Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Gesandter hält Wahl in Irak noch in diesem Jahr für
möglich - Annan: Glaubwürdige Wahlen in Irak
möglicherweise erst 2005 - Mehr Sicherheit in Irak angemahnt
+++ Schröder mahnt rasche Souveränität für den Irak
an - USA wollen keine dominante UN-Rolle nach Machtübergabe im
Irak +++ Neun Tote bei Anschlag auf Polizeiwache in Kirkuk - Landesweit
wurden in Irak in diesem Monat bereits mehr als 250 Iraker getötet
Di.24.02.04 - Die Vereinten Nationen halten Wahlen in Irak noch in diesem Jahr
für möglich. Allerdings müssten die Vorbereitungen
unverzüglich beginnen, heißt es in einem am Montag
veröffentlichten Bericht des UN-Gesandten Lakhdar Brahimi. Der
Vorschlag der USA, wonach die Regierung von Regionalversammlungen und
nicht vom Volk direkt gewählt werden soll, werde von den Irakern
nicht ausreichend unterstützt und sei daher "keine brauchbare
Option".
Brahimi erklärte, es gebe einen breiten Konsens für die
Einsetzung einer Übergangsregierung bis zum 30. Juni. Irak
benötige mindestens acht Monate, um eine verlässliche
Parlamentswahl vorzubereiten. Voraussetzung seien eine entsprechende
Sicherheitslage und die Vereinbarung eines rechtlichen Rahmens. Eine
politische Einigung über diesen Rahmen könne bis Mai erzielt
werden. Das würde bedeuten, lautet die Schlussfolgerung des
Berichts, dass eine Wahl "bis Ende dieses Jahres oder kurz danach"
stattfinden könne.
Damit hat Brahimi einen Mittelweg zwischen den Positionen der USA und
des schiitischen Großayatollahs Ali el Husseini el Sistani
eingeschlagen. Einerseits stimmen die UN damit überein, dass die
Macht in der ersten Jahreshälfte an die Iraker übergehen
soll, stellen aber gleichzeitig fest, dass es nicht möglich ist,
bis zum 30. Juni eine gewählte Regierung einzusetzen.
Ein anderer der vier schiitischen Großayatollahs warnte vor einer
Verzögerung der Wahl einer souveränen Regierung. Mohammed
Taki el Modaresi erklärte, nach einer solchen Abstimmung werde der
Aufstand zurückgehen oder möglicherweise vollständig
enden. Wenn die Wahl weiter hinausgezögert werde, steige das
Risiko eines Bürgerkriegs.
Der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, begrüßte
Brahimis Bericht. "Wir teilen die Ansicht der UN, dass direkte Wahlen
in Irak so bald wie möglich wichtig sind", erklärte er. Der
Bericht mache deutlich, dass die Souveränität bis zum 30.
Juni an die Iraker übergehen müsse. "Wir werden uns an diesen
Meilenstein halten."
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat eine rasche Übertragung
der Souveränität auf das irakische Volk angemahnt. Auch der
Aufbau demokratischer Strukturen müsse schnell erfolgen, sagte er
vor den Teilnehmern eines deutsch-türkischen Wirtschaftsforums in
Istanbul. Dabei sei eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen
unverzichtbar.
Die US-Regierung will keine "dominante Rolle" der UN im Irak nach der
Machtübergabe an das Volk Ende Juni. Die Machtübergabe erfolge
so, dass die Iraker selbst die beherrschende Rolle spielen werden,
sagte Außenamtssprecher Richard Boucher. Die UN und die USA
würden aber weiter mit den Irakern zusammenarbeiten, um ihnen bei
der Etablierung einer dauerhaften Regierung zu helfen. Die USA hatten
die UN um Unterstützung bei der Entwicklung eines endgültigen
Plans für die Machtübergabe und spätere Wahlen gebeten.
Nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan sind
glaubwürdige Wahlen in Irak möglicherweise erst im kommenden
Jahr möglich. In einem am Montag in New York veröffentlichten
Bericht an den UN-Sicherheitsrat erklärte Annan, zunächst
müssten technische und rechtliche Vereinbarungen getroffen werden.
Danach werde es noch mindestens acht weitere Monate dauern, bis Wahlen
abgehalten werden könnten. Zudem müsse die Sicherheit
"wesentlich verbessert" werden, "um die Korrektheit des Wahlverfahrens
und dessen Glaubwürdigkeit zu gewährleisten".
Mehr Sicherheit sei absolut unerlässlich, wenn die UN in Irak eine
wichtige Rolle übernehmen sollten, sagte Annan am Dienstag in
einer Rede im japanischen Parlament.
Die Vereinten Nationen hatten sich nach einem Bombenanschlag auf das
UN-Hauptquartier in Bagdad im vorigen August aus Irak
zurückgezogen. Bei dem Anschlag wurden 22 Menschen getötet,
darunter der UN-Gesandte Sergio Vieira de Mello. Annan bekundete in
Tokio die Bereitschaft der UN, bei der Bildung einer
Übergangsregierung und der Durchführung von Wahlen in Irak zu
helfen, wenn dies gewünscht werde.
Mehr als 1.260 Japaner haben unterdessen wegen der Entsendung
japanischer Soldaten nach Irak gegen die Regierung geklagt. Sie machen
geltend, dass die Truppenentsendung gegen die Verfassung
verstoße. Die Klage wurde am Montag bei einem Gericht in Nagoya
eingereicht, wie die Behörden am Dienstag mitteilten.
Japan beteiligt sich mit 1.000 Soldaten am Wiederaufbau Iraks. Es
handelt sich allerdings nicht um einen Kampfeinsatz.
Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache in Irak sind am
Montagmorgen mindestens neun Menschen getötet und etwa 45 weitere
verletzt worden. Zwei Attentäter sprengten sich mit ihrem Fahrzeug
vor einer Polizeistation in Kirkuk in Nordirak in die Luft und rissen
sieben Polizisten mit in den Tod, wie Sicherheitskräfte
mitteilten.
Nach Angaben eines Polizeisprechers sprengten sich die Attentäter
im kurdischen Viertel Rahimawa in die Luft, als die Wachablösung
in der Polizeistation in vollem Gange war. Die Feuerwehr kämpfte
noch Stunden später gegen die Flammen, die sich durch die
Bombentrümmer fraßen. 35 Polizisten und elf Zivilisten
trugen zumeist schwere Verletzungen davon, wie Klinikmitarbeiter
mitteilten. Die Polizei nahm in der Nähe des Anschlagsortes zwei
Männer fest.
In der Ölstadt Kirkuk werden fast täglich irakische
Polizisten und Mitglieder der Zivilschutztruppen angegriffen.
Landesweit wurden in Irak in diesem Monat bereits mehr als 250 Iraker
getötet. In den vergangenen Monaten traten trotz mehrerer
Anschläge etwa 200.000 Iraker den Sicherheitskräften bei.
US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte, die Anschläge der vergangenen
Monate gingen auf das Konto "professioneller Terroristen" des
El-Kaida-Netzwerkes und der extremistischen Ansar el Islam. Die
Attentate verliefen nach dem immer gleichen Muster. Die "Terroristen"
wollten die Iraker daran hindern, "die Verantwortung für ihre
Sicherheit zu übernehmen".
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stattete derweil US-Soldaten
und irakischen Sicherheitskräften in Bagdad einen Besuch ab.
Bei seiner vierten Visite in Bagdad kam Rumsfeld auch mit Mitgliedern
des irakischen Zivilschutzes zusammen. "Der Erfolg (des Wiederaufbaus)
Iraks liegt in Ihren Händen", sagte der US-Verteidigungsminister
den irakischen Hilfstruppen. Die USA seien "stolz" auf die
Zusammenarbeit mit den neuen Zivilschutzkräften. Rumsfeld will in
Bagdad mit US-Militärs über die Übergabe der
Sicherheitsaufgaben an die Iraker beraten.
Die US-Streitkräfte suspendierten unterdessen 17 Soldaten vom
Dienst, weil diese irakische Gefangene misshandelt haben sollen.
Betroffen seien auch der Kommandeur eines Bataillons und einer
Kompanie, teilte ein Militärsprecher mit, ohne Einzelheiten zu
nennen. Der Befehlshaber der Truppen am Golf, Ricardo Sanchez, hatte im
Januar nach Berichten über Misshandlungen im
Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad eine Untersuchung angeordnet.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Rumsfeld erhebt in Bagdad Vorwürfe gegen Iran und Syrien
Di.24.02.04 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Iran und Syrien der
Unterstützung "terroristischer Anschläge gegen das irakische
Volk" beschuldigt. Die Regierungen in Damaskus und Teheran hätten
zugelassen, dass von ihrem Territorium aus Kämpfer gegen die von
den USA geführten Besatzungstruppen nach Irak eingeschleust worden
seien, sagte Rumsfeld am Montag vor Journalisten in der irakischen
Hauptstadt Bagdad. Es sei außerdem bekannt, dass Mitglieder des
El-Kaida-Netzwerks in Iran Unterschlupf gefunden hätten. Syrien
habe seinerseits Leute aufgenommen, die nach dem Einmarsch von US- und
britischen Truppen im März 2003 aus Irak geflohen seien.
