Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Nachbarstaaten besorgt über mögliche Spaltung Iraks -
Irakischer Außenminister bekennt sich zur Einheit Iraks +++
US-Zivilverwalter Bremer rechtfertigt Krieg mit
Menschenrechtsverletzungen in Irak +++ Rotes Kreuz darf Saddam Hussein
besuchen +++ 27 Tote bei Angriff auf Polizeiwache im Irak +++
Im Norden Iraks demonstrieren tausende Menschen für unabhängigen
kurdischen Staat
So.15.02.04 - Die Nachbarstaaten Iraks haben sich bei ihren Beratungen zur
Sicherheitslage in der Region besorgt über eine mögliche
Spaltung des Landes geäußert. Nach dem Krieg und dem Sturz
des früheren Staatschefs Saddam Hussein müsse Irak "frei und
geeint" sein, erklärten die Anrainerstaaten am Samstag in
Kuwait-Stadt. Zugleich kündigten sie an, sich beim Gipfel der
Arabischen Liga kommenden Monat für eine Hilfsinitiative für
das kriegszerstörte Land stark zu machen. Auch der amtierende
irakische Außenminister Hoschjar Sebari nahm an der
zweitägigen Konferenz teil. Er betonte, seine Landsleute seien
entschlossen, die Bildung eines neuen Irak auf der Basis von
Demokratie, Pluralismus und Menschenrechten voranzutreiben.
Sebari bekräftigte die Entschlossenheit Iraks zur Einheit des
Landes. Irak werde seinen Nachbarn alle nur erdenklichen Garantien
anbieten, um die guten Beziehungen zu erhalten, sagte der Minister laut
einem an Journalisten verteilten Redemanuskript. Weiter sagte er, das
irakische Volk werde seine eigene politische Wahl ohne Einfluss von
außen treffen. Bereits zuvor hatte Sebari in einem Interview der
Nachrichtenagentur AP gesagt, Irak werde ohne Frage vereint bleiben. Er
verstehe aber die Sorge der Nachbarländer vor einer gegenteiligen
Entwicklung.
An der Konferenz auf Außenministerebene nehmen neben Irak und
Ägypten Jordanien, Saudi-Arabien, Iran, die Türkei, Syrien
und Kuwait teil. Die Gruppe hatte sich bereits vier Mal ohne Irak
getroffen, um über die künftige Entwicklung der Region nach
dem Irak-Krieg zu beraten.
Angesichts der wachsenden Kritik am Irak-Krieg hat US-Zivilverwalter
Paul Bremer auf die Menschenrechtsverstöße der
gestürzten irakischen Regierung hingewiesen. Er lade alle Zweifler
ein, nach Irak zu kommen und "die Massengräber in el Hillah und an
Dutzenden anderen Orten besuchen", sagte Bremer am Samstag bei der
Einweihung des Ministeriums für Menschenrechte in Bagdad. Das
Ministerium soll Beweise für Menschenrechtsverletzungen unter
Expräsident Saddam Hussein sammeln und eine Menschenrechts-Charta
für den künftigen Irak entwerfen.
Die US-Regierung hatte den Krieg gegen Irak auch mit den Verbrechen
Saddam Husseins gegen sein eigens Volk, vorrangig aber mit in seinem
Besitz befindlichen Massenvernichtungswaffen begründet. Beweise
für die Existenz dieser Waffen wurden aber bis heute nicht
gefunden, weshalb sich die US-Regierung auch in der eigenen
Bevölkerung wachsender Kritik ausgesetzt sieht.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat von der
US-Besatzungsmacht im Irak grünes Licht für den lang
geforderten Besuch beim gestürzten irakischen Staatschef Saddam
Hussein bekommen.
"Wir haben grünes Licht für den Besuch, wir wissen aber noch
nicht genau wann", sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger der
Schweizer Tageszeitung "Tribune de Geneve". Das IKRK hatte nach der
Gefangennahme Saddams am 13. Dezember mehrfach den Zugang zu Saddam und
die Überprüfung von dessen Haftbedingungen verlangt.
Das IKRK geht davon aus, dass Saddam als ehemaliger Oberkommandierender
der irakischen Streitkräfte gemäß der Genfer
Konventionen als Kriegsgefangener behandelt werden muss. Mit dem Status
eines Kriegsgefangenen muss der Ex-Diktator beispielsweise bei
Verhören lediglich seinen Vor- und Nachnamen, sein Geburtsdatum,
den Dienstgrad sowie seine Dienstnummer angeben.
Saddam Hussein wurde am 13. Dezember nahe seiner Heimatstadt Tikrit
gefangen genommen. Der Zugang zu dem Bunker, in dem sich der
gestürzte Staatschef versteckt hielt, wurde nach US-Angaben vom
Samstag inzwischen mit rund 140 Kilogramm Beton versiegelt.
Eine gewaltsame Gefangenenbefreiung in der irakischen Stadt Falludscha
hat am Samstagmorgen 27 Menschen das Leben gekostet. Bei den Toten
handele es sich um 23 Polizisten und vier Angreifer, sagte ein
US-Militärsprecher am Samstag. Die meisten der Angreifer entkamen.
Rund 25 Bewaffnete hatten eine Polizeiwache gestürmt, darüber
hinaus griffen sie auch das in der Nähe gelegene Irakische Zivile
Verteidigungskorps an.
In der Polizeiwache seien die Angreifer von Raum zu Raum gegangen,
hätten Handgranaten geworfen und aus Schnellfeuerwaffen gefeuert,
erklärten Überlebende. Zum Zeitpunkt des Überfalls waren
nur wenige Polizisten in der Wache, die meisten mit kleinkalibrigen
Waffen. Der Polizeioffizier Dschalal Sabri sagte, die Täter
hätten die Zellentüren mit Schüssen geöffnet und
die Wachleute getötet. Bei den befreiten Gefangenen handelte es
sich laut Sabri um gewöhnliche Kriminelle, die überwiegend
wegen Mordes und Diebstahls inhaftiert waren.
Ein Beamter des Zivilen Verteidigungskorps, Daid Hamed, sagte dagegen,
er glaube, dass die Angreifer drei mutmaßliche Aufständische
befreien wollten. Die beiden Kuwaiter und der Libanese seien in dieser
Woche gefangengenommen und der Polizei übergeben worden, sie
hätten sich in dem Gefängnis befunden. Den Angriff
bezeichnete Hamed als gut organisiert. Einige Bewaffnete hätten
die Kräfte des schwer bewachten Verteidigungskorps in Gefechte
verwickelt, während andere die Polizeiwache gestürmt
hätten.
Ein Sicherheitsbeamter im Krankenhaus von Falludscha berichtete, von
den Verletzten seien die meisten Polizisten. Auch zwei Frauen und ein
Kind seien verletzt worden. Bei den Getöteten handelt es sich
überwiegend um Polizisten sowie vier Angreifer. Zwei von ihnen
hätten libanesische Pässe bei sich getragen, erklärte
Polizeioffizier Sabri.
In den Straßen lieferten sich irakische Sicherheitskräfte
ein halbstündiges Gefecht mit den Bewaffneten. US-Soldaten waren
nicht zu sehen. Das Gebäude des Zivilen Verteidigungskorps war
erst vor zwei Tagen angegriffen worden, als dort der Befehlshaber des
US-Oberkommandos Mitte, General John Abizaid, zu Besuch war. Falludscha
liegt westlich von Bagdad im so genannten sunnitischen Dreieck, dem
Zentrum des Widerstands gegen die US-Besatzungstruppen.
In Suleimanijah im kurdisch geprägten Norden Iraks demonstrierten
tausende Menschen am Samstag für einen unabhängigen
kurdischen Staat. Im Bagdader Vorort Abu Ghraib protestierten hunderte
Iraker gegen Razzien und Durchsuchungsaktionen der US-Armee. "Sie
greifen mitten in der Nacht Unschuldige an", sagte ein Demonstrant der
Fernsehnachrichtenagentur APTN.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Britische Regierung erwägt Zerschlagung der BBC
So.15.02.04 - Nach dem Wirbel um die Kelly-Affäre erwägt die britische
Regierung laut einem Zeitungsbericht eine Zerschlagung der Radio- und
Fernsehanstalt BBC. Regierungspapiere zur Strukturreform der
öffentlich-rechtlichen BBC schlügen eine Aufsplittung in
mehrere Regionalsender für England, Schottland, Wales und
Nordirland vor, berichtete die "Sunday Times". Zudem hätten
"ranghohe Regierungsbeamten" angeregt, dem Verwaltungsrat des Senders
die Aufsicht über dessen Unparteilichkeit zu entziehen.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Blair hat den BBC bei Berichterstattung über den Irak-Krieg
offenbar sytematisch unter Druck gesetzt
Mo.02.02.04 - Der zurückgetretene Generaldirektor der BBC, Greg Dyke, macht dem
britischen Premierminister Tony Blair schwere Vorwürfe. Dyke sagte
der «Sunday Times», Blair habe den Sender bei der
Berichterstattung über den Irak-Krieg «systematisch unter
Druck gesetzt und eingeschüchtert»... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402020.htm#04020201
Mehrheit der Briten lehnt laut Umfragen den Hutton-Bericht ab und traut
der BBC mehr als Blair
Sa.31.01.04 - Tony Blair hätte an Stelle des BBC-Generaldirektors Greg Dyke
zurücktreten sollen. Das meint jedenfalls die britische
Bevölkerung. In einer Meinungsumfragen des Guardian nach der
Veröffentlichung des Hutton-Berichts am Mittwoch, in dem der BBC
die Alleinschuld an der Kelly-Affaire gegeben wird, erklärte eine
deutliche Mehrheit, der BBC mehr Vertrauen entgegenzubringen als der
Regierung - 31 gegenüber 10 Prozent. In einer Umfrage des Daily
Telegraph fanden 56 Prozent der Befragten den Hutton-Bericht einseitig
und unfair... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#040131_d
US-finanzierter Fernsehsender für Arabien nimmt Programm auf
So.15.02.04 - Ein von den USA finanzierter arabisch-sprachiger Fernsehsender speziell
für den Nahen Osten hat am Samstag den Sendebetrieb aufgenommen.
