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+++ Mo.16.02.04,
13:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am dreihundertvierunddreißigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Nachbarländer wollen Souveränität Iraks respektieren -
Aufforderung an Besatzungsbehörden und die UN, ihren
Verpflichtungen während der Übergangszeit in Irak nachzukommen
+++ USA in der Frage der Machtübergabe in Irak offenbar zu
Zugeständnissen an Schiiten bereit +++ Mitglied der früheren
irakischen Führung gefasst +++ Angriffe auf US-Konvois in Bagdad
+++ Deutscher Verteidigungsminister Struck sieht Voraussetzungen
für NATO in Irak 'lange nicht erfüllt' +++
Ex-Chefwaffeninspekteur Blix kritisiert erneut Blair und Bush +++
Zehntausende demonstrieren in Madrid gegen Besatzung Iraks
Mo.16.02.04 - Mit
einem Aufruf zum Respekt der irakischen Souveränität haben
die Nachbarstaaten am Sonntag eine zweitägige Konferenz über
die Zukunft der Region beendet. Die Außenminister von sechs
Anrainerstaaten und Ägyptens erklärten in einer gemeinsamen
Stellungnahme, sie wollten sich nicht in die Angelegenheiten Iraks
einmischen. Sie betonten die Bedeutung eines vereinigten Iraks und
sicherten Bagdad ihre Unterstützung bei der für den Sommer
geplanten Machtübernahme zu.
Die Außenminister verurteilten die Terroranschläge in Irak.
Die Attentäter müssten ermittelt und bestraft werden,
hieß es in der Stellungnahme. Gleichzeitig wurden die
Besatzungsbehörden und die Vereinten Nationen aufgefordert, ihren
Verpflichtungen während der Übergangszeit nachzukommen. So
müssten die UN die Vorbereitungen für einen Rückzug der
Besatzungstruppen treffen und ihren Rat und ihre technische Expertise
bei der Ausarbeitung der künftigen Verfassung sowie bei der
Vorbereitung von Wahlen anbieten.
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari hatte am Samstag die
Entschlossenheit Iraks zur Einheit des Landes bekräftigt. Irak
werde seinen Nachbarn alle nur erdenklichen Garantien anbieten, um die
guten Beziehungen zu erhalten, sagte der Minister laut einem an
Journalisten verteilten Redemanuskript. Das irakische Volk werde seine
eigene politische Wahl ohne Einfluss von außen treffen. Mit seiner
Rede versuchte Sebari Besorgnisse der Nachbarstaaten zu zerstreuen,
Irak könnte im Zuge der politischen Neuordnung entlang der
ethnischen Grenzen geteilt werden.
Bereits zuvor hatte Sebari in einem Interview der Nachrichtenagentur AP
gesagt, Irak werde ohne Frage vereint bleiben. Er verstehe aber die
Sorgen der Nachbarländer vor einer gegenteiligen Entwicklung.
"Die Teilung Iraks wäre gleichbedeutend mit Ketzerei, aber das
irakische Volks muss entscheiden, was gut für es ist", sagte der
stellvertretende syrische Außenminister Issa Darwisch. Der
ägyptische Außenminister Ahmed Maher erklärte, die
arabischen Staaten wollten Irak nach Kräften unterstützen.
Dabei gehe es nicht nur um moralische Unterstützung, sondern auch
um materielle Hilfe beim Wiederaufbau des Landes.
An der Konferenz in Kuwait-Stadt nahmen neben Irak Ägypten,
Jordanien, Saudi-Arabien, Iran, die Türkei, Syrien und Kuwait teil.
Die Gruppe hatte sich bereits vier Mal ohne Irak getroffen, um
über die künftige Entwicklung der Region nach dem Irak-Krieg
zu beraten.
Irak und seine Nachbarstaaten haben sich derweil auf verschärfte
Grenzkontrollen geeinigt, um ein Eindringen ausländischer
Kämpfer nach Irak zu verhindern. Zu diesem Zweck sollten bilaterale
Sicherheitskommissionen mit Irak einerseits und Syrien, Iran,
Jordanien, der Türkei und "vielleicht" Saudi-Arabien andererseits
gebildet werden, kündigte der amtierende irakische
Außenminister Hoschjar Sebari am Sonntag in Kuwait-Stadt an.
Die USA sind in der Frage der Machtübergabe in Irak offenbar zu
Zugeständnissen an die schiitische Bevölkerungsmehrheit
bereit. US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte am Sonntag in
Fernsehinterviews, die Zivilverwaltung prüfe Alternativen zum
bisherigen Plan, eine Übergangsregierung in Regionalversammlungen
zu bilden. "Es könnte auch eine partielle Wahl geben", sagte
Bremer. Der schiitische Großajatollah Ali el Husseini el Sistani
fordert demokratische Wahlen.
Vor einer Entscheidung wollen die USA nach Angaben Bremers erst einen
Bericht der Vereinten Nationen abwarten. Vergangene Woche war der
UN-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi in Irak, um die Möglichkeit
allgeimeiner Wahlen und die Vorstellungen der irakischen Parteien zu
hören. Der Brahimi-Bericht werde in den kommenden zehn Tagen
erwartet, sagte Bremer in der ABC-Sendung "This Week". Brahimi hat sich
bereits für Änderungen des US-Plans ausgesprochen. Am 30. Juni
als Termin für die Übergabe der politischen Verantwortung
wollen die USA nach den Worten Bremers aber festhalten. "Das ist das
Abkommen mit den Irakern. Und das wollen wir einhalten", sagte er in
der CNN-Sendung "Late Edition".
Zu der gewaltsamen Häftlingsbefreiung in Falludscha, bei der am
Samstag 27 Menschen getötet wurden, sagte Bremer, die Täter
seien so gut organisiert gewesen, dass dies auf ausländische
Terroristen hindeute. In US-Militärkreisen wurden jedoch ehemalige
Mitglieder der Streitkräfte von Ex-Staatschef Saddam Hussein als
Täter vermutet. Bei dem Überfall stürmten 25 Bewaffnete
die Polizeiwache und griffen das nahe gelegene Irakische Zivile
Verteidigungskorps an. 27 Menschen wurden getötet, 33 verletzt.
