Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneununddreißsten Tag nach Kriegsbeginn
Geteilte Reaktionen auf Annans Empfehlung zu Irak - Vorgehen bei
Regierungsbildung wird beraten +++ Schiiten demonstrieren in Nadschaf
für allgemeine Wahlen +++ CIA feuert zum zweiten Mal Chef von
Bagdad-Außenstelle +++ US-Abgeordnete: Lebensmittel für Irak
nur von Kriegsbefürwortern kaufen +++ USA sehen Möglichkeiten
für deutsche Beteiligung an Irak-Aufbau +++ Vorsitzender des
Nato-Militärausschusses: Nato kann auf deutsche Irak-Soldaten
verzichten
Sa.21.02.04 - Die Empfehlung der Vereinten Nationen, vor der Machtübergabe in
Irak auf eine allgemeine Wahl zu verzichten, hat unter irakischen
Politikern geteilte Reaktionen ausgelöst. Der Irakische
Nationalkongress (INC) wies die Einschätzung von
UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag als nicht bindend
zurück und erklärte, Wahlen seien noch vor dem 30. Juni
möglich. Mitglieder des Verwaltungsrats zeigten sich hingegen
offenbar mit der UN-Empfehlung einverstanden.
"Wir haben auch vor der Ankunft der UN-Delegation in Bagdad gesagt,
dass wir nicht an ihre Meinung gebunden sind", sagte INC-Sprecher
Entifadh Kanbar der Nachrichtenagentur AP. "Das ist trotz allem eine
irakische Angelegenheit, die wir selbst lösen müssen, und wir
werden sie (die UN) als Ratgeber nehmen." Auch der schiitische
Geistliche Muktada el Sadr lehnte Annans Einschätzung ab. "Wir
glauben, dass Wahlen vor Ende Juni abgehalten werden können und
weisen den Vorschlag einer Verschiebung zurück", ließ el
Sadr durch einen Sprecher erklären.
In der heiligen Stadt Nadschaf unterstützten rund 2000 Schiiten
die Forderung von Großayatollah Ali el Husseini el Sistani nach
raschen und allgemeinen Wahlen. Sie skandierten: "Ja zu Sistani, ja zu
Wahlen".
In einer Erklärung wurde das irakische Volk aufgerufen, sein
"Recht auf Wahlen" zu verteidigen, wie ein Reporter der
Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete. Die Vereinten Nationen
und andere Institutionen sollten sich dem Willen der Iraker nicht
entgegenstellen, hieß es weiter. Nadschaf ist eine Hochburg der
Schiiten in Irak und liegt rund 160 Kilometer südlich von Bagdad.
Auch die el Sistani nahe stehende schiitische Partei Oberster Rat
für die islamische Revolution in Irak sprach sich gegen jede
Verschiebung der Wahlen aus. "Eine Verzögerung der Wahlen ist
inakzeptabel", sagte das führende Parteimitglied Iman Kadhim el
Salehi. "Es ist möglich, jetzt die notwendigen Voraussetzungen
für Wahlen zu schaffen, wenn das irakische Volk für
Sicherheit sorgen kann."
Ein sunnitisches Mitglied des Verwaltungsrats, Mahmud Othman,
bezeichnete Annans Empfehlung hingegen als "realistisch und erwartbar".
Ein anderes sunnitisches Ratsmitglied, Nasser el Tschadedschi, sagte,
Wahlen seien zwar ein Muss, sie müssten aber nicht sofort
stattfinden. "Wir haben jetzt Optionen, die wir gemeinsam mit den
Vereinten Nationen und dem irakischen Volk prüfen werden",
erklärte er.
Annan gab mit seiner Einschätzung den USA Rückendeckung. Die
US-Regierung hatte die UN um Vermittlung im Streit um die
Modalitäten der Machtübergabe gebeten, nachdem die
ursprünglichen Pläne Washingtons zu einer über
Regionalversammlungen ernannten Regierung heftige Proteste vor allem in
der schiitischen Bevölkerungsmehrheit ausgelöst hatten.
In Irak beraten unterdessen die politischen Fraktionen des Landes und
die US-Besatzer über weitere Schritte zur Bildung einer
Übergangsregierung. Der irakische Regierungsrat traf zusammen, um
über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Ratsmitglied Muwaffak
Rabaje forderte die Festlegung eines endgültigen Wahltermins.
Für das weitere Vorgehen auf dem Weg zu einer
Übergangsregierung würden verschiedene Möglichkeiten
diskutiert, sagten Vertreter des Regierungsrates der Nachrichtenagentur
AFP: Die Einberufung einer nationalen Konferenz, die die
Übergangsregierung wählt, Teilwahlen oder die Einsetzung des
derzeitigen Regierungsrates als Übergangsregierung.
US-Außenminister Colin Powell hatte ausgeschlossen, dass
Wahlversammlungen ohne politische Legitimation die
Übergangsregierung bestimmen könnten, wie die USA es
zunächst geplant hatten. Es gebe für diese Pläne keine
Unterstützung seitens der Iraker, sagte er im Radiosender ABC. Als
der Plan zur Machtübergabe in Irak im vergangenen November
vereinbart worden sei, sei das System der Wahlversammlungen
überzeugend gewesen. Jetzt aber sehe es so aus, als fehle ihm die
erforderliche Unterstützung, sagte der US-Chefdiplomat.
Bei einem Bombenanschlag auf einen US-Militärkonvoi bei Balad
wurde ein Soldat verletzt. Tausende US-Soldaten waren am Freitag auf
dem Weg durch das rebellische Sunnitengebiet, weil sie nach einem Jahr
in Irak durch frische Truppen ersetzt werden sollten. Derzeit
läuft der größte US-Truppenaustausch seit dem Zweiten
Weltkrieg, 200.000 Soldaten sind dabei zu Lande, zu Wasser und in der
Luft unterwegs.
Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat einem Pressebericht zufolge vor
kurzem zum wiederholten Mal den Leiter der Außenstelle in Bagdad
abgelöst. Der Offizier sei im vergangenen Dezember in erster Linie
wegen Zweifeln an seinen Führungsqualitäten seines Postens
enthoben worden, berichtete die "Los Angeles Times" am Freitag. Zudem
habe der Top-Nachrichtendienstler die Verantwortung dafür
übernehmen müssen, dass es seiner Behörde nicht gelungen
sei, wirksame Maßnahmen gegen die Angriffe auf US-geführte
Truppen und Zivilisten in Irak zu erarbeiten. Es sei bereits das zweite
Mal seit Mai vergangenen Jahres, dass der CIA-Stationsleiter in Bagdad
ausgewechselt worden sei.
Nach dem Ausschluss mehrerer Länder von Wiederaufbauprojekten in
Irak fordern US-Politiker, die Vergabe weiterer Verträge auf
Befürworter des Irak-Kriegs zu beschränken. Auch der Ankauf
von Lebensmitteln für Irak sollte dieser Politik folgen, schrieben
20 US-Abgeordnete in einem Brief an die Nationale Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice. Nur Unternehmen aus Staaten, die «zu den
Bemühungen der Koalition zur Befreiung Iraks beigetragen
haben», sollten Lebensmittel an das Land liefern dürfen.
Konkret geht es den Parlamentariern um Reis. Alle Unterzeichneten
stammen aus US-Staaten, in denen Reis angebaut wird. Derzeit bezieht
Irak Reis vor allem aus Thailand und Vietnam. Vietnam gehörte
nicht zur "Koalition der Willigen", die den Irak-Krieg
unterstützte.
Vertreter des US-Kongresses sehen derweil Möglichkeiten zu einer
deutschen Beteiligung am Wiederaufbau im Irak. So sagte etwa der
republikanische Abgeordnete Amo Houghton in München, die deutschen
Firmen hätten das entsprechende Know How und die Fachleute. Die
US-geführte Zivilverwaltung des Iraks warb in Hamburg um deutsche
Investitionen. Siemens-Vorstand Uriel Sharef erwartet politische
Entscheidungen über eine deutsche Beteiligung am Wiederaufbau in
den kommenden Wochen.
Die Nato kann bei einem Irak-Einsatz auf deutsche Soldaten verzichten.
Es sei möglich, dass sich einzelne Staaten nicht beteiligten,
sagte der Vorsitzende des Militärausschusses der Allianz, der
deutsche General Harald Kujat, der "Berliner Zeitung". Auch die
Teilnahme von Bundeswehr-Offizieren in multinationalen Stäben sei
nicht zwangsläufig erforderlich. Die Bundesregierung zögert
wegen großer Widerstände bei SPD und Grünen, Offiziere
für einen Irak-Einsatz freizugeben.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Die USA haben in Vietnam und Irak gelogen
...sagt Peter Davis in einem taz-Interview vom 21.02.04.
taz: Gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem Vietnamkrieg und dem
Irakkrieg?
