Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Sondergesandter Brahimi warnt vor Bürgerkrieg in Iark +++
Wachsender Widerstand gegen US-Plan zur Machtübergabe - Washington
hält an 30. Juni als Datum für Übergabe der Macht an Irak
fest +++ Frankreichs Außenminister Villepin schlägt
internationale Konferenz zur Zukunft Iraks vor +++ Friedensbewegung
plant Aktionen zum Jahrestag des Angriffs auf Irak
Sa.14.02.04 - Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hat vor einem Bürgerkrieg in
Irak gewarnt. Das Land stehe vor "sehr, sehr ernsten Gefahren", sagte
Brahimi am Freitag nach seinen Sondierungsgesprächen in Bagdad. Er
habe den irakischen Regierungsrat und alle anderen Gesprächspartner
immer wieder zu Vorsicht aufgerufen. Allerdings habe er den Eindruck
gewonnen, dass sich seine Gesprächspartner der Probleme bewusst
seien und nach Auswegen suchen wollten, sagte Brahimi weiter. Dies
stimme ihn "optimistisch".
In der irakischen Führung wächst derweil der Widerstand gegen
den amerikanischen Plan zur Bildung einer neuen Regierung. Auch der
Brahimi erklärte nach einem Treffen mit dem irakischen
Verwaltungsrat, der US-Plan müsse "zumindest erheblich verbessert
werden". Gleichzeitig machte Brahimi deutlich, dass die schiitische
Forderung nach allgemeinen Wahlen vor der geplanten Machtübergabe
am 30. Juni kaum erfüllbar sei. Mitglieder des Verwaltungsrats
sprachen sich für einen Kompromiss aus.
Demnach soll am 30. Juni ein erweiterter Verwaltungsrat mit Vertretern
bislang nicht repräsentierter Gruppen die Macht übernehmen und
noch in diesem Jahr Wahlen organisieren. Dieser Vorschlag sei im
Einzelnen aber noch nicht mit Brahimi besprochen worden, sagte das
sunnitische Verwaltungsratsmitglied Samir Schaker Mahmud. Auch die 13
schiitischen Mitglieder des Gremiums schienen diese Lösung dem
US-Plan vorzuziehen.
Der Verwaltungsrat hatte ursprünglich gemeinsam mit der
US-Zivilverwaltung vereinbart, in 18 Regionalversammlungen die
Mitglieder eines neuen Parlaments zu bestimmen. Die Abgeordneten sollen
dann die Regierung wählen, die am 30. Juni ihr Amt antreten soll.
Gegen diesen Vorschlag hatte sich besonders der schiitische Geistliche
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani ausgesprochen.
Die USA halten am 30. Juni als Datum für eine Machtübergabe
in Irak an die Iraker fest. Wie bereits im vergangenen November
festgelegt, solle die Macht zu diesem Zeitpunkt an die Iraker
übergeben und anschließend "zum geeigneten Zeitpunkt" Wahlen
organisiert werden, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am
Freitag. Die USA hätten nicht vor, den Zeitplan zu verschieben.
Der französische Außenminister Dominique de Villepin schlug
eine internationale Konferenz zur Zukunft Iraks vor. An dieser
könnten auch Syrien, die Türkei und andere Länder der
arabischen Welt teilnehmen. "Ein Land kann einen Krieg gewinnen, aber
kein Land kann allein den Frieden gewinnen", sagte De Villepin in
Anspielung auf die USA.
Die Niederlande schicken weitere 108 Soldaten nach Irak. Das beschloss
das Kabinett am Freitag. Damit erhöht sich die Zahl der in Irak
stationierten niederländischen Soldaten auf 1.260. Wie das
Verteidigungsministerium mitteilte, sollen die neuen Soldaten bei der
Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte helfen. Sie sollen vier
Monate in Irak bleiben. Die niederländischen Truppen sind seit
August im Süden Iraks stationiert und stehen unter britischem
Kommando.
Die Friedensbewegung plant zum Jahrestag des US-Angriffs auf Irak am
20. März 2004 eine Reihe internationaler Aktionen gegen die
"Präventivkriegs-Doktrin" und für eine "Zivilisierung der
Politik". Wie das Netzwerk Friedenskooperative am Freitag mitteilte,
sind Demonstrationen und Protestveranstaltungen in vielen
europäischen Hauptstädten und in den USA geplant.
In Deutschland sollen nach diesen Angaben Aufmärsche und
Versammlungen in Berlin und anderen großen Städten sowie
zahlreiche lokale Veranstaltungen an die "Lügen zur Begründung
des Krieges" erinnern und auf die "desaströse Lage" in Irak
aufmerksam machen. Ferner soll es zu einem Demonstrationszug zum
amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein kommen. Am 15. Februar
vergangenen Jahres hatten nach Schätzung der Friedensbewegung
weltweit rund zwölf Millionen Menschen gegen den bevorstehenden
Irak-Krieg protestiert.
(Quellen: afp, ap)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Bush verteidigt Präventivkrieg und Irak-Invasion
Di.20.01.04 - In einer Rede zur Lage der Nation verteidigte US-Präsident George
W.Bush am Dienstagabend (Ortszeit) vor beiden Häusern des
Kongresses seine Politik des Präventivkrieges und der
Irak-Invasion.
Die Rede findet sich auf der Homepage des Weißen Hauses in der
englischen Orginalfassung:
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2004/01/20040120-7.html
Bush (oder Cheney) Doktrin
The National Security Strategy of the United States of America
(Präventivschlags-Stategie) September 2002
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.html
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.pdf
Mehr Berichte zur "Präventivschlag-Doktrin" im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401140.htm#040114zw
Immer neue Puzzlestücke bestätigen das Bild einer
US-Administration, die den Krieg im Irak mit allen Mitteln suchte...
... Dass der Kriegszug gegen den Irak von neokonservativen Strategen
schon weit vor dem 11.September projektiert war: nichts Neues. Dass die
Beweise dafür "gezimmert" wurden: nichts Neues. Aber, so das
regierungskritische US-Magazin Mother Jones, bislang wurde die
Geschichte, wie die Bush-Administration die irakische Bedrohung mit
manipulierten Dokumenten und fragwürdigen Quellen hochstilisierte,
noch nicht in vollem Umfang erzählt. Der kürzlich
veröffentlichte Bericht [http://www.motherjones.com/news/feature/2004/01/12_405.html],
der dies jetzt nachholt, offenbart eine Politik im Zentrum des
Pentagon, die gnadenlos auf ein großes Ziel ausgerichtet ist.
Was sich da auf fünfzehn mit Insider-Informationen gespickten
Seiten aufblättert, ist das Skript eines lang durchdachten, stur
und rücksichtslos durchgeführten Manövers, das dem
amerikanischen Epos über die besessene Jagd auf einen weißen
Wal in einigen Punkten sehr nahe kommt. Wie Kapitän Ahab holte
sich Deputy Wolfowitz eine geheime Crew an Bord, auf die er sich mehr
verließ als auf die übrige Mannschaft: eine geheime Zelle,
die im Herzen des Pentagon operierte mit dem Auftrag, abseits der
offiziellen Geheimdienstarbeit das nötige Material zu beschaffen,
um einen Angriff auf den Irak zu rechtfertigen....
Mehr bei telepolis (14.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16746/1.html
Franzose gewinnt 'World-Press-Photo'-Preis 2003
Der französische Fotograf Jean-Marc Bouju von der
Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat den Preis für das
beste Pressefoto der Welt 2003 gewonnen.
Das als "World Press Photo" ausgezeichnete Bild zeigt einen irakischen
Gefangenen hinter Stacheldraht, der seinen vier Jahre alten Sohn
tröstet. In der Kategorie "Momentaufnahme" belegte Atta Kenare von
der Nachrichtenagentur AFP den zweiten Platz.
Rang zwei und drei in der Kategorie "Menschen in der Gegenwart" ging
bei der 47. Verleihung an die US-Fotografin Carolyn Cole von der "Los
Angeles Times". An dem Amsterdamer Wettbewerb nahmen insgesamt 4176
Berufs-Fotografen aus 124 Ländern teil. Den mit 10.000 Euro
dotierten Preis wird Bouju bei der offiziellen Preisverleihung am 25.
April entgegennehmen.
In der Kategorie "Momentaufnahme" siegte Achmed Dschadallah von der
Nachrichtenagentur Reuters mit einem Foto von einem Luftangriff auf das
palästinensische Flüchtlingslager Dschabalija. Den zweiten
Platz belegte Atta Kenare aus dem Teheraner Büro der
Nachrichtenagentur AFP mit einem Bild von einem Vater, der die
Beerdigung seiner beiden Söhne nach dem Erdbeben im iranischen Bam
vorbereitet. In der Kategorie "Natur" wurde Gérard Julien von
AFP Marseille mit einem Foto von der Überschwemmung im
französischen Herault ausgezeichnet.
Quelle: afp, 13.02.04
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Bush will nicht öffentlich vor Untersuchungskommission aussagen
Sa.14.02.04 - US-Präsident George W. Bush will nicht öffentlich vor der
amerikanischen Untersuchungskommission zu den Terroranschlägen vom
11. September 2001 aussagen. Allerdings stimmte er einem privaten
Treffen mit dem Gremium zu, wie sein Pressesprecher Scott McClellan am
Freitag in Washington mitteilte. Die Kommission soll untersuchen, was
die US-Regierung hätte tun können, um die
Terroranschläge zu verhindern.
