Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneunundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Schiitenführer Hakim fordert Wahltermin von Vereinten Nationen +++
Regierungsrat formuliert Übergangsverfassung - Bis
spätestens 1. Januar 2005 sollen Wahlen zu einer Verfassung
gebenden Versammlung stattfinden +++ Schiiten beginnen Aschura-Feiern
in irakischer Pilgerstadt Kerbela +++ Australien will
Geheimdienstberichte zu Irak prüfen +++ Großbritannien:
Tories steigen aus Irak-Untersuchung aus - Angehörige
getöteter Soldaten verklagen London
Di.02.03.04 - Der Vorsitzende des Obersten Rats der Islamischen Revolution (SCIRI) in
Irak, Abdel Asis el Hakim, hat von den Vereinten Nationen ein konkretes
Datum für die Abhaltung von allgemeinen Wahlen verlangt. Es sei
"notwendig", dass die UNO ein solches Datum festlege, da Wahlen "die
beste Lösung" für das Land seien, sagte Hakim zum
schiitischen Aschura-Fest vor zehntausenden Anhängern der
Konfession in Bagdad. Die Schiiten beharrten auf dem Thema, damit "Irak
auf solider Basis aufgebaut" werden könne. Ohne Wahlen werde es
keine Stabilität geben.
Nach einer wochenlangen Kontroverse hat sich der von den USA
eingesetzte Regierende Rat des Irak am Montag auf eine Verfassung
geeinigt und damit die Basis für eine Machtübergabe im Sommer
gelegt. Die USA kündigten ihre Zustimmung an.
Die für die Übergangszeit formulierte Verfassung legt den
Islam als Staatsreligion und eine von mehreren Quellen für die
Rechtsprechung fest. Bis spätestens 1. Januar 2005 sollen Wahlen
zu einer Verfassung gebenden Versammlung stattfinden. Darin wird ein
Viertel der Sitze für Frauen reserviert sein. Zudem soll das Land
föderalistisch geordnet werden. US-Außenminister Colin
Powell lobte den Kompromiss und vor allem die Tatsache, dass er nur mit
geringer Verzögerung nach der für den 28. Februar gesetzten
Frist zu Stande gekommen ist. Das Dokument soll am Mittwoch in einer
Feierstunde unterzeichnet werden.
Sowohl bei der Rolle des Islam in der Verfassung als auch beim
Wahltermin mussten die Schiiten, die größte
Bevölkerungsgruppe im Land, Zugeständnisse machen. Die USA
lehnen einen von der Religion maßgeblich geprägten Staat ab.
Aus Sorge um ihren Einfluss auf die Neuordnung des Landes hatten die
Schiiten zudem zunächst auf einen früheren Wahltermin
bestanden.
Unter Aufsicht der Verfassung gebenden Versammlung soll im kommenden
Jahr dann ein Grundgesetz entworfen werden, in dem unter anderem die
Regierungsstrukturen festgelegt werden. Zudem wird die Verfassung
gebende Versammlung Modus und Termin für allgemeine Wahlen im
kommenden Jahr festlegen.
Mit der föderalistischen Struktur kommt die Verfassung vor allem
kurdischen Forderungen nach, die in Teilen des Nordirak die Mehrheit
stellen und unter Saddam verfolgt wurden. Die Verfassung erlaube es den
Kurden zudem, ihre Milizen als eigene Nationalgarde
weiterzuführen, sagte ein Sprecher des kurdischen Ratsmitglieds
Massud Barsani. Die Kurden sind enge Verbündete der USA. Die
Nachbarstaaten Türkei und Iran wehren sich jedoch gegen jede
Ermutigung ihrer Autonomiebestrebungen. In beiden Staaten leben
kurdische Minderheiten im Grenzgebiet zum Irak.
Er sei ausgesprochen zuversichtlich, dass die USA dem
Verfassungsentwurf zustimmen könnten, sagte Powell in Washington,
den die Nachricht von der Einigung noch am Sonntag (Ortszeit)
erreichte. Auch wenn die Entscheidung etwas verspätet komme, halte
er sie für großartig, fügte er hinzu. Die USA wollen
die Macht am 30. Juni an eine Übergangsregierung übergeben,
die die weiteren Schritte zur Neuordnung des Landes in die Wege leiten
soll.
Zehntausende Schiiten haben am Montag in Kerbela, ihrem geistlichen
Zentrum in Irak, die Zeremonien zum heiligen Aschura-Fest begonnen. Zu
rhythmischen Trommelklängen schlugen die Gläubigen aus Irak
und Iran ihre Fäuste gegen die Brust und marterten sich selbst mit
Ketten- und Schwerthieben. "Vergib uns, Hussein, vergib uns", riefen
die teils blutüberströmten Menschen unter Bezug auf ihren vor
gut 1300 Jahren getöteten Imam. An den Straßen campierten
zahlreiche herbeigereiste Menschen, unter ihnen zum Teil ganze Familien
aus Iran, welche die Nacht in Zelten oder auf einfachen Pappunterlagen
verbrachten. Überall in der Stadt waren betende und trauernde
Menschen zu sehen.
Das US-Verteidigungsministerium hat unterdessen18.000 Mann der
Nationalgarde für einen möglichen Einsatz in Irak
mobilisiert. Die Soldaten aus den Bundesstaaten New York, Louisiana,
Idaho und Tennessee würden wahrscheinlich bei der kommenden
Truppenrotation Ende 2004 oder Anfang 2005 nach Irak geschickt und
sollten dann etwa ein Jahr dort bleiben, teilte ein Pentagonvertreter
am Montag in Washington mit. Die mobilisierten Einheiten sollten in den
kommenden Monaten für den Einsatz trainieren. Demnach plant die
US-Armee, mindestens bis Ende 2005 Soldaten in Irak stationiert zu
haben. Offensichtlich versuchen die Militärplaner derzeit, die
Last des Irak-Einsatzes auch auf Nationalgarde und Reservetruppen zu
verteilen.
Nach den USA und Großbritannien lässt nun auch Australien
zweifelhafte Geheimdienstberichte über Irak von einer
unabhängigen Expertenkommission untersuchen. Nach einer
entsprechenden Empfehlung eines Parlamentsausschusses kündigte
Premierminister John Howard an, ein Geheimdienstexperte solle die
Berichte über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen
prüfen.
Zwar sprach der Parlamentsausschuss die Regierung von dem Verdacht
frei, sie habe die Bedrohung durch Irak bewusst übertrieben
dargestellt, sagte Howard. Zweifel gebe es jedoch an der Richtigkeit
der Geheimdienstberichte, die der Regierung bei ihren Entscheidungen
zugrunde lagen.
Howard sagte, die Regierung habe beschlossen, die Empfehlung des
parlamentarischen Ausschusses umzusetzen, wonach eine unabhängige
Kommission unter der Leitung eines Experten die Arbeit der
australischen Geheimdienste untersuchen und Lehren aus möglichen
Fehlern ziehen soll. Wie US-Präsident George W. Bush und der
britische Premierminister Tony Blair hatte Howard den Irakkrieg mit
einer angeblichen Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen
begründet. Australien schickte rund 2000 Soldaten in den Krieg.
Die Haltung der australischen Regierung wurde nach Ansicht des
Parlamentsausschusses durch das Office of National Assessments (ONA)
beeinflusst, das den Premierminister in Geheimdienstfragen berät
und auch dessen Reden zu diesem Thema schreibt. Die Einschätzungen
des ONA hätten vom 12. auf den 13. September 2002 "aus noch
ungeklärten Gründen" einen plötzlichen Wandel vollzogen,
hieß es in dem kürzlich vorgelegten Ausschussbericht. Die
Behörde habe die Bedrohung durch irakische
Massenvernichtungswaffen "übertrieben dargestellt" und sei damit
stark von einer anderen australischen Spionageorganisation, der Defence
Intelligence Organisation, abgewichen, sagte der Ausschussvorsitzende
David Jull.