Peter Davis: Die Länder und ihre Geschichte sind höchst
verschieden, aber es gibt aus US-Sicht zwei Parallelen. Erstens: Die
USA wurden beide Male von ihren Regierungen mit einer Lüge in den
Krieg getrieben. In Vietnam war es der fantasierte Überfall auf
ein US-Schiff im Golf von Tonkin im Jahr 1964 - im Irak waren es die
fantasierten Massenvernichtungswaffen von Saddam. Lyndon B. Johnson und
George W. Bush haben die US-amerikanische Öffentlichkeit schlicht
angelogen, um ihre Kriege zu rechtfertigen.
Zweitens: Wir haben nie begriffen, mit wem wir es in Vietnam zu tun
hatten. Wir haben ihre Sprache nicht gesprochen, ihre Kultur nicht
begriffen und noch nicht mal gewusst, dass sie die Chinesen hassten,
von denen sie einen jahrhundertelange Feindschaft trennte. Die
US-Regierung dachte damals: Ho Chi Minh und Mao sind Kommunisten - und
fertig. Unser Verhältnis zum Irak ist genauso.
... Wir reden über die Installierung einer Demokratie im Irak, als
würde es um Wahlen in Conneticut oder New Jersey gehen. Der Irak
ist, anders als Vietnam, ein in Stämme und Clans, in
verschiedenste Religionen und Ethnien zersplittertes Land. Und jede
nichttotalitäre Regierung wird es ungeheuer schwer haben, diese
Widersprüche zu bändigen. Diese Aufgabe können, wenn
überhaupt, nur die Iraker selbst vollbringen. Der Glaube, das man
dies mal eben von außen macht, ist Hybris. Der Versuch der
Vereinigten Staaten, im Irak eine Demokratie zu installieren, kommt mir
so vor, als würden sie einem Rumänen erzählen: "Hey,
warum wirst du kein Japaner? Das wäre viel besser für dich.
Also tu es."
Eine Parallele zwischen dem Vietnam- und dem Irakkrieg ist die
Dominotheorie. In den Sechzigerjahren war die US-amerikanische Politik
von der paranoiden Idee besessen, dass nach Vietnam auch Thailand,
Indien etc. zwangsläufig kommunistisch würden. Heute ist sie
von der Idee angetrieben, dass nach Irak auch Syrien, Ägypten,
Iran etc. zwangsläufig demokratisch werden.
... Dies ist eine auf den Kopf gestellte Dominotheorie. Allerdings ist
es nicht das Gleiche. Die Idee, Diktaturen in Demokratien zu
verwandeln, ist ein schöner, lohnenswerter Traum. Es ist der
Traum, dass Frauen im Nahen Osten mehr Rechte haben und nicht
unterdrückt werden.
... Falsch ist nicht der Traum von der Demokratie. Falsch ist die
US-Politik, die, anstatt auf Diplomatie und wirtschaftlichen Druck, auf
Bomben gesetzt hat und nun das Gegenteil dieses Traumes erwirkt.
Verheerenderweise werden in Irak derzeit die Rechte von Frauen mit
Füßen getreten. Leute, die bloß eine Flasche Wein
trinken, werden, wenn sie Pech haben, von islamistischen Extremisten
getötet. Das hätte es unter Saddam nicht gegeben. Er war ein
furchtbares Monster - aber ein säkulares Monster. Die neue
Dominotheorie der Neokonservativen ist ein Luftschloss....
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2004/02/21/a0171.nf/text
Peter Davis drehte 1974 die im Kino erfolgreiche Dokumentation "Hearts
and minds" über den Vietnamkrieg. Er lebt als Autor und
Filmemacher in Maine. 2003 erschienen von ihm Reiseberichte aus Vietnam
und Irak in The Nation
«Wir wollen kein Imperium sein... Wir sind nicht imperialistisch.
Wir waren es nie»
... behauptete US-Verteidigungsminster Donald Rumsfeld am 28. April
2003 gegenüber dem Fernsehsender Al Dschasira.
Diese Erklärung muß in vielen Ländern des Nahen und
Mittleren Ostens schallendes Gelächter ausgelöst haben. Die
arabische Bevölkerung – insbesondere ihre gebildeten Eliten –
weiß mehr über die US-Außenpolitik und die Geschichte
als die Mehrheit der US-Bevölkerung. Rumsfeld konnte so etwas
getrost sagen, weil er weiß, daß seine Landsleute nur eine
mangelhafte, oberflächliche Bildung vermittelt bekommen und nicht
viel über die US-Geschichte wissen. Dennoch mußte selbst ein
neokonservativer Denker wie Max Boot vom Rat für Auswärtige
Beziehungen einräumen, daß Rumsfelds Aussage nicht stimmte.
Er erklärte: »Die Vereinigten Staaten sind mindestens seit
1803 ein Imperium, seit Thomas Jefferson das Territorium von Louisiana
einnahm. Während des 19. Jahrhunderts«, so Boot weiter,
»dehnte sich das, was Jefferson das ›Reich der Freiheit‹ nannte,
über den gesamten Kontinent aus.« Er stellte fest:
»Als sich die Macht der USA von Ozean zu Ozean erstreckte, griff
das amerikanische Imperium nach dem Ausland und nahm sich Kolonien von
Puerto Rico und den Philippinen bis nach Hawaii und Alaska.« (Max
Boot, »Neither New Nor Nefarious: The Liberal Empire Strikes
Back«, in: Current History, Nov. 2003, S. 361)
Aus: Mumia Abu-Jamal - "'Gefährliche' Völker", junge Welt vom
21.02.04:
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2004/02-21/008.php
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Nahost-Konflikt
Breite Proteste gegen Israels Sperranlagen - AI kritisiert israelische Trennmauer als
Verstoß gegen Völkerrecht +++ Israel will Grenzwall
auf kurzem Abschnitt korrigieren +++ Israelische Regierung
konkretisiert Abzugspläne aus Westjordanland
Sa.21.02.04 - Friedens- und Menschenrechtsorganisationen in Deutschland haben einen
sofortigen Stopp des Baus von Sperranlagen im israelischen
Westjordanland gefordert. Durchgehende Grenzzäune durch
palästinensisches Gebiet verletzten "das Völkerrecht und die
Menschenrechte zahlreicher Palästinenser", kritisierte amnesty
international am Freitag in Berlin.
Ähnlich äußerten sich das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz, die Ärzteorganisation IPPNW und der Evangelische
Entwicklungsdienst (EED). Am Montag beginnt vor dem Internationalen
Gerichtshof in Den Haag eine Anhörung zu dem umstrittenen
Grenzzaun, der Israel vor palästinensischen
Selbstmordattentätern schützen soll.
Amnesty rief Israel am Freitag auf, innerhalb von
palästinensischem Gebiet liegende Teile des Trennwalls sofort
abzubrechen und den weiteren Mauerbau durch die besetzten Gebiete zu
stoppen.
Der Bau durchgehender Sperranlagen durch palästinensisches Gebiet
verletzte das Völkerrecht und die Menschenrechte zahlreicher
Palästinenser, heißt es in der Erklärung. Amnesty
kritisiert, dass die Grenzanlage zum größten Teil nicht
entlang der Grünen Linie zwischen Israel und dem Westjordanland
verlaufe, sondern durch palästinensisches Gebiet. Sie
umschließe palästinensische Städte und Dörfer, was
für hunderttausende Palästinenser verheerende Folgen habe.
Die Anlage trenne große Teil der Bevölkerung von Feldern,
Arbeitsplätzen, Schulen und medizinische Einrichtungen. Das
legitime Bedürfnis der israelischen Regierung, die Grenze zu
sichern, rechtfertige den Bau der Mauer innerhalb der besetzten Gebiete
nicht.
Amnesty rief die internationale Gemeinschaft auf, darüber zu
wachen, dass Israel seinen Verpflichtungen gegenüber dem
Völkerrecht und den Menschenrechten nachkomme. Die bewaffneten
palästinensischen Gruppen wurden von Amnesty erneut aufgefordert,
gegen israelische Zivilisten gerichtete Selbstmordangriffe sofort
einzustellen.
