Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsechsundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Streit um Status des islamischen Rechts und die kurdische Autonomie -
Verzögerungen bei Übergangsverfassung für Irak erwartet
+++ Deutscher Verteidigungsminister Struck rechnet mit Beschluss des
NATO-Gipfels zu Irak-Einsatz +++ Gewalt in Irak hält weiter an +++
Schröder und Bush wollen bei Irak zusammenarbeiten +++
Umfrage: Deutsche haben starke Vorbehalte gegen Rolle der USA im
Irak-Krieg
Sa.28.02.04 - Ein Streit um den Status des islamischen Rechts und die kurdische
Autonomie hat am Freitag die Vorlage der Interimsverfassung für
Irak zu verzögern gedroht. Im zuständigen Ausschuss, der dem
irakischen Verwaltungsrat bis zum (heutigen) Samstag den
Verfassungsentwurf zur Zustimmung vorlegen sollte, gebe es
außerdem noch Uneinigkeit über die Modalitäten zur
Bildung einer Übergangsregierung, erklärte Ratsmitglied
Mahmud Othman.
"Es gilt noch einige Fragen zu lösen", betonte Othman. "Das dauert
seine Zeit." Nachdem muslimische Fundamentalisten in dem Ausschuss
darauf beharrt hätten, das islamische Recht in der Verfassung als
entscheidende Grundlage der Rechtsprechung festzuschreiben, sei ein
Kompromissvorschlag vorgelegt worden, sagte Othman. Dieser sehe das
islamische Recht "als eine der Hauptquellen" vor, beinhalte aber
Garantien zur Sicherung der Rechte anderer religiöser
Gemeinschaften.
Der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck rechnet im Juni mit
einem positiven Beschluss des NATO-Gipfels über einen Einsatz des
Bündnisses im Irak. Eine NATO-Mission im Irak noch in diesem Jahr
könne er sich aber nicht vorstellen, sagte Struck der Zeitschrift
"Die Bundeswehr". Wenn es eine demokratisch legitimierte Regierung im
Irak gebe und diese dann über die UN die NATO bitte, werde sich
das Bündnis der Bitte nicht verschließen. Das bedeute aber
nicht, dass sich Deutschland mit Kontingenten beteiligen müsse,
meinte Struck.
Unterdessen hielt die Gewalt in Irak weiter an. In der nordirakischen
Stadt Kirkuk wurde am Donnerstagabend ein Büro der Patriotischen
Union Kurdistans (PUK) mit Granaten angegriffen, eine Person wurde nach
Angaben von Sicherheitschef Scherko Schaker getötet. Auf einem
Markt der Stadt nahmen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben
einen Ausländer mit einem Sprengsatz am Körper fest. Offenbar
habe der Mann einen Anschlag geplant.
In Tikrit wurden bei der Explosion eines Sprengsatzes zwei US-Soldaten,
ein irakischer Polizist und eine Frau verletzt, wie ein amerikanischer
Militärsprecher berichtete. In Chalis, rund 80 Kilometer
nördlich von Bagdad, detonierte am Freitag ein Sprengsatz am
Straßenrand, als ein US-Konvoi die Stelle passierte. Bei der
Explosion wurde nach Angaben von Augenzeugen ein Sportwagen getroffen,
drei Personen seien möglicherweise verletzt worden. US-Truppen
nahmen fünf Verdächtige fest.
In Ramadi westlich von Bagdad wurden US-Militärfahrzeuge mit
Granaten angegriffen. Dort tauchten am Freitag Flugblätter
militanter Gruppen auf, die mit der Ermordung von Irakern drohten, die
mit den Besatzungstruppen zusammenarbeiten. Zugleich bekannten sich die
beiden Gruppen zu mehreren solchen Taten in den vergangenen Wochen.
In Falludscha nahmen Angreifer einen Stützpunkt der Amerikaner mit
einem Mörsergeschoss ins Visier. Nach Angaben der
Streitkräfte gab es keine Verletzte oder Schäden. Augenzeugen
berichteten von mehreren nächtlichen Explosionen.
Vor der Imam-Kadhum-Moschee in Bagdad protestierten vor dem
Freitagsgebet tausende Schiiten gegen die Besatzungstruppen. Sie riefen
"Tod den Besatzern" und "Tod den Zionisten". Mit ihrem Protest
reagierten die Gläubigen auf Berichte über einen Anschlag auf
die Moschee sowie den Tod ihres Geistlichen Mahmud el Timimi, der am
Donnerstag in Bagdad in seinem Auto erschossen worden war. Die
tödlichen Schüsse sollen angeblich von US-Soldaten abgefeuert
worden sein, nachdem El Timimi nicht an einem Kontrollposten gehalten
haben soll.
Mit einem Treffen im Weißen Haus und einer Erklärung zur
deutsch-amerikanischen Freundschaft haben Bundeskanzler Gerhard
Schröder und US-Präsident George W. Bush ihren Streit in der
Irak-Frage hinter sich gelassen und sich wieder aufeinander zubewegt.
In dem Gespräch der beiden Politiker im Oval Office des
Weißen Hauses ging es am Freitag zunächst vor allem um den
Irak, den Friedensprozess im Nahen Osten und Afghanistan.
Beide Politiker betonten die Freundschaft und Partnerschaft der beiden
Länder und auch ihr persönlich gutes Verhältnis. Bush
sagte, Schröder habe Humor und sei ein angenehmer
Gesprächspartner. "Es spricht für Freunde nichts dagegen,
Unstimmigkeiten zu haben", erklärte er mit Blick auf den Dissens
in der Irak-Frage. Auch wenn sie hier unterschiedlicher Meinung gewesen
seien, gebe es keine Zweifel, dass Deutschland und die USA einen freien
Irak anstrebten. Gute Beziehungen zu Europa seien für die USA sehr
wichtig. Schröder betonte ebenfalls, den Streit aus der
Vergangenheit hinter sich lassen zu wollen.
Einig erklärten sich Bush und Schröder in dem Ziel, den
Irak zu einem sicheren, demokratischen Land mit einer souveränen
Regierung zu machen. "Wir begrüßen und unterstützen die
unverzichtbare und wachsende Rolle der Vereinten Nationen im Irak und
hoffen auf die Übergabe der Souveränität an eine neue
irakische Regierung am 1. Juli 2004." Bis zu diesem Termin wollen die
USA die Macht an die Iraker übergeben.
Schröder war zuletzt vor knapp zwei Jahren im Weißen Haus
empfangen worden. Nachdem er im Wahlkampf 2002 eine Beteiligung am
Irak-Krieg kategorisch ausschloss, fühlte sich Washington
hintergangen. Seit Beginn dieser diplomatischen Krise waren sich
Schröder und Bush lediglich bei internationalen Treffen begegnet.
Auch der telefonische Kontakt blieb auf ein Minimum beschränkt.
Ein erster Durchbruch war dann das Treffen der beiden in einer
Hotelsuite am Rande der UNO-Vollversammlung in New York im vergangenen
Herbst. Das Eintreten Schröders für einen teilweisen Erlass
der Schulden Iraks Ende Dezember stieß in Washington auf
Wohlwollen, ebenso seine Unterstützung der Türkei auf ihrem
Weg in die EU und das Engagement Deutschlands in Afghanistan.
Die Rolle der USA im Irak-Krieg hat die Einstellung der Deutschen zu
den Vereinigten Staaten stark negativ beeinflusst. Über 70 Prozent
sind der Meinung, dass kaum ein anderes Land seine Interessen "so
rücksichtslos und egoistisch vertritt" wie die USA.
Dies ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach in einer am
Freitag von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin vorgestellen
Umfrage. Die Hälfte der Befragten ist außerdem der Meinung,
dass man sich auf die USA als Weltmacht nicht verlassen könne,
weil die US-Regierung "selbst im eigenen Land mit vielen Problemen
nicht fertig" werde. Auf der anderen Seite sind sich die Deutschen so
gut wie einig, dass ein gutes Verhältnis zu den USA wichtig ist:
90 Prozent der Befragten sprechen sich demnach für gute
Beziehungen zu Washington aus. Zwei Drittel der Bürger
befürchten andererseits, dass durch eine enge Kooperation mit den
USA auch die Gefahr von Terroranschlägen größer wird.
(Quellen: ap, rtr, dpa)
Weitere Enthüllungen zur Abhör-Affäre bei UNO
Sa.28.02.04 - Nach den Enthüllungen über das Abhören von
UNO-Generalsekretär Kofi Annan durch den britischen Geheimdienst
haben weitere Schlüsselfiguren des Irak-Konflikts den Verdacht
geäußert, belauscht worden zu sein.
