterhalt zu verdienen. Das trifft
normalerweise auf diejenigen zu, die anderswo keinen Job finden.
Viele ethnische Gruppen, die nicht in die WASP-Profile (weiß,
angelsächsisch, protestantisch) passen, befinden sich folglich an
der Front, um den amerikanischen Kapitalismus vor dem islamischen
Fundamentalismus zu verteidigen. Manche entscheiden sich aus freien
Stücken dafür, andere werden von Rekrutierungsoffizieren dazu
überredet. Und viele sind nicht einmal US-Amerikaner....
Mehr bei telepolis (John Horvath - "Kanonenfutter für das
Pentagon", 10.02.04) unter:
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16720/1.html
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?
Jenseits der einfachen moralischen Selbstevidenz, dass diese Menschen
Individuen waren, die es verdient gehabt hätten, ein erfülltes
Leben zu führen, das (nur) ihnen gehört, Menschen, auf die
andere bauten, ist vor allem eines wichtig: Diese Soldaten kamen
überwiegend aus den benachteiligten Regionen unserer
sozio-ökonomischen Landschaft. In einem Times-Report - zu Beginn
der Irak-Invasion veröffentlicht - stand: "Verschafft man sich
einen Überblick über die bis zum Überdruss gesammelten
und analysierten demographischen Fakten bezüglich US-Militär,
so ergibt sich das Bild einer Kampftruppe, die alles andere als eine
amerikanische Mischung ist". Das Militär "spiegelt", so die New
York Times, " Working-Class-Amerika". Die Zusammensetzung des
Militärs erinnere weit eher an eine "2jährige Handelsschul-
oder Pendlerklasse" am Rande Birminghams oder Biloxis als an ein Getto
oder ein Barrio bzw. eine 4-jährige Bostoner Universität. Was
man hier sieht, sei "im Grunde eine Armee der Arbeiterklasse", von der
"erwarte(t) wird, dass sie für das reiche Amerika kämpft und
stirbt". ...
Aus: Paul Street - "Lächeln im Angesicht der Totennamen -
Überlegungen zu einer grinsenden, blutgetränkten
Präsidentschaft", ZNet 30.01.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=997
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=15&ItemID=4912
Im Gefolge des Hutton-Fiaskos bleibt eine Wahrheit unangreifbar: Tony
Blair befahl die grundlose Invasion eines anderen Landes unter einem
vollkommen falschen Vorwand. Und Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten
Betrachten wir für einen Augenblick diejenigen, die den Preis
für Blairs und Bushs Aktionen bezahlten, die selten in der
Berichterstattung der Medien erwähnt werden. Es wird davon
ausgegangen, dass monatlich 1000 kleine Kinder durch nichtexplodierte
Streubomben sterben oder verletzt werden. Die Folgen der uranhaltigen
Waffen - eine Massenvernichtungswaffe- die von den angloamerikanischen
Streitkräften benutzt wurden, sind derart, dass die Messwerte, der
von den Briten zerstörten irakischen Panzern so hoch sind, dass
ein Überwachungsteam der britischen Armee weiße
Ganzkörper-Strahlenschutzanzüge, Gesichtsmasken und
Handschuhe trug. Irakische Kinder spielen auf und in der Nähe
dieser Panzer. Britische Truppen "werden Zugang zur biologischen
Überwachung haben", behauptet das Verteidigungsministerium.
Die Iraker haben keinen Zugang und keine Experten, die sie medizinisch
unterstützen und Tausende leiden jetzt an einer damit in
Zusammenhang stehenden Reihe von Krankheiten wie Fehlgeburten und
Haarausfall, schrecklichen Augen-, Haut- und Atemwegsproblemen.
Weder die Briten noch die Amerikaner zählen ihre irakischen Opfer
und die Tatsache, geschweige denn das Ausmaß der Massaker, die an
Menschen begangen wurden, und die materiellen Zerstörungen werden
von einer Regierung, die behauptet, sie sei von Lord Hutton ...
rehabilitiert worden, nicht einmal zugegeben...
Aus: John Pilger - "Blairs neue Waffe der Massenirreführung", ZNet
05.02.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1000
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=40&ItemID=4932
Wir können uns nicht damit aufhalten, zu zählen, wie viele
wir getötet haben...
...sagt Colonel David Perkins von der dritten Infanterie-Division bei
der Eroberung Bagdads. Die Militärkoalition notierte zwar
genauestens Bomben, Munition, Panzer, Flugzeuge und die getöteten
Soldaten ihrer Truppen, doch weder das britische noch das amerikanische
Verteidigungsministerium sahen sich veranlasst, die toten Iraker zu
zählen. (IPPNW)
Blick ins Archiv:
Bericht schätzt Zahl der Kriegstoten in Irak auf mindestens 21.000
Mi.12.11.03 - In Folge des Kriegs sind in Irak einem am Dienstag
veröffentlichten Bericht zufolge zwischen 21.000 und 55.000
Menschen ums Leben gekommen. Bei den Opfern handele es sich zumeist um
irakische Soldaten und Zivilisten, hieß es in der Studie der
Gruppe Medact [http://www.medact.org/tbx/pages/], der
Beschäftigte des Gesundheitsbereichs angehören....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311120.htm#031112_b
Medac-Studie:
http://www.ippnw.de/presse/2003/
Engl.%20Studie%20Collateral%20damage.pdf
Mehr Informationen zur Studie bei IPPNW unter:
http://www.ippnw.de/presse/2003/031111IrakBilanz.htm
http://www.ippnw.de/presse/2003/
Dt_Zusammenfassung.htm
Web-Site Iraqi Body Count
zählt die Zahl der getöteten irakischen Zivilisten vom Beginn
des Irak-Krieges im März 2003
http://www.iraqbodycount.net
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Weißes Haus veröffentlicht Details zu Bushs
Militärdienst
Mi.11.02.04 - Mit der Veröffentlichung von Dokumenten zu seinem
Militärdienst ist US-Präsident George W. Bush dem Vorwurf
entgegengetreten, er habe während des Vietnamkriegs seinen Dienst
nicht nach Vorschrift abgeleistet. Das Weiße Haus legte am
Dienstag Gehaltslisten und Angaben zu Rentenbescheiden vor, die nach
Angaben von Bush-Sprecher Scott McClellan beweisen, dass der
Präsident zwischen 1972 und 1974 aktiv am Militärdienst
teilnahm.
«Diese Dokumente zeigen eindeutig, dass der Präsident seine
Pflichten erfüllte», sagte McClellan. Kritiker aus den
Reihen der oppositionellen Demokraten haben Bush vorgeworfen,
während des Kriegs in Vietnam seinen Dienst nicht wie
vorgeschrieben abgeleistet zu haben. Die Vorwürfe wurden bereits
bei der Präsidentenwahl vor vier Jahren laut, angesichts der
Siegesserie des Vietnamveteranen John Kerry bei den Vorwahlen der
US-Demokraten hat sich der Druck auf Bush in den letzten Wochen aber
weiter verstärkt.
(Quelle: ap)
Kerry gewinnt auch Vorwahlen in Viriginia und Tennessee - Clark steigt
aus Rennen um das Weiße Haus aus
Mi.11.02.04 - Der demokratische Senator John Kerry hat sich US-Fernsehsendern zufolge
auch in den US-Bundesstaaten Virginia und Tennessee gegen seine Rivalen
um die demokratische Präsidentschaftskandidatur durchgesetzt.
Kerry konnte sich damit auch in den beiden südlichen Bundesstaaten
die meisten Delegiertenstimmen sichern und hat inzwischen zwölf
von 14 Vor- und Urwahlen gewonnen. Die endgültige Entscheidung
für den Gegenkandidaten der Demokraten zu Amtsinhaber George W.
Bush treffen im Juli mehr als 4300 Delegierte auf einem Parteikongress.
Ein Sieg im Bundesstaat sichert dem jeweiligen Bewerber die Gesamtzahl
der Delegiertenstimmen aus diesem Staat.
Kerry habe seine Konkurrenten John Edwards, Wesley Clark und Howard
Dean geschlagen, berichteten die Sender CNN und Fox aus Viriginia und
Tennessee. Senator Edwards landete in Virginia deutlich abgeschlagen
auf dem zweiten Platz, der pensionierte General Clark nach
Auszählung von 60 Prozent der abgegebenen Stimmen mit einem Anteil
von zehn Prozent auf dem dritten. Diese beiden Bewerber stammen aus
südlichen Bundesstaaten und hatten sich Hoffnungen auf einen Sieg
gemacht.
Ex-General Wesley Clark gibt seine Ambitionen auf die
Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten auf. Das berichtet
der Nachrichtensender CNN nach Clarks schlechtem Abschneiden bei den
Vorwahlen in Virginia und Tennessee.
Bei den Demokraten wurden erste Forderungen laut, den Vorwahlkampf
vorzeitig zu beenden. "Ich glaube, die Demokraten sollten sich hinter
John Kerry vereinen und sich auf den Sieg im November konzentrieren",
sagte der frühere Stabschef des Weißen Hauses unter
Präsident Bill Clinton, Leon Panetta.