Die Kommission habe um ein privates Treffen mit dem Präsidenten
angefragt, um die relevanten Punkte zu besprechen, sagte McClellan.
Während das Gremium die Möglichkeit einer späteren
öffentlichen Sitzung erwogen habe, glaube das Weiße Haus,
der Präsident könne alle notwendigen Informationen bei dem
privaten Treffen liefern. Deswegen gebe es keine Notwendigkeit für
eine weitere Aussage, erklärte der Bush-Sprecher.
Bushs Vorgänger Bill Clinton und der frühere
Vizepräsident Al Gore hatten zuvor ebenfalls ihre Bereitschaft zu
einer nicht-öffentlichen Aussage signalisiert, um sich über
mögliche Fehler der Regierung vor den Terroranschlägen zu
äußern.
(Quelle: ap)
Neuer Ausschuss soll Haftdauer von Guantanamo-Häftlingen
prüfen
Rumsfeld: Guantánamo-Gefangene werden noch jahrelang festgehalten
Sa.14.02.04 - Die US-Regierung will Guantanamo-Häftlingen erstmals
ermöglichen, offiziell Widerspruch gegen ihre Gefangenschaft
einzulegen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kündigte am
Freitag die Schaffung eines Ausschusses an, der einmal im Jahr
Terrorverdächtige anhören und die Möglichkeit einer
Entlassung prüfen werde. Entscheidend werde dabei sein, ob die
Verdächtigen noch eine Gefahr für die Vereinigten Staaten
darstellten, sagte Rumsfeld. Wie viele Gefangene der Ausschuss pro Jahr
hören soll, teilte er nicht mit.
Ein Großteil der mehr als 660 Gefangenen auf dem kubanischen
US-Stützpunkt Guantánamo soll dort offenbar noch jahrelang
festgehalten werden. Die zeitlich unbegrenzte Gefangenschaft der
Guantánamo-Häftlinge diene dazu, diese an der Rückkehr
auf das "Schlachtfeld" des internationalen Terrorismus' zu hindern,
sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Freitag in Miami.
Die Regierung plane, die Häftlinge «so lange wie
nötig» festzuhalten, betonte Rumsfeld. «Dies sind
feindliche Kämpfer und Terroristen, die wegen kriegerischen
Handlungen gegen unser Land festgehalten werden, und deshalb
müssen für sie andere Regeln gelten.» Die
Häftlinge in Guantanamo werden ohne Anklage und Rechtsbeistand
festgehalten. Die rund 650 Gefangenen werden von den USA
verdächtigt, Taliban- oder El-Kaida-Mitglieder zu sein. Der
Oberste Gerichtshof wird voraussichtlich noch in diesem Jahr
darüber entscheiden, ob sie unter den gegenwärtigen
Bedingungen unbefristet festgehalten werden dürfen.
(Quelle: ap, afp)
Auf ewig Guantanamo?
Mehr im "tagesspiegel" vom 14.02.04 unter:
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/14.02.2004/975826.asp
Architektur der Rechtslosigkeit
Guantanamo ist dank seines exterritorialen Status zum Inbegriff eines
rechtlosen Raums geworden.(telepolis, 28.01.04). Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/16636/1.html
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0006.nf/text
US-Militärjuristen prangern Umgang mit Gefangenen auf Guantanamo an
Mo.01.12.03 - Admiral Don Guter, der als oberster Jurist der Navy Dienst getan hatte,
bis er letztes Jahr in Pension ging, hat sich mit seinem
Vorgänger, Admiral John Hutson, und einem Rechtsexperten der
US-Army für Gefangenenfragen, Exgeneral David Brahms,
zusammengetan, um die Bush-Regierung wegen der Gefangenenbehandlung auf
Guantanamo zum Umdenken zu zwingen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_a
US-Gericht krisisiert Haftbedingungen in Guantánamo
Fr.19.12.03 - Inhaftierung auf unbestimmte Zeit widerspreche amerikanischen Idealen.
Richter: Guantanamo-Gefangene haben Anspruch auf US-Justizsystem... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312190.htm#03121902
US-Marine darf Schiffe nach Massenvernichtungswaffen durchsuchen
Sa.14.02.04 - Die US-Marine darf einem neuen Abkommen zufolge künftig mehrere
tausend Handelsschiffe in internationalen Gewässern nach
Massenvernichtungswaffen durchsuchen. Ein entsprechender Vertrag sei
zwischen den USA und Liberia unterzeichnet worden, sagte der Sprecher
des US-Außenministeriums, Richard Boucher. Liberia liegt bei den
Schiffsregistrierungen weltweit auf Platz zwei hinter Panama.
Mit dem Abkommen gelangt faktisch die Aufsicht über alle unter
liberianischer Flagge fahrenden Frachtschiffe in die Hand der
US-Streitkräfte, wie Analysten erklärten. Laut Boucher wurde
die Übereinkunft bereits am Mittwoch unterzeichnet. Sie sei an
ähnliche Verträge angelehnt worden, die bereits im Kampf
gegen den Drogenhandel geschlossen worden seien. Weltweit fahren nach
Angaben aus Monrovia mehr als 2.000 Schiffe unter liberianischer Flagge.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen Palästinenser im
Westjordanland +++ Chirac: Israelischer Sperrwall widerspricht
internationalem Recht +++ Israels Botschafter in Deutschland übt
scharfe Kritik an der Europa-Reise des
Palästinenser-Präsidenten Ahmed Kureia
Sa.14.02.04 - Israelische Soldaten haben im Westjordanland einen Palästinenser
erschossen. Die Leiche des 28-Jährigen sei in einem von Kugeln
zersiebten Fahrzeug in der Ortschaft Kabatija bei Dschenin gefunden
worden, teilten palästinensische Rettungskräfte mit. Die
israelischen Streitkräfte erklärten, eine Patrouille sei von
dem Fahrzeug aus beschossen worden und habe das Feuer erwidert. Nach
Angaben von Rettungskräften war der 28-Jährige jedoch
unbewaffnet.
In Jericho im Westjordanland erlag unterdessen ein Palästinenser
seinen Schussverletzungen, die er am 1. Februar in einem Feuergefecht
mit israelischen Soldaten erlitten hatte. Laut Militärangaben
starb er in einem israelischen Krankenhaus.
Die Streitkräfte befanden sich am Freitag in höchster
Alarmbereitschaft, nachdem die militante Hamas-Bewegung Rache
geschworen hatte für den Tod von 16 Palästinensern, die bei
einer Militäraktion am Mittwoch im Gazastreifen ums Leben kamen.
Die Polizei verschärfte aus Sorge vor möglichen
Anschlägen vor dem Freitagsgebet die Sicherheitsmaßnahmen an
der Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg. Nur Männern
über 45 Jahren und Frauen mit israelischen Ausweiskarten sollte
der Zugang erlaubt werden. Alle Palästinenser aus dem
Westjordanland und dem Gazastreifen wurden ausgeschlossen.
Die militanten Al-Aksa-Märtyrerbrigaden töteten am Freitag
nach eigenen Angaben in Bethlehem einen Mann, der der Kollaboration mit
Israel verdächtigt wurde. Der 28-Jährige sei erschossen
worden, nachdem er zugegeben habe, dem israelischen Geheimdienst bei
der Verfolgung von Extremisten geholfen zu haben.
Drei Tage vor einem Staatsbesuch des israelischen Präsidenten
Mosche Katzav in Frankreich hat der französische Präsident
Jacques Chirac den von Israel errichteten Sperrwall zum Westjordanland
kritisiert. Der Verlauf des Sperrwalls widerspreche dem internationalen
Recht und könne bei den Palästinensern "noch mehr Wut"
hervorrufen, sagte Chirac der israelischen Zeitung "Jediot Ahronot" in
einem Interview, das am Freitag vom Pariser Elysée-Palast
veröffentlicht wurde. Katzav wird sich von Montag bis Donnerstag
kommender Woche in Frankreich aufhalten.
Auch der palästinensische Außenminister Nabil Schaath
übte erneut scharfe Kritik an der geplanten Sperranlage zum
Westjordanland. «Wenn Israel einen Sicherheitszaun bauen will,
sollte es das an seiner eigenen Grenze tun», sagte Schaath am
Freitag auf einer Pressekonferenz in Tokio. «Einen Zaun baut man
um den eigenen Garten und nicht in dem des Nachbarn, denn dann ist das
eine Annektierung und hat nichts mehr mit Sicherheit zu tun.»
Stattdessen solle Israel die Friedensgespräche wieder aufnehmen.
Schaath hielt sich zu Gesprächen über japanische Hilfen
für die Palästinenser in Tokio auf.
