Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Verfassungsunterzeichnung in Irak verschoben - Schiiten haben
Eimwände gegen die den Kurden zugestandenen Autonomierechte -
Radikal-schiitische Mullahs wenden sich in Freitagsgebeten gegen den
Verfassungstext: Charta sei von nicht gewähltem Gremium
unter US-Dominanz erarbeitet worden +++ Frankreich und Russland
für internationale Irak-Konferenz +++ Irak-Krieg hatte laut Blix
keine rechtliche Grundlage +++ USA vertrauten angeblich irakischem
Überläufer
Sa.06.03.04 - Verhandlungen in letzter Minute haben die geplante Unterzeichnung der
irakischen Übergangsverfassung verzögert. Der Bagdader
Regierungsrat hat am frühen Samstagmorgen eine Einigung bis Montag
angekündigt. Die Ratsmitglieder würden dann zusammenkommen,
um die noch offenen Fragen zu klären und ihre Unterschrift zu
leisten. Die Unterzeichnung war am Freitag verschoben worden, da die
Schiiten Einwände gegen eine Klausel erhoben, die ihrer
Meinung nach den Kurden zu viele Zugeständnisse machte.
Der Rat habe sich zu der Verschiebung entschlossen, da es "im neuen
demokratischen Irak wertvolle Gelegenheiten zum Austausch von
Positionen gibt, um eine Einigung in einer demokratischen
Atmosphäre zu erzielen", hieß es in der Erklärung vom
Samstagmorgen. Die Übergangsverfassung sollte ursprünglich am
Freitagnachmittag von den 25 Mitgliedern des von den USA eingesetzten
Rates unterzeichnet werden. Auf den Text hatte man sich nach langem
Ringen am vergangenen Montag geeinigt.
Einem Gewährsmann zufolge wandte sich der schiitische
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani jedoch gegen die den
Kurden zugestandenen Autonomierechte. Vorbehalte gab es offenbar auch
noch über die künftige Präsidentschaft, die
gemäß der Vorlage aus einem Staatsoberhaupt und zwei
Stellvertretern bestehen soll. Die Schiiten wollten dagegen eine
fünfköpfige rotierende Präsidentschaft.
Die Unterzeichnung der Übergangsverfassung musste bereits zwei Mal
verschoben werden. Schon am vergangenen Wochenende gab es
Unstimmigkeiten über den Text. Eine weitere Verzögerung
brachte die Staatstrauer nach den verheerenden Anschlägen zum
schiitischen Aschura-Fest am Dienstag.
Das sunnitische Verwaltungsratsmitglied Mahmud Othman verteidigte
derweil die neue Verfassung gegen Einwände, sie trage die
Handschrift der US-Verwalter: "Mit dem neuen Grundgesetz kann unser
Land regiert werden", sagte er dem Sender El Arabija. "Die Amerikaner
hatten Ideen und Vorschläge, aber es ist ein irakischer Entwurf.
Wer immer die Gesetze sieht, wird erkennen, dass es sich um die Arbeit
von Irakern handelt."
Mehrere radikal-schiitische Mullahs wandten sich in Freitagsgebeten
gegen den Text. Der höchste Imam des Bagdader Kasimija-Schreines,
Scheich Jawad el Chalisi, sagte, die Charta sei von einem nicht
gewählten Gremium unter US-Dominanz erarbeitet worden. "Ihr fehlt
die Legitimität." Moderatere schiitische Geistliche wie Sheich
Sadr-Aldin el Kubanji lobten den Text dagegen als Erfolg, weil er den
Islam als Staatsreligion anerkenne.
Vor allem um die Rolle des Islams in einem souveränen Irak war bis
zuletzt verhandelt worden. In dem Entwurf wird der Islam nun als eine
Quelle für die Gesetze genannt. Zudem ist festgelegt, dass kein
Gesetz gegen die Grundsätze der islamischen Religion
verstoßen darf.
Dem föderalen Staatssystem zufolge wäre es allen 18
irakischen Provinzen erlaubt, selbstständige Regionen zu werden.
Damit öffnet sich für die Schiiten die Tür zu einer
autonomen Region im Süden ähnlich der kurdischen
Selbstverwaltung im Norden. Details derartiger Entwicklungen
müsste jedoch eine Nationalversammlung festsetzen.
Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch kritisierte dagegen am
Freitag den ihrer Ansicht nach zu geringen Schutz für Frauen.
"Gleichberechtigung in der Familie, beim Erbe und hinsichtlich der
Bürgerrechte der Kinder dürfen nicht aufs Spiel gesetzt
werden", sagte LaShawn Jefferson. "Eine Übergangsverfassung
müsste diese Rechte explizit garantieren."
Frankreich und Russland haben sich am Freitag für eine
internationale Irak-Konferenz ausgesprochen. Sie forderten zugleich
eine größere Rolle der Vereinten Nationen bei der
Wiederherstellung der Stabilität in Irak, wie der
französische Außenminister Dominique de Villepin
erklärte. Villepin äußerte sich nach einem Treffen des
französisch-russischen Kooperationsrats für Sicherheitsfragen
in Paris. An den Gesprächen nahmen die Außen- und
Verteidigungsminister der beiden Staaten teil.
Unbekannte haben mehrere Mörsergranaten auf den Flughafen von
Bagdad gefeuert. Zudem explodierten am Freitagmorgen in der Hauptstadt
zwei an Straßen deponierte Bomben. Verletzt wurde nach US-Angaben
bei den Vorfällen niemand.
Der einflussreiche schiitische Großayatollah Ali Sistani hat am
Freitag mit einem religiösen Gutachten auf die blutige
Anschlagsserie zum Aschura-Fest reagiert und die illegale Einreise nach
Irak verboten. "Es ist unzulässig, nach Irak einzureisen, ohne
einen offiziellen Grenzposten zu passieren", heißt es in der der
Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Fatwa des Rechtsgelehrten, dessen
Ansichten von einem Großteil der Schiiten in Irak und anderen
Ländern befolgt werden. Sistani hatte zunächst die
Besatzungsmächte für die Anschlagsserie mit verantwortlich
gemacht, da diese nicht in der Lage seien, die Grenzen des Landes zu
schützen. Sowohl irakische Verantwortliche als auch die
Besatzungsmächte vermuten illegal nach Irak eingereiste
Kämpfer hinter den Anschlägen, bei denen am Dienstag nach
Angaben des irakischen Verwaltungsrats 271 Menschen getötet und
mehrere hundert verletzt wurden.
Die Informationen über angebliche mobile irakische Biowaffenlabore
vor dem Irak-Krieg sind angeblich von den USA ungeprüft aus
zweiter Hand übernommen worden. Wie die "Washington Post" unter
Berufung auf ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter und Experten im
US-Kongress berichtete, vertraute Washington offenbar blind einem
irakischen Überläufer, der den auf Krieg drängenden
Exil-Irakern nahe stand.
Der Informant sei nicht einmal von US-Geheimdienstlern persönlich
befragt worden; vielmehr habe sich Washington auf Berichte des Mannes
verlassen, die über andere Geheimdienste übermittelt worden
seien.
Die Existenz mobiler Biowaffenlabore war eine der zentralen
Informationen, die US-Außenminister Colin Powell kurz vor
Kriegsbeginn gegen Irak anführte. In der entscheidenden Sitzung
des UN-Sicherheitsrates im Februar vergangenen Jahres präsentierte
Powell Computerbilder von Labor-Lastwagen. Zwei Anhänger, die nach
dem Krieg in Irak gefunden wurden und fahrende Labore gewesen sein
sollten, dienten nach Ansicht von Experten jedoch anderen Zwecken.
Nach Informationen der "New York Times" halfen russische
Wissenschaftler in den Jahren vor dem Irak-Krieg der Führung in
Bagdad bei der Entwicklung von Langstreckenraketen. Die Ingenieure
hätten mit ihrer geheimen Tätigkeit gegen die Bestimmungen
des UN-Embargos verstoßen, berichtete die Zeitung unter Berufung
auf Erkenntnisse der US-Waffeninspekteure in Irak. Auch von
Weißrussland, der Ukraine und von Serbien sei Irak bei dem
Waffenprogramm unterstützt worden.
Die russischen Ingenieure arbeiteten nach Informationen der Zeitung
früher für die Raumfahrtbehörden ihres Landes, die enge
Verbindungen zur Regierung in Moskau haben. Damit stelle sich die
Frage, inwieweit Moskau über die illegale Tätigkeit der
Wissenschaftler informiert gewesen sei. Die USA hätten ihre
Entdeckung nach ihrem Einmarsch in Irak aber für sich behalten, um
die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zu
belasten, berichtete die Zeitung weiter unter Berufung auf
Geheimdienstmitarbeiter.
Die USA und Großbritannien hatten nach Ansicht des früheren
UN-Chefwaffeninspekteurs Hans Blix keine rechtliche Grundlage für
ihre Militäraktion gegen den Irak. Im britischen "Independent"
kritisierte Blix insbesondere das Fehlen einer zweiten UN-Resolution.
Er akzeptiere das Argument nicht, dass der Krieg auf Grund von
Verstößen des Irak gegen vorherige Resolutionen
gerechtfertigt gewesen sein. In Großbritannien wird heftig um die
Frage der rechtlichen Grundlage für die Militäraktion
gestritten.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Angehörige von Terroropfern empört über Bushs
Wahlkampfspots
Sa.06.03.04 - Angehörige der Terroropfer vom 11. September und Feuerwehrleute
sind empört über Fernseh-Wahlkampfspots von US-
Präsident George W. Bush. Sie werfen ihm vor, die Tragödie
von 2001 für politische Zwecke auszuschlachten.
Die am Donnerstag angelaufene TV-Werbung für Bushs Wiederwahl am
2. November zeigt den Präsidenten vor den rauchenden Trümmern
des bei den Anschlägen zerstörten New Yorker World Trade
Centers. Zu sehen sind auch Feuerwehrleute, die Tote bergen.
Die Gruppe «Familien vom 11. September für ein friedliches
Morgen» und die Internationale Vereinigung der Feuerwehrleute
riefen den republikanischen Präsidenten auf, die drei
beanstandeten Spots sofort zurückzuziehen. «Die Vorstellung,
dass Bush unsere Angehörigen dazu missbraucht, Stimmen für
sich zu sammeln, ist so beschämend, dass ich es kaum fassen
kann», zitierte die «Washington Post» eine New
Yorkerin. Sie hatte ihren Bruder bei den Anschlägen verloren.
