Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertvierundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Armee schoss in Irak angeblich auf Verletzte +++ US-Hubschrauber in
Irak abgestürzt +++ Turkmenen demonstrieren in Bagdad für
mehr politische Mitsprache +++ Islamisten-Organisation bekennt sich zu
Anschlag von Kirkuk +++ Schröder: Keine deutschen Kampftruppen in
Irak - Schäuble fordert Beteiligung der Bundeswehr an
möglichem NATO-Einsatz im Irak
Do.26.02.04 - US-Soldaten haben laut einem Bericht des ARD-Magazins "Panorama" in
Irak auf Verwundete geschossen. Wie die "Panorama"-Redaktion des
Norddeutschen Rundfunks (NDR) mitteilte, liegen ihr Videos vor, die
dies belegen. Der für die US-Stiftung der Vietnam-Veteranen
tätige US-General Robert G. Gard nannte die Vorfälle
"unentschuldbare Morde". Der Hamburger Völkerrechtler Stefan Oeter
sagte, das Schießen auf Verwundete wäre ein
"Kriegsverbrechen".
Einer der beiden dokumentierten Fälle ereignete sich laut
"Panorama" am 1.Dezember 2003 nördlich von Bagdad. Luftaufnahmen
aus der Zielkamera eines Apache-Hubschraubers der
4.US-Infanteriedivision zeigten demnach, wie drei Menschen am Boden "sich
nachts neben zwei Fahrzeugen treffen und einen Gegenstand neben die
Straße legen, den die Soldaten für eine Waffe halten". Die
Hubschrauberbesatzung habe daraufhin über Sprechfunk den Befehl
erhalten, die Menschen zu erschießen. Dabei seien zwei Menschen
getötet worden, der dritte habe sich verletzt auf dem Boden
gewunden. Ein Soldat habe über Funk gefragt, ob er den Verwundeten
auch erschießen solle, woraufhin er den Befehl "Hit him!"
("Erschieß ihn!") erhalten habe. Direkt im Anschluss sei auf den
Verwundeten geschossen worden; insgesamt seien fast hundert
Schüsse gefallen.
Der zweite Vorfall wurde laut "Panorama" am 8. April 2003 von einer
Kamera des Fernsehsenders CNN aufgenommen. Das Filmmaterial zeige eine
Einheit der US-Marines, die während der Durchsuchung eines
Industriegebiets einen vorher bereits schwer verwundeten Iraker
erschießt. Danach sei auf dem Video Jubel der US-Soldaten zu
hören. Das US-Verteidigungsministerium habe sich zu einer Anfrage
von "Panorama" nicht äußern wollen, hieß es in der
Mitteilung der Redaktion.
Beim Absturz eines US-Militärhubschraubers sind am Mittwoch in
Irak beide Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Der Helikopter vom
Typ OH-58 Kiowa stürzte am frühen Nachmittag nahe der Stadt
Haditha 200 Kilometer westlich von Bagdad ab, wie ein
Militärsprecher mitteilte. Ein Augenzeuge erklärte, eine
Rakete habe den Hubschrauber getroffen.
Der Hubschrauber-Absturz war mindestens der 15. eines US-Helikopters
seit Beginn der amerikanischen Besatzung im Mai. Die meisten Maschinen
wurden abgeschossen, mindestens 60 Amerikaner kamen dabei ums Leben.
In der nordirakischen Stadt Mossul wurde am Mittwoch der
stellvertretenden Polizeichef erschossen. Nach Polizeiangaben
eröffneten Angreifer aus einem Auto heraus das Feuer auf
Brigadegeneral Hikmat Mohammed, als dieser auf dem Weg zu seinem
Büro war.
Eine bislang unbekannte islamistische Organisation hat sich zu dem
Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache im nordirakischen Kirkuk
bekannt, bei dem am Montag acht Polizisten getötet und zahlreiche
Menschen verletzt worden waren. Die Polizei von Kirkuk teilte am
Mittwoch mit, sie sei im Besitz eines Bekennerschreibens der "Katajeb
el Mudschaheddin" (Heerscharen der Mudschadeddin), in dem die Gruppe
mit weiteren Anschlägen gegen Iraker drohe, die mit den
Besatzungsmächten zusammenarbeiteten. "Jeder Iraker, der die
Amerikaner unterstützt, wird mit dem Tod bestraft. Moslems
dürfen nicht den Amerikanern dienen. Euer Geist ist von den
Dollars korrumpiert worden", heißt es demnach in dem Schreiben.
Bei Latafijah, 40 Kilometer südlich von Bagdad, explodierte am
Mittwoch in der Nähe eines Konvois von Benzinlastern eine Bombe.
Augenzeugen zufolge wurde ein Tankwagen beschädigt, der Fahrer
wurde verletzt. Am späten Dienstagabend töteten Bewaffnete in
Latafijah einen ranghohen Militärführer der Baath-Partei des
früheren Präsidenten Saddam Hussein.
In Bakuba 55 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt wurde am
Mittwoch ein Militärkonvoi angegriffen. Die US-Soldaten nahmen die
fünf beteiligten Iraker fest.
In Bagdad demonstrierten am Mittwoch rund 4.000 Menschen für die
Verankerung von Rechten der Turkmenen in der Interimsverfassung, die
derzeit ausgearbeitet wird. "Wir glauben, dass die neue Verfassung die
Turkmenen als drittgrößte Volksgruppe in Irak anerkennen
sollte", sagte einer der Organisatoren, Kanaan Schakir. "Wir sind gegen
jeden ethnischen Föderalismus. Irak war immer ein vereintes Land
mit einem Volk." Die kurdische Reformbewegung von Kurdistan gab
unterdessen bekannt, sie habe 1,7 Millionen Unterschriften für
eine Petition gesammelt, in der ein Referendum über eine
Unabhängigkeit der Kurdengebiete gefordert wird.
Die Fertigstellung der Interimsverfassung könnte sich nach Angaben
des amerikanischen UN-Botschafters John Negroponte verzögern.
Negroponte sagte am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York, der
irakische Verwaltungsrat werde die Verfassung möglicherweise nicht
wie vereinbart zum 28. Februar vorlegen.
Unmittelbar vor seiner USA-Reise hat Bundeskanzler Gerhard
Schröder erneut einen Einsatz deutscher Soldaten in Irak
ausgeschlossen. "Wir werden keine Kampftruppen in den Irak schicken",
sagte Schröder am Mittwoch in einem Interview mit dem
Norddeutschen Rundfunk. Auch der Einsatz von NATO-Soldaten sei nicht in
Sicht, da es noch keine legitimierte irakische Regierung gebe.
Schröder bekräftigte die Bereitschaft Deutschlands, sich an
einem Schuldenerlass für Irak "substanziell" zu beteiligen. Summen
wollte er nicht nennen. Die Entscheidung müsse im Pariser Club
fallen. Irak hat bei den 19 in dem Club zusammengeschlossenen
Gläubigerstaaten 40 Milliarden Dollar (rund 32 Milliarden Euro)
Schulden.
Schröder sagte, Deutschland sei kooperationsbereit, "aber wir
haben nichts zu verschenken". Er wies darauf hin, dass die Diskussion
über einen Schuldenerlass für Irak von ihm begonnen worden
sei. Die dem Land zugesagten Hilfsmittel müssten in den
Wiederaufbau und nicht in die Schuldentilgung fließen, sagte der
Kanzler.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) hat eine Beteiligung
der Bundeswehr an einem möglichen NATO-Einsatz in Irak gefordert.
Deutschland solle im Rahmen seiner Möglichkeiten Verantwortung
für die Entwicklung im Irak übernehmen, sagte Schäuble
der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). Er fügte
hinzu: "Wer multilateral mitentscheiden will, der muss auch
multilateral etwas zu den Lösungen beitragen."
Schäuble forderte, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) solle
US-Präsident Präsident George W. Bush bei seinem Besuch in
Washington am Freitag eine "verlässliche Partnerschaft" anbieten.
"Die Haltung, nichts gegen einen NATO-Einsatz in Irak zu haben, aber
selbst nichts dazu beitragen zu wollen, das geht nicht", betonte
Schäuble. Wenn Deutschland integrierte internationale
Verbände wie die der NATO wolle, dann müsse es sich auch an
Einsätzen beteiligen.
(Quelle: afp, ap, ddp)
In der irakisch-kurdischen Stadt will ein Projekt die Rechte der Frauen
stärken. Doch der Regierungsrat hat erst einmal die Scharia
eingeführt...