Israels Botschafter Schimon Stein hat scharfe Kritik an der
Europa-Reise des Palästinenser-Präsidenten Ahmed Kureia
geübt. Er wird am Dienstag auch von Bundeskanzler Gerhard
Schröder empfangen wird. Kureia sei ein «gescheiterter
Ministerpräsident» und habe nichts zur Bekämpfung des
Terrors unternommen, sagte Stein der Nachrichtenagentur dpa. Er
müsse erst einmal «zu Hause se
(Quelle: dpa, afp, ap)
US-Soldat in Afghanistan getötet - Zwei Tote bei Anschlag in der
Provinz Chost
Sa.14.02.04 - Bei der Explosion einer Mine im Osten Afghanistans sind ein US-Soldat
getötet und neun verletzt worden. Wie ein Sprecher des
US-Oberkommandos Mitte am Samstag mitteilte, ereignete sich der
Zwischenfall am Freitagnachmittag in der Nähe der Stadt Ghansi,
125 Kilometer südlich der Hauptstadt Kabul. Fünf der
Verletzten mussten mit Hubschraubern in ein Lazarett auf dem
US-Stützpunkt Bagram gebracht werden. Nähere Einzelheiten
waren zunächst nicht bekannt.
Ebenfalls im Osten Afghanistans waren am Freitag in der Provinz Chost
zwei Menschen bei der Explosion einer Mine in der Nähe einer
Polizeiwache getötet und sechs verletzt worden. Der Verdacht fiel
auf Kämpfer der Taliban und des Terrornetzwerks El Kaida. Zuvor
waren auf dem Flughafen von Chost in der Nacht zum Freitag mehrere
Raketen eingeschlagen. Die amerikanischen Streitkräfte reagierten
darauf mit Luftangriffen in den nahe gelegenen Bergen.
(Quelle: ap)
USA setzen Iran Ultimatum für Ausstieg aus Atomprogramm
Sa.14.02.04 - Die USA haben Iran ein Ultimatum bis März gesetzt, um sein
Atomwaffenprogramm einzustellen. Bis zur Konferenz der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), die am 8. März beginnt, habe Iran
Zeit, um seine im vergangenen Jahr gemachten Versprechen zu
erfüllen, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag
in Washington. Wenn Iran sich nicht kooperativ zeige, könne die
USA darauf dringen, dass die IAEA die Angelegenheit an den
UN-Sicherheitsrat weiterleitet, wo dann Sanktionen beschlossen oder
andere Schritte eingeleitet werden könnten.
«Der Schwerpunkt liegt darauf, Iran zu ermutigen, seine
Verpflichtungen zu erfüllen, so dass wir, wenn der
IAEA-Generaldirektor im März Bericht erstattet, sehen können,
ob oder ob nicht Iran seine Verpflichtungen und Auflagen erfüllt
hat», sagte Boucher. Allerdings zeigte sich Boucher skeptisch,
dass Iran dazu bereit sei.
Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) fanden
am Donnerstag in Iran nicht deklarierte Modelle für eine
Zentrifuge zur Urananreicherung. Die Regierung in Teheran habe die
Dokumente den Kontrolleuren nicht von sich aus zur Verfügung
gestellt, hieß es.
(Quelle: ap)
Haitianische Rebellen erobern weitere Stadt
Sa.14.02.04 - Bewaffnete Aufständische haben in Haiti eine weitere Stadt unter
ihre Kontrolle gebracht: Am Donnerstag stürmten die Rebellen die
Stadt L'Estere, wie einer ihrer Führer am Freitag mitteilte. Die
Polizei sei aus der Stadt geflohen, sagte Wilfort Ferdinand. In der
Rebellen-Hochburg Gonaives rüsteten sich die Aufständischen
unterdessen gegen einen möglichen Angriff der
Sicherheitskräfte. Von der viertgrößten Stadt Haitis
ging der Aufstand aus, der seit der vergangenen Woche rund 50 Menschen
das Leben kostete.
Zehntausende Bewohner flohen nach Angaben des haitianischen Roten
Kreuzes schon in den vergangenen Monaten aus der Stadt, nachdem im
September der Milizenführer Amiot Metayer ermordet worden war.
Seine Bande, die so genannte Kannibalen-Armee, wandte sich daraufhin
gegen die Regierung, mit der sie vorher zusammengearbeitet haben soll.
Die Gruppe verdächtigt Präsident Jean-Bertrand Aristide, den
Mord an ihrem Führer veranlasst zu haben, um dessen Verbindungen
zur Regierung zu vertuschen.
Regierungsanhänger blockierten am Freitag die Straßen nach
Cap Haitien, um einen weiteren Vormarsch der Rebellen zu verhindern.
Wegen der anhaltenden Kämpfe und Straßensperren ist die
Hafenstadt seit einer Woche von Brennstofflieferungen abgeschnitten und
ohne Strom. Auf dem Seeweg soll nun Benzin gebracht werden.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz rief Regierung und Rebellen
am Freitag auf, die Menschenrechte zu achten. Angriffe auf
Zivilpersonen seien unter allen Umständen verboten, schrieb das
IKRK in einer Erklärung aus Genf. Das Rote Kreuz zeigte sich
insbesondere über das wiederholte Eindringen bewaffneter
Aufständischer in medizinische Einrichtungen besorgt. Dies bedrohe
sowohl die Arbeit der Ärzte als auch das Wohl der Patienten. Das
IKRK beschäftigt derzeit 17 Mitarbeiter in Haiti.
(Quelle: ap)
Die erste schwarze Republik ist 200 Jahre alt - Haiti leidet
unter seinen Heroen
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402130.htm#040213_m
Deutscher Kanzler billigt harte Linie Kolumbiens im Kampf gegen die
Guerilla
Sa.14.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den harten Kurs des
kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe gegen Drogen und Guerilla
in seinem Land unterstützt. Schröder sagte nach einer
Unterredung mit 51-jährigen Politiker am Freitag in Berlin, er
befürworte auch den Wunsch Uribes, die Rebellenformation ELN auf
die EU-Liste terroristischer Gruppen setzen zu lassen. Wohlwollen
äußerte er für den Wunsch Kolumbiens nach besseren
Marktchancen in Europa.
Die «Nationale Befreiungsarmee» (ELN) ist die kleinere von
zwei Guerillagruppen, die in dem seit 39 Jahren tobenden
Bürgerkrieg um die Errichtung eines marxistischen Staates
kämpfen. Die mit 16.000 Kämpfern größte ist FARC
(Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens). Sorge drückte
Schröder über die Lage der Geiseln in Kolumbien aus. Rund
1.000 Menschen haben die Rebellen nach Angaben aus diplomatischen
Kreisen in ihrer Gewalt, darunter seit zwei Jahren die ehemalige
kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt.
Davor hatte Uribe mit Außenminister Joschka Fischer gesprochen.
Dabei ging es nach Angaben aus Delegationskreisen auch darum, dass im
Kampf gegen Drogen und Guerilla die Menschenrechte eingehalten werden
müssten. Die EU-Außenminister hatten bereits kritische
Fragen nach der Anti-Terror-Politik Uribes gestellt, die sich auf neue
Vollmachten der kolumbianischen Streitkräfte beziehen,
Verhaftungen oder Durchsuchungen ohne richterliche Anordnung
vorzunehmen.
Uribe lehnt aus Prinzip Verhandlungen mit FARC ab, die von USA und EU
als Terrororganisation gebrandmarkt wurden. Er sage, wenn die ELN ihre
Feindseligkeiten einstelle, dann sei es möglich, sie von der
einschlägigen EU-Liste terroristischer Gruppen wieder streichen zu
lassen. Das Problem liegt laut Uribe darin, dass Rebellengruppen in
seinem Land international oft nicht als Terroristen eingestuft
würden.
Uribe, der im Westen studiert hat und in Medellin Bürgermeister
war, hat mit den Guerilleros in seinem Land eine persönliche
Rechnung offen. Vermutlich FARC-Mitglieder erschossen 1983 seinen
Vater. Schätzungsweise 3.500 Menschen fallen dem Bürgerkrieg
jedes Jahr zum Opfer. Reisen nach Kolumbien gelten als besonders
riskant. Das Land gilt als größter Kokain-Exporteur
weltweit. Seit Uribes Amtsantritt ist die Zahl der Gewalttaten nach
einer Statistik des Verteidigungsministeriums deutlich
zurückgegangen.
(Quelle: ap)
Eine alte Legende besagt, dass, als Gott Kolumbien machte, Petrus
fragte: „Warum hast du ein Land mit so vielen natürlichen
Reichtümern ausgestattet?" Und Gott antwortete: „Du hast noch
nicht die Führer gesehen, die ich diesem Land geben werde."
Heute sind es eben diese Reichtümer, die die westlichen Interessen
an Kolumbien hervorrufen, und es ist eben jene armselige Führung,
die für ihren zügigen Ausverkauf verantwortlich ist. Denn
trotz der Tatsache, dass Kolumbien über 16 der 22 weltweit
bedeutendsten Ressourcen, wie z.B. Öl, Gold, Platin, Smaragde und
andere wertvolle Bodenschätze verfügt, leben 68% der
Kolumbianer und Kolumbianerinnen in Armut. Während 2,5 Millionen
Familien kein Dach über dem Kopf haben und 3,5 Millionen Kinder
nicht zur Schule gehen können, besitzt 1% der Bevölkerung
mehr als die Hälfte des nutzbaren Landes Kolumbiens.