Die Gewerkschaft der Feuerwehrleute war dem Blatt zufolge so
empört, dass sie im Schnellverfahren eine Resolution mit der
Aufforderung an Bush verabschiedete, die Spots einzustellen und sich
bei den Hinterbliebenen zu entschuldigen. «Wir finden Bushs
Verhalten absolut abscheulich», sagte der Vorsitzende der
Vereinigung, Harold Schaitberger. Bereits am Donnerstag hatten die
Demokraten scharfe Kritik an der Werbung geübt, in der sich Bush
als starke Führungspersönlichkeit angesichts der
Herausforderungen durch Terror und schwache Konjunktur präsentiert.
Das Weiße Haus und der Wahlkampfausschuss der Republikaner
verteidigten die Spots. «Der 11. September hat die Welt für
immer verändert», sagte Bush-Sprecher Scott McClellan.
«Die stete Führungskraft des Präsidenten hat
grundlegende Bedeutung für den Kampf gegen den Terrorismus.»
(Quelle: dpa)
Lage am US-Arbeitsmarkt bleibt enttäuschend schwach
Sa.06.03.04 - Trotz der kräftigen Konjunkturerholung bleibt in den USA die Lage
am Arbeitsmarkt im Jahr der Präsidentenwahl enttäuschend
schwach.
Im Februar stieg die Zahl der Beschäftigten in der
weltgrößten Volkswirtschaft deutlich geringer als von
Experten und an den Finanzmärkten erwartet. Analysten bezeichneten
die am Freitag vom US-Arbeitsministerium vorgelegten Daten als
Besorgnis erregendes Vorzeichen für die weitere Entwicklung der
Konsumausgaben und damit der Konjunktur insgesamt. Damit dürfte
auch US-Präsident George W. Bush zunehmend in Zugzwang geraten.
Finanzminister John Snow nannte die Daten enttäuschend, sagte aber
ungeachtet dessen eine Entspannung am Arbeitsmarkt im Zuge der weiteren
Konjunkturbelebung voraus. Die Börsen beiderseits des Atlantiks
und der Dollar reagierten mit kräftigen Verlusten auf den Bericht.
Zugleich nährte dieser aber auch die Erwartung, dass die Fed
später als angenommen die Zinsen anheben wird.
Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft
stieg im Februar um lediglich 21.000, während Analysten im Schnitt
mit einem erheblich stärkeren Plus von 125.000 Stellen gerechnet
hatten. Der Zuwachs ging dabei vollständig auf Neueinstellungen im
öffentlichen Dienst zurück, die Beschäftigung in der
Privatwirtschaft stagnierte dagegen. Die Arbeitslosenquote verharrte
wie von Analysten vorausgesagt bei 5,6 Prozent. Für eine
zusätzliche Enttäuschung sorgten die nach unten revidierten
Beschäftigungszahlen für die vorangegangenen Monate. Demnach
belief sich der Zuwachs im Januar auf lediglich 97.000 (bisherige
Schätzung: 112.000) und im Dezember auf nur 8000 (16.000) Stellen.
Der Arbeitsmarkt gilt bisher als die Achillesferse der
US-Konjunkturerholung. Das Wachstum der weltgrößten
Volkswirtschaft hatte sich im Schlussquartal 2003 zwar stark
verlangsamt, wies aber mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 4,1
(Vorquartal: 8,2) Prozent immer noch auf eine kräftige Belebung
hin. Die Beschäftigungsentwicklung hinkt dieser Expansion aber
noch deutlich hinterher. Experten zufolge ist ohne einen stark
anziehenden Stellenzuwachs nicht mit einem nachhaltigen Aufschwung zu
rechnen.
"Das ist ein fürchterlich enttäuschender Bericht", sagte Joel
Naroff von Naroff Economic Advisers. "Die Wirtschaft braucht eindeutig
ein besseres Stellenwachstum, um die Verbraucherausgaben zu
stützen", fügte Naroff hinzu. "Wenn sich die
Verbraucherausgaben verlangsamen, tut dies auch die Wirtschaft",
ergänzte John Lonski von Moody's Investors Service.
Zugleich gehen Analysten aber davon aus, dass die US-Notenbank (Fed)
die Konjunkturbelebung weiter mit unverändert niedrigen Leitzinsen
unterstützen und erst bei einer deutlichen Erholung des
Arbeitsmarktes ihre Geldpolitik wieder straffen wird. "Dieser Bericht
hat zur Folge, dass die Fed die Zinsen wahrscheinlich erst nach den
Präsidentenwahlen im November anheben wird", sagte Alan Gayle von
Trusco Capital Management. Als Bedingung für höhere Zinsen
nannte Joseph Keating von Amsouth Asset Management einen monatlichen
Stellenzuwachs von mindestens 150.000 über mehrere Monate hinweg.
In den vergangenen drei Monaten stieg die Beschäftigung dagegen
nur um durchschnittlich 42.000 Stellen. Die US-Regierung hatte dagegen
Anfang Februar eine ehrgeizige Prognose veröffentlicht, in der von
einem erwarteten Zuwachs von monatlich durchschnittlich 300.000
Arbeitsplätzen in diesem Jahr die Rede war.
Im Jahr der Präsidentenwahl hat die Arbeitsmarktentwicklung
höchste politische Brisanz. Amtsinhaber Bush sieht sich
großem Druck ausgesetzt, in diesem Bereich spürbare Erfolge
vorzuweisen. In seiner bisherigen Amtszeit gingen mehr als zwei
Millionen Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft verloren. Bushs
demokratischer Herausforderer John Kerry hat bereits angekündigt,
im Falle seiner Wahl in den ersten anderthalb Jahren seiner Amtszeit
rund drei Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Nach Auffassung von Experten wird die erhoffte Arbeitsmarkt-Belebung
vor allem vom Dienstleistungssektor getragen werden müssen, da
viele Arbeitsplätze in der Industrie in Billiglohnländer
ausgelagert werden. Im Februar wurden im Verarbeitenden Gewerbe, das
rund ein Fünftel der US-Wirtschaft ausmacht, den 43. Monat in
Folge Arbeitsplätze abgebaut, und zwar 3000. Der Zuwachs im
Dienstleistungssektor blieb mit 46.000 Stellen überraschend
schwach.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Stimmungseinbruch bei US-Verbrauchern wegen Job-Sorge
Mi.25.02.04 - Die weiter ausbleibende Belebung des Arbeitsmarkts hat in den USA
für einen überraschend starken Stimmungseinbruch bei den
Konsumenten gesorgt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402250.htm#04022507
Wirtschaftwachstum in den USA überraschend stark gebremst
Sa.31.01.04 - Deutlich verlangsamtes Wachstum bei Konsumausgaben +++ Sorgenkind
Arbeitsmarkt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#04013104
Wird es neue Jobs auf dem Mond geben, oder müssen Amerikas
Arbeiter warten, bis die USA auf dem Mars landen?
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#040131_f
OECD: Aussichten für Weltwirtschaft weiter verbessert
Sa.06.03.04 - Die Konjunkturaussichten für die Weltwirtschaft haben sich nach
OECD-Berechnungen zuletzt weiter verbessert. Die am Freitag
veröffentlichten Frühindikatoren der Organisation für
wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) für Januar
deuten auf eine teils kräftige wirtschaftliche Erholung in fast
allen großen Industrienationen hin.
Das Trendbarometer für Deutschland stieg auf 124,5 (Dezember:
124,3) Punkte. Der Index für die Euro-Zone legte leicht auf 122,3
(122,2) Zähler zu. Für die USA als weltgrößte
Volkswirtschaft ergab sich ein deutliches Plus auf 133,4 (133,0) Punkte
und für Japan ein Zuwachs auf 101,8 (101,6) Zähler. Lediglich
der Index für Italien ging zurück, und zwar auf 106,6 (106,9)
Punkte.
Das Barometer für die 30 Länder umfassende OECD-Zone stieg
auf 123,3 (122,9) Punkte. "Eine moderate bis starke Erholung steht im
OECD-Raum bevor", stellte die in Paris ansässige Organisation in
Aussicht.
(Quelle: rtr)
Amnesty: Gewalt gegen Frauen nimmt weltweit zu
Sa.06.03.04 - Die Gewalt gegen Frauen nimmt nach Angaben der
Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) weltweit zu.
"Gewalt gegen Frauen ist eine tägliche Realität, in allen
Gesellschaften rund um den Erdball und über die Grenzen von
Wohlstand hinweg", sagte Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von
ai Deutschland. Jede dritte Frau auf der Welt werde mindestens einmal
in ihrem Leben geschlagen, vergewaltigt oder sexuell missbraucht.
Massenvergewaltigungen würden in Kriegsgebieten wie in der
Demokratischen Republik Kongo gezielt als Waffe eingesetzt, sagte
Lochbihler. Doch auch in offiziellen Friedenszeiten würden Frauen
von Besatzungstruppen oder lokalen Milizen missbraucht. So seien auch
zwei Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan
Vergewaltigungen durch ehemalige Kämpfer oder lokale Milizen an
der Tagesordnung.
Auch die Zwangsheirat minderjähriger Mädchen sei in
Afghanistan immer noch gängige Praxis. Fliehen die Frauen aus
solchen Ehen, drohen ihnen Gefängnisstrafen wegen Ehebruchs. "Das
gängige Justizsystem ist nicht in der Lage, die Frauen zu
schützen", sagte Lochbihler.
Die Menschenrechtsorganisation prangerte auch die in vielen
afrikanischen Staaten nach wie vor gängige Praxis der Beschneidung
von Frauen an. Weltweit drohe jährlich zwei Millionen Mädchen
die Verstümmelung ihrer Genitalien, hieß es. Nach einer
Schätzung der Vereinten Nationen sind weltweit insgesamt 135
Millionen Frauen beschnitten. ai forderte die Bundesregierung auf,
geschlechtsspezifische Verfolgung als Fluchtgrund zu akzeptieren und
ins Zuwanderungsgesetz aufzunehmen.
Am häufigsten erleiden Frauen aber in ihren eigenen vier
Wände Gewalt, wie die Menschenrechtsorganisation erklärte. So
seien Misshandlungen in der Familie die häufigste Ursache für
den Tod oder schwere Gesundheitsschädigungen von Frauen - noch vor
Krebs oder Verkehrsunfällen. Allein in Russland sollen nach
Einschätzung der Regierung 1999 rund 14.000 Frauen von
männlichen Familienmitgliedern getötet worden sein. Auch in
Deutschland flüchten sich jährlich 45.000 Frauen in
Frauenhäuser, wie Lochbihler sagte. Bund und Länder sollten
die insgesamt 389 Schutzeinrichtungen deshalb unterstützen und
ausbauen.