Die ehemaligen Waffeninspekteure der Vereinten Nationen (UNO), Richard
Butler und Hans Blix, erklärten am Freitag, sie hätten den
Eindruck gehabt, abgehört worden zu sein. Beide hatten sich
wiederholt gegen den von Großbritannien und den USA geforderten
Krieg gegen den Irak ausgesprochen und damit dazu beigetragen, dass die
UNO ihre Unterstützung verweigerte. Annan ist der ehemaligen
britischen Ministerin Clare Short zufolge abgehört worden. Ihre
Äußerungen setzten den britischen Premierminister Tony Blair
erneut wegen seiner Irak-Politik schwer unter Druck. Die
Bundesregierung erklärte, sie habe keine Hinweise für ein
Abhören deutscher UNO-Mitarbeiter oder Annans.
Butler sagte am Freitag der britischen BBC, es gebe "reichlich Beweise,
dass wir regelmäßig beobachtet wurden". Er habe in das Cafe
im Untergeschoss des UNO-Gebäudes in New York oder nach
draußen in den Central Park gehen müssen, um nicht belauscht
zu werden. Blix sagte australischen Medienberichten zufolge, er gehe
davon aus, dass sein Telefon abgehört wurde. Butler, der das
UNO-Inspektorenteam in Irak bis zu dessen Ausweisung 1998 leitete,
hatte den USA vorgeworfen, ohne UNO-Mandat sei ein Angriff auf den Irak
ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Blix hat erklärt,
US-Präsident George W. Bush und Blair hätten die
Glaubwürdigkeit der UNO beschädigt.
Der ehemalige UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali sagte der
BBC, er sei von Anfang an vor Überwachungen gewarnt worden. "Vom
ersten Tag in meinem Büro an haben sie mir gesagt: dein Büro
ist verwanzt, deine Residenz ist verwanzt. (...) Es ist Tradition, dass
Mitgliedsländer, die die technischen Kapazitäten zum
Abhören haben, dies ohne zu zögern tun."
Short hatte der BBC am Donnerstag gesagt, britische Agenten seien
angewiesen worden, in der UNO tätig zu werden. Besonders Annans
Büro sei Ziel der Aktion gewesen. "Ich habe einige Abschriften von
Aufzeichnungen seiner Gespräche gelesen", fügte sie hinzu.
Short war im Mai aus Protest gegen den Einmarsch in den Irak
zurückgetreten. Blair nannte ihre Äußerungen "zutiefst
unverantwortlich". Eine inhaltliche Stellungnahme dazu lehnte er aber
ab. Blair hatte erst jüngst eine Regierungskrise überstanden,
die die BBC mit einem Bericht über ein angeblich aufgebauschtes
Irak-Waffendossier ausgelöst hatte.
Annans Sprecher erklärte, die UNO verstärke ihre
Maßnahmen zum Schutz vor einer Ausspähung des
Generalsekretärs. Er verwies auf Abkommen, die die Unantastbarkeit
des Geländes der UNO garantierten. "Wir möchten, dass diese
Praxis aufhört, falls sie tatsächlich angewandt worden ist."
Ein solches Vorgehen untergrabe die Geschäftsgrundlage des
Generalsekretärs. Diejenigen, die mit Annan sprächen,
hätten ein Recht darauf anzunehmen, dass die Unterredungen
vertraulich blieben.
Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte, er habe keine Kenntnis
darüber, dass deutsche Vertreter wie etwa der deutsche
UNO-Botschafter Gunter Pleuger abgehört worden sein könnten.
Auch lägen der Bundesregierung keine Erkenntnisse über ein
mögliches Abhören Annans vor. Allerdings machte die Regierung
klar, sie werde mit sensiblen Angelegenheiten von Nachrichtendiensten
nicht in die Öffentlichkeit gehen.
(Quelle: rtr)
CIA-Software ließ Pipeline explodieren
Geheimdienst spielte 1982 Moskau bewusst fehlerhafte Software für
die Steurung der Gasversorgung zu
Sa.28.02.04 - Der US-Geheimdienst CIA hat nach einem Bericht der "Washington Post" in
den 80er Jahren eine gewaltige Pipeline-Explosion in der damaligen
Sowjetunion verursacht. Wie die Zeitung unter Berufung auf einen
ehemaligen Angehörigen der US-Luftwaffe am Freitag berichtet,
spielte die CIA zu Zeiten des Kalten Krieges der Sowjetunion eine
Steuer-Software zu, welche die Gasversorgung des Landes stören
sollte. Im Sommer 1982 explodierte daraufhin eine Gasleitung in
Sibiren. Nach Angaben der Zeitung kamen dabei keine Menschen zu
Schaden. Der wirtschaftliche Schaden sei jedoch beachtlich gewesen.
Über die Geheimdienstaktivitäten berichtet nach Angaben der
Zeitung Thomas Reed, ehemals Mitglied der US-Luftwaffe und des
Nationalen Sicherheitsrats, in seinen Memoiren, die im März
erscheinen sollen. Nach dem Bericht spionierte der sowjetische
Geheimdienst KGB damals westliche Technologien aus. Als die damalige
US-Regierung unter Ronald Reagan das erfuhr, beschloss sie demnach, dem
KGB eine absichtlich fehlerhaft programmierte Software zukommen zu
lassen. Das Programm brachte nach einer gewissen Zeit die Einstellungen
von Pumpen, Turbinen und Ventilen der Gasversorgung durcheinander, bis
die Leitung explodierte.
Reed zufolge wurde die Detonation über Satelliten von der US-Armee
beobachtet und zunächst für einen Raketenstart gehalten. Ein
CIA-Agent habe das Militär dann aufgeklärt.
(Quelle: futurezone)
UNICEF: Weltweit jährlich bis zu 20.000 Minen-Tote - USA wollen
weiter Anti-Personen-Minen verwenden
Sa.28.02.04 - Trotz weltweiter Ächtung von Antipersonenminen werden nach Angaben
des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF weiterhin jedes Jahr zwischen 15.000
und 20.000 Menschen bei Minenexplosionen verletzt oder getötet -
nahezu ein Drittel davon Kinder. Zum fünften Jahrestag des so
genannten Ottawa-Abkommens gegen Landminen am 1. März forderte
UNICEF-Deutschland in einer Erklärung verstärkte Schutz- und
Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung minenverseuchter
Gebiete.
"Landminen sind eine ebenso heimtückische wie langfristige
Bedrohung. Sie fordern jeden Tag Opfer und behindern den sozialen und
wirtschaftlichen Wiederaufbau", sagte UNICEF-Schirmherrin Christina Rau
in Berlin nach ihrer Rückkehr aus Kambodscha. Das
südasiatische Land ist nach jahrelangem Bürgerkrieg eines der
minenverseuchtesten Länder weltweit.
Das Ottawa-Abkommen gegen Antipersonenminen trat am 1. März 1999
in Kraft. Die Unterzeichnerstaaten haben laut UNICEF seit 1999 rund 50
Millionen Antipersonenminen vernichtet. Die Zahl der
Herstellerländer sank demnach von 55 (1997) auf 14 (2003). Die
Kampagne wurde 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ein
weiteres Ziel sei es nun, das Abkommen auch auf Antifahrzeugminen sowie
Streubomben auszuweiten, sagte Rau.
Lincoln Bloomfield, Sprecher der Regierung Bush zum Thema Landminen,
äußerte sich derweil über die Modalitäten
der weiteren Verwendung dieser Waffengattung, besonders der so genannten
"intelligenten Minen". Nach 2010 würde die amerikanische Armee nur
noch Minen einsetzen, die sich nach einiger Zeit selbst zerstören.
"Die Explosivkraft unserer Anti-Personen-Minen und Anti-Fahrzeug-Minen
wird sich auf die Dauer von Feindseligkeiten beschränken", so
Bloomfield.
Diese Dauer festzulegen bleibt jedoch ein willkürlicher Akt,
außerdem weisen Selbstzerstörungsmechanismen bei Minen nach
bisherigen Erfahrungen immer Fehlerquoten auf.
Mit ihrer Erklärung haben die USA bestätigt, dass sie
keineswegs beabsichtigen, auf Landminen zu verzichte. Dies ist ein
deutlicher Rückschritt im Gegensatz zu anderen amerikanischen
Erklärungen seit 1994, in denen angekündigt wurde, dass auch
die USA schrittweise den Einsatz von Landminen einstellen werden. Noch
Präsident Clinton engagierte sich für eine Ratifikation des
internationalen Verbotsabkommens für Minen bis 2006 - allerdings
unter der Voraussetzung, dass bis dahin Alternativwaffen entwickelt
werden könnten.
