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+++ Mi.18.02.04, 13:45
Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am dreihundertsechsunddreißigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Annan kündigt
Vorschläge für Machtübergabe in Irak an +++ Ablehnung
des US-Zeitplans im irakischen Regierungsrat wächst -
Nationalversammlung zur Regierungsbildung in Irak vorgeschlagen -
Kurdenführer Talabani für geeintes Irak +++ Ein US-Soldat im
Irak getötet - US-Granate tötet drei irakische Zivilisten,
unter ihnen ein zehnjähriges Mädchen +++ Eine Million Dollar
Kopfgeld auf Mitglied von irakischer Ex-Führung
Mi.18.02.04 - Die USA
wollen sich Vorschlägen der Vereinten Nationen für eine
Machtübergabe an das irakische Volk nicht verschließen, wie
US-Außenminister Powell am Dienstagabend in Washington
erklärte. UN-Generalsekretär hatte zuvor angekündigt, bis
zum Freitag seine Einschätzung der Lage in Irak zu
präsentieren. Es wird erwartet, dass Annan Wahlen wegen der
angespannten Sicherheitslage derzeit nicht für möglich
hält und Alternativen vorschlagen wird.
"Ich hoffe, wir werden einen Weg aus der Sackgasse finden und die
Angelegenheit in die richtige Richtung lenken", sagte der
UN-Generalsekretär in New York. Powell erwiderte in Washington:
"Wir sind diesbezüglich offen." Möglicherweise bleibe das
ursprünglich geplante Verfahren, ausgewählte
Repräsentanten eine Übergangsregierung ernennen zu lassen, das
beste. Möglicherweise gebe es auch eine andere Prozedur, die dem
Wunsch des irakischen Volkes entspreche.
Am (heutigen) Mittwoch wird Annans Sondergesandter für Irak,
Lakhdar Brahimi, aus Bagdad nach New York zurückkehren. Brahimi
sagte am Freitag, die US-Pläne zur Auswahl einer souveränen
irakischen Übergangsregierung müssten überarbeitet werden.
Im irakischen Regierungsrat wächst inzwischen die Ablehnung des
amerikanischen Fahrplans zur Machtübergabe in Irak. Die
ursprüngliche Idee, vor dem Wahltermin am 30. Juni eine
Übergangsregierung durch Wahlversammlungen bestimmen zu lassen, sei
"ziemlich tot", sagte Ratsmitglied Ghasi Jawar der Zeitung "Washington
Post" vom Dienstag.
Stattdessen wird der Ruf nach einer breit angelegten
Nationalversammlung zur Regierungsbildung laut. Aus einer solchen
Konferenz mit Vertretern der politischen und religiösen Gruppen
Iraks könne eine neue Führung hervorgehen, die die weitgehende
Unterstützung des Volkes hätte, sagte Verwaltungsratsmitglied
Mahmud Othman. Für die von den USA geplante Einsetzung einer
Regierung über Regionalversammlungen sieht er nur wenig
Rückhalt in der Bevölkerung.
"Dieses System ist uns fremd", bekräftigte auch
Verwaltungsratsmitglied Nasir Kamel el Tschadertschi. Es habe im
Verwaltungsrat noch keine formelle Diskussion über den Stufenplan
der USA gegeben, räumte er ein. Es zeichne sich aber eine
ablehnende Haltung dazu ab. Der Plan sieht 18 Regionalversammlungen vor,
die zunächst ein Übergangsparlament wählen sollen. Diese
Abgeordneten sollen dann eine Regierung ernennen, die zum Juli die
Macht in Irak übernehmen soll.
Der irakische Kurdenführer Dschalal Talabani sprach sich
unterdessen für ein föderatives Irak unter Einschluss der
kurdischen Gebiete im Norden aus. Der Online-Dienst des "Spiegel"
veröffentlichte am Dienstag ein Interview, in dem der Chef der
Patriotischen Union Kurdistans (PUK) die Befürchtung
zurückwies, die Kurden könnten einen eigenen Staat ausrufen.
Zudem erklärte Talabani, er habe sich mit dem schiitischen
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani auf die Forderung nach
demokratischen Wahlen noch in diesem Jahr geeinigt. "Wir sind beide
dafür, in sieben oder acht Monaten die erste demokratische
Regierung dieses Landes zu wählen", sagte Talabani im Interview mit
"Spiegel Online". Bislang hatten die sunnitischen Kurden den Plan der
US-Regierung unterstützt, allgemeine Wahlen erst im kommenden Jahr
abzuhalten.
Talabani ist ebenfalls Mitglied des von den USA eingesetzten
Verwaltungsrats, der den US-Zeitplan im Dezember unterzeichnet hatte. Am
Freitag hatte das Gremium aber Zweifel an dem Plan geäußert.
Nach einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi hatten
sich mehrere Verwaltungsratsmitglieder für einen Kompromiss
ausgesprochen, wonach am 30. Juni ein erweiterter Verwaltungsrat die
Macht übernehmen und noch in diesem Jahr Wahlen organisieren soll.
Ob Talabani und Sistani sich auf dieser Grundlage einigten, wurde aus
dem Interview nicht deutlich. Talabani erklärte darin lediglich,
man müsse zunächst Brahimis Bericht abwarten. Er betonte
ferner, Großayatollah Sistani sei "moderat, er will kein
islamisches Regime, er will keine Geistlichen auf Ministerposten."
Bezüglich des Streits um die nordirakische Stadt Kirkuk hielt der
PUK-Führer an der Forderung fest, dass "die Araber, die unter
Saddam dort angesiedelt wurden" die Stadt wieder verlassen müssten.
Dennoch werde es "ein vereintes Irak, eine Föderation, in der
verschiedene Völker leben" geben.
Die US-geführten Besatzungsmächte haben unterdessen eine
Million Dollar (knapp 780.000 Euro) Kopfgeld auf ein Mitglied der
früheren irakischen Führung ausgesetzt. Die Summe werde jedem
ausgezahlt, der bei der Ergreifung von Mohammed Junes helfe, der auf der
"schwarzen Liste" der USA der 200 meistgesuchten ehemaligen
Führungsmitglieder steht, sagte US-General Mark Kimmitt am Dienstag
in Bagdad. Die Koalition nehme an, dass Junes alias Mohammed el Ahmed
oder Karem el Sabawi in bestimmten Landesteilen "Zellen" des
Widerstands leite.
Die US-Streitkräfte in Irak meldeten am Dienstag den Tod eines
weiteren Soldaten bei einer Bombenexplosion. Der Sprengsatz sei am
Montagabend am Rand einer Straße nahe der Stadt Tall Afar
detoniert.
Eine von den US-Truppen in Tikrit abgefeuerte Mörsergranate hat
drei irakische Zivilisten getötet, unter ihnen ein
zehnjähriges Mädchen. Die Granate sei im Hof eines Hauses in
der Nähe des Militärstützpunktes von Tikrit
eingeschlagen, sagte ein US-Soldat der Nachrichtenagentur AFP. Warum sie
ihre Flugbahn verlassen habe, sei noch nicht geklärt.
Die US-Truppen in Tikrit sind im Palast des ehemaligen Staatschefs
Saddam Hussein stationiert. Sie feuern mehrmals am Tag
Mörsergranaten ab, nach den Worten des örtlichen Kommandos zur
Abschreckung, damit sie nicht aus den Sümpfen jenseits des Flusses
Tigris beschossen werden.
Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu
forderte die USA und Großbritannien auf, zuzugeben, dass die
Invasion in Irak ein Fehler gewesen sei. Der "unmoralische" Konflikt
habe die Welt unsicherer gemacht, erklärte der frühere
Erzbischof von Kapstadt in einer Rede in London. "Wie wundervoll
wäre es, wenn Politiker sich dazu durchringen könnten
zuzugeben, dass sie fehlbare Menschen sind und nicht Gott."
(Quelle: afp, ap)
Tod am Fluss - Die Geschichte von einer
US-Patrouilleneinheit und zwei Irakern
"Nach
Tagen der Suche fanden wir die Jacke meines Sohnes, die im Fluss trieb;
ich werde sie behalten als Erinnerung und als Symbol für die
Ungerechtigkeit, die ihm von Soldaten der Vereinigten Staaten
zugefügt worden ist..." Könnte gut sein, dass in den
nächsten Tagen mehrere Journalisten den bitteren Brief in der Hand
halten, den Zeiduns Mutter an Bush, Blair, Bremer, Annan und andere
Oberhäupter verfasst hat. Die Leidensgeschichte von Zeidun und
seinem Cousin Marwan, die bislang nur in einer
verhältnismäßig kleinen Öffentlichkeit kursierte,
dürfte durch ihre kürzliche Veröffentlichung in der
englischen Zeitung "Independent" größere Wellen schlagen und
vielleicht endlich dazu führen, wofür die Familie und ein
Blogger seit Wochen kämpfen: eine genaue Untersuchung des
Vorfalls...