(Quelle: afp)
Frauen bei eBay zur Versteigerung angeboten
Sa.06.03.04 - Auf der US-Website des Internet-Auktionshauses eBay werden nach Angaben
einer Menschenrechtsorganisation Frauen aus Südostasien
versteigert. Seit Anfang März würden drei junge
Vietnamesinnen mit Foto für ein Mindestgebot von umgerechnet etwa
4400 Euro auf dem Online-Marktplatz angeboten, erklärte die
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt.
Die Versteigerung der Frauen sei für zehn Tage angesetzt. Dann
sollten sie per Schiff nach Taiwan geschickt werden, wo der jeweilige
"Käufer" sie abholen könne.
Der Handel mit Vietnamesinnen nimmt nach Angaben von IGFM immer
erschreckendere Ausmaße an. Zwischen 1991 und 1999 seien allein
an der Grenze zu China 22.000 Frauen entdeckt worden, die ins Ausland
verkauft werden sollten. Es handle sich dabei meist um
minderjährige Mädchen aus armen Gegenden Vietnams, die
wohlhabende Taiwaner, Chinesen und Koreaner sich als Ehefrauen kauften.
Viele Frauen landeten auch in ausländischen Bordellen.
Die vietnamesische Regierung ignoriere das Problem mit der
Begründung, in Vietnam gebe es kein gesetzliches Verbot für
die Eheschließung mit Ausländern.
(Quelle: afp)
Laut UN sind Frauen im Berufsleben immer noch benachteiligt
Sa.06.03.04 - Frauen arbeiten weltweit zwar so viel wie nie zuvor, sind bei Gehalt
und Karrierechancen aber immer noch benachteiligt. Der Weg zu
Führungspositionen sei für weibliche Beschäftigte
«langsam, uneben und manchmal entmutigend», heißt es
in einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der
anlässlich des Weltfrauentages am 8. März am Freitag in Genf
vorgestellt wurde.
Von den weltweit 2,8 Milliarden Arbeitnehmern sind dem Bericht zufolge
1,1 Milliarden oder 40,5 Prozent Frauen, mehr als je zuvor von der ILO
festgestellt. Unter den Beschäftigten, die trotz ihrer Arbeit arm
sind, machten Frauen jedoch 60 Prozent aus. Und selbst in so genannten
traditionellen Frauenberufen wie im schulischen oder pflegenden Bereich
verdienten Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen.
Während in ehemaligen Ostblockstaaten Frauen den Männern in
Sachen Beschäftigung kaum nachstehen, seien im Nahen Osten, in
Afrika und Teilen Asiens dagegen nicht einmal halb so viele Frauen
berufstätig wie Männer. Von Arbeitslosigkeit waren Frauen im
vergangenen Jahr in fast allen Staaten häufiger betroffen als
Männer.
Der Anteil an Frauen in Führungspositionen sei in den Jahren 2000
bis 2002 nur um 0,7 Prozent angestiegen, kritisierte die ILO. Noch
immer gelte: Je weiter oben in der Hierarchie, desto seltener finden
sich Frauen.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.ilo.org.gender/
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Frauen in EU verdienen weniger als Männer
Sa.21.02.04 - Frauen verdienen EU-weit immer noch ein Sechstel weniger als
Männer. Das hindere Frauen oft daran, eine Arbeit aufzunehmen,
heißt es in einer Studie von EU-Sozialkommissarin Anna
Diamantopoulou. Sie rief die Mitgliedstaaten zu raschem Handeln auf.
Ansonsten gerate das Ziel in Gefahr, bis 2010 sechs von zehn Frauen in
Lohn und Brot zu bringen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402210.htm#04022111
Oxfam-Studie: Ausbeutung von Frauen in globalen Lieferketten
großer Konzerne
Di.10.02.04 - Große Markenfirmen und Verkaufsketten der Bekleidungs- und
Lebensmittelindustrie sind einer neuen Studie der
Entwicklungsorganisation Oxfam International zufolge für die
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Millionen von Arbeiterinnen
auf der ganzen Welt verantwortlich.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402100.htm#04021006
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten umstellen Arafats Amtssitz +++ Palästinenser
in Tulkarem erschossen +++ Israels Ministerpräsident schiebt
Gaza-Räumung unter US-Druck auf - Scharon kämpft mit
niedrigsten Umfragewerten seit drei Jahren
Sa.06.03.04 - Israelische Soldaten haben das Hauptquartier von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah im
Westjordanland umstellt. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP
beobachtete, blockierten sie Zufahrtstraßen und Eingänge des
Hauptquartiers.
Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen
kündigte die israelische Armee die "Aktion" zuvor an und
erklärte, nicht in das Hauptquartier eindringen zu wollen. Arafat
steht seit Dezember 2001 in Ramallah de facto unter Hausarrest. Die
israelische Regierung will ihn so international isolieren.
Ein 18-jähriger Palästinenser ist am Morgen von israelischen
Soldaten im palästinensischen Flüchtlingslager Tulkarem im
Westjordanland erschossen worden. Die israelischen Truppen waren nach
palästinensischen Angaben in die Stadt Tulkarem und das
Flüchtlingslager eingedrungen. Bei Auseinandersetzungen mit jungen
Leuten wurde der 18-jährige tödlich getroffen. Aus Sorge vor
Selbstmordanschlägen gilt in Israel noch höchste Alarmstufe.
Während des jüdischen Purim-Festes patrouillieren Tausende
Polizisten.
Israel will nach Angaben aus Sicherheitskreisen mit der Räumung
von Siedlungen im Gaza-Streifen bis nach den US-Präsidentenwahlen
im November warten.
Die Regierung von US-Präsident George W. Bush habe Bedenken
geäußert, die geplante einseitige Räumung der
Siedlungen könne die Unruhe in den Palästinenser-Gebieten
anfachen und damit während des US-Wahlkampfs politische Probleme
verursachen, hieß es am Freitag in den Kreisen. Scharon wolle mit
dem Aufschub diesen Bedenken Rechnung tragen. Der Regierungschef steht
wegen seines Plans auch innenpolitisch unter Druck. Erstmals seit
seinem Amtsantritt hat sich in einer Umfrage eine Mehrheit der Israelis
für einen Rücktritt Scharons ausgesprochen.
"Die Amerikaner wollen kein Chaos in den Palästinenser-Gebieten
vor der Wahl", hieß es in den Kreisen. Ihren Wunsch nach einem
Aufschub der Räumung hätten sie bei den jüngsten
Gesprächen mit hochrangigen israelischen Vertretern in Washington
deutlich gemacht, berichtete die Zeitung "Maariv". Die Gespräche
dienten der Vorbereitung des nächsten Besuchs Scharons bei Bush,
der Ende März oder Anfang April stattfinden soll.
Scharon hat für seinen Plan bislang keinen zeitlichen Rahmen
genannt, jedoch erklärt, sein Vorhaben umzusetzen, wenn der von
den USA unterstützte Friedensplan weiterhin nicht voran kommen
sollte. Die von Scharon geplante einseitige Regelung sieht zudem im
Westjordanland die Räumung einiger Siedler-Enklaven und eine
Sperranlage zu den Palästinenser-Gebieten vor. Deren Verlauf war
zuvor sowohl von den USA als auch von der Europäischen Union (EU)
kritisiert worden. Die Umsetzung des Friedensplans, der ein Ende der
Gewalt und einen Palästinenser-Staat bis 2005 vorsieht, stockt
seit Monaten.
Ein Vertrauter Scharons machte den innenpolitischen Streit um den
Gaza-Plan für die schlechten Umfrage-Werte des Regierungschefs
verantwortlich. Radikal rechte Politiker hätten Scharon mit ihrem
Widerstand geschadet, sagte er. Zugleich steht Scharon aber auch unter
Korruptionsverdacht.
In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Zeitung "Jedioth
Ahronoth" sprachen sich 53 Prozent der Befragten für einen
Rücktritt Scharons aus. 43 Prozent waren der Ansicht, der
Regierungschef solle im Amt bleiben.
Der seit 2001 amtierende Scharon hat einen Rücktritt abgelehnt und
die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Mit Spannung
wird erwartet, ob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den
76-Jährigen erhebt. Neben zwei Korruptionsfällen, in die
Scharon verwickelt sein soll, wurden in dieser Woche auch Vorwürfe
im Zusammenhang mit dem Gefangenenaustausch im Januar mit der
israelfeindlichen Hisbollah-Miliz im Libanon laut.
"Maariv" zufolge soll Scharon in den siebziger Jahren Geschäfte
mit dem Schwiegervater des von der Hisbollah freigelassenen
israelischen Geschäftsmannes Elhanan Tannenbaum gemacht haben.
Dies habe Scharons Entscheidung beeinflusst, berichtete die Zeitung.
Israel hatte im Gegenzug rund 400 arabische Häftlinge freigelassen.
Scharon hat stets erklärt, keine Hintergedanken bei dem
Gefangenenaustausch gehabt zu haben. Gegen Tannenbaum wird in Israel
wegen des Vorwurfs illegaler Geschäfte zurzeit seiner
Entführung im Jahr 2000 ermittelt.
(Quellen: afp, rtr)
US-Staatssekretär Grossman: Frieden im Nahen Osten für ganze
Region unverzichtbar
Sa.06.03.04 - Die von den USA vorgeschlagene Initiative für den Nahen und
Mittleren Osten ersetzt nach Auffassung der US-Regierung keinesfalls
eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Die
Unterstützung des Reformprozesses im Nahen und Mittleren Osten sei
in keinerlei Weise ein Ersatz für die Arbeit am Friedensprozess in
Nahost, sagte der Staatsseketär im US-Außenministerium, Marc
Grossman, am Freitag in Brüssel nach einem Treffen mit den
NATO-Botschaftern. Dies gelte aber auch in umgekehrter Richtung, sagte
Grossman. So habe eine Reihe von NATO-Botschaftern zu verstehen
gegeben, dass mit einer Förderung der Reformen in der
Großregion nicht gewartet werden dürfe, bis ein
vollständiger Frieden im Nahen Osten erreicht sei.
(Quelle: afp)
Indien und Israel unterzeichnen Vertrag über
Rüstungsgeschäft
Sa.06.03.04 - Israel und Indien haben einen Vertrag in Höhe von einer Milliarde
Dollar (806 Millionen Euro) über die Lieferung von drei
hochmodernen Radar-Frühwarnsystemen an Neu Delhi unterzeichnet.
