Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihunderteinundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zahl der Toten bei jüngsten irakischen Anschlägen steigt auf
über 270 +++ Moslemischer Geistlicher warnt vor Bürgerkrieg
im Irak +++ Iraks Regierungsrat verschiebt Zeremonie für
Interimsverfassung +++ Hinweise auf Sarkawi als Drahtzieher der
Anschläge im Irak - El Kaida bestreitet Verwicklung
Do.04.03.04 - Die verheerende Attentatsserie auf schiitische Gläubige im Irak
hat nach offiziellen Angaben erheblich mehr Menschen das Leben gekostet
als bislang angenommen. Nach offiziellen Angaben stieg die Zahl der
gestern Getöteten auf 271. Knapp 400 Menschen seien bei den
Anschlägen in Bagdad und dem Wallfahrtsort Kerbela verletzt
worden, hieß es.
Irakische Polizisten und US-Truppen nahmen im Zusammenhang mit den
Anschlägen 15 Personen fest. Unter den Verdächtigen
befänden sich möglicherweise mehrere Iraner, sagte ein
Regierungsbeamter am Mittwoch in Bagdad.
Offenbar waren in Kirkuk und Basra weitere Selbstmordanschläge
geplant. In Basra wurden nach irakischen Angaben Verdächtige
festgenommen, die solche Anschläge geplant haben sollen, und in
Kirkuk entdeckte die Polizei eine Bombe mit zehn Kilogramm TNT an einer
Straße, auf der eine Prozession von Schiiten geplant war. Der
Leiter des Zivilverteidigungskorps in Kirkuk, Anwar Amin,
erklärte, die Polizei habe die Bombe entschärft. Der Marsch
sei abgesagt worden.
Der britische Gesandte in Irak, Jeremy Greenstock, erklärte, die
Besatzungstruppen hätten mit einem Anschlag während des
schiitischen Aschura-Festes am Dienstag gerechnet. Die
Selbstmordattentäter seien in Kerbela von den Moscheen
ferngehalten worden, sie hätten sich auf der Straße in die
Luft gesprengt. In der Zeit vor der Machtübergabe an die Iraker
sei mit weiteren Anschlägen zu rechnen, sagte Greenstock.
Zu Beginn der dreitägigen Trauerfeiern nach der schweren
Anschlagsserie haben Geistliche ihre Anhänger aufgefordert, Ruhe
zu bewahren und sich nicht in einen Bürgerkrieg treiben zu lassen.
Massen trauernder Menschen zogen am Mittwoch durch die Stadt Kerbela.
Sie trugen mit Blumen geschmückte Särge der Opfer auf ihren
Schultern und riefen immer wieder: "Gott ist groß".
Schiitenführer Ajatollah Hadi el Muddaresi machte sunnitische
Extremisten für die Anschläge in Kerbela und Bagdad am
höchsten Feiertag der Schiiten verantwortlich. Der irakische
Regierungsrat beschuldigte den Jordanier Abu Musab Sarkaui, Drahtzieher
der Anschläge zu sein. Die USA gehen davon aus, dass Sarkaui
für die von Sunniten dominierte El Kaida des Extremisten Osama bin
Laden arbeitet. In einem angeblich von El Kaida stammenden Brief
bestritt die Gruppe jedoch eine Beteiligung an den Anschlägen, bei
denen mindestens 185 Schiiten starben.
Ajatollah Muddaresi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die
Anschläge während der Aschura-Feiern seien der Versuch
extremistischer Sunniten, einen Bürgerkrieg im Irak zu entfachen.
Die Schiiten stellen etwa 60 Prozent der Bevölkerung, waren unter
dem Regime des Sunniten Saddam Hussein aber jahrelang unterdrückt.
"Es gibt Parteien und Gruppen, die willens sind, Irak in einen
Bürgerkrieg zu stoßen. Aber ich glaube nicht, dass dies
geschehen wird", sagte Muddaresi, "denn diese daraufhin arbeitenden
Kräfte wären die ersten, die dadurch verlieren." Die Schiiten
wehrten sich dagegen, in einen solchen Krieg gezogen zu werden, sagte
Muddaresi.
US-Streitkräfte entdeckten vor kurzem nach eigenen Angaben eine
Computer-Diskette mit einem Schreiben Sarkauis. Darin sei zu
Selbstmordanschlägen gegen die Schiiten aufgerufen worden, um
einen Bürgerkrieg auszulösen. Die USA setzten inzwischen zehn
Millionen Dollar für die Ergreifung Sarkauis aus.
In dem an die in London erscheinende Zeitung "El Kuds el Arabi"
gesandten Schreiben werden indes die USA für die Anschläge
verantwortlich gemacht. Unterschrieben ist der Brief mit
Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden und in Anführungsstrichen El Kaida.
Reuters lag der Brief am Mittwoch vor.
"US-Truppen haben ein Massaker am unschuldigen Volk der Schiiten
verübt, um die Moslems im Irak zu spalten", heißt es in dem
Schreiben. "Wir, mit Gott als unserem Zeugen, sagen, wir sind
unschuldig an dieser Tat ... Unsere heiligen Krieger lieben Gott und
seinen Propheten und werden nichts tun, was dem irakischen Volk
schadet."
Wegen der Anschläge auf die Schiiten verschob der von den USA
eingesetzte Regierende Rat die für Mittwoch geplante
Unterzeichnung einer Übergangsverfassung. Ein neuer Termin stehe
noch nicht fest, sagte ein Sprecher des Rates. Die
Übergangsverfassung gilt als wichtige Station auf dem Weg zu der
für den 30. Juni geplanten Übergabe der Verantwortung an die
Iraker. Am Montag hatte sich der Regierungsrat auf den
Verfassungsentwurf geeinigt, in dem der Islam als Staatsreligion und
als eine von mehreren Quellen für die Rechtsprechung festgelegt
wird.
In einem Wohnviertel von Bagdad sind am Mittwochmorgen drei Raketen
eingeschlagen. Dabei wurde eine Telefonzentrale getroffen, Verbindungen
ins Ausland waren anschließend fast landesweit unterbrochen. Nach
Polizeiangaben wurde ein irakischer Arbeiter getötet, ein weiterer
wurde verletzt.
