Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Noch keine Einigung über irakische Verfassung +++ Iraks
Regierungsrat beschließt fortschrittliches Familienrecht +++ Irak
braucht rasch 4,2 Milliarden Dollar für Wiederaufbau +++ Short: Britische
Armeeführung zögerte vor Irak-Einsatz aus rechtlichen
Gründen +++ Greenpeace fordert Zugang zu Irak-Gutachten des
britischen Generalstaatsanwalt Peter Goldsmith - Lord Goldsmith hatte
wenige Tage vor dem Angriff im März 2003 öffentlich
erklärt, angesichts von drei UN-Resolutionen sei der Einsatz von
Gewalt gegen Irak legal. Laut Greenpeace hatte Goldsmith einen
Monat früher der Blair-Regierung einen gegenteiligen Rat gegeben
So.29.02.04 - Die für Samstag geplante Verabschiedung einer
Übergangsverfassung für Irak ist verschoben worden. Der von
den USA eingesetzte Verwaltungsrat versprach am späten Abend
jedoch, man werde sich in Marathonsitzungen um eine baldige Einigung
bemühen. "Es gibt ernsthafte Probleme", erklärte das
schiitische Ratsmitglied Muwafak el Rubaie. "Wir sind aber dabei, eine
neues Handwerk zu erlernen - nämlich Kompromisse zu
schließen." Der sunnitische Ratsvertreter Samir Schaker Mahmud
gab sich ebenfalls optimistisch, das eine Lösung gefunden werden
könne.
Laut dem mit Washington vereinbarten Zeitplan hätte das
"Grundgesetz" am Samstag verabschiedet werden sollen. Die
Übergangsverfassung soll bis zur Abhaltung von allgemeinen Wahlen
gültig sein.
Am Freitagabend war es zu einem Streit zwischen säkularen und
religiösen Ratsmitgliedern über das Familienrecht und die
Rechte von Frauen gekommen. Unter dem Protest des
religiös-konservativen Lagers setzte der Rat das weltlich
orientierte Familienrecht wieder in Kraft, wie die schiitische
Vertreterin Radscha el Chusai sagte. Die irakische Familiengesetzgebung
gilt als eine der fortschrittlichsten in der arabischen Welt.
Streit herrschte im Rat weiter über eine mögliche
föderale Struktur Iraks und die Regelung zur Bildung der
Übergangsregierung. Als gewiss galt hingegen, dass die Verfassung
Grundrechte wie Rede- und Religionsfreiheit und die zivile Kontrolle
über das Militär festschreibt.
Der Irak benötigt nach Angaben von Planungsminister Mahdi el Hafis
in den kommenden zwölf Monaten rund 4,2 Milliarden US-Dollar
für Wiederaufbauprojekte. Das sagte Hafis zum Auftakt einer
zweitägigen Geberkonferenz in Abu Dhabi. Die Gläubigerstaaten
haben sich nach Angaben des Ministers bei dem Treffen darauf geeinigt,
dem Irak rund 60 Prozent seiner Auslandsschulden von insgesamt 120
Milliarden Dollar erlassen. Hafis wertete die ersten Ergebnisse des
Treffens als "sehr positiv".
Bei einem schweren Angriff von Aufständischen im nordirakischen
Kirkuk sind am Samstagabend nach Polizeiangaben zahlreiche Menschen
getötet worden. Augenzeugenberichten zufolge feuerten Unbekannte
fast zeitgleich Raketen auf einen US-Stützpunkt im
Flughafengelände und auf die Polizeiakademie im Stadtzentrum ab.
Nach den Attacken durchkämmten irakische Polizisten und
US-Soldaten Wohnviertel, in denen sie die Angreifer vermuteten.
Anwohner hörten Schüsse auf den Straßen.
Die britische Armeeführung hat laut der ehemaligen
Entwicklungsministerin Clare Short einen Einsatz in Irak aus
völkerrechtlichen Bedenken zunächst abgelehnt. Daraufhin habe
der britische Generalstaatsanwalt Peter Goldsmith eilig sein
offizielles Gutachten für die Regierung umformuliert und die
Rechtmäßigkeit des Irak-Krieges wenige Tage vor dem Angriff
im März 2003 bestätigt, sagte Short der Zeitung "Observer"
(Sonntagsausgabe). Goldsmith hatte zunächst ebenfalls ein
skeptische Haltung zur Rechtmäßigkeit des Kriegs. Sie sei
"auf höchster Ebene" davon in Kenntnis gesetzt worden, dass das
"Militär sagte, sie würden ohne das Gutachten des
Generalstaatsanwalts nicht (in den Krieg) gehen, was auch immer der PM
(Premier) sagt", zitierte das Blatt Short, die indirekt die Frage nach
politischem Druck auf Smith stellte.
Die britische Regierung steht unter wachsendem Druck, das Gutachten von
Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith zur Rechtmäßigkeit des
Irak-Krieges zu veröffentlichen. Die Umweltorganisation Greenpeace
erklärte am Samstag, sie habe Zugang zu dem Dokument gefordert, um
so 14 angeklagte Mitglieder besser verteidigen zu können. Sie sind
in Zusammenhang mit mehreren Antikriegsprotesten aus dem vergangenen
Jahr angeklagt worden. Die britische Regierung wies die Forderung aber
umgehend zurück.
Die Greenpeace-Anfrage geht zurück auf den Abbruch eines
Strafverfahrens gegen eine Dolmetscherin der Regierung, die ein Memo
des US-Geheimdienstes NSA an eine Zeitung weitergegeben haben soll. In
dem Memo hatte der NSA vor dem Irakkrieg die britischen Geheimdienste
um Hilfe beim Ausspionieren von UN-Delegierten gebeten. Die
Staatsanwaltschaft ließ die Klage fallen, nachdem die
Verteidigung gefordert hatte, Einblick in Goldsmiths Gutachten nehmen
zu können.