Am 3. Januar waren Zeidun und sein Cousin Marwan mit einem gemieteten
Laster von Bagdad, den sie dort mit Handelsgüter beladen hatten, zu
ihrer Heimatstadt Samarra unterwegs. Auf dem Weg hatte der Laster eine
Panne. Die Reparatur benötigte einige Stunden, weswegen die beiden
erst zu später Stunde in die Randbezirke Samarras gelangten. Zu
spät, denn die Sperrstunde hatte schon angefangen. Eine
amerikanische Patrouille hielt sie auf, untersuchte Personen und Ladung
und ließ sie weiterfahren; aber nur wenige Meter. Dann mussten
die beiden erneut aussteigen und zu den Soldaten ins Auto.
Die Soldaten fuhren sie zu einem Damm am Tigris, wo ein Kanal mit
Schleusen den Zufluss des Flusses in den Tharthar-See regelt. Dort
wurden die beiden jungen Irakis, nach Aussagen des Überlebenden
Marwan, unter vorgehaltenen Waffen dazu gezwungen, ins Wasser zu
springen. Obwohl die Iraker betonten, dass sie nicht schwimmen konnten,
kannten die - angeblich angetrunkenen Soldaten (so der Bericht eines
irakischen Journalisten, der den Überlebenden interviewte) - keine
Gnade...
Wahrscheinlich, so die Vermutung des ehemaligen Time-Reporters Wendell
Steavenson, hatten die Soldaten keine Lust, die beiden Iraker zur
nächsten Armee-Basis in Silo zu bringen, um sie dort
vorschriftsgemäß über Nacht in Verwahrungshaft zu
nehmen. Sie wollten keine Mühe und keinen Ärger, sie waren die
letzte Patrouille. Sie stießen die Cousins in den Fluss, ohne
mörderische Absicht, dachten, die sollten sich zu Fuß
durchschlagen und überfuhren später den Lastwagen der beiden
mit einem Panzer.
Dieser Teil der Geschichte wurde von einem anderen Colonel, dessen
Soldaten in der Nähe des Dammes stationiert sind und in der
fraglichen Nacht die Schreie der Iraker hörten und
schließlich dem völlig unterkühlten Marwan zur Hilfe
kamen, indirekt bestätigt.
Zeiduns Leiche wurde 12 Tage später, ein paar Hundert Meter
flussabwärts vom Damm entfernt, gefunden...
Quelle: Thomas Pany - "Tod am Fluss", telepolis vom 18.04.02
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16769/1.html
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Kerry gewinnt Vorwahlen in Wisconsin nur knapp
Mi.18.02.04 - Bei den
Vorwahlen der Demokraten im US-Staat Wisconsin hat sich der
favorisierte Senator John Kerry nur knapp gegen seinen innerparteilichen
Rivalen John Edwards durchsetzen können. Der frühere
Gouverneur von Vermont, Howard Dean, lag abgeschlagen auf Platz drei.
Kerry erklärte sich zum Gewinner. Knapper Ausgang oder nicht:
«Ein Sieg ist ein Sieg», sagte der Senator aus
Massachusetts. Das überraschend starke Abschneiden Edwards
zerstörte aber die Hoffnungen innerhalb der Demokratischen Partei
auf eine schnelle Beendigung der innerparteilichen Rivalitäten.
Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam Kerry auf 40
Prozent, Edwards auf 34 Prozent und Dean auf 18 Prozent. Damit hat Kerry
nun 15 von 17 Staaten gewonnen.
Nach der Wahl in Wisconsin richten die Kandidaten ihren Blick nun auf
den «Superdienstag» am 2. März, wenn Vorwahlen in zehn
US-Staaten stattfinden. Senator Edwards kündigte an: «Wir
gehen mit Vollgas in die nächste Gruppe von Staaten.»
Edwards hat bei der offenen Wahl in Wisconsin offenbar besonders stark
bei republikanischen und unabhängigen Wählern abgeschnitten.
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP erklärte der
Senator aus North Carolina, dies seien genau die Wählergruppen, die
es zu gewinnen gelte, um bei der Präsidentschaftswahl im November
zu siegen. «Genau aus diesem Grund bin ich der beste Kandidat, um
es mit George Bush aufzunehmen», sagte Edwards.
Dean ignorierte Bitten, seine Kandidatur zu beenden. «Wir sind
noch nicht fertig», sagte er, obwohl sogar seine Berater
inzwischen einräumen, dass Deans Kampagne praktisch gescheitert ist.
Entsprechend der Ergebnisse bei den Parteiversammlungen und Vorwahlen
verteilen sich die Delegierten, die auf dem Wahlparteitag im Juli in
Boston dann den Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen
Partei küren. Der Bewerber, der Herausforderer von Präsident
Bush werden will, benötigt für die Nominierung mindestens
2.161 Delegiertenstimmen. Kerry verfügt nach AP-Berechnungen nach
dem Sieg in Wisconsin jetzt über 608 Delegierten. Dean konnte auf
201 und Edwards auf 190 Delegierte zählen. Die anderen beiden
Bewerber Dennis Kucinich und Al Sharpton waren weit abgeschlagen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Neue Kontroverse um
jüdische Siedlungen - Israelisches Parlament will Siedlungsbau mit
Millionenhilfen fördern +++ Palästinensische
Autonomiebehörde will verhindern, dass Hamas bei
möglichen Abzug israelischer Truppen Kontrolle über
Gazastreifen erhält +++ Neuer Streit zwischen Arafat und Kureia
Mi.18.02.04 - Trotz der
von Ministerpräsident Ariel Scharon beabsichtigten teilweisen
Räumung jüdischer Siedlungen in den palästinensischen
Autonomiegebieten will das israelische Parlament den Siedlungsausbau
weiter mit millionenschweren Zuschüssen fördern. Der
Haushaltsausschuss des Parlaments bewilligte am Dienstag
Fördermittel in Höhe von umgerechnet 17 Millionen Euro. Der
Ausschuss hat in dieser Frage das letzte Wort.
Scharons Büro wollte die Entscheidung nicht kommentieren, die von
Opposition und palästinensischen Politikern verurteilt wurde. "Zu
einer Zeit, wo sie über die Aufgabe von Siedlungen im Gazastreifen
sprechen, stellen sie Millionen von Dollar für Siedlungen zur
Verfügung", sagte der palästinensische Chefunterhändler
Sajeb Erakat. Der israelische Abgeordnete Haim Oron, der für die
Oppositionspartei Meretz im Haushaltsausschuss sitzt, bezeichnete den
Beschluss als "Wahnsinn". Auf Grund der Erfahrungen der vergangenen
Jahre rechne er damit, dass auch illegal errichtete Siedlungen von den
Fördermitteln profitieren würden.
Die palästinensische Autonomiebehörde will verhindern, dass
die radikalislamische Hamas-Bewegung bei einem möglichen Abzug der
israelischen Truppen die Kontrolle über den Gazastreifen an sich
reißt. Für den Fall, dass die israelische Truppen von dort
abzögen, werde die Autonomiebehörde die Hamas bekämpfen
und darin hindern, dass sie sich des Gazastreifens bemächtige,
sagte der Sicherheitsberater von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat, Dschibril Radschub, am Dienstag laut dem israelischen
Militärrundfunk. Bei einem Gespräch mit israelischen
Militärkorrespondenten habe Radschub zudem zur
"unverzüglichen" Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit
Israel aufgerufen.
Zwischen dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat und
seinem Ministerpräsidenten Ahmed Kureia ist es unterdessen zu einem
neuen Streit gekommen. Arafat blockiert nach Angaben mehrerer Minister
eine wichtige Finanzreform des Kabinetts. Das Kabinett habe am Samstag
beschlossen, den Sold für Angehörige der
palästinensischen Sicherheitskräfte direkt auf deren Konten zu
überweisen, hieß es. Bislang erhalten Offiziere große
Summen Bargeld, das sie anschließend unter ihren Untergebenen
aufteilen. Internationale Geldgeber sehen in dieser Praxis eine
Einladung zur Korruption. Das Kabinett verabschiedete die Reform
deshalb noch vor der Europa-Reise Kureias, um kritischen Fragen der
Gesprächspartner in Europa begegnen zu können.
Arafat habe heftig gegen die Entscheidung protestiert, erklärten
die Minister. Ein Teil der Sicherheitskräfte ist ihm unterstellt.
Der Präsident weigere sich, diesen 30.000 Mann ihr Geld zu
überweisen, hieß es. Berichte, wonach Kureia deswegen mit
Rücktritt drohte, wies Kabinettsminister Dschamal Schubaki indessen
zurück.
