Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Britischer Geheimdienst spionierte offenbar UN-Generalsekretär
Annan vor Irak-Krieg aus - Auch früherer UN-Waffeninspekteur
Butler soll abgehört worden sein +++ Schiiten fordern
internationale Garantien für Wahltermin +++ UNO schließt
baldige Rückkehr von Personal nach Irak aus +++ Schröder:
Berlin wird NATO-Mission im Irak nicht blockieren +++ 5.000 US-Soldaten
kehren nach Irak-Einsatz nach Deutschland zurück
Fr.27.02.04 - Der britische Geheimdienst hat nach Darstellung der früheren
Entwicklungsministerin Clare Short vor dem Irak-Krieg
UN-Generalsekretär Kofi Annan systematisch ausspioniert. Short
sagte am Donnerstag in einem Interview der BBC, sie habe seinerzeit
selbst Mitschriften von Gesprächen Annans gelesen. Premierminister
Tony Blair lehnte eine Stellungnahme zu den Äußerungen
Shorts ab. Die Vereinten Nation reagierten zurückhaltend. "Wir
wären sehr enttäuscht, wenn das wahr wäre",
erklärte UN-Sprecher Fred Eckhard.
Short hatte das britische Kabinett im Streit um das Vorgehen gegen Irak
noch vor Kriegsbeginn verlassen und gilt als eine der schärfsten
innerparteilichen Kritikerinnen von Blair. Der Premierminister nannte
die Äußerungen der Labour-Politikerin "zutiefst
unverantwortlich". Zugleich betonte er, von seiner grundsätzlichen
Ablehnung einer Stellungnahme zu Geheimdienstaktionen dürfe nicht
auf den Wahrheitsgehalt bestimmter Anschuldigungen geschlossen werden.
Seine Regierung handele in Übereinstimmung mit nationalen und
internationalen Gesetzen und im besten Interesse des Landes.
Die UN erklärten allerdings, das Ausspionieren ihres
Generalsekretärs wäre ein illegaler Akt. Eckhard betonte:
"Solche Aktivitäten untergraben die Integrität und die
Vertraulichkeit des diplomatischen Austausches. Diejenigen, die mit dem
Generalsekretär sprechen, müssen annehmen dürfen, dass
der Austausch vertraulich bleibt."
Short sagte in dem BBC-Interview: "Ich habe selbst Gespräche mit
Kofi vor dem Krieg geführt und gedacht, 'oh je, davon wird es eine
Mitschrift geben'." Auf die Nachfrage, ob britische Spione angewiesen
worden seien, innerhalb der Vereinten Nationen Personen wie Annan ins
Visier zu nehmen, sagte die Exministerin: "Ja, absolut." Annans
Büro sei über einen längeren Zeitraum hinweg
ausspioniert worden.
Auch nach der Kritik Blairs wiederholte Short ihre Anschuldigungen. Dem
Fernsehsender Channel 4 sagte sie am Abend, sie habe damals lange
überlegt, ob sie Annan über die Vorgänge unterrichten
solle. Deshalb habe sie sich jetzt auch entschlossen, an die
Öffentlichkeit zu gehen. Sie habe ein Schweigen nicht länger
mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Außerdem schadeten
ihre Aussagen weder der nationalen Sicherheit noch irgendeinem
bestimmten Agenten, fügte Short hinzu.
Beobachtern zufolge könnten die Äußerungen allerdings
Blair weiter schaden. Seit dem Vorwurf, die britische Regierung
könnte Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen
aufgebauscht haben, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen, hat der
Premierminister in der Öffentlichkeit viel an Glaubwürdigkeit
eingebüßt. Dies haben diverse Umfragen bestätigt.
Hintergrund des Interviews von Short war die Entscheidung der
Staatsanwaltschaft, die Klage gegen eine Dolmetscherin der Regierung
fallen zu lassen, die ein Memo des US-Geheimdienstes NSA an eine
Zeitung weitergegeben haben soll. Darin hatte der NSA die britischen
Geheimdienste offenbar um Hilfe beim Ausspionieren von UN-Delegierten
gebeten. Oppositionspolitiker stellten daraufhin die Frage, ob die
Einstellung des Verfahrens politisch motiviert war, um der Regierung
Peinlichkeiten zu ersparen.
Neben UN-Generalsekretär Kofi Annan sind offenbar weitere
Spitzenfunktionäre der Vereinten Nationen von westlichen
Geheimdiensten systematisch ausspioniert worden. Der australische
Rundfunksender ABC berichtete am Freitag, die Telefongespräche der
früheren Waffeninspekteure in Irak, Richard Butler und Hans Blix,
seien abgehört worden. Unter Berufung auf Geheimdienstquellen
hieß es, die Abhörprotokolle seien den Regierungen der USA,
Australiens, Kanadas, Großbritanniens und Neuseelands
zugänglich gemacht worden.
"Jedes Mal, wenn Blix nach Irak kam, wurde sein Telefon abgehört.
Die Gespräche wurden aufgezeichnet", sagte ABC-Journalist Andrew
Fowler. Ein Informant des australischen Geheimdienstes habe ihm dies
berichtet. Wer das Telefon von Blix angezapft haben soll, sagte er
nicht. Das australische Justizministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Butler sagte dem Sender ABC, er sei sich bewusst gewesen, dass sein
Büro in New York verwanzt gewesen sei. Er selbst habe auch
Abhörprotokolle von Gesprächen anderer Personen erhalten, "um
meinen Job, die Entwaffnung Iraks, erledigen zu können". Um
vertrauliche Gespräche zu führen habe er den nahe gelegenen
Central Park aufgesucht.
Mehr zum Thema:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16840/1.html
http://www.taz.de/pt/2004/02/27/a0122.nf/text
Derweil fordert der ranghöchste schiitische Geistliche in Irak,
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani, internationale
Garantien für einen Wahltermin in Irak. Eine nicht vom Volk
gewählte Übergangsregierung in Irak darf nach Ansicht der
Schiiten nur begrenzte Machtbefugnisse haben und allenfalls wenige
Monate im Amt bleiben. Es müsse internationale Garantien
bezüglich des Wahltermins geben, um weitere Verzögerungen zu
verhindern, erklärte Sistani.
Der Großayatollah traf sich am Donnerstag mit schiitischen
Mitgliedern des von den USA eingesetzten Verwaltungsrats. Einer der
Teilnehmer des Treffens, Muwafak el Rubaie, sagte: "Wir
unterstützen Sistanis Erklärung bis ins Kleinste Detail."
Die Erklärung, die das Büro des Großayatollahs in
Nadschaf herausgab, war die erste offizielle Stellungnahme Sistanis zum
Bericht des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi. Das Team der Vereinten
Nationen war in Irak zu der Einschätzung gelangt, dass für
eine verlässliche Wahl eine Vorbereitungszeit von mindestens acht
Monaten nötig ist. Einen Wahltermin noch vor der zum 30. Juni
vorgesehenen Machtübergabe, wie ihn vor allem die schiitische
Bevölkerungsmehrheit gefordert hatte, lehnte Brahimi aus
Sicherheitsgründen ab. Allerdings werde der Vorschlag der USA, die
Regierung von Regionalversammlungen und nicht vom Volk direkt
wählen zu lassen, von den Irakern nicht ausreichend
unterstützt und sei daher keine gangbare Option.
Sistani erklärte, auch wenn die Vereinten Nationen eine Wahl bis
zum 30. Juni ausgeschlossen hätten, sei es doch von großer
Bedeutung, dass sie eine solche Wahl noch in diesem Jahr für
möglich hielten. Den Irakern müsse aber zugesichert werden,
dass es keine weiteren Verzögerungen gebe.