Dutzende Häftlinge wurden befreit, die meisten Angreifer entkamen.
Die irakische Polizei nahm derweil Nummer 41 auf der Liste der 55 meist
gesuchten Iraker fest. Simam Abdul Rasak wurde in einem Vorort von
Bagdad festgenommen, wie der stellvertretende Innenminister Ahmed Kadhum
Ibrahim mitteilte. Rasak war unter Saddam Hussein Chef der Baath-Partei
in den nördlichen Provinzen Nineweh und Tamim. Die Zahl der noch
Gesuchten auf der US-Fahndungsliste verringerte sich damit auf zehn.
In Bagdad wurden am Sonntag zwei amerikanische Militärkonvois
angegriffen. Nach einem Bombenanschlag im Westen der Hauptstadt
eröffneten US-Soldaten das Feuer und töteten einen Iraker.
Sechs Menschen wurden verletzt. Weniger als einen Kilometer entfernt
schossen Angreifer auf einen weiteren Konvoi.
Deutschlands Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat seine Skepsis
gegenüber einem NATO-Einsatz in Irak bekräftigt. Die
Voraussetzungen für einen solchen Einsatz seien "voraussichtlich
noch lange nicht" erfüllt, sagte Struck der "Frankfurter Rundschau"
(Montagausgabe). Eine Entscheidung könne "vielleicht" im
nächsten Jahr getroffen werden. Der Minister warnte davor, die
Möglichkeiten des Bündnisses zu überschätzen. "Die
NATO wird nicht massiv Truppenteile ersetzen, die etwa zurzeit von Polen
gestellt werden", sagte Struck. Er könne "keine große
Bereitschaft" unter den Partnern feststellen. "Die Vorstellung, sagen
wir 20.000 Amerikaner durch NATO-Soldaten zu ersetzen, ist völlig
illusorisch".
Der ehemalige UN-Waffeninspekteur Hans Blix hat erneut heftige Kritik
an der Irak-Politik von US-Präsident George Bush und
Großbritanniens Premier Tony Blair geübt. "Als Wähler in
einer Demokratie erwarten wir, dass Politiker bei der Frage, ob sie
einen Krieg beginnen, kritisch und genau nachdenken", sagte Blix am
Sonntag in Heidelberg. Bush und Blair seien in gewisser Hinsicht
Verkäufer, sagte der einstige Chefinspekteur im Zuammenhang mit der
Informationspolitik beider Länder im Vorfeld des Krieges.
Als "skandalös" bezeichnete Blix, dass die US-Regierung einen
falschen Geheimdienstbericht über angebliche Atomgeschäfte
Iraks mit Niger verwendet hatte. Die Internationale
Atomenergiebehörde IAEA in Wien habe nur einen Tag gebraucht, um
festzustellen, dass der Vorwurf falsch war, sagte er.
Im Anschluss an seine Rede vor dem "Amerikanisch-Europäischen
Freundschaftsklub" bekräftigte der Ex-UN-Diplomat, dass die
Geheimdienste vor der Invasion Iraks Fehler gemacht hätten. Sein
Team habe dort mehr als 700 Objekte durchsucht und dabei nichts
gefunden. "Das hätte den militärischen Planern ein Hinweis
sein können, dass das Land nicht gerade voller Waffen war", sagte
Blix. Er schloss allerdings nicht aus, dass noch kleinere Waffendepots
gefunden werden.
Blix sprach sich für eine Ausweitung der UN-Waffeninspektionen
aus. In Zukunft könnten Teams nach Nordkorea, Libyen und in andere
Länder geschickt werden, schlug er vor. Mehr unter:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,286544,00.html
http://www.guardian.co.uk/worldlatest/story/0,1280,-3751325,00.html
Zehntausende Menschen haben am Sonntag in Madrid gegen die Besatzung
Iraks protestiert. Die Demonstranten forderten einen Rückzug der
daran beteiligten spanischen Truppen. Sie hielten Spruchbänder mit
Parolen wie "USA raus" hoch. Während die Behörden von etwa
9000 Teilnehmern sprachen, bezifferten die Organisatoren die Zahl der
Demonstranten mit rund 150.000.
"Wo sind die Massenvernichtungswaffen? Sie sind in den USA", skandierte
die Menge bei der Kundgebung in Madrid. Gleichzeitig wurde die
Volkspartei von Ministerpräsident Jose Maria Aznar als "kriminelle
Partei" verurteilt.
Dem von Gewerkschaften und Sozialverbänden organisierten Protest
schlossen sich auch Mitglieder der oppositionellen Sozialisten (PSOE)
und des kommunistisch geführten Bündnisses IU an. Der
spanische Regierungschef José Maria Aznar war einer der
entschiedensten Befürworter des von den USA angeführten
Irak-Kriegs. Spanien unterhält zurzeit etwa 1.300 Soldaten in Irak.
(Quellen: ap,
afp)
Protestveranstaltungen
zum Jahrestag des US-Angriffs auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug
zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
In einer Episode der ausgezeichneten britischen
Fernsehserie „Ja, Herr Minister!" unterrichtet der Staatssekretär
Sir Humphrey seinen Minister, wie man Untersuchungskommissionen
einsetzt: Nehmen Sie einen ehrenhaften Richter im Ruhestand, einen
senilen Alten, und geben Sie ihm den Untersuchungsauftrag mit einem
hohen Honorar. Helfen Sie ihm, selbst zu den erforderlichen
Schlüssen zu kommen. Führen Sie ihm die entsprechenden Fakten
zu und deuten Sie eine bevorstehende Erhebung in den Adelsstand an.
