Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Annan hält Wahlen in Irak bis Ende Juni für 'unmöglich'
+++ USA erwägen offenbar Verzicht auf neue Übergangsregierung
in Irak +++ 10 Iraker bei Anschlag auf polnischen Stützpunkt
getötet - Bei den Opfern handelt es sich um irakische
Zivilpersonen, darunter Frauen und Kinder - Seit Januar sind in Irak
bei Selbstmordanschlägen schon 300 Menschen getötet worden
+++ Neue grausame Details über Misshandlung von Gefangenen in Irak
+++ Italienischer Senat verlängert Irak-Einsatz um sechs Monate
Do.19.02.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hält die Abhaltung von Wahlen
in Irak bis Ende Juni für "unmöglich". Obwohl Wahlen in Irak
notwendig seien, scheine es eine "allgemeine Anerkennung der Tatsache
zu geben, dass es nicht möglich sein wird, eine Wahl bis Ende Juni
zu organisieren", sagte Annan der japanischen Tageszeitung "Yomiuri
Shimbun" (Donnerstagausgabe). Wahlen müssten angemessen
organisiert werden. Die Vereinten Nationen seien zur Hilfe für den
Irak bereit. Allerdings müsse sich die Sicherheitslage vor Ort
"deutlich verbessern", so Annan.
Die US-Regierung erwägt nach Angaben eines hochrangigen Beamten,
auf die Bildung einer irakischen Übergangsregierung bis zum 1.
Juli zu verzichten. Stattdessen könnte der bereits im vergangenen
Sommer eingesetzte irakische Verwaltungsrat erweitert und mit der
Vorbereitung von Wahlen beauftragt werden, sagte der Beamte am Mittwoch
der Nachrichtenagentur AP. Diese Alternative war in der vergangenen
Woche von mehreren Mitgliedern des Verwaltungsrats vorgeschlagen worden.
Die US-Regierung wolle jedoch zunächst die Vorschläge von
UN-Generalsekretär Kofi Annan zur Machtübergabe an das
irakische Volk abwarten, erklärte der Gewährsmann weiter.
Annan hatte am Dienstag angekündigt, bis zum Freitag seine
Einschätzung der Lage in Irak zu präsentieren.
Diplomaten am Sitz der UN in New York gehen davon aus, dass der gerade
aus Irak zurückgekehrte UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi von
Wahlen vor dem 1. Juli abrate. Er sei aber dafür, Wahlen
möglichst bald zu organisieren, eventuell noch vor dem Jahresende.
Der Zeitraum zwischen der Machtübergabe am 1. Juli und einer Wahl
müsse nach Ansicht Brahimis so kurz sein, dass eine wie auch immer
geartete Übergangsregierung klar als kurzfristige Einrichtung
erkennbar sei. Brahimi will Annan am (heutigen) Donnerstag gegen 15.45
Uhr MEZ Bericht erstatten.
Die USA haben die UN um Vermittlung im Streit um die Modalitäten
der Machtübergabe in Irak gebeten, nachdem die ursprünglichen
Pläne Washingtons heftige Proteste vor allem in der schiitischen
Bevölkerungsmehrheit ausgelöst hatten. Danach sollten 18
Regionalversammlungen die Abgeordneten eines provisorischen Parlaments
bestimmen, das dann wiederum die Mitglieder einer
Übergangsregierung wählen sollte.
Bei einem Anschlag auf einen polnischen Militärstützpunkt in
Irak sind am Mittwoch mindestens zehn Menschen getötet worden. Bei
den Opfern handelte es sich um irakische Zivilpersonen, darunter Frauen
und Kinder. Zwei mit Sprengstoff beladene Lastwagen fuhren gegen 07.15
Uhr auf Camp Charlie in Hillah zu. Als Wachleute das Feuer
eröffneten, explodierte zunächst ein Fahrzeug. Der zweite
Lastwagen prallte gegen eine Mauer und explodierte ebenfalls.
Der polnische General Mieczyslaw Bieniek sprach von einem
"koordinierten Terroranschlag". Von der Detonation wurden elf
Gebäude in der Nähe zerstört. 64 Menschen wurden
verletzt, darunter 33 Soldaten der Koalitionstruppen: zwölf
Philippiner, zehn Polen, zehn Ungarn und einen Amerikaner. Unter den
zehn Toten sind auch die beiden Fahrer.
"Die Strategie des Feindes ist ganz klar", sagte der Kommandeur der
US-Truppen in Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, in Tikrit. "Er
will uns vom irakischen Volk isolieren." Bei etlichen
Selbstmordanschlägen im ganzen Land sind in diesem Jahr schon 300
Menschen getötet worden, die meisten Opfer waren Iraker.
Über die Misshandlung irakischer Gefangener durch britische
Soldaten hat die britische Boulevardzeitung "The Sun" neue grausame
Details veröffentlicht. Eine britische Armee-Einheit habe in der
südirakischen Stadt Basra einen Kriegsgefangenen zu Tode
gequält und um Gnade flehende Häftlinge wiederholt
misshandelt und gefoltert, zitierte das Blatt in seiner
Donnerstagausgabe einen britischen Soldaten. Ihm sei beim Anblick der
Misshandlungen "schlecht geworden", sagte der Soldat. Der zu Tode
geprügelte Iraker habe ein "geschwollenes, schwarzes Auge" gehabt,
"seine Nase war gebrochen und sein Unterkiefer offensichtlich
ausgerenkt".
Italiens Senat hat einer Verlängerung des Einsatzes im Irak um
sechs Monate zugestimmt. Damit bleiben italienische Soldaten nun bis
Juni im Land. Insgesamt wurden Gelder für 23 italienische
Friedensmissionen im Ausland gebilligt. Die Regierung von Premier
Silvio Berlusconi hat den Irak-Krieg unterstützt, hatte jedoch
keine Soldaten im Kriegseinsatz. Nach dem Ende der Kampfhandlungen
schickte Italien rund 3000 Soldaten zum Wiederaufbau in den Irak.
Das irakische Ölministerium prüft derzeit ein Angebot Irans
zum Bau einer Ölpipeline entlang der Wasserstraße Schatt el
Arab in Südirak. "Wir erstellen gerade eine Machbarkeitsstudie
für die Rohölleitung mit einer geplanten Tageskapazität
von 250.000 Barrel", sagte Ölminister Ibrahim Bahr el Ulum am
Mittwoch zu Journalisten. Iran hat Irak im Winter mit
Öllieferungen ausgeholfen.
(Quelle: afp, ap, dpa)
Der irakische Regierungsrat steht im Zentrum neuer Aufmerksamkeit.
Schiiten und Kurden bilden eine neue Allianz. Die Sicherheitslage als
Risiko und Geschäft für private Firmen...
Mehr bei telepolis (19.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16786/1.html
Es hat ... nichts mit den Genen zu tun, dass die arabische Welt es
einfach zu keiner Demokratie bringt
...Viele Araber hätten inzwischen wirklich gern ein Stück vom
teuren Gut 'Demokratie' ab. Wenn Araber in den Westen immigrieren, wenn
sie einen amerikanischen, britischen, französischen Pass oder den
irgendeines anderen westlichen Landes bekommen und sich in diesen
Ländern niederlassen, sind sie nicht minder zur "Demokratie"
befähigt wie wir andern. Die Iraker aus Dearborn in Michigan sind
so wie alle Amerikaner und wählen - überwiegend - die
Demokraten; bei Arbeit und Sport verhalten sie sich nicht anders als
jeder andere freiheitsliebende Bürger der USA. Es hat also nichts
mit den Genen zu tun, dass die arabische Welt es einfach zu keiner
Demokratie bringt. Das Volk ist nicht das Problem. Das Problem ist der
Rahmen, der Aufbau dieser patriarchalischen Gesellschaften und - am
entscheidendsten - die Künstlichkeit der Staaten, die wir für
sie schufen. Derlei Staaten bringen keine Demokratien hervor, sie
können es nicht. Die Diktatoren, die wir bezahlten, die wir
bewaffneten und hätschelten, regierten mit Folter, gestützt
auf ihren Stamm. Angesichts einer Nation, an die sie vielfach nicht
glauben mochten, setzten die arabischen Völker ihr ganzes
Vertrauen in ihren Stamm. Die Könige waren Stammeskönige -
das Haschemitengeschlecht beispielsweise stammt aus dem Nordosten des
Landes, das wir heute Saudi-Arabien nennen. Auch die Diktatoren waren
Stammesleute. Saddam - das wurde der Welt ja ständig gesagt -, ist
ein Tikriti. Diese ruchlosen Männer konnten sich durch ein
Netzwerk an Stammesbünden und religiösen Bündnissen an
der Macht halten.
Natürlich sagten wir den Irakern, wir würden ihnen die
Demokratie bringen - als wir in ihr Land eindrangen. Sie würden
freie Wahlen bekommen. Ich erinnere mich noch an den Moment, als mir
klar wurde, was für ein unehrliches Versprechen das ist. Es war,
als Paul Bremer, der gescheiterte US-Prokonsul im Irak, plötzlich
nicht mehr von Demokratie sprach sondern von einer
"repräsentativen Regierung" - was durchaus nicht das gleiche ist.