"Der Zeitraum, in dem eine nicht gewählte Regierung die Kontrolle
in diesem Land übernehmen soll, muss kurz sein - nur ein paar
Monate", forderte Sistani. Die Übergangsregierung dürfe
außerdem nur ein beschränktes und klar definiertes Mandat
haben. Er verlange bezüglich des Wahltermins eindeutige Garantien,
«etwa eine Resolution des Sicherheitsrates», erklärte
der Großayatollah.
Die UNO schließt eine baldige Rückkehr ihres
ausländischen Personals in Irak aus. Der amtierende
UN-Sonderbeauftragte für Irak, Ross Mountain, begründete dies
am Donnerstag mit der schlechten Sicherheitslage in dem Zweistromland.
Seit seinem letzten Besuch in Irak im Juli vergangenen Jahres sei die
Sicherheitslage "noch Besorgnis erregender" geworden, sagte Mountain in
Bagdad. Ross äußerte zugleich die Hoffnung, dass die
Rückkehr des UN-Personals noch vor den Wahlen in Irak erfolgen
werde. Er verwies auf den Bericht von UN-Generalsekretär Kofi
Annan an den UN-Sicherheitsrat, in dem wegen der technischen und
rechtlichen Probleme von einer Frist von mindestens acht Monaten bis
zur Abhaltung von Wahlen die Rede ist.
In Bakuba wurde unterdessen ein Polizist bei einer Bombenexplosion
getötet. Der Sprengsatz in Bakuba explodierte vor einem Restaurant
in der Nähe eines Polizeifahrzeugs. Ein Polizist kam ums Leben,
vier weitere wurden verletzt.
Der Befehlshaber der US-Truppen in Irak, Ricardo Sanchez, sagte vor
Journalisten, die Sicherheitslage sei "wesentlich besser als vor 60
Tagen". Die von Anhängern des gestürzten Staatschefs Saddam
Hussein ausgehende Gefahr habe nachgelassen, allerdings seien
"terroristische Elemente" auf dem Vormarsch. Weiter sagte Sanchez,
Saddam Hussein sei bei guter Gesundheit, ohne nähere Einzelheiten
zu nennen. Der inhaftierte Expräsident war am Samstag von
Rot-Kreuz-Mitarbeitern besucht worden.
Der Absturz eines US-Hubschraubers, bei dem am Mittwoch in der
Nähe von Haditha nordwestlich von Bagdad zwei Soldaten ums Leben
kamen, war laut Sanchez ein Unfall. Der Hubschrauber habe eine
Stromleitung durchtrennt.
Rund 5.000 US-Soldaten kehren nach ihrem Irak-Einsatz auf ihre
Stützpunkte nach Rheinland-Pfalz und Hessen zurück. Dabei
handele es sich um Soldaten der ersten US-Panzerdivision mit
Stützpunkt in Baumholder und Wiesbaden, wie der Befehlshaber der
US-Truppen in Irak, Ricardo Sanchez, dem Südwestrundfunk laut
einer Mitteilung vom Donnerstag sagte. Bislang war befürchtet
worden, dass die Division nach dem Irak-Einsatz in die USA verlegt und
damit aus Deutschland abgezogen werde. Die mehr als 5.000 Soldaten
waren am 25. April 2003 zu ihrem unbefristeten Einsatz verabschiedet
worden, berichtete der SWR.
Bundeskanzler Gerhard Schröder trifft an diesem Freitag erstmals
seit über zwei Jahren wieder im Weißen Haus mit
Präsident George W. Bush zusammen. Beide hatten sich nach
Beilegung des Konflikts über den Irak-Krieg zuletzt im September
in New York getroffen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die Entwicklung im Irak, in
Afghanistan und im Nahen Osten sowie die Zukunft der transatlantischen
Beziehungen.
Zum Auftakt seiner zweitägigen Reise traf Schröder am
Donnerstag in Chicago ein. Vor dem dortigen Council on Foreign
Relations, einer so genannten Denkfabrik, sagte der Regierungschef,
Deutschland werde eine Mission der NATO im Irak "nicht aufhalten". Die
Bundesregierung werde sich daran aber nicht mit Kampftruppen beteiligen.
Diese deutsche Haltung sei der amerikanischen Regierung auch bekannt,
betonte Schröder. Es sei aber gemeinsame Aufgabe von Berlin und
Washington, dafür zu sorgen, dass der Irak stabil und demokratisch
werde, sagte der Kanzler. Dieses gemeinsame Vorgehen schaffe auch neue
Möglichkeiten in den transatlantischen Beziehungen.
Am Abend (Ortszeit) wollte Schröder nach Washington weiterfliegen.
Der Kanzler will bei seinen Gesprächen mit Bush und Vertretern des
Senats auch Bedenken gegen die Ausweitung des US-Rechtssystems auf
andere Staaten vorbringen. "Uns bereitet die Tendenz Sorge, das sich
die amerikanische Justiz zunehmend für Fragen interessiert, die
nach internationalem Privatrecht nicht in ihre Zuständigkeit
fallen, weil weder amerikanische Unternehmen noch amerikanische
Staatsbürger betroffen sind".
(Quellen: afp, ap)
Das letzte Beispiel in einer langen Reihe schwerwiegender
'Fehleinschätzungen' ist der 'Demokratisierungsprozess' des Irak
Wer von den religiösen Geistlichen, die im moslemischen Irak das
Sagen haben und da gibt es kaum einen Disput zwischen Sunniten oder
Schiiten, möchte schon eine säkulare Demokratie westlicher
Prägung? "Die islamischen Demokratievorstellungen sind
eingeschränkt", so erklärt Prof. Dr. Eckehard Schulz von der
Universität Leipzig, "weil die entsprechenden Vertreter
Schwierigkeiten damit haben, ein demokratisch legitimiertes
Gesetzgebungsorgan zu definieren. Denn alle Gesetze kommen nach ihrem
Dafürhalten schließlich von Gott und sind in Koran und
"Sunna", der Prophetentradition, vorherbestimmt". Für viele
Religionsgelehrte und einfache Muslime gäbe es demzufolge, so Prof.
Schulz weiter, "auch keinen Anlass dafür, ein Gesetzgebungsorgan
zu schaffen, weil ihres Erachtens ohnehin alles in Koran und Sunna
geregelt ist".
Unter diesem Hintergrund ist es natürlich verständlich, wenn
Abdelmahdi Karabali, der den obersten schiitischen Kleriker Ayatollah
Ali Sistani vertritt, als "Basis für jede Gesetzgebung den Islam"
fordert. Paul Bremer, der von den USA eingesetzte "Verwalter" des Irak,
hat aber bereits sein "Veto" angekündigt, falls der "Interim
Governing Council" eine auf dem Islam fundierte Gesetzgebung
beschließen sollte. Nicht nur für Schiiten, die mit 60 % die
Bevölkerungsmehrheit stellen, ist dieses Statement Paul Bremers ein
erneuter Beweis für die wahre Natur der "Befreiung", nämlich
die "entmündigende Besatzung" ihres Landes.
Widerstand gegen diese Ungerechtigkeit ist für jeden Moslem
oberste Pflicht. Das ist eine "Entscheidung zwischen Leben und Tod",
erklärte Dr. Ali Fayyad vom "Research Center" der Hisbollah letzte
Woche auf der Internationalen Konferenz in Beirut zum Thema "Islamische
Welt und Europa". Widerstand gegen die Besatzung sei der Weg, "seine
Würde und Ehre zu bewahren". Wer keinen Widerstand leistet sei
"lebendig begraben". Sunnitischer bewaffneter Widerstand gehört
mittlerweile schon zum "Alltag" im Irak. Er ist ein Resultat
unterschiedlichster Gruppierungen, die von unabhängigen irakischen
islamistischen, über Saddam loyalen bis hin zu ausländischen
Kämpfern und der Al Qaida reichen....