Wie das indische Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte, handelt
es sich um luftgestützte Radarsysteme des Typs Falcon. Den
Vereinbarungen zufolge kauft Israel in Usbekistan Transportmaschinen
vom Typ Iljuschin-76, die in Russland modernisiert und in Israel mit
dem AWACS-Radarsystem versehen werden. Die so hochgerüsteten
Flugzeugen sollen dann nach Indien gehen. Nach Angaben Neu Delhis ist
Israel inzwischen zum zweitwichtigsten Rüstungslieferanten nach
Russland aufgestiegen.
(Quelle: afp)
China will Militärhaushalt um 11,6 Prozent erhöhen
Sa.06.03.04 - China will seine Militärausgaben in diesem Jahr um 11,6 Prozent
erhöhen. Der neue Haushalt, den Finanzminister Jin Renqing dem
chinesischen Volkskongress vorlegen wollte, sieht erstmals keine
Ausweitung des Defizits vor. Vor den knapp 3000 Delegierten in der
Großen Halle des Volkes kündigte der Minister an, dass
Schuldverschreibungen zur Förderung der Konjunktur, künftig
stärker in den ländlichen Raum, den Gesundheitssektor und
Bildungsbereich fließen werden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Weltbankchef Wolfensohn prangert weltweite Rüstungsausgaben
an
Fr.13.02.04 - Der Chef der Weltbank, James Wolfensohn, hat die hohen weltweiten
Rüstungsausgaben scharf kritisiert. Im Vergleich zu den Ausgaben
für Entwicklungshilfe sei das ein Wahnsinn, sagte Wolfensohn in
einer Rede, die er am späten Donnerstagabend im australischen
Melbourne hielt. «Wir geben 20 Mal mehr für
militärische Ausrüstung aus, als wir dafür ausgeben,
Menschen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen», sagte er... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402130.htm#04021310
Wettrüsten ohne Ende
http://home-t-online.de/home/boa-archiv2/k0401010.htm#040101_a
Das Stockholmer Institut
für Friedensforschung ( SIPRI) geht in seinem Jahrbuch 2003
davon aus, dass im Jahr 2002 weltweit 794 Milliarden US-Dollar für
militärische Zwecke ausgegeben wurden. Der seit 1998 registrierte
Anstieg der Rüstungsausgaben belief sich 2002 auf 6%, was einer
Verdoppelung der Anstiegsrate gegenüber 2001 entspricht.... Mehr unter:
http://editors.sipri.se/pubs/yb03/Deutsch.Yearbook2003.pdf
US-Präsident Bush fordert mehr Geld für die Rüstung
Sa.24.01.04 - ... Der Entwurf für den Verteidigungsetat
für das im Oktober beginnende neue Haushaltsjahr sieht eine
Steigerung der Ausgaben um 7 Prozent auf 401,7 Milliarden Dollar (316
Milliarden Euro) vor ... Das Pentagon gibt derzeit für den
Irak-Einsatz rund eine Milliarde Dollar pro Woche aus.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401240.htm#04012402
Chinesische Führung will soziale Entwicklung voranbringen
Sa.06.03.04 - Chinas Regierung will das Wirtschaftswachstum zügeln und
dafür verstärkt die soziale Entwicklung im Land voranbringen.
"Wir müssen hart daran arbeiten, die Einkommen der Bewohner in den
Städten und auf dem Land zu erhöhen", erklärte
Ministerpräsident Wen Jiabao zum Auftakt der Jahressitzung des
Nationalen Volkskongresses am Freitag in Peking. Die Lösung der
Probleme der Landbevölkerung stehe "an vorderster Stelle", sagte
der Regierungschef vor rund 2.900 Delegierten.
Nach den Worten Wens sollen in Zukunft weniger Kredite für
Bauvorhaben fließen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu
vermeiden. Darüber hinaus werde der Bankensektor reformiert, den
faule Kredite in eine Krise gestürzt haben. Im vergangenen Jahr
wuchs Chinas Wirtschaft nach offiziellen Angaben um 9,1 Prozent. In
diesem Jahr soll das Wachstum auf rund sieben Prozent zurückgehen.
Um die soziale Entwicklung zu fördern, würden unter anderem
Bauern vor willkürlicher Enteignung ihres Ackerlands
geschützt, kündigte Wen an. Peking werde zudem in bessere
Wasserversorgung, neue Straßen, Saatgut und effektivere
Anbaumethoden investieren und die Steuern in der Landwirtschaft senken.
Die Regierung wolle auch mehr Geld für die Schulen in den
ärmsten Regionen des Landes und für den Umweltschutz
ausgeben. Rund 900 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen leben in
ländlichen Regionen.
Nach den Erfahrungen mit der Lungenkrankheit Sars im vergangenen Jahr
habe die Regierung beschlossen, mehr Mittel für das
öffentliche Gesundheitswesen aufzubringen. Damit solle schweren
Epidemien vorgebeugt werden, so Wen. Der Ministerpräsident
versprach zudem 14 Millionen neue Arbeitsplätze in den
Städten. In den Ballungsräumen Chinas ist die
Erwerbslosigkeit besonders hoch.
Wen versicherte, die Arbeit der Regierung werde künftig
effizienter, transparenter und volksnäher gestaltet.
Bürokratismus, Verschwendung, Korruption und Beamtenwillkür
sagte der Ministerpräsident den Kampf an. Von einer grundlegende
Reform des politischen Systems sprach Wen allerdings nicht.
Die Delegierten des zehntägigen Volkskongresses werden nach einem
von der Kommunistischen Partei kontrollierten Modus ausgewählt.
Sie haben nur beschränkte Mitbestimmungsrechte. Wichtige
Entscheidungen fällt die KP-Spitze um Parteichef Hu Jintao, der
auch Staatspräsident ist.
Aus Furcht vor Störungen hatte Peking die Sicherheitsvorkehrungen
in den vergangenen Tagen verstärkt. Bekannte Dissidenten wurden
genauer überwacht. Unterdessen entließen die Behörden
aber auch einen politischen Häftling aus dem Gefängnis. Wang
Youcai, Mitbegründer einer Oppositionspartei, durfte am Donnerstag
überraschend in die USA ausreisen. 1998 war er zu elf Jahren Haft
verurteilt worden.
(Quelle: epd)
Tausende Haitianer rufen nach Rückkehr Aristides - Wahlkommission
für neuen Ministerpräsidenten in Haiti gebildet - USA
führen ausländische Soldaten in Haiti
Sa.06.03.04 - Knapp eine Woche nach dem Sturz des haitianischen Präsidenten sind
am Freitag rund 3.000 Menschen für eine Rückkehr
Jean-Bertrand Aristides auf die Straße gegangen. Die zum Teil
bewaffnete Demonstranten marschierten vor die Botschaften der USA und
Frankreichs in Port-au-Prince und protestierten gegen die Stationierung
von Soldaten aus beiden Ländern. Es war die erste große
Demonstration für Aristide seit dessen Flucht aus Haiti am
vergangenen Sonntag.
Aristide betonte in einem Zeitungsbericht von Freitag, er habe sein Amt
bislang nicht formell niedergelegt, sondern sei gewaltsam aus Haiti
vertrieben worden. Wäre er zurückgetreten, hätte er dies
entsprechend der Verfassung und keinesfalls "auf Druck einer
ausländischen Macht" getan, wurde der gestürzte Staatschef
von seinem Anwalt Gilbert Collard zitiert.
Die USA haben unterdessen die Führung der internationalen Truppen
in Haiti übernommen. Die Amerikaner hätten akzeptiert, das
Kommando über die derzeit in dem Karibikstaat stationierten
ausländischen Soldaten zu übernehmen, sagte der Kommandeur
der französischen Einheiten, General Henri Clément-Bollet,
in Port-au-Prince. Kanada kündigte an, es werde weitere 450
Soldaten nach Haiti schicken. Im ganzen Land dauerten Plünderungen
und Gewalt an.
Die Zusammenarbeit mit den USA sei "eng", sagte Clément-Bollet
nach einem Treffen mit dem US-Kommandeur Tom Hill. Die USA und
Frankreich teilten die Ansicht, dass die Truppenkontingente im ganzen
Land aufgestockt werden müssten. Derzeit seien 600
französische Soldaten in Haiti stationiert, unter ihnen Gendarme
und Legionäre. Sie seien bislang nur mit dem Schutz der
französischen Botschaft beauftragt. Aber angesichts der
Notsituation hätten sie sich nun auf eine
"Unterstützungsmission" eingestellt, um die Arbeit der
Hilfsorganisationen erleichtern.
Als Vorhut der künftigen UN-Stabilisierungstruppe sind derzeit
Soldaten aus den USA, Frankreich, Kanada und Chile in dem Karibikstaat.
Sie standen bislang jeweils unter nationalem Kommando. Die UN-Truppe
soll laut Clément-Bollet in zwei bis vier Monaten eingesetzt
werden. Dann solle Brasilien das Kommando von den USA übernehmen.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva
sagte, sein Land werde in zwei bis drei Monaten 1100 Blauhelmsoldaten
nach Haiti entsenden. Frankreichs Präsident Jacques Chirac habe um
eine Beteiligung Brasiliens gebeten und dem Land die Führung der
Truppe angetragen. Dazu habe sich Lula bereit erklärt.
Die 450 zusätzlichen kanadischen Soldaten sollen für eine
Dauer von 90 Tagen in Haiti bleiben, wie Verteidigungsminister David
Pratt in Halifax sagte. Sie sollen binnen einer Woche stationiert
werden. Bislang sind neben 1200 US-Soldaten, 600 Franzosen und etwa
hundert kanadischen Soldaten auch etwa 130 Chilenen in Haiti im Einsatz.
Trotz ausländischer Truppenpräsenz kam es in Port-au-Prince
erneut zu Plünderungen. Bewaffnete raubten Lagerhallen im Hafen
aus, wie ein AFP-Reporter in der Nacht zu Freitag berichtete. In
mehreren Vierteln der Hauptstadt raubten bewaffnete Plünderer
erneut Bankfilialen aus. Auch in anderen Städten wurde von Gewalt
und Plünderungen berichtet.
Knapp eine Woche nach dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand
Aristide hat Haiti eine Wahlkommission eingesetzt, die einen neuen
Ministerpräsidenten vorschlagen soll. Der künftige
Regierungschef stehe hoffentlich schon in wenigen Tagen fest, teilte
die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am Freitag in der
haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince mit. Ein Sprecher von
Rebellenführer Guy Philippe erklärte unterdessen, die
angekündigte Niederlegung der Waffen bedeute noch keine
vollständige Entwaffnung der Rebellen.
