Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihunderteinunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
UNO: Direkte Wahlen im Irak bis Ende Juni unwahrscheinlich - Schiiten
halten an Forderung nach freien Wahlen fest +++ Powell schließt
Stärkung der UN in Irak durch neue Entschließung nach
der geplanten Machtübergabe nicht aus +++ Konvoi von
US-Oberbefehlshaber in Irak unter Beschuss - Ein US-Soldat bei Anschlag
in Bagdad getötet - Damit steigt die Zahl der seit Beginn des
Militäreinsatzes in Irak getöten US-Soldaten auf mindestens
538 +++ US-Soldat wegen Kontaktversuchen zu El Kaida festgenommen +++
Südkorea schickt 3.000 Soldaten nach Irak +++ Früherer
US-Waffeninspekteur Kay kritisiert erneut US-Regierung
Fr.13.02.04 - Direkte Wahlen im Irak sind nach Einschätzung von
UNO-Generalsekretär Kofi Annan bis zur von den USA geplanten
Machtübergabe an eine Übergangsregierung am 30. Juni eher
unwahrscheinlich. In den vergangenen Wochen hatten im Irak tausende
Schiiten, die in dem Land die Bevölkerungsmehrheit stellen,
für rasche Wahlen demonstriert, die von den USA abgelehnt werden.
Annan sehe, dass sich bei den Gesprächen seines Gesandten Lakhdar
Brahimi mit führenden Irakern in Bagdad ein Konsens für
direkte Wahlen herausbilde, sagte der Sprecher der Vereinten Nationen
(UNO), Fred Eckhard, am Donnerstag. Der Generalsekretär glaube
jedoch, dass es eine breite Übereinstimmung auch darüber
gebe, dass Wahlen sorgfältig vorbereitet werden müssten.
Diese müssten technisch und politisch sowie von der Sicherheit her
so organisiert werden, dass größtmögliche Chancen
bestünden, dass das Ergebnis die Wünsche der irakischen
Wähler widerspiegele. Derzeit prüft ein von Brahimi
geführtes UNO-Team im Irak die Möglichkeit rascher Wahlen.
Die USA haben sich unter anderem wegen der gespannten Sicherheitslage
gegen rasche Direktwahlen ausgesprochen und planen eine
allmähliche Machtübergabe in dem Land. So sollen Vertreter
der Regionen bis zum 30. Juni eine Übergangsregierung benennen,
die bei Wahlen 2005 abgelöst würde.
"Jeder erwartet Wahlen 2005", sagte Eckhard. "Die Frage ist, was vor
dem 30. Juni getan werden kann und wenn es nicht Wahlen sein
können, welchen anderen Weg man gehen kann, um eine legitime
Regierung einzusetzen", fügte er hinzu.
Der ranghöchste schiitische Geistliche in Irak hält indes an
seiner Forderung nach freien Wahlen vor der Machtübergabe fest.
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani bestehe auf freien
Wahlen, sagte der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi am Donnerstag nach
einem Treffen in Nadschaf.
Der UN-Gesandte Brahimi äußerte nach dem Gespräch mit
Schiiten-Führer Sistani Unterstützung für die Forderung
nach freien Wahlen. Ob er diese im Rahmen des von den USA vorgelegten
Zeitplans für den Machttransfer in Irak für möglich
hält, sagte Brahimi nicht.
Einem Bericht der arabischen Zeitung "El Hajat" zufolge würde
Sistani sogar eine Verzögerung des Machtwechsels in Kauf nehmen,
um Zeit für Wahlen zu gewinnen. Eine Zeitspanne von zehn Monaten
scheine dem schiitischen Geistlichen akzeptabel, berichtete das Blatt
unter Berufung auf enge Mitarbeiter Sistanis. Die USA haben eine
Veränderung ihres Zeitplans bislang abgelehnt.
US-Außenminister Colin Powell schließt die Stärkung
der Vereinten Nationen in Irak durch eine neue Entschließung nach
der geplanten Machtübergabe nicht aus. Eine neue Resolution, die
der Lage nach dem politischen Übergang entspreche, könne dann
"angemessen" sein, sagte Powell vor einem Außenausschuss des
US-Senats in Washington.
Eine solche Entschließung solle dem Generalsekretär der UNO
"jegliche Autorität" geben und ihm "zusätzliche Anweisungen"
ermöglichen, die er "für nötig" halte, um mit der neuen
irakischen Übergangsregierung zu arbeiten, sagte Powell weiter.
"Die UNO spielt eine wichtige Rolle, jetzt vor der Übergabe der
Souveränität, und sie wird nach dem Übergang eine noch
wichtigere Rolle zu spielen haben."
Für den derzeitigen Einsatz der UNO in Irak sei die vorliegende
Resolution 1511 ausreichend, sagte Powell. Nach der Übergabe der
Macht an die Iraker müsse die UNO in dem Land aber "mit viel Kraft
und Autorität" gegenwärtig sein, "um dabei zu helfen, die
endgültige Verfassung zu schreiben und allgemeine Wahlen zu
organisieren". Obwohl es vor dem Irak-Krieg starke
Meinungsverschiedenheiten im UN-Sicherheitsrat gegeben hatte,
dürfte die Verabschiedung einer neuen Entschließung kein
besonderes Problem sein, mutmaßte der Außenminister.
In Falludscha griffen irakische Rebellen unterdessen den Konvoi des
US-Oberbefehlshabers in Irak, John Abizaid, an.
Der Konvoi des Generals war gerade vor dem Sitz des irakischen Zivilen
Verteidigungskorps in Falludscha vorgefahren, als plötzlich
Explosionen zu hören waren. Von den umliegenden Dächern
feuerten Angreifer Granaten und Gewehrsalven ab. Die US-Soldaten
schossen zurück, Abizaid und seine Mitarbeiter entkamen dem
Angriff unverletzt. Ob die Angreifer von dem Besuch des Generals
gewusst hätten, sei unklar, sagte Militärsprecher Mark
Kimmitt. Nach dem wenige Minuten währenden Feuergefecht
hätten sich die Rebellen zurückgezogen und seien entkommen.
Nach Berichten von Anwohnern fielen den Schüssen der US-Soldaten
zwei unbeteiligte Iraker zum Opfer.
Ein US-Soldat ist bei einer Explosion in der irakischen Hauptstadt
Bagdad getötet worden, zwei weitere wurden verletzt. Wie die
US-Streitkräfte am (heutigen) Freitag mitteilten, ereignete sich
die Explosion am Donnerstagabend in einem Vorort der Stadt, wo die
Soldaten patrouillierten. Weitere Details wurden nicht bekannt gegeben.
Damit stieg die Zahl der bei feindlichen Aktionen getöteten
US-Soldaten seit Beginn des Militäreinsatzes in Irak auf 375;
schließt man die Todesopfer ein, die nicht in Gefechten oder bei
Anschlägen getötet wurden, so beläuft sich die Zahl auf
mindestens 538.
In Samawah südlich von Basra explodierten vor einem Hotel zwei
Mörsergranaten. Zahlreiche Fensterscheiben gingen zu Bruch,
verletzt wurde niemand. In dem Hotel sind etwa 100 japanische
Journalisten untergebracht, die über die Arbeit des japanischen
Truppenkontingents berichten. Die rund 100 Soldaten errichten ihr
Basislager außerhalb der Stadt.
Die US-Behörden haben einen Soldaten festgenommen, der versucht
haben soll, der Terrororganisation El Kaida geheime US-Informationen
zuzuspielen. Der Angehörige der Nationalgarde in Washington soll
"den Feind unterstützt" haben, indem er "vergeblich versucht habe,
mit El Kaida Kontakt aufzunehmen und ihr geheime Informationen zukommen
zu lassen", sagte ein ranghoher Mitarbeiter des
US-Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Der Soldat gehörte
demnach einer Panzerbrigade an, die demnächst nach Irak abgezogen
werden soll.
Das südkoreanische Parlament hat am (heutigen) Freitag die
Entsendung von 3.000 Soldaten nach Irak gebilligt. Die Abgeordneten
votierten mit 155 zu 50 Stimmen für einen Antrag der Regierung.
Die Truppen sollen in der nordirakischen Stadt Kirkuk stationiert
werden. In der südirakischen Stadt Nassirijah sind bereits 465
Sanitäter und Ingenieure aus Südkorea im Einsatz. Mit der bis
Ende April geplanten Entsendung der 3.000 Soldaten stellt Südkorea
nach den USA und Großbritannien das drittgrößte
Kontingent der Koalitionstruppen in Irak.