Aus: Alfred Hackensberger - "Wer keinen bewaffneten Widerstand leistet,
fühlt sich lebendig begraben", telepolis, 26.02.04
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16837/1.html
telepolis-Spezial zum Irak-Konflikt:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/
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Pentagon-Berater Perle tritt zurück
Fr.27.02.04 - Der einflussreiche Pentagon-Berater Richard Perle hat nach
US-Medieninformationen seinen Rücktritt eingereicht. Perle gab
seinen Beraterposten an der Seite von US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld auf und zog sich aus dem Ausschuss für
Verteidigungsplanung in Washington zurück, wie die Zeitung
"Washington Post" und die US-Verlagsgruppe Knight Ridder am Donnerstag
berichteten. Dem Gremium, dessen Vorsitz er im März niedergelgt
hatte, gehörte Perle 17 Jahre lang an. Seinen Rückzug habe er
bereits in einem Brief vom 18. Februar an Rumsfeld angekündigt.
Als Begründung führte der als Hardliner bekannte Politiker
demnach an, er wolle nicht, dass seine harte Haltung etwa zum Irakkrieg
Präsident George W. Bush oder Rumsfeld angelastet werde.
In den 80er Jahren war Perle stellvertretender Verteidigungsminister in
der Regierung von Präsident Ronald Reagan. Er übernahm den
Beraterposten für die jetzige Regierung kurz nach Rumsfelds
Amtsantritt als Pentagon-Chef. In der Reagan-Zeit hatte sich Perle
vehement gegen Abrüstungsabkommen mit der Sowjetunion
ausgesprochen. Das brachte ihm damals den Beinamen "Fürst der
Dunkelheit" ein.
(Quellen: ap, afp)
'New York Times' empfiehlt Kerry als Präsidentschaftskandidaten
Fr.27.02.04 - Wenige Tage vor dem entscheidenden «Super- Dienstag» mit
Vorwahlen in zehn US-Staaten hat sich die «New York Times»
bereits entschieden: Sie sprach sich für Senator John Kerry als
Präsidentschaftskandidaten der Demokraten aus. Kerry verfüge
im Gegensatz zu seinem innerparteilichen Hauptkontrahenten Senator John
Edwards über langjährige politische Erfahrung, schreibt das
Blatt. Kerry strahle «Reife und Tiefe» aus. Der Senator aus
Massachusetts hat fast alle der bisherigen Vorwahlen gewonnen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Tote bei Demonstrationen gegen Sperranlage +++ Arafat bekräftigt
Willen zum Frieden mit Israel und zu Reformen +++ Israels Oberster
Gerichtshof bewilligt Räumung illegaler Siedlungen
Fr.27.02.04 - Erstmals seit Beginn des Baus der israelischen Sperranlage im Juni 2002
haben israelische Soldaten zwei Palästinenser bei einer
Demonstration gegen das umstrittene Bauwerk getötet. Zahlreiche
Demonstranten, unter ihnen auch zwei Israelis, wurden verletzt, als
israelische Soldaten und Grenzpolizisten die Demonstration gewaltsam
auflösten.
An der Kundgebung im Dorf Biddo im Westjordanland einige Kilometer
nordwestlich von Jerusalem beteiligten sich mehr als 2000
Palästinenser. Stunden zuvor wurden bei einer Schießerei am
Grenzübergang Eres im nördlichen Gazastreifen zwei bewaffnete
Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet.
Augenzeugen berichteten, unter den Demonstranten in Biddo seien auch
Steine werfende Jugendliche gewesen. Sechs Grenzpolizisten seien
verletzt worden, einer von ihnen schwer. Ein Sprecher des Roten
Halbmonds sagte der Nachrichtenagentur AFP, auf palästinensischer
Seite habe es mehr als 80 Verletzte gegeben.
Die israelische Gruppe Rabbiner für Menschenrechte teilte mit,
auch zwei Israelis seien verletzt worden: Ein Mann sei von einem
Gummigeschoss im Unterleib getroffen worden, außerdem hätten
Polizisten eine Frau bewusstlos geschlagen. Die beiden toten
Palästinenser waren 25 und 28 Jahre alt.
Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat derweil seinen
Willen zu einem Friedensabkommen mit Israel bekräftigt und sich
zugleich für Reformen in seiner Fatah-Bewegung ausgesprochen.
"Sicherheit und Frieden sind nicht nur im palästinensischen
Interesse, sondern auch im israelischen. Unsere Option ist Frieden und
wir werden für dieses Ziel arbeiten", sagte der 74-Jährige am
Mittwoch auf einem Treffen der Fatah in Ramallah. Angesichts der
anhaltenden Gewalt im Nahen Osten ist der Friedensprozess zwischen
Israel und den Palästinensern zum Erliegen gekommen. Israel wirft
Arafat vor, hinter der Gewalt gegen Israelis zu stehen und erkennt ihn
als Verhandlungspartner bereits seit längerem nicht mehr an.
Stattdessen bereiteten am Mittwoch Vertreter beider Seiten ein seit
Wochen erwartetes Treffen des israelischen Ministerpräsidenten
Ariel Scharon mit seinem palästinensischen Kollegen Ahmed Korei
vor. Der im Gegensatz zu Arafat als moderat geltende Korei sagte auf
dem Fatah-Treffen, er stehe unter großem Druck der USA sowie
europäischer und arabischer Regierungen, mit Scharon zu sprechen.
Möglicherweise gebe es in den kommenden Tagen ein Treffen mit
Scharon, sagte Korei, ohne nähere Angaben zu machen.
Bei dem Fatah-Treffen handelte es sich um eine Versammlung des
Revolutionären Rates. Dieser kam erstmals seit drei Jahren
zusammen. Der Fatah laufen viele Mitglieder davon, die der von
Arafat-Vertrauten seit Jahrzehnten dominierten Führung nicht mehr
vertrauen. Arafat kündigte zu Beginn des dreitägigen Treffens
Wahlen der Fatah-Führung an. "Es ist notwendig, auf demokratische
Weise junges Blut in die Fatah zu bringen", sagte er. Einen Zeitplan
dafür nannte Arafat jedoch nicht. Die Fatah-Führung soll
eigentlich alle fünf Jahre gewählt werden. Die letzte Wahl
liegt gleichwohl 15 Jahre zurück.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia forderte
unterdessen von Israel die Rückgabe des am Mittwoch bei einer
Razzia in palästinensischen Banken beschlagnahmten Vermögens.
Auch die USA kritisierten die Razzia.
Israelische Soldaten waren mit Gewalt in drei Banken sowie in die
Büros einer Hilfsorganisation in Ramallah im Westjordanland
eingedrungen. Dabei wurden nach israelischen Angaben zwischen sieben
und neun Millionen Dollar (zwischen 5,5 und 7,1 Millionen Euro) Bargeld
beschlagnahmt. Israel rechtfertigte den Einsatz damit, dass mit dem
Geld Waffen und Sprengstoff gekauft sowie militante Palästinenser
und ihre Hinterbliebenen bezahlt werden sollten.
Der Oberste Gerichtshof in Israel hat die Räumung illegaler
jüdischer Siedlungen im Westjordanland als rechtmäßig
bewilligt. Der Gerichtshof wies am Donnerstag den Einspruch mehrerer
Siedlerverbände zurück, die den Abriss stoppen wollten. Der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte im Juni 2003
beim Nahost-Gipfel im jordanischen Akaba die Auflösung illegaler
Siedlungen in den Palästinensergebieten zugesagt.
(Quelle: ap, afp, rtr)
USA lockern Sanktionen gegen Libyen - Reiseverbot aufgehoben
Fr.27.02.04 - In einem weiteren Schritt zur Lockerung der Sanktionen gegen Libyen hat
US-Präsident George W. Bush am Donnerstag das bislang geltende
Reiseverbot für US-Bürger in das nordafrikanische Land
aufgehoben.