Die sieben Mitglieder der Wahlkommission wurden von Anhängern der
Lavalas-Partei Aristides, der politischen Opposition und der
internationalen Gemeinschaft ernannt, wie OAS-Sprecher Edward Alexander
sagte. Der bisherige Ministerpräsident Yvon Neptune soll wegen
seiner politischen Verbindungen zu Aristide abgelöst werden. Als
ein möglicher Nachfolger gilt Generalleutnant Herard Abraham, der
das Land nach einer Palastrevolte gegen General Prosper Avril 1990
schon einmal kurz führte und die Macht in die Hände einer
Zivilregierung legte.
Philippes Berater Paul Arcelin sagte der Nachrichtenagentur AP, die
Rebellen würden ihre Waffen so lange behalten, bis die
Anhänger Aristides entwaffnet seien. Dies zu tun sei Aufgabe der
auf Haiti stationierten internationalen Truppen. Philippe selbst wollte
am Freitag mit Mitgliedern der Opposition zusammentreffen, wie der
Oppositionspolitiker Evans Paul dem französischen Fernsehsender
LCI sagte.
Die Vereinten Nationen wollen so bald wie möglich Korridore
für die Verteilung von Hilfsgütern in Haiti einrichten.
"Humanitäre Korridore" würden eingerichtet, sobald die
Sicherheitslage dies erlaube, sagte der für humanitäre
Angelegenheiten zuständige UN-Vertreter Jan Egeland nach einer
Sitzung des UN-Sicherheitsrats vor Journalisten in New York. Es sei
geplant, vier Korridore zu öffnen, um den Norden, den Süden
und das Zentrum des krisengeschüttelten Karibikstaates zu
versorgen. Derzeit gebe es jedoch trotz der in Haiti stationierten
multinationalen Schutztruppe noch immer ein "Sicherheitsvakuum" in dem
Karibikstaaat. Laut Egeland wird die UNO am Dienstag einen Aufruf zu
internationaler Nothilfe für Haiti starten.
(Quellen ap, afp)
Haiti steht wiederum in Flammen..
Jedoch begreift fast niemand, dass das heutige Chaos von Washington produziert
wurde – willentlich, zynisch und zielstrebig... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#040305_a
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1031
Krise in Venezuela treibt Ölpreise weiter hoch
Sa.06.03.04 - Die zugespitzte politische Lage im Förderland Venezuela und die
bevorstehende Produktionsdrosselung der Opec haben die Ölpreise am
Freitag auf ein Ein-Jahres-Hoch getrieben. In den USA treffen die
Raffinerien bereits Vorbereitungen auf Lieferunterbrechungen aus
Venezuela, obwohl das Land versichert, dass es dazu nicht kommen wird.
Die Regierung in Washington hat sich bereits "extrem besorgt" über
die kräftig anziehenden Benzinpreise geäußert.
Der Preis für ein Barrel (rund 159 Liter) leichtes US-Öl
stieg vorübergehend auf 37,12 Dollar. Das ist der höchste
Stand seit Mitte März vergangenen Jahres, kurz vor Beginn des
Irak-Krieges. Später lag der Preis mit 37,02 Dollar noch 38 Cent
höher als am Vortag. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im April
verteuerte sich um 30 Cent auf 33,19 Dollar.
"Die Situation in Venezuela ist mit Sicherheit Besorgnis erregend",
sagte David Thurtell von der Commonwealth Bank in Australien. Er
verwies auf den überraschenden Rücktritt des venezuelanischen
UNO-Botschafters aus Protest gegen die Politik von Präsident Hugo
Chavez. In Venezuela - dem fünftgrößten
Ölexportland der Welt - gab es zuletzt heftige soziale Unruhen.
Die Opposition will ein Referendum über eine Absetzung von Chavez
in diesem Jahr durchsetzen. "Wenn die Proteste zu einem Generalstreik
eskalieren, wie wir zuletzt Ende 2002 gesehen haben, wird das die
Ölpreise sehr, sehr stark nach oben treiben", sagte Thurtell.
Nach Angaben des Opec-Mitglieds Venezuela wird die Organisation
Erdöl exportierender Länder (Opec) trotz der steigenden
Ölpreise an ihren Plänen zur Fördermengendrosselung
festhalten. Am 31. März treffen sich die Opec-Ölminister, um
ihre Förderpolitik zu überprüfen. Anfang Februar hatte
das Ölkartell beschlossen, die derzeitige Obergrenze für die
tägliche Produktion von 24,5 Millionen Barrel ab 1. April um eine
Million Barrel zu reduzieren. Ziel ist es, dem befürchteten
ungewöhnlich starken Nachfrageeinbruch im Frühjahr
entgegenwirken.
(Quelle: rtr)
Mehr zum Thema "Venezuela" unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv3/k0403020.htm#040301_e
http://home.t-online.e/home/boa-archiv3/k0403010.htm#04030105
http://www.jungewelt.de/2004/03-04/005.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-05/006.php
Tribunal soll Völkermordvorwurf gegen Milosevic fallen lassen
Sa.06.03.04 - Drei Anwälte haben im Kriegsverbrecherprozess gegen Slobodan
Milosevic beantragt, den Vorwurf des Völkermordes gegen den
jugoslawischen Expräsidenten aus Mangel an Beweisen fallen zu
lassen. Die Forderung ist in einem 95-seitigen Schreiben an das
UN-Tribunal in Den Haag enthalten. Die drei unabhängigen
Anwälte nehmen die Interessen Milosevics wahr. Die
Sachverständigen wurden Milosevic, der sich selbst verteidigt, zur
Seite gestellt, um einen fairen Prozess zu garantieren.
Wann sich das Tribunal mit dem am Freitag eingegangenen Antrag befassen
wird, war zunächst nicht bekannt. Die Anwälte fordern auch
einen Freispruch Milosevics in anderen Punkten, die die Kriege in
Kroatien, Bosnien und dem Kosovo betreffen.
Die Anklage hatte die Beweisaufnahme in dem Prozess am 25. Februar
abrupt eingestellt. Die Staatsanwälte begründeten ihren
Schritt mit der angegriffenen Gesundheit des 61-jährigen
Angeklagten sowie dem zuvor angekündigten Rücktritt des
Vorsitzenden Richters Richard May wegen Krankheit.
Das Gericht akzeptierte den Vorstoß und erklärte die
Beweisaufnahme «hiermit für abgeschlossen». Den unter
hohem Blutdruck leidenden Milosevic forderte es auf, seine Verteidigung
in 150 Tagen zu präsentieren. Milosevic steht seit zwei Jahren in
Den Haag wegen Kriegsverbrechen während der Balkan-Kriege vor
Gericht. Er hat sich in allen 66 Anklagepunkten, darunter
Völkermord, für nicht schuldig erklärt. Nach Ansicht von
Haager Prozessbeobachtern ist es der Anklage nicht gelungen, den
Völkermordsvorwurf gegen Milosevic zu beweisen. In anderen
Anklagepunkten seien die Vorwürfe aber erhärtet worden.
(Quelle: ap)
UN-Sonderbotschafter bezweifelt Einigung zu Zypern bis Monatsende
Sa.06.03.04 - Eine Einigung zur Überwindung der Teilung Zyperns wird nach
Ansicht von UN-Sonderbotschafter Alvaro de Soto möglicherweise
frühestens im April getroffen. Eine Annäherung beider Seiten
noch im März sei «schwierig», sagte De Soto am Freitag
nach dreistündigen Verhandlungen mit dem türkisch-zyprischen
Volksgruppenführer Rauf Denktasch und dem griechisch-zyprischen
Präsidenten Tassos Papadopoulus.
Über den UN-Friedensplan zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel
wollte De Soto anschließend mit Vertretern der Türkei in
Ankara diskutieren. Denktasch erklärte, die Verhandlungen
über die Forderungen beider Seiten sollten am Donnerstag
fortgesetzt werden. Wird bis zum 22. März keine Einigung gefunden,
beteiligen sich die Türkei und Griechenland direkt an den
Gesprächen. Nur bei einer Wiedervereinigung Zyperns können
beide Inselteile am 1. Mai gemeinsam der Europäischen Union
beitreten. Über den endgültigen Entwurf zur Wiedervereinigung
sollen beide Bevölkerungsgruppen am 21. April in einem Referendum
abstimmen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Neues Spitzentreffen zu Emissionshandel ohne Einigung
Sa.06.03.04 - Die neuerlichen Spitzengespräche zwischen Wirtschafts- und
Umweltressort zum Emissionshandel sind am Freitag ohne Einigung
geblieben.
"Die Gespräche werden fortgesetzt", sagte ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums in Berlin. Ein Sprecher des Umweltministeriums
erklärte, einige strittige Punkte seien geklärt worden.
Nächste Woche gingen die Verhandlungen weiter. Zu Details
über Fortschritte der Verhandlungen nahmen die Ressorts keine
Stellung.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), Umweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) und Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier hatten
in einem mehrstündigen Gespräch die Ausgestaltung des Handels
mit Kohlendioxid-Rechten beraten. Hauptstreitpunkt zwischen den
Ressorts ist die Anfangszuteilung der CO2-Rechte an die rund 2600
beteiligten Anlagen.
Umstritten ist zum einen die Höhe der Gesamtzuteilung der
CO2-Rechte an die Unternehmen. Außerdem wird nach Angaben aus
verhandlungsnahen Kreisen zwischen den Ressorts darüber
debattiert, wie die Entlastungen für Anlagen mit so genanntem
prozessbedingten CO2-Ausstoß oder für Unternehmen aussehen
sollen, die in den 90er-Jahren hohe Vorleistungen bei der CO2-Reduktion
erbracht haben ("Early Actions").
Der Emissionshandel, der EU-weit zum 1. Januar 2005 startet, soll den
Abgas-Ausstoß in Industrie und Energiewirtschaft senken. Der
nationale Zuteilungsplan muss bis Ende März der EU-Kommission
vorgelegt werden. Trittin hatte vorgeschlagen, dass die beteiligten
Anlagen ihren Ausstoß um durchschnittlich 7,5 Prozent reduzieren.
