|
a2-k0402160
Kurznachrichten
[ Allg.
Nachrichten ] [Nachrichtendienste
] [ Ticker ]
+++ Di.17.02.04,
13:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am dreihundertfünfunddreißigsten Tag nach
Kriegsbeginn
US-Verwalter
Bremer will islamische Verfassung in Irak verhindern +++ Schiiten
bereiten Alternativen für Machttransfer in Irak vor +++ USA
entlassen früheren irakischen Parlamentspräsidenten aus Haft
+++ Gewalt in Irak hält an: Bei mehreren Anschlägen wurden
drei US-Soldaten getötet - Zahl der getöteten US-Soldaten
stieg am Montag auf 541+++ Die Explosion einer Granate kostete ein
Schulkind das Leben +++ Widerstandsgruppe verzichtet auf Anschläge
+++ Australiens Regierung vom Vorwurf der Manipulation von
Geheimdienstberichten über Massenvernichtungswaffen in Irak
freigewaschen
Di.17.02.04 -
US-Zivilverwalter Paul Bremer hat am Montag seinen Widerstand gegen den
Entwurf für eine irakische Übergangsverfassung angedroht. In
der aktuellen Version wird der Islam zur Staatsreligion und
Inspirationsquelle für die Gesetze erhoben. Ein In-Kraft-Treten des
Textes werde er womöglich mit einem Veto verhindern, sagte Bremer.
Bremer äusserte sich anlässlich der Eröffnung einer
Frauenbegegnungsstätte in der südirakischen Stadt Kerbela.
Für den Fall, dass das von der US-Zivilverwaltung eingesetzte
Verfassungsgremium die Scharia als Rechtsgrundlage festschreiben sollte,
schloss er ein Veto nicht aus: «Unsere Position ist eindeutig.
Sie (die Verfassung) kann nur in Kraft treten, wenn ich sie
unterzeichne.» Der Zivilverwalter sprach sich für eine starke
Repräsentation der Frauen in der Übergangsregierung aus, die
nach US-Plänen bis zum 30. Juni ernannt werden soll. Viele
irakische Frauen fürchten, eine islamische Verfassung könnte
ihre Rechte stark einschränken.
Einflussreiche schiitische Geistliche fordern, dass die Verfassung von
einem gewählten Parlament bestätigt wird. Nach dem Willen
Washingtons soll über eine dauerhafte Verfassung jedoch nicht vor
2005 abgestimmt werden. Auf den endgültigen Text werden die USA
indes keinen grossen Einfluss mehr haben, wie Bremer einräumte:
«Es wird im Juni eine souveräne Regierung geben. Dann werden
die Iraker selbst die Verantwortung für ihr Land haben.»
Die Schiiten in Irak wollen Kompromissvorschläge vorlegen, sollte
sich die UNO auch offiziell gegen allgemeine Wahlen vor dem 30. Juni
aussprechen. Ein Sprecher des einflussreichen Schiitenführers
Großayatollah Ali Sistani sagte der Nachrichtenagentur AFP am
Sonntag, die Mardschaija, das Führungsgremium der schiitischen
Geistlichkeit, habe "eine Reihe von Alternativvorschlägen"
ausgearbeitet. Bevor diese unterbreitet würden, müsse jedoch
die offizielle Stellungnahme der Vereinten Nationen abgewartet werden.
Die US-Armee hat den ehemaligen irakischen Parlamentspräsidenten
Saadun Hammadi aus der Haft entlassen. Der 74-Jährige sei nach neun
Monaten Gefangenschaft auf freien Fuß gesetzt worden, sagte
Hammadis Leibwächter Dschassem Allawi am Montag der
Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Hammadi sei bereits am Samstag mit
einem Taxi nach Hause gekommen. Er habe "sehr müde" ausgesehen. Ein
Verwandter Hammadis sagte AFP, der Ex-Parlamentspräsident sei bei
guter Gesundheit. Er habe berichtet, die US-Armee und die irakischen
Sicherheitskräfte hätten ihn gut behandelt. Er sei nie in
Isolationshaft gewesen und habe zusammen mit normalen Gefangenen
eingesessen.
Bei der Explosion einer Granate in einer Grundschule in Bagdad sind ein
Kind getötet und zwei weitere verletzt worden. Kinder zündeten
sie offenbar versehentlich, wie die irakische Polizei mitteilte. Die
Detonation ereignete sich im Schiiten-Viertel Kadhimijah. Die irakische
Polizei fand auf dem Schulhof einen zweiten Sprengsatz und rief
US-Experten zur Hilfe.
Bei Anschlägen auf die US-Armee wurden am Montag im Irak
mindestens drei US-Soldaten getötet. Ein Armeesprecher teilte
am (heutigen) Donnerstag mit, Soldaten seien am Vortag mit ihrer
Fahrzeugkolonne nahe der Stadt Tall Afar unterwegs gewesen, als einr
Sprengsatz hochging, Soldaten in dem Konvoi hätten danach auf
mehrere Angreifer geschossen, die jedoch entkommen seien. Bei einem
ähnlichen Anschlag auf einen US-Konvoi in Bagdad waren nur Stunden
zuvor nach Armeeangaben ein US-Soldat getötet und ein weiterer
verletzt worden. Ein weiterer US-Soldat wurde bei einem Anschlag in
Bakuba 55 Kilometer südlich von Bagdad getötet. Bei dem
Vorfall seien vier Soldaten verwundet worden, teilten die
Streitkräfte mit. Zwei verdächtige Iraker seien festgenommen
worden.
Die Zahl der seit Kriegsbeginn im März getöteten US-Soldaten
stieg am Montag auf 541. Die Zahl der Anschläge ging indes
gegenüber der Vorwoche von 23 auf 17 pro Tag leicht zurück,
wie Brigadegeneral Mark Kimmitt mitteilte.
In der 60 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Baakuba
wurden nach irakischen Polizeiangaben vier Iraker verletzt, als ein
Sprengsatz beim Vorbeifahren eines US-Armeekonvois detonierte. Die
Explosion ereignete sich in der Nähe eines Krankenhauses, sagte ein
irakischer Polizist. Die US-Armee sperrte das Gebiet ab und nahm
Durchsuchungen vor. Ein Straßenverkäufer, der zusammen mit
seinen 13 und 14 Jahre alten Söhnen zu den Verletzten zählte,
sagte, die Türen eines Armeefahrzeugs seien durch die Wucht der
Detonation herausgerissen worden.
Wie erst am Montag bekannt wurde überfielen Aufständische am
Samstag südlich von Bagdad ein Taxi mit amerikanischen
Zivilpersonen. Dabei wurde nach US-Angaben ein Amerikaner getötet,
drei weitere US-Bürger wurden verletzt. Das Taxi geriet offenbar
auf der Fahrt von Babylon nach Bagdad in einen Hinterhalt. Bei den
Insassen handelte es sich nach US-Angaben um Mitglieder einer nicht
näher bezeichneten religiösen Gruppe. Die Schützen
hätten aus einem vorbeifahrenden Wagen heraus das Feuer
eröffnet.
Nach der jüngsten Anschlagsserie in Irak will eine der
Widerstandsgruppen offenbar vorerst auf Attacken auf irakische
Sicherheitskräfte verzichten. "Bis zur Erteilung neuer Anweisungen"
sei jeder Angriff auf irakische Polizisten oder Angehörige der
irakischen Armee verboten, erklärten die "Mudschahedin von
Falludscha".
Einwohnern zufolge sind die "Mudschahedin von Falludscha" eine Art
Dachverband sämtlicher islamistischer Guerilla-Gruppen der Stadt.
Die Organisation erklärte, nicht für den Überfall auf
eine Polizeiwache am Samstag verantwortlich zu sein. Bei der
Befreiungsaktion waren mindestens 23 Polizisten und vier Angreifer
getötet worden. Vermummte Bewaffnete hatten zeitgleich die Wache
und das Hauptquartier der Zivilverteidigung angegriffen und dabei 22
Gefangene befreit. Falludscha ist als Widerstandshochburg bekannt.
Am Donnerstag war dort auf den für Irak zuständigen
US-General John Abizaid ein Anschlag verübt worden. Abizaid blieb
unverletzt. In der vergangenen Woche waren bei zwei Attentaten auf
Polizeianwärter in Iskandarija und auf Rekruten der irakischen
Armee in Bagdad mehr als hundert Menschen getötet worden.
Die irakische Zivilverteidigung (ICDC) stationierte mehr als 800
Mitglieder entlang der größten Straße nördlich von
Bagdad zwischen Suleimanijah und Kirkuk, um das Eindringen von
Extremisten ins Landesinnere zu verhindern. Vertreter der Kurden hatten
zuvor gesagt, zahlreiche Extremisten seien bereits aus Iran nach
Nordirak eingeschleust worden.
Ein Bericht des australischen Parlaments hat die Regierung von dem
Vorwurf freigesprochen, Geheimdienstinformationen über die
Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu
haben, um damit die Beteiligung Australiens am Krieg gegen Irak zu
rechtfertigen. Der Untersuchungsausschuss habe keine Hinweise auf eine
bewusste Manipulation entsprechender Geheimdienstinformationen gefunden,
berichtete die Zeitung "Sydney Morning Herald" am Montag unter Berufung
auf "Quellen, die mit dem Inhalt des Berichts vertraut" seien. Hingegen
bemängelt der Bericht laut dem Blatt die Qualität der
Geheimdienstarbeit. Die Informationen und Ratschläge hätten
nicht immer den "höchsten Anforderungen" entsprochen. Der
Untersuchungsbericht soll am 1. März veröffentlicht werden.
