Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Pentagon bekommt die Kontrolle über die Irak-Gelder +++
Übergangsverfassung wird nicht mehr geändert +++
Oberbefehlshaber der britischen Truppen im Irak bestätigt
Vorbehalte der Armeeführung gegen Irakkrieg
Mo.08.03.04 - Das Pentagon hat sich im Machtkampf mit dem Außenministerium in
der US-Regierung durchgesetzt und bekommt nun weitgehend die Kontrolle
über die 18,4 Milliarden Dollar für den Aufbau Iraks. Dies
teilte ein US-Vertreter am Sonntag in Bagdad. Aufbauprojekte, die seit
einem Monat auf Eis lagen, würden nun in dieser Woche in Angriff
genommen. Das Hilfspaket sieht 2.300 Bauprojekte in den kommenden vier
Jahren vor. Das Außenministerium ist dabei nur für rund zehn
Prozent zuständig.
Mit der Entscheidung bleibt das Pentagon auch nach dem Ende der
Besatzung in Irak maßgeblich zuständig für den
Wiederaufbau des Landes, wie es weiter hieß. Mit Beginn der Woche
würden nun Aufträge für fünf Milliarden Dollar an
17 Firmen vergeben, sagte ein Sprecher des zuständigen
Pentagon-Büros, Steven Susens. Zehn weitere große
Bauvorhaben würden Ende des Monats vergeben. Die USA hoffen, dass
Irak mit seiner erneuerten und modernisierten Infrastruktur zum Zentrum
des Wandels im Nahen Osten wird.
Trotz Einwänden des schiitischen Großayatollahs Ali el
Husseini el Sistani soll die irakische Übergangsverfassung am
(heutigen) Montag ohne Änderungen unterzeichnet werden. Das
kündigten schiitische Politiker nach Gesprächen mit dem
geistlichen Führer am Sonntag an.
"Sistani hat Vorbehalte, aber das ist kein Hindernis", sagte Mohammed
Hussein Bahr el Ullum, der bei den Verfassungsgesprächen für
die Ratspräsidentschaft vermittelte. "Der Text wird so
unterzeichnet, wie er von den Mitgliedern des Verwaltungsrates zuvor
beschlossen worden ist."
Mit seinem Widerstand gegen zwei Klauseln hatte Sistani die
Unterzeichnung der Charta am Freitag in letzter Minute platzen lassen.
Auf sein Drängen wandten sich fünf von 13 schiitischen
Ratsmitgliedern gegen die im Verfassungstext verankerten
Autonomierechte der Kurden und stellten auch die geplante
Präsidentschaft aus einem Staatsoberhaupt und zwei Stellvertretern
in Frage. Aus Kreisen der Besatzungsbehörden verlautete, weder
Kurden noch Sunniten seien zu einer Änderung des Textes bereit.
Daraufhin führten die fünf schiitischen Ratsmitglieder am
Wochenende mehrere Gespräche mit Sistani, um ihn zum Einlenken zu
bewegen. Das letzte Treffen fand am Sonntagmorgen statt, im Anschluss
sagte einer der fünf, Muwafak el Rubaie: "Es gibt gute Nachricht:
Wir werden die Verfassung morgen unterzeichnen." Details aus dem
Gespräch wurden zunächst nicht bekannt. Man sei froh, dass
der Großayatollah die Position der schiitischen Politiker
verstanden habe, sagte Rubaie.
Die endgültige Annahme des Grundgesetzes wäre ein Meilenstein
beim Aufbau einer Demokratie in Irak. US-Präsident George W. Bush
lobte das Dokument in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am
Samstag als großartigen Fortschritt. Erst auf massiven Druck der
US-Verwaltung war am vergangenen Montag die grundsätzliche
Einigung aller Parteien erzielt worden.
Bei einem Anschlag auf eine Polizeistation in Mossul wurden am Sonntag
zwei irakische Passanten getötet. Zwei irakische Polizisten wurden
verletzt, wie ihre Kollegen mitteilten. Demnach wurde die
Polizeistation aus einem vorbeifahrenden Auto heraus mit Granaten
beschossen.
Am Abend feuerten Aufständische in der Innenstadt von Bagdad
mindestens sieben Raketen ab. Dabei wurde das El-Raschid-Hotel
getroffen, in dem Vertreter der US-Besatzungsbehörde untergebracht
sind. Bei dem verletzten Amerikaner handelt es sich um einen
Zivilisten. Die Raketen wurden von einem Auto aus abgefeuert, das in
der Nähe des früheren irakischen Außenministeriums
stand. Das Fahrzeug ging bei dem Angriff in Flammen auf. Das
El-Raschid-Hotel liegt in unmittelbarer Nähe des Kongresszentrums,
in dem am Freitag die Übergangsverfassung unterzeichnet werden
sollte.
Der Oberbefehlshaber der britischen Truppen im Irakkrieg, Admiral
Michael Boyce, hat Medienberichte über Vorbehalte des Generalstabs
gegen die Invasion im März 2003 bestätigt. Er habe damals um
ein "eindeutiges Gutachten" zur Frage der Rechtmäßigkeit des
Krieges gebeten und eine entsprechende Mitteilung erst fünf Tage
vor dem Angriff erhalten, sagte Boyce der Sonntagszeitung "Observer".
Auf seine Bitte um "zwei oder drei Zeilen" zur Vereinbarkeit des
Krieges mit dem nationalen und internationalen Recht habe er vom
Rechtsberater der Regierung, Generalstaatsanwalt Peter Goldsmith, eine
unmissverständliche einzeilige Bestätigung der
Rechtmäßigkeit erhalten.
Auf die Frage, ob er ohne ein solches Gutachten einen Rücktritt
erwogen hätte, sagte Boyce der Zeitung: "Alles, was ich sagen
möchte, ist, dass es ein wichtiger Meilenstein war". Die
Entmachtung des damaligen irakischen Staatschefs Saddam Hussein habe er
jedoch vollständig unterstützt. Außerdem glaube er
immer noch, dass Irak Massenvernichtungswaffen besessen habe, die
möglicherweise versteckt oder in letzter Minute zerstört
worden seien.
Die ehemalige britische Entwicklungsministerin Clare Short hatte dem
"Observer" vor einer Woche gesagt, die Armeeführung habe einen
Einsatz in Irak aus völkerrechtlichen Bedenken zunächst
abgelehnt. Daraufhin habe der ebenfalls skeptische Goldsmith sein
Gutachten für die Regierung eilig umformuliert und die
Rechtmäßigkeit des Kriegs wenige Tage vor dem Angriff
bestätigt. Premierminister Tony Blair weigerte sich bislang, das
vertrauliche Gutachten zu veröffentlichen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Gutachten zum Irak-Krieg soll nachträglich
verändert worden sein
Mo.01.03.04 - Die in Großbritannien regierende Labour-Partei hat am Sonntag
Vorwürfe zurückgewiesen, Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith
habe vor dem Irak-Krieg ein Gutachten zur Rechtmäßigkeit des
Angriffs verändert. Zwei britische Zeitungen berichteten am
Sonntag, Goldsmith habe seine Position geändert, nachdem die
Streitkräfte Besorgnis geäußert hätten, ihre
Soldaten könnten nach einem Krieg strafrechtlich verfolgt werden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403010.htm#04030101
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Die 'Höhepunkte' des Irak-Kriegs als Computerspiel
Eine US-Firma geht mit Computerspielen auf den Markt, die Nachrichten
von der Front möglichst schnell in Form eines Spiels "authentisch"
aufbereiten will. Erste Mission: Die Liquidierung der
Hussein-Söhne...
Mehr bei telepolis (08.03.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/game/16909/1.html
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Nahost-Konflikt
21 Tote bei neuer Eskalation der Gewalt in Nahost - Bei
Trauerfeier Racheschwüre tausender Palästinenser im
Gazastreifen +++ Palästinenser beklagen zunehmende
Gesetzlosigkeit: Es komme vermehrt zu illegalen Festnahmen und
auch Folter durch palästinensische Sicherheitskräfte
Mo.08.03.04 - Bei einer neuen Eskalation der Gewalt in Nahost sind am Wochenende im
Gazastreifen 21 Palästinenser getötet worden.