Die Industrie fürchtet jedoch bei einer knappen Zuteilung hohe
Zusatzkosten und Wettbewerbsnachteile, da sie CO2-Rechte zukaufen oder
in teure CO2-mindernde Technologie investieren müsste.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
EU-Kommission mahnt strenge Vergabe von Emissionsrechten an
Fr.05.03.04 - Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat die nationalen
Regierungen vor einer zu großzügigen Verteilung von
Emissionsrechten zum Ausstoß von Treibhausgasen an Industrie und
Energiewirtschaft gewarnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030517
Stillstand auf dem Weg zum Klimaschutz
Do.04.03.04 - Auf dem Weg zu Deutschlands Klimaschutzzielen herrscht praktisch
Stillstand. Wegen des kalten Wetters stieg der energiebedingte
Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,4 Prozent an, wie das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin berichtete. Ohne die
Wettereinflüsse kommt man laut DIW rechnerisch auf eine
Verminderung um 0,6 Prozent. Angesichts der Wirtschaftsflaute sei dies
wenig. Der Ausstoß von Kohlendioxid liegt damit den Angaben zufolge
temperaturbereinigt um 17 Prozent unter dem Wert von 1990. Die
Bundesregierung hatte jedoch versprochen, bereits im kommenden Jahr um
25 Prozent darunter zu liegen. Die Regierung hat dieses Ziel seit
längerem nicht mehr erwähnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030413
Mehr zum Thema "Klimawandel und Emissionshandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304ah
CDU und CSU verständigen sich auf Steuerkompromiss
Sa.06.03.04 - CDU und CSU stehen nach monatelangem Streit vor der Verständigung
auf ein gemeinsames Steuerreformkonzept mit niedrigeren
Steuersätzen. Es soll die Steuerzahler in einem ersten Schritt um
10,7 Milliarden Euro entlasten. Die Bundesregierung wertete den
Kompromiss als Beleg für das Scheitern der Unionspläne
für eine große Steuerreform.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Friedrich Merz
(CDU), bestätigte am Freitag in Berlin, dass er mit dem
bayerischen Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) eine Einigung erzielt
habe. Das Papier soll am kommenden Sonntag von den Präsidien
beider Parteien beschlossen werden. Aus Unionskreisen erfuhr die
Nachrichtenagentur Reuters, das Konzept sehe eine Senkung des
Spitzensteuersatzes auf 36 Prozent und des Eingangssteuersatz auf
zwölf Prozent bei zunächst weiter linear-progressivem
Tarifverlauf vor. Die Pendlerpauschale solle gekürzt, aber
erhalten werden.
Das von Merz entworfene CDU-Modell sah ein dreistufiges Tarifmodell mit
den Sätzen zwölf, 24 und 36 Prozent vor. Dagegen hatte die
CSU für die Beibehaltung des linear-progressiven Tarifverlaufs in
den Grenzen von 13 und 39 Prozent plädiert. Beide Parteien hatten
in den vergangenen Monaten vor allem darüber gestritten, wie stark
Steuervergünstigungen gestrichen werden sollen und wie
Steuersätze sinken können. Umstritten war insbesondere
Pendlerpauschale, die Merz ganz streichen wollte, die im
Flächenland Bayern aber ein großes Gewicht hat.
Den Erhalt der Pendlerpauschale konnte die CSU durchsetzen - allerdings
in abgespeckter Form. Sie soll von derzeit 30 auf 25 Cent pro Kilometer
sinken und nur noch bis 50 Kilometer pro Tag anrechenbar sein.
Außerdem soll es nach dem erzielten Kompromiss einen
Arbeitnehmerpauschbetrag von 840 Euro pro Monat geben. Viele andere
Steuervergünstigungen wie etwa der Sparerfreibetrag sollen fallen.
Für die steuerfreien Sonn- und Feiertagszuschläge soll es
eine Übergangsfrist von sechs Jahren geben.
Bei der Reform der Steuertarife soll es der Einigungsformel zufolge
zunächst beim von der CSU favorisierten linear-progressiven
Verlauf bleiben. Zugleich soll der Spitzensteuersatz aber auf 36
Prozent sinken und bei 45.000 Euro greifen, der Eingangssteuersatz wird
auf zwölf Prozent gekappt. Längerfristig soll es bei gleichen
Ecksteuersätzen einen Stufentarif geben. Noch offen ist, wie viele
Stufen es geben soll und wo diese greifen.
Bei der Unternehmensbesteuerung plädiert die Union nun für
ein Optionsmodell, das Personen- und Kapitalgesellschaften die
Möglichkeit der Wahl zwischen Einkommen- oder
Körperschaftsteuer gibt. Die Körperschaftsteuer soll -
allerdings unter Einschluss eines kommunalen Steueranteils - auf 36
Prozent angehoben werden. Die bisherige Gewerbesteuer soll fallen und
die Kommunen im Gegenzug an Umsatz-, Einkommen- und
Körperschaftsteuer beteiligt werden. Die Besteuerung der
Kapitalerträge bleibt im Merz/Faltlhauser-Papier erst einmal offen.
Aus Sicht der Bundesregierung ist vor allem Merz mit seinen weit
reichenden Steuerplänen gescheitert. "Herr Merz ist als Tiger
gesprungen und als Bettvorleger gelandet", sagte ein Sprecher des
Finanzministeriums. Mit der Sitzung der Parteipräsidien von CDU
und CSU werde die hochtrabende Steuerreformdebatte in der Union
beerdigt. "Die große Selbstentzauberung der Unions-Steuerkonzepte
findet jetzt ihren Abschluss."
Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß erklärte, er sehe derzeit
keine Basis für eine Diskussion über eine große
Steuerreform. Die SPD sehe auch keine Notwendigkeit für neue
Steuerreformvorschläge, nachdem die rot-grüne Regierung im
vergangenen Jahr mit solchen Initiativen wiederholt an der Mehrheit der
unionsregierten Länder im Bundesrat gescheitert sei. Die
Initiative müsse nun von den Ländern ausgehen. Davon
abgesehen werde die SPD ihre Steuerpolitik künftig mehr an
sozialpolitischen Kriterien orientieren.
Unterdessen forderten führende Wirtschaftsvertreter wie auch der
Steuerzahlerbund weiter einen Umbau des Steuersystems.
(Quelle: rtr)
Sozialverband hält Mindestsicherung bei Rente für
fragwürdig
Sa.06.03.04 - Der Sozialverband Deutschlands hält die jetzt von der Koalition
vorgesehene Mindestsicherung bei der Rente für Augenwischerei.
«Wie die demographische Entwicklung 2030 tatsächlich
aussieht, läßt sich nicht sicher verhersagen», sagte
Sozialverbands-Präsident Adolf Bauer der «Sächsischen
Zeitung» (Samstagausgabe). Es sei daher fragwürdig, auf der
Basis von Prognosen, die reinen Modellcharakter hätten, schon
heute das Rentenniveau von 2030 festzulegen. Die Bundesregierung sollte
sich «lieber darauf konzentrieren, die Rentenversicherung in eine
Erwerbstätigenversicherung umzuwandeln, in die alle
einzahlen».
Als besonders dringlich nannte Bauer die Bekämpfung der hohen
Arbeitslosigkeit: «Denn die ist gegenwärtig die Ursache
für die finanziellen Schwierigkeiten aller sozialen
Sicherungssysteme.»
(Quelle: ddp)
Minijobs drücken Verdienstanstieg von Arbeitnehmern - Zahl
der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse auf
7,5 Millionen gestiegen
Sa.06.03.04 - Der Anstieg von Arbeitnehmer-Verdiensten in Deutschland ist im
vergangenen Jahr deutlich hinter den tariflichen Gehaltssteigerungen
zurück geblieben.
Der effektive Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer stieg lediglich
um 1,3 Prozent auf 26.700 Euro, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die Tarifverdienste dagegen legten um
2,5 Prozent zu. Die Statistiker führten die hohe Differenz vor
allem auf die deutlich gestiegene Zahl geringfügig
Beschäftigter nach den Minijob-Gesetzesänderungen
zurück: "Allein durch die höhere Zahl der geringfügig
Beschäftigten mit ihren sehr niedrigen Verdiensten wird der
Anstieg der gesamten Durchschnittsverdienste in 2003 um etwa 0,6
Prozentpunkte gedämpft."
Nach Herausrechnen der statistischen Verzerrung durch die Minijobber
wären die Durchschnittsverdienste somit um 1,9 Prozent gestiegen.
Der Unterschied zwischen den Effektiv- und Tarifverdienststeigerungen -
die "Lohndrift" - von 0,6 Prozentpunkten geht auf die Streichung
übertariflicher Leistungen, die Zunahme der Teilzeitarbeit und die
Kürzung des Weihnachtsgeldes bei Beamten zurück.
Die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in
Deutschland ist laut einem Zeitungsbericht auf fast 7,5 Millionen
gestiegen. Damit liege die Zahl der bei der Bundesknappschaft
gemeldeten Minijobs um rund 260.000 höher als im Oktober,
berichtet die «Bild»-Zeitung (Samstagausgabe) unter
Berufung auf eine Vorlage von Finanz-Staatssekretär Karl Diller an
den Haushaltsausschuss.
Demnach sind nach der Neuregelung der Minijobs vor knapp einem Jahr bis
Ende Dezember des Jahres 2003 schon 1,2 Milliarden Euro
Rentenversicherungsbeiträge, 1,1 Milliarden Euro
Krankenversicherungsbeiträge an die Sozialkassen sowie 159
Millionen Euro Steuern an den Staat abgeführt worden.
(Quellen: rtr, ap)
Keine Einigung über Ausbildungsplatzabgabe
Sa.06.03.04 - Im Streit um die Ausbildungsabgabe bleiben die Fronten zwischen
Wirtschaft und Bundesregierung nach einem Spitzengespräch mit den
vier Wirtschaftsverbänden verhärtet.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte am Freitag in
München: «Die Positionen sind unterschiedlich, und dabei
wird es wohl auch bleiben.» Der Präsident des
Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski,
kritisierte die geplante Abgabe als «bürokratische
Fehlsteuerung», die vor allem den Mittelstand treffe. Er forderte
größere Anstrengungen der Regierung, um Jugendliche zu
qualifizieren: «Wenn 90 000 junge Menschen in Deutschland nicht
ausbildungsfähig sind, dann möchte ich die Politik bitten,
etwas zu tun.»
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Dieter
Philipp, betonte, jeder zehnte Beschäftigte im Handwerk sei ein
Lehrling. Schon heute würden viele «schwer
Auszubildende» beschäftigt. Schröder sagte, alle
ausbildungsfähigen Jugendlichen müssten eine Lehrstelle
erhalten. «Niemand will Fehler, die in den Schulen gemacht
werden, der deutschen Wirtschaft vor die Türen kippen.»
Der designierte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering rief die
Kritiker der Ausbildungsplatzabgabe auch in den eigenen Reihen zur
Mäßigung auf. «Ich rate allen, den Gesetzentwurf
abzuwarten. Dann kann man darüber reden», sagte er der
«Süddeutschen Zeitung» (Samstag). Die
SPD-Ministerpräsidenten Heide Simonis (Schleswig- Holstein), Peer
Steinbrück (Nordrhein-Westfalen) und Kurt Beck (Rheinland-Pfalz)
hatten die Pläne für eine Umlage zuletzt mehrmals abgelehnt.