Von diesen Reichtümern könnten selbstverständlich nicht
nur die KolumbianerInnen profitieren sondern auch „viele" andere auf
dem gesamten Planeten. Dass gegenwärtig aber nur einige wenige an
der Spitze tatsächlich von ihnen profitieren, erklärt die 19
Konflikte, die Kolumbien seit der Unabhängigkeit Heim gesucht
haben. Der derzeitige Konflikt dauert nun schon 55 Jahre an und hat
Millionen Menschenleben gekostet. Dieser Krieg ist ein schmutziger
Krieg, der nicht zwischen Armeen ausgetragen wird sondern von einem
paramilitärischen Stellvertreter, der mit den offiziellen
Streitkräften zusammenarbeitet und unschuldige ZivilistInnen
ermordet, foltert, vertreibt und gleichzeitig behauptet, den linken
Guerillaaufstand zu bekämpfen – insbesondere die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC = Forzas Armadas
Revolutionarias de Colombia) und die kleinere Nationale Befreiungsarmee
(ELN = Ejército de Liberación National).
Seit 1953 ist es zu neun Friedensprozessen gekommen und jeder einzelne
hat mindestens eine Guerillafraktion zur eigenen Auflösung
bewogen. Doch jedes Mal sind die GuerillaführerInnen, die dem
Wiedereintritt in die Zivilgesellschaft zustimmten, anschließend
ermordet worden. 1985 z.B. war die FARC mit einem Waffenstillstand und
der Gründung einer Partei – der Patriotischen Union – und ihrer
Teilnahme an Wahlen einverstanden. In den darauffolgenden Monaten
fielen zwei Präsidentschaftskandidaten, zahlreiche gewählte
Kongressabgeordnete, Vorsitzende auf regionaler und lokaler Ebene sowie
über 3.000 ParteiaktivistInnen einer Mordkampagne zum Opfer.
Diese Tatsache ist für das Verständnis des anhaltenden
bewaffneten Konflikts in Kolumbien unabdingbar – die Aufständigen
vertrauen dem Staat nicht. Unser jetziger Präsident, Àlvaro
Uribe Velez, sagt ebenso oft wie die gegenwärtige U.S. Regierung,
dass sich Kolumbien in der Hand einer internationalen, terroristischen
Kampagne befinde, die am 11. September 2001 gestartet worden sei – eine
lächerliche Sage und ein Schlag in das Gesicht der Geschichte....
Aus: Wilson Borja - "Kolumbiens Winde der Veränderung", ZNet
08.01.2004:
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1002
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=9&ItemID=4801
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Ugandische Friedensinitiative bittet Deutschland um Hilfe
Sa.14.02.04 - Die Friedensinitiative der Kirchen in Uganda hat Deutschland um Hilfe
bei der Vermittlung im Bürgerkrieg im Norden ihres Landes gebeten.
«Es kann keine militärische, sondern nur eine friedliche
Lösung durch den Dialog geben», betonten die Vorsitzenden
der Acholi-Friedensinitiative am Freitag in Würzburg zum Abschluss
ihres Deutschlandbesuchs. Dafür hätten die
Gesprächspartner in Deutschland ihre Unterstützung zugesagt,
erklärten der katholische Erzbischof John Baptist Odama und der
emeritierte anglikanische Bischof Macleord Baker Ochala II.
Die Bischöfe waren in Berlin unter anderem mit
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Vertretern
der Bundestagsausschüsse für humanitäre Hilfe sowie
wirtschaftliche Zusammenarbeit zusammengetroffen. Wesentlich für
ein Ende des Bürgerkriegs in Norduganda sei, dass nicht nur die
Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA), sondern auch die
Regierung in Kampala auf eine militärische Lösungen
verzichteten, erklärten Odama und Ochala. Die Regierung müsse
eine «unmissverständliche Bereitschaft zu
Verhandlungen» zeigen. Diese Gesprächsbereitschaft solle mit
Hilfe neutraler Beobachter begleitet und gewährleistet werden.
«Diese Unterstützung durch die deutsche Politik dürfen
wir uns nach unserem Besuch erhoffen.»
Die LRA terrorisieren den Norden des ostafrikanischen Landes seit fast
18 Jahren. Sie rekrutieren ihre Kämpfer bei Überfällen
auf Dörfer, entführen Kinder und Jugendliche und zwingen sie
zur Gewalt oder missbrauchen sie als Konkubinen. Mehr als 22.000
Minderjährige wurden bislang nach Angaben des Hilfswerks missio
entführt. Die Bischöfe kamen auf Einladung von missio nach
Deutschland.
(Quelle: ap)
Südafrika will Apartheid-Verbrecher juristisch verfolgen lassen
Sa.14.02.04 - Südafrikas Regierung will Verantwortliche für
Apartheid-Verbrechen, die eine Zusammenarbeit mit der
Wahrheitskommission verweigert haben, juristisch verfolgen lassen.
Mutmaßliche Täter, die ihre Verbrechen leugneten,
müssten mit einem Gerichtsverfahren rechnen, erklärte
Justizminister Penuell Maduna laut einem Bericht der Zeitung "Business
Day" vom Freitag.
Die Wahrheitskommission zur Aufarbeitung der Apartheid-Verbrechen hatte
im vergangenen Jahr ihren Abschlussbericht vorgelegt. Im Gegenzug
für ein Schuldeingeständnis vor der Kommission war
zahlreichen Verdächtigen eine Amnestie zugesichert worden.
Vor wenigen Tagen war ein Mitarbeiter der früheren weißen
Sicherheitsdienste im Zusammenhang mit der Ermordung von drei
Apartheid-Gegnern im Jahr 1985 festgenommen worden. Nach Angaben der
Generalstaatsanwaltschaft laufen derzeit Ermittlungen gegen mehrere
frühere Angehörige des Apartheid-Regimes, unter ihnen ein
General.
(Quelle: epd)
Tschetschenischer Ex-Epräsident stirbt nach Attentat in Katar
Sa.14.02.04 - Der frühere tschetschenische Präsident Selimchan Jandarbijew
ist in Katar bei einer Explosion tödlich verletzt worden. Wie ein
Krankenhausarzt in Doha weiter mitteilte, wurde Jandarbijews Sohn bei
der Detonation schwer verletzt. Die arabischen Satellitensender El
Dschasira und El Arabija berichteten von zwei weiteren Toten.
Laut El Dschasira ereignete sich die Explosion an einer
Straßenkreuzung rund 300 Meter von einer Moschee entfernt, in der
Jandarbijew zuvor gebetet hatte. Er sei in seinem Privatwagen unterwegs
gewesen. Der 1952 geborene Jandarbijew, der von 1996 bis 1997
tschetschenischer Präsident war, lebte in Katar. Russland hat sich
um seine Auslieferung bemüht. Die Vereinten Nationen setzten
Jandarbijew im vergangenen Jahr auf eine Liste von Personen, denen
Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida vorgeworfen werden.
(Quelle: ap)
Russischer Präsidentschaftskandidat Rybkin spricht von
Entführung
Sa.14.02.04 - Nach seinem vorübergehenden Verschwinden behauptet der russische
Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin, entführt worden zu
sein. Er sei unter einem falschen Vorwand in die Ukraine gelockt
worden, erklärte Rybkin. Dort habe man ihn unter Drogen gesetzt
und ein kompromittierendes Video gefilmt. Vier Tage lang sei er
bewusstlos gewesen. Aus Sorge um die Sicherheit seiner Familie wolle er
jetzt bis zur russischen Präsidentenwahl am 14. März in
Westeuropa bleiben. Seine Kandidatur erhalte er aufrecht.
(Quelle: dpa)
Konfliktparteien stimmen Vereinigungsplan für Zypern zu
Sa.14.02.04 - Vertreter der griechischen und türkischen Zyprer haben sich am
Freitag grundsätzlich auf einen UNO-Plan zur Wiedervereinigung der
Mittelmeerinsel vor dem geplanten EU-Beitritt am 1. Mai
verständigt. Mit diesem Durchbruch haben die Konfliktparteien den
Weg für Detailverhandlungen ab Donnerstag auf der seit 30 Jahren
geteilten Insel frei gemacht.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York nach mehrmals
unterbrochenen dreitägigen Verhandlungen, beide Seiten hätten
sich auf Gespräche zu einer umfassenden Konflikt-Lösung
geeinigt, die Referenden in beiden Inselteilen über eine
Wiedervereinigung vorsehe. "Heute hat sich eine historische Chance zur
Lösung des Zypern-Problems ergeben. Es gab eine einmütige
Haltung ... zu den abschließenden Bemühungen des
Generalsekretärs", sagte der griechische Vize-Außenminister
Tassos Yannitsis in Athen. Bundesaußenminister Joschka Fischer
erklärte: "Der Beitritt eines geeinten Zypern zur
Europäischen Union ist damit ein gutes Stück näher
gerückt."
Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen
Militärintervention seit 1974 getrennt. Die UNO versucht zwischen
beiden Seiten zu vermitteln, so dass Zypern am 1. Mai als Ganzes der
Europäischen Union (EU) beitreten kann. Die Lösung der
Wiedervereinigungsfrage ist auch für die EU-Beitrittsambitionen
der Türkei von großer Bedeutung. In EU-Kommissionskreisen
hatte es jüngst geheißen, falls die Zypernfrage nicht
gelöst werde, werde dies ein ernstes Hindernis für die
Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sein.
Annan hatte die Vertreter der Inselgriechen und der türkischen
Zyprer aufgefordert, seinen Plan zu akzeptieren oder abzulehnen.