Der Sender El Hurra, zu Deutsch "Der Freie", soll eine Konkurrenz zu
Sendern wie El Dschasira oder El Arabija darstellen, denen Washington
eine zu USA-kritische Berichterstattung vorwirft. Er kann in 22
Ländern des Nahen Ostens über Satellit empfangen werden und
begann sein Programm mit einer Sendung über den Konflikt zwischen
Israelis und Palästinensern.
62 Millionen Dollar an öffentlichen Mitteln haben die USA für
den neuen Satellitenkanal im ersten Jahr zur Verfügung gestellt.
Laut US-Präsident George W. Bush geht es darum, "die
hasserfüllte Propaganda zu zerstreuen, die in der muslimischen
Welt den Äther füllt". So wird der Sender auch gleich zu
Anfang ein exklusives Interview mit Bush ausstrahlen. Darin will der
Präsident seine Entschlossenheit bekunden, im Nahen Osten Freiheit
und Demokratie zu verbreiten, wie sein Pressesprecher Scott McClellan
betonte.
Schon vor der Aufnahme seines Sendebetriebs war der neue Fernsehkanal
der USA für den Nahen Osten ins Kreuzfeuer geraten. Es handele
sich um eine Beleidigung der arabischen Welt, um einen gezielten
Versuch, islamische Werte zu zerstören und die Jugend zu
verderben, lautete die Kritik der arabischen Medien.
Als Betreiber des Senders verspricht der amerikanische Rundfunkrat eine
ausgewogene Berichterstattung. Dies wird vor Ort allerdings
angezweifelt. Unerwünschte, ja gefährliche Propaganda
erwartet Dschamil Abu Bakr von der Islamischen Aktionsfront, der
politischen Vertretung der Muslimischen Bruderschaft in Jordanien. Die
USA wollten nur die Wertvorstellungen der arabischen Welt
aushöhlen. Die muslimische Gesellschaft werde diesen Angriff
jedoch zurückweisen, so dass El Hurra letztlich wirkungslos
bleiben werde.
Der Chefredakteur der in Libanon erscheinenden englischsprachigen
Zeitung "The Daily Star", Rami Churi, sieht es ähnlich. Der neue
Sender werde die Kluft zwischen Amerika und der arabischen Welt nur
vergrössern. El Hurra sei ein teures, aber letztlich irrelevantes
Schwindelpaket. "Warum wollen sie uns ständig auf diese Weise
beleidigen?" fragte Churi.
Norman Pattiz, Mitglied im amerikanischen Rundfunkrat, der auch den
Auslandssender Voice of America betreibt, weist diese Kritik
zurück. Es gehe hier um Nachrichten, nicht um Propaganda. Die
Menschen im Nahen Osten sollten sich die Programme erst einmal ansehen
und dann ein Urteil fällen. Die Glaubwürdigkeit des neuen
Kanals werde schnell überzeugen. "Ohne Glaubwürdigkeit
wären wir verloren", sagte Pattiz.
Letztlich soll El Hurra dem arabischen Satellitensender El Dschasira
Paroli bieten. Letzterer hat unter den Zuschauern in der arabischen
Welt grosse Beliebtheit erlangt, weil er eine Alternative zu den
staatlich kontrollierten Medien bietet. Zahlreiche Interviews mit
Oppositionspolitikern mögen die Regierungen der jeweiligen
Länder erzürnt haben, doch wurde damit eine bislang
unbekannte Meinungsvielfalt möglich. Die USA werfen El Dschasira
jedoch antiamerikanische Tendenzen vor, die nun mit El Hurra
bekämpft werden sollen.
Die Schlacht der Medien geht damit in eine neue Runde. Kurz vor dem
Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein im vergangenen April
haben die USA bereits den arabischsprachigen Radiosender Sawa
("Gemeinsam") lanciert. Dieser kann mit arabischer und westlicher
Popmusik viele Jugendliche erreichen, doch für die Nachrichten
schalten diese in der Regel auf andere Sender um, wie Umfragen vor Ort
ergaben, die vom US-Rundfunkrat allerdings angezweifelt werden.
Ferner wurde das zweisprachige Magazin «hi» auf den Markt
gebracht. Dieses widmet sich weniger politischen Themen, sondern
versucht, die arabische Welt ganz allgemein über die Lebensweise
und die Kultur der Amerikaner zu informieren. Ein grosser
Verkaufserfolg war die Publikation bislang allerdings nicht.
Vom Standpunkt der Medienvielfalt gesehen, mag der neue Fernsehsender
durchaus seine Berechtigung haben, wie die ägyptische
Medienexpertin Samiha Dahrug erklärt. "Jeder hat das Recht, seine
Meinung zu vertreten. Der Äther steht jedem offen, und niemand
sollte davor Angst haben", sagt die Chefin des Kanals Nile News. Die
Vereinigten Staaten könnten ihr Image in der arabischen Welt
jedoch letztlich nur mit Taten verbessern. Bislang hätten sie
jedenfalls den Eindruck vermittelt, dass ihre Politik den arabischen
Interessen zuwider laufe.
(Quellen: ap, afp)
Bush warnt in Rundfunkansprache erneut vor Massenvernichtungswaffen
So.15.02.04 - In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache hat US-Präsident
George W. Bush am Samstag erneut vor Anschlägen auf die USA mit
Massenvernichtungswaffen gewarnt. "Die Möglichkeit einer geheimen
und plötzlichen Attacke mit Massenvernichtungswaffen ist die
größte Bedrohung, der die Welt ausgesetzt ist", sagte Bush.
"Amerika sieht sich Raketenanschlägen mit Massenvernichtungswaffen
gegenüber, die katastrophal sein könnten." Deshalb entwickle
und installiere die Regierung eine Raketenabwehr, um die
Bevölkerung zu schützen, betonte der Präsident.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
USA: Neun Milliarden Dollar für Raketenabwehr
Washington (AFP) - Sa.31.01.04 - 09:20 Uhr - Der Entwurf
für den US-Haushalt im Fiskaljahr 2005 sieht zusätzliche
Mittel für die Raketenabwehr vor. Nach auf der Pentagon-Website
veröffentlichten Zahlen ist dafür ein Posten von 9,1
Milliarden Dollar vorgesehen. Damit sind für die Raketenabwehr
Mehrausgaben von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geplant. Die
Verteidigungsausgaben belaufen sich in dem Entwurf auf 401 Milliarden
US-Dollar. Der Haushaltsplan, den das Weiße Haus am Montag
öffentlich vorstellen wird, sieht nach Angaben eines
Regierungsvertreters ein Defizit von 521 Milliarden Dollar vor.
Kerry gewinnt zwei weitere Vorwahlen bei den Demokraten
So.15.02.04 - Der führende Anwärter auf die Nominierung als
Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Senator John Kerry, hat
seine Rivalen am Samstag mit Siegen in Parteiabstimmungen (Caucuses) in
Nevada und Washington D.C. weiter auf Distanz gehalten. Kerry, der als
einziger in Nevada auch Wahlkampf geführt hatte, setzte sich hier
deutlich gegen den früheren Gouverneur von Vermont, Howard Dean,
durch. In Washington D.C. bekam er mehr als doppelt so viele Stimmen
wie der nächste Kandidat, der schwarze Bürgerrechtler Al
Sharpton.
Die Aufmerksamkeit liegt aber schon längst auf der Vorwahl
(Primary) am Dienstag in Wisconsin und auf dem
«Superdienstag» am 2. März, wenn Vorwahlen in zehn
US-Staaten stattfinden. Von den bislang 16 Vorwahlen hat Kerry 14
gewonnen. Die Entscheidung über den demokratischen Gegenkandidaten zum
republikanischen Amtsinhaber George W. Bush soll auf einem
Parteikongress im Juli fallen.
(Quellen: ap, rtr)
Bush wehrt sich im Wahlkampf gegen Drückeberger-Vorwurf
So.15.02.04 - Nach anhaltenden Spekulationen über seinen Militärdienst ist
US-Präsident George W. Bush jetzt in die Offensive gegangen.
Der im November zur Wiederwahl antretende Präsident veranlasste am
Freitag die Veröffentlichung aller persönlichen
Militärakten aus der Zeit des Vietnam-Krieges. Die Akten sollen
den vor allem von den Demokraten im beginnenden
Präsidentschaftswahlkampf erhobenen Vorwurf widerlegen, Bush habe
sich vor einem Einsatz in Vietnam gedrückt. Bushs möglicher
Herausforderer John Kerry von den Demokraten wehrte sich unterdessen
gegen Vorwürfe, er habe eine Affäre mit einer jüngeren
Frau gehabt.
Das Präsidialamt händigte Journalisten Pakete mit Hunderten
von Seiten aus dem Archiv der Nationalgarde in Denver aus. "Wir haben
die gesamte Akte heute Nachmittag bekommen und der Präsident
möchte, dass alles veröffentlicht wird", sagte Bushs Sprecher
Scott McClellan. "Es gab einige, die den falschen Eindruck erwecken
wollten, dass es etwas zu verbergen gebe, was nicht der Fall ist."