(Quelle: afp)
US-Präsident Bush: Demokraten ohne Kompetenz im Anti-Terror-Kampf
Di.24.02.04 - US-Präsident George W. Bush hat den oppositionellen Demokraten
fehlende Kompetenz im Kampf gegen den internationalen Terrorismus
vorgeworfen. Die Präsidentschaftswahl im November sei eine "Wahl
zwischen einem Amerika, das die Welt mit Stärke und Zuversicht
führt und einem Amerika, dem es im Angesicht der Gefahr an
Entschlossenheit fehlt", sagte Bush bei einem Treffen republikanischer
Gouverneure in Washington. "Unsere Konkurrenten bieten keine Strategie
an, um den Krieg (gegen den Terrorismus) zu gewinnen oder unsere
Wirtschaft auszubauen."
Mit Blick auf die Wahl am 2. November sagte Bush weiter, "die
Amerikaner werden zwischen zwei Regierungsvisionen entscheiden: jener,
die den Besitzgedanken und die Chancen auf Verantwortung stärkt,
oder einer Regierung, die euer Geld nimmt und die Entscheidungen
für euch trifft." Der Amtsinhaber im Weißen Haus griff auch
seinen voraussichtlichen demokratischen Herausforderer, John Kerry,
wegen angeblicher Widersprüche in dessen Agenda an. "Für und
wider Steuerminderungen. Für und wider die Sicherheitsgesetze
gegen den Terrorismus. Für und wider die Befreiung Iraks." All
diese unterschiedlichen Meinungen seien von einem "Senator in
Massachusetts" geäußert worden.
Die Rede Bushs wurde allgemein als Auftakt zu seiner millionenschweren
Wahlkampagne in den US-Medien gedeutet, die ab nächste Woche
Donnerstag seine Wähler mobilisieren soll. Bush stand in den
vergangenen Tagen wegen seiner Haushaltspolitik und seinem Dienst bei
der Nationalgarde im Dauerfeuer der Kritik. In Umfragen rutschten seine
Zustimmungswerte hinter die Kerrys zurück.
(Quelle: afp)
Zwei Drittel der US-Bürger für Übertragung von
Hinrichtungen
Di.24.02.04 - Zwei Drittel der US-Bürger befürworten laut einer Umfrage die
Live-Übertragung von Hinrichtungen im Fernsehen. Bei der am Montag
veröffentlichten Erhebung des Instituts Harris Interactive
für den Kabelkanal Trio sagten 54 Prozent allerdings auch, sie
persönlich würden sich eine solche Sendung nicht ansehen
wollen. 21 Prozent der 1.107 Befragten erklärten wiederum, sie
würden sogar Geld dafür bezahlen, um bei der Hinrichtung von
Osama bin Laden dabei zu sein. Elf Prozent waren bereit zu zahlen, um
die etwaige Exekution des früheren irakischen Staatschefs Saddam
Hussein zu sehen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Scharon lehnt Verhandlungen mit jetziger Palästinenserführung
ab +++ Amtierender EU-Ratsvorsitzender Cowen: Rückzug aus
Gazastreifen nur auf Basis von Road Map +++ Proteste begleiten
UNO-Anhörung zu Israels Sperranlage - Palästinenser fordern
Abbau von Israels des Grenzwalls - Israel bestreitet
Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofes wegen Sperranlage
+++ Moskau nennt Sperranlage 'kontraproduktiv' +++ Peres für
Änderungen im Verlauf von israelischem Sperrwall +++ Israelische
Pazifisten demonstrieren gegen Sperrzaun
Di.24.02.04 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon lehnt
Verhandlungen mit der jetzigen palästinensischen Führung ab.
Diese habe keine der im internationalen Friedensfahrplan vereinbarten
Verpflichtungen erfüllt, sagte Scharon am Montag laut einem
Rundfunkbericht vor dem Parlamentsausschuss für Außenpolitik
und Verteidigung. Bei einem Besuch in Washington Ende März wolle
er US-Präsident George W. Bush seinen Plan für einseitige
Maßnahmen zur Abtrennung von den Palästinensergebieten
erläutern, fügte Scharon hinzu. Diesen Plan hatte der
israelische Regierungschef am 18. Dezember in groben Zügen
vorgestellt. Er will ihn mit Unterstützung der US-Regierung
umsetzen, falls der vom Nahost-Quartett vorgelegte Fahrplan zur
Beilegung des Nahostkonflikts weiterhin nicht umgesetzt wird.
Ein Rückzug Israels aus dem Gazastreifen ist nach den Worten des
irischen Außenministers und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Brian
Cowen "annehmbar für die internationale Gemeinschaft", wenn dies
im Rahmen der Road Map erfolgt. Die Europäer machten "fünf
Dinge" zur Bedingung, damit der Plan des iraelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon akzeptabel sei, sagte Cowen nach
einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel: Es
müsse im Rahmen der Road Map geschehen, ein Schritt in Richtung
der Gründung zweier Staaten sein und dürfe keine
Übertragung von Siedlungen aus dem Gazastreifen ins Westjordanland
bedeuten. Zudem müsse es eine "organisierte und ausgehandelte
Übergabe der Verantwortung an die palästinensische
Autonomiebehörde" geben. Fünftens müsse Israel die
Sanierung und den Wiederaufbau von Gaza erleichtern.
Die israelische Sperranlage im Westjordanland beschäftigt jetzt
auch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Die
Palästinenserführung hat zum Auftakt einer Anhörung den
Abbau der Anlage gefordert. Israel blieb der Anhörung in Den Haag
fern und warf der Gegenseite vor, den jüdischen Staat als
Geächteten auf die Anklagebank bringen zu wollen.. Hunderte
Menschen demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude für die
Interessen Israels, darunter zahlreiche Angehörige von
Anschlagsopfern. Bei Protesten tausender Palästinenser im
Westjordanland gegen die Sperranlage gab es Verletzte. Israelische
Soldaten feuerten Gummigeschosse auf Demonstranten. Die EU hält
die Anhörung für wenig hilfreich, um den Friedensprozess
voranzubringen.
Israel begründet den Sperrzaun mit dem Schutz vor
palästinensischen Selbstmordanschlägen, nachdem sich erst am
Sonntag ein Palästinenser in einem Bus in Jerusalem in die Luft
gesprengt und Israelis mit in den Tod gerissen hatte.
Die auf Antrag der UNO-Vollversammlung einberufene Anhörung ist
auf drei Tage angesetzt. Bis zur Entscheidung des Internationalen
Gerichtshofs (IGH), der in diesem Fall lediglich eine nicht bindende
Einschätzung abgeben kann, dürfte es Monate dauern.
"Wenn diese Mauer vollendet ist, dann wird das palästinensische
Volk nur in der Hälfte des Westjordanlandes bleiben innerhalb
isolierter, nicht zusammenhängender, eingemauerter Enklaven",
sagte der palästinensische Gesandte Nasser el Kidwa vor Gericht.
Die Sperranlage aus Zäunen und Mauern werde die
Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt
praktisch unmöglich machen. "Bei der Mauer geht es nicht um
Sicherheit." "Es geht darum, die Besatzung zu verschanzen und um die
De-facto-Annexion weiter Bereiche der Palästinenser-Gebiete. Ein
von den USA mit ausgearbeiteter Nahost-Friedensplan sieht ein Ende der
Gewalt und die Bildung eines Palästinenserstaates im Jahr 2005 vor.
Er hoffe, dass die Entscheidung des IGH zu Sanktionen gegen Israel
führe, sagte Kidwa. Als Beispiel führte er die
Einschätzung des IGH von 1971 an, als der Gerichtshof die
Besetzung Namibias durch Südafrika für illegal erklärt
hatte. Dies hatte damals zu Sanktionen gegen Südafrika
geführt.
Der Rechtsberater des israelischen Außenministeriums, Alan Baker,
der eine Stellungnahme seiner Regierung für die Anhörung
verfasst hat, wies die Kritik scharf zurück. Die
Palästinenser wollten Israel als einen geächteten Staat auf
die Anklagebank bringen, sagte Baker der Nachrichtenagentur Reuters.
"Das ist etwas, was keine israelische Regierung hinzunehmen bereit
ist", fügte er hinzu. Statt vor einem internationalen Gericht
solle der Fall zwischen den beiden Konfliktparteien in direkten
Verhandlungen besprochen werden.
Israel hat das Gericht für nicht zuständig erklärt. Doch
obwohl eine Entscheidung des IGH in diesem Fall keine rechtliche
Bindung hat, befürchtet Israel, dass sie zu internationalen
Sanktionen führen könnte. Den palästinensischen
Selbstmordanschlag auf einen voll besetzten Bus am Sonntag in
Jerusalem, bei dem acht Menschen getötet wurden, wertete Israel
als jüngten Beleg für die Notwendigkeit der Sperranlage.
