Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Verwalter Bremer: Wahlen in Irak erst in einem Jahr +++
Übergriffe auf die Besatzungstruppen gehen weiter +++
Rot-Kreuz-Mitarbeiter besuchen Saddam Hussein
So.22.02.04 - Wahlen in Irak werden nach Ansicht des US-Verwalters Paul Bremer wohl
erst in zwölf bis 15 Monaten möglich sein. Davon gingen auch
die Vereinten Nationen aus, sagte Bremer in einem am Samstag
ausgestrahlten Interview des Satellitensenders El Arabija.
Zunächst müssten Wahlgesetze verabschiedet und
Wählerlisten aufgestellt sowie andere organisatorische Probleme
gelöst werden. Der Zeitrahmen widerspricht vor allem den
Wünschen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Irak, die
eine baldige Abstimmung fordert.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Donnerstag von Wahlen vor
der geplanten Machtübergabe am 30. Juni abgeraten. Er teilte damit
die Auffassung Washingtons, wonach die Sicherheitslage dies zurzeit
nicht zulässt. Die USA wollen die Machtbefugnisse stattdessen an
eine von Wahlmännern bestimmte Übergangsregierung abgeben.
Der von den USA eingesetzte derzeitige irakische Verwaltungsrat ist in
der Frage baldiger Wahlen gespalten. Ratsmitglied Adnan Patschatschi
erklärte am Samstag, man habe über Alternativen zu einem
gewählten Gremium sowie über dessen Zusammensetzung noch
keine offiziellen Gespräche geführt. Es gebe Vorschläge,
den derzeitigen 25-köpfigen Regierungsrat auf 100 Mitglieder
auszuweiten. Über ein Wahlmännermodell rede aber niemand mehr.
Unterdessen gingen die Übergriffe auf die Besatzungstruppen
weiter. Bei El Haswa südlich von Bagdad wurde ein US-Konvoi
angegriffen. Nach Militärangaben kam dabei ein irakischer
Übersetzer ums Leben, vier amerikanische Soldaten wurden verletzt.
In Hauidscha in Nordirak wurde in der Nacht ein Lager der Irakischen
Zivilverteidigung überfallen. Dabei wurde nach Angaben eines
Obersten einer der Angreifer getötet.
In Ramadi westlich der Hauptstadt lieferten sich US-Truppen und
Aufständische ein Feuergefecht. Über Opfer war zunächst
nichts bekannt. Später wurden im Stadtbereich zwei
Sprengsätze gefunden und unschädlich gemacht. Nördlich
von Bagdad fanden US-Soldaten ein Waffenlager mit etwa 8.000 Schuss
Artilleriemunition. Auch rund 300 kleinere Raketen wurden nach
US-Angaben gefunden.
Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) haben
erstmals den entmachteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein in
US-Haft besucht. "Zwei IKRK-Vertreter besuchten Saddam Hussein in Irak
und konnten lange genug bleiben, um eine körperliche und
psychische Untersuchung vorzunehmen", sagte IKRK-Sprecherin Nada
Dumani.
Zum Aufenthaltsort von Saddam Hussein machte sie keine Angaben. Auch
über den Gesundheitszustand des Gefangenen wollte sie sich unter
Verweis auf die Regeln des IKRK nicht äußern. Die
Erkenntnisse der Mitarbeiter würden den USA vorgelegt. Einer der
beiden IKRK-Vertreter sei Arzt.
Eine Woche zuvor hatten US-Behörden dem IKRK die Erlaubnis
für einen Besuch des inhaftierten Ex-Präsidenten erteilt.
Seit der Gefangennahme von Saddam Hussein am 13. Dezember hatte das
Komitee bereits mehrfach um Zutritt zu dem ehemaligen irakischen
Machthaber gebeten. Im Januar bestätigten die USA seinen Status
als Kriegsgefangener gemäß der Genfer Konvention. Insgesamt
hält die US-geführte Koalition in Irak rund 6700 Menschen
gefangen.
Die 3. Genfer Konvention von 1949 verbietet Vergeltungsmaßnahmen,
Folter oder wissenschaftliche Versuche an Gefangenen. Das Regelwerk
schreibt vor, Gefangene mit "Menschlichkeit" zu behandeln.
Kriegsgefangene müssen vor "Gewalttätigkeit oder
Einschüchterung, Beleidigung und öffentlicher Neugier"
geschützt werden. Sie haben "Anspruch auf Achtung ihrer Person und
ihrer Ehre". Der Staat, der die Soldaten gefangen hält, muss
unentgeltlich für deren Unterhalt und ärztliche Versorgung
aufkommen. Zum Schutz der Würde gehört auch, dass
Kriegsgefangene vor "öffentlicher Zurschaustellung" bewahrt werden.
(Quelle: ap)
Australisches Militär verschwieg Nebenwirkungen von Milzbrand-Impfung
So.22.02.04 - Die australische Armee hat den in Irak eingesetzten Soldaten bewusst
verschwiegen, dass es bei einer früheren Impfung gegen den
Milzbranderreger Nebenwirkungen gab. Aus Unterlagen des
Verteidigungsministeriums, die am Samstag veröffentlicht wurden,
geht hervor, dass es bei drei von vier in Afghanistan eingesetzten und
geimpften Soldaten Nebenwirkungen wie Schwellungen und Schmerzen im
geimpften Arm und grippeähnliche Erkrankungen gab. Einige Soldaten
waren deshalb zwei Tage krank.
Der Generaldirektor des Gesundheitsdienstes des Militärs, Tony
Austin, erklärte am Samstag, er sei nicht davon ausgegangen, dass
sich diese Probleme bei den in Irak eingesetzten Soldaten wiederholen
würden. Der Stress der Soldaten sei ohnehin schon groß genug
gewesen. Ein Hinweise wäre nur kontraproduktiv gewesen und
hätte deren Sorgen vergrößert.
Australien hatte Ende 2001 rund 1.500 Soldaten für den Krieg der
USA gegen Afghanistan bereitgestellt. Eine australische Zeitung
berichtete, die Nebenwirkungen bei der Impfung der Soldaten seien so
heftig gewesen, dass diese für zwei Monate ausgesetzt worden
seien. Sie seien später wieder aufgenommen und den 2.000 Soldaten,
die in den Irak-Krieg geschickt wurden, sei nichts über diese
Nebenwirkungen gesagt worden. Austin sagte, für die
hundertprozentige Sicherheit des Impfstoffes könne er zwar nicht
garantieren, aber die Gesundheit der Soldaten sei nie gefährdet
gewesen. Er fügte hinzu, derartige Nebenreaktionen seien bei
späteren Impfungen nicht aufgetreten.
2003 waren 52 australische Soldaten von einem Einsatz in Irak
ausgeschlossen worden, weil sie sich einer Impfung widersetzt hatten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Tote und 30 Verletzte bei Anschlag auf Bus in Jerusalem +++ Scharon
will Israelis seinen Trennungsplan zur Abstimmung vorlegen +++ Israels
Botschafter in Deutschland verteidigt Sperrzaun +++ Tausende
Palästinenser demonstrieren gegen israelische Grenzanlage +++
Israel beginnt mit Abriss von Sperrwall-Teilstück
So.22.02.04 - Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus in Jerusalem sind am
Sonntagmorgen mehrere Menschen getötet und mindestens 30
Fahrgäste verletzt worden. Dies meldete der israelische Rundfunk.
Krankenwagen rasten zum Ort des Anschlags im Zentrum der Stadt. Die
Polizei sperrte die umliegenden Straßen ab. Radikale
Palästinensergruppen hatten Racheanschläge angekündigt,
nachdem Mitte des Monats bei Feuergefechten im Gazastreifen 15
Palästinenser getötet worden waren.