(Quellen: rtr, dpa, ap)
Opec beschließt Drosselung der Fördermenge
- USA warnen vor Beeinträchtigung der Konjunkturerholung
Mi.11.02.04 - Die Opec hat am Dienstag erneut überraschend eine Drosselung ihrer
Öl-Fördermengen beschlossen.
Das Kartell, das rund die Hälfte des weltweiten Ölhandels
kontrolliert, will damit dem befürchteten ungewöhnlich
starken Nachfrageeinbruch im Frühjahr entgegenwirken. Die USA
warnten umgehend, die konjunkturelle Erholung der
weltgrößten Volkswirtschaft nicht durch hohe Energiepreise
zu beeinträchtigen. Der Ölpreis stieg nach Bekanntwerden der
Entscheidung weiter an.
Wie die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) nach
ihrem Treffen in Algier mitteilte, soll die derzeitige Obergrenze
für die tägliche Produktion von 24,5 Millionen Barrel ab 1.
April um eine Million Barrel reduziert werden. Zudem wurde beschlossen,
mit sofortiger Wirkung die Überproduktion von 1,5 Millionen Barrel
pro Tag abzubauen. Die Entscheidungen sollen beim nächsten Treffen
am 31. März überprüft werden. Nach den Worten von
Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro könnte die Organisation
ihre Förderpolitik durchaus noch ändern, sollten die Preise
auf vergleichsweise hohem Niveau bleiben.
Experten hatten erwartet, dass die Opec zwar härter gegen die
Überproduktion vorgehe, die offiziellen
Förderhöchstmengen zugleich aber unverändert lassen
werde. Bereits im September vergangenen Jahres hatte das Kartell die
Märkte mit einer Drosselung überrascht.
Der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien verteidigte
die vorgesehene weitere Reduzierung der Quoten. "Die Lagervorräte
sind ausgezeichnet auf dem aktuellen Niveau, wir wollen nicht, dass sie
weiter aufgebaut werden", sagte Ölminister Ali el Naimi. "Wir
wollen nicht, dass es zu einem Preisrutsch kommt." Experten wie die der
Internationalen Energieagentur (IEA), die für die westlichen
Industrienationen die Ölmärkte beobachtet, erwarten, dass der
Nachfragerückgang im zweiten Quartal deutlich stärker
ausfallen wird, als es normalerweise nach dem Winterende auf der
Nordhalbkugel der Fall ist. Dies dürfe man nicht auf die leichte
Schulter nehmen, mahnte Naimi.
Die USA dagegen warnten vor negativen Folgen hoher Ölpreise
für die wirtschaftliche Belebung. "Es ist unsere Hoffnung, dass
die Produzenten keine Schritte ergreifen, die der amerikanischen
Wirtschaft (...) und den amerikanischen Verbrauchern schaden", sagte
ein Sprecher des Präsidialamts.
Ölhändlern zufolge stemmt sich die Opec zwar geschickt gegen
einen Ölpreis-Verfall, untergräbt womöglich zugleich
aber ihre eigene Glaubwürdigkeit wegen der wachsenden Diskrepanz
zwischen den offiziellen Förderquoten und der tatsächlichen
Produktion. "Das ist ein kluger Schachzug der Opec, der den Markt vor
dem zweiten Quartal unterstützt", sagte Oystein Berentsen, der
beim norwegischen Produzenten Statoil den Ölhandel leitet. "Es ist
ein deutliches Signal", ergänzte Analyst Kevin Norrish von
Barclays Capital. Seiner Auffassung nach müsse die Opec die
Fördermengen aber nicht so stark drosseln wie sie es offenbar
beabsichtige.
Die Opec strebt einen Preis je Barrel (= rund 159 Liter) zwischen 22
und 28 Dollar an. Am Montag lag der für das Kartell wichtige
Korbpreis aus verschiedenen Opec-Ölsorten mit 28,09 Dollar weiter
über dieser Spanne. Der Preis der führenden Nordseemarke
Brent stieg nach der Entscheidung an und lag mit 29,72 Dollar 61 Cent
über dem Vortagesschluss.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen im Gazastreifen drei
Palästinenser +++ Israelischer Geheimdienstchef gegen Rückzug
aus Gazastreifen
Mi.11.02.04 - Israelische Soldaten haben beim Einmarsch in die Stadt Gaza am
frühen Morgen drei Palästinenser erschossen. Ein
22-jähriger Polizist sei in den Kopf getroffen worden, als Panzer
das Feuer auf einen palästinensischen Sicherheitsposten
eröffnet hätten, teilten Sanitäter mit. Bei einem
Schusswechsel wurden demnach zwei Männer getötet.
Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte hatten
radikale Palästinenser zuvor einen israelischen Armeeposten in der
Gegend mit Mörsern beschossen. Ein israelischer
Militärsprecher bestätigte, dass Truppen im Sektor Gaza im
Einsatz seien, nachdem die jüdische Siedlung Netzarim wiederholt
angegriffen worden sei. Dabei habe es eine Schießerei mit
Palästinensern gegeben.
Die Armee rückte mit mehreren Panzern im östlichen Viertel el
Schidschajeh ein und eröffnete das Feuer, wie Sanitäter
berichteten. Warum die Soldaten schossen, war zunächst unklar. Das
israelische Militär machte zunächst keine Angaben zu dem
Vorfall. Es erklärte aber, in der Nacht sei die jüdische
Siedlung Nitsanim mit Mörsern beschossen worden. Nitsanim liegt im
Norden des Gazastreifens.
Im südlichen Rafah an der Grenze zu Ägypten wurden nach
Krankenhausangaben zwei Palästinenser durch Schüsse eines
Panzers verletzt. Der Panzer sei in einem von Palästinensern
kontrollierten Gebiet gefahren. Nach Armeeangaben suchten die
Sicherheitskräfte nach Tunneln, die zum Waffenschmuggel benutzt
würden.
Der israelische Geheimdienstchef hat derweil die Pläne von
Ministerpräsident Ariel Scharon zum Rückzug aus dem
Gazastreifen scharf kritisiert: Militante Palästinenser
würden den Abbau der Siedlungen als Sieg für sich auslegen
und ihre Anschläge nicht einstellen, sagte Aharon Seevi-Farkasch
am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss für Verteidigung und
auswärtige Angelegenheiten, wie ein Gremiumsmitglied berichtete.
Der Rückzug sowie der Bau des umstrittenen Sperrwalls zum
Westjordanland gehören zu Scharons Plan, die
palästinensischen Gebiete notfalls ohne Friedensabkommen von
Israel abzutrennen. Der palästinensische Ministerpräsident
Ahmet Kureia versuchte bei einem Besuch in Nordirland am Montagabend,
die EU zum Widerstand gegen den Verlauf des Sicherheitszaunes zu
bewegen. "Wenn sie den Wall auf israelischem Territorium bauen wollen,
dann können sie das gerne tun", erklärte er mit Blick auf die
Israelis. "Aber nicht auf unserem Land." Der irische
Ministerpräsident Berti Ahern, dessen Land derzeit die
EU-Präsidentschaft innehat, bekräftigte in Dublin die
EU-Position, wonach der Verlauf auf palästinensischem Territorium
gegen das Völkerrecht verstösst.
Die UN-Generalversammlung hat den Internationalen Gerichtshof (IGH) in
Den Haag um eine Stellungnahme zu der Sperranlage gebeten. Eine
Teilnahme Israels an der für den 23. Februar angesetzten
Anhörung dazu ist nach Worten des stellvertretenden
Regierungschefs Ehud Olmert noch offen. Im Moment sei eine Teilnahme
nicht geplant, sagte er am Dienstag auf einem Besuch in Warschau. Bei
der Grenzanlage handele es sich um "eine politische Angelegenheit,
nicht eine rechtliche". Olmert verteidigte den Bau des Grenzwalls
erneut als "legitime Massnahme der Selbstverteidigung".
Im Streit um ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofes zur
Sperranlage im Westjordanland will Israel mit einer Demonstration auf
die eigenen Opfer des Palästinenseraufstandes hinweisen. Ein
Protestzug, bei dem israelische und jüdische Studenten Bilder von
920 getöteten Israelis zeigen, solle das Anhörungsverfahren
vor dem Gerichtshof in Den Haag begleiten, berichtete die Zeitung
Jedioth Achronoth am Dienstag. Außerdem solle das Wrack eines bei
einem Selbstmordanschlag zerstörten Busses nach Den Haag geflogen
und dort ausgestellt werden.
In Gaza demonstrierten derweil hunderte Palästinenser gegen die
Festnahme von vier Verdächtigen, die nach Darstellung der
palästinensischen Staatsanwaltschaft für einen Anschlag auf
einen Konvoi amerikanischer Diplomaten im vergangenen Oktober
verantwortlich sein sollen. Auch in Washington wurden die
Anklageerhebungen vor einem Militärgericht mit Skepsis betrachtet.