Nach einer ersten Durchsicht enthalten die Akten allerdings keine
dramatischen neuen Fakten. Sie dokumentieren Bushs Dienstbeginn bei der
Nationalgarde 1968 und eine Absichtserklärung, ein Leben lang
fliegen zu wollen, bis er vorzeitig und in Ehren im Oktober 1973
entlassen wurde, um in Harvard zu studieren. Bushs Vater war damals
Kongressabgeordneter, zu einem Zeitpunkt, als der Dienst bei der
Nationalgarde für Privilegierte als Möglichkeit galt, eine
Einberufung zum Kriegsdienst in Vietnam zu vermeiden.
Fragen nach Bushs Militärdienst haben auch deshalb Brisanz, weil
er sich für eine Wiederwahl als "Kriegspräsident" zu
präsentieren versucht. In Bushs Partei, den Republikanern, macht
sich aber angesichts fallender Umfragewerte für den Amtsinhaber
inzwischen Sorge breit. Einer am Freitag veröffentlichten Erhebung
von ABC News und der "Washington Post" zufolge ist Bushs
Popularität wegen offener Fragen zum Irak-Krieg, anhaltender
wirtschaftlicher Frustration und Kerrys Erfolgen bei den Vorwahlen der
Demokraten an einem Tiefpunkt angelangt. Die Zustimmung zu seiner
Amtsführung ist auf 50 Prozent gefallen. Nur noch 52 Prozent der
Befragten halten ihn für ehrlich und vertrauenswürdig, sieben
Prozent weniger als Ende Oktober.
Bereits vor einigen Tagen waren zwei Abschnitte aus der Akte über
Bushs Militärdienst veröffentlicht worden. Die Dokumente
belegten einem ranghohen Militärvertreter zufolge, dass "er seine
militärischen Pflichten zufriedenstellend wahrgenommen (hat)".
Längere Abwesenheiten vom Dienst erklärte das
Präsidialamt mit Bushs politischem Engagement in Alabama im Herbst
1972.
Anders als Bush hatte sich Kerry, der Favorit unter den
Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten, freiwillig zum Einsatz
in Vietnam gemeldet. Er war für seinen Dienst ausgezeichnet
worden. Doch inzwischen muss sich auch Kerry mit Vorwürfen
zu seiner Vergangenheit auseinander setzen. Einen Bericht über
eine angebliche Liebesbeziehung zu einer jüngeren Frau wies er am
Freitag zurück: "Ich dementiere das kategorisch. Das sind
Gerüchte. Sie sind falsch. Punkt", sagte der 60-Jährige, als
er auf einem im Internet veröffentlichten Bericht des
Klatschkolumnisten Matt Drudge angesprochen wurde.
Drudge hat den Skandal um die Affäre des früheren
demokratischen Präsidenten Bill Clinton mit Monica Lewinsky ins
Rollen gebracht. Er berichtete am Donnerstag, Kerry habe die Beziehung
von Anfang 2001 an zwei Jahre lang unterhalten. Die Geliebte habe die
USA inzwischen verlassen. Kerry ist in zweiter Ehe mit der Erbin des
Ketchup-Konzerns Heinz, Teresa Heinz, verheiratet. Er zählt nicht
zuletzt deshalb zu den reichsten Mitgliedern des US-Senats.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Vorbereitungstreffen für Gespräch Kureia-Scharon verschoben
+++ US-Initiative soll Scharon zu Änderungen beim Trennzaun
bewegen +++ Erste Pläne zu einseitigem Rückzug aus
palästinensischen Gebieten
So.15.02.04 - Ein für den (heutigen) Sonntag geplantes Vorbereitungstreffen
für Gespräche zum Nahost-Konflikt ist verschoben worden. Mit
dem Treffen sollten die Weichen für eine Zusammenkunft von Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon mit seinem palästinensischen
Amtskollegen Ahmed Kureia gestellt werden. Grund für die
Verschiebung waren Witterungsbedingungen. Israelische Medien
berichteten, ein neuer Termin für das Treffen stehe noch nicht
fest.
Die USA werden nach Angaben aus Diplomatenkreisen nächste Woche
Gesandte nach Israel schicken, um auf Änderungen beim Verlauf der
Sperranlagen zu den Palästinensergebieten zu dringen.
Die US-Gesandten wollten dabei eine feste Zusage von
Ministerpräsident Ariel Scharon erreichen, dass der Verlauf des im
Bau befindlichen Sperrzauns geändert werde. Die Anlage
verläuft teilweise auf palästinensischem Gebiet. Israel hat
bereits Bereitschaft signalisiert, den Bauverlauf der Anlage an einigen
Punkten zu ändern, an denen der Zaun in einem Bogen jüdische
Siedlungen im Grenzgebiet umschließen soll. Die US-Initiative
dürfte der US-Regierung auch als Entscheidungshilfe dabei dienen,
ob sie einen einseitigen Plan Scharons zur Auflösung
jüdischer Siedlungen unterstützen wird.
Aus den Kreisen verlautete, im Rahmen der US-Initiative sollten Elliot
Abrams von Nationalen Sicherheitsrat, der stellvertretende Nationale
Sicherheitsberater Stephen Hadley und der Gesandte des
US-Außenministeriums, William Burns, Gespräche in Nahost
führen. Scharon hat angekündigt, bei einem Scheitern des von
den USA mit initiierten internationalen Nahost-Friedensplans seinen
Trennungsplan umzusetzen. Den Palästinensern werde dann aber
weniger Land überlassen, als der internationale Friedensplan
vorsieht. Israel begründet den Bau der Sperranlage damit, dass
palästinensische Selbstmordattentäter von israelischem
Staatsgebiet fern gehalten werden müssten.
Ein vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon ernanntes
Vorbereitungsteam will laut Medienberichten schon in den nächsten
Tagen erste Vorschläge zu einem einseitigen Rückzug aus
palästinensischen Gebieten vorlegen. Die Gruppe aus Vertretern des
Aussen-, Verteidigungs- und Justizministeriums sowie der
Streitkräfte und des Geheimdienstes werde Scharon einen ersten
Bericht am Sonntag oder Montag übergeben, berichtete der
israelische Rundfunk am Samstag.
(Quellen: dpa, ap, rtr)
Vier Minensucher in Afghanistan erschossen
So.15.02.04 - Vier Minensucher sind im Westen Afghanistans von mutmaßlichen
Kämpfern der Terrororganisation El Kaida und der Taliban
erschossen worden. Das teilte ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Kabul mit. Die vier
getöteten Afghanen arbeiteten die für eine Organisation, die
Minen unschädlich macht. Erst gestern war im Südosten
Afghanistans ein US- Soldat durch eine Anti-Panzermine getötet
worden.
(Quelle: dpa)
Irans Außenminister Charrasi: Iran kann nuklearen Brennstoff
herstellen und verkaufen
So.15.02.04 - Iran ist nach eigenen Angaben zur Herstellung nuklearen Brennstoffs in
der Lage. Das Land sei bereit, den Brennstoff auf dem internationalen
Markt zu verkaufen, sagte der iranische Außenminister Kamal
Charrasi am Samstag laut der Nachrichtenagentur Irna. Allerdings
betreibe Teheran kein Programm zur Herstellung von Atomwaffen, betonte
der Minister. Das iranische Volk sei nicht bereit, bei seinen
nationalen Interessen Kompromisse einzugehen. Dennoch stehe Iran
für eine "internationale Zusammenarbeit" zur Verfügung.
(Quelle: afp)
Vor Parlamentswahl in Iran - Hunderte Kandidaten erklären ihren
Rückzug
So.15.02.04 - Knapp eine Woche vor der Parlamentswahl in Iran haben mehr als 500
zumeist unabhängige Kandidaten ihren Rückzug erklärt,
womit sich jetzt praktisch nur noch Hardliner um die Mandate bewerben.
Wie das Innenministerium am Samstag auf seiner Web-Site mitteilte,
zogen insgesamt 550 Politiker ihre Kandidatur zurück. Sie
schlossen sich damit dem Boykott fast aller Reformparteien für die
Wahl am Freitag an.
Den Boykott ausgelöst hatten Entscheidungen des konservativen
Wächterrats, letztlich mehr als 2.000 Kandidaten der
Reformbewegung von der Wahl am 20. Februar auszuschließen. Es
steht damit auch außer Zweifel, dass die konservativen Hardliner
nach ihrer Niederlage gegen die Reformer bei der Wahl 2000 nun die
Mehrheit im Parlament wieder zurückgewinnen werden. Ihre einzige
und große Herausforderung ist die Wahlbeteiligung. Nach
Schätzungen der Regierung werden nur ein Drittel der 46 Millionen
Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben.
Der oberste geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, rief
die Bevölkerung am Freitag auf, mit einer starken Wahlbeteiligung
den Reformkräften eine Absage zu erteilen. Eine niedrige
Wahlbeteiligung würde allgemein als Bestätigung des Boykotts
der Reformer aufgefasst. 2000 lag die Wahlbeteiligung bei 67 Prozent.
Die Organisatoren des Boykotts hoffen auf eine Beteiligung von 30
Prozent oder weniger.
(Quelle: ap)
Birmas Junta entlässt hochrangigen Oppositionellen aus der Haft
So.15.02.04 - Birmas regierende Militärjunta hat den Vize- Vorsitzenden der
oppositionellen Nationalen Liga für Demokratie nach über
achtmonatiger Haft entlassen. Der 76-Jährige U Tin Oo sei nach
Hause zurückgekehrt, verlautete aus Regierungskreisen in Rangun.
Der Mann gilt als einer der wichtigsten Regimegegner nach
Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die weiter unter Hausarrest
steht. Beide waren zusammen mit einer Reihe weiterer Oppositioneller im
Mai vergangenen Jahres festgenommen worden.