Die australischen Geheimdienste hätten eine "moderatere und
vorsichtigere" Einschätzung über die Bedrohung durch
irakische Massenvernichtungswaffen vertreten als die Geheimdienste der
USA und Großbritannien. "Aber trotz ihrer Vorsicht ist es
möglich, dass sie übertrieben haben", sagte Jull.
Der Jull-Ausschuss hatte anhand monatelanger Anhörungen die Arbeit
mehrerer australischer Geheimdienste untersucht. Allerdings hatte der
Ausschuss nur eingeschränkt Zugang zu britischen und
US-Geheimdienstberichten.
Die britischen Konservativen haben am Montag ihre Teilnahme an der
Untersuchung der Geheimdienstberichte über irakische
Massenvernichtungswaffen zurückgezogen. Der Parteichef der
oppositionellen Tories, Michael Howard, kritisierte die Ermittlungen in
einem Brief an Premierminister Tony Blair als zu eng gefasst. Die
Untersuchung von Lord Butler gehe nicht auf mögliches
Fehlverhalten Einzelner ein, sondern beschränke sich auf
"Strukturen, Systeme und Prozesse" schrieb Howard.
Ein Sprecher Blairs wies die Vorwürfe zurück. Mit dem
Vorgehen von Einzelpersonen in der Frage der umstrittenen
Geheimdienstberichte hätten sich bereits zuvor drei Untersuchungen
beschäftigt, erklärte er. Die Konservativen waren mit einem
Abgeordneten in Butlers fünfköpfigem Untersuchungsausschuss
vertreten. Die drittgrößte britische Partei, die
Liberaldemokraten, hatten von Anfang an eine Teilnahme an den
Ermittlungen abgelehnt.
Blair hatte sich Anfang Februar einen Tag nach US-Präsident George
W. Bush zu der Untersuchung bereit erklärt. Wenige Tage zuvor war
die Regierung in London in dem Bericht von Lordrichter Hutton von dem
Vorwurf frei gesprochen worden, Geheimdienstmaterial wissentlich
aufgebauscht zu haben, um den Krieg gegen Irak zu rechtfertigen. Die
Bedrohung durch atomare, biologische und chemische Waffen war Blairs
wichtigstes Argument. Bislang wurden jedoch keine Waffen gefunden.
Die Familien von sechs während des Irak-Kriegs getöteten
britischen Soldaten wollen nach einem Zeitungsbericht das Londoner
Verteidigungsministerium wegen Totschlags verklagen. Zu dem Schritt
hätten sich die Familien entschlossen, nachdem Ressortchef Geoff
Hoon eine offizielle Untersuchung zum Tod der sechs Soldaten verweigert
hatte, berichtete die Tageszeitung "Daily Mirror" am Montag. Die
Soldaten waren Ende Juni vergangenen Jahres von einer aufgebrachten
Menge in einer Polizeiwache im Süden Iraks getötet worden,
hatten aber nach Angaben von Angehörigen nicht mehr als "ein paar
Dutzend" Patronen bei sich.
(Quelle: rtr, afp, ap)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Nahost-Konflikt
Palästinenser während Razzia bei Hebron erschossen +++
Arafat-Berater in Gaza-Stadt von Unbekannten ermordet +++ Israels
Außenminister Schalom verteidigt erneut Bau der umstrittenen
Sperranlage +++ Israelische Armee veröffentlicht Ethik-Kodex auf
CD-Rom
Di.02.03.04 - Während einer Razzia in einem Dorf bei Hebron im Westjordanland
ist ein unbewaffneter Palästinenser von israelischen Soldaten
erschossen worden. Die Truppen hatten ein Haus in der Ortschaft Jatta
umstellt, um mutmaßliche Extremisten dingfest zu machen, wie eine
Armeesprecherin am Dienstag mitteilte. Der Mann habe versucht zu
fliehen. Er sei auf Arabisch zum Anhalten aufgefordert worden, danach
hätten Soldaten zunächst in die Luft geschossen. Der Mann sei
jedoch weitergelaufen. Daraufhin seien die tödlichen Schüsse
gefallen.
Ein Berater des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat
ist am (heutigen)Dienstagmorgen in Gaza einem Mordanschlag zum Opfer
gefallen. Nach Angaben von Sicherheitskreisen wurde der 59-jährige
Chalil el Saben von zwölf Kugeln getroffen, als er sein Büro
im Stadtteil Sabra verliess.
El Saben publizierte ein Wochenmagazin, dass sich mit
palästinensischen Angelegenheiten und Menschenrechte befasst. Er
arbeitete für Arafat seit den 60er Jahren und diente in
verschiedenen Funktionen, darunter Medienberater und persönlicher
Sekretär.
Palästinensische Polizisten sagten, Motiv und Täter seien
unbekannt. In den vergangenen Wochen ist Gaza von einer Welle der
Gewalt zwischen verschiedenen palästinensischen Gruppen
erschüttert worden, die um Einfluss und Macht konkurrieren.
Der israelische Außenminister Silvan Schalom hat erneut die
umstrittene Sperranlage zum Westjordanland verteidigt. Der Bau sei eine
notwendige Maßnahme gegen den Terrorismus, sagte Schalom am
Montag in London. Vor einem geplanten Treffen mit seinem britischen
Kollegen Jack Straw und Premierminister Tony Blair betonte er zugleich,
dass die Sperranlage nicht auf Dauer Bestand haben müsse.
Blair wollte am (heutigen) Dienstag auch mit dem jordanischen
König Abdullah II. zusammentreffen. Wie aus jordanischen
Regierungskreisen verlautete, wollte Abdullah dabei um britische
Unterstützung für das Bemühen Jordaniens werben, Israel
vom Bau der Sperranlage abzubringen. Die britische Regierung hat
erklärt, sie habe keine Einwände gegen die Errichtung eines
Sperrwalls an einer internationalen Grenze, ein Bau auf
palästinensischem Gebiet sei jedoch illegal.
Die israelische Armee hat derweil einen Ethik-Kodex
veröffentlicht, der Soldaten als Anleitung für menschlicheres
Verhalten in den Palästinensergebieten dienen soll. "Die Umgebung
ist sehr komplex, die Soldaten müssen gut trainiert sein, um
Terroristen von Unschuldigen unterscheiden zu können", sagte ein
Militärsprecher zu dem am Montag auf CD-Rom veröffentlichten
interaktiven Handbuch. Der Kodex gibt Beispiele für ethisch und
legal korrektes Verhalten inbesondere gegenüber Zivilisten und
Ausländern.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Außenminister beraten Reform der Arabischen Liga
Di.02.03.04 - Die Außenminister der Arabischen Liga haben am Montag in Kairo
mit Beratungen zur grundlegenden Reform der 22 Mitglieder
zählenden Organisation begonnen. Dabei wurde auch ein neuer
Vorstoß für einen palästinensisch-israelischen
Friedensplan erörtert, wie aus einem Dokumentenentwurf hervorging,
der der Nachrichtenagentur AP vorlag. Alle arabischen Staaten
würden demnach zustimmen, dass der Ende vergangenen Jahres
vereinbarte inoffizielle Genfer Friedensplan Grundlage weiterer
Verhandlungen sein soll.
Vorschläge zur Lösung der strittigsten Fragen - wie der
Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge und der
Status von Jerusalem - werden zwar nicht gemacht, die arabischen
Staaten deuten hier aber Flexibilität an. Dieser Vorstoß wie
auch die geplanten Änderungen in der Struktur der Arabischen Liga
müssten auf dem Gipfeltreffen der Organisation Ende des Monats in
Tunesien verabschiedet werden.
Damit die Arabische Liga künftig besser auf regionale Krisen und
Herausforderungen reagieren kann, sollen einigen Vorschlägen
zufolge neue Gremien wie ein Arabisches Parlament, ein Arabischer
Sicherheitsrat, ein Arabischer Gerichtshof und eine Investmentbank
eingerichtet werden. Strittig ist noch, ob für Entscheidungen auch
künftig noch der Konsens notwendig sein oder ob es
Mehrheitsentscheidungen geben soll.