(Quelle: ap, afp)
Pakistan will keine internationalen Atomkontrollen zulassen
- Ermittlungen gegen deutschen Wissenschaftler wegen illegalen
Atomexports
Mi.18.02.04 - In der
Affäre um Nuklearschmuggelgeschäfte hat Pakistan jede Art von
Kontrollen durch internationale Atominspekteure abgelehnt. Es gebe auch
keinen Grund, das Atomraketenprogramm des Landes auf Eis zu legen,
sagte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf der Zeitung
"Financial Times" (Mittwochsausgabe). "Wir verbergen nichts (...), was
einer Kontrolle bedarf", zitierte das Blatt Musharraf. Bei den
Schmuggelgeschäften des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul
Qadeer Khan seien nach dem bisherigen Ermittlungsstand nur Zeichnungen
von Zentrifugen zur Anreicherung von waffenfähigem Uran nach Iran
gelangt. Nachdrücklich widersprach Musharraf Berichten, dass nach
Nordkorea Nukleartechnologie geliefert worden sei.
Ein Wissenschaftler aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf soll
technische Geräte für die Entwicklung von Kernwaffen nach
Pakistan geliefert haben. Das berichtete die "Wetzlarer Neue Zeitung"
(Mittwochausgabe) unter Berufung auf die Marburger Staatsanwaltschaft.
Ermittelt werde wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das
Kriegswaffenkontrollgesetz.
Nach Angaben des Blattes soll es sich um die illegale Ausfuhr so
genannter Kalibrierquellen und von Alpha-Gamma-Spektrometriesystemen
handeln, die für die Entwicklung von Atomwaffen geeignet seien.
Laut "Wetzlarer Neuer Zeitung" wurde ein Haftbefehl gegen den Mann
zwischenzeitlich außer Vollzug gesetzt, weil Flucht- und
Verdunkelungsgefahr nicht mehr gegeben seien.
(Quelle: ap, ddp)
Pakistan will Wettrüsten mit Indien beenden
Mi.18.02.04 - Bei den
Gesprächen mit Indien hat Pakistan Verhandlungen über ein
Abkommen zur Beendigung des atomaren und konventionellen
Wettrüstens vorgeschlagen. Wie ein Vertreter des pakistanischen
Außenministeriums in Islamabad sagte, hofft seine Regierung, dass
ein "Regime der strategischen Zurückhaltung" auf die Tagesordnung
gesetzt werde. Dabei solle die Schwelle für eine atomare Bedrohung
diskutiert werden.
"Es sollte kein offenes Ende im Rennen um strategische oder
konventionelle Waffen geben", sagte der Ministeriumsvertreter. Der
bereits am Montag unterbreitete Vorschlag Pakistans ziele darauf, das
Risiko eines Atomkriegs und eines Wettrennens bei der
Raketenrüstung zu mindern.
Die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan hatten am Montag
nach rund zweieinhalbjähriger Pause ihre Friedensgespräche
wieder aufgenommen. Vertreter der Außenministerien beider
Länder trafen dazu in Islamabad zu Vorgesprächen zusammen. Am
Mittwoch werden die dreitägigen Gespräche auf der Ebene der
Staatssekretäre abgeschlossen.
(Quelle: afp)
Moslemische Rebellen in Kaschmir drohen mit Aufstand - Drei
kaschmirische Lokalpolitiker in zwei Tagen erschossen
Mi.18.02.04 -
Moslemische Rebellen in Kaschmir haben mit einem Aufstand gedroht,
sollten Indien und Pakistan sie nicht an ihrem Friedensdialog
beteiligen. "Wenn die Menschen in Kaschmir nicht als Konfliktpartei an
den Verhandlungen beteiligt werden, wird die JKLF die Intifada und den
Widerstand in beiden Teilen Kaschmirs starten", erklärte der Chef
der Befreiungsfront von Jammu und Kaschmir (JKLF), Yasin Malik, am
Dienstag in Srinagar. Kaschmir sei "kein Grenzkonflikt zwischen Indien
und Pakistan".
Im indischen Teil Kaschmirs ist zum dritten Mal in zwei Tagen ein
Kommunalpolitiker von mutmaßlichen Separatisten erschossen worden.
Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, überfielen Bewaffnete am
Montagabend im Dorf Aripanthan das Haus des Bezirksvorsitzenden der
demokratischen Volkspartei (PDP), die den indischen Unionsstaat
Jammu-Kaschmir regiert.
Aripanthan liegt in der Nähe der Stadt Srinagar, wo bereits am
Montagvormittag ein Kommunalpolitiker der PDP erschossen worden war.
Auch am Sonntag wurde ein Mitarbeiter der Partei getötet.
Unterdessen warfen Demonstranten regierungsnahen Milizen vor, den
Schwager eines Separatistenführers getötet zu haben. 500
Bewohner des Dorfes Narbal blockierten am Dienstag aus Empörung
über den Tod von Abdul Raschid die Hauptverkehrsstraße
zwischen dem indischen und dem pakistanischen Teil Kaschmirs. Raschid
ist der Schwager des Bezirkskommandeurs der Hezb-ul Mujahedeen, einer
der muslimischen Separatistengruppen, die für eine
Unabhängigkeit Jammu-Kaschmirs von Indien beziehungsweise für
den Anschluss an Pakistan kämpfen.
(Quellen: afp, ap)
Streit um Iran-Wahl verschärft sich weiter
Mi.18.02.04 - Drei Tage
vor der Parlamentswahl in Iran haben sich die innenpolitischen
Spannungen wegen der befürchteten geringen Wahlbeteiligung
verschärft. Mehr als 100 Reformpolitiker verlasen im Parlament
einen Protestbrief an den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei.
Darin kritisierten sie erneut den Ausschluss von mehr als 2000
liberalen Kandidaten und warnten vor einer Missachtung des Volkswillens.
Der iranische Präsident Mohammed Chatami hatte zuvor an die
Bürger appelliert, an der Wahl am Freitag teilzunehmen und
Boykottaufrufe zu ignorieren. Der Geheimdienst lud mehrere
reformorientierte Abgeordnete wegen eines Boykottaufrufes an die
Studenten vor.
Die Reformpolitiker warfen Chamenei vor, den konservativen Klerikern im
Wächterrat erlaubt zu haben, die geforderte Überprüfung
der Ablehnungen zurückzuweisen. Der oberste Führer hätte
zumindest einer Verschiebung der Wahl zustimmen müssen. Die
Missachtung des Volkswillens könnte die Zukunft Irans
gefährden und das Land für eine drohende Einmischung von
außen öffnen. Die Reformer kritisierten zudem die Haltung von
Präsident Chatami, der zu wenig gegen den Ausschluss der
Kandidaten unternommen habe.
Chatami hatte am Montag in einem ungewöhnlichen Aufruf an die
Bürger appelliert: «Auch wenn Sie nicht Ihren bevorzugten
Kandidaten in jedem Wahlkreis finden sollten, sollte Ihre
Unzufriedenheit nicht zu Frustration und Wahlboykott führen.»
Eine Wahlbeteiligung unter 40 Prozent dürfte nach Ansicht
politischer Beobachter den Präsidenten erheblich unter Druck
setzen.
Unterdessen lud der iranische Inlandsgeheimdienst mehrere
reformorientierte Parlamentsabgeordnete wegen eines Boykottaufrufes an
die Studenten vor, wie der Nachrichtendienst Kar meldete. Die
Abgeordnete Fatemeh Haqiqatju sagte, sie habe in der Befragung darauf
verwiesen, dass Studenten reif genug seien, selbst über ihre
Teilnahme an einer Wahl zu entscheiden. Dies könne keine politische
Partei beeinflussen.
(Quelle: dpa)
Ministerpräsident Haitis bittet um internationale Hilfe
Das Land erlebe
derzeit einen Staatsstreich +++ Frankreich will Möglichkeit einer
Friedensmission prüfen +++ USA gegen möglichen
Truppeneinsatz +++ UNHCR befürchtet Flüchtlingsdrama
Mi.18.02.04 -
Angesichts des Vormarschs der Rebellen in Haiti hat
Ministerpräsident Yvon Neptune am Dienstag um internationale Hilfe
gebeten. Er ließ aber offen, ob damit eine
Militärintervention gemeint ist. Das Land erlebe derzeit einen
Staatsstreich, und die 5.000 Mann starke Polizeitruppe sei zu schwach,
um sich dem entgegenzustellen, sagte Neptune zu Journalisten. Auch
international wächst die Besorgnis über die Lage in dem
Karibikstaat. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich will die
Möglichkeit einer Friedensmission prüfen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York, die
Weltorganisation sei äußerste besorgt über die Lage in
Haiti und suche nach Wegen, um die Krise zu beenden. Die Vereinten
Nationen stünden in Kontakt mit der Karibischen Gemeinschaft
(CARICOM) und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).
Frankreich prüfe, ob Friedenstruppen nach Haiti geschickt werden
könnten, erklärte Außenminister Dominique de Villepin am
Dienstag im Radio France-Inter. Sein Land könne im Notfall seine
Truppen in den nahe gelegenen Überseedepartements für ein
internationales Eingreifen zur Verfügung stellen, «zu
gegebener Zeit und wenn die Umstände es erlauben».