Vor dem Haager Gerichtsgebäude demonstrierten mehrere hundert
Menschen für die Interessen Israels. Sie hielten Plakate hoch mit
der Aufschrift "Stoppt den Terrorismus, beginnt Verhandlungen" und
"Wenn der Terrorismus aufhört, fällt die Mauer". Andere
stimmten Gebete an und schwenkten israelische Fahnen. Unter den
Demonstranten waren auch Angehörige von Anschlagsopfern. Auch das
Wrack eines Busses wurde nach Den Haag gebracht, in dem sich Ende
Januar ein palästinensischer Selbstmordattentäter in die Luft
gesprengt und elf Menschen getötet hatte. Die Polizei räumte
das nur 100 Meter von dem Gerichtsgebäude abgestellte Wrack jedoch
kurz vor Beginn einer kleineren palästinensischen
Gegendemonstration.
Im Westjordanland und im Gaza-Streifen legten zahlreiche Menschen aus
Protest gegen die Sperranlage die Arbeit nieder. Der
Straßenverkehr kam für fünf Minuten zum Erliegen.
Öffentliche Einrichtungen, darunter Schulen, wurden am Nachmittag
geschlossen, damit die Palästinenser an Demonstrationen am
erklärten "Tag des Zorns" teilnehmen konnten. In Deir Ghsun bei
Tulkarm gingen israelische Soldaten mit Tränengas gegen rund 2500
Demonstranten vor. In Tulkarm, das von der israelischen Sperranlage
umgeben ist, gingen 5000 Demonstranten auf die Straße. Bei
Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee wurden 15 Menschen
verletzt. Die Sperranlage besteht teils aus stacheldrahtbewehrtem Zaun,
teils aus mehreren Metern hohen Betonmauern. Bislang steht sie auf
einer Strecke von 180 Kilometern, sie soll rund 730 Kilometer lang
werden.
Russland hat unterdessen den Bau der israelischen Sperranlage als
"kontraproduktiven Schritt" verurteilt. Die Sperranlage
"untergräbt die Anstrengungen zu einer Überwindung des
israelisch-palästinensischen Konflikts", hieß es in der
Stellungnahme Russlands.
In Moskau äußerte sich Vize-Außenminister Juri Fedotow
aber skeptisch über den Sinn der Anhörung. "Die Entscheidung
darf nicht selbst Schwierigkeiten für den Verhandlungsprozess
schaffen", sagte Fedotow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.
Deshalb habe Russland sich bei der Anrufung des obersten UN-Gerichts
der Stimme erhalten. "Ein Beschluss der Generalversammlung ist als
politische Bewertung des israelischen Vorgehens völlig
ausreichend", sagte Fedotow.
Nach Moskauer Presseberichten fürchtet Russland, wegen seines
Vorgehens in Tschetschenien selbst vor internationalen Gerichten
angeprangert zu werden. Russland gehört wie die EU, die UN und die
USA dem so genannten Nahost-Quartett an, das den jüngsten
Nahostfriedensplan («road map») vorgelegt hat.
Der Chef der israelischen Arbeitspartei und frühere
Außenminister Schimon Peres hat sich für weitere
Änderungen am Verlauf des umstrittenen Sperrwalles ausgesprochen.
Die israelische Regierung habe den Standort der Anlage bereits an "ein
oder zwei Punkten" korrigiert, sagte Peres am Montag nach einem Treffen
mit US-Außenminister Colin Powell in Washington. Er hoffe, dass
dieser Kurs fortgesetzt werde und der Verlauf der Barriere "komplett
korrigiert wird, um zu zeigen, dass es sich nicht um die künftige
Grenze handelt." Peres betonte, dass die Sperranlage allein aus
Sicherheitsgründen errichtet werde.
Vor dem Sitz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in
Jerusalem haben am Montagabend rund 300 israelische Pazifisten gegen
die Sperranlage zum Westjordanland protestiert. Die Demonstranten
zerstörten symbolisch eine Mauer aus Karton, wie ein Journalist
der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auf Plakaten war unter anderem
zu lesen: "Die Mauer sperrt die Palästinenser in einem
Gefängnis ein und die Israelis in einem Ghetto", sowie:
"Sicherheit für alle". Die von der Polizei genehmigte Kundgebung
war von einer Gruppierung namens "Die Stimme Israels gegen den
Sperrwall" organisiert worden.
(Quellen: rtr, dpa, afp)
Der Internationale Gerichtshof und das Gutachten über den
Trennungszaun zwischen Israel und den Palästinensergebieten
Gal Luft, Direktor des "Institute for the Analysis of Global Security"
und ehemaliger Offizier der IDF, verglich kürzlich die "Geschichte
zweier Zäune". In beiden Fällen gäbe es
unüberbrückbare Streitpunkte, Anschläge gegen
Zivilisten, gescheiterte Friedensverhandlungen und schließlich
einen Zaun als Sicherheitsabsperrung. Während der Zaun, der Israel
und die Palästinensergebiete trennt, in den Medien täglich
präsent ist, ist der zweite Fall, ein Trennungszaun zwischen
Indien und Pakistan im umstrittenen Kaschmir kaum bekannt. Wie kommt
diese Diskrepanz zustande?
Der israelische Zaun hat es nun sogar bis vor den Internationalen
Gerichtshof in Den Haag gebracht. Auf Antrag der UN-Vollversammlung
soll dort ein Gutachten über die völkerrechtlichen
Konsequenzen des Trennungszaun erstellt werden. Zuvor hatte die
UN-Vollversammlung den Bau des Zauns verurteilt und Israel in einer
Resolution dazu aufgerufen, den Bau zu stoppen und die bereits
errichteten Teile wieder abzumontieren. Das Gutachten aus Den Haag wird
kein bindendes Urteil sein, es ist Aufgabe der UN daraus Konsequenzen
zu ziehen, dennoch könnte es entscheidend zur allgemeinen
Meinungsbildung beitragen. Neben der palästinensischen Delegation,
die gestern früh als erstes gehört wurde, werden insgesamt 12
Staaten vorsprechen, Israel, die USA und die Europäische Union
haben ihre Stellungnahmen bereits schriftlich eingereicht. Erstmals
finden auch die "Arabische Liga" und die "Islamische Konferenz"
Gehör....
Mehr bei telepolis (24.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/16823/1.html
Mehr zum Thema "Grenzwall" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#040209_a
Stichwort: Der Internationale Gerichtshof
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag ist 1946 als oberste
Rechtsinstanz der Vereinten Nationen gegründet worden. Das
Weltgericht hat zwei Aufgaben.
Es kann Streitfragen zwischen Staaten auf der Grundlage des
Völkerrechts entscheiden, wenn die betroffenen Staaten die
Zuständigkeit des Schiedsgerichts akzeptiert haben. Ferner
erstellt das Gericht Rechtsgutachten für die Vereinten Nationen
und deren Unterorganisationen. Dabei handelt es sich um Empfehlungen,
die keinen bindenden Charakter haben.
Seit seiner Gründung wurde das von Kritikern als machtlos
gescholtene Gericht 99 Mal angerufen. Bisher wurden 78 Urteile vor
allem zu Grenzfragen und Verstößen gegen internationale
Verträge gesprochen. Gutachten haben die Richter in 24 Fällen
abgegeben.
Der Nachfolge-Instanz des 1922 vom Völkerbund gegründeten
Ständigen Internationalen Gerichtshofs gehören 15 Richter an.
Sie werden von der UN-Vollversammlung und dem Sicherheitsrat für
neun Jahre gewählt. Zu ihnen zählt der deutsche Richter Bruno
Simma (62).
Untergebracht ist der Gerichtshof, der nicht mit dem 2002
gegründeten Internationalen Strafgerichtshof verwechselt werden
darf, im Friedenspalast, einem 1913 eröffneten Zentrum zur
friedlichen Lösung internationaler Konflikte. Das Gebäude ist
auf Beschluss der Haager Friedenskonferenzen (1899 und 1907) errichtet
und vom amerikanischen Industriellen Andrew Carnegie finanziert worden.
Quelle: dpa, 23.02.04
Friedrich-Ebert-Stiftung und Hisbollah tagten in Beirut, trotz scharfer
Kritik, weil liberale arabische Stimmen fehlten...
Mehr in der "tageszeitung" vom 24.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/24/a0229.nf/text
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Solana für Nah- und Mittelost-Strategie mit USA und NATO
Di.24.02.04 - Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat wie zuvor
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) eine mit den USA
abgestimmte Strategie für den Nahen und Mittleren Osten
vorgeschlagen. Wie aus einem von Solana am Montag im EU-Außenrat
in Brüssel präsentierten Positionspapier hervorgeht, soll die
EU ihre Vorschläge bei Ministertreffen mit den USA am 1. März
präsentieren. Die Gruppe der acht führenden Staaten (G-8)
soll demnach mit einer Erklärung zur gemeinsamen Zukunft der
Region den Rahmen für spezifische Beiträge der EU und der USA
sowie der NATO setzen. Fischer begrüßte Solanas
Überlegungen als "sehr klug und weiterführend". Sie sollten
Grundlage für eine Diskussion beim nächsten
Außenminister-Treffen sein, sagte Fischer.