Die Bekanntgabe der Festnahmen folgte nur wenige Tage auf eine
Erklärung Washingtons, wonach Informationen über die
Täter mit bis zu fünf Millionen Dollar belohnt werden
sollten. Bei der Detonation der Strassenbombe waren drei amerikanische
Sicherheitsbeamter getötet worden. Der US-Botschafter in Israel,
Daniel Kurtzer, wurde am Dienstag von der Zeitung «The Jerusalem
Post» mit den Worten zitiert: "Wir sind noch nicht zufrieden mit
den Ermittlungsergebnissen, die uns bislang vorgelegt wurden."
Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden gaben am Dienstag bekannt, sie
hätten im Westjordanland einen 50 Jahre alten Taxifahrer
getötet, weil dieser mit Israel zusammengearbeitet habe. Die mit
der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat lose verbundene Untergrundbewegung erklärte, der Mann habe
eingeräumt, den israelischen Streitkräften bei der
Tötung und Festnahme gesuchter Palästinenser geholfen zu
haben.
(Quellen: afp, ap)
UNO kritisiert Verwicklung afghanischer Politiker in Drogenhandel
Regierungsverantwortliche sowie Geschäftsleute seien an
Drogenproduktion und -handel beteiligt +++ UNICEF bietet früheren
Kindersoldaten Hilfe +++ Todesurteile nach Ermordung von
UN-Mitarbeiterin in Afghanistan
Mi.11.02.04 - Zum Abschluss der Internationalen Drogenkonferenz in Kabul haben die
Vereinten Nationen die Verwicklung afghanischer Politiker und
Regierungsmitglieder in den Drogenhandel angeprangert. Einige
Regierungsverantwortliche in Kabul und den Provinzen sowie
Geschäftsleute seien an Drogenproduktion und -handel beteiligt,
sagte Antonio Maria Costa, Chef des UN-Büros gegen Drogen und
Kriminalität (UNODC), am Dienstag. Je länger diese Situation
toleriert werde, desto gefährlicher werde sie. Um Herr der Lage zu
werden, müsse die Regierung "sehr heikle Entscheidungen" treffen,
forderte Costa. Das Land sei kurz davor, als "Drogenstaat" bezeichnet
zu werden. Die Bauern wollten in diesem Jahr noch mehr Schlafmohn
anbauen als zuvor.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen unterstützt ehemalige
Kindersoldaten in Afghanistan bei der Wiedereingliederung in die
Gesellschaft. Ein entsprechendes Programm startete UNICEF am Dienstag
zunächst in der nordostafghanischen Provinz Badachschan. Die
Kinder werden zunächst medizinisch untersucht, dann sollen ihnen
eine grundlegende Schulausbildung oder der Erwerb von Fertigkeiten
ermöglicht werden, die ihnen bei der Arbeitssuche helfen.
Darüber hinaus sollen sie über die Gefahren von Drogensucht
und Landminen aufgeklärt werden, wie es in einer Erklärung
von UNICEF heißt. Mit dem Programm sollen etwa 5.000 der 8.000
früheren Kindersoldaten erreicht werden.
Mehr zum Thema 'Kindersoldaten' unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16561/1.html
http://www.child-soldiers.org
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0159.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0158.nf/text
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311090.htm#03110909
http://home/t-online.de/home/boa-archiv1/k0308140.htm#03081406
Wegen Ermordung einer französischen UN-Mitarbeiterin sind zwei
Afghanen zum Tode verurteilt worden. Ein Gericht in der afghanischen
Hauptstadt Kabul befand die beiden Männer am Dienstag für
schuldig, die 29-jährige Französin am 16. November in der
Stadt Ghasni in ihrem UN-Fahrzeug erschossen zu haben. Sia Ahmad und
Abdul Nabi hätten vor Gericht die Vorwürfe
zurückgewiesen und könnten nun in Berufung gehen, sagte der
Gouverneur der Region Ghasni, Asadullah Chalid. Es bestehe aber kein
Zweifel über die Schuld der Männer. UN-Sprecher Manoel de
Almeida e Silva bestätigte das Urteil und erklärte, die
Vereinten Nationen hätten sich nähere Informationen
darüber erbeten.
(Quellen: afp, ap)
Dutzende Tote bei Unruhen in Äthiopien
Mi.11.02.04 - Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen unterschiedlicher Volksgruppen
sind in Äthiopien Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Wie
Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen in der Hauptstadt Addis
Abeba berichteten, starben bei Unruhen in einer Goldmine im westlichen
Bundesstaat Gambela nahe der Grenze zu Sudan zwischen 50 und 70
Menschen.
Die mehrtägigen Kämpfe nahe der Stadt Dima begannen bereits
am 29. Januar zwischen Einheimischen, die der Volksgruppe der Agnwak
angehören, und Arbeitern aus anderen Landesteilen. Bei dem Versuch
der Armee, die Minenarbeiter zu entwaffnen, wurden auch mehrere
Soldaten getötet.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und das
UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zogen vorübergehend ihre
Mitarbeiter aus einem Flüchtlingslager mit 18.000 Menschen nahe
Dima ab, wo vor allem Menschen aus Sudan untergebracht sind.
In Äthiopien dominiert in jedem Bundesstaat die jeweils
stärkste Volksgruppe: Sie schreibt den Regierungskurs und die
offizielle Sprache vor. Im Bundesstaat Gambela fühlen sich die
einheimischen Agnwak seit einiger Zeit von Zuwanderern aus der
Hauptstadt und anderen Teilen des Landes begedrängt.
(Quelle: afp)
Nordkorea setzt auf Unterstützung durch China
Mi.11.02.04 - Zwei Wochen vor neuen Verhandlungen über das nordkoreanische
Atomprogramm gibt es Anzeichen für eine Lösung: Nach
nordkoreanischer Darstellung unterstützt China den Vorschlag
Pjöngjangs, sein Programm im Gegenzug für ökonomische
und politische Zugeständnisse der USA auszusetzen. Ein
Regierungssprecher sagte am Dienstag, hohe chinesische Beamte
hätten das Angebot als «vernünftig» bezeichnet
und ein gemeinsames Vorgehen in Aussicht gestellt.
«China und Nordkorea sind übereingekommen, bei den kommenden
Sechs-Staaten-Gesprächen gemeinsam zu handeln, um substanzielle
Fortschritte zu erzielen», zitierte die nordkoreanische
Nachrichtenagentur KCNA den Regierungssprecher, ohne seinen Namen zu
nennen. Die Stellungnahme aus Pjöngjang folgte auf einen
viertägigen Besuch von Vizeaußenminister Kim Kye Gwan bei
seinem chinesischen Kollegen Wang Yi in Peking.
Neben China und Nordkorea sollen an den für den 25. Februar
angesetzten Verhandlungen in Peking die USA, Japan, Südkorea und
Russland teilnehmen. Die USA fordern von Nordkorea die komplette,
überprüfbare und unwiederbringliche Einstellung des
Atomwaffenprogramms.
Während für Washington Pjöngjang den ersten Schritt
machen muss, sieht das Angebot Nordkoreas ein gleichzeitiges Vorgehen
beider Seiten vor. Die kommunistische Regierung fordert
Öllieferungen und die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen und will
zudem von der Liste der Staaten gestrichen werden, die nach Ansicht der
US-Regierung Terroristen unterstützen. Zudem war seitens
Pjöngjangs bislang nur von «Einfrieren», nicht jedoch
von «Aufgabe» seines Atomprogramms die Rede.
China dämpfte die Hoffnungen auf einen Durchbruch im Februar.
«Der Streit ist sehr kompliziert, und es gibt verschiedene
Sichtweisen», sagte eine Sprecherin des Pekinger
Außenministeriums. Niemand solle erwarten, das Problem lasse sich
in ein oder zwei Verhandlungsrunden beilegen.
Zuvor hatte Nordkorea Berichte zurückgewiesen, von Pakistan
Atomwaffentechnologie erhalten zu haben. Ein Sprecher des
Außenministeriums sagte laut KCNA, dabei handele es sich um eine
«Schmierenkampagne der USA» vor den
Sechs-Staaten-Gesprächen. Der als Begründer des
pakistanischen Atomprogramms geltende Ingenieur Abdul Qadeer Khan hatte
am vorvergangenen Wochenende eingeräumt, geheime Nukleartechnik an
Libyen, Iran und Nordkorea weitergegeben zu haben.
Als Folge der mangelhaften Ernährung von Millionen Nordkoreanern
befürchtet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für den Winter eine
medizinische Notlage. Ohne Hilfssendungen von Medikamenten seien die
Krankenhäuser auf Kräuter und Akupunktur angewiesen,
erklärte DRK-Nordkoreareferent Hellmut Giebel in Berlin. Um die
Gesundheitsversorgung für sechs Millionen Nordkoreaner
sicherzustellen, sei das Rote Kreuz auf Geldspenden angewiesen.
Am Montag hatte das Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen
(WFP) einen Appell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet.