Bestimmten US-Unternehmen mit Anlagen in Libyen würden zudem
wieder Handelsaktivitäten erlaubt, teilte das US-Präsidialamt
weiter in Washington mit. Das von seinen Ölexporten wirtschaftlich
abhängige Libyen ist an einer Wiederbelebung der Jahre lang
unterbrochenen Kontakte zu US-Firmen in diesem Sektor interessiert.
Libyen werde außerdem wieder das Recht auf eine diplomatische
Vertretung in Washington eingeräumt.
Die USA reagierten mit diesen Schritten auf die libysche Entscheidung,
auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten, erläuterte der
Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Washington, Sean McCormack.
Die USA würden weitere Lockerungen der in Zusammenhang mit dem
Terror-Anschlag auf die Berliner Diskothek LaBelle 1986 und dem
Bombenanschlag auf eine PanAm-Maschine über dem schottischen
Lockerbie 1988 verhängten Sanktionen prüfen, um Libyens
Führung zu ermutigen, auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu gehen,
fügte er hinzu.
US-Unternehmen, die bereits vor der Einführung der Sanktionen
gegen Libyen in dem nordafrikanischen Land tätig waren, seien
ermächtigt worden, sich mit neuen Kontakten in Libyen auf die Zeit
vorzubereiten, an der die Handelssanktionen der USA ebenfalls
aufgehoben sein würden.
Libyen hatte im Dezember überraschend die Aufgabe seiner Programme
zur Entwicklung von atomaren, biologischen und chemischen
Massenvernichtungswaffen angekündigt und zudem unangemeldeten
Kontrollen durch die UNO-Atomergiebehörde IAEA zugestimmt. Die
Vereinten Nationen (UNO) hatten ihre Sanktionen gegen Libyen zuvor
schon aufgehoben, nachdem Libyen die Verantwortung für den
Lockerbie-Anschlag übernommen und den Hinterbliebenen der 270
Opfer eine Entschädigung von 2,7 Milliarden Dollar gezahlt hatte.
(Quelle: rtr)
EU plant keine Sanktionen gegen Iran
Fr.27.02.04 - Die Europäische Union hat nach den Worten von Außenkommissar
Chris Patten große Bedenken hinsichtlich der demokratischen
Entwicklung in Iran. Vor allem bei den Menschenrechten seien kaum
Fortschritte erzielt worden. Gleichwohl plane die EU zurzeit keine
Sanktionen gegen Teheran, sagte Patten nach einer Begegnung mit der
iranischen Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi am Donnerstag
in Brüssel.
Ebadi bat ausdrücklich darum, keine Strafmaßnahmen gegen
Teheran zu verhängen. Die einzige Hoffnung der Reformer liege im
Dialog mit dem Westen, sagte sie. Patten betonte allerdings, dass die
2002 begonnenen Gespräche über einen Ausbau der
Handelsbeziehungen und anderer Kontakte unweigerlich mit den
Menschenrechten, der Demokratie und politischen Aspekten wie der Frage
nach dem iranischen Atomprogramm verknüpft seien.
Nach der Parlamentswahl vom vergangenen Freitag, bei die Konservativen
triumphierten, hatten die EU-Außenminister schon am Montag
große Sorgen über die Zukunft des Reformkurses in Iran
geäußert. Mit dem Ausschluss einer großen Zahl
Kandidaten habe die iranische Bevölkerung nicht die
Möglichkeit einer demokratischen Wahl gehabt, hieß es.
Führende iranische Politiker wiesen diese Kritik zurück.
«Wir erwarten, dass sie sich kein vorschnelles Urteil
bilden», sagte der Konservative Gholamali Haddadel an die Adresse
der EU.
Die Verhandlungen zwischen der EU und Iran über ein
Handelsabkommen liegen derzeit auf Eis. Dass die Gespräche bald
wieder aufgenommen werden können, erwarten Diplomaten in
Brüssel angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht.
(Quelle: ap)
Powell bewertet bisherigen Verlauf der Nordkorea-Gespräche positiv
- Nordkorea bietet Einfrieren des Atomprogramms an - Russland bietet
dem Land Wirtschaftshilfe an
Fr.27.02.04 - Nordkorea hat bei den Sechs-Nationen-Gesprächen in Peking ein
Einfrieren seines Atomprogramms angeboten. Im Gegenzug müssten die
USA ihre "feindliche Politik" gegenüber Pjöngjang einstellen,
sagte ein nordkoreanischer Delegierter. Nähere Angaben zu
Nordkoreas Forderungen machte er nicht. Russland, China und
Südkorea boten dem Land Wirtschaftshilfen an, sollte es sein
Atomwaffenprogramm einstellen. US-Außenminister Colin Powell
bezeichnete in Washington den bisherigen Verlauf der Gespräche als
"ermutigend" und "positiv".
Südkoreas Chefunterhändler Lee Soo Hyuck sagte in Peking,
eine Verzichtserklärung müsse seitens Pjöngjang der
erste Schritt für ein späteres "vollständiges,
unabänderliches und nachprüfbares" Ende seines Atomprogramms
sein. Die USA sowie Japan signalisierten Lee zufolge "Verständnis
und Unterstützung" für die Initiative, die vor allem Hilfen
im Energiesektor vorsieht. Ob Nordkoreas Angebot den Forderungen der
USA und anderer Konferenzteilnehmer genügt, war zunächst
nicht klar.
Der Leiter der russischen Delegation, Vize-Außenminister
Alexander Losjukow, sagte, Pjöngjangs Angebot zum Einfrieren
seines Atomwaffenprogramms sei "ein wichtiger Schritt". Im Gegenzug
sollte das Not leidende Nordkorea Hilfslieferungen erhalten. Die USA
hielten laut Losjukow aber an ihrer "harten Linie" fest, und von Seiten
Japans werde es erst dann eine Geste geben, wenn sich die Regierung von
Kim Jong Il in der Frage der nach Nordkorea verschleppten japanischen
Staatsbürger bewege.
Außenminister Powell sagte vor einem Senatsausschuss in
Washinton: "Die Ergebnisse der ersten beiden Verhandlungstage sind
positiv." Bei der Pekinger Gesprächen herrsche eine "positive
Haltung". Zum Inhalt der Gespräche äußerte sich Powell
nicht.
Über die angebotene Energiehilfe wurde zunächst ebenfalls
nichts Näheres bekannt. Beobachter vermuten jedoch, dass es sich
dabei um die Wiederaufnahme der Brennstofflieferungen per Schiff
handelt. Diese waren von den USA, Japan, Südkorea und der
Europäischen Union Ende 2002 als Reaktion auf die Mitteilung des
US-Gesandten James Kelly abgebrochen worden, Pjöngjang habe
zugegeben, weiter an der Herstellung von waffenfähigem Uran
gearbeitet zu haben.
Die Sechs-Nationen-Gespräche sind derweil um einen Tag
verlängert worden. Die Verhandlungen würden auch am Samstag
fortgesetzt, sagte ein Sprecher der südkoreanischen Delegation am
Freitag in Peking.
(Quellen: afp)
Drittgrößte Stadt Haitis fällt in Hände der
Opposition - USA fordern indirekt Rücktritt Aristides
Fr.27.02.04 - Die drittgrößte Stadt Haitis ist offenbar in die Hände
der Opposition gefallen. Die Polizei habe die südliche Hafenstadt
Les Cayes am Donnerstag aufgegeben, berichteten Augenzeugen. Die Gruppe
Base Resistance erklärte, sie habe die Gewalt über die Stadt
übernommen. Die Gruppe hat Verbindungen zur oppositionellen
Demokratischen Plattform. Sie gehört jedoch nicht der
Rebellenbewegung an, die vor drei Wochen ihre Revolte gegen
Präsident Jean-Bertrand Aristide startete und die Hälfte des
Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat. Nach Berichten von Anwohnern
waren in Les Cayes einzelne Schüsse zu hören. Es sei jedoch
nicht zu einem Feuergefecht gekommen, bevor die Polizisten aus der
Stadt geflohen seien.