(Quelle: afp)
Konservative in Iran sichern sich formell Kontrolle über Parlament
EU kritisiert Iran-Wahlen als 'Rückschlag' +++ USA hoffen
weiter auf Reformkurs in Iran
Di.24.02.04 - Die Reformgegner in Iran haben am Montag wie erwartet formell die
Kontrolle über das Parlament zurückerobert. Jüngsten
Auszählungen zufolge sicherten sich die konservativen Kräfte
mindestens 149 der insgesamt 290 Sitze und lagen damit über der
für eine absolute Mehrheit notwendigen Grenze von 146 Mandaten.
Reformorientierte und unabhängige Kandidaten kamen lediglich auf
65 Sitze. Das Endergebnis der umstrittenen Wahl vom Freitag wurde
für (den heutigen) Dienstag erwartet.
Die Wahlbeteiligung lag den Zählungen vom Montag zufolge knapp
über 50 Prozent. In der Hauptstadt Teheran gingen nach Angaben des
Innenministeriums jedoch nur 33 Prozent der Stimmberechtigten zur Wahl.
Bei der letzten Wahl 2000 hatte die landesweite Beteiligung noch bei
67,2 Prozent gelegen. Dennoch war sie auch diesmal höher, als sich
dies die Reformkräfte nach ihrem Boykottaufruf erhofft hatten.
Vor dem Hintergrund der Disqualifikation von mehr als 2.400 liberalen
Bewerbern wiesen Reformkandidaten das Wahlergebnis als nichts sagend
zurück. "Ein Sieg in einem Wettbewerb ohne Gegner ist ein
historisches Fiasko", sagte der Abgeordnete Rasul Mehrparwar
während einer Parlamentsdebatte. Mehrparwar gehörte zu den
ausgeschlossenen Kandidaten. Der liberale Abgeordnete Hossein Ansarirad
sagte an die Adresse des konservativen Wächterrats: "Die Wahl des
Volkes einzuschränken und ihm bestimmte Bewerber vorzuschreiben,
verstößt gegen die Verfassung."
Auch ranghohe Vertreter der Europäischen Union äußerten
sich besorgt über die Zukunft des Reformkurses in Iran. Der
britische Außenminister Jack Straw kritisierte am Montag bei
einem Treffen der EU-Ressortchefs in Brüssel Ablauf und Ausgang
der Wahl. Es sei klar, dass die Abstimmung nicht fair gewesen sei,
sagte Straw und verwies dabei auch auf die geringe Wahlbeteiligung. Die
Wahl werde in den Beziehungen der EU zu dem Land eine neue Ausgangslage
schaffen.
Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, die Bundesregierung
und die EU seien nach dem Ausschluss zahlreicher Reformkandidaten "von
Anfang an mit Sorge erfüllt" gewesen. "Und in dem Lichte werden
wir jetzt sorgfältig prüfen, wie die Ergebnisse zu bewerten
sind." Ein Sprecher der EU-Kommission sprach von einem
"Rückschritt der Demokratie in Iran"
Die USA haben die Parlamentswahl in Iran als einen Rückschlag
für die Reformbewegung in dem Land bezeichnet. Die Regierung sieht
darin jedoch nicht das Ende der Demokratiebestrebungen des iranisches
Volkes, wie Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in
Washington sagte. "Unserer Ansicht nach wird sich der Reformdruck, der
Druck nach Demokratisierung trotz des Rückschlags, den diese
Wahlen darstellen, fortsetzen", sagte Boucher.
(Quelle: ap, afp)
USA im Atomstreit offenbar kompromissbereit
Di.24.02.04 - Vor Beginn der Sechsländergespräche über das
nordkoreanische Atomprogramm zeigen sich die Vereinigten Staaten
offenbar kompromissbereit. Der südkoreanische Unterhändler
Lee Soo Hyuck erklärte am Montag, Washington und Seoul seien
möglicherweise bereit, gewisse Gegenleistungen zu erbringen, wenn
Pjöngjang sein Atomprogramm einfriere. Dies gelte jedoch nur, wenn
dieser Schritt Teil eines umfassenden Plans zur vollständigen
Auflösung des Programms sei.
Lee traf sich am Montag in Seoul mit dem US-Unterhändler James
Kelly und dem Generaldirektor des japanischen Außenministeriums,
Mitoji Yabunaka. Die Diplomaten wollten zwei Tage vor Beginn einer
neuen Verhandlungsrunde über das nordkoreanische Atomprogramm ihre
Positionen abstimmen. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo
berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Südkorea habe
vorgeschlagen, im Gegenzug für ein Einfrieren des Atomprogramms
die Energiehilfen für Nordkorea auszuweiten. An den Verhandlungen,
die am Mittwoch in Peking beginnen, nehmen außerdem Russland,
China und Nordkorea teil.
Der stellvertretende chinesische Außenminister Wang Yi
erklärte, Nordkorea sei zur Abschaffung seines Atomprogramms
bereit. Sein japanischer Kollege Ichiro Aisaw sagte am Montag nach
einem Treffen mit Wang, Nordkorea habe diesem eine entsprechende
Bereitschaft signalisiert. Ein japanischer Regierungssprecher
erklärte, die Bedeutung dieser Bemerkung sei nicht eindeutig.
Hauptstreitpunkt der Verhandlungen sind Vorwürfe an Nordkorea, es
verfüge neben dem bekannten Atomprogramm auf Plutonium-Basis auch
über ein weiteres auf Uran-Basis. Die Regierung in Pjöngjang
wies das zurück und sprach von einer Lüge. Die USA,
Südkorea und Japan erklärten, eine Lösung der Krise
müsse das Uran-Programm einschließen. China akzeptierte
dagegen die Angaben Nordkoreas, es verfüge nicht über ein
Uran-Programm.
Die russische Delegation unter der Leitung des stellvertretenden
Außenministers Alexander Losjukow traf am Montag in Peking ein.
Auch die Delegationen aus den USA und Japan trafen bereits ein, die aus
Nord- und Südkorea wurden am Dienstagmorgen erwartet.
Losjukow traf sich mit Vertretern des chinesischen
Außenministeriums, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua
berichtete. Dabei hätten Losjukow und sein chinesischer Kollege
Wang Yi einen «breiten Konsens» erzielt. Einzelheiten
wurden nicht genannt. Losjukow sagte, er unterstütze
Pjöngjangs Angebot, das Atomprogramm einzufrieren. Dies könne
jedoch nur ein erster Schritt in einem langen Prozess sein.
Eine erste dreitägige Runde im vergangenen August hatte kaum
Ergebnisse gebracht. Der Atomstreit eskalierte, nachdem die USA im
Oktober 2002 berichtet hatten, Nordkorea verfolge ein Atomprogramm, das
einem bilateralen Abkommen aus dem Jahre 1994 widerspreche. Die
Regierung in Pjöngjang erklärte danach, es benötige
Atomwaffen zur Abschreckung gegen einen möglichen Angriff der USA.
Nordkorea deutete allerdings die Bereitschaft zu einem Verzicht auf das
Atomwaffenprogramm an, falls die USA ihre Sanktionen gegen den
kommunistischen Staat aufheben.
(Quelle: ap)
Acht Nordkoreaner in deutsche Botschaft in Peking geflüchtet
Di.24.02.04 - In die deutsche Botschaftsschule in Peking sind acht Personen
eingedrungen, bei denen es sich nach eigenen Angaben um nordkoreanische
Asylsuchende handelt. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte
am Montag, dass sich die Personen inzwischen auf dem Gelände der
Botschaft befänden. Eine Sprecherin sagte, die deutsche Seite sei
um eine rasche Lösung bemüht. Daher würden keine
näheren Angaben gemacht.
Die Zahl der Asylsuchenden war zuvor aus diplomatischen Kreisen in
Peking genannt worden. Wann und wie die Nordkoreaner auf das
Gelände gelangten, war jedoch nicht zu erfahren.
Bereits im Herbst 2002 hatten sich Asylsuchende aus Nordkorea in die
Schule geflüchtet. Nach einem Vertrag mit der Regierung in
Pjöngjang muss Peking Flüchtlinge aus Nordkorea in ihre
Heimat abschieben. In der Vergangenheit durften die Asylsuchenden
jedoch meist ausreisen und gelangten über ein Drittland nach
Südkorea.
(Quelle: ap)
USA verlängern Frist für Annahme von Friedensplan für
Haiti
Di.24.02.04 - Die USA haben der haitianischen Opposition weitere 24 Stunden zur
Annahme eines internationalen Friedensplans eingeräumt. Wie der
haitianische Oppositionsführer Evans Paul am Montag in
Port-au-Prince vor Journalisten bekannt gab, schlug
US-Außenminister Colin Powell den Gegnern von Präsident Jean
Bertrand Aristide vor, ihre offizielle Reaktion auf den Krisenplan bis
auf Dienstag (23.00 Uhr MEZ) zu verschieben. Die von den
internationalen Vermittlern gesetzte Frist endete ursprünglich am
Montagnachmittag (Ortszeit; 23.00 MEZ).
