Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Iraker fordern mehr Sicherheit von Besatzungstruppen +++
El-Kaida-Hinweise in Irak verdichten sich +++ Mindestens drei Iraker
bei Schießerei getötet - Angriffe auf irakische Polizisten
in Mossul +++ Japan unterstützt irakischen Wiederaufbau mit 450
Millionen Dollar +++ EU investiert dieses Jahr 160 Millionen Euro in
Iraks Infrastruktur
Fr.05.03.04 - Nach den verheerenden Anschlägen auf ihre Gemeinschaft haben die
irakischen Schiiten am Donnerstag ihre Kritik an der Sicherheitsarbeit
der USA verschärft. Bei einem weiteren Raketenangriff in Bagdad
wurden am Donnerstag mindestens drei Menschen getötet. Wie am
Vortag galt der Angriff Polizeiangaben zufolge offenbar einem
Fernsprechamt.
Die Truppen müssten mehr für die Sicherheit im Land tun,
forderte der derzeitige schiitische Chef des von den USA eingesetzten
Regierenden Rats, Mohammed Bahr el Ulum. Am Dienstag waren nach Angaben
des irakischen Verwaltungsrats 271 Menschen getötet worden, als
inmitten religiöser Feiern der Schiiten in Bagdad und Kerbela
Selbstmordattentäter ihre Sprengsätze zündeten und
Werfergranaten explodierten.
"Ich mache die Behörden verantwortlich", sagte El Ulum
während eines Klinikbesuchs bei Opfern des Bagdader Anschlags vom
Dienstag. "Die Koalitionstruppen sind Teil der Behörden und sie
sind für die Aufrechterhaltung der Sicherheit verantwortlich, also
sollten sie alles tun, um Sicherheit gewährleisten zu
können." Bereits unmittelbar nach dem Anschlag hatte der
einflussreiche schiitische Geistliche Ajatollah Ali el Sistani den USA
vorgeworfen, die Grenzen des Landes nicht ausreichend vor eindringenden
Attentätern zu schützen.
Die am Donnerstag abgefeuerte Rakete schlug in einer Straße in
der Nähe eines Fernsprechamtes ein und tötete den
Polizeiangaben zufolge die Insassen eines Autos. Über die
Hintergründe der Tat war zunächst nichts bekannt. Erst am
Mittwoch war eine Bombe bei einem Fernsprechamt explodiert. Dies hatte
die Vermutung ausgelöst, die Kommunikationseinrichtungen des
Landes könnten in das Visier der Gegner der US-geführten
Besatzungstruppen geraten.
"Drei wurden getötet und zwei verletzt", sagte ein Polizist. Nach
Polizeiangaben schlidderte die Rakete über den Boden und traf
anschließend das Fahrzeug. Um den Wagen versammelte sich
anschließend eine Menschenmenge. "Amerika ist der Feind Gottes",
riefen einige.
In der nordirakischen Stadt Mossul detonierte eine Bombe vor einer
Polizeiwache, kurze Zeit später beschossen die Angreifer das
Gebäude. Vier irakische Polizisten wurden verletzt, wie
Krankenhausmitarbeiter mitteilten. Ebenfalls in Mossul wurde eine
Polizei-Patrouille aus einem fahrenden Auto heraus beschossen, wobei
ein weiterer Polizist verletzt wurde.
Bei Hadid nördlich von Bagdad ging am Straßenrand ein
Sprengsatz hoch, als ein US-Militärfahrzeug vorbeifuhr. Ein Soldat
wurde nach Militärangaben verletzt. In Falludscha wurden Granaten
auf US-Soldaten abgefeuert, die ein Treffen amerikanischer
Verwaltungsbeamter mit dem Stadtrat bewachten. Augenzeugen zufolge
stürmten Soldaten das Gebäude, aus dem die Schüsse
fielen, und nahmen einen Iraker fest.
Die USA machen für die Anschläge Anhänger des
gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und ausländische
Moslem-Extremisten verantwortlich und gehen davon aus, dass diese die
Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land
schüren wollen. Der Chef der US-Zivilverwaltung, Paul Bremer,
kündigte am Mittwoch an, in die Sicherung der irakischen Grenzen
60 Millionen Dollar zu stecken. Davon sollten zusätzliche
Sicherheitskräfte und Einsatzwagen bezahlt werden.
Der Chef des US-Zentralkommandos, John Abizaid, hat sich derweil gegen
die Bildung schiitischer Milizen in Irak ausgesprochen. Solche
Einheiten wären wegen der ethnischen Komponente ein
"destabilisierendes Element" und würden den Eindruck erwecken,
dass sie andere als "reine Verteidungsziele" hätten, sagte Abizaid
am Donnerstag vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats in
Washington. Er bekräftigte, dass die Anschlagsserie auf schiitsche
Pilger in Kerbela und Bagdad am Dienstag einen "Bürgerkrieg"
zwischen Sunniten und Schiiten auslösen sollte. Schiitische
Vertreter hatten die Bildung von Milizen zum Schutz ihrer Gemeinden
gefordert.
Unterdessen haben sich die Hinweise auf El Kaida als Drahtzieher der
Anschläge in Kerbela und Bagdad verdichtet.. Polnische Soldaten
nahmen bereits vor den Angriffen auf Schiiten mehrere Verdächtige
mit Verbindungen zu dem Terrornetzwerk fest.
Zwei vergangene Woche Festgenommene hätten Kontakte zu dem wegen
der Anschläge gesuchten Jordanier Abu Musab al-Zarqawi gehabt,
sagte ein polnischer Armeesprecher. Er bezeichnete El Kaida als
best-organisierte Bedrohung in den von Polen kontrollierten Provinzen
Kerbela und Babil.
Ein Militäreinsatz am 25. Februar, bei der neun weitere
Verdächtige festgenommen worden seien, lasse auf terroristischen
Strukturen südlich von Bagdad schließen. Bei dem Einsatz sei
auch eine große Menge an Waffen und Drogen sichergestellt worden.
Der Chef des für den Nahen Osten zuständigen
US-Zentralkommandos, General John Abizaid, hatte am Mittwoch den
weltweit gesuchten Extremisten Zarqawi als mutmaßlichen
Drahtzieher der jüngsten Anschläge genannt. Dafür gebe
es "klare Geheimdienstinformationen".
Der Jordanier Zarqawi steht dem Terrornetzwerk El Kaida nahe und war
von den USA auch mit den Anschlägen in Nadschaf und auf die die
UN-Zentrale in Bagdad vergangenes Jahr in Verbindung gebracht worden.
El Kaida bestritt jedoch am Mittwoch eine Verwicklung in die
Anschlagsserie.
Nach Ansicht von Sicherheitsexperten weisen die offenbar gut
organisierten Anschläge und deren Gleichzeitigkeit auf El Kaida
hin. Die Attentate erinnerten an die Angriffe auf die US-Botschaften in
Kenia und Tansania 1998, sagte der Kairoer Experte für
Militärstrategien, Mohammed Abdel Salam.
Nach den Worten von US-Zivilverwalter Bremer zielt Zarqawi darauf ab,
die schiitische Bevölkerungsmehrheit und die sunnitischen Moslems
zu spalten.
Japan hat am (heutigen) Freitag die Einzahlung von 450 Millionen Dollar
für den irakischen Wiederaufbau in internationale
Treuhänderfonds angekündigt. In einen Fonds, der vom
Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) überwacht
wird, sollen 360 Millionen Dollar (296 Millionen Euro) eingezahlt
werden. Die übrigen 90 Millionen (74 Millionen Euro) werden einem
Fonds der Weltbank zufließen, wie Außenminister Yoriko
Kawaguchi ankündigte. Das Geld ist Teil des
Fünf-Milliarden-Dollar-Pakets (rund 4,1 Milliarden Euro), das
Japan zur Unterstützung des irakischen Wiederaufbaus versprochen
hat.
Die EU will in diesem Jahr 160 Millionen Euro für den Wiederaufbau
Iraks ausgeben. Nach dem am Donnerstag von der EU-Kommission in
Brüssel verabschiedeten Programm soll mit 90 Millionen Euro der
Großteil des Geldes für die Verbesserung der Infrastruktur
ausgegeben werden. Dazu sollen Trink- und Abwassersysteme, aber auch
Schulen und das Gesundheitssystem unterstützt werden. Für
arbeitsplatzschaffende Projekte in der Privatwirtschaft und in der
Landwirtschaft werden 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Mit zehn Millionen Euro sollen die Wahlvorbereitungen, die Reform des
Justizsystems und örtlicher Verwaltungen sowie der Aufbau freier
Medien gefördert werden.
Derzeit hat die US-Armee Ausgaben von rund 3,7 Milliarden Dollar (2,9
Milliarden Euro) monatlich in Irak.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Europäer sehen nach Irak-Krieg erhöhte Terrorgefahr
Fr.05.03.04 - Die Gefahr von Terroranschlägen hat sich nach der mehrheitlichen
Meinung in fünf europäischen Ländern sowie in Kanada und
Mexiko seit dem Irak-Krieg erhöht. In denselben Staaten sieht die
Mehrheit die Politik von US-Präsident George W. Bush in einem
negativen Licht. Nur in den Vereinigten Staaten waren die Ergebnisse
einer Ipsos-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP gegenteilig.