Die haitianischen Aufständischen sind am Donnerstag von mehreren
Seiten auf die Hauptstadt Port-au-Prince zumarschiert.
Rebellenführer Guy Philippe erklärte im Rundfunk, seine
Kämpfer warteten jetzt nur noch auf den Befehl zum Angriff. "Es
wird bald vorbei sein", fügte er hinzu. Viele Haitianer
flüchteten aus der Stadt, Ausländer warteten am Flughafen auf
ihre Ausreise. Frankreich forderte Präsident Jean-Bertrand
Aristide zum Rücktritt auf.
Die Bewohner von Port-au-Prince begannen, sich auf den erwarteten
Angriff vorzubereiten. Die Straßen der Acht-Millionen-Stadt waren
weitgehend verwaist, Geschäftsleute sicherten ihre Läden, vor
Tankstellen bildeten sich Schlangen. Vereinzelt kam es zu
Plünderungen. "Wir werden direkt zum Nationalpalast marschieren,
um Aristide festzunehmen", sagte Philippe dem Radiosender 2000. Die
Bewohner forderte er auf, in ihren Häusern zu bleiben, falls es
auf den Straßen der Hauptstadt zu Kämpfen kommen sollte.
Alle Flüge von Port-au-Prince ins Ausland waren ausgebucht. Auch
die beiden Töchter von Aristide im Alter von fünf und sieben
Jahren flogen inzwischen in die USA. Die Rebellen, die den
Präsidenten stürzen wollen, haben schon weite Teile des
Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In der seit drei Wochen
andauernden Rebellion wurden bislang etwa 80 Menschen getötet.
Unterdessen wächst der internationale Druck auf den haitianischen
Präsidenten Jean-Bertrand Aristide. Nach Frankreich forderten am
Donnerstag auch die USA indirekt seinen Rücktritt.
US-Außenminister Colin Powell sagte in Washington: "Ob Aristide
als Präsident effektiv weiter regieren kann oder nicht, das sollte
er im Interesse des Volkes sehr genau prüfen."
Powell erklärte bei einer Anhörung einem Ausschuss des
US-Senats, dass der demokratische Prozess in Haiti zusammengebrochen
sei. "Es ist sehr enttäuschend für mich, uns selbst in dieser
Lage zu sehen. Ich bedauere, dass wir während dieser zehn Jahre
nicht die Art von Fortschritt gesehen haben, die wir erhofft hatten",
sagte Powell.
Aristide sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN, er werde
nicht zurücktreten. Stattdessen sprach er sich für die
Entsendung einer internationalen Schutztruppe aus. "Ein paar Dutzend
Soldaten oder Polizisten" könnten die Rebellen, die sich am
Donnerstag weiter auf Port-au-Prince zubewegten, aufhalten. "Jederzeit
können diese Terroristen in die Hauptstadt eindringen und Tausende
Menschen töten", sagte er. Seit Beginn des Aufstandes vor drei
Wochen haben die Aufständischen rund die Hälfte des verarmten
Karibikstaates in ihre Gewalt gebracht, etwa 80 Menschen kamen bei den
Unruhen ums Leben.
Der UN-Sicherheitsrat beriet derweil in New York über Wege zu
einem Ende des Blutvergießens. Mehrere Karibikstaaten
drängten auf die Umgehende Bildung einer internationalen
Friedenstruppe. In einem Entwurf für eine
Sicherheitsratserklärung hieß es jedoch lediglich, das
Gremium sei über drohende weitere Gewalt zutiefst besorgt, erkenne
die Forderungen nach einem internationalen Beteiligung an der
Konfliktlösung an und dringe auf Verhandlungen statt auf
Konfrontation zwischen den haitianischen Konfliktparteien.
Frankreich hat erklärt, dass es eine zivile internationale Truppe
erst nach der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit entsenden
wolle, und auch die USA haben erkennen lassen, dass sie ein
internationales Engagement erst nach einer politischen Lösung in
Haiti befürworten.
(Quellen: ap, rtr)
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226_f
Neue Gespräche zwischen Serben und Kosovo-Albanern anberaumt
Fr.27.02.04 - Vertreter von Serben und Kosovo-Albanern werden ihre seit Oktober
unterbrochenen direkten Gespräche über die Zukunft der
Provinz am 4. März wieder aufnehmen. Der UN-Verwalter des Kosovos,
Harri Holkeri, erklärte am Donnerstag, er habe Politiker aus
Belgrad für diesen Termin nach Pristina eingeladen. Beide Seiten
waren im Oktober in Wien erstmals nach dem Krieg zu direkten
Gesprächen zusammengetroffen. Für die Unterbrechung seither
machen beide Seiten logistische Probleme verantwortlich.
Bei dem Treffen sollen praktische Fragen wie die Energieversorgung und
die Suche nach Vermissten im Mittelpunkt stehen. Holkeri erklärte,
auf die Gespräche in Pristina werde eine weitere Runde in Belgrad
folgen, in der es um die Rückkehr von Flüchtlingen sowie um
Probleme von Verkehr und Telekommunikation gehen solle. Mittelfristig
sollen auch brisante Themen wie die politische Zukunft der unter
UN-Verwaltung stehenden Provinz erörtert werden; die albanische
Bevölkerungsmehrheit im Kosovo dringt auf Unabhängigkeit von
Serbien-Montenegro.
(Quelle: ap)
Rumänisches Parlament ratifiziert NATO-Beitritt
Fr.27.02.04 - Das rumänische Parlament hat am Donnerstag den Vertrag über
den Beitritt des Landes zur NATO ratifiziert. Die Abgeordneten in
Bukarest applaudierten, als das Abstimmungsergebnis bekannt gegeben
wurde: Alle 454 anwesenden Parlamentarier stimmten dem Beitritt zu. Die
NATO will Rumänien zusammen mit sechs weiteren ehemaligen
Ostblockstaaten im Mai aufnehmen. Schon in der Vergangenheit hat sich
Rumänien an NATO-Friedensmissionen in Bosnien, Kosovo und
Afghanistan beteiligt. Das Land hofft, im Jahr 2007 auch Mitglied der
Europäischen Union zu werden.
(Quelle: ap)
EU erwartet nach Erweiterung geringen Zustrom von Arbeitskräften
Fr.27.02.04 - Die EU-Erweiterung am 1. Mai wird laut einer Studie der EU-Kommission
keinen Ansturm von Arbeitssuchenden aus Osteuropa auf die bisherigen
Mitgliedstaaten auslösen. In den kommenden fünf Jahren
würden maximal 200.000 Menschen in den Westen ziehen, heißt
es in der am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Studie.
Dies entspreche etwa einem Prozent der Erwerbsbevölkerung der zehn
Beitrittsstaaten.
Größeren Einfluss werde die EU-Erweiterung auf die neuen
Mitgliedsländer haben, da bis zu drei Prozent der 15- bis
24-Jährigen sich nach eigenen Angaben eine Abwanderung Richtung
Westen vorstellen können. Ein Drittel davon sind Studenten, ein
Viertel Hochschulabsolventen.
Die Studie bestätige die Haltung der EU-Kommission, wonach sich
die Sorge vor einer großen Einwanderungswelle als
unbegründet erweisen werde, sagte Margot Wallström, die
amtierende EU-Kommissarin für Arbeit. Die neuen Mitgliedstaaten
hätten hoch qualifizierte Menschen zu bieten, die aktiv zur
Entwicklung der europäischen Wirtschaft beitragen könnten.