Zur Zeit
laufen parallel, aber getrennt, drei Untersuchungskommissionen, eine
amerikanische, eine britische und eine israelische. Von allen drei
erwartet man, dass sie herausfinden, warum die Geheimdienste die
Regierungen mit falschen Informationen über Saddam Husseins
Massenvernichtungswaffen (MVW) versorgt haben. Natürlich sind
diese Kommissionen in Wirklichkeit nicht notwendig, um die Wahrheit zu
finden. Sie sind nötig, um die Regierung zu entlasten. Um zu
verstehen, was geschehen ist, ist kein ehrenhafter Lord, früherer
Senator oder Geheimdienstoffizier im Ruhestand nötig. Man braucht
nur einen normalen gesunden Menschenverstand. Sicherlich entscheidet
der, der eine Untersuchungskommission bestimmt, im voraus, welche
Folgerungen gezogen werden. Wenn ein Mitglied des Establishments
beauftragt wird, das Establishment zu untersuchen, dann wird das
Ergebnis das sein, dass das Establishment tadellos ist...
Aus: Uri Avnery - "Ja, Herr Minister! - Über die Geheimdienste",
ZNet Deutschland 14.02.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1006
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Nahost-Konflikt
Gaza-Siedler
wollen weiter bauen +++ Palästinensische Journalisten erneut im
Streik - Boykott der Berichterstattung über die
Autonomiebehörde
Mo.16.02.04 - Die
jüdischen Siedler im Gazastreifen haben bei einem Protest gegen
Räumungsplane der Regierung den weiteren Ausbau ihrer
Liegenschaften angekündigt.
Geplant seien drei neue Siedlungen und die Aufnahme von mehr als 600
Familien, berichteten israelische Medien am Sonntag. Am selben Tag
begannen etwa 100 Siedler einen Protestmarsch nach Jerusalem.
Ministerpräsident Ariel Scharon hatte Planungen für eine
Räumung angeordnet, die nach Umfragen auch von einer Mehrheit der
Israelis befürwortet wird.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia hatte am
Samstag die israelische Entscheidung kritisiert, die Anhörung vor
dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag über die umstrittene
Sperranlage im Westjordanland zu boykottieren. Die Entscheidung Israels
bedeute «ein Schuldeingeständnis sowie eine Anerkennung der
Tatsache, dass die Mauer illegal» sei. Ein für Sonntag
geplantes Vorbereitungstreffen für ein Gespräch des
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon mit Kureia wurde
wegen heftigen Schneefalls in Jerusalem verschoben.
Wegen zunehmender Übergriffe haben palästinensische
Journalisten im Gazastreifen einen Boykott der Berichterstattung
über die Autonomiebehörde begonnen. Etwa 200 Reporter wollten
nicht mehr über amtliche Verlautbarungen berichten, bis die
Behörde ernsthafte Ermittlungen gegen maskierte Angreifer einleite,
teilte der Journalistenverband mit. Die Reporter begannen zudem einen
Sitzstreik in einem Parlamentsgebäude in Gaza-Stadt. In einer
bisher ungeklärter Serie von Angriffen waren Journalisten und ihre
Büros attackiert worden. Die Taten waren offensichtliche Reaktion
auf kritische und missliebige Berichterstattung.
(Quelle: dpa)
Über den katastrophalen Kreislauf der Gewalt, der
Israel und Palästina im Griff hat, berichten die Nachrichten
ausführlich. Kaum berichtet wird hingegen über die eher
verborgenen Aspekte des Konflikts
Im Rahmen
seiner Besatzung Palästinas hat Israel eine ganze Litanei an
Gräueln begangen. Dabei zählen die Verbrechen, die
täglich an unschuldigen Zivilisten in Rafah verübt werden, zu
den abscheulichsten. Selbst auf dem breitgefächerten Hintergrund
der Besatzung insgesamt stellt sich die Situation in Rafah als besonders
tragisch dar; den Einwohnern werden immer katastrophalere Bedingungen
zugemutet. Es besteht kein Zweifel, die israelische Politik in Rafah
kommt einem Prozess der "ethnischen Säuberung" gleich...
Aus: Mustafa Barghouthi - "Hölle auf Erden - Israel säubert
Rafah 'ethnisch'", ZNet 12.02.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1005
http://www.zmag.de/www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&ItemID=4972
Mustafa
Barghouti ist Generalsekretär der 'Palästinensischen
Nationalen Initiative' PNI.
Die Shoah, der Nahostkonflikt und die Linke
In der
bundesrepublikanischen Linken ist der Nahostkonflikt nur
vordergründig von Interesse. Der Hintergrund, der diesem Thema
seine Brisanz verleiht, ist die nationalsozialistische Judenvernichtung.
Die Erinnerung an die Shoah, und nicht die Analyse des Nahostkonflikts,
prägt die Positionen. Das gilt für die antisemitischen
KritikerInnen Israels ebenso wie für die philozionistischen
VerteidigerInnen dieses Staates. Während jene rückwirkend das
Verhältnis von Tätern und Opfern umkehren wollen, versuchen
diese unbeholfen, sich diesem Bedürfnis entgegenzustellen...
Aus: Klaus Holz, Elfriede Müller und Enzo Traverso - "Schuld und
Erinnerung - Die Shoah, der Nahostkonflikt und die Linke", trend
onlinezeitung 02/04:
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t250204.html
Die Entstehungsgeschichte Israels von 1882-1948
Von
Nathan Weinstock (Reprint)
1. Eine
marxistische Interpretation des jüdischen Problems
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t180204.html
2.
Bedeutung und Entstehungsgeschichte des Zionismus
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t190204.html
3.
Palästina zum Zeitpunkt der Geburt des Zionismus
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t290204.html
4. Die
Anfänge der zionistischen Ansiedlung in Palästina
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t300204.html
5. Der
Zionismus, das türkische Reich und die Arabe
http://www.trend.partisan.net/trd0204/t310204.html
Quelle:
trend special reprint (02/04)
Was ist Zionismus?
Ohne den
Antisemitismus wäre der Zionismus nie entstanden...
Hintergrundinformationen zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311290.htm#031129_e
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Indien und Pakistan haben wieder Friedensgespräche
aufgenommen
Mo.16.02.04 -
Nach rund zweieinhalbjähriger Unterbrechung haben Indien und
Pakistan am Montag ihre Gespräche wieder aufgenommen.