Es war, als Leute vom Schlage Daniel Pipes - ein rechtsgerichteter
Vetter jener Neokonservativen, die wir nicht länger so nennen
dürfen -, damit anfingen, nicht mehr für die "Demokratie" im
Irak einzutreten sondern für einen "demokratisch gesinnten
Autokraten". Bremer sagt, vor der "Übergabe" der
"Souveränität" im Juni könne es keine Wahlen geben. Aber
diese "Übergabe" an sich ist schon eine Lüge, da sie die
mythische "Souveränität" des Irak an eine Gruppe Iraker
delegiert, die zuvor von Amerikanern und Briten ausgesucht wurde. Diese
werden - toi, toi, toi - zu einem späteren Zeitpunkt jene
demokratischen Wahlen abhalten, die wir dem irakischen Volk
fälschlicherweise versprachen und die die Schiiten des Irak jetzt
so lautstark einfordern. Aber selbst wenn es je zu Wahlen kommt, die
meisten Iraker werden im Sinne ihres Stamms und ihrer Religion
wählen. So hat ihr politisches System seit fast hundert Jahren
funktioniert, und so funktioniert derzeit auch der von den Amerikanern
verlesene "Interimsrat"....
Aus: Robert Fisk - "Demokratie in einem arabischen Staat",
Independent/ZNet 13.02.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1008
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=15&ItemID=4981
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US-Vorwahl: Ex-Favorit Dean gibt auf - Nur noch ein Wettbewerber
für Kerry
Do.19.02.04 - Der bei den Vorwahlen deutlich führende US-Senator John Kerry hat
nur noch John Edwards als Mitbewerber für den demokratischen
Präsidentschaftskandidatur, nachdem Howard Dean nach einem
schlechten Abschneiden im Bundesstaat Wisconsin aus dem Rennen ausstieg.
"Heute mag meine Kandidatur beendet sein, aber unsere Kampagne für
einen Wechsel ist noch nicht vorbei", erklärte Dean, der lange
Zeit als Favorit für die Demokraten gegolten hatte, am Mittwoch.
Mehrere hundert Menschen jubelten dem Ex-Gouverneur von Vermont zu als
er sagte: "Zusammen haben wir die Kraft, das Weiße Haus
zurückzuerobern ... und das ist es, was wir wollen". Dean hatte
entgegen der ursprünglichen Erwartungen keine der bislang 17
Vorwahlen gewonnen und landete beim jüngsten Urnengang
abgeschlagen auf dem dritten Platz.
Kerry gewann die Abstimmung am Vortag knapp vor seinem Senatskollegen
Edwards. Damit ist der 60-jährige Kerry aus 15 der bisherigen
Vorwahlen als Sieger hervorgegangen und gilt in Umfragen mittlerweile
auch als chancenreicher Herausforderer des republikanischen
Amtsinhabers George W. Bush im November. Er verfügt bereits
über die Unterstützung von mehr als einem Viertel der
für die Nominierung zum Kandidaten auf dem Konvent im Juli
notwendigen Wahlmännerstimmen. Der Blick richtet sich nun auf den
"Super Tuesday" am 2. März, wo in zehn Bundesstaaten
Vorentscheidungen bei den Demokraten fallen.
Edwards sagte, er verfüge über ausreichend Mittel, um seine
Kampagne bis in den März fortzuführen. Er wolle sich jetzt
auf die Bundesstaaten Ohio, Georgia und New York konzentrieren, wo es
wie auch in Wisconsin vergleichsweise hohe Verluste an
Arbeitsplätzen gegeben hat. Kerry und seine Berater zeigten sich
bemüht, das starke Abschneiden des Senators aus North Carolina
herunterzuspielen. "Ein Sieg ist ein Sieg", erklärte der von
seinen bisherigen eher klaren Vorwahlerfolgen verwöhnte Bewerber
Kerry.
(Quelle: rtr)
Kerry in Umfrage weit vor US-Präsident Bush
Do.19.02.04 - US-Präsident George W. Bush ist in der Gunst der Amerikaner weiter
gesunken. Bei der jüngsten Umfrage im Auftrag von CNN
erklärten 55 Prozent, sie würden bei der
Präsidentschaftswahl für John Kerry stimmen. Bush würden
nur 43 Prozent wählen. Kerry gilt als großer Favorit auf
eine Kandidatur der demokratischen Partei - er hat bereits 15 von 17
Vorwahlen gewonnen. Auch John Edwards führt laut der Umfrage mit
55 zu 44 Prozent vor Bush. Edwards ist der zweite Kandidat der
Demokraten, der noch gut im Rennen liegt.
(Quelle: dpa)
Verschuldung der US-Regierung erstmals auf über sieben Billionen
Dollar gestiegen
Do.19.02.04 - Die Verschuldung habe Dienstag 7,015 Billionen Dollar erreicht,
hieß es in einem Bericht des US-Finanzministeriums am Mittwoch.
Während das Durchbrechen der sieben Billionen an sich keine
praktische Relevanz hat, könnte es Präsident George W. Bush
in Zeiten des Wahlkampfs in Sachen Finanzpolitik unter Druck bringen.
Zur Größenordnung: Das Bruttoinlandsprodukt der USA lag per
Ende 2003 bei rund elf Billionen Dollar, wie Daten des
Handelsministeriums ergaben.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Treffen von Kureia und Scharon weiter offen +++ Schröder, Chirac
und Blair für stärkeres Nahost-Engagement der EU +++ Kureia
fordert Friedenstruppen für Nahost +++ IKRK: Israelischer
Sperrwall verstößt gegen Menschenrechte +++ USA und EU
werden vor IGH nicht zu israelischer Sperranlage sprechen +++ 5000
Siedler demonstrieren in Jerusalem gegen Scharon +++
Palästinensischer Gesundheitsminister Tibi entkommt
Schießerei
Do.19.02.04 - Ein erstes und lang erwartetes Treffen zwischen dem
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia und seinem
israelischen Kollegen Ariel Scharon verzögert sich weiter. Ein
für (den heutigen) Donnerstag anberaumtes Vorbereitungstreffen
ihrer Büroleiter wurde auf Drängen Israels um mehrere Tage
verschoben, wie Kureia in Brüssel mitteilte.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben sich derweil
für ein stärkeres Engagement der EU bei der Suche nach einer
Lösung des Nahost-Konflikts ausgesprochen. Bundeskanzler Gerhard
Schröder, Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister
Tony Blair seien sich bei ihrem Treffen in Berlin einig gewesen, dass
man einen "proaktiven Ansatz" bei dem Thema wählen müsse,
hieß es am Mittwochabend in deutschen Regierungskreisen.
Die Nahost-Initiative von Bundesaußenminister Joschka Fischer sei
von Chirac und Blair grundsätzlich unterstützt worden. Die
Vorschläge müssten auch "wesentliche Elemente eines
europäischen Ansatzes" sein, hieß es.
Fischer hatte auf der Sicherheitskonferenz in München vor zwei
Wochen eine europäisch-amerikanische Initiative zur Stabilisierung
des Nahen Ostens vorgeschlagen. Danach soll die EU den Staaten von
Marokko über Israel und Palästina bis Syrien den Aufbau einer
Freihandelszone anbieten, die bis 2010 "den gesamten Mittelmeerraum
umfasst". Alle Beteiligten müssten sich zum Aufbau von Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit und Gewaltverzicht verpflichten.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia hat am
Mittwoch eine internationale Friedenstruppe für den Nahen Osten
gefordert. Die Soldaten müssten die Grenzen überwachen, falls
der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon seinen Plan
für einen Abzug aus dem Gazastreifen umsetze. Kureia äusserte
sich vor dem EU-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten in
Brüssel.
Zwar sei die Autonomiebehörde in der Lage, für Sicherheit
nach einem Rückzug Israels zu sorgen. "Aber wir brauchen
internationale Truppen oder eine Friedensmission zu der Zeit (des
Abzuges). Das wird helfen." Dies gelte auch für das
Westjordanland. In seiner langen Rede vor den EU-Parlamentariern
forderte er die europäischen Regierungen ferner auf, israelische
Militäraktionen genau so heftig zu kritisieren wie
palästinensische Selbstmordanschläge.
"Wir verurteilen das Töten von Zivilpersonen. Wir wollen, dass
Israelis auch verurteilen, was sie als Staat den Palästinensern
antun", sagte Kureia. "Wir wollen von Ihnen eine laute Stimme. Ist
unser Blut nur Pepsi Cola? Unser Blut stammt auch von Menschen!" Auf
die Forderung, schärfer gegen Terrorismus und Korruption in der
Autonomiebehörde vorzugehen, ging er nicht direkt ein. Kernpunkt
seiner Agenda sei die Durchführung von Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen im Juni oder Juli. Ursprünglich waren
Wahlen für Januar vorgesehen.
Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana sagte nach einem Treffen mit
Kureia, die EU stehe Überlegungen zu einer Friedensmission offen
gegenüber, solange sie auf der Grundlage des internationalen
Friedensplanes stehe. Die so genannte Road Map sieht eine internationale
Überwachung des Friedensprozesses vor.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi gab Kureia bei einem Treffen
keine Zusage über die Freigabe von 40 Millionen Finanzhilfe der
EU, die wegen den schleppenden Reformen innerhalb der
Autonomiebehörde eingefroren wurden.
Die israelische Zeitung "Yediot Ahronot" berichtete am Mittwoch
nähere Details über Scharons Plan zu einer einseitigen
Trennung von den palästinensischen Gebieten. Demnach will Scharon
einen schnellen und kompletten Rückzug aus dem Gazastreifen und
die Aufgabe der dortigen Siedlungen. Die Siedlungen sollten über
ein internationales Gremium an die Palästinenser weitergeben
werden.