Demnach zeigten sich dort 57 Prozent mit Bush zufrieden. In der Frage
nach einer erhöhten Terrorgefahr seit dem Irak-Krieg hielten sich
die Ja- und die Neinstimmen genau die Waage. Das deutlichste
Gegenbeispiel war Deutschland. Hier äußerten sich 85 Prozent
negativ über Bush, und 72 Prozent werteten den Irak-Krieg als
möglichen Auslöser für mehr Terror. Befragt wurden in
Europa außerdem noch jeweils rund 1.000 Menschen in Frankreich,
Großbritannien, Spanien und Italien.
In Bezug auf die negative Einstellung zu Bush lagen die Franzosen mit
82 Prozent kaum hinter den Deutschen. In Spanien waren gut drei
Viertel, in Großbritannien, Italien und Kanada rund zwei Drittel
der Befragten mit dem US-Präsidenten unzufrieden. Lediglich in
Mexiko äußerten sich nur 50 Prozent negativ über Bush.
Positiv wollten ihn allerdings auch dort nur etwa 40 Prozent sehen. Die
Angaben der Bevölkerung in Ländern, die den Irak-Krieg
seinerzeit unterstützten wie Großbritannien, Spanien oder
Italien, unterschieden sich dabei nicht allzu sehr von den Aussagen der
entschiedenen Kriegsgegner Deutschland und Italien.
Die Einschätzung der Terrorgefahr nach dem Irak-Krieg entsprach
der Erhebung zufolge weitgehend der ablehnenden Haltung gegenüber
der US-Regierung. In Großbritannien, Spanien und Italien sahen
zwei Drittel der Befragten eine erhöhte Bedrohung. In Mexiko wurde
diese Auffassung von etwa 60 Prozent geteilt, in Kanada und Frankreich
von gut der Hälfte.
Eine erhöhte Terrorgefahr sahen die meisten Befragten auch infolge
des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern im Nahen
Osten. In Deutschland teilten 72 Prozent diese Auffassung, in
Großbritannien, Spanien und Italien rund zwei Drittel, in
Frankreich, den USA und Mexiko rund 60 Prozent, in Kanada gut 50
Prozent.
Nicht ganz eindeutig waren die Antworten auf die Frage, ob der
Irak-Krieg überhaupt hätte begonnen werden sollen, sollte
sich wirklich herausstellen, dass Irak keine Massenvernichtungswaffen
besaß. Hier waren in Deutschland 68 Prozent der Ansicht, es
hätte keinen Krieg geben dürfen. In Frankreich sagten dagegen
62 Prozent, es habe auch noch andere Gründe zur Rechtfertigung des
Irak-Kriegs gegeben. Diese Einschätzung deckt sich fast mit der
der amerikanischen und britischen Befragten. Gleichwohl hat sich gerade
die französische Bevölkerung in diversen vorherigen Umfragen
stets gegen den Krieg ausgesprochen.
Die Terrorgefahr im eigenen Lande wurde fast durchgängig als hoch
eingestuft. In Deutschland äußerten 72 Prozent Ängste
in dieser Hinsicht, in Spanien sogar 85 Prozent, in Italien 70 Prozent.
Christian Holst vom Ipsos-Büro Deutschland führte dies auf
die Erinnerungen Deutschlands und Italiens an den Terrorismus der 70er
Jahre sowie auf die Bedrohung seitens der baskischen
Separatistenorganisation ETA in Spanien zurück. Solche Erfahrungen
schürten in den jeweiligen Ländern stets große
Ängste, erklärte Holst.
In den USA fürchten sich der Umfrage zufolge 63 Prozent vor
Terroranschlägen im eigenen Land, in Großbritannien 66
Prozent. In Frankreich und Kanada gingen dagegen nur 44 beziehungsweise
40 Prozent von einer akuten Bedrohung aus, in Mexiko waren es rund 50
Prozent.
(Quelle: ap)
Saudische Geistliche rufen Moslems zu Geschlossenheit auf
Fr.05.03.04 - Mehr als 130 islamische Geistliche und religiöse Aktivisten in
Saudi-Arabien haben die Gemeinschaft der Moslems nach den verheerenden
Anschlägen gegen irakische Schiiten zur Geschlossenheit
aufgerufen. Die "Herausforderungen und Gefahren für die islamische
Nation" sollten Moslems dazu veranlassen, "die Reihen zu
schließen, extremistischen Ideen und Tendenzen entgegenzutreten
und faire Beziehungen zwischen verschiedenen Gesellschaftsteilen
aufzubauen", hieß es in einer am Donnerstag in Riad
veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Die Anschläge am
Dienstag in Bagdad und Kerbela zielten darauf, "Zwietracht unter
Moslems anzufachen", und lieferten den US-geführten
Streitkräften Vorwände für die weitere Besatzung Iraks.
(Quelle: afp)
Pakistan: Opfer der Bombenanschläge von Quetta beigesetzt
Fr.05.03.04 - Zehntausende Schiiten haben am Donnerstag in Pakistan 32 Opfer des
Überfalls auf eine Pilger-Prozession beigesetzt. Viele Trauernde
forderten den Rücktritt der Bürgermeisters, des Polizeichefs
und des Leiters der Anti-Terror-Einheit, die zu wenig getan
hätten, um das Blutvergießen am Dienstag in Quetta zu
verhindern. Drei Angreifer hatten das Feuer auf die Gläubigen
eröffnet und Handgranaten geworfen. Anschließend mischten
sich Selbstmordattentäter in die Menge und sprengten sich in die
Luft.
Die Zahl der Todesopfer stieg am Donnerstag auf insgesamt 44. Darunter
waren auch sechs Polizisten und zwei der Angreifer. Ein dritter
überlebte mit schweren Verletzungen. Die Behörden
erklärten, es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem
Angriff in Quetta und den Bombenanschlägen am gleichen Tag in
Irak. Beide wurden am schiitischen Festtag Aschura verübt. Die
Beisetzung fand am Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
statt. Für die gesamte Stadt galt weiterhin ein Ausgehverbot.
Bei den Selbstmordattentätern handelte es sich vermutlich um
Mitglieder der Extremistengruppe Lashkar-e-Jhangvi, wie der
stellvertretende Polizeichef von Quetta am Mittwoch der
Nachrichtenagentur AP sagte. Die Gruppe soll Verbindungen zum
Terrornetzwerk El Kaida haben. Sie wird unter anderem für einen
Anschlag in Quetta verantwortlich gemacht, bei dem im vergangenen Juli
Bewaffnete eine Moschee stürmten und 50 Betende mit Granaten und
Maschinengewehren töteten.
(Quelle: ap)
Sieben afghanische Soldaten bei Überfall getötet - ISAF und
Polizei starten größten gemeinsamen Einsatz in Kabul
Fr.05.03.04 - Bei einem Angriff mutmaßlicher Taliban-Kämpfer auf einen
Militärposten nahe der Grenze zu Pakistan sind mindestens sieben
afghanische Soldaten getötet worden. Wie der
Militärbefehlshaber der Provinz Kandahar, Chan Mohammed, am
Donnerstag mitteilte, kamen die Angreifer aus Pakistan. Ein Soldat
werde nach dem Zwischenfall am Mittwochabend im Bezirk Muraf noch
vermisst. Ein Anrufer, der vorgab für die Taliban zu sprechen,
sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Kämpfer seien für den
Angriff verantwortlich. Er kündigte weitere Angriffe an. Auch
Mohammed machte die Taliban verantwortlich.
Mit ihrem bislang größten gemeinsamen Einsatz wollen die
Internationale Afghanistanschutztruppe ISAF und die afghanische Polizei
Attentäter von der Hauptstadt Kabul fernhalten und die Sicherheit
erhöhen. ISAF-Soldaten und Polizisten würden Kontrollposten
einrichten und Autos überprüfen, sagte ein ISAF-Sprecher am
Donnerstag. Dabei werde nach "mutmaßlichen Terroristen" und
organisterten Kriminellen gefahndet sowie unter anderem nach
Schmuggelware und Sprengstoff gesucht.
(Quelle: ap, afp)
Nahost-Konflikt
Israel verhängt 'vollständige' Blockade der
palästinensischen Autonomiegebiete +++ Zwei Tote bei
Feuergefechten in Palästinenserstadt Rafah
Fr.05.03.04 - Aus Angst vor möglichen Terroranschlägen am jüdischen
Purim-Fest haben die israelischen Streitkräfte am Donnerstagabend
das Westjordanland und den Gazastreifen abgeriegelt. Die Absperrung der
palästinensischen Autonomiegebiete soll mindestens bis kommenden
Dienstag dauern. Das Purim-Fest erinnert an die biblisch
überlieferte Errettung persischer Juden durch Esther und Mardochai.
Der Oberste Gerichtshof in Israel schob unterdessen eine von der
Regierung angeordnete Räumung illegaler Siedlungen im
Westjordanland auf. Das Verteidigungsministerium hatte den Siedlern in
sechs Aussenposten bis zum Donnerstag Zeit zur Räumung gegeben;
das Gericht gewährte zunächst einen Aufschub von zehn Tagen,
in denen eine weitere Anhörung angesetzt werden soll.