Der frühere US-Waffeninspekteur in Irak, David Kay, hat die
US-Regierung erneut kritisiert. Er sei ernsthaft besorgt, dass mit dem
Festhalten an der Hoffnung, doch noch Massenvernichtungswaffen in Irak
zu finden, wichtige Reformen der Geheimdienste blockiert würden,
sagte Kay am Donnerstag in Washington der Nachrichtenagentur AP. Seit
seinem Rücktritt vergangenen Monat hatte Kay immer wieder betont,
dass sich die Geheimdienste geirrt hätten mit ihrer Behauptung,
Saddam Hussein verfüge über Arsenale mit chemischen und
biologischen Waffen.
Möglicherweise fürchte die Regierung die politischen Folgen,
einen Irrtum einzugestehen, erklärte Kay weiter. "Ich
befürchte, wenn ich deren Jobs hätte, würde ich
wahrscheinlich um mein Wohlbefinden zu erhalten, eine ewiger Optimist
in diesen Dingen bleiben", sagte Kay. Allerdings gehe er nicht davon
aus, dass die Geheimdienstexperten unter Druck gesetzt worden seien,
ihre Informationen zuzuspitzen, um Argumente für einen Krieg zu
liefern.
(Quellen: rtr, ap, afp)
Enttäuschende Konjunkturdaten belasten US-Aktienmärkte
Überraschend schwache Einzelhandelszahlen +++ Enttäuschende
Daten vom US-Arbeitsmarkt - In den USA ist eine kräftige Erholung
des Arbeitsmarktes nötig, um einen nachhaltigen
Wirtschaftsaufschwung zu stützen
Fr.13.02.04 - Enttäuschende Daten vom US-Arbeitsmarkt und aus dem Einzelhandel
haben die US-Aktienmärkte am Donnerstag belastet. Für die
Kursverluste machten Händler aber auch Gewinnmitnahmen der Anleger
nach den kräftigen Kurssteigerungen des Vortages verantwortlich.
Der Dow-Jones-Index verließ den Markt 0,41 Prozent niedriger mit
rund 10.694 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab
0,49 Prozent auf etwa 1152 Punkte nach. Der Index der
Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,77 Prozent auf rund 2073 Punkte.
Äußerungen Greenspans, die als Signal für weiter
niedrige Zinsen interpretiert wurden, hatten dem Dow am Vortag auf den
höchsten Stand seit Juni 2001 verholfen.
Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten waren schwächer als
erwartet ausgefallen. Die Zahl der Erstanträge auf
Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche auf 363.000 (Vorwoche
357.000), während Volkswirte mit einem Rückgang auf 345.000
Anträge gerechnet hatten. Nach Einschätzung von Analysten ist
in den USA eine kräftige Erholung des Arbeitsmarktes nötig,
um einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung zu stützen.
Darüber hinaus sorgten Händlern zufolge überraschend
schwache Einzelhandelszahlen, bedingt durch die Schwäche des
Auto-Absatzes, für Enttäuschung. Erstmals seit September
setzten die US-Einzelhandelsfirmen im Januar nach Angaben des
US-Handelsministeriums wieder weniger um. Der Einzelhandelsumsatz sei
im vergangenen Monat um 0,3 Prozent auf insgesamt 322,87 Milliarden
Dollar gesunken.
Der Blick der Anleger richte sich auch weiter auf die
Übernahme-Offerte des Kabelnetzbetreibers Comcast für den
Unterhaltungskonzern Walt Disney, die zur Rally des Vortages
beigetragen hatte, sagten Händler. Comcast-Aktien zählten
erneut zu den Verlierern und gaben um 3,75 Prozent auf 30,06 Dollar
nach. Dagegen legten Disney-Papiere um 1,45 Prozent auf 28,00 Dollar
zu, nachdem sie bereits am Vortag kräftig hinzugewonnen hatten.
Ein mehr als verdoppelter Netto-Gewinn im Quartal und ein
optimistischer Ausblick für 2004 verhalfen den Aktien des
Krankenversicherers Aetna zu einem Gewinnsprung um knapp 4,5 Prozent
auf 74,80 Dollar.
Zu den größten Verlierern im Dow zählten die Aktien des
Computerherstellers Hewlett-Packard. Die Titel sackten um 19,44 Prozent
auf 5,39 Dollar ab, nachdem das Unternehmen am Mittwoch nach
Börsenschluss mitgeteilt hatte, es prüfe einige seiner
berichteten Einnahmen und habe im Rahmen der Ermittlungen
Beschäftigte entlassen.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,46 Milliarden Aktien
den Besitzer. 1419 Werte legten zu, 1844 gaben nach und 206 blieben
unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,93
Milliarden Aktien 1231 im Plus, 1915 im Minus und 159 unverändert.
An den US-Kreditmärkten notierten die zehnjährigen
Staatsanleihen im späten Handel um 7/32 niedriger mit 101-16/32
Punkten. Sie rentierten mit 4,058 Prozent. Die 30-jährigen Bonds
verloren 18/32 auf 106-14/32 Zähler, wobei sich eine Rendite von
4,940 Prozent ergab.
(Quelle: rtr)
Bushs Ansehen erreicht neuen Tiefpunkt
Fr.13.02.04 - Das Vertrauen der Amerikaner in ihren Präsidenten George W. Bush
ist auf den niedrigsten Stand seit dessen Amtsantritt gesunken. In
einer Umfrage von ABC News und der «Washington Post»
bezeichneten nur noch 52 Prozent den Präsidenten als
vertrauenswürdig. Erstmals in dieser Erhebungsreihe fiel auch die
Unterstützung für den Irak-Krieg unter die 50-Prozent-Marke:
Nur noch 48 Prozent der Befragten erklärten, es sei es wert, in
Irak zu kämpfen.
54 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die US-Regierung die
Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht habe.
Allerdings liegt Bush noch immer deutlich vor seinem wahrscheinlichen
Herausforderer bei den Präsidentschaftswahlen, dem Demokraten John
Kerry. In der Umfrage sprachen sich 51 Prozent für Bush und 43
Prozent für Kerry aus. Befragt wurden 1.003 Erwachsene.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen Palästinenser bei Dschenin -
Im Gazastreifen zwölfjährigen Jungen getötet +++
Israelischer Soldat des Totschlags eines Briten beschuldigt - Kein
Haftbefehl gegen israelischen Minister in London +++ Israel will
Anhörung zu Sperrwall boykottieren
Fr.13.02.04 - Israelische Soldaten haben in der Nacht nahe Dschenin im Westjordanland
einen Palästinenser erschossen. Der israelische Armeesender
meldete, der 28-Jährige sei bei einer Festnahmeaktion getötet
worden. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich um einen
Bauern. Am Vorabend hatten israelische Soldaten im Gazastreifen an der
Grenze zu Ägypten einen zwölfjährigen Jungen erschossen.
Wie Radio Israel berichtete, wollte der Junge die Grenze zwischen dem
Gazastreifen und Ägypten bei Rafah überqueren. Nach Angaben
der israelischen Armee wurde der Junge gemeinsam mit seinen Freunden
von radikalen Palästinensern vorgeschickt, um die Soldaten in
einen Hinterhalt zu locken. Krankenhausmitarbeiter berichteten, er sei
von einem Panzer aus erschossen worden; ein weiterer Elfjähriger
sei dabei verletzt worden. Drei Kinder im Alter zwischen sieben und
zehn Jahren seien nach dem Zwischenfall am selben Ort festgenommen
worden.
Ein israelischer Soldat ist nach Armeeangaben des Totschlags eines
britischen Friedensaktivisten im Gazastreifen beschuldigt worden. Der
22-jährige Tom Hurndall erlitt bei einer Demonstration in Rafah im
vergangenen April einen Kopfschuss und starb nach neun Monaten im Koma
Mitte Januar in einer Londoner Klinik. Der tatverdächtige Soldat
wurde im Dezember der schweren Körperverletzung bezichtigt. Nach
dem Tod des Briten lautet der Vorwurf nunmehr auf Totschlag, wie die
Streitkräfte am Donnerstag mitteilten.
Die Familie des Getöteten reagierte mit Verärgerung und
verlangte eine Anklage des Soldaten wegen Mordes. Der Fall Hurndall
wurde auch von dem britischen Juristen Michel Massih angeführt,
der einen Haftbefehl gegen den am Donnerstag in London weilenden
israelischen Verteidigungsminister Schaul Mofas beantragte. Zu
Begründung erklärte er, der frühere israelische
Stabschef habe sich in den von Israel besetzten Gebieten schwerer
Verstöße gegen die Genfer Konvention schuldig gemacht.
Richter Christopher Pratt erklärte jedoch, als
Verteidigungsminister genieße Mofas diplomatische Immunität.