Israels Premier Ariel Scharon will die Bürger über seinen
Plan einer einseitigen Abtrennung von Palästinensergebieten
abstimmen lassen. Das Referendum solle nach einem Ende März
geplanten US-Besuch Scharons abgehalten werden, berichtet der
israelische Rundfunk. Die einseitige Abtrennung bezieht sich vor allem
auf das Westjordanland. Dort wird die international umstrittene
Sperranlage gebaut. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag (ICJ)
wird sich am Montag mit Anhörungen zum Grenzzaun befassen.
Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, hat den von
Israel im Westjordanland errichteten Sperrzaun verteidigt. "Der Zaun ist
nicht politisch, sondern ein Sicherheitszaun, sagte Stein der Zeitung
"Welt am Sonntag". Dem Internationalen Gerichtshof sprach Stein die
Legitimität ab. "Der Gerichtshof ist die falsche Adresse: Er
sollte sich nicht in einen politischen Konflikt einmischen", sagte
Stein.
Mehrere tausend Palästinenser haben am Samstag im Westjordanland
gegen die umstrittene israelische Grenzanlage protestiert. Zentrum der
Protestaktionen war die Stadt Nablus, wo mehr als 2.000 Menschen auf
die Straßen gingen. Unter ihnen waren auch vermummte Männer,
die mehrfach in die Luft schossen. Auch in Ramallah, Dschenin und
Kalkilija kam es zu Demonstrationen. "Frieden ohne Mauer", riefen
einige der Teilnehmer.
In Jordanien haben rund 200 Menschen mit einer Mahnwache gegen den Bau
der israelischen Sperranlage zum Westjordanland demonstriert.
"Palästina, eines Tages werden wir zurück sein", riefen die
Demonstranten am Samstag in der Hauptstadt Amman. Die jordanische
Regierung hat erklärt, der Grenzwall gefährde die Bildung
eines palästinensischen Staates sowie die Sicherheit des Landes,
weil er dazu führen könne, dass zahlreiche Palästinenser
aus dem Westjordanland nach Jordanien emigrieren. Ungefähr die
Hälfte der rund fünf Millionen Einwohner Jordaniens sind
Palästinenser, die während der arabisch-israelischen Kriege
zwischen 1967 und 1973 vertrieben wurden.
Die Proteste erfolgen unmittelbar vor Beginn einer Anhörung zu der
Grenzanlage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Dieser
befasst sich auf Bitten der UN-Vollversammlung von Montag an mit der
Sperranlage zwischen Israel und dem Westjordanland. Die bislang
errichteten rund 200 Kilometer - teilweise eine Betonmauer, teilweise
ein Stahlzaun - dringen stellenweise tief in palästinensisches
Gebiet ein, um jüdische Siedlungen zu schützen. Insgesamt
soll der Grenzwall auf rund 740 Kilometer anwachsen.
Einen Tag vor Beginn der Anhörung vor dem ICJ hat Israel mit dem
Abriss eines kleinen Teilstücks des umstrittenen Sperrwalles zum
Westjordanland begonnen. Die acht Kilometer lange Befestigung schnitt
bislang die palästinensische Ortschaft Baka el Scharkija von den
Palästinensergebieten ab, berichtete der öffentliche
israelische Rundfunk am Sonntag. Die Anlage solle nun weiter in
Richtung der "Grünen Linie" zwischen Westjordanland und Israel
verlegt werden. Ein anderes Teilstück im Westen der Ortschaft soll
jedoch bestehen bleiben. Israel will den Angaben zufolge außerdem
ein Tor einfügen, um die Fahrt in die Ortschaft Baka el Gharbia zu
ermöglichen, die auf israelischem Gebiet liegt. Die Kosten des
Umbaus würden auf acht Millionen Dollar geschätzt.
(Quelle: dpa, afp, ap)
Islamischer Dschihad wirft USA und Israel Hacker-Angriff vor
So.22.02.04 - Die palästinensische Organisation Islamischer Dschihad hat
amerikanischen und israelischen Gruppen einen Angriff auf ihre
Internetseite vorgeworfen. In einer Stellungnahme an die
Nachrichtenagentur AP erklärte der Islamische Dschihad am Samstag,
mit dem Hacker-Angriff habe die «palästinensische
Stimme» zum Schweigen gebracht werden sollen. Dies sei nicht zum
ersten Mal geschehen. Derzeit arbeite man daran, das Angebot
wiederherzustellen. Ziel des Hacker-Angriffs war den Angaben zufolge
die offizielle Internetseite der Al-Kuds-Brigaden, des
militärischen Flügels des Islamischen Dschihads. Der
Islamische Dschihad und die Hamas-Organisation werden für einen
Grossteil der Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich gemacht.
(Quelle: ap)
UNO legt Israel und Syrien Friedensplan vor
So.22.02.04 - Die Vereinten Nationen haben Israel und Syrien Medienberichten zufolge
einen Plan für die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen
vorgelegt.
Zu den «sehr detaillierten Vorschlägen» gehöre
eine Beteiligung der USA und Frankreichs an Verhandlungen, berichtete
die «Financial Times» (London) am Samstag unter Berufung
auf westliche Diplomaten. Syrien hatte Gespräche vor vier Jahren
abgebrochen, weil Israel sich weigerte, vorab einem kompletten
Rückzug aus den 1967 eroberten Golanhöhen zuzustimmen.
Vertreter der verfeindeten Staaten hatten in den vergangenen Wochen
aber verstärkt Botschaften über eine mögliche
Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen ausgetauscht. Während Damaskus
jedoch eine Einladung des israelischen Staatspräsidenten Mosche
Katzav an den syrischen Staatschef Baschar el Assad als
«Manöver» ablehnte, machten israelische
Regierungsvertreter klar, dass Israel die Golanhöhen ohnehin nicht
zurückgeben wolle.
(Quelle: dpa)
Neues Gesetz in Saudi-Arabien kostet zehntausende Ausländer Arbeit
So.22.02.04 - In Saudi-Arabien ist am Samstag ein Gesetz in Kraft getreten, das
zehntausende Ausländer im Gold- und Schmucksektor den Arbeitsplatz
kosten wird. Das Gesetz ist nach Presseangaben Teil der
"Saudisierungspolitik", mit der die Regierung in Riad die
Beschäftigung von Ausländern in bestimmten Wirtschaftszweigen
verbietet, um gegen die zunehmende Arbeitslosigkeit unter Einheimischen
vorzugehen. Die Neuregelung betrifft vor allem indische und
jemenitische Gastarbeiter, die den Gold- und Schmuckhandel in
Saudi-Arabien dominieren.
(Quelle: afp)
Weitere Finanzmittel für Wahl in Afghanistan gesichert - Taliban
drohen mit Behinderung der Abstimmung
So.22.02.04 - Für die Vorbereitung von Parlamentswahlen in Afghanistan haben
drei Länder nach UN-Angaben zusätzliche Finanzmittel
bereitgestellt. Das Angebot von gut 22 Millionen Dollar (17,5 Millionen
Euro) sei bei einem internationalen Diplomatentreffen in Kabul
unterbreitet worden, teilte UN-Sprecher Manoel de Almeida e Silva am
Samstag mit. Um welche Geberländer es sich handelt, gab er nicht
bekannt. Fehlendes Geld ist neben Sicherheitsproblemen eine der
größten Hürden bei der Organisation der für Juni
geplanten Wahl.
Den Vereinten Nationen zufolge werden allein 98 Millionen Dollar
für die Registrierung der schätzungsweise 10,5 Millionen
Stimmberechtigten benötigt. Vor dem jüngsten Angebot fehlten
noch etwa 50 Millionen Dollar. Die tatsächliche Durchführung
der Wahl dürfte laut den UN-Berechnungen weitere zweistellige
Millionenbeträge kosten.