Die Rechtsberaterin von Greenpeace, Kate Harrison, sagte, es sei von
großer Bedeutung für den Fall der 14 Aktivisten, die
juristische Haltung der Regierungsberater zum Irak-Krieg zur damaligen
Zeit zu kennen. "Die Demonstranten hielten den Krieg für illegal",
sagte Harrison. "Wir glauben, es ist unerlässlich für ein
faires Verfahren herausfinden, was der Generalstaatsanwalt dachte." Der
Fall der Dolmetscherin deute daraufhin, dass dieser zum Zeitpunkt des
Protests wahrscheinlich ebenfalls geglaubt habe, dass der Krieg
gesetzeswidrig sei.
Das Büro von Premierminister Tony Blair bestätigte am Samstag
noch einmal die schon zuvor geäußerte Position, wonach das
Gutachten nicht öffentlich gemacht wird. Es sei eine seit langem
bestehende Regel, dass ein Ratschlag für die Regierung nicht
veröffentlicht werde.
Greenpeace forderte Zugang zu dem Dokument innerhalb von 24 Stunden.
Die Organisation will ihren Antrag am ersten Tag des Prozesses am 9.
März erneuern.
Auch der Rechtsanwalt Lord Alexander of Weedon äußerte
Zweifel an dem veröffentlichten Standpunkt von Lord Goldsmith.
"Das ist vielleicht die wichtigste Meinungsäußerung in den
vergangenen 50 Jahren und die Zusammenfassung hält einer
näheren Überprüfung nicht stand", sagte er der BBC.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Nato plant Sicherheitszone in Nord-Afghanistan
So.29.02.04 - Als ersten Schritt zu der von der Regierung in Kabul erhofften
Erweiterung des Friedenseinsatzes in Afghanistan will die Nato eine
Sicherheitszone im Norden des Landes einrichten.
Aus Nato-Kreisen verlautete am Freitag in Brüssel, nach diesem
Plan wolle die Nato eine Reihe von zivilen und militärischen
Einheiten im Norden Afghanistans unter ihr Kommando nehmen und in der
Stadt Mazar-e-Sharif eine Basis mit schnellen Eingreiftruppen und
Hubschraubern zu deren Schutz errichten.
Der von NATO-General James Jones entwickelte Plan sollte am Freitag
auch dem Militärausschuss der Nato in Brüssel vorliegen. Nach
der Prüfung durch die 19 Nato-Mitglieder Anfang März werde
sich dann zeigen, wie es mit deren Bereitschaft zum erweiterten
finanziellen und materiellen Einsatz in Afghanistan stehe.
Aus den Kreisen verlautete, mit dem Plan werde letztendlich das Ziel
verfolgt, die Führung über rund zwei Dutzend in den Provinzen
stationierter sogenannter Wiederaufbau-Teams zu übernehmen,
darunter auch solche in den als unsicher geltenden Gebieten im
Süden und Osten. Dies würde von der Allianz eine Verdoppelung
der bislang in Afghanistan stationierten Truppe von 5700 Mann
verlangen. Der Plan solle Sektor für Sektor umgesetzt werden,
beginnend im als relativ sicher geltenden Norden, hieß es.
Bis auf die deutsche Einheit in Kunduz sollen die Wiederaufbau-Teams
(PRT) der US-geführten Operation "Enduring Freedom", die vor allem
zur Verfolgung von versteckten Taliban- und El-Kaida-Kämpfern
eingesetzt wird, unterstehen. Die USA machen die radikal-islamische
El-Kaida für die Anschläge vom 11. September 2001
verantwortlich. Die im Afghanistan-Krieg vertriebenen
Taliban-Kämpfer haben seit Monaten ihre Angriffe und
Überfälle in Afghanistan wieder verstärkt.
(Quelle: rtr)
Drei Tote bei israelischem Luftangriff in Gaza - Islamischer Dschihad
droht mit verschärftem Kampf +++ Fatah für 'friedlichen
Kampf' im Konflikt mit Israel
So.29.02.04 - Die israelische Luftwaffe hat abermals einen Angriff auf mutmassliche
Extremisten im Gazastreifen geflogen. Aus einem Kampfhubschrauber
wurden am Samstag zwei Geschosse auf ein Auto abgefeuert, das auf der
dicht besiedelten Strasse zwischen Gaza und dem Flüchtlingslager
Dschebalija fuhr. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet,
darunter zwei Aktivisten des Islamischen Dschihads. 15 Personen wurden
verletzt.
Die radikalislamische Palästinenserorganisation Islamischer
Dschihad hat nach dem israelischen Luftangriff mit einem
verschärften Kampf gedroht. Der Angriff und der "verrückte
Krieg" von Israels Regierungschef Ariel Scharon gegen das
palästinensische Volk werde die Bewegung stärken und "uns
mehr Kraft geben, den heiligen Krieg fortzusetzen", sagte ein ranghoher
Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Autonomiebehörde
verurteilte die gezielte Tötung eines ranghohen Führers der
El-Kuds-Brigaden, dem bewaffneten Arm des Islamischen Dschihad. Der
Berater von PLO-Chef Jassir Arafat, Nabil Abu Rudeina, sagte AFP, die
neuerliche Armeeaktion werde eine weitere Eskalation in der Region zur
Folge haben.
Zum Zeitpunkt der israelischen Attacke war eine gewaltige Explosion zu
vernehmen. Ein Kampfflugzeug überflog das Gebiet und feuerte
Leuchtgeschosse in die Luft. Medizinern zufolge befanden sich unter den
Verletzten drei Kinder, eines von ihnen war in kritischem Zustand.
Getötet wurden nach Angaben des Islamischen Dschihads seine
militanten Mitglieder Mahmud Dschudah und Aiman Dahduh sowie ein
Sympathisant der Organisation. Ein israelischer Militärsprecher
erklärte, der Angriff habe Führungsmitgliedern des Dschihads
gegolten, die mehrere Anschläge auf Israelis geplant hätten.
Zuvor waren im Gazastreifen ein Hamas-Mitglied und dessen Frau bei
einer Explosion in ihrem Haus schwer verletzt worden, wie
palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten.