(Quellen: rtr, dpa, ap)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Sechs Parteien wollen an Afghanistan-Wahl teilnehmen - Powell nimmt
Ende März an Afghanistan-Konferenz in Berlin teil
Do.04.03.04 - In Afghanistan haben nach offiziellen Angaben sechs Parteien ihre
Anträge auf Registrierung für die Mitte des Jahres geplante
Parlamentswahl eingereicht. Nach genauer Prüfung würden die
Organisationen voraussichtlich in Kürze zugelassen, teilte der
stellvertretende Justizminister Mohammed Kasim Haschimi am Mittwoch in
Kabul mit. Keine der Parteien habe einen militärischen
Hintergrund. Im ganzen Land sei bislang allerdings noch keine einzige
politische Partei offiziell registriert. Zwei Organisationen ehemaliger
schiitischer Mudschahedin aus der Hasara-Volksgruppe haben sich nach
eigenen Angaben ebenfalls um eine Zulassung beworben.
US-Außenminister Colin Powell besucht Ende März Berlin, um
an der dritten internationalen Afghanistan-Konferenz teilzunehmen. Auch
bilaterale Gespräche seien geplant, teilte das US-Außenamt
am Mittwoch in Washington mit. Die Afghanistan-Konferenz wird am 31.
März und 1. April in der Bundeshauptstadt stattfinden. Auf der
Konferenz sollen nach Angaben der Bundesregierung politische und
finanzielle Weichen gestellt werden.
(Quellen: afp)
Edwards gibt Rennen um das Weiße Haus auf
Do.04.03.04 - Senator John Edwards hat das Rennen um die
Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten am Mittwoch nach der
erneuten Niederlagenserie am «Super-Dienstag» aufgegeben.
Zugleich sagte er dem Sieger John Kerry seine Unterstützung im
Duell gegen den republikanischen Amtsinhaber George W. Bush zu.
In Raleigh in North Carolina forderte Edwards seine Anhänger auf,
sich dem anzuschließen. Kerry, der Senator aus Massachusetts,
gewann am Dienstag im internen Vorwahlkampf der Demokraten neun der
zehn Entscheidungen zwischen Ost- und Westküste und sicherte sich
damit die Präsidentschaftskandidatur der Partei. Nominiert wird er
endgültig im Juli beim Wahlparteitag in Boston in seinem
Heimatstaat.
Senator Edwards aus North Carolina gilt als möglicher
Anwärter auf die Vizepräsidentschaftskandidatur.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Drei Hamas-Mitglieder bei israelischem Raketenangriff in Gaza
getötet +++ Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Israel
+++ Scharon wegen Gefangenenaustausch unter Druck
Do.04.03.04 - Bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Auto in Gaza sind am
Mittwoch drei Mitglieder der Hamas getötet worden. Nach Angaben
der israelischen Armee handelt es sich bei den Getöteten um
hochrangige Mitglieder der radikalislamischen Bewegung. Sie seien
vermutlich in die Vorbereitung von anti-israelischen Anschlägen
verwickelt gewesen. Im Norden des Westjordanlandes töteten
Soldaten einen 19-jährigen Angehörigen der radikalen
El-Aksa-Brigaden und nahmen vier mutmaßlich radikale
Palästinenser fest.
Ein israelischer Militärsprecher sagte, das Auto mit den drei
Hamas-Mitgliedern sei angegriffen worden, weil die Insassen bereits an
"zahlreichen Terroranschlägen" gegen zivile und militärische
israelische Ziele beteiligt gewesen seien. Nach Krankenhausangaben
wurden bei dem Angriff auch zwei unbeteiligte Passanten verletzt.
Augenzeugen hatten zuvor berichtet, die Autoinsassen hätten die
nahegelegene jüdische Siedlung Netzarim mit Mörsergranaten
angegriffen. Die Armee bestätigte diese Informationen jedoch nicht.
Das 19-jährige El-Aksa-Mitglied sei am Mittwochmorgen bei einer
Schießerei im Flüchtlingslager Tulkarem getötet worden,
teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Im
Flüchtlingslager Dschenin wurden nach palästinensischen
Angaben zwei Mitglieder des Islamischen Dschihad und zwei
Angehörige der Fatah-Organisation von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat festgenommen. Die
israelischen Soldaten, die mit Panzern und Armeejeeps in das Lager
einmarschierten, hätten sich heftige Gefechte mit bewaffneten
Palästinensern geliefert.
Ein führender militanter Palästinenser ist am frühen
Donnerstagmorgen bei einer Explosion in seinem Haus in Rafah ums Leben
gekommen, wie palästinensische Sicherheitskräfte berichteten.
Offenbar sei eine selbstgebastelte Bombe frühzeitig detoniert.
Sieben Angehörige des Mannes seien verletzt worden.
In Israel werden derweil vor Beginn des jüdischen Feiertags Purim
landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Wie der
Armeerundfunk berichtet, sollen tausende zusätzliche Polizisten,
Grenzschutzbeamte und Freiwillige an öffentlichen Orten postiert
werden. Es gibt Geheimdienstwarnungen vor möglichen
Terroranschlägen. Das Purimfest beginnt heute bei Sonnenuntergang.
Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Gefangenenaustausch zwischen
Israel und der Hisbollah-Organisation gerät Ministerpräsident
Ariel Scharon weiter unter Druck. Die Zeitung «Maariv»
berichtete am Mittwoch, Scharon habe einst enge
Geschäftsbeziehungen zum früheren Schwiegervater des
befreiten Israelis Elhanan Tannenbaum unterhalten. In einem Kommentar
forderte das Blatt den Regierungschef zum sofortigen Rücktritt auf.
«Maariv» berichtete, Scharons Einsatz für Tannenbaums
Freilassung habe die Sicherheitskräfte überrascht. «Es
ist sogar heute schwer zu verstehen, was den Ministerpräsidenten
veranlasste, so für ihn zu kämpfen», wurde ein
Gewährsmann der Streitkräfte zitiert. In dem Bericht
hieß es, Schimon Cohen habe Scharon in den 70er Jahren bei der
Leitung seiner Farm geholfen. Cohen ist der Vater von Tannenbaums
Exfrau Esther.