Bislang hat die Registrierung der Wähler erst in acht
größeren Städten begonnen. Im Mai soll sie dann auch
auf ländliche Regionen ausgeweitet werden, wo die Sicherheitslage
als prekär gilt. Ein führendes Mitglied des gestürzten
Taliban-Regimes, Mullah Dadullah, kündigte am Freitag an, seine
Organisation werde die Afghanen daran hindern, an der Wahl
teilzunehmen. Diese laufe dem Heiligen Krieg gegen die
Besatzungstruppen zuwider.
(Quelle: ap)
Bin Laden angeblich in Nordwest-Pakistan eingekreist
So.22.02.04 - Amerikanische und britische Spezialkräfte haben einem
Pressebericht zufolge den Anführer der El-Kaida-Organisation,
Osama bin Laden, im Nordwesten Pakistans eingekreist. Die
Sicherheitskräfte hätten bin Laden und etwa 50 seiner
Anhänger in einem nur rund 16 Quadratkilometer großen
Berggebiet nördlich der Städte Khanozai, Murgha und Quetta
nahe der afghanischen Grenze ausgemacht, berichtete die britische
Zeitung "Sunday Express" unter Berufung auf einen
US-Geheimdienstmitarbeiter. "Er ist eingekesselt", zitierte die Zeitung
den Mitarbeiter. US-Spezialkräfte seien "absolut zuversichtlich",
dass bin Laden nicht entkommen könne.
(Quelle: afp)
Wahl in Iran: Konservative liegen in Führung - Abkehr vom
Reformkurs angekündigt
So.22.02.04 - Nach der Parlamentswahl in Iran hat der konservativ-religiöse
Wächterrat in Iran eine Abkehr vom Reformkurs der vergangenen
Jahre angekündigt. Nach dem Ausscheiden der meisten Reformer werde
das Parlament eine Neuausrichtung vornehmen und sich "künftig auf
die Stärkung des Islam, die Lösung der Probleme des Volkes
und die Durchsetzung von Glaube und Moral im öffentlichen Leben
konzentrieren", teilte das Gremium mit. Nach Bekanntgabe der ersten
Ergebnisse kam es im Südwesten zu Unruhen mit Verletzten.
Teilauszählungen zufolge zeichnete sich eine geringe
Wahlbeteiligung ab. Ein Vertreter der Reformer räumte die
Niederlage ein. Grund dafür sei der Ausschluss reformorientierter
Kandidaten.
In einer Erklärung bezeichnete der konservative Wächterrat,
der die Kandidaturverbote ausgesprochen hatte, die Wahl als "neues
Kapitel in der Geschichte" des Landes. Das neue Parlament werde sich
"von religiöser Überzeugung leiten lassen" und die "nationale
Autorität und Sicherheit stärken".
Ein vom Wächterrat gebilligtes Endergebnis wird frühestens am
(heutigen) Sonntag veröffentlicht. Wegen des Ausschlusses von mehr
als 2300 Reformkandidaten und des Rückzugs fast tausend weiterer
Reformpolitiker wurde ein klarer Sieg der konservativen Kräfte von
vornherein erwartet.
Offiziellen Angaben zufolge lagen am Samstagabend (MEZ) endgültige
Ergebnisse aus 148 der 207 Wahlkreise vor, die einen deutlichen
Vorsprung der Konservativen erwarten ließen. Nach einer Meldung
der Nachrichtenagentur Isna hatten sich für 20 der 30 Mandate der
Stadt Teheran neokonservative Kandidaten qualifiziert.
"Die Konservativen werden die Mehrheit der Sitze haben", sagte Mostafa
Tadschsadeh, ein Führungsmitglied der größten
Reformerpartei Islamisch-Iranische Beteiligungsfront. "Bei freien
Wahlen hätten wir eine Mehrheit von 200 Sitzen gewonnen."
In Teheran gaben nach Behördenschätzungen nur etwa 28 bis 30
Prozent der sechs Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die
Nachrichtenagentur Isna berichtet. Vor vier Jahren hatten 67 Prozent
der Stimmberechtigten gewählt.
In der südwestlichen Provinz Chusistan kam es am Samstagabend zu
Auseinandersetzungen zwischen enttäuschten Wählern und
Sicherheitskräften. Demonstranten steckten Behördenfahrzeuge
in Brand und versuchten, die Präfektur der Provinz zu
stürmen. Auch im Wahlkreis Firusabad im Zentrum Irans kam es nach
Angaben des Innenministeriums zu Unruhen.
(Quelle: afp)
Vermittlungsbemühungen in Haiti-Krise vorerst gescheitert
So.22.02.04 - Die internationalen Vermittlungsbemühungen zur Beilegung der Krise
in Haiti sind vorerst gescheitert. Ein Treffen von Vermittlern mit
Vertretern der haitianischen Opposition sei ohne greifbares Ergebnis
geblieben, sagte der Außenminister der Bahamas, Fred Mitchell, am
Samstagabend (Ortszeit) in Port-au-Prince. Die Opposition habe es
abgelehnt, von ihrer Forderung nach einem Rücktritt von
Präsident Jean Bertrand Aristide abzurücken. Dennoch wollten
die Aristide-Gegner ihre Position bis zum Ablauf eines von den
Vermittlern gestellten Ultimatums am Montag noch einmal überdenken.
Unterdessen hat der haitianische Präsident Jean-Betrand Aristide
unter dem Druck internationaler Vermittler einem Friedensplan
für den Karibikstaat zugestimmt. Es werde wie vorgesehen eine neue
Regierung und einen neuen Ministerpräsidenten geben, sagte
Aristide nach einem zweistündigen Treffen mit der
Vermittlungsdelegation in Port-au-Prince. Er kündigte eine
Entwaffnung der Rebellen und Neuwahlen an. Einzelheiten nannte er
nicht.
Aristide deutete an, seine Zustimmung sei auf die Zusage der Diplomaten
zurückzuführen, mit dem Friedensplan eine sichere Umgebung
für Wahlen zu schaffen. Der Plan stellt Anhängern und Gegnern
Aristides ein Ultimatum, sich bis Dienstag auf die Bildung einer neuen,
parteiübergreifenden Regierung unter einem neutralen
Ministerpräsidenten zu einigen.
"Wir glauben nicht mehr an Aristides Versprechen», sagte der
Oppositionspolitiker Serge Gilles. «Wir haben einen
Gegenvorschlag." Dieser schließe einen "geordneten Rückzug"
Aristides ein. "Der Plan hat viele Schwächen", sagte
Oppositionsführer Evans Paul. "Wenn er die Krise lösen soll,
muss die Frage nach Aristides Rücktritt auf den Tisch." Paul
verwies darauf, dass außerdem keine internationalen Truppen
vorgesehen seien, um die Durchsetzung der Vereinbarung zu garantieren.
Der Plan soll bis zum 17. März umgesetzt werden.
Paul erklärte, die Diplomaten seien der Ansicht, dass seine
Demokratische Plattform über genug Einfluss verfüge, um die
Rebellen davon zu überzeugen, ihre Waffen abzugeben. Dies sei
jedoch kaum anzunehmen, da einige der Rebellenführer während
der Militärdiktatur von 1991 bis 1994 versucht hätten, ihn zu
töten. Paul sagte weiter, die Diplomaten hätten jedoch
deutlich gemacht, dass die internationale Gemeinschaft ohne eine
politische Einigung nicht bereit sei, bei der Beendigung des Aufstands
zu helfen.