Eine hohe US-Delegation unter Leitung von Unterstaatssekretär
William Burns traf unterdessen in Jerusalem ein, um Einzelheiten
über Scharons Absichten in Erfahrung zu bringen. Der israelische
Aussenminister Silvan Schalom sagte, die Unterstützung Washingtons
für die Pläne sei unbedingt notwendig. Eine internationale
Unterstützung könne auch die Palästinenser zum einlenken
bringen.
Etwa 5000 Menschen haben am Mittwochabend in Jerusalem gegen die
geplante Räumung jüdischer Siedlungen im Gazastreifen
demonstriert. Nach Medienberichten verlangten sie in Sprechchören
unter anderem den Rücktritt von Ministerpräsident Ariel
Scharon.
Erstmals hat sich das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK)
zum umstrittenen Sperrzaun geäussert: Israel habe die Grenzen
dessen, was einer Besatzungsmacht gemäss internationaler
Menschenrechte erlaubt sei, weit überschritten, hiess es in einer
Erklärung. Das IKRK habe schwere Bedenken. Der Zaun führe zu
einer umfassenden Enteignung palästinensischen Territoriums,
zerstöre Gebäude und landwirtschaftliche Flächen und
hindere Tausende am Zugang zu Wasser, Schulen, Arbeitsstellen und den
eigenen Feldern. Israels Botschafter in Genf kritisierte den Schritt
des Roten Kreuzes. Der Staat sei wegen zahlreicher
Selbstmordanschläge zum Bau des Sicherheitszaunes gezwungen
worden. Es bestehe die Gefahr, dass sich das IKRK zum politischen
Werkzeug gegen die israelische Selbstverteidigung instrumentalisieren
lasse.
Die USA und die EU-Mitgliedsländer werden sich nicht vor dem
Internationalen Gerichtshof (IGH) zu der umstrittenen israelischen
Sperranlage äußern. Das teilte das Gericht am Mittwoch in
Den Haag mit. Die von der UN-Vollversammlung beantragten
Anhörungen zur Rechtmäßigkeit des Sperrwalls beginnen
am kommenden Montag. Bis Mittwoch wollen nach IGH-Angaben 16 Staaten
oder Organisationen ihre Position zu der Anlage mündlich darlegen:
die palästinensische Delegation, Algerien, Bangladesch, Belize,
Indonesien, Jordanien, Kuba, Madagaskar, Malaysia, Saudi-Arabien,
Senegal Sudan, Südafrika, die Türkei, die Arabische Liga und
die Organisation der Islamischen Konferenz. Die USA und die EU-Staaten
haben ihrerseits schriftlich Stellung genommen.
Der palästinensische Gesundheitsminister Dschauwa Tibi ist in
Dschenin im Westjordanland einer Schießerei entkommen -
unverletzt. Bei einem Streit mit Mitgliedern der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat hätten mehrere
Bewaffnete das Feuer in einem Restaurant eröffnet, berichten
Augenzeugen. Tibi und ein palästinensischer Wirtschaftsvertreter,
der mit ihm über Gelder für die Entwicklung Dschenins
sprechen wollte, seien geflüchtet.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Manchmal scheint es, als sei der Gazastreifen zum zentralen
Schießplatz und zum Übungsplatz der israelischen geworden.
Die dort verwendeten Waffen sind von zweifelhafter Legalität, den
Einsatzregeln fehlt es an Zurückhaltung...
Mehr bei Ha' aretz / ZNet Deutschland
(Gideon Levy - "Der Schießplatz der IDF", 15.02.04):
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1011
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Syrien bietet Israel neue Friedensgespräche an
Do.19.02.04 - Syrien hat Israel eine Wiederaufnahme der vor vier Jahren abgebrochenen
Friedensgespräche angeboten. Das sagte der syrische
Vizepräsident Abdul Halim Chaddam am Mittwoch in Damaskus am Rande
des Besuchs einer Bauerndelegation aus Irak zu Journalisten. Sein Land
habe das Angebot über die Türkei an Israel übermittelt,
erklärte Chaddam.
Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte in einem
am Mittwoch veröffentlichten Interview der in London
ansässigen arabischsprachigen Zeitung «Al-Hayat», er
habe kürzlich Briefe und Dokumente von Syrien erhalten und sie an
Israel und die Vereinigten Staaten weitergeleitet. Gül unterstrich
die Bereitschaft der Türkei, beim Zustandekommen neuer
syrisch-israelischer Friedensgespräche zu helfen.
Syrien will die Verhandlungen dort aufnehmen, wo sie im Januar 2000
abgebrochen wurden. Die damalige israelische Regierung hatte bereits
zugestimmt, sich fast vollständig von den 1967 besetzten und
später annektieren Golanhöhen zurückzuziehen. Der
derzeitige Ministerpräsident Ariel Scharon beharrt dagegen darauf,
dass die Verhandlungen neu beginnen.
(Quelle: ap)
Taliban bereiten nach afghanischen Angaben Offensive vor
EU-Außenkommissar Patten fordert Verstärkung der
Sicherheitsvorkehrungen in Afghanistan +++ Caritas fordert weitere
Mittel für Afghanistan-Aufbau
Do.19.02.04 - Kämpfer der radikalislamischen Taliban bereiten eine neue
Offensive gegen US-Truppen und Regierungsziele im Südosten
Afghanistans vor. Das berichtet die örtliche Nachrichtenagentur
AIP unter Berufung auf die Regierung der Provinz Zabul. Rund 80 Prozent
der Provinz sind nicht unter Kontrolle der Regierung. Bei Kämpfen
und Anschlägen wurden seit Beginn des Jahres mehr als 100 Menschen
getötet. Zuletzt waren Pläne der USA bekannt geworden, mit
Beginn der Schneeschmelze eine neue Offensive gegen die Islamisten zu
beginnen.
EU-Außenkommissar Chris Patten hat die NATO am Mittwoch zu einer
Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Afghanistan vor den
geplanten Wahlen im Juni aufgerufen. Weniger als eine Million
Wähler hätten sich bisher für die Abstimmungen
registrieren lassen, sagte Patten zum Abschluss seines zweitägigen
Besuchs. Notwendig seien jedoch zehn bis zwölf Millionen
Wähler. Er hoffe sehr, dass dies bei der NATO und der
internationalen Gemeinschaft berücksichtigt werde.
Die Vereinten Nationen haben erklärt, ohne verbesserte
Sicherheitsvorkehrungen sei die Durchführung der
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen gefährdet. Patten
erklärte, es gebe immer noch Hoffnung, dass im Sommer ein neuer
Präsident gewählt werden könne. Die Parlamentswahl solle
dann kurze Zeit später folgen. Der EU-Kommissar zeigte sich
außerdem besorgt angesichts des florierenden Drogenanbaus in
Afghanistan. Er erklärte, die NATO-Soldaten müssen die
afghanischen Sicherheitskräfte in ihrem Kampf gegen die
Drogenhändler unterstützen. Andernfalls könne es zu
einer Kriminalisierung weiter Teile des Landes kommen.
Für den Wiederaufbau in Afghanistan und humanitäre Hilfe sind
nach Ansicht der Caritas weitere finanzielle Mittel notwendig.
Millionen Menschen lebten dort am Rande des Existenzminimums,
erklärte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter
Neher, am Mittwoch in Freiburg. "Die Humanitäre Hilfe wird
über Jahre hin weiter notwendig sein." Sie könne aber ein
umfangreicheres Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
für den Wiederaufbau nicht ersetzen. Neher kehrte vor kurzem von
einer Reise aus Afghanistan zurück.
Besonders die tägliche Ernährung der Familie stelle für
Frauen in Kabul das größte Problem dar. Dies sei das
Ergebnis einer Studie, bei der 3.600 Frauen in den ärmsten
Stadtteilen Kabuls befragt wurden. Zwei Drittel der befragen Haushalte
verfügen demnach über maximal ein bis zwei Dollar am Tag, um
den Lebensunterhalt zu bestreiten. 56 Prozent der Frauen teilten sich
mit ihren Familien - in der Regel etwa sechs Personen - ein einziges
Zimmer, oft ohne Fenster oder Türen, berichtete Neher. Kaum ein
Haushalt habe Strom oder direkten Zugang zu Trinkwasser.
Die Zahl der Haushalte in Kabul ohne Mann wird den Angaben zufolge auf
etwa 30.000 geschätzt. Diese Familien seien besonders hart
betroffen, denn Witwen und geschiedene Frauen seien völlig an den
Rand der Gesellschaft gedrängt. Frauen mit Behinderungen seien
eine für die Familien untragbare Bürde.
(Quellen: dpa, ap)
US-Regierung zweifelt an Rechtmäßigkeit der Wahl in Iran -
Iranische Friedensnobelpreisträgerin Ebadi für Wahlboykott
Do.19.02.04 - Die US-Regierung hat Zweifel an der Rechtmäßigkeit der
kommenden Parlamentswahl in Iran geäußert. "Wir denken, dass
die iranische Regierung dem Volk eine Chance geben muss, seiner Stimme
Gehör zu verschaffen", sagte US-Außenamtssprecher Richard
Boucher am Mittwoch in Washington. Die am Freitag anstehende Wahl
"entwickelt sich bislang nicht in dieser Art." Auf die Frage, ob die
Wahl die Beziehungen zwischen Teheran und Washington beeinflussen
könnte, antwortete Boucher ausweichend: "Wir werden sehen."