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/26/a0121.nf/text
|
Greenspan fordert massive Ausgabenkürzungen im US-Haushalt
Do.26.02.04 - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die Regierung und den Kongress im
Jahr der Präsidentenwahl angesichts eines ausufernden
Budgetdefizits zu massiven Ausgabenkürzungen gedrängt.
Der wachsende Fehlbetrag im US-Haushalt in Höhe von mehr als einer
halben Billion Dollar berge die Gefahr steigender langfristiger Zinsen,
warnte Greenspan am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem
Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses. Zugleich wandte er
sich vehement gegen Steuererhöhungen als einer Möglichkeit
den künftigen Verpflichtungen des Staates für die
Sozialversicherung und das Gesundheitswesen nachzukommen. Höhere
Steuern stellten eine Gefahr für die weltgrößte
Volkswirtschaft dar, deren Aussichten im Prinzip gut seien.
"Der spezielle Punkt, an dem wir sehr vorsichtig sein sollten, ist der,
an dem die Erwartung eines ausufernden Defizits im nächsten
Jahrzehnt beginnt, sich auf die derzeitigen langfristigen Zinsen
auszuwirken", sagte Greenspan. In unmittelbarer Zukunft sei ein Anstieg
der Zinsen allerdings nicht zu erwarten. Bei steigender Neuverschuldung
des Staates werden für die Privatwirtschaft langfristig die
Kreditkosten teurer, was die Konjunktur belasten kann. Der von der
US-Notenbank (Fed) festgelegte Leitzins liegt mit 1,00 Prozent derzeit
zwar auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren. Mit ihrer
Geldpolitik kann die Fed aber im Prinzip nur auf die kurzfristigen
Geldanlagen und Kredite Einfluss nehmen, die langfristigen Zinsen
hängen dagegen stark von den Erwartungen der Marktteilnehmer ab.
Greenspan drängte die Regierung und den Kongress, eher die
Ausgaben zu beschränken als die Steuern zu erhöhen, da
letzteres erhebliche konjunkturelle Gefahren mit sich bringe. "Die
genaue Größenordnung dieser Risiken ist sehr schwer
abzuschätzen, aber sie sind groß genug, um Sorgen zu
bereiten (...)", sagte der wichtigste Notenbanker der Welt. Er forderte
vielmehr, die Steuersenkungen der Regierung in dreistelliger
Milliardenhöhe dauerhaft festzuschreiben, weil sie der Wirtschaft
langfristig Impulse gäben. Höheres Wirtschaftswachstum
führe dann auch wieder zu mehr Einnahmen in der Staatskasse.
Im Jahr der Wahl steht US-Präsident George W. Bush unter hohem
Druck, einerseits eine solide Finanzpolitik vorzuweisen, aber
andererseits mit Ausgabenkürzungen nicht bestimmte
Wählergruppen zu verprellen. In den vergangenen Jahren hat er mit
Steuersenkungen die Wirtschaft massiv unterstützt, was jedoch
zugleich zu einer drastischen Ausweitung des Defizits geführt hat.
Im laufenden Jahr erwarten die USA nach einem Rekordfehlbetrag 2003 ein
Minus von mehr als 500 Milliarden Dollar.
Greenspan warnte, auf den US-Haushalt kämen weitere
beträchtliche Belastungen zu, wenn ab 2008 die geburtenstarken
Jahrgänge der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich in
den Ruhestand gingen. Der Gesetzgeber sollte sich überlegen,
angesichts der höheren Lebenserwartungen der Menschen die
Lebensarbeitszeit zu erhöhen und Rentnern weniger
großzügige Leistungen zuzusichern. "Diese dramatische
demographische Änderung wird sicher enorme Anforderungen an die
Ressourcen unserer Nation stellen - Anforderungen, die wir mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht werden erfüllen
können, wenn nicht gehandelt wird", sagte der Fed-Chef. "Aus einer
Vielzahl von Gründen sollte so rasch wie möglich gehandelt
werden."
Dem Kongress biete sich angesichts der Stärke der US-Wirtschaft
eine günstige Gelegenheit, jetzt die Budget-Problematik anzugehen.
"Die jüngsten Indikatoren lassen den Schluss zu, dass die
Wirtschaft stark in das Jahr 2004 gestartet ist und die Aussichten
für eine weitere nachhaltige Expansion gut sind", sagte Greenspan.
Er warnte jedoch vor der Erwartung, allein durch
Produktivitätssteigerungen das Defizit abbauen zu können.
"Ich bezweifele, dass wir ein Szenario finden, das uns erlaubt, aus den
Defiziten herauszuwachsen."
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Bush will Verteidigungsbudget kräftig erhöhen - Rekorddefizit
Di.03.02.04 - Budget für Verteidigung soll um 7,1 Prozent wachsen - Für das Pentagon
402 Milliarden Dollar vorgesehen +++ 521
Milliarden Dollar Defizit in 2004 erwartet - Bush macht den
Antiterrorkampf und die milde Rezession 2001 für das Defizit
verantwortlich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402030.htm#04020302
US-Bericht kritisiert Menschenrechtslage in zahlreichen Ländern
Do.26.02.04 - Das US-Außenministerium hat sich besorgt über
Wahlmanipulationen in Russland, einem Rückfall für die
Bürgerrechte in China und «schwere
Menschenrechtsverstöße israelischer Sicherheitskräfte
gegen palästinensische Gefangene» geäußert. In
dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht zur Lage der
Menschenrechte in der Welt wurden ferner Nordkorea, Iran,
Saudia-Arabien und Kuba kritisiert. In Irak und Afghanistan wurden
hingegen Verbesserungen gelobt.
«Wir haben viele Entwicklungen beobachtet, die die ganze
Bandbreite vom Positiven bis zur Enttäuschung abdecken»,
heißt es in der Studie. Die russischen Behörden hätten
die Präsidentenwahl in der nach Unabhängigkeit strebenden
Republik Tschetschenien manipuliert und auch die Dumawahl im Dezember
habe internationale Standards nicht erfüllt. Finanzielle
Unterstützer von Oppositionsparteien und
Nichtregierungsorganisationen würden bedroht und der Druck auf die
Medien sei hoch, was zur Beseitigung des letzten nichtstaatlichen,
landesweiten Fernsehnetzwerks geführt habe. Die Zivilgesellschaft
sei geschwächt «und Fragen über die
Rechtsstaatlichkeit» seien aufgetaucht. Positiv wurden
Fortschritte im Justizsystem vermerkt. Dem stünden aber Korruption
und ungebührliche Einflussnahmen von Regierungsseite
gegenüber.
In China habe die Verhaftung von demokratischen Dissidenten Hoffnungen
zerstört, der in 2002 erreichte «beispiellose»
Fortschritt werde fortgesetzt. Israelischen Truppen wurde vorgeworfen,
exzessive Gewalt gegen zivile palästinensische Gebiete angewandt
zu haben. Allerdings hätten auch palästinensische
Sicherheitskräfte zusammen mit zivilen und terroristischen Gruppen
Israelis angegriffen.
Nordkorea wird als einer der am meisten militarisierten Staaten der
Welt bezeichnet. Es habe dort 2003 außergerichtliche Exekutionen,
Folter und Misshandlung von Gefangenen, erzwungene Geständnisse,
willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen, Isolierhaft und
Verweigerung eines fairen Verfahrens gegeben. In Iran habe sich die
Menschenrechtslage verschlimmert, es gebe dort summarische Exekutionen,
Menschen verschwänden, würden gefoltert oder
entwürdigend behandelt. Auch aus Saudi-Arabien gebe es weiterhin
«glaubwürdige Berichte, dass Sicherheitskräfte
Gefangene foltern und misshandeln». Auch in Kuba hätten die
Menschenrechtsverletzungen zugenommen. So seien dort im vergangenen
März 75 Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Oppositionelle
verhaftet worden.
Der unter Führung der USA gewonnene Krieg in Irak habe im
vergangenen April «jahrelange schwere Menschenrechtsverletzungen
durch das Regime von Saddam Hussein» beendet, hieß es
weiter. Die Verabschiedung einer «gemäßigten
Verfassung» in Afghanistan gehöre zu einer
«dramatischen Verbesserung» für Demokratie und
Menschenrechte seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Drei Tote bei Schießerei am israelischen Grenzübergang
Eres +++ Israel und Palästinenser bereiten Gipfeltreffen vor
+++ Israelische Razzia gegen palästinensische Banken in Ramallah -
US-Regierung kritisieren Erstürmung der Banken +++ Haager
Gerichtshof beendet Anhörung zu Sperranlage - Powell: Grenzwall
kein Hindernis für Nahost-Friedensplan
Do.26.02.04 - Bei einer Schießerei am israelischen Kontrollpunkt Eres sind zwei
bewaffnete Palästinenser aus dem Gazastreifen und ein Israeli
getötet worden.