(Quellen: afp,
rtr, dpa, ap)
Protestveranstaltungen
zum Jahrestag des US-Angriffs auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug
zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Umfrage: Nur Kerry liegt vor Bush
Di.17.02.04 - Vor
der Vorwahl im US-Staat Wisconsin am (heutigen) Dienstag liegt Senator
John Kerry als einziger der demokratischen Kandidaten in einer
Meinungsumfrage des Senders CBS vor Präsident George W. Bush. Kerry
kommt auf demnach auf 48 Prozent, Bush auf 43 Prozent. Im Vergleich mit
John Edwards und Howard Dean schneidet Bush weitaus besser ab: Mit 50
zu 41 Prozent führt er gegen Edwards und sogar mit 54 zu 37
Prozent gegen Dean.
(Quelle: ap)
Porträt: John Kerry
Im Sommer
1971 organisierte John Kerry in Washington einen Protestmarsch
gegen den Vietnam-Krieg. Für einen gerade heimgekehrten
Kriegsveteranen, der im Mekong-Delta ein Patrouillen-Boot kommandiert
hatte, was das ein gewagter Schritt. Kerry wurde zu einer der
führenden Stimmen gegen den Krieg. Seine öffentliche Karriere
nahm damals seinen Anfang.
Der Diplomatensohn hatte vor seinem Militäreinsatz an der Elite-
Universität Yale studiert. Kommilitonen aus der Zeit wollen schon
damals gewusst haben, dass in dem hoch gewachsenen Sportfan ein
künftiger Präsident schlummert.
In den 70er Jahren wurde Kerry Staatsanwalt, dann stellvertretender
Gouverneur in Massachusetts. Seit 1985 sitzt er im US-Senat, wo er sich
vor allem in Fragen der nationalen Sicherheit engagiert.
Kerry kultiviert ein Tausendsassa-Image. Im Wahlkampf in Iowa flog er
das kleine Flugzeug selbst zu seinen Auftritten. Als Hobbys gibt er
Windsurfen, Snowboarden und Eishockey an. «Wie ein Motorrad-Rocker
mit Birkenstock-Latschen», charakterisierte eine Zeitung den
Senator, der sich bei allem Macho-Image für traditionell
demokratische «weiche» Themen wie Umweltschutz und soziale
Gerechtigkeit engagiert. Sein Idol ist John F. Kennedy, mit dem er
zumindest die Initialen gemeinsam hat: John F. (Forbes) Kerry.
Seit 1995 ist er in zweiter Ehe mit der Ketchup-Erbin Teresa Heinz
verheiratet. Ihr Vermögen wird auf eine halbe Milliarde Dollar
geschätzt. Kerrys Großvater Fritz Kohn wanderte aus
Österreich in die USA ein. Der Jude konvertierte zum katholischen
Glauben, änderte seinen Namen in Frederick Kerry und begann ein
neues Leben in der neuen Welt.
Kerry lebte als Kind in Europa. Sein Vater arbeitete unter anderem an
den Botschaften in Oslo und Berlin.
Quelle:
dpa
|
Nahost-Konflikt
Protest gegen
verschärfte Sicherheitsbestimmungen: Palästinenser blockieren
Grenzübergang Eres +++ Israelische Soldaten erschießen
Palästinenser im Gazastreifen +++ Korei: Treffen mit Scharon wohl
binnen 14 Tagen +++ Fischer fordert Israel zu Änderungen am
Verlauf des Sperrwalls auf +++ Israelischer Minister will
Palästinenser-Gebiete aufteilen
Di.17.02.04 - Aus
Protest gegen verschärfte Sicherheitsbestimmungen haben rund 1.500
aufgebrachte Palästinenser am heutigen Dienstag den
Grenzübergang Eres im Gazastreifen blockiert. Sie sperrten am
frühen Morgen die Straße mit Betonklötzen ab und
kündigten einen eintägigen Streik an. Die
Sicherheitsvorkehrungen an dem Grenzübergang wurden nach einem
Selbstmordattentat am 14. Januar verschärft, bei dem vier Israelis
getötet wurden.
Die Palästinenser müssen dort nun stundenlange Wartezeiten
und strenge Kontrollen auf sich nehmen. Eres ist der wichtigste
Grenzübergang nach Israel und wird von rund 19.000
Palästinensern genutzt.
Die Arbeiter protestierten mit der Blockade auch gegen den Tod eines
Kollegen, der am Montag bei dem Versuch starb, über die Grenze zu
gelangen. "Eres ist der Kontrollpunkt des Todes", skandierten sie.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, der 41-Jährige
habe während der Wartezeit einen Herzinfarkt erlitten.
Palästinensische Ärzte sagten zunächst, der Mann sei an
dem überfüllten Grenzübergang erstickt, wollten dies
jedoch später nicht mehr bestätigen.
Israelische Soldaten haben am Montag im Süden des Gazastreifens
einen Palästinenser erschossen. Der 45-Jährige sei in Rafah
tödlich getroffen worden, als Soldaten auf einem Wachposten das
Feuer auf den Stadtteil Tel el Sultan eröffneten, teilten
palästinensische Krankenhausmitarbeiter mit. Ein israelischer
Militärsprecher sagte, die Soldaten hätten auf
palästinensische Schüsse reagiert. Palästinensische
Ärzte teilten weiterhin mit, ein 28-Jähriger
Palästinenser sei in Rafah seinen Verletzungen erlegen, die er in
der vergangenen Woche durch Schüsse israelischer Soldaten erlitten
habe.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei rechnet
derweil mit einem Treffen mit Israels Regierungschef Ariel Scharon
innerhalb der nächsten zwei Wochen.
Korei sagte während seines Berlin-Besuchs dem "Tagesspiegel" vom
Dienstag, Ende nächster Woche würden sich Unterhändler
beider Seiten treffen, die die Zusammenkunft vorbereiten sollten. "Und
ich denke, innerhalb der nächsten zwei Wochen werde ich Herrn
Scharon dann sehen." Korei kündigte zudem an, bei seinen
Gesprächen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder den
internationalen Nahost-Friedensplan erörtern zu wollen. Zudem solle
der Bau der israelischen Sperranlage zu den Palästinensergebieten
angesprochen werden. "Es besteht kein Zweifel, dass sie den
Friedensprozess zerstört. Die Israelis konfiszieren Land, das
ihnen nicht gehört. Da bleibt kein Platz mehr für einen
palästinensischen Staat", sagte Korei.
Korei war am Montag mit Bundespräsident Johannes Rau
zusammengekommen und trifft heute neben Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) auch Außenminister Joschka Fischer
(Grüne).
Fischer hatte am Montag den Plan des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon zum Abbau der meisten
jüdischen Siedlungen im Gazastreifen begrüßt. Bei einer
Konferenz in Herzlija bei Tel Aviv forderte Fischer die israelische
Regierung aber zugleich zu substanziellen Änderungen am Verlauf der
Sperranlage um das Westjordanland auf. Die EU kritisiere nicht den
Sperrwall selbst, sondern dessen Verlauf. Israel habe das Recht, seine
Bürger vor Terroranschlägen zu schützen.
Fischer verwies darauf, dass die EU sich dagegen ausgesprochen hat,
dass sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag mit der
Rechtmäßigkeit der Sperranlage befasst. Die EU hoffe, dass
die israelische Regierung einige weise Entscheidungen treffe und den
Verlauf des Walls deutlich ändere, sagte Fischer. Sein israelischer
Kollege Silvan Schalom dankte Deutschland für dessen
Unterstützung bezüglich der Anhörung in Den Haag.
«Wir glauben, dass das Haager Gericht über diese Frage nicht
entscheiden kann, denn es ist eine politische Angelegenheit.»
Schalom sagte, er habe der US-Regierung wiederholt erklärt, dass
er sich ein stärkeres europäisches Engagement im
Nahost-Friedensprozess wünsche. Er sehe keinen Widerspruch zwischen
dem traditionellen Bündnis Israels mit den USA und engeren
Beziehungen zu der EU in der Zukunft. Fischer sagte, Europa sei zu
einem Ausbau seiner Rolle bereit, die USA hätten bei den
Verhandlungen aber weiterhin die Führung.
Bezüglich Scharons Plan zum weitgehenden Abzug sagte Fischer, er
begrüße jeden Versuch der Konfliktparteien, die Pattsituation
zu beenden. Dazu zähle auch Scharons Vorschlag, der seiner Meinung
nach eine vielversprechende Perspektive sei.
Fischer hielt sich zu einem eintägigen Besuch in Israel auf. Im
Mittelpunkt der Konferenz in Herzlija standen die Beziehungen der EU zu
Israel. Bereits Mitte Dezember hatte Fischer als erster
ausländischer Minister an einer innerisraelischen Konferenz in
Herzlija teilgenommen.