Vertreter der Außenministerien beider Länder begannen am
Vormittag, die Themen des Dialogs zu sondieren, wie ein Sprecher des
pakistanischen Außenministeriums in Islamabad mitteilte. Zum
Abschluss der dreitägigen Beratungen wollen am Mittwoch die
Außenminister der beiden Nachbarstaaten zusammenkommen.
Hauptstreitpunkt zwischen den Atommächten ist die Provinz Kaschmir,
um das sie bereits zwei Kriege führten. Indien wirft Pakistan die
Unterstützung moslemischer Rebellen vor, die im indischen Teil
Kaschmirs für mehr Autonomie, die Unabhängigkeit oder den
Anschluss an Pakistan kämpfen.
(Quelle: ap)
Iranischer Studentenverband ruft zu Wahlboykott auf -
Reformer in Iran erwarten Scheitern bei Wahlen
Mo.16.02.04 -
Nach dem Ausschluss liberaler Kandidaten hat sich der größte
iranische Studentenverband den Aufrufen zum Boykott der Parlamentswahl
am kommenden Freitag angeschlossen. Die Organisation namens Büro
zur Förderung der Einheit verband dies am Sonntag mit Kritik an
Präsident Mohammade Chatami, der an der Wahl festhalte, obwohl er
sie für unfair erklärt habe. Chatami habe sich damit dem Druck
der konservativ-islamischen Kräfte gebeugt, kritisierte der
Studentenverband.
Fünf Tage vor der Parlamentswahl in Iran hat die einzige noch
antretende Gruppierung von Reformpolitikern ihr Scheitern bei der
Abstimmung für sicher erklärt. "Wir werden eine Minderheit im
Parlament haben, bestehend aus kompetenten Leuten und aus
Unabhängigen, die wir unterstützen", sagte der Kampagnenchef
der erst kürzlich gegründeten "Koalition für Iran", Ali
Akbar Mohtaschami-Pur. Die Koalition habe erst am Samstag ihre
Kandidatenliste geschlossen. Mit dem Druck der Wahlplakate sei noch
nicht einmal begonnen worden.
Erst am Mittwoch seien die Namen der zu dem Urnengang zugelassenen
Kandidaten bekannt gewesen, sagte Mohtaschami-Pur. Es seien 26
Kandidaten in Teheran und 192 für den Rest des Landes aufgestellt
worden, die als einzige Reformer unter insgesamt 5000 Politikern
kandidieren.
"Es gibt ein so großes Missverhältniss, und die
Konservativen haben so viele Mittel mobilisiert, deshalb wäre ein
einziger Sitz bereits ein Erfolg für uns und eine Niederlage
für die Konservativen", sagte der Abgeordnete und frühere
Innenminister, der zur Wahl zugelassen worden war, aber freiwillig auf
eine Kandidatur verzichtet.
Die "Koalition für Iran" wird von Parlamentspräsident Mehdi
Karubi angeführt. Sie ist die einzige Formation von Reformern, die
den Urnengang am Freitag nicht boykottiert. Die Reformpolitiker hatten
wochenlang gegen den Ausschluss tausender Kandidaten von der
Parlamentswahl durch den konservativen Wächterrat protestiert. Mehr
als 600 der rund 5600 zugelassenen Politiker verzichteten bislang aus
Protest gegen die Konservativen auf ihre Kandidatur.
(Quellen: afp,
ap)
Venezuela: Großdemonstrationen für und gegen
Chávez
Mo.16.02.04 -
Nach der Verschiebung der Entscheidung über das angestrebte
Referendum gegen den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez
sind in Venezuela zehntausende Menschen auf die Straße gegangen.
Rund 30.000 Oppositionelle marschierten friedlich durch die Hauptstadt
Caracas. Etwa zeitgleich demonstrierten rund 10.000 Menschen zugunsten
des Präsidenten.
Der Nationale Wahlrat (CNE) hatte am Donnerstag die ursprünglich
für Freitag angekündigte Entscheidung über den
Volksentscheid verschoben. Das Gremium kündigten den 29. Februar
als neuen Termin an. Die Opposition hatte der Wahlbehörde im
Dezember nach eigenen Angaben mehr als 3,4 Millionen Unterschriften
übergeben, die ein Referendum zur Abwahl des Linksnationalisten
Chávez ermöglichen sollen.
Die 1999 in einer Volksabstimmung verabschiedete Verfassung sieht vor,
dass Amtsträger nach Ablauf der Hälfte der Amtszeit in einem
Referendum wieder abgewählt werden können, wenn mehr Stimmen
gegen sie ausgezählt werden, als die Anzahl, mit der sie bei den
vorhergehenden Wahlen gewählt wurden. Damit derartige
Volksentscheide auf den Weg gebracht werden könnnen, müssen 20
Prozent der rund zwölf Millionen Wahlberechtigten, also 2,4
Millionen Menschen, das Begehren unterschreiben.
(Quelle: afp)
Die Opposition in Venezuela bietet keine Alternative
...
Chávez hat ein Ziel: Er will das Referendum über seine
Zukunft verhindern Das ist verständlich - er ist
ordnungsgemäß gewählt, er hat nicht in die eigene Tasche
gewirtschaftet, es gibt also keinen der üblichen Gründe, ihn
aus dem Amt zu drängen. Noch dazu war er es, der in der
venezolanischen Verfassung die Möglichkeit zur Abwahl des
Präsidenten nach Hälfte der Amtszeit erst geschaffen hat. Sein
Vergehen: Er ist ein Großmaul und ein Populist, er spricht eine
ungehobelte Sprache, wie sie in den Slumsiedlungen und Armenvierteln im
Land gesprochen wird. Alles jedoch keine hinreichenden Gründe, ihn
zu stürzen.