Möglicherweise kam es bei der Herstellung von Bomben zu der
Explosion. Rund 15 bewaffnete und vermummte Männer stürmten
in Chan Junis im südlichen Gazastreifen das Büro des
palästinensischen Rundfunks und forderten einen Arbeitsplatz.
Nahe dem Grenzübergang Eres zerstörten israelische Truppen
mit Planierraupen 120 Verkaufsstände und Läden. Nach
Militärangaben verbargen die Stände einen Tunnel, den
militante Palästinenser vor einigen Tagen für einen
tödlichen Angriff auf einen israelischen Soldaten genutzt
hätten. Um Nezarim beschlagnahmte Israel laut einer der
Nachrichtenagentur AP vorliegenden Anweisung knapp drei Hektar
palästinensisches Land, um die Pufferzone um die jüdische
Siedlung auszudehnen.
Zu einem tödlichen Angriff auf zwei Israelis im Westjordanland am
Freitagabend bekannten sich laut israelischem Rundfunk die
Al-Aksa-Brigaden. Auch eine militante PLO-Fraktion erklärte ihre
Verantwortung für den Überfall. Das israelische Paar war bei
einem Angriff auf sein Auto auf der Strasse von Hebron zur israelischen
Wüstenstadt Beerscheba erschossen worden.
Die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat hat sich unterdessen für einen "friedlichen Kampf" im
Konflikt mit Israel und gegen Angriffe auf Zivilisten ausgesprochen.
Zum Abschluss eines dreitägigen Treffens rief der
Fatah-Revolutionsrat zu einem Ende der Gewalt "beider Seiten" auf und
forderte eine "gemeinsame politische Sprache", wie der
palästinensische Kommunikationsminister Assam el Ahmad am Samstag
in Ramallah erklärte. Das Gremium "lehnt Operationen gegen
Zivilisten vollständig ab und verurteilt sie", hieß es in
dem Entwurf der Abschlusserklärung weiter.
Die Fatah-Bewegung Arafats verständigte sich auf einen Ausschuss,
der parteiinterne Wahlen vorbereiten soll, wie Kabinettminister
Dschamal Schobaki mitteilte. Der palästinensische Präsident
hatte am Freitag versprochen, binnen eines Jahres eine Abstimmung
über den Revolutionären Rat der Fatah anzuberaumen.
(Quelle: ap, dpa, afp)
Libyen will engere Bindungen an die EU
So.29.02.04 - Nach jahrzehntelanger Isolation sucht der libysche Staatschef Muammar
el Gaddafi den Anschluss an die Europäische Union. Nach Angaben
der EU-Kommission vom Samstag hofft er, dass sein Land schon bald dem
Assoziierungsabkommen zur Förderung des Handels mit dem
Mittelmeeranrainern beitreten kann. Dies habe Gaddafi in einem
freundschaftlichen Gespräch mit Kommissionspräsident Romano
Prodi am Rande des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union in Syrte
verkündet.
Prodi habe dies als historische Entscheidung gewertet, hieß es in
der Brüsseler Erklärung weiter. In Kürze werde eine
EU-Delegation nach Libyen reisen, um die wirtschaftliche Lage in dem
nordafrikanischen Land zu erkunden. Gleichzeitig sei Gaddafi
aufgefordert worden, seinerseits eine Delegation nach Brüssel zu
entsenden, die sich mit den Institutionen der EU vertraut machen solle.
Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und dem Mittelmeerraum aus
dem Jahre 1995 wurde vor allem zur Förderung des Friedensprozesses
im Nahen Osten ins Leben gerufen. Mitglieder sind Israel und die
Palästinensische Autonomiebehörde sowie Marokko, Mauretanien,
Algerien, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon, die
Türkei, Zypern und Malta. Diesen Ländern wurden im Rahmen des
EU-Programms bereits Beihilfen von mehr als zehn Milliarden Euro
gewährt. Vorgesehen ist in dem Abkommen ferner eine
Freihandelszone bis zum Jahre 2010.
(Quelle: ap)
Afrikanische Staaten wollen Eingreiftruppe aufstellen
So.29.02.04 - Die Staaten der Afrikanischen Union (AU) haben am Samstag die Bildung
einer gemeinsamen Eingreiftruppe beschlossen, die bei regionalen
Konflikten intervenieren soll. Die Truppe ist Kernpunkt eines
Verteidigungs- und Sicherheitsabkommens, das die Staatschefs und
anderen Vertreter aus mehr als 50 AU-Mitgliedstaaten zum Abschluss
ihrer zweitägigen Konferenz in der libyschen Hafenstadt Syrte
unterzeichneten.
Der Plan sieht die Aufstellung von fünf regionalen Brigaden vor,
die unter der Aufsicht zweier noch zu schaffender AU-Gremien stehen
sollen. Angesichts knapper Finanzen dürfte der Aufbau der
gemeinsamen Streitkräfte jedoch einige Jahre dauern. Ein
Delegierter aus Simbabwe sagte, Rumpfbrigaden könnten 2006
gebildet werden. Die Truppe werde aber wohl nicht vor 2010
einsatzbereit sein.
Mit der Eingreiftruppe bleibt die Afrikanische Union hinter den
Plänen des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi zurück,
der zur Verteidigung des afrikanischen Kontinents und zur Lösung
interner Konflikte eine gemeinsame afrikanische Streitmacht gefordert
hat. Ein Delegierter aus der Westsahara nannte das Konzept einer
gesamtafrikanischen Armee «romantisch». Man werde aber
darüber beim nächsten Gipfeltreffen im Juli beraten.
Afrika wird seit Jahrzehnten von zahlreichen Konflikten
erschüttert. Die Kriege unter anderem in Sudan, Kongo, der
Elfenbeinküste und Liberia führten mit zu der
Überlegung, dass regionale Sicherheitskräfte nötig
seien, um solche verheerenden Konflikte künftig zu verhindern. Der
gegenwärtige AU-Vorsitzende, der mosambikanische Präsident
Joaquim Chissano, erklärte, die AU werde in den kommenden Monaten
ein afrikanisches Parlament einrichten sowie einen Friedens- und
Sicherheitsrat, der sich der Konflikte annehmen solle.