Frankreich appellierte an Präsident Jean-Bertrand Aristide, sich
dem Dialog nicht zu verschließen. Die internationale Gemeinschaft
sei bereit, aktiv zu werden, doch dafür müsse Aristide Einsatz
für den Frieden in seinem Land zeigen. Im Gegenzug dürften
die Rebellen nicht in einer «Strategie der Ablehnung»
verharren, betonte de Villepin. Haiti befinde sich in einer
katastrophalen Lage und am «Rande des Chaos». Die
Aufständischen fordern den Rücktritt von Aristide, dem sie
Korruption und Misswirtschaft vorwerfen.
US-Außenminister Colin Powell zeigte sich hinsichtlich einer
Entsendung von Soldaten oder Polizeikräften zurückhaltend.
Washington arbeite an einer politischen Lösung zur Beendigung des
Blutvergießens in Haiti, sagte Powell. Die USA kooperierten dabei
mit Frankreich, der OAS und anderen Gruppen.
Die Vereinten Nationen befürchten angesichts der blutigen Unruhen
ein Flüchtlingsdrama in der Karibik. Das UN-Hochkommissariat
für Flüchtlinge (UNHCR) rief die Nachbarstaaten auf, Haitianer
aufzunehmen.
Haitis Präsident Aristide forderte die OAS auf, zur
Unterstützung des Kampfs gegen die zunehmende Gewalt in seinem Land
Polizeitruppen bereitzustellen. Mehrere Ministerpräsidenten der
Region hätten ihm Unterstützung zugesichert. Die
gegenwärtige Krise lasse sich nicht "auf der Straße", sondern
nur auf dem Verhandlungsweg lösen. Die politische Opposition
forderte er auf, sich von den bewaffneten Aufständischen im Norden
des Landes zu distanzieren. Er bot ihr an, bis zu Neuwahlen einen Teil
der Regierungsverantwortung zu übernehmen. Zugleich
bekräftigte der von seinen Gegnern wegen Korruption und
Machtmissbrauchs kritisierte Staatschef, bis zum Ende seines Mandats im
Februar 2006 im Amt bleiben zu wollen.
Die gegen Aristide kämpfenden bewaffneten Rebellen, die einen Teil
von Haitis Norden kontrollieren, eroberten unterdessen auch die Stadt
Hinche 130 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince.
Frankreich war jahrelang Kolonialmacht in Haiti. Im Zuge der
Französischen Revolution begannen die Sklaven einen Aufstand; 1804
erklärte die Inselhälfte schließlich ihre
Unabhängigkeit.
(Quellen: ap, afp)
Türkei wegen schwerer Grundrechtsverletzungen
verurteilt - Kurden verschleppt und Dorf abgebrannt
Mi.18.02.04 - Fast zehn
Jahre nach der Zerstörung eines kurdischen Dorfes und dem
spurlosen Verschwinden zweier junger Männer hat der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei
wegen schwerer Grundrechtsverletzungen verurteilt. Die Straßburger
Richter stellten am Dienstag Verstöße gegen das Recht auf
Leben, Eigentum und Freiheit sowie gegen das Verbot unmenschlicher
Behandlung fest. Zugleich wiesen sie die Regierung in Ankara an, dem 61
Jahre alten Vater und anderen Erben der beiden Verschwundenen 58.400
Euro Schmerzensgeld zu zahlen
(Quelle: afp)
Armut in Europa: Caritas rügt mangelhafte
Familienpolitik
Mi.18.02.04 - In den
meisten europäischen Ländern kommt nach Ansicht von "Caritas
Europa" Familienpolitik zu kurz. Von Ausnahmen wie Frankreich und
Deutschland abgesehen bestehe ein ausgeprägter Mangel an
Familienpolitik, folgert der katholische Dachverband in seinem am Montag
in Brüssel vorgelegten Bericht über Armut in Europa. Die
meisten Regierungen legten den Schwerpunkt der Sozialpolitik auf den
Einzelnen. In Caritas Europa sind 48 Organisationen aus 44 Ländern
zusammengeschlossen.
Das Risiko von Armut ist dem Dachverband zufolge am größten
für allein Erziehende, kinderreiche Familien, chronisch Kranke,
Behinderte, Drogenabhängige, Flüchtlinge und Asylbewerber
sowie Bezieher geringer Einkommen und Arbeitslose. Dies gelte für
Länder mit hohem Wohlstand wie Norwegen, Island und Schweden, aber
auch für Albanien, Moldawien und die Türkei.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Wohlfahrtsorganisation den
Regierungen, bei Steuerpolitik, Sozialleistungen, Beschäftigungs-
und Gesundheitspolitik verstärkt die Auswirkungen auf die
ärmsten Familien zu berücksichtigen. Steuerregelungen
müssten familienfreundlicher gestaltet werden. Zur Finanzierung der
Sozialsysteme sollten Beiträge auf alle Einkommensarten gezahlt
werden.
Als dringliches Problem nennt Caritas in dem Bericht die Verbesserung
der Situation allein Erziehender. Das Angebot zur Kinderbetreuung
müsse ausgebaut werden. Die Ausgaben dafür sollten steuerlich
abzugsfähig sein. Eine bessere Kinderbetreuung dürfe jedoch
nicht dazu führen, Eltern schlecht bezahlte Arbeitsplätze
"aufzunötigen", wird gewarnt.
"Arbeitslose und andere Sozialhilfeempfänger fühlen sich
häufig gebrandmarkt", heißt es in der Studie weiter. Deshalb
müssten die Regierungen mehr tun, um Arme zu eigenständigem
Handeln zu befähigen. Der Zugang zu Sozialleistungen müsse
benutzerfreundlich sein. Ein direkter Zusammenhang besteht der Caritas
zufolge zwischen Behinderung und Armut. In den Sozialsystemen
müssten Extra-Ausgaben, die für Behinderte und chronisch
Kranke anfallen, stärker berücksichtigt werden.
Von den osteuropäischen Regierungen fordert Caritas die
Festsetzung einer realistischen Armutsgrenze. Zudem sollte ein
angemessener Mindestlohn festgelegt werden. Notwendig seien zudem
Programme, um Straßenkinder aufzufangen.
(Quelle: epd)
Chirac- Blair -Schröder: Dreiergipfel beschäftigt
sich mit Industriepolitik
Mi.18.02.04 -
Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische
Präsident Jacques Chirac und der britische Premierminister Tony
Blair kommen am (heutigen) Mittwoch (16.00 Uhr) zu einem Gipfel in
Berlin zusammen, in dessen Mittelpunkt die wirtschaftliche Erneuerung
der Europäischen Union steht. Zu diesem Zweck strebten die drei
eine Umstrukturierung der EU-Kommission nach der Europawahl an,
hieß es in Berliner Regierungskreisen. Der Industriepolitik solle
mehr Gewicht verliehen werden.
Die drei Regierungschefs wollten einen «Denkanstoß»
geben, hieß es in Berlin. Vor allem bei der Forschung und
Entwicklung werde «eine europäische Steuerung»
angestrebt, um dem Anspruch gerecht zu werden, die EU bis zum Jahre 2010
zu einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum auszubauen. Dieses
Ziel sei ohne neue Impulse nur schwer zu erreichen, hieß es.
Bereits vor einem Jahr hatten die drei einen Brief an
Kommissionspräsident Romano Prodi geschrieben und umfassende
Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erneuerung gefordert.
An dem Gipfel in Berlin nehmen auch eine Reihe von Fachministern teil,
von deutscher Seite Bildungsministerin Edelgard Bulmahn,
Sozialministerin Ulla Schmidt und der Parlamentarische
Staatssekretär im Finanzministerium, Karl Diller. Beim Abendessen
der Staats- und Regierungschefs mit den Außenministern stehen die
EU-Verfassung, die finanzielle Vorausschau 2007 bis 2013, die
EU-Erweiterung am 1. Mai und die künftige Zusammensetzung der
EU-Kommission nach der Europawahl auf der Tagesordnung.
(Quelle: ap)
Europäische Arbeitsteilung bei Abschiebungen
Mi.18.02.04 -
Bundesinnenminister Otto Schily hat mit seinen Amtskollegen aus
Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien eine
Arbeitsteilung bei der Abschiebung illegaler Einwanderer vereinbart.
Jeweils eines der fünf Länder werde federführend auch
für die anderen Rückführungsabkommen mit Drittstaaten
aushandeln, sagte Schily am Dienstag in Garmisch-Partenkirchen.
Die EU verhandle zwar mit verschiedenen Staaten, sei aber «noch
nicht weit vorangekommen. Wir wollen versuchen, auf diesem Weg zu einem
rascheren Ergebnis zu kommen», erklärte Schily nach einem
zweitägigen Treffen der fünf Minister. «Wenn wir eine
Rückführung haben mit einer Chartermaschine, verständigen
wir die anderen Länder, ob noch Plätze frei sind.» Der
spanische Innenminister Angel Acebes sagte, die Fluggesellschaften
sollten den Zielländern die Identität der Passagiere
mitteilen, noch bevor sie in die Maschine einstiegen.