Die aktuelle Entscheidung ist um so bedauerlicher, da hochrangige
amerikanische Militärs in den letzten Jahren mehrfach den
militärischen Sinn von Landminen angezweifelt haben. Während
des
Vietnamkriegs und im Golfkrieg von 1991 wurden zahlreiche amerikanische
Soldaten zu Opfern von Minen, die von den eigenen Truppen verlegt
worden waren. In den späteren Kriegen in Bosnien, im
Kosovo, in Afghanistan und im Irak haben die Amerikaner keine Minen
mehr verwendet.
"Wir dürfen uns nicht davon täuschen lassen, dass die USA
Programme zur Entminung und Opferhilfe finanzieren, wenn sie sich
gleichzeitig der breiten internationalen Bewegung für ein Verbot
von Landminen deutlich widersetzen." resümiert Dr. Philippe
Chabasse, Repräsentant von Handicap International.
Handicap International, Gründungsmitglied der Internationalen
Landminenkampagne, die für ihr Engagement 1997 den
Friedensnobelpreis erhalten hat, unterstützt Programme für
Minenopfer
und zur Vorbeugung von Minenunfällen in Afghanistan, Angola,
Kambodscha, Laos, Thailand, Mosambik, Irak, Kosovo sowie im Kongo.
(Quellen: afp, ots)
Nahost-Konflikt
Palästinenser erschießen zwei Israelis in Israel +++
Zusammenstöße zwischen Palästinensern und Polizei in
Jerusalem - Israelische Polizisten stürmen Tempelberg +++
Bürgermeister von Nablus zurückgetreten - Protest gegen den
stetigen Abstieg seiner Stadt in die Rechtlosigkeit
Sa.28.02.04 - Palästinenser haben am Freitag in Israel zwei israelische
Zivilisten erschossen. Von Seiten der israelischen Armee hieß es,
bewaffnete Palästinenser hätten bei Beerscheba in der
Nähe des Übergangs zum Westjordanland das Feuer auf ein
ziviles Fahrzeug eröffnet. Dessen Insassen, eine Frau und ein
Mann, seien ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Angriff ereignete
sich nahe der jüdischen Siedlung Eschkolot, die sich etwa 20
Kilometer südwestlich der palästinensischen Stadt Hebron im
Westjordanland befindet. Die Armee leitete eine Großfahndung nach
den Tätern ein.
Im Gazastreifen sprengte sich ein Selbstmordattentäter nahe der
jüdischen Siedlung Kfar Darom in die Luft. Außer dem
Palästinenser kam niemand zu Schaden.
Zwischen israelischen Polizisten und palästinensischen
Demonstranten ist es auf dem Jerusalemer Tempelberg zu heftigen
Auseinandersetzungen gekommen. Nach Steinwürfen auf jüdische
Gläubige an der Klagemauer haben israelische Polizisten am Freitag
den Tempelberg gestürmt. Das Gelände wurde kurzzeitig
evakuiert, verletzt wurde aber niemand, wie ein Polizeisprecher
mitteilte.
Nach dem Freitagsgebet in den beiden Moscheen des Tempelbergs, auf dem
sich auch die Al-Aksa-Moschee befindet, versammelten sich zahlreiche
Palästinenser zu einer Demonstration, um gegen den Bau der
israelischen Sperranlage an der Grenze zum Westjordanland zu
protestieren. Dabei wurden auch einige Steine auf jüdische
Gläubige geworfen, die an der unterhalb gelegenen Klagemauer
beteten. Daraufhin schritt die Polizei ein. Auch im Westjordanland
demonstrierten wieder 2.000 Menschen gegen die Grenzanlage.
Der Tempelberg ist das größte Heiligtum der Juden und das
drittwichtigste der Muslime. Ein Besuch des damaligen
Oppositionsführers und heutigen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon auf dem Gelände hatte im September 2000 den noch immer
anhaltenden Aufstand der Palästinenser ausgelöst.
In Ramallah endete unterdessen eine dreitägige Sitzung des
Revolutionären Rates der Fatah, des zweithöchsten
Führungsgremiums der Organisation des palästinensischen
Präsidenten Jassir Arafat. Es war die erste Sitzung des 126
Mitglieder zählenden Rates seit Beginn der Unruhen im Jahr 2000.
Junge Fatah-Mitglieder forderten eine Neuwahl des Gremiums, dessen
Mitglieder zuletzt vor 15 Jahren bestimmt wurden. Arafat versprach,
binnen eines Jahres eine Abstimmung anzuberaumen, was zahlreiche
Delegierte jedoch bezweifelten.
Ratsmitglied Amin Makbol sagte, der Rat habe Arafat als Führer
bestätigt und sich ferner zum Friedensprozess bekannt. Arafat habe
auch Forderungen nach Reformen akzeptiert. Es sei allerdings unklar, ob
diese umgesetzt würden.
Während der Sitzung war es am Donnerstagabend zu wüsten
Beschimpfungen zwischen Arafat und dem Fatah-Führungsmitglied
Nasser Jussef gekommen. In der Debatte über Reformen bei den
Sicherheitskräften beschimpfte Arafat Jussef als Verräter und
bewarf ihn mit einem Mikrofon. Jussef warf einen Kugelschreiber
zurück, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete. Jussef, der von
Arafat als Innenminister im Kabinett von Ministerpräsident Ahmed
Kureia abgelehnt worden war, hatte die Effizienz der
Sicherheitskräfte in Zweifel gezogen.
Aus Protest gegen einen stetigen Abstieg seiner Stadt in die
Rechtlosigkeit hat der palästinensische Bürgermeister von
Nablus, Ghassan Schakaa, seinen Rücktritt erklärt. Schakaa
sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AP, er habe in seinem
Rücktrittsschreiben an Präsident Jassir Arafat die
Untätigkeit palästinensischer Führer und
Sicherheitskräfte beklagt, die nicht gegen das sich ausbreitende
Chaos einträten.
"Ich habe meinen Rücktritt bei Präsident Arafat eingereicht,
weil ich meine Stadt zusammenbrechen sehe", sagte Schakaa, dessen
Bruder im November von bewaffneten Palästinensern erschossen
wurde. "Mein Rücktritt ist eine Alarmsignal für die
Palästinensische Selbstverwaltung und die Einwohner von Nablus,
denn beide tun nichts für diese Stadt."
Nablus ist die grösste palästinensische Stadt im
Westjordanland. Im dreijährigen Kampf mit israelischen Truppen
sind die palästinensischen Sicherheitskräfte geschwächt
worden und die Kriminalität hat drastisch zugenommen. Schakaa
erklärte aber, Arafats Sicherheitskräfte könnten dennoch
mehr gegen Gewaltkriminalität unternehmen. "Ich leugne nicht die
Rolle der (israelischen) Besatzung bei der Zerstörung der Stadt",
sagte er. "Aber wir als Behörde und die Bürger selbst
unternehmen nichts, um unsere Stadt zu schützen und sie vor dem
Kollaps zu bewahren." Er wolle noch bis zum 1. Mai im Amt bleiben, weil
er noch diverse Bauprojekte, darunter eine Einkaufsstrasse, zum
Abschluss bringen wolle.
Der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan,
verhandelte unterdessen mit ägyptischen Beamten über einen
möglichen Rückzug aus dem Grenzkorridor zwischen dem
Gazastreifen und Ägypten. Voraussetzung sei allerdings, dass
Ägypten sich verpflichte, den Waffenschmuggel über die Grenze
hinweg zu unterbinden. Beobachtern zufolge steht das Angebot Dagans im
Zusammenhang mit den Überlegungen Scharons, die meisten
jüdischen Siedlungen im Gazastreifen einseitig aufzugeben.
(Quellen: afp, dpa, ap)
USA schicken Nahostgesandten nach Europa und in arabische Länder
Sa.28.02.04 - Die USA schicken zur Erklärung ihrer Nahost-Initiative einen hohen
Regierungsbeamten in mehrere arabische Länder sowie nach Ankara
und Brüssel. Wie US-Außenamtssprecher Richard Boucher am
Freitag mitteilte, reist Staatssekretär Marc Grossman ab Sonntag
zunächst nach Jordanien, Ägypten, Marokko und Bahrain. Die
USA hoffen auf dem Gipfel der acht wichtigsten Industriestaaten (G-8)
im Juni im US-Bundesstaat Georgia die erforderliche Unterstützung
für ihre Initiative für demokratische Reformen und
wirtschaftliche Öffnung in der arabischen und moslemischen Welt zu
erhalten. Die Initiative ist allerdings in vielen Staaten umstritten.
