Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Irak-Einsatz kostete USA in drei Monaten 14 Milliarden Dollar +++
Powell verteidigt Irak-Krieg vor
Kongressausschuss +++ Erneut zwei US-Soldaten bei Bombenanschlag in
Bagdad getötet - Sunnitische Geistliche im Irak betonen
'Legalität des Widerstands' +++ Die Zahl der am Mittwoch bei einem
Selbstmordanschlag in Bagdad getöteten Zivilisten hat sich auf 47
erhöht +++ Konservativer US-Talkmaster distanziert sich vom
Irakkrieg +++ WTO gewährt Irak Beobachterstatus
Do.12.02.04 - Der Militäreinsatz in Irak hat die USA von September bis November
14 Milliarden Dollar gekostet. Das teilte das
US-Verteidigungsministerium am Mittwoch in Washington mit. Allein im
vergangenen Oktober beliefen sich die Kosten demnach auf sieben
Milliarden Dollar - genau so viel wie im September und November
zusammen. Experten würden noch nach der Ursache für die
Kostenexplosion im Oktober suchen, erklärte Pentagon-Finanzchef Dov
Zakheim.
Bislang hat der Kongress 166 Milliarden Dollar für
Militäroperationen über einen Sonderhaushalt genehmigt.
Zakheim widersprach Aussagen ranghoher Militärangehöriger,
wonach bereits im September dieses Geld verbraucht sei. Man werde
zunächst beobachten, wie sich die Lage in Irak weiter entwickele,
bevor man den Finanzbedarf für das laufende Jahr bestimme,
erklärte Zakheim.
Angesichts heftiger Kritik an der Glaubwürdigkeit der US-Regierung
hat US-Außenminister Colin Powell den Krieg gegen Irak erneut
verteidigt. Er sei sehr verwundert darüber, dass in Irak bislang
keine Waffen gefunden wurden, sagte Powell vor einem Kongressausschuss
in Washington am Mittwoch (Ortszeit). Der Angriff auf Irak sei aber
allein dadurch gerechtfertigt, dass Saddam Hussein beabsichtigt habe,
Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, Giftgas gegen seine eigene
Bevölkerung einsetzte und die Resolutionen der Vereinten Nationen
missachtet habe.
"Ich finde nicht, dass wir uns für irgendetwas entschuldigen
müssen, und unter gar keinen Umständen glaube ich, dass
irgendjemand in Amerika denken sollte, der Präsident (George W.
Bush) habe die Bücher frisiert", sagte Powell. Bei seiner Rede vor
dem UN-Sicherheitsrat vor einem Jahr habe er "geglaubt", dass Irak
Massenvernichtungswaffen habe und dass diese auch gefunden würden.
"Ich bin vor die UNO gegangen und habe nichts als die Wahrheit gesagt,
die wir seinerzeit kannten."
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
Bush- und Blair-Zitate zur Begründung des
Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad sind nach US-Militärangaben
erneut zwei US-Soldaten getötet worden.
Wie die US-Armee am (heutigen) Donnerstag mitteilte, ereignete sich der
Anschlag, bei dem auch ein Soldat verletzt wurde, bereits am Vorabend im
westlichen Teil der irakischen Hauptstadt. Die Soldaten hätten sich
auf einer Patrouillefahrt befunden, als ein Sprengsatz gezündet
worden sei. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der US-Offensive im
vergangenen März im Irak getöteten US-Soldaten auf 372.
Der irakische Rat der sunnitischen Religionsgelehrten will die Angriffe
gegen die US-Besatzungsmacht nicht verurteilen. Er lehnt aber
gleichzeitig die Selbstmordanschläge auf Iraker ab. Der Rat machte
ausländische Kämpfer für die Anschläge
verantwortlich.
Die Zahl der am Mittwoch bei einem Bombenanschlag in Bagdad
getöteten Zivilisten hat sich auf 47 erhöht. Ein
Selbstmordattentäter hatte sich vor einem Rekrutierungsbüro
der Neuen Irakischen Armee in einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug
in die Luft, gesprengt.
Der Anschlag glich dem Attentat vom Dienstag, bei dem vor einer
Polizeiwache in Iskandarija ein Auto inmitten hunderter Zivilisten
explodierte, die sich zum Polizeidienst melden wollten. 55 Menschen
wurden dabei getötet und dutzende verletzt. Anschläge
ähnlicher Machart im vergangenen Jahr waren der Organisation Ansar
el Islam des gesuchten Jordaniers Abu Mussab el Sarkawi zugeschrieben
worden. In einem vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Schreiben Sarkawis
war eine Fortsetzung der Anschlagstaktik angekündigt worden.
US-Generalstabschef Richard Myers machte die Terrororganisation El
Kaida für einen "bedeutenden" Anteil an der derzeitigen Gewalt in
Irak verantwortlich. Dies gehe aus dem Dokument Sarkawis hervor, sagte
Myers.
Nach Angaben der US-Regierung ruft der zur Fahndung ausgeschriebene
Sarkawi in dem 17-seitigen Papier radikalislamische Kämpfer in Irak
dazu auf, Angehörige der schiitischen und sunnitischen Konfessionen
gegeneinander aufzustacheln und so einen Bürgerkrieg anzuzetteln.
Der erzkonservative US-Talkmaster Bill O'Reilly hat sich
öffentlich dafür entschuldigt, dass er die Militäraktion
in Irak unterstützt hatte. "Meine Analyse war falsch, und ich
bedauere das. Absolut", sagte O'Reilly am Dienstag in einem Interview
des Fernsehsenders ABC. O'Reilly, der eine abendliche TV-Politsendung
moderiert, war bislang einer der leidenschaftlichsten Unterstützer
von Präsident George W. Bush in den US-Medien. Sein Haussender Fox
hatte durchweg wohlwollend über die Militäraktion in Irak
berichtet und harte Attacken gegen Deutschland und Frankreich wegen
ihrer Opposition geritten.
Desinformation und Wahrnehmungsprobleme -
Wissenschaftliche Studien bestätigen: Die US-Medien haben sich im
Irak-Krieg nahezu kritiklos auf die Seite der Regierung geschlagen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312300.htm#031230_a
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307060.htm#030706_b
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0306150.htm#030615_a
Noam Chomskys Theorie der kapitalistisch
gleichgeschalteten Massenmedien:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0306280.htm#030628_
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/buch/14958/1.html
Irak hat am Mittwoch den Beobachterstatus bei der
Welthandelsorganisation (WTO) zuerkannt bekommen. Damit nahm der Staat
die erster Hürde zur Mitgliedschaft. Die Bewerbung aus Bagdad wurde
vom WTO-Rat in Genf im Konsens angenommen. Mit dem Beobachterstatus hat
Irak jetzt das Recht, an WTO-Konferenzen teilzunehmen und Gespräche
mit Mitgliedstaaten zu führen. Bei Entscheidungen des WTO-Rates hat
das Land allerdings noch kein Mitspracherecht, dafür sind die
WTO-Regeln für den internationalen Handel für Bagdad auch noch
nicht bindend. Ahmad el Muchtar, Generaldirektor für
Außenhandel im irakischen Wirtschaftsministerium, dankte den 146
WTO-Mitgliedern. "Nach Jahrzehnten der Isolation beginnt Irak, wieder an
der Völkergemeinschaft teilzunehmen", sagte er. Die Aufnahme als
Beobachter zeige dem irakischen Volk, dass es von der internationalen
Gemeinschaft wieder willkommen geheißen werde.
(Quellen: ap, rtr, afp, dpa)
Bush will gegen 'gefährliche Regime' vorgehen
US-Präsident bezeichnet Iran und Nordkorea als potentielle
Bedrohung
Do.12.02.04 - US-Präsident George W. Bush hat ein weiterhin hartes Vorgehen der
Vereinigten Staaten gegen die mögliche Ausbreitung von
Massenvernichtungswaffen angekündigt. Sein Land werde nicht
zulassen, dass "Terroristen und gefährliche Regime uns mit den
tödlichsten Waffen der Welt bedrohen", sagte Bush in einer
Grundsatzrede in Washington.
Bush rechtfertigte den Krieg in Irak erneut damit, dass der
frühere Machthaber Saddam Hussein sich geweigert habe,
abzurüsten und "über seine illegalen Waffen und Programme
Rechenschaft abzulegen". Als weitere potenzielle Bedrohungen
bezeichnete der US-Präsident Iran und Nordkorea, betonte aber,
dass die jeweils unterschiedlichen Situationen auch unterschiedliche
Strategien bräuchten.
Im Fall Iran arbeiteten die USA mit der Internationalen
Atomenergieorganisation (IAEA) zusammen, damit das Land seine
internationalen Verpflichtungen erfülle und auf die Entwicklung
von Atomwaffen verzichte. Im Fall Nordkorea kooperierten die USA mit
ihren Partnern in Asien, um zu erreichen, dass das Land
überprüfbar seine Nuklearprogramme abschaffe.
Der US-Präsident forderte ein besser koordiniertes Vorgehen der
internationalen Gemeinschaft gegen die Ausbreitung von
Massenvernichungswaffen. Er plädierte deshalb für eine
Stärkung der IAEA. Auch erneuerte er sein Plädoyer für
eine UN-Resolution, die alle Staaten dazu verpflichten solle, die
Verbreitung solcher Waffen unter Strafe zu stellen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Mindestens 15 Palästinenser im Gazastreifen getötet - Hamas
ruft zu 'gewaltigen' Selbstmordanschlägen gegen Israel auf +++
Israelischer Generalstabschef weist Völkermord-Vorwurf zurück
Do.12.02.04 - Bei der blutigsten israelischen Militäraktion im Gazastreifen seit
Monaten sind am Mittwoch mindestens 15 Palästinenser getötet
worden. Mehr als 50 weitere wurden zum Teil lebensgefährlich
verwundet. Unter den Toten waren nach Angaben palästinensischer
Ärzte zehn Mitglieder militanter Gruppen, darunter das
Hamas-Führungsmitglied Hani Abu Sachalin und der 18-jährige
Sohn des Fatah-Führers im Gazastreifen, Ahmed Hilles.
Nach israelischen Angaben erfolgte der massive Einsatz, nachdem
palästinensische Kämpfer von Gaza aus Panzerabwehrraketen
abgeschossen hätten. Auch sei nach Militanten gesucht worden, die
Raketen auf jüdische Siedlungen gefeuert hätten. Mit einer
stundenlangen Schiesserei im Gaza-Vorort Schadschaijeh hätten
bewaffnete Zellen starken Widerstand geleistet, erklärte Oberst
Joel Strick.
Für die Palästinenser war es der verlustreichste Tag seit Mai
vergangenen Jahres, als an einem einzigen Tag 13 Menschen im
Gazastreifen und drei im Westjordanland getötet wurden. Allein
zwölf Männer kamen am Mittwoch in Schadschaijeh ums Leben.