Bei heftigen Feuergefechten in der Palästinenserstadt Rafah im
südlichen Gazastreifen sind mindestens zwei Menschen getötet
worden. 14 weitere Einwohner wurden verletzt. Die
Zusammenstöße begannen, nachdem die israelische Armee in die
Ortschaft an der Grenze zu Ägypten vorgestoßen war und sechs
Häuser mit Bulldozern eingeebnet hatte. Das teilten
palästinensische Behörden mit. Von der israelischen Armee
hieß es, die Soldaten hätten nach Tunneln gesucht, in denen
Waffen aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden.
(Quelle: ap, dpa)
UN-Flüchtlingskommissar Lubbers verurteilt anhaltende Gewalt im
Nordsudan
Fr.05.03.04 - Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Ruud Lubbers, hat die
anhaltende Gewalt in der sudanesischen Region Darfur verurteilt. Es
gebe dort noch keinen Frieden, sondern weiter Zwischenfälle und
Gräueltaten, sagte Lubbers nach Berichten des britischen Senders
BBC vom Dienstagabend. Er wies damit Erklärungen der sudanesischen
Regierung zurück, die Armee habe die Rebellen in dem
nordwestsudanesischen Gebiet besiegt und die Gewalt sei beendet.
Lubbers besuchte den Angaben zufolge Flüchtlingslager im Tschad.
Seit Beginn der Auseinandersetzungen in Darfur Anfang vergangenen
Jahres sind mehr als 100.000 Menschen in das Nachbarland
geflüchtet. Die Menschen begrüßten Lubbers mit Rufen
wie "Nieder mit el Baschir". Sie machen den sudanesischen
Präsidenten Omar Hassan el Baschir für die Gewalt in Darfur
verantwortlich.
Das UNHCR hat Flüchtlingslager inzwischen in größerer
Entfernung von der sudanesischen Grenze eingerichtet. In der
Grenzregion war es immer wieder zu Überfällen durch arabische
Milizen aus dem Sudan gekommen. Die Rebellen in Darfur hatten zu den
Waffen gegriffen, weil sie sich die Menschen in dem Gebiet durch die
Regierung in Khartum vernachlässigt fühlen.
(Quelle: epd)
UNICEF prangert sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegen an
Fr.05.03.04 - Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März haben das
UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die deutsche Frauenrechtsorganisation
medica mondiale den Einsatz von Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe
angeprangert. Im Bürgerkrieg in Kongo habe UNICEF fast 8.000 Opfer
von Vergewaltigungen betreuen müssen, sagte eine Sprecherin der
Organisation in einer gemeinsamen, am Donnerstag in Berlin
veröffentlichen Erklärung.
Sexuelle Gewalt gegen Frauen müsse als Kriegsverbrechen und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen
Menschengerichtshof geahndet werden, forderten beide Organisationen.
«Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in den neuen Kriegen
unserer Zeit Teil der Kriegsstrategie», erklärte die
Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser.
Beide Organisationen kritisierten ein «Klima der
Straflosigkeit» in afrikanischen, asiatischen und
südamerikanischen Ländern, in dem selbst grausamste
Massenvergewaltigungen und sexualisierte Folter nicht bestraft
würden. Allein in Ruanda seien während des Bürgerkriegs
bis zu 500.000 Mädchen und Frauen Opfer von Vergewaltigungen
geworden.
UNICEF-Sprecherin Milen Kidane wies auf den Zusammenhang von Armut und
Gewalt hin. «Wo Armut herrscht, werden Mädchen häufig
Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch.» In Lateinamerika sei
sexueller Missbrauch weit verbreitet, jede zweite Frau und sogar vier
von fünf Kindern würden regelmäßig Opfer von
Gewalt. Ferner kritisierte das Kinderhilfswerk die Benachteiligung von
Mädchen in Entwicklungsländern in Ernährung,
medizinischer Versorgung sowie bei der Schulbildung.
(Quelle: ap)
Südafrika: Landlose drohen mit Besetzung von Farmen weißer
Eigentümer
Fr.05.03.04 - In Südafrika haben Landlose mit der Besetzung von Farmen
weißer Eigentümer gedroht. Die Landlosenvereinigung der
Provinz Eastern Cape forderte die örtlichen Behörden in einem
Brief auf, binnen einer Woche Grundbesitz an Bedürftige zu
verteilen. Andernfalls würden am Tag der Wahlen, dem 14. April,
die Ländereien weißer Besitzer eigenmächtig
beschlagnahmt. Südafrikas Regierung habe sich nicht für
Menschen eingesetzt, die während der Apartheid-Zeit von ihrem Land
vertrieben worden seien, hieß es. Deshalb habe die
Landlosen-Vereinigung ihre Anhänger aufgefordert, an den
nächsten Wahlen nicht teilzunehmen. Die Regierung hatte die
Forderungen der Landlosen in den vergangenen Monaten mehrfach als
unbegründet zurückgewiesen. Nach offizieller Darstellung
haben seit 1994 rund 700.000 Menschen Land zurückerhalten.
Landbesetzungen würden nicht toleriert, so Regierungsvertreter.
(Quelle: epd)
Nigeria: Pakistan will bei Aufbau von Atom-Kapazitäten helfen
Fr.05.03.04 - Der pakistanische Generalstabschef Muhammad Aziz Khan hat Nigeria nach
Regierungsangaben offenbar Hilfe bei der Beschaffung von atomarer
Bewaffnung angeboten. Khan habe dem Land vorgeschlagen, "die
militärischen Fähigkeiten zu stärken und atomare Kraft
zu beschaffen", teilte das nigerianische Verteidigungsministerium am
Donnerstag in einer Erklärung in Abuja mit. Khan habe das Angebot
am Mittwoch bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Rabiu Musa
Kwankwaso gemacht. Bei der Zusammenkunft in Abuja habe Khan betont,
Pakistan sei 1998 als ein Entwicklungsland vergleichbar mit
afrikanischen Staaten Atommacht geworden "mit einer Reichweite zwischen
15 und 1500 Kilometern".
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
IAEA-Chef Baradei warnt vor Gefahr eines Atomkriegs
So.25.01.04 - ... 'Äußerst beunruhigt' über wachsenden atomaren
Schwarzmarkt. Internationale Exportkontrollen hätten in den
letzten Jahren völlig versagt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401250.htm#04012501
USA halten an Aufgabe von nordkoreanischem Atomprogramm fest
Fr.05.03.04 - Die USA beharren auf einer kompletten Aufgabe des nordkoreanischen
Atomprogramms. Zu einem weniger weit reichenden Abkommen ließen
sich die USA nicht drängen, erklärte Außenminister
Colin Powell am Donnerstag in Washington nach einem Treffen mit seinem
südkoreanischen Kollegen Ban Ki-Moon. Dabei will Washington
offenbar auf stärkeren Druck verzichten: «Wir werden Geduld
beim Verfolgen dieser Politik zeigen», betonte Powell.
(Quelle: ap)
UNO warnt vor rascher Ausbreitung von Aids in Südasien
Fr.05.03.04 - Zu Beginn einer Aids-Konferenz im südafrikanischen Staat Sambia
hat UNESCO-Generalsekretär Koichiro Matsuura vor einer raschen
Ausbreitung der Immunschwächekrankheit in Südasien gewarnt.
Die Pandemie breite sich dort "sehr schnell" aus, sagte Matsuura am
Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP im sambischen Livingstone. Dort
beraten unter dem Vorsitz des UNESCO-Chefs bis Freitag die Leiter von
neun UN-Organisationen sowie Regierungsvertreter aus rund 20
afrikanischen Staaten über den Kampf gegen die Immunschwäche.
Wie in Afrika breite sich Aids auch in Südasien vor allem
über Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau aus, sagte
Matsuura. Asien habe dabei allerdings den Vorteil einer besseren
Gesundheitsversorgung.
(Quelle: afp)
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema "Aids" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#04022011
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#03120904
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209ex
Dreierrat soll Übergangsregierung für Haiti vorbereiten
Fr.05.03.04 - Nach dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide bemüht
sich Haiti um eine Regierung der Nationalen Einheit. Die Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) kündigte am Donnerstag die Einsetzung
eines Dreierrates zur Vorbereitung einer Übergangsregierung an.
Dem Gremium gehören Leslie Voltaire, ein bisheriger
Kabinettsminister Aristides, der Oppositionspolitiker Paul Denis sowie
der haitianische UN-Repräsentant Adama Guindo an. Die drei sollen
innerhalb einer Woche sieben Mitglieder eines Weisenrates ernennen, der
wiederum einen neuen Ministerpräsidenten vorschlagen soll.
Die USA wiesen unterdessen die Kritik Aristides, ihn zum Gang ins Exil
gezwungen zu haben, erneut zurück. Die Hilfe der USA sei eher ein
Beitrag zu einer Rettungsaktion gewesen, erklärte das
Außenministerium in Washington am Donnerstag. Das Verlassen
Haitis habe Aristide «die nahezu sichere Gewalt» seitens
bewaffneter Oppositionsgruppen erspart. «Wir haben seinen
Rücktritt nicht verfochten», sagte
Außenministeriumssprecher Richard Boucher.