(Quelle: afp)
Sicherheitstreffen der Afrikanischen Union in Libyen
Sa.28.02.04 - Staatschefs und Vertreter von mehr als 50 Staaten sind am Freitag in
der libyschen Hafenstadt Syrte zu einer zweitägigen
Sicherheitskonferenz der Afrikanischen Union (AU) zusammengekommen. Der
Gastgeber und libysche Staatschef Muammar el Gaddafi rief die
Teilnehmer auf, Einigkeit zu zeigen, damit Afrika in der Welt an
Einfluss gewinne. An der Tagung, auf der ein Protokoll zu Frieden und
Sicherheit verabschiedet werden sollte, nahm als Gast auch
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi teil.
Afrika wird seit Jahrzehnten von zahlreichen Konflikten
erschüttert. Die Kriege unter anderem in Sudan, Kongo, der
Elfenbeinküste und Liberia führten mit zu der
Überlegung, dass regionale Sicherheitskräfte nötig
seien, um solche verheerenden Konflikte künftig zu verhindern. Der
gegenwärtige AU-Vorsitzende, der mosambikanische Präsident
Joaquim Chissano, erklärte, die AU werde in den kommenden Monaten
einen Friedens- und Sicherheitsrat einrichten, der sich der Konflikte
annehmen solle. Möglicherweise werde es auch zur Einrichtung einer
Eingreiftruppe kommen, die bei Krisen schnell eingesetzt werden
könne.
Vorbild der noch jungen AU ist die Europäische Union. Von einer
vergleichbaren Bedeutung ist sie allerdings noch weit entfernt.
Belastend für die Arbeit sind auch finanzielle Probleme. So hat
die AU 40 Millionen Dollar Schulden von der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAU), ihrer Vorgängerorganisation, geerbt.
(Quelle: afp)
UNCTAD: Afrika verliert im Welthandel weiter an Boden - Verantwortlich
ist vorrangig der Protektionismus der Industrieländer
Sa.28.02.04 - Afrika hat nach einem UN-Bericht im internationalen Exportgeschäft
weiter an Boden verloren. Sinkende Exporterlöse hätten viele
afrikanische Länder in eine Handelsfalle gedrängt, die zu
einer Armutsfalle werde, erklärte die UN-Konferenz für Handel
und Entwicklung (UNCTAD) in einer Studie, die am Donnerstag in
Brüssel veröffentlicht wurde. Ungünstige
Handelsbedingungen und der Verlust von Marktanteilen seien die
Hauptfaktoren für die Verschuldung des Kontinents.
Der Güterexport aus afrikanischen Ländern wuchs laut der
Studie um jährlich 0,6 Prozent. Für alle
Entwicklungsländer verzeichnete UNCTAD eine Exportsteigerung von
3,3 Prozent pro Jahr, für Asien sogar um fünf Prozent.
Afrikas Anteil an den Güterausfuhren sei von 6,3 auf 2,5 Prozent
gesunken. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die UN-Organisation, Afrikas
Abhängigkeit von Preisschwankungen zu verringern und langfristige
strukturelle Anpassungen zu erleichtern.
Für die verschlechterte Handelsposition Afrikas ist der
UNCTAD-Studie zufolge vorrangig der Protektionismus der
Industrieländer verantwortlich. Arme Bauern in Afrika seien
Leidtragende von Agrarsubventionen für Landwirte in den
Industrieländern sowie des Preisverfalls für Baumwolle,
Erdnüsse und Zucker.
Der afrikanischen Baumwollproduktion hätten die Subventionen in
den Industrieländern Einbußen von rund 300 Millionen
US-Dollar in 2002 beschert, heißt es in der Untersuchung. Diese
Verluste seien höher als der Schuldenerlass von 230 Millionen
Dollar, der den neun Baumwollexportländern in West- und
Zentralafrika eingeräumt werde.
Gewinner dieser strukturellen Benachteiligung Afrikas sind laut UNCTAD
große internationale Konzerne. Niedrige Rohstoffpreise
hätten diesen Unternehmen und Händlern "Supergewinne"
eingetragen. Dies gehe zu Lasten der armen Produzenten und führe
zu einer Schwächung von Staatsunternehmen. Bei den
Kaffeeproduzenten kämen derzeit nur 5,5 Milliarden Dollar der
Erlöse in Höhe von 70 Milliarden Dollar aus dem Kaffeeverkauf
an. Beginn der 90er Jahre habe der Anteil noch rund ein Drittel
betragen, wurde argumentiert.
Für Fische, Schnittblumen und Gemüse verschlechterten sich
nach dem Bericht die afrikanischen Exporterlöse ebenfalls. Deshalb
seien finanzielle Mechanismen nötig, um kurzfristige
Preisschwankungen und Einkommenseinbußen der Erzeuger
auszugleichen.
(Quelle: epd)
Blick ins Archiv:
USA und arme Länder fordern Ende der Agrar-Exportsubventionen
Sa.21.02.04 - Die USA und die 20 führenden Entwicklungsländer (G 20) wollen
bei den aktuellen Freihandelsgesprächen gemeinsam für die
Abschaffung der umstrittenen Agrar-Exportsubventionen der reichen
Ländern kämpfen. "Wir stimmen absolut überein, dass die
Hilfen beendet werden müssen, um die Gespräche in der
Welthandelsorganisation wieder in Schwung zu bringen", sagte der
US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick am Freitag in Genf... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402210.htm#04022108
Mehr zum Thema "Ungerechtigkeit im Welthandel, Handelshemmnisse für Entwicklungsländer,
Agrarsubventionen etc" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402150.htm#040215fa
Lage in haitianischer Hauptstadt eskaliert - Welthungerhilfe: Haitis
Rebellen hinterlassen gesetzlose Städte
Sa.28.02.04 - Die Rebellen in Haiti hinterlassen nach Beobachtungen der deutschen
Welthungerhilfe "gesetzlose Städte". In weiten Teilen des Landes
herrschten nach Wochen des Machtkampfes mit Präsident Jean Bertrand
Aristide "Chaos und anarchische Zustände", sagte der
Welthungerhilfe-Koordinator Balthasar Stammbach, der sich inzwischen in
der Dominikanischen Republik in Sicherheit brachte, in der Nacht zum
Samstag telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. "Bewaffnete Banden
stellen mutmaßlichen Anhängern Aristides nach", betonte
Stammbach, der sich in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo
aufhält. Die "Destabilisierung" Haitis werde nach seiner
Einschätzung "nicht so schnell wieder ins Lot gebracht werden".
Derweil eskaliert die Lage in der von Rebellen belagerten haitianischen
Hauptstadt Port-au-Prince. Anhänger des umstrittenen
Präsidenten Jean-Bertand Aristide errichteten im Stadtzentrum
brennende Barrikaden, plünderten und griffen das einzige
Krankenhaus der Stadt an, das seinen Betrieb noch nicht eingestellt hat.
Nach Rundfunkberichten suchten die Aristide-Anhänger in der
Privatklinik Canape Vert nach Oppositionellen. Gewehrsalven waren
vereinzelt zu hören und drei Militärhubschrauber kreisten
über dem Gebäude.
"Wir rufen Präsident Aristide dringend auf, seine Anhänger
zum Ende der Gewalt zu bewegen", hieß es in einer Erklärung
der US-Botschaft, in der der Angriff auf die Klinik bestätigt
wurde. Washington mahnte alle US-Bürger in Haiti, sich in
Sicherheit zu bringen. UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte alle
haitianischen Führer und Anwärter auf Regierungsämter,
dass sie für jede Verletzung der internationalen Menschenrechte zur
Verantwortung gezogen würden.
Trotz der eskalierenden Situation wies Aristide jede
Rücktrittsforderung zurück. In einem Interview mit dem Sender
CNN sagte er: "Als gewählter Präsident habe ich die
Verantwortung, hier zu bleiben." Er forderte erneut ein kleines
Kontingent internationaler Soldaten, um den Vormarsch der Rebellen auf
die Hauptstadt zu stoppen.
Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die von mehreren karibischen
Staaten geforderte Entsendung einer internationalen Friedenstruppe nach
Haiti abgelehnt. Insbesondere Frankreich und die USA wollen vor einer
Truppenentsendung eine politische Lösung herbeiführen.
Ein hoher US-Regierungsbeamter sagte am Freitag, Washington sehe die
beste Chance auf ein Ende der Gewalt in der
verfassungsgemäßen Übergabe der Macht von Aristide an
den Vorsitzenden Richter des Obersten Gerichtes Boniface Alexandre.
Obwohl Richter in Haiti allgemein der Korruption verdächtigt
werden, gilt Alexandre als vertrauenswürdig.
Die Rebellen, die ihren Aufstand vor drei Wochen begannen, rückten
weiter auf die Hauptstadt vor. Ihr Sprecher Guy Philippe erklärte
allerdings, zunächst sein eine Abriegelung von Port-au-Prince
geplant.