Vor allem: Seine Gegner sind keine politische Alternative für
Venezuela. Die Opposition wird angeführt von der venezolanischen
Oberschicht, die unter dem lauten und linken Chávez mehr um ihren
Reichtum und ihre Privilegien fürchtet als um die Zukunft des
Landes. Bevor Chávez im Jahr 1998 die Wahlen in Venezuela
gewann, waren seine Gegner an der Macht und haben das Land
heruntergewirtschaftet. Und seit sie in der Opposition sind, konnten sie
eine Frage nicht beantworten: Wie kann es sein, dass in einem Land, das
der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt ist und
dessen Erdölfirma in staatlicher Hand ist, 80 Prozent der
Bevölkerung in Armut lebt? Erst diese Ungleichheit im Land hat
einen wie Chávez möglich gemacht. Deswegen gibt es zu ihm
momentan leider keine Alternative...
Aus der "tageszeitung" vom 16.04.02:
http://www.taz.de/pt/2004/02/16/a0193.nf/text
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Freihandelsabkommen zwischen Südkorea und Chile
Mo.16.02.04 -
Trotz massiver Proteste von Landwirten hat das südkoreanische
Parlament am Montag ein Freihandelsabkommen mit Chile gebilligt. Dem
Vertrag zufolge hebt Chile die Zölle auf Kraftfahrzeuge,
Mobiltelefone, Computer, Fernseher und Klimaanlagen aus Südkorea
auf. Im Gegenzug erhebt Südkorea künftig keine Zölle mehr
auf chilenische Kupferprodukte, Tiernahrung, Weizen, Wolle und Tomaten
sowie auf mehr als 250 Fischereiprodukte. Rund 2.000 Landwirte
versammelten sich am Montag vor der Nationalversammlung in Seoul zu
Demonstrationen. Sie befürchten Wettbewerbsnachteile in Folge des
Abkommens.
(Quelle: ap)
Ifo-Chef: Euro per Intervention drücken
Mo.16.02.04 - Die
Europäische Zentralbank (EZB) sollte den Euro nach Ansicht des
Chefs des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, mit einer
Intervention am Devisenmarkt unter 1,20 Dollar drücken.
"Am besten wäre es, wenn wir wieder in Richtung von 1,10 Dollar
kämen", sagte Sinn in einem am Samstag erschienenen Interview der
Schweizer Zeitung "Tages-Anzeiger". Auf dem Niveau der aktuellen
Euro-Kurse solle die EZB eine Reduktion um mindestens zehn Cent
anstreben. "Dafür müsste sie ungefähr 30 Milliarden
Dollar Bargeld am Devisenmarkt kaufen. Eine solche Intervention
übersteigt sicher nicht die Möglichkeiten der EZB", sagte der
Wirtschaftswissenschaftler.
Sinn geht davon aus, dass das Ifo-Institut seine aktuelle Prognose von
1,8 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr wegen des
starken Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ändern
muss. Dies könne sowohl eine Korrektur nach unten wie nach oben
sein. Dabei schloss der Ifo-Chef nicht aus, dass Deutschland vom
weltwirtschaftlichen Aufschwung stärker als bisher angenommen
profitieren könnte. "Aber natürlich ist der Euro-Kurs ein
gewichtiges Risiko. Falls er über 1,30 Dollar steigt, könnte
sich eine Revision unserer Prognose als nötig erweisen",
erklärte Sinn. In einer Umfrage des Ifo-Instituts hätten 90
Prozent der beteiligten Unternehmen bestätigt, dass bei dieser
Marke die Schmerzgrenze für die stark exportorientierte deutsche
Wirtschaft liege.
Bereits in den vergangenen Wochen waren Rufe von Politikern und
Wirtschaftsführern nach einer Intervention der EZB laut geworden,
nachdem der Euro auf fast 1,29 Dollar geklettert war. Am Freitag
näherte sich die europäische Gemeinschaftswährung nach
Veröffentlichung einer unerwartet schwachen US-Handelsbilanz erneut
diesem Rekordhoch.
(Quelle: rtr)
Großbritannien: Atheismus könnte auf Lehrprogramm
englischer Schulen kommen
Mo.16.02.04 - Der
Atheismus könnte neben den Weltreligionen auf das Lehrprogramm
englischer Schulen gesetzt werden. Damit könnte der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass zahlreiche Engländer keine Religion
praktizierten, sagte ein Sprecher der zuständigen Schulbehörde
QCA dem Nachrichtenmagazin "The Observer" vom Sonntag. Der Vorschlag
solle bis zum Sommer zur Diskussion unterbreitet werden. Danach sollen
in Zukunft neben Christentum, Judentum und Islam auch
nicht-religiöse Anschauungen wie Atheismus, Agnostizismus und
Humanismus gelehrt werden. Für die Schulprogramme in Wales und
Schottland sind eigene Behörden zuständig.
(Quelle: afp)
Föderalismusreform: Eichel schlägt 'nationale
Steuerbehörde' vor
Mo.16.02.04 -
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will im Zuge der
Föderalismusreform einen weitreichenden Vorschlag zur Neugestaltung
der Finanzverwaltung machen. Ein Sprechers Eichels bestätigte
einen Bericht des "Spiegel", wonach in einem Grundsatzpapier des
Ministeriums "die Gründung einer formal eigenständigen
nationalen Steuerbehörde" vorgeschlagen wird.
Künftig sollen nicht mehr die Länder die Steuern von
Bürgern und Unternehmen eintreiben, sondern der Bund. Das
Grundsatzpapier werde derzeit auf Fachebene mit den Ländern
diskutiert, sagte der Ministeriumssprecher. Ziel sei die
"gleichmäßige Anwendung der Steuergesetze", die durch die
unterschiedliche Ausstattung der Länder derzeit noch "teilweise
erschwert" werde. Bei einer Umsetzung werde mit "signifikanten
Mehreinnahmen" gerechnet.
Der Sprecher äußerte sich allerdings skeptisch zur
Durchsetzbarkeit des Vorschlags. Aus den Ländern komme bereits
jetzt Widerstand beispielsweise in Fragen der Harmonisierung der
Datenverarbeitung.