Gemeinsame arabische Handlungen müssten gestärkt werden,
forderte der ägyptische Außenminister Ahmed Maher. Die
arabische Nation stehe vor großen Herausforderungen wie der Hilfe
für das irakische Volk und der Modernisierung der Gesellschaft.
(Quelle: ap)
Amnesty kritisiert Menschenrechtsverletzungen in Libyen
Di.02.03.04 - Vertreter von Amnesty International (AI) haben erstmals seit 15 Jahren
Libyen besuchen können und dort eine Reihe schwerer
Menschrechtsverletzungen festgestellt. Die AI-Mitarbeiter hätten
ihre Erkenntnisse mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar el
Gaddafi besprochen, teilte Delegationsleiter Claudio Cordone am Montag
mit. Dieser habe auch zugesagt, den Empfehlungen zu folgen.
Laut Cordone ist die Menschenrechtslage in Libyen in vielen Bereichen
noch problematisch. «Es gibt Menschen, die nur wegen des
friedlichen Ausdrucks ihrer Meinung festgenommen wurden», sagte
Cordone. Es gebe Fälle, in denen Menschen jahrelang ohne Kontakt
zu ihrer Familie oder Anwälten festgehalten würden. Und es
gebe Einrichtungen, in denen gefoltert werde. Für eine Reihe von
Vergehen sei die Todesstrafe vorgesehen. Auch gebe es Volksgerichte mit
unfairen Prozessen.
Die AI-Delegation war vor zwei Wochen in Libyen eingetroffen. Sie
sprach nach eigenen Angaben mit politischen Gefangenen, Richtern, dem
Generalstaatsanwalt, dem Innen- und dem Außenminister.
(Quelle: ap)
Afghanistan: Zusammenstöße zwischen Rekruten und
schiitischen Gläubigen in Kabul
Di.02.03.04 - Bei Zusammenstößen zwischen afghanischen Rekruten und
Teilnehmern einer Prozession schiitischer Muslime in Kabul sind nach
Angaben der internationalen Schutztruppe IFOR eine Person getötet
und mindestens drei weitere Menschen verletzt worden. Die Polizei
sprach von 16 Verletzten, bestritt aber, dass es einen Toten gegeben
habe. Zu der Auseinandersetzung kam es den Berichten zufolge, als
hunderte gläubiger Schiiten an einer Militärschule
vorbeizogen. Die Rekruten sollen sich abfällig über den
schiitischen Glauben geäußert haben. Die Teilnehmer der
Prozession hätten Schusswaffen und Handgranaten mit sich
geführt und das Feuer eröffnet, sagte ein Polizeisprecher.
Die Verletzten seien alles Rekruten.
(Quelle: ap)
Ein Toter bei Protesten gegen Chavez in Venezuela - Unsicherheit
über politische Situation in Venezuela lässt Ölpreis auf
höchstem Stand seit Irak-Krieg steigen
Di.02.03.04 - In Venezuela ist am Montag bei Zusammenstößen zwischen
Gegnern des Präsidenten Hugo Chavez mit Sicherheitskräften
ein Mann erschossen worden.
In den seit vier Tagen anhaltenden Demonstrationen für eine
Absetzung des linken Präsidenten wurden damit mindestens drei
Menschen getötet. Im Osten der Hauptstadt Caracas, in Valencia,
Merida und auf der Insel Margarita hätten Soldaten Tränengas
gegen die Demonstranten eingesetzt, berichtete das örtliche
Fernsehen. Dutzende Menschen wurden verletzt. Rund 30 Menschen seien
festgenommen worden, teilte das Militär mit.
In Caracas errichteten Chavez-Gegner Barrikaden aus brennenden
Autoreifen und Schutt und verursachten ein Verkehrschaos. Anführer
der Opposition erklärten, die Proteste würden weitergehen,
bis ihre Forderung nach einem Referendum über eine Absetzung des
Präsidenten in diesem Jahr erfüllt ist.
Die oberste Wahlbehörde verschob den zweiten Tag in Folge die
Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses einer entsprechenden
Petition der Opposition. Die Wahlbehörde sicherte zu, sie werde
das Ergebnis am Dienstag bekannt geben. Die Opposition hat nach eigenen
Angaben 3,4 Millionen Unterschriften für ein Referendum gesammelt,
weit mehr als die erforderlichen 2,4 Millionen. Chavez wirft der
Opposition Fälschung vor.
Vize-Präsident Jose Vicente Rangel sagte, die Regierung plane
nicht, den Notstand zu erklären. Verteidigungsminister Jorge
Garcia teilte mit, die Streitkräfte würden für Ordnung
sorgen.
Chavez überstand einen Putschversuch im Jahr 2002 und einen von
der Opposition ausgerufenen Generalstreik im vergangenen Jahr. Chavez
war nach seinem ersten Wahlsieg 1998 angetreten, die Armut im Land zu
lindern. Die Opposition wirft ihm dagegen vor, er treibe das Land in
den wirtschaftlichen Ruin und wolle einen kommunistischen Staat nach
dem Vorbild Kubas schaffen.
Der Ölpreis ist am Montag wegen der Unsicherheit über die
politische Situation im OPEC-Staat Venezuela auf den höchsten
Stand seit Mitte März 2003 gestiegen. Ein Barrel der Nordseesorte
Brent mit Auslieferung im April stieg in London um 3,44 Prozent auf
33,34 Dollar.
Händler führten den Kursanstieg auf Aussagen des
venezuelanischen Präsidenten Hugo Chavez zurück. Der hatte am
Wochenende gedroht, Öllieferungen an die USA zu stoppen, falls die
US-Regierung Schritte gegen ihn unternimmt. Venezuela ist das einzige
OPEC-Mitglied in Lateinamerika und der viertgrößte
Öllieferant der USA.
(Quellen: rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Venezuelas Präsident Chavez droht USA mit Stopp der
Öllieferung - Demonstrationen für und gegen Chavez
Mo.01.03.04 - Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat den USA mit einem Stopp der
Erdöllieferungen gedroht, sollte die US-Regierung eine Invasion
seines Landes versuchen oder ein Handelsembargo verhängen.
Venezuela ist unter den vier wichtigsten Öllieferanten der USA.
"Herr Bush muss wissen, dass wenn er die verrückte Idee hat, eine
Blockade gegen Venezuela zu verhängen oder noch schlimmer, in
Venezuela einzurücken, ... dass dann die US-Bevölkerung
keinen Tropfen Öl mehr aus Venezuela bekommt", sagte Chavez am
Sonntag vor Anhängern in Caracas an die Adresse des
US-Präsidenten... Mehr unter:
http://home.t-online.e/home/boa-archiv3/k0403010.htm#04030105
Chávez Gegner sind keine politische Alternative für
Venezuela
Die Opposition wird angeführt von der venezolanischen
Oberschicht, die unter dem lauten und linken Chávez mehr um ihren
Reichtum und ihre Privilegien fürchtet als um die Zukunft des
Landes. Bevor Chávez im Jahr 1998 die Wahlen in Venezuela
gewann, waren seine Gegner an der Macht und haben das Land
heruntergewirtschaftet. Und seit sie in der Opposition sind, konnten sie
eine Frage nicht beantworten: Wie kann es sein, dass in einem Land, das
der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt ist und
dessen Erdölfirma in staatlicher Hand ist, 80 Prozent der
Bevölkerung in Armut lebt? Erst diese Ungleichheit im Land hat
einen wie Chávez möglich gemacht. Deswegen gibt es zu ihm
momentan leider keine Alternative...
Aus der "tageszeitung" vom 16.04.02:
http://www.taz.de/pt/2004/02/16/a0193.nf/text
|
Haitis Ex-Präsident Aristide wirft USA Staatsstreich und
Entführung vor - Soldaten der multinationalen Schutztruppe in Haiti
Di.02.03.04 - Der frühere haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide hat
den USA vorgeworfen, sie hätten ihn in einem Staatsstreich zum
Amtsverzicht gezwungen und entführt. Die US-Regierung wies die
Vorwürfe scharf zurück.