Aus Furcht vor einer Überforderung der Sozialsysteme haben
zahlreiche EU-Staaten, auch Deutschland, den Zugang zu ihren
Arbeitsmärkten für Bürger der Neumitglieder
zunächst beschränkt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
EU-Erweiterung: Österreich schottet seinen Arbeitsmarkt ab
Do.26.02.04 - Im Vorfeld der EU-Erweiterung hat Österreich den Zugang für
den Arbeitsmarkt beschränkt... Mehr unter:
http://home.t-online.de/ home/boa-archiv3/k0402260.htm#04022611
Schweden gegen sofortige Freizügigkeit für neue EU-Staaten
Mi.04.02.04 - Schweden will nach dem Beitritt der zehn neuen EU-Mitglieder die
Freizügigkeit für Arbeitnehmer noch mindestens zwei Jahre
lang beschränken. Diese Ankündigung stellt eine Kehrtwende
der Regierung dar, die bislang für volle Freizügigkeit von
Anfang an eingetreten war... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#04020410
Den Haag will Arbeitsmarkt für neue EU-Bürger zunächst
schließen
Sa.14.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Staaten sollen in den Niederlanden
zunächst nur dann eine Arbeit aufnehmen dürfen, wenn die
Stelle nicht mit einem Niederländer besetzt werden kann... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021414
London knüpft Freizügigkeit für neue EU-Staaten an
Bedingungen
Di.24.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten sollen in
Großbritannien für mindestens zwei Jahre nur eine bedingte
Arbeitserlaubnis erhalten. Zunächst haben sie auch keinen Anspruch
auf Sozialleistungen... Mehr unter:
http://home.t-online.deome/boa-archiv3/k0402240.htm#04022415
Eingebürgerte Briten müssen jetzt der Queen die Treue
schwören
Fr.27.02.04 - In Großbritannien hat die erste Einbürgerungszeremonie
stattgefunden. Im Beisein von Thronfolger Prinz Charles und
Innenminister David Blunkett schworen in London 16 Neu-Briten dem
Staatsoberhaupt Königin Elizabeth II. die Treue. Außerdem
sangen sie die Nationalhymne «God Save The Queen» und
gelobten feierlich, die demokratischen Werte, Gesetze und Freiheiten
des Landes zu respektieren. Künftig sollen alle Neu-Briten so
eingebürgert werden.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Öffentliche Hand mit 1,3 Billionen Euro verschuldet
Fr.27.02.04 - Die Schulden der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern und
Gemeinden sind bis Ende vergangenen Jahres auf 1,326 Billionen Euro
gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter Berufung
auf vorläufige Berechnungen mitteilte, erhöhten sich die
Verbindlichkeiten binnen Jahresfrist damit um 72,4 Milliarden Euro oder
5,8 Prozent.
Beim Bund und seinen Sondervermögen erhöhten sich die
Schulden um 40,7 Milliarden Euro (5,2 Prozent), bei den Ländern
stiegen sie um 30,2 Milliarden Euro (7,8 Prozent) und bei den Gemeinden
um 1,6 Milliarden Euro (1,9 Prozent).
(Quelle: afp)
Mannesmann-Prozess: Zeuge Fok rechtfertigt Millionen-Prämie an
Klaus Esser
Fr.27.02.04 - Im Mannesmann-Prozess um die umstrittenen Millionen-Abfindungen hat ein
Vertreter des ehemaligen Großaktionärs Hutchison Whampoa die
Millionen-Zahlungen an den früheren Konzernchef Klaus Esser als
Erfolgsprämie gerechtfertigt. Nach Ansicht des Anwalts Essers und
der Verteidigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sind damit
entscheidende Vorwürfe der Staatsanwaltschaft widerlegt.
Der Geschäftsführer von Hutchison Whampoa, Canning Fok, sagte
aus, er habe die umstrittene Anerkennungsprämie für Esser
während der Übernahme von Mannesmann durch den britischen
Mobilfunkriesen Vodafone vor vier Jahren selbst angeregt, um dessen
Leistungen zu belohnen. Immer wieder unterstrich er, Esser
genieße seine Hochachtung. Die Prozessbeteiligten waren eigens in
das Oberlandesgericht in Düsseldorf umgezogen, um Fok per
Videokonferenz aus Hongkong vernehmen zu können. Im angestammten
Gerichtssaal L111 im Landgericht fehlten die technischen
Voraussetzungen für eine Schaltung nach Fernost.
Er habe die Prämie Esser am 2. Februar 2000 vorgeschlagen, als
klar gewesen sei, dass die Übernahmeschlacht gegen den britischen
Vodafone-Konzern verloren sei, sagte Fok. Esser habe deprimiert
gewirkt. Die Atmosphäre sei wie nach dem Zweiten Weltkrieg
gewesen, als britische Truppen in Deutschland eingerückt waren,
sagte Fok. An jenem Februar-Tag hatte Fok zunächst mit Esser, dann
mit dem damaligen Vodafone-Chef Chris Gent beraten, bevor er am Abend
kurz in das entscheidende Gespräch der beiden Konzernlenker
platzte.
"Im Gespräch mit Esser kam mir spontan der Gedanke an eine
Anerkennungsprämie", sagte Fok. "Ich sagte, wir sind als
Aktionär für ihre Arbeit sehr dankbar." Esser habe bis zum
Ende gekämpft. Im Laufe der spektakulären
Übernahmeschlacht hatte sich der Kurs der Mannesmann-Aktie
drastisch erhöht, wovon natürlich auch Hutchison Whampoa
kräftig profitierte. Esser habe damals zur Bedingung gemacht, dass
neben ihm auch sein Team bedacht und die Zahlung von Mannesmann
übernommen werde. Fok habe zehn Millionen britische Pfund für
Esser und weitere zehn Millionen für das Team vorgeschlagen. Mit
diesem Wissen war Esser dann in das Gespräch mit Gent gegangen,
bei dem Fok zufolge letzte Details der Übernahme geklärt
werden sollten.
Die Anwälte Essers und Ackermanns, Sven Thomas und Eberhard Kempf,
betonten, mit der Aussage Foks sei der von der Staatsanwaltschaft
erhobene Vorwurf der Käuflichkeit Essers endgültig widerlegt.
"Die These der Käuflichkeit ist aus unserer Sicht endgültig
beerdigt", sagte Thomas. Kempf sagte, die These der Staatsanwaltschaft
sei nun vom Tisch. Sie sei "endgültig zur Schimäre geworden".
Schon vor dem Gespräch zwischen Esser und Fok sei klar gewesen:
"Das Spiel war aus."
Das Landgericht verhandelt seit Mitte Januar gegen insgesamt sechs
Manager. Schwere Untreue oder Beihilfe zur Untreue lautet der Vorwurf
der Staatsanwaltschaft. Esser allein hatte damals inklusive
Pensionszahlungen ein Abfindungspaket von gut 30 Millionen Euro
erhalten. Die Staatsanwaltschaft sieht die Zahlungen an die ehemalige
Mannesmann-Führung im Gesamtvolumen von rund 60 Millionen Euro als
ungerechtfertigt und überzogen an. Für schwere Untreue ist
eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren möglich.
Esser hat stets bestritten, dass der von Fok in Aussicht gestellte
Bonus eine Rolle im Übernahmekampf gespielt hat. Die
Mannesmann-Führung hatte sich bei der bis dahin teuersten
Übernahmeschlacht der Industriegeschichte lange gegen den Kauf
durch Vodafone gestemmt, dann aber doch eingelenkt.