Steinbrück sprach von einem «etatistischen Reflex».
Müntefering sagte: «Was ich vorschlage, ist nicht
hinterwäldlerisch, sondern eine Einsicht in die Notwendigkeit, den
Sockel an jungen Menschen ohne Arbeit nicht wachsen zu lassen. Das
Ziel: Niemand darf von der Schulbank in die Arbeitslosigkeit
geraten.» Es müsse «genügend
Ausbildungsplätze geben, dann bleibt das Gesetz in der Schublade.
Wenn
(Quelle: dpa)
Arbeiten zum Nulltarif - 'Stiftung Marktwirtschaft' will die
Lehrlingsvergütung generell abschaffen ...
Mehr bei "junge Welt" vom 06.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-06/012.php
Blick ins Archiv:
Lehrstellen sind immer öfter öffentlich finanziert
Di.02.03.04 - Das nachlassende Ausbildungsengagement der Wirtschaft kommt Bund,
Ländern und Arbeitsämtern immer teurer zu stehen. Im
vergangenem Jahr wurden über 60.000 der 560.000 von den Kammern
neu registrierten Lehrverträge voll aus öffentlichen Mitteln
finanziert. Dies geht aus dem bisher unveröffentlichten
"Berufsbildungsbericht 2004" der Bundesregierung hervor.
Zusätzlich subventionierten die Länder in Millionenhöhe
erstmals ausbildende Betriebe. Unterdessen geht in der SPD die Debatte
um das geplante Ausbildungsplatz-Umlagegesetz weiter.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) machte erneut Front gegen
eine Abgabe, da Zwang schädlich sei. Juso-Chef Niels Annen
kritisierte dagegen die ablehnende Haltung einiger
SPD-Ministerpräsidenten. (Quelle: dpa/taz)
Ausbildungsplatzlücke laut DGB deutlich größer als
bekannt
Mi.18.02.04 - Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist die
Ausbildungslücke deutlich größer als bekannt. DGB-Chef
Michael Sommer sagte der Tageszeitung «Die Welt»
(Mittwochausgabe), die Lücke zwischen angebotenen und
nachgefragten Ausbildungsplätzen liege derzeit nicht bei etwa
20.000, wie offiziell gemeldet werde. Sie sei in Wahrheit zehn Mal so
groß und habe 2003 weit über 200.000 betragen. «Dies
ist eine alarmierende Entwicklung, die eindeutig die Unternehmen zu
verantworten haben», sagte Sommer.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402180.htm#04021819
Clement bekräftigt Ablehnung einer Ausbildungsabgabe
Mo.01.03.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat seine Ablehnung einer
Zwangsabgabe für ausbildungsunwillige Unternehmen bekräftigt.
Zwang sei schädlich, «es muss aus freien Stücken
gehen», sagte der SPD-Politiker der «Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe)... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403010.htm#04030111
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Aventis warnt vor massivem Stellenabbau bei Übernahme durch Sanofi
Sa.06.03.04 - Für den Fall einer feindlichen Übernahme durch seinen
Konkurrenten Sanofi-Synthélabo erwartet der Pharmakonzern
Aventis Stellenstreichungen in großem Umfang. "Um die
versprochenen Einsparungen zu erzielen, müsste Sanofi in
Frankreich und Deutschland massiv Stellen abbauen", erklärte das
deutsch-französische Unternehmen in einem Katalog von fünf
Gründen zur Ablehnung der Offerte.
Das Kaufangebot berge auch für die Aventis-Aktionäre
"erhebliche Risiken". Zur Begründung wurde auf den
Patentschutz-Streit um den Blockbuster Plavix verwiesen, der den Wert
Sanofis schlagartig verringern könne. "Aventis empfiehlt seinen
Aktionären, keine Aktien umzutauschen", heißt es in der
Erklärung. Das Straßburger Unternehmen will verhindern, dass
die Anteilseigner dem feindlichen Übernahmeangebot nachgeben, um
das seit Ende Januar gerungen wird. Aventis schaltete dazu auch ein
Pariser Berufungsgericht ein. Dadurch verlängerte sich die Frist
für das Übernahmeangebot inzwischen bis Anfang Juni.
In den Pariser Wirtschafsblättern wurde verstärkt über
eine mögliche Einmischung des Schweizer Pharmakonzerns Novartis in
den Übernahmekampf berichtet. "Novartis ist für Aventis die
bessere Wahl", sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der
Aventis-Konzernleitung nach einem Bericht der Tageszeitung "Les Echos".
Mit Novartis gebe es größere Synergie-Effekte.
Außerdem müsse das Schweizer Unternehmen nicht um einen
Patentschutz-Streit mit weit reichenden Auswirkungen fürchten, wie
das bei Sanofi mit Plavix der Fall sei. Novartis-Chef Daniel Vasella
hatte am Donnerstag Interesse sowohl an Aventis als auch an Sanofi
bekundet, zugleich aber ein eigenes feindliches Übernahmeangebot
ausgeschlossen.
Sanofi erzielte mit Plavix allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von
1,325 Milliarden Euro. Ein New Yorker Gericht wird voraussichtlich in
der zweiten Jahreshälfte entscheiden, ob zwei US-Unternehmen
preisgünstige Ersatzmittel vermarkten dürfen.
Aventis - entstanden aus der deutschen Hoechst AG und
Rhône-Poulenc - hat rund 69.000 Beschäftigte, davon 9000 in
Deutschland. Sanofi will Aventis für knapp 48 Milliarden Euro in
bar und eigenen Aktien übernehmen.
(Quelle: afp)
Mehr zum Millardenpoker um Aventis unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402170.htm#04021717
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402170.htm#040217_i
Mannesmann-Prozess: Ackermann ließ angeblich Arbeitnehmerbank
über Esser-Prämie im Unklaren
Sa.06.03.04 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die Arbeitnehmervertreter im
Mannesmann-Aufsichtsrat Zeugenaussagen zufolge darüber im Unklaren
gelassen, wer die Millionenprämie für Konzernchef Klaus Esser
zahlen werde. Der frühere Mannesmann-Aufsichtsrat Manfred
Köstler sagte am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht,
Ackermann habe den Arbeitnehmervertretern lediglich erklärt, die
Prämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro solle auf Veranlassung
von Großaktionär Hutchison in Abstimmung mit Vodafone
gezahlt werden.
Dass die Summe von Mannesmann aufgebracht werden müsse, sei nicht
ausdrücklich gesagt worden, erklärte er weiter. Ein anderes
Aufsichtsratsmitglied berichtete sogar mit Nachdruck, Ackermann habe
erklärt, Vodafone finanziere die Prämie. Allerdings zeigte
dieser Zeuge in anderen Punkten gravierende Erinnerungslücken.
Die Vorsitzende Richterin im Mannesmann-Prozess Brigitte
Koppenhöfer widersprach unterdessen Medienberichten über ein
vorzeitiges Ende des Verfahrens. Zwar wird das Gericht am 31. März
ein nicht-öffentliches Rechtsgespräch mit Verteidigern und
Staatsanwälten zum Stand des Verfahrens und zum weiteren Vorgehen
führen. Doch bedeute dies keineswegs ein schnelles Ende des
Verfahrens, sondern sei eine normale prozessuale Verfahrensweise,
stellte die Richterin klar.
Das frühere Mannesmann-Aufsichtsratsmitglied Köstler
berichtete vor Gericht, dass Konzernchef Klaus Esser sich noch zwei
Tage vor der Einigung mit Vodafone kämpferisch gegeben habe.
Obwohl viele Aktionäre zu diesem Zeitpunkt im Begriff gewesen
seien, zu Vodafone überzulaufen, habe Esser im Aufsichtsrat seine
Entschlossenheit betont, weiter zu kämpfen. «Wir müssen
tun, was möglich ist. Wir haben noch den Joker AOL», habe
der Manager gesagt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Esser vor, ungefähr zu diesem
Zeitpunkt zusammen mit Aufsichtsratschef Joachim Funk den Beschluss
gefasst zu haben, «sich auf Kosten der Mannesmann AG
unrechtmäßig zu bereichern». Esser hatte die
Verhandlungen mit dem US-Internetkonzern in der Nacht zum 2. Februar
beendet und sich bereits am nächsten Tag mit Vodafone-Chef Chris
Gent über die Einzelheiten der Übernahme geeinigt.
Esser, Funk und Ackermann müssen sich vor dem Düsseldorfer
Landgericht zusammen mit Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei
weiteren Managern wegen des Vorwurfs der «gemeinschaftlichen
Untreue in einem besonders schweren Fall» beziehungsweise
Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure
Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang
2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens
ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro
zuzuschieben. Esser allein erhielt eine Erfolgsprämie von 15,9
Millionen Euro.
(Quelle: ap)
Mehr zum Mannesmann-Prozess unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#04020719
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#040207sq
Führende Gewerkschafter gegen Köhler als Bundespräsident
Sa.06.03.04 - Führende Gewerkschafter haben die Nominierung des bisherigen
IWF-Chefs Horst Köhler zum Kandidaten für die
Bundespräsidentenwahl kritisiert. Die Benennung Köhlers zeige
unabhängig von seiner Persönlichkeit, dass alles der
«kühl kalkulierenden Wirtschaft untergeordnet» werde,
sagte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Margret
Mönig-Raane, der «Bild»-Zeitung (Samstagausgabe).
Andreas Steppuhn vom Vorstand der IG Bauen-Agrar-Umwelt sagte dem
Blatt, Köhler sei «ein Vertreter des großen Geldes und
nicht des kleinen Mannes».
Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters kritisiert die
Nominierung von Köhler als falsches Signal. Die IG Metall
halte es für diskussionswürdig, «ob nun gerade ein
dezidierter Vertreter der internationalen Finanzpolitik höchster
Repräsentant der Bundesrepublik werden soll», sagte Peters
der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe).
Seine Gewerkschaft sei aber nicht gegen die Person Köhlers, die
Integrität des bisherigen Chefs des Internationalen
Währungsfonds (IWF) stehe außer Zweifel, sagte der
Gewerkschaftsvorsitzende. Mit der Entscheidung für Köhler sei
aber auch die Chance vertan worden, eine Frau als aussichtsreichste
Kandidatin aufzustellen, sagte Peters, ohne sich ausdrücklich auf
die Kandidatin von SPD und Grünen für das
Präsidentenamt, die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, zu
beziehen.
(Quellen: ap)
Warum nicht Henkel oder Hundt?