Über das Ergebnis der Einigung soll am 21. April die
Bevölkerung beider Teile der Insel zeitgleich in getrennten
Referenden abstimmen. Die Detailgespräche sollen am Donnerstag in
der zyprischen Hauptstadt Nikosia unter der Schirmherrschaft des
UNO-Gesandten Alvaro de Soto beginnen. Annan sagte, bis zum 22.
März müsse eine Einigung vorliegen. Falls sich die
Konfliktparteien nicht bis zu diesem Zeitpunkt einigen könnten,
würden Vertreter der Türkei und Griechenlands mit an den
Verhandlungstisch geholt. In einer "konzentrierten Anstrengung" solle
dann bis 29. März ein Text für die Referenden stehen.
Der Abteilungsleiter im türkischen Außenministerium, Ugur
Ziyal, sagte in New York, trotz der grundsätzlichen Einigung liege
noch ein "langer und beschwerlicher Weg" vor den Konfliktparteien.
Falls es zu keiner Einigung kommt, wird nur der griechische Teil
Zyperns der EU beitreten.
(Quelle: rtr)
Den Haag will Arbeitsmarkt für neue EU-Bürger zunächst
schließen
Sa.14.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Staaten sollen in den Niederlanden
zunächst nur dann eine Arbeit aufnehmen dürfen, wenn die
Stelle nicht mit einem Niederländer besetzt werden kann. Einen
entsprechenden Kabinettsbeschluss fasste die Regierung in Den Haag nach
einer Mitteilung vom Freitag. Demnach soll eine zentrale Behörde
jene Branchen benennen, für die sich Bewerber aus den neuen
EU-Ländern um Arbeit bemühen dürfen. Die Vorschrift soll
für die ersten zwei Jahre nach der EU-Erweiterung gelten, die zum
1. Mai vollzogen wird. Noch vor dem 1. Mai 2005 will die Regierung
entscheiden, ob der Arbeitsmarkt früher liberalisiert werden kann.
(Quelle: afp)
EU-Kommission spielt Antisemitismus-Vorwürfe herunter
Sa.14.02.04 - Die EU-Kommission hat Aussagen des US-Botschafters bei der EU
zurückgewiesen, wonach in Europa wieder ein Antisemitismus wie in
den Dreißiger Jahren herrsche. Die Behörde stelle keine
Vergleiche an, inwieweit das Ausmaß des Antisemitismus dem
vergangener Jahrzehnte entspreche, sagte der Sprecher von
Kommissionspräsident Romano Prodi am Freitag in Brüssel.
Gleichwohl sei die Behörde über das Auftreten von
Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit besorgt und veranstalte deshalb
dazu auch kommende Woche eine Seminarveranstaltung. Der Sprecher
räumte ein, dass es viele fremdenfeindliche Phänomene in
Europa gebe. Ob diese zunehmen oder nicht sei aber schwer zu beurteilen.
(Quelle: afp)
Judenhass hat Konjunktur
Experten warnen vor einer neuen Dimension des Antisemitismus in der EU...
Jan Philip Reemtsma: Der Antisemitismus ist die längstdauernde Obsession Europas...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#040131oa
CSU will Europawahl zu Abstimmung über Türkei-Beitritt machen
Sa.14.02.04 - Die CSU will den angestrebten EU-Beitritt der Türkei und die
zukünftige Finanzierung der Union zu Hauptthemen im
Europa-Wahlkampf machen. «Die Europawahl wird auch eine
Abstimmung über den EU-Beitritt der Türkei», sagte
CSU-Generalsekretär Markus Söder der
«Bild»-Zeitung (Samstagausgabe). Außerdem sprach sich
Söder gegen eine Erhöhung des deutschen Beitrags für die
Europäische Gemeinschaft aus und forderte, die Diskussion um die
EU-Verfassung mit der Frage der Finanzierung der Union zu
verknüpfen. «Kanzler Schröder soll mit Frankreichs
Staatspräsident Chirac nicht nur öffentlich
Händeschütteln und Kaffeetrinken», sagte er,
«sondern mit den EU-Staats- und Regierungschefs endlich auch
über Geld reden.»
(Quelle: ap)
Kirchen warnen eindringlich vor weiteren Klon-Experimenten
Sa.14.02.04 - Die beiden großen Kirchen haben nachdrücklich vor weiteren
Klon-Experimenten an Menschen gewarnt. "Fortschritt zeigt sich nicht
darin, dass der Mensch alles macht, was er machen kann", erklärte
der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),
Wolfgang Huber, am Freitag in Hannover. Das Klonen von Menschen
könne nicht verantwortet werden.
Der Berliner Bischof reagierte damit auf die am Donnerstag bekannt
gewordene Nachricht, dass es südkoreanischen Wissenschaftlern
gelungen sei, menschliche Embryonen zu klonen. Auch die katholische
Deutsche Bischofskonferenz kritisierte das so genannte "therapeutische
Klonen", mit dem schwere Krankheiten wie Diabetes und Parkinson geheilt
werden sollen.
Es sei eine "Schutzbehauptung", dass solche Experimente nur zu
therapeutischen Zwecken erfolgten, betonte Huber. Die
südkoreanischen Wissenschaftler hätten diesmal das Erbgut
gesunder Patienten verwendet. "Beim therapeutischen Klonen dagegen muss
man das Erbgut kranker Menschen verwenden", das anschließend in
den Kranken implantiert werden müsse, gab der oberste
Repräsentant von mehr als 26 Millionen evangelischen Christen zu
bedenken. "Ob die Zellen, die man auf diese Weise verwendet, nicht am
Ende neue Krankheiten hervorrufen, kann niemand wissen."
Der Ratsvorsitzende erinnerte an das "eigentümliche
Zusammentreffen", dass der 200. Todestag des deutschen Philosophen
Immanuel Kant gerade an dem Tag begangen wurde, an dem die Forscher
ihre Klon-Experimente veröffentlichten. Kant habe wie kein anderer
davor gewarnt, "den Menschen zur Ware zu machen und damit seiner
Würde zu berauben". An diesem Tag würden Menschen dafür
gefeiert, dass sie menschliches Leben nach der Methode des "Klonschafs
Dolly" hergestellt haben, so Huber.
Auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz kritisierte das so
genannte "therapeutische Klonen". Menschliches Leben werde hier "zum
Ersatzteillager degradiert", sagte Bischofskonferenz-Sprecherin
Stefanie Uphues dem epd. Das Verfahren der südkoreanischen
Forscher könne selbst durch einen möglichen medizinischen
Nutzen wie neue Therapien und Heilmittel nicht gerechtfertigt werden.
Dieser Nutzen sei aber durch die jetzigen Forschungen "noch längst
nicht erwiesen", so Uphues.
(Quelle: epd)
Umfrage: Führungswechsel steigert SPD-Wahlchancen nicht
Sa.14.02.04 - Die Wahlchancen der SPD haben sich auch nach dem angekündigten
Führungswechsel nicht verbessert. Das hat eine polis-Umfrage im
Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ergeben. Danach geht eine knappe
Mehrheit der Deutschen (51 Prozent) davon aus, dass sich die
Siegeschancen der SPD bei der Bundestagswahl 2006 mit Franz
Müntefering an der Parteispitze nicht verändert haben.
Nur 11 Prozent halten die Aussichten der Sozialdemokraten nach dem
geplanten Rückzug von Bundeskanzler Gerhard Schröder vom
Parteivorsitz für besser. Weitere 31 Prozent gehen davon aus, dass
sich die Chancen der SPD auf einen Wahlsieg durch den Personalwechsel
an der Spitze verschlechtert haben.
Schröder hatte vor einer Woche seinen Rücktritt als SPD-
Vorsitzender angekündigt. SPD-Fraktionschef Müntefering soll
auf einem Parteitag im März zu seinem Nachfolger gewählt
werden.
Auch die Anhänger der SPD beurteilen nach der Umfrage (1015
Befragte ab 18 Jahren vom 9. bis 11. Februar) die Situation nach dem
beabsichtigten Wechsel skeptisch. Nur 22 Prozent sehen dadurch
größere Siegeschancen für ihre Partei, 26 Prozent
meinen, die Wahlchancen sind gesunken. Für 47 Prozent hat der
Wechsel an der Parteispitze keine Auswirkungen auf die Wahlchancen bei
der nächsten Bundestagswahl.
(Quelle: dpa)
München: Blinde demonstrieren gegen Kürzungen beim Blindengeld
Sa.14.02.04 - Der bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund hat für heute zu
einer Demonstration gegen die geplanten Kürzungen beim Blindengeld
aufgerufen. Nach Meinung des Verbandes ist die Reduzierung der
staatlichen Leistung um 15 Prozent unverhältnismäßig
und unsozial. Sehbehinderte und blinde Menschen seien auf das
Blindengeld angewiesen, da sie mehr Ausgaben hätten als sehende
Menschen, so der Verband. Ursprünglich hatte die baerische
Staatsregierung eine Kürzung des Blindengeldes um 30 Prozent
erwogen, diese dann aber auf 15 Prozent reduziert. Die Kundgebung auf
dem Münchner Odeonsplatz beginnt um 13 Uhr, die Organisatoren
erwarten bis zu 1500 Demonstranten.