Fischer hat sich bereits mehrfach kritisch zum Verlauf des israelischen
Sicherheitszauns geäußert. Er vertritt die Ansicht, dass
dieser entlang der Waffenstillstandslinie von 1967 errichtet werden
müsse und nicht auf palästinensischem Gebiet. Israel
unterstrich dagegen, dass der Zaun zur Abwehr von
Selbstmordattentätern notwendig sei und sein Verlauf kein
Präjudiz für künftige Grenzen darstelle.
Israel bezeichnet die Anlage als Schutz gegen palästinensische
Selbstmordattentäter. Die Palästinenser sehen darin dagegen
eine illegale Festlegung der Grenzen zu einem geplanten
Palästinenser-Staat und werfen Israel Landnahme vor, da der
Sperrzaun teilweise auf palästinensischem Gebiet verläuft. Die
USA, die EU, die Vereinten Nationen und Russland fordern von Israelis
und Palästinensern, sich an den Road Map genannten internationalen
Friedensplan zu halten. Die Umsetzung des Plans ist wegen der
anhaltenden Gewalt und Gegengewalt in Nahost faktisch zum Stillstand
gekommen.
Eine Mehrheit der Abgeordneten im israelischen Parlament hat am Montag
ein Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Ariel Scharon
unterstützt, darunter auch drei Minister. 53 Abgeordnete stimmten
gegen Scharon, 45 für ihn. Für einen Sturz der
Mitte-rechts-Regierung ist aber eine absolute Mehrheit von 61 aller 120
Abgeordneten nötig. Bereits in den vergangenen beiden Wochen
brachte Scharons Koalition jedoch keine einfache Mehrheit auf, um ein
Misstrauensvotum abzuwehren. Beobachter verwiesen darauf, dass es selbst
innerhalb seiner Regierung beträchtlichen Widerstand gegen
Scharons Plan gebe, Siedlungen im Gazastreifen und im Westjordanland
abzubauen.
Verkehrsminister Avigdor Lieberman warb in Briefen an Kabinettskollegen
um Unterstützung für seinen Plan, die Palästinenser auf
vier Gebiete im Westjordanland zu beschränken. Ihm geht der
Vorschlag Scharons viel zu weit, der den ganzen Gazastreifen und Teile
des Westjordanlands räumen will.
Lieberman, der zur rechtsgerichteten Nationalunion gehört,
erklärte, er wolle Scharons Vorschlag nicht torpedieren, aber doch
eine Alternative vorlegen. Er habe seine Briefe an all die Minister
geschrieben, die sich nicht öffentlich für Scharons Plan
ausgesprochen hätten, darunter auch Finanzminister Benjamin
Netanjahu.
Lieberman schlägt vor, den Gaza-Streifen und das Westjordanland in
mehrere palästinensische isolierte Kantone aufzuteilen. Diese
sollten zwar unter eigener Verwaltung, jedoch unter militärischer
Kontrolle Israels stehen, sagte ein Mitarbeiter Liebermans. Die von
Scharon in Aussicht gestellte Auflösung von jüdischen
Siedlungen solle entfallen.
Scharons Büro nahm zu dem Plan nicht Stellung, es wurde jedoch mit
einer Ablehnung gerechnet. Die Palästinenser- Regierung sprach von
einem Versuch der "extremistischen israelischen Rechten", die im
internationalen Nahost-Friedensplan vorgesehene Gründung eines
Palästinenser-Staates zu verhindern.
Lieberman ist der Chef des Bündnisses der Nationalen Union, einem
kleineren Partner in Scharons Regierungskoalition. Das Bündnis
stellt sieben der 68 Koalitionssitze von insgesamt 120 im israelischen
Parlament, der Knesset. Scharon hatte angekündigt, bei einem
weiteren Stocken des Friedensplans 17 von 21 Siedlungen im Gaza-Streifen
aufzulösen und Israel von den Palästinenser-Gebieten zu
trennen. Die Idee ist bei den Befürwortern der Siedlungspolitik
auf massive Kritik gestoßen, Liebermans Partei hat mit einem Ende
der Koalition gedroht. Umfragen zufolge befürwortet eine Mehrheit
der Israelis dagegen die Auflösung der schwer bewachten Siedlungen
im Gaza-Streifen.
(Quellen: afp,
ap, rtr)
Afghanische Regierung hält an Wahl im Juni fest
Die USA
überlegen angeblich, Wahl wegen schlechter Sicherheitslage zu
verschieben +++ US-Truppen nehmen mehr als 40 mutmaßliche
Taliban-Kämpfer in Afghanistan fest
Di.17.02.04 - Die
afghanische Regierung hält ungeachtet der problematischen
Sicherheitslage und der schleppenden Wählerregistrierung an der
für Juni geplanten Wahl fest. Präsidentensprecher Dschaued
Ludin sagte am Montag, unsere Haltung zu der Wahl hat sich nicht
geändert. In den Monaten vor der Wahl würden im ganzen Land
Zentren zur Wählerregistrierung eingerichtet, damit sich alle
Bürger eintragen lassen könnten. Bislang haben dies nur 8,5
Prozent der rund 10,5 Millionen Wahlberechtigten getan, die meisten von
ihnen in Kabul und in sieben weiteren Städten.
Die Vereinten Nation, die grundsätzlich freie Wahlen in
Afghanistan unterstützen, haben gewarnt, die Wahl im Juni sei
unrealistisch, wenn sich die Sicherheitslage nicht deutlich verbessere.
Die «New York Times» berichtete am Montag, auch in der
US-Regierung gebe es Überlegungen, die Wahl wegen der Probleme zu
verschieben. In letzter Zeit ist die Zahl der Angriffe von Taliban- oder
El-Kaida-Kämpfern besonders im Osten und Süden des Landes
aber deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn wurden mehr als hundert
Menschen getötet.
US-Soldaten haben derweil im Südosten Afghanistans mehr als 40
mutmaßliche Taliban-Kämpfer festgenommen, die in
jüngster Zeit in Überfälle verwickelt gewesen sein
sollen. Unter ihnen seien auch zwei Taliban-Anführer, teilte ein
US-Militärsprecher am Montag in Kabul mit. Die Gruppe sei bei einem
Angriff einiger dutzend US-Soldaten am Sonntag in der Provinz Urusgan
festgenommen worden. Einige von ihnen würden jedoch
möglicherweise in Kürze wieder auf freien Fuß gesetzt.
(Quellen: afp,
ap)
Chatami ruft Iraner trotz Ausschlüsse von Kandidaten
zum Wählen auf
Di.17.02.04 -
Irans reformorientierter Präsident Mohammad Chatami hat die
Bevölkerung aufgerufen, trotz des Ausschlusses Hunderter
Reformkandidaten am Freitag zur Wahl zu gehen.
Zwar seien Parlamentsangehörige und andere qualifizierte
Kandidaten unfair behandelt worden, sagte Chatami am Montag der
amtlichen Nachrichtenagentur Irna. "Wenn die Leute nicht erscheinen,
wird das einer Minderheit ermöglichen, das Schicksal des Landes zu
kontrollieren", fügte er jedoch hinzu. Die Wähler sollten ihre
Stimme benutzen, um wenigstens die Kandidaten zu stoppen, die ihnen am
wenigsten zusagten. Wahlforscher erwarten besonders in den großen
Städten - die Hochburgen der Reformer - eine geringe
Wahlbeteiligung.
Der für die Zulassung von Kandidaten zuständige konservative
Wächterrat hat insgesamt etwa 2500 Bewerber ausgeschlossen, der
größte Teil von ihnen Reformer. Unter den Gesperrten sind
auch 80 Mitglieder des jetzigen Parlaments wie Chatamis jüngerer
Bruder Mohammad Resa Chatami. Als größte Reformpartei des
Landes hat dessen Islamisch-Iranische Beteiligungsfront einen Boykott
der Wahl angekündigt. "Wir können unmöglich an einer Wahl
teilnehmen, die nicht legal und nicht frei ist", sagte Resa Chatami der
Nachrichtenagentur Reuters.
Politische Experten sehen in der Parlamentswahl zudem einen Vorboten
der Präsidentenwahl im kommenden Jahr. Sie erwarten, dass auch dort
reformorientierte Politiker ausgeschlossen werden. Damit könnten
die Konservativen eine Rückkehr zur Macht fortsetzen, die mit
Kommunalwahlen im vergangenen Jahr begonnen hatte.
Wie viele Wahlforscher erwartet auch Resa Chatami eine niedrige
Beteiligung bei der Parlamentswahl. "Ich gehe davon aus, dass weniger
als 20 Prozent der Wähler in den großen Städten an die
Urnen gehen werden", sagte er. "Ich glaube, landesweit wird der
Prozentsatz unter 50 Prozent liegen. Eine Mehrheit der jungen Leute wird
nicht zur Wahl kommen." Bei der Parlamentswahl 2000 lag die Beteiligung
bei 67 Prozent.
Präsident Chatami ist für seine Zustimmung zur Wahl von
Reformern kritisiert worden, nachdem Millionen junge Iraner ihm in den
vergangenen Wahlen zum Sieg verholfen hatten. Nach der Wahl 2000 hielten
die Reformer 200 der 290 Parlamentssitze. Chatami hat umfangreiche
Reformen angekündigt, die er jedoch gegen die konservative
Geistlichkeit kaum durchsetzen konnte. Viele Iraner sind deswegen
enttäuscht.
