Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Anschlag auf schiitische Partei in Irak +++
Schiitische Regierungsmitglieder verteidigen Kritik an
Übergangsverfassung +++ Früherer UN-Chefinspekteur Blix
vergleicht Zeit vor Irak-Krieg mit Hexenjagd
Mi.10.03.04 - Auf ein Büro der grössten schiitischen Partei in Irak ist am
(heutigen) Mittwoch ein Bombenanschlag verübt worden. Der
Sprengsatz explodierte in der Stadt Bakuba, 55 Kilometer nordwestlich
von Bagdad. Eine Person wurde verletzt. Das Gebäude des Obersten
Rats für die Islamische Revolution in Irak (SCIRI) wurde
beschädigt. In der Nähe der nordirakischen Stadt Mossul
griffen US-Streitkräfte ein nicht näher genanntes Ziel mit
Mörsergranaten an. Dabei wurde nach Militärangaben eine
Zivilperson irrtümlich getötet.
Eine Woche nach den verheerenden Bombenanschlägen auf schiitische
Pilger in Irak sind die Ermittlungen kaum vorangekommen, wie
US-Brigadegeneral Mark Kimmitt am Dienstag in Bagdad mitteilte. Von den
24 festgenommenen Verdächtigen seien bis auf neun alle wieder
freigelassen worden. Die neun noch Inhaftierten sind den Angaben
zufolge vermutlich alles Iraker. Die Besatzungsbehörden hatten
unmittelbar nach den Anschlägen in Bagdad und Kerbela
ausländische Kämpfer verantwortlich gemacht und erklärt,
sie hätten auch einige Ausländer als Verdächtige
festgenommen. Bei den Anschlägen wurden nach US-Angaben mindestens
181 Menschen getötet und 573 verletzt. Der irakische
Verwaltungsrat hatte 271 Todesopfer registriert.
Schiitische Mitglieder des irakischen Regierungsrats haben unterdessen
die Kritik von Schiitenführer Großayatollah Ali Sistani an
der Übergangsverfassung verteidigt. Sistanis Einwände gegen
das Dokument bedeuteten nicht, dass der Großayatollah auf dessen
Annullierung hinarbeite, sagte das Regierungsrats-Mitglied Muaffak el
Rubai am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Der ebenfalls im
Regierungsrat sitzende Schiite Abdel Asis Hakim betonte, die Schiiten
hätten die Wahl gehabt, den politischen Prozess für Irak
völlig aufzuhalten oder ihn mit der Verabschiedung der
Übergangsverfassung fortzusetzen und anschließend
Verbesserungen am Text durchzusetzen.
Hakim hatte am Montag das Verfassungs-Dokument als nicht ausreichend
legitimiert bezeichnet.
Es sei problematisch, dass das Grundgesetz nicht von einem
gewählten Gremium verabschiedet worden sei, sagte Hakim. Die
Übergangsverfassung war am Montag nach zähen Verhandlungen vom
irakischen Verwaltungsrat unterzeichnet worden.. Hakim und weitere
schiitische Ratsmitglieder hatten ihre Unterschrift zunächst
verweigert. Sie hoffen, zwei besonders umstrittene Klauseln noch
nachträglich ändern zu können.
Dabei geht es vor allem um ein Vetorecht der kurdischen Minderheit bei
der Formulierung eines endgültigen Grundgesetzes, das für 2005
geplant ist. Da die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit stellen,
hatte ihr oberster Geistlicher Großayatollah Ali el Husseini el
Sistani diese Klausel heftig kritisiert.
Freudenschüsse zur Feier der irakischen Übergangsverfassung
haben in Irak drei Menschen das Leben gekostet. 21 weitere Menschen
wurden am Montagabend bei der Kundgebung in Kirkuk verletzt, wie der
Polizeichef der nordirakischen Stadt am Dienstag mitteilte. Es habe
sich um Unfälle gehandelt, versicherte Torhan Jussef.
In der Ortschaft Bab el Tub wurden am Dienstag zum zweiten Mal binnen
24 Stunden Mitglieder des Gemeinderats angegriffen. Sieben Iraker
wurden verletzt, als am Sitz des Gremiums eine Granate explodierte. Am
Montag war ein Gemeinderatsmitglied in seinem Auto erschossen worden,
einer seiner Kollegen wurde dabei verletzt. Der Granatenangriff vom
Dienstag könnte allerdings auch US-Soldaten gegolten haben, die
sich kurz zuvor in dem Verwaltungsgebäude aufgehalten hatten.
Ein Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi östlich der Stadt
Bakuba kostete am Dienstag einen US-Soldaten das Leben, ein weiterer
Soldat wurde verletzt. Bei einem Anschlag auf einen weiteren
US-Fahrzeugkonvoi in Bagdad wurde ein irakischer Fahrer getötet.
Die Ukraine kündigte am Dienstag die baldige Wiedereröffnung
ihrer Botschaft in der irakischen Hauptstadt an. Der gerade ernannte
Botschafter Anatolij Olijnyk sei bereits am Sonntag in die Region
aufgebrochen und werde sein Amt in Bagdad «in baldiger
Zukunft» antreten, teilte das Außenministerium in Kiew mit.
Die Ukraine stellt mit 1.650 Soldaten eines der größten
Truppenkontingente in Irak.
Ein früherer hochrangiger Atomwissenschaftler erklärte am
Dienstag bei einer Konferenz in Libanon, die Nuklearanlagen Iraks seien
bereits im Golfkrieg 1991 weitgehend zerstört worden.
Expräsident Saddam Hussein habe damals selbst die Aufgabe des
Atomwaffenprogramms befohlen, das auch nie wieder aufgelegt worden sei.
1991 sei Irak vom Bau einer Atombombe noch rund drei Jahre entfernt
gewesen.
Der frühere UN-Chefinspekteur für Irak, Hans Blix, hat die
Zeit vor Beginn des Irak-Krieges mit einer mittelalterlichen Hexenjagd
verglichen. Die Regierungen in Washington und London hätten sich
vor einem Jahr "wie die Hexenjäger vergangener Jahrhunderte"
verhalten, sagte Blix am Dienstagabend in Barcelona. "Sie waren so
überzeugt, dass es Hexen in Irak gab, dass jede schwarze Katze zum
Beweis dafür wurde." Das anschliessende Scheitern der Suche nach
Massenvernichtungswaffen bedeute für die Regierungen einen
Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit, sagte Blix. Ein
amerikanischer Regierungssprecher wies die Äusserungen des
schwedischen Diplomaten zurück. "Vielleicht hatte Herr Blix das
Gefühl, dass wir den guten Absichten von Saddam Hussein
hätten trauen sollen", sagte der Sprecher des Weissen Hauses,
Scott McClellan.
(Quellen: afp, ap)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Kerry gewinnt Vorwahlen in vier südlichen US-Staaten
Mi.10.03.04 - Mit seinem Sieg bei den Vorwahlen der Demokraten in vier südlichen
US-Bundesstaaten hat John Kerry seine Kandidatur bei der
Präsidentschaftswahl gefestigt. Nach vorläufigen Ergebnissen
lag der Senator aus Massachusetts bei den Abstimmungen mit jeweils rund
drei Viertel der Stimmen in Florida und Mississippi vorn, wie lokale
Sender berichteten. Auch in Texas und Louisiana konnte er mit mehr als
60 Prozent der Stimmen rechnen.
Die beiden noch verbliebenen Bewerber Dennis Kucinich und Al Sharpton
lagen weit abgeschlagen im einstelligen Bereich.
Seit dem Rückzug des Senators von North Carolina, John Edwards,
vergangene Woche aus dem Rennen um die Kandidatur der Demokraten
für das Weiße Haus steht Kerry als Herausforderer von
US-Präsident George W. Bush bei der Wahl am 2. November fest. Die
Abstimmungen in Florida, Texas, Louisiana und Mississipi galten als
Test für den 60-jährigen Senator aus dem nordöstlichen
Bundesstaat Massachusetts, wie er im Süden ankommt.
(Quelle: afp)
Bush fällt in Umfragen weiter hinter Kerry zurück
Mi.10.03.04 - Acht Monate vor der US-Präsidentenwahl ist Präsident George
W. Bush in der Gunst der Wähler weiter zurückgefallen. 48
Prozent zogen in einer Umfrage der «Washington Post» und
des Fernsehsenders ABC den demokratischen Präsidentschaftsbewerber
John Kerry vor.
44 Prozent sprachen sich für den Republikaner Bush aus. In einer
wegen der geringen Zahl der Befragten nicht repräsentativen
Umfrage des Senders CNN lag Kerry mit 52 Prozent vor Bush mit 44
Prozent.
Bush stieg nach den hohen Umfrageergebnissen Kerrys vergangene Woche
mit einer umstrittenen Fernsehwerbung in den Wahlkampf ein. Darin waren
Bilder der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu sehen.