Die USA hätten ihn gezwungen, sein Land nach einer Revolte zu
verlassen, um ein Blutbad zu vermeiden, sagte Aristide am Montag von
der Zentralafrikanischen Republik aus dem US-Fernsehsender CNN.
"Niemand sollte einen gewählten Präsidenten zwingen zu
gehen", sagte Aristide am Telefon. Er war am Sonntag vor den Rebellen,
die seinen Rücktritt verlangten, geflohen und am Montag in der
Zentralafrikanischen Republik eingetroffen.
"Mir wurde gesagt, dass ich besser gehen sollte, wenn ich ein Blutbad
vermeiden wolle", sagte Aristide. Zu Behauptungen, er sei entführt
worden, sagte Aristide CNN zufolge, er spreche von einer modernen Art
des Staatsstreiches, von einer Entführung. Truppen in Haiti
hätten ihn verschleppt. Es seien "US-Truppen und haitianische
Truppen" gewesen, "die gemeinsam den Flughafen umzingelten, mein Haus,
den Palast". "Und dann, trotz der diplomatischen Gespräche, die
wir hatten, trotz allem, was wir auf diplomatischem Wege getan haben,
um zu verhindern, dass sie ein Massaker organisieren, dass zu einem
Blutbad führen würde, mussten wir gehen und zwanzig Stunden
in einem amerikanischen Flugzeug verbringen", sagte Aristide. Er habe
nicht gewusst, wohin zu gehen er gezwungen worden sei, "bis sie es uns
gesagt haben, zwanzig Minuten bevor wir in der Zentralafrikanischen
Republik gelandet sind."
US-Außenminister Colin Powell wies die Vorwürfe zurück.
"Die Behauptung, dass wir irgendwie den früheren Präsidenten
Aristide entführt hätten, entbehren jeglicher Grundlage, sie
sind absurd." Rund 15 Mitglieder seiner persönlichen
Sicherheitsabteilung hätten Aristide von seinem Haus zum Flughafen
begleitet, seien mit ihm an Bord gegangen und in die
Zentralafrikanische Republik geflogen. Aristide sei freiwillig in das
Flugzeug gestiegen und nicht von den USA gezwungen worden.
Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Stabschef Richard
Myers wiesen die Darstellung Aristides zurück. Der Sprecher des
US-Präsidialamtes Scott McClellan sagte, das sei "kompletter
Unsinn". Aristide dagegen beharrte auf seiner Darstellung: "Ich sage
die Wahrheit. Sie haben mich belogen."
Zwei US-Abgeordnete erklärten, Aristide habe ihnen am Telefon
gesagt, dass er Haiti nicht freiwillig verlasse, sondern von
US-Soldaten entführt worden sei. Maxine Waters und Randall
Robinson sagten, der Ex-Präsident habe sie von der
Zentralafrikanischen Republik aus angerufen. "Er wurde mit Gewalt aus
seiner Residenz mitten in der Nacht geholt, in ein Flugzeug gezwungen
und weggebracht, ohne dass ihm gesagt worden wäre, wohin er gehen
sollte. Er wurde entführt", sagte Robinson.
Die Abgeordnete Waters sagte über Aristide: "Er ist nicht
zurückgetreten. ... Er hat immer wieder gesagt, dass er
entführt worden sei, dass der Coup von Amerikanern ausgeführt
worden sei, dass sie ihn gezwungen hätten zu gehen."
Powell zeigte sich über die Äußerungen der Abgeordneten
irritiert. Es wäre besser gewesen, wenn sie erst die US-Regierung
nach dieser Darstellung gefragt hätten als an die
Öffentlichkeit zu gehen, sagte Powell.
In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince haben unterdessen
amerikanische und französische Soldaten am Montag damit begonnen,
strategisch wichtige Punkte zu sichern. Neben den ersten Einheiten der
von den UN beauftragten multinationalen Eingreiftruppen rückten
nach der Vertreibung von Präsident Jean-Bertrand Aristide auch die
Rebellen in die Hauptstadt ein.
Als sie vor dem Nationalpalast amerikanische Marineinfanteristen
entdeckten, kehrten sie um. Das frühere Hauptquartier der
Streitkräfte wurde aber von ihnen besetzt. US-Außenminister
Colin Powell sagte, die USA wollten nicht, dass einige der
Rebellenführer politische Funktionen übernähmen. "Einige
dieser Individuen möchten wir wegen ihrer Vergangenheit nicht in
die Zivilgesellschaft wieder eintreten sehen", sagte er. Neben
Rebellenführer Guy Philippe traf sich auch Louis-Jodel Chamblain
mit Mitgliedern der bisherigen Opposition. Chamblain ist wegen Mordes
verurteilt worden und befehligte früher eine Todesschwadron.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rief die
internationale Truppe auf, Chamblain und einen weiteren
Rebellenführer, Jean Pierre Baptiste, zu verhaften. Baptiste
entkam nach seiner Verurteilung wegen eines Massakers an 15
Aristide-Anhängern 1994 aus dem Gefängnis.
Aus einem Vorort von Port-au-Prince wurden erste Rachemorde an
militanten Aristide-Anhängern gemeldet. Ein Reporter sah in
Carrefour drei Leichen mit Kopfschüssen, denen die Hände auf
den Rücken gebunden waren. Ein Augenzeuge sagte, ein vierter Mann
habe versucht zu fliehen, sei von Polizisten aber aus einem Haus geholt
und erschossen worden.
Ein junger Rebell sagte, einige militante Mitglieder von Aristides
Lavalas-Partei würden getötet. "Ich habe gestern ein paar
Plünderer erschossen. Sie müssen erschossen werden", sagte
der Mann mit dem Kriegsnamen "Faustin". "Es gibt eine sehr kleine
Anzahl von Lavalas-Leuten, die nicht gerettet werden können."
(Quellen: rtr, ap)
Der Sturz des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide
wird von Beobachtern mit gemischten Gefühlen gesehen
... Beachtlich ist der Umstand, dass Aristide in die internationale
Kritik geriet, ohne dass explizite Vorwürfe gegen ihn erhoben
wurden. Betrachtet man seine Gegnerschaft, so eint sie der allgemeine
Unmut über die wirtschaftlich schlechte Lage im "Armenhaus der
Karibik". Drei Jahre nach Beginn von Aristides zweiter Amtszeit sind
die Menschen enttäuscht. Zwar kann die Regierung eine Reihe von
Sozialprogrammen vorweisen, Schulbau und der Zugang zum
Gesundheitswesen wurden gefördert, zu einer allgemeinen
Verbesserung der Lage aber führte das nicht. Externe Faktoren
scheinen zu überwiegen. So etwa der Argwohn, mit dem die
Zusammenarbeit Aristides mit Staaten wie Kuba und Venezuela in den USA
und Frankreich gesehen wurde. Zuletzt, so scheint es, wollte man einen
unbequemen Einzelgänger beseitigen....
Aus: Harald Neuber - "Bärendienst für Demokratie",
telepolis vom 02.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16865/1.html
Mit seiner Flucht in die Zentralafrikanische Republik hat Haitis
Präsident Jean-Bertrand Aristide ein Land zurückgelassen, das
im politischen Chaos versinkt. Aber auch wenn die Grenzen zwischen den
zahlreichen Lagern und ihre jeweiligen Motivationen
unübersichtlich sind, einen die Gegner des Expräsidenten
zumindest zwei Aspekte: die Interessenvertretung für die lokalen
Eliten und die Verbindungen zu ausländischen Akteuren. Bei den
Anführern der Rebellion handelt es sich weitgehend um
Paramilitärs, die besonders in der Zeit der Duvalier-Diktatur eine
unrühmliche Rolle gespielt haben. In dem aktuellen Aufstand setzen
sie vor allem auf Söldner.
Von mehreren Seiten wurde seit Beginn der Rebellion über die
Verbindungen der militärischen Führer zu US-amerikanischen
Regierungsinstitutionen berichtet. Kaum bekannt ist, daß zu den
Finanziers der Rebellen auch führende Kreise des kubanischen Exils
in den USA zählen....