Später sprengten die Soldaten das Haus eines der getöteten
Hamas-Mitglieder. Drei weitere Palästinenser kamen bei einem
israelischen Angriff in Rafah ums Leben. Die Soldaten suchten in dem
dortigen Flüchtlingslager an der ägyptischen Grenze nach
Tunneln, durch die Waffen eingeschmuggelt werden sollen.
Der getötete Hamas-Führer Abu Sachalin war nach
palästinensischen Angaben einem früheren israelischen
Liquidierungsversuch entgangen. Als sein Tod bekannt gegeben worden
sei, hätten Hamas-Kämpfer «Gott ist gross!»
gerufen. Bei den Trauerfeiern für die Getöteten schworen
Hamas-Anhänger blutige Rache. Später wurde eine
Mörsergranate auf eine jüdische Siedlung in Gaza
abgeschossen, wobei ein Haus schwer beschädigt und ein Mensch
leicht verletzt wurden.
Nach der Militäraktion der israelischen Armee im Gazastreifen hat
die radikale Palästinenserorganisation Hamas ihre Anhänger zu
Anschlägen gegen Israel aufgefordert. "Alle Kampfeinheiten in
Jerusalem, Hebron, Nablus, Bethlehem, Dschenin, Tulkarem und Gaza und
in allen anderen Städten und Dörfern" seien dazu aufgerufen,
mit "gewaltigen" Selbstmordanschlägen auf den Einmarsch in Gaza zu
reagieren, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung der
Essedin-el-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia forderte
bei einem Besuch in Rom ein sofortiges Ende der israelischen
Militäraktionen. Andernfalls könne der Friedensprozess
niemals Früchte tragen. Israelische Analysten sahen einen
Zusammenhang zwischen der jüngsten Offensive und den Plänen
von Ministerpräsident Ariel Scharon, im Falle eines Scheiterns der
Friedensverhandlungen den Gazastreifen einseitig zu räumen. Dies
könne von den Palästinensern als Schwäche ausgelegt
werden, so dass die Armee jetzt Stärke demonstrieren müsse,
hiess es.
Kureia dementierte unterdessen Berichte, wonach eine Firma im Besitz
seiner Familie an Israel Baumaterial für die umstrittene
Sperranlage an der Grenze zum Westjordanland geliefert haben soll.
Diese Vorwürfe seien völlig gegenstandslos, sagte Kureia in
Rom. Der israelische Fernsehsender Kanal 10 hatte gezeigt, wie grosse
Zementmischer das Gelände der Firma Al Kuds im Westjordanland
verliessen und zur jüdischen Siedlung Maale Adumim fuhren. Nach
Angaben eines palästinensischen Abgeordneten hat Kureia seine
Anteile an der Firma erst vor kurzem auf ein anderes Familienmitglied
übertragen.
Der Generalstaabschef der israelischen Armee, Moshe Yaalon, hat den
Vorwurf zurückgewiesen, seine Soldaten begingen Völkermord an
den Palästinensern. «Israel und die israelische Armee werden
mit einer beschämenden Leichtigkeit des Völkermordes
beschuldigt», sagte der Generalleutnant am Mittwoch in der
KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg laut einer
schriftlichen Übersetzung seiner auf Hebräisch gehaltenen
Rede.
Dies seien gemeine Behauptungen, erklärte Yaalon. Israel zahle
für den Schutz Unschuldiger im «Kampf gegen Terroristen, die
sich hinter Zivilisten verstecken» mit dem täglichen Sterben
seiner Soldaten einen hohen Preis. Yaalon sagte: «Diese
Beschuldigungen haben keinerlei Basis, ausser der einen: Deren
bedrohliche Knospen oder gar Früchte sind der Antisemitismus der
heutigen Zeit.» Er erinnerte an gewalttätige Angriffe auf
Juden und die Zerstörung von Synagogen und jüdischen
Grabstätten. Viele Juden hätten wieder Angst, wenn sie
jüdische und israelische Symbole oder Kleidung tragen.
Yaalon hatte zum Abschluss seines dreitägigen Besuches in
Deutschland die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen
NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen besucht, in dem bis 1945 etwa
30.000 Gefangene ermordet wurden oder an den elenden Haftbedingungen
starben. Er besuchte eine Ausstellung über jüdische
Häftlinge und legte einen Kranz am Ort des früheren
Krematoriums nieder. Yaalon war auf Einladung des Generalinspekteurs
der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhahn, in Deutschland und
hatte sich unter anderem auch mit Aussenminister Joschka Fischer
getroffen.
(Quellen: ap, afp)
Israelis und Palästinenser können sich um Europas Filmpreis
bewerbe
Do.12.02.04 - Mit Freude und Zustimmung haben Filmemacher aus dem Nahen Osten auf die
Entscheidung der Europäischen Filmakademie reagiert, Israelis und
Palästinensern die Bewerbung um den «Oskar Europas» zu
ermöglichen. «Das ist ein dramatischer Moment - und ein
gutes Zeichen für die Zukunft», sagte Renen Schorr, Direktor
der führenden Filmschule Israels, während der Berlinale.
Israelis und Palästinenser können ab sofort Mitglied der
Europäischen Filmakademie werden und sich im Dezember erstmals um
den Europäischen Filmpreis bewerben.
«Das ist sehr großzügig - und ein Versuch, durch das
Kino Frieden zu stiften», erklärte Schorr, der die
Sam-Spiegel-Filmakademie in Jerusalem leitet. Auch
palästinensische Filmemacher begrüßten am Mittwoch die
Entscheidung der Filmakademie, die bereits nach der Verleihung des
Europäischen Filmpreises im vergangenen Dezember gefallen war und
während der 54. Internationalen Filmfestspiele in Berlin bekannt
gemacht wurde. In einer Pressemitteilung erklärte der Leiter der
Europäischen Filmakademie, der Franzose Humbert Balsan: «Wir
haben uns entschieden, unsere Akademie für Israel und
Palästina zu öffnen, als ersten Schritt in Richtung
derjenigen Mittelmeerländer, die natürliche und historische
Filmbeziehungen zu Europa haben.»
Die Europäische Filmakademie hat etwa 1.600 Mitglieder. Ihr
Filmpreis wird jedes Jahr verliehen, in diesem Jahr am 11. Dezember in
Barcelona.
(Quelle: ap)
Hoher Geheimdienstmitarbeiter in Afghanistan ermordet - Tote bei
Kämpfen im Bundeswehr-Einsatzgebiet bei Kundus
Do.12.02.04 - Ein Selbstmordattentäter hat am Mittwoch im Osten Afghanistans
einen hohen Geheimdienstmitarbeiter erschossen und sich
anschließend in die Luft gesprengt, bevor er von
Sicherheitskräften überwältigt werden konnte. Die
Taliban bekannten sich zu der Tat. Wie ein Regierungssprecher der
Provinz Chost mitteilte, handelte es sich bei dem Ermordeten um Major
Mohammed Issa Chan, den stellvertretenden Geheimdienstchef in der
Provinz. Der Attentäter stoppte Chans Wagen, als dieser am Morgen
vor sein Büro in Chost 150 Kilometer südlich von Kabul
vorfuhr. «Als Chan das Fenster öffnete, um mit dem Mann zu
sprechen, zog dieser eine Pistole aus seinem Gewand und feuerte»,
sagte Regierungssprecher Hajatullah Taniwal. Talibansprecher Siful
Ardil identifizierte den Selbstmordattentäter später als den
24 Jahre alten Hafis Halal, einen Talibankämpfer aus Chost. Als
Motiv für den Mord gab Ardil in einem Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP an, Chan habe Propaganda über die Taliban in
Umlauf gebracht und den US-Streitkräften Informationen über
die Taliban geliefert.
Bei neuen Stammeskämpfen sind im Einsatzgebiet der Bundeswehr in
Afghanistan zwei Milizionäre getötet worden. Ein weiterer
wurde verletzt. Das berichtet ein afghanischer Radiosender. Der
Zusammenstoß ereignete sich in Chanabad, 25 Kilometer entfernt
von Kundus. Dort unterhält die Bundeswehr ein Lager, vom dem aus
der Wiederaufbau des Landes koordiniert wird. Bereits am Wochenende war
es im Norden Afghanistan zu blutigen Kämpfen gekommen.
Auslöser waren vermutlich Streitigkeiten zwischen verfeindeten
Drogenbanden.
(Quellen: ap, dpa)
Appell gegen Missbrauch von Kindersoldaten
Do.12.02.04 - Hilfsorganisationen haben zum Kampf gegen den Missbrauch von Kindern
als Soldaten aufgerufen. Weltweit seien schätzungsweise 300.000
jugendliche Kämpfer im Einsatz, berichtete Terre des Hommes am
Mittwoch anlässlich des internationalen Aktionstags «Red
Hands Day» am (heutigen) Donnerstag. Der Tag erinnert daran, dass
am 12. Februar 2002 ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention
in Kraft trat, das den Militäreinsatz von unter-18-Jährigen
verbietet.
Deutschland hat dieses Protokoll unterschrieben, aber nicht
ratifiziert. Terre des Hommes forderte die Staatengemeinschaft auf, das
Protokoll nicht nur zu ratifizieren, sondern auch durchzusetzen. Der
UN-Sicherheitsrat habe zwar bisher mehrere Resolutionen dazu
verabschiedet, aber bisher keine konkreten Maßnahmen beschlossen,
hieß es kritisch.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Kindersoldaten" unter:
http://www.kindersoldaten.de/
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16561/1.html
http://www.child-soldiers.org
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0159.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0158.nf/text
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311090.htm#03110909
http://home/t-online.de/home/boa-archiv1/k0308140.htm#03081406
Revolutionsfeiern in Iran überschattet von innenpolitischer Krise
Chatami plädiert für islamische Demokratie und fordert freie
Wahlen
Do.12.02.04 - Überschattet von einer schwelenden innenpolitischen Krise haben am
Mittwoch Millionen von Iranern das 25-jährige Jubiläum der
islamischen Revolution gefeiert. Gut eine Woche vor der umstrittenen
Parlamentswahl plädierte Präsident Mohammed Chatami für
eine islamische Demokratie.
Das sei der beste Weg für das Land, sagte der 60-Jährige auf
der zentralen Kundgebung in Teheran vor Hunderttausenden Iranern. Eine
Trennung von Religion und Politik lehnte er ab.
Nach dem Sturz des westlich orientierten Schahs Reza Pahlevi 1979
etablierte Ajatollah Khomeini in Iran einen «Gottesstaat».
Am 11. Februar des Jahres hatten sich die iranischen Streitkräfte
kurz nach der Rückkehr des Revolutionsführers aus dem
französischen Exil für neutral erklärt. Der letzte vom
Schah ernannte Regierungschef Schapur Bachtiar tauchte unter. Der
Rundfunk verkündete den Sieg der islamischen Revolution.
Diejenigen, die einer Trennung von Staat und Religion im westlichen
Stil anhingen, gefährdeten die Unabhängigkeit sowie die
historische Identität der iranischen Nation, sagte Chatami.