(Quelle: rtr)
Volksmudschaheddin in der deutschen Behördenfalle
Von
Demokraten zu Terroristen: Anerkannten iranischen Asylbewerbern droht
die Aberkennung ihres Flüchtlingsstatus.
Die elf
Iraner, die aus Amman kommend in die Bundesrepublik einreisen wollten,
verstanden die Welt nicht mehr. Ihnen wurden noch am Flughafen
Frankfurt am Main die Pässe abgenommen, eine Sofortabschiebung
konnte nur durch Eilverfahren abgewandt werden. Nun soll den Iranern ihr
Aufenthaltsstatus in Deutschland aberkannt werden - einige sind seit
zwanzig Jahren anerkannte Asylbewerber. Die Behörden werfen den
Männern vor, Funktionäre der iranischen Oppositionsgruppe
Volksmudschaheddin zu sein. Aufgrund ihrer Mitgliedschaft bei genau
dieser Organisation hatten die Behörden den Asylanträgen vor
Jahren zugestimmt.
"Das Einzige, was sich inzwischen verändert hat, ist die Politik
der Bundesrepublik", meint der Vizepräsident der Berliner
Anwaltskammer Bernd Häusler: "Ich erinnere mich, dass fast alle
deutschen Politiker diese Menschen in den 80ern unterstützten, weil
sie als Demokraten und Oppositionelle gegen das iranische Mullahregime
galten. Jetzt wird hingegen ein Dialog mit dem Iran angestrebt." Als
Folge landeten die Volksmudschaheddin auf der EU-Terroristenliste.
Diese Neuinterpretation vermuten die Verteidiger der Betroffenen hinter
der aktuellen Widerrufsoffensive. "Das würde bedeuten, dass Beamte
über Dinge entscheiden, die jedoch von Gerichten entschieden
werden sollten", kritisieren Juristen..... (tageszeitung vom 17.02.04)
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2004/02/17/a0131.nf/text
|
300 Schüler in Nepal von maoistischen Rebellen
entführt
Di.17.02.04 -
Maoistische Rebellen haben nach Angaben von Nepalnews rund 300
Schüler im Westen des Landes entführt. Aufständische
hätten die Jungen und Mädchen sowie einige Lehrer aus einer
Schule im Distrikt Rolpa verschleppt, berichtete die Agentur gestern.
Regierungsstellen äußerten die Vermutung, die Geiselnahme
stehe in Zusammenhang mit den Feiern der Guerilla zum neunten Jahrestag
des Beginns ihrer Erhebung in diesen Tagen. Es gab schon ähnliche
Entführungen von Schülern, die meist nach einigen Tagen wieder
freikamen. So zwangen die Guerilleros am 5. Februar 150 Schüler
und fünf Lehrer, an einer maoistischen Veranstaltung teilzunehmen.
Bei Überfällen auf Schulen kam es aber auch zu tödlichen
Schießereien mit der Armee. Amnesty international kritisiert die
Verschleppungen und warnt vor Zwangsrekrutierungen. Lehrerverbände
setzen sich ebenfalls dafür ein, die Schulen aus dem Konflikt
herauszuhalten. Der seit neun Jahren dauernde Bürgerkrieg in Nepal
hat schätzungsweise rund 10.000 Todesopfer gefordert.
(Quelle: epd/taz)
Hunderte Kinder auf Bali Opfer von Pädophilenring
Di.17.02.04 -
Mitglieder eines internationalen Pädophilen-Rings sollen auf der
indonesischen Urlaubsinsel Bali hunderte Kinder missbraucht, verschleppt
und in Einzelfällen sogar getötet haben. Das enthüllte
die Tageszeitung "The Australian" in einer Untersuchung zu den
Vorfällen. Wie die Leiterin der Stiftung Crisis Care Foundation,
Gloria Goodwin, berichtete, wurden Kinder unter Drogen gesetzt,
vermisst oder sogar tot aufgefunden.
Regierungsunabhängige Organisationen hätten die Vorfälle
inzwischen Interpol gemeldet, und auch die US-Sicherheitsbehörden
sollen sich nach Informationen der Zeitung eingeschaltet haben.
Die australische Kinderschutzorganisation Child Wise hatte der
Regierung in der vergangenen Woche Berichte über den
internationalen Ring übergeben, an dem nach ihren Informationen
Australier, US-Bürger und Europäer beteiligt sein sollen.
Die Organisation berichtete unter anderem von einem Fall, in dem die
Familien von drei nach schweren sexuellen Misshandlungen gestorbenen
Kindern durch Geld zum Schweigen gebracht worden sein sollen.
Allein in der Umgebung der nördlichen Ortschaft Karangasem werden
laut dem Blatt 80 Kinder vermisst. Sie seien auf dem Weg zur Schule oder
zu Hause verschleppt worden. Die Vorsitzende des lokalen Komitees gegen
sexuellen Missbrauch, Luh Ketut Suryani, will noch in diesem Monat in
die Region fahren, um die Bewohner über die Gefahr
aufzuklären.
(Quelle: afp)
UN besorgt über Zahl der Frauenmorde in Guatemala
Di.17.02.04 - Die
UN-Sonderberichterstatterin zur Gewalt gegen Frauen, Yakin Ertürk,
hat die Zahl der Frauenmorde in Guatemala als "alarmierend" bezeichnet.
1.049 Frauen seien in dem mittelamerikanischen Land seit 2001 Opfer von
Morden geworden, sagte Ertürk am Samstag (Ortszeit) in
Guatemala-Stadt. Der UN-Expertin zufolge ist die Situation
möglicherweise sogar kritischer als die im Nachbarland Mexiko, das
im vergangenen Jahr aufgrund der zahlreichen Frauenmorde in Ciudad
Juárez in die Schlagzeilen geraten war.
Von den 383 Frauenmorden in Guatemala im Jahr 2003 seien 306 bisher
nicht aufgeklärt worden, berichtete die UN-Beauftragte. "Der Grad
an Straflosigkeit legt nahe, dass es Gewalt gibt, die von den
Behörden begangen wird", so Ertürk. Die Gewaltrate werde auch
durch ökonomische Probleme und die patriarchalische Kultur
beeinflusst.
Darüber hinaus habe das Land es noch nicht geschafft, sich von den
Traumata eines 36 Jahre dauernden Bürgerkrieges zu erholen, der
erst 1996 beendet worden sei. Ertürk plant nach eigenen Angaben
eine Reise nach Mexiko und will anschließend einen vergleichenden
Bericht über Guatemala, Mexiko und El Salvador vorlegen.
(Quelle: epd)
Anarchie in Haiti weitet sich aus - Rebellen bringen weitere
Stadt unter Kontrolle
Di.17.02.04 -
Unterstützt von Exilkämpfern haben Rebellen in Haiti am
Montag eine weitere Stadt im Nordwesten des Landes unter ihre Kontrolle
gebracht. Die Rebellen griffen die Polizeiwache in Hinche an und
töteten drei Menschen, wie aus haitianischen Sicherheitskreisen
verlautete. Sie vertrieben die Polizisten und bedrohten Anhänger
der Regierung von Präsident Jean-Bertrand Aristide.
Einer der Rebellenführer in der Stadt Gonaives, Winter Etienne,
sagte am Montag, Polizisten und aus dem Exil zurückgekehrte
Milizionäre hätten sich der Bewegung angeschlossen. Gemeinsam
habe man eine nationale Widerstandsfront gegründet, sagte Etienne.
"Wir werden einen großen Teil Haitis einnehmen."
Ein Hilfskonvoi des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK)
traf unterdessen begleitet von bewaffneten Rebellen im Norden des Landes
ein. Er brachte 1,6 Tonnen Hilfsgüter nach Gonaives. Nach Angaben
aus Regierungskreisen gehörten auch Ärzte dem Transport an.
Sie sollten rund 40 Verletzte behandeln, die seit dem Beginn des
Aufstands am 5. Februar zumeist Schusswunden erlitten.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schickte 16 Tonnen
medizinischer Ausrüstung nach Haiti, wie ein Sprecher
erklärte. Ein UN-Vertreter hatte am Wochenende an beide Seiten
appelliert, einen «humanitären Korridor» für
Hilfslieferungen zu öffnen. Bislang kosteten die Unruhen mehr als
50 Menschen das Leben.
Zu den Milizionären, die die Rebellen unterstützen wollen,
gehörte der ehemalige Soldat Louis-Jodel Chamblain. Er führte
die paramilitärische Gruppe FRAPH an, die zwischen 1991 und 1994
hunderte Menschen tötete oder verstümmelte. Auch der ehemalige
Polizeichef Guy Philippe schloss sich den Aufständischen an. Er
floh in die Dominikanische Republik, nachdem ihm die haitianische
Regierung 2002 vorgeworfen hatte, einen Putsch zu planen. "Wir
kämpfen für ein besseres Land", sagte Philippe. "Wir
kämpfen für das Volk."
Um die Polizei und Anhänger der Regierung aufzuhalten, blockierten
die Rebellen die Hauptstraße nach Gonaives mit riesigen
Containern. Mehr als 250.000 Menschen sind damit von Lieferungen mit
Lebensmitteln und Medikamenten abgeschlossen. Besonders betroffen waren
die Krankenhäuser. In der Stadt St. Marc brannten die
Aufständischen eine Klinik nieder, in Gonaives lieferten sich
Polizei und Rebellen ein Feuergefecht in einem Krankenhaus. Drei
Menschen wurden getötet. Krankenhausverwalter Gabriel Honorat
sagte, die Verletzten würden in ihren Häusern versorgt. Es
gebe jedoch keine Medikamente mehr.