Zur Terrorabwehr sollen so genannte Sky Marshalls künftig
Flüge begleiten «nach dem Zufallsprinzip und nach den
Informationen, die wir von unseren Nachrichtendiensten bekommen»,
wie der französische Innenminister Nicolas Sarkozy erklärte.
Ausbildung und Bewaffnung der «Sky Marshalls» sollen bei
einem Treffen der nationalen Experten in Lübeck abgestimmt werden.
Künftig werde auch abgesprochen, welche Polizei welchen Flug
begleitet.
Europol solle die nationalen Erkenntnisse zum Terrorismus künftig
zentral zusammenführen, forderten die Innenminister. «Europol
muss sich spezialisieren auf den Kampf gegen Terrorismus und
Organisierte Kriminalität», sagte Acebes. Die
europäische Polizeibehörde solle «Zentralstelle zur
Bekämpfung von Euro-Geldfälschung werden», forderte
Schily.
Die Innenminister betonten, die Treffen der fünf
größten EU-Staaten richteten sich nicht gegen die
übrigen Mitglieder. Aber der Kreis werde auf EU-Ebene so
groß, dass kaum noch Zeit für tiefere Diskussionen bleibe.
Deshalb sei es «sinnvoll, sich vorher zu verständigen»,
erklärte Schily.
(Quelle: ap)
Heimatschutz auch für Europa
Dazu ein
eigenes ECHELON-System samt militärischem EU-Geheimdienst +++
Positionspapier der EU-Kommissare Liikanen und Busquin hält alle
Optionen offen - Um "Hauptbedrohungen für Europa zu
identifizieren"...
Mehr bei
futurezone (17.02.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=215752&tmp=2033
Tödliche Flüchtlingspolitik - Erschütternde
Dokumentation der Antirassistischen Initiative Berlin e.V
Die
Antirassistische Initiative e.V. in Berlin hat hat jetzt eine
aufrüttelnde Dokumentation vorgelegt. Unter dem Titel
»Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen
Folgen – 1993 bis 2003« werden darin Berichte über
Todesfälle, Folterungen und Mißhandlungen aufgelistet. Die
Dokumentation untermauert die zentralen Forderungen der
Antirassistischen Initiative: »Offene Grenzen! Bleiberecht
für alle! Gleiche Rechte für alle!«
Im dokumentierten Zeitraum vom 1. Januar 1993 bis zum 31. Dezember 2003
starben mindestens 145 Menschen auf dem Wege in die Bundesrepublik
Deutschland. Die erklärte Politik der Europäischen Union und
der Bundesregierung, Europa zu einer Festung mit uneinnehmbaren Grenzen
zu machen, führte zu tödlichen Konsequenzen für
schutzsuchende Flüchtlinge. Allein 113 Menschen kamen an der
deutschen »Ostgrenze« ums Leben. 398 Menschen erlitten beim
Grenzübertritt Verletzungen, davon 102 durch Maßnahmen der
Bundesgrenzschutzbeamten. 83 Personen wurden durch Bisse von
Diensthunden verletzt.
Aus Verzweiflung über ihre bevorstehende Abschiebung nahmen sich
121 Menschen das Leben oder sie starben bei dem Versuch, vor der
Abschiebung zu fliehen. 47 Flüchtlinge begingen in Abschiebehaft
Suizid. 329 Menschen in Abschiebehaft (und 439 Personen insgesamt)
verletzten sich in Panik selbst oder versuchten sich umzubringen oder
erlitten schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch
Hungerstreiks.
Fünf Flüchtlinge starben während der Abschiebungen, 234
Menschen wurden durch Zwangsmaßnahmen oder Mißhandlungen
während ihrer Abschiebung verletzt....
Aus "junge Welt" vom 18.04.02
Mehr
unter:
http://www.jungewelt.de/2004/02-18/012.php
Die
gesamte Dokumentation ist in der neuen, 11. Auflage bei der
Antirassistischen Initiative erhältlich: Yorckstraße 59,
10965 Berlin (Tel. 0 30/7 85 72 81, Fax 0 30/ 7 86 99 84), die 10.
Auflage ist noch im Internet abrufbar.
http://www.berlinet/de/ari/titel.htm
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Menschenrechtsgericht erlaubt Abschiebung von Tamilen
Mi.18.02.04 - Der
Europäische Gerichtshof in Straßburg hat grünes Licht
für die Abschiebung zweier Tamilen aus den Niederlanden nach Sri
Lanka gegeben. Die Richter wiesen die Beschwerde der 31 und 46 Jahre
alten Männer mit dem Hinweis zurück, es gebe keine "ernsten
Gründe" zu befürchten, dass sie in ihrer Heimat Opfer von
Misshandlung würden. Die Männer hatten geltend gemacht, sie
seien 1995 vor politischer Verfolgung und Folter in die Niederlande
geflüchtet. Nach ihren Angaben wurden sie damals verdächtigt,
der Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
anzugehören.
(Quelle: afp)
26.000 Asylbewerber werden aus Niederlande abgeschoben
Mi.18.02.04 - Der
Abschiebung von 26.000 Asylbewerbern hat das niederländische
Parlament am Dienstag gegen den Widerstand von linken Parteien und
Menschenrechtsgruppen zugestimmt. Die meisten Asylsuchenden kamen von
1999 bis 2001 aus Afghanistan, Tschetschenien und Somalia in die
Niederlande und ihre Anträge sind endgültig abgelehnt worden.
In einem offenen Brief von Human Rights Watch an das Justizministerium
heißt es, die Maßnahme sei Teil des Trends der konservativen
Regierung, internationale Normen im Umgang mit Asylbewerbern und
Einwanderern zu missachten.
Die Sicherheit der Betroffenen sei in ihren Heimatländern nicht
gewährleistet. Seit In-Kraft-Treten neuer Einwanderungsgesetzte im
Jahr 2001 hat die Regierung von Ministerpräsident Jan Peter
Balkenende scharfe Beschränkungen eingeführt. Die Zahl der
Asylanträge ist von 43.000 im Jahr 2000 auf 18.700 im Jahr 2002
zurückgegangen. In den Niederlanden wurden mehrere Sammellager
eingerichtet, in denen ganze Familien bis zu ihrer Abschiebung
festgehalten werden.
(Quelle: ap)
Während Werftarbeiter-Demo in Sevilla Ausschreitungen
mit 60 Verletzten
Mi.18.02.04 - Bei
Ausschreitungen zwischen demonstrierenden Werftarbeitern und der
Polizei in Südspanien sind rund 60 Menschen verletzt worden. In
Sevilla wurden nach Gewerkschaftsangaben 38 Arbeiter verletzt, als die
Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzte, um die
Demonstration gegen drohende Werftschließungen aufzulösen.
Auch ein dutzend Sicherheitskräfte wurden den Behörden zufolge
verletzt.
Weitere zehn Polizisten seien in Puerto Real in der benachbarten
Provinz Cadiz verletzt worden, wo es ebenfalls zu
Zusammenstößen kam.
Die Werftarbeiter fürchten, dass das angeschlagene
Staatsunternehmen Izar mangels Aufträgen Werften schließen
und Arbeitsplätze streichen wird. Die Gruppe hat rund 11.000
Mitarbeiter. Sie erhielt seit 2003 keine Aufträge mehr für
Handelsschiffe. Nach Angaben eines Sprechers könnten laufende
Armeebestellungen genügend Arbeit an "einigen Firmensitzen" bis
2010 gewährleisten.
(Quelle: afp)
Deutschland: Defizit der Länder auf höchstem Stand
seit der Einheit
Mi.18.02.04 - Das
Finanzierungsdefizit der Bundesländer hat im vergangenen Jahr mit
insgesamt 31,8 Milliarden Euro den höchsten Stand seit der
deutschen Einheit erreicht. Dies geht aus vorläufigen Berechnungen
des Bundesfinanzministeriums hervor, wie das Düsseldorfer
«Handelsblatt» (Mittwochausgabe) berichtete. Vier
Länder haben demnach sogar die Maastrichter Defizit-Obergrenze von
drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten. Wären
die Bundesländer selbstständige Mitglieder der Euro-Zone,
hätten die Finanzminister von Berlin, Mecklenburg-Vorpommern,
Bremen und Sachsen-Anhalt einen blauen Brief aus Brüssel bekommen
müssen, folgerte das Blatt.
(Quelle: ap)
CDU in Hamburg laut Umfrage praktisch gleichauf mit
Rot-Grün
Mi.18.02.04 - Elf Tage
vor der Hamburg-Wahl deutet alles auf ein spannendes
Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und Rot-Grün hin. Nach einer
Forsa-Umfrage erreicht die CDU um Bürgermeister Ole von Beust in
der Hansestadt derzeit 45 Prozent. Die SPD konnte sich auf 30 Prozent
verbessern, die Grünen bleiben bei 14 Prozent. Nicht im Parlament
vertreten wären demnach die FDP, die Schill-Partei und die Partei
Rechtsstaatlicher Offensive.