Angehörige von Opfern haben dagegen protestiert. Am Montag warf
Bush Kerry auf einer Wahlkampftour in Texas unverantwortliches Handeln
vor. Der Senator habe sich vor zehn Jahren für massive Einschnitte
im Geheimdienstbudget eingesetzt. Kerry, ebenfalls in Texas auf
Wählersuche, griff Bush im Gegenzug wegen einer seiner Ansicht
nach rücksichtslosen Außenpolitik an.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
USA und Jordanien sehen Chancen in israelischem Teilungsplan +++
Junge palästinensische Mutter bei israelischer Militäraktion getötet +++
Palästinensischer Ministerpräsident Kureia glaubt an Frieden
bis 2005 +++ Hamas-Gründer spricht sich für Einigung der
rivalisierenden palästinensischen Gruppen aus - Hamas verfügt
nach eigenen Angaben über 'Armee' von Selbstmordattentätern
Mi.10.03.04 - Die israelischen Pläne zur Trennung von Israelis und
Palästinensern sind nach Ansicht der USA und Jordaniens eine
Gelegenheit, den festgefahrenen Friedensprozess im Nahen Osten wieder
in Gang zu bringen. Wenn das israelische Vorhaben im Rahmen der "Road
Map" und in enger Abstimmung mit den Palästinensern
ausgeführt werde, könne dies Fortschritte bringen, sagte der
jordanische Außenminister Marwan Moascher am Dienstag nach einem
Treffen mit seinem US-Kollegen Colin Powell in Washington.
Zunächst aber sei es wichtig, mit Israel zu sprechen und die
genauen Absichten hinter dem Vorhaben zu bestimmen.
Bei einer Militäraktion israelischer Soldaten in Dschenin im
Westjordanland wurde eine junge palästinensische Mutter in ihrem
Haus getötet, als sie ihre Kinder vor den Kämpfen zwischen
Soldaten und Palästinensern schützen wollte. Bei den
Schusswechseln wurde auch ein palästinensischer Fotograf der
Nachrichtenagentur AFP verletzt.
Trotz der anhaltenden Gewalt im Nahen Osten hält der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia eine
Friedenslösung bis zum kommenden Jahr für möglich.
Vertreter beider Seiten träfen kommende Woche zu Vorbereitungen
für ein Treffen des palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat mit dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon zusammen,
sagte Kureia am Dienstag in Oslo.
Die Palästinenser wie auch die israelische Regierung seien noch
immer dem Friedensabkommen von Oslo verpflichtet, sagte Kureia. Die
Vereinbarung sei auch nach zehn Jahren noch «die Basis für
das, was von den Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern
übrig geblieben ist». Mit dem Bau des umstrittenen
Sperrwalls im Westjordanland gefährde Israel jedoch den
Friedensprozess. Kureia hatte die palästinensische Seite bei den
Geheimverhandlungen für das Abkommen vertreten.
Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin sprach sich unterdessen
für eine Einigung der rivalisierenden palästinensischen
Gruppen aus, um nach einem einseitigen Rückzug Israels die
Sicherheit im Gazastreifen zu garantieren. Es gehe um eine Einigung der
Gruppen untereinander sowie mit der Autonomiebehörde darüber,
wer für die Kontrolle zuständig sei, sagte Jassin der
Nachrichtenagentur AP. Die Hamas wolle dabei aber keine
Führungsrolle übernehmen. Verhandlungen über eine
Machtverteilung zwischen der Hamas und der Autonomiebehörde waren
bislang gescheitert.
Die radikalislamische Organisation Hamas verfügt nach eigenen
Angaben über eine ganze "Armee" potenzieller
Selbstmordattentäter. "Es gibt Märtyrer für jedes
lohnenswerte jüdische Ziel", sagte der Chef des bewaffneten Arms
der Hamas, Mohammed Deif, in einem Interviews, das am Dienstag im
Internet veröffentlicht wurde.
Nach Scharons Rückzugsankündigung im Februar hat die Gewalt
im Gazastreifen deutlich zugenommen, und beide Seiten versuchen das
Vorhaben als ihr Verdienst darzustellen. Zu Gesprächen über
den geplanten Abzug wurde der ägyptische Geheimdienstchef Omar
Suleiman am (heutigen) Mittwoch bei Arafat erwartet, wie ein Sprecher
des Präsidenten mitteilte. Am Donnerstag wollte der israelische
Außenminister Silvan Schalom zum gleichen Thema mit dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zusammentreffen.
Israel hob derweil die Zugangssperren im Westjordanland und im
Gazastreifen wieder auf, die zum jüdischen Purim-Fest errichtet
worden waren. Die Straßensperren im Westjordanland sollen nach
Plänen des Verteidigungsministeriums dagegen in
«reguläre Übergänge» umgewandelt werden.
Auf Anordnung des israelischen Parlaments mussten arabische Arbeiter,
die am Ausbau der Knesset beteiligt sind, Erkennungszeichen an ihren
Helmen tragen. Auf einem am Dienstag von der Tageszeitung "Maariv"
veröffentlichten Foto waren fünf Männer zu sehen, von
denen drei mit rotem Klebeband markierte Helme trugen.
Parlamentspräsident Reuven Rivlin ordnete daraufhin die Entfernung
der Markierungen an. Sie sei jedoch lediglich zur Sicherheit der
Arbeiter erfolgt, deren Sicherheitsüberprüfung noch nicht
abgeschlossen sei, erklärte ein Sprecher. Araber stellen rund ein
Fünftel der israelischen Bevölkerung, ihr Verhältnis zu
den jüdischen Israelis ist gespannt.
(Quellen: afp, ap)
Festgenommener PLF-Führer Abul Abbas gestorben
Mi.10.03.04 - Der ehemalige Führer der Palästinensischen Befreiungsfront
(PLF), Abul Abbas, ist nach palästinensischen Angaben vom Dienstag
in US-Gefangenschaft in Irak gestorben. US-Soldaten hatten den
untergetauchten Extremisten vor einem Jahr in Bagdad festgenommen.
Abbas war als Drahtzieher der Entführung des Kreuzfahrtschiffs
«Achille Lauro» 1985 vor Ägypten schuldig gesprochen
worden.
Die «Achille Lauro» war im Oktober 1985 auf dem Weg von
Ägypten nach Israel. Anhänger Abbas' stürmten das
italienische Schiff, nahmen die rund 500 Passagiere als Geiseln und
verlangten die Freilassung von rund 50 inhaftierten
Palästinensern. Der amerikanische Passagier Leon Klinghoffer wurde
erschossen und über Bord geworfen. Die Entführer ergaben sich
schließlich den ägyptischen Behörden, die sie nach
Tunesien ausreisen ließen.
US-Kampfflugzeuge fingen das Flugzeug mit den vier PLF-Mitgliedern
jedoch ab und zwangen es zur Landung in Sizilien. Die italienischen
Behörden erklärten damals, es gebe nicht genug Beweise, um
Abbas festzuhalten. Er floh nach Jugoslawien und schließlich nach
Irak. Im Juni 1986 verurteilte ein italienisches Gericht Abbas in
Abwesenheit zu lebenslanger Haft.
(Quelle: ap)
Afghanistan hofft bei Geberkonferenz auf 27,5 Milliarden Dollar
Mi.10.03.04 - Afghanistan hofft bei der dritten internationalen Afghanistan-Konferenz
Ende März in Berlin auf Finanzzusagen in Höhe von 27,5
Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro). Die zum Wiederaufbau des
Landes benötigten Summen seien bisher "grob unterschätzt"
worden, sagte Finanzminister Aschraf Ghani am Dienstag bei einem Besuch
in Tokio. In den kommenden sieben Jahren seien rund 27,5 Milliarden
Dollar notwendig, um das Land nach jahrzehntelangem Krieg und
Bürgerkrieg wieder aufzubauen und die Sicherheit zu
gewährleisten.
Bei einem US-Raketenangriff im Nordosten Afghanistans ist ein Mensch
ums Leben gekommen. Ein weiteres Opfer sei verletzt worden, sagte der
Gouverneur der Provinz Nuristan am Dienstag. Die US-Armee habe am
Montag die Region Dara e Pach beschossen, nachdem ihr Stützpunkt
angegriffen worden sei sagte Gouverneur Sajid Fasel Akbar. Laut Akbar
war zunächst unklar, ob es sich bei den Opfern um Mitglieder der
gestürzten Talibanmiliz oder um Zivilisten handelte. Nach Angaben
von US-Armeesprecher Bryan Hilferty wurde bei dem Angriff lediglich ein
Zivilist verletzt.
(Quelle: afp)
Peking plant Bau von Atomkraftwerk in Pakistan
Mi.10.03.04 - China will nach einem Bericht der "Financial Times" im Nachbarland
Pakistan ein weiteres Atomkraftwerk bauen. Die Zeitung beruft sich auf
Aussagen von offizieller pakistanischer Seite, wonach die Verhandlungen
"in ihrer Endphase" seien. Bei geheimen Gesprächen in Peking seien
in der vergangenen Woche letzte Details besprochen worden. Nun
müssten sich Islamabad und Peking nur noch über einen Preis
einig werden.
Die chinesische Atombehörde bestätigte, es hätten
entsprechende Gespräche stattgefunden. Das Atomkraftwerk mit 300
Megawatt Leistung soll in der zentralpakistanischen Provinz Punjab
errichtet werden, neben einem bereits von China gebauten Kraftwerk in
Chashma, das seit 1999 in Betrieb ist.
Die USA haben China wiederholt aufgefordert, seine Kooperation mit
Pakistan im Nuklearbereich zu beenden. Experten zufolge könnte
Islamabad aus dem Betrieb der Atomkraftwerke angereichertes Plutonium
erhalten. Pakistan hat bisher den Atomwaffensperrvertrag nicht
unterzeichnet.
(Quelle: afp)
USA und Europäer einigen sich bei IAEO-Tagung auf Iran-Resolution
Mi.10.03.04 - Die USA und mehrere europäische Staaten haben sich auf eine
gemeinsame Resolution zum iranischen Atomprogramm geeinigt. Die
Vereinigten Staaten sowie Deutschland, Frankreich und
Großbritannien seien übereingekommen, Iran im Gouverneursrat
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu kritisieren, weil
es versäumt hatte, Teile seines Nuklearprogramms öffentlich
zu machen, teilten Diplomaten in Wien mit.