Nach einem Angriff palästinensischer Extremisten auf den
Kontrollpunkt Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen rückten
israelische Soldaten am Sonntag in zwei Flüchtlingslager ein. Wie
palästinensische Behörden erklärten, starben bei
heftigen Feuergefechten 15 Palästinenser, darunter zwei Kinder im
Alter von 8 und 14 Jahren. Sechs Palästinenser waren am Vortag bei
dem Anschlag auf die Soldaten gestorben. Die Palästinensische
Autonomiebehörde rief den Weltsicherheitsrat auf, sich mit der
Lage zu befassen.
Papst Johannes Paul II. beklagte am Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem
Petersplatz in Rom die "schmerzliche Situation" in Nahost und rief dazu
auf, "den Weg der Vergebung und der Versöhnung" einzuschlagen.
Unterstützt von Kampfhubschraubern seien die Soldaten vor
Morgengrauen in die Flüchtlingslager El Bureidsch und Nuseirat
südlich von Gaza-Stadt eingedrungen, sagten Augenzeugen.
Palästinenser griffen mit Panzerfäusten an und zündeten
vorbereitete Sprengfallen. Unter den Toten waren zehn bewaffnete
Mitglieder militanter Gruppen. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt.
Der israelische Generalstabschef Mosche Jaalon sagte, der Einsatz habe
palästinensischen Terroristen gegolten.
"Soldaten haben sich um vier Uhr morgens den Weg in unseren Wohnblock
freigebombt", berichtete ein palästinensischer Augenzeuge. "Dann
haben sie unser Dach in einen Stützpunkt verwandelt, von dem sie
sich Gefechte mit den Bewaffneten lieferten. Frauen und Kinder schrien."
"Es ist ein großes Massaker heute gegen unser Volk. Wir rufen die
ganze Welt auf, es zu verurteilen", sagte der für die Region
zuständige palästinensische Gouverneur, Abdallah Abu
Samhadama. Die palästinensische Regierung von
Ministerpräsident Ahmed Korei verurteilte den Militäreinsatz
als "staatlichen Terror".
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat sagte,
Israel spreche an die Adresse der Welt gerichtet von einem Abzug aus
dem Gazastreifen, betreibe zugleich aber die Zerstörung dort.
Israelische Kommentatoren vermuteten, die Armee wolle ihr Vorgehen
gegen gewaltbereite Gruppen im Gaza-Streifen verstärken, bevor
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon mit der Umsetzung eines
Planes zur Räumung jüdischer Siedlungen in dem Gebiet
beginnen werde. Es wurde damit gerechnet, dass die ersten Siedlungen
gegen Jahresende aufgegeben werden. Nach Scharons Ankündigung war
es zu einer Eskalation der Gewalt gekommen. Politische Beobachter
sagten, die militanten Palästinenser-Gruppen wollten den Israelis
so viele Verluste wie möglich zufügen, um die Räumung
der Siedlungen als Niederlage im Kampf gegen die Palästinenser
erscheinen zu lassen.
Begleitet von Racheschwüren haben im Gazastreifen rund 10.000
Menschen Abschied von den Opfern des israelischen Militäreinsatzes
genommen. Unter die Menge der Trauernden mischten sich am Sonntag im
Flüchtlingslager von Nusseirat zahlreiche maskierte und bewaffnete
Männer und riefen Parolen wie "Rache, Rache" oder "Unsere Antwort
in Tel Aviv", wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
13 der insgesamt 15 bei israelischen Armee-Einsätzen in den
Flüchtlingslagern Bureidsch und Nusseirat Getöteten wurden in
einem nahe gelegenen Friedhof beigesetzt. In den beiden Camps leben
mehr als 100.000 Menschen. Nach israelischen Angaben beherbergen die
Lager palästinensische Extremisten.
Eine palästinensische Menschenrechtsgruppe hat am Sonntag der
Regierung von Präsident Jassir Arafat vorgeworfen, die zunehmende
Gesetzlosigkeit in den palästinensischen Gebieten zu ignorieren.
So komme es vermehrt zu illegalen Festnahmen und auch Folter durch die
palästinensischen Sicherheitskräfte, heißt es in dem
Bericht der Unabhängigen palästinensischen Kommission
für Bürgerrechte. Die Regierung scheine die Kontrolle
über die Sicherheitskräfte im Gazastreifen und Westjordanland
zu verlieren.
Kommissions-Mitglied Said Sajdani erklärte, es habe 2003 48 Morde
in den palästinensischen Gebieten gegeben. Die Polizei habe aber
weder einen einzigen Verdächtigen festgenommen noch überhaupt
eine ernsthafte Ermittlung eingeleitet. Ein Teil der Schuld liege bei
den Israelis, die zahlreiche Einrichtungen der palästinensischen
Polizei zerstört hätten. Die Menschen nähmen zunehmend
das Gesetz in die eigene Hand, erklärte Sajdani. Er rief die
palästinensische Autonomiebehörde auf, die
Sicherheitskräfte neu und entsprechend dem Gesetz zu ordnen.
(Quelle: afp, ap, rtr)
Ägyptens Präsident Mubarak verwahrt
sich gegen von außen aufgezwungene Reformen
Mo.08.03.04 - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat sich gegen eine
Einmischung von außen bei der Demokratisierung der Staaten im
Nahen Osten gewandt. Die demokratischen Reformen müssten von innen
kommen, sagte Mubarak am Sonntag bei einem Gespräch mit dem
britischen Premierminister Tony Blair.
Ein Sprecher der ägyptischen Botschaft in London, Ajman el Kaffas,
sagte, der Präsident habe unterstrichen, dass eine Modernisierung
sich aus den Traditionen und der Kultur der Region heraus entwickeln
müsse. Es gebe keinen Zauber, mit dem man die Demokratie über
Nacht einführen könne und man könne sie schon gar nicht
diktieren. Ägypten sei jedoch dankbar für die Hilfe der
Europäer und der USA, um der Region im Nahen Osten Frieden und
Wohlstand zu bringen, sagte Kaffas.
Blairs Büro erklärte, die beiden Staatsmänner
hätten über die Umsetzung von Reformen im Nahen Osten
gesprochen.
(Quelle: ap)
Foltervorwürfe gegen US-Truppen in Afghanistan
Mo.08.03.04 - Die US-Streitkräfte in Afghanistan sehen sich mit schweren
Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Die
Organisation Human Rights Watch sprach am Montag in Kabul von
Verhaftungen ohne Rechtsgrundlage und Hinweisen auf Folterungen. Es
gebe glaubwürdige und übereinstimmende Beschuldigungen, dass
Gefangene geschlagen, mit Ketten gefesselt oder mit Schlafentzug
gequält würden, heißt es in einem 50-seitigen Bericht.
Die Menschenrechtler warfen US-Truppen vor, bei Razzien zur Festnahme
von Verdächtigen Verletzungen oder den Tod von Unbeteiligten in
Kauf zu nehmen. Als Beispiel wurde die Erschießung eines Bauern
bei der Verhaftung eines anderen Mannes und seiner beiden Söhne
genannt, die alle drei später wieder freigelassen wurden.
Kritisiert wurden auch Militäraktionen im Dezember vergangenen
Jahres, bei denen in den Provinzen Paktia und Ghasni 15 Kinder
getötet wurden.
Die US-Streitkräfte wiesen den Bericht zurück und
erklärten, die Verfasser hätten die besondere Lage in dem von
Konflikten erschütterten Land nicht berücksichtigt. Zum Tod
von Unbeteiligten bei Militäraktionen sagte der amerikanische
Oberstleutnant Bryan Hilferty: «Wir sind nicht vollkommen. Aber
wir bemühen uns intensiv um Besserung.»
(Quelle: ap)
Handgemenge im iranischen Parlament
Mo.08.03.04 - Im iranischen Parlament ist es am Sonntag zu einem Handgemenge
gekommen, nachdem ein reformorientierter Abgeordneter den Expertenrat
zu einer Überprüfung der Arbeit des obersten geistlichen
Führers Ayatollah Ali Chamenei aufgefordert hatte. Für
Hardliner steht Chamenei, der in allen Fragen das letzte Wort hat,
über allen Dinge, auch der Verfassung, und verantwortlich ist er
nur vor Gott. Der nur aus Geistlichen bestehende Expertenrat wählt
den obersten Geistlichen Führer des Landes und soll eigentlich
auch seine Arbeit überwachen. Einen Bericht hat es aber noch nie
gegeben.