Angesichts der eskalierenden Gewalt in in Haiti wollen die USA
möglicherweise doch Truppen auf die Insel schicken. Laut CNN
erwägt Washington die Entsendung von drei Kriegsschiffen. Eine
endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
Trotz der unsicheren Lage hat die US-Küstenwache am Freitag mehr
als 500 haitianische Bootsflüchtlinge in ihre Heimat
zurückgebracht. Es war die erste Massen-Repatriierung seit dem 5.
Februar, dem Beginn der Rebellion gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide. Die 537 Flüchtlinge - darunter auch Kleinkinder - wurden
an einem Dock im Süden der Hauptstadt Port-au Prince an Land
gebracht. Die meisten sagten, sie seien wegen Armut und Elend nach den
USA aufgebrochen, nicht aus politischen Gründen. In den USA hatten
Menschenrechtsgruppen und drei demokratische Senatoren vergeblich
gefordert, den Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren.
Präsident George W. Bush hat erklärt, alle haitianischen
Flüchtlinge würden zurückgeschickt.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Fakt ist:
Die Gewalt, die Haiti nicht nur in den 200 Jahren seiner
Unabhängigkeit, sondern erst recht in den davorliegenden rund 150
Jahren seiner Kolonialgeschichte beherrschte, lebt nicht nur in den
Köpfen der Haitianer fort. Sie existiert real. Sie existiert in den
sozialen Beziehungen innerhalb der haitianischen Gesellschaft. Sie
existiert in den Beziehungen zwischen Haiti und dem Weltmarkt. Es ist
die Gewalt der ökonomischen Verhältnisse...
Alexander King in seiner Analyse der Krise in Haiti
Mehr in "junge Welt" vom 28.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-28/004.php
Alexander King ist Diplomgeograph und lebt in Berlin. Seine Analyse der
Krise in Haiti wurde für die Informationsstelle Militarisierung IMI
e.V., Tübingen, erstellt
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226_f
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Blutige Ausschreitungen zu Beginn des Gipfels der
Entwicklungsländer
Sa.28.02.04 - Der Auftakt eines Gipfels von 19 Entwicklungsländen in Venezuela
ist am Freitag von schweren Ausschreitungen überschattet worden.
Demonstranten, die den Rücktritt des venezolanischen
Präsidenten Hugo Chavez forderten, lieferten sich unweit des
Gipfel-Hotels in der Hauptstadt Caracas eine Straßenschlacht mit
Sicherheitskräften. Dabei wurde nach Krankenhausangaben ein Mann
getötet. Mindestens 26 weitere Personen seien verletzt worden,
hieß es.
Zu den Zusammenstößen kam es, während Chavez in seiner
Eröffnungsrede die Vertreter der armen Länder aufforderte,
die Freihandelspolitik der westlichen Staaten abzulehnen. Ungeachtet
deren Globalisierungsabsichten würden die reichen Staaten ihre
eigenen Industrien mit Milliarden Dollar subventionieren und ihre
Märkte gegen Produkte aus Dritte-Welt-Ländern abschotten,
sagte Chavez.
Sicherheitskräfte feuerten mit Tränengas in den
Demonstrationszug. Dutzende Chavez-Gegner warfen mit Steinen und
Flaschen auf die Militärpolizisten. Die Demonstranten steckten
Mülleimer und Autoreifen in Brand und blockierten eine Autobahn.
Reportagen über die Ausschreitungen in privaten Fernseh- und
Radiosendern wurden von der Regierung durch Berichte über den
Gipfel ersetzt. Vizepräsident Jose Vicente Rangel warf der
Opposition vor, die Gewalt geschürt zu haben. 50.000 Soldaten und
Polizisten waren nach Caracas verlegt worden, um während des
Gipfels für Ruhe zu sorgen.
(Quelle: ap)
UN-Gesandter prangert Journalistenmorde in Kolumbien an
Sa.28.02.04 - Die Vereinten Nationen haben Kolumbien vorgeworfen, Morde gegen
Journalisten nicht aggressiv genug aufzuklären. Ambeyi Ligabo, ein
für Pressefreiheit zuständiger UN-Beamter, sagte am Freitag
in Bogota, im vergangenen Jahr seien in dem südamerikanischen Land
sieben Journalisten ermordet worden und in keinem einzigen Fall sei
auch nur ein Verdächtiger festgenommen worden. «Der Kampf
gegen Straflosigkeit sollte von höchster Priorität
sein», sagte Ligabo. Für die Medien in Kolumbien werde es
zunehmend schwieriger, ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Journalisten würden regelmäßig von Aufständischen,
Drogenhändlern und korrupten Beamten bedroht. «All diese
Faktoren führen nicht zu einer Atmosphäre für die
Entwicklung von Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für
Demokratie ist.» Alle Beteiligten im 40-jährigen
Bürgerkrieg, einschließlich die Regierung von Präsident
Alvaro Uribe, hätten Intoleranz gegen Andersdenkende gezeigt.
Uribe hat beispielsweise Menschenrechtsgruppen und
Nicht-Regierungsorganisationen, die sein Vorgehen gegen die
linksgerichteten Rebellen kritisch begleiteten, als Feiglinge und
Sympathisanten von Terroristen bezeichnet.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Deutscher Kanzler billigt harte Linie Kolumbiens im Kampf gegen die
Guerilla
Sa.14.02.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den harten Kurs des
kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe gegen Drogen und Guerilla
in seinem Land unterstützt. Schröder sagte nach einer
Unterredung mit 51-jährigen Politiker am Freitag in Berlin, er
befürworte auch den Wunsch Uribes, die Rebellenformation ELN auf
die EU-Liste terroristischer Gruppen setzen zu lassen. Wohlwollen
äußerte er für den Wunsch Kolumbiens nach besseren
Marktchancen in Europa... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021408
Spanien unterstützt Kolumbien im Kampf gegen Rebellen
So.22.02.04 - Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar unterstützt
Kolumbien im Kampf gegen die Rebellen. Aznar sprach sich am Samstag
während eines Besuchs in Cartagena dafür aus, die
zweitgrößte Rebellenorganisation des Landes, die Nationale
Befreiungsarmee (ELN), auf die EU-Liste der Terrorgruppen zu setzen. Er
werde seine europäischen Kollegen auffordern, entsprechende
Schritte einzuleiten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402220.htm#04022211
Eine alte Legende besagt, dass, als Gott Kolumbien machte, Petrus
fragte: „Warum hast du ein Land mit so vielen natürlichen
Reichtümern ausgestattet?" Und Gott antwortete: „Du hast noch
nicht die Führer gesehen, die ich diesem Land geben werde."
Heute sind es eben diese Reichtümer, die die westlichen Interessen
an Kolumbien hervorrufen, und es ist eben jene armselige Führung,
die für ihren zügigen Ausverkauf verantwortlich ist.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#040214_e
Pekinger Sechser-Gespräche zu Nordkorea beendet
Sa.28.02.04 - Nach vier Tagen sind am Samstag die Sechs-Nationen-Gespräche in
Peking über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm abgeschlossen
worden. Die Verhandlungen seien von "tiefen und konstruktiven
Diskussionen" geprägt gewesen, sagte der chinesische
Außenminister Li Zhaoxing laut Nachrichtenagentur Xinhua bei der
Abschlusszeremonie. Das ursprünglich auf 04.00 Uhr MEZ angesetzte
Ende der Verhandlungen war verschoben worden, weil Nordkorea nach
Diplomaten-Angaben auf einen nicht näher ausgeführten Zusatz
in der Abschlusserklärung beharrte.
(Quelle: dpa)
Strafzollstreit: Ab Montag Sanktionen der EU gegen US
Sa.28.02.04 - Im Streit über Strafzölle will die Europäische Union
(EU) ab Montag kommender Woche Sanktionen gegen die USA verhängen.
EU-Handelskommissar Pascal Lamy sagte nach Gesprächen in
Washington: "Die Sache ist jetzt ziemlich klar. Die
Gegenmaßnahmen werden ab nächsten Montag in Kraft treten."
Von da an werde zunächst ein fünfprozentiger Zoll auf eine
breite Palette von US-Einfuhrgütern erhoben. Die von den
Sanktionen betroffenen Importwaren reichen von landwirtschaftlichen
Erzeugnissen bis zu Fertiggütern im Gesamtwert von über vier
Milliarden Dollar. Einem Urteil der Welthandesorganisation (WTO)
zufolge hätten die USA bis Ende vergangenen Jahres eine Regelung
aufheben müssen, nach der die Regierung Einnahmen aus
Anti-Dumping-Zöllen an US-Unternehmen weitergibt.