Die Lebensmittel zur Versorgung von 6,5 Millionen dringend
bedürftiger Menschen gingen aus. In den nächsten zwei Monaten
werde die Organisation nur 100.000 Frauen und Kinder versorgen
können, sagte der UN-Gesandte für Nordkorea, Masood Hyder, in
Peking.
(Quelle: ap)
UN-Menschenrechtskommissar fordert Ende der Gewalt
in Haiti
Mi.11.02.04 - Der amtierende UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Bertrand
Ramcharan, hat die Konfliktparteien in Haiti zu einem sofortigen Ende
der Gewalt aufgerufen. Die politische Krise müsse friedlich und
auf der Grundlage der Verfassung beigelegt werden, sagte Ramcharan am
Dienstag in Genf. Die Urheber von Gewalt und
Menschenrechtsverstößen müssten vor Gericht gestellt
werden.
Die UN-Hilfsorganisationen warnen inzwischen vor einer humanitären
Krise in Haiti. Man sei sehr besorgt wegen der Verschlechterung der
Lage durch Gewalt, Unsicherheit sowie die Auswirkung von
Naturkatastrophen, sagte die Sprecherin des UN-Büros zur
Koordination humanitärer Hilfe (OCHA), Elisabeth Byrs. Nach
Tornados und Überschwemmungen seien 25 000 Menschen im Norden des
Landes ohne Lebensmittelversorgung. Die UN-Hilfsorganisationen
benötigen nach eigenen Angaben 84 Millionen US-Dollar (67
Millionen Euro).
Der Regierung des haitianischen Präsidenten Jean Bertrand Aristide
entgleitet derweil zunehmend die Kontrolle über den Norden des
Karibikstaates. In etlichen Städten des Nordens brach inzwischen
die Versorgung mit Energie und Benzin zusammen.
Das UN-Büro OCHA in Genf äußerte die Befürchtung,
dass sich die Krise zu Lasten der Bevölkerung weiter
verschärfen werde. Die Kämpfe rund um die Stadt Gonaïves
verhinderten die Auslieferung von dringend benötigten
Nahrungsmitteln, sagte OCHA-Sprecherin Elizabeth Byrs. Die Dörfer
im Norden seien die ärmsten des Landes und am meisten von Hunger
betroffen.
Die Deutsche Welthungerhilfe zieht aus Sicherheitsgründen ihre
vier deutschen Mitarbeiter ab. Sie werden mit Familienangehörigen
vorübergehend in der benachbarten Dominikanischen Republik in
Sicherheit gebracht. Die Arbeit in den nördlichen Projektregionen
Jean-Rabel und Cap Haïtien sowie in der Südregion des Landes
könne angesichts der immer gewalttätiger werdenden
Auseinandersetzungen zwischen Regierung und oppositionellen Gruppen
derzeit nicht mehr fortgesetzt werden.
Die bewaffneten Rebellen fordern den Rücktritt Aristides, dem sie
Wahlbetrug, Korruption und Machtmissbrauch vorwerfen. Auch zahlreiche
Oppositionsgruppen erheben diese Forderung. Der ehemalige Armenpriester
und Hoffnungsträger Aristide war im Jahr 2000 zum zweiten Mal zum
Präsidenten gewählt worden. Er lehnt einen Rücktritt ab
und will bis zum Ende seiner regulären Amtszeit im Februar 2006 im
Amt bleiben. Zugleich versprach er, in den kommenden sechs Monaten
Parlamentswahlen abzuhalten.
(Quellen: afp, dpa)
Russischer Präsidentschaftskandidat wieder aufgetaucht - Rybkin gibt eventuell Kandidatur auf
Mi.11.02.04 - Fünf Tage nach seinem mysteriösen Verschwinden ist der
russische Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin in der Ukraine
wieder aufgetaucht. Nachdem er sich am Dienstagmittag nach fünf
Tagen absoluter Funkstille bei seinem Wahlkampfteam gemeldet hatte,
kehrte er am Abend nach Moskau zurück. Nach seiner Ankunft am
Flughafen machte er geheimnisvolle Andeutungen über seinen
Verbleib während der vergangenen Tage und erklärte:
«Ich bin sehr froh, dass ich zurück bin.» Er
erwäge, seine Kandidatur aufzugeben, sagte der 57-Jährige auf
Anfrage.
Während Rybkin von der Ukraine aus in einem Radio-Interview
erklärt hatte, er habe lediglich Freunde in Kiew besucht, sagte er
nach seiner Ankunft am Flughafen Scheremetjewo-1: «Was ich
durchgemacht habe, ist mit nichts zu vergleichen, was ich in den 15
Jahren meiner politischen Karriere erlebt habe.» Er fühle
sich, als sei er «bei einer schwierigen Verhandlungsrunde mit den
Tschetschenen» gewesen, sagte der ehemalige Sowjetgouverneur und
Verhandlungsführer in Tschetschenien. Auf die Frage, ob seine
Reise auch anders hätte enden können als mit seiner
Rückkehr, sagte er: «Wahrscheinlich schon.»
Rybkins Verschwinden am Donnerstagabend hatte in Moskau allerlei
Spekulationen ausgelöst. Politische Beobachter gingen von drei
Möglichkeiten aus: Das Verschwinden könnte aus politischen
Gründen inszeniert worden sein. Rybkin könnte Opfer einer
Intrige innerhalb der Partei geworden sein oder Ziel einer politisch
motivierten Attacke der russischen Geheimdienste.
In einem von der Ukraine aus geführten Interview am
Dienstagnachmittag schien er jedoch bemüht, diese Gerüchte zu
zerstreuen: Er habe Freunde in Kiew besucht, sagte der 57-Jährige
in einem Interview mit dem Moskauer Radiosender Echo. Er habe tagelang
weder ferngesehen noch Radio gehört und sei schockiert gewesen,
als er am Dienstag russische Zeitungen gelesen und bemerkt habe, dass
man sich um ihn sorge. Seine Frau hatte am Sonntag eine
Vermisstenanzeige aufgegeben, nachdem Rybkin nicht wie vereinbart bei
einer Pressekonferenz erschienen war.
Rybkin gilt als Vertrauter des Milliardärs und Kreml-Kritikers
Boris Beresowski. Er hatte seinen Wahlkampf mit dem Vorwurf gegen
Präsident Wladimir Putin begonnen, der Amtsinhaber sei der letzte
mächtige Oligarch Russlands. Putin zerstöre praktisch die
Verfassung und stürze Russland wieder in die Dunkelheit. Rybkin
erklärte damals, er habe Beweise für Putins Verbindungen zur
Industrie.
Beresowski, der als politischer Flüchtling in Großbritannien
lebt, äußerte in einem Radio-Interview am Dienstag Befremden
über das Verhalten Rybkins. Er habe ihn immer als «sehr
verantwortungsbewusst» gekannt, sagte Beresowski dem Radiosender
Echo.
(Quelle: ap)
3.000 Türkische Zyprer demonstrieren für Wiedervereinigung
Mi.11.02.04 - 3.000 türkische Zyprer haben am Dienstag für die
Wiedervereinigung mit dem griechischsprachigen Süden der Insel
demonstriert. Anlass der Kundgebung in der geteilten Hauptstadt Nicosia
war die für den Abend geplante Gesprächsrunde zwischen dem
türkisch-zyprischen Politiker Rauf Denktasch und dem
griechisch-zyprischen Präsidenten Tassos Papadopoulos in New York.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte die beiden Politiker zu
Verhandlungen über seinen Plan zur Wiedervereinigung Zyperns
eingeladen.
Ein UN-Sprecher erklärte am Nachmittag, Annan hoffe, dass beide
Parteien verbindlich ihre Bereitschaft zu einer Einigung erklären
würden. Der UN-Generalsekretär werde Denktasch und
Papadopoulos zunächst einzeln treffen, um anschließend mit
beiden gemeinsam zu verhandeln.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
erklärte am Dienstag, er habe Denktasch klare Empfehlungen
für die Verhandlungen mitgegeben. «Wir haben ihm einen
Wegweiser gegeben, aber wir müssen sehen, ob er sich getreu danach
richtet», wurde Erdogan von der türkischen
Nachrichtenagentur Anadolu zitiert. Erdogan hat sich in den vergangenen
Wochen mehrfach für eine Wiedervereinigung der geteilten Insel
ausgesprochen.
Denktasch hatte die letzte Verhandlungsrunde im April vergangenen
Jahres zum Scheitern gebracht, indem er den UN-Plan ablehnte. An den
Gesprächen in New York nimmt er unter Vorbehalt teil, die
Einladung Annans bezeichnete er in der vergangenen Woche als Zwang. Vor
dem Abflug nach New York am Sonntag sagte Denktasch, er werde sich
keinem Druck beugen.
Der nördliche Teil der Insel wird international nur von der
Türkei anerkannt, die 40.000 Soldaten dort stationiert hat. Falls
es nicht zu einer Wiedervereinigung kommt, tritt im Mai nur der
griechische Teil der Europäischen Union bei.