(Quelle: dpa)
Putschversuch in Haiti
Frühere Militärs und ranghohe Sicherheitsbeamte
schließen sich Haitis Rebellen an - In Haiti werden
Nahrungsmittelvorräte knapp
So.15.02.04 - Die bewaffneten Rebellen in Haiti haben Verstärkung aus der
benachbarten Dominikanischen Republik erhalten. Wie Radiosender
berichteten, erreichten 20 Ex-Militärs in einem Geländewagen
voller Waffen die seit dem 5. Februar von den Rebellen gehaltene
Hafenstadt Gonaives. An der Grenze zu Haiti wurden ein dominikanischer
Soldat erschossen und ein zweiter verletzt. Ob ein Zusammenhang
zwischen beiden Ereignissen bestand, war zunächst nicht klar.
In der Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern des
haitianischen Präsidenten Jean Bertrand Aristide haben sich
auch zwei ranghohe frühere Sicherheitsbeamte den Rebellen
angeschlossen. Der frühere Chef der Paramilitärs, Louis-Jodel
Chamblain, und der der Ex-Polizeichef Guy Philipp erklärten am
Samstag im Radio, sie unterstützten fortan die Rebellen in ihrem
bewaffneten Aufstand gegen Aristide. Gemeinsam mit ihren Anhängern
wollten sie die Küstenstadt Saint-Marc einnehmen und dann den
Marsch auf die Hauptstadt Port-au-Prince beginnen.
Regierung und Hilfsorganisationen warnten unterdessen, wegen
zahlreicher Straßenblockaden würden die Nahrungsmittel knapp.
Im von den Rebellen kontrollierten Norden Haitis könnten die
Notvorräte an Mehl und anderen Grundnahrungsmitteln schon in vier
Tagen aufgezehrt sein, hieß es. «Die Bevölkerung, die
von den übrigen Landesteilen abgeschnitten ist, befindet sich in
einer sehr riskanten Lage», sagte Ministerpräsident Yvon
Neptune bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Port-au-Prince im
Süden. Nach Berichten von Händlern blockierten die
Aufständischen am Samstag auch Lebensmittellieferungen aus dem
östlichen Nachbarland Dominikanische Republik.
In der Rebellen-Hochburg Gonaives, wo der Aufstand am 5. Februar
begann, ist der Krankenhausbetrieb nach Berichten von Angestellten
praktisch zum Erliegen gekommen. Die Ärzte fürchteten sich
zurückzukehren, nachdem es vor einer Woche zu einer
Schießerei in der Klinik gekommen sei, sagte Hausmeister Pierre
Joseph. Polizisten seien von Rebellen bis in das Krankenhaus verfolgt
worden und hätten daraufhin das Feuer eröffnet. Mindestens
drei Unbeteiligte seien dabei ums Leben gekommen.
US-Außenminister Colin Powell drängte den umstrittenen
haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide am Freitag,
Verhandlungen mit seinen politischen Gegnern aufzunehmen. Aristide
«muss auf die Opposition zugehen, um sicherzustellen, dass
friedliche Demonstrationen nicht von Verbrechern zerschlagen
werden», sagte Powell. Bei einer zunächst friedlichen
Demonstration in Port-au-Prince hatten militante Aristide-Anhänger
am Donnerstag Steine auf die Kundgebungsteilnehmer geworfen. Die
Opposition plant für (den heutigen) Sonntag einen Protestmarsch.
(Quellen: dpa, afp)
Philippinische Regierung und kommunistische Rebellen im Gespräch
So.15.02.04 - Nach rund zweijährigem Stillstand haben Regierung und
kommunistische Rebellen auf den Philippinen ihre
Friedensbemühungen wieder auf Kurs gebracht. Bei Gesprächen
unter norwegischer Vermittlung einigten sich beide Seiten am Samstag in
Oslo auf vertrauensbildende Maßnahmen und eine Fortsetzung ihrer
Verhandlungen. Der Leiter der Regierungsdelegation Silvestre Bello III.
sprach von einem «großen, mutigen Schritt in unserer Suche
nach Frieden».
Beide Seiten erzielten ihre Vereinbarung nach tagelangem harten Ringen.
Um Vertrauen zu schaffen und die Friedensgespräche am Laufen zu
halten, sollen nun die USA und weitere westliche Länder aufgerufen
werden, die Kommunistische Partei und ihren bewaffneten Arm, die Neue
Volksarmee, von Listen terroristischer Gruppen zu streichen.
Der bewaffnete Widerstand der kommunistischen Rebellen auf den
Philippinen dauert seit 35 Jahren an. Ein Waffenstillstand wurde noch
nicht vereinbart. Der Chef der Rebellendelegation in Oslo, Luis
Jalandoni, betonte, vor einer dauerhaften Waffenruhe müssten
politische und wirtschaftliche Reformen umgesetzt werden. Die
Gespräche mit der Regierung könnten Ende März
fortgesetzt werden.
(Quelle: ap)
Venezuela: Entscheidung über Referendum gegen Präsident
Chavez verschoben
So.15.02.04 - Zehntausende Venezolaner haben am Samstag gegen die Verschiebung der
Entscheidung über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident
Hugo Chavez protestiert. Die Opposition hatte bereits im Dezember
Unterschriftenlisten für die Durchführung eines Referendums
vorgelegt, mit dem sie Chavez' Präsidentschaft beenden will. Die
Frist zur Überprüfung dieser Unterschriften wäre
eigentlich am Freitag abgelaufen, wurde von der nationalen
Wahlkommission aber bis zum 29. Februar verlängert.
Die Demonstration sollte eigentlich vor dem Sitz der Wahlkommission
stattfinden, der seit einer Woche von Chavez' Anhängern bewacht
wird. Die Regierung organisierte auf dem Platz am Samstag jedoch eine
Art Jahrmarkt, so dass die Opposition mit ihrer Abschlusskundgebung auf
einen einen Kilometer entfernten Park ausweichen musste.
Die Opposition hat nach eigenen Angaben rund 3,4 Millionen
Unterschriften für ein Referendum zusammenbekommen, das wäre
eine Million mehr als für die Durchführung einer
Volksabstimmung erforderlich ist. Chavez warf seinen Gegnern jedoch
Fälschung vor und ermahnte die Wahlkommission, die Gültigkeit
jeder einzelnen Unterschrift zu prüfen. Wenn eine Volksabstimmung
zu Stande kommt, braucht die Opposition für eine Amtsenthebung
Chavez' mehr als die knapp 3,8 Millionen Stimmen, mit denen Chavez im
Jahr 2.000 gewählt wurde.
(Quelle: ap)
Chavez – ein Staatsstreich von innen
Im Jahr 2001 reisten die Dokumentarfilmerinnen Kim Bartley und Donnacha
O´Brien nach Venezuela, um eine Darstellung des demokratisch
gewählten, linken Präsidenten Hugo Chávez zu drehen.
Chávez war durch die Unterstützung der Armen Venezuelas ins
Amt gekommen. Während Bartley und O´Brien im April 2002
filmten, fanden sie sich inmitten eines Coupversuchs gegen
Chávez wieder und ihre Kameras fingen die unglaublichen Bilder
diese Aprils ein. Aus dem umfangreichen Filmmaterial erstellten sie die
Dokumentation "Chávez – ein Staatsstreich von innen". Der Film
wurde am 14.09.2003 im ZDF und zuvor bei ARTE gezeigt.
Im ZNet (03.11.2003) ist ein Interview mit den Filmautorinnen Bartley
und O´Brien abrufbar unter:
http://zmag.de/artikel.php?id=926
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=45&ItemID=4442
Afrika sucht besseren Zugang zu amerikanischem und europäischem
Markt
So.15.02.04 - Das Bemühen um besseren Zugang zu den amerikanischen und
europäischen Märkten hat am Samstag den Gipfel der
NEPAD-Staaten in Ruanda bestimmt. Staats- und Regierungschefs sowie
ranghohe Regierungsvertreter aus den rund 20 Mitgliedsländern der
Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung suchten in der
ruandischen Hauptstadt Kigali nach Wegen, Blockaden für
landwirtschaftliche Exporte aus Afrika zu reduzieren. Die Teilnehmer
bemühten sich um eine gemeinsame Position, wie die USA und Europa
von einer Verringerung oder Aufgabe ihrer Agrarsubventionen
überzeugt werden könnten, sagte Sprecher Claver Gatete.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Überlebenskampf mit der Baumwolle
Fr.12.09.03 - Baumwolle ist zum Symbol für die Ungerechtigkeit im Welthandel
geworden. Seit Mitte der 90er Jahre befindet sich der Preis für
das «weiße Gold» beständig im Sinkflug und ist
heute so niedrig, wie seit 1930 nicht mehr. Schuld daran sind nicht
mangelnde Nachfrage, sondern die hohen Subventionen, die die
US-Regierung ihren 25.000 Bauern zahlt. Für Länder wie Benin,
Mali, Tschad und Burkina Faso bedeutet das Preisdumping Hunger, Armut
und den Zusammenbruch der Wirtschaft.
Die Handelsminister der vier westafrikanischen Staaten haben das Thema
auf die Agenda der WTO-Ministerkonferenz im mexikanischen Cancún
gebracht. In einem Aufsehen erregenden Vorstoß fordern sie den
sofortigen Stopp dieser ungerechten staatlichen Unterstützung.