Zwei Tage vor der umstrittenen Parlamentswahl in Iran hat sich auch die
iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi für einen
Boykott ausgesprochen. Da ihr die Kandidaten nicht gut genug bekannt
seien, werde sie nicht zur Wahl gehen, sagte sie einer Teheraner
Zeitung. Wegen des Ausschlusses von mehr als 2000 liberalen Kandidaten
von der Wahl durch den konservativen Klerus haben liberale Gruppen und
reformorientierte Abgeordnete zum Wahlboykott aufgerufen.
(Quelle: afp, dpa)
Vor 25 Jahren entstand in Iran der Gottesstaat. Abolhassan Bani-Sadr
war erst Präsident der Islamischen Republik, später deren
Gegner. Heute sagt er: Die Reformer um Chatami haben versagt - doch die
Macht der Mullahs bröckelt...
Mehr in der "tageszeitung" vom 19.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/19/a0177.nf/text
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Warnungen vor humanitärer Katastrophe in Haiti -
Aufständische setzen Vormarsch fort
Do.19.02.04 - Angesichts der Gewalt in Haiti hat der UN-Sicherheitsrat vor einer
humanitären Krise in dem Karibikstaat gewarnt. In einer in New
York veröffentlichten Erklärung forderte das Gremium den
haitianischen Präsidenten Jean Bertrand Aristide und die
Opposition zur Wiederherstellung der Ordnung auf. Unterdessen
formierten sich die immer weiter vorrückenden bewaffneten
Aufständischen unter der Führung von Ex-Polizeichef Guy
Philippe neu.
Nach Angaben von UN-Diplomaten denkt der UN-Sicherheitsrat derzeit
nicht an eine Entsendung von Friedenstruppen nach Haiti. Das Gremium
forderte Aristide auf, "Vertrauen und Dialog" wiederherzustellen und
warnte vor einer Verschlechterung der humanitären Lage. Die
französische Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger
befürchtete eine humanitäre Katastrophe.
Aristide stößt bislang mit seiner Forderung nach
internationaler Unterstützung zur Niederschlagung des bewaffneten
Aufstandes bei der internationalen Gemeinschaft auf taube Ohren.
Derzeit gebe es "keinen Plan", die Krise in dem Karibikstaat mit
internationaler Polizei oder Militär zu lösen, sagte
US-Außenminister Colin Powell. Sobald eine politische Einigung
erreicht sei, werde die internationale Gemeinschaft mit
zusätzlichen Polizeitruppen "tun, was sie kann".
Die regierungstreuen haitianischen Polizeitruppen verloren inzwischen
die Kontrolle über weite Teile des Landes. Angesichts der immer
weiter vorrückenden Aufständischen gaben die entlang der
Grenze zur Dominikanischen Republik stationierten Polizeikräfte
ihre Posten kampflos auf und suchten das Weite.
Zum Befehlshaber der in Nationale Revolutionäre Front zur
Befreiung Haitis benannten Rebellenbewegung wurde der kürzlich aus
dem Exil in der Dominikanischen Republik zurückgekehrte
frühere Polizeichef Philippe ernannt. Für den Fall, dass
Präsident Aristide nicht zurücktritt, drohte Philippe in der
Rebellenhochburg Gonaives mit Eroberung der viertgrößten
Stadt Cap-Haitien und der Hauptstadt Port-au-Prince.
Aristide, dem seine Gegner Korruption und Machtmissbrauch vorwerfen,
lehnt einen Rücktritt bislang kategorisch ab. Seit dem Scheitern
der Parlamentswahl Ende vergangenen Jahres herrscht der ehemalige
Armenpriester per Dekret über den verarmten Karibikstaat. Bei den
gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und
Gegnern Aristides wurden allein in den vergangenen zwei Wochen mehr als
55 Menschen getötet.
(Quelle: afp)
Annan fordert harte Entscheidungen bei Zypernverhandlungen -
Bombenexplosion vor Haus des türkisch-zyprischen
Ministerpräsidenten
Do.19.02.04 - Am Vorabend neuer Zypernverhandlungen in Nikosia hat
UN-Generalsekretär Kofi Annan die griechische und die
türkische Seite zu harten Entscheidungen ermutigt, um die Teilung
der Mittelmeerinsel zu überwinden. "Das ist eine große
Chance für die Menschen auf Zypern, hart zu arbeiten und wieder
zusammen zu kommen", sagte Annan am Mittwochabend in New York. Für
beide Seiten sei es Zeit, sich zu bewegen.
Vergangenen Freitag hatten der Führer der türkischen Zyprer,
Rauf Denktasch, und der griechisch-zyprische Präsident Tassos
Papadopoulos unter dem Druck der UN den formellen Verhandlungen
zugestimmt. Bis zum 22. März soll nach dem Wunsch Annans eine
umfassende Lösung vorliegen, damit die seit 30 Jahren geteilte
Insel am 1. Mai wiedervereint der Europäischen Union beitreten
kann.
Ein Bombenanschlag hat wenige Stunden vor der Aufnahme von
Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns die
Mittelmeerinsel erschüttert. Der Sprengsatz explodierte am
Donnerstagmorgen vor dem Haus des türkisch-zyprischen
Ministerpräsidenten Mehmet Ali Talat. Verletzt wurde niemand, es
gingen aber mehrere Fensterscheiben zu Bruch.
Talat erklärte unmittelbar nach dem Anschlag, die Verhandlungen
würden wie geplant stattfinden. "Es gibt keine Umkehr auf diesem
Weg", sagte der türkisch-zyprische Ministerpräsident. Er
wollte um 9 Uhr MEZ mit dem griechisch-zyprischen Präsidenten
Tassos Papdopoulos an einem stillgelegten Flughafen an der Grenze
zusammentreffen, um über die Wiedervereinigung geteilten
Mittelmeerinsel zu beraten. Auch der türkisch-zyprische
Volksgruppenführer Rauf Denktasch wurde zu der Zusammenkunft
erwartet.
(Quelle: ap)
Klimaforscher warnt vor Temperaturanstieg in Europa
Do.19.02.04 - Mit einer steigenden Konzentration an Treibhausgasen könnten
Rekordsommer wie der im vergangenen Jahr ganz gewöhnlich werden.
Einer Schweizer Studie zufolge wird bis zum Ende dieses Jahrhunderts
die Durchschnittstemperaturen in Europa um rund vier Grad ansteigen.
Die Hitzewelle des vergangenen Sommers habe große
Ähnlichkeit mit den Voraussagen vieler regionaler Klimamodelle
für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts, schreibt der
Klimaforscher Martin Beniston von der Schweizer Universität
Freiburg in der neuesten Ausgabe des Fachmagazines «Geophysical
Research Letters».
Beniston hatte für seine Studie unter anderem statistischen
Angaben während der Hitzewelle vergangenen Jahres in Basel
untersucht. Diese Angaben hatte er dann mit Daten aus dem
zurückliegenden Jahrhundert und möglichen kommenden
Temperaturextremen auf der Grundlage von Modellsimulationen verglichen.
Aus vielen Gründen könnten die Ereignisse von 2003 als
Analogie für künftige Sommer betrachtet werden, heißt
es weiter.
Beniston hatte bereits in Zeitungsinterviews vom Juli vergangenen
Jahres darauf hingewiesen, dass sich in den kommenden 50 bis 100 Jahren
die Klimazonen weiter nach Norden verschieben.
Erst im Januar hatte ein Zürcher Forscherteam um Christoph
Schär eine ähnliche Studie vorgestellt. Vom Jahr 2071 an
dürfte demnach ungefähr jeder zweite Sommer in Europa gleich
warm oder wärmer ausfallen als jener des Jahres 2003
(«Nature», DOI:10.1038/nature02300).
(Quelle:dpa )
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402130.htm#04021tu
Mehr zum Thema Klimawandel unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401130.htm#040113_
Schröder, Chirac und Blair für EU-Superkommissar
Alle drei fordern stärkere Anstrengungen der EU zur Förderung
der Wirtschaft - Kritik zurückgewiesen, sie bildeten ein
"Direktorium", das die EU dominiere
Do.19.02.04 - Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen ihren
Reformkurs für die europäische Wirtschaft durch einen
ausschließlich dafür zuständigen Vize-Präsidenten
der EU-Kommission voranbringen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte nach einem Treffen mit
Frankreichs Präsident Jacques Chirac und dem britischen
Premierminister Tony Blair am Mittwochabend in Berlin, eine
entsprechende Forderung werde an Kommissionspräsident Romano Prodi
und die irische EU-Ratspräsidentschaft übermittelt. In dem
Brief der drei Politiker wird für den Vize-Präsidenten eine
Koordinierungsfunktion gegenüber anderen Kommissaren gefordert,
was eine stärkere Hierarchie in das Gremium bringen würde als
bislang. Hinter der Forderung steht die Kritik vor allem
Schröders, die Kommission habe industriepolitische Interessen
immer wieder vernachlässigt. Alle drei forderten stärkere
Anstrengungen der EU zur Förderung der Wirtschaft.
In deutschen Regierungskreisen hieß es am Abend, der Vorschlag
eines Vize-Präsidenten sei lediglich eine Anregung. Sowohl bei
dieser Funktion als auch bei der anstehenden Prodi-Nachfolge habe man
keine Kandidaten ins Auge gefasst. "Es ist heute Abend nicht über
Namen und Nationalitäten gesprochen worden." Der Dreiergipfel sei
eine Form der Zusammenarbeit mit Zukunft. "Wenn es gelingt, zwischen
diesen Dreien eine Art von Kompromisskultur zu entwickeln, können
sie (...) Europa voranbringen." Schröder, Chirac und Blair seien
sich einig, dass die europäische Verfassung noch in diesem Jahr
unter Dach und Fach gebracht werden müsse.