Die beiden Palästinenser hätten am Morgen das Feuer
eröffnet, berichtete der israelische Rundfunk am Donnerstag. Es
habe einen minutenlangen Schusswechsel gegeben. Als Reaktion auf den
Angriff schlossen die israelischen Behörden den Übergang
Eres, den täglich tausende Palästinenser auf dem Weg zur
Arbeit in einem Industriegebiet nutzen müssen.
Nach israelischen Angaben bekannten sich unterdessen die
Al-Aksa-Brigaden, ein Splittergruppe der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat, zu dem Angriff.
Die israelische und die palästinensische Regierung haben am
Mittwoch weitere Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen getroffen.
Die Bürochefs des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon und
seines palästinensischen Kollegen Ahmed Kureia seien zu neuen
Gesprächen zusammengekommen, teilten beide Seiten am Abend mit.
Das Treffen sei "positiv" verlaufen. Sollte der Gipfel tatsächlich
stattfinden, wäre es die erste Begegnung der Regierungschefs seit
Kureias Amtsantritt im vergangenen Jahr.
Bei Razzien gegen drei palästinensische Banken in Ramallah haben
israelische Sicherheitskräfte angebliche Terrorgelder in
Millionenhöhe beschlagnahmt. Insgesamt seien bei der Aktion etwa
6,6 Millionen Euro von 400 Konten konfisziert worden, berichtet der
israelische Rundfunk. Ein Großteil des Geldes stamme von der
libanesischen Hisbollah und von Organisationen mit Sitz in Syrien und
Iran. Das Geld solle nun für humanitäre palästinensische
Projekte verwendet werden. Die Razzia des Geheimdienstes Schin Bet, der
Polizei und der Streitkräfte war die bislang umfangreichste gegen
Finanzinstitute seit Beginn der Intifada.
Die US-Regierung kritisierte die Erstürmung der Banken: Die
Massnahmen könnten das Bankensystem in den Autonomiegebieten
destabilisieren, sagte US-Aussenamtssprecher Richard Boucher am Mittwoch
in Washington.
US-Aussenamtssprecher Boucher erklärte, die US-Regierung wisse um
die Notwendigkeit, die Finanzierung von Terrororganisationen zu
stoppen. Aber dabei müsse Israel eng mit der
palästinensischen Finanzbehörde zusammenarbeiten.
Palästinensische Regierungsmitarbeiter warfen Israel vor, mit den
Razzien gegen Bankabkommen verstossen zu haben. Die Massnahmen
könnten dazu führen, dass Tausende Palästinenser ihre
Konten auflösen.
Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat seine Anhörung zur
israelischen Sperranlage abgeschlossen. Zu welchem Zeitpunkt das
Gericht seine Entscheidung verkünden werde, werde später
bekannt gegeben, sagte der Vorsitzende Richter Shi Jiyong in Den Haag.
Ein ranghoher israelischer Militär sagte, die Gesamtlänge der
Sperranlage zum Westjordanland werde um 80 Kilometer reduziert.
Als letzte Parteien äußerten sich die Arabische Liga und die
Organisation der Islamischen Konferenz. "Die Mauer steht nicht zwischen
Terroristen und potenziellen Opfern, sondern zwischen dem Bauern und
seinem Land (...), dem Kind und seiner Schule, dem Patienten und dem
Arzt, zwischen Familien, die sich vereinen wollen und zwischen dem
Gläubigen und seinen heiligen Stätten", sagte der Verteter
der Arabischen Liga, Michael Bothe. Die Sperranlage zerstöre die
Aussicht auf einen "fairen und dauerhaften Frieden".
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte den Gerichtshof im
Dezember angerufen, ein Gutachten über die
Rechtmäßigkeit der Sperranlage zu erstellen. Israel
boykottiert das Verfahren. 16 Staaten und Organisationen hatten sich
bereit erklärt, vor dem IGH Stellung zu beziehen. Die USA und die
EU-Staaten lehnten dies ab, weil sie ein juristisches Verfahren zum
Sperrwall für unangemessen halten.
Mit der Verkürzung des Sperrwalls würde die Anlage noch 640
Kilometer lang sein. Die Zeitung "Haaretz" berichtete unter Berufung
auf den israelischen General Eran Ophir, die Sperranlage solle in der
Nähe des Jerusalemer Ben-Gurion-Flughafens und der Straße
zwischen Jerusalem und Modiin verkürzt werden. Durch die
Änderungen würde verhindert, dass zehntausende
Palästinenser vom Westjordanland abgeschnitten würden.
Israel bezeichnet den Zaun als Schutzmaßnahme zur Abwehr von
Selbstmordattentätern; die Palästinenser kritisieren, dass er
zum Teil tief in Palästinensergebiet hineinreicht. Auf 37
Kilometer Länge soll die Sperranlage als Betonmauer errichtet
werden, ein Großteil davon soll in der Region Jerusalem stehen.
Am Dienstag begann Israel mit den Bauarbeiten an einem neuen, 42
Kilometer langen Abschnitt im Nordwesten des Westjordanlands.
US-Außenminister Colin Powell hat derweil die Auswirkungen der
israelischen Sperranlage auf den Nahost-Friedensprozess als gering
eingestuft. Die Anlage sei "kein unüberwindbares Hindernis bei der
Fortsetzung der Diskussion über die Road Map", sagte Powell in
einem Interview des arabischsprachigen Fernsehsenders Alhurra, von dem
am Mittwoch eine Abschrift veröffentlicht wurde.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Israel mauert sich derzeit selbst ein. Das zeugt von einer fatalen
Ghettomentalität. Nur wenn wir dieses Denken überwinden, hat
der Frieden im Nahen Osten eine Chance...
Mehr in "Der falsche Weg nach Westen" von Dan Bar-On ,
"tageszeitung vom 26.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/26/a0195.nf/text
Dan Bar-On wurde 1938 in Haifa als Sohn deutsch-jüdischer
Immigranten geboren. Er ist Professor für Psychologie an der
Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva. Zuletzt erschien das Buch:
"Die ,Anderen' in uns. Dialog als Modell der interkultuellen
Konfliktbewältigung" (Edition Körber-Stiftung)
Mehr zum Thema "Grenzwall" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402090.htm#040209_a
|
Fünf Helfer in Afghanistan getötet - Karsai erwägt
Treffen mit ehemaligem Taliban-Außenminister
Do.26.02.04 - Bei einem Überfall in Afghanistan sind fünf einheimische
Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation getötet
worden. Bewaffnete hätten die Afghanen in ihrem Wagen auf einer
Straße in der Provinz Kapisa etwa 50 Kilometer nordöstlich
von Kabul angegriffen, teilte Innenminister Ali Ahmad Dschalali mit.
Insgesamt acht Mitarbeiter der Organisation seien am Mittwochnachmittag
in das Dorf Osbin im Bezirk Tagab gefahren. Fünf von ihnen seien
auf der Stelle tot gewesen, zwei weitere seien verletzt in die
Hauptstadt gebracht worden. Von einem Mitarbeiter fehle seither jede
Spur. Die Gruppe war für eine ausländische Organisation im
Rahmen eines Programms des Ministeriums für ländliche
Entwicklung unterwegs.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai erwägt ein Treffen mit
dem früheren Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Muttawakil.
Präsidentensprecher Dschawed Ludin bestätigte am Mittwoch
entsprechende Aussagen Karsais vom Wochenende. Der Präsident hatte
erklärt, Muttawakil habe ihm einen "netten Brief" geschrieben und
um ein Gespräch gebeten. Er denke über eine Zusage nach, um
ehemalige Taliban-Anhänger wieder in die afghanische Gesellschaft
zu integrieren. Ludin sagte, es gebe noch keine definitiven Pläne
für ein Treffen. Karsai hat frühere Anhänger der Taliban
mehrfach aufgefordert, zu einem normalen Leben zurückzukehren.
Muttawakil galt als gemäßigt und war im Oktober aus
amerikanischer Haft entlassen worden.
Unterdessen traf US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im
südafghanischen Kandahar ein. Im Laufe des Tages wollte er in
Kabul Präsident Hamid Karsai treffen.