Scharon wies den Bericht zurück. Von den
Verwandtschaftsbeziehungen habe er nichts gewusst, erklärte der
Regierungschef vor Journalisten. Cohen betonte im israelischen Radio,
er habe seit fast 30 Jahren nicht mehr mit Scharon gesprochen.
Der Gefangenenaustausch mit der Hisbollah Ende Januar war in Israel
heftig umstritten. Im Gegenzug für die Freilassung Tannenbaums und
die Übergabe der Leichen dreier Soldaten hatte Israel 436
arabische Häftlinge freigelassen und die Leichen von 59
Kämpfern übergeben.
Die Zeitung «Haaretz» (Mittwochsausgabe) berichtete,
Tannenbaum habe vor einer Reise nach Dubai im Oktober 2000 zahlreiche
geheime Dokumente gehortet, die er nach Ansicht von Ermittlern
möglicherweise ins Ausland verkaufen wollte.
Nach der Entscheidung einer Richterin des Obersten Gerichtshofs soll
die nächste Parlamentswahl in Israel im November 2007 stattfinden.
Richterin Dalia Itzik gab damit einer Forderung von Scharons
Likud-Partei recht. Die Opposition, nach deren Ansicht die Abstimmung
bereits ein Jahr früher stattfinden soll, kündigte an, die
Entscheidung anzufechten.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Karibische Staaten boykottieren UN-Truppe für Haiti -
Haitis Regierungschef Neptune ruft Notstand aus -
Rebellenführer kündigt Entwaffnung an
Do.04.03.04 - Die karibische Staatengemeinschaft CARICOM wird sich nicht an der
UN-Schutztruppe für Haiti beteiligen. Die 15 Staaten umfassende
Gemeinschaft protestiert damit gegen die Umstände, wie der
haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide aus dem Amt
getrieben wurde, wie der jamaikanische Ministerpräsident P.J.
Patterson am Mittwoch nach einer Krisensitzung in Jamaika mitteilte.
Die CARICOM sei sehr enttäuscht über die Beteiligung
westlicher Partner an der überhasteten Abreise Aristides. Der
haitianische Expräsident erklärte, er sei am Sonntag von
US-Marineinfanteristen mit vorgehaltener Waffen gezwungen worden, sein
Land zu verlassen. Die USA wiesen dies zurück.
Die CARICOM, der auch Haiti angehört, forderte inzwischen eine
unabhängige Untersuchung der Flucht Aristides. Aristide war am
Montag in der Zentralafrikanischen Republik eingetroffen.
Außenminister Charles Wenezoui erklärte am Mittwoch, es sei
noch keine Entscheidung über den zukünftigen Aufenthaltsort
des Expräsidenten gefallen. Aus diplomatischen Kreisen in
Washington verlautete, Aristide habe entweder nach Marokko oder
Südafrika fliehen wollen. Beide Länder hätten jedoch ein
Exil für den gestürzten Präsidenten abgelehnt. Es wurde
erwartet, dass er weiter über die Aufnahme in einem afrikanischen
Land verhandelt.
Der haitianische Regierungschef Yvon Neptune hat unterdessen den
Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gelte für das gesamte Land
und sei verhängt worden, um wieder Ruhe herzustellen, sagte
Neptune in Port-au-Prince. Es gebe "zahlreiche illegale Gruppen, die in
der Hauptstadt unter dem irreführenden Vorwand, der
Nationalpolizei helfen zu wollen, Angst und Schrecken verbreiten".
Tatsächlich wollten diese Gruppen die Polizei jedoch "erniedrigen".
Seit der Amtsniederlegung von Präsident Jean Bertrand Aristide
seien Privathäuser und staatliche Einrichtungen im Wert von mehr
als 300 Millionen Dollar geplündert worden, sagte der
Regierungschef weiter. Neptune ist ein enger Vertrauter von Aristide,
der am Sonntag von seinem Amt zurückgetreten und nach Afrika
ausgereist war.
Mit seiner Ankündigung zur Entwaffnung hat der haitianische
Rebellenführer Guy Philippe am Mittwoch ein Ende des Aufstands in
dem Karibikstaat in Aussicht gestellt. Die in Haiti stationierten
ausländischen Truppen hätten zugesichert, die
Bevölkerung zu schützen, sagte Philippe zur Begründung
auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Port-au-Prince. Er
kündigte an, die von den Aufständischen besetzten Städte
zu besuchen, um die Entscheidung zur Entwaffnung bekannt zu machen.
Übergangspräsident Boniface Alexandre rief die Rebellen zur
Entwaffnung und zu ihrer Unterstützung beim Wiederaufbau des
Landes auf. Er nannte die Aufständischen "patriotische
Ehrenmänner". Zugleich forderte er Anhänger des
zurückgetretenen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide auf, ihre
Waffen niederzulegen. In seiner ersten öffentlichen Rede seit der
Amtsübernahme am Sonntag erklärte Alexandre: "Ich habe nicht
um dieses Amt gebeten, aber ich nehme es gerne an, denn meiner
Auffassung nach liegt es in der Verantwortung jedes Haitianers, nach
Lösungen für die gegenwärtige Krise zu suchen."
In einem Elendsviertel der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince ist
am Mittwoch eine Schießerei zwischen Anhängern und Gegnern
des ins Exil geflüchteten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide
ausgebrochen. Das Elendsviertel La Salines gilt als Hochburg von
Gefolgsleuten Aristides. Reporter in dem Viertel berichteten, von
französischen oder US-Truppen, die eingreifen könnten, sei
nichts zu sehen.
Im Leichenschauhaus von Port-au-Prince sagte ein Klinikmitarbeiter,
seit Sonntag seien 30 Leichen eingeliefert worden. Die Halle
verfüge jedoch weder über eine Klimaanlage noch über
Treibstoff für Generatoren.
Frankreich mobilisiert insgesamt 800 Soldaten für seine
Haiti-Truppe "Carbet". Wie der Sprecher des Pariser Generalstabs,
Christian Baptiste, am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP sagte,
sollen sich 600 der Soldaten vor Ort an der UN-Mission in dem
Karibikstaat beteiligen. Alle Beteiligten sollten demnach am Donnerstag
einsatzfähig sein, vier Tage nach dem Sturz von Präsident
Jean-Bertrand Aristide.