Amnesty forderte die Bundesregierung auf, "ihre bisherige Haltung zu
revidieren und die Erstellung eines Rechtsgutachtens durch die Richter
in Den Haag zu befürworten", so amnesty-Sprecherin Claudia
Bergmann. Auch der EED kritisierte die Bundesregierung. Sie vertue eine
Chance bei der Durchsetzung internationalen Rechts, weil sie sich gegen
ein Gerichtsverfahren ausgesprochen habe, sagte die Nahost-Expertin
Christina Pfestroff dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die UN-Generalversammlung hatte den Internationalen Gerichtshof in Den
Haag im vergangenen Dezember aufgefordert, in einem Gutachten zu
prüfen, ob der Sperrzaun zum Westjordanland mit dem
Völkerrecht vereinbar ist. Auf der Grundlage der jetzt beginnenden
Anhörung wollen die Richter entscheiden, ob sie ein derartiges
Gutachten erstellen werden oder nicht. Zwar hat die Bundesregierung den
Bau der Barriere mehrfach kritisiert, ein Gutachten aber lehnt sie ab.
Mit der Absperrung der Palästinenser-Gebiete verstoße Israel
gegen das Völkerrecht und füge hunderttausenden Menschen in
den besetzten Gebieten Unrecht zu, erklärte die Organisation
IPPNW. Die Sperranlagen seien kein Beitrag für ein friedliches
Zusammenleben von Israelis und Palästinensern, sondern
verstärkten die Gewalt, heißt es in der Erklärung der
"Kampagne gegen den Mauerbau". Der Ende vergangenen Jahres gestarteten
Initiative haben sich bisher mehr als 25 Organisationen angeschlossen.
Darunter sind Pax Christi, die Deutsch-Palästinensische Gemeinde
sowie regionale Friedensgruppen.
Israel will einen kurzen Abschnitt seiner Grenzanlage zum
Westjordanland wieder abreissen, wie ein Sicherheitsbeamter am Freitag
in Jerusalem mitteilte. Damit solle die Ortschaft Baka el Scharkia
nicht länger völlig vom übrigen palästinensischen
Gebiet abgeschnitten sein. Die Ankündigung erfolgte unmittelbar
vor Beginn einer Anhörung zu der Grenzanlage vor dem
Internationalen Gerichtshof in Den Haag.
Etwa neun Kilometer Zaun auf der Ostseite von Baka el Scharkia sollen
den Angaben des Sicherheitsbeamten zufolge abgerissen werden. Die
Arbeiten sollten am Sonntag beginnen, hiess es.
Die israelische Regierung konkretisierte unterdessen ihre Pläne
für einen einseitigen Rückzug aus dem Westjordanland. Die
grossen Siedlungen sollten unter israelischer Kontrolle bleiben,
erklärte Vizeministerpräsident Ehud Olmert im Rundfunk. Die
nahe palästinensischen Ortschaften gelegenen Niederlassungen
sollten aber «wo möglich» geräumt werden.
Regierungschef Ariel Scharon hat bislang neben der Räumung nahezu
aller Siedlungen im Gazastreifen lediglich den Abbau einiger im
Westjordanland angekündigt. Die israelische Regierung strebt nach
eigenen Angaben eine einseitige Grenzziehung für den Fall an, dass
der internationale Friedensplan für den Nahen Osten in den
kommenden Monaten weiter auf Eis liegt.
(Quellen: epd, ap)
Mehr zum Thema "Grenzwall" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#040209_a
Atomwissenschaftler Khan soll Zentrifugenteile an Iran verkauft haben
Sa.21.02.04 - Der pakistanische Nuklearwissenschaftler Abdul Qadeer Khan hat nach
Erkenntnissen der malaysischen Polizei ein umfangreiches Netzwerk an
Kontakten für seine Atomgeschäfte aufgebaut. Mitte der 90er
Jahre verkaufte er demnach für drei Millionen Dollar
Zentrifugenteile an Iran, Libyen erhielt 2001 und 2002 Zentrifugenteile
sowie Uran in der zur Anreicherung geeigneten Form UF6. Nach eigenem
Eingeständnis hat Khan ferner Atomtechnologie an Nordkorea
weitergegeben.
Die Angaben beziehen sich auf die Befragung von Buhary Syed Abu Tahir,
dem mutmaßlichen Hauptfinanzier des von Khan geleiteten
internationalen Atomschmuggelrings. Tahir wird in Kuala Lumpur im
Zusammenhang mit seinen Aktivitäten für Khan in Malaysia
verhört. Die dortigen Behörden erklärten, es sei nicht
geplant, Tahir festzunehmen, da er nicht gegen malaysische Gesetze
verstoßen habe. Er bleibe aber unter Beobachtung. Den
zwölfseitigen Bericht zur Vernehmung Tahirs will die Polizei der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) übergeben.
Laut dem Bericht erklärte Tahir, Khan habe ihn 1994 oder 1995
gebeten, zwei Container gebrauchter Zentrifugenteile von Pakistan nach
Iran zu senden. Er, Tahir, habe dann die Lieferung an Bord eines
iranischen Handelsschiffes über Dubai organisiert. Die Zahlung in
Höhe von rund drei Millionen Dollar sei von einem nicht namentlich
genannten Iraner in bar geleistet worden.
Dem Polizeibericht zufolge wurde das Geld in einer Wohnung aufbewahrt,
in der sich «der pakistanische Atomwaffenexperte» bei
seinen Besuchen in Dubai stets aufgehalten habe. Bei diesem Experten
handelte es sich offensichtlich um Khan, auch wenn sein Name an dieser
Stelle nicht genannt wird.
Tahir erklärte dem Bericht zufolge ferner, Khan habe ihm gesagt,
dass 2001 «eine gewisse Menge» Uran an Bord einer
pakistanischen Maschine nach Libyen geflogen worden sei. Dabei habe es
sich um UF6 gehandelt, eine Substanz die bei der Anreicherung von Uran
verwendet werde. In dem Polizeibericht war daraufhin von angereichertem
Uran die Rede.
Khan, der Begründer des pakistanischen Atomprogramms, hatte Anfang
Februar in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache die
alleinige Verantwortung für den Verkauf von Nukleartechnologie ins
Ausland in den späten 80er und frühen 90er Jahren
übernommen. Nach seiner öffentlichen Entschuldigung wurde er
von Präsident Pervez Musharraf begnadigt.
(Quelle: ap)
Wahlbeteiligung in Iran laut Wächterrat höher als vor vier
Jahren
Sa.21.02.04 - Bei der Parlamentswahl in Iran haben nach Angaben des konservativen
Wächterrats mehr Bürger ihre Stimmen abgegeben als vor vier
Jahren. Zahlen nannte der Wächterrat in der am Samstagmorgen
herausgegebenen Erklärung allerdings nicht. Reformpolitiker hatten
zu einem Boykott der Abstimmung am Freitag aufgerufen. Erste
Hochrechnungen deuteten daraufhin, dass der Aufruf Wirkung zeigte und
die Wahlbeteiligung deutlich unter die Marke von 67 Prozent bei der
letzten Parlamentswahl gefallen sein könnte.
Die Wahlbeteiligung war ins Zentrum des Interesses gerückt, weil
eine konservative Parlamentsmehrheit nach dem Ausschluss tausender
liberaler Kandidaten von der Wahl praktisch sicher schien. Die
Parlamentswahl 2000 hatten die Reformer klar gewonnen. Nachdem ihre
Kandidaten - darunter viele amtierende Abgeordnete - von der Wahl
ausgeschlossen wurden, hofften sie mit dem Boykott zumindest einen
symbolischen Sieg über die Konservativen zu erringen.
(Quelle: ap)
Waffenruhe in Sri Lanka hält trotz Stillstands im Friedensprozess
Sa.21.02.04 - Trotz des Stillstands im Friedensprozess auf Sri Lanka sieht Vermittler
Trond Furuhoydre die Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen nicht
in Gefahr. «Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es kein
Zurück gibt», sagte der Norweger am Freitag über das
Waffenstillstandsabkommen, dessen Unterzeichnung sich am Sonntag zum
zweiten Mal jährt. Der Erfolg des Abkommens sei auch der
internationalen Gemeinschaft zu verdanken, die über vier
Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Bürgerkriegslandes
zugesagt hat.
Während der Waffenstillstand eingehalten wird, liegen die
Friedensverhandlungen seit Monaten auf Eis. Die tamilischen Rebellen
zogen sich im April aus den Gesprächen mit der Regierung
zurück. Eine Wiederaufnahme wird durch regierungsinterne Konflikte
erschwert: Im November entbrannte ein Machtkampf zwischen
Präsidentin Chandrika Kumaratunga und Ministerpräsident Ranil
Wickremesinghe, der in der vergangenen Woche mit der Entlassung von 39
Regierungsmitgliedern seinen Höhepunkt erreichte. Die
Präsidentin wirft Wickremesinghe vor, den Rebellen zu viele
Zugeständnisse zu machen.