(Quelle: afp, ap)
Iran weist Bericht über Polonium-Fund als Missverständnis
zurück
Do.26.02.04 - Die iranische Regierung hat einen Bericht über die Aufdeckung
weiterer nicht deklarierter Atomversuche als Missverständnis
zurückgewiesen. Die vermeintlich neuen Experimente seien
längst bekannt gewesen, sagte Außenamtssprecher Hamid Resa
Asefi am Mittwoch in Teheran. Das Missverständnis werde sich in
Kürze aufklären, und die Inspektionen der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) würden beweisen, dass das iranische
Nuklearprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken diene.
Laut einem Bericht an das IAEA-Direktorium vom Dienstag fanden
Kontrolleure in Iran Hinweise auf das radioaktive Element Polonium,
dass zur Einleitung atomarer Kettenreaktionen eingesetzt werden kann.
Iran habe die Verwendung von Polonium in seinen Berichten an die IAEA
nicht deklariert, hieß es. Das Element kann auch zur
Stromerzeugung eingesetzt werden.
Kontrolleure der IAEA hatten bereits Mitte des Monats in Iran nicht
deklarierte Modelle für eine Zentrifuge zur Urananreicherung
entdeckt. Teheran hatte im vergangenen Jahr auf internationalen Druck
weitgehende Kontrollen erlaubt und das Aussetzen der Urananreicherung
zugesagt. Die IAEA verhandelt mit der iranischen Regierung aber noch
darüber, welche Maßnahmen unter den Begriff
«Aussetzen» fallen müssen.
(Quelle: ap)
Keine erkennbare Bewegung bei Atomgesprächen mit Nordkorea
Do.26.02.04 - Die Sechs-Nationen-Gespräche über eine Beendigung des
nordkoreanischen Atomwaffenprogramms treten auf der Stelle. Die
Vertreter Nord- und Südkoreas, der USA, Chinas, Japans und
Russlands gingen in Peking nach vier Stunden ohne Vereinbarung
auseinander. Ob die Gespräche fortgesetzt werden, blieb offen.
Ebenso ist unklar, ob eine ständige Arbeitsgruppe ins Leben
gerufen wird.
Zum Auftakt der Verhandlungen am Mittwoch war es zu einem ersten
bilateralen Austausch von Spitzenvertretern der USA und Nordkoreas
gekommen. Es war der ranghöchste Kontakt zwischen beiden Seiten
seit Beginn der Krise vor 16 Monaten. Washington besteht darauf, dass
Nordkorea sein Atomprogramm umgehend aufgibt. Pjöngjang fordert
jedoch zunächst wirtschaftliche und humanitäre Hilfe sowie
die Zusicherung, dass die USA das Land nicht angreifen werde
(Quelle:dpa, ap)
UNO beruft Dringlichkeitssitzung zu Haiti ein
Do.26.02.04 - Angesichts der dramatischen Lage in Haiti hat der UN-Sicherheitsrat
für heute eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Rebellen
kündigten an, Präsident Jean Bertrand Aristide festnehmen und
wegen Hochverrats und Mordes anklagen zu wollen. US-Präsident
George W. Bush warnte unterdessen die Haitianer, vor der Gewalt in
ihrer Heimat Zuflucht in den USA zu suchen. Die Küstenwache fing
ein Schiff mit haitianischen Flüchtlingen vor Florida ab.
In einer Stellungnahme verurteilte der Sicherheitsrat die anhaltende
Gewalt in Haiti. Das Gremium bedauerte die Ablehnung des
internationalen Friedensplans durch die Opposition. Der Plan sei die
"beste Möglichkeit", die Krise "friedlich, demokratisch und
gemäß der Verfassung" beizulegen. Die Dringlichkeitssitzung
soll öffentlich stattfinden. UN-Generalsekretär Kofi Annan
ordnete den Abzug des abkömmlichen UN-Personals aus Haiti an.
Die Aufständischen seien zur Einnahme der Hauptstadt
Port-au-Prince bereit, sagte ihr Kommandeur, der aus dem Exil
zurückgekehrte frühere Polizeikommissar Guy Philippe, in der
von den Rebellen kontrollierten zweitgrößten Stadt Cap
Haïtien. Port-au-Prince sei fast vollständig umzingelt. Sie
seien nur noch nicht vorgerückt, um "dem Frieden noch eine Chance"
zu geben. Sollte Aristide zurücktreten, würden die
Aufständischen ihre Waffen niederlegen, kündigte Philippe an.
Frankreich rückte inzwischen von Aristide ab.
Die Aufständischen, die große Teile Haitis kontrollieren,
nahmen am Mittwoch auch die Schildkröteninsel im Norden Haitis
ein. Die Aufständischen plünderten das Polizeikommissariat
der etwa 50.000 Einwohner zählenden Insel und setzten es
anschließend in Brand. Die Polizisten durften sich vorher in
Sicherheit bringen. Die Schildkröteninsel dient im Handel zwischen
Haiti, den USA und den Bahamas als eine Art Drehscheibe.
Bush wies die US-Küstenwache an, keine Flüchtlinge aus Haiti
in die Vereinigten Staaten zu lassen. Nach Angaben des Abgeordneten
Mark Foley aus Florida bereiten sich die Marine und die
Küstenwache bereits auf einen Ansturm von Flüchtlingen aus
Haiti vor.
Seit Wochen versuchen Aufständische in dem Karibikstaat Aristide
mit Gewalt zum Rücktritt zu zwingen. Sie werfen dem
Präsidenten Machtmissbrauch und Korruption vor.
(Quelle: ap)
Gewalt in Haiti bringt Washington in ein Dilemma
Der Aufstand in Haiti stellt die USA vor eine schwierige Entscheidung:
Entweder sie stützen Präsident Jean-Bertrand Aristide, obwohl
sie ihm Korruption und Gewalt gegen politische Gegner vorwerfen. Oder
sie lassen ihn fallen - und akzeptieren damit, dass ein demokratisch
gewählter Staatschef von Rebellen bedroht und möglicherweise
gestürzt wird.
Es könnte noch schlimmer kommen: Falls sich die Unruhen zu einem
regelrechten Bürgerkrieg ausweiten oder eine Hungersnot ausbricht,
könnten die USA kaum tatenlos zusehen. Schon deshalb, weil in
Haiti Tausende US-Bürger leben. Zudem müsste Florida im Falle
eines Bürgerkriegs mit einer Flüchtlingswelle aus dem
Karibikstaat rechnen.
Offiziell gibt es keine Pläne für eine militärische
Intervention, zumal die US-Streitkräfte mit den Einsätzen in
Irak und Afghanistan alle Hände voll zu tun haben. Trotzdem ist
eine Truppenentsendung nach Haiti nicht auszuschließen, glaubt
der republikanische Senator Mike DeWine. «Wir werden alle
notwendigen Schritte ergreifen müssen, möglicherweise auch
militärische.»
Einen von Washington unterstützten internationalen Friedensplan
lehnte die haitianische Opposition am Dienstagabend ab. Die darin
vorgesehene Regierungsbeteiligung ist ihr zu wenig, sie fordert den
Rücktritt Aristides.
Die Chancen für einen Kompromiss stehen schlecht, meint Bernard
Aronson, der in der Regierung von George Bush senior die
Lateinamerika-Abteilung des Außenministeriums leitete. Denn noch
weniger als die Oppositionsparteien sähen die Rebellen im Norden
Haitis eine Notwendigkeit, sich mit Aristide zu arrangieren: «Die
bewaffnete Opposition riecht Schwäche und glaubt, dass sie ihn
loswerden kann», sagt Aronson.
Die heimische Opposition wirft der US-Regierung bereits vor, sie wisse
nach dem Scheitern des Friedensplans nicht weiter. Nachdem
Lateinamerika-Staatssekretär Robert Noriega am Dienstag einer
Gruppe Senatoren über seine Vermittlungsversuche Bericht erstattet
hatte, spottete der Demokrat Christopher Dodd: «Wir haben nichts
zu sagen, aber wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln» -
das sei die Botschaft der Regierung. «Es gibt keine
Strategie», schlussfolgerte Dodds Kollege Bill Nelson. Die
Zurückhaltung der Regierung laufe darauf hinaus, Aristide aus dem
Amt zu drängen.
Dabei waren es die USA, die dem einstigen Hoffnungsträger weiter
Teile der haitianischen Bevölkerung 1994 nach einem Putsch wieder
an die Macht verhalfen. Seit der von Manipulationen überschatteten
Parlamentswahl im Jahr 2000 wird seine Amtsführung von Washington
allerdings ausgesprochen kritisch beurteilt.