(Quellen: afp, ap)
Haiti: Paramilitärs, Diktaturschergen und Zivilopposition
arbeiteten bei Sturz Aristides Hand in Hand
Angesichts der verworrenen Lage während der letzten Februartage in
Haiti wird es kaum mehr möglich sein, den wirklichen Verlauf der
Entmachtung des Präsidenten Jean Bertrand Aristide
nachzuvollziehen. Sicher ist nur, daß viele Parteien mit nicht
immer ganz durchsichtigen Interessen und Allianzen an dem
irregulären Machtwechsel beteiligt waren....
Mehr bei "junge Welt" vom 04.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-04/006.php
Die Haiti-Krise ist ein neues Beispiel für die Unverfrorenheit,
mit der die USA kleine, verarmte Länder manipulieren, ohne dass
Journalisten die Wahrheit hinterfragen
Die Medien haben in der haitianischen Revolte fast einhellig die Linie
vertreten, Präsident Jean-Bertrand Aristide als undemokratischen
Führer darzustellen, als einen, der die demokratischen Hoffnungen
Haitis verraten hat und so den Rückhalt seiner ehemaligen
Unterstützer verloren. Seine Wahlsiege hätte er sich
„geklaut" und sich kompromisslos geweigert, die Belange der Opposition
anzuerkennen. Folge: Aristide müsse sein Amt niederlegen. Das hat
er jetzt getan – auf Druck der USA und Frankreichs. Leider ist diese
Sicht absolut verzerrt....
Mehr bei ZNet vom 01.03.04 (Jeffrey Sachs - "Fallen wir nicht auf
Washingtons Haiti-Spin herein"):
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1022
ttp://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=54&ItemID=5067
Blick ins Archiv:
Haitis Ex-Präsident Aristide wirft USA Staatsstreich und
Entführung vor
Di.02.03.04 - Der frühere haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide hat
den USA vorgeworfen, sie hätten ihn in einem Staatsstreich zum
Amtsverzicht gezwungen und entführt. Die US-Regierung wies die
Vorwürfe scharf zurück.
Die USA hätten ihn gezwungen, sein Land nach einer Revolte zu
verlassen, um ein Blutbad zu vermeiden, sagte Aristide am Montag von
der Zentralafrikanischen Republik aus dem US-Fernsehsender CNN.
"Niemand sollte einen gewählten Präsidenten zwingen zu
gehen", sagte Aristide am Telefon.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403020.htm#04030206
Der Sturz des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide
wird von Beobachtern mit gemischten Gefühlen gesehen
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403020.htm#040302_c
|
Serbisches Parlament bestätigt Kostunicas Kabinett
Do.04.03.04 - Zwei Monate nach der Parlamentswahl hat Serbien eine neue Regierung.
Mit Unterstützung der Sozialisten des früheren jugoslawischen
Präsidenten Slobodan Milosevic bestätigte das Parlament in
Belgrad am Mittwoch die Minderheitsregierung von Ministerpräsident
Vojislav Kostunica. 130 der 250 Abgeordneten stimmten für das
Kabinett und 113 dagegen. Ein Abgeordneter enthielt sich, andere nahmen
an der Abstimmung nicht teil.
Die neue Vierparteienkoalition gilt als instabil, da sie bei jeder
Abstimmung auf die Serbische Sozialistische Partei (SPS) angewiesen
sein wird. Bereits am Dienstag bei der Vorstellung seines Kabinetts
machte der national-konservative Kostunica Zugeständnisse an die
Sozialisten. So kündigte er an, die Zusammenarbeit mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag deutlich einzuschränken.
Kostunica erklärte, Verhandlungen gegen serbische Verdächtige
sollten im eigenen Land stattfinden. Außerdem sollten Verurteilte
dort auch ihre Strafen verbüßen. Der Parteichef der SPS,
Ivica Dacic, drohte mit dem Sturz der neuen Regierung, wenn Kostunica
sein Versprechen nicht halte.
Bei der Vorstellung seines 18-köpfigen Kabinetts am Dienstag sagte
Kostunica, er wolle sich für eine Annäherung Serbiens an die
EU einsetzen und an der Demokratisierung des Landes sowie dringend
nötigen Wirtschaftsreformen arbeiten.
(Quelle: ap)
Denktasch droht mit Nein zu UN-Plan für Zypern
Do.04.03.04 - Im Falle eines Scheitern der Verhandlungen mit den Zypern-Griechen will
der türkisch-zyprische Volksgruppenführer Rauf Denktasch
seine Landsleute zur Ablehnung des UN-Wiedervereinigungsplans
auffordern. "Wenn die gewünschten Änderungen nicht in den
Plan aufgenommen werden, werde ich mein Volk bitten, ihn abzulehnen",
sagte Denktasch im Fermsehen. Ohne eine Überarbeitung drohe der
Annan-Plan die türkische Gemeinschaft auf Zypern in eine
Minderheit zu verwandeln und schließlich "auszulöschen",
sagte Denktasch.
Die beiden Konfliktparteien hatten ihre Gespräche am 19. Februar
unter starkem internationalen Druck in Nikosia wiederaufgenommen.
Derzeit stecken die Verhandlungen jedoch erneut in einer Sackgasse.
Sollten sich beide Seiten bis 22. März nicht einigen, schalten
sich Griechenland und Türkei als Garantiemächte in die
Verhandlungen ein. Ab dem 29. März würde dann
UN-Generalsekretär über alle noch offenen Fragen entscheiden.
Falls beide Volksgruppen bei Referenden im April mehrheitlich für
den Plan stimmen, wird ein wiedervereinigtes Zypern am 1. Mai der
Europäischen Union bei.
(Quelle: afp)
Europarat würdigt demokratische Reformen in der Türkei
Do.04.03.04 - Der Europarat hat in einem Sonderbericht über die Türkei
deren Verfassungs- und Rechtsreformen gewürdigt und empfohlen, das
Land von seiner Beobachtungsliste zu nehmen. Die Türkei steht seit
1996 auf der Liste der Länder, die vom Europarat wegen
Demokratiedefiziten beobachtet werden.