Brasilien will sich mit 1.100 Soldaten an einer UN-Truppe für
Haiti beteiligen. Sein Land sei auch zur Führung der Truppe
bereit, wenn dies gewünscht sei, erklärte ein Sprecher von
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Donnerstag. Eine
UN-Friedenstruppe könnte in etwa drei Monaten die Soldaten aus den
USA, Frankreich, Kanada und Chile ablösen, die derzeit bereits in
Haiti sind. Brasilien ist das erste Land, das seine Beteiligung
anbietet.
(Quelle: ap)
„Haiti steht wiederum in Flammen", schreibt Jeffrey Sachs, Professor
für Ökonomie an der Columbia-Universität: „Jedoch
begreift fast niemand, dass das heutige Chaos von Washington produziert
wurde – willentlich, zynisch und zielstrebig. Die Geschichte wird das
zeigen
Nach Sachs' Argumentation hat die Bush-Administration seit 2001 eine
Politik verfolgt, die auf den Sturz Aristides abzielte:
„Ich besuchte Präsident Aristide in Port-au-Prince Anfang 2001. Er
prägte sich mir als ein intelligenter Mensch ein, der nach guten
Beziehungen zu Haitis privatem Wirtschaftssektor und zu den USA strebt."
„Haiti war unstrittig in einer verzweifelten Situation: das verarmteste
Land der westlichen Hemisphäre mit einem Lebensstandard
vergleichbar mit den Regionen Afrikas, die südlich der Sahara
liegen, obschon es sich nur wenige Flugstunden von Miami befindet. Die
Lebenserwartung belief sich auf 52 Jahre. Kinder litten unter
chronischem Hunger."
Als er nach Washington zurückkam, sprach Sachs mit hochrangigen
Mitarbeitern von Internationalem Währungsfond, Weltbank,
Inter-Amerikanischer Entwicklungsbank und der Organisation
Amerikanischer Staaten. Er beschreibt, wie er erwartete zu hören,
dass diese Organisationen Haiti zu Hilfe eilen würden. Mitnichten:
„Stattdessen war ich entsetzt zu erfahren, dass alle dabei waren,
Hilfsleistungen einzustellen aufgrund vager „Anweisungen" der USA.
Amerika, so schien es, war wegen Unregelmäßigkeiten bei den
Parlamentswahlen 2000 nicht bereit, Haiti Hilfe zu gewähren, und
bestand darauf, dass Aristide sich mit der politischen Opposition
aussöhnte, bevor irgendwelche Hilfsleistungen erbracht würden."
„Die Position der USA war purer Hohn. Aristide war [1990] mit einem
unbestreitbaren, erdrutschartigen Sieg zum Präsidenten gewählt
worden … Auch waren die Parlamentswahlen 2000 unzweifelhaft: Aristides
Partei hatte ebenfalls einen erdrutschartigen Sieg errungen."
Aus: David Edwards - "Die Hölle für Haiti (2)", ZNet
02.03.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1027
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=54&ItemID=5070
Hinsichtlich der USA begann die Kolonialgeschichte Haitis im
Jahre 1849 mit einer von zahlreichen Interventionen zum Schutze
US-amerikanischer Interessen, die 1915 in einer Invasion nebst
neunzehnjähriger Direktherrschaft gipfelte, die noch um ein
Jahrzehnt von amerikanischer Finanzkontrolle überdauert wurde
Auch danach setzte sich unter anderem unter der Herrschaft der
Duvalier-Dynastie die „terrorgestützte Ausbeutung" Haitis „in
einer ununterbrochenen Linie bis Dezember 1990 fort", als der Priester
Aristide mit 67.5% der Stimmen gewählt wurde, um nach engagierten
Reformen am 30. September 1991 mit amerikanischer Unterstützung
gestürzt zu werden. Das auf diesen Coup hin von der Organisation
Amerikanischer Staaten gegen Haiti verhängte Embargo wurde von den
USA systematisch gebrochen.
Nachdem wesentliche Teile von Aristides Bewegung ermordet worden waren,
wurde diesem 1994 die Rückkehr nach Haiti gestattet unter den
Bedingungen, dass er eine US-Militärbesatzung und Washingtons
neoliberale Agenda in Form eines Strukturanpassungspakets der Weltbank
akzeptierte. Weiterhin war die Zusammensetzung seiner Regierung in
Teilen an US-Wünsche angelehnt...
Es fand kaum ein Presseecho, dass bei der Wiedereinsetzung Aristides
Akten über die Massaker in die USA verschleppt wurden und dort
unter Verschluss gehalten werden, auch nicht, dass den Tätern
systematisch Flucht aus Haiti oder gar Asyl in den USA gewährt
wurde. ..
Quelle: David Edwards - "Die Hölle für Haiti (2)", ZNet
02.03.2004
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030404
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304_d
IWF und G-7-Regierungen setzen Lateinamerika unter Druck
In Südamerika treibt der Internationale Währungsfonds ein
riskantes Spiel. Die sozialen Explosionen 2001 in Argentinien und 2003
in Bolivien haben gezeigt: Die neoliberalen Rezepte der Neunzigerjahre
haben Millionen Menschen ins Elend gestürzt, zu politischer
Instabilität geführt - und das Geschäftsklima
verschlechtert. Doch ein Kurswechsel des IWF und der Regierungen der
westlichen Industrieländer ist nicht erkennbar...
Mehr in der "tageszeitung" vom 05.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/05/a0164.nf/text
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Tote bei Protesten in Venezuela
Fr.05.03.04 - Ausschreitungen bei Protesten gegen den venezolanischen
Präsidenten Hugo Chavez haben am Donnerstag eine Frau das Leben
gekostet. Die 50-Jährige wurde bei Zusammenstößen
zwischen Oppositionellen und Sicherheitskräften in der Stadt
Machiques erschossen, wie die Nationalgarde mitteilte. Die Truppen
hätten Tränengas eingesetzt, um Gruppen Steine werfender
Demonstranten aufzulösen.
Auch in der Hauptstadt Caracas waren am Donnerstag hunderte
Demonstranten gegen Chavez auf die Straße gegangen. Die
jüngsten Proteste gegen den Präsidenten verschärften
sich nach einer Entscheidung der Wahlkommission des
südamerikanischen Landes, die Petition der Opposition für ein
Abwahl-Referendum gegen Chavez zurückzuweisen. Nach Angaben der
Opposition wurden in den vergangenen fünf Tagen 350 Personen
festgenommen.
Aus Protest gegen die Entwicklung in seinem Heimatland legte der
venezolanische UN-Botschafter Milos Alcalay am Donnerstag sein Amt
nieder. Seine diplomatische Karriere sei immer von den Prinzipien der
Menschenrechte, der Demokratie und des Dialogs geleitet gewesen,
erklärte Alcalay in New York. Diese gingen aber in Venezuela
zunehmend verloren. Er warf Chavez vor, auf Konfrontation zu gehen,
statt sich um Dialog und Versöhnung zu bemühen und
kritisierte scharf das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte
gegen Demonstranten.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Venezuela" unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv3/k0403020.htm#040301_e
http://home.t-online.e/home/boa-archiv3/k0403010.htm#04030105
http://www.jungewelt.de/2004/03-04/005.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-05/006.php
Neue Gespräche zwischen Serben und Albanern im Kosovo
Fr.05.03.04 - Vertreter von Serben und Albanern haben am Donnerstag ihre seit
fünf Monaten unterbrochenen direkten Gespräche über die
Zukunft der Provinz Kosovo wieder aufgenommen. Bei dem Treffen im
UN-Hauptquartier in Pristina ging es um Fragen der Energieversorgung,
wie EU-Vertreter Joly Dixon mitteilte. Zudem seien Themen für eine
weitere Gesprächsrunde vereinbart worden, die im April in Belgrad
stattfinden soll. Im Oktober waren beide Seiten erstmals nach dem Krieg
zu direkten offiziellen Verhandlungen in Wien zusammengetroffen.
Mehrere hundert Albaner demonstrierten in der Provinzhauptstadt gegen
die Gespräche; die albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo
dringt auf eine Unabhängigkeit der unter UN-Verwaltung stehenden
Provinz von Serbien-Montenegro.
(Quelle: ap)
Ungarn sperrt Arbeitsmarkt für heutige EU-Bürger
Fr.05.03.04 - Ungarn wird Arbeitnehmern aus den heutigen EU-Staaten die gleichen
Beschränkungen beim Zugang zum eigenen Arbeitsmarkt auferlegen wie
diese für Ungarn im jeweiligen EU-Land gelten. Die Regierung wolle
zwar bis zum EU-Beitritt am 1. Mai noch versuchen, eine Lockerung der
inzwischen von nahezu allen EU-Staaten angekündigten
Beschränkungen zu erreichen, sagte Regierungssprecher Zoltan J.
Gal. Ansonsten sollten im Gegenzug aber für bis zu sieben Jahre in
Ungarn die gleichen Einschränkungen gelten.