Massih verwies in seinem Antrag auf das Vorgehen der Armee gegen die
Palästinenser, das von unbotmäßiger Gewalt
gekennzeichnet sei. Er führte als konkrete Beispiele den Tod von
mehr als 50 Menschen an, darunter Hurndall. Ferner kritisierte er die
Zerstörung der Häuser von Terrorverdächtigen. All dies
verlange eine strafrechtliche Verfolgung, argumentierte Massih. Das
Gericht gab dem jedoch nicht statt.
Israel wird die Anhörungen des Internationalen Gerichtshofs (ICJ)
zur Rechtmäßigkeit seines Sperrwalls boykottieren. Das
Kabinett beschloss, keine Experten nach Den Haag zu schicken. Schon
vorher hatte die Regierung dem ICJ die Kompetenz abgesprochen,
über die Sperranlage zu urteilen. Die palästinensische Seite
bewertete den Boykott als Eingeständnis Israels, dass es mit
seinen Argumenten für den Sperrwall Anlage scheitern werde.
Auf Antrag der UN-Vollversammlung wird sich der Internationale
Gerichtshof ab 23. Februar mit der Rechtmäßigkeit des
Sperrwalls befassen, dessen geplanter Verlauf teilweise tief in
palästinensisches Gebiet einschneidet und ein Dutzend
palästinensischer Ortschaften vom restlichen Westjordanland
trennt. In einer rund 150-seitigen Eingabe hatte Israel bereits Ende
Januar die Befugnis des Gerichts in Frage gestellt, da Israel "das
grundlegende Recht" habe, sich mit der Anlage vor "Terrorismus" zu
schützen.
Der palästinensische Minister Dschamal Schubaki wertete die
Entscheidung als indirektes Eingeständnis Israels, dass es mit
ihrer Argumentation vor dem Gericht scheitern werde.
Chefunterhändler Sajeb Erakat warf der israelischen Regierung vor,
auf weitere Eskalation zu setzen, um einseitig "Tatsachen zu schaffen".
Als Haupt-Rechtssprechungsorgan der Vereinten Nationen entscheidet der
ICJ auf Basis des Völkerrechts über internationale
Streitigkeiten. Seine Entscheidungen sind verbindlich, doch hat er
nicht die Möglichkeit, sie auch durchzusetzen.
Mehrere westliche Staaten, darunter die USA und auch die EU, hatten in
den vergangenen Tagen ihr Unbehagen mit der juristischen Aufarbeitung
des Streits geäußert, da sie fürchten, sie könne
die politischen Bemühungen um eine Beilegung des Nahostkonflikts
gefährden.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Nahost-Konflikt: ... Arabische Liga
wirft Israel Völkerrechtsbruch vor
Mo.09.02.04 - .Mussa: Sperrwall
verletzt Genfer Konventionen +++ Israel will Verlauf der Sperranlagen ändern... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#04020901
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#040209_a
Schröder und Blair betonen Rolle der Nato in Afghanistan
Fr.13.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der britische
Premierminister Tony Blair haben das künftige Gewicht der Nato in
Afghanistan unterstrichen.
Miteinander seien sie der Auffassung, dass die Rolle des
transatlantischen Bündnisses in Afghanistan bedeutend sein solle,
sagte Schröder am Donnerstagabend nach einem Gespräch mit
Blair in Berlin. Bisher kommandiert die Nato nur eines der 13
Wiederaufbauteams von jeweils bis zu rund 300 Mann in Afghanistan,
nämlich die deutschen Soldaten in Kundus. Die übrigen Teams
unterstehen der US-geführten Operation "Enduring Freedom". Sowohl
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als auch der neue
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer waren für eine
stärkeres Engagement in Afghanistan eingetreten. In der Diskussion
ist, fünf Teams unter Nato-Kommando zu stellen.
Blair hob das deutsche Engagement in Afghanistan hervor. "Der Beitrag
Deutschlands in Afghanistan ist von enormer Wichtigkeit für uns
selbst, für die Vereinigten Staaten und für all unsere
Verbündeten gewesen, weil es das Land war, dass das Zentrum der
Taliban und des internationalen Terrorismus war." Was den Irak angehe,
so seien sich alle einig, dass man das Land stabil und wohlhabend sehen
wolle. Schröder unterstrich, dass Deutschland einen Beitrag
für den Wiederaufbau und die Demokratisierung des Irak leiste.
"Wir sind gemeinsam der Auffassung, dass es nicht sinnvoll ist,
Geschichte aufzuarbeiten", sagte er mit Blick auf die deutsche
Ablehnung des von den USA und Großbritannien geführten
Krieges.
Deutschland will sich an der Ausbildung irakischer Polizisten
beteiligen und humanitäre Hilfe leisten. Truppen der Bundeswehr
sollen unter keinen Umständen im Irak stationiert werden. Im Falle
eines Nato-Einsatzes im Irak wäre die Frage zu klären, ob
deutsche Stabsoffiziere daran teilnehmen sollen.
(Quelle: rtr)
USA: Iran strebt weiter nach Atomwaffen - IAEA-Kontrolleure finden
nicht deklarierte Zentrifugenmodelle in Iran
Fr.13.02.04 - Iran setzt sich nach Ansicht des US-Außenministeriums über
seine internationalen Verpflichtungen hinweg und strebt weiterhin nach
Atomwaffen. "Es gibt in unseren Köpfen keinen Zweifel daran, dass
Iran weiterhin ein Kernwaffenprogramm betreibt", sagte der
stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage dem
Washingtoner Radiosender Salem am Donnerstag (Ortszeit). Die iranische
Regierung sei im Abkommen mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) "nicht vollständig
entgegenkommend". Deshalb müssten die Vereinigten Staaten ihre
Bemühungen "einher mit unseren europäischen Freunden"
fortsetzen, damit Iran die Vereinbarungen befolge.
Unterdessen haben Kontrolleure der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) in Iran nicht deklarierte Modelle
für eine Zentrifuge zur Urananreicherung gefunden. Wie
IAEA-Diplomaten am Donnerstag in Wien mitteilten, ähnelt der Fund
laut ersten Ermittlungen in Libyen entdeckten Entwürfen, die aus
Pakistan eingeschmuggelt worden waren. Die Regierung in Teheran habe
die Dokumente den Kontrolleuren nicht von sich aus zur Verfügung
gestellt, hieß es. Eine Erklärung für das
Versäumnis habe sie nicht vorgelegt.
Der Fund weckt laut Beobachtern Zweifel an der iranischen Zusage, sein
Atomprogramm offen zu legen. Teheran hat auf internationalen Druck
weitgehende Kontrollen erlaubt und das Aussetzen der Urananreicherung
zugesagt. Iran verzichtet aber weiterhin nicht auf die Herstellung von
Zentrifugen. Die IAEA verhandelt mit der iranischen Regierung noch
darüber, welche Maßnahmen unter «Aussetzen»
fallen müssen.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Iran, Nordkorea, USA
Der Atomwaffensperrvertrag wird von vielen Seiten verletzt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307190.htm#030719_d
Atombehörde IAEA: USA halten sich nicht an Atomwaffen-Sperrvertrag
Mi.27.08.03 - Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA),
Mohamed ElBaradei, hat den USA vorgeworfen, sich nicht an den
Atomwaffensperrvertrag zu halten. "Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu
besitzen. Und rüstet selbst auf", sagte ElBaradei in einem am
Dienstag vorab veröffentlichten Interview des Magazins "Stern".
"Da wird mit doppeltem Maßstab gemessen."... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308270.htm#03082706
Proteste vor 'Atomwaffenlager' Ramstein geplant
Fr.13.02.04 - Die Vereinigung Internationale Ärzte für die Verhütung
des Atomkriegs (IPPNW) hat zu Protesten vor der US-Airbase in Ramstein
aufgerufen. Am 20 März, dem Jahrestag des Beginns des
Irak-Krieges, solle vor dem dortigen «Atomwaffenlager» ein
Protestmarsch stattfinden, hieß es am Donnerstag. Ziel sei die
vollständige atomare Abrüstung weltweit. Die IPPNW
konstatierte, in Deutschland würden unbemerkt von der
Öffentlichkeit schätzungsweise 65 Atombomben mit der
insgesamt 150-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe lagern. Auch in
Ramstein befänden sich Nuklearwaffen.