Einen gewaltsamen Sturz des haitianischen Präsidenten könnten
die USA dennoch nur schwerlich akzeptieren. Dies liefe dem
erklärten Grundsatz zuwider, die Demokratie in Lateinamerika
fördern zu wollen.
Am Dienstag verlautete aus US-Regierungskreisen, man werde sich
möglicherweise für den Einsatz einer UN-Friedenstruppe in
Haiti einsetzen. Bedingung dafür sei allerdings, dass Regierung
und Opposition in Port-au-Prince zunächst ein Abkommen
schlössen.
So lange könne man nicht warten, kontern Kritiker. «Wenn wir
auf eine politische Lösung warten, nehmen wir hin, dass noch
etliche Menschen getötet werden», sagte der Demokrat Bob
Graham in einer Senatssitzung. Zudem wäre die nationale Sicherheit
der USA bedroht, wenn Haiti in die Hände «von bewaffneten
Banden, Drogendealern und Schurken» fiele, warnte Graham.
Wie seine Parteifreunde Dodd und Nelson spricht sich Graham für
die Entsendung einer Polizeitruppe nach Haiti aus, entweder durch die
USA allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Staaten. Der
amerikanischen Bevölkerung wäre ein weiterer Auslandseinsatz
allerdings nur schwer zu vermitteln. Die US-Regierung würde es
gerne bei den 50 Marine-Infanteristen belassen, die zur Bewachung der
amerikanischen Botschaft nach Haiti entsandt wurden.
Quelle: ap, 25.02.04
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#040225_d
|
BBC: Brutales Massaker in Kongo
Do.26.02.04 - Im Süden der Demokratischen Republik Kongo haben Milizionäre
offenbar mindestens 100 Menschen brutal ermordet. Wie der britische
Sender BBC am Dienstag berichtete, werden Kämpfer von General
"Chinja Chinja" für den Angriff verantwortlich gemacht. Er werde
auch "The Ripper" genannt und sei der letzte Rebellenführer in der
Provinz Katanga, der sich nicht der neuen kongolesischen Armee
anschließen wolle. Auf gemeinsame Streitkräfte hatten sich
die Regierung und Rebellengruppen in einem Friedensabkommen geeinigt.
Die Angreifer gingen den Angaben zufolge mit äußerster
Grausamkeit vor. Sie schnitten ihren Opfern angeblich die
Geschlechtsteile ab und füllten ihr Blut in Flaschen. Über
Fälle von Kannibalismus war in Kongo bereits in der Vergangenheit
berichtet worden.
In Kongo sind den Angaben zufolge rund 10.000 UN-Blauhelme zur
Überwachung des Friedensprozesses stationiert. Der UN-Sprecher
Hamidoun Toure kündigte laut BBC eine Untersuchung des Vorfalls
an.
(Quelle: epd)
Kongo steht am Rand eines neuen Krieges
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/26/a0118.nf/text
49 Tote nach Überfall auf nigerianische Kleinstadt
Do.26.02.04 - Bei einem Überfall auf eine Kleinstadt in Nigeria haben bewaffnete
Bandenmitglieder mindestens 49 Menschen getötet. Das Massaker
folgte auf einen Streit am Vortag, wie der örtliche Polizeichef
sagte. Die meisten Menschen seien in einer Kirche in Yelwas im Zentrum
des Landes niedergemetzelt worden; in dem Gotteshaus hätten sie
zuvor Zuflucht gesucht.
Bei den Angreifern handele es sich vermutlich um Nomaden der Fulani.
Auch Polizisten und Soldaten hätten das Töten nicht
verhindern können. Es müsse mit weiteren Toten gerechnet
werden, weil es noch immer vereinzelte Kämpfe gebe, sagte der
Polizeichef weiter. Ein Armeesprecher in der Provinzhauptstadt Jos
sagte, nach der Aufstockung der Sicherheitskräfte durch Soldaten
sei die Lage allmählich unter Kontrolle.
In Zentral-Nigeria kommt es häufiger zu bewaffneten
Auseindersetzungen zwischen Farmern und Nomaden. Dabei geht es meist um
Land. Zudem sind die Gemeinden in der Region geprägt von einer
starken ethnischen und religiösen Zersplitterung. Yelwa liegt in
der Region Shendam rund 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Abuja.
(Quelle: afp)
Mindestens neun Tote bei blutigen Protesten in Uganda
Do.26.02.04 - Gewaltsame Ausschreitungen bei einem Massenprotest gegen den
Bürgerkrieg im Norden Ugandas haben am Mittwoch mindestens neun
Menschen das Leben gekostet. Mehrere Gruppen, die sich von den
tausenden Demonstranten in der Stadt Lira absonderten, griffen nach
Berichten von Augenzeugen und Krankenhausmitarbeitern Angehörige
der Volksgruppe der Acholi an und steckten rund 50 Häuser in
Brand. Die Polizei eröffnete das Feuer und erschoss mindestens
zwei Menschen, wie ein AP-Fotograf beobachtete.
Die Demonstranten riefen die Vereinten Nationen auf, das
Blutvergießen in Norduganda zu beenden. Die Regierung von
Präsident Yoweri Museveni forderten sie auf, die von Rebellen
terrorisierte Bevölkerung besser zu schützen. Erst am
Wochenende hatten die Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) ein
Blutbad in einem Flüchtlingslager angerichtet. Museveni bezifferte
die Zahl der Toten zunächst auf 84, jüngste Schätzungen
gingen aber von rund 250 Opfern aus.
Das ugandische Parlament erklärte den Norden des Landes am
Mittwoch zur Krisenregion. Die Abgeordneten riefen die internationale
Gemeinschaft zur Unterstützung bei der Beendigung des
Bürgerkriegs auf. Die LRA kämpft seit rund 17 Jahren gegen
Museveni, der 1986 nach einem fünfjährigen Buschkrieg an die
Macht kam. Ihre Kämpfer rekrutieren die Rebellen vor allem bei
Überfällen auf Dörfer: Sie haben bereits tausende Kinder
und Jugendliche entführt und an die Waffe gezwungen. Mädchen
werden als Konkubinen misshandelt. Aus Furcht vor Entführung
suchen vor allem Jugendliche jede Nacht Schutz in den Städten.
(Quelle: ap)
Namibias Regierung kündigt Landenteignungen an
Do.26.02.04 - Namibias Ministerpräsident Theo Ben Gurirab hat Landenteignungen
angekündigt. Die Regierung werde in Zukunft die Enteignung gegen
eine faire Entschädigung als Maßnahme zur Landreform
einsetzen. Gurirab rechtfertigte den Kabinettsbeschluss in seiner Rede
an die Nation. Der Prozess der Landverkäufe sei «auf Grund
willkürlich in die Höhe getriebener Landpreise zu langsam
geworden». Seit 1995 habe man Millionen für den Landankauf
zu Umsiedlungszwecken ausgegeben. Dennoch warteten 240 000 Menschen
noch auf Land.
(Quelle: dpa)
EU-Erweiterung: Österreich schottet seinen Arbeitsmarkt ab
Do.26.02.04 - Im Vorfeld der EU-Erweiterung hat Österreich den Zugang für
den Arbeitsmarkt beschränkt. Das am Dienstag vom Kabinett
beschlossene Gesetz soll für maximal sieben Jahre verhindern, dass
Bürger aus acht der neuen EU-Mitgliedsländer mit dem Beitritt
am 1. Mai vollen Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt
erhalten. Arbeitnehmer aus Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen,
Tschechien, der Slowakei und Sloweniens müssen wie bisher eine
Arbeitsgenehmigung beantragen. Ausgenommen sind von der Regelung Malta
und Zypern sowie diejenigen, die beim Beitritt schon länger als
zwölf Monate mit einer Erlaubnis in Österreich arbeiten. Die
EU-Kommission äußerte Besorgnis. Auch in Deutschland
brauchen Bürger aus den Beitrittsländern mit Ausnahme Maltas
und Zyperns zunächst zwei Jahre lang weiter eine
Arbeitsgenehmigung.