Da die USA der Aufforderung jedoch nicht nachkamen, hatte die EU bei
der WTO die Erlaubnis für Sanktionen erbeten. Lamy sagte, diese
würden so lange aufrecht erhalten, bis der US-Kongress die mit der
Strafzoll-Regelung verbundenen Steuervergünstigungen für
US-Unternehmen aufhebe. Im vergangenen Jahr hatten die USA nach
EU-Angaben Strafzölle in Höhe von 70 Millionen Euro von
Unternehmen aus der EU kassiert und an einheimische Firmen
weitergegeben.
Falls die USA die Regelung dennoch beibehalten, wird der EU-Strafzoll
monatlich um einen Prozentpunkt steigen bis bei 17 Prozent eine
Obergrenze erreicht ist. Erst im Dezember war ein transatlantischer
Handelsstreit beigelegt worden, nachdem die USA ihre umstrittenen
Zölle auf Stahlimporte aufgehoben und damit in letzter Minute
Strafmaßnahmen der EU abgewendet hatten.
(Quelle: rtr)
EU-Staaten erringen Sieg im Streit um Gen-Lebensmittel - UN-Konferenz
über Biosicherheit einigt sich auf strengere
Kennzeichnungs-Richtlinien
Sa.28.02.04 - Im Streit mit den USA um gentechnisch veränderte Lebensmittel
haben die europäischen Staaten am Freitag einen wichtigen Sieg
errungen. Die Delegierten einer UN-Konferenz über Biosicherheit in
Malaysia einigten sich auf strengere Richtlinien zur Kennzeichnung
gentechnisch veränderter Organismen (GVO).
Bundesverbraucherministerin Renate Künast begrüßte die
Einigung als Schritt in die richtige Richtung.
Dem Kompromiss zufolge müssen künftig auf alle
Nahrungsmittelexporte der wissenschaftliche Name sowie die Merkmale der
darin enthaltenen GVOs aufgedruckt werden. Die USA hatten sich strikt
gegen eine solche Kennzeichnung ausgesprochen. Nach Ansicht von
Beobachtern wird die Vereinbarung die USA zu mehr Transparenz zwingen,
um die Behörden in Europa, Afrika und Asien von der Sicherheit
ihrer Produkte zu überzeugen.
Verbraucherministerin Künast erklärte dazu: «Das ist
ein Schritt in die richtige Richtung und die notwendige Ergänzung
zu den EU-Kennzeichnungsregelungen. Der nächste Schritt ist jetzt
der Schutz des gentechnikfreien Anbaus durch unser
Gentechnikgesetz.»
Auch die Europäische Union zeigte sich erfreut über die
Einigung. «Wir sind zufrieden, wir haben unsere Ziele
erreicht», sagte Christoph Bail von der Europäischen
Umweltkommission. Der malaysische Umweltminister Law Hieng sprach von
einem «historischen Ereignis».
Die USA kritisierten das Abkommen als voreilig und erklärten, es
könne dem Welthandel schaden. Die US-Delegation durfte auf der
fünftägigen Konferenz in Kuala Lumpur zwar an den
Gesprächen teilnehmen. Von der Entscheidungsfindung war sie jedoch
ausgeschlossen, da Washington das so genannte Protokoll von Cartagena
über die Sicherheit von Umwelt und Gesundheit beim Export von GVOs
nicht unterzeichnet hat.
Der im Jahr 2000 im kolumbianischen Cartagena geschlossene Vertrag trat
im September in Kraft und wurde inzwischen von 86 Staaten und der EU
ratifiziert.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Gen-Lebensmittel: Streit zwischen Europa und USA im
Mittelpunkt von UN-Konferenz über Biosicherheit
Mi.25.02.04 - Der Streit zwischen Europa und den USA um gentechnisch veränderte
Lebensmittel hat am Dienstag eine UN-Konferenz über Biosicherheit
beherrscht. Die US-Delegation warf den europäischen Staaten vor,
auf Grund ihrer Lebensmittelskandale in den vergangenen Jahren bei dem
Thema zu überreagieren... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022517
Gen-Pflanzen erobern auch herkömmliche Saat - Wissenschaftler
warnen vor gesundheitlichen Schäden durch GMO
Mi.25.02.04 - Amerikanische Forscher warnen vor großen gesundheitlichen
Schäden durch genetisch veränderte Nutzpflanzen. In
Untersuchungen konnten die Forscher nämlich Spuren von
Gentechnologie in herkömmlichen Nahrungsmitteln nachweisen, die
eigentlich frei von Gentech hätten sein sollen, berichtet das
Wissenschaftsmagazin New Scientist... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022518
Bayer beantragt Zulassung von Gentech-Pflanzengut in China
Mi.25.02.04 - Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat in China die
Zulassung von gentechnisch verändertem (GMO-) Pflanzengut
beantragt. "China ist einer der wichtigen Märkte für gentechnisch
veränderte Lebensmittel", sagte ein Sprecher von Bayer CropScience
am Dienstag. "Wir sind zuversichtlich, dass wir in naher Zukunft die
Zulassung für unsere Produkte erhalten."... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022519
Umweltschützer ziehen negative Bilanz bei Genfood
Di.24.02.04 - Nach zehn Jahren Genfood im Handel haben Umweltschützer eine
negative Bilanz gezogen. Gentechnisch veränderte Pflanzen
böten Verbrauchern und Landwirten bis heute keine Sicherheit,
heißt es in einer Studie der Organisation Friends of the Earth.
Mögliche Gesundheitsrisiken wie Allergien seien nur unzureichend
erforscht... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402240.htm#04022416
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402240.htm#040224_f
Fischer gegen Volksabstimmung über EU-Verfassung
Sa.28.02.04 - Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat sich gegen eine
Volksabstimmung über die neue EU-Verfassung ausgesprochen.
«Dafür haben wir die Tradition nicht. Worüber wollen
Sie die Leute überhaupt abstimmen lassen? Über die
Europäische Verfassung, über den Nizza-Vertrag? Wer versteht
denn das?», sagte Fischer der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe). Er stelte klar: «Anders als meine Partei - das
gebe ich zu - sehe ich persönlich die Notwendigkeit einer
Volksabstimmung nicht.»
Der Außenminister drängte zugleich auf die rasche
Verabschiedung der EU-Verfassung. Sie werde es ermöglichen, nicht
nur die jetzt anstehende Erweiterung, sondern auch weitere Beitritte zu
bewältigen. «Die Verfassung ist hervorragend. Sie ist
flexibel, sie ist dynamisch, sie hat
Entwicklungsmöglichkeiten», sagte Fischer über den von
ihm selbst miterarbeiteten Entwurf. Im ersten Anlauf allerdings war die
Verfassung an einem Machtstreit der europäischen Regierungschefs
gescheitert.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
Verfassungsgerichtspräsident für Diskussion über
EU-Verfassung
Mo.22.09.03 - Der Entwurf für eine EU-Verfassung sollte aus Sicht von
Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier auf
nationaler Ebene noch einmal diskutiert und geprüft werden. Der
Karlsruher Richter kritisierte damit in einem am Samstag
veröffentlichten "Spiegel"-Gespräch Äußerungen von
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka
Fischer. "Zu sagen, das, was da bisher entstanden ist, sei nur noch
abzunicken und durchzuwinken, tangiert schon die
demokratisch-parlamentarischen Grundfesten", meinte Papier... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309220.htm#03092207
Wirtschaftsklima in Euro-Zone im Februar stabilisiert
Sa.28.02.04 - Dank eines überraschend gestiegenen Verbrauchervertrauens hat sich
im Februar das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone stabilisiert.
Der von der der Europäischen Kommission ermittelte Index zur
Stimmung in der Wirtschaft des Währungsraums verharrte im
laufenden Monat auf 96 Zählern, wie am Freitag
veröffentlichte Daten zeigen. Volkswirte hatten im Schnitt diesem
Wert erwartet. Unerwartet kam allerdings der Anstieg des Teilindexes
zur Verbraucherstimmung, der auf minus 14 (Vormonat: revidiert minus
15) Punkte zulegte. Analysten hatten hier mit einem ebenfalls
unveränderten Stand gerechnet. Der Teilindex zur Stimmung der
Unternehmer lag wie im Januar auf minus sechs Punkten, dem
höchsten Stand seit drei Jahren.
Ein anderes Bild vom Geschäftsklima in der Euro-Zone liefert ein
separat erstellter Index der Kommission. Dieser fiel auf 0,01
(revidiert 0,11) Punkte und deutet damit auf eine eingetrübte
Stimmung unter den Unternehmen hin. Dies entspricht der Entwicklung in
Deutschland, der größten Volkswirtschaft des
Währungsraums, wo der Ifo-Geschäftsklima-Index im Februar zum
ersten Mal seit zehn Monaten zurückgegangen war. In der Euro-Zone
beurteilten die Firmen etwa die jüngsten Produktionstrends und die
Exportaufträge schlechter als im Vormonat. Einen Anstieg
verzeichnete lediglich die Indexkomponente zu den
Produktionserwartungen.