Vorbild der noch jungen AU ist die Europäische Union. Von einer
vergleichbaren Bedeutung ist sie allerdings noch weit entfernt.
Belastend für die Arbeit sind auch finanzielle Probleme. So hat
die AU 40 Millionen Dollar Schulden von der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAU), ihrer Vorgängerorganisation, geerbt.
(Quelle: ap)
Struck bringt Einsätze in Afrika ins Gespräch
So.29.02.04 - Die Bundeswehr muss sich aus Sicht von Bundesverteidigungsminister
Peter Struck (SPD) auf weitere Einsätze in Afrika einstellen. Der
SPD-Politiker sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag": "Dort sind wir in
der Pflicht."
Es sei für ihn eine "Selbstverständlichkeit", dass
Deutschland auf dem europäischen Kontinent besondere Verantwortung
übernehmen müsse. Bei Afrika könne man zwar
anführen, "dass unsere Kolonialzeit schon lange vorbei ist. Aber
wenn man verfolgt, dass Terroristen über Nordafrika auch auf
unseren Kontinent kommen, dann muss man sehen, dass wir dort auch eine
besondere Verantwortung wahrnehmen müssen." Dies gelte aber immer
unter der Voraussetzung eines UN-Beschlusses, mit dem Deutschland, die
EU oder die NATO um Hilfe gebeten würde
(Quelle: ap)
Nordkorea-Streit schwelt nach Sechser-Gesprächen weiter
So.29.02.04 - Auch die zweite Runde der multinationalen Gespräche über das
nordkoreanische Atomprogramm hat keinen Durchbruch gebracht. Die
Beratungen in Peking gingen am Samstag nach vier Tagen ohne greifbare
Fortschritte zu Ende. Chinas Außenminister Li Zhaoxing sagte, es
bestünden weiterhin "ernsthafte Differenzen". Die sechs
Teilnehmerstaaten einigten sich jedoch auf ein weiteres Treffen in
Peking vor Juli und die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit
Details des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA befassen soll.
Auf die ursprünglich geplante gemeinsame Abschlusserklärung
wurde verzichtet, nachdem Nordkorea in letzter Minute noch
Änderungen hatte durchsetzen wollen. Das Schlussdokument wurde
später vom chinesischen Delegationsleiter Wang Yi als
"Erklärung des Konferenzvorsitzenden" in einer Pressekonferenz
verlesen.
Wang sagte, die Teilnehmerstaaten hätten sich nicht auf die
Forderung der USA nach einem vollständigen Abbau des
nordkoreanischen Atomwaffenprogramms einigen können. Nordkorea
habe sich zwar dazu bereit erklärt, mache dies jedoch davon
abhängig, dass die USA ihre "feindselige Politik" gegenüber
Pjöngjang aufgäben. Wang sagte weiter, die USA hätten
versichert, dass sie keine feindseligen Absichten hegten, dass sie
nicht beabsichtigten, Nordkorea anzugreifen oder einen Regimewechsel
herbeizuführen. Als Grund für die andauernden Probleme nannte
Wang einen extremen Mangel an gegenseitigem Vertrauen.
Der nordkoreanische Delegationsleiter, Vizeaußenminister Kim Kye
Gwan, sagte, er sehe keine positiven Ergebnisse nach den
viertägigen Gesprächen. Er warf der US-Regierung vor, den
Atomstreit nicht auf dem Verhandlungsweg beilegen zu wollen. Kim sagte
ferner, sein Land sei nicht bereit, jene Atomprogramme aufzugeben, die
nichtmilitärischen Zwecken dienten.
Das US-Außenministerium hat die Ergebnisse der Atomgespräche
von Peking begrüßt. Sprecher Richard Boucher räumte
aber ein, dass in wichtigen Punkten weiter Differenzen bestehen. Bei
den Verhandlungen seien dennoch Fortschritte erzielt worden.
Aus US-Delegationskreisen verlautete, die Atmosphäre bei
Zweiergesprächen mit Nordkorea sei diesmal weit besser gewesen als
bei der ersten Pekinger Verhandlungsrunde im August. "Meine Erwartungen
wurden übertroffen», erklärte ein US-Vertreter.
«Aber der Teufel steckt im Detail."
Die Teilnehmer aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland
und Japan hätten sich allgemein zu einer "atomwaffenfreien
koreanischen Halbinsel" bekannt, erklärte die chinesische
Verhandlungsführung. Der Atomstreit müsse friedlich und im
Dialog gelöst werden. Während die USA den nachprüfbaren
und unwiederbringlichen Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms
fordern, verlangt Nordkorea im Gegenzug wirtschaftliche
Unterstützung sowie Sicherheitsgarantien von Washington.
Der chinesische Außenminister Li zeigte sich trotz der
anhaltenden Gegensätze optimistisch. Wichtig sei, dass alle
Teilnehmer ihren Willen zum Frieden bekundet hätten. "Der
Frühling ist eine Zeit der Verheißung", sagte er bei der im
staatlichen Fernsehen übertragenen Abschlusszeremonie.
(Quelle: ap, dpa)
Philippinen: Abu Sayyaf bekennt sich zu Anschlag auf Fähre
So.29.02.04 - Die islamische Untergrundorganisation Abu Sayyaf hat sich am Sonntag zu
einem Anschlag auf eine philippinische Fähre bekannt, bei dem am
Freitag möglicherweise bis zu 180 Menschen ums Leben kamen. In
einem Anruf bei Radio Mindanao bezeichnete Abu-Sayyaf-Sprecher Abu
Sulaiman den Anschlag als Rache für Übergriffe auf
muslimische Bewohner im Süden der philippinischen Insel Mindanao.
Die Ursache des Brands auf der Fähre war bisher nicht bekannt.