(Quelle: afp/taz)
Streit um EU-Betritt der Türkei gewinnt an Schärfe - Mehrheit
der Deutschen gegen Aufnahme der Türkei in
die EU
Do.26.02.04 - Mit dem näher rückenden Europawahlkampf gewinnt der Streit um
eine Aufnahme der Türkei in die EU an Schärfe. Führende
Unionspolitiker wandten sich am Mittwoch nach dem Türkei-Besuch
von Bundeskanzler Gerhard Schröder erneut gegen den Beitritt des
Landes. CSU-Chef Edmund Stoiber warnte beim Politischen Aschermittwoch
in Passau vor den hohen Kosten einer türkischen EU-Mitgliedschaft.
Sein Generalsekretär Markus Söder bekräftigte, das Thema
werde im Europawahlkampf behandelt.
Stoiber kritisierte das Eintreten Schröders für eine Aufnahme
der Türkei in die EU scharf und nannte den Kanzler
«erweiterungsbesessen». Die EU könne nicht
ständig mit armen Ländern erweitert werden. «Das
überfordert uns.» Stoiber sagte weiter: «Ich kann
nicht gleichzeitig Milliarden Euro anderen Ländern versprechen,
aber den Rentnern in Deutschland eine Nullrunde verordnen.» Die
Frage beim EU-Beitritt der Türkei sei: «Wie willst Du's
bezahlen?» Eine in seinem Manuskript enthaltene Passage, die
Mitgliedschaft der Türkei in der EU würde 14 Milliarden Euro
kosten, las Stoiber jedoch nicht vor.
CSU-Generalsekretär Söder sagte in der ARD, die Partei wolle
die Aufnahme der Türkei zum Thema des Europawahlkampfs machen.
«Die Europawahl ist natürlich eine Richtungsentscheidung zum
Beispiel über den Türkei-Beitritt», sagte er. Dann
würden die Grenzen der Europäischen Union bis zum Irak und
Syrien gehen.
Der CSU-Politiker und Vizepräsident des Europaparlaments, Ingo
Friedrich, äußerte im Gespräch mit der
«Bild»-Zeitung die Befürchtung, ein EU-Beitritt der
Türkei wäre faktisch das Ende der
Fördermöglichkeiten für Ostdeutschland. Der
Thüringer SPD-Landesvorsitzende Christoph Matschie forderte
für diesen Fall einen nationalen Ausgleich.
Der bayerische SPD-Chef Ludwig Stiegler warf der CSU vor, sie wolle
«das Volk verhetzen und die Leute irreführen». In den
nächsten zehn Jahren stehe gar keine Entscheidung über den
EU-Beitritt der Türkei an, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Deshalb
sei das Wahlkampftheater der CSU «allein Getöse und eine
Schau», die mit der politischen Wirklichkeit nichts zu tun
hätten.
Die Grünen-Politikerin Claudia Roth würdigte in Berlin, die
Reise von Bundeskanzler Schröder in die Türkei habe dort die
Reformbereitschaft gestärkt. Die Menschenrechtslage habe sich
gebessert, wenn auch weitere Fortschritte notwendig seien. Die Politik
von CDU/CSU, von vornherein einen Beitritt abzulehnen, würde
dagegen den stattfindenden Reformprozess blockieren.
Die Mehrheit der Deutschen ist offenbar gegen eine Aufnahme der
Türkei in die Europäische Union. Nach einer Forsa-Umfrage im
Auftrag des Hamburger Magazins «Stern» und des
Privatsenders RTL lehnen 57 Prozent der Bundesbürger einen
EU-Beitritt ab. 38 Prozent der 1.005 Befragten votierten dafür.
Fünf Prozent zeigten sich noch unentschlossen.
Die FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Silvana Koch-Mehrin,
forderte einen Volksentscheid in Deutschland zu dieser Frage. Die
Erweiterung der EU habe bisher stets unter Ausschluss der
Öffentlichkeit stattgefunden, kritisierte sie in der
«Passauer Neuen Presse». Vor einem EU-Ratsbeschluss zur
Aufnahme von Beitrittsverhandlungen solle der Regierung dieses Mal ein
Mandat mit auf den Weg gegeben werden.
(Quelle: ap)
Zunehmende Forderungen nach Zinssenkung der Zentralbank
Sorge um schädliche Auswirkungen der Euro-Stärke - Der
Euro hat sich zum Dollar in den vergangenen beiden Jahren um gut 40
Prozent verteuert
Do.26.02.04 - Wachsende Sorgen über die schädlichen Auswirkungen der
Euro-Stärke haben vor allem den Druck aus Deutschland auf die
Europäische Zentralbank (EZB) erhöht, die Zinsen zu senken.
Analysten rechnen jedoch mehrheitlich damit, dass die EZB die Zinsen
länger unverändert lässt und sie später im Jahr
sogar erhöht.
Der starke Euro sei ein Problem für die Exportwirtschaft und habe
zu dem Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindexes im Februar
geführt, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am
Mittwoch in einem Interview mit dem NDR. Mit einer Zinsreaktion "sollte
man sich in der Europäischen Zentralbank schon intensivst
befassen."
Auch der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, und
Industrieverbandspräsident Michael Rogowski forderten eine
Zinssenkung der EZB. "Ich würde es befürworten, wenn die EZB
den Zinssatz noch einmal in einer Größenordnung von 0,5
Prozent senken würde, weil ich keine Inflationsgefahren sehe",
sagte Rogowski in einem Interview mit Reuters TV.
Der Euro hat sich zum Dollar in den vergangenen beiden Jahren um gut 40
Prozent verteuert. Trotz der auf den Euro gemünzten Warnung der
sieben wichtigsten Industrieländer vor zu starken
Kursausschlägen Anfang Februar hatte die Währung mit Kursen
über 1,29 Dollar kürzlich ein neues Rekordhoch erreicht. Der
für die Exportwirtschaft ungünstige Wechselkurs trug zu
wieder wachsender Skepsis der Unternehmen bei, so dass sich das
Geschäftsklima in Deutschland und Italien im Februar
eintrübte.
Der Bundeskanzler hält den ersten Rückgang des Ifo-Indexes
seit zehn Monaten allerdings nur für einen Ausrutscher. "Ich sorge
mich nicht um den Aufschwung", sagte der Kanzler. Dennoch sei der Euro
ein Problem. "Dass Anlass besteht, dass - ich sage das mit allem
Respekt vor der Unabhängigkeit der EZB - man dort auch über
Zinsreaktionen nachdenkt, das will ich ... sagen."
BDI-Präsident Rogowski bezeichnete das gegenwärtige Niveau
von rund 1,26 Dollar dagegen als sehr beeinträchtigend. Kurse
über 1,20 Dollar seien kritisch. Das Thema der Wechselkurse
müsse der Bundeskanzler bei seinem bevorstehenden Besuch in den
USA ansprechen. "Das stört den gesamten weltwirtschaftlichen
Prozess." Aus Regierungskreisen hatte es geheißen, Schröder
werde die Dollar-Schwäche bei US-Präsident George W. Bush zur
Sprache bringen.
Auch in Italien wächst die Sorge über die Folgen des hohen
Euro-Kurses. Die Exporte brachen im Januar um fast 15 Prozent ein. Der
Ausfuhrrückgang nach China und in die USA liege an den
künstlich hohen Preisen italienischer Produkte, sagte der
stellvertretende Industrieminister Adolfo Urso. "Deshalb bitten wir um
eine andere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank."
Die meisten EZB-Beobachter rechnen allerdings nicht mit einer weiteren
Zinssenkung. Fast alle der 62 von Reuters befragten Volkswirte gehen
für die nächste geldpolitische Entscheidung am 4. März
von unveränderten Leitzinsen aus. Nach wie vor rechnen vier von
fünf Volkswirten damit, dass die nächste Zinsänderung
eine nach oben sein wird. Nur ein Fünftel der Analysten erwartet
eine weitere Zinssenkung der EZB.
Die Politiker sollten sich mit ihren Forderungen besser
zurückhalten, warnten Volkswirte. "Immer wenn lautstark nach
Zinssenkung gerufen wurde, war die EZB sehr zugeknöpft", sagte
Michael Schubert von der Commerzbank. Für die Notenbank sei dies
eine Gefährdung ihrer politischen Unabhängigkeit. Auch
Jonathan Hoffmann von RBS Financial Markets hält die Rufe nach
Zinssenkungen für kontraproduktiv.
(Quelle: rtr)
Starker Euro bremst im Februar deutsche Inflation
Do.26.02.04 - Der starke Euro hat die Inflation in Deutschland im Februar merklich
gebremst. Vor allem teurere Pauschalreisen sorgten aber dafür,
dass die Lebenshaltungskosten von Januar auf Februar etwas stiegen.