Weiter erklärte die IPPNW, die Welt werde die Produktion und
Verbreitung von Atomwaffen nur in den Griff bekommen, wenn alle
Atomwaffen abgeschafft würden. Die «unverantwortliche
Kriegs- und Atomwaffenpolitik der USA und ihrer Verbündeter»
halte aber dennoch unvermindert an. In dem Aufruf zum Protestmarsch
hieße es deshalb: «Wir wehren uns gegen einen kulturellen
Rückfall auf die Stufe imperialistischer, zudem
völkerrechtswidriger Angriffskriege in der Art des
Irakkrieges.» Der Aufruf sei unter anderem von Günter Grass,
Sir Peter Ustinov und Walter Jens unterschrieben worden.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Wahlkampf vor iranischer Parlamentswahl eröffnet
Fr.13.02.04 - Acht Tage vor der umstrittenen Parlamentswahl in Iran haben am
Donnerstag mehr als 5.600 Kandidaten ihren Wahlkampf aufgenommen. Bei
den meisten von ihnen handelt es sich um konservative Hardliner, die
nach ihrer Niederlage gegen die Reformer 2000 nun die Mehrheit im
Parlament zurückgewinnen wollen. Mehr als 2.000 Kandidaten der
Reformbewegung wurden von der Wahl am 20. Februar ausgeschlossen. Die
Reformer riefen daraufhin zu einem Boykott auf.
Umfragen zufolge ist nur mit einer Wahlbeteiligung von höchstens
30 Prozent zu rechnen. Der konservative Wächterrat hatte
zunächst mehr als 3.600 Reformkandidaten disqualifiziert. Aus
Protest dagegen legten etwa 130 liberale Abgeordnete ihre Ämter
nieder. Der Wächterrat ließ daraufhin rund 1.100
zunächst ausgeschlossene Politiker wieder zur Wahl zu. Die
Reformer kritisierten den Schritt als rein kosmetisch, da davon keine
prominenten liberalen Bewerber und keine Parteiführer betroffen
waren.
Die größte Reformpartei des Landes, die Islamische Iranische
Beteiligungsfront, sowie mehrere weitere Parteien boykottieren die
Abstimmung. «Das ist keine Wahl. Der Wächterrat hat schon
für das Land entschieden», sagte Said Schariati,
Vorstandsmitglied der Beteiligungsfront. «Diese so genannte Wahl
wird eine schwarze Seite in der Geschichte Irans.» Auch
Präsident Mohammed Chatami hat die bevorstehende Wahl wiederholt
als unfair kritisiert.
Wahlberechtigt sind mehr als 46 Millionen Iraner. Der Wahlkampf endet
offiziell am nächsten Mittwoch um Mitternacht.
(Quellen: ap, afp)
Iran: Die Zeit arbeitet gegen die Wächter, aber noch nicht schnell
genug
Wie der Machtkampf um die iranischen Parlamentswahlen vom 20. Februar
ausgeht, ist ungewiss. Der islamische Klerus zeigt Stärke, der
Protest der Reformparteien wirkt hilflos, und die apathische
Bevölkerung verweigert ihnen Sympathie und Solidarität. Doch
jenseits der Tagespolitik ist der Kurswechsel hin zu einer weltlicheren
Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten, im politischen Denken ist er sogar
bereits in vollem Gange. 25 Jahre nach der Islamischen Revolution
arbeitet die Zeit gegen die Konservativen...
Mehr in Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 12-13):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0040.nf/text
Jugendszenen in Teheran - Klitzekleine Kopftücher und eine
Riesenwut
In Teheran ist auf Schritt und Tritt zu spüren, dass die Menschen
keinerlei Erwartungen mehr an das politische System haben...
Mehr in Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 14):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0045.nf/text
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Menschenrechtler: Nordkorea testete Chemiewaffen an Gefangenen
Fr.13.02.04 - Südkoreanische Menschenrechtler haben Nordkorea vorgeworfen,
Chemiewaffen an politischen Gefangenen getestet zu haben. Die
Bürgerkoalition für Menschenrechte von Entführten und
nordkoreanischen Flüchtlingen (CHNK) legte am Donnerstag auf einer
Pressekonferenz in Seoul ein Dokument vor, das die Überstellung
eines 43-jährigen Nordkoreaners für derartige Versuche
beweisen soll. "Dieser Mann wird Chemiewaffen-Experimenten mit
Flüssiggas unterworfen (...) und daher der Sicherheitspolizei
überstellt", heißt es in dem auf den 13. Februar 2002
datierten Schreiben, das der nordkoreanischen Geheimpolizei
zugeschrieben wird.
(Quelle: afp)
Tamilische Befreiungstiger entlassen 15 Kindersoldaten
Fr.13.02.04 - Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) haben 15 Kindersoldaten
freigelassen und dem Weltkinderhilfswerk UNICEF übergeben. Die
Jungen befänden sich nun im Rehabilitationszentrum von
Kilinochchi, hieß es am Donnerstag auf der Webseite TamilNet mit
Verbindungen zur LTTE. Das Zentrum wird von UNICEF und den
Befreiungstigern gemeinsam betrieben. Die 15 Freigelassenen standen auf
einer Liste von 1.187 Jugendlichen, die UNICEF der LTTE im Dezember
übergab. Die Befreiungstiger prüften diese Liste nach eigenen
Angaben sorgfältig, um festzustellen, ob die Genannten wirklich
minderjährig seien. Viele hätten sich der LTTE freiwillig
angeschlossen und angegeben, sie seien schon 18 Jahre alt. Die
Befreiungstiger haben der UNICEF zugesagt, keine Kindersoldaten mehr zu
rekrutieren, und haben bereits Ende Januar sechs Mädchen und vier
Jungen unter 18 aus ihren Reihen entlassen.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Kindersoldaten" unter:
http://www.kindersoldaten.de/
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16561/1.html
http://www.child-soldiers.org
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0159.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0158.nf/text
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311090.htm#03110909
http://home/t-online.de/home/boa-archiv1/k0308140.htm#03081406
Nach zwanzig Jahren Bürgerkrieg - Die Tamil Tigers sind die
erfolgreichste Widerstandsbewegung der Welt
Der Machtkampf in Sri Lanka eskaliert. Präsidentin Chandrika
Kumaratunga hat Neuwahlen für den 2. April angeordnet. Damit will
die Präsidentin verhindern, dass die Regierung von Premierminister
Ranil Wickremesinghe einen Kompromiss mit den Tamil Tigers (LTTE)
findet, die im Nordosten längst ein autonomes Gebiet erkämpft
haben. Der Konflikt zwischen den beiden großen singhalesischen
Parteien gefährdet nicht nur einen möglichen Ausgleich mit
den Tamilen, sondern auch den seit Februar 2002 haltenden
Waffenstillstand...
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 16-17):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0053.nf/text
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Schon 49 Tote bei Unruhen in Haiti - USA gegen Machtwechsel
Fr.13.02.04 - Die Gewalt in Haiti hat am Donnerstag die Hauptstadt Port-au-Prince
erreicht. Rund 100 militante Anhänger von Präsident
Jean-Bertrand Aristide warfen Steine auf Demonstranten, die sich zu
einem Protestmarsch versammelten, und errichteten brennende Barrikaden.
Die Oppositionsbewegung, die sich von dem gewaltsamen Aufstand gegen
Aristide im Norden und Westen distanziert hat, sagte daraufhin den
Massenprotest ab. Den seit einer Woche anhaltenden Unruhen in dem
Karibikstaat fielen bereits 49 Menschen zum Opfer.
«Wir wollen keine Konfrontation», erklärte
Oppositionssprecher Mischa Gaillard im Radio Metropole. Der Polizei
warf er vor, ihre Pflicht zum Schutz der Bürger
vernachlässigt zu haben. Anhänger Aristides erklärten zu
dem Zusammenstoß, sie hätten lediglich eine Polizeiwache
verteidigen wollen. Die Opposition habe das Gebäude einnehmen
wollen, sagte ein Regierungsanhänger: «Wir sind gekommen, um
diese Terroristen zu stoppen.» Kritiker Aristides haben dem
Präsidenten wiederholt vorgeworfen, Gewalt seiner Anhänger
gegen Oppositionelle angestachelt zu haben.
Angesichts der gewaltsamen Unruhen in dem Karibikstaat Haiti hat
US-Außenminister Colin Powell Enttäuschung über die
Amtsführung von Präsident Jean-Bertrand Aristide
geäußert. Zugleich betonte er am Donnerstag aber, dass ein
«Regimewechsel» keinen Ausweg aus der Krise darstellen
würde. Powell verwies darauf, dass die Instabilität in Haiti
vor elf Jahren eine Flüchtlingswelle auslöste und viele
Haitianer versuchten, in Booten in die USA zu gelangen. Eine
Wiederholung dieser Vorfälle gelte es zu vermeiden.
Powell erklärte, er wolle die Lage am (heutigen) Freitag mit dem
kanadischen Außenminister Bill Graham und dem
Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
Cesar Gaviria, erörtern. Auch Repräsentanten anderer
karibischer Staaten bemühten sich um eine Vermittlung in Haiti.