Aristides Ehefrau, die in den USA geborene Mildred Trouillot Aristide,
flog unterdessen nach Fort Lauderdale in Florida. Eine Sprecherin des
haitianischen Regierung erklärte, sie habe dort an einem
Begräbnis teilgenommen und sei noch am Montag zurückgekehrt.
(Quelle: ap)
Australien: Schwere Krawalle in Sydney nach Unfalltod von
jungem Aborigine
Di.17.02.04 - Der
Unfalltod eines 17-jährigen Ur-Einwohners hat in dem Vorort
Redfern der australischen Metropole Sydney schwere Krawalle
ausgelöst. Dabei wurden 40 Polizisten verletzt. Etwa 150
aufgebrachte Jugendliche bewarfen in der vergangenen Nacht die Beamten
mit Steinen und Brandsätzen. Auslöser waren Vorwürfe
gegen Polizisten, einen jungen Aborigine gejagt zu haben, der daraufhin
vom Fahrrad in einen Zaun gestürzt sei und dabei tödliche
Verletzungen erlitt. Die australischen Behörden wiesen dies
zurück.
Am (heutigen) Dienstag kehrte in Redfern, dem vor allem von
australischen Aborigines bewohnten Getto, wieder Ruhe eingekehrt.
Die Polizei nahm Ermittlungen zum Tod des Jungen auf.
(Quellen: dpa,
ap)
Unruhen werfen Schlaglicht auf die Rassenprobleme
Australiens
Ein
junger Aborigine stirbt. Seine Eltern und Freunde machen die Polizei
verantwortlich. Kurz danach fliegen Brandsätze und Steine, ein
Auto und der Stadtteilbahnhof gehen in Flammen auf. Die meisten
Australier betrachten ihre Gesellschaft als fair, mit Chancen für
jeden. Aber die Unruhen werfen ein drastisches Schlaglicht auf die
Rassenprobleme, die das Land seit der Ankunft der ersten Siedler vor
mehr als zwei Jahrhunderten verfolgen.
Schauplatz der neunstündigen Straßenschlacht war das
Elendsviertel «The Block» im Stadtteil Redfern, eine
Ansammlung heruntergekommener Häuser. Ob der 17-Jährige
tatsächlich von der Polizei verfolgt wurde, als er vom Fahrrad und
in einen Zaun stürzte, wie dies Freunde erklärten, ist fast
nebensächlich. Führende Vertreter der Aborigines, der
australischen Ureinwohner, weisen darauf hin, dass die Gründe
für die Unruhen weit tiefer liegen. «Die Leute sollten sich
nichts vormachen; das ist Australien», sagt Senator Aden Ridgeway,
der einzige Aborigine im australischen Bundesparlament. «Die
Unruhen in der vergangenen Nacht sind ein extremes Beispiel dafür,
wie weit die Entfremdung bei einigen jungen Aborigines geht.»
Dabei ist ironischerweise die Kultur der Aborigines eine
Multi-Millionen-Dollar-Industrie in Australien. Die Touristen kaufen
tausende Bumerangs aus billiger Massenproduktion und traditionelle
Malereien. Viele Läden sind nur ein paar Kilometer vom Schauplatz
der Unruhen entfernt. Das meiste Geld aus dem Geschäft mit der
Kultur der Aborigines geht in Unternehmen, mit denen sie nichts zu tun
haben.
Die Touristen bekommen meist auch gar nichts mit von den
Lebensverhältnissen der Aborigines und ihrer schlechten
medizinischen Versorgung. Seit der Ankunft der Siedler 1788 leben die
Ureinwohner eher schlecht als recht neben der Gesellschaft her.
Kostspielige Regierungsprogramme, dies zu ändern, scheiterten und
machten die Aborigines zu einer Gemeinschaft mit den Problemen der
Dritten Welt inmitten von einem der reichsten Länder der Welt.
Heute leben etwa 400.000 Aborigines in einer Gesellschaft von rund 20
Millionen Menschen. Nach Angaben des Statistischen Amtes liegt die
Lebenserwartung der Aborigine-Männer bei nur 56 Jahren, 21 Jahre
unter dem Landesdurchschnitt. Die Lebenserwartung der Frauen liegt bei
63 Jahren, 20 Jahre weniger als die der Australierinnen. Von
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung abgesehen, liegt die
Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent. Die hohe Arbeitslosigkeit ist auch
mitverantwortlich dafür, dass ein Fünftel der Häftlinge
Aborigines sind, obwohl sie gerade zwei Prozent der Bevölkerung
ausmachen. Alkoholismus und Drogenkonsum sind die größten
Plagen.
Auch sind Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Aborigines gar
nicht so selten. Nur finden sie meist abseits der Zentren in kleineren
Orten statt, in denen die Medien praktisch nicht präsent sind. So
gab es in der vergangenen Woche in der Stadt Katherine im Norden des
Landes Proteste, nachdem Polizisten mit ihrem Wagen einen in einer
Durchfahrt schlafenden Aborigine überfahren hatten. Die Polizei
sprach von einem Unfall. Auch wenn die Behörden hier und auch jetzt
in Sydney eine Untersuchung der Vorfälle zusagen, es ist nicht zu
erwarten, dass das tief sitzende Misstrauen schnell verschwindet.
Quelle:
ap, 16.02.04
|
Unternehmen verklagt Deutschland wegen NATO-Angriffen in
Serbien
Di.17.02.04 -
Deutschland sieht sich gemeinsam mit mehreren anderen NATO-Staaten
einer neuen Schadensersatzklage wegen Bombenschäden im
Jougoslawien-Krieg ausgesetzt. Das französische
Transportunternehmen Touax SA hat eine Schadensersatzklage über
neun Millionen US-Dollar (sieben Millionen Euro) beim Landgericht Bonn
gegen die Bundesrepublik eingereicht, wie das Unternehmen gegenüber
dem "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe) bestätigte. Auch in Belgien
und Frankreich sind nach Informationen der Zeitung entsprechende
Verfahren anhängig. Hintergrund ist die Bombardierung von drei
Donaubrücken in der Hauptstadt der serbischen Provinz Vojvodina,
Novi Sad, durch NATO-Flugzeuge im April 1999. Die Trümmer der
Brücken blockierten die Donau, die für den Schiffsverkehr
unpassierbar wurde. Später wurden zwei Brücken wieder
aufgebaut und die dritte vorläufig durch eine Pontonbrücke
ersetzt.
(Quelle: afp)
Vier Kosovo-Albaner wegen mutmaßlicher
Kriegsverbrechen festgenommen - Del Ponte beklagt Zurückhaltung
bei Ahndung von Kosovo-Verbrechen
Di.17.02.04 - Im
Kosovo sind ein früherer Rebellenführer und drei
mutmaßliche Kriegsverbrecher festgenommen worden. Selim Krasniqi,
ein ehemaliger Befehlshaber des Kosovo-Schutzkorps' (KPC), wurde am
frühen Montagmorgen von UN-Polizisten und NATO-Friedenssoldaten in
Prizren gefasst, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Bei demselben
Einsatz 80 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Pristina
seien drei weitere frühere KPC-Mitglieder festgenommen worden.
Die vier Männer stünden im Verdacht, während des
Kosovo-Kriegs 1998 bis 1999 Gräueltaten an der kosovo-albanischen
Bevölkerung verübt zu haben, sagte ein UN-Sprecher der
Nachrichtenagentur AP. Ihnen werde unter anderem Mord vorgeworfen. Das
KPC wies die Beschuldigungen in einer Erklärung als ungerecht
zurück. In dem Schutzkorps waren weite Teile der aufgelösten
Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) aufgegangen.
Die Chefanklägerin beim UN-Tribunal in Den Haag, Carla del Ponte,
hat derweil die Zurückhaltung der internationalen Gemeinschaft bei
der Aufarbeitung von Verbrechen albanischstämmiger Kämpfer
während des Kosovo-Krieges kritisiert. Sie habe in diesem
Zusammenhang derzeit zwei Ermittlungen angestrengt, die sich als "sehr,
sehr schwierig" erwiesen, sagte Del Ponte am Montag der
Nachrichtenagentur AFP. Die internationale Gemeinschaft, aber auch
Serbien, seien bei der Herausgabe von Dokumenten und Zeugen
"zurückhaltend." Sie habe das Gefühl, dass ihre
Untersuchungsergebnisse nicht begrüßt würden, sagte Del
Ponte, ohne genauer auf die angesprochenen Staaten und Organisationen
einzugehen.
(Quellen: ap,
afp)
Der humanitäre Krieg und das bislang gescheiterte
Nation-Building: Erinnert sich noch jemand an den Kosovo?