(Quelle: ap)
Nach zwanzig Jahren Bürgerkrieg - Die Tamil Tigers sind die
erfolgreichste Widerstandsbewegung der Welt
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 16-17):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0053.nf/text
Diplomaten mehrer Länder legen Aristide Krisenplan vor - Haiti
kommt trotz Friedensplan nicht zur Ruhe - Mindestens zwei Tote bei Zusammenstößen in Port-au-Prince
Sa.21.02.04 - Diplomaten mehrerer Länder haben dem haitianischen
Präsidenten Jean Bertrand Aristide am Freitag einen Plan zur
Beilegung der politischen Krise vorgelegt. Die Delegation habe Aristide
ihre Vorschläge in einem kurzen Gespräch unterbreitet, teilte
ein Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Bouche, in
Washington mit. Der Friedensplan beruhe auf einer Initiative der
Karibikstaaten und wird auch von Kanada, der ehemaligen Kolonialmacht
Frankreich, der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der
Europäischen Union unterstützt.
Darin wird nach Angaben des US-Außenministeriums die Bildung
einer neuen, parteiübergreifenden Regierung unter einem neutralen
Ministerpräsidenten vorgeschlagen, nicht aber Aristides
Rücktritt. Über die Zusammensetzung der Regierung soll ein
neu zu schaffendes Beratungsgremium unter Einschluss der Opposition
beraten.
Der Plan sieht weiter eine Entwaffnung der militanten Regierungsgegner
auf der einen und Aristide-Anhänger auf der anderen Seite vor, die
sich seit zwei Wochen blutige Gefechte liefern. Zudem soll eine
Wahlkommission eingesetzt werden, um Parlamentswahlen zu organisieren.
Das aktuelle Parlament ist praktisch machtlos, weil die Mandate der
meisten Abgeordneten schon am 12. Januar abliefen.
«Es geht darum, dass wir die Bildung einer neuen Regierung
brauchen, die ihre verfassungsmäßige Rolle voll
erfüllt», zitierte die «Washington Post» einen
hochrangigen Beamten des US- Außenministeriums.
Die USA wollen an diesem Samstag zusammen mit anderen Ländern,
darunter Frankreich und Kanada, eine Delegation nach Haiti schicken, um
Präsident Jean-Bertrand Aristide zu einem politischen Kompromiss
mit seinen Gegnern zu drängen.
In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince ist es unterdessen zu
gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und
Anhängern von Präsident Jean-Bertrand Aristide gekommen.
Mindestens zwei Menschen wurden erschossen und über 20 weitere
verletzt, wie das Rote Kreuz berichtete. Ein mexikanischer Kameramann
wurde mit einer Machete verletzt, sein Kollege zusammengeschlagen.
In Haiti erklärten sich die bewaffneten Rebellen im Norden vom
Rest des Landes unabhängig. Wie Radiosender berichteten, riefen
die Rebellen in Gonaives, rund 160 Kilometer nördlich von
Port-au-Prince, die nach dem dortigen Verwaltungsbezirk benannte
«Unabhängige Republik Artibonite» aus. Zu ihrem
«Präsidenten» ernannten sie den früheren
Bandenchef Butteur Mettayer. Am Donnerstag hatte eine bewaffnete Gruppe
die Grenzstadt Ouanaminthe im Nordosten des Landes erobert. Vier der
neun Departements Haitis werden jetzt weitgehend von den Rebellen
kontrolliert.
Aristide weigert sich weiterhin, vor Ende seiner bis Februar 2006
dauernden Amtszeit zurückzutreten. In der Hauptstadt hielten sich
Gerüchte, dass die Rebellen während der Karnevalsfeiern
angreifen könnten. Trotz der Krise sollten am Freitag die
traditionellen Umzüge beginnen. Die Regierung des bettelarmen
Landes hat dafür nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Euro
bereitgestellt.
Die US-Regierung hat betont, dass sie keine Streitkräften zur
Eindämmung der Unruhen in Haiti entsenden wolle. Vor einem Einsatz
von internationalen Friedenstruppen müsse eine politische Einigung
zwischen Aristide und dessen Gegnern erreicht werden. Die
Bundesregierung in Berlin beobachtet die Entwicklung in Haiti mit
großer Besorgnis. Es müsse alles getan werden, damit die
Gewalt ein Ende habe, erklärte eine AA-Sprecherin in Berlin.
Voraussichtlich werde das Thema Haiti am kommenden Montag bei
EU-Außenministerrat zur Sprache kommen.
(Quelle: afp, dpa, ap)
Medien vs. Realität in Haiti
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#040220_a
Bürgerkriegsparteien in Elfenbeinküste werden ab März
entwaffnet
Sa.21.02.04 - Acht Monate nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs soll in
Elfenbeinküste die Entwaffnung von Rebellen und Regierungstruppen
beginnen. Das Entwaffnungsprogramm werde im März beginnen,
kündigte Ministerpräsident Seydou Diarra bei einem Besuch in
der Rebellenhochburg Bouaké an. Rebellen-Kommandeur Soumalia
Bakayoko erklärte, er sei zu einer Entwaffnung bereit, wenn sich
auch die Regierungstruppen daran hielten. «Sobald wir eine
unserer Waffen niederlegen, muss auch die andere Seite eine
niederlegen», sagte er.
Trotz Abschluss eines Friedensabkommens ist der Norden der
Elfenbeinküste noch fest in der Hand der Rebellen, die Regierung
kontrolliert nur den Süden. Westafrikanische und französische
Friedenstruppen überwachen eine Pufferzone zwischen den beiden
Parteien. Das Abrüstungsprogramm wird von der Weltbank und anderen
internationalen Geldgebern mit 60 Millionen Dollar unterstützt.
Jeder entwaffnete Kämpfer soll für die Rückkehr in die
Zivilgesellschaft umgerechnet 770 Euro und eine Berufsausbildung
erhalten, wie aus der Regierungskreisen verlautete.
(Quelle: ap)
UN-Vertreter wollen Friedensmissionen in Westafrika koordinieren
Sa.21.02.04 - Zur Eindämmung des Waffenschmuggels und des Rückzugs von
Kämpfern über Landesgrenzen hinweg bemühen sich die
Leiter der UN-Friedensmissionen in Westafrika um eine stärkere
Koordination ihrer Einsätze. UN-Vertreter für Liberia, Sierra
Leone, Elfenbeinküste und Guinea sowie der Sondergesandte für
Westafrika, Ahmedou Ould-Abdallah, kamen am Freitag in Dakar zusammen,
um über gemeinsame Schritte zu beraten. Im Gespräch ist unter
anderem, die Zustimmung des Weltsicherheitsrats für
grenzübergreifende UN-Patrouillen und Luftunterstützung
einzuholen. Derzeit sind rund 24.500 UN-Soldaten in Sierra Leone und
Liberia stationiert. In die Elfenbeinküste sollen insgesamt 6.000
entsandt werden.
(Quelle: ap)
USA und arme Länder fordern Ende der Agrar-Exportsubventionen
Sa.21.02.04 - Die USA und die 20 führenden Entwicklungsländer (G 20) wollen
bei den aktuellen Freihandelsgesprächen gemeinsam für die
Abschaffung der umstrittenen Agrar-Exportsubventionen der reichen
Ländern kämpfen. "Wir stimmen absolut überein, dass die
Hilfen beendet werden müssen, um die Gespräche in der
Welthandelsorganisation wieder in Schwung zu bringen", sagte der
US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick am Freitag in Genf.
Insbesondere die Entwicklungsländer kritisieren die massiven
Ausfuhrhilfen für die Bauern aus den reichen Ländern. Damit
würden die Bauern aus der Dritten Welt aus den Märkten
gedrängt. Größter Zahler für Exportsubventionen
ist die Europäische Union. Im Jahr 2002 unterstützte
Brüssel die Ausfuhr von sechs landwirtschaftlichen Produktgruppen
mit rund 1,9 Milliarden Euro. Führende Länder der G 20 sind
Brasilien, China, Indien und Südafrika.
Zoellick sagte weiter, dass die Agrarsubventionen das größte
Hindernis auf dem Weg zum geplanten Abschluss der
Freihandelsgespräche der WTO bis zum Jahresende sind. Die
Verhandlungsrunde der 146 Staaten im Rahmen der Welthandelsorganisation
(WTO) wird auch Entwicklungsrunde genannt, weil die ärmeren
Länder besonders von den angestrebten Erleichterungen im
internationalen Warenaustausch profitieren sollen.