Auf die Frage, ob er am Abend jenes 2. Februar in ein Gespräch
zwischen Esser und Gent geplatzt sei, um die Gespräche zur
Vodafone-Übernahme zu beschleunigen, sagte Fok, er sei nur maximal
fünf Sekunden in dem Raum gewesen. Esser habe ihn sofort des
Zimmers verwiesen. "Esser hat es auf die deutsche Art gemacht: Raus",
sagte Fok. Auf die Frage, ob er entsprechend einer Zeugenaussage vor
dem Betreten des Gesprächszimmers gesagt habe, er wolle das
Problem "auf dem chinesischen Weg" beilegen, sagte Fok, er könne
sich nicht erinnern, etwas in dieser Art gesagt zu haben. Er könne
aber auch nicht sagen, dass der Zeuge sich getäuscht habe. Der
"chinesische Weg" bedeute nach seiner Auffassung aber, etwas ehrenhaft
zu lösen. Der Investmentbanker Dietrich Becker, der bei Mannesmann
mit den Abwehrmaßnahmen vertraut war, hatte Anfang dieses Monats
ausgesagt, Fok habe Esser Geld bieten wollen, um die Verhandlungen mit
Vodafone zu erleichtern. Dies hatte Fok laut Aussage von Becker als den
"chinesischen Weg" bezeichnet.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Mannesmann-Prozess: Ackermann - Millionen-Prämien waren
angemessen
Do.12.02.04 - Der wegen Untreue angeklagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die
Millionen-Zahlungen bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns vor
Gericht als auch in der Höhe gerechtfertigt verteidigt.
"Ich bleibe dabei, dass wir im Ergebnis nichts falsch gemacht und
niemanden geschädigt haben", sagte Ackermann am Mittwoch zum
Abschluss einer ausführlichen Erklärung vor dem
Düsseldorfer Landgericht.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402120.htm#04021220
Zeuge bestätigt Bedenken gegen Mannesmann-Prämien
Sa.07.02.04 - Im Prozess um die Millionen-Zahlungen bei der Mannesmann-Übernahme
durch Vodafone hat ein Zeuge erstmals bestätigt, dass es teils
massive Bedenken gegen die Höhe der Prämien und die Art der
Beschlussfassung gegeben hat... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#04020719
Mehr Berichte zum Thema im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#040207sq
Wirtschaft will Kohlendioxid bis 2010 kaum mindern
Fr.27.02.04 - Die Wirtschaft will beim Emissionshandel bis 2010 praktisch keine
weitere Verminderung ihres Kohlendioxid-Ausstoßes gegenüber
heute akzeptieren. Dies erklärte der Bundesverband der Deutschen
Industrie am Donnerstag in Berlin. BDI-Chef Michael Rogowski forderte
in einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder
Unterstützung. Sonst drohe der Verlust von Arbeitsplätzen und
Wettbewerbsfähigkeit.
Umweltminister Jürgen Trittin verlangt in seinem umstrittenen
Nationalen Allokationsplan, dass die 2.600 am Emissionshandel
beteiligten Fabriken und Kraftwerke ihren Kohlendioxid-Ausstoß
von heute 505 Millionen Tonnen bis 2010 auf 480 Millionen Tonnen
reduzieren. Zielwert für den BDI sind hingegen maximal 498
Millionen Tonnen, also minimal weniger als heute.
Dies bedeute nicht, dass man nicht weiter Energie und Emissionen
einspare, betonte Klaus Mittelbach, Leiter der BDI-Umweltabteilung.
Denn sowohl die zusätzlichen Emissionen durch angenommene zwei
Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr als auch durch den Ersatz von
Atomkraftwerken müssten kompensiert werden. Die deutschen
Pflichten nach dem Kyoto-Protokoll sollen erfüllt werden, indem
der CO2-Ausstoß aus Verkehr und Heizungen um 18 Millionen Tonnen
stärker verringert werde, als von Trittin geplant.
In einer Selbstverpflichtung vom November 2000 hatte die Wirtschaft
noch versprochen, bis 2010 45 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger
auszustoßen als 1998. Davon entfiel allerdings ein Teil auf
Sektoren, die jetzt beim Emissionshandel nicht mitmachen.
Tatsächlich belaufe sich die versprochene Minderung für die
Teilnehmer am Emissionshandel auf etwa 25 Millionen Tonnen pro Jahr,
sagte Mittelbach. Offiziell hält der BDI an der
Selbstverpflichtung fest.
Durch Korrekturen an Trittins Plänen möchte die
Energiewirtschaft auch verhindern, dass sie über den
Emissionshandel zu vorzeitigen Investitionen in effizientere,
schadstoffärmere Kraftwerke gezwungen wird, wie E.ON-Vorstand
Rainer Frank Elsässer sagte. Die von Trittin vorgesehene knappe
Zuteilung von Emissionsrechten würde dazu führen, dass
abgeschriebene profitable Altanlagen wegen zu hoher Emissionen bald
durch neue ersetzt werden müssten, obwohl sie noch einige Jahre
laufen könnten. Folge wären tendenziell höhere
Strompreise, warnte Elsässer.
BDI-Chef Rogowski schrieb an Schröder: «Wir brauchen eine
einfache, marktgerechte Lösung.» Trittins Pläne
würden «unserer wirtschaftlichen Entwicklung schweren
Schaden» zufügen. Angesichts bisher erreichter Minderungen
gebe es keinen Zweifel, dass die Wirtschaft ihre Zielvorgabe erreiche,
bis 2010 «eine bestimmte Menge CO2» zu reduzieren -
allerdings «schwankend um eine fallende Linie» herum.
Gefordert sei eine «bedarfsgerechte Ausstattung». Diese sei
kein Risiko für die Klimaziele, da Energiewirtschaft und Industrie
beim Erfüllen ihrer Klimavereinbarung «auf Kurs»
lägen.
Nach einer EU-Vereinbarung auf Grundlage des Kyoto-Protokolls muss
Deutschland seine Treibhausgase bis 2010 um 21 Prozent unter den Wert
von 1990 bringen. Erreicht sind derzeit gut 19 Prozentpunkte. Eine
«überzogene Vorreiterrolle» sei angesichts des guten
Werts unangebracht, sagte Mittelbach.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Umweltrat fordert harte Linie beim Emissionshandel
Di.24.02.04 - Vor dem rot-grünen Spitzengespräch zum Emissionshandel hat
der Umweltrat die Bundesregierung aufgefordert, gegenüber der
Wirtschaft hart zu bleiben. Die deutschen Klimaschutzziele dürften
nicht aufgeweicht werden, erklärte das
Sachverständigengremium am Montag in Berlin. Die Pläne von
Umweltminister Jürgen Trittin für den Emissionshandel seien
bereits ein Kompromiss, der Forderungen der Wirtschaft einbeziehe... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0402240.htm#04022417
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0057.nf/text
Bayerisches Sozialministerium entmachtet Zahnärzte
Fr.27.02.04 - Im Streit um die Umsetzung der Gesundheitsreform hat die bayerische
Sozialministerin Christa Stewens die widerspenstigen Zahnärzte
entmachtet. Die CSU-Politikerin setzte nach Angaben vom Donnerstag
einen Staatskommissar ein, der bis auf weiteres die Aufgaben der
Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) übernimmt. So
werde im Interesse der Patienten «die Beachtung geltenden
Rechts» sicher gestellt.
Stewens reagierte auf die Beschlüsse der
KZVB-Vertreterversammlung, die Gesundheitsreform nicht umzusetzen.
Bayerische Zahnärzte hatten daraufhin entgegen der Regelung auch
bei Vorsorgeuntersuchungen zehn Euro Praxisgebühr verlangt.
«Das kann und will ich nicht akzeptieren», sagte Stewens.
«Die Versicherten müssen darauf vertrauen können, dass
sich ihr Zahnarzt an das geltende Recht hält.» In Bayern
gibt es rund 8.200 Vertragszahnärzte.