(Quelle: ap)
Britisch-französisch-deutsche EU-Eingreiftruppe geplant
Mi.11.02.04 - Frankreich, Großbritannien und Deutschland schlagen der EU
deutschen Regierungskreisen zufolge den Aufbau einer schnellen
Eingreiftruppe vor, die der EU stärkere Einsatzmöglichkeiten
in Krisengebieten geben soll.
Die Initiative der drei Länder stehe am Dienstag auf der
Tagesordnung des Politischen und Sicherheitspolitischen Komitees (PSK)
der Europäischen Union (EU), hieß es in den Kreisen in
Berlin. Geplant sei eine sehr schnell einsetzbare Truppe, die aus
mehreren Kampfgruppen zu je 1500 Soldaten bestehen solle. Offenbar
würde sich auch Deutschland mit Soldaten beteiligen. In der
Bundesregierung wurde betont, unter den drei beteiligten Ländern
habe es dazu intensive Konsultationen gegeben. Dagegen hatte die
"Financial Times" gemeldet, es handele sich nur um eine
britisch-französische Initiative ohne Deutschland. Die
Regierungschefs der drei Länder, Tony Blair, Jacques Chirac und
Gerhard Schröder treffen sich kommende Woche in Berlin.
Den Kreisen zufolge zielt die Initiative auf stärkere
Fähigkeiten der EU zur Krisenbewältigung. Die Truppe solle im
Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
(ESVP) aufgestellt werden, mit der die EU ihre internationale Rolle
verstärken will. Zugleich solle mit der geplanten Truppe auch die
militärische Zusammenarbeit einzelner Mitglieder gestärkt
werden, die über das gemeinsame Vorgehen der gesamten EU hinaus
aktiv werden wollen. Diese Zusammenarbeit ist für alle Mitglieder
offen. Die Truppe soll auch Einsätze im Auftrag der Vereinten
Nationen (UNO) übernehmen können.
Die genaue Ausgestaltung und ihre Gesamtgröße hängen
den Angaben zufolge von Entscheidungen auf politischer Ebene der EU ab.
Die bisherige Planung sieht den Kreisen zufolge vor, dass die Truppe ab
dem Jahr 2007 einsatzbereit sein und dann innerhalb von rund 15 Tagen
verlegt werden könne. Sie solle aus Soldaten bestehen, die
speziell für Einsätze im Dschungel und anderen unwegsamen
Krisengebiet eingesetzt und entsprechend ausgerüstet werden sollen.
Die Gesamtstärke der geplanten Truppe blieb zunächst unklar.
Während die "FT" von 1500 Soldaten berichtete, hieß es in
deutschen Regierungskreisen, es seien mehrere Kampfgruppen zu je 1500
Mann geplant. Zur Frage, ob sich Deutschland auch mit Soldaten an der
Truppe beteiligen würde, gab es zunächst keine Aussagen.
Allerdings ist es üblich, dass die Initiatoren ein solches Projekt
auch umsetzen. Das "Handelsblatt" berichtete vorab aus seiner
Mittwochsausgabe, Frankreich und Großbritannien wollten je 1500
Soldaten stellen, der Umfang der grundsätzlich zugesagten
deutschen Beteiligung sei noch nicht geklärt.
Die "FT" berichtete unter Berufung auf diplomatische Kreise, dass die
Truppe nicht mit Nato-Truppen in Konkurrenz treten, aber auf
Nato-Ressourcen zurückgreifen und zur geplanten Reaktionstruppe
der Allianz beitragen solle. Das Verhältnis von EU und Nato hat in
der Vergangenheit mehrfach zu Konflikten geführt. Die EU plant
eine Eingreiftruppe von insgesamt 60.000 Mann, zu der die geplanten
Kampfgruppen gehören sollen.
Wann das PSK über die Dreier-Iniatitive beraten und wann sie in
weiteren EU-Gremien entschieden wird, ist den Kreisen zufolge noch
nicht klar. Der "Financial Times" (FT) zufolge wollen die Initiatoren
die Zustimmung der anderen EU-Staaten bis Ende Juni. Es wird erwartet,
dass Schröder, Chirac und Blair darüber bei ihrem
Gipfeltreffen am 18. Februar in Berlin sprechen. Hintergrund des Plans
sind dem "Handelsblatt" zufolge Gespräche zwischen Chirac und
Blair im vergangenen November.
(Quelle: rtr)
Brüssel will EU-Ausgaben deutlich erhöhen
Mi.11.02.04 - Trotz aller Sparappelle besonders aus Berlin will die EU-Kommission die
Ausgaben der Europäischen Union in den nächsten Jahren
deutlich erhöhen. Dies beschloss die Brüsseler Behörde
am Dienstag in Straßburg. Allerdings fiel die angestrebte
Steigerung im Etat von 2007 bis 2013 nicht so hoch aus wie
ursprünglich erwartet. Bezogen auf die konkreten Zahlungen strebt
Brüssel bis 2013 ein Budget von rund 143 Milliarden Euro an. Dies
wäre eine Steigerung des Etats um rund 40 Milliarden Euro.
Im Durchschnitt sollen sich die Ausgaben bis dahin bei 1,14 Prozent der
Wirtschaftsleistung bewegen, im Jahr 2008 allerdings bei 1,23 Prozent.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte, ein geringeres Budget
würde den Realitäten einer erweiterten EU nicht gerecht. Was
die möglichen Verpflichtungen der EU betrifft, rechnet die
Behörde bis 2013 sogar mit einer Summe von 158,4 Milliarden Euro.
Dies entspricht nach Angaben von EU-Haushaltskommissarin Michaele
Schreyer 1,22 Prozent der Wirtschaftsleistung. Beziehe man den
EU-Entwicklungs- und Solidaritätsfonds mit ein, komme man sogar
auf 1,26 Prozent.
Prodi sagte, die EU-Kommission wolle an der Ausgabenobergrenze von 1,24
Prozent festhalten. Mit dem jetzt gemachten Vorschlag bleibe noch
ausreichend Luft für unvorhergesehene Ausgaben. Erwartet worden
war, dass die Behörde auch bei den konkreten Ausgaben einen
Prozentsatz von rund 1,24 Prozent ansetzen würde. Derzeit
beträgt der EU-Haushalt rund 100 Milliarden Euro, was etwa einem
Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht.
Deutschland und fünf weitere EU-Nettozahler dringen darauf, die
Obergrenze der Ausgaben bei diesem einen Prozent festzusetzen.
Bundesfinanzminister Hans Eichel forderte die EU-Kommission noch vor
ihrer Entscheidung zur Mäßigung auf. Die Mitgliedstaaten
dürften nicht überfordert werden, sagte Eichel bei einem
Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Die EU-Finanzen
dürften nicht nach dem Motto «Wir addieren einen
Wunschzettel» festgelegt werden. Die EU-Kommission verlange von
den Mitgliedstaaten, ihre Staatsquote zurückzufahren. Dies
müsse dann auch für Brüssel gelten.
Kritik ostdeutscher Ministerpräsidenten, wonach bei einer
Ausgabenbegrenzung von einem Prozent auch die Zahlungen Brüssels
in die neuen Bundesländer drastisch zurückgingen, wies Eichel
zurück. Die neuen Länder müssten sich darüber im
Klaren sein, dass mehr Ausgaben in Brüssel eine höhere
Belastung des deutschen Haushalts bedeuten würden. Diese
höheren Ausgaben müsste er national wieder einsparen, was
Folgen für die neuen Länder hätte, sagte Eichel.
Neben Deutschland und Österreich treten auch Frankreich,
Großbritannien, die Niederlande und Schweden für eine
Begrenzung auf ein Prozent ein. In diese Richtung tendieren dem
Vernehmen nach auch Italien, Finnland, Dänemark und Slowenien.
Beschlossen werden muss der neue Finanzrahmen einstimmig von den bald
25 Mitgliedstaaten bis spätestens 2006. Die EU-Kommission strebt
eine Einigung im ersten Halbjahr 2005 an.
Prodi nannte als zentrale Aufgaben der erweiterten EU ein nachhaltiges
Wachstum einschließlich mehr Beschäftigung, Sicherheit und
Freiheit für die EU-Bürger sowie eine globale Rolle der EU.
Eichel sagte, die EU müsse sich Prioritäten setzen und dann
in anderen Feldern sparen. Es gehe nicht, dass etwa bei den
Strukturhilfen in der alten EU alles beim Alten bleibe und das Geld
für die zehn neuen Länder einfach addiert werde.
(Quelle: ap)
Sorge über Defizit in Frankreich und Italien
Mi.11.02.04 - Die EU-Finanzminister haben sich besorgt über die
Haushaltsentwicklung in Frankreich und Italien geäußert. Das
Defizit Italiens könnte bereits 2004 über die
Drei-Prozent-Marke des Stabilitätspakts rutschen, warnten die
Minister am Dienstag in Brüssel. Bei Frankreich bestehe die
Gefahr, dass die Neuverschuldung nicht wie geplant 2005 wieder unter
die Drei-Prozent-Grenze gedrückt werde.