In dem Brief, den die drei Politiker öffentlich unterzeichneten,
heißt es: "Außerdem fordern wir zur Verwirklichung unserer
Wachstumsziele die Ernennung eines ausschließlich für Fragen
der Wirtschaftsreform zuständigen Vize-Präsidenten der
Kommission. Diese Person sollte die Lissabon-Agenda vorantreiben und
eine Koordinierungsfunktion gegenüber den Kommissaren
ausüben, deren Ressorts für ihre Umsetzung von besonderer
Bedeutung sind." Als Lissabon-Agenda werden die im Jahr 2000 beim
EU-Gipfel in Portugal beschlossenen Pläne bezeichnet, die
Europäische Union (EU) bis zum Jahr 2010 zum dynamischsten
Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Die im Brief geforderte Koordinierungsfunktion wäre ein Kompromiss
zwischen dem bisherigen Prinzip gleichberechtigter Kommissare und einer
Hierarchie. Wegen der Sensibilität vor allem kleiner EU-Staaten
hat die Bundesregierung bislang den Eindruck vermeiden wollen, sie
fordere eine Hierarchie. Kleinere Länder fürchten, mit
untergeordneten oder weniger bedeutenden Kommissarposten abgespeist zu
werden, während große Mitglieder wichtige Ämter
besetzen. Durch die EU-Erweiterung von 15 auf 25 Staaten wächst
auch die Zahl der Kommissare auf 25.
In Medienberichten war spekuliert worden, Schröder wolle
dafür den derzeitigen Erweiterungskommissar Günter Verheugen
(SPD) oder Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nominieren. Die
Bundesregierung bezeichnete diese Berichte als spekulativ. Eine
öffentliche Festlegung auf einen Kandidaten zum jetzigen Zeitpunkt
wurde in Regierungskreisen abwegig genannt, da die Rahmenbedingungen
wie das Ergebnis der Europawahl noch unklar seien und die
Sensibilitäten der anderen Mitglieder beachtet werden müssten.
Die gegenwärtige Kommission unter Prodi amtiert noch bis zum
Herbst. Die Schlüsselrolle bei der Bildung der neuen Kommission
kommt den Regierungschefs der EU zu. Der neue Präsident und
später die Kommission muss vom Europaparlament bestätigt
werden, das im Juni neu gewählt wird.
Schröder sagte nach dem Treffen, die drei Staaten stimmten in der
Auffassung überein, dass die EU größere Anstrengungen
für Wachstum und Beschäftigung unternehmen muss. Ähnlich
äußerten sich auch Chirac und Blair. In einer entsprechenden
Erklärung heißt es, es gelte, "Hürden zu beseitigen,
die moderne, flexible Beschäftigungsformen verhindern".
Andernfalls seien die selbst gesetzten Ziele für Wachstum und
Beschäftigung nicht zu erreichen.
Die drei Politiker wiesen die Kritik unter anderem Italiens
zurück, sie bildeten ein "Direktorium", das die EU dominiere. "Wir
wollen niemanden dominieren, schon gar nicht Europa", sagte
Schröder. Nach den Beratungen mit ihren Fachministern wollten die
drei Politiker sowie die Außenminister der Länder beim
Abendessen über die künftige Entwicklung der EU beraten, etwa
die geplante Verfassung und die EU-Finanzen.
(Quelle: rtr)
Ifo: Erweiterung der EU führt in Osteuropa zu Wirtschaftswunder
Sinn: Gewaltige Lohnunterschiede bergen Gefahren - Arbeitskosten in
Deutschland müssten sinken - Warnung vor einer steigender
Arbeitslosigkeit in Deutschlands Grenzgebieten
Do.19.02.04 - Die EU-Erweiterung wird in den Beitrittsländern Mittel- und
Osteuropas nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts ein
Wirtschaftswunder auslösen.
"Wir erwarten, dass ein Wirtschaftswunder in den Osteuropäischen
Beitrittsländern in den nächsten Jahren stattfinden wird,
welches vergleichbar ist mit dem Wirtschaftswunder in der
Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg", sagte Ifo-Chef
Hans-Werner Sinn am Mittwoch bei der Vorstellung eines
Konjunkturberichtes. Obwohl diese Entwicklung auch der deutschen
Wirtschaft große Chancen biete, warnte Sinn vor einer steigender
Arbeitslosigkeit in Deutschlands Grenzgebieten.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement dagegen zeigte sich
überzeugt, dass Deutschland wirtschaftlich von der EU-Erweiterung
profitieren werde.
Sinn wies auf die gewaltigen Lohnunterschiede zwischen West- und
Osteuropa hin. Die Löhne der Osteuropäer lägen bei einem
Viertel des EU-Durchschnitts und einem Sechstel der westdeutschen
Löhne. Selbst im Jahr 2020 werden die polnischen Lohnkosten kaum
die Hälfte des Niveaus der westdeutschen Lohnkosten erreicht
haben, schätzte Sinn. Daher müssten die Arbeitskosten in
Deutschland sinken, andernfalls drohe die Arbeitslosigkeit besonders in
den Grenzregionen zu steigen. "Wirtschaftlich wird es durch eine
Verbesserung des Handels für alle Seiten Vorteile geben - auf die
lange Frist. Diese Vorteile setzen jedoch voraus - und da liegt das
Risiko - dass die Arbeitsmärkte flexibel reagieren", betonte Sinn.
Clement dagegen betonte die positiven Impulse der EU-Erweiterung auf
die deutsche Exportwirtschaft: "Ein Wirtschaftswunder in den
Beitrittsländern ist gut für Deutschland ... es ist
zunächst einmal ein gewaltig chancenreicher Markt für uns."
Die Beitrittsländer gehörten bereits jetzt zu den wichtigsten
Exportmärkten für Deutschland, da sie bereits mehr deutsche
Waren kauften als die USA. Die Verlagerung von Wirtschaftsstandorten
sei ein weltweiter Vorgang, der sich nicht auf die EU-Erweiterung
beschränke, sagte Clement. "Wir müssen auch Acht geben, dass
man dort nicht übernervös und überängstlich wird.
Unsere Unternehmen müssen zugleich die Chancen nutzen", sagte
Clement.
Am 1. Mai treten acht mittel- und osteuropäische Staaten sowie
Malta und Zypern der EU bei.
(Quelle: rtr)
Großbritannien öffnet Arbeitsmarkt für
EU-Beitrittsländer
Do.19.02.04 - Großbritannien will den EU-Beitrittsländern seinen
Arbeitsmarkt öffnen, aber neue Maßnahmen gegen einen
möglichen Missbrauch des Sozialsystems in Kraft setzen. Die
Regierung in London bekräftigte am Mittwoch ihre Zusage, nach der
EU-Erweiterung im Mai keine Einschränkungen für
Arbeitssuchende aus den zehn Beitrittsstaaten zu verhängen. Neben
Großbritannien hat dies auch Irland zugesichert, mehrere
EU-Länder haben sich für eine mehrjährige Sperrfrist
ausgesprochen.
Die Regierung will ihre geplanten Schritte gegen einen Missbrauch von
Sozialleistungen am Montag im Parlament vorstellen. Es sei zu
begrüßen, wenn Arbeitswillige freie Stellen in
Großbritannien besetzten, die sonst nicht gefüllt werden
könnten, betonte Handelsministerin Patricia Hewitt. Wer allerdings
lediglich das Sozialsystem ausnutzen wolle, sei nicht willkommen.
(Quelle: ap)
Fingerabdrücke in EU-Reisepässen nicht zwingend - Für
Visa bei Reisen in die EU soll Fingerabdruck zur Pflicht werden
Do.19.02.04 - Fingerabdrücke in Reisepässen sollen nach den Vorstellungen
der EU-Kommission in der Europäischen Union nicht zwingend
eingeführt werden. Die Brüsseler Behörde legte am
Mittwoch einen Vorschlag vor, nach dem für Pässe nur ein
digitalisiertes Gesichtsbild, das von einem Computer erkannt wird,
verpflichtend in dem Reisedokument enthalten sein muss. Die
Einbeziehung weiterer biometrischer Daten wie etwa des Fingerabdrucks
können die Mitgliedstaaten danach selbst entscheiden.
Über das Thema beraten die EU-Innenminister am (heutigen)
Donnerstag in Brüssel. Die Mitgliedstaaten müssen die
Regelung beschließen. Das Thema hat besondere Brisanz, weil die
USA auf die Einführung biometrischer Daten in Reisepässen und
dabei vor allem auf das digitalisierte Lichtbild bestehen. Reisende aus
Ländern, die eine solche Regelung nicht bis zum 26. Oktober
eingeführt haben, sollen dann ein Visum benötigen. Diplomaten
rechnen aber nicht damit, dass USA-Reisende aus der EU dann ein Visum
brauchen. Sehe die Regierung in Washington, dass die EU auf dem
richtigen Weg sei, werde sie die Frist wahrscheinlich verlängern.
Der für Inneres und Justiz zuständige EU-Kommissar Antonio
Vitorino will zudem voraussichtlich im Mai Gespräche in Washington
führen. Für Visa bei Reisen in die EU und
Aufenthaltsgenehmigungen will die EU-Kommission aber neben dem
Lichtbild auch den Fingerabdruck zur Pflicht machen.