Im Vergleich zum Januar kletterten die Verbraucherpreise in nach
vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes vom
Mittwoch um 0,2 Prozent. Die Jahresteuerung schwächte sich dennoch
auf 0,9 Prozent ab. Daten aus sechs Bundesländern zeigten, dass
Heizöl teilweise mehr als 20 Prozent billiger als vor einem Jahr
war und auch eine Tankfüllung merklich weniger als im Februar 2003
kostete. "Die Euro-Stärke neutralisiert den Effekt des hohen
Ölpreises", sagte Julian von Landesberger von der HypoVereinsbank.
Die Preisentwicklung entsprach der Prognose der von Reuters befragten
Volkswirte. Das Bundesamt berechnet die vorläufige Rate auf Basis
von Daten aus sechs Bundesländern. Im Januar hatte die deutsche
Inflationsrate bei 1,2 Prozent gelegen.
Im Prinzip sorgten vor allem staatliche Regelungen wie bei der
Gesundheitsreform oder der im März anstehenden Erhöhung der
Tabaksteuer für höhere Verbraucherpreise, betonte von
Landesberger. Experten erwarten aber weiter niedrige Inflationsraten,
was den schwachen privaten Verbrauch stützen sollte. So
entlasteten billigere Energie und Brennstoffe die Bürger, sagte
von Landesberger. "Gerade während der Wintermonate hat das die
finanziellen Möglichkeiten der Haushalte - und auch der
Unternehmen - zumindest nicht eingeschränkt."
Die Menschen konnten im Februar nicht mehr so billig in den Urlaub
fahren wie im Januar: Die Preise für Pauschalreisen stiegen um gut
zehn Prozent. Auch für alkoholische Getränke und Tabakwaren
mussten die Menschen tiefer in die Tasche greifen. Dagegen fielen die
Rechnungen für Heizöl niedriger aus als im Januar, in
Nordrhein-Westfalen etwa fast sieben Prozent. Lebensmittel waren
ebenfalls billiger als zu Jahresanfang, wobei vor allem
saisonabhängige Waren weniger kosteten. So zahlten die
Brandenburger für Gemüse rund fünf Prozent und für
Obst gut ein Prozent weniger. "Wir sehen nun auch ein Auslaufen des
Preisschocks bei Lebensmitteln, den die Hitzewelle im Sommer verursacht
hatte", sagte Sandra Petcov von Lehman Brothers.
Im Vergleich zum Februar vergangenen Jahres konnten sich die
Verbraucher besonders über billigeres Heizöl freuen. Weil der
Euro im vergangenen Jahr so deutlich gestiegen war und Öl in
Dollar abgerechnet wird, kostete Heizöl gut 20 Prozent weniger als
vor einem Jahr, die Auto-Tankfüllung war in Hessen oder
Baden-Württemberg über sechs Prozent billiger. Als Folge der
Gesundheitsreform mussten die Bürger allerdings fast 20 Prozent
mehr für Gesundheitspflege ausgeben als im Vorjahresmonat. Ohne
die Reform läge die deutsche Inflationsrate Analysten zufolge wohl
nur bei einem halben Prozent.
Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
maßgebliche Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg den
Angaben zufolge zum Vormonat ebenfalls um 0,2 Prozent und lag damit 0,9
Prozent über dem Niveau vom Februar 2003.
(Quelle: rtr)
Erlaubnis für Aussaat von Gen-Mais
Do.26.02.04 - Deutsche Landwirte dürfen in diesem Jahr 25,5 Tonnen gentechnisch
veränderten Mais aussäen. Das Bundessortenamt hat nach
eigenen Angaben den Anbau von sechs verschiedenen Sorten genehmigt. Das
entspreche einer Fläche von 1.000 Hektar, teilte Greenpeace
gestern mit. Die Ernte darf zu Lebens- und Futtermitteln verarbeitet
werden. Im Jahr 2002 wurde bundesweit auf rund 400.000 Hektar
herkömmlicher Mais angebaut. Greenpeace fordert, die
Anbauflächen der Genpflanzen bekannt zu geben. "Wenn der Genmais
geheim und ohne jede Kennzeichnung angebaut wird, werden angrenzende
Felder und deren Ernte verunreinigt, ohne dass der benachbarte Landwirt
es merkt", schreibt die Umweltorganisation. Bislang seien die Konzerne
nicht dazu verpflichtet, Käufer oder Standorte ihrer Genpflanzen
offen zu legen.
(Quelle: dpa/taz)
Blick ins Archiv:
Gen-Pflanzen erobern auch herkömmliche Saat - Wissenschaftler
warnen vor gesundheitlichen Schäden durch GMO
Mi.25.02.04 - Amerikanische Forscher warnen vor großen gesundheitlichen
Schäden durch genetisch veränderte Nutzpflanzen. In
Untersuchungen konnten die Forscher nämlich Spuren von
Gentechnologie in herkömmlichen Nahrungsmitteln nachweisen, die
eigentlich frei von Gentech hätten sein sollen, berichtet das
Wissenschaftsmagazin New Scientist... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022518
Bayer beantragt Zulassung von Gentech-Pflanzengut in China
Mi.25.02.04 - Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat in China die
Zulassung von gentechnisch verändertem (GMO-) Pflanzengut
beantragt. "China ist einer der wichtigen Märkte für gentechnisch
veränderte Lebensmittel", sagte ein Sprecher von Bayer CropScience
am Dienstag. "Wir sind zuversichtlich, dass wir in naher Zukunft die
Zulassung für unsere Produkte erhalten."... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022519
Umweltschützer ziehen negative Bilanz bei Genfood
Di.24.02.04 - Nach zehn Jahren Genfood im Handel haben Umweltschützer eine
negative Bilanz gezogen. Gentechnisch veränderte Pflanzen
böten Verbrauchern und Landwirten bis heute keine Sicherheit,
heißt es in einer Studie der Organisation Friends of the Earth.
Mögliche Gesundheitsrisiken wie Allergien seien nur unzureichend
erforscht... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402240.htm#04022416
Gen-Lebensmittel: Streit zwischen Europa und USA im
Mittelpunkt von UN-Konferenz über Biosicherheit
Mi.25.02.04 - Der Streit zwischen Europa und den USA um gentechnisch veränderte
Lebensmittel hat am Dienstag eine UN-Konferenz über Biosicherheit
beherrscht. Die US-Delegation warf den europäischen Staaten vor,
auf Grund ihrer Lebensmittelskandale in den vergangenen Jahren bei dem
Thema zu überreagieren... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022517
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402240.htm#040224_f
Ausbau des Virtuellen Arbeitsmarkts gestoppt
Do.26.02.04 - Wegen technischer Mängel und hoher finanzieller Risiken hat der
neue Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank- Jürgen
Weise, den Ausbau des so genannten Virtuellen Arbeitsmarktes vorerst
gestoppt.
Die geplante Erweiterung der BA-Online-Stellenbörse werde
verschoben, teilte die Nürnberger Bundesbehörde am Mittwoch
mit. Zunächst sollen Fehler des jetzigen Systems behoben werden.
Zugleich entband Weise den bisherigen Projektleiter des Virtuellen
Arbeitsmarktes, Jürgen Koch, von seinen Aufgaben.
Nach BA-Angaben waren die Kosten für den Ausbau des Virtuellen
Arbeitsmarktes ursprünglich mit 65 Millionen Euro veranschlagt
worden. Neue Berechnungen hätten allerdings ergeben, dass mit den
geplanten Erweiterungen bis 2008 Kosten von rund 125 Millionen Euro
anfallen würden. Dazu kämen weitere interne Kosten von rund
40 Millionen Euro für eine Erweiterung des BA-internen Netzes.
Verschoben werden soll nach Angaben einer BA-Sprecherin unter anderem
die geplante Verknüpfung der Online-Stellenbörse mit den
Vermittlungs- und Beratungssystemen in den Arbeitsagenturen. Vorrang
habe stattdessen die Nachbesserung der Online-Stellenbörse selbst.
So habe das System nicht immer die passenden Stellen- oder Bewerber-
Angebote geliefert. Auch sei es zu langsam gewesen. Es sei immer wieder
zu Systemabstürzen gekommen. Fachkreise hatten den BA-Online-
Stellenmarkt schon länger als mangelhaft kritisiert.
(Quelle: dpa)
Gesetzliche Krankenkassen wollen alle Arbeitnehmer pflichtversichern
Do.26.02.04 - Alle Arbeitnehmer sollen sich nach Vorstellung der Krankenkassen
künftig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern müssen.