«Stand die Arbeit des obersten geistlichen Führers und der
Gremien unter seiner Kontrolle bei den letzten Scheinwahlen in Einklang
mit Ehrlichkeit, Umsicht und Fairness?» fragte der Abgeordnete
Ali Akbar Musawi Choeini in der im Fernsehen übertragenen Debatte.
Er wurde danach von mehreren Hardlinern angegriffen, getreten und am
Weiterreden gehindert. Choeini bezog sich auf die Parlamentswahl am 20.
Februar, zu der der Wächterrat, ein von Chamenei besetztes
Gremium, tausende reformorientierte Kandidaten nicht zugelassen hatte.
Die Wahl endete dementsprechend mit dem Sieg der Konservativen.
(Quelle: rtr)
Iran fordert Ende der Untersuchungen zum Atomprogramm
Mo.08.03.04 - Der Iran hat am Sonntag an die Internationale Atomenergiebehörde
(IAEA) appelliert, die Untersuchungen zu dem umstrittenen
Atomwaffenprogramm des Landes zu beenden.
Der Golfstaat steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Der
Iran bestreitet dies und hat wiederholt betont, das Programm diene
lediglich friedlichen Zwecken.
"Der Fall der friedlichen nuklearen Aktivitäten sollte
vollständig abgeschlossen werden und von der Tagesordnung der IAEA
gestrichen werden", wurde der Chef des Obersten Sicherheitsrates des
Landes, Hassan Rohani, im staatlichen Fernsehen zitiert. Die Welt
müsse das iranische Recht anerkennen, Atomkraft friedlich nutzen
zu dürfen.
Rohani äußerte sich vor einer Konferenz des
IAEA-Führungsgremiums in Wien, auf der ab Montag ein neuer
Iran-Bericht der Behörde erörtert werden soll. Danach hat der
Iran entgegen seiner Verpflichtung die Forschung mit Zentrifugen, die
bei einer Anreicherung von Uran zu waffenfähigem Material
benötigt werden, nicht bei der IAEA deklariert.
Nach einem Besuch des IAEA-Chefs Mohamed ElBaradei im Iran vor rund
einem Jahr hatte die UNO-Organisation eine Untersuchung eingeleitet, zu
der auch Inspektionen der Atomanlagen gehörten. Im November sagte
der Iran zunächst zu, sein gesamtes Atomprogramm offenzulegen. Das
Land stimmte auch der Unterzeichung eines Zusatzprotokolls zum
Atomwaffensperrvertrag zu, das IAEA-Inspektoren unangekündigte und
intensivere Kontrollen ermöglicht. Die Inspektionen ergaben
jedoch, dass der Iran der IAEA nicht alle Details seines Atomprogramms
berichtet hat.
(Quelle: ap)
Nordkorea will Abzug von US-Truppen aus dem Süden fordern
Mo.08.03.04 - Die Führung Nordkoreas will bei den internationalen Verhandlungen
über die Einstellung ihres Atomprogramms unter Umständen auch
den Abzug der US-Struppen aus dem Süden der Halbinsel fordern. Die
amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete dies am Montag als
Gegenforderung zu jüngsten Erklärungen der USA, wonach die
Einstellung des militärischen Atomprogramms in Nordkorea
umfassend, überprüfbar und unumkehrbar sein müsse. Die
Teilnehmer an den Verhandlungen - neben den beiden koreanischen Staaten
und den USA sind dies China, Russland und Japan - haben bis Juli eine
weitere Runde vereinbart, die in Arbeitssitzungen vorbereitet werden
soll.
(Quelle: ap)
Diskussion um mehr Demokratie in Hongkong - China warnt vor
'Einmischung von Außen'
Mo.08.03.04 - China hat in der Diskussion um mehr Demokratie in Hongkong vor einer
«Einmischung von Außen» gewarnt. Außenminister
Li Zhaoxing reagierte damit auf den hochrangigen Empfang des
demokratischen Aktivisten Martin Lee in Washington.
Verwirrung löste am Sonntag eine falsche Übersetzung im
englischen Dienst der Nachrichtenagentur Xinhua aus, wonach der
chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao das Autonomiekonzept
«ein Land, zwei Systeme» für Hongkong
«überprüfen» wolle. Im Chinesischen hatte Hu
Jintao vielmehr gesagt, es sei nötig, sich das Konzept des
früheren Parteichefs Deng Xiaoping «ins Bewusstsein zu
rufen».
Hu Jintao war am Rande der diesjährigen Plenartagung des
Volkskongresses in Peking mit Hongkongs Regierungschef Tung Chee-hwa
zusammengetroffen. Dabei sprach sich der Präsident nach dem
chinesischen Text ausdrücklich für das Konzept Dengs aus,
nach dem die ehemalige britischen Kronkolonie seit ihrer Rückgabe
1997 an China regiert wird. In dem Streit um eine schnellere
Demokratisierung Hongkongs hatte die kommunistische Führung
allerdings immer wieder seine Souveränität über Hongkong
betont. Ohne «ein Land» könne es das Konzept
«ein Land, zwei Systeme» nicht geben, hieß es.
(Quelle: dpa)
China will auch Frauen ins All schicken
Mo.08.03.04 - Rechtzeitig zum internationalen Frauentag hat China angekündigt,
demnächst eine Frau ins All zu schicken. Das Training weiblicher
Taikonauten werde bald beginnen, sagte die Vorsitzende der chinesischen
Frauenvereinigung Gu Xiulian laut der Nachrichtenagentur Xinhua.
Es sei ihre Idee gewesen, Frauen für einen Weltraumflug zu
trainieren, und sie habe diesen Vorschlag nach dem erfolgreichen ersten
bemannten Weltraumflug im Oktober vergangenen Jahres gemacht, sagte Gu.
Die chinesische Führung habe diesen Vorschlag angenommen.
China will im kommenden Jahr wieder zwei Menschen ins All
befördern. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass darunter eine
Frau sein wird: Alle Kandidaten dafür stehen bereits fest, und
alle sind Männer
(Quelle: afp)
Generalstreik zum Frauentag in Nepal
Mo.08.03.04 - Mit einem Generalstreik ist der internationale Frauentag in Nepal
begangen worden. Schulen und Geschäfte blieben am Montag
geschlossen, auf den Straßen der Hauptstadt Kathmandu waren weder
Busse noch Taxis zu sehen. Aufgerufen zu dem Streik hatte die
Frauenorganisation der maoistischen Rebellen in Nepal. Die Aktion
richte sich gegen gewaltsame Übergriffe auf Frauen, erklärte
die Organisation.
(Quelle: ap)
Ruandas Parlament zählt mit fast 50 Prozent die meisten Frauen
Mo.08.03.04 - Ruanda ist derzeit das Land mit den meisten Frauen im Parlament: 48,8
Prozent der Abgeordneten in Kigali sind seit der Wahl vom vergangenen
Jahr Frauen, wie aus einer am Sonntag in Genf anlässlich des
Internationalen Frauentags veröffentlichten Studie der
Interparlamentarischen Union (IPU) hervorgeht. Damit liegt das
afrikanische Land weit über dem weltweiten Durchschnitt, der laut
IPU derzeit bei 15,2 Prozent liegt. Die Tendenz ist demnach steigend:
2002 saßen noch 14,3 Prozent, ein Jahr später bereits 14,8
Prozent Frauen in den Parlamenten. Nur in 14 der 181 betrachteten
Länder sind mehr als 30 Prozent der Parlamentarier Frauen; in 65
Ländern sind es weniger als zehn Prozent. Auf den Pazifikinseln
Mikronesien und Nauru sowie in Kuwait sind Frauen noch immer von den
Volksvertretungen ausgeschlossen.
(Quelle: afp)
Fünf Tote bei Schüssen auf Demonstration in Haiti
Mo.08.03.04 - Haiti kommt auch eine Woche nach dem Sturz von Präsident
Jean-Bertrand Aristide nicht zur Ruhe. Bei Schüssen auf eine
Kundgebung von tausenden Aristide-Gegnern wurden am Sonntag mindestens
fünf Menschen getötet, darunter ein Kameramann des spanischen
Senders Antena 3. Unter den mehr als 30 Verletzten war auch ein
US-Fotograf. Demonstrationsteilnehmer vermuteten Anhänger
Aristides hinter den Schüssen. Soldaten der Friedenstruppen waren
nicht in der Nähe.