Die Türkei habe "in kaum mehr als zwei Jahren mehr Reformen
umgesetzt als in den zehn Jahren zuvor", hieß es in einem Reuters
vorliegenden Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht werden
sollte. Die Empfehlung des Berichts muss noch von der Parlamentarischen
Versammlung beschlossen werden, doch ist dies nach Ansicht von
Diplomaten eine Formalität. Dem 1949 gegründeten Europarat,
der sich überwiegend mit Fragen der Einhaltung der Menschenrechte
und der Demokratie befasst, gehören 45 Staaten an.
Diplomaten zufolge stellt der Bericht einen wichtigen Schritt auf dem
Weg der Türkei in die Europäische Union (EU) dar. Der
britische Außenminister Jack Straw zeigte sich überzeugt
davon, dass die EU beim Gipfel im Dezember Beitrittsverhandlungen
zustimmen werde, wenn die türkische Regierung am Reformkurs
festhalte. "Die Zusage der EU ist klar - wenn die Türkei das tut,
was sie tun muss, wird die EU die Verhandlungen ohne Verzögerungen
beginnen", sagte Straw der türkischen Zeitung "Hürriyet".
Ähnlich hatte sich bereits Bundeskanzler Gerhard Schröder
vergangene Woche bei seinem Türkei-Besuch geäußert.
Die Türkei ist der einzige Beitrittskandidat, mit dem die EU noch
keine Aufnahmeverhandlungen begonnen hat. Als Hindernis gelten
anhaltende Sorgen über die Menschenrechtssituation in dem Land.
(Quelle: rtr)
Den Haag stellt Beschneidung von Frauen im Ausland unter Strafe
Do.04.03.04 - Die Niederlande wollen die Beschneidung von Mädchen auch dann
unter Strafe stellen, wenn die Genitalverstümmelung im Ausland
durchgeführt wird. Einen entsprechenden Gesetzentwurf stellte das
Justizministerium am Mittwoch in Den Haag vor. Derzeit droht Eltern,
die ihre Töchter in den Niederlanden beschneiden lassen, dort eine
Haftstrafe von zwölf Jahren. Viele von ihnen, häufig
Einwanderer aus Afrika, lassen den Eingriff jedoch in ihren
Heimatländern durchführen. Eine Annahme des Gesetzes gilt als
sicher, es soll vermutlich ab kommendem Jahr in Kraft treten. Das
Justizministerium hofft in erster Linie auf eine abschreckende Wirkung
der Regelung, die auf die Initiative einer aus Somalia eingewanderten
Abgeordneten zurückgeht.
(Quelle: ap)
Französisches Parlament beschließt Verbot religiöser
Symbole
Do.04.03.04 - Das französische Parlament hat das umstrittene Verbot
religiöser Symbole an Schulen abschließend mit breiter
Mehrheit beschlossen. Nach der Nationalversammlung billigte am
Mittwochabend auch die zweite Parlamentskammer, der Senat, das von
Präsident Jacques Chirac angeregte Gesetz mit 276 zu 20 Stimmen.
Am 10. Februar hatte die Nationalversammlung die Weichen für das
Verbot gestellt. Das Vorhaben der konservativen Regierung sieht vor,
neben Kopftüchern als islamisches Symbol auch große Kreuze
oder jüdische Kippas aus staatlichen Schulen zu verbannen. Das
Verbot soll zunächst nur im Schuljahr 2004/2005 gelten und dann
auf Wunsch der Sozialisten überprüft werden.
Premierminister Jean-Pierre Raffarin bekräftigte, das Gesetz
richte sich nicht gegen die Religionen, sondern solle ein "starkes und
schnelles Signal" aussenden. Die Vision seiner Regierung der Trennung
von Staat und Religion respektiere das Recht auf freie Ausübung
der Religion. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass im Innern
staatlicher Schulen die Gesetze der Republik respektiert würden.
(Quelle: afp)
Staatsanwaltschaft von Genua will Verfahren gegen 29 Polizisten
Do.04.03.04 - Zweieinhalb Jahre nach den gewaltsamen Zusammenstößen
während des G-8-Gipfels in Genua hat die Staatsanwaltschaft der
norditalienischen Stadt Gerichtsverfahren gegen 29 Polizisten
beantragt. Die Vorwürfe gegen die Beamten beziehen sich auf die
Erstürmung einer Schule, die Globalisierungsgegnern während
des Gipfels im Juli 2001 als Nachtlager diente, wie Justizmitarbeiter
mitteilten. Insgesamt gebe es voraussichtlich rund 20 Anklagepunkte
gegen die Polizisten.
(Quelle: afp)
Mehr als zweieinhalb Jahre nach den Massenprotesten gegen den G8-Gipfel
von Genua beschäftigt sich die italienische Justiz noch einmal mit
den Vorfällen, die im Sommer 2001 weltweit für Aufsehen und
Empörung sorgten
Höhepunkt war die berühmte chilenische Nacht von Genua, als
Polizeieinheiten in die als Schlafstätte für Demonstranten
zur Verfügung gestellte Diaz-Schule eindrangen und die Menschen in
ihren Schlafsäcken misshandelten und schwer verletzten.
Wer die Befehle zu dem Angriff gab, ist bis heute ungeklärt.
Zeugen haben in dieser Nacht führende Politiker der italienischen
Rechtskoalition am Tatort gesehen. Ob sich die Ereignisse noch
aufklären lassen, wird sich bald zeigen. Seit letzten Freitag wird
gegen 30 Polizisten, die an dem Angriff auf die Diaz-Schule beteiligt
waren, vor Gericht verhandelt. Die Anklagepunkte reichen von schwerer
Körperverletzung bis zu übler Nachrede, falscher
Anschuldigung und der Vortäuschung einer Straftat. Die beiden
letzten Anklagepunkte beziehen sich auf das polizeiliche Einschmuggeln
von Molotow-Cocktails, Knüppeln und Steinen, mit denen die
Demonstranten zu Gewalttätern gestempelt werden sollten, was
mittlerweile auch gerichtlich festgestellt wurde.