(Quelle: br-Rundfunknachrichten)
Verschiebung der Perspektive hat Folgen
.. Jede Politik, die auf die Zustimmung großer
Bevölkerungsgruppen aus ist, wird in klammen Zeiten immer dazu
tendieren, die Interessen der Mehrheit, nämlich der
Beitragszahler, zu vertreten. Diese Verschiebung der Perspektive hat
Folgen. Zunächst beginnt der öffentliche Streit sich vor
allem darum zu drehen, wer denn nun schon genug belastet ist und wen
man noch etwas stärker bepacken könnte. Und dann fallen jene,
die vor allem Leistungen empfangen, allmählich heraus aus dem
politischen Diskurs. Sie geraten in ein gesellschaftliches
Niemandsland, so wie jene Sozialhilfeempfänger, die nicht mehr zum
Arzt gehen, weil sie die 10 Euro in bar eben einfach nicht übrig
haben.
Manche Arztpraxen verzeichnen einen Schwund von 20 bis 30 Prozent ihrer
Patienten - es wird eine interessante Aufgabe sein, zu klären, wer
denn da warum nicht mehr kommt....
Aus der "tageszeitung" vom 14.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/14/a0065.nf/text
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Musterklagen gegen verdoppelte Beiträge auf Betriebsrente
Sa.14.02.04 - Der Streit um die verdoppelten Krankenkassenbeiträge auf
Betriebsrenten geht vor Gericht. Sozialverbände und Krankenkassen
einigten sich auf Musterverfahren, wie sie am Freitag mitteilten. Auf
politischer Ebene sträuben sich SPD, Grüne und Union nach wie
vor gegen eine Änderung, die ein Loch von 1,6 Milliarden Euro bei
den Krankenkassen reißen würde. Der Bundesrat forderte
Korrekturen an den Gesetzentwürfen zur nachhaltigen Sicherung der
Rente und zur Besteuerung von Alterseinkünften.
Obwohl die Krankenkassen von den höheren Beiträgen auf
Betriebsrenten und der neuen Beitragspflicht auf Direktversicherungen
profitieren, ließen sie sich auf die Absprache von Musterklagen
ein. Hintergrund ist eine Flut von Widersprüchen sowie eine
befürchtete Klagewelle gegen die Neuerung. Die Kassen sagten zu,
eine höchstrichterliche Entscheidung auf alle betroffenen
Versicherten anzuwenden. Bis zu einer solchen Entscheidung, die Jahre
brauchen dürfte, müssen allerdings die höheren
Beiträge gezahlt werden.
Wer einen Beitragsbescheid von seiner Krankenkasse bekommen hat, sollte
vorsorglich Widerspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens
beantragen, wie beide Seiten weiter rieten. Auf Grund der
Gesundheitsreform müssen Betriebsrentner seit 1. Januar nicht mehr
den halben Krankenkassenbeitrag zahlen, sondern den vollen Satz. Auf
Einmalzahlungen aus Direktversicherungen müssen erstmals
Beiträge entrichtet werden, und zwar ebenfalls der volle Satz.
FDP-Finanzexperte Carl Ludwig Thiele sprach deshalb erneut von
«kalter Enteignung» und forderte eine Korrektur.
CSU-Sozialexperte Horst Seehofer räumte in der «Passauer
Neuen Presse» ein, dass Rentner durch eine Vielzahl von
Maßnahmen zusammen erheblich belastet würden. Gleichwohl
wandte er sich gegen hektische Nachbesserungen. Man müsse die
Wirkung der Reformschritte einige Monate beobachten und «erst
dann schauen, ob es Korrekturbedarf gibt».
Zentrale Kritikpunkte bei der Beratung der Rentengesetze im Bundesrat
waren die Belastung von Eltern und die Gefahr der Doppelbesteuerung.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel
sagte, die beiden Entwürfe seinen «Stückwerk».
Rente nach Kassenlage des Bundes dürfe es nicht geben. Der
parlamentarische Staatssekretär im Sozialministerium, Franz
Thönnes, erklärte, die Rentenbeiträge müssten
bezahlbar bleiben. Die Bundesregierung werde eine
Niveausicherungsklausel in das Gesetz einbauen. Verschiedene
Vorschläge dafür würden derzeit geprüft.
Die in den 90er Jahren beschlossene Anhebung des Renteneintrittsalters
für Frauen war nach einer Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts weder grundgesetzwidrig noch unzumutbar. Die
Richter wiesen den Einspruch einer 1942 geborenen Frau zurück, die
sich gegen die beschleunigte Erhöhung des Rentenalters auf 65
Jahre und die mehrfach geänderten Übergangsregelungen
beschwert hatte. Zur Begründung hieß es, die Neuregelung sei
von «gewichtigem öffentlichen Interesse» und auch
verhältnismäßig gewesen, weil sie zur Senkung
beziehungsweise Stabilisierung der Beitragssätze beigetragen habe.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer fordert Politikwende
Sa.14.02.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat für dieses Jahr eine
deutlich härtere Gangart gegenüber der rot-grünen
Bundesregierung angekündigt. «Wir brauchen eine Politikwende
in Deutschland», sagte DGB-Chef Michael Sommer der Zeitung
«Die Welt». «Die deutschen Gewerkschaften werden
kräftig Druck machen, dass der Reformprozess künftig in eine
andere Richtung läuft.» Reformen müssten «so
angepackt werden, damit es endlich besser wird. Lasten müssen
gerecht verteilt werden», forderte er.
Die Proteste der Gewerkschaften gegen die Agenda 2010 würden sich
nicht auf die bereits angekündigten Demonstrationen im Rahmen des
europäischen Aktionstages am 3. April beschränken, sagte der
DGB-Chef. Der Kampf für ein soziales Deutschland und Europa sei
kein Thema für einen Tag. Man werden nicht nachlassen und scheue
auch nicht vor weitere Protestaktionen auf der Straße
zurück. Die Gewerkschaften strebten ein breites Bündnis
für eine bessere Sozial- und Beschäftigungspolitik an.
Kritik übte Sommer auch an der Gesundheitsreform und an den
Zumutbarkeitskriterien für Langzeitarbeitslose. Er warnte die
Regierung vor Einschnitten ihrer Handlungsfähigkeit: «Der
Reformprozess des vergangenen Jahres hat dazu geführt, dass
Rot-Grün in den Ländern deutlich an Macht verloren hat.
Dieser Prozess wird sich fortsetzen, wenn sich nichts
ändert», zitiert ihn das Blatt. Die Bundesregierung habe
ihre Regierungsfähigkeit aufs Spiel gesetzt.
Zwar gebe es derzeit positive Signale, wie beispielsweise bei der
Ausbildungsplatzabgabe und bei der Besteuerung der Renten, die das
Klima verbesserten. «Aber klimatische Verbesserungen reichen
nicht, wir brauchen tief greifende materielle Verbesserungen.»
(Quelle: ap)
ROT-Grün einigt sich auf Gesetz zu Ausbildungsplatzabgabe
Sa.14.02.04 - Die Koalition aus SPD und Grünen hat sich darauf verständigt,
ein Gesetz für eine Ausbildungsplatzabgabe auf den Weg zu bringen.
Nach einer Koalitionsrunde in Berlin sagte SPD-Generalsekretär
Olaf Scholz, das Gesetz solle im Bundesrat zustimmungsfrei sein und
möglichst unbürokratisch angelegt werden. Nach den
Irritationen zwischen SPD und Grünen beschloss die Koalition,
regelmäßig Koalitionsrunden abzuhalten.
Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten sollten bei der
Ausbildungsabgabe nicht einbezogen werden. Auch sollten freiwillige,
tarifvertragliche Regelungen Vorrang haben. Ein Gesetzentwurf soll von
der Regierung formuliert und dann den Fraktionen zur Verfügung
gestellt werden. Auch soll noch mit Gewerkschaften und der Wirtschaft
gesprochen werden.
Die Koalition vereinbarte darüber hinaus, jetzt das Gesetz zur
Schwarzarbeit vorzulegen. Scholz sagte, es solle zwischen gewerblicher
und privater Schwarzarbeit unterschieden werden. In privaten Haushalten
solle es weiter bei einer Ordnungswidrigkeit bleiben, bei gewerblicher
Schwarzarbeit solle die Strafbarkeit verschärft werden.
Über Personen oder etwa über den Wechsel an der SPD-Spitze
wurde nicht gesprochen. Scholz zufolge waren sich die Koalitionspartner
einig, dass sie zu ihren Reformverabredungen stehen, diese aber auch
der Öffentlichkeit erklärt werden sollten.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer beschrieb die Stimmung der
Gespräche als "nüchtern" und arbeitsorientiert, nach vorne
gerichtet". Einigkeit bestand laut Bütikofer zudem, dass zur
Sicherungsverwahrung ein Gesetzentwurf erarbeitet werden solle.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sei damit beauftragt
worden. Beim Thema Innovation, bei dem sich die Grünen zeitweise
von der SPD übergangen fühlten, wurde vereinbart, sich
gegenseitig ausführlich über Vorhaben zu informieren.
Scholz und Bütikofer wiesen Mutmaßungen zurück, wonach
der Beitrag zur Pflegeversicherung erhöht werden könnte.
Scholz betonte, die Koalition habe das feste Ziel, die Lohnnebenkosten
nicht zu steigern. Ähnlich äußerte sich Bütikofer.