Beratungen über mögliche Sanktionen gegen Teheran seien
dagegen auf frühestens Juni vertagt worden. Der Resolutionsentwurf
solle nun dem Gouverneursrat der IAEA vorgelegt werden.
In dem Kompromisstext heißt es den Angaben zufolge, die
Unterzeichner stellten "mit größter Besorgnis" fest, dass
Iran bei der Offenlegung seines Nuklearprogramms im vergangenen Oktober
"nicht das korrekte, vollständige und endgültige Bild" seiner
vergangenen und laufenden atomaren Aktivitäten dargestellt habe.
Zudem werden Versäumnisse von Seiten Teherans aufgezählt,
darunter die fehlende Erklärung zu einer "weiter fortgeschrittenen
Gaszentrifuge als zuvor angegeben". Mit dem Modell könne hoch
angereichertes, atomwaffenfähiges Uran gewonnen werden.
Weiter nimmt der Resolutionsentwurf Bezug auf einen Bericht von
IAEA-Generalsekretär Mohamed el Baradei, der im Februar zu dem
Ergebnis gekommen war, dass die meisten mit dem iranischen
Zentrifugen-Programm befassten Betreiberfirmen
militärisch-industriellen Organisationen gehörten. Dennoch
sollten Beratungen über die iranischen Erklärungen und
etwaige Reaktionen auf die Versäumnisse erst bei einem Treffen des
IAEA-Gouverneursrats im Juni erörtert werden.
Die USA hatten nach Diplomatenangaben zunächst eine Formulierung
angestrebt, die sofortige Sanktionen möglich gemacht hätten.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien lehnten demnach eine
sofortige Verurteilung Irans ab. Die drei europäischen Länder
gingen damit auf Konfrontationskurs zu den USA, weil sie einen
"kooperativen Ansatz" gegenüber Teheran favorisierten.
Der iranische Außenminister Kamal Charrasi sagte in Teheran, sein
Land werde es "nicht akzeptieren", wenn ihm Verstöße gegen
bestehende Erklärungsverpflichtungen gegenüber der IAEA
nachgesagt würden. Nach Ansicht der IAEA haben sowohl Iran als
auch Libyen jahrelang den Atomwaffensperrvertrag verletzt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Atombehörde IAEA: USA halten sich nicht an Atomwaffen-Sperrvertrag
Mi.27.08.03 - Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA),
Mohamed ElBaradei, hat den USA vorgeworfen, sich nicht an den Atomwaffensperrvertrag zu halten.
"Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Und rüstet selbst
auf", sagte ElBaradei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120sn
US-Militärs und Rüstungslobby erwägen Einsatz von
Nuklearwaffen - Aufrüstung mit Mini-Nukes
http://www.jungewelt.de/2003/08-11/005.php
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15407/1.html
Russland besorgt über US-Pläne zur Entwicklung neuer
Atomwaffen
Generalstabschef der russischen Streitkräfte: Moskau müsse
seine Nuklearstrategie überdenken. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311270.htm#03112701
Das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag erlaubt tiefe Einblicke
in das Atomprogramm eines Landes
Das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag dient der Verbesserung
des Sicherheitskontrollsystems der IAEA. Es wurde 1997 erarbeitet.
Durch eine Ausweitung der Informationspflicht auch auf Forschung und
Industrie soll der Behörde ein Einblick in die Atomprogramme der
einzelnen Staaten ermöglicht werden. Außerdem
ermöglichen erweiterte Zutrittsrechte für IAEA-Inspektoren,
die Informationen wirksamer zu überprüfen.
Zweck des Systems ist es, die missbräuchliche Verwendung ziviler
Atomprogramme für militärische Zwecke wirksamer zu
verhindern, indem heimliche Aktivitäten in diesem Bereich so
rechtzeitig aufgedeckt werden, dass möglichst früh wirksame
Gegenmaßnahmen getroffen werden können... Mehr in der "tageszeitung" vom 22.10.03 unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/22/a0137.nf/text
Elfenbeinküste: Demonstranten stürmen Justizministerium in
Abidjan
Mi.10.03.04 - In Elfenbeinküste haben mehrere hundert Demonstranten das
Justizministerium gestürmt und mehrere Beamte verprügelt. Die
Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo protestierten gegen die
Ernennung von zwei Richtern, weil diese ihren politischen Gegnern nahe
stehen sollen. Polizisten setzten Tränengas ein, um die
Eindringlinge zu vertreiben.
In Elfenbeinküste wurde Anfang 2003 nach einem Aufstand gegen
Gbagbo eine Regierung der Nationalen Einheit gebildet, in die auch
Vertreter der Oppositionsparteien und der Rebellen im Norden des Landes
aufgenommen wurden. Justizministerin Henriette Dagry Diabate
gehört einer der ehemaligen Oppositionsparteien an. Mindestens
fünf ihrer Beamten wurden bei dem Überfall verprügelt,
einer erlitt nach Angaben von Kollegen schwere Verletzungen.
(Quelle: ap)
UN-Tribunal in Sierra Leone nimmt Arbeit auf
Mi.10.03.04 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Sierra Leone beginnt heute mit der
Aufarbeitung des brutalen Bürgerkriegs in dem westafrikanischen
Land. Zunächst soll neun Angeklagten der Prozess gemacht werden.
Vier der wichtigsten Hauptakteure des Bürgerkriegs allerdings
fehlen auf der Anklagebank, so floh Liberias Ex-Präsident Charles
Taylor nach Nigeria ins Exil.
Rebellenführer Foday Sankoh und der berüchtigte Sam
"Mosquito" Bockarie, Chefplaner furchtbarer Massaker an Zivilisten,
sind tot; der Aufenthaltsort von Rebellenführer Johnny Paul Koroma
ist unbekannt.
Taylor wird vorgeworfen, während des Kriegs in Sierra Leone die
Rebellenbewegung RUF unterstützt zu haben. Wie die Regierungsarmee
setzte die RUF Kindersoldaten ein und wandte brutale Gewalt wie das
Abhacken von Gliedmaßen an. Zwischen 1991 und 2001 kamen in
Sierra Leone schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: afp)
Das 'Special Court for Sierra Leone' ist das dritte internationale
Gericht für Kriegsverbrecher. Doch die Hauptschuldigen werden
nicht angeklagt...
Mehr in der "tageszeitung" vom 10.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/10/a0163.nf/text
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Ehemaliger UN-Diplomat wird neuer Regierungschef von Haiti - Aristides
Anwalt fordert Ashcroft zu "Kidnapping"-Ermittlungen auf - Paris:
Aristides Rücktritt formgerecht und aktenkundig
Mi.10.03.04 - Neuer Regierungschef in Haiti wird der ehemalige Außenminister
und UN-Diplomat Gerard Latortue. Der in Florida lebende Exilhaitianer
nahm am Dienstag die Berufung durch einen «Rat der Weisen»
an. Enttäuscht äußerten sich die Rebellen, deren
Aufstand am 29. Februar zum Sturz des bisherigen Präsidenten
Jean-Bertrand Aristide geführt hat. Sie hätten General Herard
Abraham den Vorzug gegeben, sagte der ehemalige Oberst Himler Rebu.
Nach der in Kürze erwarteten Rückkehr aus dem Exil in Miami
soll Latortue den bisherigen Ministerpräsidenten Yvon Neptune
ablösen, der das Amt auch nach der Vertreibung Aristide nicht
niedergelegt hat. Wichtigstes Ziel der neuen Regierung ist die
Vorbereitung von allgemeinen Wahlen an der Seite von
Interimspräsident Boniface Alexandre. Latortue war 1988
Außenminister der Regierung von Leslie Manigat, der bei einem der
32 Militärputsche in der Geschichte Haitis gestürzt wurde.
Für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) war
Latortue in den westafrikanischen Staaten Togo und Elfenbeinküste.
Zur Stabilisierung der nach wie vor gespannten Lage plant die
haitianische Polizei mit Unterstützung der 1.600 nach Haiti
geschickten US-Marineinfanteristen eine umfassende Entwaffnung der
Bevölkerung. Der amerikanische Oberst Charles Gurganus rief am
Dienstag alle Haitianer auf, ihre Waffen abzugeben, und bewaffnete
Personen zu nennen. Zwischen Gegnern und Anhängern des
Expräsidenten ist es in den vergangenen Tagen wiederholt zu
blutigen Zusammenstößen gekommen.
Aristide besteht in seinem Exil in der Zentralafrikanischen Republik
weiter darauf, der rechtmäßige Präsident Haitis zu
sein. Sein Anwalt Ira Kurzban machte am Dienstag in Miami
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Außenminister Colin
Powell und weitere Regierungsbeamte für den Sturz Aristides
verantwortlich. Der Anwalt forderte Generalstaatsanwalt John Ashcroft
auf, strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten.
Unterstützung erhielt Aristide von der Afrikanischen Union (AU).
Die 53 Staaten umfassende Organisation erklärte am Dienstag in der
äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, die Entfernung Aristides aus
seinem Amt sei verfassungswidrig. Dabei gehe es nicht um Personen,
sondern um die Grundsätze der Demokratie, sagte AU-Vorsitzender
Alpha Oumar Konare.
Frankreich hat Aussagen des gestürzten haitianischen
Präsidenten Jean-Bertrand Aristide widersprochen, er sei nicht
offiziell zurückgetreten und damit noch amtierender Staatschef.