(Quelle: ap)
EU-Staaten blockieren Gen-Mais-Zulassung
Do.19.02.04 - Experten der EU haben sich am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von
drei Monaten nicht auf eine Zulassung einer gentechnisch
veränderten Mais-Sorte einigen können. Damit müssen sich
auch in diesem Fall die EU-Minister mit der Frage beschäftigen.
"Sie haben keine qualifizierte Mehrheit erreicht und damit geht es an
den Rat", sagte ein Vertreter der EU-Kommission nach dem
Experten-Treffen in Brüssel. Die Minister haben drei Monate Zeit,
zu einer Entscheidung zu kommen. Sollten auch sie sich nicht einigen
können, könnte am Ende die Kommission über ihren eigenen
Vorschlag zur Zulassung befinden. Eine Genehmigung würde den Weg
für ein Ende eines informellen fünfjährigen Moratoriums
der EU ebnen.
Die Experten aus den 15 EU-Staaten hatten sich mit einer Zulassung der
Mais-Sorte NK603 der US-Biotechnologie-Firma Monsanto befasst.
Fünf Staaten stimmten gegen den Vorschlag - Dänemark,
Griechenland, Italien, Luxemburg und Österreich. Deutschland
enthielt sich der Stimme. Im Dezember war bereits ein ähnliches
Zulassungsverfahren für die von der Schweizer Firma Syngenta
vertriebene Maissorte Bt-11 an die EU-Landwirtschaftsminister verwiesen
worden.
Die Gentechnik-Frage gehört seit langem zu einem Kernpunkt im
Handelsstreit zwischen der EU und den USA. Die EU hatte zuletzt im
April 1998 zwei gentechnisch veränderte Nelkenarten genehmigt.
Obwohl die Union danach niemals formell ein Verbot für
gentechnisch veränderte Lebensmittel beschlossen hat, werfen die
USA der EU vor, damit Diskussionen über Gentechnikprodukte de
facto beendet zu haben.
Wegen des Einfuhrverbots haben die USA zusammen mit Kanada und
Argentinien die EU bei der Welthandelsorganisation (WTO) verklagt und
dies damit begründet, dass ihren Landwirten durch Exportverluste
Einbußen in Millionenhöhe entstünden. Nach
Einschätzung von Umweltschützern lassen sich dagegen die
Risiken von genveränderten Lebensmitteln nicht abschätzen. In
der EU lehnen Umfragen zufolge bis zu 70 Prozent der Verbraucher
gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, was wiederum
Supermärkte davon abhält, sie in ihr Sortiment aufzunehmen.
(Quelle: rtr)
Umweltverbände rechnen mit immer mehr Gen-Pflanzen
Do.19.02.04 - Umweltverbände rechnen damit, dass in den kommenden Jahren immer
mehr gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt kommen. Die
Gentechnik-Industrie habe jedoch größeres Interesse an der
Entwicklung von Pflanzen mit Vorteilen im Anbau, als an Gen- Pflanzen,
die den Verbrauchern direkt nutzen, heißt es in einer am Dienstag
von den Umweltverbänden BUND, Pro Natura, WWF, Bio Suisse und
Greenpeace veröffentlichten Studie. Die Palette der bereits
kommerzialisierten Arten werde demzufolge um Banane, Erbse, Erdnuss,
Futterrübe, Gerste, Gurke, Luzerne, Pfeffer, Sonnenblume und
Weizen erweitert. Sie sollen gegen Pilze, Viren, Insekten und
Unkrautvernichtungsmittel resistent gemacht werden.
Der Studie zufolge sei nicht auszuschließen, dass vereinzelt auch
Agrarprodukte mit veränderten Qualitätsmerkmalen auf dem
Markt kommen. «Die Gentech-Industrie arbeitet daran, die
Haltbarkeit zu verlängern, die Verdaubarkeit bei Futtermitteln zu
verbessern oder Fettsäuren-, Stärke- und Proteinstoffwechsel
zu verändern», hieß es. Dies werde allerdings für
die Konsumenten keinen Vorteil bringen, sondern allenfalls der
verarbeitenden Lebens- und Futtermittelindustrie.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Bundesregierung beschließt Gentechnik-Gesetz
Do.12.02.04 - Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen unter Auflagen gestattet -
Genbauern müssen haften , wenn ihre erbgutveränderten
Pflanzen sich auf Äckern von konventionellen Landwirten breit
machen - Beweislast liegt jedoch bei den geschädigten Bauern +++
Bio-Anbauverband Bioland: Gesetz dient in erster Linie dazu, den Anbau
von Gentechnik-Pflanzen zu ermöglichen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402120.htm#04021226
Immer mehr Lebensmittelhersteller verzichten auf Gentechnik
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#04021123
Kanadischer Farmer bietet Gentechnikkonzern die Stirn
Do.22.01.04 - Ein Prozess vor dem Obersten Gericht in Kanada um genmanipulierten Raps
zeigt, auf welche Probleme mittelfristig auch deutsche Landwirte nach
der geplanten Freigabe des Anbaus gentechnisch veränderter
Pflanzen stoßen könnten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401220.htm#04012209
Die Uckermark bleibt sauber
Bauern im nördlichen Brandenburg schaffen per Selbstverpflichtung
die größte gentechnikfreie Region Deutschlands....
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/13/a0157.nf/text
Weitere Informationen zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209_i
EU fördert Ostdeutschland weiter mit Milliarden
Do.19.02.04 - Die ostdeutschen Bundesländer sollen auch in der um zehn
ärmere Staaten erweiterten EU mit milliardenschwerer
Förderung aus Brüssel rechnen können. Ungeachtet aller
Sparappelle schlug die EU-Kommission eine massive Erhöhung der
Unterstützung schwacher Regionen vor.
Damit sollen die neuen Mitgliedstaaten langsam an das EU-Niveau
angenähert werden, ohne dass die alten auf die gewohnten
Leistungen verzichten müssen. Das Bundesfinanzministerium
hält die auf den Zeitraum 2007 bis 2013 bezogenen Pläne der
Kommission für zu teuer.
In dem Brüsseler Bericht spricht sich der zuständige
Kommissar Michel Barnier dafür aus, jenen Regionen, die wegen der
EU-Erweiterung lediglich aus statistischen Gründen aus der
Höchstförderung fallen, eine großzügige
Übergangsregelung anzubieten. Dies betrifft die neuen
Bundesländer, die allesamt so genannte Ziel-1-Gebiete sind: Das
Bruttinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liegt dort bei weniger als 75
Prozent des EU-Durchschnitts. Da dieser Durchschnitt wegen der
Erweiterung der EU um zehn vorwiegend ärmere Länder sinkt,
droht manchen Ziel-1-Regionen das Ende der Höchstförderung,
ohne dass sich an ihrem Entwicklungsstand etwas geändert hat.
Barnier will diesen vom «statistischen Effekt» der
EU-Erweiterung betroffenen Regionen zunächst 85 Prozent der
Ziel-1-Förderung anbieten. Das soll über den Planungszeitraum
2006-2013 langsam, aber endgültig abgebaut werden. Nach den am
Mittwoch veröffentlichten jüngsten Zahlen könnten
allerdings die meisten ostdeutschen Regionen ohnehin Ziel-1-Gebiet
bleiben. Denn selbst in der erweiterten und damit ärmeren EU
dürften sie unterhalb der 75-Prozent-Grenze liegen. Darüber
liegen Leipzig, Halle, Dresden und Südwest-Brandenburg. Dies ist
allerdings der Durchschnitt von 1999 bis 2001. Für die letzte
Entscheidung, voraussichtlich im nächsten Jahr, werden dann
aktuellere Zahlen zu Grunde gelegt.
Ohnehin müssen die Pläne der Kommission von den
EU-Regierungen gebilligt werden. Das Berliner Finanzministerium meldete
bereits Zweifel an und verlangte, die EU-Förderung «auf die
bedürftigsten Regionen in der erweiterten Union zu
konzentrieren». Berlin besteht auf einer Begrenzung des gesamten
EU-Haushalts.
Für die erweiterte Union - von 2007 an sogar mit 27 Staaten -
schlägt die Kommission eine erhebliche Steigerung der Mittel
für die Regionalförderung vor: Von 213 Milliarden Euro
für 2000-2006 auf 336,2 Milliarden Euro in 2007-2013. Davon
ausgenommen sind noch weitere 37,8 Milliarden Euro, die bisher im
Haushalt für die Regionen standen und in die Agrarausgaben
verschoben werden sollen.
Mit fast 52 Prozent sollen der überwiegende Teil der
Regionalförderung nach diesen Plänen den jetzigen
EU-Mitgliedern zu Gute kommen. Die neuen erhielten nur 48 Prozent.
Kommissar Barnier wies aber darauf hin, dass im alten Teil der EU 380
Millionen Menschen wohnen, im neuen dagegen nur 75 Millionen.
(Quelle: dpa)
Brüssel sieht Risiken in deutscher Haushaltspolitik
Do.19.02.04 - Die EU-Kommission hat die Pläne der Bundesregierung zur
Haushaltssanierung grundsätzlich begrüßt, zugleich aber
auf das Risiko eines übermäßigen Defizits auch im Jahr
2005 hingewiesen. Dies geht aus dem aktuellen Stabilitätsprogramm
für Deutschland hervor, das die Brüsseler Behörde am
Mittwoch verabschiedete. Nach den Worten von EU-Währungskommissar
Pedro Solbes gibt es in Brüssel «gewisse Zweifel»,
dass die Bundesregierung in dem Programm von realistischen
Wachstumsannahmen für 2005 ausgeht.