Die Kandidatensuche für das Amt des Bundespräsidenten war
schon haarsträubend, doch die Kandidatenkür von CDU/CSU und
FDP "setzt dem Fass noch die Krone auf": Wie kann man ernsthaft einen
Mann wie Horst Köhler, der sicherlich als IWF-Vorsitzender seine
Qualitäten hat, zum Bundespräsidenten vorschlagen? Warum dann
nicht gleich Hans-Olaf Henkel oder Arbeitgeberpräsident Hundt?
Jedem politisch interessierten Bürger muss doch spätestens
jetzt klar sein, in welche Richtung unsere Republik abdriftet, wenn man
mit diesem Kandidaten einen Vertreter des Kapitals und der Hochfinanz
in das höchste Staatsamt hieven will! ...
Aus einem Leserbrief an die "tageszeitung", 06.03.04:
|
Umfrage: Bundespräsidenten-Kandidaten mehrheitlich unbekannt
Sa.06.03.04 - Die Kandidaten von Union und SPD für das Amt des
Bundespräsidenten sind der Mehrheit der Deutschen auch einen Tag
nach ihren Nominierungen unbekannt. Wie eine Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts Inftratest-dimap im Auftrag der ARD
für den «Bericht aus Berlin» ergab, können 62
Prozent der Befragten mit dem Namen Horst Köhler nichts anfangen.
63 Prozent derjenigen, die sich ein Urteil über den gemeinsamen
Kandidaten von Union und FDP erlauben, glauben, dass er ein guter
Bundespräsident wäre. Zwölf Prozent glauben das nicht.
Die SPD-Kandidatin Gesine Schwan ist 74 Prozent der Deutschen nicht
bekannt. Von den 26 Prozent, die sie einordnen können, geht die
Hälfte (51 Prozent) davon aus, dass sie eine gute
Bundespräsidentin wäre. 26 Prozent der Befragten glauben
nicht an diese Kompetenz.
Im direkten Vergleich der beiden Kandidaten schneidet Köhler
besser ab: Könnten die Deutschen den Bundespräsidenten direkt
wählen, wären 42 Prozent für ihn und 24 Prozent für
Schwan. Elf Prozent würden für keinen der beiden stimmen.
Die Rolle des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle in der
Kandidatendiskussion wird mehrheitlich negativ beurteilt. 56 Prozent
meinen, es habe ihm nicht zugestanden, den CDU-Politiker Wolfgang
Schäuble als gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD abzulehnen.
33 Prozent unterstützen sein Verhalten.
Auch die Rolle der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel bei der Suche nach
einem Kandidaten für das Bundespräsidenten-Amt wird
mehrheitlich negativ beurteilt. 62 Prozent meinen, sie habe dabei keine
gute Figur gemacht.
(Quelle: ddp)
Pro und Kontra zu Direktwahl des Präsidenten
Sa.06.03.04 - Nach dem Gezerre um die Aufstellung des
Bundespräsidentenkandidaten der Opposition wird eine Direktwahl
des Staatsoberhauptes wieder diskutiert.
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper und der SPD-Politiker Peter
Glotz sprachen sich dafür aus, die Bundestagsvizepräsidenten
Susanne Kastner (SPD) und Hermann Otto Solms (FDP) dagegen.
Pieper sagte der «Sächsischen Zeitung» (Freitag):
«Wenn man will, dass die Direktwahl in fünf Jahren
Wirklichkeit ist, muss man damit kurz nach der
Bundespräsidentenwahl im Mai beginnen». Sie habe schon vor
knapp drei Jahren die Generalsekretäre der anderen Parteien zu
einer solchen Aktion aufgefordert, «aber sehr wenig Reaktionen
erhalten». Umfragen belegten, dass die Mehrheit der
Bevölkerung dafür ist, den Bundespräsidenten selbst zu
wählen. Dazu brauche es eine Bürgerinitiative, die von
außen Druck mache. «Nur über die politischen Parteien
bekommt man es nicht zu Stande.»
Ex-SPD-Bundesgeschäftsführer Glotz wünscht sich einen
Bundespräsidenten mit mehr Befugnissen. «Wenn Sie Direktwahl
machen, müssen Sie über die Redekompetenz hinausgehen»,
sagte er im Deutschlandradio Berlin.
Kastner sagte hingegen: «Eine Urwahl ist nicht der richtige
Weg.» Da die Kandidaten in einem solchen Fall auch von den Medien
begleitet würden, brauche es nicht viel Fantasie, um sich
vorzustellen, «wie das in unserem Land vonstatten gehen
könnte». «Was ich wirklich nicht will, ist, dass die
Wahl so dargestellt wird, dass wir dann so etwas wie einen weiblichen
Küblböck kriegen», sagte Kastner im Fernsehsender
«Phoenix».
Auch Solms plädierte dafür, die Wahl durch die
Bundesversammlung beizubehalten: «Es hat sich gezeigt, dass die
politischen Parteien, wenn es drauf ankommt, doch in der Lage sind,
verantwortungsvoll mit diesen Fragen umzugehen.» Bei einer
Direktwahl könne es sein, «dass dann im Wesentlichen die
"Bild"-Zeitung den Kandidaten bestimmt».
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Forderungen nach Direktwahl des Bundespräsidenten
Mi.03.03.04 - Die von Parteitaktik geprägte Suche nach einem Kandidaten für
das Amt des Bundespräsidenten lässt Forderungen nach einer
Direktwahl des Staatsoberhaupts laut werden. Bald nach der Wahl im Mai
müssten die Bürger aktiviert werden, damit sie entsprechende
Petitionen schreiben, sagte am (heutigen) Mittwoch die frühere
FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, die selbst 1994 Kandidatin
war. Die derzeitige Kandidatensuche innerhalb des bürgerlichen
Lagers nannte sie den "Höhepunkt der Verkommenheit unserer
politischen Kultur"... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#04030319
Stichwort: Bundespräsident
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#040303_m
Bisher garantiert chancenlos: Frauen für das höchste Amt
Langsam, mühevoll und beharrlich haben Frauen in Deutschland sich
einen Platz in der Politik erkämpft - aber bei der Vergabe der
Posten von Bundespräsident und Bundeskanzler gingen sie bisher
stets leer aus.
Und auch die Aussichten von Gesine Schwan (SPD) sind nicht gut: Seit
1979 Annemarie Renger (SPD) gegen Karl Carstens verlor, sind Frauen
immer nur dann in der Bundesversammlung ins Rennen geschickt worden,
wenn sie garantiert chancenlos waren. Luise Rinser (1984/Grüne),
Hildegard Hamm-Brücher (1994/FDP) sowie 1999 Dagmar Schipanski
(CDU) und Uta Ranke-Heinemann (PDS) waren stets nur
«Zählkandidatinnen».
Eine Frau im Präsidentenamt: Das wäre die Krönung eines
langen Kampfes um Emanzipation. Wer sich daran erinnert, kommt an Marie
Juchacz einfach nicht vorbei. Am 19. Februar 1919 sprach sie vor der
Nationalversammlung in Weimar als erste Frau in einem deutschen
Parlament. Die einstige Hausangestellte und Näherin war als
Sozialdemokratin gewählt worden, nachdem am 12. November 1918 den
Frauen nach langem Kampf und unzähligen Schmähungen das
aktive und passive Wahlrecht zugebilligt worden war.
Vor allem die Bürgerlichen hatten sich lange gegen die Forderung
der Sozialdemokraten gewandt. «Die Frauen gehören ins Haus,
und wir wollen nicht, dass die Frau von ihrer idealen Stellung, die sie
als Mutter und Erzieherin der kommenden Generationen einnimmt,
herabsteigt in das Getriebe des politischen Lebens», wetterte
1907 der Abgeordnete Friedrich Bindewald von der konservativen
Deutschen Reformpartei. Diese Verweigerung jeglicher politischer Rechte
trug auch zur Radikalisierung von Frauen wie Rosa Luxemburg oder Clara
Zetkin bei: Sie sahen das bürgerliche System auch wegen der
«Frauenfrage» am Ende.
Nachdem Frauen im «Dritten Reich» politisch abgemeldet
waren, hofften sie in der jungen Bundesrepublik auf Teilhabe. Aber von
den 70 Mitgliedern des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz
schrieb, waren nur vier Frauen. Im ersten Bundestag von 1949
saßen 31 Frauen, 6,9 Prozent der Abgeordneten. Und noch 1961
grummelte Kanzler Konrad Adenauer nach seinem Wahlsieg: «Was
sollen wir mit einer Frau im Kabinett? Dann können wir nicht
richtig reden.» Der «Alte» beugte sich dann doch. Er
ernannte die Juristin Elisabeth Schwarzhaupt (60) zur ersten
Bundesministerin. Weil sie ledig war, wurde sie trotz ihres Alters noch
als «Fräulein Schwarzhaupt» angeredet. Und Adenauer
schuf eigens ein Ministerium für die «Alibifrau», das
als «überflüssig» galt: Das
Gesundheitsministerium.
«Ich hatte Zeit meines Lebens, wenn ich als einzige Frau in einem
Männergremium saß, das Gefühl, eine fremde Sprache zu
sprechen», erinnerte sich Schwarzhaupt. Sie habe sich
benachteiligt gefühlt, weil Frauen «nur selten an den
Männerrunden abends beim Skat und am Biertisch teilnehmen, in
denen Personalprobleme gelöst und Stellen verteilt werden».
Käte Strobel war 1966 in der Großen Koalition die erste
Sozialdemokratin als Bundesministerin, Annemarie Renger eroberte 1972
als erste Frau das Amt der Bundestagspräsidentin.
Bis 1983 waren stets weniger als zehn Prozent der deutschen
Abgeordneten Frauen. Seither hat sich einiges geändert - auch dank
der anfänglich belächelten Quotenregelungen bei SPD und
Grünen. Der Frauenanteil ist auf mehr als 30 Prozent angewachsen.
Der Anteil liegt bei 32,8 Prozent insgesamt, am niedrigsten bei der
Union (23 Prozent), gefolgt von FDP (25), SPD (37) und den
Bündnis-Grünen als Spitzenreiter (58 Prozent).
Die einstige Hoffnung, die Frauen würden bei Wahlen auf ewig der
Linken dankbar sein, die so vehement für die politische
Emanzipation kämpfte, hat sich so nicht erfüllt. Lange Zeit
wählten die Frauen überwiegend rechts oder bürgerlich.
Und auch ein in den 70er Jahren für die SPD günstiger Trend
hat sich in den 90er Jahren wieder abgeschwächt. Die Chancen
stehen nicht schlecht, dass so wie in Großbritannien auch in
Deutschland eine Frau als Regierungschefin Geschichte schreiben
könnte - aus dem konservativen Lager.
Quelle: dpa, 05.03.04
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