Mit
unseren modernen Kommunikationssystemen Radio, Fernsehen und Internet
neigen wir dazu, viele wichtige Dinge zu vergessen, selbst wenn es um
so Wichtiges wie Krieg und Frieden geht. Bei den Meisten verschwindet
gerade Afghanistan aus dem Blick oder dies wäre geschehen, wenn
nicht gerade bei den letzten Angriffen ein kanadischer, ein britischer
und sieben amerikanische Soldaten getötet worden wären, was
Anlass zur Ankündigung einer Frühjahrsoffensive gegen die
"Taliban-Rebellion" war. Die Taliban? Wurden sie nicht schon lange
besiegt, während ein neues Afghanistan aus der Asche aufersteht?
Dasselbe trifft leider auch in größerer Nähe zu uns zu.
Unsere Blindheit ist umso unverzeihlicher, wenn man bedenkt, dass die
Kriege in Europa, die Zehntausende von Menschenleben gekostet haben,
schnell vergessen worden sind. Es gab eine Zeit, in der fast jeder in
der westlichen West wusste, wo der Kosovo liegt. Und die Journalisten
stürzten übereinander, um über die Ereignisse zu
berichten. Selbst im Internet fügten hippe Intellektuelle wie
Richard Barbrook an das Ende einer jeden Email "Sieg für die UCK!"
an.
Doch diejenigen, die das Programm eines ewigen Krieges für einen
ewigen Frieden verfolgen, sollten sich besser nicht auf die
Vergangenheit beziehen. Der Kosovo wird bis heute als ein Sieg des
humanitären Kriegs gefeiert. Jeder ist glücklich, die Mission
wurde erfolgreich beendet. Man war dort, hat das Seine getan, jetzt ist
es Zeit, zum nächsten Ziel vorzurücken.
Doch der Kosovo ist alles andere als der glückliche und gedeihende
Ort, der er sein soll. Auch der Frieden ist nicht in die Region gebracht
worden. Verbrechen, Terror. Ethnische Säuberung und Schmuggel sind
allgegenwärtig: dieses Mal unter der Schirmherrschaft der UN und
nicht von Belgrad....
Aus: John Horvath - "Der vergessene Krieg", telepolis vom 17.02.04
Mehr
unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16766/1.html
|
Türkei lehnt Merkels-EU-Pläne ab
Erdogan
erteilt 'privilegierter Partnerschaft' mit EU schroffe Absage +++
Vertreter der Türken in Deutschland empört über CDU
Di.17.02.04 - Der
türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat dem
Konzept der Union für eine privilegierte Partnerschaft seines
Landes mit der EU als Alternative zu einer regulären Mitgliedschaft
eine schroffe Absage erteilt. Nach einer gut einstündigen
Unterredung mit CDU-Chefin Angela Merkel sagte Erdogan am Montag in
Ankara, ein solcher Vorschlag habe mit den Kopenhagener
Beitrittskriterien nichts zu tun. Er sei bislang nicht in der
Diskussion gewesen, «und deshalb werden wir ihn auch nicht
diskutieren».
«Die Türkei sollte nicht für einen politischen
Machtkampf missbraucht werden», sagte Erdogan. Die Türkei
werde mit aller Kraft daran arbeiten, die Beitrittskriterien in diesem
Jahr zu erfüllen. Sie werde keine neuen Lasten in die EU bringen,
sondern der EU helfen, Lasten zu tragen. Im übrigen solle Merkel
darüber nachdenken, dass ein EU-Beitritt der Türkei beweisen
würde, dass die Union kein «Christenclub» sei, sondern
eine Vereinigung von Staaten mit gleichen politischen Werten.
Merkel versicherte, dass auch die CDU die EU nicht als
«Christenclub» sehe. Sie erklärte den Vorschlag der
privilegierten Partnerschaft damit, dass CDU und CSU der Türkei die
Tür zu Europa nicht zuschlagen wollten. Es gehe auch nicht um die
Erfüllung der Kopenhagener Kriterien, bei der die Türkei
«dramatische Fortschritte» gemacht habe. Es sei der Zustand
der EU, der die CDU/CSU die Perspektive des Beitritts kritisch sehen
lasse.
Ungeachtet der inhaltlichen Differenzen waren Merkel und ihr für
Außenpolitik zuständiger Fraktionsvize Wolfgang Schäuble
in Ankara fast wie Staatsgäste empfangen worden. Sie trafen nicht
nur zwei Mal mit Erdogan zusammen, sondern auch mit Außenminister
Abdullah Gül, Innenminister Abdülkadir Aksu,
Parlamentspräsident Bülent Arinc und der kompletten
Führung von Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung
(AKP).
Merkels Besuch erfolgte eine Woche vor der Türkei-Reise von
Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im Gegensatz zur Union ist
Schröder dafür, dass die Staats- und Regierungschefs der EU im
Dezember den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Ankara
beschließen.
Angestoßen durch Merkels Besuch in der Türkei und neue
CSU-Ankündigungen, die Europawahl zu einer Volksabstimmung
über den EU-Beitritt zu machen, ist auch die innenpolitische
Debatte über dieses Thema neu entbrannt.
Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth, warf
Merkel vor, die Türkei mit dem Vorschlag der privilegierten
Partnerschaft «in die Zweitklassigkeit zu deklassieren».
Aber auch FDP-Chef Guido Westerwelle sprach sich gegen eine baldige
Mitgliedschaft des Landes aus.
Die Bundesregierung wies darauf hin, dass über die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen auf der Basis eines Berichts der EU-Kommission
Ende des Jahres entschieden werde. Regierungssprecher Béla Anda
betonte, die rot-grüne Koalition unterstütze die Reformen in
der Türkei, die zur Erfüllung der so genannten Kopenhagener
EU-Kriterien von 1993 führen sollen.
Der türkische Botschafter in Deutschland, Mehmet Ali Irtemcelik,
rief Politiker und Medien dazu auf, «vorurteilsfrei und ohne
unfreundliche Absichten» die 40-jährigen Beziehungen zwischen
der Türkei und der EU zu würdigen. Irtemcelik warnte vor
allem davor, im Europawahlkampf «die Türkei und die
Türken als Thema für Polemik und Propaganda» zu benutzen.
Der Bundesvorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland,
Hakki Keskin, hat den Vorschlag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel
über eine privilegierte EU-Partnerschaft mit der Türkei scharf
kritisiert.
"Dieses Angebot ist eine große Unverschämtheit", sagte
Keskin der "Neuen Presse" (Dienstagausgabe) aus Hannover. "Die
Türkei ist seit fast 40 Jahren der EU assoziiert. Warum soll die
Türkei etwas anderes akzeptieren als alle anderen EU-Mitglieder?
Diese Diskriminierung finde ich unerhört."
(Quellen: rtr,
ap)
Bundesregierung bekräftigt Türkei-Politik
Erfüllung
der Kopenhagener EU-Kriterien von 1993 sei die Voraussetzung für
die Vollmitgliedschaft in der EU<
Di.17.02.04 - Die
Bundesregierung hat ihre Linie im Streit um eine EU-Mitgliedschaft der
Türkei bekräftigt. Regierungssprecher Béla Anda sagte
am Montag in Berlin, für die Regierung gelte weiterhin, dass
über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen auf der Grundlage
eines Berichts der EU-Kommission Ende des Jahres entschieden werde.
Bundeskanzler Gerhard Schröder reist am kommenden Sonntag in die
Türkei. Die Bundesregierung unterstützt nach Angaben Andas die
Reformen in der Türkei, die zur Erfüllung der so genannten
Kopenhagener EU-Kriterien von 1993 führen sollen. Die
Erfüllung sei die Voraussetzung für die Vollmitgliedschaft in
der EU.
Erfüllt werden müssen danach die europäischen
Anforderungen zu Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Wahrung der
Menschenrechte und Schutz von Minderheiten. Außerdem wird eine
funktionsfähige Marktwirtschaft sowie die Fähigkeit verlangt,
dem Wettbewerbsdruck auf dem EU-Binnenmarkt standzuhalten. Darüber
hinaus muss das EU-Regelwerk zu Recht, Verwaltung und weiteren Bereichen
übernommen werden.
2002 hatten nach Angaben Andas alle EU-Staaten die Reformfortschritte
der Türkei begrüßt. Gleichzeitig sei das Land
aufgefordert worden, alle noch bestehenden Mängel zügig zu
beheben. Im November 2003 habe die EU-Kommission einen
Fortschrittsbericht zur Türkei veröffentlicht, in dem das Land
ebenfalls aufgefordert werde, Defizite in der Angleichung an
EU-Standards abzubauen. Die abschließende Entscheidung der EU
über Aufnahmeverhandlungen sei Ende des Jahres zu erwarten. Dies
sei die Haltung der Bundesregierung, die gegolten habe und weiterhin
gelte, sagte Anda.
(Quelle: ap)
Deutsche Lebenshaltung im Januar wegen Gesundheitsreform
teurer
Di.17.02.04 - Die
Kosten der privaten Haushalte für die Lebenshaltung sind im Januar
vor allem wegen der Gesundheitsreform gestiegen.
Die Verbraucherpreise seien im Schnitt um 0,1 Prozent höher
gewesen als im Dezember, erklärte das Statistische Bundesamt nach
endgültigen Berechnungen am Dienstag. Die Jahresteuerungsrate sei
auf 1,2 Prozent gestiegen. Damit bestätigte das Amt seine
vorläufigen Schätzungen. Ohne Berücksichtigung des
Bereichs Gesundheitspflege wären die Verbraucherpreise zum Januar
2003 nur um 0,6 Prozent gestiegen.