Die Warnung ist Bestandteil der aktuellen Stabilitätsprogramme
Frankreichs und Italiens, die die Minister verabschiedeten. Frankreich
hat sich genau wie Deutschland verpflichtet, den Stabilitätspakt
2005 wieder einzuhalten. Bei der Haushaltsentwicklung Italiens macht
den Finanzministern wie auch EU-Währungskommissar Pedro Solbes vor
allem Sorge, dass die Gesamtverschuldung weiter deutlich über 100
Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.
Auch Großbritannien, das nicht zur Eurozone gehört,
könnte 2003 eine übermäßige Neuverschuldung
ausgewiesen haben. Dies sei aber angesichts einer Gesamtverschuldung
von nur rund 40 Prozent nicht dramatisch, hieß es in
diplomatischen Kreisen. Das aktuelle Stabilitätsprogramm
Deutschlands wird von der EU-Kommission erst am 18. Februar bewertet,
der Rat der Finanzminister will sich damit im März befassen.
Bei der Umsetzung einer Richtlinie zur gemeinsamen Zinsbesteuerung
ausländischer Kapitalerträge forderten die Minister die
Schweiz auf, ein gemeinsames Abkommen umgehend zu unterzeichnen. Ein
Junktim der Schweizer Regierung mit den Verhandlungen in anderen
Politikfelder wiesen die Minister nach Angaben des deutschen
Ressortchefs Hans Eichel geschlossen zurück. Dies werde der
Schweiz jetzt «auf allen Ebenen deutlich gemacht», sagte
Eichel, ohne dies näher ausführen zu wollen.
Die EU und die Schweiz haben sich bereits grundsätzlich auf eine
gemeinsame Linie bei der Zinsbesteuerung verständigt. Danach hat
sich die Schweiz bereit erklärt, eine Quellensteuer von 35 Prozent
auf alle ausländischen Kapitalerträge zu erheben. Das
Bankgeheimnis wird dadurch nicht angetastet. Die Regierung in Bern
dringt zugleich aber auf einen Abschluss im Schengen-Dossier zum Abbau
der Grenzkontrollen. Ohne eine Einigung in diesem Dossier will die
Schweiz das Zinssteuer-Abkommen nicht besiegeln.
Bestandteil von Schengen ist allerdings ein Rechtshilfeabkommen.
Hierbei gibt es aber unterschiedliche Einschätzungen Brüssels
und Berns, inwieweit die Schweiz danach auch verpflichtet wäre,
der EU bei mutmaßlicher Steuerhinterziehung Rechtshilfe zu
leisten. Die Schweiz lehnt dies ab, da die Steuerhinterziehung in dem
Land nur als Ordnungswidrigkeit geahndet wird.
(Quelle: ap)
Frankreich: Große Mehrheit in Paris für Kopftuch-Verbot an
Schulen
Mi.11.02.04 - Das französische Parlament hat erwartungsgemäß mit
großer Mehrheit für das umstrittene Verbot islamischer
Kopftücher an französischen Schulen gestimmt. Von 530
anwesenden Volksvertretern stimmten am Dienstag in Paris 494 dafür
und 36 dagegen. Auch die oppositionellen Sozialisten sprachen sich
für das Verbot «auffälliger religiöser
Symbole» an öffentlichen Schulen aus.
Diese deutliche Zustimmung «stärkt die Republik»,
sagte der konservative Premierminister Jean-Pierre Raffarin nach der
Abstimmung. In einer konfessionell neutralen Schule «haben
Religionen keinen Platz», sagte der frühere sozialistische
Bildungsminister Jack Lang. Nach dieser ersten Lesung berät der
Senat über den Text, der zum Schulanfang im Herbst in Kraft treten
soll.
Auf Wunsch der Sozialisten wird das Verbot nach einem Jahr
überprüft. Falls erforderlich könnte dann der Begriff
«auffällig» durch «sichtbar» ersetzt
werden. Ferner soll vor einem Ausschluss von Schülerinnen mit
Kopftuch zunächst «im Dialog» zwischen Schule, Eltern
und Schülerin nach einer Lösung gesucht werden.
Das angestrebte Verbot hatte seit Monaten im In- und Ausland für
heftige Diskussionen gesorgt. Auch bei den 5 Millionen Muslimen im Land
ist die Maßnahme sehr umstritten. Gegner aus dem Lager der
Fundamentalisten sehen in dem Verbot eine Diskriminierung während
gemäßigte Muslime eine Anpassung an die Gesetze der Republik
empfehlen. Die Protestbewegung, die noch in Januar über 10 000
Menschen in Paris auf die Straße gebracht hat, konnte am
vergangenen Samstag nur noch knapp 1000 Demonstranten mobilisieren. Im
laufenden Schuljahr wurden bislang fünf Kopftuch-Trägerinnen
aus Schulen ausgeschlossen. Die betroffenen wechseln zu Privatschulen,
bemühen sich um Fernunterricht oder verzichten vielfach auf eine
weiterführende Schulbildung.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Frankreich: Muslime wollen Kopftuch-Verbot unterwandern
Fr.06.02.04 - Die französischen Muslime wollen das Kopftuch zum modischen
Accessoire erklären und so das geplante Verbot religiöser
Symbole in öffentlichen Schulen unterwandern.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020614
Kopftuchverbot in Frankreich
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401060.htm#040106uy
Deutschland:
Hessen will Beamtinnen das Kopftuch verbieten
Mi.11.02.04 - Die CDU in Hessen will allen Beamtinnen und nicht nur Lehrerinnen das
Tragen von Kopftüchern verbieten. Wie der Chef der
CDU-Landtagsfraktion, Franz Josef Jung, mitteilte, wird Hessen als
erstes Bundesland ein entsprechendes Gesetz zur Änderung des
Beamtenrechtes beraten. Die Abgeordneten hätten sich auf einen
Gesetzentwurf verständigt, der nächste Woche in den Landtag
eingebracht werden soll. Eine Lehrerin oder Beamtin, die auf dem Tragen
des Kopftuches beharre, bekenne sich nicht zur Verfassung,
erklärte Jung zur Begründung.
Deutliche Kritik übten die Landtags-Grünen an dem
Unionsvorstoß. "Man kann unterschiedlicher Meinung über Sinn
oder Unsinn eines Verbots des Tragens von Kopftüchern im
Unterricht sein", erklärte Fraktionschef Tarek Al-Wazir. So wie es
die CDU wolle, gehe es aber auf keinen Fall.
Da Hessen bei Inkrafttreten des Gesetz das einzige Bundesland mit solch
einer umfassenden Regelung wäre, werde deutlich, dass es den
Christdemokraten "nicht um Problemlösung, sondern um Spaltung der
Gesellschaft geht", sagt er weiter.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Vatikan-Botschafter in Deutschland gegen Kopftuch-Verbot
Mo.26.01.04 - Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, ist gegen
ein Verbot des muslimischen Kopftuches im öffentlichen Dienst.
Laut Berliner «Tageszeitung» (Montagausgabe) sagte der
Botschafter des Vatikans, wer Kreuz und Ordenstracht dulde, dürfe
das Kopftuch nicht verbieten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401260.htm#04012620
http://www.taz.de/pt/2004/01/26/a0121.nf/text
Mehr zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401260.htm#040126wk
Grüne drohen wegen Zuwanderungsgesetz mit Koalitionsbruch
Mi.11.02.04 - Im Streit um ein Zuwanderungsgesetz haben die Grünen die SPD vor
einem Alleingang gewarnt und sogar mit einem Ende der Koalition
gedroht. Ein unterschiedliches Votum innerhalb der Koalition sei
«absolut undenkbar», zitierte die «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe) die Vorsitzende des
Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Christa Nickels (Grüne).
In einer so wesentlichen Frage wie der Zuwanderungspolitik könne
der große den kleinen Partner nicht einfach überstimmen.
Auch Fraktionschefin Krista Sager sprach in diesem Zusammenhang vom
«Aufkündigen der Koalition». Der migrationspolitische
Grünen-Sprecher Josef Winkler sagte ebenfalls, in einem solchen
Fall sei der Bruch der Koalition unvermeidbar. Alle drei
äußerten jedoch die Einschätzung, dass es dazu nicht
kommen werde.
Eine Einigung mit der Union hält die Partei nach einem Bericht der
«Financial Times Deutschland» jedoch für
unwahrscheinlich. «Ich schätze die Chancen schlecht ein,
dass es noch zu einem Konsens kommt», zitierte das Blatt Winkler.
Er erwarte von der SPD, dass sie klarstelle, «dass das
Zuwanderungsgesetz ein gemeinsames Projekt der Koalition ist.»
Sollte eine Einigung mit der Union nicht möglich sein,
könnten SPD und Grüne Teile des Gesetzes auch ohne Bundesrat
verabschieden.
Den parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, zitierte das Blatt mit den Worten: «Ein Gesetz, wie es die
Union vorschlägt, das die Bedingungen für Zuwanderer
verschlechtert, ist mit uns nicht zu machen.» Beck warf der Union
zudem vor, die Entscheidung über das Gesetz zu verzögern.