(Quelle: epd)
Mehr zum Thema "Ungerechtigkeit im Welthandel, Handelshemmnisse für Entwicklungsländer,
Agrarsubventionen etc" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402150.htm#040215fa
Gespräche über Wiedervereinigung Zyperns fortgesetzt
Sa.21.02.04 - Die griechischen und die türkischen Zyprer haben am Freitag ihre
Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der seit 30 Jahren
geteilten Mittelmeerinsel fortgesetzt. Im Mittelpunkt der
Gespräche standen technische Fragen, etwa über den Sitz einer
künftigen Zentralregierung, die Flagge und die Nationalhymne, wie
der türkisch-zyprische Volksgruppenführer Rauf Denktasch
mitteilte. Das nächste Treffen sei für Dienstag angesetzt
worden.
Der UN-Sonderbotschafter Alvaro de Soto hat beide Seiten aufgerufen,
über den Inhalt und Verlauf der Gespräche zunächst
nichts verlauten zu lassen. Denktasch erklärte jedoch, die Zyprer
müssten möglichst gut informiert sein, um in dem geplanten
Referendum eine Entscheidung treffen zu können. Hauptstreitpunkt
ist die Frage, wie viele griechische Zyprer in ihre Häuser im
Norden zurückkehren dürfen. Ungeklärt ist auch, wie
viele türkische Soldaten auf der Insel stationiert bleiben
dürfen und wie weit die Macht der Zentralregierung reichen soll.
Die Verhandlungen begannen am Donnerstag in einem
UN-Konferenzgebäude auf dem stillgelegten Flughafen an der
Grenzlinie von Nikosia. Der Vereinigungsplan von
UN-Generalsekretär Kofi Annan sieht zwei weitgehend autonome
Regionen und eine mit wenigen Kompetenzen ausgestattete
Zentralregierung vor.
Beide Seiten einigten sich erst auf erheblichen Druck der Vereinten
Nationen am Freitag vergangener Woche auf die neuen Gespräche. Bis
zum 22. März muss eine umfassende Lösung gefunden werden,
damit beide Inselhälften am 1. Mai gemeinsam der Europäischen
Union beitreten können. Für alle ungelösten Detailfragen
wird Annan selbst eine Lösung ausarbeiten. Über den
endgültigen Entwurf sollen beide Bevölkerungsgruppen am 21.
April in einem Referendum abstimmen.
Beide Seiten stehen unter hohem internationalen Druck.
US-Außenamtssprecher Richard Boucher rief die Delegierten am
Donnerstag auf, zu einer Einigung zu finden. Auch
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen bekräftigte bei
einem Treffen mit Denktasch und dem griechisch-zyprischen
Präsidenten Tassos Papadopoulos das hohe Interesse der
Europäische Union an einer Lösung. Brüssel sei bereit,
eine Wiedervereinigung Zyperns mit Hilfen in Höhe von 300
Millionen Euro zu unterstützen, sagte Verheugen vor Journalisten.
Die letzte Gesprächsrunde auf der Insel war im April vergangenen
Jahres am Widerstand Denktaschs gescheitert. Er befürchtet nach
einer Wiedervereinigung eine griechische Dominanz auf der Insel. Zypern
ist seit 1974 geteilt. Der türkische Norden wird jedoch nur von
der Regierung in Ankara als eigenständiger Staat anerkannt.
(Quelle: afp)
Serbien: Kostunica mit Regierungsbildung beauftragt
Sa.21.02.04 - Serbiens Konservative haben die Bildung einer Minderheitsregierung mit
Duldung der Sozialisten von Ex-Präsident Slobodan Milosevic
angekündigt und damit im Westen Besorgnis ausgelöst.
Der konservative Parteichef Vojislav Kostunica sagte am Freitag - acht
Wochen nach der Parlamentswahl - er habe vom amtierenden
Präsidenten Dragan Marsicanin den Auftrag zur Regierungsbildung
erhalten. Zuvor hatte die monarchistische Serbische Erneuerungsbewegung
(SPO) einer Minderheitskoalition zugestimmt. Die Regierungsbildung soll
Konstunica zufolge bis Ende kommender Woche abgeschlossen sein.
Die Sozialistische Partei (SPS) mit Milosevic an der Spitze hat
angekündigt, die konservative Minderheitsregierung zu dulden, so
lange deren Politik den eigenen Parteizielen entspreche. Milosevic
steht derzeit unter anderem wegen Verbrechen während der
Balkankriege vor dem Internationalen Gerichtshof im
niederländischen Den Haag. "Es ist eine Minderheitsregierung, die
auf Basis der Grundprinzipien der (Regierungs-)Politik auf die
Unterstützung der SPS im Parlament zählen kann", sagte
Kostunica. Westliche Diplomaten warnten dagegen: "Es ist ein Schritt in
die falsche Richtung."
Westliche Vertreter haben in Frage gestellt, ob der Reformprozess in
dem ehemals kommunistischen Land vorankommen werde, wenn sich Kostunica
auf die Sozialisten stützen muss. Kostunica führte den
Umsturz an, der Milosevic 2000 zu Fall brachte, und war dessen
Nachfolger im Amt des jugoslawischen Präsidenten. Bei den
Parlamentswahlen Ende Dezember hatte die Radikale Partei unter dem
ebenfalls in Den Haag angeklagten Vojislav Seselj 28 Prozent der
Stimmen gewonnen und damit den Reformparteien im Land einen
empfindlichen Rückschlag versetzt.
Jugoslawien ist inzwischen auseinander gebrochen. Die beiden zuletzt
zugehörigen Bundesstaaten Serbien und Montenegro bilden nun eine
Staatenunion mit weitgehender Selbstständigkeit der beiden Glieder.
(Quelle: rtr)
Frauen in EU verdienen weniger als Männer
Sa.21.02.04 - Frauen verdienen EU-weit immer noch ein Sechstel weniger als
Männer. Das hindere Frauen oft daran, eine Arbeit aufzunehmen,
heißt es in einer Studie von EU-Sozialkommissarin Anna
Diamantopoulou. Sie rief die Mitgliedstaaten zu raschem Handeln auf.
Ansonsten gerate das Ziel in Gefahr, bis 2010 sechs von zehn Frauen in
Lohn und Brot zu bringen.
Gut ein Drittel der Frauen in der EU arbeite zudem Teilzeit,
heißt es in der Studie weiter. Dagegen gingen nur sieben Prozent
der Männer einer Teilzeitbeschäftigung nach. Für Frauen
liege zudem das Risiko, arm zu werden, drei Prozent höher als
für Männer. Von Arbeitslosigkeit seien dagegen beide
Geschlechter nahezu gleich betroffen.
Als Ursache nannte Diamantopoulou die immer noch weitaus
größere Verantwortung, die Frauen in der Familie
trügen. Allerdings ließen sich Frauen auch immer noch in
stereotypen Berufen ausbilden. So sei etwa nur jeder fünfte
diplomierte Beschäftigte im Bau- oder Ingenieurbereich weiblich.
(Quelle: afp)
Verletzte bei Explosion einer Briefbombe in Italien
Sa.21.02.04 - Bei der Explosion einer Briefbombe in einer Polizeizentrale in der
italienischen Stadt Perugia sind am Freitag nach Polizeiangaben mehrere
Menschen verletzt worden.
"Es hat eine Explosion gegeben und es herrscht viel Chaos. Es gibt
Verletzte, darunter eine Person mit schweren Verletzungen", sagte ein
Polizist. In den vergangenen Monaten waren eine Reihe von Briefbomben
an Polizeiwachen in Italien sowie zu italienischen und EU-Politikern
geschickt worden. Die Polizei vermutet in Italien ansässige
Anarchisten hinter der Briefbomben-Kampagne.
(Quelle: rtr)
Neuauflage der Strategie der Spannung?
Schnell wurden Anarchisten als Urheber der Briefbomben ausgemacht. Manche Beobachter
fühlen sich an die Strategie der Spannung im Italien der 70er
Jahre erinnert. In der ursprünglich vom CIA konzipierten und von
Netzwerken wie P2 und Gladio ausgeführten Strategie wurden
Terroranschläge inszeniert, für die dann die Linke
verantwortlich gemacht wurde. Selbst anarchistische Gruppen waren zu
diesem Zweck gegründet worden. Das Ziel dieser Strategie bestand
darin, die öffentliche Meinung nach Rechts zu drehen und eine
Regierungsbeteiligung der in den 70er Jahren starken Kommunistischen
Partei zu verhindern. Zahlreiche Linke wurden verfolgt und saßen
teilweise jahrelang unschuldig in Haft....
Quelle: Peter Nowak - "Neuauflage der Strategie der Spannung?",
telepolis vom 15.01.04.