"Jean-Bertrand Aristide ist zurückgetreten, sein
Rücktrittsschreiben ist aktenkundig", sagte der Pariser
Außenamtssprecher Hervé Ladsous am Dienstag. "Die
verfassungsmäßige Legalität ist respektiert worden."
Frankreich freue sich, dass Haitis Übergangspräsident
Boniface Alexandre sein Amt angetreten habe. Damit würden die
rechtlichen Konsequenzen aus Aristides "förmlichem Rücktritt"
gezogen, sagte Ladsous.
Die Vereinten Nationen riefen die Staatengemeinschaft zu
humanitärer Hilfe für Haiti im Umfang von 35 Millionen Dollar
auf. Dieser Betrag werde benötigt, um die drei Millionen
ärmsten Einwohner des Landes über die nächsten sechs
Monate hinweg zu versorgen, erklärte der stellvertretende
Generalsekretär für humanitäre Fragen, Jan Eggeland, in
New York. In Port-au-Prince traf am Dienstag eine UN-Delegation ein,
die die Voraussetzungen für den Einsatz einer internationalen
Friedenstruppe zu erkunden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Aristide will angeblich USA wegen Entführung verklagen - Ruft
Haitianer zum friedlichen Widerstand auf
Di.09.03.04 - Haitis ehemaliger Präsident Jean-Bertrand Aristide will die USA
und Frankreich nach Angaben seines Anwalts wegen Entführung
verklagen. Aristide hat den Regierungen in Washington und Paris mehrfach
vorgeworfen, ihn mit Gewalt ins Exil in der Zentralafrikanische
Republik gezwungen zu haben. Aristides Rechtsanwalt Gilbert Collard
sagte am Montag, er und ein amerikanischer Kollege würden in den
kommenden Tagen identische Klagen in Frankreich und den USA einreichen,
sobald eine Ermächtigung durch Aristide vorläge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403090.htm#04030912
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403090.htm#040309aq
Argentinien hat angeblich IWF-Kredit getilgt
Mi.10.03.04 - Argentinien hat nach Angaben eines Mitarbeiters der Zentralbank des
Landes einen Milliardenkredit wenige Stunden vor Fristablauf an den
Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt.
Nach Angaben des Notenbank-Vertreters tilgte Argentinien am
Dienstagabend ein Darlehen über 3,15 Milliarden Dollar. Das hoch
verschuldete Land vermied damit, gegenüber dem Fonds zum zweiten
Mal innerhalb von sechs Monaten in Verzug zu geraten. Aus
Regierungskreisen in Buenos Aires hieß es, IWF-Interimschefin
Anne Krueger habe Präsident Nestor Kirchner zugesagt, dem
Direktorium des Währungsfonds zu empfehlen, nun Zahlungen aus
einem bereits vereinbarten neuen Kreditpaket über 13,3 Milliarden
Dollar zu leisten. Die Regierung hatte die Freigabe neuer Kredite an
die Rückzahlung geknüpft. Zudem zögerte sie, die knappen
Devisenreserven von schätzungsweise 15 Milliarden Dollar
anzutasten.
Aus Kreisen des Währungsfonds hieß es, mit Argentinien sei
eine Absichtserklärung (Letter of Intent) vereinbart worden,
dessen Text allerdings noch nicht fertig sei. Darin verpflichte sich
die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas unter anderem
zu neuen Schuldenverhandlungen mit den Inhabern säumiger
Staatsanleihen.
Hätte die Regierung das Begleichen der Schuld verweigert,
wären Argentinien weitere Hilfen der internationalen
Staatengemeinschaft verweigert worden. Der Fall Argentinien ist
für die Glaubwürdigkeit des IWF, der mit Steuergeldern
Milliardenkredite an Schwellenländer finanziert, von großer
Bedeutung. Die sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) hatten
deshalb bei ihrem Treffen im Februar Argentinien unter Druck gesetzt,
sich einer Zusammenarbeit mit seinen Gläubigern nicht länger
zu verweigern.
Argentinien schuldet privaten Gläubigern die Rückzahlung von
Staatsanleihen in Höhe von 88 Milliarden Dollar. Auch deutsche
Anleger halten Argentinien-Bonds im Wert von mehreren Milliarden Euro
und haben dafür seit zwei Jahren keine Zinsen oder
Rückzahlungen erhalten. Die argentinische Regierung steht unter
Druck, ihr Angebot für eine Umschuldung der säumigen Anleihen
nachzubessern. Auch Deutschland hatte dies gefordert. Bislang wollte
das Land nur 25 Cent je geliehenem Dollar begleichen. Gläubiger
fordern jedoch mindestens 65 Prozent ihrer Anlagen zurück. Die
Regierung argumentiert dagegen, sie könne keinen höheren
Schuldendienst leisten, ohne die Erholung der Wirtschaft in dem von
Armut geplagten Land zu gefährden.
(Quelle: rtr)
Putin stellt verkleinertes Kabinett vor
Mi.10.03.04 - Wenige Tage vor der russischen Präsidentenwahl hat Amtsinhaber
Wladimir Putin sein neues, deutlich verkleinertes Kabinett vorgestellt.
Der bisherige russische UN-Botschafter Sergej Lawrow löst Igor
Iwanow als Außenminister ab, wie Putin in Moskau bekannt gab. Die
Zahl der Ministerposten wird von 30 auf 17 verkleinert. Putin feierte
die Kabinettsverkleinerung als "Entbürokratisierung".
Das Gewicht der einzelnen Ministerien werde mit der Verkleinerung
verstärkt, die Zuständigkeiten besser zugeschnitten, sagte
Putin. Wichtigste Ziele der neuen Regierung seien die wirtschaftliche
Entwicklung und die Verbesserung der Lebensbedingungen in Russland.
Vor zwei Wochen hatte Putin die bisherige Regierung unter
Ministerpräsident Michail Kasjanow überraschend entlassen.
Wenige Tage später ernannte er den bisherigen Vertreter Russlands
bei der Europäischen Union, Michail Fradkow, zum neuen
Regierungschef. Als weiteres Zeichen für den wachsenden Einfluss
des Kreml auf die Regierung wurde der Putin-Vertraute Dmitri Kosak zum
Verwaltungschef des Kabinetts ernannt.
Statt bisher vier stellvertetenden Ministerpräsidenten gibt es
künftig mit Alexander Schukow nur noch einen Vize-Regierungschef.
Die Wirtschaftsreformer Alexej Kudrin und German Gref behalten ihre
Posten als Finanz- und Wirtschaftsminister. Der frühere
Geheimdienstler Raschid Nurgalijew wird Innenminister. Der bisherige
Außenminister Igor Iwanow wird künftig Chef des
Sicherheitsrates. Der frühere KGB-Agent Sergej Iwanow behält
dagegen das Verteidigungsministerium.
Der Politikwissenschaftler Juri Korgunjuk wertete das Festhalten an den
liberalen Reformern Kudrin und Gref als Finanz- und Wirtschaftsminister
als positives Signal an den Westen. Sein Kollege Boris Makarenko
betonte, mit seinem Vertrauten Kosak als einer Art "Politkommissar"
habe Putin die Regierung unter Überwachung gestellt.
Die russische Präsidentschaftswahl findet am kommenden Sonntag
statt. Die Wiederwahl Putins gilt als ausgemachte Sache.
(Quelle: afp)
Ukrainer demonstrieren für Pressefreiheit
Mi.10.03.04 - Tausende Menschen haben am Dienstag in Kiew gegen die
Unterdrückung unabhängiger Medien in der Ukraine durch die
Regierung von Präsident Leonid Kutschma demonstriert. Es war die
erste Großkundgebung der Opposition in diesem Jahr. Die
Veranstalter sprachen von rund 40.000 Teilnehmern, die Polizei gab die
Zahl der Demonstranten mit mindestens 10.000 an.
Angeführt wurde der Demonstrationszug vom früheren
Ministerpräsidenten Viktor Juschenko und dessen ehemaliger
Stellvertreterin Julia Timoschenko. An der Kundgebung nahmen auch
zahlreiche Journalisten teil. Ein Oppositionspolitiker, Juri Karmasin,
sagte, die Regierung tue alles, um die gesamten Medien des Landes zu
zerschlagen. Erst vorige Woche wurde ein zweiter privater Ableger des
US-Senders Radio Liberty geschlossen.
Die Teilnehmer der Demonstration machten Kutschma auch für den bis
heute nicht aufgeklärten Mord an dem Journalisten Georgi Gongadse
im Jahr 2000 verantwortlich. Kutschma bestreitet jede Beteiligung.
Verdacht bei der Opposition erregte auch der Unfalltod des Direktors
des regionalen Senders Radio Juta am vergangenen Mittwoch. Juri
Tschetschnik war mit seinem Auto unterwegs nach Kiew zu einem Treffen
mit Vertretern von Radio Swoboda, dem ukrainisch-sprachigen Dienst von
Radio Liberty. Der Oppositionsabgeordnete Mikola Tomenko
äußerte die Vermutung, dass es bei dem Autounfall nicht mit
rechten Dingen zugegangen sei.
(Quelle: ap)
Zwei Tote bei Selbstmordanschlag in Istanbul
Mi.10.03.04 - Bei einem Selbstmordanschlag im Restaurant einer Freimaurer-Loge sind
in Istanbul zwei Menschen getötet und sechs weitere verletzt
worden. Zwei bewaffnete Männer stürmten am Dienstagabend das
Lokal im asiatischen Teil der türkischen Metropole. Daraufhin
sprengte sich einer der Angreifer in die Luft und riss einen Kellner
mit in den Tod, wie Gouverneur Muammer Güler mitteilte.