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung kritisierte die
staatliche Aufsicht über die KZVB: «Dieses Vorgehen ist
völlig überzogen», sagte Vorsitzender Jürgen
Fedderwitz in Berlin. Die autoritäre Einsetzung des
Staatskommissars löse den Konflikt nicht. Offenbar gehe es darum,
die Selbstverwaltung auszuhebeln, sagte Fedderwitz.
Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) bemängelte
ebenfalls den «unglaublichen Eingriff» in die
Selbstverwaltung der Zahnärzte. Dies gefährde die Versorgung
der Patienten. Der bayerische FVDZ-Landesverband sah Grundrechte
verletzt, weil durch die staatliche Aufsicht «das demokratisch
gewählte Parlament der Zahnärzte» abgesetzt und dessen
Beschlüsse für nichtig erklärt würden. Die KZVB
durfte sich nach eigenen Angaben nach dem Einsetzen des
Staatskommissars nicht zu den Vorgängen äußern.
(Quelle: ap)
Verdacht auf Korruption bei Bundesagentur für Arbeit
Fr.27.02.04 - Die Bundesagentur für Arbeit hat wegen der Kostenexplosion bei
ihrer Online-Jobbörse die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Es
bestehe Verdacht auf Korruption, sagte Behördenchef
Frank-Jürgen Weise in Zeitungsinterviews. Für den Aufbau des
Online-Portals seien Aufträge in einem Volumen von 15 Millionen
Euro ohne Genehmigung der Vergabestelle vergeben worden. Auch der
Bundesrechnungshof sei alarmiert. Ende Januar war Weises
Amtsvorgänger Florian Gerster wegen umstrittener
Beraterverträge entlassen worden.
Weise sagte der «Süddeutschen Zeitung» und der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitagausgaben), die
Innenrevision der Behörde habe die Staatsanwaltschaft
eingeschaltet, die den Berichten zufolge aber vorerst auf ein
Ermittlungsverfahren verzichtet. Zunächst müsse die
Bundesagentur konkrete Verdachtspersonen benennen und weitere Akten
vorlegen. Dann wolle die Staatsanwaltschaft den Fall erneut prüfen.
Der «Süddeutschen Zeitung» sagte Weise, im
äußersten Falle gehe es hierbei um Korruption, es könne
aber auch nichts an den Vorwürfen sein. Nun sei zu prüfen, ob
es sich um Täuschung oder schlechtes Management handele. Der
Vizechef des BA-Verwaltungsrates, Peter Clever, sagte dem Blatt
dagegen, es handele sich um Aktivitäten, die weit über
Schlamperei hinausgingen. Sowohl das Aufsichtsgremium wie auch der
Vorstand seien bewusst falsch informiert worden.
Die Bundesagentur hatte am Mittwoch überraschend mitgeteilt, dass
der Ausbau ihres Online-Portals vorerst gestoppt werde. Eine
Risikoanalyse habe ergeben, dass bis 2008 Kosten von 165 Millionen Euro
drohten. Ursprünglich waren 65 Millionen Euro geplant.
Projektleiter Jürgen Koch wurde von seinem Posten entbunden, laut
«Süddeutscher Zeitung» soll er dem BA-Vorstand die
Kostenexplosion verschwiegen haben. Die Zeitung berichtet unter
Berufung auf verlässliche Informationen, bei der BA seien
detaillierte anonyme Hinweise auf Bestechung und Vorteilnahme
eingegangen. Weise sprach im Gespräch mit der Zeitung von
Hinweisen auf eine «zu große Nähe» zwischen
Behörde und Auftraggebern.
Die Union wertete die Affäre als den bislang größten
Skandal der Behörde. Der Fall sei von der Dimension her viel
größer und schädlicher als der, der zu Gersters
Ablösung geführt habe, sagte CDU-Wirtschaftsexperte Hartmut
Schauerte der «Financial Times Deutschland»
(Freitagausgabe). In einem Interview mit der «Welt»
forderte Schauerte, Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)
und BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt müssten vor einem
Bundestagsausschuss Rede und Antwort stehen. Es reiche nicht, mit einer
Maßregelung des Projektleiters ein Bauernopfer zu
präsentieren. Der FDP-Politiker Dirk Niebel forderte erneut die
Auflösung der Bundesagentur.
(Quelle: ap)
Gewerkschaftschef nennt Politik der Bundesregierung 'sozial ungerecht'
- ver.di mobilisiert für europäischen Aktionstag gegen
Sozialabbau
Fr.27.02.04 - Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske,
hat die Politik der rot-grünen Bundesregierung ungewöhnlich
scharf kritisiert. Der «Bild»-Zeitung (Freitagausgabe)
sagte Bsirske, er sei «enttäuscht». Viele Zusagen, die
den Menschen vor der Wahl gemacht worden seien, würden heute nicht
mehr gelten. Als Beispiele nannte der ver.di-Chef die
Arbeitslosenhilfe, «die nicht gestrichen werden sollte»,
und die Zuzahlung im Gesundheitswesen, «die jetzt vor allem die
Rentner trifft». Bsirske: «Die Politik der Bundesregierung
insgesamt ist ökonomisch falsch und sozial ungerecht.»
Deutschland brauche «eine andere Politik».
Der ver.di-Chef nannte es für den künftigen SPD-Chef
Müntefering eine «Herausforderung», die SPD bei
Arbeitnehmern, Arbeitslosen und Rentnern wieder glaubwürdiger zu
machen. Inhaltlich brauche die SPD «wieder mehr Lafontaine,
weniger Schröder». Es müsse «Schluss sein mit der
Umverteilung von unten nach oben - damit, dass die Armen immer
ärmer und die Reichen immer reicher werden». Bsirske
erneuerte seine Forderung nach einer höheren Steuer «auf
Millionen-Erbschaften» sowie nach Wiedereinführung der
Vermögensteuer. Auch der Handel mit Aktien müsse besteuert
werden.
Ver.di macht unterdessen für den europäischen
Aktionstag gegen Sozialabbau am 3. April mobil. In den nächsten
Wochen soll mit Flugblättern und Infobroschüren über die
Auswirkungen der Agenda 2010 informiert werden, kündigte ein
Gewerkschaftssprecher am Donnerstag an. Zudem wird die Bevölkerung
auf Plakaten zur Beteiligung an der an diesem Tag geplanten
Demonstration aufgerufen.
Europaweit sind Aktionen von Sozialbündnissen und Gewerkschaften
für ein sozial gerechtes Europa vorgesehen. In Deutschland soll es
außer in Berlin in Köln und Stuttgart Demonstrationen geben.
(Quelle: ddp)
Die für den 3. April 2004
geplante Großdemonstrationen gegen Sozialabbau in Europa sind
Teil der Kampagne "Das soziale Europa ist in
Gefahr", zu welcher der Europäische Gewerkschaftsbund
(EGB) die Bürgerinnen und Bürger Europas für den 2. und
3. April aufruft. Aufruf als PDF-Datei unter:
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/
abisz_doks/e/egb_europ_aktionstag.pdf
Universität Tübingen: Nachdenken über Open Source
Fr.27.02.04 - Welchen Nutzen ziehen Wirtschaft und Wissenschaft aus der
Open-Source-Bewegung? Dieser Frage können Interessierte am 12.
März 2004 beim weltersten Thinkaton in der Bibliothek der
Universität Tübingen nachgehen. Zu der deutschsprachigen
Veranstaltung hat der Ausrichter, der Tübinger Verein Open
Communities Society (OPCOSO [http://www.opcoso.org/]) Vertreter aus namhaften Unternehmen,
Universitäten und bedeutenden Open-Source-Projekten als Redner
eingeladen...
Mehr bei heise-online (26.02.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/45044