(Quelle: afp)
Haiti muss sich selbst helfen
Für eine militärische Intervention kommen nur Frankreich und
die USA in Frage. Beiden Ländern sollte man besser nicht trauen,
denn bisher haben sie dem Land eher geschadet...
Mehr in der "tageszeitung" vom 24.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/24/a0223.nf/text
Die US-Regierung scheint eine Zuspitzung bewußt in Kauf zu
nehmen, um als Retters einschreiten zu können. Aristide
könnte auf diese Weise gezwungen werden, Figuren wie Marc Bazin
Platz zu machen. Bazin, ein ehemaliger Funktionär der Weltbank,
war von Aristide bei den letzten Präsidentschaftswahlen zum
Verdruß der imperialistischen Kräfte überwältigend
geschlagen worden. Offenbar glauben die maßgeblichen Politiker in
Washington nun, sie könnten einen "Regimewechsel" erzwingen, ohne
zu diesem Zeitpunkt eigene Truppen einmarschieren zu lassen...
Aus: Deirdre Griswold - "Der Sinn des Putschversuches", Workers World
newspaper , Übersetzung in "junge Welt " vom 24.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-24/005.php
Medien vs. Realität in Haiti
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#040220_a
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Welternährungsorganisation kämpft gegen Heuschreckenplage in
Afrika
Di.24.02.04 - Die Welternährungsorganisation (FAO) hat am Montag von den
Geberländern neun Millionen Dollar für den Kampf gegen
Heuschreckenschwärme in Afrika gefordert. Die Ernten in ganz
Nordwest-Afrika seien bedroht, hieß es in einer Erklärung
der UN-Organisation. Die FAO teilte mit, dass sechs Millionen Dollar
gebraucht würden, um die Heuschreckenplage in Mauretanien zu
bekämpfen. Weitere drei Millionen Dollar seien für
Maßnahmen in Mali, Niger und Tschad erforderlich.
Außergewöhnliche Regenfälle hätten im letzten Jahr
den Grundstein für die jetzige Heuschreckenplage gelegt. Auf
ungefähr 500.000 Hektar Land in Mauretanien und Westsahara seien
momentan die Ernten durch die Insekten bedroht. «Schwärme,
die nicht durch Pestizide getötet werden können, werden im
Juni und Juli nach Süden wandern. Wenn es im Sommer diesen Jahres
viel regnet, könnte eine Plage den gesamten Westen und Nordwesten
Afrikas befallen», hieß es in der FAO-Erklärung.
Auch wenn Algerien und Marokko Personal,
Schädlingsbekämpfungsmittel und Flugzeuge im Wert von rund
zwei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hätten, um die
Gefahr in Mauretanien zu bannen, gingen die Ressourcen langsam zu Ende.
Gleichzeitig seien die Wetterbedingungen für die Vermehrung von
Heuschrecken günstig, berichtete die UN-Behörde. Die FAO
warnte auch vor einem Ausbruch der Heuschreckenplage an der Küste
des Roten Meeres in Saudi-Arabien, von wo aus die Schwärme im
Frühling Jordanien sowie den Süden und Westen Iraks erreichen
könnten.
(Quelle: ap)
Internationaler Strafgerichtshof untersucht Massaker in Uganda
Di.24.02.04 - Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag nimmt Ermittlungen zum
Massaker in einem Flüchtlingslager in Uganda auf. Rebellen hatten
das Lager im Norden des Landes am Samstag überfallen und mehr als
200 Menschen getötet. «Diejenigen, die die größte
Verantwortung tragen, werden strafrechtlich verfolgt», sagte
IStGH-Chefankläger Luis Moreno-Campo am Montag. Bereits im
Dezember hatte die ugandische Regierung den Strafgerichtshof angerufen.
Der IStGH wird nun ein Team von Ermittlern in das afrikanische Land
schicken.
Zwei Tage nach dem Massaker in der Nähe von Lira wurde am Montag
das Ausmaß des Blutbads bekannt: Mindestens 206 Männer,
Frauen und Kinder wurden erschossen, mit Macheten erschlagen oder
verbrannten in ihren Hütten bei lebendigem Leibe, wie Charles
Angiro, ein Abgeordneter aus der Region, sagte. Unzählige weitere
Menschen erlitten Verletzungen. Das Krankenhaus in Lira war voller
Verwundeter, die Ärzte arbeiteten rund um die Uhr. Die
Streitkräfte durchkämmten mehrere Dörfer in der Gegend
auf der Suche nach den Tätern.
Etwa 100 Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) hatten das Lager
Barlonyo am Samstagabend mit Sturmgewehren, Granaten und Macheten
angegriffen und hunderte Hütten niedergebrannt. In Barlonyo lebten
etwa 5.000 Flüchtlinge. Überlebende berichteten am Montag von
ihren verzweifelten Versuchen, den Angreifern zu entkommen: «Als
sie kamen, rannte ich in eine Hütte, dann haben sie
geschossen», sagte George Okot, dessen Schusswunden im
Krankenhaus behandelt wurden. «Wenn man hinaus wollte, haben sie
geschossen, wenn man drinnen blieb, haben sie Feuer gelegt.» Okot
sagte, mehr als 100 Rebellen in Tarnuniformen hätten das Lager
Barlonyo im Bezirk Lira angegriffen.
Der Abgeordnete Angiro beklagte, die Streitkräfte spielten die
Zahl der Opfer herunter, um im Kampf gegen die Rebellen keine
Schwäche zu zeigen. Die LRA kämpft gegen Präsident
Yoweri Museveni, seitdem dieser 1986 nach einem fünfjährigen
Bürgerkrieg an die Macht kam. Mehr als eine Million Menschen im
Norden und Nordosten des Landes flüchteten bislang vor den
Gefechten.
(Quelle: ap)
Sozialhilfekürzung - Zusammenstöße zwischen Roma und
Polizei in der Slowakei
Di.24.02.04 - Nach der Plünderung eines Supermarkts ist es am Montag in der
ostslowakischen Stadt Trebisov zu Zusammenstößen zwischen
rund 400 Roma und der Polizei gekommen. Einige Roma bewarfen Berichten
zufolge Polizeifahrzeuge mit Steinen und Flaschen. Wie ein Sprecher des
Innenministeriums mitteilte, wurden mehrere Personen festgenommen.
Hintergrund des Protests der Roma ist die Kürzung ihrer
Sozialhilfe.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Roma-Gruppen
Supermärkte geplündert. Führer der Roma riefen für
Mittwoch zu landesweiten Demonstrationen auf. «Die Demonstranten
werden nicht um Sozialhilfe bitten, sondern um
Arbeitsplätze», sagte Ladislav Fizik, einer der
führenden Vertreter der Roma, am Montag.
Die Regierung hatte diesen Monat damit begonnen, die Sozialhilfe um bis
zu 50 Prozent zu kürzen. Sie will damit nach eigenem Bekunden
Langzeitarbeitslose dazu bewegen, sich Arbeit zu suchen.
Die ärmsten der Roma leben in Siedlungen mit einer
Arbeitslosenrate von fast 100 Prozent und haben kaum Aussicht, eine
Anstellung zu finden. Viele leben schon seit Jahren von der
Sozialhilfe. Das Arbeitsministerium erklärte, es werde
Maßnahmen ergreifen, um die Erfolgsaussichten für die Roma
bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu verbessern. Roma machen etwa
neun Prozent der slowakischen Bevölkerung aus.
(Quelle: ap)
Menschenrechtler: Türkei diskriminiert Minderheiten
Di.24.02.04 - Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat sich erneut gegen
eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union
ausgesprochen. Kurden und Christen würden dort weiterhin
diskriminiert, erklärte die Menschenrechtsorganisation in einem am
Montag in Göttingen veröffentlichten Memorandum. Die
kürzlich verkündeten Reformen für die Kurden existierten
nur auf dem Papier. Eine "chauvinistische Kampagne" des türkischen
Erziehungsministeriums gegen die Christen widerspreche der offiziell
verkündeten Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten.
Auch im vergangenen Jahr hätten türkische
Sicherheitskräfte in den Kurdengebieten zahlreiche
Menschenrechtsverletzungen begangen, erklärte die Gesellschaft
für bedrohte Völker. Das Memorandum listet 105 Tote bei
bewaffneten Auseinandersetzungen, 84 Opfer "extralegaler" Hinrichtungen
sowie 502 Fälle von Folter auf.
Die zugesagten Radio- und Fernsehprogramme in kurdischer Sprache hat
die türkische Regierung nach Angaben der Gesellschaft für
bedrohte Völker bislang nicht eingerichtet. "Nicht einmal in
Ansätzen" sei die Rückkehr von Millionen aus ihren
Dörfern vertriebener Kurden realisiert.