«Es geht um unsere Kinder, die hungern und nicht zur Schule gehen
können», mahnt der Handelsminister aus Benin, Fatiou
Akplogan... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309120.htm#030912_m
Studie: Entwicklungsländer erleiden Milliardenausfälle im
Agrarbereich durch Handelsschranken
Fr.22.08.03 - Schwarzafrikanische Bauern verlieren im Jahr zwei Milliarden US-Dollar
durch die von den Industriestaaten aufrechterhaltenen Handelshemmnisse
und Agrarsubventionen. Für alle Entwicklungsländer oder etwa
drei Milliarden Menschen würde eine Öffnung der Märkte
des Nordens im landwirtschaftlichen Bereich Mehreinnahmen in Höhe
von 26 Milliarden Dollar im Jahr bedeuten. Dies sind die Kernaussagen
eines Berichts des International Food Policy Research Institute (IFPRI)
in Washington, das im Vorfeld der Ministerkonferenz der
Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancún und der
25. Konferenz der Internationalen Vereinigung der Agrarökonomen in
der südafrikanischen Hafenstadt Durban vorgelegt wurde. (jw/ips)...Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/08-22/010.php
Agrarsubventionen von EU und USA gefährden Entwicklungsländer.
Do.02.01.03 - Der Protektionismus der Industrienationen schade den Entwicklungsländern
in mehrfacher Hinsicht, schreibt die südafrikanische Tageszeitung "Business Day". Er verzerre
den Wettbewerb auf internationalen Märkten und hindere die Wirtschaft armer Länder
am Wachstum. Handelsbarrieren im Agrarsektor abzubauen sei zur Erholung der Wirtschaft afrikanischer
Länder unabdingbar. Westliche Länder müßten daher protektionistische
Zolltarife, überhöhte Subventionen und Überproduktionen herunterfahren.
Die Mitte Dezember letzten Jahres in Kopenhagen beschlossene Erweiterung der Europäischen
Union um zehn Länder habe "wichtige Konsequenzen für Afrika", betont "Business Day".
Die Osterweiterung der EU werde die protektionistischen Trends wahrscheinlich verstärken, meint
Business Day. Agrarsubventionen seien der größte finanzielle Posten der Erweiterung. Die
Beitrittsländer, vor allem Polen, verlangten mehr Subventionen von der EU. Die politischen Eliten in den
jeweiligen Ländern seien auf einen politischen Erfolg in Form höherer Subventionen
angewiesen, um den Beitrittskritikern im eigenen Lande den Wind aus den Segeln zu nehmen,
analysierte die Tageszeitung aus Südafrika. (Quelle: jw) ... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/01-02/008.php
Aufschwung in Euro-Zone lässt weiter auf sich warten
So.15.02.04 - Die erhoffte Konjunkturbelebung in Europa zum Jahresende ist
ausgeblieben. Im Schlussquartal 2003 verlangsamte sich in der Euro-Zone
das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum sogar noch leicht. Die
EU-Kommission sagte am Freitag jedoch eine allmähliche
Beschleunigung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres voraus.
Volkswirten zufolge belegen die vorgelegten Wachstumsdaten die
großen Probleme des Währungsraums, die wirtschaftliche
Erholung aus eigener Kraft voranzutreiben. Damit erhöht sich die
Abhängigkeit Europas von der Konjunkturlokomotive USA, die im
vierten Quartal ein deutlich kräftigeres Wachstum vorgelegt hatte.
Nach enttäuschenden Zahlen aus den drei größten
Volkswirtschaften der Euro-Zone - Deutschland, Frankreich und Italien -
kam der abgeschwächte Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im
Währungsgebiet nicht mehr überraschend. Einer ersten
Schätzung des europäischen Statistikamts Eurostat zufolge
wuchs das BIP in den letzten drei Monaten 2003 zum Vorquartal um
lediglich 0,3 Prozent. Im dritten Quartal lag die Rate noch bei 0,4
Prozent.
Im Gesamtjahr 2003 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum - unter
anderem belastet von der starken Euro-Aufwertung - auf 0,4 Prozent von
0,9 Prozent im Vorjahr. In Deutschland war das BIP sogar um 0,1 Prozent
geschrumpft. Die Wachstumsrate im vierten Quartal war hier zu Lande mit
0,2 Prozent ebenso hinter den Erwartungen von Volkswirten
zurückgeblieben wie die in Frankreich mit 0,5 Prozent und Italien,
wo das BIP im Vergleich zum Vorquartal stagnierte.
In der gesamten Europäischen Union (EU) - also
einschließlich Großbritanniens, Schweden und Dänemarks
- wuchs die Wirtschaft im Schlussquartal wie in den drei Monaten zuvor
um 0,4 Prozent. Damit bleibt die Europa weit hinter den Wachstumsraten
der weltgrößten Volkswirtschaft zurück. Mit einem
offiziell geschätzten BIP-Plus von 4,0 Prozent im vierten Quartal
kam die US-Konjunktur merklich schneller in Schwung, auch wenn man
berücksichtigt, dass diese Zahl aufs Jahr hochgerechnet ist.
Volkswirt Howard Archer von Global Insight zeigte sich enttäuscht
über die anhaltend schwache Konjunktur in der Euro-Zone. Dies
zeige, dass "die Region weiterhin darum kämpft, eine
wirtschaftliche Erholung zu entwickeln".
Für die Euro-Zone erwartet die EU-Kommission eine
Wachstumsbeschleunigung im ersten Halbjahr. Für die ersten beiden
Quartale prognostizierte die Brüsseler Behörde einen
BIP-Anstieg von jeweils 0,3 bis 0,7 Prozent zum Vorquartal. Für
das Gesamtjahr 2004 erwartet die Kommission ein Wirtschaftswachstum von
1,8 Prozent, während die Europäische Zentralbank (EZB) mit
plus 1,6 Prozent rechnet.
(Quelle: rtr)
Italien: Oppositionsbündnis feiert Prodi als seinen künftigen
Führer
So.15.02.04 - EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat sich in der italienischen
Politik zurückgemeldet: Mit einer umjubelten Rede auf einem
Kongress des Linksbündnisses Ulivo kündigte er am Samstag
seine baldige Rückkehr an die Spitze der Opposition an. Prodis
Amtszeit als EU-Präsident läuft im Herbst ab. «Heute
beenden wir den Bau eines neuen Hauses», sagte er über
Ulivo. «Ich kann dieses Haus erst am 1. November betreten, aber
es ist jetzt schon mein Haus.»
Die Europawahl im Juni sei eine erste Gelegenheit, einen Sieg über
die rechte Regierung von Silvio Berlusconi erringen, sagte Prodi.
Einige Beobachter hatten erwartet, dass der
EU-Kommissionspräsident sein Amt vorzeitig aufgeben würde, um
schon bei der Wahl des EU-Parlaments als Spitzenkandidat der
italienischen Linken anzutreten. Prodi erklärte dazu am Samstag
aber, mit einem vorzeitigen Rückzug aus der EU-Kommission
würde er dem Ruf aller Italiener schaden.
(Quelle: ap)
Tausende Moslems demonstrieren in Frankreich gegen Kopftuch-Verbot
So.15.02.04 - Tausende Moslems haben am Samstag in Paris und anderen
französischen Städten gegen ein geplantes Kopftuch-Verbot an
öffentlichen Schulen demonstriert. In Paris gingen etwa 1000
Männer und Frauen, letztere vorwiegend mit Kopftüchern, auf
die Straße. In Lyon demonstrierten mehrere tausend, in Marseille
waren es nach Angaben der Polizei 300 und nach Angaben der Veranstalter
500 Menschen. In Montpellier sprach die Polizei von 600, die
Veranstalter von 1500 Teilnehmern. Die Demonstranten drohten der
Regierung, ihren Protest bei den im März anstehenden
Regionalwahlen zum Ausdruck zu bringen.
Nachdem die Nationalversammlung das Gesetz am Dienstag mit
überwältigender Mehrheit gebilligt hatte, will Anfang
März der Senat darüber beraten. Auch dort wird mit einer
Zustimmung gerechnet. Das Verbot, das neben dem islamischen Kopftuch
auch die jüdische Kippa und größere christliche Kreuze
betrifft, soll mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft treten. Es
gilt nicht für Privatschulen. Die Demonstranten
äußerten die Befürchtung, dass das Gesetz gläubige
Musliminnen am Schulbesuch hindern werde.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Frankreich: Große Mehrheit in Paris für Kopftuch-Verbot an
Schulen
Mi.11.02.04 - Das französische Parlament hat erwartungsgemäß mit
großer Mehrheit für das umstrittene Verbot islamischer
Kopftücher an französischen Schulen gestimmt. Von 530
anwesenden Volksvertretern stimmten am Dienstag in Paris 494 dafür
und 36 dagegen. Auch die oppositionellen Sozialisten sprachen sich
für das Verbot «auffälliger religiöser
Symbole» an öffentlichen Schulen aus... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#04021114
Frankreich: Muslime wollen Kopftuch-Verbot unterwandern
Fr.06.02.04 - Die französischen Muslime wollen das Kopftuch zum modischen
Accessoire erklären und so das geplante Verbot religiöser
Symbole in öffentlichen Schulen unterwandern.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020614
Kopftuchverbot in Frankreich
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0401060.htm#040106uy
Kopftuch in der Schule - Das falsche Verbot
Ab Herbst dieses Jahres soll in Frankreich das Kopftuch als
religiöses Symbol an allen öffentlichen Schulen verboten
sein. Der französische Erziehungsminister Luc Ferry zog
jüngst sogar in Erwägung, zusätzlich auch
"auffällig" getragene, religiös motivierte Bärte zu
verbannen. In Großbritannien dürfen Schülerinnen das
Kopftuch tragen - müssen es aber abnehmen, wenn es gefährlich
sein könnte, etwa wenn im Chemieunterricht mit Bunsenbrennern
hantiert wird. Insofern das Kopftuch den Ausschluss der Frauen aus den
gesellschaftlichen Angelegenheiten symbolisiert, strapaziert sein
Auftauchen die Toleranz liberaler und demokratischer Länder.