Augenzeugen berichteten von einer Explosion am Freitag gegen 00.50 Uhr
Ortszeit. Zwei Stunden zuvor hatte die Fähre den Hafen der
Hauptstadt Manila mit 744 Passagieren und 155 Besatzungsmitgliedern
verlassen. Die Fähre befand sich auf dem Weg nach Bacolod auf der
südlichen Insel Negros. Von 180 vermissten Personen an Bord fehlte
am Sonntag noch jede Spur. Ein Teil des Schiffswracks liegt unter
Wasser. Taucher der Küstenwacht stießen am Sonntag in den
Rumpf vor.
(Quelle: ap)
Offenbar mehr Tote in Haiti als angenommen - USA: Aristide trägt
Hauptverantwortung für Krise in Haiti
So.29.02.04 - Bei den Unruhen in Haiti sind in den letzten Tagen offenbar weitaus
mehr Menschen ums Leben gekommen, als von amtlicher Seite bislang
bekannt gegeben wurde. Der Arzt Ted Lazarre erklärte am Samstag,
in die Leichenhalle des größten Krankenhauses von
Port-au-Prince seien seit Freitag bis zu 30 Tote gebracht worden. Zuvor
war von sechs Todesopfern die Rede gewesen.
Die Übergriffe der Anhänger von Präsident Jean-Bertrand
Aristide flauten am Samstag weitgehend ab, nachdem das Staatsoberhaupt
im Fernsehen zum Ende der Gewalt aufgerufen hatte. Im Hafen von
Port-au-Prince gingen die Plünderungen jedoch weiter. In der
Nähe des Hafens wurden die Leichen von zwei Erschossenen gefunden.
Einem davon waren die Augen verbunden worden. Vor einem Krankenhaus am
Stadtrand lag die Leiche eines gefesselten Mannes.
Die Fluggesellschaft Air France stellte alle ihre Flüge nach
Port-au-Prince ein. American Airlines und Air Jamaica hatten dies schon
vorher getan. Die USA, Frankreich, Kanada und Brasilien schickten
Militärflugzeuge zur Evakuierung ihrer Staatsbürger.
Haitianer bemühten sich verzweifelt, auf die noch startenden
Maschinen zu gelangen. Andere versuchten, über das Meer aus dem
Karibikstaat zu fliehen. 350 Bootsflüchtlinge wurden von der
US-Küstenwache aufgegriffen und nach Haiti zurückgeschickt.
Die Rebellen in Haiti wollen die Hauptstadt Port-au-Prince
frühestens in ein bis zwei Tagen angreifen. Bis dahin würden
sich die aufständischen Kämpfer weiter in der Umgebung der
Stadt sammeln, sagte Rebellenführer Guy Philippe am Samstag der
Nachrichtenagentur AP in der im Norden gelegenen Hafenstadt
Cap-Haitien. Indem er vorerst auf einen Angriff verzichte, folge er
einem Appell der US-Regierung, sagte Philippe.
Die Rebellen haben sich Port-au-Prince bis auf etwa 40 Kilometer
genähert.
Die US-Regierung legte Aristide am Samstag den Rücktritt nahe. Die
Handlungen des Präsidenten verstärkten die Zweifel an seiner
Befähigung für das Amt, erklärte der Pressesprecher des
Weißen Hauses, Scott McClellan. Aristide trage eine
Mitverantwortung für die Krise und die Polarisierung der
Gesellschaft, da er sich nicht an demokratische Prinzipien gehalten
habe.
(Quelle: ap)
Zehntausende Italiener protestieren gegen Bildungsreform
So.29.02.04 - Zehntausende Lehrer, Studenten und Gewerkschafter haben am Samstag
gegen die geplante Bildungsreform der italienischen Regierung
protestiert. Nach Angaben der Organisatoren, der drei
landesgrößten Gewerkschaften, marschierten trotz kalten
Wetters fast 100.000 Menschen durch die Hauptstadt Rom. Der Chef der
Arbeitnehmervertretung CGIL, Guglielmo Epifani, kritisierte fehlende
Investitionen im Bildungsbereich. Er forderte die Regierung von
Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu Gesprächen mit den
Gewerkschaften über Änderungen an der geplanten Reform auf.
Ein weiterer Gewerkschaftsvertreter drohte mit einem Streik der Lehrer,
sollte die Regierung ihre im vergangenen Jahr beschlossenen Reformen
weiter umsetzen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Rentnern droht auch 2005 Nullrunde bei ihren Altersbezügen
So.29.02.04 - Die deutschen Rentnerinnen und Rentner müssen sich offenbar auch
für das Jahr 2005 auf eine Nullrunde bei ihren Altersbezügen
einstellen. Nach internen Berechnungen der
Rentenversicherungsträger, die der Zeitung «Bild am
Sonntag» laut eigenen Angaben vorliegen, könne es nach
derzeitigem Stand im nächsten Jahr eine Rentenerhöhung von
nur 0,38 Prozent im Westen und 0,61 im Osten geben. Die neuen Zahlen
zur Rentenentwicklung 2005 stammten aus der jüngsten
Finanzschätzung der Rentenversicherungsträger von Mitte
Februar und basierten auf den Annahmen der Bundesregierung zur
Wirtschafts- und Lohnentwicklung. Die geringe Erhöhung würde
durch die erwartete Inflation aufgefressen.
Der Präsident des Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, sagte
dem Blatt, die Rentner würden «auf Jahre hinaus mit
deutlichen Abschlägen rechnen müssen». Sie würden
durch die verschiedenen Abschläge, höhere
Pflegeversicherungsbeiträge und Rentensteuer «doppelt und
dreifach zur Kasse gebeten. Das ist einfach zu viel».
(Quelle: ddp)
Längere Arbeitszeit im DaimlerChrysler-Werk Sindelfingen
So.29.02.04 - Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler will die Mitarbeiter in der
Entwicklung und Planung in seinem größten deutschen Werk
wieder 40 Stunden in der Woche arbeiten lassen. Damit setzt er als
erstes Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie die neuen
Möglichkeiten des Tarifabschlusses in die Praxis um.