Die Regierung in Budapest hält die mit Ausnahme von Irland von
allen EU-Ländern angekündigten Restriktionen für
überflüssig. So sei die Arbeitslosenrate im Land mit 5,8
Prozent niedrig und die Mobilität der eigenen Arbeitnehmer gering,
heißt es. Daher sei nicht mit einem Massenandrang ungarischer
Arbeitskräfte zu rechnen.
Mit Ausnahme von Zypern und Malta erlauben die Beitrittsverträge
mit den acht anderen am 1. Mai beitretenden Ländern den bisherigen
EU-Staaten, ihren Arbeitsmarkt für die neuen EU-Bürger bis
2009 zu schließen. Bis längstens 2011 ist dies möglich,
wenn der Mitgliedstaat das Eintreten "schwerer Störungen" seines
Arbeitsmarkts durch die Öffnung nachweisen kann.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
EU-Erweiterung: Österreich schottet seinen Arbeitsmarkt ab
Do.26.02.04 - Im Vorfeld der EU-Erweiterung hat Österreich den Zugang für
den Arbeitsmarkt beschränkt... Mehr unter:
http://home.t-online.de/ home/boa-archiv3/k0402260.htm#04022611
Schweden gegen sofortige Freizügigkeit für neue EU-Staaten
Mi.04.02.04 - Schweden will nach dem Beitritt der zehn neuen EU-Mitglieder die
Freizügigkeit für Arbeitnehmer noch mindestens zwei Jahre
lang beschränken. Diese Ankündigung stellt eine Kehrtwende
der Regierung dar, die bislang für volle Freizügigkeit von
Anfang an eingetreten war... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#04020410
Den Haag will Arbeitsmarkt für neue EU-Bürger zunächst
schließen
Sa.14.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Staaten sollen in den Niederlanden
zunächst nur dann eine Arbeit aufnehmen dürfen, wenn die
Stelle nicht mit einem Niederländer besetzt werden kann... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021414
London knüpft Freizügigkeit für neue EU-Staaten an
Bedingungen
Di.24.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten sollen in
Großbritannien für mindestens zwei Jahre nur eine bedingte
Arbeitserlaubnis erhalten. Zunächst haben sie auch keinen Anspruch
auf Sozialleistungen... Mehr unter:
http://home.t-online.deome/boa-archiv3/k0402240.htm#04022415
Klimaforscher küren Sommer 2003 zum heißesten seit 500 Jahren
Fr.05.03.04 - Europa ist 2003 von dem heißesten Sommer der vergangenen 500
Jahre in den Schwitzkasten genommen worden. Zu diesem Ergebnis kommen
Klimaforscher der Universität Bern in einem Beitrag für die
jüngste Ausgabe der US-Wissenschaftszeitschrift.
Klimamodelle ließen die Vermutung zu, dass vom Jahr 2070 an vor
allem wegen des Treibhauseffektes jeder zweite Sommer mindestens
genauso warm wie oder sogar noch heißer als der des vergangenen
Jahres werde. Der kühlste Sommer seit dem Jahr 1500 sei 1902
registriert worden.
Aus der Statistik der Klimaforscher geht weiter hervor, dass Europa im
Jahr 1708/1709 unter dem kältesten Winter litt. Die Temperaturen
lagen in weiten Teilen Europas und dem Westen Russlands sieben Grad
Celsius unter den Durchschnittswerten. Zwar seien schon zwischen 1684
und 1738 mildere Winter beobachtet worden, aber der wärmste Winter
sei 1989/1990 gewesen, heißt es weiter. Mit einer
Zuverlässigkeit von 85 Prozent lasse sich sagen, dass die Winter
der vergangenen 30 Jahre im Mittel so warm wie nie zuvor in einer
vergleichbaren Zeitspanne seit dem Jahr 1500 gewesen seien.
Die Klimaforscher haben nach eigenen Angaben von 1500 bis 1658 die
Temperaturen nach Jahreszeiten rekonstruiert und danach für jeden
Monat. Dabei seien umfangreiche Daten ausgewertet worden, die unter
anderem aus Archiven früherer Jahrhunderte, verlässlichen
Instrumentenmessungen, aber auch von Eiskernen aus Grönland und
Baumringen aus Skandinavien sowie Sibirien stammten. Das untersuchte
Gebiet in Europa reicht von Skandinavien im Norden bis zum
Südzipfel Spaniens und von Island im Westen bis Russland und die
Türkei im Osten.
(Quelle: dpa)
EU-Kommission mahnt strenge Vergabe von Emissionsrechten an
Fr.05.03.04 - Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat die nationalen
Regierungen vor einer zu großzügigen Verteilung von
Emissionsrechten zum Ausstoß von Treibhausgasen an Industrie und
Energiewirtschaft gewarnt.
Notfalls werde die EU-Kommission die Genehmigung nationaler
Verteilungspläne zum Emissionshandel verwehren und Nachbesserungen
verlangen, sagte der zuständige Abteilungsleiter der Behörde,
Jos Delbecker, am Donnerstag in Brüssel.
In der EU startet im kommenden Jahr der Handel mit Emissionsrechten.
Mit ihm will die Gemeinschaft ihre Ziele nach dem Klimaschutzabkommen
von Kyoto erfüllen und die damit verbundenen Lasten nach
marktwirtschaftlichen Prinzipien verteilen. In Deutschland ist die
Verteilung der Rechte zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium
umstritten.
Die nationalen Verteilungspläne sind Grundlage für den
weltweit ersten Handel mit Emissionsrechten, der am 1. Januar startet.
Bei den Verteilungsplänen geht es neben umweltpolitischen
Erwägungen auch um viel Geld. Denn Unternehmen, die mehr Rechte
zugeteilt werden als sie benötigen, können diese an andere
verkaufen. Den Preis sollen Angebot und Nachfrage bestimmen.
Der Streit zwischen Umweltminister Jürgen Trittin und
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement über die Verteilung der
Rechte geht am heutigen Freitag in einem Spitzengespräch mit
Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier in eine neue Runde.
Die Kommission unterstützt eine strenge Vergabe. "Es ist nicht im
Interesse der Mitgliedstaaten, zu großzügig Emissionsrechte
zu vergeben", sagte Delbecker. Er erinnerte daran, dass jedes Land
seine Klimaschutzziele erfüllen müsse. Wenn Energiewirtschaft
und Großindustrie viel Kohlendioxid und andere für die
Erderwärmung verantwortlich gemachte Treibhausgase ausstoßen
dürften, müsse umso mehr im Verkehrsbereich eingespart
werden. Dies sei jedoch deutlich teurer und schwieriger zu erreichen.
Zugleich warnte der Kommissionsvertreter die EU-Regierungen davor, die
Frist für die Abgabe ihrer Pläne Ende März zu
versäumen. "Wir werden nicht zögern, Mahnschreiben zu
verschicken."
Trittin hatte einen Plan für die Erstverteilung der Rechte
vorgelegt, der eine durchschnittliche Abnahme der Emissionen der rund
2600 Anlagen in Deutschland um 7,5 Prozent bis 2007 bedeuten
würde. Das Wirtschaftsministerium fürchtet dadurch eine zu
starke Belastung der deutschen Wirtschaft.
"Wir haben den Ländern klar gemacht, dass sich ein Markt nur bei
Knappheit entwickeln kann", sagte Delbecker. Er erinnerte daran, dass
die Entscheidung über die Pläne bei der EU-Kommission liege,
auch wenn die nationalen Regierungen einen Spielraum bei der Verteilung
der Rechte hätten.
Falls die Pläne nicht den EU-Vorgaben entsprechen, müssten
die Länder nachbessern, sagte der Kommissionsvertreter. Wenn es
zum Start des Emissionshandel keinen gültigen Plan gebe, sei dies
ein Rechtsbruch, den die Kommission notfalls mit einer Klage vor dem
Europäischen Gerichtshof ahnden werde.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Stillstand auf dem Weg zum Klimaschutz
Do.04.03.04 - Auf dem Weg zu Deutschlands Klimaschutzzielen herrscht praktisch
Stillstand. Wegen des kalten Wetters stieg der energiebedingte
Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,4 Prozent an, wie das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin berichtete. Ohne die
Wettereinflüsse kommt man laut DIW rechnerisch auf eine
Verminderung um 0,6 Prozent. Angesichts der Wirtschaftsflaute sei dies
wenig. Der Ausstoß von Kohlendioxid liegt damit den Angaben zufolge
temperaturbereinigt um 17 Prozent unter dem Wert von 1990. Die
Bundesregierung hatte jedoch versprochen, bereits im kommenden Jahr um
25 Prozent darunter zu liegen. Die Regierung hat dieses Ziel seit
längerem nicht mehr erwähnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030413
Mehr zum Thema "Klimawandel und Emissionshandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304ah
EU-Kommission rechnet mit stabilem Wachstum
Fr.05.03.04 - Die EU-Kommission hat ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum
in der Euro-Zone im laufenden und im kommenden Quartal bekräftigt.