Mehr in "junge Welt" vom 02.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-02/004.php
Fakt ist:
Die Gewalt, die Haiti nicht nur in den 200 Jahren seiner
Unabhängigkeit, sondern erst recht in den davorliegenden rund 150
Jahren seiner Kolonialgeschichte beherrschte, lebt nicht nur in den
Köpfen der Haitianer fort. Sie existiert real. Sie existiert in den
sozialen Beziehungen innerhalb der haitianischen Gesellschaft. Sie
existiert in den Beziehungen zwischen Haiti und dem Weltmarkt. Es ist
die Gewalt der ökonomischen Verhältnisse...
Alexander King in seiner Analyse der Krise in Haiti
Mehr in "junge Welt" vom 28.02.04:
http://www.jungewelt.de/2004/02-28/004.php
Alexander King ist Diplomgeograph und lebt in Berlin. Seine Analyse der
Krise in Haiti wurde für die Informationsstelle Militarisierung IMI
e.V., Tübingen, erstellt
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#040225_d
|
Haiti und Ostafrika weiter von Hunger bedroht
Di.02.03.04 - Die Welternährungsorganisation (FAO) hat sich in ihrem am Montag
veröffentlichten Erntebericht besorgt über die
Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung in Haiti, Nordkorea und
Teilen des östlichen und südlichen Afrikas
geäußert. Verbessert habe sich die Lage dagegen in
Afghanistan, Westafrika und Südamerika, erklärte die FAO in
Rom. In vielen asiatischen Ländern habe die Reisproduktion 2003
eine Rekordhöhe erreicht.
Allerdings sei dort die Nachfrage nach Futtermais und Sojabohnen wegen
der Tötung von Millionen Hühnern infolge der Vogelgrippe
eingebrochen. Dies bekämen Bauern, die vom Anbau dieser Produkte
leben, akut zu spüren. Chronischer Mangel an Nahrungsmitteln
bestehe weiterhin in Nordkorea.
In Haiti hätten die Unruhen der vergangenen Wochen die Verteilung
von Nahrungsmittelhilfen stark beeinträchtigt. Von dem Mangel
besonders betroffen sei der Norden des Karibikstaats, wo
Überschwemmungen die Mais- und Maniokernte hinweggespült
hätten.
Geringe Niederschläge in Ostafrika hätten die Getreideernten
in Tansania, Kenia sowie Teilen von Eritrea, Äthiopien und Somalia
in Mitleidenschaft gezogen, erklärte die FAO weiter. Auch im
südlichen Afrika stünden die Aussichten für die
Getreideproduktion schlecht, während in Westafrika 2003 die
Rekordmenge von 14,3 Millionen Tonnen Getreide angebaut worden sei -
2,9 Millionen Tonnen mehr als 2002, das ebenfalls als gutes Jahr galt.
Auch im Bereich der Großen Seen habe sich die Lage verbessert,
wenngleich in der Republik Kongo, Ruanda und Burundi weiterhin
Hilfslieferungen nötig seien.
In Afghanistan ließen überdurchschnittliche
Niederschläge die Aussichten für eine gute
Wintergetreideernte steigen. In Südamerika liege die Weizenernte
2003 um etwa eine Million Tonnen über dem Durchschnitt der letzten
fünf Jahre. Die Weizenproduktion in Australien habe sich nach dem
Dürrejahr 2002 mit 19 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr wieder
auf 36,3 Millionen Tonnen erholt.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.fao.org/giews/english/fs/fstoc.htm
Zwei Tote bei Kämpfen in Kongo
Di.02.03.04 - Bei Kämpfen zwischen Stammesmilizen und UN-Soldaten sind im
Nordosten Kongos zwei Menschen getötet worden. In den
Feuergefechten in Bunia in der Region Ituri wurde außerdem ein
Blauhelm-Soldat verletzt, wie die Vereinten Nationen am Montag
mitteilten.
Die Kämpfe brachen am Sonntagabend aus, als UN-Soldaten nach
Hinweisen aus der Bevölkerung etwa 50 Kämpfer der Volksgruppe
der Hema angriffen. Diese hätten sich am Stadtrand versammelt, um
offenbar einen Angriff vorzubereiten, sagte UN-Sprecher Leocadio
Salmeron. Einer der Kämpfer sowie eine Zivilistin seien
getötet worden, ein marokkanischer UN-Soldaten sei ins Bein
geschossen worden. 30 Kämpfer seien festgenommen worden.
In Ituri sind seit September rund 4.700 UN-Soldaten und unbewaffnete
Beobachter stationiert, die zur Stabilisierung der Provinz beitragen
und die Bewohner schützen sollen. Der Gewalt zwischen den
rivalisierenden Volksgruppen der Hema und der Lendu fielen dort seit
1999 mindestens 50.000 Menschen zum Opfer, ebenso viele sind auf der
Flucht.
(Quelle: ap)
Russland: Putin nominiert Gesandten bei EU als Regierungschef
Di.02.03.04 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat überraschend den
bisherigen Gesandten bei der EU, Michail Fradkow, als
Ministerpräsidenten nominiert.
Die Europäische Union (EU) begrüßte Fradkows
Nominierung Fradkow gilt als Putin-treuer Technokrat, der in
beiden Machtlagern im Kreml auf Akzeptanz stößt - bei den
Wirtschaftsreformern, die ausländische Investoren nach Russland
locken wollen, und bei den Unterstützern einer größeren
staatlichen Kontrolle. "Er hat weit reichende Erfahrungen in der
Korruptionsbekämpfung", begründete Putin am Montag seine
Entscheidung für den Ex-Chef der Steuerpolizei.
Am vorigen Dienstag hatte Putin Regierungschef Michail Kasjanow mit der
Begründung entlassen, er wolle vor der Präsidentenwahl am 14.
März die politischen Prioritäten neu festlegen. Das
Parlament, in dem das Putin-Lager eine klare Mehrheit hat, dürfte
Fradkows Ernennung am Freitag zustimmen.
Der 53-jährige Fradkow hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion
bereits verschiedene Ministerposten inne. Unter Putins Vorgänger
Boris Jelzin leitete er die Ressorts für
Außenwirtschaftsbeziehungen und Handel. Im März 2001 wurde
er zum Chef der russischen Steuerpolizei berufen, die die massive
Steuerflucht aus Russland bekämpfen sollte. Als die Steuerpolizei
vor einem Jahr aufgelöst wurde, ging Fradkow als EU-Gesandter nach
Brüssel. Fradkows Nominierung gilt als Überraschung, da sein
Name bislang in den Medien nicht in Zusammenhang mit der
Kasjanow-Nachfolge genannt worden war.
Interfax zitierte Putin mit den Worten, die Wahl eines Nachfolgers
für Kasjanow sei ihm nicht leicht gefallen. "Es muss eine sehr
qualifizierte Person sein, organisiert und mit weit reichender
Erfahrung in den verschiedenen Bereichen des Staatswesens."
Mit der Lösung der Regierungskrise habe Putin seinen starken
Willen zum Machterhalt unterstrichen, sagten Experten. Mit der
Lösung der von ihm selbst geschaffenen Krise habe er sich
Schlagzeilen gesichert, die von seinen Herausforderern um das Amt des
Präsidenten abgelenkt hätten. Putin gilt als klarer Favorit
für die Wahl.
Politische Beobachter rechneten damit, dass Fradkow wenige Tage nach
der Bestätigung durch das Parlament sein Kabinett vorstellen wird.
In ihm seien vermutlich einige Minister der bisherigen Regierung
vertreten.
Die EU-Kommission bezeichnete Fradkows Nominierung als "positives
Signal". Sie unterstreiche die Bedeutung, die Putin den Beziehungen zur
EU beimesse. Eine Ernennung Fradkows fördere das gegenseitige
Verständnis und erleichtere die Kontakte.
Die Beziehungen zwischen der EU und Russland leiden derzeit unter einem
Streit über die Einbeziehung der neuen EU-Staaten in das
Partnerschaftsabkommen. Dieses regelt die politische und
wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU. Russland
will darüber mit den zumeist aus dem Einflussbereich der
früheren Sowjetunion stammenden Ländern direkt verhandeln.