«Und jene, die die Demokratie unter dem Deckmantel des Islam
untergraben, bedrohten das Land gleichermaßen», fügte
er hinzu.
«Ich habe stets - und werde das auch in Zukunft tun - für
die dritte Option gestanden: Demokratie auf der Grundlage der
Religion», sagte Chatami, den in der Vergangenheit viele als
Hoffnungsträger für eine Liberalisierung des Landes angesehen
hatten. Seine Mahnung richtete sich gleichermaßen an Kritiker aus
dem Reformlager wie an den konservativen Klerus. Beide bezweifeln
jedoch, dass sich Chatamis Vision einer islamischen Demokratie
verwirklichen lässt.
Scharf kritisierte Chatami die Einschränkungen bei der
bevorstehenden Parlamentswahl. Ohne freie Wahlen seien der Staat und
das System nachhaltig gefährdet, warnte Chatami. Er ließ
allerdings offen, ob er die Aufrufe der Reformer zum Wahlboykott
unterstützen wird.
«Wahlen sind ein Symbol der Demokratie, wenn sie korrekt
ausgeführt werden», sagte Chatami, der selbst als Reformer
gilt, sich aber im Tauziehen um die Wahl am 20. Februar nicht gegen den
Wächterrat durchsetzen konnte. Dass Chatami in seiner Rede
überhaupt diese Kontroverse aufgriff, markierte allerdings einen
Bruch mit der Tradition. Bislang wurden an diesem Jahrestag stets nur
die Errungenschaften der islamischen Revolution gepriesen und deren
erklärte Feinde wie die Vereinigten Staaten attackiert.
Wie jedes Jahr beteiligten sich in Teheran und anderen Städten des
Landes wieder Millionen Menschen an den traditionellen Aufmärschen
mit Fahnen und Bannern. Auch zahlreiche Reformer waren hier zugegen.
Doch auch die staatlichen Medien ignorierten den Streit um die Wahl
nicht ganz, sondern appellierten an die Bevölkerung, in Massen
daran teilzunehmen. In mehreren Stadtteilen Teherans nutzten Studenten
und politische Aktivisten derweil den Revolutionstag, um für einen
Wahlboykott zu werben.
Die Reformbewegung hatte zum Boykott aufgerufen, nachdem der
konservative Wächterrat zahlreiche Kandidaten von der Wahl
ausgeschlossen hatte. Ursprünglich waren davon mehr als 3.000
Bewerber betroffen, darunter auch 80 derzeitige Abgeordnete. Nach
Einschreiten des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei wurden
zwar gut 1.100 wieder zugelassen, die Reformer ließen sich damit
aber nicht zufrieden stellen.
Chatami gab dem Druck des Wächterrats schließlich nach und
akzeptierte den Wahltermin am 20. Februar. Er hat die Abstimmung jedoch
schon mehrfach als unfair kritisiert. Die größte
Reformpartei, die Islamische Iranische Beteiligungsfront, schloss sich
den Boykottaufrufen an. Die Partei wird geleitet von Chatamis
jüngerem Bruder Mohammed Resa, der bislang stellvertretender
Parlamentspräsident war und nun von einer Wiederwahl
ausgeschlossen wurde.
(Quellen: dpa, ap)
Atomwaffentechnologie für Nordkorea möglicherweise aus Europa
Do.12.02.04 - Unternehmen aus Europa und Asien versorgen US-Regierungskreisen zufolge
Nordkorea mit sensibler Technologie für dessen Atomwaffenprogramm
- offenbar ohne Wissen der eigenen Regierungen. Die Technologie werde
für eine Uran-Zentrifugen-System verwendet, sagte das ranghohe
US-Regierungsmitglied der Nachrichtenagentur AP. Mit den Bauteilen
könne man unter anderem Urangas separieren.
Nordkorea habe bereits mindestens eine Atomwaffe produziert und
könne weitere herstellen, wenn das Programm nicht gestoppt werde.
Das Land habe nicht nur in Pakistan Nuklearwaffen-Technologie erworben.
Um welche Länder es sich jedoch handelt, sagte der Informant nicht.
US-Präsident George W. Bush führt am 25. Februar
Verhandlungen mit Nordkorea in der chinesischen Hauptstadt Peking
über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms.
Möglich ist nach nordkoreanischer Darstellung eine Einigung,
wonach das Programm im Gegenzug für ökonomische und
politische Zugeständnisse der USA ausgesetzt wird.
(Quelle: ap)
Fast 200 Tote bei Kämpfen in Äthiopien
Do.12.02.04 - Bei neuen Kämpfen zwischen verfeindeten Stämmen in
Äthiopien sind fast 200 Menschen ums Leben gekommen. Rund 10.000
Einwohner der Region Gambella im Südwesten des Landes flohen aus
ihren Dörfern, wie die Regierung in Addis Abeba am Mittwoch
mitteilte. Demnach griffen Mitglieder des in Gambella beheimateten
Anuak-Stammes ein Goldbergwerk an, wo Äthiopier aus anderen
Landesteilen arbeiten. Die Kämpfe breiteten sich dann auf die nahe
gelegene Stadt Dimma aus. Nach UN-Angaben gab es dort später auch
blutige Zusammenstöße im Bereich eines Lagers für
sudanesische Flüchtlinge. In den vergangenen Jahren ist es in der
Region Gambella schon des öfteren zu Kämpfen zwischen
Einheimischen und Äthiopiern aus anderen Landesteilen oder
Ausländern gekommen.
(Quelle: ap)
Mindestens fünf Tote bei erneuten Kämpfen in Haiti -
Präsident Aristide will trotz Unruhen weiter im Amt bleiben
Do.12.02.04 -Bei anhaltenden Kämpfen zwischen Regierungsanhängern und
Rebellen in Haiti sind erneut mindestens fünf Menschen
getötet worden. In der Rebellenhochburg Saint-Marc wurden drei
junge Menschen erschossen worden. Zwei mutmaßliche
Oppositionsmitglieder wurden nach Angaben eines örtlichen
Journalisten bei lebendigem Leib in ihrem Haus verbrannt.
Zwei Tage nach der Einnahme von Saint-Marc durch Regierungstruppen
brachen in der kleinen Hafenstadt erneut Kämpfe aus. Ein
Korrespondent berichtete telefonisch von Schusswechseln im Stadtviertel
"La Scierie", das als Bastion der Rebellengruppe Ramicos gilt. Offenbar
versucht die Polizei, Regierungsgegner aus dem Viertel zu vertreiben.
Die beiden mutmaßlichen Oppositionsmitgliedern seien in der Nacht
zu Mittwoch aus Rache verbrannt worden, sagte ein örtlicher
Journalist.
Nach Korrespondentenberichten kam es auch in anderen Städten zu
Gewalttaten: In Haitis zweitgrößter Stadt Cap-Haïtien
wurde ebenfalls in der Nacht zu Mittwoch ein Lebensmittellager
ausgeplündert und in Brand gesteckt. Die Stromversorgung war
zusammengebrochen. In der nahe gelegenen Ortschaft Limbé wurde
am Montagabend ein Polizeikommissariat angezündet.
Haitis Präsident Jean Bertrand Aristide lehnte erneut den von der
Opposition geforderten Rücktritt ab. Die Opposition solle "keine
Gewalt anwenden, sondern den Dialog", denn es gebe "keine andere
Möglichkeit", um die Krise beizulegen. "Es hat in Haiti in 200
Jahren Unabhängigkeit 32 Staatsstreiche gegeben, aber wir
müssen jetzt von einer demokratischen Wahl zur nächsten
demokratischen Wahl gehen", sagte der Staatschef.
Die USA zeigten sich "äußerst betroffen über Welle der
Gewalt, die über Haiti hereinbricht". Washington rufe die
haitianische Regierung auf, "das Recht zu achten, insbesondere die
Menschenrechte der Bürger und Einwohner Haitis", sagte der
Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Die USA würden
die Bemühungen der karibischen Gemeinschaft sowie "amerikanischer
Staaten" um eine friedliche Lösung weiterhin unterstützen.
Tags zuvor hatte die US-Regierung ihre Landsleute in dem Karibikstaat
aufgerufen, die Insel zu verlassen, sofern sie dies "sicher" tun
könnten.
(Quelle: afp)
Russland und Georgien wollen Lösung für Abchasien suchen
Do.12.02.04 - Russland und Georgien wollen erneut über die Zukunft der
abtrünnigen georgischen Provinz Abchasien verhandeln. Dies gab der
neue georgische Präsident Michail Saakaschwili am Mittwoch nach
Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in
Moskau bekannt. Abchasien hatte sich 1990 von Tiflis losgesagt und ist
seitdem quasi unabhängig unter prorussischer Führung.
Saakaschwili erklärte, es müsse vor allem eine Lösung
für die zahlreichen Georgier gefunden werden, die seinerzeit aus
Abchasien geflohen seien.
Georgien hat Russland in der Vergangenheit häufig vorgeworfen, die
Separatisten in Abchasien sowie in Südossetien zu
unterstützen, zumal dort auch russische
Militärstützpunkte unterhalten werden. Die Regierung in
Moskau hat die in Tiflis im Gegenzug beschuldigt, Terroristen und
Söldner auf ihrem Durchzug in die abtrünnige russische
Provinz Tschetschenien nicht aufzuhalten.
(Quelle: ap)
Künstliche Befruchtung in Italien drastisch eingeschränkt
Do.12.02.04 - Künstliche Befruchtungen sind in Italien künftig nur noch
unter strengen Auflagen möglich. Die Abgeordnetenkammer in Rom
billigte am Dienstagabend ein Gesetz, das das Einfrieren von Embryonen
praktisch ebenso verbietet wie Samen- und Eispenden oder
Leihmutterschaften. Untersagt wird ferner die künstliche
Befruchtung von Lesben und allein Stehenden sowie von Frauen über
50. In geheimer Abstimmung votierten 277 Abgeordnete für das
Gesetz, 222 dagegen, drei enthielten sich. Der Senat hatte die Vorlage
bereits im Dezember gebilligt.
Italien hatte bislang den Ruf, in puncto künstlicher Befruchtung
eine Art Wilder Westen zu sein. Da die gläubigen Katholiken unter
den Abgeordneten sich jeglicher Kompromisslösung verweigerten, gab
es letztlich überhaupt keine gesetzliche Regelung dieses Sektors.
Dadurch waren sogar künstliche Befruchtungen von Frauen über
60 möglich. Die Medien berichteten stets ausführlich
über solche Fälle.
Fruchtbarkeitsbehandlungen dürfen künftig nur noch
heterosexuellen Paaren angeboten werden, die entweder verheiratet sind
oder schon länger zusammenleben. Für eine künstliche
Befruchtung dürfen jeweils höchstens drei Embryonen
hergestellt werden, die alle sofort eingepflanzt werden müssen.
Ein Einfrieren ist nur möglich, wenn bei der betroffenen Frau zu
diesem Zeitpunkt gesundheitliche Probleme aufgetreten sind, wie die
italienische Nachrichtenagentur AGI erläuterte.