Die Kundgebung vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt
Port-au-Prince, auf der ein Prozess gegen den gestürzten
Staatschef gefordert wurde, stand unter dem Schutz von Polizisten,
US-Marineinfanteristen und französischen Fremdenlegionären.
Die Soldaten bestätigten zwar, dass es Opfer gab, wollten aber
keine Einzelheiten nennen. Eine ebenfalls für Sonntag geplante
Gegenkundgebung von Anhängern des Expräsidenten wurde aus
Angst vor Zusammenstößen kurzfristig abgesagt.
Die Demonstranten forderten auf Transparenten: «Aristide vor
Gericht. Aristide ins Gefängnis!» Sie forderten auch die
Festnahme von Ministerpräsident Yvon Neptune und anderer Vertreter
der Regierung Aristide. Nach den Schüssen liefen die Menschen
davon und suchten Schutz. US-Soldaten halfen mindestens sechs
Verletzten, von denen einige offenbar Schusswunden hatten.
Der haitianische Rebellenführer Guy Philippe hat nach den
gewaltsamen Ausschreitungen in Port-au-Prince eine Rückkehr zur
Waffengewalt nicht ausgeschlossen. Er werde "sehr bald gezwungen sein,
seinen Truppen den Befehl zu geben, wieder zu den Waffen zu greifen,
die sie niedergelegt haben", sagte Philippe am Sonntag im privaten
Rundfunksender Radio Vision 2000. Philippe forderte die Festnahme von
Regierungschef Yvon Neptune, dem er die Verantwortung für die
Gewalt am Sonntag gab. "Wenn niemand die Verantwortung übernimmt,
werde ich meine wahrnehmen", sagte Philippe.
Aristide-Anhänger hatten bereits am Freitag zum Teil bewaffnet
für eine Rückkehr Aristides demonstriert. Dieser meldete sich
am Sonntag in seinem Exil in Bangui in der Zentralafrikanischen
Republik erstmals seit einer Woche wieder zu Wort. Er ließ
allerdings nur mitteilen, dass es ihm gut gehe und dass er sich zu
gegebener Zeit den Fragen der Reporter stellen werde. Bei der Verlesung
der Erklärung war er selbst nicht zugegen, sondern nur seine Frau
Mildred, die sich aber nicht äußerte.
Unterdessen begann eine Kommission mit der Suche nach einem neuen
Ministerpräsidenten. Eine Entscheidung solle vermutlich Anfang der
Woche fallen, teilte ein Mitglied des Mehrparteiengremiums mit. Die am
Freitag ernannten sieben Mitglieder des Gremiums, das einen neuen
Regierungschef für den Karibikstaat vorschlagen soll, begannen am
Samstag mit ihren Beratungen und setzten diese am Sonntag fort. Auf
Druck der Opposition soll der bisherige Ministerpräsident Neptune
abgelöst werden.
Rebellenführer Guy Philippe sprach sich derweil für eine
Wiedereinführung der 1995 aufgelösten Streitkräfte des
Landes aus. Er habe mit dem Sammeln von Unterschriften dafür
begonnen, sagte er. Aristide hatte die Armee 1995 aufgelöst, die
ihn vier Jahre zuvor mit einem Putsch aus dem Amt getrieben hatte.
Viele von Philippes Kämpfern betonten am Samstag nochmals, sie
wollten ihre Waffen nicht abgeben, solange nicht auch die Anhänger
Aristides entwaffnet seien.
Der Ausfall des Stroms für den Betrieb der Kühlaggregate
führte unterdessen in der Leichenhalle von Port-au-Prince zu
katastrophalen Zuständen. Dort stapelten sich am Sonntag die
Leichen von mehr als 200 Menschen. Um die in der Innenstadt gelegenen
Leichenhalle herum machte sich Verwesungsgeruch breit. Um die Leichen
herum schwirren Fliegen. Unter den Toten sind auch Säuglinge, die
an Unterernährung gestorben sind. Die letzten Leichen, zwei
Männer mit Schusswunden, seien am Freitag angeliefert worden,
sagte ein Mitarbeiter der Leichenhalle.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Tausende Haitianer rufen nach Rückkehr Aristides - Wahlkommission
für neuen Ministerpräsidenten in Haiti gebildet - USA
führen ausländische Soldaten in Haiti
Sa.06.03.04 - Knapp eine Woche nach dem Sturz des haitianischen Präsidenten sind
am Freitag rund 3.000 Menschen für eine Rückkehr
Jean-Bertrand Aristides auf die Straße gegangen. Die zum Teil
bewaffnete Demonstranten marschierten vor die Botschaften der USA und
Frankreichs in Port-au-Prince und protestierten gegen die Stationierung
von Soldaten aus beiden Ländern... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030612
Haiti steht wiederum in Flammen..
Jedoch begreift fast niemand, dass das heutige Chaos von Washington produziert
wurde – willentlich, zynisch und zielstrebig... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#040305_a
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1031
Venezuelas Präsident Chavez wirft USA Umsturzpläne vor
Mo.08.03.04 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat den USA vorgeworfen,
nach dem Vorbild Haitis einen Sturz seiner Regierung zu planen. Der
Staatschef machte die US-Regierung am Sonntag in seiner
wöchentlichen Fernsehansprache für die Entmachtung des
haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide verantwortlich.
Für den Fall, dass die USA ähnliche Pläne für
Venezuela verfolgten, werde er die Öllieferungen einstellen und
einen «hundertjährigen Krieg» beginnen, sagte Chavez.
Venezuela deckt bislang 15 Prozent des Rohölbedarfs der USA. Die
Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit längerem gespannt.
Am Samstag demonstrierten mindestens 500.000 Menschen in der Hauptstadt
Caracas gegen eine Entscheidung der staatlichen Wahlkommission, die ein
von der Opposition angestrebtes Referendum über die
Amtsführung von Chavez für nicht zulässig erklärt
hat.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Venezuela: Hunderttausende demonstrieren gegen Absage der Volksabstimmung
So.07.03.04 - Hunderttausende Venezolaner haben am Samstag gegen die Entscheidung der
Wahlkommission demonstriert, die Petition für ein
Abwahl-Referendum gegen Präsident Hugo Chavez für
ungültig zu erklären. Die Demonstranten strömten in der
Hauptstadt Caracas in Sternmärschen in das Stadtzentrum. Sie
kündigten, weiter für die Absetzung von Chavez kämpfen
zu wollen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403070.htm#04030708
Krise in Venezuela treibt Ölpreise weiter hoch
Sa.06.03.04 - Die zugespitzte politische Lage im Förderland Venezuela und die
bevorstehende Produktionsdrosselung der Opec haben die Ölpreise am
Freitag auf ein Ein-Jahres-Hoch getrieben. In den USA treffen die
Raffinerien bereits Vorbereitungen auf Lieferunterbrechungen aus
Venezuela, obwohl das Land versichert, dass es dazu nicht kommen wird.
Die Regierung in Washington hat sich bereits "extrem besorgt" über
die kräftig anziehenden Benzinpreise geäußert... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030613
Mehr zum Thema "Venezuela" unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv3/k0403020.htm#040301_e
http://home.t-online.e/home/boa-archiv3/k0403010.htm#04030105
http://www.jungewelt.de/2004/03-04/005.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-05/006.php
Konservative gewinnen Wahl in Griechenland
Mo.08.03.04 - Die griechischen Konservativen haben die Parlamentswahl am Sonntag
deutlicher als erwartet gewonnen und lösen die seit einem
Jahrzehnt regierenden Sozialisten an der Macht ab.
Der künftige Ministerpräsident Kostas Karamanlis sagte in
seiner Siegesrede, er werde keine Zeit verlieren, die Zypern-Frage zu
lösen und den Erfolg der Olympischen Spiele im August sicher zu
stellen. "Wir stehen heute hier nicht um uns zu brüsten, sondern
um zu sagen, dass morgen die Arbeit beginnt", sagte er. Die
Vorbereitungen für die Spiele liegen im Zeitplan zurück -
weniger als die Hälfte der Sportstätten ist fertig gestellt.