Gegenwärtig befänden sich noch rund 6.500 Kurdinnen und
Kurden wegen "separatistischer Propaganda" in Gefängnissen. Erst
am vergangenen Freitag habe ein türkisches Gericht die Freilassung
der seit zehn Jahren inhaftierten kurdischen Parlamentarierin Leyla
Zana abgelehnt. In der Türkei leben insgesamt 15 bis 20 Millionen
Kurden, sie machen damit rund ein Viertel der Bevölkerung aus.
In ihrem Memorandum prangert die Gesellschaft für bedrohte
Völker weiterhin an, dass Neuauflagen türkischer
Schulbücher christliche Minderheiten als "Spione, Verräter
und Barbaren" diffamierten. Gleichzeitig würden Synagogen,
christliche Kirchen und Minderheitenschulen als "schädliche
Einrichtungen" dargestellt.
In der Türkei leben nach unterschiedlichen Schätzungen noch
zwischen 100.000 und 150.000 Christen. Rund die Hälfte von ihnen
sind armenisch-othodox. Jeweils etwa 10.000 bis 15.000 Menschen sollen
zu den arabisch-orthodoxen, den syrisch-orthodoxen sowie den
römisch-katholischen Christen zählen.
(Quelle: epd)
Schröder versichert Türkei Unterstützung bei EU-Aufnahme
Di.24.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat der Türkei
Unterstützung auf ihrem Weg in die Europäische Union (EU)
zugesichert.
Wenn die EU-Kommission die Reformen in der Türkei positiv bewerte,
werde sich die Bundesregierung für eine sofortige Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen einsetzen, sagte Schröder am Montag nach
einem Gespräch mit Ministerpräsident Tayyip Erdogan in der
türkischen Hauptstadt Ankara. "Ich glaube, dass die Türkei
mit ihrem Reformprozess auf einem guten Weg ist", sagte Schröder.
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen unterstrich, dass die
Beitrittsverhandlungen automatisch beginnen, wenn sein für das
Jahresende angekündigter Bericht positiv ausfalle. "Die wichtige
Sache für uns ist der Start der Verhandlungen. Wir erwarten kein
festes Datum für eine Mitgliedschaft", sagte Erdogan. Falls es zu
Verhandlungen kommt, dürften sie mehrere Jahre dauern. Eine
Reuters-Umfrage bei Finanzanalysten ergab, dass die meisten die
Aufnahme der Türkei für 2015 erwarten.
Schröder erinnerte daran, dass die EU klare Vorgaben gemacht habe.
"Wenn die Türkei die politischen Kopenhagener Kriterien
erfüllt, das heißt Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
gewährleistet, die Menschenrechte einhält und die
Minderheiten angemessen schützt, dann müssen
Beitrittsverhandlungen beginnen. Hierfür werde ich mich einsetzen.
Die Europäische Union muss zu ihrem gegebenen Wort stehen." Auf
die Frage, ob die Türkei auf deutsche Unterstützung
zählen könne, wenn die EU-Kommission im Dezember über
Beitrittsverhandlungen entscheide, versicherte Schröder: "Die
Türkei kann sich darauf verlassen." Auch bei einem Eintrag in ein
Goldenes Buch verwies Schröder auf die Freundschaft zum
türkischen Volk, "das sich auf seinem Wege nach Europa auf die
Unterstützung Deutschlands verlassen kann".
Verheugen sieht bei der Menschenrechtsfrage in der Türkei
"bedeutende Fortschritte". Wenn sein Bericht zum Jahresende zu dem
Schluss komme, dass die Türkei die politischen Bedingungen
für Beitrittsverhandlungen erfülle, dann begännen diese
automatisch. "Es wird in Deutschland der falsche Eindruck erweckt, als
sei da noch etwas zu entscheiden, aber es ist längst entschieden",
sagte er im Bayerischen Rundfunk.
Auch Schröder lobte Erdogans Reformkurs und hob die Türkei
als einen "absolut ausbaufähigen" Schlüsselmarkt für
deutsche Unternehmen hervor. Er glaube, dass die wirtschaftliche
Dynamik in der Türkei mit dem Signal der Aufnahme von
EU-Beitrittsverhandlungen zunehmen werde. Deutschland sei bereit, der
Türkei bei der Umsetzung von Reformen behilflich zu sein, wie es
Erdogan angeregt habe. Schröder hob ferner die strategische
Bedeutung der Türkei als moderat muslimisches Land und das Streben
Erdogans hervor, eine Lösung für das geteilte Zypern zu
finden. "Wenn diese Bemühungen andauern, werden sie eine positiven
Beitrag zu der EU-Entscheidung leisten."
Erdogan stellte sein Land als Bereicherung der EU dar. "Unsere
politischen und wirtschaftlichen Reformen sind unumkehrbar geworden",
sagte er. "Wir haben gezeigt, dass ein Land mit einer überwiegend
muslimischen Bevölkerung sich dem Westen zuwenden und sich
integrieren kann."
Der Kanzler war am Sonntagabend in der Türkei eingetroffen und
reist am Dienstag weiter nach Malta, das am 1. Mai der EU beitritt. Vor
einer Woche war bereits CDU-Chefin Angela Merkel in die Türkei
gereist, die statt einer EU-Vollmitgliedschaft eine "privilegierte
Partnerschaft" avisierte. Erdogan kann dem Vorschlag jedoch nichts
abgewinnen. Großbritannien und Frankreich signalisieren
Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft, während einige
kleinere Länder die Menschenrechte noch nicht ausreichend geachtet
sehen.
Mehrere CDU-Politiker verwiesen am Montag auf die Position von
Bundespräsident Johannes Rau, der sich in einem Interview der
"Super-Illu" skeptisch über den EU-Beitritt der Türkei
geäußert hatte. Die Türkei müsse vor einer
Aufnahme alle Auflagen erfüllen. "Das kann noch viele Jahre
dauern." Regierungssprecher Thomas Steg sagte in Berlin, di
(Quelle: rtr)
London knüpft Freizügigkeit für neue EU-Staaten an
Bedingungen
Di.24.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten sollen in
Großbritannien für mindestens zwei Jahre nur eine bedingte
Arbeitserlaubnis erhalten. Zunächst haben sie auch keinen Anspruch
auf Sozialleistungen, wie Innenminister David Blunkett am Montag im
Unterhaus sagte. Die Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten müssen
demnach mindestens zwei Jahre lang in der Lage sein, selbst für
ihren Unterhalt aufzukommen. «Wenn sie das nicht können,
werden sie jedes Aufenthaltsrecht verlieren», sagte Blunkett.
Außerdem will Großbritannien dem Minister zufolge ab Mai
ein neues Registrierungssystem einführen, mit dem die Zahl der
Einwanderer kontrolliert werde. Bestehe die Gefahr einer
Destabilisierung des Arbeitsmarktes infolge eines zu großen
Zustroms, könnte die Vergabe von Arbeitsgenehmigungen eingestellt
werden. Bürger aus den neuen EU-Staaten müssten angeben, wo
und für wen sie arbeiteten.
Blunkett erklärte weiter, Großbritannien heiße
diejenigen willkommen, die zum Arbeiten kämen und Teil der
Gesellschaft werden wollten. «Aber wir lehnen diejenigen ab, die
kommen, um unsere Großzügigkeit auszunützen.» Am
1. Mai treten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowenien, die
Slowakei, Tschechien, Ungarn und Zypern der EU bei.
(Quelle: ap)
Umweltschützer ziehen negative Bilanz bei Genfood
Di.24.02.04 - Nach zehn Jahren Genfood im Handel haben Umweltschützer eine
negative Bilanz gezogen. Gentechnisch veränderte Pflanzen
böten Verbrauchern und Landwirten bis heute keine Sicherheit,
heißt es in einer Studie der Organisation Friends of the Earth.
Mögliche Gesundheitsrisiken wie Allergien seien nur unzureichend
erforscht. In Kuala Lumpur beraten UN-Vertreter über Sicherheit
und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel.
Die Umweltschützer bemängeln zudem, die Produktion von
Genfood habe neue Umweltprobleme verursacht, etwa die Verunreinigung
herkömmlich angebauter Pflanzen mit Genpollen. Erforderlich seien
daher klare internationale Haftungsregeln.
"Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass Genpflanzen entgegen
der Beteuerungen der Biotech-Konzerne weder billiger noch
höherwertiger sind", erklärte Umweltschützer Juan Lopez
zum Auftakt des Treffens. "Sie sind daher auch kein magischer
Schlüssel zur Beendigung des Hungers in der Welt."
Im Frühjahr 1994 war in den Vereinigten Staaten das erste
Gen-Gemüse in die Läden gekommen: eine gentechnisch
veränderte Tomate. Die USA sind heute vor Argentinien der weltweit
größte Produzent gentechnisch veränderter Lebensmittel.