Versuche zum Klonen von Embryonen werden künftig mit zehn bis 20
Jahren Haft sowie Geldstrafen bis zu einer Million Euro geahndet.
Ärzte, die Samen- oder Eispenden für eine künstliche
Befruchtung akzeptieren, müssen bis zu 600.000 Euro Strafe zahlen
und können bis zu drei Jahre mit einem Berufsverbot belegt werden.
Die betroffenen Paare werden indessen nicht belangt. Für die
Fruchtbarkeitsbehandlung von allein stehenden Frauen oder homosexuellen
Paaren drohen den Medizinern ebenfalls Sanktionen.
Die neue Vorlage wurde bei freier Abstimmung ohne Fraktionszwang
vorrangig von Katholiken aller politischen Parteien gebilligt.
Liberalere Abgeordneten votierten dagegen. Zwei kommunistische
Parlamentarierinnen trugen aus Protest weiße Masken. Widerstand
kam auch von der rechtsgerichteten Abgeordneten Alessandra Mussolini,
die die Rechte der Frauen gefährdet sah. Viele Gegner der Vorlage
kritisierten, dass reiche Paare sich weiterhin im Ausland behandeln
lassen könnten, während die Armen nun keine Chance mehr
hätten.
(Quelle: ap)
Frankreich erlaubt Lauschangriff und Kronzeugenregelung
Anwälte und Richter läufen Sturm gegen
Gesetzesverschärfung - Deal nach US-Vorbild möglich -
Polizeigewahrsam bis 96 Stunden
Do.12.02.04 - Gegen heftigen Widerstand von Anwälten und Richtern hat das
französische Parlament am Mittwoch eine drastische
Gesetzesverschärfung zur Kriminalitätsbekämpfung
beschlossen. Mit den Stimmen der bürgerlichen Regierungsparteien
UMP und UDF verabschiedete die Nationalversammlung abschließend
eine Ausweitung des großen Lauschangriffs und der
Kronzeugenregelung sowie eine Verlängerung des Polizeigewahrsams
bis zu 96 Stunden. Nach US-Vorbild können nun auch Staatsanwalt
und Angeklagter am Gericht vorbei eine Strafe aushandeln.
Mit einem landesweiten Streik und einer Demonstration vor der
Nationalversammlung in Paris machten die Anwälte gegen das Gesetz
mobil. Wegen ungenauer Definitionen gebe es keine Garantien, dass
Polizei und Staatsanwaltschaft ihre erweiterten Befugnisse nur im Kampf
gegen die organisierte Kriminalität einsetzten. «Wenn drei
kleine Dealer aus einer Vorstadt beim Haschischverkauf festgenommen
werden, kann man immer sagen, dass sie eine organisierte Bande sind,
und sie für vier Tage in Polizeigewahrsam nehmen»,
kritisierte der Präsident des Verbands der Fachanwälte
für das Strafrecht, Jean-Yves Le Borgne.
Das neue Gesetz habe einen «Big Brother»-Aspekt, vor allem
was das Abhören von Privatwohnungen betreffe. Niemand stelle
sicher, dass der große Lauschangriff nur gegen Schwerkriminelle
eingesetzt werde. «Wir nähern uns einer transparenten, ja
sogar totalitären Vorstellung von der Gesellschaft», warnte
Le Borgne in der Zeitung «Le Monde». Die Anwälte
kritisieren zudem, dass sie bei Festnahmen erst nach 48 Stunden und in
besonders schweren Fällen erst nach 72 Stunden mit ihren Mandaten
sprechen dürfen. Das Gleichgewicht im Strafverfahren zwischen den
Ermittlungsbehörden und der Verteidigung werde zerstört.
Zur Entlastung der Gerichte ermöglicht das Gesetz
Staatsanwälten und geständigen Angeklagten, sich auf eine
Strafe unterhalb der möglichen Höchststrafe zu einigen. Der
Deal muss dann noch von einem Richter abgezeichnet werden. Zudem wird
eine Zentraldatei für Sexualtäter geschaffen, in die auch
Verdächtige aufgenommen werden, gegen die lediglich ermittelt
wird. Die Polizei darf künftig Informanten aus dem kriminellen
Milieu bezahlen.
Die oppositionellen Sozialisten (PS) wollen das nach dem konservativen
Justizminister Dominique Perben genannte Gesetz vor dem Verfassungsrat
zu Fall bringen. PS-Chef François Hollande sprach von einem
«schwarzen Tag für die französische Justiz und für
den Rechtsstaat». Der Präsident der Anwaltskammern, Michel
Bénichou, appellierte an Staatspräsident Jacques Chirac,
den Text nicht zu unterzeichnen. Perben verteidigte seinen Text im
Parlament. Der Justiz müssten die Mittel gegeben werden,
«effektiv die immer gefährlicher werdende organisierte
Kriminalität zu bekämpfen».
(Quelle: ap)
Deutschland:
SPD-Arbeitsmarktexperte Schreiner: Partei mit bisheriger Reformpolitik
gescheitert
Do.12.02.04 - Trotz des Aufrufs zur Geschlossenheit gibt es weiter Kritik aus der SPD
an der Reformpolitik von Bundeskanzler Gerhard Schröder.
"Die SPD ist mit ihrer bisherigen Wirtschafts-, Beschäftigungs-
und Sozialpolitik gescheitert", sagte der SPD-Sozialexperte Ottmar
Schreiner der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). Der
SPD-Abgeordnete Rüdiger Veit sagte der Zeitung, der Wechsel an der
Parteispitze von Schröder zu Franz Müntefering werde nicht
ausreichen, um die Partei aus der Krise zu führen. "Es geht nicht
nur um Personen und die Vermittlung von Inhalten, sondern um die
Inhalte selbst", sagte Veit.
Schreiner wies dem Bericht zufolge die Darstellung zurück, nur der
linke Flügel der SPD wolle sozialpolitische Korrekturen an
Schröders Reformen durchsetzen. "Das ist erkennbar dummes Zeug",
sagte der Arbeitsmarktexperte, der bereits in der Vergangenheit den
Reformkurs der SPD als sozial unausgewogen kritisiert hatte. Veit
sagte, die Regierung müsse die in der bisherigen
Reformgesetzgebung aufgetretenen Härten für einzelne
Bevölkerungsgruppen schnell kritisch überprüfen.
Bayerns SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget forderte eine
Reformpause. Die SPD sei seit Monaten in einem beispiellosen
Stimmungstief. Vor weiteren Reformschritten müsse zunächst die
Bevölkerung wieder mitgenommen werden. «Wir haben im
Reformprozess den ersten Anstieg geschafft. Ich meine, dass wir jetzt
eine Verschnaufpause einlegen sollten.»
Am Wochenende hatte der SPD-Vorstand Müntefering als neuen
Parteivorsitzenden nominiert und das Festhalten am Reformkurs der
Bundesregierung bekräftigt. Schröder hatte in der vergangenen
Woche seinen Rückzug von der SPD-Spitze angekündigt. Zuvor
hatte sich die Kritik in der Partei an Schröders Reformkurs
zugespitzt. Die Kritik am Reformkurs der SPD hatte sich indes auch nach
dem Wechsel fortgesetzt.
(Quellen: rtr, dpa)
Kanzler verbittet sich SPD-Tipps zu Amtsführung - Schröder:
Mir fehlte Geduld für die SPD
Do.12.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich öffentliche
Ratschläge aus der SPD für seine Amtsführung verbeten.
Über eine Kabinettsumbildung entscheide nur er, stellte er nach
Angaben aus der SPD-Fraktionintern klar. In der Wochenzeitung «Die
Zeit» räumte er eine Schwäche als SPD-Chef ein:
«Ungeduld mit der Partei.» Der künftige Parteichef
Franz Müntefering ermahnte die SPD zu Disziplin und
Solidarität. Dennoch kam aus der SPD-Linken erneut scharfe Kritik
am rot-grünen Reformkurs.
SPD-Fraktionsvize Michael Müller warnte indes im
«Handelsblatt» vor weiteren Personaldebatten. «Das
gilt auch für das Gerede über die Kanzlerkandidatur 2006 oder
eine Kabinettsumbildung.» Der Sprecher des «Netzwerks
Berlin» von jüngeren SPD-Abgeordneten, Hubertus Heil, sagte
der «Berliner Zeitung», das «Gequake» um
Kurswechsel und Kabinettsumbildung müsse endlich aufhören.
Der Wechsel an der SPD-Spitze wird Schröder zufolge nichts am Kurs
der Parteiführung ändern. «Franz Müntefering macht
nichts anderes, er macht es nur anders», sagte Schröder der
«Zeit». Müntefering drückte es so aus: «Es
gibt zwischen dem Bundeskanzler und mir keine unterschiedlichen
politischen Linien.» Seinen Rückzug aus dem Amt des
Parteichefs begründete Schröder unter anderem so: «Ein
Alpha-Tier zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht mit dem Kopf durch
die Wand will. Denn dann gewinnt nur die Wand.» Er habe aber nach
dem Verlust des Parteivorsitzes «eine gewisse Traurigkeit»
verspürt.
SPD-Vordenker Erhard Eppler erwartet durch den Wechsel an der SPD-
Spitze keinen Linksruck in der Partei. Der «Pforzheimer
Zeitung» (Mittwoch) sagte er, die Schwierigkeiten kämen
«mehr aus der Gewerkschaftsecke». Eine Arbeitsteilung
zwischen Schröder als Kanzler und Müntefering als Parteichef
bezeichnete Eppler als richtig. Sie sei auch schon bei Willy Brandt und
Helmut Schmidt richtig gewesen. «Ich glaube, dass Schmidt schon
spätestens 1980 gescheitert wäre, wenn er Brandt nicht als
Parteivorsitzenden gehabt hätte.»
Eine am Mittwoch veröffentlichte Emnid-Umfrage vom vorigen
Wochenende ergab für die SPD einen Rückgang von 26 auf 24
Prozent Zustimmung. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte der
«Bild»- Zeitung: «Ich sehe durch den Wechsel von
Schröder zu Müntefering keine Anzeichen für einen
Stimmungsumschwung.» Zu einem anderen Ergebnis kam eine
Forsa-Umfrage für RTL und «Stern»: Danach legte die SPD
im Vergleich zur Vorwoche von 24 auf 26 Prozent zu.
(Quelle: dpa)
Defizit der Pflegeversicherung steigt weiter
Do.12.02.04 - Das jährliche Defizit in der gesetzlichen Pflegeversicherung wird
nach Informationen des «Handelsblatts» in den kommenden
drei Jahren deutlich steigen. Die Zeitung berichtete in ihrer
Donnerstagausgabe unter Berufung auf Berechnungen des Berliner
Sozialministeriums, die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von
rund 670 Millionen Euro im Jahr 2003 werde sich bis 2007 auf rund 900
Millionen Euro vergrößern. Die Mitte der 90er Jahre
aufgebauten Finanzreserven von derzeit 4,27 Milliarden Euro sollen
demnach bis 2007 auf lediglich 920 Millionen Euro sinken.