Der zweite Attentäter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus
gebracht. Der Hintergrund war zunächst unklar, der verletzte
Angreifer deutete jedoch ein anti-israelisches Motiv an. Das Attentat
weckte Erinnerungen an die Selbstmordanschläge vom November mit
insgesamt 63 Toten.
Die beiden schwer bewaffneten Männer stürmten nach Angaben
des Gouverneurs am Abend in das Restaurant im Stadtteil Kartal, nachdem
sie einen Wachmann niedergeschossen hatten. Daraufhin zündete
einer der beiden nahe dem Eingang einen Sprengsatz. Sein Komplize
erlitt dabei schwere Bauchverletzungen und verlor einen Arm. Die
meisten der rund 40 Restaurantgäste kamen mit dem Schrecken davon,
fünf Besucher wurden verletzt. Nach dem Angriff riegelte die
Polizei das Viertel ab, Rettungswagen und Feuerwehr wurden entsandt.
Derzeit versuchten die Ermittler, die Angreifer zu identifizieren,
sagte Güler am Ort des Angriffs. Auch der Hintergrund ihrer Tat
sei noch unklar. Der schwer verletzte Angreifer rief jedoch bei seiner
Ankunft am Krankenhaus von seiner Trage aus: "Israel sei verdammt, es
lebe...", bevor er verschwand. Es war der erste derartige Angriff auf
Mitglieder einer Loge in der Türkei. Die rund 14.000 Freimaurer in
dem mehrheitlich von Moslems bewohnten Land werden sowohl von
Nationalisten als auch von islamischen Extremisten mit Argwohn
betrachtet.
Einen Zusammenhang mit den Anschlägen vom November vergangenen
Jahres hielt der Gouverneur nach einem Besuch des Krankenhauses
für unwahrscheinlich. Die Art des Angriffs und die verwendeten
Waffen hätten sich von den vier Attentaten auf zwei jüdische
Synagogen, eine Bank und das britische Konsulat Mitte November in
Istanbul unterschieden, sagte Güler der Nachrichtenagentur Anadolu
zufolge. Während die beiden Angreifer vom Dienstag selbst gebaute
Rohrbomben verwendet haben sollen, setzten die Attentäter vom
November mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge ein.
(Quelle: afp)
Augenzeuge des Djindjic-Mordes getötet
Mi.10.03.04 - Ein Augenzeuge des Mordes an dem serbischen Regierungschef Zoran
Djindjic ist selbst ermordet worden. Kujo Krijestorac sei am 1.
März in seinem Auto durch Schüsse getötet worden,
bestätigte die Belgrader Polizei.
Der 52-Jährige sei wegen seiner Verstrickung in kriminelle
Machenschaften und nicht wegen seiner Rolle als Augenzeuge umgebracht
worden, sagte Polizeisprecherin Dragana Kajganic dem Sender B92. Seine
Aussage in dem laufenden Djindjic-Mordprozess habe ohnehin keine
große Bedeutung für das Verfahren gehabt.
Djindjic war am 12. März vergangenen Jahres vor seinem Amtssitz
erschossen worden. Der Mordprozess ist am Dienstag in Belgrad für
einen Monat bis zum 13. April unterbrochen worden, weil die Verteidiger
eines Angeklagten wegen «Missachtung des Gerichts» vom
Verfahren ausgeschlossen wurden. Die neuen Anwälte müssten
sich erst einarbeiten, hieß es.
Der mutmaßliche Todesschütze Zvezdan Jovanovic hatte
zunächst gestanden, dann aber seine Aussagen widerrufen. Die
vermuteten direkten Auftraggeber sind auf der Flucht. Über die
Hintermänner, die in höchsten politischen Kreisen sitzen
sollen, wird nur spekuliert. Dem westlich orientierten Djindjic sollen
Pläne zum Kampf gegen die Mafia und deren Kooperation mit
Spitzenpolitikern sowie seine Bereitschaft zur Auslieferung
mutmaßlicher serbischer Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal in
Den Haag zum Verhängnis geworden sein.
(Quelle: dpa)
Massenrücktritt französischer Forscher
Mi.10.03.04 - Mit einem spektakulären Massenrücktritt haben
französische Forscher gegen Budgeteinschnitte protestiert. Das
Komitee «Retten wir die Forschung» berichtete am Dienstag,
mehr als 2.000 leitende Wissenschaftler staatlicher Labors und
Institute wollten ihre Verwaltungsfunktionen niederlegen. Landesweit
gingen Tausende auf die Straße.
Zwei Wochen vor den Regionalwahlen soll der rechtsliberale
Premierminister Jean-Pierre Raffarin zu milliardenschweren
Zugeständnissen gezwungen werden. Der Regierungschef will jedoch
hart bleiben. Er hatte am Wochenende zusätzlich drei Milliarden
Euro bis 2007 in Aussicht gestellt.
Etwa zwei Drittel der gut 100.000 Mitarbeiter in den staatlichen
Forschungseinrichtungen unterzeichneten in den letzten Wochen eine
Petition. Darin heißt es, die Kürzungen und das Einfrieren
von Mitteln habe große und prestigeträchtige Institute wie
CNRS, INRA oder INSERM an den Rand der Pleite geführt. Zudem
streiche die Regierung Stellen für junge Forscher, was zu einem
Exodus ins Ausland führe.
Der Neurobiologe Hervé Chneiweiss sagte der Zeitung
«Libération», allein zwischen September 2002 und
Oktober 2003 seien die Mittel um 468 Millionen Euro gekürzt
worden. 550 Stellen für junge Forscher wurden in befristete
Arbeitsplätze umgewandelt.
In Paris demonstrierten nach Polizeiangaben 5.300 Wissenschaftler. Sie
forderten den Rücktritt von Raffarin und Forschungsministerin
Claudie Haigneré. Weitere Kundgebungen gab es in Bordeaux,
Toulouse, Montpellier und Rennes.
Raffarin hat zugesagt, die Ausgaben für die Forschung bis 2010 auf
drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Die bestehenden
Probleme seien nicht seiner Regierung anzulasten. Die Ausgaben der
Laboratorien lägen heute um ein Drittel höher als zu Zeiten
seiner sozialistischen Vorgängerregierung, sagte der Premier der
Zeitung «Libération». Er habe signifikante
Zugeständnisse gemacht. So wurden Ende Februar knapp 300 Millionen
Euro gesperrte Mittel freigegeben.
Zuletzt hatte Staatssekretär Patrick Devedjian Öl ins Feuer
gegossen, indem er sagte: «Bei uns unterzeichnen die
Intellektuellen Petitionen, in den USA gewinnen sie Nobelpreise.»
Über den Streit mit den Forschern hinaus werfen tausende tausende
Künstler, Philosophen und Wissenschaftler der Regierung Raffarin
vor, einen «Krieg gegen die Intelligenz» zu führen.
Der Rücktritt leitender Forscher von ihren Verwaltungsfunktionen
könnte mittelfristig zu einer Lähmung der betroffenen
Einrichtungen führen. Es werde aber nicht sofort zu einem Chaos
kommen, versicherten die protestierenden Wissenschaftler. Sie riefen zu
einem weiteren Aktionstag am 19. März auf.
(Quelle: ap)
Nur jeder zweite Deutsche sieht Polens EU-Beitritt positiv
Mi.10.03.04 - Nur jeder zweite Deutsche befürwortet den Beitritt Polens zur
Europäischen Union. Das ergab eine polis-Umfrage im Auftrag der
Nachrichtenagentur dpa. Danach sehen 51 Prozent der Befragten den EU-
Beitritt des östlichen Nachbarn positiv, 37 Prozent lehnen ihn ab
und 11 Prozent haben keine Meinung dazu. Polen ist damit auf der
Beliebtheitsskala der 10 neuen EU-Mitgliedsländer Schlusslicht. Am
meisten freuen sich die Deutschen auf die Ungarn. Mehr als zwei Drittel
sind für ihren Beitritt.
(Quelle: dpa)
SPD-Fraktion billigt verändertes Rentenreformgesetz
Mi.10.03.04 - Die Koalition hat die Rentenreform in letzter Minute entschärft:
Das Rentenniveau soll weniger stark sinken als von Sozialministerin
Ulla Schmidt geplant. Entsprechenden Änderungen stimmten die
Fraktionen von SPD und Grünen am Dienstag zu. Damit sei nun von
einer eindeutigen Mehrheit im Bundestag am Donnerstag auszugehen, sagte
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering. Die CDU äußerte
scharfe Kritik an der Nachbesserung.
Nach Schmidts Reform soll über einen Nachhaltigkeitsfaktor das
Rentenniveau von heute 53 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuern auf
43 Prozent im Jahr 2030 gesenkt werden. Dies ist einigen SPD-Linken und
Gewerkschaftern zu wenig. Sie drohten deshalb mit Ablehnung der Reform.
Deshalb wurde eine Kompromissformel in das Gesetz eingefügt:
Demnach muss die Regierung einschreiten, sobald das Niveau auf unter 46
Prozent zu sinken droht. Dann muss der Gesetzgeber «unter Wahrung
der Beitragsstabilität ... Maßnahmen vorschlagen», um
dies abzuwenden. Gleichzeitig wird ein Beitragssatz von höchstens
22 Prozent im Jahr 2030 vorgegeben.
Müntefering sagte, es habe eine lange Diskussion in der Fraktion
gegeben. Letztlich habe es vier Gegenstimmen und sieben Enthaltungen
gegeben. Dennoch sei im Bundestag mit einer rot-grünen Mehrheit
für das Gesetz zu rechnen. Grünen-Fraktionschefin Krista
Sager lobte die Formel ebenfalls als «gute Lösung» und
sagte, sie rechne nun nicht mehr mit Gegenstimmen.