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16529/1.html
http://at.indymedia.org/feature/display/35922/index.php
Frankfurts Polizei-Vizechef Daschner nach Folterdrohung angeklagt
Sa.21.02.04 - Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Frankfurter
Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner erhoben, auf dessen
Anweisung von dem Entführer des Bankierssohnes Jakob von Metzler
vor eineinhalb Jahren unter Gewaltandrohung eine Aussage erzwungen
worden sein soll. Daschner wurde vom Dienst in Frankfurt entbunden.
Das verständliche Motiv mache die Androhung von Folter nicht zu
einem rechtlich zulässigen Mittel, erklärte die Frankfurter
Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Behörde sprach von einem
einmaligen Fall. Daschner werde daher wegen Verleitung zur
Nötigung und wegen Verleitung zum Missbrauch der Amtsbefugnisse
angeklagt. Sollte er verurteilt werden, muss er mit einer Haftstrafe
zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen. Der
Kriminalbeamte, der die Gewaltandrohung auf Anweisung Daschners
ausgesprochen haben soll, wurde wegen Nötigung und Missbrauchs
seiner Amtsbefugnisse angeklagt. Die Staatsanwaltschaft war zuletzt
selbst wegen des Vorwurfs unter Druck geraten, sie verschleppe die
Ermittlungen.
Daschner hatte eingeräumt, dass auf seine Anweisung hin dem
Entführer Magnus Gäfgen nach der Festnahme schwere Schmerzen
angedroht worden waren, um das Versteck des elfjährigen Jakob
herauszufinden. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass der
entführte Junge noch lebe und in Lebensgefahr schwebe, hatte
Daschner sein Vorgehen begründet. Ehe es zur Anwendung von Gewalt
gekommen sei, habe Gäfgen das Versteck der Leiche des Jungen
preisgegeben. Daschner legte über sein Vorgehen einen Aktenvermerk
an, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Datum vom 1. Oktober
2002 trägt, jedoch erst im Januar 2003 an die Staatsanwaltschaft
weitergegeben wurde.
Daschners Anwalt Eckart Hild will bei Gericht eine Nichtzulassung der
Anklage erreichen. "Im vorliegenden Verfahren geht es um die Frage, ob
die Polizei tatenlos zuwarten darf und muss, wie ein entführtes
Kind qualvoll stirbt", erklärte er. Daschner habe zwischen dem
Recht des Kindes auf Leben sowie Gäfgens Recht auf
körperliche Unversehrtheit abwägen müssen. Die
Menschenrechtskonvention lasse jedoch die Anwendung von Gewalt
ausdrücklich zu, um die "Verteidigung eines Menschen
gegenüber rechtswidriger Gewaltanwendung sicher zu stellen".
Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) versetzte Daschner nach der
Anklage zum Landespolizeipräsidium Wiesbaden, wo er nun
"verwaltungsinterne Aufgaben" wahrnehmen soll.
Die Staatsanwaltschaft stellte fest, die beiden Beamten könnten
sich weder auf Notwehr noch auf einen rechtfertigenden oder
entschuldigenden Notstand berufen. Ihr Verhalten sei weder geboten noch
angemessen gewesen, sondern habe grundlegend gegen die Verfassung und
internationale Abkommen verstoßen. Danach darf ein Festgenommener
weder seelisch noch körperlich misshandelt werden, und niemand
darf der Folter oder einer erniedrigenden Behandlung unterworfen werden.
Zu Gunsten der beiden Beamten wertete die Behörde, dass der
schwerer wiegende Tatbestand der Aussage-Erpressung nicht vorliege. Die
Beamten hätten zwar vorsätzlich gehandelt. Sie hätten
damit jedoch nicht ein für Gäfgen belastendes Geständnis
erpressen wollen, sondern eine Gefahr von Jakob abwehren wollen. Es
handle sich daher um eine "reine polizeiliche
Gefahrenabwehrmaßnahme, um das Kind zu retten", sagte die
Behördensprecherin Doris Möller-Scheu. Auf Aussage-Erpressung
steht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.
Gäfgens Anwalt Hans Ulrich Endres kritisierte, die
Staatsanwaltschaft hätte Daschner klar wegen Aussage-Erpressung
und nicht nur wegen Nötigung anklagen müssen. Die Anklage sei
unbegreiflich und einmalig in der deutschen Rechtsgeschichte.
Möglicherweise sei die Staatsanwaltschaft jedoch so milde, weil
sie wie die Polizei an die Weisungen der Landesregierung gebunden sei.
Gäfgen war im Juli 2003 wegen der Entführung und Ermordung
Jakobs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Außerdem stellte
das Gericht eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige
Freilassung nach 15 Jahren unmöglich macht. Der Prozess wäre
wegen der Gewaltandrohung durch die Polizei fast gescheitert: Das
Gericht erklärte deshalb die ersten Geständnisse des
Jura-Studenten Gäfgen für nichtig. Gäfgen wiederholte
sein Geständnis aber vor Gericht.
(Quelle: rtr)
Folter und die Androhung von Folter ist strikt verboten
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302250.htm#030225_p
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302250.htm#03022529
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302240.htm#03022419
Umfrage: Zwei von drei Deutschen für Rücknahme der Gesundheitsreform -
Politische Debatte über Korrekturen der
Reform reißt nicht ab
Sa.21.02.04 - Die Gesundheitsreform ist bei den Betroffenen weiter extrem unbeliebt:
64 Prozent der Befragten einer Emnid-Studie sprachen sich dafür
aus, die seit 1. Januar geltende Reform samt Praxisgebühr und
höheren Zuzahlungen komplett zu kippen. Sozialministerin Ulla
Schmidt sieht hingegen erste positive Wirkungen, wie ihr Sprecher Klaus
Vater am Freitag betonte.
Nach der Emnid-Umfrage für die «Bildwoche» sind in
Ostdeutschland sogar 73 Prozent der Befragten dafür, die Reform
rückgängig zu machen, in Westdeutschland 62 Prozent. Der
Anteil derjenigen, der die Reform behalten wollten (insgesamt 32
Prozent), sei unter jungen Leuten etwas höher (38 Prozent) als
unter älteren. Befragt wurden insgesamt 1.005 Teilnehmer.
Auch in der Politik reißt die Debatte über Korrekturen der
Reform nicht ab. So streitet die FDP weiter dafür, die
Verdoppelung des Krankenkassenbeitrags auf Betriebsrenten und die
Erhebung von Beiträgen auf Direktversicherungen
rückgängig zu machen. Bei SPD, Grünen und Union habe ein
Umdenkprozess begonnen, meinte FDP-Finanzexperte Carl Ludwig Thiele.
Sie sollten einem FDP-Antrag zur Änderung der Klausel im Bundestag
zustimmen.
Die Berliner Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) verlangte
eine Nachbesserung mit dem Ziel, dass die Praxisgebühr nur beim
Facharzt verlangt wird. Die jetzige Erhebung auch beim Hausarzt
führe dazu, dass Menschen mit geringem Einkommen nötige
Arztbesuche verschöben oder ausfallen ließen.
Ministerin Schmidt sieht hingegen Hinweise, dass die Reform das bisher
starre Gesundheitssystem in Bewegung gebracht hat, wie ihr Sprecher
Vater sagte. Er führte die Offenlegung der Vorstandsbezüge in
Krankenkassen und einen Rückgang der Preise für
verschreibungspflichtige Medikamente im Januar um ein Prozent an. Auch
die Zahl der Arztbesuche sei um bis zu 15 Prozent gesunken, sagte
Vater. Des Weiteren hätten sich «in bestimmten
Bereichen» die Umsätze der Apotheken verringert.
Hintergrund sind allerdings auch Vorzieheffekte vor dem Start der
Reform: Nach Schmidts Angaben waren im Dezember die Ausgaben für
Arzneimittel um 43 Prozent und die Zahl der Arztbesuche um ein Viertel
in die Höhe geschnellt.
Für ein anderes Verfahren zum Einziehen der Praxisgebühr
haben sächsische Ärzte inzwischen 500.000 Unterschriften
gesammelt, wie die «Sächsische Zeitung» meldete.
Demnach soll die Gebühr direkt von den Krankenkassen und nicht
mehr beim Arzt eingezogen werden. Auch die Kassenärztliche
Bundesvereinigung strebt Änderungen beim Eintreiben der
Gebühr an, wenn auch nicht so gravierende.
Ähnlich wie die Zahnärzte wollen die niederlassenen
Ärzte das Mahnverfahren für säumige Zahler nach
Notfällen allein den Krankenkassen übertragen, wie die
Kassenärztliche Bundesvereinigung erklärte. KBV-Sprecher
Roland Stahl bestätigte damit einen Bericht des Magazins
«Focus». Er betonte aber: «Für Patienten
ändert sich gar nichts.»