Zugleich ist der Kopftuchstreit aber auch Ausdruck der Tatsache, dass
es den modernen westlichen Gesellschaften nicht gelingt, ihre
(muslimischen) Minderheiten zu integrieren.... (Aus: Le Monde
diplomatique vom 13.2.2004)
Mehr in einem Le Monde diplomatique Dossier zur Kopftuch-Debatte in
Frankreich und den anderen europäischen Ländern:
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0006.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0003.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0033.nf/tex
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0031.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0032.nf/text
Brief gegen deutsche Kopftuchfreundinnen
Migrantinnen wehren sich gegen "paternalistischen Standpunkt" der
Ausländerbeauftragten Marieluise Beck
In dem Streit über das Kopftuchverbot für muslimische
Lehrerinnen hat eine überwiegend aus Migrantinnen bestehende
Initiative die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung,
Marieluise Beck (Grüne), in einem offenen Brief scharf
angegriffen. Darin werfen sie Beck einen "paternalistischen" Standpunkt
vor und fordern sie auf, "die Position der Mehrheit der muslimischen
Frauen" stärker zu berücksichtigen. Unterschrieben haben den
Brief unter anderem die Pädagogin Sanem Kleff, die
Islamwissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann und die Autorin Arzu
Toker.
Durch ein Kopftuchverbot an Schulen fühlten sich nur diejenigen
Frauen ausgegrenzt, "die unter dem Einfluss der Islamisten stehen",
heißt es in dem Brief. Die Mehrheit der Musliminnen
befürworte einen privat gelebten Islam und habe keine Probleme
damit, das Tuch in der Schule abzunehmen. "Wir wenden uns gegen das
Bild der schwachen, hilfsbedürftigen Kopftuchträgerin",
begründet Sanem Kleff ihre Unterschrift. Sie sei erschrocken
darüber, wie viel Empathie den auf Verhüllung bestehenden
Lehrerinnen gerade von Frauen entgegengebracht werde. Die Streiterinnen
für das Tuch in der Schule seien aber keine schwachen Frauen,
sondern knallharte Politikerinnen. Die Mehrheitsgesellschaft tappe in
die Falle ihrer eigenen Vorurteile." (tageszeitung vom 14.02.04)
Für Neutralität in der Schule - Der offene Brief an die
Ausländerbeauftragte der Bundesregierung ist in der "tageszeitung"
vom 14.02.04 dokumentiert:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2004/02/14/a0160.nf/text
Blick ins Archiv:
Hessen will Beamtinnen das Kopftuch verbieten
Mi.11.02.04 - Die CDU in Hessen will allen Beamtinnen und nicht nur Lehrerinnen das
Tragen von Kopftüchern verbieten. Wie der Chef der
CDU-Landtagsfraktion, Franz Josef Jung, mitteilte, wird Hessen als
erstes Bundesland ein entsprechendes Gesetz zur Änderung des
Beamtenrechtes beraten. Die Abgeordneten hätten sich auf einen
Gesetzentwurf verständigt, der nächste Woche in den Landtag
eingebracht werden soll. Eine Lehrerin oder Beamtin, die auf dem Tragen
des Kopftuches beharre, bekenne sich nicht zur Verfassung,
erklärte Jung zur Begründung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#04021115
Vatikan-Botschafter in Deutschland gegen Kopftuch-Verbot
Mo.26.01.04 - Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, ist gegen
ein Verbot des muslimischen Kopftuches im öffentlichen Dienst.
Laut Berliner «Tageszeitung» (Montagausgabe) sagte der
Botschafter des Vatikans, wer Kreuz und Ordenstracht dulde, dürfe
das Kopftuch nicht verbieten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401260.htm#04012620
http://www.taz.de/pt/2004/01/26/a0121.nf/text
Mehr zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401260.htm#040126wk
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Deutschland: Union bleibt bei Nein zu türkischem EU-Beitritt
So.15.02.04 - Die Union bleibt bei ihrem strikten Nein zu einem EU-Beitritt des
Landes. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sagte am Samstag in
München: «Die CSU lehnt einen EU-Beitritt der Türkei
ab.» Man sehe keinen Sinn in einer EU, die Teile von Asien
umfasse. Die CSU will die Europawahl am 13. Juni zur Volksabstimmung
über einen EU-Beitritt machen. CDU-Chefin Angela Merkel, die am
(heutigen) Sonntag zu politischen Gespräche nach Ankara fliegt,
verwies darauf, dass die EU gar nicht in der Lage sei, weitere
Mitglieder zu verkraften.
Auch Stoiber sagte bei der Aufstellung der Kandidatenliste seiner
Partei zur Europawahl, die Aufnahme der Türkei würde die EU
wirtschaftlich, politisch und kulturell überfordern. Die
Europäische Union stehe vor einer historischen Entscheidung:
Entweder werde sie eine wirkliche politische Union mit gemeinsamen
Werten, oder sie degeneriere durch grenzenlose Erweiterung zur reinen
Freihandelszone. «Die Türkei kommt aus einer völlig
anderen religiösen und kulturellen Tradition. Eine Mitgliedschaft
der Türkei würde die gemeinsame Klammer Europas sprengen. Der
Streit um das Kopftuch lässt erahnen, welche Spannungen der EU
drohen würden.» Als Spitzenkandidaten für die
Europaliste wählte die CSU Ingo Friedrich, Angelika Niebler und
Markus Ferber.
Merkel bekräftigte im «Focus» ihre Forderung nach
einer «privilegierten Partnerschaft» des Landes mit der
Europäischen Union. Die Türkei habe auch eine große
sicherheitsstrategische Bedeutung. «Sie sollte deshalb in der
europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik mitarbeiten -
auch ohne Vollmitgliedschaft.» Man müsse aber eben auch die
wirtschaftspolitischen Folgen einer Aufnahme für die Menschen in
Deutschland berücksichtigen.
Der in der Unionsfraktion für die Außenpolitik
zuständige Vizefraktionschef Wolfgang Schäuble, der Merkel
auf ihrer zweitägigen Reise in die Türkei begleiten wird,
wies im «Reutlinger General-Anzeiger» den Vorwurf
zurück, die CDU wolle das Thema Türkei für
Wahlkampfzwecke instrumentalisieren: «Der Vorwurf, wir
würden Populismus betreiben, ist dummes Zeug.»
Schäuble warnte vor dem «Risiko, dass der europäische
Einigungsprozess die Zustimmung der Menschen verliert». In der
«Passauer Neuen Presse» betonte er, wer über die
nächsten Erweiterungsrunden rede, bevor er die anstehenden mit
Inhalten gefüllt und die notwendigen Voraussetzungen dafür
geschaffen habe, schade Europa. Dies sei ein Grund dafür, dass die
Union eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei ablehne.
Einmischungsversuche der USA in der Frage eines möglichen
EU-Beitritts der Türkei wies Schäuble im «Reutlinger
General-Anzeiger» scharf zurück. «Die USA haben nur
ein eher begrenztes Verständnis dafür, was der
europäische Einigungsprozess ist», sagte der CDU-Politiker.
«Was Europa ist und werden wird, das weiß man hier besser
als in Washington.» Dennoch teile die Union grundsätzlich
das Ziel der USA, «dass die Türkei ein leuchtendes Beispiel
für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie wird».
(Quelle: ap)
Schröder will Geschlossenheit - SPD streitet weiter
Trotz eindringlicher Appelle der Parteispitze zur Geschlossenheit sind
beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen SPD am Samstag in
Bochum anhaltende Differenzen in wichtigen Sachfragen deutlich geworden
So.15.02.04 - Von Bochum müsse ein Signal ausgehen, dass die Sozialdemokratie
mit dem Willen zur Veränderung auf die Zäsur reagiere, die
sowohl in der nationalen als auch in der internationalen Politik
greifbar sei, beschwor Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die
rund 450 Delegierten, die seine Rede mit stehendem Beifall quittierten.
Schröder trat erstmals seit seinem Verzicht auf den Parteivorsitz
vor einen SPD-Parteitag. Der Reformkurs dürfe nicht verändert
werden, mahnte er. Das Beschlossene müsse durchgesetzt werden. Der
Landesvorsitzende Harald Schartau bekräftigte indes seine Kritik
an der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge für
Betriebsrenten und forderte eine Korrektur. Auch in einem Antrag des
Landesvorstands wurde ein "klares Signal" in dieser Frage gefordert.
Schröder zeigte die Möglichkeit auf, das geplante Gesetz zur
Ausbildungsplatzabgabe zu stoppen. Fraktionschef Franz Müntefering
machte aber deutlich, dass es ein Gesetz auf jeden Fall geben werde.
Schröder sagte, es müsse klar sein, dass man "nicht alle Nase
lang mit einer Forderung kommen kann: Ändert dies, ändert
jenes. Das schafft nicht mehr, das schafft weniger Planbarkeit". Auch
der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer
Steinbrück forderte mit Blick auf die in NRW anstehenden Kommunal-
und Landtagswahlen, das Gerede in der SPD müsse ein Ende haben.
Wahlniederlagen würden "Erschütterungen" in der Bundespolitik
auslösen.