Die neue Regierung steht zudem vor der Aufgabe, die Arbeitslosigkeit
von fast 10 Prozent zu bekämpfen.
Nach Auszählung der Hälfte der Stimmen kam die konservative
Neue Demokratie (ND) von Karamanlis auf 46,6 Prozent. Die Sozialisten
(Pasok) mit dem bisherigen Außenminister Georgios Papandreou an
der Spitze erhielten 40,4 Prozent. In dem 300 Sitze großen
Parlament entfallen demnach 167 Sitze auf die Neue Demokratie und 116
auf die Sozialisten, die seit 1981 nur drei Jahre in der Opposition
verbracht haben.
Obwohl Griechenland ein stabiles Wirtschaftswachstum aufzuweisen hat,
haben die beiden großen Parteien vor allem mit Wirtschaftsthemen
um Stimmen geworben und damit dem Eindruck vieler Bürger Rechnung
getragen, bisher sei zu wenig geschehen, um Arbeitsplätze zu
schaffen und den Lebensstandard auf breiter Ebene zu verbessern. Nicht
zuletzt wegen schlechter Umfragewerte hatte der bisherige
Ministerpräsident Kostas Simitis darauf verzichtet, wieder
für die Pasok anzutreten, und hatte den Weg für Papandreou
frei gemacht.
Mit dem 48-jährigen Karamanlis und dem 52-jährigen Papandreou
warben die Nachkommen zweier großer politischer Dynastien
Griechenlands um die Unterstützung der rund zehn Millionen
Wähler. Papandreous Vater und Großvater bekleideten bereits
das Amt des Regierungschefs. Karamanlis Onkel führte das Land als
Ministerpräsident aus der militärischen Diktatur. Karamanlis
wird der erste Ministerpräsident des Landes sein, der nach dem
Zweiten Weltkrieg und dem bitteren Bürgerkrieg des Landes zwischen
den Konservativen und Kommunisten in den Jahren 1946 bis 1949 geboren
ist.
(Quelle: rtr)
Landtagswahl in Österreich: Haider führt FPÖ in
Kärnten überraschend zum Sieg
Mo.08.03.04 - Der Rechtspopulist Jörg Haider hat bei der Landtagswahl in
Kärnten am Sonntag mit dem Wahlsieg für die FPÖ ein
politisches Comeback geschafft.
Für die Freiheitliche Partei (FPÖ) war es der erste Erfolg
nach einer Serie von schweren Niederlagen. Überraschend sei, wie
deutlich Haider gewonnen habe, sagten Politikwissenschaftler. Laut dem
vorläufigen amtlichen Endergebnis erreichte die FPÖ 42,5
Prozent der Stimmen. Kanzler Wolfgang Schüssels konservative
Volkspartei (ÖVP) verlor sowohl in Kärnten als auch im
Bundesland Salzburg Stimmen, wo ebenfalls der Landtag gewählt
wurde. Die Sozialdemokraten machten in Salzburg der jahrzehntelangen
Vorherrschaft der ÖVP in der Landesregierung ein Ende.
"Haider zeigt ein politisches Comeback", sagte der Analyst Peter Hajek
vom Meinungsforschungsinstitut OGM. Der 54-jährige Populist hat
nun gute Chancen auf eine zweite Amtszeit als Regierungschef des
Landes, in dem er seine größten Erfolge gefeiert hat.
Allerdings wird der Kärntner Landeshauptmann erst von den im
Landtag vertretenen Parteien gewählt. Die Stimmen der FPÖ
alleine reichen nicht und ÖVP oder SPÖ haben sich dazu noch
nicht geäußert. In Umfragen hatte es nach einem relativen
knappen Rennen zwischen Haiders Freiheitlichen und den Sozialdemokraten
ausgesehen. Die SPÖ blieb allerdings mit 38 Prozent der Stimmen
klar hinter der FPÖ.
In Salzburg wird die SPÖ jedoch nach einem Stimmengewinn von mehr
als 13 Prozentpunkten erstmals das Amt des Regierungschefs von der
ÖVP übernehmen, die hier seit 1945 regiert. Die
Sozialdemokraten erreichten einer Hochrechnung zufolge mehr als 45,9
Prozent und ließen die ÖVP mit rund 37 Prozent und die
FPÖ mit rund neun Prozent der Stimmen hinter sich. In Kärnten
und Salzburg waren insgesamt rund 800.000 Bürger wahlberechtigt.
Haider sagte am Wahlabend im ORF, er wolle in Kärnten bleiben und
habe keine Ambitionen, in die Bundespolitik zurückzukehren. Die
Bevölkerung habe sich für ihn als Landeshauptmann
entschieden. Er werde nun nicht flüchten oder woanders hingehen.
Nach Einschätzung von Franz Sommer vom Wiener Zentrum für
Politikforschung ist damit zu rechnen, dass Haider von der FPÖ nun
bestürmt werde, den Parteivorsitz wieder zu übernehmen.
"Möglicherweise wird er auch gedrängt, bei der nächsten
bundesweiten Wahl für die FPÖ ins Rennen zu gehen", sagte er.
Der Meinungsforscher Peter Ulram vom Institut Fessel & Gfk sagte,
Haiders Wahlsieg "mag ein Comeback sein, aber das ist kein Trend
für die FPÖ". Bei der Salzburger Wahl habe die FPÖ die
Hälfte immerhin ihrer Stimmen eingebüßt.
Ohne Haider an der Parteispitze ist die FPÖ bei der letzten
Parlamentswahl im November 2002 auf ein Drittel ihrer Stimmen
abgestürzt, hat aber mit der ÖVP erneut die
österreichische Bundesregierung gebildet. Schüssels ÖVP
war mit mehr als 42 Prozent der Stimmen Wahlsieger.
(Quelle: rtr)
Bericht über 1,7 Milliarden Zweimonatsdefizit bei Bundesagentur
Mo.08.03.04 - Bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ist laut
«Bild»-Zeitung (Montagausgabe) in den ersten zwei Monaten
dieses Jahres bereits ein Defizit von 1,73 Milliarden Euro aufgelaufen.
Unter Berufung auf eine interne Aufstellung der Agentur berichtet das
Blatt weiter, außerdem seien 500 Millionen Euro zusätzliche
Arbeitslosenhilfe angefallen, die der Bund zu tragen habe. Der Zeitung
zufolge vertritt der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann die
Ansicht, damit stehe jetzt schon fest, dass der für dieses Jahr
eingeplante Bundeszuschuss für die Bundesagentur in Höhe von
5,2 Milliarden Euro auch nicht annähernd ausreichen werde.
(Quelle: ap)
Auch dieses Jahr zeichnet sich Lehrstellen-Mangel ab
Mo.08.03.04 - Die Wirtschaft hält sich laut einem Bericht der «Financial
Times Deutschland» auch in diesem Jahr beim Anbieten von
Ausbildungsplätzen zurück. Da die Anzahl der Bewerber steige,
zeichne sich eine wachsende Lehrstellenlücke ab, schreibt das
Blatt unter Berufung auf Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit. Bis
Ende Februar seien 342.678 Lehrstellen gemeldet gewesen, rund 25.000
weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Beworben hätten sich
501.816 Jugendliche, das seien rund 15.000 mehr als seinerzeit.
Darunter seien auch zahlreiche «Altbewerber», die im
vergangenen Jahr nicht zum Zug gekommen seien. Die Zeitung meint, die
Zurückhaltung der Wirtschaft könne darauf
zurückzuführen sein, dass die Unternehmen den Ausgang der
Diskussion um die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe oder die
Entwicklung der Konjunktur abwarten wollten.
(Quelle: ap)
Firmen prüfen Rückkehr zur 40-Stunden-Woche
Mo.08.03.04 - Nach DaimlerChrysler prüfen einem Zeitungsbericht zufolge eine
Reihe weiterer Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie eine
Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Damit würden die Unternehmen
die neuen Möglichkeiten des Tarifabschlusses in die Praxis
umsetzen.
Unter anderem erwögen der Autohersteller Porsche sowie der
Technologiekonzern Siemens, hoch qualifizierte Mitarbeiter bei vollem
Lohnausgleich künftig 40 statt bisher 35 Wochenstunden arbeiten zu
lassen, berichtete das "Handelsblatt" am Sonntag vorab unter Berufung
auf eine Umfrage. Auch der Autozulieferer Bosch prüfe eine
Arbeitszeitverlängerung.