Als Vorteile einer zentralen Finanzverwaltung nannte der "Spiegel"
unter anderem eine effizientere Steuerprüfung. Zudem könnte
die Steuerverwaltung über bisherige Ländergrenzen hinweg auf
bestimmte Zielgruppen zugeschnitten werden, wie beispielsweise
Unternehmen einer bestimmten Branche. Dem zitierten Papier zufolge
könnten die "insgesamt realisierbaren, erheblichen Effzienzgewinne"
zur Steuersenkung genutzt werden.
(Quelle: afp)
In der Union kommt Strategiedebatte für möglichen
Machtwechsel in Gang
Mo.16.02.04 -
Angesichts der Turbulenzen im Regierungslager kommt in den
Unionsparteien allmählich die Strategiedebatte für einen
möglichen Machtwechsel in Gang. Sie schließt den Ruf nach
einer baldigen Benennung des Kanzlerkandidaten ebenso ein wie eine
denkbare Kooperation mit den Grünen. Der CSU-Politiker Peter
Gauweiler forderte die Unionsführung auf, mutiger zu agieren, der
Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus setzte sich
für Angela Merkel als Kanzlerkandidatin ein.
Nach dem Rückzug von Bundeskanzler Gerhard Schröder vom
Parteivorsitz und die ungeklärten Führungsfrage in der Union
vor Augen verlangte der Bundestagsabgeordnete Gauweiler eine rasche
Entscheidung über die Kanzlerkandidatur von CDU und CSU. Im
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schlug er vor, bereits auf
der gemeinsamen Sitzung der Präsidien von CDU und CSU am 7.
März einen Fahrplan für die Kanzlerkandidatur festzulegen.
Hinsichtlich des Verfahrens sprach sich Gauweiler für die
Einbeziehung der Basis in die Entscheidung über die
Spitzenkandidatur aus und appellierte insbesondere an Merkel, sich aus
der Deckung zu wagen. «Wenn so ein aufgesetztes Spiel beginnt wie
vor drei Jahren, hat Kanzler Schröder wirklich wieder
Chancen», zitierte der «Spiegel» Gauweiler.
Offen für Merkel als Kanzlerkandidatin setzte sich in «Bild
am Sonntag» der Erfurter Regierungschef Althaus ein. Sie sei
CDU-Bundesvorsitzende, führe die Unionsfraktion im Bundestag und
habe ihre Partei auf dem letzten Bundesparteitag bei zentralen Reformen
geschlossen hinter sich gebracht. «Bessere Voraussetzungen
für eine Kanzlerkandidatur kann man sich kaum vorstellen»,
erklärte Althaus.
Merkel selbst sagte dem Nachrichtenmagazin «Focus», die
Frage der Kanzlerkandidatur stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung.
Sie fügte hinzu: «Und sollte es vorzeitige Neuwahlen geben,
dann wird sie innerhalb von Stunden entschieden.» Merkel
bekräftigte die Bereitschaft der Unionsparteien, die Regierung zu
übernehmen. Sie verwies auf die Mehrheit der Union im Bundesrat,
mit der CDU und CSU «in sehr kurzer Zeit ein ganzes Bündel
von Maßnahmen durchsetzen» könnten.
Zu möglichen Parteibündnissen im Falle einer
Regierungsübernahme wollte Merkel nicht Stellung nehmen, doch
setzte sie sich erneut von CSU-Chef Edmund Stoiber ab, der
Bündnisse von Union und Grünen auf Länderebene für
denkbar hält. «Schwarz-Grün ist kein Thema; wir
müssen mit den Menschen über ihre Probleme sprechen und nicht
über theoretische Konstellationen», zitierte
«Focus» die CDU-Vorsitzende.
In der Frage möglicher Bündnisse mit den Grünen oberhalb
der Kommunalebene gibt es allerdings auch innerhalb der CDU selbst
unterschiedliche Auffassung. Althaus sagte der «Bild am
Sonntag», Bündnisse mit den Grünen auf Landesebene seien
grundsätzlich denkbar. Dies auszuschließen, «wäre
unvernünftig».
Kritik am inhaltlichen Kurs der Union übten im ZDF der
frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und der Chef
der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Peter Rauen. Geißler sagte in
«Berlin direkt», die Union sei «eigentlich nicht in
der Lage, sofort die Regierung zu übernehmen». Rauen mahnte
gemeinsame Konzepte von CDU und CSU an: «Denn bei dem
Regierungschaos ist es notwendig, dass die Menschen nicht auch noch
durch uns irre werden durch diffuses Durcheinandergerede.»
(Quelle: ap)
Grünen-Fraktionschefin lehnt Nachbesserungen bei
Reformen ab - Schröder: Keine Korrektur der Gesundheitsreform
Mo.16.02.04 -
Grünen-Fraktionschefin Krista Sager hat in der
«Bild»-Zeitung Nachbesserungen bei den Reformen der
Regierung ausgeschlossen. Sie erwartet, dass die Gesundheitsreform
langfristig Kosten dämpfe. Die zusätzlichen Belastungen
für Rentner durch die geplante Besteuerung der Alterseinkommen
verteidigte sie. Kanzler Gerhard Schröder und der künftige
SPD-Chef Franz Müntefering wollen heute die Parteigremien auf die
Fortsetzung der Reformen einschwören. Müntefering trifft dazu
auch die SPD-Landes- und Bezirkschefs.
Nach heftiger Kritik an der Praxisgebühr drängt
Sozialministerin Ulla Schmidt nun die Krankenkassen, mit
Hausarztmodellen einen Ausweg für Patienten zu eröffnen.
Solche Modelle böten die Möglichkeit zum Erlass der
Gebühr, sagte Schmidt der «Leipziger Volkszeitung»
(Montagausgabe). Der CDU-Sozialexperte Andreas Storm erklärte
daraufhin im «Tagesspiegel», es sei äußerst
verwunderlich, wenn Schmidt ein Herzstück der Reform in Frage
stelle. Schmidt müsse klar machen, ob sie die Praxisgebühr
wolle oder nicht.