(Quelle: dpa)
Deutsche wollen wegen Gesundheitsreform seltener zum Arzt -
Praxisgebühr schreckt ab
Mi.18.02.04 - Als
Reaktion auf die Einführung der Praxisgebühr will jeder
fünfte Deutsche seltener zum Arzt gehen. 41 Prozent der Bürger
wollen ihr Verhalten allerdings trotz der höheren Kosten nicht
wesentlich ändern, wie eine am Dienstag in München
veröffentlichte repräsentative Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest ergab. Sieben Prozent der
Befragten überlegen, ob sie beispielsweise die Krankenkasse
wechseln, sechs Prozent wollen sich um eine gesündere Lebensweise
bemühen.
Geteilter Meinung sind die Deutschen in der Erfolgsbewertung der
Gesundheitsreform: Knapp die Hälfte (48 Prozent) ist der Umfrage
zufolge der Meinung, die ärztliche Versorgung werde in Zukunft
genauso gut wie bisher ausfallen, 45 Prozent rechnen mit einer
Verschlechterung. Nur zwei Prozent der 1.000 Befragten hoffen auf eine
bessere Versorgung, wie das Institut mitteilte.
Seit Einführung der Praxisgebühr am 1.Januar in Höhe von
zehn Euro pro Quartal ist die Zahl der Arztbesuche gesunken. Nach ersten
Trendmeldungen aus den Kassenärztlichen Vereinigungen dürfte
es 10 bis 15 Prozent weniger Arztkontakte als im Dezember gegeben
haben, teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit. Bei
einzelnenn Facharztgruppen sei der Einbruch nach Angaben von
Ärzten noch dramatischer. "Wir haben bei Orthopäden,
Hautärzten und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten Rückgänge bis
zu 40 Prozent registriert", so der Hauptgeschäftsführer des
Deutschen Hausärzteverbands, Eberhars Mehl.
(Quelle: ap)
Schmidt nennt Belastung von Betriebsrenten unverzichtbar -
Heftig umstrittene Praxisgebühr verteidigt
Mi.18.02.04 -
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die höheren
Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten als unverzichtbar
verteidigt. Ohne die Beiträge müssten entweder die Zuzahlungen
erhöht oder die allgemeinen Kassenbeiträge um bis zu 0,5
Prozentpunkte angehoben werden, sagte Schmidt am Dienstagabend im
Frankfurter Presseclub. Aus diesem Grund sei eine Rücknahme der
Belastung von Betriebsrenten ausgeschlossen. Zugleich stellte die
SPD-Politikerin erneut niedrigere Krankenkassenbeiträge in Aussicht.
Schmidt verteidigte ferner die heftig umstrittene Praxisgebühr von
zehn Euro je Quartal. Ziel sei, dass die Menschen nicht mehr wegen jeder
Bagatellerkrankung zum Arzt gingen und generell zuerst ihren Hausarzt
aufsuchten, bevor sie sich an einen Facharzt wendeten. Die Ministerin
zeigte sich aber grundsätzlich zu einer Weiterentwicklung der
Praxisgebühr bereit. Die Gebühr solle ein Steuerungsmodell
und nicht eine reine Einnahmequelle sein. In dieser Hinsicht zeichneten
sich bereits erste Erfolge wie eine Abnahme der Facharztbesuche ab. Es
sei aber noch zu früh für eine abschließende
Beurteilung.
Schmidt plädierte erneut für mehr Wettbewerb im
Gesundheitssystem, der auch über die Qualität von Leistungen
ausgetragen werden müsse. Erst wenn dieses Ziel erreicht sei,
könnten die sozialen Sicherungssysteme grundsätzlich
reformiert werden, beispielsweise über die Einführung einer
Bürgerversicherung. Zuvor gebe es aber noch viel Diskussionsbedarf,
sagte die Ministerin.
(Quelle: ap)
Ausbildungsplatzlücke laut DGB deutlich
größer als bekannt
Mi.18.02.04 - Nach
Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist die
Ausbildungslücke deutlich größer als bekannt. DGB-Chef
Michael Sommer sagte der Tageszeitung «Die Welt»
(Mittwochausgabe), die Lücke zwischen angebotenen und nachgefragten
Ausbildungsplätzen liege derzeit nicht bei etwa 20.000, wie
offiziell gemeldet werde. Sie sei in Wahrheit zehn Mal so groß
und habe 2003 weit über 200.000 betragen. «Dies ist eine
alarmierende Entwicklung, die eindeutig die Unternehmen zu verantworten
haben», sagte Sommer.
Angesichts des Lehrstellenmangels forderte der DGB-Vorsitzende laut
«Welt» von der rot-grünen Koalition, dass die geplante
Ausbildungsplatzabgabe so hoch sein müsse, dass sie auch wirke:
«Ich erwarte, dass die Umlage so hoch sein wird, dass sie für
Betriebe, die ihrer Verantwortung gerecht werden, echte Anreize
schafft, auszubilden. Eine Peanuts-Abgabe würde nichts
bringen.»
(Quelle: ap)
Integration Langzeitarbeitsloser kostet mehr als 9
Milliarden Euro
Mi.18.02.04 - Die
Betreuung Langzeitarbeitsloser in Job-Centern kommt den Bund teuer zu
stehen. Die «Financial Times Deutschland» nennt für
das nächste Jahr die Summe von 9,15 Milliarden Euro. Das Blatt
beruft sich auf eine Schätzung des Wirtschaftsministeriums. Demnach
setzt sich diese Summe aus Eingliederungsleistungen sowie für
Kosten für Personal und Verwaltung zusammen. Das Ministerium und
die Unions-Länder wollen übermorgen darüber beraten, wie
die Kosten nach der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe
verteilt werden.
(Quelle: dpa)
Insolvenz des Arbeitsvermittlers Maatwerk - Bundesregierung
hält trotzdem an Personal-Service-Agenturen fest
Mi.18.02.04 - Trotz der
Pleite des wichtigen Arbeitsvermittlers Maatwerk hält die
Bundesregierung an den Personal-Service-Agenturen (PSA) zur Vermittlung
von Arbeitslosen fest.
Forderungen der Grünen und der Zeitarbeitsbranche nach
Änderungen bei der Vergabepraxis wiesen die Bundesagentur für
Arbeit (BA) und das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag
zurück. Union und FDP bezeichneten das Gesamtkonzept dagegen als
gescheitert. Die deutsche Tochterfirma des niederländischen
Arbeitsvermittlers Maatwerk hatte am Montag Insolvenz angemeldet.
Maatwerk beschäftigt derzeit fast jeden Dritten der bundesweit etwa
32.000 PSA-Beschäftigten. Diese sollen jetzt in anderen PSA oder
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aufgefangen werden.
"An dem Instrument der PSA wird nicht gerüttelt", sagte eine
Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD).
Für eine Bewertung der im April 2003 eingeführten PSA sei es
zu früh. Eine Bilanz stehe 2006 an. Die Geschäftsweise der
rund 100 PSA-Betreiberpartner werde von den Arbeitsagenturen
geprüft. Dies habe zu vorzeitigen Beendigungen von Verträgen
geführt.
Der Aufbau der PSA war voriges Jahr auf Grundlage eines Vorschlages der
von der Regierung eingesetzten Hartz-Kommission angelaufen. Sie sollen
Arbeitslose über Leiharbeit qualifizieren und in eine dauerhafte
Beschäftigung vermitteln. Dafür erhalten sie von den
Arbeitsagenturen eine nach Anbieter und Qualifikation des Arbeitslosen
differenzierte Monatspauschale, die voriges Jahr nach ersten
Berechnungen im Schnitt bei etwa 1099 Euro lag. Zudem erhalten sie eine
Prämie bei Vermittlung des Arbeitslosen in einen festen Job. Beide
Zahlungen verringern sich mit der Dauer der Beschäftigung in der
PSA. Seit dem Start haben rund 15.300 frühere Arbeitslose die PSA
wieder verlassen, davon 6375 in eine sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung.
An Maatwerk floss für Fallpauschalen und Prämien nach Angaben
des zuständigen Experten der BA, Hans-Uwe Stern, ein "mehrstelliger
Millionenbetrag". Ob bei PSA-Betreibern weitere Insolvenzen drohten,
könne er nicht sagen. "Wir wissen nicht, ob sich andere
Unternehmen in einer ähnlich angespannten Finanzsituation
befinden", sagte Stern der Nachrichtenagentur Reuters. Kritik an der
Ausschreibungspraxis wies er zurück. "Es gibt keinen Anlass, an
dem bestehenden Verfahren zu zweifeln. Bei der Ausschreibung wurden
Preis und Qualität berücksichtigt." Maatwerk habe auf gute
Erfahrungen in Deutschland und vor allem in den Niederlanden verweisen
können.