Ministerin Schmidt hatte ursprünglich kein Sicherungsniveau von
mehr als 43 Prozent akzeptieren wollen. Nach Zahlen der
Rentenversicherer bedeutet ein Rentenniveau von 46 Prozent 2030 rund
23,6 Prozent Beitragssatz. Heute liegt er bei 19,5 Prozent.
Wie es in 15 Jahren tatsächlich aussehe, könne heute niemand
vorhersagen, sagte SPD-Fraktionsvize Gudrun Schaich-Walch. Ab 2008
müsse die Regierung alle vier Jahre einen Rentenbericht mit
aktualisierten Zahlen vorlegen. Schaich-Walch verteidigte die
«Zugeständnisse, von denen ich glaube, dass sie realistisch
sind».
Als Wortführer der linken Kritiker sagte der SPD-Abgeordnete Horst
Schmidbauer, er könne der Reform nun zustimmen. Die automatische
Senkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent werde es nicht geben. Die
Sicherungsklausel von 46 Prozent werde als «Halteschranke»
eingebaut. Auf das Niveau könnten sich die künftigen Rentner
verlassen. Auch der vorher kritisch eingestellte Vorsitzende des
Sozialausschusses, Klaus Kirschner, nannte den Kompromiss
zustimmungsfähig.
Für die Mindestsicherung von 46 Prozent hatte sich auch der
Deutsche Gewerkschaftsbund eingesetzt. DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer
räumte ein, dass dies die von Schmidt geplanten Einschnitte
über einen Nachhaltigkeitsfaktor letztlich aushebelt.
CDU-Sozialexperte Andreas Storm nannte es im Sender n-tv ein
«absurdes Schauspiel», dass man Zielwerte festschreibe, die
«objektiv nicht erreicht werden können». Dies bedeute,
«dass man die Menschen in einer Art und Weise veralbert, die es
bisher noch nicht gegeben hat».
Schmidts Reform sieht neben dem Nachhaltigkeitsfaktor vor, bereits bis
2008 die Möglichkeiten zur Frührente vor 63 zu kappen. Zudem
sollen Hochschuljahre nicht mehr als rentensteigernd anerkannt werden.
(Quelle: ap)
Lehrstellenabgabe: Müntefering greift Wirtschaft an
Mi.10.03.04 - Im Streit um die geplante Lehrstellenabgabe hat der designierte
SPD-Chef Franz Müntefering die Wirtschaft scharf angegriffen. Im
Interview mit der in Hagen erscheinenden «Westfalenpost»
(Mittwochausgabe) nannte Müntefering die Drohung der Unternehmen
«unmoralisch», weniger statt mehr Lehrstellen zu schaffen,
wenn die Abgabe beschlossen werde. Die SPD-Ministerpräsidenten,
die sich gegen die Abgabe ausgesprochen haben, forderte
Müntefering auf, eine andere Lösung zu finden.
Es müsse aber dabei bleiben, dass die SPD die «Interessen
der jungen Menschen zu vertreten» habe. Die Politik dürfe
Schulabgänger auf der Suche nach einer Ausbildung nicht im Stich
lassen, sagte der designierte SPD-Vorsitzende.
Müntefering rechnet nicht damit, dass seine bevorstehende Wahl zum
Nachfolger von Bundeskanzler Gerhard Schröder an der Spitze der
SPD auf einem Sonderparteitag am 21. März für die Wähler
unmittelbar von Interesse ist. Auf die Dauer werde die Partei dadurch
aber an Stärke gewinnen. Wenn es ihm gelinge, ihr neuen Mut
einzuflößen, werde dies auch nach außen Wirkung haben,
sagte Müntefering. Die SPD werde dann mit mehr Selbstbewusstsein
in die kommenden Wahlkämpfe gehen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Auch dieses Jahr zeichnet sich Lehrstellen-Mangel ab
Mo.08.03.04 - Die Wirtschaft hält sich laut einem Bericht der «Financial
Times Deutschland» auch in diesem Jahr beim Anbieten von
Ausbildungsplätzen zurück... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403080.htm#04030816
Keine Einigung über Ausbildungsplatzabgabe
Sa.06.03.04 - Im Streit um die Ausbildungsabgabe bleiben die Fronten zwischen
Wirtschaft und Bundesregierung nach einem Spitzengespräch mit den
vier Wirtschaftsverbänden verhärtet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030619
Mehr zum Thema "Lehrstellen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#040306_g
Düstere Welt-Autokonjunktur - VW streicht weltweit 5.000 Stellen
Mi.10.03.04 - Volkswagen will angesichts der Ertragskrise und Branchenflaute weltweit
5.000 Arbeitsplätze streichen. Allein in Deutschland sollen 2.000
bis 2.500 Jobs wegfallen, wie Konzernchef Bernd Pischetsrieder am
Dienstag in Wolfsburg ankündigte. Die Stellenstreichungen sind
Teil eines Sparpaketes im Umfang von 4 Milliarden Euro bis Ende 2005.
Pischetsrieder zeichnete ein düsteres Bild der Welt-Autokonjunktur
und kündige ein «miserables» VW-Ergebnis fürs
erste Quartal an.
An der Börse verlor die VW-Aktie bis zum Nachmittag (kurz vor
16.00 Uhr) überdurchschnittlich stark. Sie büßte 2,65
Prozent auf 38,37 Euro ein.
Laut Pischetsrieder sollen keine Arbeitsplätze an den
Montagebändern gestrichen werden. Die 5.000 Stellen sollen
vielmehr beim «indirekten Personal» wegfallen. Dazu
gehören etwa die Verwaltung, Servicepersonal oder Entwickler. Als
Beispiele nannte er die Zusammenlegung von Ersatzteillagern oder
Rechenzentren. Auch bei der Entwicklung sieht Pischetsrieder
Sparchancen. So sollen die Entwicklungszeiten neuer Autos verkürzt
werden. Insgesamt hatte VW zum Jahresende 337.000 Mitarbeiter. Die
Personalkürzungen sollen nicht über Entlassungen laufen,
sondern über Ruhestand und anderes normales Ausscheiden. Die in
Hannover geplanten 1.500 neuen Job für den Microbus im Zuge des
5.000x5.000-Projektes seien aber nicht in Gefahr.
Pischetsrieder zeigte sich sehr unzufrieden mit der Lage auf den
Automärkten und dem VW-Ergebnis. Im Januar und Februar seien die
Auslieferungen um 6 Prozent auf rund 690.000 Wagen gefallen. Das
operative Ergebnis des ersten Quartals werde «lassen Sie es mich
deutlich sagen, miserabel werden», erklärte er. «Wir
wissen nicht, ob die Talsohle durchschritten ist, aber wir richten uns
darauf ein, dass es sich um ein längeres Tal handelt.»
Der VW-Chef erläuterte zum ersten Mal genauer das siebenstufige
Sparpaket ForMotion, mit dem VW der Krise begegnen will: Dazu sollen
Entwicklungs- und Anlaufkosten sinken, noch mehr gleiche Teile in den
Konzernautos eingebaut werden, Personalkosten sinken und mehr Geld bei
der Finanztochter verdient werden.
Fürs laufenden Jahr gab Pischetsrieder nur eine
zurückhaltende Prognose ab. Er nannte es ein «durchaus
anspruchsvolles Ziel, in 2004 das operative Ergebnis des Vorjahres von
rund 2,5 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen zu
übertreffen». Das operative Ergebnis nach
Sondereinflüssen für 2003 fiel um 62,6 Prozent auf 1,78
Milliarden Euro. Der Umsatz stieg nur leicht um 0,2 Prozent auf 87,15
Milliarden Euro. Allein die Wechselkurse kosteten VW 3,5 Milliarden
Euro. Für das Jahr 2004 habe VW das Wechselkursrisiko aber zu 85
Prozent abgesichert.
Um die Dollarabhängigkeit weiter zu senken, will VW den 2005
kommenden Nachfolger des Lupo in Brasilien bauen. Außerdem will
VW 100.000 zusätzliche Autos im Werk im mexikanischen Puebla
herstellen. Über den aktuellen Golf äußerte sich
Pischetsrieder ausweichend: Die tägliche Produktion liege bei 800
Stück, 210.000 Stück seien bisher gebaut, 170.000 davon an
Endkunden verkauft.
Der größte Gewinnbringer des Konzerns war 2003 die
Markengruppe Audi, zu der auch Seat und Lamborghini gehört: Sie
steuerte 1,1 Milliarden Euro zum operativen Ergebnis zu. Die Gruppe
Volkswagen (VW, Skoda, Bentley) brachte nur 649 Millionen, deutlich
weniger als die VW-Bank und die Tochter Europcar mit rund 894
Millionen. Die Nutzfahrzeuge fuhren sogar einen Verlust von 218
Millionen Euro ein.
(Quelle: ap)
Beispielloser Stellenabbau im Einzelhandel - 2003 wurden 50.000 Jobs
gestrichen - Keine Trendwende für 2004
Mi.10.03.04 - Nach einem beispiellosen Stellenabbau im vergangenen Jahr sind die
Beschäftigungsaussichten im deutschen Einzelhandel auch dieses
Jahr düster. 2003 wurden mit 50.000 Stellen mehr Jobs als je zuvor
gestrichen, wie der Präsident des Hauptverbands des Deutschen
Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, in Düsseldorf erklärte.