Wegen der anstehenden Beschlüsse über das
EU-Flüchtlingsrecht müssten sich Parlament und Bundesrat aber
spätestens Anfang März über das Zuwanderungsgesetz
einigen oder das Projekt fallen lassen.
(Quelle: ap)
Glos nennt Fischer und Trittin 'ehemalige Terroristen'
Mi.11.02.04 - Mit ungewöhnlich heftigen Angriffen auf grüne Bundesminister
hat CSU-Landesgruppenchef Michael Glos Gedankenspiele über
schwarz-grüne Koalitionen zurückgewiesen. Solange es
"Öko-Stalinisten und ehemalige Terroristen wie Umweltminister
Jürgen Trittin und Außenminister Joschka Fischer" gebe,
mache dies keinen Sinn, sagte Glos gestern. Die Koalitionsdebatte sei
"hochgespielt". Glos stellte sich damit gegen CSU-Chef Edmund Stoiber,
der Bündnisse zwischen Union und Grünen auf Landesebene nicht
ausschloss. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der
Union, Volker Kauder, kritisierte Stoibers Überlegungen. Solche
Diskussionen seien "überflüssig wie ein doppelter Kropf",
sagte Kauder gestern. Leute, die wie Bayerns Ministerpräsident
über absolute Mehrheiten verfügten und nicht selbst vor
Wahlen stünden, sollten sich mit solchen Bemerkungen
zurückhalten.
(Quelle: dpa/taz)
Rentenpolitik der Regierung auf ganzer Linie in der Kritik
Mi.11.02.04 - Die rot-grüne Koalition gerät mit ihrer Rentenpolitik auf
ganzer Linie unter Druck. Ihr drohen nun nicht nur Klagewellen gegen
die erhöhten Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten und die
künftige Rentenbesteuerung. Gewerkschaften und Arbeitgeber
äußerten am Dienstag auch massive Kritik an der geplanten
Rentenreform, die das Niveau der Altersbezüge bis 2030 weiter
senken soll. Unter SPD-Abgeordneten begann deshalb eine Debatte
über Korrekturen.
«Wir haben uns vorgenommen, alles noch einmal anzuschauen»,
sagte der Parlamentarier Klaus Barthel vor einer Fraktionssitzung. Er
könne sich noch einige Veränderungen vorstellen. Zu dem
geplanten «Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz» - das
einen Nachhaltigkeitsfaktor einführen, die Frührente stoppen
und die Anerkennung von Ausbildungszeiten kappen soll - ist für
(den morgigen) Mittwoch eine Anhörung angesetzt.
Schon vorher warnte DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer vor einem
«freien Fall» der Renten, zu dem es durch die vorgesehene
Deckelung der Beitragssätze bei 22 Prozent bei gleichzeitiger
Einführung der Rentenbesteuerung kommen könne. Nötig sei
deshalb eine Sicherungsklausel für ein bestimmtes Niveau vor
Steuern. Auch der Sozialverband Deutschland bezeichnete den
Nachhaltigkeitsfaktor als «Einfallstor für weitere
Rentenkürzungen».
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt gehen die Einschnitte hingegen
nicht weit genug. Durch das Gesetz werde trotz des
Nachhaltigkeitsfaktors ein Beitragsanstieg auf 22 Prozent bis 2030
nicht verhindert. «Hier besteht erheblicher und dringender
Nachbesserungsbedarf.»
Darüber hinaus hagelte es Kritik an zwei weiteren Gesetzen: der
bereits in Kraft getretenen Gesundheitsreform mit höheren
Beiträgen auf Betriebsrenten und der noch nicht verabschiedeten
Rentenbesteuerung ab 2005. Gegen beide Regelwerke drohen
Sozialverbände und Betroffene mit Klagen, weil sie eine
rechtswidrige Mehrfachbelastung der Betriebsrenten sehen.
So sind Verbände und Krankenkassen dabei, Musterklagen gegen die
seit 1. Januar erhöhten Krankenkassenbeiträge auf
Betriebsrenten abzusprechen, wie der Verband der Angestellten
Krankenkassen (VdAK) bestätigte. Zwar hätten die Kassen
selbst keine Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der
zusätzlichen Beiträge, die ihnen Einnahmen von 1,6 Milliarden
Euro bringen sollen, sagte VdAK-Sprecher Martin Plass. Sie hätten
aber auch kein Interesse, Hunderttausende von Widersprüchen
einzeln zu bearbeiten.
Die FDP will diese Klausel hingegen schon vorher mit einem Antrag im
Bundestag zu Fall bringen. Fraktionsvize Carl Ludwig Thiele zeigte sich
überzeugt, dass zahlreiche Abgeordnete von SPD, Grünen und
Union für die Rücknahme der höheren Beiträge
stimmen würden.
Korrekturbedarf bei den Beiträgen auf Betriebsrenten meldete auch
der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt
(SPD), an. Der SPD-Abgeordnete Horst Schmidbauer sprach von einem
schwierigen Unterfangen. Viele Kollegen hätten nicht gesehen, was
sie beschlossen hätten. Schmidbauer erneuerte auch seine Forderung
nach einer Rentensicherungsklausel im anstehenden Reformgesetz.
SPD-Sozialexperte Peter Dreßen erwog in der
«Bild»-Zeitung eine Korrektur der vorgesehenen
Rentennullrunde.
(Quelle: ap)
SPD plant offenbar Einführung einer Mindestrente
Mi.11.02.04 - Im Streit um die Rentenreform plant die SPD nun offenbar die
Einführung einer Mindestrente. «Wir prüfen eine
Klausel, die das Rentenniveau sichert», zitierte der Berliner
«Tagesspiegel» (Mittwochausgabe) die SPD-Fraktionsvize
Gudrun Schaich-Walch. Vorschläge, wie sich eine Mindestniveau
garantieren lasse, wollten die Rentenversicherungsträger am
Mittwoch in der Anhörung zum Rentengesetz vor dem Sozialausschuss
des Bundestages unterbreiten. Wie die Klausel konkret aussehen
könnte, sei jedoch noch offen.
Auch der Mannheimer Ökonom Axel Börsch-Supan sagte dem Blatt,
eine Sicherungsklausel könne durchaus vernünftig sein. Ein
Rentenbeitrag von 22 Prozent und ein Bruttorentenniveau von 40 Prozent
- wie es die SPD jetzt erwäge - seien jedoch nur
«kompatibel, wenn die Deutschen kräftig mehr arbeiten als
zurzeit». Eine längere Lebensarbeitszeit lehnt die
SPD-Politikerin Schaich-Walch jedoch ab: Über die Rente mit 67
werde man im laufenden Gesetzgebungsverfahren «mit Sicherheit
nicht diskutieren», sagte sie.
(Quelle: ap)
Grüne wollen 'Panne' beim Arbeitslosengeld II nachbessern
Mi.11.02.04 - Das bereits verabschiedete Gesetz zum künftigen Arbeitslosengeld
II soll einem Bericht der «tageszeitung» (Mittwochausgabe)
zufolge nachgebessert werden. Wie die «taz» am Dienstag
vorab berichtete, sind darin die Hinzuverdienstgrenzen für die
betroffenen Langzeitarbeitslosen drastisch gesenkt worden. Die
Grünen bezeichneten dies der Zeitung zufolge als «eine
Panne», die nachgebessert werden solle. Das Thema
beschäftige nach ihren Angaben derzeit den Koalitionsausschuss.
Bisher dürfen Empfänger von Arbeitslosengeld oder -hilfe dem
Bericht zufolge 165 Euro im Monat dazuverdienen, ohne dass ihnen das
Geld auf die Stütze angerechnet wird. Bei erwerbsfähigen
Sozialhilfeempfängern liegt die Grenze bei etwa 75 Euro. Beide
Gruppen bekommen ab 2005 das so genannte Arbeitslosengeld II (Alg II).
Laut Neuregelung dürften die Alg-II-Empfänger künftig
bei einem Bruttolohn bis zu 400 Euro nur 15 Prozent des Geldes
behalten, schrieb die «taz». Der Rest werde auf das
Arbeitslosengeld angerechnet. Wer also beispielsweise 200 Euro brutto
verdiene, dürfte künftig davon nur 30 Euro behalten.
Das sei «nicht gerade ein Anreiz», sich um einen Job zu
bemühen, räumte der sozialpolitische Sprecher der
Grünen, Markus Kurth, laut «taz» ein. Die
arbeitsmarktpolitische Sprecherin Thea Dückert sagte, man wolle
darauf dringen, wieder einen «absoluten Freibetrag»
einzuführen.
(Quelle: ap)
Pläne für Ausbildungsplatzabgabe nehmen Gestalt an -
Arbeitgeber bekräftigen Ablehnung
Mi.11.02.04 - Die Pläne für eine Ausbildungsplatzumlage nehmen Gestalt an.