(Quelle: afp)
Ost-Arbeitgeber drohen Metallindustrie mit Spaltung
Pilotabschluss solle abgeändert werden - IG Metall verlangt
Übernahme in allen Ländern
Sa.14.02.04 - Droht Deutschland im Jahr 15 nach dem Fall der Mauer eine
tarifpolitische Spaltung? Auslöser dafür könnte
jedenfalls der Tarifabschluss in der baden-württembergischen
Metall- und Elektroindustrie sein. Der Grund: Die ostdeutschen
Arbeitgeberverbände wollen die bereits als Pilotabschluss
gewertete Einigung nicht so einfach übernehmen, sondern fordern
Sonderwege. Die IG Metall hält dagegen an der Übernahme des
Abschlusses im gesamten Land fest.
Vorreiter der Ablehnungsfront der Arbeitgeber ist der Verband der
Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME). Der in Pforzheim
erzielte Kompromiss war erst wenige Stunden alt, da meldete sich
VSME-Präsident Bodo Finger bereits zu Wort und kritisierte die
vereinbarten Lohnerhöhungen von 2,2 Prozent für 2004 und 2,7
Prozent für 2005 als zu hoch. «Wie schon so oft wurde auf
unsere besonderen wirtschaftlichen Bedingungen, vor allem der
mittelständischen Unternehmen, keine Rücksicht
genommen», meinte Finger und handelte sich nicht nur den
heimlichen Beifall seiner Kollegen und mancher Wirtschaftsforscher ein.
So kritisierte der Chef des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, die Einigung als zu hoch.
«Auch wenn der Abschluss gesamtwirtschaftlich verträglich
ist, wäre für die ostdeutsche Wirtschaft noch mehr
Lohnzurückhaltung besser gewesen», sagte er der
«Berliner Zeitung». Die Ablehnung von Seiten der
sächsischen Metallarbeitgeber könne er nachvollziehen. Auch
der Sprecher des Berlin-Brandenburger Arbeitgeberverbandes VME, Torsten
Elsholtz, erklärte, die durch den Abschluss verursachte
Kostenbelastung sei für ostdeutsche Unternehmen zu hoch.
«Die Metall-Arbeitgeber in Thüringen sind grundsätzlich
bereit, eine gemeinsame Lösung mit der Gewerkschaft zu finden, die
für die thüringischen Verhältnisse auch passt»,
sagte die Sprecherin des Verbandes der Wirtschaft Thüringens
(VWT), Inge Schubert. Der Pilotabschluss sei ein Kompromiss für
die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie und nicht
in jedem Fall eins zu eins auf Thüringen übertragbar. Unter
anderem sollte darüber nachgedacht werden, ob die so genannte
Quotenregelung, nach der ein Teil der Beschäftigten im Westen
länger als 35 Wochenstunden, im Osten länger als 38 Stunden
arbeiten könne, vielleicht in Thüringen noch flexibler, noch
besser ausgerichtet auf die diffizilen Bedürfnisse der Betriebe,
gestaltet werden könnte, forderte Schubert.
In Sachsen-Anhalt treffen sich die Tarifparteien am kommenden Mittwoch,
um über den Pilotabschluss zu verhandeln und zu klären, ob er
übernommen oder modifiziert werden soll, wie Manfred Czura,
Sprecher der Metall-Arbeitgeber in dem ostdeutschen Bundesland sagte.
Doch von Sonderwegen will die Gewerkschaft nichts wissen. Der 2.
Bevollmächtigte der IG Metall Erfurt, Rudolf Krause, sagte, der
Pilotabschluss sollte grundsätzlich übernommen werden.
Andernfalls werde die Gewerkschaft «Druck erzeugen», warnte
Krause. «Erstmal sehen, ob das nur ein Strohfeuer ist»,
erklärte der IG-Metall-Bezirksvorsitzende
Berlin-Brandenburg-Sachsen, Hasso Düvel, zur Ablehnung der
Arbeitgeber in Sachsen. Ausdrücklich verteidigte er den
süddeutschen Abschluss. Mit Rücksicht auf die konjunkturelle
Lage sei der erste Lohnerhöhungsschritt niedriger als der zweite
ausgefallen, erklärte Düvel. Kommende Woche sollen die
Verhandlungen mit den Arbeitgebern fortgesetzt werden. Bis dahin wolle
er das Klima nicht verschärfen, sagte Düvel.
Deutliche Worte fand der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Frank
Teichmüller. «Im Norden wird es nur einen gemeinsamen
Tarifabschluss geben. Mecklenburg-Vorpommern wird dabei weder
abgekoppelt, noch abgesenkt», hieß es in einer in Hamburg
verbreiteten Erklärung des Gewerkschafters. Der Bezirk Küste
lasse sich nicht in Ost und West spalten. «Wer erneut eine
Schlechterstellung verlangt, zerstört die Motivation, Innovation
und den Glauben an die Zukunft der Beschäftigten im Osten»,
so Teichmüller. Zudem wies er darauf hin, dass die Arbeitnehmer in
Mecklenburg-Vorpommern pro Woche noch immer drei Stunden länger
arbeiteten und dafür nur 70 Prozent des Lohnes ihrer West-Kollegen
verdienten.
Ob der VSME bei seiner ablehnenden Haltung bleibt, wird sich vermutlich
in der kommenden Woche entscheiden. Nach Angaben von Sprecherin Sandra
Jäschke tritt der Vorstand des Verbandes in den nächsten
Tagen zusammen, um über den Abschluss zu beraten. Am liebsten
hätte Präsident Finger eine ganz andere Lösung:
«Gesamtmetall wird gebeten, gemeinsame Verhandlungen für die
neuen Bundesländer zu koordinieren», lautete sein Vorschlag,
den die IG Metall jedoch postwendend ablehnte.
(Quelle: ap)
ThyssenKrupp verbessert Gewinn deutlicher als erwartet
Sa.14.02.04 - Der Investitionsgüterkonzern ThyssenKrupp hat im ersten Quartal
des laufenden Geschäftsjahres seine vorläufige Berechnung des
Gewinns vor Steuern übertroffen. Wegen der anziehenden Konjunktur
soll der Umsatz im laufenden Jahr um zwei Milliarden Euro steigen.
Der Gewinn vor Anteilen Dritter lag im Ende Dezember abgelaufenen
Quartal bei 166 Millionen Euro nach 141 Millionen Euro im
Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen am Freitag in seinem
Zwischenbericht mit. In einem Überblick über das erste
Quartal hatte ThyssenKrupp auf der Hauptversammlung Ende Januar das
Vorsteuerergebnis noch mit 150 Millionen Euro angegeben.
Nach einer spürbaren Konjunkturaufhellung auf den für
ThyssenKrupp wichtigen Weltmärkten in der zweiten Hälfte 2003
erwarten die Düsseldorfer 2004 eine weitere Belebung. Deshalb
bekräftigte der Konzern seine Prognose, im noch bis Ende September
laufenden Geschäftsjahr den Vorsteuergewinn möglichst nahe an
die Milliarden-Euro-Grenze zu bringen. "Mit konjunkturellem
Rückenwind und ohne große Verwerfungen auf den Devisen- und
Rohstoffmärkten könnten wir die eine Milliarde Euro im
laufenden Jahr überschreiten," hieß es in dem
Zwischenbericht.
ThyssenKrupp hatte im Dezember sein Ertragsziel für 2003/04 von
1,5 Milliarden Euro um ein Drittel nach unten korrigiert. Mittelfristig
hält der Konzern an dem Anderthalb-Milliarden-Ziel aber fest,
dieses soll so schnell wie möglich erreicht werden. Das Umsatzziel
für das laufende Geschäftsjahr liegt mit 38 Milliarden Euro
um zwei Milliarden Euro über dem im Vorjahr erwirtschafteten
Umsatz. Im ersten Quartal blieb der Umsatz mit 8,7 Milliarden Euro
stabil.
(Quelle: rtr)
Aventis klagt gegen Zulassung von Sanofi-Offerte
Sa.14.02.04 - Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis setzt sich mit
juristischen Schritten gegen das feindliche Übernahmeangebot des
kleineren Rivalen Sanofi-Synthelabo zur Wehr.
Aventis habe die Zulassung der Offerte durch die Börsenaufsicht
AMF vor dem Berufungsgericht in Paris angefochten, um sie für
ungültig erklären zu lassen, teilte das Unternehmen am
Freitag mit. Nach Einschätzung eines Aventis-Sprechers kann es
drei Monate dauern, bis das Gericht ein Urteil fällt. Solange das
Verfahren andauere, könne die Offerte nicht zu einem Abschluss
gebracht werden. Sanofi äußerte sich gelassen zu dem
Schritt. Auch Analysten sprachen von einem schwachen Schachzug.
Sanofi hatte Ende Januar eine Übernahmeofferte im Volumen von
damals rund 48 Milliarden Euro für den am Umsatz gemessen etwa
doppelt so großen Konkurrenten vorgelegt. Das Management der erst
1999 aus der Fusion zwischen Rhone-Poulenc und Hoechst entstandenen
Aventis hat die Offerte bereits mehrfach als zu niedrig
zurückgewiesen.