Auch für 2004 ist demnach keine Trendwende in Sicht.
Im ersten Halbjahr 2004 wolle jedes dritte Unternehmen nochmals die
Zahl der Mitarbeiter verringern. Der Rekordjobverlust war nach Angaben
von Franzen vor allem Folge des "katastrophalen Geschäftsjahrs
2002". Durch Insolvenz oder stille Betriebsaufgabe seien rund 35.000
Betriebe verloren gegangen. Im laufenden Jahr sind die Aussichten
zunächst nicht besser: Nur fünf Prozent der in einer Umfrage
befragten Betriebe will im ersten Halbjahr mehr Beschäftigte
einstellen.
Franzen verwies darauf, dass das Personal in allen Branchen wichtigster
Kostenfaktor sei. Wenn Ausgaben gesenkt werden müssten, richte
sich der Blick immer auch auf die Mitarbeiter.
Auch beim Umsatz sieht der HDE nach zwei Minusjahren in Folge keine
eindeutige Wende zum Besseren. Franzen geht zwar davon aus, dass sich
das Geschäft etwas beleben wird. Real würden die Umsätze
jedoch stagnieren. 58 Prozent der Einzelhändler hätten in der
Umfrage im Januar und Februar die aktuelle Geschäftslage als
schlecht eingestuft, nur 20 Prozent als gut. "Für die Masse der
Einzelhändler ist die schwierige Zeit noch lange nicht vorbei."
Auch der deutsche Versandhandel konnte dem schlechten Konsumklima im
vergangenen Jahr nicht mehr trotzen: Der Umsatz der Branche sank um 1,3
Prozent auf 21 Milliarden Euro, wie der Präsident des
Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh), Rolf Schäfer,
mitteilte. Hauptleidtragende waren dabei die Universalversender wie
Otto oder Quelle mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent,
während die Spezialversender ein Plus von 3,9 Prozent verzeichnen
konnten.
Grund für den Einbruch bei den Universalisten waren nach Angaben
von Schäfer unter anderem der heiße Sommer und der milde
Winter, die das wichtige Geschäft mit Textilien leiden
ließen. Das Internetgeschäft legte den Angaben zufolge
dagegen weiter zu. Der Umsatz per Mausklick stieg 2003 um 34 Prozent
auf 3,6 Milliarden Euro.
(Quelle: afp)
Mecklenburg-Vorpommern: Trotz Geburtenrückgangs bleibt
Arbeitsmarktproblem bestehen
Mi.10.03.04 - Trotz des Geburtenrückgangs in den zurückliegenden Jahren
wird in Mecklenburg-Vorpommern das Überangebot an
Arbeitskräften bestehen bleiben. Auch künftig ist ein Mangel
an Arbeitsplätzen absehbar, wie aus einer Studie des Berliner
Instituts für sozialökonomische Strukturanalysen
(SÖSTRA) hervorgeht, die Landesarbeitsminister Helmut Holter (PDS)
am Dienstag in Schwerin vorstellte.
Danach wird den gegenwärtig 170.000 Arbeitslosen im Land bis zum
Jahr 2010 nur ein Einstellungsbedarf von 60.000 Arbeitsplätzen
gegenüberstehen. Das seien «gravierende Erkenntnisse»,
die umgehendes Handeln erforderten, sagte Holter. Vor zwei Jahren war
eine vorangegangene SÖSTRA-Studie angesichts der Tatsache, dass
sich die Zahl der Schulabgänger von 2002 bis 2009 halbiert, noch
von einem sich aufbauenden Arbeitskräftemangel in
Mecklenburg-Vorpommern ausgegangen.
Die Aussichten der Schulabgänger in Mecklenburg-Vorpommern sind
nach der jüngsten SÖSTRA-Studie noch am günstigsten in
Dienstleistungs- und Gesundheitsdienstberufen. Schlecht sieht es danach
in der Baubranche aus, selbst wenn auch dort für einen gewissen
Nachwuchs gesorgt werden müsse. Generell wachsen die beruflichen
Aussichten mit steigendem Qualifizierungsniveau der Bewerber, wie
Holter feststellte. Deshalb müsse vor allem in Bildung und
Ausbildung investiert sowie auf die aussichtsreichsten Berufe
hingearbeitet werden.
Eine Forschungsstudie zur Arbeitsmarktentwicklung, wie sie
Mecklenburg-Vorpommern initiiert hat und fortschreiben will, gibt es in
dieser umfassenden Form bundesweit nur noch in Thüringen.
(Quelle: ap)
Arbeitslosengeld II - ein Rechenchaos
Ursprünglich sollte es eine Vereinfachung werden. Doch jetzt droht
mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II ab Januar kommenden
Jahres das Chaos. Die Finanzierung ist noch ungeklärt: Die
Städte und Gemeinden fordern jetzt von der Bundesregierung einen
Teilausgleich für die Mietkosten der Langzeitarbeitslosen, die sie
ab 2005 übernehmen müssen....
Mehr in der "tageszeitung" vom 10.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/10/a0107.nf/text
|
Allein Erziehende fordern Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für
Kleinkinder - Städte können Kinderbetreuung nicht ausbauen
Mi.10.03.04 - Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) fordert
einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kleinkinder bis zu
drei Jahren. «Wir halten dies angesichts des schlechten
Betreuungsangebotes für absolut notwendig», betonte
VAMV-Geschäftsführerin Peggi Liebisch in Berlin im Interview
mit der Nachrichtenagentur ddp. Der Deutsche Städte- und
Gemeindebund will am Mittwoch in Berlin wegen der finanziellen
Schieflage vieler Kommunen seine ablehnende Haltung zu entsprechenden
Rechtsansprüchen bekräftigen.
Derzeit ist das Betreuungsangebot nach Angaben des Verbandes absolut
unzureichend. Die Kommunen hätten ihre Kapazitäten in den
vergangenen Jahren kaum gesteigert, kritisierte Liebisch. Derzeit gebe
es nur für knapp drei Prozent der Kinder unter drei Jahren
Betreuungsangebote. «Europaweit sind wir beim Betreuungsangebot
Schlusslicht», fügte sie hinzu.
Liebisch verwies auf einige ostdeutsche Bundesländer, in denen es
einen Rechtsanspruch auf Betreuungsangebote für Kinder unter drei
Jahren noch aus DDR-Zeiten gebe. Eine entsprechende Gesetzesinitiative
für einen bundesweiten Rechtsanspruch sei von
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) bislang allerdings mit der
Begründung abgelehnt worden, dass ein Unions-dominierter Bundesrat
das Vorhaben stoppen würde. Erst Anfang Februar hatte die
Ministerin den Kommunen ab 2005 rund 1,5 Milliarden Euro jährlich
zur Verbesserung des Betreuungsangebotes in Aussicht gestellt.
Der Deutsche Städtetag sieht derzeit keine Chancen, die Betreuung
für Kleinkinder auszubauen. «Wir können uns den
dafür notwendigen Milliardenbetrag nicht aus den Rippen
schneiden», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städtetages, Stephan Articus, der «Berliner Zeitung».
Weder die hohen Defizite der Städte noch der Rückstand bei
der Sanierung städtischer Infrastruktur erlaubten einen Ausbau der
Kinderbetreuung für unter Dreijährige.
Die Bundesregierung, die die Kommunen durch die Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe entlasten will, bekräftigte hingegen
ihre Unterstützung für den Ausbau der Kinderbetreuung.
«Länder und Kommunen werden durch den Bund finanziell so
entlastet, dass ihnen ab 2005 die zugesagten Mittel von aufwachsend bis
zu 1,5 Milliarden Euro jährlich für die Verbesserung der
Kinderbetreuung zur Verfügung stehen», sagte die
Bundesministerin für Familie, Renate Schmidt.
Die Bundesregierung sehe die schwierige Lage der Kommunen und werde
Städte und Gemeinden deshalb «bei der Umsetzung dieser
versäumten Pflichtaufgabe unterstützen, obwohl dies nicht die
originäre Aufgabe des Bundes ist», sagte Schmidt. Sie
bezeichnete die Kinderbetreuung als wichtigen Bestandteil des
angestrebten Innovationsschubes für Deutschland. Dass eine bessere
Kinderbetreuung für unter Dreijährige notwendig sei,
«wird daher von niemandem in Frage gestellt». Längst
nicht überall müssten neue Einrichtungen gebaut werden, sagte
Schmidt, die eine Öffnung von Kindergärten für unter
Dreijährige und den verstärkten Einsatz von Tagesmüttern
anregte.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages,
Stephan Articus, hatte den Ausbau der Kinderbetreuung in Frage gestellt.
«Selbst wenn dann die versprochene Entlastung wirklich käme,
könnten wir diese Mittel nicht gleich wieder zweckgebunden in die
Kinderbetreuung investieren», sagte Articus. Allgemein rechneten
die Kommunen durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe
statt der von der Bundesregierung angestrebten Entlastung um 2,5
Milliarden sogar mit einer Mehrbelastung in mindestens gleicher
Höhe.
(Quellen: ap, ddp)
60 Prozent mehr Gehalt für Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Seine Bezüge stiegen 2003 auf 11 Millionen Euro
Mi.10.03.04 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat im vergangenen Jahr fast 60
Prozent mehr verdient als 2002: Nach Angaben aus Frankfurter
Bankenkreisen kletterten die Bezüge für 2003 auf elf
Millionen Euro, 3,1 Millionen mehr als im Vorjahr.