Schartau kritisierte indes, dass bei den Beschlüssen zur
Gesundheitsreform der Vertrauensschutz für die Betriebsrenten
nicht zum Zuge gekommen sei. "Diese Wunde kann sich entzünden",
warnte Schartau, der immer wieder Nachbesserungen gefordert hatte. "Ich
bin dafür, sie zu heilen." Schartau forderte zudem eine Kampagne
der SPD "zum Leitbild Gerechtigkeit". In einem Antrag des
NRW-Landesvorstands hieß es, der Prozess des politischen Wandels
könne nur gelingen, "wenn wir den Menschen Verlässlichkeit
und Vertrauensschutz garantieren". Die gelte auch für die
Beitragsverpflichtung von Betriebsrenten und Direktversicherungen: "Wir
brauchen an dieser Stelle ein klares Signal." Der designierte
Parteivorsitzende Müntefering sagte indes Reuters, er sehe keine
Chancen für nachträgliche Änderungen: "Das was
beschlossen ist, muss so bleiben." Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement erinnerte demonstrativ daran, dass Landesregierungen wie die in
Düsseldorf die Beschlüsse mit getragen hätten.
Clement forderte am Rande des Parteitags zudem eine Fortsetzung des
Reformkurses und sagte, er sei sich dabei mit Schröder einig. Er
wolle seine Arbeit fortsetzen. Auch Müntefering sagte, er stimme
"an jeder Stelle" mit Schröder überein. An die Adresse
Clements gerichtet sagte Müntefering: "Wenn wir das
vernünftig miteinander machen, Wolfgang, können wir dazu
beitragen, dass das auf einen guten Weg geht."
Differenzen wurden auch mit Blick auf die geplante Ausbildungsabgabe
deutlich. Müntefering sagte: "Wir werden die
Ausbildungsplatzabgabe in diesem Jahr beschließen." Schröder
sagte dagegen, wenn die Wirtschaft vor Ablauf des
Gesetzgebungsverfahrens eine eigene Regelung finde, sei ein Gesetz
nicht nötig. Clement betonte, es gebe einen Wettlauf um die
bessern Lösungen. Er sei sich sicher, dass diejenigen den Wettlauf
gewinnen würden, die auf eine Lösung aus unternehmerischer
Verantwortung setzten. Der SPD-Bundesparteitag in Bochum hatte Ende
2003 auf Druck der Linken die Abgabe auf die Agenda der Regierung
gesetzt. Die SPD-Fraktion hat angekündigt, bis in zwei Wochen
einen Gesetzentwurf vorzulegen.
Bei dem Parteitag stellte sich die neue SPD-Doppelspitze aus
Schröder und dem designierten Parteichef Müntefering erstmals
der Basis. Beiden spendeten die Delegierten stehend und lang andauernd
Applaus. Müntefering musste aber mehrmals abwinken und
demonstrativ Platz nehmen, um dem Klatschen ein Ende zu bereiten.
Clement, der die Übergabe des Parteivorsitzes skeptisch beurteilt
und mit einem Rücktritt vom Amt des Vize-Parteivorsitzenden
gedroht hat, trat nicht ans Rednerpult.
Schartau, der bei der letzten Wahl zum Landeschef noch 97,2 Prozent der
Stimmen erhalten hatte, bekam am Samstag mit 331 nur 84 Prozent der
Stimmen. Er wertete dies als Signal, sich stärker für die SPD
zu engagieren: "Dieses Mal ziehe ich mir eine Arbeitsjacke an." Im
September finden im bevölkerungsreichsten Bundesland
Kommunalwahlen statt, im kommenden Jahr ist Landtagswahl.
(Quelle: rtr)
Ruf aus der Koalition nach Korrektur der Gesundheitsreform
So.15.02.04 - Bei SPD und Grünen reißen die Forderungen nach Korrektur der
Gesundheitsreform nicht ab. Der SPD-Linke Ottmar Schreiner verlangte in
einem Zeitungsinterview eine Abschaffung der Praxisgebühr und eine
Senkung der Zuzahlungen. Der Grünen-Politiker Werner Schulz nannte
die Praxisgebühr ein «unsolidarisches, bürokratisches
Monster». Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga
Kühn-Mengel, verteidigte dagegen die Gebühr und warf den
Kritikern vor, nicht konstruktiv zu sein.
Schreiner sagte der «Bild am Sonntag»: «Bei der
Gesundheitsreform gibt es dringlichsten Korrekturbedarf. Es zeichnet
sich ab, dass Geringverdiener seltener zum Arzt gehen. Manche
müssen sogar an lebensnotwendigen Medikamenten sparen. Das ist
überhaupt nicht hinnehmbar. Die Zuzahlungen müssen
schleunigst runter - und die Praxisgebühr muss weg.» Auch
den vollen Krankenkassenbeitrag auf Betriebsrenten lehnte Schreiner ab.
Der SPD-Abgeordnete Fritz Schösser, der wie Schreiner die Reform
von Anfang an abgelehnt hat, sagte der «BamS»: «Die
Praxisgebühr ist Nonsens, die SPD wollte sie nie. Der Kompromiss
mit der Union bei der Gesundheitsreform hat uns diese Regelung
aufgezwungen.» Im Einklang mit der Union solle sie wieder
zurückgenommen werden.
Schulz sagte, eine Erhöhung des Krankenkassenbeitrags um 0,2
Prozentpunkte wäre akzeptabler gewesen als die Praxisgebühr.
Auch die erhöhten Zuzahlungen für Medikamente brächten
die Menschen in Rage. «Jetzt sollte der Gesetzgeber den Mut
aufbringen, solche unerwünschten Nebenwirkungen der
Gesundheitsreform zu korrigieren.» Nötig sei
baldmöglichst der Übergang zur Bürgerversicherung.
Dafür plädierte auch DGB-Chef Michael Sommer.
Kühn-Mengel sagte im «Tagesspiegel am Sonntag» zu der
Kritik: «Jeder, der jetzt sagt, dies oder jenes muss
zurückgenommen werden, muss auch sagen, wie er die
Finanzierungslücke schließen will». Die
Praxisgebühr sei Teil des Reformkonsenses mit der Union, zu dem
sie stehe. Ärzten und Krankenkassen warf die SPD-Politikerin vor,
Konflikte auf dem Rücken von Patienten auszutragen. Beim Umgang
mit den Kranken brauche es «oft nur ein wenig mehr Mitdenken oder
Anstand.»
Auch im Sozialministerium sowie in den Spitzen von SPD- und
Grünen-Fraktion werden Korrekturen an der Gesundheitsreform bisher
offiziell ausgeschlossen.
Die IG Bauen, Agrar, Umwelt kritisierte erneut die seit 1. Januar
erhobenen vollen Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten.
Vizegewerkschaftschef Ernst-Ludwig Laux erklärte in Arnsfeld:
«Die volle Belastung der Betriebsrenten mit
Krankenkassenbeiträgen ist ein sozialpolitischer Irrweg und
konterkariert die Bemühungen der Bundesregierung, einen Ausgleich
für das sinkende gesetzliche Rentenniveau zu schaffen.»
Bei den Seniorinnen und Senioren der IG BAU sei «mächtig
Dampf auf dem Kessel», sagte Laux. Bevor der gerade erst in
Schwung gekommene Aufbau der betrieblichen Altersvorsorge
beschädigt werde, müsse die Politik korrigierend eingreifen.
(Quelle: ap)
Union- und FDP-Politiker: Arbeitslose sollen Zivi-Stellen besetzen
So.15.02.04 - Politiker von Union und FDP wollen künftig Zivildienst-Stellen mit
Langzeit-Arbeitslosen besetzen lassen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete
Laumann bezeichnete gemeinnützige Tätigkeiten in sozialen
Einrichtungen für Sozialhilfe-Empfänger als zumutbar,
schließlich erhielten sie zum Teil jahrelang Geld vom Staat.
Ähnlich äußerte sich sein CSU-Kollege Straubinger. Der
stellvertretende FDP-Vorsitzende Brüderle fügte hinzu,
Langzeitarbeitslose dürften sich zum Putzen, Waschen und
Essen-Ausfahren für alte und kranke Mitbürger nicht zu schade
sein.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Expertenrunde um Maut-System findet keine Lösung
So.15.02.04 - Die Verhandlungen über die Lkw-Maut sind am Samstag ohne konkrete
Fortschritte zu Ende gegangen. Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister
Manfred Stolpe sagte am Abend in Berlin, das Rennen sei nach wie vor
offen. Nun solle ein weiteres Spitzentreffen zwischen Stolpe und den
Managern des Konsortiums Toll Collect am Montag eine Lösung
bringen.
Experten beider Seiten hatten in siebenstündigen Verhandlungen
versucht, strittige Fragen des satellitengestützten Systems und
des Vertrags mit Toll Collect zu lösen. Zum Inhalt der
Gespräche wollte Sprecher Felix Stenschke keine Auskunft geben.
Zuvor hatte er erklärt, Ziel sei weiter, «innerhalb von
Tagen» endgültig zu klären, wie es mit der Lkw-Maut und
dem Toll-Collect-Vertrag weiter gehe. Eine Kündigung des Vertrages
mit Toll Collect sei nicht ausgeschlossen. Bereits am Freitagabend
hatte Stolpe vier Stunden lang mit Spitzenmanagern des Konsortiums
verhandelt.
Stolpe hatte am Mittwoch offen mit Kündigung des Vertrages
gedroht, dies aber am Freitag abgeschwächt. Nach Informationen des
«Tagesspiegel» soll sich Bundeskanzler Gerhard
Schröder hinter den Kulissen dafür einsetzen, das Projekt mit
Toll Collect nicht scheitern zu lassen. Stolpe werde vom Kanzleramt
stark unter Druck gesetzt. Nach Informationen der «Welt am
Sonntag» deutete sich bei den Verhandlungen an, dass Toll Collect
höhere Haftungsgrenzen und Vertragstrafen akzeptieren könnte.