Das Thema werde derzeit auch mit dem Betriebsrat diskutiert, sagte eine
Siemens-Sprecherin. Konzernchef Heinrich von Pierer hatte während
der jüngsten Tarifverhandlungen angedroht, aus dem
Flächentarif auszusteigen und die Tarifregelung in Deutschland
mehrfach als zu unflexibel kritisiert.
Die Tarifparteien der Metall- und Elektrobranche hatten
Öffnungsklauseln vereinbart, die eine Verlängerung der
Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden für besonders qualifizierte
Mitarbeiter erlaubt.
(Quelle: rtr)
Union einigt sich auf gemeinsame Konzepte zu Steuern und Arbeitsmarkt
Mo.08.03.04 - CDU und CSU haben sich auf eine gemeinsame Linie bei den
Arbeitsmarktreformen und beim Umbau des Steuersystems geeinigt.
Mehrere führende Unionspolitiker zeigten sich nach der über
neunstündigen Sitzung zufrieden mit dem gefundenen Kompromiss.
"Wir können eine Alternative zur Bundesregierung
präsentieren", sagte CSU-Chef Edmund Stoiber am Montag in Berlin.
Allerdings wurde ein Papier der Unionsführung mit drastischen
Einschnitten in das Arbeits- und Tarifrecht deutlich entschärft.
So wurde der Punkt gestrichen, wonach der Kündigungsschutz in den
ersten vier Jahren nach Neueinstellung komplett aufgehoben werden soll.
Das Konzept zum Arbeits- und Tarifrecht, das von den
Generalsekretären Laurenz Meyer (CDU) und Markus Söder (CSU)
erarbeitet worden war, hatte schon im Vorfeld der Sitzung für
heftige Kritik gesorgt. Der CDU-Arbeitnehmerflügel CDA, aber auch
mehrere CDU-Ministerpräsidenten hatten es als inakzeptabel und
nicht vereinbar mit der Beschlusslage der Partei bezeichnet. In der
nach Teilnehmerangaben kontroversen Sitzung wurde nun vereinbart, dass
die Forderung nach einer Aufhebung der Allgemeinverbindlichkeit von
Tarifverträgen wieder aus dem Papier gestrichen wird.
Auch eine Kürzung des Arbeitslosengeldes um 25 Prozent im ersten
Monat der Erwerbslosigkeit fand nicht die Unterstützung der
Parteipräsidien. Dagegen sei es dabei geblieben, dass über
50-jährige Arbeitslose bei Neueinstellung auf den
Kündigungsschutz verzichten sollen. Der CDA-Vorsitzende
Hermann-Josef Arentz (CDU) zeigte sich nach dem Treffen zufrieden mit
dem Ergebnis. "Es war aus Sicht der Arbeitnehmer eine gute Sitzung",
sagte er. Dagegen erklärte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, er
hätte sich gewünscht, dass die Union beim Arbeitsrecht weiter
gegangen wäre.
Weniger umstritten war im Vorfeld der Sitzung das Thema Steuern.
Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz (CDU) und der bayerische
Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) hatten für das Treffen ein
Papier ausgearbeitet, in dem die Positionen von CDU und CSU
zusammengeführt wurden. Nach der Sitzung hieß es, es habe am
dem Konzept keine tief greifenden Änderungen mehr gegeben.
Merz und Faltlhauser schlagen vor, das Steuersystem in zwei Stufen zu
reformieren. Zunächst soll der Eingangssteuersatz und der
Spitzensteuersatz auf zwölf beziehungsweise 36 Prozent gesenkt
werden. Kurzfristig soll es den Plänen zufolge beim bisherigen
linear-progressiven Steuerverlauf bleiben, langfristig soll aber auf
ein Stufenmodell umgestellt werden. Um die Steuersenkungen finanzieren
zu können, sollen Vergünstigungen wie etwa steuerfreie Sonn-
und Feiertagszuschläge gestrichen werden.
(Quelle: rtr)
Finanzhof-Präsidentin: Radikale Steuervereinfachung unzulässig
Mo.08.03.04 - Eine radikale Vereinfachung des Steuerrechts ist nach Auffassung der
Präsidentin des Bundesfinanzhofs (BFH), Iris Ebling, rechtlich
nicht zulässig.
"Eine radikale Vereinfachung, wie sie in der Vergangenheit diskutiert
worden ist, wird es nicht geben", sagte Ebling dem Berliner
"Tagesspiegel" (Montagausgabe). Vorschläge, wie sie Union und FDP
gemacht hatten, die auf nur noch drei Steuersätzen und im Gegenzug
auf die Streichung aller Vergünstigungen hinaus liefen, seien
rechtlich "nicht zulässig", betonte die oberste Steuerrichterin.
"Wenn Sie Aufwendungen haben, um Einnahmen zu erzielen, dann kann man
Ihnen nicht vorschreiben, dass Sie Ihre Aufwendungen nur zum Teil
absetzen können." Pauschale Lösungen etwa für
Gewerbetreibende könne es nicht geben, weil jeder Betrieb anders
sei. Auch Arbeitnehmern könne nicht einfach vorgeschrieben werden,
dass sie ihre Belastungen nur im Rahmen einer festgelegten Pauschale
absetzen und keine weiteren Werbungskosten geltend machen könnten.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft wünscht schnellere Steuerreform
Mo.08.03.04 - Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft haben verhalten auf die
Steuerreformpläne der Union reagiert. «Bei der
Unternehmensbesteuerung ist vieles unklar», sagte der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, dem Düsseldorfer
«Handelsblatt» (Montagausgabe). Aus Sicht des Handwerks
lasse sich die Union zu viel Zeit mit ihren Reformplänen.
«Der Mittelstand kann nicht bis 2008 warten. Wir brauchen rasch
konkrete Entlastungsschritte», forderte der Generalsekretär
des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard
Schleyer. Eine Entlastung um 10,7 Milliarden Euro, wie sie das
Unions-Konzept im ersten Schritt vorsehe, liege am unteren Rand dessen,
was notwendig sei.
Die zweite Stufe der Steuerreform ist nach Meinung beider
Spitzenverbandsvertreter zu wenig konkret. Die Abschaffung der
Gewerbesteuer und die Freistellung von Betrieben von der
Erbschaftsteuer allerdings begrüßten sie. Dies seien
zentrale Vorschläge der Wirtschaft.
(Quelle: ddp)
Präsidentschaftskandidat Köhler mahnt einschneidendere
Reformen an - Sozialstaat müsse stärker umgebaut werden
Mo.08.03.04 - Der Oppositionskandidat für das Bundespräsidentenamt, Horst
Köhler, dringt auf noch tiefer greifende Reformen als von der
rot-grünen Bundesregierung begonnen. «Deutschland muss noch
mehr aufwachen», sagte Köhler am Sonntag nach seiner
Vorstellung bei den Unionsspitzen in Berlin. Die Agenda 2010 sei eine
«wichtige und richtige Signalentscheidung», reiche aber
nicht aus.
Nachdrücklich wandte sich Köhler dagegen, den Problemen mit
«Defätismus» zu begegnen. Deutschland habe das
Potenzial, mit den Herausforderungen der Globalisierung fertig zu
werden, betonte der bisherige Direktor des Internationalen
Währungsfonds. Doch müsse den Menschen besser erklärt
werden, warum Veränderungen notwendig seien. Der Sozialstaat
müsse stärker umgebaut werden, nicht um Sozialabbau zu
betreiben, sondern um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern.
Er verstehe das Bundespräsidentenamt als «Amt für alle
Menschen», betonte Köhler und versicherte, im Fall seiner
Wahl «immer im Rahmen des Verfassungsmandats» zu arbeiten.
Die nächsten Wochen wolle er dazu nutzen, mit den Menschen zu
sprechen und zuzuhören, wo der Schuh drücke.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel zeigte sich gewiss, dass der
gemeinsame Kandidat von Union und FDP es schaffen werde, den Menschen
«Ängste und Sorgen zu nehmen», dass Wohlstand und
Leistung erhalten blieben. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte voraus,
Köhler werde ein «außerordentlich aktiver»
Bundespräsident sein und sich in die gesellschaftliche Diskussion
einschalten.