Das Bundesfinanzministerium wies den Vorwurf unrealistischer
Wachstumannahme umgehend zurück. Sprecher Jörg Müller
sagte in Berlin, bisher habe die Bundesregierung keine
Wachstumsprognose nach Brüssel gemeldet. Eine solche Prognose habe
bisher nur Brüssel selbst aufgestellt. Die Bundesregierung habe
bisher nur auf der Basis der Zahlen von 2004 rechnerische
Fortschreibungen vorgenommen. Das seien aber keine Prognosen.
Deutschland hat sich verpflichtet, die Neuverschuldung 2005 unter drei
Prozent zu drücken und damit den Euro-Stabilitätspakt wieder
einzuhalten. Bei einem Wachstum von 1,7 Prozent in diesem und 2,25
Prozent im kommenden Jahr geht Bundesfinanzminister Hans Eichel bislang
davon aus, dass das Defizit 2005 bei 2,5 Prozent liegen wird. Die
EU-Kommission rechnet dagegen mit einem Wachstum von 1,6 Prozent in
diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr. In ihrer Herbstprognose hatte
die Behörde für 2005 ein Defizit von 3,4 Prozent vorausgesagt.
Solbes sagte, die Kommission sehe neben der optimistischen
Wachstumsprognose zudem das Risiko, dass die Ausgaben für Renten,
Gesundheit und Arbeitslosigkeit in Deutschland höher als geplant
ausfallen könnten. Er lobte aber die Zusage der deutschen
Behörden, weitere Schritte zu unternehmen, sollte das Defizitziel
für 2005 in Gefahr geraten. Andererseits bedauerte es die
EU-Kommission, dass im deutschen Stabilitätsprogramm kein Zieljahr
mehr für einen ausgeglichen Haushalt genannt sei.
Die EU-Staaten müssen in regelmäßigen Abständen
ein so genanntes Stabilitätsprogramm in Brüssel vorlegen, in
dem sie ihre mittelfristige Haushaltspolitik erklären. Der Bericht
wird dann von den EU-Finanzministern verabschiedet. Das deutsche
Programm wird von den Ministern voraussichtlich bei ihrer nächsten
Sitzung Anfang März behandelt.
Solbes hob hervor, dass mittlerweile wieder «Normalität im
Verhältnis mit den Mitgliedstaaten, auch mit Deutschland und
Frankreich» eingekehrt sei. Der Streit um die Auslegung des
Euro-Stabilitätspaktes war Anfang des Jahres eskaliert, als die
EU-Kommission den Rat der Finanzminister vor dem Europäischen
Gerichtshof in Luxemburg verklagt hatte. Die Klage richtet sich gegen
den Beschluss der Minister, die Defizitverfahren gegen Deutschland und
Frankreich auszusetzen.
Die EU-Kommission führte zudem am Mittwoch eine erste Aussprache
über mögliche Änderungen des Stabilitätspaktes.
Solbes sagte, es herrsche Einvernehmen unter den Kommissaren, dass es
keine Änderungen am Vertrag geben dürfe. Inwieweit kleinere
Reformen angebracht seien, werde die Behörde in den kommenden
Wochen prüfen.
(Quelle: ap)
Experten-Nein zum Frankfurter Flughafenausbau
Störfall-Kommission: Erweiterung des Rhein-Main-Airports im
Nordwesten nicht vereinbar mit Betrieb im benachbarten Chemiewerk Ticona
Do.19.02.04 - Die Störfall-Kommission (SFK) des Bundes erteilt der am
Frankfurter Flughafen geplanten Nordwest-Landebahn eine klare Absage.
Das Expertengremium erklärte die von der hessischen
Landesregierung und Flughafenbetreibergesellschaft Fraport bevorzugte
Variante am Mittwoch in Bonn für nicht vereinbar mit dem Betrieb
im benachbarten Chemiewerk Ticona. Die beim Bundesumweltministerium
angesiedelte Kommission folgte damit einem entsprechenden Votum seiner
Arbeitsgruppe «Flughafenausbau» von Ende Januar und zeigte
sich so unbeeindruckt von der Fraport-Kritik an deren Methodik.
Die Kommission kam zum Schluss, dass ein Flugzeugsabsturz auf das
Gelände der Chemiefirma «deutlich über 100 Tote unter
den dort Beschäftigten zur Folge hätte». Ein solches
Unglück könne «nicht vernünftigerweise
ausgeschlossen werden» und sei ein «nicht akzeptables
Risiko». Die SFK empfahl außerdem, die An- und Abflugrouten
an Flughäfen künftig «zwingend» auf Auswirkungen
für Betriebsbereiche nach der Störfall-Verordnung zu
untersuchen. Im Falle der Ticona sei diese Abwägung nachzuholen.
Die Fraport-Kritik an der Arbeitsgruppe konterte die SFK mit Verweis
auf ihre gesetzlich garantierte Unabhängigkeit. Sachlich enthalte
die Stellungnahme des Flughafens keine neuen Sachverhalte, die die AG
nicht bereits berücksichtigt habe.
Die Fraport bedauerte die SFK-Entscheidung. Nach ihrer Ansicht bleiben
«gravierende Mängel und Unstimmigkeiten im Votum der
Störfallkommission» erhalten sowie wichtige Fragen
unbeantwortet. Die Flughafengesellschaft kündigte zudem an, Votum
und Begründung der SFK wissenschaftlich überprüfen zu
lassen.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bekräftigte
indes sein Ja zur Nordwest-Variante. Als letzte Möglichkeit, den
Konflikt zu lösen, nannte er die Schließung des
Ticona-Werkes.
Die Opposition im hessischen Landtag reagierte mit scharfer Kritik an
Fraport und Koch. SPD-Fraktionschef Jürgen Walter forderte die
Landesregierung auf, einen Weg aufzuzeigen, wie der auch von den
Sozialdemokraten befürwortete Ausbau noch rechtzeitig zu
realisieren sei. Weil das Kabinett Koch das Risikopotenzial nicht
rechtzeitig erkannt habe, drohten jahrelange Rechtsstreitigkeiten und
damit eine erhebliche Verzögerung des Ausbaus.
Die Grünen-Fraktion warf der Flughafenbetreiberin vor, die
SFK-Mitglieder unter Druck gesetzt zu haben. Mit ihrer Festlegung auf
die Nordwest-Bahn hätten Fraport und das Landeskabinett einen
Fehler gemacht und seien jetzt in der Bredouille, da sie Kooperationen
mit den Flughäfen Köln-Bonn oder Hahn im Hunsrück nicht
als Alternative geprüft hätten.
Die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Margareta Wolf
(Grüne), empfahl, die im Raumordnungsverfahren ebenfalls
gebilligte Nordost-Variante der neuen Bahn im laufenden
Planfeststellungsverfahren als Alternative in Erwägung zu ziehen.
Sie sprach sich zudem für eine Verlegung der derzeitigen
Abflugrouten aus.
Andere Ausbaugegner reagierten mit Erleichterung. Die Initiative
«Zukunft Rhein-Main» sprach von einer «guten
Entscheidung für die Menschen in der Region» und forderte,
über das gesamte Thema Flughafenausbau «noch einmal
gründlich nachzudenken». Der Deutsche Fluglärmdienst
verlangte eine Risikobetrachtung auch für die Anflugrichtung, die
nicht über die Ticona, sondern über den Flughafen-Fernbahnhof
hinweg führen würde. Das Bündnis der
Bürgerinitiativen gegen die Erweiterung sagte, ein «Ausbau
um jeden Preis» angesichts des SFK-Votums sei «in einem
bisher nicht gekannten Ausmaß verantwortungslos».
(Quelle: ddp)
Studie: 130.000 IT-Arbeitsplätze durch Lohnwettbewerb bedroht
Offshoring in Billigländer verspricht Kostenvorteile
Do.19.02.04 - Die deutsche Informationstechnik-Branche (IT) steht nach
Einschätzung von Experten unter anhaltendem Druck ihrer
Auftraggeber zur Kostenreduzierung, was langfristig zum Verlust von
130.000 Arbeitsplätzen führen könnte.
Einer am Mittwoch in Frankfurt vorgestellten Branchen-Befragung der
Management-Beratungsfirma A.T. Kearney zufolge verstärkt sich
gegenwärtig der Druck auf die deutschen IT-Firmen, weitere
Kostensenkungspotenzial durch Auslagerung von Dienstleistungen in
Niedriglohnländer zu realisieren. Sofern die deutschen IT-Firmen
diesen Trend nicht in ihrer Geschäftsstrategie
berücksichtigten, seien mehr als 130.000 Arbeitsplätze oder
rund 20 Prozent aller Arbeitsplätze in der Branche gefährdet.
"Lokale IT-Dienstleister müssen sich, vergleichbar der
Automobilindustrie, auf ihre Kernkompetenzen fokussieren und
arbeitsintensive und standardisierbare Aufgaben ins Ausland verlagern",
heißt es in der Studie. Hintergrund der von der Tochter des
US-IT-Dienstleisters EDS erstellten Studie ist ein vor allem in
angelsächsischen Ländern zu beoachtende Trend, dass
Software-Programmierung, Betrieb von Rechenzentren oder Wartungsdienste
verstärkt in Niedriglohnländer wie Indien oder China
verlagert werden.