Demnach rechnet die Brüsseler Behörde für das erste und
das zweite Vierteljahr 2004 jeweils mit einem Anstieg des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,3 bis 0,7 Prozent zum jeweiligen
Vorquartal, wie die Kommission am Donnerstag mitteilte. Im vierten
Quartal 2003 stieg das BIP im Währungsraum um 0,3 Prozent zum
Vorquartal und um 0,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das
Europäische Statistikamt Eurostat mitteilte. Es bestätigte
damit eine frühere Schätzung. Für das Gesamtjahr 2003
berechneten die Statistiker ein Wachstum von 0,4 Prozent nach 0,9
Prozent im Vorjahr.
"Unsere Prognosen legen nahe, dass sich das Wachstum in der Euro-Zone
nach der Wende im dritten Quartal 2003 stabilisiert", erklärte die
Kommission.
(Quelle: rtr)
Auftragsminus der Industrie nährt Zweifel an Aufschwung
Fr.05.03.04 - Der starke Euro und die schwache Binnennachfrage haben im Januar das
Neugeschäft der deutschen Industrie einknicken lassen. Einige
Experten befürchten bereits, dass der zaghafte Aufschwung den
Zenit schon überschritten hat.
Der Auftragseingang habe zum Dezember saisonbereinigt um zwei Prozent
abgenommen, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
(BMWA) am Donnerstag in Berlin mit. Dabei verbuchte die Industrie 2,8
Prozent weniger Nachfrage aus dem Ausland, was das BMWA auch auf den
starken Euro zurückführte. Die Bestellungen aus dem Inland
gingen um 1,2 Prozent zurück. Vor allem die fehlende
Investitionsgüter-Nachfrage besorgte die Experten, da der Bedarf
etwa an Maschinen und Anlagen als entscheidend für eine Erholung
der deutschen Wirtschaft gilt.
"Das sind wirklich bittere Zahlen", sagte Andreas Scheuerle von der
DekaBank. Nachdem der Auftragseingang zuvor sieben Monate in Folge
angestiegen war, hatten Analysten ein erneutes Plus von 0,2 Prozent
erwartet. "Wir reden schon jetzt nicht von einem Aufschwung, weil die
Aufwärtsbewegung zu schwach und zu kurzlebig ist", sagte
Scheuerle. Die Wachstumsraten würden im zweiten Halbjahr wieder
geringer.
Den Angaben zufolge verbuchten Konsumgüterproduzenten 6,8 Prozent
weniger Aufträge, wobei die Nachfrage aus dem In- und Ausland
gleichermaßen schwach war. Vorleistungsgüterproduzenten
blickten auf ein Order-Minus von 0,2 Prozent. Die Bestellungen für
Investitionsgüter gingen um 2,2 Prozent zurück.
Im Zwei-Monats-Vergleich Dezember/Januar zu Oktober/November nahm das
Auftragsvolumen insgesamt um 0,7 Prozent zu und lag 1,6 Prozent
über dem Niveau vom Januar 2003.
Eine besondere Verantwortung für den Rückgang der Orders aus
dem Ausland schrieb das Ministerium dem starken Euro zu, der innerhalb
eines Jahres um 20 Prozent zum Dollar an Wert gewonnen hatte: "Der
Rückgang der Auslandsaufträge im Januar dürfte zum Teil
auch auf den deutlichen Anstieg des Euro-Wechselkurses
zurückzuführen sein." Jörg Krämer von der
Fondsgesellschaft Invesco pflichtete dieser Erklärung bei. Der
starke Euro dämpfe auch die Binnennachfrage, weil er die Margen
der Unternehmen schmälere und damit ihre Nachfrage nach
Investitionsgütern.
Elga Bartsch von der Investmentbank Morgan Stanley warnte aber vor
einer einseitigen Erklärung. Möglicherweise habe auch eine
Rolle gespielt, dass sich das Wachstum in China verlangsame, das im
letzten Jahr für die Hälfte des deutschen Exportwachstums
verantwortlich gewesen sei. Scheuerle sagte, über den Euro-Effekt
lasse sich trefflich streiten. Es könne aber durchaus sein, dass
sich erste Bremswirkungen nun zeigten.
Zweifel an der weiteren Konjunkturentwicklung schürte auch der
Rückgang der Inlands-Bestellungen von Investitionsgütern.
"Diese Art von Investitionen sind entscheidend für eine Erholung
in Deutschland", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Der
Aufschwung müsse seine Stärke von der Binnenwirtschaft
bekommen. Bartsch sprach bereits vom Ende des starken
Industrie-Aufschwungs vom letzten Quartal 2003.
Einen starken Aufschwung im Jahresverlauf erwartet keiner der Analysten
mehr. Elisabeth Andreae von der Commerzbank sagte, der Funke der
anziehenden Weltkonjunktur sei offenbar noch nicht übergesprungen.
Scheuerle ergänzte, zwar könne er sich in den nächsten
Monaten einen weiteren Anstieg der Aufträge vorstellen.
"Prinzipiell muss man sich aber darauf gefasst machen, dass wir ab
Jahresmitte wieder schwächere Zahlen sehen werden." Bartsch
hält es für möglich, dass sich das Wirtschaftswachstum
noch etwas beschleunigt, Wachstumsraten oberhalb der Trendrate seien
aber nicht über Nacht zu erwarten, zumal sich auch die
jüngsten Konjunktur-Umfragen unter den Unternehmen eingetrübt
hätten.
So war der Ifo-Geschäftsklima-Index im Februar wegen
vorsichtigerer Zukunftseinschätzungen der Betriebe erstmals seit
Frühjahr 2003 gefallen. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index hatte
dagegen weiter eine Verbesserung der Industrie-Geschäfte
signalisiert, allerdings bei einer gleichzeitigen Verlangsamung des
Auftragswachstums.
(Quelle: rtr)
Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert - Zahl der Arbeitslosen auf
4,64 Millionen gestiegen
Fr.05.03.04 - Die Zahl der Arbeitslosen ist im Februar nur wegen statistischer
Änderungen unter einer neuen Höchstmarke der rot-grünen
Regierungszeit geblieben. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in
Nürnberg mitteilte, stieg die Arbeitslosenzahl um knapp 44.000 auf
4,64 Millionen. Damit lag sie zwar um 66.000 niedriger als im Februar
vor einem Jahr. Wäre die Statistik nicht geändert worden,
hätte die Zahl der Arbeitslosen allerdings auch im Jahresvergleich
um 1700 höher gelegen und den damals erreichten Höchststand
übertroffen.
Der neue BA-Chef Frank-Jürgen Weise führte den Anstieg auf
den reduzierten Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und die
strenge Witterung zurück. Weise sagte, "die jüngste
ungünstige Entwicklung der Arbeitslosigkeit resultiert vor allem
daraus, dass die konjunkturellen Belastungen zuletzt nicht mehr durch
Arbeitsmarktpolitik ausgeglichen wurden". Auch die anhaltende
Winterpause sei für den Anstieg mitverantwortlich.
Allerdings nahm die Arbeitslosenzahl auch saisonbereinigt um 26.000 zu.
Dies ist der zweite Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl in
Folge, nachdem es im vierten Quartal 2003 noch deutliche
Rückgänge gegeben hatte.
Durch die von der Bundesregierung zu Jahresbeginn in Kraft gesetzte
statistische Änderung werden Teilnehmer an Eigungsfeststellungs-
und Trainingsmaßnahmen nicht mehr als arbeitslos registriert.
Die Erwerbstätigkeit nahm zuletzt weiter ab. Nach den
jüngsten vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamts
verringerte sie sich im Dezember jahreszeitlich bedingt gegenüber
November um 151.000 auf 38,46 Millionen Erwerbstätige. Dies waren
175.000 weniger als im Dezember des Vorjahres. Saisonbereinigt
verringerte sich die Erwerbstätigkeit allerdings mit einem Minus
von 2000 kaum noch. Weise sprach von Frühindikatoren, die hoffen
lassen würden.
Die Arbeitslosenquote lag im Februar bei 11,1 Prozent nach elf Prozent
im Januar und 11,3 Prozent vor einem Jahr. Im Westen stieg die
Arbeitslosenzahl gegenüber dem Januar um 18.200 auf 2,95
Millionen, im Jahresvergleich nahm sie leicht um 5900 ab. Die
Arbeitslosenquote lag dort gegenüber Januar unverändert bei
8,9 Prozent, vor einem Jahr hatte sie bei neun Prozent gelegen. In
Ostdeutschland stieg die Zahl der Jobsuchenden um 25.400 auf knapp 1,7
Millionen. Gegenüber dem Vorjahres-Februar war dies ein
Rückgang um 60.000. Die Arbeitslosenquote lag in Ostdeutschland
bei 19,4 Prozent, nach 19,1 Prozent im Januar und 19,9 Prozent vor
einem Jahr.
(Quelle: afp)
Sozialexperten fordern höheres Existenzminimum
Fr.05.03.04 - Die Bereitschaft, der Sozialkahlschlagspolitik der Bundesregierung
aktiven Widerstand entgegenzusetzen, wächst offenbar auch in den
etablierten, traditionellen Sozialverbänden. Mit sichtbarer
Empörung verurteilten Vertreter der Nationalen Armutskonferenz
(NAK), einem Zusammenschluß aller großen
Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonisches
Werk und Deutsches Rotes Kreuz, und verschiedener Verbände sowie
freier Träger am Donnerstag in Berlin die geplanten Neuregelungen
bei der Sozialhilfe, die im April im Bundestag verabschiedet werden und
im kommenden Jahr in Kraft treten sollen.