Bei den Berechnungen sind dem Bericht zufolge noch nicht die Kosten
berücksichtigt, die die Umsetzung des Urteils des
Bundesverfassungsgerichts zur Pflegeversicherung erfordert. Das Gericht
hatte angemahnt, Kindererziehende bei den Beiträgen zu entlasten.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wolle dies aus den
Rücklagen bezahlen, berichtete das «Handelsblatt».
Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder zunächst gestoppte
Reform der Pflegeversicherung hatte unter anderem vorgesehen,
Kinderlose mit einem Beitragszuschlag für die Pflegekassen zu
belasten, und so mehr Geld für das schuldengeplagte System zu
erhalten. Derzeit arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einem
neuen Entwurf.
(Quelle: ap)
Ausgaben für Gesundheit stiegen um mehr als drei Prozent
Do.12.02.04 - Die Ausgaben für Gesundheit steigen in Deutschland weiter: Wie das
Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, legten die
Kosten 2002 um mehr als drei Prozent auf insgesamt 234,2 Milliarden
Euro zu. Das entspricht 11,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die
Ausgaben pro Einwohner lagen bei 2.840 Euro.
Überdurchschnittlich viel (4,2 Prozent) wurde zwischen 2001 und
2002 für pflegerische und therapeutische Leistungen ausgegeben.
Auch die Ausgaben für Arzneimittel stiegen mit 4,5 Prozent
besonders, während die Ausgaben für Zahnersatz um 2,4 Prozent
sanken.
Insgesamt wurde für Waren - das sind Arzneimittel, Verbandmittel,
Hilfsmittel, Zahnersatz und sonstiger medizinischer Bedarf - und
ärztliche Leistungen am meisten aufgewendet: Die Ausgaben für
Waren lagen 2002 bei 62,3 Milliarden Euro und die für
ärztliche Leistungen bei 60,8 Milliarden Euro. Das entspricht
einem Anteil von 27 beziehungsweise 26 Prozent. Zusätzlich zu den
Gesundheitsausgaben wurden Einkommensleistungen wie Krankengeld,
Entgeltfortzahlungen, Erwerbsunfähigkeitsrenten in Höhe von
67,8 Milliarden Euro an die Patienten gezahlt.
(Quelle: ap)
Gewerkschaft und Arbeitgeber gegen Belastung von Betriebsrenten
Do.12.02.04 - Metallarbeitgeber und IG Metall in Nordrhein-Westfalen protestieren
gemeinsam gegen die seit Jahresbeginn geltenden erhöhten
Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten und Direktversicherungen.
Der Präsident des Metallarbeitgeberverbandes, Michael Jäger,
und der IG-Metall-Bezirksleiter Peter Gasse forderten die
Bundesregierung am Mittwoch in Düsseldorf auf, die Anhebung
zurückzunehmen.
Arbeitgeber und Gewerkschaft unterstützten ausdrücklich einen
entsprechenden Vorstoß des nordrhein-westfälischen
SPD-Vorsitzenden und Arbeits- und Wirtschaftsministers Harald Schartau.
Sie äußerten die Befürchtung, dass durch die
höhere Belastung die gerade neu aufgebaute zusätzliche
Säule betrieblicher Altersvorsorge «substanziell untergraben
wird».
Jäger erklärte, betrieblichen Regelungen zur Alterssicherung
drohe ein massiver Wertverlust. Das könne nicht Ziel einer Politik
für zusätzliches betriebliches Engagement in der
Alterssicherung sein. Gasse sagte, niemand werde in die Betriebsrente
investieren, wenn er nicht wisse, ob die Leistungen daraus auch morgen
noch etwas wert seien.
In den vergangenen 15 Monaten haben nach Angabe der Tarifparteien
100.000 Beschäftigte einen Vertrag mit dem gemeinsamen
Versorgungswerk MetallRente abgeschlossen. Derartige Betriebsrenten
würden von bisher 6.000 Betrieben in Nordrhein-Westfalen angeboten.
(Quelle: ap)
Tarifparteien Metall einigen sich und wenden Streik ab
Do.12.02.04 - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben Gewerkschaft
und Arbeitgeber im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg
einen Abschluss erzielt und damit einen Streik abgewendet.
Der am Donnerstagmorgen nach fast 16-stündigen Verhandlungen
erzielten Einigung zufolge erhalten die knapp 800.000
Beschäftigten im Südwesten Einkommenserhöhungen in zwei
Schritten um 2,2 Prozent ab 1. März diesen Jahres und 2,7 Prozent
ab 1. März nächsten Jahres bis Ende Februar 2006. Damit hat
der Tarifvertrag eine Laufzeit von 26 Monaten. Zugleich vereinbarten
die Tarifparteien Möglichkeiten für
Arbeitszeitverlängerungen in den Betrieben, denen die Gewerkschaft
zustimmen muss, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert werden.
Mit ihrer weiter gehenden Forderung nach Optionen zur Verlängerung
der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf bis zu 40 Wochenstunden
auch ohne Lohnausgleich konnten sich die Arbeitgeber nicht durchsetzen.
Die 35-Stunden-Woche bleibt wie von der Gewerkschaft gefordert
Regelarbeitszeit.
Der Verhandlungsführer des regionalen Arbeitgeberverbandes
Südwestmetall, Otmar Zwiebelhofer, sagte im Anschluss an die
Verhandlungen, damit hätten die Arbeitgeber die von ihnen
angestrebte "große Lösung" nicht erreicht. Allerdings biete
die Vereinbarung den Betrieben Möglichkeiten, durch
Arbeitszeitverlängerungen ihre Kosten zu senken.
Gesamtmetall will Zwiebelhofer zufolge den anderen regionalen
Arbeitgeberverbänden die Übernahme des Abschlusses empfehlen.
Für Donnerstagnachmittag hat die IG Metall in
Baden-Württemberg ihre Große Tarifkommission einberufen, die
der Annahme noch zustimmen muss. Ein Streik hätte wegen der
Zulieferstrukturen vor allem die Automobilindustrie getroffen. In dem
seit Dezember andauernden Tarifstreit hatten Tausende Metaller in den
vergangenen zwei Wochen mit Warnstreiks schrittweise bundesweit ihren
Druck auf die Arbeitgeber erhöht.
Im einzelnen sieht der Kompromiss vor, dass bei besonders
qualifizierten Belegschaften die bisher geltende Quote, die bis zu 40
Stunden in der Woche arbeiten darf, von 18 auf bis zu 50 Prozent
erhöht werden kann. Überdies kann für einzelne
Arbeitnehmer-Gruppen oder Betriebsteile die Arbeitszeit auf bis zu 40
Stunden in der Woche verlängert werden, ohne dass
Überstundenzuschläge anfallen.
Den Lohnabschluss bezeichnete Zwiebelhofer als eine "gewisse Last", der
aber die gewonnenen betrieblichen Spielräume gegengerechnet werden
müssten. "Die Tarifparteien wachen über betriebliche
Abweichungen von Tarifnormen", sagte Zwiebelhofer. Die Gewerkschaft
habe sich aber verpflichtet zuzustimmen, wenn dadurch in einem Betrieb
die Beschäftigung nachhaltig gesichert oder verbessert werden
könne. "Anders ausgedrückt, jetzt läuft mehr in den
Betrieben. Die IG Metall bleibt im Boot, hat sich aber verpflichtet,
mit uns in die gleiche Richtung zu rudern." Damit sei eine neue
Vertrauensbasis zwischen den Tarifparteien geschaffen.
IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann sagte: "Wir stellen
dadurch unter Beweis, dass die Tarifautonomie kein starres Gebilde ist,
sondern die Verbände in der Lage sind, die Tarifverträge auch
neuen Herausforderungen und Gegebenheiten anzupassen." Die Tarifrunde
hatte als Nagelprobe dafür gegolten, ob die Tarifparteien die von
der Politik geforderte Öffnung von Tarifverträgen ohne
Eingriffe des Gesetzgebers erreichen können.
Am Rande der sechsten Verhandlungsrunde in Pforzheim hatte der Vorstand
von Gesamtmetall unter Leitung seines Präsidenten Martin
Kannegiesser getagt, um über Möglichkeiten einer
Übernahme in anderen Regionen zu beraten. Gleichzeitig hielt sich
im sechzig Kilometer entfernten Baden-Baden der Bundesvorstand der IG
Metall über den Verhandlungsstand auf dem Laufenden.
Die IG Metall war mit der Forderung nach vier Prozent höheren
Einkommen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der
Branche in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten
ursprünglich in zwei Stufen je 1,2 Prozent angeboten, eine
Vereinbarung aber an betriebliche Optionen zur Verlängerung der
Wochenarbeitszeit um bis zu fünf Stunden auch ohne Lohnausgleich
verlangt. Dies hatte die IG Metall abgelehnt, weil sie darin ein
Abrücken von der im Westen geltenden 35-Stunden-Woche sah.
(Quelle: rtr)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Geteiltes Volkswirte-Echo auf Metall-Tarifabschluss - Vereinbarte
Lohnerhöhungen einhellig begrüßt
Do.12.02.04 - Der Tarifabschluss der Metall- und Elektroindustrie in
Baden-Württemberg zu betrieblichen Arbeitszeitverlängerungen
ist bei Banken-Volkswirten auf geteiltes Echo gestoßen. Dagegen
wurden die vereinbarten Lohnerhöhungen einhellig
begrüßt.
Andreas Rees von der Hypovereinsbank sprach mit Blick auf die am
Donnerstagmorgen getroffene Vereinbarung für betriebliche
Verlängerungen der Wochenarbeitszeit von einem enttäuschenden
Kompromiss. "Hier ist eine Chance für die Metallindustrie vertan
worden." Die Einigung, wonach Arbeitszeitverlängerungen in
einzelnen Betrieben nur mit Zustimmung der Gewerkschaft möglich
sein sollen, schaffe ein "bürokratisches Monster". "Hier
hätte ich mir schon mehr Zugeständnisse der IG Metall
gewünscht, den Betrieben mehr Eigenverantwortung zu
überlassen."
Dagegen wertete Manuela Preuschl von der Deutschen Bank die
Vereinbarung als fairen Kompromiss. "Auch die Entscheidung zu den
Öffnungsklauseln ist ein Schritt nach vorne."
Einhellig begrüßt wurde der Lohnabschluss mit
Einkommenserhöhungen um 2,2 Prozent ab 1. März dieses Jahres
und 2,7 Prozent ab 1. März 2005 bis Ende Februar 2006. Die
Einigung bewege sich im Rahmen der Erwartungen, sagte Rees. "Es war
klar, dass der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hier Zugeständnisse
machen musste." Preuschl sagte, sie sehe keinen inflationären
Impuls durch die Tariferhöhung. "Es ist auch ein gutes Signal
für die anderen Branchen."