Die EU-Außenminister haben dagegen vor Konsequenzen gewarnt,
falls Russland die Länder nicht automatisch an dem Abkommen
teilhaben lasse. Zudem klagt die EU über zu wenig Fortschritte im
Dialog mit Russland.
(Quelle: rtr)
OSZE wirft kroatischer Justiz Einseitigkeit bei Kriegsverbrechen vor
Di.02.03.04 - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) hat der kroatischen Justiz vorgeworfen, serbische
Verdächtige bei der Ahndung von Kriegsverbrechen zu
benachteiligen. Serben würden häufiger verurteilt als
mutmaßliche kroatische Kriegsverbrecher, kritisierte die OSZE in
einem am Montag vorgelegten Bericht. "Es muss einen Standard geben, der
auf die Angeklagten unabhängig ihrer ethnischen oder
religiösen Zugehörigkeit angewendet wird", hieß es in
einer Erklärung des OSZE-Experten Peter Semneby. Weitere Reformen
in der kroatischen Justiz seien notwendig.
(Quelle: afp)
Sozialisten drohen mit Sturz neuer serbischer Regierung
Di.02.03.04 - Vor der Vereidigung des serbischen Kabinetts haben die Sozialisten mit
einem Sturz der neuen Regierung gedroht, falls diese weitere
mutmaßliche Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal in Den Haag
ausliefere. Die Serbische Sozialistische Partei (SPS) werde die
Regierung nur unter der Bedingung unterstützen, dass keine
weiteren Verdächtigen ausgeliefert würden, sagte ein
ranghoher Vertreter der SPS, Milorad Vucelic, am Montag dem
Fernsehsender B-92.
Die Sozialisten des im Jahr 2000 gestürzten jugoslawischen
Präsidenten Slobodan Milosevic hatten dem Nationalkonservativen
Vojislav Kostunica und seiner Minderheitsregierung vor zwei Wochen ihre
Unterstützung zugesichert. Kostunica will sein neues Kabinett am
(morgigen) Dienstag dem Parlament in Belgrad vorstellen. Er hatte in
der vergangenen Woche die Kritik der Europäischen Union und der
USA auf sich gezogen, als er erklärte, die Festnahme und
Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher habe für seine
Regierung keine Priorität. Auch Milosevic muss sich in Den Haag
wegen Kriegsverbrechen verantworten.
(Quelle: ap)
Prozess gegen Globalisierungsgegner vom G-8-Gipfel in Genua
Di.02.03.04 - Zweieinhalb Jahre nach den blutigen Zusammenstößen
während des G-8-Gipfels in Genua beginnt heute in der
norditalienischen Stadt der Prozess gegen 26 Globalisierungsgegner. Mit
Ausnahme eines Iraners handelt es sich um Italiener. Ihnen wird nach
Angaben der italienischen Justiz Plünderung vorgeworfen. Neben der
Stadt Genua treten auch die Ministerien für Inneres, Verteidigung
und Justiz in Rom als Kläger auf.
Bei den Straßenschlachten zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften war im Juli 2001 ein junger
Globalisierungskritiker von Polizisten erschossen worden. Die
Stadtverwaltung von Genua schätzte den durch die Proteste
entstandenen Sachschaden auf fünf Millionen Euro.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
g8_genua.htm#top
73 Polizisten droht wegen Gewaltexzessen bei G8-Gipfel in Genua der Prozess
So.14.09.03 - Insgesamt 73 Polizisten und leitenden Beamten droht wegen der
Gewaltexzesse beim G8-Gipfel in Genua vor mehr als zwei Jahren der
Prozess. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen beendet und
werfe den Beamten vor, wehrlose Demonstranten bedroht und
verprügelt zu haben, berichteten italienische Zeitungen. Die
Justizbehörden müssen nun über eine Anklageerhebung
entscheiden. Bei den Ausschreitungen in Genua hatte ein Polizist einen
23-jährigen Italiener erschossen, der einen Feuerlöscher
gegen ein Fahrzeug warf. (Quelle: dpa)
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
Mi.14.05.03 - Beinahe zwei Jahre nach dem blutigen G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001 haben italienische
Ermittlungsbehörden nun die Strafverfolgung gegen 93 Demonstranten, die bei einer nächtlichen
Razzia festgenommen worden waren, eingestellt. Die jungen Leute, darunter sehr viele Deutsche hätten
sich keinerlei Aggression zuschulden kommen lassen, berichtete die italienische Zeitung La Repubblica über
den Grund für die Einstellung. Der Vorfall war als "chilenische Nacht" in die italienische Polizeigeschichte eingegangen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305140.htm#030514_m
Keine Anklage gegen Polizisten,der in Genua Demonstranten erschoss
Di.03.12.02 - Gegen den italienischen Polizisten, der vor knapp anderthalb Jahren
während des G-8-Gipfels in Genua einen Demonstranten erschoss,
wird keine Anklage erhoben. Dies gab die Staatsanwaltschaft gestern
bekannt. Die Entscheidung über eine Einstellung des Verfahrens
gegen den Todesschützen muss nun der zuständige
Untersuchungsrichter fällen. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Polizist mit den Schüssen gegen
den Globalisierungskritiker Carlo Giuliani in Notwehr gehandelt. Daher
könne das Verfahren eingestellt werden. Giuliani wollte das
Polizeiauto, in dem sich der Polizist befand, mit einem
Feuerlöscher attackieren, als die Schüsse fielen. Der
Polizist hat wiederholt beteuert, in Todesangst abgedrückt zu
haben. (Quelle: dpa)
Deutschland
Lehrstellen sind immer öfter öffentlich finanziert
Di.02.03.04 - Das nachlassende Ausbildungsengagement der Wirtschaft kommt Bund,
Ländern und Arbeitsämtern immer teurer zu stehen. Im
vergangenem Jahr wurden über 60.000 der 560.000 von den Kammern
neu registrierten Lehrverträge voll aus öffentlichen Mitteln
finanziert. Dies geht aus dem bisher unveröffentlichten
"Berufsbildungsbericht 2004" der Bundesregierung hervor.
Zusätzlich subventionierten die Länder in Millionenhöhe
erstmals ausbildende Betriebe. Unterdessen geht in der SPD die Debatte
um das geplante Ausbildungsplatz-Umlagegesetz weiter.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) machte erneut Front gegen
eine Abgabe, da Zwang schädlich sei. Juso-Chef Niels Annen
kritisierte dagegen die ablehnende Haltung einiger
SPD-Ministerpräsidenten.
(Quelle: dpa/taz)
Blick ins Archiv:
Ausbildungsplatzlücke laut DGB deutlich größer als
bekannt
Mi.18.02.04 - Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist die
Ausbildungslücke deutlich größer als bekannt. DGB-Chef
Michael Sommer sagte der Tageszeitung «Die Welt»
(Mittwochausgabe), die Lücke zwischen angebotenen und
nachgefragten Ausbildungsplätzen liege derzeit nicht bei etwa
20.000, wie offiziell gemeldet werde. Sie sei in Wahrheit zehn Mal so
groß und habe 2003 weit über 200.000 betragen. «Dies
ist eine alarmierende Entwicklung, die eindeutig die Unternehmen zu
verantworten haben», sagte Sommer.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402180.htm#04021819
Clement bekräftigt Ablehnung einer Ausbildungsabgabe
Mo.01.03.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat seine Ablehnung einer
Zwangsabgabe für ausbildungsunwillige Unternehmen bekräftigt.
Zwang sei schädlich, «es muss aus freien Stücken
gehen», sagte der SPD-Politiker der «Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe)... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403010.htm#04030111
Defizit von rund drei Milliarden Euro bei Krankenkassen
Di.02.03.04 - Die gesetzlichen Krankenkassen haben nach Informationen der
«Bild»-Zeitung das Jahr 2003 mit einem Defizit von rund
drei Milliarden Euro abgeschlossen. Damit liege der Fehlbetrag zwischen
Einnahmen und Ausgaben auf dem Niveau des Vorjahres, berichtete das
Blatt (Dienstagausgabe). 2002 hatte das Defizit 2,96 Milliarden Euro
betragen. Besonders stark stiegen dem Bericht zufolge die Kosten
für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel, Zahnersatz und
Krankenfahrten. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit seien zugleich
die Beitragseinnahmen deutlich gesunken.