In der Europäischen Union liegt der Import von Genfood dagegen
seit 1998 de facto auf Eis. Allerdings könnten Gen-Lebensmittel im
Herbst erstmals wieder in europäische Läden kommen. In
Brüssel wird derzeit über die Zulassung gentechnisch
veränderter Maissorten der Lebensmittelkonzerne Syngenta aus der
Schweiz und Monsanto aus den USA beraten.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
EU-Staaten blockieren Gen-Mais-Zulassung
Do.19.02.04 - Experten der EU haben sich am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von
drei Monaten nicht auf eine Zulassung einer gentechnisch
veränderten Mais-Sorte einigen können. Damit müssen sich
auch in diesem Fall die EU-Minister mit der Frage beschäftigen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402190.htm#04021915
Umweltverbände rechnen mit immer mehr Gen-Pflanzen
Do.19.02.04 - Umweltverbände rechnen damit, dass in den kommenden Jahren immer
mehr gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt kommen. Die
Gentechnik-Industrie habe jedoch größeres Interesse an der
Entwicklung von Pflanzen mit Vorteilen im Anbau, als an Gen- Pflanzen,
die den Verbrauchern direkt nutzen, heißt es in einer am Dienstag
von den Umweltverbänden BUND, Pro Natura, WWF, Bio Suisse und
Greenpeace veröffentlichten Studie... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402190.htm#04021916
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402190.htm#040219rw
Umweltrat fordert harte Linie beim Emissionshandel
Di.24.02.04 - Vor dem rot-grünen Spitzengespräch zum Emissionshandel hat
der Umweltrat die Bundesregierung aufgefordert, gegenüber der
Wirtschaft hart zu bleiben. Die deutschen Klimaschutzziele dürften
nicht aufgeweicht werden, erklärte das
Sachverständigengremium am Montag in Berlin. Die Pläne von
Umweltminister Jürgen Trittin für den Emissionshandel seien
bereits ein Kompromiss, der Forderungen der Wirtschaft einbeziehe.
Trittin lastete in einem Gastbeitrag für die «Welt»
(Dienstagausgabe) den Branchen an, sie wollten ihre eigenen Interessen
ungekürzt durchsetzen. Für (den heutigen) Dienstag ist in
Berlin ein Vermittlungsgespräch zwischen Trittin (Grüne) und
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) angesetzt, die über den
Emissionshandel streiten. Dabei geht es um die Zuteilung von
Verschmutzungsrechten in einem Nationalen Allokationsplan, der bis zum
31. März an die EU-Kommission gemeldet werden soll. Der
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat heftige Kritik an
Trittins Entwurf für den Plan geäußert, die Clement zum
Teil teilt.
Der Umweltrat betrachtet nach eigenen Angaben die Auseinandersetzung
mit großer Sorge. Die Wirtschaft habe in einer
Selbstverpflichtung eine Minderung ihres Kohlendioxidausstoßes um
45 Millionen Tonnen bis 2010 zugesagt. Nur dies verlange Trittins
Zuteilungsplan. Der BDI aber wolle die Ziele der Vereinbarung aufgeben.
Seine Vorstellungen würden nicht wie versprochen zu einer
Minderung der Emissionen der Industrie führen, sondern zu einer
Erhöhung, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Umweltrats,
Martin Jänicke. Die BDI-Forderungen entsprächen einzig den
Interessen der großen Energiekonzerne Vattenfall und RWE, die
vorwiegend Kohlekraftwerke betrieben. Andere Industriezweige
würden durch eine Verwirklichung der BDI-Forderung hingegen
belastet, meinte Jänicke.
Am Emissionshandel sollen ab 2005 rund 2.600 deutsche Industrieanlagen
und Kraftwerke teilnehmen. Sie erhalten am Anfang kostenlos
Verschmutzungsrechte. Die Menge verringert sich nach Trittins
Plänen Jahr für Jahr leicht. Sparen Unternehmen durch
Modernisierung mehr Emissionen ein, dürfen sie die
überschüssigen Verschmutzungsrechte verkaufen; verfehlen sie
ihr Ziel, müssen sie Zertifikate zukaufen.
Der BDI kritisiert unter anderem die jährliche Verknappung der
Zertifikate in der Probephase des Handels, die bis 2007 laufen soll. Er
meint, man solle es zunächst der Wirtschaft überlassen, wie
sie die Verminderung vorantreibe. Außerdem klagt der BDI,
Trittins Plan begünstige Gaskraftwerke und werde heimische Kohle
aus dem Markt drängen. Wie das Handelsblatt (Dienstagausgabe)
berichtete, sprach sich auch die Gewerkschaft ver.di gegen eine
Begünstigung von Gaskraftwerken aus.
Trittin schrieb laut «Welt», der 1. Januar 2005 müsste
für die Wirtschaft eigentlich ein Freudentag sein, denn dann werde
der von ihr geforderte Handel mit Emissionsrechten eingeführt und
es komme endlich Marktwirtschaft in den Klimaschutz. Stattdessen werde
über planwirtschaftlich-staatliche Eingriffe,
Arbeitsplatzverluste, Stromausfälle und eine drohende
«Entindustrialisierung» Deutschlands geklagt. Diese Kritik
sei unsachlich. Sein Allokationsplan basiere auf einem
marktwirtschaftlichen und unbürokratischen Ansatz, greife die
Sonderinteressen einzelner Branchen auf und füge sie zu einem
fairen Interessenausgleich zusammen.
(Quelle: ap)
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0057.nf/text
Trotz Mahnung Münteferings weiter Kritik an Reformen
Di.24.02.04 - Auch nach der Absage des designierten SPD-Parteichefs Franz
Müntefering an Korrekturen der bereits verabschiedeten
Reformgesetze reißt die Kritik aus den eigenen Reihen von
Rot-Grün nicht ab.
Einzelne Abgeordnete von SPD und Grünen begrüßten am
Montag einen Vorstoß des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die
vor Weihnachten gemeinsam von Regierung und Opposition beschlossene
neue Zumutbarkeitsregel für Langzeitarbeitslose zu
entschärfen. "Wir müssen versuchen, die Zumutbarkeit wieder
aufs Tapet zu bringen", sagte die SPD-Abgeordnete Sigrid
Skarpelis-Sperk. In der Koalition wurden dem DGB-Vorstoß, die
Zumutbarkeit einer neuen Beschäftigung von der Zahlung des
ortsüblichen Lohns abhängig zu machen, aber kaum
Erfolgsaussichten eingeräumt. Ein Sprecher von Fraktionschef
Müntefering sagte: "Die Gesetze, die beschlossen sind, werden
nicht mehr aufgemacht." Müntefering selbst wies in scharfen Worten
Kritik der stellvertretenden Verdi-Vorsitzenden Margret
Mönig-Raane zurück, die Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) eine falsche Politik vorgeworfen hatte.
Auch erklärte rot-grüne Gegner der nach langem Ringem im
Vermittlungsausschuss verabschiedeten Neuregelung räumten ein,
dass eine Korrektur schwierig sei. Die jetzige Regelung sei für
CDU und CSU im Vermittlungsverfahren ein zentraler Punkt gewesen, sagte
Hans-Christian Ströbele (Grüne). Skarpelis-Sperk forderte
dennoch, sowohl eine Übergangslösung als auch eine
Mindestlohngesetzgebung auf den Weg zu bringen. Der DGB will das Thema
unter anderem bei einem Treffen mit Kanzler Gerhard Schröder (SPD)
Anfang März zur Sprache bringen.
Vom kommenden Jahr an müssen Langzeitarbeitslose jede legale
Beschäftigung annehmen. Dies ist Teil der Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Eine auf Druck der SPD-Linken
eingefügte Klausel, dass der ortsübliche Lohn gezahlt werden
müsse, scheiterte am Widerstand der Union.
Müntefering verwahrte sich gegen Kritik der stellvertretenden
Verdi-Vorsitzenden an der Reformpolitik Schröders: "Frau
Mönig-Raanes Bemerkungen zu SPD-Parteibüchern, zur
SPD-Politik im Allgemeinen und zum Bundeskanzler im Speziellen sind so
unsinnig wie überflüssig." Wenn es bei diesem Umgangton
bleibe, werde man wenig Freude aneinander haben. Mönig-Raane hatte
der "Saarbrücker Zeitung" gesagt: "Der Bundeskanzler macht eine
falsche Politik, die keine Arbeitsplätze schafft, die nicht mehr
Wachstum bringt und keines unserer drängenden Probleme löst."
Die Politik der Bundesregierung habe eine völlige soziale
Schieflage. "Der Kanzler und die jeweiligen Genossinnen und Genossen
müssen sich aber der Frage stellen, ob sie noch das richtige
Parteibuch haben."
Wegen der Verschärfung der Zumutbarkeit hatten bei der Abstimmung
über das Vermittlungsergebnis im Bundestag jeweils sechs
Abgeordnete von SPD und Grünen mit Nein gestimmt, darunter auch
Skarpelis-Sperk und Ströbele. Die SPD-Politikerin sagte, etwa 60
bis 70 Abgeordnete hätten damals im Laufe der Beratungen
Änderungswünsche bei den Zumutbarkeitsregeln
unterstützt. "In der Fraktion wird es sicherlich sehr, sehr breit
getragen, dass es hier Änderungen gibt", sagte sie Reuters. Die
Zumutbarkeit müsse wieder auf die Tagesordnung. Auch ihr
Fraktionskollege Rüdiger Veit sprach sich dafür aus, die
verschärften Zumutbarkeitsregeln wieder zu kippen. "Ich wäre
sehr dafür", sagte er Reuters.