Die italienischen Globalisierungskritiker sehen in dem Prozess noch
längst nicht den Sieg der Gerechtigkeit. Schließlich wurde
auch der Schütze, der für den Tod des jungen Demonstranten
Carlo Giuliani am 20.Juli 2001 während der Proteste in Genua
verantwortlich war, vor Gericht freigesprochen. Er übt seinen
Polizeiberuf weiterhin aus. Auch die jetzt angeklagten Polizisten sind
weiterhin im Polizeidienst und wurden teilweise sogar nach 2001 noch
befördert. Die italienische Regierung hat sich immer hinter die
Polizei gestellt und alle Vorwürfe als Stimmungsmache der Linken
zurückgewiesen. So rechnet kaum jemand mit einer Verurteilung....
Aus: Peter Nowak - "Juristische Aufarbeitung der Genua-Proteste",
telepolis vom 03.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16877/1.html
Blick ins Archiv:
Prozess gegen Globalisierungsgegner vom G-8-Gipfel in Genua
Di.02.03.04 - Zweieinhalb Jahre nach den blutigen Zusammenstößen
während des G-8-Gipfels in Genua beginnt heute in der
norditalienischen Stadt der Prozess gegen 26 Globalisierungsgegner. Mit
Ausnahme eines Iraners handelt es sich um Italiener. Ihnen wird nach
Angaben der italienischen Justiz Plünderung vorgeworfen. Neben der
Stadt Genua treten auch die Ministerien für Inneres, Verteidigung
und Justiz in Rom als Kläger auf.
Bei den Straßenschlachten zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften war im Juli 2001 ein junger
Globalisierungskritiker von Polizisten erschossen worden. Die
Stadtverwaltung von Genua schätzte den durch die Proteste
entstandenen Sachschaden auf fünf Millionen Euro.
(Quelle: afp)
«Demokratische Finsternis» G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
g8_genua.htm#top
73 Polizisten droht wegen Gewaltexzessen bei G8-Gipfel in Genua der Prozess
So.14.09.03 - Insgesamt 73 Polizisten und leitenden Beamten droht wegen der
Gewaltexzesse beim G8-Gipfel in Genua vor mehr als zwei Jahren der
Prozess. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen beendet und
werfe den Beamten vor, wehrlose Demonstranten bedroht und
verprügelt zu haben, berichteten italienische Zeitungen. Die
Justizbehörden müssen nun über eine Anklageerhebung
entscheiden. Bei den Ausschreitungen in Genua hatte ein Polizist einen
23-jährigen Italiener erschossen, der einen Feuerlöscher
gegen ein Fahrzeug warf. (Quelle: dpa)
Genua: Verfahren gegen 93 G-8-Gipfel-Demonstranten eingestellt
Mi.14.05.03 - Beinahe zwei Jahre nach dem blutigen G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001 haben italienische
Ermittlungsbehörden nun die Strafverfolgung gegen 93 Demonstranten, die bei einer nächtlichen
Razzia festgenommen worden waren, eingestellt. Die jungen Leute, darunter sehr viele Deutsche hätten
sich keinerlei Aggression zuschulden kommen lassen, berichtete die italienische Zeitung La Repubblica über
den Grund für die Einstellung. Der Vorfall war als "chilenische Nacht" in die italienische Polizeigeschichte eingegangen...
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305140.htm#030514_m
Keine Anklage gegen Polizisten,der in Genua Demonstranten erschoss
Di.03.12.02 - Gegen den italienischen Polizisten, der vor knapp anderthalb Jahren
während des G-8-Gipfels in Genua einen Demonstranten erschoss,
wird keine Anklage erhoben. Dies gab die Staatsanwaltschaft gestern
bekannt. Die Entscheidung über eine Einstellung des Verfahrens
gegen den Todesschützen muss nun der zuständige
Untersuchungsrichter fällen. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Polizist mit den Schüssen gegen
den Globalisierungskritiker Carlo Giuliani in Notwehr gehandelt. Daher
könne das Verfahren eingestellt werden. Giuliani wollte das
Polizeiauto, in dem sich der Polizist befand, mit einem
Feuerlöscher attackieren, als die Schüsse fielen. Der
Polizist hat wiederholt beteuert, in Todesangst abgedrückt zu
haben. (Quelle: dpa)
|
Deutschland:
Union und FDP einigen sich auf Rau-Nachfolger - IWF-Chef Köhler
soll neuer Bundespräsident werden
Do.04.03.04 - Der Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Horst
Köhler, soll nächster Bundespräsident werden. Das
CDU-Präsidium einigte sich am frühen Morgen nach zähen
Verhandlungen auf den 61 Jahre alten IWF-Chef. Es gilt als sicher, dass
CSU und FDP Köhler akzeptieren werden. Formal muss das FDP-
Präsidium dem Personalvorschlag noch zustimmen. Ursprünglich
hatte die Union Wolfgang Schäuble vorgeschlagen. Der Ex-CDU-Chef
scheiterte aber am Widerstand der Liberalen.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Forderungen nach Direktwahl des Bundespräsidenten
Mi.03.03.04 - Die von Parteitaktik geprägte Suche nach einem Kandidaten für
das Amt des Bundespräsidenten lässt Forderungen nach einer
Direktwahl des Staatsoberhaupts laut werden. Bald nach der Wahl im Mai
müssten die Bürger aktiviert werden, damit sie entsprechende
Petitionen schreiben, sagte am (heutigen) Mittwoch die frühere
FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, die selbst 1994 Kandidatin
war. Die derzeitige Kandidatensuche innerhalb des bürgerlichen
Lagers nannte sie den "Höhepunkt der Verkommenheit unserer
politischen Kultur"... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#04030319
Stichwort: Bundespräsident
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#040303_m
Stillstand auf dem Weg zum Klimaschutz
Do.04.03.04 - Auf dem Weg zu Deutschlands Klimaschutzzielen herrscht praktisch
Stillstand. Wegen des kalten Wetters stieg der energiebedingte
Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,4 Prozent an, wie das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin berichtete. Ohne die
Wettereinflüsse kommt man laut DIW rechnerisch auf eine
Verminderung um 0,6 Prozent. Angesichts der Wirtschaftsflaute sei dies
wenig.