(Quelle: ap)
Nach SPD-Wahldebakel in Hamburg: Schröder und Rot-Grün halten
an Reformkurs fest
Di.02.03.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine rot-grüne Koalition
wollen auch nach der Wahlniederlage in Hamburg am Reformkurs
festhalten. «Wir werden ihn noch sorgfältiger erklären
müssen, aber wir werden ihn fortsetzen», sagte Schröder
am Montag in Berlin. Spitzenpolitiker der Grünen versicherten ihre
Koalitionstreue und erteilten schwarz-grünen Spekulationen eine
Absage. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust kündigte
einen Tag nach seinem Triumphsieg eine schnelle Neubildung des Senats
an, in dem die jetzt mit absoluter Mehrheit ausgestattete CDU
mindestens vier Ressorts neu besetzen kann.
Schröder nannte das Abschneiden der SPD in Hamburg
«schmerzlich». Er bescheinigte dem Spitzenkandidaten Thomas
Mirow, einen engagierten Wahlkampf und äußerte die Hoffnung
auf weitere Zusammenarbeit mit dem Exsenator, der sich aus der
Hamburger Landespolitik zurückziehen will. Auch
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz bekräftigte, dass er den
Parteivorsitz in Hamburg niederlegen wolle.
In der letzten Phase des Wahlkampfs habe die Nominierung von
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering zum neuen Parteivorsitzenden
einen Mobilisierungsschub gebracht, sagte Schröder. Nach
Auffassung Münteferings war die Bundespolitik mitverantwortlich
für das schlechte Abschneiden seiner Partei. «Wir
müssen noch werben für die Agenda 2010», sagte er.
Spekulationen über eine Kabinettsumbildung wies der designierte
Parteichef zurück.
Bundespolitiker der Grünen zeigten sich erfreut, dass die Partei
in Hamburg fast vier Prozentpunkte hinzugewonnen hat. Die
Bundesvorsitzende Angelika Beer nannte das Ergebnis einen «guten
Start für die nächsten Wahlen». Das Hamburger
Wahlergebnis werde nichts an der rot-grünen Politik ändern.
Schnittmengen zwischen Schwarz und Grün gebe es nicht.
CSU-Chef Edmund Stoiber bewertete die Wahl dagegen als
«großen Denkzettel» für Schröder. Die
absolute Mehrheit der CDU in Hamburg erleichtere die Durchsetzung der
Unionspositionen im Bundesrat erheblich. Die CDU-Vorsitzende Angela
Merkel sagte, die Menschen erwarteten von der Partei, dass sie auch aus
der Opposition heraus noch mehr Verantwortung übernehme.
FDP-Parteichef Guido Westerwelle gestand nach dem Scheitern der
Liberalen mit nur 2,8 Prozent ein: «Da gibt es nichts zu
beschönigen. Wir sind enttäuscht». Das Ergebnis
entspreche aber nicht dem Bundestrend.
Beust äußerte die Erwartung, dass die Regierungsbildung in
Hamburg recht schnell geschehen könne. Zugleich warnte er die CDU
vor Übermut. Mit dem Ergebnis hätten die Wähler der
Partei und ihm nicht nur einen großen Sieg geschenkt, sondern
auch eine schwere Last auferlegt, sagte er der
«Bild»-Zeitung. «Wer glaubt, jetzt an die Tröge
drängen zu können, irrt», fügte er hinzu und
versicherte: «Mit mir wird es keinen Filz geben.»
Als möglichen Nachfolger für den scheidenden Innensenator
Dirk Nockemann aus der ehemaligen Schill-Partei nannte die
«Hamburger Morgenpost» den CDU-Fraktionschef Michael
Freytag. Frei werden zudem die Ressorts von Bausenator Mario Mettbach
und Gesundheitssenator Peter Rehaag, die ebenfalls der Partei
Rechtsstaatlicher Offensive angehören. Deren Vorsitz legte
Mettbach am Montag nieder. Zudem kann die CDU das bisher von
FDP-Senator Reinhard Soltau geführte Bildungsressort besetzen.
Dagegen will Beust nach eigenen Angaben den parteilosen
Wissenschaftssenator Jörg Dräger behalten. Zur Zukunft der
umstrittenen Kultursenatorin Dana Horáková wollte sich
der Bürgermeister nicht äußern.
(Quelle: ap)
Hundt gibt Order - Unternehmer fordern mit einer sogenannten Agenda
2004 noch schärferes 'Reform'tempo
Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, hat am Montag in Berlin die
Eckpunkte einer sogenannten Agenda 2004 vorgestellt. Deren
Kernforderungen sind die Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters
auf 67 Jahre und die Abkoppelung der Krankenkassenfinanzierung sowie
der Pflegeversicherung vom Arbeitsverhältnis. Es handelt sich
demnach nicht um das Jahresarbeitsprogramm des Vereins, dem Hundt
vorsteht, sondern um einen konkreten Auftrag an die Bundesregierung....
Mehr in "junge Welt" vom 02.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-02/001.php
|
Noch keine Lösung im Streit um Emissionshandel
Di.02.03.04 - Im Streit um den Emissionshandel haben Umweltminister Jürgen
Trittin und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement immer noch keine
Lösung gefunden. Nach einem zweiten Schlichtungsgespräch im
Kanzleramt sprach Trittins Sprecher Michael Schroeren von einem
produktiven Arbeitsgespräch. Festlegungen seien noch nicht
getroffen worden.
«Es geht voran, aber wir sind noch nicht durch»,
erklärte Schroeren. Die Minister und ihre Staatssekretäre
wollten ihre Gespräche in den nächsten Tagen fortsetzen.
Dieses Treffen werde auf Fachebene durch Arbeitsgruppen zu
verschiedenen Einzelfragen vorbereitet.
Die Minister ringen um einen von Trittin erarbeiteten Entwurf für
einen Nationalen Allokationsplan, mit dem die Verschmutzungsrechte auf
rund 2.400 Fabriken und Kraftwerke verteilt werden sollen. Der Plan
muss bis 31. März an die EU-Kommission nach Brüssel gemeldet
werden; der Emissionshandel soll auf europäischer Ebene 2005
beginnen.
Umstritten ist vor allem, um wie viel die am Emissionshandel
beteiligten Anlagen ihren Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid
drosseln müssen. Trittin will über den Allokationsplan eine
deutliche Minderung durchsetzen, der Bundesverband der Deutschen
Industrie will die Emissionen bis 2010 praktisch auf heutigem Niveau
halten. Nach dem Kyoto-Protokoll muss Deutschland insgesamt bis 2010
eine Minderung seiner Treibhausgase um 21 Prozent gegenüber 1990
erreichen.
Trittin und Clement hatten sich bereits letzte Woche bei
Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier getroffen. Dabei hatte es
keinen Durchbruch gegeben.
Prinzip des Emissionshandels ist, dass die beteiligten Anlagen zu
Beginn kostenlos Zertifikate für einen bestimmte Jahresmenge
Schadstoffausstoß zugeteilt bekommen. 2007 wird zum ersten Mal
abgerechnet: Brauchen sie weniger, dürfen sie Rechte verkaufen,
benötigen sie mehr, müssen sie Zertifikate zukaufen.
(Quelle: ap)
Trittin weist Anti-Terror-Konzept für Atomkraftwerke zurück
Di.02.03.04 - Umweltminister Jürgen Trittin hat die Vorschläge der
Atomindustrie zur Abwehr terroristischer Anschläge aus der Luft
als unzureichend zurückgewiesen. Das Konzept zur blitzartigen
Vernebelung der deutschen Atomkraftwerke könne in seiner
bisherigen Form den Schutz der Anlagen nicht wesentlich verbessern,
erklärte Trittin am Montag in Berlin. Damit dürfte die
Debatte um vorzeitige Abschaltung der fünf besonders
gefährdeten Reaktoren in eine neue Runde gehen.