Der Friedensplan wurde nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen
Anhängern und Gegnern Aristides vorgelegt. In der Hauptstadt
Port-au-Prince griffen Anhänger Aristides am Freitag die
Teilnehmer einer Demonstration an. Bei den Zusammenstößen
wurden 14 Menschen verletzt, darunter auch fünf Journalisten.
Einem haitianischen Reporter wurde zwei Mal in den Rücken
geschossen. Er war in kritischem Zustand. Ein mexikanischer Kameramann
wurde mit einer Machete schwer verletzt. Es traf keine Polizei ein, um
die Demonstranten zu schützen.
Das amerikanische Außenministerium ordnete am Samstag den Abzug
aller nicht unbedingt notwendigen Botschaftsmitarbeiter aus Haiti an.
Das Ministerium bekräftigte außerdem seine Aufforderung an
alle US-Bürger, den Staat nach Möglichkeit zu verlassen.
Mehrere hundert Amerikaner, Franzosen und Kanadier warteten am Freitag
auf dem Flughafen auf eine Möglichkeit zur Ausreise.
Angesichts der Unruhen regte Frankreich die Entsendung einer
internationalen Friedenstruppe an. Der französische UN-Botschafter
Jean-Marc de la Sablière schlug am Freitag vor, eine politische
Lösung müsse "wenn notwendig durch eine aus internationalen
Polizeibeamten zusammengesetzte Friedenstruppe unterstützt"
werden. Er äußerte sich auf einer Sondersitzung der
UN-Vollversammlung zu Haiti in New York.
(Quellen: afp, ap)
Medien vs. Realität in Haiti
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#040220_a
Haitis Polizei auf der Flucht
So.22.02.04 - Den Polizisten in Haiti wird vieles vorgeworfen: die brutale
Unterdrückung von Regierungsgegnern, Korruption, Drogenhandel.
Große Skrupel werden den Sicherheitskräften nicht
nachgesagt. Doch in diesen Tagen ist es Haitis Polizei, die sich
vorsehen muss. Vor allem gegen sie richten sich die Angriffe der
Rebellen, die vor zwei Wochen mit ihrem Aufstand gegen Präsident
Jean-Bertrand Aristide begannen. Etwa zwei Drittel der bisherigen Opfer
der Unruhen waren Polizisten.
Einige Sicherheitskräfte sind bereits nach Jamaika geflohen,
andere verstecken sich in der Dominikanischen Republik. «Wir
wissen nicht, wen wir beschützen sollen», sagt der
40-jährige Louis Larieux, der gerade Polizist in der Hauptstadt
Port-au-Prince geworden ist. «Die Lage ist schlecht. Wir bekommen
keine Verstärkung.»
Mit ihren Helmen und schusssicheren Westen sehen die Polizisten Furcht
einflößend aus. Aber die Angst steht ihnen ins Gesicht
geschrieben, selbst wenn sie es nur mit Plünderern zu tun haben.
Wenn ihnen Rebellen gegenüberstehen, zu denen oft auch
frühere Soldaten der vor Jahren aufgelösten Armee
angehören, dann ergreifen sie meist die Flucht.
In Haiti gab es bislang rund 4.000 Polizisten, wie viele davon
inzwischen desertiert sind, ist nicht klar. In der vergangenen Woche
vertrieben etwa ein Dutzend Rebellen 50 Polizisten aus dem Bezirk
Artibonite, in dem rund eine Million der acht Millionen Einwohner Haitis
leben. In dieser Woche verließen Polizisten ihre Posten, ohne
dass Rebellen in Sicht gewesen wären. In Belladere im Osten des
Landes verteilten die Polizisten ihre Matratzen an die
Bevölkerung, schlossen die Wache ordentlich ab und fuhren davon.
In Cap-Haitien, der letzten Regierungsbastion im Norden, warfen
Polizisten ihre Uniformen auf der Straße weg, als sie hörten,
dass ein Schiff mit Rebellen sich dem Hafen nähere. Es war aber
nur ein Gerücht. Einen Tag später verbarrikadierten sich rund
ein Dutzend Polizisten in der Wache und überließen die Stadt
plündernden Aristide-Anhängern. Ein Polizist erklärt,
sie hätten weder genügend Männer noch die Waffen, um
einen Rebellenangriff zurückzuschlagen. «Natürlich haben
wir Angst», sagt er.
Aristide räumte inzwischen ein, die Polizei sei wohl nicht in der
Lage, die Rebellion zu stoppen. Als er die Polizisten während
einer Zeremonie aufrief, die Bevölkerung energisch zu verteidigen,
stieß er nur auf versteinerte Minen. Der Präsident rief die
USA und karibische Nachbarstaaten auf, seine Polizeitruppe zu
«professionalisieren».
Dem entgegneten US-Vertreter, Aristide selbst habe die Polizei
politisiert. Er habe loyale Beamte ausgebildeten Polizisten vorgezogen.
Die Polizisten seien ermutig worden, gegen Regierungsgegner vorzugehen
oder wegzusehen, wenn Aristide-Anhänger sie angriffen. Amnesty
International warf der Polizei willkürliche Festnahmen und brutale
Übergriffe vor.
Die Moral der Polizeitruppe ist schlecht. Ein Polizist in
Port-au-Prince sagt, die Regierung habe ihnen befohlen, Aristide zu
beschützen. «Aber warum sollten wir das tun? Wir setzen unser
Leben aufs Spiel, aber wozu? Dieses Töten ist sinnlos.»
(Quelle: ap)
Spanien unterstützt Kolumbien im Kampf gegen Rebellen
So.22.02.04 - Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar unterstützt
Kolumbien im Kampf gegen die Rebellen. Aznar sprach sich am Samstag
während eines Besuchs in Cartagena dafür aus, die
zweitgrößte Rebellenorganisation des Landes, die Nationale
Befreiungsarmee (ELN), auf die EU-Liste der Terrorgruppen zu setzen. Er
werde seine europäischen Kollegen auffordern, entsprechende
Schritte einzuleiten.
Aznar erklärte, Spanien werde Kolumbien zwei Kampfflugzeuge zur
Verfügung stellen. Außerdem sollten spanische Panzer die
Hauptstraßen des Landes vor Terrorangriffen schützen. Vor
einer Woche war der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe von
seiner Europareise zurückgekehrt, die in seiner Heimat als
Fehlschlag bezeichnet wurde. Uribe wurde mehrfach wegen
mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße im Kampf gegen die
Rebellen kritisiert. Der Präsident bekräftigte am Samstag, er
werde keinesfalls mit bewaffneten Gruppen verhandeln, solange diese
nicht eine vollständige Waffenruhe ausriefen.
In der Hauptstadt Bogota forderten unterdessen hunderte Demonstranten
die Freilassung der seit zwei Jahren verschleppten Politikerin Ingrid
Betancourt. Die Teilnehmer des Protestzugs zeigten eine Karte mit mehr
als 1.000 Städten weltweit, die Betancourt die
Ehrenbürgerschaft verliehen haben. Die
Präsidentschaftskandidatin und ihr Wahlkampfmanager waren am 23.
Februar 2002 von der größten Rebellenorganisation
Kolumbiens, den Revolutionären Streitkräften (FARC),
entführt worden.
Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, sowie einige
Abgeordnete europäischer grüner Parteien, reisten extra
für den Protestmarsch nach Kolumbien. Veltroni forderte Uribe auf,
Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch mit den Rebellen
aufzunehmen. Nur so könne das Leiden Dutzender Entführter und
ihrer Familien beendet werden, sagte er.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Deutscher Kanzler billigt harte Line Kolumbiens im Kampf gegen die
Guerilla
Sa.14.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den harten Kurs des
kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe gegen Drogen und Guerilla
in seinem Land unterstützt. Schröder sagte nach einer
Unterredung mit 51-jährigen Politiker am Freitag in Berlin, er
befürworte auch den Wunsch Uribes, die Rebellenformation ELN auf
die EU-Liste terroristischer Gruppen setzen zu lassen. Wohlwollen
äußerte er für den Wunsch Kolumbiens nach besseren
Marktchancen in Europa.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021408
Eine alte Legende besagt, dass, als Gott Kolumbien machte, Petrus
fragte: „Warum hast du ein Land mit so vielen natürlichen
Reichtümern ausgestattet?" Und Gott antwortete: „Du hast noch
nicht die Führer gesehen, die ich diesem Land geben werde."
Heute sind es eben diese Reichtümer, die die westlichen Interessen
an Kolumbien hervorrufen, und es ist eben jene armselige Führung,
die für ihren zügigen Ausverkauf verantwortlich ist.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#040214_e
USA wollen Erklärung Äthiopiens zu Rolle des Militärs
bei Unruhen
So.22.02.04 - Die USA haben Äthiopien aufgefordert, die Rolle des Militärs
bei der Tötung von mehr als 200 Menschen während ethnischer
Konflikte im Westen des Landes zu untersuchen. Außenamtssprecher
Adam Ereli sagte am Freitag, Washington gehe es um "transparente,
unabhängige Ermittlungen" zu den Vorwürfen, Mitglieder der
äthiopischen Armee seien gewaltsam gegen Zivilisten im Bundesstaat
Gambela nahe der Grenze zu Sudan vorgegange. Nach Erelis Angaben
ereigneten sich die gewaltsamen Zusammenstößen zum einen
zwischen Angehörigen der Agnwak-Volksgruppe und dem Militär,
zum andern zwischen den Agnwak und anderen ethnischen Gruppen.
(Quelle: afp)
Menschenrechtskommission wirft liberianischer Armee Massaker vor
So.22.02.04 - In Liberia haben Regierungssoldaten nach Angaben einer
Menschenrechtskommission im vergangenen Jahr in drei Dörfern 369
Menschen getötet. Die Dorfbewohner seien der Unterstützung
von Rebellen beschuldigt worden, heißt es in einem am Samstag
vorgelegten Bericht der kürzlich eingesetzten Nationalen
Kommission für Menschenrechte. Unter den Opfern des Massakers im
April 2003 seien Kleinkinder, schwangere Frauen und Mütter gewesen.
Die Morde sollen vom damaligen Befehlshaber in der Region, William
Sumo, angeordnet worden sein. Wo sich Sumo heute aufhält, ist
nicht bekannt. Er wird aber nach wie vor in Liberia vermutet.
Verteidigungsminister Daniel Chea bezeichnete den Bericht der
Kommission als «schwer zu glauben».
Unter Berufung auf Augenzeugen hieß es in dem Bericht, die
Bewohner der Dörfer Yubor, River Gbeh und Tuobo Gbaweleken
hätten ihren Widerstand gegen einen Konvoi zum Ausdruck gebracht,
der liberianische Soldaten und Waffen ins Nachbarland
Elfenbeinküste bringen sollte, um die dort kämpfenden
Rebellen im Bürgerkrieg zu unterstützen. Nachdem der Konvoi
sein Ziel erreicht habe, sei Sumo zurückgekommen und habe den
Dorfbewohnern vorgeworfen, auf der Seite der gegen die Regierung in
Liberia kämpfenden Rebellen zu stehen. «Das führte zu
Massenverhaftungen, gefolgt von Hinrichtungen», erklärte die
Kommission.
Der liberianische Präsident Charles Taylor hatte sich nach einer
Offensive der Rebellen auf die Hauptstadt Monrovia im August bereit
erklärt, das Land zu verlassen. In Sierra Leone ist er wegen
Kriegsverbrechen angeklagt. Mitte Oktober nahm eine
Übergangsregierung in Liberia ihre Arbeit auf. Ende 2005 sollen
Wahlen stattfinden.
(Quelle: ap)
Neue Kämpfe im Westen Sudans
So.22.02.04 - Rebellen im Westen Sudans haben nach eigenen Angaben einen Armeekonvoi
angegriffen und 150 Soldaten getötet. Zehn Militärlastwagen
sowie ein Panzer seien bei der Aktion zerstört werden, teilte ein
Sprecher der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) am Samstag mit. Der
Überfall habe sich am Freitag bei Khazan Gadid in der Provinz
Darfur ereignet. 700 Soldaten hätten 200 Rebellen gegenüber
gestanden, aus den eigenen Reihen habe man nur fünf Mann verloren.
Eine unabhängige Bestätigung der Angaben war zunächst
nicht möglich.
In der westlichen Provinz Darfur kämpfen die SLA sowie die
Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit schon seit einem Jahr
gegen Regierungstruppen und deren paramilitärische Anhänger.
Die Kämpfe haben mehr als 600.000 Menschen in die Flucht
geschlagen und hunderte das Leben gekostet. Bei den Rebellen handelt es
sich zumeist um Muslime afrikanischer Abstammung. Diese unterscheiden
sich ethnisch von den arabischen Muslimen, die überwiegend die
Regierung in Khartum stellen.
Im Süden Sudans hat die hauptsächlich von Christen getragene
Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) zwei Jahrzehnte lang gegen die
Regierung gekämpft. In diesem Konflikt sind Friedensverhandlungen
im Gange, ein Teilabkommen wurde bereits unterzeichnet. Der
Bürgerkrieg hat mehr als zwei Millionen Menschen das Leben
gekostet, zumeist als Folge der von den Kämpfen bedingten
Hungersnöte.
(Quelle: ap)
Erneut Massenprotest gegen Regierung in Albanien
So.22.02.04 - Mehrere tausend Demonstranten sind am Samstag vor den Sitz der
albanischen Regierung in Tirana gezogen und haben den Rücktritt
von Ministerpräsident Fatos Nano gefordert. Die Teilnehmer der
friedlichen Protestaktion warfen dem Regierungschef Korruption und ein
Scheitern seiner Politik für eine Verbesserung des Lebensstandards
in dem Land vor. Die Demonstration wurden organisiert von der
Demokratischen Partei des Expräsidenten Sali Berischa sowie neun
weiteren Oppositionsgruppen.
«Nano raus!» rief Berischa den Menschen zu. Der
Ministerpräsident und seine Vertrauten bereicherten sich auf
Kosten der Bürger, erklärte er. Berischa forderte seine
Anhänger auf, keine Gewalt anzuwenden. Die Lage war gespannt, als
die Demonstranten eine Anweisung der Polizei ignorierten, sich dem
Regierungssitz nicht zu nähern. Die Beamten griffen jedoch nicht
ein, sondern sicherten lediglich die Gebäude. Nach
Einschätzung internationaler Beobachter beteiligten sich zwischen
6.000 und 20.000 Menschen an dem Protest. Nano hielt sich zum Zeitpunkt
der Demonstration nicht in seinem Büro auf. Nach zwei Stunden
löste sich die Versammlung auf.
Während einer ähnlichen Demonstration am 7. Februar hatten
Demonstranten versucht, gewaltsam in Regierungsgebäude
einzudringen. Die Polizei und die Nationalgarde gaben Warnschüsse
mit scharfer Munition ab, um die Menge auseinander zu treiben. Verletzt
wurde damals niemand.