Der DaimlerChrysler-Betriebsrat stimmte einer Ausweitung der
40-Stunden-Woche auf bis zu 100 Prozent der Beschäftigten in der
Entwicklung und Planung im Werk Sindelfingen zu, wie die "Stuttgarter
Nachrichten" (Samstagausgabe) berichteten. Bedingung sei, dass es
dadurch nicht zu einem Stellenabbau komme und die Mitarbeiter
freiwillig mehr arbeiteten. "Damit unterstützen wir den Wunsch
nach weiterer Flexibilisierung im Interesse der Mitarbeiter", sagte
Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm der Zeitung. "Ich bin
zuversichtlich, dass auch die IG Metall dem zustimmen wird."
Die Tarifparteien der Metall- und Elektrobranche in Baden-
Württemberg hatten in einem Kompromiss kürzlich
Öffnungsklauseln vereinbart, die eine Verlängerung der
Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden für besonders qualifizierte
Mitarbeiter erlaubt. Bisher hatte dies nur für bis zu 18 Prozent
der Beschäftigten gegolten. An dem Abschluss hatten Klemm und
DaimlerChrysler-Personalchef Günter Fleig maßgeblich
mitgewirkt. Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert hatte daraufhin
gegenüber Reuters angekündigt: "Wir werden in der Entwicklung
binnen kurzem wieder 40 Stunden arbeiten." Fleig kündigte in der
Zeitung ähnliche Modelle für andere Bereiche des Konzerns an.
Sindelfingen ist der größte Standort von DaimlerChrysler in
Deutschland. Nach Angaben der Zeitung sind dort mehr als 10.000 der
rund 40.000 Mitarbeiter in der Pkw-Entwicklung und Produktionsplanung
beschäftigt.
(Quelle: rtr)
Wissenschaflicher Beirat hält Windenergie-Subventionen für
ökologisch nutzlos
So.29.02.04 - Für die Streichung der staatlichen Subventionen für
erneuerbare Energien wie beispielsweise der Windkraft hat sich der
wissenschaftliche Beirat von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement
ausgesprochen. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel»
unter Berufung auf ein Gutachten des Beirates berichtete, entfällt
die Wirkung der Ökostrom-Förderung, sobald der geplante
Lizenzhandel mit CO2-Emissionen funktioniert.
Der Gesamteffekt auf die Reduzierung der Kohlendioxid-Abgase werde dann
gleich null sein, heißt es laut «Spiegel» in dem
Gutachten. Der Grund sei die Wechselwirkung zwischen dem künftigen
Lizenzmarkt und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die
Stromwirtschaft verpflichte, mehr Ökostrom zu produzieren.
Problematisch sei die Förderung der Windenergie auch deshalb, weil
Wetterschwankungen durch konventionelle Kraftwerke ausgeglichen werden
müssten. «Man könnte durch Modernisierung eines
Kohlekraftwerks denselben Einspareffekt zu vier bis acht Prozent der
Kosten erzielen», zitierte der «Spiegel» aus der
Expertise.
Ferner berichtete das Magazin von verdeckten staatlichen Subventionen
für private Windenergie-Investoren. So habe des Bundesamt für
Seeschifffahrt und Hydrographie Leistungen von rund 200.000 Euro
erbracht, um für die Windenergie-Gewinnung nötige Messdaten
über Meteorologie und Strömungswerte in der Nordsee zu
ermitteln. Hinzu kämen nicht verrechnete Kosten für
Forschungsschiffe oder Hubschrauberflüge zu Forschungsplattformen.
Ferner habe das Bundesumweltministerium gut 860.000 Euro für
Ökountersuchungen der Pionierstandorte beigetragen.
(Quelle: ap)
Umweltministerium: Noch keine Einigung bei Emissionsrechten
So.29.02.04 - Das Bundesumweltministerium hat einen Bericht zurückgewiesen,
wonach der Streit in der Bundesregierung um die Ausgestaltung des
Emissionshandels zur Verringerung umweltschädlicher Abgase
beigelegt ist.
"Wir sind in der Ressortabstimmung, die ist nicht abgeschlossen", sagte
der Sprecher des Umweltministeriums, Michael Schroeren, am Samstag in
Berlin. Es gebe bislang keine Festlegungen. Eine Sprecherin des
Bundeswirtschaftsministeriums verwies auf die für diesen Montag
geplante Spitzenrunde mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD),
Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Kanzleramtschef
Frank-Walter Steinmeier. Bis dahin werde man sich in der Sache nicht
äußern.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Samstag, die
Bundesregierung habe sich offenbar auf einen Kompromiss
verständigt, der den Interessen der Wirtschaft entgegen komme.
Statt einer mittelfristigen Ausstattung mit 480 Million Tonnen
Kohlendioxid sollten Energieerzeuger und Industrie nun Emissionsrechte
für knapp 500 Millionen Tonnen CO2 erhalten.
Der Emissionshandel, der EU-weit zum 1. Januar 2005 startet, soll den
Abgas-Ausstoß in Industrie und Energiewirtschaft senken.