Der Ausstoß von Kohlendioxid liegt damit den Angaben zufolge
temperaturbereinigt um 17 Prozent unter dem Wert von 1990. Die
Bundesregierung hatte jedoch versprochen, bereits im kommenden Jahr um
25 Prozent darunter zu liegen. Die Regierung hat dieses Ziel seit
längerem nicht mehr erwähnt.
Selbst das weniger ambitionierte Ziel aus dem Kyoto-Protokoll, bis 2010
alle Treibhausgase um 21 Prozent zu vermindern, sei in Gefahr, mahnte
das DIW. Es könne nur mit einer konsequenten Fortsetzung der
Klimaschutzanstrengungen erreicht werden. «Es besteht also nach
wie vor Handlungsbedarf», folgern die Wirtschaftsforscher.
«Mit dem bevorstehenden Emissionshandel sollte es aber
möglich sein, zum Erreichen dieses Ziels beizutragen.»
Im Streit um die Ausgestaltung des Emissionshandels stellte sich die
SPD-Fraktionsspitze am Mittwoch hinter die «Grundlinie» von
Umweltminister Jürgen Trittin. So will auch die SPD die Wirtschaft
über den Emissionshandel schnell zur spürbaren Senkung ihres
Ausstoßes von Kohlendioxid zwingen. Von heute 505 Millionen
Tonnen Kohlendioxid müssten die 2.400 am Emissionshandel
beteiligten Fabriken und Kraftwerke bis 2007 unter 500 Millionen Tonnen
kommen, sagte Fraktionsvize Michael Müller.
Trittin möchte eine Verminderung bis 2007 auf 488 Millionen
Tonnen. Die Industrie will letztlich kaum etwas reduzieren: 2010 will
sie immer noch 498 Millionen Tonnen emittieren.
Müller betonte auch, dass er noch Spielraum für eine
Verschiebung von Kohle zu Gas als Brennstoff der Energiewirtschaft
sehe. Doch dürfe keine Abhängigkeit von Erdgasimporten
entstehen. Die Zuteilungs- und Übertragungsregeln müssten
entsprechend überarbeitet werden. Die Umweltpolitiker forderten
auch weitere Anstrengungen zur Emissionsminderung aus Verkehr und
privaten Haushalten.
Müller rief in Erinnerung, dass es beim Emissionshandel in erster
Linie um Klimaschutz gehe. Dieser sei angesichts der bereits laufenden
Erderwärmung unerlässlich. Aus ökologischer Sicht seien
die derzeitigen Ziele zu wenig ehrgeizig, nicht zu ambitioniert.
Hauptstreitpunkt beim Emissionshandel ist, wie viel
Verschmutzungsrechte Industrie und Energiewirtschaft zugeteilt
bekommen, also wie stark sie ihre Emissionen vermindern müssen.
Der Zuteilungsplan muss bis 31. März an die EU-Kommission nach
Brüssel gemeldet werden. Wirtschaftsminister Clement will Trittins
Plan so nicht akzeptieren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Klimaforscher warnt vor Temperaturanstieg in Europa
Do.19.02.04 - Mit einer steigenden Konzentration an Treibhausgasen könnten
Rekordsommer wie der im vergangenen Jahr ganz gewöhnlich werden.
Einer Schweizer Studie zufolge wird bis zum Ende dieses Jahrhunderts
die Durchschnittstemperaturen in Europa um rund vier Grad ansteigen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402190.htm#04021910
Wirtschaft will Kohlendioxid bis 2010 kaum mindern
Fr.27.02.04 - Die Wirtschaft will beim Emissionshandel bis 2010 praktisch keine
weitere Verminderung ihres Kohlendioxid-Ausstoßes gegenüber
heute akzeptieren. Dies erklärte der Bundesverband der Deutschen
Industrie am Donnerstag in Berlin. BDI-Chef Michael Rogowski forderte
in einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder
Unterstützung. Sonst drohe der Verlust von Arbeitsplätzen und
Wettbewerbsfähigkeit... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402270.htm
Umweltrat fordert harte Linie beim Emissionshandel
Di.24.02.04 - Vor dem rot-grünen Spitzengespräch zum Emissionshandel hat
der Umweltrat die Bundesregierung aufgefordert, gegenüber der
Wirtschaft hart zu bleiben. Die deutschen Klimaschutzziele dürften
nicht aufgeweicht werden, erklärte das
Sachverständigengremium am Montag in Berlin. Die Pläne von
Umweltminister Jürgen Trittin für den Emissionshandel seien
bereits ein Kompromiss, der Forderungen der Wirtschaft einbeziehe... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0402240.htm#04022417
Der Emissionshandel wird den Klimawandel nicht aufhalten
Mehr bei Le Monde diplomatique (Nr. 7283 vom 13.2.2004, Seite 18-19):
http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0057.nf/text
Mehr zum Thema Klimawandel unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401130.htm#040113_
'Hanau selber kaufen' sammelte bereits 250.000 Euro
Do.04.03.04 - Die Initiative «Hanau selber kaufen», die sich gegen den
umstrittenen Export der Siemens-Brennelementefabrik nach China richtet,
hat nach eigenen Angaben innerhalb weniger Tage 250.000 Euro gesammelt.
Die Protestaktion mit dem Ziel, die Atomanlage selber zu erwerben, um
deren Export zu verhindern, habe eine «überwältigende
Resonanz» erfahren, sagte eine Sprecherin der Initiative am
Mittwoch in Berlin.
Die hohe Spendenbereitschaft sei «eine deutliche politische
Aufforderung an die Regierung, das gefährliche
Plutonium-Geschäft mit China zu stoppen», erklärte die
Initiative weiter. «Hanau selber kaufen» will die 50
Millionen Euro überbieten, die Siemens für die Anlage von
China verlangt. Zu den prominenten Unterstützern der Aktion
gehören unter anderen der «Tatort»-Kommissar Peter
Sodann sowie acht Bundestagsabgeordnete der «Grünen».