Laut der "Financial Times Deutschland", die aus einem Bericht des
Kreditinstituts an die US-Börsenaufsicht SEC zitiert, sind dabei
nur rund eine Million Euro als Vergütung festgeschrieben. Der Rest
sind Anrechte auf Zahlungen in Form von Aktien, die auf der Basis der
Unternehmensentwicklung berechnet werden. Die Deutsche Bank wollte sich
auf Anfrage nicht zu den Bezügen äußern.
Im Zusammenhang mit umstrittenen Millionenzahlungen an Vorstände
des früheren Mannesmann-Konzerns steht Ackermann derzeit in
Düsseldorf vor Gericht. Mit dem Elf-Millionen-Euro-Paket steigt
der Deutsche-Bank-Chef zum Spitzenverdiener unter den deutschen
Managern auf. Im vergangenen Jahr hatte bereits die Summe von 6,9
Millionen Euro, die Ackermann für 2002 erhielt, für Unmut auf
der Aktionärsversammlung gesorgt.
Ackermann, der seit 1997 den Investment-Bereich der Deutschen Bank
leitete, übernahm die Führung des größten
deutschen Bankhauses im Mai 2002. Das Institut ist laut dem
"FTD"-Bericht eines von nur fünf Unternehmen aus dem Deutschen
Aktienindex (DAX), die die Vergütung ihrer Führung getrennt
ausweisen.
Quelle: afp
Mehr in der "tageszeitung" vom 10.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/10/a0132.nf/text
Blick ins Archiv:
Minijobs drücken Verdienstanstieg von Arbeitnehmern - Zahl
der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse auf
7,5 Millionen gestiegen
Sa.06.03.04 - Der Anstieg von Arbeitnehmer-Verdiensten in Deutschland ist im
vergangenen Jahr deutlich hinter den tariflichen Gehaltssteigerungen
zurück geblieben. Der effektive Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer stieg lediglich
um 1,3 Prozent auf 26.700 Euro, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die Tarifverdienste dagegen legten um
2,5 Prozent zu. Die Statistiker führten die hohe Differenz vor
allem auf die deutlich gestiegene Zahl geringfügig
Beschäftigter nach den Minijob-Gesetzesänderungen
zurück... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030618
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen um 130 Prozent...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401280.htm#040128xx
|
Zahl der Asylbewerber geht weiter zurück
Mi.10.03.04 - Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland geht weiter zurück. Wie
das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mitteilte, haben 2.989
Menschen im Februar 2004 Asyl beantragt. Dies seien 20 Prozent weniger
als im Vormonat und 33 Prozent weniger verglichen mit dem Februar 2003
gewesen, hieß es.
Dem Ministerium zufolge kamen im Februar die meisten Asylbewerber aus
der Türkei (366) und Serbien-Montenegro (289), gefolgt von der
Russland (254) und Vietnam (139). Das Bundesamt für die
Anerkennung ausländischer Flüchtlinge habe im Februar
Entscheidungen in 6.737 Fällen getroffen. Nur 1,4 Prozent der
Bewerber sei Asyl gewährt worden, hieß es.
(Quelle: ap)
Ärzte im Dienst der Abschiebebehörden
Bundesweit haben Ausländerbehörden und
Bundesgrenzschutz eine Gruppe von Medizinern etabliert, die bei der
Abschiebung von Flüchtlingen mit ihren Schnellgutachten behilflich
sind. Gesundheitsämter und Ärztekammern protestieren, doch
die willigen Helfer entscheiden längst
... Der BGS könne mittlerweile auf eine "reisende Truppe" von
Ärzten zurückgreifen, die als "freie Gutachter" fast immer
die "Flugtauglichkeit" des Abzuschiebenden bescheinigen, berichten an
Abschiebeverfahren beteiligte Ärzte und Anwälte. Überall
in Deutschland würden mittlerweile die Gesundheitsämter
umgangen, die für Begutachtungen eigentlich zuständig
wären. Stattdessen beauftrage der BGS seine bewährte
Ärztegruppe. Diese "Fachärzte für Abschiebung" brauchten
für ihre Untersuchungen oft nur zwanzig Minuten. Die Gutachten
würden hastig im Auto diktiert....
Mehr in der "tageszeitung" vom 09.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/09/a0183.nf/text
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Greenpeace demonstriert gegen Verkauf von Plutoniumfabrik
Mi.10.03.04 - Im Streit um den Verkauf der Plutoniumfabrik von Hanau an China stellt
Greenpeace die Glaubwürdigkeit der SPD zur Diskussion.
Greenpeace-Vertreter demonstrierten am Dienstag vor der
SPD-Landeszentrale sowie vor dem Landtag, um mit SPD-Fraktionschef
Manfred Püchel ins Gespräch zu kommen, wie eine
Greenpeace-Sprecherin sagte. Püchel sei jedoch nicht zu einer
Stellungnahme bereit gewesen. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen
bauten die Umweltschützer 3,50 Meter hohe Modelle einer Atombombe
und eines Atomkraftwerkes auf.
Ziel der Aktion mit dem Titel «Glaubwürdigkeit der
SPD» sei es gewesen, die Meinung des Landesverbandes zum
geplanten Verkauf der Plutoniumfabrik an China durch die
Bundesregierung zu erfahren. Die SPD-Landesverbände sollten
klarstellen, dass der Export der Fabrik mit der Atompolitik der SPD
unvereinbar sei, forderten die Umweltschützer. Schließlich
habe die SPD bislang die Plutoniumwirtschaft abgelehnt. Die Aktion
werde am Mittwoch in Erfurt und danach in weiteren
Landeshauptstädten fortgesetzt, kündigte die Sprecherin an.
Gegen den umstrittenen Verkauf der Plutoniumfabrik an China hatte sich
bundesweit Protest geregt. So will eine Initiative der Siemens AG ein
Angebot über 50 Millionen und 1 Euro zum Kauf der
Brennelementefabrik vorlegen, um so den umstrittenen Export zu
verhindern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich beim
Staatsbesuch in China für den Verkauf der Anlage ausgesprochen. Um
bei dem SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
'Hanau selber kaufen' sammelte bereits 250.000 Euro
Do.04.03.04 - Die Initiative «Hanau selber kaufen», die sich gegen den
umstrittenen Export der Siemens-Brennelementefabrik nach China richtet,
hat nach eigenen Angaben innerhalb weniger Tage 250.000 Euro gesammelt.
Die Protestaktion mit dem Ziel, die Atomanlage selber zu erwerben, um
deren Export zu verhindern, habe eine «überwältigende
Resonanz» erfahren, sagte eine Sprecherin der Initiative... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030414
Mehr zum Thema "Plutoniumfabrik Hanau" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304bn
Streit um Novelle des Telekommunikationsgesetzes
Mi.10.03.04 - Zwischen Regierung und Opposition bahnt sich ein neuer Streit um die
Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) und damit um die
Förderung des Wettbewerbs auf dem Telekommunikations-Markt an.
SPD und Grüne hätten sich auf zahlreiche Änderungen am
Regierungsentwurf verständigt, mit denen ein wirkungsvoller
Wettbewerb auf diesem Zukunftsmarkt gesichert werden soll, sagte der
Telekommunikationsexperte der SPD-Fraktion, Hubertus Heil, am Dienstag
in Berlin. Ziel des Gesetzes sei ein wirkungsvoller Wettbewerb am
deutschen Telekommunkationsmarkt. So sollten marktbeherrschende
Unternehmen wie die Deutsche Telekom Auflagen bekommen. Die
Unionsfraktion sieht dagegen noch erheblichen Änderungsbedarf. Das
Telekommunikationsgesetz muss auch den unionsdominierten Bundesrat
passieren.
Mit dem geplanten Gesetz sollen Richtlinien der EU umgesetzt werden.
Der Entwurf des Wirtschaftsministeriums war unter anderem von der
Monopolkommission kritisiert worden. Diese hatte eine Ausweitung der
Ermessenspielräume der Aufsichtsbehörde für
Telekommunikation und Post (RegTP) und eine verminderte
Rechtssicherheit durch die Pläne kritisiert.
Wichtig sei, dass man bei Vorleistungsprodukten marktbeherrschende
Unternehmen verpflichte, mit einem neuen Endkundenprodukt zeitgleich
wesentliche Vorleistungen auch den Mitwerbern zur Verfügung zu
stellen, sagte Heil. Damit nehme man Forderungen aus dem Kreis der
Telekom-Wettbewerber auf. Einem marktbeherrschenden Unternehmen
könne damit verwehrt werden, ein neues Endkundenprodukt
anzubieten, wenn es nicht zeitgleich den Wettbewerbern wesentliche
Vorleistungen zur Verfügung stelle.
Eine weitere Änderung betreffe das Thema Resale. Es geht dabei um
den Weiterverkauf von Leistungen an Wettbewerber, die sie dann an
Endkunden verkaufen.
Für die Unionsfraktion erklärte deren Abgeordnete Martina
Krogmann, der Entwurf sei kein Signal für den dringend
benötigten Aufbruch der Telekommunikationsbranche. Die Novelle
blockiere den Wettbewerb und hemme Wachstums und Innovation. Sie
verlangte unter anderem politische Unabhängigkeit der
Regulierungsbehörde. Um missbräuchlichen Verhalten
vorzubeugen, fordert. Sie kündigte erheblichen
Änderungsbedarf an.
(Quelle: rtr)