Umstritten ist unter anderem die Anfangszuteilung der
Kohlendioxid-Rechte. Trittin hatte einen nationalen Allokationsplan
vorgeschlagen, der die Zuteilung der Rechte an etwa 2600 Anlagen regelt
und eine Kohlendioxid-Reduktion um rund 7,5 Prozent bis zum Jahr 2007
bedeuten würde. Das Wirtschaftsministerium befürchtet
Wettbewerbsnachteile, da die Europäische Union (EU) nach
Darstellung des Ministeriums für die Handelsperiode 2005 bis 2007
noch keine Kohlendioxid-Reduktion vorschreibt.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Wirtschaft will Kohlendioxid bis 2010 kaum mindern
Fr.27.02.04 - Die Wirtschaft will beim Emissionshandel bis 2010 praktisch keine
weitere Verminderung ihres Kohlendioxid-Ausstoßes gegenüber
heute akzeptieren. Dies erklärte der Bundesverband der Deutschen
Industrie am Donnerstag in Berlin. BDI-Chef Michael Rogowski forderte
in einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder
Unterstützung. Sonst drohe der Verlust von Arbeitsplätzen und
Wettbewerbsfähigkeit... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402270.htm
Umweltrat fordert harte Linie beim Emissionshandel
Di.24.02.04 - Vor dem rot-grünen Spitzengespräch zum Emissionshandel hat
der Umweltrat die Bundesregierung aufgefordert, gegenüber der
Wirtschaft hart zu bleiben. Die deutschen Klimaschutzziele dürften
nicht aufgeweicht werden, erklärte das
Sachverständigengremium am Montag in Berlin. Die Pläne von
Umweltminister Jürgen Trittin für den Emissionshandel seien
bereits ein Kompromiss, der Forderungen der Wirtschaft einbeziehe... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0402240.htm#04022417
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0057.nf/text
Datenschutzbeauftragter für strengere Gesetze bei
Telefonüberwachungen - Kritik am Großen Lauschangriff
So.29.02.04 - Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, fordert
eine strengere gesetzliche Regelung der Telefonüberwachung in
Deutschland. Bisher dürfe jeder Richter die Anordnung für
eine Telefonüberwachung von Tatverdächtigen erlassen, sagte
Schaar am Sonntag im Deutschlandfunk. Dazu gehörten auch
Amtsrichter, die «ansonsten wenig mit schwerer Kriminalität
zu tun haben» und die die gesetzlichen Voraussetzungen nicht so
gut beherrschten. Der Experte forderte zudem eine Art
Nachberichtspflicht, so dass «dann der Richter, der eine
entsprechende Anordnung trifft, dann auch über den weiteren
Fortgang der veranlassten Maßnahme Bescheid bekommt».
Schaar lehnt den «großen Lauschangriff», über
dessen Rechtmäßigkeit das Bundesverfassungsgericht am
Mittwoch entscheiden wird, ebenso ab, wie eine zusätzliche
«Videografierung» der Wohnungen von Tatverdächtigen.
Er halte die akustische Wohnraumüberwachung «für einen
kaum zu rechtfertigenden Eingriff in die Grundbereiche des Grundrechts
auf die Unverletzlichkeit der Wohnung». Eine zusätzliche
Videoüberwachung sei ein noch tieferer Eingriff. «Die Webcam
des Ermittlers im Schlafzimmer, das darf es nicht geben», betonte
Schaar.
Der Datenschutzexperte hält die Zustimmung eines Richters - im
Gesetz festgeschrieben - für notwendig, wenn die Polizei
DNA-Spuren sammelt. Bei anonymen Tatortspuren halte er den so genannten
Richtervorbehalt für unnötig. Schaar hält es jedoch
für «völlig überzogen», wenn auch bei
Bagatelldeliken DNA-Spuren gesammelt würden.
Seit 1998 können Wohnungen, in denen sich ein Tatverdächtiger
aufhalten soll, auf richterliche Anordnung hin abgehört werden.
Schaars Vorgänger Joachim Jacobs hatte in der mündlichen
Verhandlung vor dem BVG im Juli 2003 die Regelungen noch als
"tragfähigen Kompromiss" zwischen dem Schutz der Privatspähre
und dem Strafverfolgungsinteresse des Staates bezeichnet.
Das BVG prüft derzeit auf die Klage von FDP-Politikern hin, ob das
Abhören von Privatwohnungen zur Strafverfolgung
verfassungssrechtlich überhaupt zulässig ist. Das Urteil soll
am Mittwoch verkündet werden.
Auch die frühere Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hoffe auf Korrekturen. Diese
könnten laut Verfassungsrechtlern darin bestehen, dass auch
Ehepartner unter Abhörschutz gestellt werden, berichtete "Focus".
Bislang gilt dies nur für berufsbedingte Geheimnisträger wie
Ärzte, Pfarrer, Rechtsanwälte oder Journalisten.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte dagegen mit
Blick auf die Terror-Gefahr, der Große Lauschangriff sei
"unverzichtbar". Ohne ihn wäre die Polizei "stark benachteiligt".
Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele warnte dagegen
im "Focus", die als "Wunderwaffe" im Kampf gegen die Organisierte
Kriminalität gepriesene Methode werde massiv
überschätzt. Der Aufwand sei "enorm", die Ausbeute "marginal".
(Quellen: ddp, ap)
Störsender gegen Funkchip-Inflation
So.29.02.04 - Der Boom von Funkchips (RFID), die bald auch alltägliche
Konsumgütern markieren sollen, und deren mögliche Vernetzung
steht seit langem in der Kritik der Datenschützer. Vor allem die
Gefahr, dass Daten dabei von Unbefugten ausgelesen und missbraucht
werden könnten, bereitet den Experten dabei Kopfzerbrechen. Der
Sicherheitsspezialist RSA [http://www.rsasecurity.com] hat nun einen
Blocker-Chip entwickelt, der verhindert, dass ein Lesegerät mit
Funkchips versehene Produkte auslesen und identifizieren kann. So soll
verhindert werden, dass die Waren - und somit streckenweise auch deren
Besitzer- nach einem Kauf unbemerkt weiter verfolgbar sind.
Jedes mit einem RFID-Tag versehene Produkt hat eine weltweit einmalige
96-bit Seriennummer. Gerade durch diese einmalige Seriennummer
wäre es nach Ansicht der Datenschützer in Leichtes, die
Einkaufsgewohnheiten einzelner Konusmenten auszuspionieren. Dies soll
der Blocker-Chip verhindern, wenn er in der Nähe der zu
verschleiernden Funkchips angebracht ist.
Schiebt man etwa einen Wagen voller Waren zur Kasse liest das
Lesegerät, das den RFID-Chip gleichzeitig mit Energie versorgt,
dort alle Daten zu den Seriennummern nacheinander aus. Der Blocker-Tag
löst eine Art Denial-of-Service-Attacke beim Lesegerät aus,
indem er eine unendliche Zahl auszulesender Funkchips simuliert. Der
Störsender wirkt nur in nächster Umgebung.
Der deutsche "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten
und unbewegten Datenverkehrs e.V." (FoeBuD [http://www.foebud.org])
hat ebenfalls ein Tool zur Sicherung der Privatspähre entwickelt.