Regierungssprecher Béla Anda sagte auf Anfrage, der
Verfahrensstand sei unverändert. Das bedeutet, dass die
Zulässigkeit des Verkaufs der Anlage nach wie vor von der
Bundesregierung geprüft wird.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Abkommen zum Export der Atomfabrik Hanau offenbar vor dem Abschluss
Do.12.02.04 - Die Vorbereitungen für den umstrittenen Export der Hanauer
Brennelemente-Fabrik nach China nähern sich laut einem Bericht der
«Berliner Zeitung» offenbar dem Ende. Wie das Blatt in
seiner Donnerstagausgabe berichtet, steht die Bundesregierung kurz vor
dem Abschluss zweier Vereinbarungen mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEO) und der Volksrepublik China. Der
stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gernot Erler,
rechnet bis Ende März mit einer Entscheidung über den Export... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402120.htm#04021224
Für eine Exportgenehmigung der Hanauer Plutoniumfabrik nach China
gibt es nach Ansicht von Juristen keinen Ermessensspielraum...
Mehr bei "telepolis" (18.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16342/1.html
http://www.greenpeace.org/multimedia/download/1/
368548/0/Expertise_zu_MOX.pdf
Wissenschaftler warnen vor Verkauf der Atomfabrik nach China
Mi.10.12.03 - Militärischen Nutzung der Hanauer Plutonium-Anlage könne
nicht ausgeschlossen werden +++ Bundesbürger mehrheitlich gegen
Export der Brennelemente-Fabrik nach China... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312220.htm#031222ub
Lauschangriff im Wesentlichen verfassungswidrig
Do.04.03.04 - Der große Lauschangriff wird deutlich entschärft. Das
Bundesverfassungsgericht erklärte die akustische
Wohnraumüberwachung am Mittwoch für teilweise
grundgesetzwidrig und verlangte eine Änderung der gesetzlichen
Regeln bis Mitte 2005. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)
kündigte eine Umsetzung des Urteils an, will aber nicht ganz auf
den Lauschangriff verzichten.
SPD, Grüne und FDP begrüßten die Karlsruher
Entscheidung, Kritik kam dagegen aus der Union. Die Gewerkschaft der
Polizei sieht einen Rückschlag für die
Kriminalitätsbekämpfung.
Das Gericht gab der Verfassungsbeschwerde von drei linksliberalen
FDP-Politikern teilweise statt. Der 1998 eingeführte große
Lauschangriff, der zur Aufklärung von Straftaten das heimliche
Abhören von Wohnungen mit Wanzen erlaubt, ist nach dem Urteil
nicht generell verfassungswidrig. Die dafür beschlossene
Grundgesetzänderung beanstandeten die Richter nicht.
Die Wohnraumüberwachung darf aber künftig nur noch angeordnet
werden, wenn es um schwere Straftaten geht, für die eine
Höchststrafe von mehr als fünf Jahren droht. Zudem sind
Lauschaktionen sofort abzubrechen, wenn in der Wohnung Gespräche
mit engen Angehörigen geführt werden und es keine
Anhaltspunkte dafür gibt, dass diese Tatbeteiligte sind. Das gilt
auch für Gespräche mit Ärzten, Pfarrern oder
Strafverteidigern. Die Verfassungsrichter begründeten die Auflagen
damit, dass der Schutz der Privatwohnung in engem Bezug zur
Menschenwürde steht.
Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, der langjährige
Bundestagsvizepräsident Burkhard Hirsch und die frühere
Bonner Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatten die
Klage eingereicht, obwohl die Mehrheit der FDP 1998 mit CDU/CSU und SPD
für den Lauschangriff gestimmt hatte. In Karlsruhe
begrüßten sie den Richterspruch als Signal für den
Rechtsstaat. Ähnlich äußerten sich Rechtsexperten der
SPD-Fraktion.
Justizministerin Zypries (SPD) sagte, der Lauschangriff sei auch bisher
die «Ultima Ratio» gewesen und in fünf Jahren nur 119
Mal angewendet worden. Vor der erforderlichen Gesetzesänderung
müsse der Urteilstext genau studiert werden.
Die Grünen sahen eine «herbe Schlappe» für SPD,
CDU/CSU und FDP, die den Lauschangriff gemeinsam verabschiedet hatten.
Die Karlsruher Richter hätten die geltenden Vorschriften
«geradezu zertrümmert» und die Bedenken der
Grünen in vollem Umfang bestätigt, sagte
Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck.
Die Union warnte davor bei den anstehenden gesetzlichen Korrekturen die
Hürden so hoch anzusetzen, dass das Instrument für
Strafverfolgungsbehörden und Polizei unpraktikabel werde. Der
bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) kritisierte, dass
das Urteil die Möglichkeiten für einen wirksamen Schutz der
Allgemeinheit zu Gunsten der Rechte des Individuums beschränke.
«Das ist gerade angesichts der aktuellen Bedrohung durch den
islamischen Terrorismus und eine immer professioneller werdende
organisierte Kriminalität besonders problematisch.»
Der neue Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach von der
wichtigsten datenschutzrechtlichen Entscheidung seit dem
Volkszählungsurteil.
(Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 1 BVR 2378/98 und 1 BvR 1084/99)
http://www.bundesverfassungsgericht.de
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/45225
http://www.heise.de/newsticker/meldung/45205
Stichwort: Großer Lauschangriff
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307020.htm#030702_f
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
donnerstag 4. märz 2004 - 18.15 uhr
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
|
Hans
Rudolf Zeller, geboren 1934 in Berlin, Studien in Freiburg und
Köln. Seit 1959 Essays, Rundfunksendungen, Übersetzungen und
experimentelle Texte. Entwurf einer kinematologischen Literatur in
verschiedenen Dimensionen: kinem kontexte
(1965); in Leporelloform GERADE, kinem Delta und formeln (alle im Selbstverlag 1966).
Editionen: Dieter Schnebel Denkbare
Musik (1972) und Cage Box
(1979). Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill;
Schallplattenmusik). Sprech-Schriften (DENKFIGUR) sowie
Stücke für Stimme und Diascriptor (DIA-LOG; ohne
abzusetzen/Impulse; Lesefigur; Linien/Welle für 4 Aktuere), mit
Instrument(en): Klavierartikulation;
Skizzenbuch BX. Odradekisch (nach Kafka). Siebenteilige
Sendereihe: Kriterien der
experimentellen Musik (1999). Husserltöne
für Sprecher und Folienprojektionen. Projekt in Projekten: Scriptophonie (1995). Mitherausgeber
von Musik der anderen Tradition
Mikrotonale Tonwelten (2003).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html