(Quelle: ap)
Deutsche Vertriebene fordern offenbar Besitz in Polen zurück
So.22.02.04 - Immer mehr Deutsche wollen nach einem Bericht der "Welt am Sonntag"
ihren ehemaligen Besitz in Polen und anderen östlichen
Nachbarländern zurückhaben. Derzeit würden sich
wöchentlich Dutzende von deutschen Alteigentümern bei der so
genannten Preußischen Treuhand melden, berichtete das Blatt unter
Berufung auf den Aufsichtsratsvorsitzenden dieser Gruppe, Rudi Pawelka.
Demnach will die Preußische Treuhand mit der EU-Osterweiterung am
1. Mai den Forderungen der Alteigentümer Nachdruck verleihen. "Wir
werden mit polnischen Behörden reden, wenn wir keinen Erfolg haben,
werden wir die ersten Klagen beim Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte einreichen", sagte Pawelka dem Blatt.
Die Vertreter Polens weisen die Forderungen laut "WamS" dagegen
zurück. "Für uns ist das Problem längst gelöst. Die
Geschichte ist abgeschlossen, man kann sie nicht wieder
rückgängig machen", zitierte das Blatt die polnische
Europaministerin und künftige EU-Kommissarin, Danuta Hübner.
Die Alteigentümer melden laut "WamS" Ansprüche auf ehemalige
Häuser und Ländereien an. Die Preußische Treuhand
schätze, dasss rund eine Million deutsche Vertriebene im heutigen
Polen Immobilien besaßen.
(Quelle: afp)
Stoiber entschieden gegen EU-Beitritt der Türkei
So.22.02.04 - Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hält einen
EU-Beitritt der Türkei für «das Ende der politischen
Union Europas». Mit einem Staat wie der Türkei, der einen
ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund habe, würde die
politische Union gesprengt, warnte Stoiber in der
«Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe).
Der CSU-Chef betonte: «Man muss sich entscheiden: Nimmt man die
Türkei auf, dann ist das das Ende der Vision von der politischen
Union Europas. Dann wird Europa eine Freihandelszone ohne politische
Kraft.» Gleichzeitig will Stoiber Ankara eine engere Kooperation
anbieten.
Für eine politische Union Europas sei «ein hohes Maß
an Integration» nötig, betonte Stoiber. «Wir haben
jetzt die EU erweitert und sind die nächsten zehn Jahre damit
beschäftigt, die Union zu vertiefen.» Er sei dagegen, jetzt
schon wieder über die nächste Erweiterung zu reden. Stoiber
warnte: «Die Menschen kommen hier nicht mehr mit.»
Gleichzeitig betonte der bayerische Ministerpräsident, die
Ablehnung einer EU-Erweiterung sei keine Aktion gegen die Türkei,
sondern «eine politische Weichenstellung zur Vertiefung der
Europäischen Union». Er plädierte für eine
vertiefte Partnerschaft mit der Türkei. So könnte es für
das Land nicht nur Zollfreiheit wie bisher geben, sondern auch eine
Beteiligung am europäischen Warenverkehr, Dienstleistungsfreiheit
und freien Kapitalverkehr. Auch in die gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik der EU sollte die Türkei voll mit einbezogen
werden.
(Quelle: ddp)
Schröder will EU-Vollmitgliedschaft für Türkei
So.22.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich kurz vor seiner
Türkeireise gegen eine "privilegierte Partnerschaft" zwischen dem
Land am Bosporus und der Europäischen Union als Alternative zu
einer EU-Vollmitgliedschaft ausgesprochen. In einem Interview mit der
Zeitung "Hürriyet" warf Schröder der CDU und ihrer
Schwesterpartei CSU in diesem Zusammenhang "Populismus" vor.
Wenn die EU Ende des Jahres zu der Auffassung gelange, dass die
Türkei die politischen Kriterien in Sachen Rechtsstaat,
Demokratie, Mendschenrechte und Minderheitenschutz erfülle,
könnten die Verhandlungen zur Aufnahme in die EU beginnen, sagte
Schröder. Eine stabile, demokratische und säkuläre
Türkei könne ein Beispiel für andere moslemische
Länder sein und einen wichtigen Beitrag für Sicherheit und
Stabilität in ganz Europa leisten.
Schröder reist eine Woche nach der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel
in die Türkei. Merkel hatte Ankara am Montag lediglich eine
"privilegierte Partnerschaft" mit der EU angeboten, was die
türkische Regierung entschieden ablehnt. Am Montag trifft
Schröder in Ankara unter anderem mit Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan zusammen. In Istanbul spricht der Bundeskanzler auf
einem Wirtschaftsforum, außerdem eröffnet er ein von
deutschen Unternehmen gebautes Steinkohlekraftwerk in der Bucht von
Iskenderun im Südosten der Türkei.
(Quelle: afp)
Schösser: Arbeitgeber sind Gewinner bei Steuerplänen der Union
So.22.02.04 - Bayerns DGB-Chef Fritz Schösser fordert die Unionsparteien zu
einer grundlegenden Umkehr bei ihren Steuerplänen auf.
Schösser kritisierte in einem Interview mit der nachrichtenagentur
ddp, die Konzepte von CDU und CSU dienten dem Interesse der
Arbeitgeber. Es wundere ihn nicht, dass der bayerische Arbeitgeberchef
Randolf Rodenstock die Vorschläge des CDU-Finanzexperten Friedrich
Merz lobe. Schösser fügte hinzu: «Schließlich ist
er ja der Gewinner.»
Der DGB-Landesvorsitzende, der auch SPD-Bundestagsabgeordneter ist,
mahnte: «Ein einfaches Steuerkonzept ist kein gerechtes
Steuerkonzept.» Hinter der vielbeschworenen Einfachheit der
Vorschläge von Merz sei lediglich «das Abkassieren bei den
Arbeitnehmern verbrämt». Auch bei dem konkurrierenden
CSU-Konzept von Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser werde sehr
genau darauf geachtet, dass die Arbeitgeber ihre Privilegien behielten.
Schösser warnte außerdem vor dem von Merz geplanten
weitgehenden Abbau von Subventionen und Steuervorteilen. «Da
können wir nur hoffen, Faltlhauser setzt sich durch», sagte
der DGB-Landeschef.
(Quelle: ddp)
Politiker und Gewerkschaften kritisieren Verhalten deutscher Manager
Vorwurf: Wirtschaftsfreundlicher Kurs der Regierung wird ausgenutzt
So.22.02.04 - Politiker und Gewerkschaften haben schwere Vorwürfe gegen die
deutsche Wirtschaft erhoben. Viele Manager hätten den
wirtschaftsfreundlichen Kurs der Bundesregierung ausgenutzt, seien aber
nicht selbst bereit, etwas für das Land zu tun, lautet die Kritik
nach einem Vorabbericht der Zeitung «Tagesspiegel am
Sonntag». Der SPD-Abgeordnete Christian Lange nannte das
Verhalten von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Vodafone-Prozess
ächtenswert.
«Viele Wirtschaftsführer, die das 300- bis 500-fache eines
Durchschnittsverdieners auf dem Konto haben, kommen ihrer
Vorbildfunktion in keinster Weise nach», sagte Lange, der auch
Mitglied im Wirtschaftsausschuss ist, dem Blatt. Die
Grünen-Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert warf der Wirtschaft
vor, sich beispielsweise beim Bereitstellen von Lehrstellen aus der
Verantwortung zu ziehen. «Das ist absolut blind. Das rechnet sich
nicht», warnte sie. Später fehlten diesen Konzernen dann die
qualifizierten Arbeitskräfte.
Das DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer nannte das Beispiel Toll
Collect, das zeige, dass Unternehmen langfristiges Denken erst wieder
lernen müssten. «Die Toll-Collect-Pleite ist eine Blamage
für den Investitionsstandort Deutschland», sagte er dem
«Tagesspiegel». Das komme davon, dass die Unternehmen seit
Jahren ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung
zurückfahren und damit Innovationspotenzial vernichten würden.