(Quelle: ap)
Attac kritisiert Aufstellung von Horst Köhler
"Rhetorischer Süßholzraspler, der für neoliberale
Politik steht"
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat die Nominierung von
IWF-Direktor Horst Köhler für das Amt des
Bundespräsidenten kritisiert. "Köhler steht für die
neoliberale Politik des Internationalen Währungsfonds, die nicht
den Menschen, sondern den multinationalen Konzernen dient", sagte Peter
Wahl, IWF-Experte bei Attac. "Es ist völlig konsequent, dass die
neoliberale Einheitspartei solche Kandidaten aufstellt. Als
nächstes wird vermutlich Weltbank-Präsident James Wolfensohn
als Bundeskanzler nominiert."
Zwar habe Köhler sich verbal für eine Änderung der breit
kritisierten IWF-Politik eingesetzt, doch faktisch habe er die
unsozialen, entwicklungsfeindlichen Maßnahmen stets mitgetragen,
wie derzeit am Beispiel von Argentinien zu sehen sei. "Köhler ist
ein rhetorischer Süßholzraspler: Er verpackt die Politik des
IWF verbal in Watte, aber wenn es darauf ankommt, exekutiert er
knallharte neoliberale Maßnahmen."
Köhlers Erfahrung mit den so genannten
Strukturanpassungsprogrammen, mit denen der IWF den
Entwicklungsländern harte Einschnitte in staatliche Leistungen und
Sozialsysteme verordnet habe, lasse für die deutsche Politik
nichts Gutes ahnen, sagte Wahl: "Mit Horst Köhler wird das
Bundespräsidialamt wieder Teil des neoliberalen Machtzentrums."
Quelle: attac, 04.03.2004
http://www.attac.de/presse/presse_ausgabe.php?id=294
Stichwort: Bundespräsident
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403030.htm#040303_m
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CSU will Kinderlosen bis zu 70 Euro mehr Rentenbeitrag abverlangen
Mo.08.03.04 - Kinderlose sollen einem Zeitungsbericht zufolge nach Plänen der
CSU bis zu 70 Euro monatlich mehr in die Rentenkasse zahlen. Dafür
würden Eltern von Kindern bis zu zwölf Jahren pauschal um 50
Euro im Monat entlastet, meldete die «Frankfurter
Rundschau» am Sonntag vorab. Darauf habe sich eine von Parteichef
Edmund Stoiber eingesetzte Arbeitsgruppe unter Leitung des
Sozialexperten Horst Seehofer geeinigt.
Entgegen den ursprünglichen Plänen solle die
Familienförderung aber nicht über gespaltene
Beitragssätze organisiert werden, sondern mit Zu- und
Abschlägen bei der Bemessungsgrundlage der Beiträge. So solle
Eltern in der Erziehungsphase ein Freibetrag von 500 Euro auf das
beitragspflichtige Gehalt eingeräumt werden. Umgekehrt werde
für Kinderlose das beitragspflichtige Gehalt fiktiv um 14 Prozent
erhöht.
Gutverdienende über der Bemessungsgrenze von 5.150 Euro
müssten daher statt derzeit 502 Euro monatlich bis zu 572 Euro
Rentenbeitrag aus der eigenen Tasche bezahlen. Der Beitrag der
Arbeitgeber solle unverändert bleiben. Eltern, deren Kinder
älter als zwölf Jahre sind, würden wie bisher den
normalen Beitrag entrichten.
Die Schwesterpartei CDU will den Familienausgleich in der
Rentenversicherung hingegen über Steuern finanzieren. Angesichts
der Differenzen stand das Thema bei der gemeinsamen
Präsidiumssitzung von CDU und CSU am Sonntagnachmittag entgegen
ursprünglichen Erwartungen nicht auf der Tagesordnung. «Das
Thema braucht noch ein paar Wochen», sagte Seehofer der
«Frankfurter Rundschau». Zugleich widersprach er einem
Bericht des «Spiegels», demzufolge die CSU einen
einkommensunabhängigen Pauschalzuschlag für Kinderlose plane:
«Dann würden Geringverdiener klar benachteiligt.»
(Quelle: ap)
DGB-Chef: Banken gefährden mit Kreditpraxis den Aufschwung
Mo.08.03.04 - DGB-Chef Michael Sommer hat den deutschen Banken vorgeworfen, mit einer
zögerlichen Kreditvergabe den Aufschwung in Deutschland zu
gefährden.
"Die Banken ziehen die Schraube bei deutschen Unternehmen wie bei
Privatpersonen immer weiter an", sagte der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) der "Bild am Sonntag". Ohne Zugang zu
Krediten blieben aber die Investitionspläne vieler Unternehmen auf
der Strecke und somit auch der Aufbau von Arbeitsplätzen. "Die
Banken dürfen den Aufschwung nicht gefährden", fügte
Sommer hinzu. "Sie müssen die Unternehmen jetzt stärken und
dürfen nicht ihre Bilanzen auf Kosten von Unternehmen und
Arbeitsplätzen sanieren."
(Quelle: rtr)
Kritisches zum Weltfrauentag - Gewerkschaften bemängeln
Versäumnisse bei Gleichstellung
Mo.08.03.04 - Anlässlich des Internationalen Frauentags am Montag haben die
Gewerkschaften sowohl der Privatwirtschaft als auch der rot-grünen
Bundesregierung Versäumnisse bei der Gleichstellung von
Männern und Frauen vorgeworfen. Bundesministerin Renate Schmidt
(SPD) kündigte indes die Umsetzung von drei
EU-Gleichbehandlungsrichtlinien in diesem Jahr an.
Die Privatwirtschaft habe bisher nur leere Versprechungen gemacht und
keine konkreten Schritte unternommen, kritisierte
IG-Metall-Vorstandsmitglied Kirsten Rölke am Sonntag in Frankfurt
am Main. «Der Verzicht der Bundesregierung auf ein
Gleichstellungsgesetz, das die Unternehmen stärker in die Pflicht
genommen hätte, war ein Fehler.»
Die Gewerkschafterin verwies dabei auf eine aktuelle Studie des DGB.
Danach engagierten sich die Unternehmen kaum für die
Geleichstellung von Frauen und Männern. Über 70 Prozent der
Betriebe planten keine gezielten Maßnahmen zur Förderung der
Chancengleichheit, betonte Rölke.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte Bund und Länder
auf, konkrete Maßnahmen für eine flächendeckende
Verbesserung der Ganztagsversorgung zu ergreifen. «Wenn jede
dritte Frau sich gegen Kinder entscheidet, weil sie befürchtet,
ihren Beruf aufgeben oder beruflich absteigen zu müssen, ist das
alarmierend», sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende
Margret Mönig-Raane in Berlin.
Mönig-Raane fügte hinzu: «Wir können nicht
einerseits immer wieder den demografischen Wandel bemühen, wenn es
darum geht, den Menschen neue soziale Lasten aufzubürden und
andererseits tatenlos zusehen, wenn sich die Situation weiter
verschärft, weil sich Beruf und Familie nicht vernünftig
miteinander verbinden lassen.»
IG-Metall-Vorstandsmitglied Rölke kritisierte zudem die
Reformpolitik der Bundesregierung. «Die beschlossenen und
geplanten Reformen - egal, ob Hartz oder Agenda 2010 - verschlechtern
eher die Situation der Frauen als sie zu verbessern», sagte die
Gewerkschafterin. Die IG Metall fordere von der Bundesregierung eine
«entschlossenere Umsetzung» der EU-Richtlinie zur
Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Erwerbsleben.
«Gleichstellung bedeutet für uns das Umsetzen von EU-Recht.
Wir fordern gleiche Beiträge für gleiche Renten und gleichen
Versicherungsschutz für Frauen wie Männer»,
erklärte sie.
Unterdessen bezeichnete die Bundesministerin für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt (SPD), das Jahr 2004 als
«Jahr der Frauen». Die Bundesregierung bereite in diesem
Jahr die Umsetzung der drei EU-Gleichbehandlungsrichtlinien vor, die im
kommenden Jahr in Kraft treten, sagte sie in Berlin. Derzeit werde
geprüft, wie einheitliche Tarife für Männer und Frauen
bei der so genannten Riester-Rente erreicht werden könne. Die
beiden Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
enthielten «ein Bündel von Maßnahmen», die
insbesondere Frauen mit Familienpflichten zugute kämen.