Ein Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion verwies jedoch auf die
Ankündigung Münteferings, dass es an den beschlossenen
Reformgesetzen keine Änderungen geben werde. Auch die
stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Thea Dückert
äußerte sich ähnlich. Eine Sprecherin des
Wirtschaftsministeriums sagte: "Die Gesetze kommen, wie sie beschlossen
sind."
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, hatte die Debatte mit der Forderung nach einer
Entschärfung der Zumutbarkeitsregeln wieder eröffnet. Ein
DGB-Sprecher sagte, nach Einschätzung des DGB sei eine Korrektur
ohne Zustimmung des Bundesrates möglich. Man werde dies auch beim
Treffen der Geschäftsführenden DGB-Vorstandes und der
DGB-Landeschefs mit dem Kanzler am 1. März thematisieren.
(Quelle: rtr)
Kritik an Mindestlohnkonzept wächst
Di.24.02.04 - Gegen die von den Gewerkschaften erhobene Forderung nach
Einführung von Mindestlöhnen wird immer mehr Kritik laut.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte im
«Tagesspiegel» (Dienstagausgabe) vor einem erheblichen
Eingriff in das Tarifvertragssystem. Der Chef der
CDU-Sozialausschüsse, Hermann-Josef Arentz, sprach in der
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe) von einer drohenden
«Kapitulationserklärung der Tarifvertragsparteien».
Kritik an dem Vorstoß kam auch von IG-Bau-Chef Klaus
Wiesehügel.
«Ich gehöre nicht zu den Befürwortern dieser
Idee», sagte Wiesehügel der «Frankfurter
Rundschau» (Dienstagausgabe). Diese mache keinen Sinn, auch
«wenn das ohne Ansehen der Branche festgelegt wird». Eine
solche Regelung drohe vielmehr «alle Löhne noch weiter
runter» zu ziehen, sagte er und sprach sich dafür aus, die
Verantwortung für die Mindestlöhne den Tarifparteien zu
überlassen.
Mit seiner Forderung nach gesetzlichen Regelungen mache sich Verdi-Chef
Frank Bsirske zum «Totengräber der Tarifautonomie»,
sagte Arentz der «Berliner Zeitung». Statt dem Staat einen
Eingriff zu erlauben, sollten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften an
ihre Verantwortung und Pflicht erinnern, an der ökonomischen
Wirklichkeit ausgerichtete Tarife auszuhandeln. Der
FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle nannte die Forderung einen
schlechten Witz.
Nach Ansicht von Hundt gibt es in Deutschland ohnehin mit der
Sozialhilfe «einen impliziten Mindestlohn». Dieser zeige
schon jetzt teilweise negative Wirkung, zitierte ihn der
«Tagesspiegel». Einfache Jobs gingen verloren, wenn die
Arbeitskosten durch einen Mindestlohn künstlich nach oben
getrieben würden. Das schade vor allem den Geringqualifizierten,
der größten Problemgruppe am Arbeitsmarkt.
Auch die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl wandte sich in der Zeitung
gegen Maßnahmen, die dem Arbeitsmarkt schadeten und neue
Beschäftigungsbarrieren aufbauten. «Wir brauchen hier mehr
Freiheit und weniger Staatsdirigismus», forderte sie.
Die SPD-Linke Andrea Nahles sprach in der «Berliner
Zeitung» hingegen für einen Mindestlohn aus. Damit
könne erreicht werden, dass Menschen künftig auch
tatsächlich vom Lohn für ihre Arbeit leben könnten.
(Quelle: ap)
Auch koalitionsintern Kritik an Presserechtsplänen
Di.24.02.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) gerät mit seinen
Plänen für eine Lockerung der Pressefusionskontrolle auch in
der rot-grünen Regierungskoalition immer heftiger in die Kritik.
Die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Grietje
Bettin, sagte der "Financial Times Deutschland" (FTD) vom Montag: "Wir
haben massive Bedenken gegen diese Pläne". Der Vorsitzende des
Bundestags-Wirtschaftsausschusses Rainer Wend, sagte Reuters, er habe
"ein, zwei Verbesserungsvorschläge". Allerdings halte er Clements
Pläne insgesamt für "vernünftig und tragfähig". Das
Bundeskartellamt befürchtet als Folge des neuen Gesetzes eine
Konzentrationswelle am Pressemarkt. Kritisch hatten sich bereits
Kultur-Staatsministerin Christina Weiss und SPD-Kulturpolitikerin
Monika Griefahn geäußert. Im Wirtschaftsministerium
hieß es, derzeit prüfe man die Stellungnahmen zu dem
Referentenentwurf. Das Bundeskabinett solle noch im März über
den Gesetzentwurf entscheiden.
Clement plant, bei einer Novelle des Gesetzes gegen
Wettbewerbsbeschränkungen die Fusionskontrolle für
Pressekonzerne, auch mit Blick auf die wirtschaftliche Krise in dieser
Branche, zu lockern. Dabei solle die Umsatzschwelle, ab der Fusionen in
der Branche angemeldet werden müssen, verdoppelt werden. Zudem
sollen auch marktbeherrschende Fusionen möglich werden, wenn dabei
die Selbstständigkeit der jeweiligen Redaktionen gesichert bleibt
und wenn ein Altverleger oder ein Dritter mit einer Sperrminorität
an den Titelrechten beteiligt bleibt.
Bettin fürchtet ebenso wie Kartellamtschef Ulf Böge Gefahren
für die Pressevielfalt durch Clements Pläne. "Wir haben eher
zu wenig Pressevielfalt als zu viel", sagte sie der FTD. "Wir arbeiten
daran, dass Minister Clement unsere Änderungswünsche im
Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt."
Wend teilt nach eigenen Worten nicht die grundsätzliche Kritik an
dem Gesetzentwurf, würde sich aber auch die eine oder andere
Verbesserung wünschen. Er könnte sich etwa vorstellen, dass
für Verlage ein Verbot eingeführt wird, sich an
Presse-Grossisten zu beteiligen oder eine Mehrheit an ihnen zu
erwerben, sagte er Reuters. Andererseits halte er es aber angesichts
der wirtschaftlichen Krise auf dem Pressemarkt für angemessen, die
Fusionskontrolle in diesem Bereich zu lockern, um nicht ein weiteres
Zeitungssterben zu riskieren.
In Regierungskreisen hieß es, es könnte für Clement
angesichts vielfältiger Kritik nicht ganz einfach werden, sein
Gesetzesvorhaben im Parlament durchzusetzen. Sein Ministerium selbst
erklärte, derzeit werde daran gearbeitet, die Stellungnahmen zu
dem Referentenentwurf mit Blick auf den endgültigen Gesetzentwurf
sorgfältig auszuwerten. Das Vorhaben solle weiterhin im März
vom Kabinett behandelt werden.
(Quelle: rtr)
Experten kritisieren Selbstkontrolle der Medien
Di.24.02.04 - Medienwissenschaftler und Journalisten haben die bestehende
Selbstkontrolle der Medien kritisiert. Der Presserat solle seine
Entscheidungsfindung über Medienrügen öffentlich bekannt
machen, forderte der Vorsitzende der Journalistenorganisation "netzwerk
recherche", Thomas Leif, am Sonntag bei einer Fachtagung in
Schmitten/Ts. in der Evangelischen Akademie Arnoldshain. Der 1973 von
Journalistenverbänden und Verlegern als ethische Richtschnur
verfasste Pressekodex sollte präzisiert werden.
Die Journalistikwissenschaftler Horst Pöttker (Dortmund) und
Professor Michael Haller (Leipzig) unterstützten die Forderung
nach öffentlichen Verfahren des Presserats. Ein am Freitag in
München gegründeter "Verein zur Förderung der
publizistischen Selbstkontrolle" wolle den Rügen mehr
Öffentlichkeit verschaffen, sagte Pöttker. Eine
öffentliche Entscheidungsfindung des Presserats würde zu
Fensterreden der Beteiligten führen, widersprach Manfred Protze,
Presserats-Mitglied und Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union.
Die Selbstkontrolle der Medien durch den Presserat bewahrt nach den
Worten von Protze vor einer Fremdkontrolle, die die Pressefreiheit
gefährden würde. Die Pressefreiheit schließe allerdings
aus, dass der Rat die Veröffentlichung von Rügen anordnen
könne. Die Arbeit des Presserats habe sich bewährt, stimmte
der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands,
Volker Hummel, zu. Neben dem Pressekodex sollte eine "Charta
Qualität" entwickelt werden.
Die Fachtagung "Ethik und Qualitätsstandards im Journalismus"
wurde organisiert vom "netzwerk recherche" und der Akademie Arnoldshain
unter Beteiligung der Evangelischen Medienakademie Berlin, des
Evangelischen Medienhauses Frankfurt, des Südwestrundfunks und der
Zentralen Fortbildung von ARD und ZDF.
(Quelle: epd)
netzwerk recherche:
http://www.netzwerkrecherche.de