Aristide wurde im Dezember 1990 der erste frei gewählte
Präsident des karibischen Inselstaats. Zehn Monate später
wurde er von der Armee gestürzt, doch kehrte er 1994 mit
Unterstützung der USA wieder ins Präsidentenamt zurück.
Trotz andauernder Proteste und dem seit rund einer Woche anhaltenden
blutigen Aufstand in Teilen des Landes lehnt Aristide einen
Rücktritt ab. Er erklärte am Mittwoch auf der ersten
Pressekonferenz seit Beginn des Rebellion, für das
Blutvergießen seien mit der Opposition verbündete
Terroristen verantwortlich. Er werde den Präsidentenpalast erst
nach Ende seiner Amtszeit am 7. Februar 2006 verlassen.
Insgesamt hat die Revolte inzwischen 13 Provinzstädte erfasst. In
dreien konnte die Polizei die Oberhand gewinnen, darunter in St. Marc.
Dort griffen Polizisten am Mittwoch Rebellen an, die sich in einem Slum
verschanzt hatten. Augenzeugen erklärten, mit Aristide
verbündete Banden hätten Häuser angezündet und drei
Menschen getötet.
In Gonaives, wo die Unruhen ihren Ausgang genommen hatten,
kündigten die Rebellen eine Ausweitung des Aufstands an. Ihr
Sprecher Winter Etienne sagte der Nachrichtenagentur AP, dafür
stünden Truppen in St. Marc und Cap Haitien bereit. Die
Kämpfer warteten nur noch auf den Befehl zum Angriff. In Gonaives
töteten Rebellen einen mutmaßlichen Auftragsmörder, der
im Dienst der Regierung gestanden haben soll. Die Menge verbrannte laut
Augenzeugenberichten die Leiche auf der Straße und applaudierte.
Die Rebellen werfen Aristide Korruption und Machtmissbrauch vor. Die
Preise für Lebensmittel schossen in die Höhe, weil wegen der
unsicheren Lage und wegen der Barrikaden Lieferschwierigkeiten
entstanden.
(Quelle: ap)
Die erste schwarze Republik ist zweihundert Jahre alt - Haiti leidet
unter seinen Heroen
Das ärmste Land Lateinamerikas hätte einen Grund zum Feiern
gehabt: Vor 200 Jahren verjagte die von Sklaven abstammende schwarze
Bevölkerungsmehrheit die französischen Kolonialherren aus
Haiti. Doch die Feierlichkeiten im Januar waren von schweren
Ausschreitungen überschattet. Studenten und Oppositionelle
protestieren seit Ende letzten Jahres fast täglich gegen die
Regierung und fordern den Rücktritt von Präsident
Jean-Bertrand Aristide. Der frühere Priester und
Befreiungstheologe kann nur deshalb so willkürlich regieren, weil
Haiti ein schwacher Staat mit schwachen Institutionen geblieben ist....
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 21):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0069.nf/text
|
Weltbankchef Wolfensohn prangert weltweite Rüstungsausgaben
an
Fr.13.02.04 - Der Chef der Weltbank, James Wolfensohn, hat die hohen weltweiten
Rüstungsausgaben scharf kritisiert. Im Vergleich zu den Ausgaben
für Entwicklungshilfe sei das ein Wahnsinn, sagte Wolfensohn in
einer Rede, die er am späten Donnerstagabend im australischen
Melbourne hielt. «Wir geben 20 Mal mehr für
militärische Ausrüstung aus, als wir dafür ausgeben,
Menschen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen», sagte er.
An Australien appellierte der gebürtige Australier Wolfensohn,
seinen in den vergangenen Jahren gewachsenen Einfluss dafür
einzusetzen, um die Welt sicherer zu machen. Australien habe die
Möglichkeit, als ein Land zu sprechen, das für individuelle
Freiheit, Recht, Unabhängigkeit, für Chancen und
Gleichberechtigung sowie soziale Verantwortung stehe.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Wettrüsten ohne Ende
http://home-t-online.de/home/boa-archiv2/k0401010.htm#040101_a
Das Stockholmer Institut
für Friedensforschung ( SIPRI) geht in seinem Jahrbuch 2003
davon aus, dass im Jahr 2002 weltweit 794 Milliarden US-Dollar für
militärische Zwecke ausgegeben wurden. Der seit 1998 registrierte
Anstieg der Rüstungsausgaben belief sich 2002 auf 6%, was einer
Verdoppelung der Anstiegsrate gegenüber 2001 entspricht.... Mehr unter:
http://editors.sipri.se/pubs/yb03/Deutsch.Yearbook2003.pdf
US-Präsident Bush fordert mehr Geld für die Rüstung
Sa.24.01.04 - ... Der Entwurf für den Verteidigungsetat
für das im Oktober beginnende neue Haushaltsjahr sieht eine
Steigerung der Ausgaben um 7 Prozent auf 401,7 Milliarden Dollar (316
Milliarden Euro) vor ... Das Pentagon gibt derzeit für den
Irak-Einsatz rund eine Milliarde Dollar pro Woche aus.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#04012402
Deutschland
Debatte über Kurs der SPD geht weiter
Fr.13.02.04 - Die Diskussion über den künftigen Kurs der SPD geht weiter.
DGB-Chef Michael Sommer forderte die Regierungspartei zu weiteren
Korrekturen der Reformen in der Sozialpolitik auf. Umgekehrt warnte der
niedersächsische SPD-Vorsitzende Wolfgang Jüttner die
Gewerkschaften vor einem Konfrontationskurs gegen die Sozialdemokraten.
Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel forderte von seiner
Partei zugleich Realitätsnähe und eine Orientierung an
Grundwerten. Der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer
wiederum warnte vor einem Ende der Reformpolitik.
Sommer forderte in der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung»
(Freitagausgabe) Nachbesserungen vor allem bei den Kriterien für
die Zumutbarkeit von Jobs für Langzeitarbeitslose. Die von der
Union im Vermittlungsausschuss als einzige Begrenzung durchgesetzte
Sittenwidrigkeit reiche nicht aus, da sie nur gelte, wenn der Lohn um
ein Drittel unter dem ortsüblichen Tarif liege. «Da sind wir
aber nicht mehr bei neun, sondern bei sechs Euro Stundenlohn»,
sagte Sommer und äußerte die Befürchtung, dass der
Lohndruck den gesamten Niedriglohnbereich mit rund 6,3 Millionen
Menschen wie Verkäuferinnen, Altenpflegerinnen, Kraftfahrer oder
Friseusen erfassen werde. Der DGB-Chef setzt seine Hoffnungen in den
künftigen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, der «in
der Arbeitswelt fest verwurzelt» sei.
Der niedersächsische SPD-Landesvorsitzende Jüttner warnte die
Gewerkschaften vor Protesten gegen die Sozialpolitik von Rot-Grün.
Solche Aktionen seien «nicht ungefährlich», zitiert
ihn die «Neue Osnabrücker Zeitung». Letztlich
täten die Gewerkschaften damit weder der SPD noch sich selbst
einen gefallen. Weiter sagte Jüttner, nach seiner Kritik an der
Parteiführung habe es beißende Reaktionen, aber auch viel
Zuspruch gegeben. «Die ersten kommen wieder», sagte er und
äußerte die Hoffnung auf ein Ende der Austrittswelle.
Müntefering genieße großen Respekt und habe
seinerseits Respekt vor der Partei.
Der ehemalige SPD-Chef Vogel appellierte in der «Leipziger
Volkszeitung» an die Sozialdemokraten, mit dem bevorstehenden
Wechsel an der Parteispitze «wieder die Tugend der
Realitätsnähe und die einer beständigen Orientierung an
Grundwerten zu pflegen». In dem Interview machte er
«handwerkliche Fehler und gewisse Mängel im Umgang mit der
Öffentlichkeit und der eigenen Partei» für die
augenblickliche Schwäche der SPD verantwortlich. In der Tat stehe
die Regierungsfähigkeit der Sozialdemokratie auf dem Spiel, aber
die Partei habe in ihrer langen Geschichte schon härtere Proben
bestanden, sagte Vogel. Anders als bei seinem Vorgänger Oskar
Lafontaine sei beim scheidenden SPD-Chef Gerhard Schröder aber
auch keine Flucht aus der Regierungsverantwortung zu befürchten.