Die IG Metall war mit der Forderung nach vier Prozent höheren
Einkommen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der
Branche in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten
ursprünglich in zwei Stufen je 1,2 Prozent angeboten.
(Quelle: rtr)
Mannesmann-Prozess: Ackermann - Millionen-Prämien waren
angemessen
Do.12.02.04 - Der wegen Untreue angeklagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die
Millionen-Zahlungen bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns vor
Gericht als auch in der Höhe gerechtfertigt verteidigt.
"Ich bleibe dabei, dass wir im Ergebnis nichts falsch gemacht und
niemanden geschädigt haben", sagte Ackermann am Mittwoch zum
Abschluss einer ausführlichen Erklärung vor dem
Düsseldorfer Landgericht. Der Vorstandssprecher von Deutschlands
größtem Kreditinstitut hatte während der
spektakulären Übernahme des Düsseldorfer
Traditionsunternehmens durch den britischen Telekom-Riesen Vodafone vor
vier Jahren dem Mannesmann-Aufsichtsrat angehört und die
Abfindungen an damalige Manager im Volumen von knapp 60 Millionen Euro
mit abgesegnet.
Die Prämie für den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser, der
allein rund 30 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen
zugesprochen bekam, habe sich an dessen Erfolg und dem damit
verbundenen Anstieg der Mannesmann-Aktie orientiert, betonte Ackermann.
Der Kurs der Mannesmann-Aktie war im Laufe der mehrmonatigen
Übernahmeschlacht massiv in die Höhe geschossen. Auch bei
einem in anderen großen Unternehmen üblichen Optionsplan
hätte Esser einen Betrag erhalten, der nicht unter den später
ausgezahlten zehn Millionen Pfund gelegen hätte, ergänzte der
Bankchef.
Darüber hinaus sei auch die Prämie an den ehemaligen
Aufsichtsratschef von Mannesmann, Joachim Funk, vor diesem Hintergrund
gerechtfertigt gewesen, sagte Ackermann, der selbst keine Prämien
im Zuge der Mannesmann-Übernahme erhalten hatte. "Auf dieser
Grundlage hatte ich keine Bedenken, den Vorschlag für die
Prämien an Esser und Funk zu übernehmen." Er habe erst
später von Funk erfahren, dass der Beschluss rechtlich bedenklich
gewesen sei, da Funk selbst über die Prämie mit abgestimmt
habe, sagte Ackermann. Diese juristische Bewertung sei ihm bei der
Beschlussfassung aber nicht bewusst gewesen. "Ein anfängliches
formelles Vergehen ist korrigiert worden, bevor der Beschluss in diesem
Teil umgesetzt worden ist."
In dem Prozess wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten Untreue
oder Beihilfe dazu vor, weil sie durch die Genehmigung
überhöhter Abfindungszahlungen und Boni dem Unternehmen
schwer geschadet hätten. Neben Ackermann sind unter anderem Esser
und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel angeklagt. Zu
Beginn des Prozesses war Ackermann wegen seiner siegesgewissen Pose vor
Gericht - er hatte das V-Zeichen gezeigt - und seinen Vorwürfen,
die Staatsanwaltschaft habe nicht effizient gearbeitet, in die Kritik
geraten. Bei den ersten Zeugenvernehmungen in der vergangenen Woche war
deutlich geworden, dass es innerhalb des Mannesmann-Konzerns und bei
den Wirtschaftsprüfern der KPMG Bedenken gegen die Zahlungen
gegeben hatte. Ackermann will von den Einwänden der Prüfer
erst in einer abgemilderten Form und zu einem späten Zeitpunkt
gewusst haben: "Von der inhaltlichen Kritik, die die
Abschlussprüfer zunächst geäußert hatten, habe ich
erst im Nachhinein erfahren, als sie schon nicht mehr aufrechterhalten
wurde." Ackermann wies auch den Vorwurf zurück, er habe den
Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat wider besseres Wissen
erklärt, Vodafone und nicht Mannesmann werde die Prämien
tragen. "Für mich war und ist klar, dass Vorstände nur
Zahlungen vom eigenen Unternehmen annehmen dürfen", sagte er.
Die Verteidiger von Esser versuchten unterdessen eine Zeugenaussage zu
entkräften, wonach der damalige Managing Director des
Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa, Canning Fok,
eine Zahlung von zehn Millionen Pfund an Esser vorgeschlagen habe, um
so auf dem "chinesischen Weg" die "Verhandlungen zu erleichtern". Aus
handschriftlichen Aufzeichnungen des ehemaligen Mannesmann-Vorstandes
und engstem Esser-Vertrauten Kurt-Jürgen Kinzius gehe hervor, dass
es am Abend des 2. Februar zwischen Esser und Vodafone-Chef Chris Gent
keine langen und schwierigen Verhandlungen mehr gegeben habe,
begründete Essers Verteidiger Sven Thomas seinen Antrag, die
Notizen in die Beweisaufnahme aufzunehmen. Der Investmentbanker
Dietrich Becker hatte ausgesagt, Fok sei in das Gespräch zwischen
Esser und Gent geplatzt, weil er Esser Geld bieten wollte, um die
Gespräche zu beschleunigen.
Der Zeuge Colin Roy, der Mannesmann in der Übernahmeschlacht
beraten hatte, sagte später aus, seiner Ansicht nach sei bereits
klar gewesen, dass die Übernahme vollzogen würde, als Fok mit
Esser geredet habe. "Es gab keine Möglichkeit mehr, dass beide
Parteien nicht mehr zu einem Ergebnis kommen würden." Becker habe
bei dem Gespräch zwischen Esser und Gent nur die Aufgabe gehabt,
als "Türsteher" vor dem Raum Fok fern zu halten. Er schätze,
dass Fok "innerhalb von 30 Sekunden" wieder aus dem Raum gewiesen
worden sei. Roy äußerte auch die Einschätzung, dass
Esser bei einer gütlichen Einigung mit Vodafone im Jahr 1999 eine
weit bessere Regelung für sich hätte erzielen können als
dies nach dem Ende des Übernahmekampfs geschehen sei.
(Quelle: rtr)
Ein weiterer Bericht zum Thema bei heise-online:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/44538
Zeuge bestätigt Bedenken gegen Mannesmann-Prämien
Sa.07.02.04 - Im Prozess um die Millionen-Zahlungen bei der Mannesmann-Übernahme
durch Vodafone hat ein Zeuge erstmals bestätigt, dass es teils
massive Bedenken gegen die Höhe der Prämien und die Art der
Beschlussfassung gegeben hat... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#04020719
Mehr Berichte zum Thema im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#040207sq
Bundestagspräsident Thierse: 'Obszöne' Selbstbedienung der
Manager - EKD-Ratsvorsitzender Huber kritisiert Spitzengehälter
von Managern als 'zum Teil maßlos'
Do.12.02.04 - Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat von den
Vermögenden eine deutlich größere Opferbereitschaft bei
den Reformen verlangt. Der einfache Bürger müsse
Einbußen hinnehmen und dabei zusehen, wie sich die
wirtschaftliche Elite "auf geradezu obszöne Weise selbst bedient".
Dies sorge für Unmut und werde der Politik vorgeworfen, obwohl sie
es gar nicht zu verantworten habe.
Die Stimmung gegen die Reformen werde nicht nur von der SPD, sondern
auch vom Mannesmann-Prozess oder von den Managern in den
Vorstandsetagen bestimmt, "die sich in Selbstbedienungsmanier
unverschämt hohe Jahresgehälter genehmigen", sagte Thierse
der "Freien Presse".
Thierse forderte eine breite gesellschaftliche Debatte über die
Verantwortung der wirtschaftlichen Eliten für die Zukunft des
Landes. So müsse von großen Erbschaften ein
größerer solidarischer Beitrag als bisher geleistet werden;
dies sei Teil der Agenda 2010.
Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),
Wolfgang Huber, kritisiert die Spitzengehälter von Managern. Es
sei sozialethisch fraglich, ob "zum Teil ziemlich maßlose
Steigerung" von Einkünften in die Zeit hoher Arbeitslosigkeit
passe, sagte der Berliner Bischof in einem Interview mit der
Evangelischen Presseagentur. Während es bei Minijobs oder
sinkenden Niedriglöhnen heiße, anderes ließe sich
nicht mehr bezahlen, scheine das für den Spitzenbereich nicht zu
gelten, erklärte der Theologe mit Blick auf den Düsseldorfer
Mannesmann-Prozess.
Huber sprach sich für die Ausbildung einer Verantwortungselite
"jenseits von Standesdünkel oder Besitzstandsdenken" aus. Die
Hochschulen dürften allerdings erst dann in den "edlen Wettstreit"
um die geplante Elite-Ausbildung treten, wenn alle Studierenden
generell "einen ausreichend ausgestatteten Studienplatz mit der dazu
gehörenden Lehre und individuellen Förderung vorfinden". Der
gleiche Zugang zu Bildungschancen und der Wettbewerb um Qualität
müssten miteinander verbunden werden. "Davon sind wir nach meinem
Urteil meilenweit entfernt", sagte der Theologieprofessor.
(Quellen: epd, afp)
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen um 130 Prozent...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128xx
Industrie bricht Klimaschutz-Verpflichtung
Do.12.02.04 - Die deutsche Industrie hat einem Zeitungsbericht zufolge ihren
Kohlendioxid-Ausstoß entgegen ihrer Selbstverpflichtung zum
Klimaschutz erhöht.
Die Industrie habe in den Jahren 2000 bis 2002 ihren Ausstoß an
dem umweltschädlichen Gas Kohlendioxid (CO2) um 15 Millionen
Tonnen erhöht, berichtete der Berliner "Tagesspiegel" in der Nacht
zum Donnerstag in seiner Online-Ausgabe. Die Gesamtemissionen der
Industrie an CO2 hätten im Jahr 2002 bei 506 Millionen Tonnen
gelegen, nach 491 Millionen Tonnen in 2002.
Die Industrie hat zugesagt, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2005
um 20 Millionen Tonnen zu senken. Bis 2010 soll die Reduktion einen
Umfang von 45 Millionen Tonnen erreichen.
Nach bisheriger Planung startet 2005 innerhalb der Europäischen
Union (EU) ein Emissionshandel, dessen Ziel es ist, den
Abgasausstoß der Firmen zu reduzieren. Umstritten ist derzeit die
Anfangszuteilung der CO2-Rechte, die die Kosten der Unternehmen
beeinflusst.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte ein für
Donnerstag geplantes Gespräch mit der Regierung über ein
Konzept für den Handel abgesagt und dem Umweltministerium
vorgeworfen, die Vereinbarungen zur Verringerung der Emissionen
einseitig zu Lasten der Industrie auszulegen. Ein Ministeriumssprecher
sagte dagegen: "Unser Vorschlag hält sich exakt an die Vorgaben
der Selbstverpflichtung der Industrie."