Der Juso-Vorsitzende Niels Annen empfahl, Subventionen künftig mit
strengen Auflagen zu versehen. «Wir müssen dafür
sorgen, dass Subventionen mit klaren Verpflichtungen für den
Unternehmer verbunden werden», verlangte Annen in dem Blatt.
(Quelle: ap)
SPD hält trotz Widerstand an Lehrstellenabgabe fest
So.22.02.04 - Auch nach einem Spitzengespräch mit Vertretern der Wirtschaft will
die SPD von der geplanten Ausbildungsplatzabgabe nicht abrücken.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolette Kressl
bekräftigte am Samstag in Berlin im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP den Willen der Abgeordneten, bis Ende März
einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Unterdessen wächst
auch innerhalb der SPD die Front der Kritiker solch einer Abgabe
für ausbildungsunwillige Unternehmen.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement warnte die eigene Fraktion
vor Bürokratie und «schrecklich viel Ungerechtigkeit».
Freiwillige Lösungen müssten Vorrang haben, verlangte er in
der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». Tarifvertragliche
Regelungen wie die in der Bauwirtschaft lobte der Minister als
«vorbildlich». «So etwas brauchen wir eigentlich
überall», sagte Clement.
Mit heftiger Kritik reagierte auch der nordrhein-westfälische
Regierungschef Peer Steinbrück. Die Abgabe sei ein
«etatistischer, bürokratischer Reflex auf ein unzweifelhaft
drängendes gesellschaftliches Problem», sagte der
SPD-Politiker in der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Ein Gesetzentwurf dürfe freiwillige
Lösungen nicht aushebeln, verlangte Steinbrück.
Er verwies auf die Erfolge in Nordrhein-Westfalen, wo jedem
ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen eine Lehrstelle
angeboten werde. Zuvor hatten schon der rheinland-pfälzische
Ministerpräsident Kurt Beck und Schleswig-Holsteins
Regierungschefin Heide Simonis Nachbesserungen an der Abgabe angemahnt.
Am Freitag hatte sich SPD-Fraktionschef Franz Müntefering mit dem
Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK), Georg Braun, getroffen. An der Unterredung nahmen auch
DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben sowie Münteferings
Stellvertreter Kressl und Ludwig Stiegler teil.
Kressl betonte, beide Seiten hätten das Ziel, dass jedem
Jugendlichen ein Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt werden
könne. Dabei müssten freiwillige Lösungen Vorrang haben,
damit das Gesetz nicht greifen müsse, sagte sie. Deshalb
würden in diesem Jahr die Gespräche mit der Wirtschaft
intensiviert, und es werde früher als in vorherigen Jahren die
Werbekampagne für mehr Lehrstellen gestartet. Der DIHK habe der
SPD-Fraktion zudem ein Positionspapier übergeben mit der
Forderung, das Lehrlingsentgelt nicht zu erhöhen, bestätigte
Kressl einen Vorabbericht der «Welt am Sonntag».
Die Gewerkschaften bekräftigten ihre Forderung nach einer
gesetzlichen Lösung. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre
hätten gezeigt, dass freiwillige Vereinbarungen nichts
brächten, sagte eine DGB-Sprecherin. Tarifvertraglichen Regelungen
der IG Metall, der IG BCE und der IG Bau seien der richtige Weg.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte im
Deutschlandfunk, dass Unternehmen nach drei Jahren Stagnation in einer
Situation seien, dass sie nicht mehr Geld für Ausbildung
investieren könnten, «und dann ist ziemlich egal, ob das
kollektiv oder individuell ist.»
Die SPD-Bundestagsfraktion bereitet derzeit einen Gesetzentwurf vor,
der die Zahlung einer Abgabe für nicht ausbildende Firmen
verbindlich machen soll. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat
allerdings signalisiert, darauf zu verzichten, falls die Wirtschaft
freiwillig ausreichend Lehrstellen zur Verfügung stellt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Ausbildungsplatzlücke laut DGB deutlich größer als
bekannt
Mi.18.02.04 - Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist die
Ausbildungslücke deutlich größer als bekannt. DGB-Chef
Michael Sommer sagte der Tageszeitung «Die Welt»
(Mittwochausgabe), die Lücke zwischen angebotenen und
nachgefragten Ausbildungsplätzen liege derzeit nicht bei etwa
20.000, wie offiziell gemeldet werde. Sie sei in Wahrheit zehn Mal so
groß und habe 2003 weit über 200.000 betragen. «Dies
ist eine alarmierende Entwicklung, die eindeutig die Unternehmen zu
verantworten haben», sagte Sommer.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402180.htm#04021819
Privatisierung - Schwerin verkauft Alten- und Pflegeheime
So.22.02.04 - Die Stadt Schwerin trennt sich von ihrem «Sozius-Pflege- und
Betreuungsdienst». Mit dem Verkauf, den die Schweriner
Stadtvertretung am Freitagabend beschloss, werden sechs Alten- und
Pflege- sowie fünf Kinder- und Jugendheime privatisiert. Den
Angaben zufolge gehen 94 Prozent des städtischen Betriebes an die
Schweriner Sozialdienste GmbH (SSD), die sich aus dem Diakoniewerk
Neues Ufer, den Dreescher Werkstätten und dem Augustenstift
zusammensetzt. Die Transaktionssumme betrage insgesamt 35,8 Millionen
Euro, hieß es.
Damit haben sich die SSD gegenüber mehreren anderen Interessenten
durchgesetzt. «Mit dem Verkauf an die SSD können wir
garantieren, dass der hohe pflegerische Standard gehalten wird»,
sagte Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) unmittelbar nach
dem Beschluss der Stadtvertreter. Seinen Angaben zufolge hätte die
Kommune die notwendigen Investitionen nie tragen können.
Neben dem Kaufpreis in Höhe von 5,8 Millionen Euro verpflichten
sich die Schweriner Sozialdienste, noch einmal 30 Millionen Euro zu
investieren. Damit sollen 300 Ersatzpflegeplätze errichtet, ein
Haus saniert und weitere Umbauten gesichert werden. Für die 380
Beschäftigten von «Sozius» ist ein
Personalüberleitungsvertrag abgeschlossen worden. Er beinhaltet
unter anderem, dass bis 2007 keine betriebsbedingten Kündigungen
erfolgen.
(Quelle: ddp)
Sozialmediziner: Arme verzichten häufiger auf ärztliche Hilfe
So.22.02.04 - Sozialhilfeempfänger und Wohnungslose verzichten nach Angaben des
Mainzer Sozialmediziners Gerhard Trabert wegen Praxisgebühr und
Zuzahlungen zu Medikamenten häufiger auf ärztliche Hilfe. Ein
Wohnungsloser mit einem Tagessatz von 9,87 Euro könne sich
entweder ein Essen oder einen Arztbesuch leisten, sagte der Vorsitzende
des Vereins "Armut und Gesundheit in Deutschland" am Donnerstag in
Mainz.
Wenn Arme seltener einen Arzt aufsuchen, werden nach den Worten von
Trabert die Kosten für das Gesundheitswesen langfristig steigen.
In Kanada hätten nach der Einführung von Zuzahlungen 14
Prozent der Sozialhilfeempfänger auf die Einnahme lebenswichtiger
Medikamente verzichtet. Dies habe zu doppelt so vielen "medizinischen
Zwischenfällen" bei den Betroffenen geführt, so dass mit dem
menschlichen Leid auch die Gesundheitskosten gestiegen seien.
In der Psychiatrie wird nach Traberts Angaben auch schon in Deutschland
ein "Drehtür-Effekt" festgestellt. Patienten müssten nach
ihrer Entlassung bald wieder stationär aufgenommen werden, weil
sie sich den Kauf teurer Psychopharmaka nicht leisteten.