Die Ministeriumssprecherin räumte ein, dass Maatwerk in der
Vermittlung ein "bewährtes Unternehmen" sei, in der
Arbeitnehmerüberlassung - also der Leiharbeit - aber
"verhältnismäßig neu in dem schwierigen Markt". Der
Bundesverband Zeitarbeit (BZA) nannte den Insolvenzantrag nicht
überraschend. Ein Verbandssprecher sagte, Maatwerk komme nicht aus
der gewerblichen Zeitarbeit, sondern aus dem Bereich der
Beschäftigungsgesellschaften. Das Unternehmen habe weder über
Kenntnisse der lokalen Arbeitsmärkte in Deutschland noch über
die notwendige Infrastruktur verfügt. Die BZA empfehle, mehr auf
Zeitarbeitsunternehmen zu setzen.
Wie die BZA forderten auch die Grünen Änderungen an der
Ausschreibungspraxis der BA. "Es steht zu befürchten, dass weitere
Pannen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen folgen, wenn die
Ausschreibungspraxis jetzt nicht verändert wird", erklärten
die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thea Dückert und
Sozialexperte Markus Kurth. Bisher sei die BA nach dem Motto verfahren,
wer besonders günstig sei, bekomme den Zuschlag. Die quantitativen
Kriterien müssten um qualitative ergänzt werden, etwa eine
gute regionale Verankerung und hohe Erfolgsquoten.
Nach Worten des SPD-Arbeitsmarktexperten Klaus Brandner ist die
Maatwerk-Insolvenz "ein Rückschlag, aber kein Beinbruch". Brandner
erklärte: "Zwar verlieren kurzfristig circa 10.000 Arbeitslose die
Chance auf eine schnelle Wiedereingliederung. Das Grundkonzept eines
Trägerwettbewerbs ist dadurch aber nicht gefährdet." Die
soziale Sicherung der Betroffenen sei gewährleistet. Nach Angaben
des Wirtschaftsministeriums und der BA sollen die PSA-Beschäftigten
bei Maatwerk in anderen PSA oder arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen aufgefangen werden.
Der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann bezeichnete die PSA als
Herzstück der Hartz-Reformen, das "auf ganzer Linie gescheitert"
sei. Clement müsse sofort eine Kurskorrektur vornehmen. Die FDP
lehnte die PSA als "staatlich subventionierte
Beschäftigungsgesellschaften" erneut ab.
(Quelle: rtr)
Metall-Abschluss im Norden vorerst gescheitert
Mi.18.02.04 - Die
Verhandlungen zur Übernahme des Metall-Pilotabschlusses für
Norddeutschland sind am Dienstag in Bremen nach rund fünf Stunden
ergebnislos abgebrochen worden. Die Tarifparteien hätten unter
anderem wegen der Auseinandersetzung über die Übernahme des
baden-württembergischen Ergebnisses für
Mecklenburg-Vorpommern nicht zueinander gefunden, erklärten
Vertreter beider Seiten. Am Freitag wollen sie in Hamburg erneut
zusammentreffen.
Dagegen einigten sich in Sulzbach IG Metall und Arbeitgeber auf die
Übernahme des Pilotabschlusses für die so genannte
Mittelgruppe, die Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst. Der
IG-Metall-Sprecher des Bezirks, Hartwig Oertel, sagte, es habe lediglich
einige regionale Anpassungen auf Grund unterschiedlicher
Gehaltsstrukturen gegeben.
Zu dem vorläufigen Scheitern der Gespräche im Bezirk
Küste sagte Nordverbund-Präsident Ingo Kramer, es herrsche
Einigkeit, den baden-württembergischen Pilotabschluss «in den
wesentlichen Eckpunkten dort, wo er passt» zu übernehmen.
Die Arbeitgeber hielten an einer Sonderregelung für
Mecklenburg-Vorpommern fest, doch «der Norden lässt sich
nicht spalten», kommentierte dagegen der Vorsitzende des
IG-Metall-Bezirks Küste, Frank Teichmüller, den Abbruch der
Verhandlungen und fügte hinzu: «Ohne Mecklenburg-Vorpommern
wird es keinen Abschluss im Norden geben.» Der
Arbeitgeber-Nordverbund habe anscheinend Angst, als erster für
Ostdeutschland eine Regelung abzuschließen. Zwar wollten die
Arbeitgeber die für Baden-Württemberg vereinbarten Lohn- und
Gehaltssteigerungen übernehmen. Sie forderten jedoch
innerbetriebliche Öffnungsklausen, so dass ein Teil der
Erhöhung wieder gestrichen werden könne, sagte
Teichmüller.
Die ostdeutschen Arbeitgeber hatten in den vergangenen Tagen
signalisiert, dass der Pilotabschluss in Baden-Württemberg der
schwierigen Lage der Branche im Osten nicht gerecht werde. Die
Pforzheimer Einigung sieht Entgeltanhebungen von 2,2 Prozent und 2,7
Prozent zum 1. März dieses und des kommenden Jahres vor. Ferner
soll es nur für einzelne Betriebe möglich sein, die
Arbeitszeit mit oder ohne Lohnausgleich auf 40 Wochenstunden zu
erhöhen.
(Quelle: ap)
Aus für Milliardenprojekt Lkw-Maut
Offenes
Zerwürfnis zwischen Regierung und Industrie - 6,5 Milliarden
Euro Schaden des Bundes durch die Verzögerungen bei der
Mauterhebung
Mi.18.02.04 - Nach
monatelangem Streit und unzähligen Verzögerungen bei der
Einführung einer satellitengestützen Lkw-Maut in Deutschland
hat die Bundesregierung am Dienstag die Konsequenzen gezogen und die
Verträge mit dem Maut-Konsortium Toll Collect gekündigt.
Eine letzte nächtliche Verhandlungsrunde über fast zwölf
Stunden zwischen Verkehrsminister Manfred Stolpe und den Spitzen des
Firmenkonsortiums erbrachte keine Einigung in wesentlichen Fragen der
Haftung und des Schadenersatzes. Das Projekt Lkw-Maut endet damit
vorläufig in einem offenen Zerwürfnis zwischen Regierung und
Industrie. Die Einführung der Maut war ein zentrales Projekt, mit
dem die Bundesregierung die Innovationskraft Deutschlands belegen wollte.
Stolpe kündigte am Morgen Schadenersatzforderungen in
Milliardenhöhe und die übergangsweise Wiedereinführung
der Euro-Vignette an. Außerdem wird eine neue Ausschreibung
für die Lkw-Maut vorbereitet. Bundeskanzler Gerhard Schröder
griff die Konsortialführer DaimlerChrysler und Deutsche Telekom
scharf an. Sie hätten ein nicht annehmbares Angebot für die
weitere Zusammenarbeit unterbreitet. "Ohne substanzielle Nachbesserung
sind Gespräche weitergehender Art nicht möglich."
Auch ein in der Nacht vorgelegtes Angebot von Toll Collect brachte
keine Einigung: "Dieses Angebot konnten wir nicht akzeptieren, weil es
nicht die ausreichende technische Sicherheit gewährleisten konnte,
weil es finanziell nicht ausreichend gesichert war und weil wir
erhebliche rechtliche Bedenken hatten", sagte der Minister. Er warf dem
Konsortium vor, die Haftungsgrenze unzumutbar absenken und ein
einseitiges Kündigungsrecht beanspruchen zu wollen. Toll Collect
hatte ursprünglich zugesagt, Ende August 2003 ein
funktionstüchtiges System zur Erfassung der Lkw-Maut über
Satellit einzuführen. Wegen technischer Probleme konnte das
Konsortium aber sowohl diesen Termin, als auch einen zweiten wenige
Monate später nicht einhalten. Vielmehr bot es im Januar unter
Druck an, ein vereinfachtes Maut-System Anfang 2005 und das ausgereifte
System ein Jahr später in Betrieb zu nehmen.
In einem Brief an die Toll-Collect-Firmen Telekom, DaimlerChrysler und
Cofiroute kündigte Stolpe eine Kündigungsanzeige an. Demnach
hat Toll Collect zwei Monate Zeit, die Mängel zu beseitigen. Der
Minister zeigte sich skeptisch, dass noch eine Einigung erzielt werden
könnte: "Wir haben von Toll Collect kein Signal bekommen zum
Nachbessern." Die Deutsche Telekom behielt sich eine Nachbesserung vor.
Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Rainer Wend
(SPD), sagte der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage, ob in den
nächsten zwei Monaten ein akzeptables Angebot zu erwarten sei: "Ich
glaube, das würde jeden überraschen. Ich habe da wenig
Hoffnung." Der verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Reinhard
Weis, sagte Reuters: "Ich bin nicht optimistisch." Die vom Konsortium
geforderten Vertragsänderungen seien ein Indiz dafür, dass die
Unternehmen nicht überzeugt gewesen seien, das Maut-System zum
Laufen bringen zu können. "
"Wir haben uns verständigt darauf, dass unverzüglich das
Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet wird, in dem wir unsere
umfangreiche Schadensersatzansprüche geltend machen", sagte Stolpe.