(Quelle: rtr)
EZB-Ratsmitglied unbeeindruckt von Forderungen nach Zinssenkung -
Nicholas Garganas: Euro-Kurs kein großes Problem für die
Wirtschaft
Sa.28.02.04 - Appelle von Bundeskanzler Gerhard Schröder und anderen
europäischen Regierungschefs nach einer Leitzinssenkung zur
Stärkung der Konjunktur sind bei der Europäischen Zentralbank
auf demonstrative Gelassenheit gestoßen. Das griechische
EZB-Ratsmitglied Nicholas Garganas sagte, der Euro-Kurs sei kein
großes Problem für die Wirtschaft.
"Die Zinsen sind angemessen für diese Situation", zitierte die
"Financial Times Deutschland" am Freitag den griechischen
Notenbankpräsidenten Garganas. Dagegen schloss sich Luxemburgs
Regierungschef Jean-Claude Juncker den Appellen von Schröder und
Frankreichs Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin nach einer
lockereren Geldpolitik an. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung
auf informierte Kreise, im EZB-Direktorium sei eine Senkung des
Leitzinses von aktuell 2,0 Prozent umstritten und verstärkte damit
Zins-Spekulationen an den Finanzmärkten.
Schröder und Raffarin hatten sich besorgt geäußert, der
anhaltend hohe Euro-Kurs könne der sich langsam erholenden
Konjunktur schaden. In ungewohnt offener Form hatte Schröder der
EZB eine Zinssenkung nahe gelegt und dabei öffentlich Raffarins
Unterstützung gefunden. Der starke Euro verteuert den Export ins
außereuropäische Ausland, insbesondere in den Dollar-Raum.
Juncker schloss sich den Regierungschefs der beiden größten
Länder der Euro-Zone an: Die Zinsen entsprächen nicht den
wirtschaftlichen Fundamentaldaten. "Die Europäische Zentralbank,
deren Unabhängigkeit ich respektiere, würde gut daran tun,
über die Zinspolitik mittelfristig nachzudenken." Die
Bundesregierung versicherte zugleich aber am Freitag, an der
Unabhängigkeit der EZB in der Geldpolitik wolle man nicht
rütteln.
Die deutschen Oppositionsparteien, Wirtschaftsvertreter und Volkswirte
hatten Schröders Vorstoß teils scharf kritisiert. Die EZB
könnte sich gedrängt sehen, ihre Unabhängigkeit unter
Beweis zu stellen und sich einer von Politikern geforderten Zinssenkung
verweigern. Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) verteidigte
die Unabhängigkeit der EZB. Die Erfahrung zeige, dass die
Währungen der Länder am stabilsten seien, "in denen die
Regierung keinen oder nur wenig Einfluss auf die Geldpolitik haben",
sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber. Die EZB solle
sich an ihrem Ziel stabiler Preise orientieren, die Zinsen seien
ohnehin nicht das Hindernis für höheres Wachstum.
Garganas äußerte sich denn auch betont unbeeindruckt von den
Einflussversuchen der Regierungen. Zum Euro, der sich in zwei Jahren um
mehr als 40 Prozent zum Dollar verteuert hat, sagte er: "Wir sollten
auf die historischen Durchschnittskurse schauen und cool bleiben." Er
machte aber klar, dass die EZB die jüngste Abschwächung des
Euro mit Genugtuung als Folge ihrer verbalen Interventionen betrachtet.
Seit den Warnungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor
Kursübertreibungen im Januar habe sich der Trend verändert.
"Wir sehen ganz klar einen Unterschied in der Geschwindigkeit der
Veränderungen des Euro-Kurses. Wir haben damit einen
entscheidenden Trendwechsel erzielt." Garganas äußerte sich
zudem zuversichtlich über die Konjunkturerholung.
Der Euro notierte am Freitag knapp unter 1,24 Dollar und damit mehr als
fünf US-Cent unter seinem Rekordstand.
Die Appelle der Regierungen und jüngste Medienberichte, die EZB
habe ihre Inflationsprognose leicht gesenkt und freunde sich
tatsächlich mit dem Gedanken einer weiteren Zinssenkung an,
verstärkten Spekulationen über Zinssenkungen. Das
"Handelsblatt" berichtete, informierte Kreise hätten einen Bericht
der Agentur Market News bestätigt, nachdem der EZB-Rat auf seiner
nächsten Ratssitzung am 4. März mit der Diskussion über
eine Zinssenkung zumindest beginnen werde. Auch führende Vertreter
der Deutschen Bundesbank sympathisierten mit der Idee.
Die Fantasien über eine Zinssenkung wurden am Renten- und
Devisenmarkt noch verstärkt durch die jüngsten Preisdaten.
Die Inflation in der Euro-Zone lag im Februar schätzungsweise bei
1,6 Prozent - sie war damit etwas niedriger als von Analysten erwartet
und rutschte früher als von der EZB gedacht unter die Marke von
zwei Prozent. Händler waren hin- und hergerissen, ob die EZB sich
zu einer Zinssenkung entschließen wird. Die Kurse der
kurzfristigen Zinsfutures stiegen an und spiegelten eine 35-prozentige
Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni wider, die Renditen von
Staatsanleihen fielen auf den niedrigsten Stand seit Juli 2003. Wegen
der Konjunkturerholung und der bereits historisch niedrigen Zinsen ist
die Mehrheit der Experten noch immer auf eine Zinserhöhung
eingestellt, auch wenn sich die EZB nach Meinung vieler damit noch fast
das ganze Jahr Zeit lassen wird.
(Quelle: rtr)
Euro-Anstieg macht Einsparungen der Agenda 2010 zunichte
... Ökonom Peter Bofinger, frisch berufener Wirtschaftsberater der
Bundesregierung, hat gerade eine kleine Rechnung angestellt, die die
Auswirkungen des Euroanstiegs mit den Einspareffekten der
Gesundheitsreform vergleicht. Das schlichte Ergebnis: Was die
Gesundheitsreform den Unternehmen zwischen 2004 und 2007 an
Einsparungen bringt, hat der Euroanstieg allein im Dezember 2003
zunichte gemacht. Es geht um eine Größenordnung von 13
Milliarden Euro.
Die Rechnung am Beispiel des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland
verläuft so: Angesichts von Personalkosten der Industriebetriebe
von rund 300 Milliarden Euro (2001) bringt die von Rot-Grün
angepeilte Beitragssenkung in der Krankenversicherung von heute 14,3
auf 12 Prozent zwischen 2004 und 2007 eine Kostensenkung von rund 13
Milliarden Euro. Demgegenüber stehen die zusätzlichen Kosten,
die der Euroanstieg zum Beispiel zwischen dem 1. und 31. Dezember 2003
verursacht hat. In dieser Zeit nahm der Wert des Euro um rund 6 Cent
gegenüber dem Dollar zu. Die Industriebetriebe reagieren darauf,
indem sie ihre Europreise senken, was ihren Gewinn schmälert. Und
schon ist die segensreiche Wirkung der Gesundheitsreform dahin.
Wirtschaftsweiser Bofinger zieht daraus die Konsequenz, dass sich die
Bundesregierung um die wichtigen Dinge kümmern sollte. Ganz
entscheidend sei es den Wechselkurs im Griff zu behalten."
Aus der "tageszeitung" vom 28.02.04:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2004/02/28/a0184.nf/text
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10.000 Rentner protestieren gegen Sozialabbau
Sa.28.02.04 - Knapp 10.000 Rentner haben in Hannover "gegen den sozialen Kahlschlag"
protestiert. Zu der Kundgebung in der Preussag Arena auf dem ehemaligen
Expo-Gelände hatte der Sozialverband Deutschland (SoVD)
aufgerufen. Dessen Präsident Adolf Bauer betont in seiner Rede,
die Renten- und Gesundheitsreform belasteten die Rentner "doppelt und
dreifach".
Bauer forderte die Bundesregierung auf, noch in dieser
Legislaturperiode eine Bürgerversicherung für das
Gesundheitswesen zu beschließen. Auch in die Rentenkassen
müsse langfristig "die gesamte Wohnbevölkerung" einzahlen.
Nach SoVD-Angaben beträgt die durchschnittliche gesetzliche Rente
eines Mannes derzeit 1000 Euro, die einer Frau nur 650 Euro. Die
diesjährige Rentenerhöhung sei ausgesetzt, gleichzeitig
würden Rentnerinnen und Rentner durch die verschiedenen Reformen
mit durchschnittlich 50 Euro pro Monat belastet, kritisierte Bauer.