Grund für dieses so genannte Offshoring ist, dass sich dort durch
die Lohnunterschiede zu den Industriestaaten deutliche
Kosteneinsparungen von bis zu 50 Prozent erzielen lassen. In den USA
fließen der Beratungsfirma zufolge bereits ein Fünftel aller
Ausgaben für Informationstechnik in Niedriglohnländer. In
Deutschland liege dieser Anteil noch bei rund fünf Prozent, werde
aber künftig angesichts des Kostendrucks steigen.
"Vor allem den kleineren IT-Dienstleistern fehlt jedoch eine klare
Offshoring-Strategie", lautet ein Urteil der Studie, bei der von A.T.
Kearney über 40 Branchenunternehmen aus dem In- und Ausland
befragt wurden. Die Beratungsfirma empfiehlt deutschen IT-Firmen, sich
verstärkt in Niedriglohnländern zu engagieren. In Deutschland
könnten jene Tätigkeiten verbleiben, die hohes Fachwissen
erforderten.
Während für international agierende IT-Dienstleister die
klassischen Offshoring-Länder Indien und China interessant seien,
sollten kleinere, eher regional orientierte deutsche Firmen die
osteuropäischen Länder mit ihren Lohnkostenvorteilen ins Auge
fassen. Denn im Gegensatz zu Indien oder China befänden sich diese
Länder in der selben Zeitzone und ständen Deutschland
kulturell und sprachlich näher, was die Verlagerung von
Dienstleistungen erleichtere.
Die deutsche IT-Branche ist stark zersplittert. Neben den international
agierenden Konzernen EDS oder IBM sowie den großen
Systemhäusern wie T-Systems sind zahlreiche mittelständische
Unternehmen sowie ausgegründete Firmen aktiv. Seit Jahren leidet
die Branche unter einer starken Investitionszurückhaltung.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Siemens lagert Software-Entwicklung in Billiglohnländer aus
15.000 Programmier-Jobs in Westeuropa und den USA betroffen...
Mehr bei futurezone (16.02.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=215492&tmp=53100
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
Sa.13.12.03 - Siemens wird im Zuge der EU-Osterweiterung in großem Stil
Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern. In einigen Jahren
könne etwa ein Drittel der Software-Entwicklung von Siemens an
Niedriglohnstandorten geleistet werden, sagte Siemens-Zentralvorstand
Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland".
Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken
Marktwachstum in Osteuropa zu profitieren. .. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#03121317
Kabinett beschließt neue Arbeitslosenstatistik
Die Bundesregierung hat die Einführung einer neuen
Erwerbslosenstatistik beschlossen, die voraussichtlich weitaus weniger
Arbeitslose ausweisen wird als die derzeitige Statistik der
Bundesagentur für Arbeit (BA)
Do.19.02.04 - Die neue Statistik solle auf Grundlage einer monatlichen Telefonumfrage
ab Herbst vom Statistischen Bundesamt ermittelt werden, teilte das
Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung
mit. Die neue Statistik soll das bisherige Zahlenwerk nicht ersetzen,
sondern parallel erhoben werden. Sie folgt anders als die BA-Statistik
Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dort wird
Arbeitslosigkeit anders definiert wird als in der BA-Statistik.
Im Ergebnis dürfte die Erwerbslosenzahl nach ILO-Standard nach
Schätzungen um 500.000 bis 600.000 geringer ausfallen als die
Arbeitslosenzahl der BA. Grund dafür ist, dass ein Teil der
amtlich registrierten Arbeitslosen nach den ILO-Standards nicht als
arbeitssuchend gilt. Während bei den Arbeitsagenturen registrierte
Arbeitslose bis zu 15 Wochenstunden arbeiten dürfen, gelten sie
nach ILO-Standard bereits ab einer Wochenstunde Arbeit als
erwerbstätig. Erwerbslose nach ILO-Standard müssen zudem in
den zurückliegenden vier Wochen aktiv nach einer
Beschäftigung gesucht haben und für den Arbeitsmarkt sofort
verfügbar sein.
Das Ministerium begründete die Neuregelung, die noch der
Zustimmung des Bundesrates bedarf, mit der Anpassung an international
vergleichbare Standards. Nach den Angaben des Ministeriums soll die
Erhebung mittels Telefoninterview bei bis zu 35.000 Haushalten erfolgen.
(Quelle: rtr)
Auch Hessen und Saarland bringen Kopftuchverbot auf den Weg
Do.19.02.04 - Fünf Monate nach dem Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts
(BVG) haben Hessen und das Saarland am Mittwoch ein Kopftuchverbot auf
den Weg gebracht. Nach der ersten Lesung in den Landtagen in Wiesbaden
und Saarbrücken wurden die entsprechenden Gesetzentwürfe in
beiden Ländern in die zuständigen Ausschüsse verwiesen.
Während im Saarland nach dem gemeinsamen Gesetzestext von CDU und
SPD nur Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuchs verboten werden soll,
soll nach den Plänen der alleinregierenden hessischen CDU für
alle Beamtinnen ein solches Verbot gelten. SPD und Grüne in Hessen
nannten den Entwurf "verfassungswidrig".
Der hessische CDU-Fraktionschef Franz Josef Jung bezeichnete das
Kopftuchverbot als "Zeichen für Freiheit, Integration und gegen
Unterdrückung". Das Tragen von Kopftüchern in Schulen und
Amtsstuben sei kein Ausdruck des eigenen Glaubens, sondern eine
politische Demonstration. Kopftücher seien aggressive Symbole. Die
CDU-Fraktion sei nicht bereit, "diese verfassungswidrige Demonstration"
zu dulden.
Dagegen warf die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser der CDU vor,
verfassungswidrig vorzugehen. Ein generelles Verbot sei ein Eingriff in
die Religionsfreiheit. Da das moslemische Kopftuch gegenüber den
Symbolen anderer Glaubensrichtungen benachteiligt werden solle, bedeute
dies zudem einen Grundrechtseingriff. Der Grünen-Fraktionschef
Tarek Al-Wazir sagte, das Verbot im gesamten Öffentlichen Dienst
sei "absolut maßlos". Zudem stelle die CDU den christlichen
Glauben besser und verfahre nach dem Motto "Kopftuch Nein, Kreuz Ja".
Nach Angaben Al-Wazirs gibt es in Hessen keine Lehrerin mit Kopftuch.
Es sei auch von keiner Beamtin mit Kopftuch etwas bekannt. Die Debatte
drehe sich folglich um ein Problem, dass faktisch in Hessen nicht
existiere.
Auch andere Bundesländer planen, eine Kopftuchverbot gesetzlich zu
verankern. In Niedersachsen und Baden-Württemberg sind
entsprechende Gesetze ebenfalls bereits im Landtag. Die Länder
reagieren damit auf eine entsprechende Forderung des BVG. Die
Karlsruher Richter hatte nach der Klage der moslemischen Lehrerin
Fereshta Ludin im September 2003 entschieden, dass für ein
Kopftuchverbot spezielle gesetzliche Regelungen notwendig sind.
(Quelle: afp)
Mehr zur deutschen und französischen Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402150.htm#040215_h
Berliner Studenten setzen Aktionen gegen Sparpläne des Senats fort
- Vollversammlung der drei Universitäten
Do.19.02.04 - Studenten der drei großen Berliner Universitäten wollen
weiter gemeinsam gegen die geplanten Kürzungen im Hochschulbereich
protestieren. Eine entsprechende Erklärung wurde am Mittwoch bei
einer Vollversammlung der Studierenden der Humboldt-, Freien und
Technischen Universität verabschiedet. Darin sprechen sich die
Studenten gegen «Eliteeinrichtungen mit Auswahlrechten
aus». Berlin brauche vielmehr eine «bedarfsgerechte
Ausfinanzierung der Hochschullandschaft».
Als nächste konkrete Aktion ist ein Schüler-Aktionstag am
Freitag geplant. Bereits während der Vollversammlung waren nach
Angaben der Polizei rund 20 Studierende in die
Bertelsmann-Niederlassung unweit der Humboldt-Universität
eingedrungen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die
Hochschulen müssen bis 2009 insgesamt 75 Millionen Euro einsparen.
Die Studierenden kritisierten bei der Vollversammlung die
«Kürzungspolitik» der politischen Parteien, die den
«sozialen Frieden gefährdet». Außer
«Aussitzen» sei von Seiten der Politik aber nicht viel
passiert, um eine Einigung zu erzielen.
Die Studenten verwiesen darauf, dass die Ausgaben für die
Bildungspolitik in Deutschland von 1982 bis 2002 um 23 Prozent gesunken
seien. Dies sei ein Ausdruck der vorherrschenden neoliberalen Politik.
Bildung müsse jedoch wieder als Grundrecht angesehen werden,
forderten die Studenten. Inhalte dürften nicht von der Wirtschaft
bestimmt werden. Das solle auch bei einem europaweiten Aktionstag gegen
Sozialabbau am 3. April zum Ausdruck gebracht werden.
Dennoch fällt es den Studierenden zunehmend schwer, für die
Protestmaßnahmen zu mobilisieren. Diese Woche soll die vorerst
letzte Samstagsdemonstration stattfinden. Auch für die seit 23.
November bestehende Mahnwache vor dem Roten Rathaus fehlen noch neue
Teilnehmer.
(Quelle: ddp)