Trittin hatte nach den Anschlägen des 11. September 2001 eine
Studie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) über
Terrorgefahren für deutsche Reaktoren erstellen lassen. Die Studie
wurde vor einem Jahr an die Länder weiter gereicht, aber nicht
offiziell veröffentlicht. Im vergangenen Sommer legte die
Atomindustrie das Konzept zur Blitzvernebelung und andere
Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit vor, die Trittin
wiederum durch die GRS prüfen ließ.
Zum Ergebnis erklärte der Umweltminister nun: «Das Konzept
der Betreiber, Atomkraftwerke durch künstlichen Nebel vor
drohenden terroristischen Flugzeugabstürzen zu schützen, ist
in seiner derzeitigen Form nicht geeignet, den Schutz der Anlagen
deutlich zu verbessern.» Der Plan, die Anlagen durch
künstlichen Nebel zu verhüllen und so einen zielgenauen
Flugzeugabsturz zu verhindern, berücksichtige nicht ausreichend
das Verhalten terroristischer Täter.
«Deshalb wird die Wahrscheinlichkeit eines gezielten Auftreffens
auf das Reaktorgebäude und dessen katastrophalen Folgen nicht
ausreichend verringert», erklärte Trittin. Er forderte die
Betreiber zu Nachbesserungen auf. Die Landesbehörden mahnte er,
die Vernebelung nicht pauschal zu genehmigen, sondern die Wirksamkeit
im Einzelnen zu überprüfen. Zudem kritisierte Trittin erneut,
dass die Länder die Terrorgefahren für die einzelnen Anlagen
und die Verbesserung des Schutzes noch nicht ausreichend geprüft
hätten.
Zuletzt hatte bereits der Präsident des Bundesamts für
Strahlenschutz, Wolfram König, Zweifel an dem Vernebelungskonzept
der Betreiber erkennen lassen und gefordert, die fünf unsichersten
Reaktoren vorzeitig vom Netz zu nehmen. Von SPD und Grünen hatte
er Rückendeckung für die Forderung erhalten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Strahlenschutzamt fordert Abschaltung von fünf Atomkraftwerken
Sa.21.02.04 - Wegen der Gefahr von Terrorangriffen hat das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) die Industrie aufgefordert, fünf ältere
Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz zu nehmen. BfS-Präsident Wolfram
König sagte der «Berliner Zeitung» (Samstagsausgabe),
die Kraftwerke Philippsburg 1, Isar 1, Brunsbüttel, außerdem
Biblis A sowie Obrigheim seien nicht genug gegen Angriffe mit
Passagierflugzeugen gesichert. Dies hätten Analysen der
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gezeigt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402210.htm#04022120
Atomindustrie bestreitet besondere Terrorgefahr
Fr.06.02.04 - Die Atomindustrie sieht keine besondere Gefährdung der 18
deutschen Reaktoren durch terroristische Angriffe aus der Luft.
«Ich halte die Diskussion wirklich für an den Haaren herbei
gezogen», sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Gert
Maichel, am Donnerstag in Berlin... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#04020618
BUND veröffentlicht Gutachten über Terrorgefahren bei
Atomkraftwerken
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402060.htm#040206ro
Kardinal Lehmann: Kopftuch-Streit ist 'viel zu hoch gehängt'
Di.02.03.04 - Im so genannten Kopftuch-Streit meldet der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Zweifel an dem von mehreren
Bundesländern eingeschlagenen Gesetzesweg an. «Ich frage
mich, ob man die bisherigen Verstöße, von denen es
wahrscheinlich gar nicht so viele gab, nicht auch mit dem bestehenden
Disziplinarrecht hätte regeln können», sagte Lehmann am
Montag zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen
Bischöfe in Bergisch Gladbach.
Ihm sei der Kopftuchstreit «viel zu hoch gehängt»,
fügte Lehmann hinzu. Da sich das Bundesverfassungsgericht nun aber
mit dem Thema befasst habe und Gesetze auf dem Weg seien, müsse
«man da jetzt durch». Die Diskussion um das Tragen von
Kopftüchern im Unterricht wird nach Angaben Lehmanns auch Thema
bei den Beratungen der Bischöfe sein.
Während des viertägigen Treffens soll außerdem eine
Stellungnahme der deutschen Bischöfe zur Integration von Migranten
erarbeitet werden. Ferner stehen der Fortgang der Ökumene und die
Debatte über die Zukunft der Wehrpflicht im Mittelpunkt. An dem
Treffen der 71 kirchlichen Würdenträger nimmt auch der neue
Vertreter des Vatikans in Deutschland, der Apostolische Nuntius Erwin
Ender teil.
(Quelle: ddp)
Galaxie in mehr als 13 Milliarden Lichtjahren Entfernung entdeckt
Di.02.03.04 - Bei der Erforschung der Tiefen des Weltraums haben Wissenschaftler aus Frankreich und der Schweiz einen neuen Rekord aufgestellt: Mit Hilfe der Europäischen Südsternwarte in Chile (ESO) entdeckten sie eine Galaxie in 13,23 Milliarden Lichtjahren Entfernung - so nah an den Grenzen von Raum und Zeit wie noch kein anderes zuvor beobachtetes Himmelsobjekt. Die Beobachtung wurde Montag von der französischen Forschungsgesellschaft CNRS bekannt gegeben, die damit einen erst im Februar mit Hilfe des Weltraumteleskops "Hubble" erzielten Erfolg eines anderen Forscherteams übertrumpfte.
Das Gesamtalter des Universums wird mit 13,7 Milliarden Lichtjahren veranschlagt, so dass die nun entdeckte Milchstraße Abell 1835 IR 1916 rechnerisch nur noch 470 Millionen Lichtjahre vom Ursprung des Alls, dem Big-Bang, entfernt ist.
Die Astronomen machten sich das Phänomen der so genannten Gravitationslinse zu Nutzen - eine Umleitung und Verstärkung von Licht durch Himmelskörper. Roser Pelló vom Observatorium Midi-Pyrénées (OMP) und Daniel Schaerer vom Obersvatorium der Universität Genf gelang es damit, gleichsam hinter bereits bekannte Galaxien zu blicken und sich entsprechend der Relativitätstheorie recht nahe an die Grenzen des Universums heranzutasten. Bei den Forschungen zur Galaxie Abell 1835 IR 1916 arbeiteten Astronomen des OMP, des Astrophysischen Labors in Tarbes bei Toulouse und des Observatoriums in Genf zusammen. Dabei gingen sie ähnlich vor wie das internationale Forscherteam um Jean-Paul Kneib, das Mitte Februar die Entdeckung einer Galaxie mit einer Entstehung um 750 Millionen Jahre nach dem Urknall bekannt gegeben hatte.
(Quelle: afp)
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
donnerstag 4. märz 2004 - 18.15 uhr
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
|
Hans
Rudolf Zeller, geboren 1934 in Berlin, Studien in Freiburg und
Köln. Seit 1959 Essays, Rundfunksendungen, Übersetzungen und
experimentelle Texte. Entwurf einer kinematologischen Literatur in
verschiedenen Dimensionen: kinem kontexte
(1965); in Leporelloform GERADE, kinem Delta und formeln (alle im Selbstverlag 1966).
Editionen: Dieter Schnebel Denkbare
Musik (1972) und Cage Box
(1979). Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill;
Schallplattenmusik). Sprech-Schriften (DENKFIGUR) sowie
Stücke für Stimme und Diascriptor (DIA-LOG; ohne
abzusetzen/Impulse; Lesefigur; Linien/Welle für 4 Aktuere), mit
Instrument(en): Klavierartikulation;
Skizzenbuch BX. Odradekisch (nach Kafka). Siebenteilige
Sendereihe: Kriterien der
experimentellen Musik (1999). Husserltöne
für Sprecher und Folienprojektionen. Projekt in Projekten: Scriptophonie (1995). Mitherausgeber
von Musik der anderen Tradition
Mikrotonale Tonwelten (2003).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html