Den Gesetzentwurf wolle Rot-Grün schon in den nächsten 14
Tagen vorstellen, berichtete die «Berliner Zeitung»
(Mittwochausgabe) unter Berufung auf die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolette Kressl. Geplant ist demnach die
Schaffung eines zentralen Ausbildungsfonds, über den
zusätzliche Lehrstellen mit jeweils 5.000 bis 8.000 Euro
bezuschusst werden könnten.
Das Geld dafür soll nach den Worten Kressls bei Unternehmen und
Behörden eingezogen werden, die nicht genügend ausbilden.
Kleinbetriebe sollten jedoch ausgenommen bleiben. Insgesamt könnte
sich die Belastungen jährlich auf mehrere hundert Millionen Euro
belaufen.
Wie das Blatt weiter berichtete, soll nach den derzeitigen Plänen
jedes Jahr vor dem Hintergrund der Lehrstellensituation neu über
die Erhebung der Umlage entschieden werden. Stichtag solle der 30.
September sein, hieß es.
Unterdessen forderte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, die
Diskussion über die Ausbildungsplatzabgabe zu beenden, um die
Betriebe in Deutschland nicht weiter zu verunsichern. Eine Abgabe
hätte lediglich höhere Kosten und mehr Bürokratie zur
Folge, sagte er der Chemnitzer «Freien Presse». Die
Probleme auf dem Ausbildungsmarkt ließen sich dadurch jedoch
nicht lösen. Der eigentliche Grund für die Probleme bei der
Lehrlingsausbildung seien die schlechte konjunkturelle Lage, der neue
Rekord bei Firmenpleiten sowie die mangelhafte schulische Ausbildung
vieler Jugendlicher.
(Quellen: ap, rtr)
Immer mehr Lebensmittelhersteller verzichten auf Gentechnik
Mi.11.02.04 - Immer mehr Lebensmittelhersteller und große Handelsunternehmen
wollen keine Gentechnik in ihre Produkten verwenden. Für die
zweite Auflage des Greenpeace-Einkaufsratgebers „Essen ohne Gentechnik"
haben weitere 28 Firmen ihre Haltung zur Gentechnik verändert. So
wollen nun unter anderen Bahlsen, Kölln, Nappo, Meica und
Tengelmann keine Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen
einsetzen. Für die erste Auflage des Ratgebers, der vor vier
Wochen erschien, hatten dies bereits zwei Drittel der etwa 450
befragten Firmen in Deutschland versichert. Mit dem Ratgeber der
Verbraucherorganisation von Greenpeace, erkennen Konsumenten, auf
welche Hersteller sie achten sollten.
Die Orientierungshilfe für den gentechnikfreien Einkauf wird stark
nachgefragt. Die erste Auflage mit 200.000 Exemplaren war nach zehn
Tagen vergriffen. Die zweite Auflage umfasst 360.000 Stück,
täglich gehen die Bestellungen dafür ein.
"Der Erfolg des Ratgebers belegt, wie stark die Verbraucher Genfood
ablehnen", sagt Corinna Hölzel vom Greenpeace EinkaufsNetz.
"Niemand kann am Interesse der Kunden vorbeiproduzieren. Das werden
auch die Firmen erkennen müssen, die bislang nicht auf Gentechnik
verzichten wollen. Wir werden nicht locker lassen. In der dritten
Auflage wird die Zahl der gentechnikfreien Firmen weiter gewachsen
sein." Zu den hartnäckigen Verweigerern von Zusagen zählen
Hersteller wie der Wurstfabrikant Herta und Müller-Milch. Der
Verbraucher weiß bei diesen Produkten (Eier, Fleisch, Milch)
nicht, ob die Tiere mit Gentechnik gefüttert wurden.
Die Entscheidung der Lebensmittelbranche gegen Gentechnik ist für
die Verbraucher angesichts der politischen Weichenstellungen derzeit
besonders wichtig. Zwar lehnen über 70 Prozent der Verbraucher
Gentechnik im Essen ab. Doch der Entwurf für ein
Gentechnik-Gesetz, das das Kabinett am heutigen Mittwoch
beschließen will, reicht nicht aus, um die Interessen der
Verbraucher und der Landwirte sowie die Umwelt zu schützen.
Im Greenpeace-EinkaufsNetz engagieren sich bereits 30.000 Verbraucher
gegen Gift und Gentechnik im Essen. Das EinkaufsNetz bietet nicht nur
Informationen über Produkte und ihre Herstellung, sondern auch
vielfältige Mitmachaktionen, damit Verbraucher ihre Macht für
bessere Produkte einsetzen können. So fragen seit Herausgabe des
Einkaufsratgebers immer mehr Bürger bei Firmen nach, die nicht
gelistet sind. Sie wollen wissen, was sie essen und erkundigen sich
nach der Verwendung von Gentechnik.
Den Einkaufsratgeber kann man kostenlos bestellen unter Tel. 040-30618-0
(Quelle: ots)
Mehr unter:
http://www.greenpeace.de/einkaufsnetz
Überfischung: Nord- und Ostsee laut Studie massiv gefährdet
Mi.11.02.04 - Nord- und Ostsee sind durch Überfischung, Schadstoffe und
Schifffahrt massiv gefährdet. «Die Natur unserer Hausmeere
befindet sich weiterhin auf dem Rückzug», heißt es in
einem Sondergutachten zum Meeresumweltschutz, das am Dienstag in Berlin
an Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) übergeben
wurde.
Das Gutachten fordert «einschneidende politische Initiativen und
grundlegende Korrekturen» etwa in der Fischerei- und Agrarpolitik
sowie im Umgang mit Chemikalien.
«Obwohl in den letzten 20 Jahren sehr viel geschehen ist, kann
von Entwarnung keine Rede sein», sagte Trittin. Dringend
notwendig sei eine integrierte Strategie zum Meeresumweltschutz, die
alle Politikbereiche umfasse. So könne die Überdüngung
nur durch eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik gestoppt werden.
Die europäische Fischereipolitik müsse nach ökologischen
Kriterien weiter entwickelt werden.
Laut Gutachten hat die massive Überfischung viele Bestände
dramatisch verringert. Der Kabeljau sei in der Nordsee bereits seit
Jahren so dezimiert, dass das Überleben nicht mehr sicher sei. Der
europäische Aal und andere Arten drohten auszusterben.
Trotz erheblicher Rückgänge der Schadstoffeinträge liege
die Konzentration zahlreicher Schadstoffe im Meerwasser und in den
Sedimenten deutlich über den Unbedenklichkeitsschwellen, betonten
die Sachverständigen. Als Folge des
Nährstoffüberangebots bedrohten übermäßiges
Algenwachstum, Sauerstoffmangel, hohe
Schwefelwasserstoff-Konzentrationen und großflächiges
Absterben bodennaher Organismen die ökologische Vielfalt der
Meeresumwelt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte strengere
Zulassungsverfahren für Chemikalien und ein Verbot des Einsatzes
gefährlicher Substanzen. Die Reform der europäischen
Chemikalienpolitik dürfe nicht weiter verzögert werden.
Besonders gefährlich seien langlebige Schadstoffe.
(Quelle: dpa)
Vernachlässigte Nachrichten
Im Jahr 2003 gab es eine Fülle wichtiger Themen, über die in
den Medien unzureichend berichtet wurde. Die Initiative
Nachrichtenaufklärung und das Netzwerk Recherche haben am 7.
Februar 2004 die Top Ten der vernachlässigten Themen 2003
vorgelegt.
Die Untersuchung und Analyse der Themen wurde von Journalisten,
Wissenschaftlern und Studierenden der Journalistik vorgenommen.
1. Korruption: Deutsche Unternehmen schmieren im Ausland
2. Europa entscheidet - Machtverschiebung nach Brüssel
3. Mangelnde Hochwassersicherheit von Chemieanlagen
4. Greenwash: Unternehmen und ihr ökologischer Deckmantel
5. Auslandsgeschäfte mit Giften und Pestiziden: die
Doppelstandards der Industrie
6. Abgestufte UN-Resolutionen
7. Sozialhilfeempfänger: Unbekannte Chancen für
Selbstständigkeit
8. Das verschwundene Stasi-Vermögen
9. Leistungen für Asylbewerber weit unter Sozialhilfeniveau
10. Fehlende Rechte von US-Besatzungskindern
Die Initiative Nachrichtenaufklärung wurde 1997 von Peter Ludes,
heute Professor für Mass Communication an der Internationalen
Universität Bremen, gegründet. Sie wird zum großen Teil
von studentischen Recherche-Seminaren der Universität Dortmund
(Journalistik) getragen. Seit dem Wintersemester 2002/2003 liegt die
Koordination des Projekts bei Professor Horst Pöttker am Institut
für Journalistik in Dortmund. Die Initiative kooperiert mit dem
Netzwerk Recherche, einem Zusammenschluss von Journalisten, die sich
für investigative Recherche einsetzen. [mehr: Paranews]
Mehr bei Paranews unter:
http://www.paranews.org//article.php?sid=393
Initiative Nachrichtenaufklärung:
http://www.nachrichtenaufklaerung.de
Netzwerk Recherche
http://www.netzwerkrecherche.de
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