(Quelle: ddp)
Präsidentschaftskandidatin Schwan: Frauen 'mehr an der Sache als
an Machtspielen interessiert'
Mo.08.03.04 - Die rot-grüne Kandidatin für das Amt des Staatsoberhauptes,
Gesine Schwan, glaubt, dass eine Bundespräsidentin gut für
Deutschland wäre. «Ich denke, dass Frauen einen durchaus
besonderen, konstruktiven Beitrag leisten können über das
hinaus, was wir bisher an demokratischen Erfahrungen haben, um diese
Demokratie lebendiger zu machen», sagte die Präsidentin der
Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, am (heutigen)
Montag im ARD-«Morgenmagazin». Sie fügte hinzu, Frauen
seien in der Regel «mehr an der Sache als an Machtspielen
interssiert».
Über ihre Nominierung hat sich Schwan gefreut, aber
«überwältigt» ist sie nicht. «Ich bin jetzt
60. Da ist man nicht durch eine politische Frage überwältigt.
Da hat man genug andere Lebenserfahrungen gemacht», sagte sie.
Über ihre Chancen bei der Bundespräsidentenwahl sagte Schwan:
«Ich glaube, dass ich gute Chancen habe. Es ist auch fast ein
Vorteil, wenn man sowieso nicht von mir erwartet, dass ich
gewinne.»
(Quelle: ddp)
8. März - Weltfrauentag
Am Montag wird der 93. Internationale Frauentag begangen.
Er geht auf eine Initiative der deutschen Feministin und Sozialistin
Clara Zetkin beim internationalen sozialistischen Kongress im August
1910 in Kopenhagen zurück. In Deutschland war der Frauentag von
Anfang an ein Tag der sozialistischen Frauenorganisationen.
Schon beim ersten Mal, am 19. März 1911, wurde er mit 40
Veranstaltungen und 45.000 Teilnehmern in Berlin begangen. Auch
in Österreich, der Schweiz und Dänemark fand der
Frauentag statt. 1912 kamen Schweden, Frankreich und Holland dazu und
1913 Russland und die Tschechoslowakei. In den USA demonstrierten
vor allem Arbeiterinnen gegen harte Bedingungen und karge Löhne.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 bereitete den Veranstaltungen
zum Frauentag ein vorläufiges Ende. 1917 führte das
Kriegselend zu Unruhen; Arbeiterinnen forderten "Brot und Frieden".
Besondere Bedeutung sollte der Aufmarsch russischer Frauen in St.
Petersburg - nach dem damals in Russland geltenden Kalender am 23.
Februar, nach heute gültiger gregorianischer Zeitrechnung am 8.
März - für den Ausbruch der Revolution erhalten. 1921 wurde
der 8. März auf Beschluss der 2. kommunistischen Frauenkonferenz
in Moskau als internationaler Frauentag festgelegt, wieder auf
Initiative Clara Zetkins.
In Deutschland hatten die Sozialdemokratinnen mit bürgerlichen
Frauenstimmrechtsverbänden im November 1918 das Stimmrecht
für Frauen erstritten. In den 20er Jahren litten die Menschen
unter dem Elend der Weltwirtschaftskrise. In der Zeit des
nationalsozialistischen Regimes war der Frauentag verboten.
In der Nachkriegszeit begingen ihn besonders die kommunistischen
Staaten Europas als Tag der Befreiung der Frauen. Laut der herrschenden
Ideologie der DDR war der Sozialismus und damit die Gleichberechtigung
erreicht. Deshalb war der 8. März als Frauen"kampf"tag nicht mehr
nötig, und er wurde dann zum Frauentag ohne Kampf und ohne
politischen Inhalt.
In Westdeutschland dagegen war das Interesse am Frauentag, der anfangs
im Zeichen von Friedensdemonstrationen stand, verschwindend gering.
Erst in den späten 60er Jahren wurde der 8. März von der
jungen Frauengeneration wiederbelebt. Die Frauenbewegung kämpfte
unter anderem für den straffreien Schwangerschaftsabbruch und die
Einrichtung von Selbsthilfeprojekten. In der DDR fingen Frauen in den
80er Jahren wieder an, sich zusammenzuschließen und gegen die
Verhältnisse zu protestieren.
Die Grundforderungen sind seit den Anfängen erhalten geblieben:
gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bildungs- und
Ausbildungschancen, soziale Sicherung von Frauen, politische
Gleichberechtigung und Frieden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Amnesty: Gewalt gegen Frauen nimmt weltweit zu
Sa.06.03.04 - Die Gewalt gegen Frauen nimmt nach Angaben der
Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) weltweit zu.
"Gewalt gegen Frauen ist eine tägliche Realität, in allen
Gesellschaften rund um den Erdball und über die Grenzen von
Wohlstand hinweg", sagte Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von
ai Deutschland. Jede dritte Frau auf der Welt werde mindestens einmal
in ihrem Leben geschlagen, vergewaltigt oder sexuell missbraucht... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030604
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16910/1.html
Frauen bei eBay zur Versteigerung angeboten
Sa.06.03.04 - Auf der US-Website des Internet-Auktionshauses eBay werden nach Angaben
einer Menschenrechtsorganisation Frauen aus Südostasien
versteigert. Seit Anfang März würden drei junge
Vietnamesinnen mit Foto für ein Mindestgebot von umgerechnet etwa
4400 Euro auf dem Online-Marktplatz angeboten, erklärte die
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030605
Laut UN sind Frauen im Berufsleben immer noch benachteiligt
Sa.06.03.04 - Frauen arbeiten weltweit zwar so viel wie nie zuvor, sind bei Gehalt
und Karrierechancen aber immer noch benachteiligt. Der Weg zu
Führungspositionen sei für weibliche Beschäftigte
«langsam, uneben und manchmal entmutigend», heißt es
in einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der
anlässlich des Weltfrauentages am 8. März am Freitag in Genf
vorgestellt wurde.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030606
Frauen in EU verdienen weniger als Männer
Sa.21.02.04 - Frauen verdienen EU-weit immer noch ein Sechstel weniger als
Männer. Das hindere Frauen oft daran, eine Arbeit aufzunehmen,
heißt es in einer Studie von EU-Sozialkommissarin Anna
Diamantopoulou. Sie rief die Mitgliedstaaten zu raschem Handeln auf.
Ansonsten gerate das Ziel in Gefahr, bis 2010 sechs von zehn Frauen in
Lohn und Brot zu bringen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402210.htm#04022111
Oxfam-Studie: Ausbeutung von Frauen in globalen Lieferketten
großer Konzerne
Di.10.02.04 - Große Markenfirmen und Verkaufsketten der Bekleidungs- und
Lebensmittelindustrie sind einer neuen Studie der
Entwicklungsorganisation Oxfam International zufolge für die
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Millionen von Arbeiterinnen
auf der ganzen Welt verantwortlich.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402100.htm#04021006
Europäische Vergleichsstudie: Deutschland hat die
wenigsten Frauen in Führungsposition
Sa.25.10.03 - In Deutschland gibt es nach einer europäischen Vergleichsstudie
die wenigsten Frauen in Führungspositionen. In der obersten Ebene
sind fünf Prozent, im mittleren Management 14 Prozent und im
unteren nur 19 Prozent der Führungskräfte weiblich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310250.htm#03102510
Bisher garantiert chancenlos: Frauen für das höchste Amt
Langsam, mühevoll und beharrlich haben Frauen in Deutschland sich
einen Platz in der Politik erkämpft - aber bei der Vergabe der
Posten von Bundespräsident und Bundeskanzler gingen sie bisher
stets leer aus... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#040306_o
Frauen werden in den Nachrichten vernachlässigt
So.07.03.04 - Weniger als 20 Prozent der in den Hauptnachrichten deutscher
Printmedien genannten Personen sind Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt
eine Stichprobenuntersuchung von 13 bundesweiten und großen
regionalen Tageszeitungen, die der Journalistinnenbund im Vorfeld des
Internationalen Frauentages am Montag veröffentlichte... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403070.htm#04030718
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hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
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Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html