Der Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung soll durch eine
Aufhebung der Versicherungspflichtgrenze nicht mehr möglich sein,
wie die «Hannoversche Allgemeine» (Donnerstagausgabe) unter
Berufung auf ein Papier «Vorschläge der Ersatzkassen zur
Stabilisierung der Finanzierungsgrundlagen der GKV (Gesetzliche
Krankenversicherung)» berichtet.
Das im Ersatzkassenverband beratene Strategiepapier werde
voraussichtlich im Mai verabschiedet. Die Aufhebung der
Versicherungspflichtgrenze von derzeit 3862,50 Euro im Monat wird von
den Ersatzkassen als der «wichtigste Ansatzpunkt für die
Stabilisierung der GKV» bezeichnet. Damit solle der Wechsel von
gesunden, jungen und gut verdienenden Kassenmitgliedern zu privaten
Krankenversicherungen beendet werden.
«Die private Krankenversicherung würde sich zukünftig
somit auf die Krankenvollversicherung von Selbstständigen und
Beamten, die Beihilfe wählen, sowie das Geschäft mit
Zusatzversicherungen beschränken», heißt es in dem
Konzept. Künftige Beamte sollen sich aber auch der
Pflichtversicherung anschließen dürfen. Sie wären dann
allerdings ein Leben lang an die gesetzliche Krankenversicherung
gebunden.
Die Versicherungspflicht für alle Arbeitnehmer wird als
unabdingbar bezeichnet. Ansonsten müsse mit einer erheblichen
Abwanderung von freiwilligen Mitgliedern in die private
Krankenversicherung gerechnet werden. Ein fairer Wettbewerb zwischen
PKV und GKV ist nach Auffassung der Ersatzkassen unmöglich. Ein
generelles Wahlrecht zwischen beiden bedeute «das Ende der
sozialen Krankenversicherung: Junge, gesunde Versicherte würden
die PKV wählen, während alte und kranke Menschen in der GKV
bleiben würden.
(Quelle: ap)
Rehakliniken für Kinder und Jugendliche schlagen Alarm
Do.26.02.04 - Die Leiter der Rehakliniken für Kinder und Jugendlichen schlagen
Alarm, weil ihnen die Patienten wegbleiben. Grund dafür sei
Unsicherheit bei Eltern und Ärzten über die
Kostenübernahme für stationäre Klinikaufenthalte, teilte
die Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation von Kindern und
Jugendlichen am Dienstag in Bad Kreuznach mit.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Wolfgang Niemeyer, sagte dem
Evangelischen Pressedienst (epd), er sehe große wirtschaftliche
Probleme auf die Einrichtungen zukommen. Zur Verunsicherung bestehe
jedoch kein Anlass. Die stationäre Rehabehandlung für Kinder
und Jugendliche sei auch nach der Gesundheitsreform kostenfrei, so
Niemeyer, der auch Vorstandssprecher der Rehaklinik Viktoriastift in
Bad Kreuznach ist.
Der Rückgang der Bettenbelegung sei dramatisch und betrage
mitunter bis zu 50 Prozent. Zahlreiche Krankenhäuser hätten
daraufhin die Arbeitsverträge von Mitarbeitern nur noch befristet
für wenige Monate verlängert. Auch haben seinen Angaben
zufolge mehrere Rehakliniken für Kinder und Jugendliche in
Ostdeutschland schon Kurzarbeit angemeldet.
Von einem Rückgang von 50 Prozent in der Belegung sprach Eckart
Behr, Leiter der Sophienklinik im thüringischen Bad Sulza. Die
Mitarbeiter hätten freiwillig ihre Arbeitszeit reduziert, sagte
Behr auf Anfrage. Die neuen Bedingungen würden zunächst bis
Ende März gelten. Was geschehen werde, wenn sich die Situation bis
dahin nicht ändert, könne er noch nicht sagen: "Alle haben
Angst vor Entlassungen", sagte Behr.
Abgesehen von den negativen Konsequenzen für die
Beschäftigten warnt Niemeyer vor einer schlechten Versorgung der
jungen Patienten. Eine frühzeitige Behandlung in einer
spezialisierten Einrichtung könne in den meisten Fällen den
Gesundheitszustand, etwa bei Asthma, Neurodermitis oder
Übergewicht, deutlich bessern oder heilen. Die bundesweit 106
Rehakliniken für Kinder und Jugendliche beschäftigen den
Angaben zufolge mehr als 4.000 Mitarbeiter.
(Quelle: epd)
'Reform' bedroht Gesundheit
Studie der Hans-Böckler-Stiftung zu Problemen und Folgen der
Streichung von Krankenkassenleistungen. Mehr in "junge Welt" vom
26.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-26/011.php
Erster registrierter Auschwitz-Häftling gestorben
Do.26.02.04 - Im Alter von 88 Jahren ist der erste 1940 im Vernichtungslager
Auschwitz registrierte Häftling, Stanislaw Ryniak, gestorben. Das
teilte ein Sprecher der polnischen Gedenkstätte in dem ehemaligen
Lager der Nationalsozialisten am Mittwoch mit.
Ryniak hatte dem polnischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung
angehört und war von der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) 1940
festgenommen und nach Auschwitz in Süd-Polen gebracht worden. Er
gehörte zu den wenigen Überlebenden, die hier 1945 von der
sowjetischen Roten Armee befreit wurden.
"Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe zu überleben,
woher ich die Kraft genommen habe, auszuhalten", sagte Ryniak 1995 bei
einer Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Befreiung von
Auschwitz. Als er befreit wurde, wog Ryniak noch ganze 40 Kilogramm.
Nach dem Krieg studierte er und wurde Architekt.
In Auschwitz und im benachbarten Vernichtungslager Birkenau brachten
die Nationalsozialisten etwa 1,5 Millionen Menschen um. Die meisten von
ihnen waren Juden. Sie wurden aus allen besetzten Gebieten Europas in
das Lager gebracht und bis auf wenige Ausnahmen in Gaskammern ermordet.
(Quelle: rtr)
Rechtsextremismus: Verfassungsschutz warnt vor Skinhead-Subkultur und
Einzeltätern
Do.26.02.04 - Die größte rechtsextremistische Gefahr geht in Deutschland
nach Einschätzung des Verfassungsschutzes derzeit von
gewaltbereiten Einzeltätern und der Skinhead-Subkultur aus. Die
Bildung einer rechtsterroristischen Organisation sei derzeit jedoch
unwahrscheinlich, sagte der Präsident des Bundesamtes für
Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der Wochenzeitung «Jüdische
Allgemeine». Das größte Militanzpotenzial sieht Fromm
in islamistischen Kreisen.
Es gebe keine Hinweise auf die Bildung einer «Braune Armee
Fraktion» in der rechtsextremen Szene, sagte Fromm. Allerdings
sei der Verzicht auf Gewalt keine grundsätzliche Entscheidung,
sondern eine taktische Haltung, die sich auch wieder ändern
könne: Der von einem Anschlag ausgelöste Verfolgungsdruck des
Staates würde derzeit nach Ansicht der Rechtsextremen so
groß, dass man sich nicht mehr äußern oder bewegen
könne.
Fromm warnte jedoch vor der Gefahr, die von rechtsextremen
Einzeltätern ausgehe. Der geplante Anschlag auf die
Grundsteinlegung für das neue jüdische Gemeindezentrum in
München zeige, «dass sich einzelne Personen oder kleine
Gruppen durchaus zu spektakulären Aktionen entschließen
können, um eine politische Fanalwirkung zu erzielen».
Rechtsextreme Einzeltäter, die außer Kontrolle der
Behörden, aber auch ihrer eigenen Kameraden gerieten, stellten
immer eine Gefahr dar. Auch die politisch diffuse, aber nach wie vor
sehr gewaltbereite Skinhead-Subkultur bereite weiter Anlass zur Sorge.
Die Gefahr, die vom islamistischen Terror ausgeht, ist nach
Einschätzung Fromms auch für Deutschland sehr real. «Es
gibt in Deutschland amerikanische, englische, israelische und
jüdische Einrichtungen, die potenzielle Ziele sind», sagte
er. Eine Aktionseinheit zwischen Islamisten und Rechtsextremen gebe es
allerdings nicht. Trotz gemeinsamer Feindbilder sei der deutsche
Rechtsextremismus «in seiner ganz überwiegenden Mehrheit
zumindest fremdenfeindlich oder ausgeprägt rassistisch»,
sagte Fromm.
(Quelle: ap)