Die volle Übernahme der Mautausfälle von insgesamt
schätzungsweise knapp drei Milliarden Euro lehne Toll Collect
allerdings weiter ab.
Die Grünen zweifeln weiterhin am Fortbestand des Vertrages mit
Toll Collect. Ihr Verkehrsexperte Albert Schmidt sagte im Inforadio
Berlin-Brandenburg, es seien noch eine Menge kritischer Fragen offen.
Sollte das Toll-Collect-Projekt scheitern, müsste schnell die
Euro-Vignette wieder eingeführt und gleichzeitig ein Maut-System
mit Mikrowellen-Technik wie in der Schweiz und Österreich
ausgeschrieben werden, forderte der Grünen-Politiker.
FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich forderte Stolpe hingegen auf,
«den Sack zuzumachen» und das Satellitensystem zum Laufen
zu bringen. Wenn Toll Collect von seinen eigenen Terminen
überzeugt sei, dann könne das Konsortium auch auf die
Finanzierungs- und Haftungsbedingungen eingehen.
Toll Collect hatte zuletzt angeboten, eine abgespeckte Version der
Satelliten-Maut Anfang 2005 und die Vollversion Anfang 2006 starten zu
lassen. Dies hält Stolpe für akzeptabel. Gestritten wird nun
vornehmlich um Haftung und Entschädigung, falls die Termine
abermals nicht eingehalten werden.
Der Bundesverband Güterverkehr forderte eine Zwischenlösung
bei der Maut mit einfacher Technik. Für die Anwendung der
komplizierten Satellitentechnik brauche man zwei bis drei Jahre
zusätzlich Zeit, sagte Hauptgeschäftsführer Karlheinz
Schmidt im Deutschlandradio. Vor einer Kündigung des
Toll-Collect-Vertrages und damit der Aufgabe des Satellitenprojektes
warnte Schmidt.
(Quelle: ap)
Statt Sirenengeheul könnte bei Katastrophen bald das Handy klingeln
So.15.02.04 - "Terrorismusbekämpfung und Bevölkerungsschutz" lautet das
zentrale Thema des siebten Europäischen Polizeikongresses, zu dem
am Montag rund 600 Teilnehmer aus 20 Nationen in Bonn erwartet werden.
Während des zweitägigen Treffens wollen hochkarätige
Politiker und Führungskräfte europäischer Polizei- und
Sicherheitsbehörden zukunftsweisende Konzepte des
Katastrophenschutzes auf nationaler und europäischer Ebene
erörtern. Dabei zählt das geplante
Kastrophenschutz-Lagezentrum in Brüssel ebenso zu den
Schwerpunkten wie die Ausstattung der deutschen Polizei mit Digitalfunk
und "intelligente Systeme" für die Alarmierung der Bürger bei
Katastrophen.
(Quelle: afp)
Goldener Bär für deutschen Film 'Gegen die Wand'
So.15.02.04 - Der deutsche Film "Gegen die Wand" des Regisseurs Fatih Akin wird als
bester Film im Wettbewerb der Berlinale mit dem Goldenen Bären
ausgezeichnet. Damit ging erstmals seit 1986 diese Auszeichnung wieder
an einen deutschen Film.
"Das haben wir überhaupt nicht erwartet. Das ist ein sehr
schönes Gefühl", sagte Akin am Samstag nach der Bekanntgabe
in Berlin mit glänzenden Augen. "Wir sind als letzte (in den
Wettbewerb) reingekommen. Wir waren die Außenseiter des
Festivals. Und jetzt kriegen wir dieses Ding mit." Akins Film spielt im
deutsch-türkischen Milieu in Hamburg und Istanbul und erzählt
die Geschichte einer jungen Frau, die über eine Zweckehe den
strengen Moralvorstellungen ihrer Familie zu entkommen versucht.
Den Silbernen Bären als bester Darsteller erhält der
uruguayische Schauspieler Daniel Hendler für die Hauptrolle in dem
argentinischen Film "El Abrazo Partido" (Lost Embrace). Den Silbernen
Bären für die beste Darstellerin verlieh die Jury unter
Vorsitz der US-Schauspielerin Frances McDormand an die
US-Schauspielerin Charlize Theron in "Monster" und an Catalina Sandino
Moreno in "Maria, llena de Gracia" (Maria voll der Gnade). Den
Silbernen Bären für die beste Regie erhält der
koreanische Regisseur Kim Ki-Duk für seinen Film "Samaria".
Insgesamt hatten im Wettbewerb 23 Filme um die Auszeichnungen
konkurriert, die am Abend bei einer Gala überreicht werden.
McDormand nannte "Gegen die Wand" einen sehr starken und sehr modernen
Film. "Ich liebe diesen Film. Er sagt auf so wunderbare Weise so viele
Dinge." Festival-Direktor Dieter Kosslick erklärte, er sei
glücklich über den Goldenen Bären für "Gegen die
Wand". In diesem Jahr sei auf der Berlinale wenig Mainstream-Kino zu
sehen gewesen. Bisher haben sieben Filme aus Deutschland und der DDR
einen Goldenen Bären erhalten, zuletzt 1986 "Stammheim" von
Reinhard Hauff.
"Ich wollte einen Film machen, der eine Liebesgeschichte erzählt
von Borderlinern - von Menschen, die sich weh tun, um sich klar zu
machen: 'Ich lebe'", hatte Akin in einem Interview von Reuters TV
über seinen Film gesagt. "Gegen die Wand" erzählt die
Geschichte der Deutsch-Türkin Sibel (Sibel Kekilli), die in
Hamburg den heruntergekommenen und wesentlich älteren Alkoholiker
Cahit (Birol Ünel) zur Heirat überredet, um den strengen
Moralvorstellungen ihrer Familie zu entkommen. Nach der Hochzeit zieht
Sibel mit den Männern durch die Betten, während Cahit sich
langsam in sie verliebt. Als er einen aufdringlichen Liebhaber Sibels
im Affekt tötet, wird sie von ihrer Familie verstoßen und
geht nach Istanbul. Nachdem Cahit seine Zeit im Gefängnis
abgesessen hat, treffen sich beide in der Türkei wieder.
"Ich hoffe, der Film regt konservative Familien zur Diskussion an",
sagte Akin nach der Uraufführung seines Films auf der Berlinale.
Er habe in seinem Werk jedoch nicht die ältere Generation der
Türken in Deutschland denunzieren wollen, sie seien auch ein Opfer
der Tradition. Nach seiner Einschätzung seien die Türken in
Istanbul aber moderner als die Türken in Deutschland. "Die da
drüben sind uns vielleicht eine Spur voraus. Oder nein: einfach
anders", erklärte der Hamburger Regisseur. Wichtig sei, dass ein
gegenseitiges Geben und Nehmen da sei. Er selbst sei schon sehr
nervös, wie seine Eltern "Gegen die Wand" beurteilten.
Akin sieht sich als deutschen Regisseur, obwohl er in der Türkei
als türkischer Star gilt. "Ich verstehe mich auf jeden Fall als
deutscher Filmemacher. Ich mache meine Filme mit deutschem Geld, und
ich vertrete ja auch Deutschland", sagte er. "Mal fühle ich mich
deutsch, mal türkisch. Aber das ist kein Nachteil: Ich kann daraus
schöpfen statt dass es mich blockiert."
Ünel sagte, der durchgängig in deutsch und türkisch
gesprochene Film sei auch ein Bekenntnis. "Es ist ein bisschen
schwierig für die zweite Generation, sich in ihrer Heimatsprache
noch verständlich zu machen." Die zweite Generation habe einfach
einen größeren Wortschatz auf Deutsch als auf Türkisch.
Ünels Filmcharakter Cahit muss sich im Gespräch in Istanbul
zum Teil mit Englisch behelfen, weil sein Türkisch so schlecht
ist. Auch bei den Türken in Deutschland, die er als "Kanaken"
beschimpft, wird er für sein schwaches Türkisch
gehänselt.
Etwas ganz Neues war der Dreh für die Hauptdarstellerin Sibel
Kekilli, die zuvor als Verwaltungsfachangestellte im Heilbronner
Rathaus gearbeitet hatte und auf der Straße für die Rolle
angesprochen worden war. Ihretwegen wurde der Film chronologisch
gedreht. "Ich habe das Gefühl, dass diese Generation wieder zu
ihren Wurzeln zurückgeht und türkischer wird", sagte sie. Mit
dem Film wolle sie zeigen, wie es enden könne, wenn die Eltern
ihre Kinder nicht unterstützten und begleiteten.
(Quelle: rtr)
Im Berliner Kulturforum ist bei der Ausstellung 'p0es1s' digitale
Poesie zu sehen
... In der Ausstellung "p0es1s" [http://www.p0es1s.net/], die seit einigen Tagen im
Kunstforum am Potsdamer Platz zu sehen ist, rieseln ... Buchstaben von
oben herab. Vokale, Konsonanten, manchmal auch ganze Silben scheinen in
der Installation "Text Rain" von Romy Achituv und Camille Utterback vom
Himmel zu fallen. In dieser Buchstabensuppe findet sich per
Rückprojektion der Betrachter wieder. Trifft eine Letter auf sein
virtuelles Bild, prallt er ab, als wäre er auf eine physischen
Widerstand getroffen. Sammelt man als Teilnehmer genügend
Buchstaben auf seinem ausgestreckten Arm, kann man manchmal sogar ganze
Worte oder einen vollständigen Satz auffangen. Denn die Buchstaben
stammen alle aus Gedichtzeilen, die sich mit dem Körper und der
Sprache beschäftigen...
Mehr bei telepolis (15.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/sa/16751/1.html
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