Der "Data-Privatizer" soll RFID-Tags, die ja meist versteckt angebracht
sind, auffinden und die Informationen auslesen.
Während sich Funkchip-Befürworter von dem jetzigen Ansatz
eine Förderung der Akzeptanz der Technik erhoffen, sind
Datenschützer jedoch mit solchen Lösungen nicht zufrieden. So
auch Ross Anderson, von der Cambridge University: "Die Konsumenten
sollten sich nichts extra kaufen müssen. Der Funkchip sollte
einfach noch im Geschäft entfernt werden." Mit der Deaktivierung
im Geschäft würde aber auch praktischer Nutzen der Technik
wegfallen, argumentieren die Handelsgruppen. So könnten in Zukunft
Fertiggerichte der Mikrowelle mittels RFID-Chips die
Zubereitungsinstruktionen übermitteln oder die Waschmaschine ihre
Einstellungen über die jeweiligen Kleidungsstücke beziehen.
Auch könnten Hausapotheken oder Kühlschränke den Nutzer
schon vor dem Ablaufen eines Produktes informieren.
(Quelle: futurezone)
Mehr zum Thema bei heise-online (25.02.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/45009<
Blick ins Archiv:
RFID-Chips in Metro-Payback-Kundenkarten versteckt
Sa.21.02.04 - Die Metro-Gruppe, der Marktführer unter den deutschen
Einzelhandelskonzernen (Kaufhof Galeria, Saturn, Media Markt, real,
Praktiker, extra etc.) testet seit knapp einem Jahr im
Extra-Future-Store in Rheinberg bei Duisburg sogenannte "RFID-Tags",
das sind kleine "Schnüffel-Chips" unter einigen Preisetiketten
(Philadelphia Frischkäse, Pantene Shampoo und Gillette
Rasierklingen) und versteckt in den Future-Store-Payback-Kundenkarten... Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16803/1.html
Der gläserne Fußballfan kommt
Di.20.01.04 - Interessenten für EM-Tickets müssen ihre Daten per Post
übermitteln - Jede Ticket-Nummer damit zuzuordnen +++ WM bringt
dann Tickets mit Funkchips (RFID) +++ Fandaten auch für
Marketingzwecke verwendbar... Mehr bei futurezone unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=209972&tmp=52508
Chaos Communication Congress: Proteste gegen Funkchips in Pässen
Fr.28.12.03 - "Menschen als Nummern automatisch abfragbar zu haben, ist ein
Verbrechen." Dies erklärte der Netzaktivist padeluun vom Verein
zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten
Datenverkehrs (FoeBuD) am ersten Tag des 20. Chaos Communication
Congress in Berlin.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312280.htm#031228_f
Funk-Chip als implantierte Kreditkarte
Do.27.11.03 - Das US-amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions (ADS) hat
einen RFID-Chip (Radio Frequency Identification) vorgestellt, den sich
die Nutzer unter ihre Haut einpflanzen lassen sollen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312280.htm#031228_i
US-Forscher entwickeln muskelbetriebenen Mikroroboter
So.29.02.04 - Wie der New Scientist in seiner neuesten Ausgabe berichtet, haben
Carlos Montemagno und sein Team den ersten Mikroroboter gebaut, der sich
mit Muskelkraft fortbewegt. Hierfür wurde ein 50 Mikrometer
durchmessender Siliziumstab zu einem Bogen geformt und an der Unterseite
mit einem Strang aus Herzmuskelfasern von Ratten verbunden. Die
Kontraktionen dieser Muskelfasern sorgten dafür, dass dieser
"Muskelbot" mit einer Geschwindigkeit von 40 Mikrometern pro Sekunde
vorwärts kroch. Aufgrund der Geometrie der Konstruktion erfolgten
Kontraktion und Entspannung nicht nur auf einem Punkt, sondern wurden in
gerichtete Bewegung umgesetzt.
Der Siliziumbogen wurde mit gängigen Maschinen zur
Mikrochipproduktion gefertigt und mit Kunststoff beschichtet. An der
Unterseite wurde ein Goldstreifen für die Verbindung mit den
Muskelzellen befestigt. Um den Muskel wachsen zu lassen, wurde der Bogen
in eine Petrischale mit Muskelzellen in einer
Glukosenährlösung gelegt. Nach drei Tagen waren die Zellen zu
einer Muskelfaser gewachsen, die sich mit den Enden des Bogens verbunden
hatten.
Ein großer Vorteil eines solchen Motors besteht darin, dass er
keine Elektrizität benötigt, sondern die nötige Energie
aus Glukose beziehen kann. Die wiederum kann zuvor in ausreichender
Menge im jeweiligen Arbeitsbereich verteilt werden....
Mehr bei telepolis (27.02.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/robo/16847/1.html
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
donnerstag 4. märz 2004 - 18.15 uhr
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
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Hans
Rudolf Zeller, geboren 1934 in Berlin, Studien in Freiburg und
Köln. Seit 1959 Essays, Rundfunksendungen, Übersetzungen und
experimentelle Texte. Entwurf einer kinematologischen Literatur in
verschiedenen Dimensionen: kinem kontexte
(1965); in Leporelloform GERADE, kinem Delta und formeln (alle im Selbstverlag 1966).
Editionen: Dieter Schnebel Denkbare
Musik (1972) und Cage Box
(1979). Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill;
Schallplattenmusik). Sprech-Schriften (DENKFIGUR) sowie
Stücke für Stimme und Diascriptor (DIA-LOG; ohne
abzusetzen/Impulse; Lesefigur; Linien/Welle für 4 Aktuere), mit
Instrument(en): Klavierartikulation;
Skizzenbuch BX. Odradekisch (nach Kafka). Siebenteilige
Sendereihe: Kriterien der
experimentellen Musik (1999). Husserltöne
für Sprecher und Folienprojektionen. Projekt in Projekten: Scriptophonie (1995). Mitherausgeber
von Musik der anderen Tradition
Mikrotonale Tonwelten (2003).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html