(Quelle: rtr)
LKW-Maut: Stolpe setzt Toll Collect Pistole auf die Brust
Do.12.02.04 - Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe will dem Maut-Betreiberkonsortium
Toll Collect die Pistole auf die Brust setzen und eine Entscheidung bis
zum Wochenende erzwingen. «Wir haben keine Geduld mehr»,
sagte der SPD-Politiker am Mittwoch vor einer Sitzung des
Bundestags-Verkehrsausschusses, dem er über den Fortgang der
Nachverhandlungen zur Lkw-Maut berichten wollte.
Stolpe kündigte an, dass es in Kürze, «zum Wochenende
hin», ein Spitzengespräch zwischen den Konsortium und dem
Ministerium geben werde. Danach könne man sagen, das Konsortium
sei auf die Bedingungen der Bundesregierung eingegangen, «oder
wir müssen uns trennen».
Das Ende Januar vorgelegte Angebot von Toll Collect zur Einführung
der Maut in zwei Stufen 2005 und 2006 sei plausibel, sagte der
Minister, aber es komme zwei Jahre und vier Monate später als im
ursprünglichen Vertrag vorgesehen. Darüber hinaus habe das
Konsortium «sehr steile» Bedingungen gestellt, die
teilweise nicht mit dem Vergaberecht vereinbar seien.
Stolpe sagte, er werde die bisherigen Einnahmeausfälle voll
geltend machen und für die Zukunft auf «ganz harten
zusätzlichen Vertragsbedingungen» bestehen:
«Pönalen (Strafen), die uns entlasten, oder andere
industrielle Partner mit hineinnehmen. Wir haben keine Geduld
mehr», sagte Stolpe. Einer der wichtigen Termine für ihn zum
Ende der Verhandlungen sei der 3. März, weil es an diesem Tag im
Haushaltsausschuss darum gehe, die Ausgabensperre für
Investitionen im Verkehrsbereich zu beseitigen, die wegen der
vermuteten Ausfälle von Mauteinnahmen in Milliardenhöhe
verhängt wurde.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Vergaberechtler: Maut muss neu ausgeschrieben werden
Mo.02.02.04 - Das Angebot des Betreiberkonsortiums Toll Collect für einen
Maut-Start 2005 ist nach Auffassung des Vergaberechts-Experten
Hans-Peter Schwintowski rechtlich nicht haltbar.
Sollte der Bund Kernpunkte der neuen Toll-Collect-Vorschläge
akzeptieren, hätten Klagen gegen die Vergabe des Auftrags gute
Chancen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402020.htm#04020213
Maut-Einführung auf 2005 verschoben
Do.29.01.04 - Einnahmeausfall für den Bund von rund 2,2 Milliarden im Jahr 2004
+++ Verkehrsminister Stolpe und Finanzminister Eichel
müssen nun sehen, wie sie den Einnahmeausfall
haushaltsmäßig verbuchen, ohne sämtliche
Verkehrsinvestitionen zum Stillstand und damit die Bauindustrie an den
Rand des Ruins zu bringen
+++ Auch bei Toll Collect bislang Verluste in dreistelliger
Millionenhöhe durch die Mautpannen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401290.htm#04012922
Bauindustrie sieht 70.000 Arbeitsplätze durch Maut-Ausfälle
gefährdet
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401300.htm#04013022
BND soll von Atomschmuggel gewusst haben
Do.12.02.04 - Der Bundesnachrichtendienst soll nach einem Bericht der Wochenzeitung
«Die Zeit» schon seit längerem vom weltweiten Netz des
pakistanischen Atomschmuggels gewusst haben. Die Zeitung zitierte den
ehemaligen BND-Mitarbeiter in Islamabad, Jan Kleffel, auch die
Machenschaften deutscher Unternehmer seien dem BND bereits seit Jahren
bekannt. Der Dienst habe dieses Wissen aus der «strategischen
Telefonüberwachung» gewonnen. Man sei aber nicht
eingeschritten, weil der Westen Pakistan in den achtziger Jahren als
Verbündeten gebraucht habe, um Waffen gegen die Sowjets nach
Afghanistan zu transportieren. BND-Sprecherin Michaela Heber lehnte
jede Stellungnahme zu dem Bericht ab.
(Quelle: ap)
Abkommen zum Export der Atomfabrik Hanau offenbar vor dem Abschluss
Do.12.02.04 - Die Vorbereitungen für den umstrittenen Export der Hanauer
Brennelemente-Fabrik nach China nähern sich laut einem Bericht der
«Berliner Zeitung» offenbar dem Ende. Wie das Blatt in
seiner Donnerstagausgabe berichtet, steht die Bundesregierung kurz vor
dem Abschluss zweier Vereinbarungen mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEO) und der Volksrepublik China. Der
stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gernot Erler,
rechnet bis Ende März mit einer Entscheidung über den Export.
Laut «Berliner Zeitung» sollen die Vereinbarungen sicher
stellen, dass die Brennelemente-Fabrik der Firma Siemens nach dem
Verkauf nicht militärisch genutzt wird. Auf diesem Weg soll
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) die notwendige
Zustimmung ermöglicht werden. Fischer prüft dem Bericht
zufolge aber Möglichkeiten, das Projekt doch noch zu verhindern.
Aus Regierungskreisen erfuhr das Blatt, die beiden Vereinbarungen
würden «neben den rechtlichen auch die politischen Bedenken
ausräumen». Die Regierung in Peking habe bereits
grundsätzlich Zustimmung signalisiert. Zudem verhandelten Experten
des in der Hanau-Frage federführenden
Bundeswirtschaftsministeriums zurzeit in Wien bei der IAEO über
Details einer regelmäßigen Kontrolle der Anlage. Auch hier
werde ein endgültiges Abkommen «nicht mehr lange auf sich
warten lassen», hieß es.
Erler erwartet, dass das Kanzleramt dabei auf die Bedenken bei SPD und
Grünen eingeht, wie er der «Financial Times
Deutschland» sagte. Wenn bei den Zusagen mit den Chinesen auch
nur ein Restrisiko bleibe, müsse die Regierung das Geschäft
aus politischen Gründen ablehnen. «Das ist mehr als eine
juristische Frage.»
Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Aussicht gestellte
Export der Siemens-Anlage zur Herstellung von MOX-Brennelementen nach
China war bei den Grünen auf heftige Kritik gestoßen. Die
Koalition hatte sich auf die Kompromisslinie verständigt, dass
eine militärische Nutzung der Anlage in China ausgeschlossen sein
müsse und dies von der IAEO überwacht werden solle. Wie die
«Berliner Zeitung» berichtete, ist derzeit allerdings noch
offen, wer die Kosten regelmäßiger Inspektionen der Anlage
zu tragen hat. Grundsätzlich prüft die IAEO Anlagen in
Nicht-Atomstaaten kostenlos. China allerdings fällt als
offizieller Atomstaat nicht unter dieses so genannte Safeguard Regime.
Am Dienstag erfuhr die Nachrichtenagentur AP aus Regierungskreisen in
Berlin, zu dem Geschäft sei nach wie vor kein formeller
Exportantrag gestellt. Wann dies geschehen soll, sei unklar.
Zunächst hatte es zu dem beabsichtigten Export nach Angaben aus
den Kreisen nur eine Voranfrage gegeben.
Die aus den 70er Jahren stammende Mox-Anlage war im Juni 1991 vom
damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer stillgelegt und
nach mehrjährigem Stillstand von der Betreiberfirma Siemens
aufgegeben worden.
(Quelle: ap)
Für eine Exportgenehmigung der Hanauer Plutoniumfabrik nach China
gibt es nach Ansicht von Juristen keinen Ermessensspielraum...
Mehr bei "telepolis" (18.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16342/1.html
http://www.greenpeace.org/multimedia/download/1/
368548/0/Expertise_zu_MOX.pdf
Wissenschaftler warnen vor Verkauf der Atomfabrik nach China
Mi.10.12.03 - Militärischen Nutzung der Hanauer Plutonium-Anlage könne
nicht ausgeschlossen werden +++ Bundesbürger mehrheitlich gegen
Export der Brennelemente-Fabrik nach China... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312220.htm#031222ub
Bundesregierung beschließt Gentechnik-Gesetz
Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen unter Auflagen gestattet -
Genbauern müssen haften , wenn ihre erbgutveränderten
Pflanzen sich auf Äckern von konventionellen Landwirten breit
machen - Beweislast liegt jedoch bei den geschädigten Bauern +++
Bio-Anbauverband Bioland: Gesetz dient in erster Linie dazu, den Anbau
von Gentechnik-Pflanzen zu ermöglichen
Do.12.02.04 - Genmais darf künftig auch auf deutschen Feldern wachsen. Das
Kabinett beschloss am Mittwoch eine entsprechende Novellierung des
Gentechnikrechtes. Verbraucher und Landwirte sollen allerdings vor
einer schleichenden Verbreitung gentechnisch veränderter
Nahrungsmittel geschützt werden, wie
Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast betonte.
Dazu soll eine gesetzliche Regelung dienen, die Genbauern in die
Haftung nimmt, wenn ihre erbgutveränderten Pflanzen sich auf
Äckern von konventionellen Landwirten breit machen und deren Ernte
verunreinigen. Künast sagte, die überwiegende Mehrheit der
Verbraucher stehe gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln
skeptisch gegenüber. Auf der anderen Seiten könne der Anbau
genmanipulierter Pflanzen aus welthandelsrechtlichen und EU-rechtlichen
Gründen nicht untersagt werden. Die Regierung habe ihren
vorhandenen Spielraum genutzt, um die gentechnikfreie Landwirtschaft zu
schützen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
erklärte hingegen, ohne entscheidende Nachbesserungen am
Gesetzentwurf drohe der gentechnisch freien Landwirtschaft das Aus. Der
Schutz von Bauern und Verbrauchern, die keine Gentechnik wollten, sei
mangelhaft. Die Beweislast dürfe nicht bei den geschädigten
Bauern liegen. Auch müssten Informationen über Standorte
gentechnisch veränderter Pflanzen der Öffentlichkeit
frühzeitig und einfach zugänglich sein.
Der Bio-Anbauverband Bioland kritisierte, das Gesetz diene in erster
Linie dazu, den Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu ermöglichen. Die
Umweltorganisation Greenpeace erklärte, das Gesetz bestrafe alle,
die Lebensmittel ohne Gentechnik produzieren und essen wollten. Es
werde nicht ausreichend verhindert, dass Gen-Pflanzen sich ungewollt
und unkontrolliert ausbreiteten. Der Deutsche Bauernverband
erklärte die geplanten Haftungsregelungen für inakzeptabel.
Unter diesen Bedingungen könne keinem Landwirt zum Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen geraten werden. Auch die Union
forderte Nachbesserungen bei der Haftungsfrage. Die Haftung der
Genbauern für die verunreinigte Ernte ihrer Nachbarn müsse
zurückgenommen werden, sagte CDU-Politiker Helmut Heiderich im
Deutschlandradio Berlin. Die FDP erklärte, die Gesetzesnovelle
dürfe nicht zur Verhinderung grüner Gentechnik führen.
Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie kritisierte, die
Gentechnik werde als Risikotechnologie abgestempelt.
Ministerin Künast betonte hingegen, denjenigen, die gentechnisch
veränderte Pflanzen anbauen wollten, werde eine gesetzliche
Vorsorgepflicht auferlegt. Ein hundertprozentige Garantie für
genfreien Anbau gebe es allerdings nicht. «Das wäre ein
Wunder», sagte die Grünen-Ministerin. «Einen Pollen
werden Sie nie nachweisen können».
Künast hoffte, dass das Gesetz nach der Sommerpause in Kraft
treten kann. Der Bundesrat müsse allerdings noch zustimmen. Sie
gehe davon aus, dass der Vermittlungsausschuss von Bundestag und
Bundesrat angerufen werde.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Immer mehr Lebensmittelhersteller verzichten auf Gentechnik
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#04021123
Kanadischer Farmer bietet Gentechnikkonzern die Stirn
Do.22.01.04 - Ein Prozess vor dem Obersten Gericht in Kanada um genmanipulierten Raps
zeigt, auf welche Probleme mittelfristig auch deutsche Landwirte nach
der geplanten Freigabe des Anbaus gentechnisch veränderter
Pflanzen stoßen könnten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012209
Die Uckermark bleibt sauber
Bauern im nördlichen Brandenburg schaffen per Selbstverpflichtung
die größte gentechnikfreie Region Deutschlands....
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/13/a0157.nf/text
Weitere Informationen zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209_i
Microsoft warnt vor ernstem Sicherheitsproblem
Do.12.02.04 - Microsoft hat alle Windows-Anwender vor einer besonders schwer
wiegenden Sicherheitslücke gewarnt und aufgefordert, im Internet
die Reparatursoftware herunterzuladen. Der Betriebssystemfehler
ermöglicht es Angreifern, unbemerkt in fremde Windows-Computer
einzudringen und dort vertrauliche Daten zu kopieren, zu löschen
oder das Eingeben von Passwörtern abzuhören.
Microsoft ist bereits vor mehr als sechs Monaten auf das Problem
aufmerksam gemacht worden, hat aber erst jetzt die Reparatursoftware -
einen «Patch» - dafür bereitgestellt. Die Bedrohung
wurde als «kritisch» eingestuft, das entspricht der
höchsten Gefährdungsstufe. Die Sicherheitslücke liegt in
der Software-Bibliothek ASN.1 (Abstract Syntax Notation), die der
Microsoft-Sicherheitsexperte Stephen Toulouse als
«äußerst tief reichende Windows-Technik»
beschreibt. Er rief alle Kunden dazu auf, den Patch sofort
herunterzuladen und zu installieren. Betroffen sind alle
Windows-Versionen ab NT 4.0, also auch Windows 2000 und Windows XP.
Experten erwarten, dass es nach der Bekanntgabe der
Sicherheitslücke jetzt bald die ersten Versuche geben wird, das
Loch auszunutzen und Attacken auf Windows-Computer zu fahren.
«Das Rennen wird eröffnet», sagte der ehemalige
Berater des Weißen Hauses für Computersicherheit, Marcus
Sachs.
Marc Maiffret von der Sicherheitsfirma eEye Digital Security, deren
Experten Microsoft auf das Problem aufmerksam gemacht haben, hält
die zu erwartenden Hacker-Angriffe für besonders gefährlich,
weil es Dutzende von Möglichkeiten gibt, durch das Loch in einen
Windows-Computer einzudringen. «Dies ist eine der am schwersten
wiegenden Gefährdungen bei Microsoft, die je bekannt
wurden», sagt Maiffret. Weil auch die Server-Varianten von
Windows betroffen sind, gefährdet die Sicherheitslücke nach
seinen Angaben auch lebenswichtige Versorgungssysteme wie
Stromkraftwerke und Wasserwerke.
Bisher ist nicht bekannt, dass die Sicherheitslücke bereits zu
Attacken ausgenutzt wurde. Den Experten von eEye gelang es jedoch, in
Tests erfolgreich in die eigenen Rechner einzubrechen.
Die Fachleute bei eEye erklärten sich bereit, die Existenz der
Sicherheitslücke nach der Entdeckung im Juli vergangenen Jahres
vertraulich zu behandeln, bis Microsoft einen Patch dafür
entwickelt hat. Maiffret kritisierte jedoch scharf, dass die seitdem
verstrichene lange Zeitspanne «einfach völlig
inakzeptabel» sei. In der ganzen Zeit seien die Windows-Anwender
unwissend der Bedrohung ausgesetzt gewesen.
Microsoft-Experte Toulouse erklärte, die Entwicklung der
Reparatursoftware habe so lange gedauert, weil mit einem einzigen Patch
alle Löcher auf Grund des neuen Problems gestopft werden sollten.
«Wir wollten sicher stellen, dass unsere Untersuchung so breit
und tief wie möglich reicht», sagte Toulouse.
Die Sicherheitslücke ist nur die jüngste in einer langen
Kette von Windows-Problemen. Wegen der fortgesetzten Pannen hat
Microsoft die Sicherheit seiner Software zu einem Kernelement seiner
Strategie erklärt. Demnächst hält Microsoft-Chairman
Bill Gates auch die Eröffnungsrede auf einer Konferenz über
Computersicherheit in San Francisco.
Die Sicherheitsprobleme bei Software beschäftigen unterdessen auch
das Weiße Haus. Der Nachrichtenagentur AP liegt ein 54-seitiger
Bericht eines Beraterausschusses vor, der in wenigen Tagen der
Regierung vorgelegt werden soll. Darin heißt es kritisch, dass
«lange Verzögerungen bei der Reparatur zu fortgesetzten
Risiken für Endverbraucher führen können».
(Quelle: ap)
Mehr bei heise-online (11.02.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/44534
Computerwurm Doomjuice.b startet DoS-Attacke gegen Microsoft
Do.12.02.04 - Der russische Sicherheitsexperte Kaspersky Labs warnt vor einer
neuen Version des Internent-Wurms "Doomjuice". Die neue Migration
"Doomjuice.b" führt einen Internet-Scan nach Computern durch, die
mit den Würmern "Mydoom.a" oder "Mydoom.b" infiziert sind.
Über den "Mydoom"-Port 3127 stellt er eine Verbindung mit dem
bereits infizierten Rechner her und lässt seinen Klon durch den
offenen Port schlüpfen. Danach startet er die Trojaner-Komponente
von "Mydoom".Gleichzeitig führt er eine DoS-Attacke auf die
Website von Microsoft durch.
Dazu kopiert er sich beim Öffnen, unter dem Namen "EGEDIT.EXE", in
den System-Katalog von Windows und registriert die Datei im
AutoExe-Schlüssel des System-Registers. Der Wurm
überprüft das Datum und sendet dann auf den 80sten Port der
Site www.microsoft.com eine Vielzahl von Anfragen. Einzigartig ist die
Technologie, die der Wurm für die Generierung von Anfragen an den
Server verwendet. Die Anfrage-Zeile imitiert das Anfrage-Format des
Internet-Explorers. Somit wird ein Blockieren der infizierten Computer
ausgeschlossen, da nicht ein einziges Netzwerk-Filtermittel die Anfrage
eines Anwenders von denen des Wurms unterscheiden kann. Diese neue
Funktionalität erhöht den destruktiven Effekt der Attacke.
Eine weitere Verbreitung der Malware könnte die
Leistungsfähigkeit der Internet-Ressourcen von Microsoft in Frage
stellen.
(Quelle: pte)
Mars-Roboter Beagle 2 gilt offiziell als verloren
Do.12.02.04 - Europa hat seinen ersten Mars-Roboter "Beagle 2" nach gut sechs Wochen
offiziell aufgegeben. Wie die europäische Raumagentur ESA
mitteilte, erklärte der zuständige Managementausschuss in
London das britische Landegerät für verloren. Die Ursachen
für den Verlust von "Beagle 2" sollen britische und ESA-Experten
bis Ende März gemeinsam klären.
"Beagle 2" hätte auf dem Mars nach Spuren von Leben suchen sollen.
Das Landegerät der ESA-Mission "Mars Express" gab seit seiner
vermutlichen Landung auf dem Roten Planeten am ersten Weihnachtstag
kein Lebenszeichen von sich; mehrere Versuche zur Kontaktaufnahme
scheiterten. Parallel zum Mars gestartete Sonden der US-Raumagentur
NASA fertigten Bilder der mutmaßlichen Landungsstelle an, auf
denen von "Beagle 2" nichts zu sehen war.
Nach seinem von Fallschirmen und einer Art Airbag abgebremsten Abstieg
hätte der europäische Roboter Bodenproben entnehmen und auf
vergangene oder gegenwärtige biologische Aktivität
untersuchen sollen. Trotz des Scheiterns von "Beagle 2" gilt die erste
europäische Mars-Mission als Erfolg: Die Muttersonde "Mars
Express" entdeckte von ihrer Umlaufbahn aus gefrorenes Wasser am
Südpol des Roten Planeten. Wasser ist Voraussetzung für
Leben. "Mars Express" funkte zudem sensationell scharfe Mars-Fotos zur
Erde.
"Die gemeinsame Nutzung von Erfahrungen aus Erfolgen wie aus
Misserfolgen ist ein grundlegender Bestandteil jeder Zusammenarbeit",
erklärte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. In der
Untersuchung sollen nun mögliche Fehler und Mängel beim
Konzept von "Beagle 2" zu Tage gefördert werden. Der Roboter war
von britischen Wissenschaftlern in Zusammenheit mit dem
europäischen Raumfahrtunternehmen EADS Astrium konstruiert worden.
(Quelle: afp)
Mehr zur europäischen sowie zur us-amerikanischen Mars-Mission unter:
http://www.beagle2.com/index.htm
http://www.esa.int
http://marsrovers.jpl.nasa.gov/home/index.html
http://stardust.jpl.nasa.gov/
Die Ausbreitung des Lebens im Weltraum
Britische Forscher haben theoretisch denkbare Möglichkeiten
vorgeschlagen, wie sich Leben interstellar ausbreiten und nach der
Panspermia-Theorie andere Sonnensysteme infizieren könnte...
Professor Chandra Wickramasinghe vom Astrobiologischen Institut der
University of Cardiff ist der Überzeugung, dass alles Leben im
Weltall verwandt sein könnte. Die Aliens wären dann also
nicht wirklich Fremde. Irgendwo ist Leben entstanden und hat sich im
Laufe von Milliarden von Jahren wahrscheinlich überall verbreitet,
wo die Bedingungen günstig waren. So könnten in den
interstellaren Staubwolken, in denen nachgewiesenermaßen
organische Moleküle wie Aminosäuren zu finden sind, auch
Bakteriensporen oder Viren mitreisen...
Mehr bei telepolis (11.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/raum/16726/1.html
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