Die "Gewährung der Menschenwürde ist inzwischen in
Deutschland offenbar konjunkturabhängig", bewertete der scheidende
NAK-Sprecher Paul Saatkamp die geplante Gesetzesnovelle und
darüber hinaus die pauschale Absenkung der Arbeitslosenhilfe.
Durch die Neuberechnung der Regelsätze und die Pauschalierung von
Sonderausgaben wie Kleidung würden dann insgesamt fünf
Millionen Menschen, darunter 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche, in
ein "Armutsghetto" abgeschoben werden. Es sei bezeichnend, daß
besonders Paare mit Kindern und Alleinerziehende durch die
Neuregelungen überproportional belastet würden. Ferner seien
die beträchtlichen Mehraufwendungen, die durch Praxisgebühren
und andere Zuzahlungen im Gesundheitswesen auf Bedürftige
zukämen, in keiner Weise bei der pauschalierten
Regelsatzberechnung berücksichtigt worden. Da die Anpassung der
Regelsätze zudem nicht an die Steigerung der Lebenshaltungskosten,
sondern an die Rentenerhöhungen gekoppelt sind, würden sich
die Existenzbedingungen für diesen Personenkreis kontinuierlich
weiter verschlechtern, so Saatkamp. Dabei sei allgemein bekannt,
daß das Niveau der Sozialhilfe kaufkraftbereinigt bereits jetzt
zehn Prozent unter dem von 1992 und 16 Prozent unter dem sogenannten
soziokulturellen Mindestbedarf liegt. Er bezifferte das Gesamtvolumen
der geplanten Leistungskürzungen für Arbeitslosen- und
Sozialhilfeempfänger im kommenden Jahr auf bis zu sieben
Milliarden Euro.
Saatkamps Nachfolger im NAK-Sprecheramt, Hans-Jürgen Marcus, wies
besonders auf den Zusammenhang zwischen der Absenkung von
Sozialleistungen und des allgemeinen Lohnniveaus hin. Durch die
Vorgaben der "Agenda 2010" und der "Hartz-Gesetze" solle die
existenzsichernde Funktion der Unterstützung für Erwerbslose
bewußt ausgehebelt werden. Erklärtes Ziel sei es, daß
Arbeitslose »jede Arbeit zu jedem Preis« annehmen – mit
entsprechenden Folgen für das allgemeine Lohnniveau. Auch Studien
von Sozialwissenschaftlern und vom DGB schlagen Alarm: Demnach
gehören bereits zehn Prozent aller Erwerbstätigen zur Gruppe
der »Einkommensarmen«, die trotz Erwerbstätigkeit
Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen hätten. Durch die
»faktische Wiedereinführung der Tagelöhnerei«
werde für viele Menschen die Zukunft von einem
»Drehtüreffekt« zwischen Sozialleistungen unterhalb
des Existenzminimums und zeitweiligen Billigjobs geprägt sein,
prophezeite Saatkamp.
Als besonders skandalös bezeichnete es der scheidende
NAK-Sprecher, der sich nach eigenem Bekunden seit Jahrzehnten "als
Sozialdemokrat den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und
Solidarität verpflichtet fühlt", daß "ausgerechnet eine
SPD-Regierung für eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich
verantwortlich ist". Generell sehe er bei den Politkern, egal welcher
Partei, keine Bereitschaft mehr, sich mit dem Problem der wachsenden
Armut überhaupt auseinanderzusetzen. Nur eine "schlagkräftige
neue APO", also eine außerparlamentarische Opposition nach dem
Vorbild der 68er Studentenbewegung in der BRD, böte die Chance,
die soziale Frage wieder in den Mittelpunkt der politischen Diskussion
in Deutschland zu befördern. Die geplanten
Großdemonstrationen in Berlin, Köln und Stuttgart im Rahmen
der Europäischen Aktionstage für Arbeit und soziale
Gerechtigkeit am 2. und 3. April seien dabei ein wichtiger Schritt.
(Quelle: junge welt)
Nationale Armutskonferenz:
http://www.nationale-armutskonferenz.de/
43 Prozent spüren keine Steuerentlastung
Fr.05.03.04 - Die Steuerreform zu Anfang des Jahres kommt bei der Mehrheit der
Deutschen kaum an. Nach einer Umfrage der Meinungsforschungsinstituts
Forsa für die «Financial Times Deutschland»
(Freitagausgabe) spüren nur 42 Prozent der Beschäftigten
einen Anstieg ihres Nettoeinkommens. 43 Prozent der rund 1000 befragten
Arbeitnehmer gaben dagegen an, dass ihr Nettoeinkommen stagniere oder
sogar gesunken sei.
Selbst von denen, die eine Entlastung verspüren, sagten knapp 50
Prozent, dass sie mit einem stärkeren Einkommenszuwachs gerechnet
hätten. Nur knapp ein Drittel der Beschäftigten fand, dass
die Entlastung ihren Erwartungen entsprach. Für lediglich 14
Prozent fielen sie höher aus als erwartet.
Die Ergebnisse der Umfrage dämpfen Hoffnungen, dass die
Steuersenkung einen starken Konsumschub auslösen könnte.
Ohnehin war die Wirkung der Steuerreform verringert worden, weil
Koalition und Opposition das Entlastungsvolumen im
Vermittlungsausschuss im Dezember halbiert hatten.
(Quelle: ddp)
Köhler und Schwan treten bei Präsidentenwahl an
Fr.05.03.04 - Nach monatelangem Tauziehen um einen Bundespräsidenten-Kandidaten
wollen Union und FDP mit der Wahl von IWF-Chef Horst Köhler den
Machtwechsel in Berlin einleiten.
Die gemeinsame Nominierung des international anerkannten
Wirtschaftsexperten sei ein Signal für eine langfristige
bürgerliche Alternative gegen Rot-Grün, erklärten die
Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber,
am Donnerstag in Berlin. FDP-Chef Guido Westerwelle versicherte, seine
Partei stehe geschlossen hinter Köhler.
Rot-Grün wird die Präsidentin der Viadrina-Universität
Frankfurt (Oder) Gesine Schwan in die Abstimmung über die
Nachfolge von Johannes Rau am 23. Mai schicken. Die Partei- und
Fraktionsspitzen der Koalition hatten sich erst am Morgen auf die 60
Jahre alte Sozialdemokratin Schwan verständigt.
Obwohl der Einigung von Union und FDP auf den Christdemokraten
Köhler ein beispielloser Kandidaten-Poker vorausgegangen war,
zeigten sich Merkel, Stoiber und Westerwelle überzeugt, dass sich
der 61-Jährige bei der Wahl bereits im ersten Durchgang
durchsetzt. In der Bundesversammlung haben Union und FDP 21 Stimmen
mehr, als für die absolute Mehrheit notwendig ist.
Köhler sagte in Washington, er habe die Bundespräsidentschaft
nie angestrebt, fühle sich aber der Aufgabe gewachsen. Er
könne mit seiner Erfahrung etwas einbringen, «was
Deutschland jetzt vor allen Dingen braucht, nämlich eine
Diskussion und einen Prozess der Veränderungen nicht nur in der
Wirtschaft». Er war vor seiner IWF-Tätigkeit unter anderem
Spitzenberater von Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) und Chef des
Sparkassenverbandes.
Gesine Schwan rechnet sich trotz der Oppositionsmehrheit in der
Bundesversammlung durchaus Chancen aus, wie sie bei einem
New-York-Aufenthalt erklärte. Sie könne sich vorstellen, dass
einige Unionsmitglieder nach dem Kandidatenpoker bei der geheimen Wahl
ihren eigenen Weg gingen und sie wählten.
Köhler ist einer der ranghöchsten deutschen Vertreter in
internationalen Organisationen. Er legte sein IWF-Amt mit sofortiger
Wirkung nieder. Ein deutscher Nachfolger gilt als unwahrscheinlich,
weshalb Finanzexperten den Weggang kritisierten. Insgesamt
begrüßte die Wirtschaft die Nominierung aber.
CDU, CSU und FDP hatten sich nach einer erneuten Nachtsitzung der
Parteispitzen auf Köhler geeinigt. Er war von Merkel ins
Gespräch gebracht worden. Sie war mit Blick auf eine künftige
Koalition für eine Einigung mit der FDP eingetreten. Diese hatte
eine Nominierung des Ex-CDU-Chefs Wolfgang Schäuble als
gemeinsamer Kandidat abgelehnt.
Merkel und Stoiber äußerten Bedauern, dass Schäuble
nicht durchsetzbar gewesen sei. Eine gemeinsame Entscheidung mit der
FDP sei aber wichtig gewesen, sagte Merkel. Stoiber verwies darauf,
dass CDU und CSU alleine keine Mehrheit in der Bundesversammlung haben.
Im CDU-Präsidium hatte es zuvor heftige Kritik am Verfahren
gegeben. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch aber auch
Fraktionsvize Friedrich Merz bemängelten, dass sich Merkel nicht
stärker für Schäuble eingesetzt habe. Koch nannte die
Suche «chaotisch». Bedenken äußerten auch andere
Unionspolitiker.