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sprach sich dagegen für
Nachbesserungen bei der Gesundheitsreform aus. «Wir würden
einer Korrektur im Detail nicht im Wege stehen,» sagte er der
«Berliner Zeitung» (Montagausgabe). Die Union trage die
Reform zwar im Grundsatz mit, bei der Umsetzung scheine es jedoch
Mängel zu geben. Auch müsse man die Gesamtbelastungen sehen,
die durch die verschiedenen Gesetze zusammen kommen. «Manches
scheint auch nicht restlos durchdacht,» sagte Glos der Zeitung
zufolge.
Die Rücknahme von Belastungen aus der Gesundheitsreform per Gesetz
lehnt die Regierung hingegen weiter kategorisch ab. «Das, was
beschlossen ist, muss durchgesetzt und durchgehalten werden»,
sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Zuvor hatten Gewerkschafter und linke Kritiker bei SPD und Grünen
in der «Bild am Sonntag» die Abschaffung der
Praxisgebühr, die Verringerung von Zuzahlungen und die
Rücknahme der Belastung der Betriebsrenten gefordert. Zu Wort
meldeten sich die Abweichler, die von Anfang an gegen die beschlossene
Gesundheitsreform waren, darunter die SPD-Linken Ottmar Schreiner und
Fritz Schösser sowie der Grünen-Wirtschaftsexperte Werner
Schulz. Auch Glos sprach sich für Erleichterungen für
Betriebsrentner aus. Hier gebe es berechtigte Einwände, die
geklärt werden müssten, wurde er zitiert.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch
betonte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»,
dass die Kritiker eine Minderheitsmeinung verträten.
«Zuzahlungen und Praxisgebühr bleiben, es wird nichts
geändert», sagte Schaich-Walch. Auch die Belastung der
Betriebsrentner mit höheren Kassenbeiträgen werde nicht
rückgängig gemacht. «Es gibt in der Fraktion keine
Mehrheit, das Gesetz noch einmal aufzumachen.»
Die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel verwies im
«Tagesspiegel am Sonntag» darauf, dass jede Korrektur am
Gesetz Einnahmeausfälle für die Kassen bedeuten würde.
Sie bekannte sich zur Praxisgebühr, räumte aber ein, dass
diese für viele ein Symbol sei, «dass sich Vertrautes
verändert». Kühn-Mengel äußerte die
Erwartung, dass Bonusprogramme den Krankenkassen Ausgleich schaffen
könnten.
Bundeskanzler Schröder verteidigte die im Konsens mit der Union
verabschiedete Reform auf dem Landesparteitag der
nordrhein-westfälischen SPD in Bochum. Damit sei man auf dem
richtigen Weg. Jeder, der zum Arzt gehe, müsse wissen, dass das
Geld koste. Die Kosten der Gesundheitsversorgung dürften insgesamt
nicht steigen, weil sonst auch die Krankenkassenbeiträge in die
Höhe gingen.
(Quellen: ap,
dpa)
Wirtschaft lehnt Ausbildungsabgabe kategorisch ab -
Schröder schließt Verzicht auf Ausbildungsumlage nicht aus
Mo.16.02.04 -
Nach der Einigung von Rot-Grün auf eine Ausbildungsabgabe geht die
Wirtschaft auf Gegenkurs. Der Präsident des Deutschen Industrie-
und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, sagte der "Welt", das duale
Ausbildungssystem könne nicht "die Nachhilfeanstalt der Nation"
sein. Nicht die Wirtschaft habe bei der Ausbildung versagt, sondern
Politik, Schulen und Elternhäuser, so Braun. Auch
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor einer Abgabe als
"Schritt hin zur Verstaatlichung der Berufsausbildung."
Nach Informationen der "FTD" versucht die Bundesregierung derzeit, die
Abgabe zu umgehen. In Gesprächen mit Handwerksbetrieben und
Handelskammern werde versucht, eine feste Zusage für eine bestimmte
Zahl an Ausbildungsplätzen zu erreichen, so dass die Umlage
überflüssig werde. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte
am Wochenende erklärt, sollte die Wirtschaft eine freiwillige
Verpflichtung eingehen, werde das Gesetz nicht gebraucht.
Schröder sagte beim Landesparteitag der
nordrhein-westfälischen SPD in Bochum, die Bundesregierung wolle
einen gesetzlichen Rahmen schaffen. Aber jede freiwillige Vereinbarung
gehe dem Zwang vor. Die Wirtschaft reklamiere die Zuständigkeit
für die Ausbildung in den Sonntagsreden für sich. Dann
müsse sie werktags auch liefern, mahnte der Kanzler. Er forderte
die Wirtschaft auf, noch vor der Einbringung eines Gesetzes für
eine Ausbildungsumlage ihre Verpflichtungen "nachvollziehbar und
nachprüfbar freiwillig einzugehen".
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn wies im Deutschlandfunk
darauf hin, dass die Umlagefinanzierung nicht automatisch in Gang
gesetzt werde, wenn das Gesetz in Kraft sei. Das Gesetz werde nur dann
wirksam, wenn die Wirtschaft nicht genügend Lehrstellen schaffe.
Darüber müsse jedes Jahr neu entschieden werden.
Sie wies den Vorwurf zurück, die rot-grüne Koalition wolle
mit der Umlage die Berufsausbildung verstaatlichen. Der von der
SPD-Fraktion mit fachlicher Unterstützung der Regierung
vorbereitete Gesetzentwurf setze die Eigenverantwortung der Wirtschaft
an die zentrale Stelle.
Die Höhe der Umlage wird nach Angaben der Ministerin davon
abhängen, wie viele Lehrstellen jeweils geschaffen werden
müssen, um allen Interessenten eine Ausbildung anzubieten. Mit den
erhobenen Geldern würden keine außerbetrieblichen, sondern
nur betriebliche Lehrstellen geschaffen.