"Die Belastungsgrenze ist überschritten", sagte der SoVD-Chef. Die
Gesundheitsreform treffe einseitig die Patienten. Daher forderte der
Sozialverband bessere Härtefall-Regelungen, die Abschaffung der
Praxisgebühr sowie die Rückkehr zur Kostenerstattung für
rezeptfreie verordnete Medikamente.
Der aus dem Reichsbund hervorgegangene SoVD hat nach eigenen Angaben
knapp 500.000 Mitglieder.
(Quelle: afp)
DGB plant Großdemonstrationen am 3. April gegen Sozialabbau
Sa.28.02.04 - Mit Großdemonstrationen in Berlin, Köln und Stuttgart will
die deutsche Gewerkschaftsbewegung am 3. April den
«Europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau» zum Fanal
gegen die ständige Kostensenkungsdebatte in Deutschland machen.
DGB-Chef Michael Sommer sagte der «Leipziger Volkszeitung»
(Samstagausgabe): «Der 3. April soll ein Zeichen dafür
setzen, dass Reformen sozial gerecht sein müssen. Wir wehren uns
dagegen, dass Löhne immer niedriger, Arbeitszeiten immer
länger werden und Arbeitslose gezwungen werden sollen, jeden Job
anzunehmen.»
Mit den Hauptrednern Sommer in Berlin, IG-Metall-Chef Jürgen
Peters in Köln und ver.di-chef Frank Bsirske in Stuttgart wollen
die Gewerkschaften ihr gesamtes Spektrum in der Reformdebatte
aufbieten. Zur Zeit laufen noch Gespräche zur Erweiterung der
Protestplattform unter anderem mit dem Anti-Globalisierungsbündnis
«attac». Mit dabei seien auch in Berlin die
«Prinzen» sowie überall europäische
Gewerkschafts-Repräsentanten.
(Quelle: ddp)
Die für den 3. April 2004
geplante Großdemonstrationen gegen Sozialabbau in Europa sind
Teil der Kampagne "Das soziale Europa ist in
Gefahr", zu welcher der Europäische Gewerkschaftsbund
(EGB) die Bürgerinnen und Bürger Europas für den 2. und
3. April aufruft. Aufruf als PDF-Datei unter:
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/
abisz_doks/e/egb_europ_aktionstag.pdf
Stimmung in Ostdeutschland auf dem Tiefpunkt - Sozialreport 2004:
Zukunftspessimismus steigt immer mehr an
Sa.28.02.04 - Die Stimmung der Ostdeutschen hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Reformdebatten, Angst vor Arbeitslosigkeit und eine schlechtere
wirtschaftliche Lage hätten in den neuen Bundesländern zu
einer sinkenden Lebenszufriedenheit geführt, heißt es in dem
am Freitag in Berlin vorgestellten Sozialreport 2004. Zugleich sei die
Angst vor weiteren Verschlechterungen gestiegen.
Das festgestellte hohe Maß an Zukunftspessimismus könne die
soziale Stabilität langfristig gefährden, warnen die Autoren.
Der Sozialreport wird vom Sozialverband Volkssolidarität und der
Hans-Böckler-Stiftung finanziell unterstützt.
"Die soziale Verunsicherung beeinflusst die Menschen in allen
Lebensbereichen", erläuterte der Geschäftsführer des
Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums Berlin-Brandenburg, Gunnar
Winkler. Insbesondere die Sozialreformen fänden keine Akzeptanz.
Sie würden als Entscheidung gegen die Interessen der Bürger
und Angriff auf den Lebensstandard angesehen. So sei die Mehrheit der
Ostdeutschen der Ansicht, der Umbau des Sozialstaates diene vorrangig
der Sanierung der Staatsfinanzen sowie den Unternehmen und den
Versicherungen. Damit verbunden sei ein sinkendes Vertrauen in
Gesellschaft und Staat.
Derzeit sind der Studie zufolge nur noch 40 Prozent "mit ihrem Leben
alles in allem zufrieden", 41 Prozent dagegen nur in Teilen. 18 Prozent
sind unzufrieden. Im Jahr 2000 hatten noch 59 Prozent der Ostdeutschen
ihre Situation als zufriedenstellend eingeschätzt. Die sinkende
Zufriedenheit sei kein Ausdruck unbefriedigter Ansprüche, betonen
die Sozialwissenschaftler. Sie reflektiere vielmehr reale
Wohlstandsverluste und Zukunftsverunsicherungen.
Für die 14. Erhebung wurden den Angaben zufolge im August und
September 2003 insgesamt 1.360 Frauen und Männer ab 18 Jahren in
den neuen Bundesländern und Ost-Berlin befragt. 30 Prozent von
ihnen bezeichneten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht. Fast jeder
zweite stellte eine Verschlechterung in den vergangenen fünf
Jahren fest. Nur 13 Prozent erwarten für die Zukunft eine
Verbesserung. 55 Prozent befürchten Arbeitslosigkeit, lediglich
drei Prozent halten die Renten für sicher.
Die Veränderungen seit 1990 in den ostdeutschen Bundesländern
haben der Studie zufolge zu einer Verfestigung der beiden
Teilgesellschaften in Deutschland geführt. Die festgestellte
"eigenständige Ost-Identität" resultiere allerdings nicht
mehr aus einer gemeinsamen Vergangenheit, sondern gleichen
Lebensverhältnissen in den neuen Bundesländern.
2003 fühlten sich 73 Prozent der Befragten mit Ostdeutschland,
aber nur 38 Prozent mit der Bundesrepublik verbunden. Als
Bundesbürger fühlen sich sogar nur 20 Prozent. 55 Prozent
sehen noch große Unterschiede zwischen Ost und West.
(02101/27.2.2004)
(Quelle: epd)
Bill Gates bleibt der reichste Mann der Welt - 46,6 Milliarden Dollar
Vermögen
Sa.28.02.04 - Microsoft-Gründer Bill Gates ist im zehnten Jahr in Folge der
reichste Mann der Welt. Der 48-Jährige steht mit einem
Vermögen von 46,6 Milliarden Dollar (37,3 Milliarden Euro)
unangefochten auf Platz eins der jährlichen Liste der reichsten
Menschen der Welt, die das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes"
veröffentlichte. An zweiter Stelle folgt der 73-jährige
Investor Warren Buffett mit einem Gesamtvermögen von rund 42,9
Milliarden Dollar.
Auf Platz drei kam mit 23 Milliarden Dollar der Eigentümer der
deutschen Supermarkt-Kette Aldi-Süd, Karl Albrecht. Er ist damit
der mit Abstand reichste Deutsche, auch wenn sein Vermögen im
vergangenen Jahr geschmolzen ist: In der Vorjahresliste war Albrechts
Habe noch mit 25,6 Milliarden Dollar angegeben worden. Sein Bruder Theo
Albrecht von Aldi-Nord landete mit einem Vermögen von 18,1
Milliarden Dollar auf Rang 14 der Forbes-Liste.
Neu im Club der insgesamt 587 Milliardäre der Welt ist die
britische Schriftstellerin und Harry-Potter-Schöpferin Joanne K.
Rowling. Mit geschätzt rund einer Milliarde Dollar Reichtum steht
die 38-Jährige auf Platz 552 - und ist damit eine von nur 53
Frauen im "Forbes"-Ranking.
Auf der Liste finden sich weitere prominente Namen. Der italienische
Regierungschef Silvio Berlusconi beispielsweise steht mit rund zehn
Milliarden Dollar Vermögen immerhin auf Platz 30. Weit vor dem
Italiener rangiert mit rund 15 Milliarden Dollar der frühere
Jukos-Chef Michail Chodorkowski. Der 40-Jährige, der seit Oktober
wegen des Vorwurfs von Betrug, Steuerhinterziehung und
Dokumentenfälschung im Gefängnis sitzt, ist damit zugleich
der reichste Mann Russlands.
Nach Angaben von "Forbes" war es ein gutes Jahr für die Reichsten
der Reichen: Während Wirtschaftsflaute und Börsentiefs
zuletzt zwei Jahre in Folge die Milliardärs-Brieftaschen
geschmälert hatten, konnten die Wohlhabendsten der Welt in diesem
Jahr wieder aufatmen. Ihr Gesamtvermögen wuchs um 500 Milliarden
Dollar auf 1,9 Billionen Dollar. "Vielleicht ein Zeichen für die
weltweite Erholung", notierte das US-Magazin. Am meisten zulegen konnte
der alte Fuchs Buffett: Er vergrößerte sein Vermögen um
12,4 Milliarden Dollar.
(Quelle: afp)