Der frühere Bundesbankpräsident Tietmeyer sagte der
Netzeitung, das in den vergangenen Monaten aufgebaute Vertrauen in die
Reformfähigkeit dürfe nach dem angekündigten Wechsel an
der SPD-Spitze jetzt nicht aus parteitaktischen Gründen verspielt
werden. «Die Reformen müssen weitergehen», fügte
Tietmeyer wörtlich hinzu. Nach Umfragen sähen
schließlich 87 Prozent der Deutschen die Notwendigkeit weiterer
marktwirtschaftlicher Reformen über die Agenda 2010 hinaus.
(Quelle: ap)
Hochschulen zweifeln an Innovationsoffensive
Fr.13.02.04 - Die deutschen Hochschulen zweifeln an der Glaubwürdigkeit der von
der Bundesregierung angekündigten Innovationsoffensive. Die
Hochschulrektorenkonferenz erklärte nach Angaben vom Donnerstag in
einer am Dienstag in Bonn gefassten Entschließung des HRK-Senats,
die Erklärungen der Politik sowie die Absicht der Förderung
von Elite-Universitäten stünden «in erheblichem
Gegensatz zu der zunehmend unhaltbaren Situation der Hochschulen in
Deutschland».
Die anhaltende Kürzungspolitik sowohl des Bundes als auch der
Länder lasse Leistungsverluste in der Forschung und
Qualitätseinbußen in der Ausbildung befürchten,
erklärte die Rektorenkonferenz. «Insofern steht die
Glaubwürdigkeit der Erklärungen und Ankündigungen einer
Innovationsoffensive auf dem Spiel, denn auch die Bundesregierung hat
erst vor wenigen Wochen Kürzungen der Haushaltsansätze
für den Hochschulbau und die Projektförderung verfügt,
von denen die Hochschulen erheblich betroffen sind.»
Die Hochschulrektoren begrüßten die Absicht der
Bundesregierung, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis
2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Es werde
damit «ausdrücklich anerkannt, dass die deutschen
Hochschulen deutlich unterfinanziert sind. Deshalb müssen die
Investitionssteigerungen in erster Linie den Hochschulen zugute
kommen.»
Eine verstärkte Förderung von Spitzenleistungen in
Hochschulen sei «zweifellos wünschenswert», dürfe
aber «keinesfalls durch bloße Umverteilung von Mitteln zu
Gunsten einiger Spitzeneinrichtungen geschehen», warnen die
Rektoren. Es seien erhebliche zusätzliche Mittel erforderlich.
Wichtige Voraussetzung für den «wissenschaftsadäquaten
Wettbewerb» als Grundvoraussetzung von mehr Spitzenleistungen sei
ein deutlicher Rückzug des Staates aus der Detailsteuerung zu
Gunsten der Entscheidungsspielräume von Leitungsorganen der
Hochschulen. Dringlich zu behebende Wettbewerbshindernisse seien unter
anderem die Vorgaben des Dienst- und Tarifrechts, fehlende
Budgethoheit, Bauherreneigenschaft und Dienstherreneigenschaft für
das gesamte Personal, das Kapazitätsrecht und das Fehlen eines
Auswahlrechts der Hochschulen für ihre Studierenden.
(Quelle: ap)
Tarifkonflikt in Ostdeutschland droht weiterzugehen
Der Pilotabschluss in der Metallindustrie stößt bei
ostdeutschen Arbeitgebern auf Widerstand
Fr.13.02.04 - Zeitungsberichten zufolge übten neben dem Präsident des
Verbandes der sächsischen Metall- und Elektroindustrie, Bodo
Finger, auch der nordrhein-westfälische Metallarbeitgeber-Chef
Michael Jäger und der Chef des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, Kritik an der Einigung.
Zwar sei die Lohnerhöhung für 2004 akzeptabel, sagte
Jäger der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen
Post». Die Erhöhung für 2005 sei jedoch «für
unsere mittelständischen Betriebe etwas hoch gegriffen». In
den Genuss der ausgeweiteten Quotenregelung käme in
Nordrhein-Westfalen nur ein Prozent der Unternehmen. Daher würden
die Metall-Arbeitgeber in NRW den Abschluss nur mit Abstrichen
übertragen können. Dem Blatt zufolge zeigte er sich jedoch
zuversichtlich, dass dies gelingen könne.
Auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung,
Klaus Zimmermann, kritisierte die Einigung als zu hoch. «Auch
wenn der Abschluss gesamtwirtschaftlich verträglich ist, wäre
für die ostdeutsche Wirtschaft noch mehr Lohnzurückhaltung
besser gewesen», sagte er der «Berliner Zeitung». Die
Ablehnung von Seiten der sächsischen Metallarbeitgeber könne
er nachvollziehen.
Der IG-Metall-Bezirksleiter von Berlin, Brandenburg und Sachsen, Hasso
Düvel, reagiert auf die Ablehnung Fingers im
«Tagesspiegel» mit den Worten: «Wenn die sich quer
legen, gibt es ein Stück Ärger.» Er gehe davon aus,
dass die sächsischen Metaller zur Not auch für die
Übernahme des Pforzheimer Abschlusses auf die Straße gehen
würden.
Dem Blatt zufolge kommentierte Finger die Warnung Düvels mit den
Worten: «Wir wollen keinen Ärger, wir wollen ein
vernünftiges Ergebnis.» Der baden-württembergische
Kompromiss sei ein «Tarifabschluss für
Westdeutschland». Der Zeitung zufolge strebt Finger nun an,
gemeinsam mit den Tarifbezirken Thüringen und Sachsen-Anhalt die
Verhandlungen weiterzuführen. «Uns geht es wirklich ums
Geld», zitierte ihn das Blatt.
(Quelle: ap)
Rückwärtsgang - Der im Südwesten erzielte
Metall-Tarifabschluß bedeutet Reallohnverlust und
Arbeitszeitverlängerung
Mehr bei "junge Welt" vom 13.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-13/009.php
Graben zwischen Arm und Reich wird breiter
Die internationale Arbeitsorganisation ILO kritisiert die
Globalisierung. Sie bedrohe die Souveränität von Staaten...
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0226.nf/
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Neuer Streit um CO2-Ausstoß in der Wirtschaft
Fr.13.02.04 - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat der Industrie
vorgeworfen, gegen ihre Selbstverpflichtung zur Kohlendioxid-Reduktion
zu verstoßen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
wies dies zurück.
Trittin sagte am Donnerstag in Berlin unter Hinweis auf aktuelle Daten
zum Kohlendioxid-Ausstoß (CO2), zwischen 2000 und 2002 sei der
Ausstoß der am Emissionshandel beteiligten Anlagen von 491
Millionen auf 506 Millionen Tonnen CO2 gestiegen. "Die deutsche
Wirtschaft hat entgegen ihrer Selbstverpflichtung ihre CO2-Emissionen
nicht gesenkt. Entgegen ihrer Zusage hat sie ihren CO2-Ausstoß
gesteigert." Statistisch bereinigt betrage der Anstieg trotz der
konjunkturellen Rezession immer noch rund sechs Millionen Tonnen CO2.
Die Zahlen lieferten "vielleicht eine triftige Erklärung
dafür, dass der BDI und die anderen Wirtschaftsbeteiligten die
Gespräche mit der Regierung vorerst unterbrochen haben", sagte
Trittin. Die Bundesregierung bleibe dialogbereit.
Der BDI hielt dagegen, die Zahlen zum CO2-Ausstoß 2000 bis 2002
seien eine Momentaufnahme und würden freiwillig von den
Unternehmen zur Verfügung gestellt. "Wer daraus voreilig die
Klimavereinbarung in Frage stellt, argumentiert nicht seriös",
erklärte BDI-Geschäftsführungsmitglied Carsten Kreklau.
"Die Wirtschaft steht zur ihrer Vereinbarung mit der Bundesregierung
und wird diese erfüllen." Zieljahr der Reduktionsvereinbarung sei
2010. "Dass es auf dem Weg dahin Abweichungen nach unten oder oben
geben kann, ist völlig selbstverständlich."
Die Industrie hat sich verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2010
um 45 Millionen Tonnen zu senken. Derzeit verhandeln Regierung und
Wirtschaft über einen System zum Handel mit CO2-Rechten, das den
CO2-Ausstoß möglichst kosteneffizient senken und 2005
EU-weit in Kraft treten soll. Der BDI hatte am Donnerstag weitere
Gespräche abgesagt. Zur Begründung hieß es, Trittin
wolle den Emissionshandel einseitig zu Lasten der Unternehmen
ausgestalten.
(Quelle: rtr)
Die Anti-Atom-Bewegung hat es immer schon gewusst. Für den
Atomausstieg der rot-grünen Bundesregierung hatte sie stets nur
Hohn und Spott übrig - ihr Slogan: Konsens ist Nonsens. Dieses
Motto ist jetzt beim Gewürge um den Emissionshandel eindrucksvoll
bestätigt worden - von der Industrie...