Angemeldet seien Einnahmeausfälle von je 156 Millionen Euro
für die Monate September bis Dezember, 180 Millionen für
Januar und den halben Februar. Außerdem werde Monat für Monat
fortlaufend Schaden in Rechnung gestellt. In dem Brief bezifferte
Stolpe den Schaden des Bundes durch die Verzögerungen bei der
Mauterhebung mit 6,5 Milliarden Euro.
Die Wiedereinführung der Euro-Vignette für Lkw werde
mindestens sechs bis sieben Monate, vielleicht sogar bis nach
Weihnachten dauern, sagte Stolpe. Trotz der Einnahmeausfälle
dürfe es keine Abbruch bei den Investitionen in Verkehrsprojekte
geben, forderte Stolpe. Bundesfinanzminister Hans Eichel lehnte eine
Stellungnahme zur Frage ab, wie die nun entstandenen Lücken im
Verkehrshaushalt gestopft werden sollen.
Dem Maut-Konsortium warf Stolpe staatsschädigendes Verhalten vor.
Toll Collect sei ein ganz schlechtes Beispiel für die
Bemühungen, Privatunternehmen an staatlichen Projekten zu
beteiligen. "Wenn man den Staat nur als melkende Kuh da behandelt und
selber nicht bereit ist, sich ein Stückchen mit zu arrangieren,
dann ist das keine Ermutigung für einen Bereich, in dem wir viel
mehr tun müssen als bisher." Stolpe, der wegen seiner
Verhandlungsführung auch in der SPD kritisiert worden war, erhielt
Unterstützung durch Schröder. Er sehe keinen Grund für
personelle Konsequenzen, sagte der Kanzler. "Es wäre absolut
unfair, irgendeine Schuld bei Minister Stolpe zu suchen." Der
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael
Rogowski, forderte, beide Seiten sollten von ihren Maximalpositionen
abrücken und eine Einigung anstreben. CDU-Chefin Angela Merkel
nannte die Aufkündigung des Vertrages ein fatales Signal für
den Wirtschaftsstandort Deutschland.
(Quelle: rtr)
Das Schreiben Stolpes
an Toll Collect::
http://www.jungewelt.de/2004/02-18/014.php
SPD: Alle Schulen sollen Ganztagsschulen werden
Mi.18.02.04 - Die
SPD-Bildungspolitiker haben sich für den Ausbau aller Schulen zu
Ganztagsschulen ausgesprochen. Diese Forderung legte der Bundesvorstand
der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD (AfB) in Berlin
vor. Für Lehrer soll eine "Präsenzpflicht" in den Schulen
bestehen. Zudem soll es eine "gemeinsame Grundbildung" nach zehn Jahren
Pflichtschulzeit geben.
Das bedeutet demnach, dass alle Schüler mindestens den mittleren
Abschluss erreichen. Die Forderungen sollen am 23. und 24. April auf dem
AfB-Bundeskongress in Potsdam beschlossen werden.
(Quelle: afp)
Bayern: GEW ruft Beschäftigte an Schulen zu Streik auf
Mi.18.02.04 - Bayerns
Lehrer sind zum ersten Mal in der Geschichte des Freistaats zum Streik
aufgerufen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte
alle Beschäftigten an den Schulen wegen «massiver
Verschlechterungen der Lehr- und Lernbedingungen» auf, zur
Teilnahme an einer Protestkundgebung am 16. März in München
die Arbeit niederzulegen. GEW-Chef Schorsch Wiesmaier knüpfte den
Aufruf am Dienstag in München allerdings an eine Bedingung: Bis zum
10. März müssen mindestens 2500 Lehrer eine
Bereitschaftserklärung zu dem Streik abgegeben haben. Die
Landesschülervertretung stellte sich hinter die Streikpläne
der Lehrer und forderte alle Schüler auf, ebenfalls an der
Kundgebung teilzunehmen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband
(BLLV) will den Streikaufruf hingegen nicht unterstützen.
Mit der Aktion will die GEW auf die «sich immer weiter
verschlechternde Situation der Lehrer in Bayern» aufmerksam
machen, wie Wiesmaier sagte. So plane die Staatsregierung «gegen
jegliche Vernunft» neben der Verkürzung der gymnasialen
Schulzeit im «Hau-Ruck-Verfahren» ab September eine erneute
Arbeitszeiterhöhung für Lehrkräfte. Rücksichtslos
werde dabei der Beamtenstatus ausgenutzt. Da Lehrkräfte nicht
unbegrenzt belastbar seien, wolle die GEW mit dem Aufruf «Ja zur
Arbeitsniederlegung» ihrerseits «Grenzen
überschreiten». Dabei gehe es nicht um «den Heroismus
Einzelner», sondern um «die Solidarität von
Vielen». Der Streikaufruf sei «eine historische
Situation». «Wir begehen damit in Bayern absolutes
Neuland», betonte der GEW-Chef.
Wegen der zu erwartenden Sanktionen würden Lehrkräfte in
Ausbildung und mit befristeten Verträgen nicht zum Streik
aufgerufen, betonte Wiesmaier. Gerechnet werde unter anderem mit
Disziplinarstrafen und der Einbehaltung des Gehalts für die wegen
des Streiks nicht gehaltenen Schulstunden. Kultusministerin Monika
Hohlmeier (CSU), die die Aktion im Vorfeld als «beispiellosen
Aufruf, sich gesetzeswidrig zu verhalten» bezeichnet hatte, wurde
von dem GEW-Chef als «schlecht informiert» kritisiert. Der
letzte Lehrerstreik in Hessen liege erst einige Monate zurück.
Wiesmaier betonte: «Was in Bayern als Tabubruch gilt, ist in
vielen anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit.»
BLLV-Chef Albin Dannhäuser betonte, sein Verband werde sich nicht
an dem Streik beteiligen: «Wir halten uns raus.» Stattdessen
mache der BLLV «mit allen legalen Kampfmitteln» Front gegen
die immer höher werdende Arbeitsbelastung der Beamten. Ein
Beispiel sei die «Aktion Rotstift», bei der alle Lehrer
aufgefordert sind, Streichlisten zu beschließen. Damit soll
gezeigt werden, welche Aktivitäten es künftig nicht mehr geben
werde.
Hinter die Streikpläne der Gewerkschaft stellte sich dagegen die
Landesschülervertretung (LSV). «Wir verstehen die Wut unserer
Lehrkräfte auf die höheren Belastungen und akzeptieren auch,
dass sie im Protest auf außergewöhnliche Mittel
zurückgreifen», betonte Vorstandsmitglied Vincent Steinl.
Die LSV forderte alle Schüler auf, gemeinsam mit Eltern und
Lehrern die organisierte Kundgebung zu besuchen.
(Quelle: ddp)
Bayern und Hessen wollen Telefon-Überwachung ausweiten
Mi.18.02.04 - Bayern
und Hessen setzen bei der Verbrechensbekämpfung auf eine
stärkere Überwachung von Telefonen und Handys. Nach dem
hessischen Landeskabinett beschloss auch die bayerische Landesregierung
am Dienstag eine entsprechende Bundesratsinitiative, die demnächst
eingebracht werden soll. Damit wolle man auf die Tatsache reagieren,
dass zunehmend Handys bei der Organisation schwerer Straftaten
eingesetzt würden, erklärte die bayerische Justizministerin
Beate Merk.
Die Initiative solle es ermöglichen, bei Kindesmissbrauch,
Kinderpornografie, Menschenhandel und Wirtschaftsdelikten die
Telefon-Überwachung verstärkt einzusetzen, sagte Merk.
Kinderpornohändler und gewerbsmäßige Scheckfälscher
verabredeten ihre Geschäfte immer häufiger telefonisch,
meistens per Handy. «Das Strafverfahrensrecht muss mit dieser
technischen Entwicklung Schritt halten», betonte Merk.
Nach geltendem Recht sei ein Eindringen in diese
Kommunikationsstrukturen durch telefonische Überwachung nicht
zulässig. «Unser Gesetz schließt die bestehenden
Sicherheitslücken und ermöglicht ein effektives Vorgehen
unserer Strafverfolgungsbehörden auch gegen diese schweren Formen
der Kriminalität», sagte die Justizministerin. Die hessische
Landesregierung beschloss die Initiative am Montag, wie ein Sprecher
mitteilte.
(Quelle: ap)
Polizeigewerkschaft für Einführung von
Fingerabdruck in Pässen
Mi.18.02.04 - Der
Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, hat von
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Einführung des
Fingerabdrucks in Pässen gefordert. "Deutschland ist durch
Terrorismus gefährdet. Wir müssen unsere
Kontrollmöglichkeiten ausweiten", sagte Speck den "Stuttgarter
Nachrichten" (Mittwochausgabe). Zudem kritisierte er Schily, weil
deutsche Polizeikräfte nur unzureichend auf die Folgen der
EU-Erweiterung vorbereitet würden: "Wir wissen kaum, was an
Rauschgift- und Schmuggelgeschäften auf uns zukommt, wenn die
Zollkontrollen an den Grenzen zu Weißrussland und zur Ukraine
künftig gelockert werden."
(Quelle:
info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
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