(Quelle: ap)
Pharmakonzerne werben mit falschen Angaben
Sa.21.02.04 - Pharmakonzerne werben einer Untersuchung zufolge in Broschüren
für Ärzte häufig mit irreführenden oder falschen
Informationen für ihr Produkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Studie des Kölner Instituts für evidenzbasierte Medizin, das
175 Broschüren ausgewertet hatte.
In 94 Prozent der Fälle wurden die Prospektangaben bemängelt,
sagte Institutssprecher Thomas Kaiser am Freitag und bestätigte
damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel».
So seien etwa Nebenwirkungen unterschlagen oder der Nutzen der
Präparate übertrieben worden. Der Bayer-Konzern, dessen
Angaben zum Potenzmittel Levitra beanstandet wurden, wies die Kritik
zurück.
Das Kölner Institut forderte «drastische Strafen»
für Pharmakonzerne, die in ihren Produktinformationen
verfälschte oder verkürzte Angaben machten. «Wenn man
sich überlegt, dass sich die Ärzte auf diese
Produktinformationen verlassen, muss sichergestellt sein, dass sie auch
korrekt sind», betonte Kaiser. Er forderte eine externe Kontrolle
dieser Pharma-Broschüren.
Für die Studie hatte das Kölner Institut 175 Broschüren
ausgewertet, die im Juni 2003 in 43 zufällig ausgewählten
Arztpraxen eingegangen waren. Bei rund einem Drittel der Prospekte (37
Prozent) ließen sich die Inhalte nicht überprüfen, da
Quellen- oder Literaturhinweise fehlten, wie die Studie feststellt.
«Nur sechs Prozent der Broschüren waren vollständig
nachvollziehbar und korrekt», betonte Kaiser.
Zu den anderen Informationen heißt es in der Untersuchung:
«Insbesondere werden Medikamentennebenwirkungen verschwiegen und
therapeutische Effekte der beworbenen Präparate übertrieben.
... Ergebnisse aus Tierversuchen werden als Daten aus Humanstudien
dargestellt.» So habe etwa Bayer für sein Potenzmittel
Levitra geworben, dass es bis zu fünf Stunden lang wirke.
Tatsächlich sei dieses Test-Ergebnis aber nicht bei Männern,
sondern bei betäubten Hasen gewonnen worden.
Das bestritt eine Bayer-Sprecherin und verwies auf den Beipackzettel,
der inhaltlich mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt werden
müsse. Hier werde ebenfalls eine Erektionszeit von vier bis
fünf Stunden angegeben. «Ich weiß nicht, auf welchen
Prospekt sich das Institut bezieht, aber was im Beipackzettel steht,
stimmt.»
(Quelle: dpa)
Clement setzt auf freiwillige Regelung statt Ausbildungsplatzabgabe
Sa.21.02.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat seine Ablehnung der von
der Regierungskoalition geplanten Ausbildungsplatzabgabe
bekräftigt und sich für freiwillige Regelungen ausgesprochen.
In der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin» am Freitagabend
warnte Clement laut einer vorab verbreiteten Mitteilung, andernfalls
drohe Bürokratie und «schrecklich viel
Ungerechtigkeit». Der SPD-Politiker betonte, dass viele
Unternehmen keine geeigneten Auszubildenden fänden.
Er setze weiter auf freiwillige Vereinbarungen wie in der
Bauwirtschaft, fügte er hinzu. In der Branche gilt seit 1975 eine
tarifvertraglich vereinbarte Ausbildungsumlage. Clement nannte dies
vorbildhaft: «So etwas brauchten wir eigentlich
überall», betonte er. Freiwillige Vereinbarungen der
Tarifparteien schüfen im Gegensatz zu bundeseinheitlichen
Regelungen keine «schreckliche Bürokratie», fügte
er hinzu. Er schränkte ein, dass man mit der Drohung eines
Bundesgesetzes auch Druck auf die Wirtschaft ausüben könnte.
Die SPD-Bundestagsfraktion bereitet derzeit einen Gesetzesentwurf vor,
der die Zahlung einer Abgabe für nicht ausbildende Firmen
verbindlich machen soll. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat
allerdings signalisiert, darauf zu verzichten, falls die Wirtschaft
freiwillig ausreichend Lehrstellen zur Verfügung stellt.
(Quelle: ap)
Grundgesetzänderung für Betreuung von Langzeitarbeitslosen
Sa.21.02.04 - Bundesregierung und Opposition wollen für die ab 2005 geplante
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe das Grundgesetz
ändern.
Damit werde dem Bund ermöglicht, den Kommunen direkt einen
finanziellen Ausgleich zu zahlen, wenn sie die Betreuung der
Langzeitarbeitslosen in eigener Regie übernehmen wollten, sagte
die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Thea Dückert
am Freitag nach Beratungen von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit
Fachpolitikern aus den Bundestagsfraktionen und den Ländern.
Rot-Grün ging damit auf eine Forderung der Union ein. Eine
Sprecherin Clements bezeichnete die Verhandlungen als konstruktiv und
kooperativ. Mit dem geplanten Optionsgesetz zur Zuständigkeit
für die Langzeitarbeitslosen könne es jetzt sehr schnell
vorangehen. CDU-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann sagte: "Im
Grunde sind wir uns über die politischen Eckpunkte einig." Er gehe
davon aus, dass eine Einigung in der kommenden Woche möglich sei.
Regierung und Opposition hatten sich vor Weihnachten darauf
verständigt, Arbeitslosen- und Sozialhilfe für etwa drei
Millionen Erwerbsfähige zum Arbeitslosengeld II zusammenzulegen.
Auf Druck der Union wurde den Kommunen die Option eingeräumt, die
Betreuung der Langzeitarbeitslosen an Stelle der Bundesagentur für
Arbeit (BA) übernehmen zu können. Die Kosten für das
Arbeitslosengeld II sowie für Verwaltungsausgaben und
Eingliederungsmaßnahmen sollen sie in gleicher Höhe vom Bund
erstattet bekommen wie die BA. Die Regierung will bis März dieses
Optionsgesetz vorlegen. Kommunen können dann bis Ende August
entscheiden, ob sie die Aufgabe übernehmen wollen.
Bis Ende nächster Woche sollten weitere Einzelheiten geklärt
werden, so dass ein Gesetzentwurf möglicherweise in der Woche
darauf das Kabinett passieren könne, sagte Dückert der
Nachrichtenagentur Reuters weiter. Die Änderung des Grundgesetzes
betreffe Artikel 106 und werde konkret festlegen, dass der Bund
einzelnen Kommunen Kosten erstatte, die sich für die Betreuung von
Langzeitarbeitslosen entschieden. "Das ist sehr präzise auf eine
Speziallösung orientiert, wodurch den Ergebnissen der
Föderalismuskommission nicht vorgegriffen wird", sagte
Dückert. Das Grundgesetz kann mit Zwei-Drittel-Mehrheiten in
Bundestag und Bundesrat geändert werden.
Verschiedene Punkte des Optionsgesetzes seien noch offen, etwa die
Höhe so genannter Aktivierungsquoten, sagte Dückert. Diese
sollen den Anteil der Langzeitsarbeitslosen festlegen, die von
Eingliederungsmaßnahmen wie etwa Fortbildung profitieren sollen.
Auch die Frage einer regionalen Komponente, etwa um Regionen mit
besonders hoher Arbeitslosigkeit stärker zu fördern, sei noch
nicht abschließend beantwortet. "Wir haben das vorgeschlagen, um
der besonderen Problematik in den neuen Bundesländern Rechnung zu
tragen", sagte Dückert. Dies sei bei der Opposition nicht generell
auf Ablehnung gestoßen. "Die Opposition war an dieser Stelle
uneinheitlich." Laumann sagte, die Union wolle keine Regionalisierung.
"Dies ist aber kein entscheidender Punkt."
(Quelle: rtr)
Ver.di und DGB bringen Mindestlöhne ins Gespräch
Sa.21.02.04 - Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben erneut
Mindestlöhne ins Gespräch gebracht. Der ver.di-Vorsitzende
Frank Bsirske sagte der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe), man denke über einen gesetzlichen Mindestlohn
nach. Als Begründung nannte er die geplante Verschärfung der
Zumutbarkeitskriterien für Langzeitarbeitslose. Wenn Menschen
künftig zu Arbeiten gezwungen werden, von denen sie nicht leben
können, werde der Druck auf die Löhne weiter zunehmen, wurde
Bsirske zitiert.
DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer sagte der
«Sächsischen Zeitung» vom gleichen Tag, wenn
ostdeutsche Betriebe zunehmend gegen Tarifverträge
verstießen, werde die Diskussion über gesetzliche
Mindestlöhne zunehmen. Einzelne Arbeitnehmer seien zurzeit in
ostdeutschen Regionen mit hoher Erwerbslosigkeit «relativ
schutzlos». Auch der Rechtsweg helfe ihnen bei
Verstößen des Arbeitgebers gegen den Tarifvertrag nicht,
fügte Putzhammer hinzu.
(Quelle: ap)
Durchbruch bei Metall-Tarifverhandlungen für den Osten
Sa.21.02.04 - Im Streit um die Übertragung des Metall-Pilotabschlusses auf
Ostdeutschland haben die Tarifparteien am Freitag in drei Tarifgebieten
Durchbrüche erzielt: Arbeitgeber und IG Metall in Thüringen,
Berlin-Brandenburg sowie im Bezirk Küste einschließlich
Mecklenburg-Vorpommern einigten sich am Freitag darauf, den
Pilotabschluss aus Baden-Württemberg mit Zusatzvereinbarungen zu
übernehmen.
Der Abschluss sieht 2,2 Prozent mehr Geld ab März und weitere 2,7
Prozent ab März 2005 vor. Für den Bezirk Küste und die
Tarifgebiete Thüringen und Berlin-Brandenburg gibt es allerdings
eine Ergänzung: Hier wird es der Entscheidung der Betriebsparteien
überlassen, wann ein Teil der Pilot-Tarifeinigung, 0,7
Prozentpunkte, an die Beschäftigten ausgezahlt wird. In den
westdeutschen Tarifgebieten soll dieser Anteil den Beschäftigten
zunächst als Einmalzahlung zukommen und anschließend in
einen Fonds für die Angleichung der Bezüge von Arbeitern und
Angestellten fließen.
Die Hamburger Tarifparteien zeigten sich zufrieden mit dem Kompromiss
für die rund 160.000 Beschäftigten. IG-Metall-Bezirksleiter
Frank Teichmüller sagte, er rechne höchstens «mit einer
Hand voll Betrieben», die die Auszahlung des Einmalbetrags
verschieben würden, dabei gehe es aber höchstens um Monate.
Dies zeigten Erfahrungen aus der letzten Tarifrunde. Der
Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Nordverbund, Ingo
Kramer, sagte, die Positionen des Pilotabschlusses seien im
wesentlichen übernommen worden.
Die Sprecherin des Verbandes der Wirtschaft Thüringen, Inge
Schubert, betonte, dass den Arbeitgebern mit der Vereinbarung deutliche
Kostenentlastungen möglich seien. Für die Verschiebung der
Einmalzahlung müsse ein Betrieb nicht generell vor
Zahlungsengpässen stehen. «Er muss nur nicht in der Lage
sein, bestimmte Zahlungen zu leisten», sagte sie. Somit sollten
Investitionen in anderen Bereichen möglich sein, um
Arbeitsplätze zu sichern. Gesamtmetall-Sprecher Peter Klotzki
sagte, im Tarifgebiet Berlin-Brandenburg sei die Einschränkung bei
der Einmalzahlung als Protokollnotiz in die Einigung aufgenommen worden.
Mit Ausnahme des Bezirks Küste haben damit alle westdeutschen
Tarifgebiete die Lohn- und Gehaltserhöhungen des Pilotabschlusses
eins zu eins übernommen. Die Ost-Arbeitgeber hatten unter Hinweis
auf die schwierige Lage ihrer Branche geringere Erhöhungen
gefordert. Kommende Woche stehen Verhandlungen in Sachsen und
Sachsen-Anhalt an.
Unterdessen kündigte der IG-Metall-Bezirksleiter von
Berlin-Brandenburg, Hasso Düvel, seinen Rückzug nach der
laufenden Tarifrunde an. Die IG Metall machte aber keine weiteren
Angaben, auch nicht zu den Gründen, der Nachfolge oder dem genauen
Zeitpunkt. Düvel war nach dem gescheiterten Metaller-Streik in
Ostdeutschland im vergangenen Jahr in die Kritik geraten.
(Quelle: ap)
Link zum Stand der Tarifverhandlungen 2004 auf der Sonderseite der IG Metall:
http://www.igmetall.de/tarife/nachrichten/metall/stand.html
Internet-Portal der Gewerkschafts-Linken:
http://www.labournet.de/
Die Gewerkschafts-Linken diskutieren Tarifrunde 2004 der IG Metall:
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/tarif04/igm/index.html
Strahlenschutzamt fordert Abschaltung von fünf Atomkraftwerken
Sa.21.02.04 - Wegen der Gefahr von Terrorangriffen hat das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) die Industrie aufgefordert, fünf ältere
Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz zu nehmen. BfS-Präsident Wolfram
König sagte der «Berliner Zeitung» (Samstagsausgabe),
die Kraftwerke Philippsburg 1, Isar 1, Brunsbüttel, außerdem
Biblis A sowie Obrigheim seien nicht genug gegen Angriffe mit
Passagierflugzeugen gesichert. Dies hätten Analysen der
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gezeigt.
Im Gegenzug könne die Stromwirtschaft modernere Atomkraftwerke
länger laufen lassen als im Ausstiegskonsens mit der
Bundesregierung vorgesehen, schlug König demnach vor. Der
BfS-Präsident kritisierte die Atomindustrie für ihren
bisherigen Umgang mit Terrorgefahren: «Die Konzerne sind ihrer
Verantwortung noch nicht in dem Maße gerecht geworden, wie es
nach dem 11. September 2001 nötig gewesen wäre», wurde
König zitiert.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Atomindustrie bestreitet besondere Terrorgefahr
Fr.06.02.04 - Die Atomindustrie sieht keine besondere Gefährdung der 18
deutschen Reaktoren durch terroristische Angriffe aus der Luft.
«Ich halte die Diskussion wirklich für an den Haaren herbei
gezogen», sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Gert
Maichel, am Donnerstag in Berlin... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020618
BUND veröffentlicht Gutachten über Terrorgefahren bei
Atomkraftwerken
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#040206ro
RFID-Chips in Metro-Payback-Kundenkarten versteckt
Sa.21.02.04 - Die Metro-Gruppe, der Marktführer unter den deutschen
Einzelhandelskonzernen (Kaufhof Galeria, Saturn, Media Markt, real,
Praktiker, extra etc.) testet seit knapp einem Jahr im
Extra-Future-Store in Rheinberg bei Duisburg sogenannte "RFID-Tags",
das sind kleine "Schnüffel-Chips" unter einigen Preisetiketten
(Philadelphia Frischkäse, Pantene Shampoo und Gillette
Rasierklingen) und versteckt in den Future-Store-Payback-Kundenkarten.
Das Neue an diesen RFID-Chips ist, dass damit jeder angebotene bzw.
verkaufte Gegenstand eine weltweit eindeutige Seriennummer bekommt und
dass diese Chips per Funk und damit vom Verbraucher unbemerkt, auf eine
Entfernung von ein bis zwei Metern gelesen werden können.
Über einen solchen Chip in Kundenkarten könnten auch alle
Verbraucher individuell ebenfalls mit einer eindeutigen Seriennummer
ausgestattet werden. Menschen mit solchen Kundenkarten, aber auch
Angestellte mit Chips auf ihren Dienstausweisen, die von den Antennen
erfasst werden, könnten, wie ein aktueller Fall zeigt, heimlich
ausgespäht werden, wenn sie über den "Lauschangriff" nicht in
Kenntnis gesetzt werden und/oder die Antennen zum Auslesen unsichtbar
in Türschwellen oder Treppengeländern integriert sind....
Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16803/1.html
Blick ins Archiv:
Der gläserne Fußballfan kommt
Di.20.01.04 - Interessenten für EM-Tickets müssen ihre Daten per Post
übermitteln - Jede Ticket-Nummer damit zuzuordnen +++ WM bringt
dann Tickets mit Funkchips (RFID) +++ Fandaten auch für
Marketingzwecke verwendbar... Mehr bei futurezone unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=209972&tmp=52508
Chaos Communication Congress: Proteste gegen Funkchips in Pässen
Fr.28.12.03 - "Menschen als Nummern automatisch abfragbar zu haben, ist ein
Verbrechen." Dies erklärte der Netzaktivist padeluun vom Verein
zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten
Datenverkehrs (FoeBuD) am ersten Tag des 20. Chaos Communication
Congress in Berlin.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312280.htm#031228_f
Funk-Chip als implantierte Kreditkarte
Do.27.11.03 - Das US-amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions (ADS) hat
einen RFID-Chip (Radio Frequency Identification) vorgestellt, den sich
die Nutzer unter ihre Haut einpflanzen lassen sollen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312280.htm#031228_i