Vor der Bekanntgabe der Kandidatur Köhlers hatte Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) die Nominierung Schwans mitgeteilt. Die
Politologin sei keine Zählkandidatin, die Koalition werde
geschlossen für sie stimmen. Nach Ansicht des
Grünen-Vorsitzenden Reinhard Bütikofer steht sie für ein
«modernes und europäisches Deutschland».
Der Kanzler kritisierte indirekt die Kandidatensuche von Union und FDP.
Das Verfahren zeige, wie mit Menschen und Politik umgegangen werde. Der
designierte SPD-Chef Franz Müntefering sagte: «Das ist eine
Mischung aus Dilettantismus und Unzulänglichkeit, Arroganz und
gnadenlosem Umgang miteinander.» Zu Köhler sagte
Schröder, an dessen fachlicher Kompetenz gebe es «nicht das
Geringste auszusetzen». Er selbst habe ihn als IWF-Chef
vorgeschlagen.
DGB-Chef Michael Sommer hat sich kritisch über die Entscheidung
von Union und FDP zur Kandidatur von Horst Köhler für das Amt
des Bundespräsidenten geäußert. «Was wir
brauchen, ist ein Bürgerpräsident. Wir brauchen einen, bei
dem mehr als nur ökonomischer Sachverstand da ist», sagte
Sommer am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung «Berlin
Mitte». Mit der Entscheidung für IWF-Chef Köhler und
nicht für den UNO-Umweltchef Klaus Töpfer habe das
bürgerliche Lager deutlich gemacht, dass man nicht auf Umwelt,
sondern auf Ökonomie setze.
Sommer, der als Mitglied der Bundesversammlung bei der Wahl des
Bundespräsidenten mit abstimmt, sprach sich deutlich für die
Kandidatin von SPD und Grünen, Gesine Schwan, aus. Sie könne
Deutschland «modern und sozial repräsentieren».
Die Nominierung von IWF-Direktor Horst Köhler zum
Präsidentschaftskandidaten wird von Vertretern der deutschen
Wirtschaft unterstützt. Köhler sei eine auch international
hoch geschätzte Persönlichkeit, sagte Commerzbank-Chef
Klaus-Peter Müller dem «Handelsblatt»
(Freitagausgabe). Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
sprach von einem hervorragend geeigneten Kandidaten. Kritik kam von
Globalisierungskritikern und Frauenrechtlerinnen.
Commerzbank-Chef Müller sagte, Köhler verfüge über
hohe Integrationskraft und einen enormen Erfahrungsschatz. Manfred
Weber, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsmitglied des
Bundesverbandes deutscher Banken, nannte Köhlers Nominierung ein
gutes Signal für die Reformpolitik in Deutschland. Der
frühere Präsident der Bundesbank, Hans Tietmeyer, lobte
Köhler im «Mannheimer Morgen» als
«überzeugende Persönlichkeit mit großer
politischer und internationaler Erfahrung.»
BDI-Chef Michael Rogowski bedauerte zwar einerseits, dass die
Fähigkeiten des nicht nominierten ehemaligen CDU-Vorsitzenden
Wolfgang Schäuble nicht genutzt würden. Köhler sei aber
hervorragend geeignet. «Wir brauchen an der Spitze unseres Landes
eine Persönlichkeit, die uns nach außen als weltoffenes Land
präsentiert und nach innen mit den zum Teil unangenehmen, aber
nötigen Reformen versöhnt», sagte Rogowski in Berlin.
Köhler verfüge über ökonomische und soziale
Kompetenz.
Enttäuscht reagierten die Globalisierungskritiker von Attac und
die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Der IWF-Experte bei Attac, Peter
Wahl, kritisierte in Frankfurt am Main, Köhler stehe für
«die neoliberale Politik des Internationalen Währungsfonds,
die nicht den Menschen, sondern den multinationalen Konzernen»
diene. Köhler sei ein «rhetorischer
Süßholzraspler» und habe die unsozialen und
entwicklungsfeindlichen Maßnahmen des IWF faktisch stets
mitgetragen.
Die Frauenrechtlerin Schwarzer sagte im NDR, sie habe mit Zorn zur
Kenntnis genommen, dass zunächst die baden-württembergische
Kultusministerin Annette Schavan als mögliche Favoritin gehandelt
worden sei, «und dann regeln die Jungs das unter sich».
Zunächst habe sie geglaubt, jetzt komme eher aus Verlegenheit doch
endlich eine Frau auf das höchste Staatsamt. «Und nun sehen
wir, dass die Herren im allerletzten Augenblick, wie ein Kaninchen aus
dem Hut, einen Mann zaubern, den die meisten Deutschen nicht kennen
werden», sagte Schwarzer. Auch Hildegard Hamm-Brücher, die
1994 für die FDP bei der Bundespräsidenten-Wahl kandidierte,
aber 2002 aus der Partei austrat, forderte eine Bundespräsidentin.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, kritisierte,
bei der Kandidaten-Suche seien Personen beschädigt worden.
«Vor allem Schäuble hat es nicht verdient, so aufgerieben zu
werden», sagte Spiegel dem «Mannheimer Morgen».
Dennoch sei Köhler «eine Persönlichkeit, die dieses Amt
sehr gut ausfüllen wird.»
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Forderungen nach Direktwahl des Bundespräsidenten
Mi.03.03.04 - Die von Parteitaktik geprägte Suche nach einem Kandidaten für
das Amt des Bundespräsidenten lässt Forderungen nach einer
Direktwahl des Staatsoberhaupts laut werden. Bald nach der Wahl im Mai
müssten die Bürger aktiviert werden, damit sie entsprechende
Petitionen schreiben, sagte am (heutigen) Mittwoch die frühere
FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, die selbst 1994 Kandidatin
war. Die derzeitige Kandidatensuche innerhalb des bürgerlichen
Lagers nannte sie den "Höhepunkt der Verkommenheit unserer
politischen Kultur"... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#04030319
Stichwort: Bundespräsident
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#040303_m
Gesamte Ausspäh-Praxis soll auf den Prüfstand
Fr.05.03.04 - Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Großen
Lauschangriff hat der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter
Schaar, eine Überprüfung der gesamten Ausspäh-Praxis
gefordert. Diese «Generalrevision» müsse die
Telefonüberwachung und den Einsatz von verdeckten Ermittlern
umfassen, sagte Schaar dem Berliner «Tagesspiegel»
(Freitagausgabe). «Wann immer ein unantastbarer Kernbereich der
Privatsphäre berührt ist, müssen die Ermittlungen sofort
beendet werden.»
Was das Bundesverfassungsgericht für das Abhören von
Wohnungen gefordert habe, gelte auch für das Mithören bei
Telefonaten, erklärte Schaar: «Wenn Gesprächspartner
sich über private oder sogar intime Dinge unterhalten, darf der
Staat nicht mithören.» Auch solle Telefonüberwachung
nur bei Verdacht schwerer Straftaten zulässig sein.
Die für die Wohnraumüberwachung geltende Berichtspflicht
müsse in vergleichbarer Weise auch auf die Telefonüberwachung
und auf verdeckte Ermittlungen ausgedehnt werden, sagte der
Datenschutzbeauftragte. «Wenn die Aktion beendet ist, müssen
die Betroffenen informiert werden.»
Nach dem am Mittwoch verkündeten Urteil des Verfassungsgerichts
darf das heimliche Abhören von Wohnungen zwecks Aufklärung
von Straftaten nur noch angeordnet werden, wenn es um schwere, mit
über fünf Jahren Haft bedrohte Straftaten geht. Zudem sind
Lauschaktionen sofort abzubrechen, wenn in der Wohnung Gespräche
mit engen Angehörigen geführt werden, die nicht als
Tatbeteiligte verdächtig sind. Das gilt auch für
Gespräche mit Ärzten, Geistlichen oder Strafverteidigern.
Schaar forderte, die Folgerungen aus dem Urteil dürften sich nicht
auf Strafverfolgungsmaßnahmen beschränken, sondern auch
Vorbeugemaßnahmen einschließen. «Es ist auch
möglich, dass die Polizeigesetze der Länder geändert
werden müssen», sagte er. Dennoch blieben Geheimermittlungen
einschließlich technischer Überwachungen praktikabel. Er sei
sehr optimistisch, dass die Regierung eine Lösung finde, die
sowohl dem Datenschutz als auch dem Bedürfnis nach Sicherheit und
Strafverfolgung Rechnung trage.
(Quelle: ap)
Neue Hinweise auf Kernfusion im Labormaßstab
Fr.05.03.04 - Während die internationale Forschergemeinde noch über den
künftigen Standort des geplanten experimentellen
Forschungsreaktors Iter diskutiert, haben Rusi Taleyarkhan und
Kollegen neue Beweise für die Möglichkeit einer Kernfusion im
Labormaßstab gesammelt. Eine Fusion von schwerem Wasserstoff zu
Helium lässt sich in der Regel nur unter extremem Druck und hoher
Temperatur realisieren -- die Fusion im Labormaßstab würde
eine vergleichsweise billige und nahezu unerschöpfliche
Energiequelle bieten...
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/45252
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30.april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel. 089-39 43 66
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Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html