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0158.nf/text
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten - Mikroprojekte
machen ernst mit dem Kioto-Protokoll
Der Kongress in Washington beschloss 2003 massive Steuersubventionen
für Benzin fressende Freizeitjeeps. Damit besiegelten die USA ihre
Absage an das Kioto-Protokoll, das die Industrieländer zu
Schritten gegen die Luftverschmutzung, also gegen die Erwärmung
der Erdatmosphäre verpflichtet. Verantwortlich für den
Treibhauseffekt ist jedoch die entwickelte Welt insgesamt. Und die darf
sogar mehr Kohlenstoffgase produzieren, wenn sie
Umweltschutzmaßnahmen in der Dritten Welt finanziert. Nicht nur
wegen dieses Ablasshandels fordern Ökologen aus unterentwickelten
Ländern, das Kioto-Protokoll zu überarbeiten....
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0057.nf/text
Kohlenstoffsenken
Über die Hälfte der Kohlenstoffgase, die bei der Verbrennung
der fossilen Brennstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle entstehen, werden
von den Weltmeeren und den Wäldern absorbiert, die deshalb
für die Klimaregulierung eine wichtige Rolle spielen. Entwaldung
hingegen steigert den Kohlendioxidausstoß. Aus diesem Grund
gelten Wälder und Meere als "Kohlenstoffreduzierer", deren
Aufnahmekapazität bei Maßnahmen gegen den Klimawandel
mitgerechnet wird....
Mehr bei Le Monde diplomatique Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18:
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0062.nf/text
Sonne, Wind und Erdwärme statt Triumph der Technowissenschaft
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0060.nf/text
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Bahn will Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 15 Prozent senken
Fr.13.02.04 - Die Deutsche Bahn AG will bis zum Jahr 2020 ihre
Kohlendioxid-Emissionen um mindestens 15 Prozent senken. Das
kündigten Bahnchef Hartmut Mehdorn und Umweltminister Jürgen
Trittin am Donnerstag in Berlin an. Bei einer Verbesserung der
derzeitigen Rahmenbedingungen für den Schienenverkehr hält
Mehdorn sogar eine 25-prozentige Senkung für möglich. Trittin
forderte die Bahn auf, auch bei der Minderung von anderen
Schadstoffemissionen und beim Lärmschutz nach ambitionierten
Lösungen zu suchen.
Das Ziel will das Bundesunternehmen durch «konsequente
Energiesparmaßnahmen und die Steigerung der
Energieeffizenz» erreichen. Unter anderem sollen mehr Energie
sparende Fahrzeuge eingesetzt werden und elektrischer Betrieb
gegenüber dem Einsatz von Dieselmotoren verstärkt werden.
Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Rahmenbedingungen für
die Schiene nicht weiter verschlechterten.
Die Bahn knüpft damit an ihr Energiesparprogramm 2005 an, dessen
Teilziel Klimaschutz bereits 2002 erreicht wurde: die Emissionen des
klimaschädlichen Kohlendioxids um 25,9 Prozent gegenüber dem
Bezugsjahr 1990 zu senken. Trittin sagte, ohne den Beitrag der Bahn
hätte es die Bundesregierung viel schwerer, ihre
Klimaschutzverpflichtungen zu erfüllen.
Mehdorn kritisierte zugleich, dass die seiner Ansicht nach ungerechte
Anlastung der Ökosteuer die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn
verzerre. Während der Luftverkehr von der Ökosteuer
völlig ausgenommen sei, sei die Bahn 2004 mit voraussichtlich 220
Millionen Euro zu einem der größten Ökosteuerzahler
Deutschlands geworden. Dabei entfielen «30 Prozent der
Aufwendungen auf die erhöhte Mineralölsteuer und 70 Prozent
auf die neu eingeführte Stromsteuer».
Trittin betonte, die Bundesregierung wolle dazu beitragen, dass die
Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel attraktiver werde. Er
verwies auf den Plan, ab 2005 die Mehrwertsteuer für den
Schienenfernverkehr von 16 Prozent auf 7 Prozent zu halbieren. Die
Steuerermäßigungen seien Investitionen in den Klimaschutz
und damit gut angelegtes Geld, sagte der Grünen-Politiker.
Umweltverbände begrüßten die Zielsetzung des
Unternehmens. «Die Bahn baut damit ihren Umweltvorteil
gegenüber allen anderen Verkehrsträgern aus», lobte der
Naturschutzbund Deutschland. Der Vorsitzende des Verkehrsclubs
Deutschland, Michael Gehrmann, forderte von der Politik eine
umweltorientierte Harmonisierung der Belastungen der
Verkehrsträger. Auch der BUND kritisierte, dass der Abbau der
Steuersubventionen für den Flugverkehr nicht vorangetrieben werde.
(Quelle: ap)
Biometrische Grenzkontrollen
Fr.13.02.04 - Ab dem (heutigen) Freitag können sich Fluggäste auf dem
Frankfurter Flughafen mit der Oberfläche ihrer Augen
identifizieren und so Ausweiskontrollen vermeiden. Bedingung ist
allerdings, dass sich die Reisenden zuvor in dem so genannten
Enrolment-Center auf dem Frankfurter Flughafen haben registrieren
lassen. Dazu müssen sich die Reisenden zunächst einer
Sicherheitsprüfung unterziehen, ihre Iris wird fotografiert, die
Daten werden digitalisiert und in einer Datenbank gespeichert. Der
Registrierungsvorgang dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Ab dem
nächsten Flug können die Teilnehmer dann die automatisierte
biometriegestützte Kontrolle benutzen...
Mehr bei Spiegel-Online (12.02.04) unter:
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,286105,00.html
Virenkrieg wird immer verwirrender
Anti-Wurm 'Nachi' versucht nach 'Blaster' auch 'Mydoom' zu
löschen - 'Mitglieder-H folgt 'Mydoom'
Fr.13.02.04 - Die Nachwehen des Wurms "Mydoom" werden immer unübersichtlicher:
Während mit "Mitglieder-H" bereits der vierte Virus gesichtet
wurde, der auf den Spuren von "Mydoom" Rechner befällt, kommt
jetzt auch noch eine Variante des "Nachi"-Wurms (auch "Welchi" genannt)
dazu, der im letzten Jahr als "Reparatur"-Virus bekannt wurde.
"Nachi" hatte im August 2003 Schlagzeilen gemacht, weil er Rechner von
"Blaster"-Würmern "befreite" und einen Microsoft-Patch
installierte. Dieser soll die Lücke schließen, die zuvor
"Blaster" und auch "Nachi" selbst ausgenutzt hatten, um die Rechner zu
befallen.
Analog dazu versucht sein Nachfolger "Mydoom" zu löschen, um
anschließend wiederum den Patch herunterzuladen, der ihm
überhaupt den Zutritt zum betroffenen Rechner ermöglichte.
"Nachi" hat allerdings als "Anti-Wurm" erhebliche Schäden
angerichtet, sodass die Unterscheidung zu den "Mydoom"-Nachfolgern
"Doomjuice" (bereits in zwei Varianten), "Deadhat" und "Mitglieder-H"
schwer fällt.
Diese Schädlinge löschen zwar auch jeweils den Originalwurm,
installieren aber anschließend neue Schadensroutinen bzw.
öffnen neue Ports für weitere Angriffe.
Hinter dem Virus "Doomjuice" steckt nach Einschätzung von Experten
ein Versuch der "Mydoom"-Entwickler, die Spuren zu ihrer Urheberschaft
zu verwischen.
(Quelle: futurezone)
Software-Bug schuld an US-Blackout - Im August 2003 waren 50 Mio.
Menschen ohne Strom
Fehler im XA/21-Kontrollsystem legte Alarm lahm +++ Auch Backup-Server
zusammengebrochen +++ Energieversorger müssen nun Systeme
patchen
Fr.13.02.04 - Ein Programmierfehler in einem weit verbreiteten
Energie-Management-System von General Electric führte im
vergangenen August zum größten Stromausfall in der
Geschichte Nordamerikas. Dies gab die zuständige Stelle nun
bekannt.
Der Bug im XA/21-Kontrollsystem wurde erst nach ausführlicher
Überprüfung des Codes entdeckt. Der Mangel war dafür
verantwortlich, dass das Alarmsystem im Kontrollzentrum in Ohio versagt
hat und die Techniker so die anderen Energieversorger nicht warnen
konnten.
"Der Fehler war sehr tief im System verankert. Man musste sich erst
durch Millionen Zeilen an Code kämpfen," so Ralph DiNicola,
Sprecher der Stromgesellschaft FirstEnergy.