Westerwelle kündigte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an,
die FDP werde "mit allen Kräften, nicht erst im Bundesrat, gegen
dieses irrsinnige Projekt vorgehen". Das bürokratische Monstrum
treibe nur noch mehr mittelständische Betriebe in die Pleite.
"Letztlich scheuen wir aber auch vor verfassungsrechtlichen Mittel nicht
zurück", sagte er.
Der CDU-Vorsitzende Edmund Stoiber forderte Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement in der "Welt am Sonntag" auf, die Ausbildungsabgabe zu
stoppen, die von Rot-Grün gegen dessen Votum beschlossen worden
war. Clement müsse Rückgrat zeigen und bei seiner richtigen
Position bleiben, sagte Stoiber. Dafür erhalte er nicht nur von CDU
und CSU Unterstützung. Auch viele SPD-Ministerpräsidenten von
Peer Steinbrück (Nordrhein-Westfalen) bis Heide Simonis
(Schleswig-Holstein) hielten dieses bürokratische Zwangsmittel
für genauso schädlich wie er.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo übte ebenfalls scharfe
Kritik an den rot-grünen Plänen. "Eine Ausbildungsabgabe ist
wirtschaftsfeindlich, ungerecht und völlig ungeeignet zur Schaffung
zusätzlicher Ausbildungsplätze", sagte der CDU-Politiker nach
Angaben der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung am
Sonntag".
(Quellen: dpa,
ap)
Arbeitgeber verlangen drastische Einschnitte bei
Arbeitslosengeld
Mo.16.02.04 - Die
Arbeitgeber wollen weitere massive Einschnitte beim Arbeitslosengeld.
Als Ziel nannte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in der
«Neuen Osnabrücker Zeitung», den Beitragssatz zur
Arbeitslosenversicherung von sechs auf vier Prozent zu senken. Das
Arbeitslosengeld müsse auf 60 Prozent des letzten Nettoeinkommens
reduziert und dürfe höchstens ein Jahr lang gezahlt werden,
so Hundt. Außerdem solle grundsätzlich eine Wartezeit von
vier Wochen bis zur Zahlung des ersten Arbeitslosengeldes
eingeführt werden.
(Quelle: dpa)
Commerzbank zahlt wieder Betriebrente
Mo.16.02.04 - Die
Commerzbank wird ab Anfang 2005 eine neue Form der betrieblichen
Altersvorsorge einführen. Damit endet vorerst ein Streit, der im
Januar zwischen Vorstand und Betriebsrat ausgebrochen war, nachdem
Bank-Chef Klaus-Peter Müller 24.000 Mitarbeitern die Betriebsrente
gekündigt hatte.
"Vorstand und Betriebsrat haben sich auf Eckpunkte einer neuen Regelung
geeinigt", sagte ein Banksprecher am Freitagnachmittag. Die Details
würden bis Ende Juni geklärt. Ab 2005 werde es für alle
Mitarbeiter eine einheitliche Altersversorgung geben. Alle bisher
erworbenen Ansprüche würden erhalten und in die Neuregelung
einfließen. "Auf diesen Grundbaustein der bisherigen
Ansprüche wird ab 1. Januar 2005 ein einheitlicher prozentualer
Anteil am jährlichen Grundgehalt kommen, der so genannte
Versorgungsbaustein", fügte der Sprecher hinzu. Bisher hätte
es für die Mitarbeiter unterschiedliche Regelungen gegeben. Die
Höhe des prozentualen Anteils, den die Bank leisten muss, werde
erst im Zuge der Detailverhandlungen bestimmt, "Deswegen können wir
auch das Sparpotenzial für die Bank noch nicht beziffern."
Der Betriebsrat zeigte sich mit der Einigung zufrieden. "Wir waren
angetreten, um die Betriebsrente als wichtige Säule der
Altersvorsorge zu erhalten. Dieses Ziel konnten wir erreichen", sagte
Uwe Tschäge, Chef des Gesamtbetriebsrates der Commerzbank.
(Quelle: rtr/taz)
Polizei fahndet künftig auch per SMS
Mo.16.02.04 - Die
Polizei verschickt ihre Fahndungsmeldungen künftig auch per
Kurzmitteilung auf Mobiltelefone.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) erklärte am Sonntag in
Berlin, mit der SMS-Fahndung könnten Bürger der Polizei besser
bei der Kriminalitätsbekämpfung helfen. "Das erhöht die
Wahrscheinlichkeit, den Täter aufzuspüren und eine Straftat
schnell aufzuklären." Wer Fahndungs-Mitteilungen auf sein Handy
bekommen will, muss sich zunächst beim Bundeskriminalamt
registrieren lassen und beruflich im öffentlichen Raum zu tun
haben, wie Taxi- und Busfahrer, aber auch Kellner,
Tankstellen-Angestellte und Postboten. Die Polizei-Helfer müssen
mindestens 16 Jahre alt sein.
Schily erklärte, ein Probelauf der SMS-Fahndung in elf
Polizeidienststellen habe zu beachtlichen Fahndungserfolgen
geführt. Das Instrument sei international einmalig.
(Quelle: rtr)
Deutsches Fahndungsnovum
Bundesinnenminister
Schily eröffnet das SMS-Fahndungsportal der Deutschen Polizei,
aber auch anderweitig wird Teamarbeit ... praktiziert
Bundesinnenminister Schily hat sich trotz aller transatlantischer
Krisen angeblich immer gut mit US-Justizminister Ashcroft vertragen.
Synchron wurden Antiterror-Gesetze nach dem 11.9. in den USA und in
Deutschland durchgesetzt, auch in Fragen biometrischer Merkmale in
Ausweisen und bei Grenzkontrollen war Schily mit dem
christlich-fundamentalistischen amerikanischen Kollegen stets in
Übereinstimmung. Jetzt scheint Schily zumindest ein wenig ein altes
Projekt von Ashcroft übernehmen zu wollen, der 2002 mit der
Operation TIPS (Terrorism Information and Prevention System) ein
nationales Spitzelsystem etablieren wollte....
Mehr bei telepolis (16.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/glosse/16757/1.html
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