Krankheitskosten seien bei der Bedarfsermittlung der Sozialhilfe nicht
vorgesehen. Die Gesundheitsreform führe daher zu einer
Kürzung der Sozialhilfe und bestrafe Arme. Außerdem
erhöben Kommunen die neuen Gebühren bundesweit für
Sozialhilfeempfänger höchst unterschiedlich.
Trabert forderte eine Änderung der Gesundheitsreform.
Praxisgebühr und Zuzahlungen müssten für
Sozialhilfeempfänger gestrichen werden. Der Rückgang der
Arztbesuche werde die Sterbequote von Armen weiter erhöhen.
Bereits jetzt lebe das ärmste Fünftel der Deutschen sieben
Jahre weniger lang als das reichste Fünftel. In Deutschland gibt
es nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Sozialhilfeinitiativen 2,9 Millionen Sozialhilfeempfänger, die
Zahl der Berechtigten wird auf mehr als das Doppelte geschätzt.
(Quelle: epd)
Studie: Nur jeder vierte deutsche Student wird staatlich gefördert
So.22.02.04 - Nur etwa jeder vierte deutsche Student erhält derzeit eine
staatliche Studienförderung. Damit liege Deutschland europaweit im
unteren Bereich, heißt es in einer am Donnerstag
veröffentlichten Studie des Zentrums für Berufs- und
Hochschulforschung der Universität Kassel. Die Förderquoten
schwankten in Europa zwischen fünf und 80 Prozent, so das Ergebnis
der Studie, die die Situation in 16 europäischen Ländern
untersuchte.
Während in Skandinavien Studenten als Potenzial betrachtet
würden, in das es zu investieren gelte, sähen Länder wie
Frankreich, Österreich oder Italien ein Studium als
Familienangelegenheit an. Besondere Hilfe komme hier allenfalls
bedürftigen Familien zugute. Deutschland nehme wie Irland und
Großbritannien eine Mittelstellung ein. Hier werde erwartet, dass
neben der Familie auch der Staat zur Versorgung der Studierenden
beiträgt.
Die höchsten Studiengebühren erhebe derzeit
Großbritannien mit 136 Euro pro Monat. Lediglich in fünf
Ländern, darunter Deutschland, gebe es keine Gebühren.
Wesentlich belastender für die Studierenden seien jedoch die hohen
Lebenshaltungskosten. Sie lägen zwischen 426 Euro in Portugal und
800 Euro in Frankreich, der Schweiz und Dänemark.
(Quelle: epd)
Auseinandersetzungen bei Auftritten von Rechtsradikalen
So.22.02.04 - Bei Auftritten von Rechtsradikalen und Gegendemonstrationen ist es am
Samstag in den hessischen Städten Gladenbach und Marburg sowie in
Bochum zu Ausschreitungen gekommen, wie die Polizeibehörden
mitteilten. Es gab jedoch keine schweren Krawalle. In Gladenbach
benutzte die Polizei kurzzeitig Wasserwerfer, Pfefferspray und
Schlagstock, um die feindlichen Gruppen auseinander zu halten, wie das
Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen mitteilte.
Die Veranstaltungen in Gladenbach und dem benachbarten Marburg wurden
von einem «Aktionsbündnis Mittelhessen» (ABM)
organisiert. Nach Angaben der Marburger Grünen handelt es sich um
«eine Ansammlung von neofaschistischen 'Freien
Kameradschaften'», die schon mehrfach in Erscheinung getreten
seien. Die ABM-Internetseiten waren am Samstag blockiert.
Eine Gegendemonstration des DGB mit 450 Teilnehmern auf dem Marktplatz
von Gladenbach verlief friedlich, jedoch blockierten etwa 70 Personen
vom linken Spektrum mehrere Kreuzungen, und rund 200 Personen
versuchten zu den Rechtsradikalen durchzubrechen. Dabei wurden auch
Polizisten mit Steinen beworfen. Die Polizei trennte die beiden Seiten
gewaltsam. Drei Polizisten wurden leicht verletzt.
In Marburg demonstrierten etwa 60 Anhänger des ABM und riefen
Parolen. Rechtsradikale und Gegendemonstranten wurden von der Polizei
auf Distanz gehalten. Ein 45-jähriger Rechtsextremist, gegen den
Haftbefehl bestand, wurde festgenommen, sechs weitere Festgenommene
wurden nach Feststellung der Personalien wieder entlassen.
In der Innenstadt von Bochum gab es Rangeleien zwischen
NPD-Anhängern und Gegendemonstranten. Nach Polizeiangaben
verteilten rund 20 NPD-Leute Flugblätter, nachdem das
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Aufstellung von Info-Ständen
untersagt hatte. Etwa 40 Personen protestierten gegen die
Flugblattaktion und versuchten, die NPD-Leute mit einem etwa zehn Meter
langen weißen Tuch zu verhüllen. Ein NPD-Mann trat einen
Gegendemonstranten mit dem Springerstiefel. Die Polizei erteilte den
NPD-Mitgliedern schließlich Platzverweis. Drei Personen wurden in
Gewahrsam genommen.
(Quelle: ap)
Filmpreis César für 'Good Bye, Lenin'
So.22.02.04 - «Good Bye Lenin» ist am Samstagabend als bester
europäischer Film mit einem Cesar ausgezeichnet worden. Der
Streifen von Wolfgang Becker setzte sich bei der Verleihung der
französischen Filmpreise in Paris gegen «Dogville» von
Lars von Trier, «La Meglio gioventu» von Marco Tullio
Giordana, «Respiro» von Emanuele Crialese und «The
Magdalene Sisters» (»Die unbarmherzigen Schwestern»)
von Peter Mullan durch. Insgesamt wurden die Cesars in 19 Kategorien
verliehen.
(Quelle: ap)
Niederfrequente elektromagnetische Felder schädigen Gehirnzellen
So.22.02.04 - US-Wissenschaftler haben bei Ratten, die Feldern ausgesetzt wurden, die
auch viele Haushaltsgeräte erzeugen, signifikante DNA-Schäden
festgestellt
Ob und wann welche gesundheitlichen Risiken für den Menschen auch
schwache elektrische Felder mit sich bringen können, ist ebenso
umstritten wie die Frage, welche gesundheitlichen Risiken von der
elektromagnetischer Strahlung ausgeht, die von Handys verursacht wird.
Angeblich haben deutsche Versicherungen in ihren Policen bereits
Schäden durch Elektrosmog wegen der nicht einschätzbaren
Gesundheitsgefahren ausgeschlossen. Möglicherweise aber
könnten nicht nur Handys, sondern alle elektrischen Geräte,
die sich längere Zeit wie Föhns, Rasierapparate oder
Heizdecken dicht am Kopf befinden, menschliche Gehirnzellen
schädigen.
Nach den neuen Untersuchungen wären von elektromagnetischen
Feldern besonders diejenigen Zelltypen betroffen, die einen
höheren Eisenanteil haben, beispielsweise sich teilende Zellen,
solche, die von einem Virus infiziert sind, oder Zellen wie die des
Gehirns, die eine hohe metabolische Rate aufweisen...
Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16806/1.html
Mobilfunk: Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor Elektrosmog -
Versicherungen schließen Mobilfunk-Risiken oft aus
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401300.htm#04013025
Die Handymasten-Datenbank:
Daten von 52.000 Sendeanlagen und 4.500 Messstellen online abrufbar:
http://emf.regtp.de
Mehr zum Thema "Mobilfunk, Handy, Strahlenbelastung etc." unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401300.htm#040130tc