Im Dezember hatte sich die Lebenshaltung zum Vormonat wie vor
Weihnachten üblich mit einem Preisanstieg um 0,8 Prozent
kräftig verteuert. Die Jahresteuerungsrate hatte bei 1,1 Prozent
gelegen.
Preisdämpfend wirkten im Januar billigeres Öl und
günstigere Ferienangebote. Ohne Heizöl und Kraftstoffe
hätte das Preisniveau den Angaben zufolge 1,4 Prozent über dem
vom Januar 2003 gelegen und wäre zum Dezember unverändert
geblieben. Pauschalreisen waren gut vier Prozent billiger als vor einem
Jahr und 26 Prozent günstiger als einen Monat zuvor.
Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
maßgeblichen Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag 0,1
Prozent über dem Vormonat und 1,3 Prozent über dem Vorjahr.
(Quelle: rtr)
Tarifverhandlungen für Tageszeitungen abgebrochen
Di.17.02.04 - Der
Tarifkonflikt für die Redakteure der deutschen Tageszeitungen
schwelt weiter. Arbeitgeber und Gewerkschaften vertagten sich am
Montagabend nach der siebten Verhandlungsrunde erneut ohne Ergebnis.
"Von Einigung keine Spur", sagte der Verhandlungsführer des
Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), Hubert Engeroff, nach den
Verhandlungen mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).
Die Arbeitgeber hätten zwar ein neues Angebot für die rund
14.000 Tageszeitungsredakteure vorgelegt. Dies lehne die
DJV-Tarifkommission aber ab. "Die Verleger haben sich nicht spürbar
bewegt." Beim BDZV hieß es, die Vorstellungen der Gewerkschaften
seien noch "zu weit weg von der wirtschaftlichen Realität in den
Verlagen". "Die Unternehmen brauchen dauerhaft spürbare
Kostenentlastungen", erklärte BDZV-Verhandlungsführer Werner
Hundhausen.
Als neuer Verhandlungstermin wurde nach Angaben des DJV der 24. Februar
vereinbart. Auch ein früherer Termin sei denkbar.
Der BDZV hat dem DJV zufolge unter anderem 30 Tage Urlaub für
Redakteure unter 40 Jahren, 32 Tage für Redakteure über 40
Jahren, eine unbefristete Absenkung des Urlaubsgeldes auf 80 Prozent und
1,1 Prozent mehr Gehalt ab dem 1. Juli 2004 geboten. Engeroff wies dies
zurück. "Das ist ein Tarifdiktat", erklärte er. Die
Gewerkschaften würden unter anderem eine Absenkung des
Urlaubsgeldes auf 85 Prozent mit Option zur Rückkehr zu den
bisherigen Sätzen, ein Prozent mehr Gehalt ab dem 1. Juni 2004 und
weitere 1,5 Prozent ab dem 1. Februar 2005 sowie eine verbindliche
Teilnahme an betrieblichen Öffnungsklauseln mit dem Ziel der
Beschäftigungssicherung fordern.
Seit Ende Januar haben mehrere tausend Beschäftigte der Branche
bundesweit zeitweise ihre Arbeit niedergelegt. Die Redakteure hatten in
einer bundesweiten Urabstimmung die Weichen für die ersten Streiks
in ihrem Bereich seit 15 Jahren gestellt, nachdem die Gewerkschaften die
Verhandlungen Mitte Januar abgebrochen hatten.
(Quelle: rtr)
Über 1.000 Werftarbeiter in Rostock und Wismar im
Warnstreik
Di.17.02.04 -
Mehr als 1.000 Beschäftigte der Aker-Werften in Rostock und Wismar
haben am Montag laut IG Metall für eine Übertragung des
Pilotabschlusses aus Baden-Württemberg auf die Metall- und
Elektroindustrie Mecklenburg-Vorpommerns demonstriert. Einen Tag vor den
nächsten Verhandlungen wandten sich die Metaller gegen ablehnende
Äußerungen der Werftleitung. «Dies ist ein erstes
Signal an die Arbeitgeber, Mecklenburg-Vorpommern nicht abzukoppeln.
Sollten sie es trotzdem versuchen, wird es kein Ergebnis für den
Norden geben», sagte der IG-Metall-Bezirksleiter Küste,
Frank Teichmüller, am Montag in Hamburg.
Jeder Arbeitgeber solle sich überlegen, ob er seine
Beschäftigten weiter provozieren wolle. Die Beschäftigten
brächten jeden Tag ihre Leistung, ihnen würde die
Entgelterhöhung zustehen, im Osten wie im Westen. Die IG Metall
werde ein Abkoppeln des Ostens nicht akzeptieren, sondern im gesamten
Norden zu weiteren Warnstreiks aufrufen.
(Quelle: ap)
Link zum Stand
der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal
der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die
Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Sanofi umwirbt Aventis-Aktionäre mit Versprechen
glänzender Zukunft
Di.17.02.04 - Im
Milliardenpoker um Aventis verzichtet Sanofi zunächst auf ein
höheres Übernahmeangebot und will die Aktionäre mit
besseren Zukunftsperspektiven überzeugen. Der französische
Pharmakonzern habe so viele neue Medikamente in einer fortgeschrittenen
Entwicklungsphase, dass man gar nicht genug Geld für die
Markteinführung habe, sagte Forschungsvorstand Gérard Le Fur
am Montag in Paris. «Das ist einer der Hauptgründe, warum
wir das Angebot gemacht haben.»
Sanofi-Synthélabo steigerte den Nettogewinn 2003 um 18 Prozent
auf 2,1 Milliarden Euro, das waren nur 370 Millionen Euro weniger als
der nach dem Umsatz doppelt so große Konkurrent. Der Umsatz
kletterte um 8,1 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro und das
Betriebsergebnis um 18 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Die Dividende
legte um 21,5 Prozent zu. Auch im laufenden Jahr soll das zweistellige
Wachstum weitergehen.
Konzernchef Jean-Francois Dehecq bemühte sich erneut,
Befürchtungen über einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland im
Falle einer Übernahme zu zerstreuen. Man werde die
unterschiedlichen Kulturen respektieren. Er begrüße die
Aussicht auf einen starken deutschen Standort für Forschung und
Entwicklung.
Le Fur sagte, allein das Mittel Rimonabant gegen Übergewicht und
Nikotinsucht habe «Multimilliarden-Dollar-Potenzial». Sanofi
habe insgesamt 56 neue Substanzen in der Forschungspipeline. Zwei neue
Blockbuster könnten in schon zwei Jahren den Umsatz weiter
ankurbeln. Diese «sehr produktive» Entwicklungsarbeit sei
der Garant eines nachhaltigen Wachstums, erklärte Dehecq.
Nach Vorlage der 48-Milliarden-Euro-Offerte für den
deutsch-französischen Konzern vor drei Wochen ist der Aktienkurs
von Sanofi eingeknickt, Aventis legte dagegen kräftig zu. Am
Freitag war das feindliche Übernahmeangebot deshalb nur noch 46,2
Milliarden Euro wert. Dehecq sagte, diese Entwicklung sei angesichts der
Spekulationen über einen Weißen Ritter normal.
Doch nachdem jetzt die Bilanzen und die Aussichten auf neue Medikamente
für beide Unternehmen vorlägen, «wird der Finanzmarkt
entscheiden». Das Angebot sei «ausgewogen und fair».
Zahlreiche Analysten erwarten aber weiter, dass Sanofi vor allem beim
Baranteil seiner Offerte noch draufsatteln wird. Edmund Shing von Kepler
sagte der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones: «Was der Markt
wirklich will, ist ein verbessertes Angebot.»
Die Offerte gilt offiziell ab dem (heutigen) Dienstag. Die Sanofi-Aktie
verlor bis zum Nachmittag in Paris etwa 0,60 Prozent auf 55 Euro, das
Aventis-Papier stieg um 0,50 Prozent auf 61,70 Euro.
Finanzvorstand Marie-Hélène Laimay sagte, der Einspruch
von Aventis vor einem Berufungsgericht gegen die formale Zulassung des
Angebots ändere nichts an den Plänen, das Straßburger
Unternehmen bis Mitte des Jahres zu übernehmen.
(Quelle: ap)
So reissen Sie sich einen Pharmakonzern unter den Nagel
Ab heute
läuft die Frist. Innerhalb der nächsten 25 Tage entscheiden
die Aktionäre des Pharmakonzerns Aventis, ob das Unternehmen an
den französischen Multi Sanofi-Synthélabo verkauft wird.
46,2 Milliarden Euro sind geboten. Sie wollen mitspielen?