Der Ausfall des Stromnetzes hatte sich binnen kürzester Zeit auf
den gesamten Nordosten der USA und Teile Kanadas ausgeweitet. New York
und Dutzende andere Städte waren teils tagelang ohne Strom.
Insgesamt waren 50 Mio. Menschen von dem Blackout betroffen.
Eine Verkettung widriger Umstände machte das Ausmaß der
Katastrophe erst möglich. Als ein Backup-Server einsprang, wurde
auch dieses System überlastet, da es die Fülle an
angefallenen Anfragen seit dem Ausfall des Zentralsystems nicht mehr
bewältigen konnte. Da der Zusammenbruch vom Alarmsystem nicht
gemeldet wurde, verging über eine Stunde, bis den Technikern
schließlich die veralteten Informationen auf den Status-Anzeigen
der betroffenen Stromnetzteile auffiel.
Das North American Electric Reliability Council [NERC] hat nun alle
Stromversorger, die auf das XA/21-Systems setzen, aufgefordert,
unverzüglich alle verfügbaren Patches einzuspielen, um eine
Wiederholung des Vorfalls zu verhindern.
Schon im November kamen Experten zu dem Ergebnis, dass eine nicht
nähere definierte Computerpanne unter anderem Schuld an dem
Blackout hatte.
(Quelle: futurezone)
Forscher klonen erstmals menschliches Embryo
Südkoreanische Wissenschaftler haben erstmals einen menschlichen
Embryo geklont und ihm Stammzellen entnommen. Ziel ihrer Forschung sei
es, die geklonten Embryonen für therapeutische Zwecke zu nutzen,
und nicht, sie zu Babys heranwachsen zu lassen, bekräftigten die
Forscher von der Nationaluniversität der südkoreanischen
Hauptstadt Seoul bei einer Pressekonferenz in Seattle
Fr.13.02.04 - Das Experiment sei gelungen, weil das Team äußerst junge
Eizellen entnommen und das genetische Material mit größter
Vorsicht behandelt habe, erklärten die Forscher der Nationalen
Universität in Seoul.
Die Wissenschaftler entnahmen 16 Frauen insgesamt 242 Eizellen. Jede
Frau spendete außerdem einige Zellen ihrer Eierstöcke. Wie
beim Klonen von Tieren entfernten die Forscher dann den Kern der
Eizellen und ersetzen sie durch einen aus den Eierstock-Zellen. Mit
Hilfe von Chemikalien wurde die Zellteilung beschleunigt, so dass die
Wissenschaftler 30 Blastozyten erhielten, fünf Tage alte
Embryonen, die aus nur 100 Zellen bestehen. Aus diesen wurden
Stammzellen entnommen, die denselben genetischen Code aufweisen wie die
Spenderin.
Die Zellen begannen in Reagenzgläsern und nach der
Übertragung auf Mäuse mit der Bildung von Muskel- und
Knochengewebe, wie die Forscher erklärten. Jetzt wolle das Team
untersuchen, wie die Zellen angeregt werden können, spezielle
Gewebearten zu bilden, sagte der leitende Forscher Woo Suk Hwang.
Der Stammzellenforscher Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute in
Massachusetts erklärte, die Arbeit in Südkorea erbringe den
lange erwarteten Beweis, dass therapeutisches Klonen möglich sei.
Trotzdem sei noch jahrelange Forschungsarbeit notwendig, bevor an eine
Übertragung der Stammzellen auf den Menschen gedacht werden
könne.
Für die Bundesrepublik schloss Forschungsministerin Edelgard
Bulmahn eine Lockerung der Gesetzeslage aus. «Das therapeutische
Klonen ist in Deutschland verboten und wird auch verboten
bleiben», sagte sie der «Berliner Zeitung»
(Freitagausgabe) zufolge. Das Embryonenschutzgesetz und das
Stammzellgesetz ermöglichten der Forschung, Anschluss an den
internationalen Standard in der Grundlagenforschung zu halten und
verspielten nicht mögliche Heilungschancen.
Unionspolitiker hielten der Bundesregierung vor, mit ihrem
Abstimmungsverhalten ein umfassendes Klonverbot der UN blockiert zu
haben. Das Forschungsergebnis ändere nichts an der Haltung der
Union, erklärte Fraktionsvize Maria Böhmer: Embryonen
dürften nicht zum Zweck der Forschung hergestellt und getötet
werden. Der Sprecher der Unionsfraktion in der Ethikkommission, Thomas
Rachel, äußerte die Befürchtung, zur Herstellung
genetisch identischer Menschen sei es nun nur noch ein kleiner Schritt.
Die FDP-Forschungspolitikerin Ulrike Flach dagegen sprach von einem
hochinteressanten Forschungsergebnis und wichtigem Schritt. Wenn es
gelinge, die gewonnenen Zellen zu programmieren, wäre dies ein
echter Durchbruch für die Entwicklung von Therapien gegen schwere
Krankheiten. Dann müsse auch das deutsche Embryonenschutzgesetz
geändert werden.
Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske sagte, eine klare Trennlinie
zwischen reproduktivem und therapeutischem Klonen existiere nicht. Die
Technologie mache Frauen zu Rohstofflagern für die Forschung.
«Wir müssen den Machbarkeitswahn stoppen und
schnellstmöglich zu einem internationalen Klonverbot
kommen», forderte der Präsident der Bundesärztekammer,
Jörg-Dietrich Hoppe.
In ersten Reaktionen in den USA lehnten Politiker den Erfolg der
Wissenschaftler ab. "Das ist eine alarmierende Entwicklung", sagte der
Mehrheitsführer im Senat, Bill Frist, ein Chirurg, der auf die
Transplantation von Herzen und Lungen spezialisiert ist. "Einen
Menschen zu klonen bedeutet, von der Zeugung zur Produktion
menschlichen Lebens zu wechseln", sagte er. Wissenschaftler
begrüßten den Durchbruch ihrer Kollegen, äußerten
aber die Erwartung, dass es noch Jahre dauern werde, bis das Verfahren
bei der Behandlung von Krankheiten angewandt werden könne.
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Klon-Experte Zavos will Frau geklonten Embryo eingepflanzt haben
Mo.19.01.04 - Der umstrittene US-Klonexperte Panos Zavos hat nach eigenen Angaben
einer 35 Jahre alten Leihmutter einen von ihm geklonten menschlichen
Embryo eingepflanzt. Bei Experten stießen die Angaben des
Wissenschaftlers allerdings auf Skepsis und Kritik... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401190.htm#04011917
UN verschieben Beratungen über Klonverbot um ein Jahr
Sa.13.12.03 - Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind hinsichtlich eines
Klonverbots menschlicher Zellen tief gespalten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/K0312130.htm#03121308
Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Fr.21.02.03 - ... Aufforderung an Regierung, sich für die internationale Ächtung
sowohl des reproduktiven als auch des therapeutischen Klonens einzusetzen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302221.htm#03022115
Das Klonen geht auf eine 50-jährige Forschungsgeschichte zurück. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0301070.htm#030105_c
Telepolis- Klonen-Spezial:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/klon/default.html
Mehr zum Thema Klonen im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212300.htm#us_klon
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0202140.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212260.htm#bruestle
Vor 50 Jahren entdeckten James Watson und Francis Crick die Struktur der Erbsubstanz. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0191.nf/text
Von der DNA-Helix bis zum Bauplan des Menschen (Chronologie):
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0189.nf/text
Mit Mendel fing es an - Entdeckungen vor der Helix-Ära (Chronologie:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0190.nf/text
Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter?
Mehr in einem telepolis-Artikel (12.02.04) von Peter V. Brinkemper zum
200. Todestag des Philosophen Immanuel Kant:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16734/1.html
Was ist Aufklärung?
Kant: "Aufklärung ist der Ausgang aus der selbstverschuldeten
Unmündigkeit. Unmündigkeit ist die Unfähigkeit, sich
seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache
derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der
Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines
anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."
Die ZEIT bat acht philosophische Köpfe, die Frage „Was ist
Aufklärung?" noch einmal aufzugreifen:
http://www.zeit.de/feuilleton/kant
Aufklärung online: Immanuel Kants Werke ins Internet gestellt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben die kompletten Werke
und Briefe des vor 200 Jahren verstorbenen Philosophen Immanuel Kant
ins Internet gestellt. Das Kant-Informationssystem erlaubt Nutzern in
Zukunft auch den Zugriff auf gescannte Originalschriften...
Mehr bei heise-online (09.02.04):
http://www.heise.de/newsticker/meldung/44445
Immanuel Kant starb am 12. Februar 1804 im Alter von fast 80 Jahren in
Königsberg
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