"Der Schritt ist durch die starke Entschlossenheit von Aventis
motiviert, die Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre
und Beschäftigten zu schützen", begründete Aventis das
juristische Vorgehen. In den nächsten 15 Tagen solle das Gericht
detaillierte Unterlagen erhalten.
Die Börsenaufsicht, die am Donnerstag grünes Licht für
die Offerte gegeben hatte, lehnte einen Kommentar ab. Auf der
Internet-Seite der AMF wurden unterdessen die detaillierten
Angebotsunterlagen von Sanofi veröffentlicht. Es handelt sich
dabei um ein Dokument von 136 Seiten.
Ein Sanofi-Sprecher sagte zu der Klage von Aventis: "Wir werden dadurch
nicht gestört." Die Offerte soll demnach wie geplant am Dienstag
offiziell abgegeben werden, die Angebotsfrist bis zum 27. April laufen.
Aventis, die fünf Arbeitstage Zeit hat, um formal Einspruch
einzulegen, will dies nach den Worten einer Konzernsprecherin am
Donnerstag tun.
"Es sieht wirklich so aus, als ob sie alle verfügbaren Mittel
nutzen, um die Übernahme zu verhindern", kommentierte Analyst
Christophe Van Vaeck von KBC Securities die Klage von Aventis. "Aber es
sieht nach einem schwachen Schritt aus."
Bei einem Zusammenschluss der beiden größten
Arzneimittelfirmen Frankreichs entstünde ein Pharmariese, der
weltweit Rang Drei der Branche belegen würde. Die Aventis-Aktie
verlor an der Pariser Börse 1,4 Prozent, Sanofi-Papiere verloren
0,5 Prozent.
(Quelle: rtr)
'McKinsey kommt' in Brandenburg uraufgeführt
Sa.14.02.04 - Das umstrittene Stück «McKinsey kommt» von Rolf
Hochhuth ist am Freitagabend im Theater Brandenburg an der Havel
uraufgeführt worden. Der 72-jährige Dramatiker
beschäftigt sich darin mit der moralischen Verantwortung von
Wirtschaftsmanagern, wenn diese trotz Rekordgewinnen Tausende
Beschäftigte entlassen. Hochhuth nennt die Massenarbeitslosigkeit
einen Skandal und fordert ein Recht auf Arbeit.
Schon in den vergangenen Wochen hatten einzelne Passagen des
Stückes für Aufsehen gesorgt, in denen der Schriftsteller die
«Diktatur der Weltwirtschaft» und gieriges Gewinnstreben
anprangert. Die Deutsche Bank erwog rechtliche Schritte, weil Hochhuth
darin über einen Mordanschlag an deren Vorstandssprecher Josef
Ackermann sinniert. In einem Sonett am Ende des 1. Aktes kritisiert der
Autor, dass der Manager 2001 trotz eines Rekordgewinns von 9,4
Milliarden Euro 14 Prozent der Bankangestellten entlassen habe.
In diesem Zusammenhang nennt er den Anschlag Wilhelm Tells auf den
Schweizer Landvogt Geßler in Friedrich Schillers gleichnamigen
Klassiker und die Morde der RAF an den Bank-Chefs Herrhausen und Ponto
sowie am Industriellen Schleyer. Der Präsident des Bundesverbandes
der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, sah darin eine Billigung
oder gar einen Aufruf zu solchen Morden. Zusätzlich Brisanz
erhielt Hochhuths Stück wegen des derzeit laufenden Prozesses
gegen Ackermann um die Abfindungen bei der Mannesmann-Übernahme.
Hochhuth rechtfertigte die Fixierung seines Fünf-Akters auf den
Deutsche-Bank-Chef und wenige andere Konzerne wie DaimlerChrysler und
die British-American Tobacco damit, dass «ein
Stückeschreiber zuspitzen muss». Ihre Klageabsichten habe
die Deutsche Bank jedoch nicht weitergeführt. «Ackermann ist
viel zu intelligent, um gegen einen Stückeschreiber mit dem
Staatsanwalt vorzugehen», sagte Hochhuth, der wegen der
steigenden Arbeitslosigkeit eine blutige Revolution auf Deutschland
zukommen sieht.
(Quelle: ap)
Mit Empörung entstanden
«Geld braucht einen Waffenschein», hat jemand mit schwarzem
Stift über die Sparkassen-Werbung an der
Straßenbahn-Haltestelle nahe des Theaters Brandenburg an der
Havel geschrieben. Drinnen im Foyer der kleinen Bühne feuert
Dramatiker Rolf Hochhuth wie ein Maschinengewehr ähnliche Parolen
ab. Seit Freitag steht sein neues Schauspiel «McKinsey
kommt» als Uraufführung auf dem Spielplan, am vergangenen
Sonntagvormittag (08.02.04) hatten Theater und Autor zur Diskussion
geladen.
Die Veranstaltung ist gut besucht, nachdem Hochhuths Stück und vor
allem ein Sonett am Ende des ersten Aktes in den vergangenen Wochen
für reichlich Diskussionen gesorgt hatte. Die Deutsche Bank hatte
die Verse als Mordaufruf an ihrem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann
interpretiert und juristische Schritte erwogen. Mittlerweile habe das
Geldhaus seine Justiziare zurückgepfiffen, sagt Hochhuth.
«Josef Ackermann ist viel zu intelligent, um mit dem Staatsanwalt
gegen einen Stückeschreiber vorzugehen.»
Schon im Dezember 2003 war «McKinsey kommt» als Buch
erschienen, damals ohne größere Beachtung. Regisseur Oliver
Munk liefert eine Begründung, warum zunächst kaum jemand
Notiz nahm von der etwas hölzern geratenen Auseinandersetzung
über die gesellschaftliche Verantwortung von Wirtschaftsbossen:
«Es behandelt eigentlich Dinge, die jeder weiß.»
Genau dies kritisiert eine Frau, die sich als Verwaltungsangestellte
aus West-Berlin vorstellt. «Immer wieder das Gleiche, immer
wieder werden nur Ursachen bei der Deutschen Bank oder anderen
Konzernen gesucht», sagt sie.
Ein Autor müsse eben zuspitzen, erwidert Hochhuth und verweist auf
den Widerspruch zwischen Managerabfindungen in zweistelliger
Millionenhöhe und Massenentlassungen von Angestellten. «Wenn
man sich diese Zahlen nicht vor Augen hält, wird man die
Empörung nicht begreifen, mit der das Stück entstanden
ist.»
Dann wird es revolutionstheoretisch im Brandenburger Theaterfoyer.
«Ich bin von der Wochenzeitung 'Rote Fahne'», beginnt ein
älterer Herr, bevor er den 72-jährigen Autor nach der Zukunft
des Kapitalismus fragt. «Das schlimme für den Kapitalismus
und vor allem für uns Untertanen ist: Er hat keinen Gegner
mehr», antwortet Hochhuth, der einst mit «Der
Stellvertreter» oder «Die Soldaten» Theatergeschichte
schrieb.
«Es wird eine Revolution geben müssen. Und ich fürchte,
es wird eine blutige sein», lautet Hochhuths Prophezeiung, die
beim «Rote-Fahne»-Berichterstatter zustimmendes Kopfnicken
auslöst. Ein grauhaariger Zuschauer bekräftigt die
Befürchtung: «Ich war auch mal arbeitslos und habe beim
Aufwachen oft an Waffen gedacht», gibt er zu Protokoll.
«Die Gefahr ist nicht gering, die Politiker sollten das ernst
nehmen.»
Hochhuth wundert sich, dass «dieses Thema, dass es nie wieder
genügend Arbeit für alle geben wird, nicht viel öfter
aufgegriffen wird», und liefert die Antwort gleich mit:
«Politisches Theater ist eben nicht mehr en vogue.» Die
Brandenburger Bühne sei die einzige gewesen, die sich bei ihm
wegen einer Inszenierung des neuen Stückes gemeldet habe.
«Ich freue mich, dass es jetzt in einer Gemeinde aufgeführt
wird, die diese wirtschaftlichen Probleme hat», erklärt der
Autor.
Nach dem Wirbel der vergangenen Wochen hat immerhin eine Berliner
Bühne nachgefragt, ob die Brandenburger Inszenierung nicht auch in
der Hauptstadt laufen könne. Näheres könne er jedoch
wegen laufender Verhandlungen noch nicht sagen, erklärt
Theaterintendant Christian Kneisel. Beim Brandenburger Publikum
jedenfalls stoßen Hochhuths Bemerkungen über die
Treuhandanstalt (»eine gemeingefährliche Mafia») und
Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (»Der hat den Westdeutschen erlaubt,
den Ossis alles wegzukaufen, was kreditwürdig ist») auf
breite Zustimmung.
Kein Wunder bei der trostlosen Lage in der Stadt: Der aktuellen
Statistik zufolge sind mehr als 22 Prozent arbeitslos, das Stahlwerk
als einst größter Arbeitgeber ist seit zehn Jahren
geschlossen. Für die Unternehmensberater von McKinsey gibt es in
der grauen Stadt keine Aufträge zu holen. Dafür kommt
demnächst die Belegschaft zum Theaterabend an die Havel.
«McKinsey hat eine ganze Vorstellung gekauft», berichtet
Intendant Kneisel. «Ich finde, dass ist ein souveräner
Akt.» Rolf Hochhuth will auch da sein.
Quelle: dpa, 08.02.04
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