Die "tageszeitung" vom 17.02.04 gibt eine Anleitung:
http://www.taz.de/pt/2004/02/17/a0194.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/02/17/a0193.nf/text
Blick ins Archiv:
Aventis
klagt gegen Zulassung von Sanofi-Offerte
Sa.14.02.04 - Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis setzt
sich mit juristischen Schritten gegen das feindliche
Übernahmeangebot des kleineren Rivalen Sanofi-Synthelabo zur
Wehr... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021425
Sanofi-Großaktionäre
angeblich für Aventis-Übernahmeangebot
Mo.09.02.04 - Die beiden Großaktionäre des
französischen Pharmakonzerns Sanofi-Sythelabo, Total und L'Oreal,
haben einem Zeitungsbericht zufolge die Unterstützung des
Übernahmeangebots für den Rivalen Aventis vereinbart. Damit
werde zugleich verhindert, dass Sanofi selbst von einem anderen
Wettbewerber übernommen werde, berichtete die "Financial Times" am
Sonntag auf ihrer Website. In der vergangenen Woche hatte es dem
Blatt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#04020921
Aventis
verkauft Anteile - rüstet sich gegen Übernahme
Fr.06.02.04 - Aventis stellt ein durchschnittliches Umsatzwachstum von
zehn bis elf Prozent in Aussicht. Die Aventis-Aktie stieg am Donnerstag
bis 15.20 Uhr um 0,97 Prozent auf 62,75 Euro +++
Großaktionär möglicherweise vor Ausstieg bei
Aventis... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020620
Weitere
Berichte zur Aventis/Sanofi-Übernahmeschlacht unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#040206ga
|
Therapeutisches Klonen: Kontroverse Diskussion unter
Theologieprofessoren
Di.17.02.04 - Das
"therapeutische Klonen" menschlicher Zellen zur Entwicklung von neuen
Heilmethoden wird von führenden deutschen Theologieprofessoren
unterschiedlich bewertet. Der Heidelberger Alttestamentler Manfred
Oeming verteidigte in einem Beitrag für die Berliner "Welt am
Sonntag" das therapeutische Klonen gegen die Kritik der beiden
großen Kirchen. "Die intensive Erforschung der Möglichkeiten
gentechnischer Therapien ist ein religiöses Gebot", schreibt der
Ordinarius für alttestamentliche Theologie. Der Verzicht auf
Forschung könne "zu einer unterlassenen Hilfeleistung gigantischen
Ausmaßes werden".
Der Tübinger Bioethiker Dietmar Mieth warnte dagegen am Sonntag im
ZDF vor falschen Hoffnungen auf neue Heilungschancen durch die Forschung
mit embryonalen menschlichen Stammzellen. "Es wird immer von Heilen
gesprochen, aber es handelt sich in Wirklichkeit um Forschungsklonen,
also um Grundlagenforschung", sagte der katholische Moraltheologe.
Dabei würden oft therapeutische Aussichten dargestellt, "die nicht
einmal im Tierversuch eine reale Basis haben". Südkoreanische
Wissenschaftler hatten am Donnerstag bekannt gegeben, erstmals
menschliche Embryonen geklont und daraus Stammzellen gewonnen zu haben.
"In der jüdisch-christlichen Ethik ist ein Prinzip schlechthin
fundamental: Der Wert des Lebens", betonte Oeming, der Prorektor der
Hochschule für jüdische Studien ist. Bei allen ethischen
Entscheidungen müssten die möglichen Folgen gegeneinander
abgewogen werden. "Wenn der zu erwartende Nutzen die zu
befürchtenden Schäden bei weitem überwiegt, ist eine
Handlung ethisch erlaubt", schreibt Oeming.
"Die realen Gefahren von Missbrauch und Fehlbildungen, die nicht
verniedlicht werden dürfen, sind kein ausreichender Grund, einen
weltweiten Bann über das Klonen anzustreben und die ungeheuren
Heilungschancen durch religiöse Tabus zu verspielen",
resümiert der Alttestamentler. Die Züchtung von
"Ersatzteillagern, die als Organspender ausgeschlachtet werden
können" sowie das reproduktive Klonen zur Herstellung identischer
Menschen lehnt Oeming dagegen ab.
Mieth, der unter anderem Mitglied in der Enquete-Kommission des
Bundestages zur Bioethik und des Ethikbeirates im Gesundheitsministerium
ist, forderte die Vereinten Nationen dagegen auf, "ein Totalverbot
jedes Humanklonens durchzusetzen". So könne nicht einmal
festgestellt werden, wie gesund die gentechnisch erzeugten Embryonen
seien.
Südkoreanische Wissenschaftler hatten am Donnerstag bekannt
gegeben, erstmals menschliche Embryonen geklont und daraus Stammzellen
gewonnen zu haben. Das Klonexperiment war in Deutschland
überwiegend auf Ablehnung gestoßen. Politiker und die beiden
großen Kirchen hatten ein weltweites umfassendes Klonverbot
gefordert.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv:
Kirchen warnen
eindringlich vor weiteren Klon-Experimenten
Sa.14.02.04 - Die beiden großen Kirchen haben nachdrücklich
vor weiteren Klon-Experimenten an Menschen gewarnt. "Fortschritt zeigt
sich nicht darin, dass der Mensch alles macht, was er machen kann",
erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, am Freitag in Hannover. Das Klonen
von Menschen könne nicht verantwortet werden.
Der Berliner Bischof reagierte damit auf die am Donnerstag bekannt
gewordene Nachricht, dass es südkoreanischen Wissenschaftlern
gelungen sei, menschliche Embryonen zu klonen. Auch die katholische
Deutsche Bischofskonferenz kritisierte das so genannte "therapeutische
Klonen", mit dem schwere Krankheiten wie Diabetes und Parkinson geheilt
werden sollen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021417
Forscher
klonen erstmals menschliches Embryo
Fr.13.02.04 - Südkoreanische Wissenschaftler haben erstmals einen
menschlichen Embryo geklont und ihm Stammzellen entnommen. Ziel ihrer
Forschung sei es, die geklonten Embryonen für therapeutische
Zwecke zu nutzen, und nicht, sie zu Babys heranwachsen zu lassen,
bekräftigten die Forscher von der Nationaluniversität der
südkoreanischen Hauptstadt Seoul bei einer Pressekonferenz in
Seattle...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402130.htm#04021320
Geklonte
Zellen: Heilsversprechen sind keine ethische Grundlage
Mehr in einem taz-Kommentar (14.02.04) zum koreanischen Klonexperiment:
http://www.taz.de/pt/2004/02/14/a0159.nf/text
Mehr Berichte zum
Thema "Klonen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402130.htm#040213kz
Widerstand gegen SMS-Fahndung
Di.17.02.04 - Das
SMS-Fahndungsprojekt des Bundeskriminalamtes (BKA) stößt auf
Widerstand. Baden-Württemberg und Bayern wollen sich laut
Medienberichten nicht an dem Projekt beteiligen, auch die Kölner
Polizei zeigte sich ablehnend. Bei der Fahndung nach Verbrechern und der
Suche nach Vermissten setzt die Polizei seit Montag auf SMS.
Bürger können dann über «Short Message
Service» Fahndungsmeldungen der Polizei auf ihrem Handy empfangen,
wenn sie sich zuvor dafür registrieren lassen.
«Wir sehen nicht die zwingende kriminaltaktische Notwendigkeit,
die SMS-Fahndung bei uns einzuführen», sagte der Sprecher des
baden-württembergischen Landeskriminalamtes, Horst Haug, der
«Stuttgarter Zeitung» (Dienstagausgabe). Das LKA habe mit
Verweis auf die Kosten von sieben Cent pro SMS durchgesetzt, dass die
Fahndung nicht wie geplant auf alle Bürger, sondern nur auf
Berufsgruppen begrenzt worden sei, die sich in der Öffentlichkeit
bewegten.
Ähnlich äußerte sich der Kölner Polizeisprecher
Wolfgang Beus. «Wir wollen den Personenkreis kennen, den wir mit
in die Suche nach einem Räuber einbeziehen», sagte er der
«Kölnischen/Bonner Rundschau».
(Quelle: ap)
Belgische Viren-Programmiererin 'Gigabyte' festgenommen
Di.17.02.04 - Die
belgische Polizei hat eine 19-jährige Viren-Programmiererin
vorübergehend festgenommen, die international unter dem Namen
«Gigabyte» bekannt wurde. Ihr wird Computer-Sabotage
vorgeworfen, was in Belgien mit bis zu drei Jahren Gefängnis und
einer Geldstrafe bis 100.000 Euro geahndet werden kann.
«Gigabyte» wurde nach 24 Stunden wieder freigelassen. Ihre
fünf Computer wurden beschlagnahmt, ihre Web-Site geschlossen.
«Gigabyte» sei gerade dabei gewesen, wieder einen neuen
Virus auf ihrer Web-Site zu veröffentlichen, erklärte
Inspektor Olivier Bogaert in der Zeitung «La Libre
Belgique». Sie sei eine äußerst talentierte Studentin.
Es sei nur schade, dass sie ihr Talent nicht auf positivere Weise
benutze.
«Gigabyte» verteidigte sich 2002 damit, dass sie die Viren
auf ihrer Web-Site nur vorgestellt, aber nie selbst in Umlauf gebracht
habe. «Wenn Leute Waffen herstellen, kann man ihnen dann etwas
vorwerfen, wenn andere umgebracht werden?» erklärte sie.
«Ich schreibe sie nur. Ich bringe sie nicht in Umlauf.» Laut
TechTV fing sie bereits mit sechs Jahren an, Software zu programmieren.
Den ersten Wurm schrieb sie mit 14 Jahren. Bevor sie 18 wurde, war sie
die zweite Person überhaupt, die einen Virus in der
Programmiersprache C# schrieb.
(Quelle: ap)
mehr Kurznachrichten...
|