Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertachtundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Anhaltende Gewalt in Irak: Allein sieben Tote bei Angriffen in
Südirak - Als Polizisten verkleidete Angreifer töten
US-Mitarbeiter südlich von Bagdad +++ Schiitische Politiker wenden
sich erneut gegen das Bundesstaatsgebot in der irakischen
Übergangsverfassung +++ Italiens Parlament verlängert
Irak-Einsatz +++ Polen beginnt dieses Jahr mit Truppenreduzierung in
Irak +++ DRK will so schnell wie möglich wieder in den Irak
zurück +++ USA vergeben sieben Wiederaufbauverträge an
britische und US-Firmen
Do.11.03.04 - Die Gewaltserie in Irak hält auch nach der Unterzeichnung einer
Übergangsverfassung an: Als Polizisten verkleidete Angreifer haben
in Irak zwei zivile amerikanische Mitarbeiter der Besatzungstruppen und
deren Übersetzer getötet. Sie stoppten das Auto der Opfer am
Dienstagabend an einem Kontrollposten bei Hillah südlich von
Bagdad, erschossen die Insassen und stahlen den Wagen, wie ein
polnischer Militärsprecher am Mittwoch berichtete. Soldaten
hätten später fünf Iraker in dem Auto gestellt und die
Leichen im Wagen gefunden.
In Nassirijah wurden bei einer Schießerei zwischen einer
schiitischen Miliz und irakischen Polizisten vier Beamte getötet,
bevor italienische Truppen das Gebäude stürmten und zwei dort
festgehaltene Zivilisten befreiten. Zwei irakische Polizisten und ein
Italiener seien verletzt worden, berichtete ein Koalitionssprecher. Die
Carabinieri hätten acht Milizmitglieder festgenommen. Die Miliz
namens Sicherheitsgruppe der Bürger ist für mehrere
schiitische Parteien tätig.
Auch im Norden Iraks hielt die Gewalt an. In Kaim, nahe der syrischen
Grenze erschossen Angreifer laut Behördenangaben zwei Polizisten
und verletzten einen dritten schwer. Die Beamten aßen zum
Zeitpunkt des Angriffs in einem Restaurant zu Mittag. Auf das Büro
einer schiitischen Partei in Bakuba nordwestlich von Bagdad wurde ein
Sprengstoffanschlag verübt, bei dem zwei Personen verletzt wurde.
Der Oberste Rat für die Islamische Revolution in Irak (SCIRI)
machte Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam
Hussein und Terroristen für die Tat verantwortlich.
Die irakische Polizei nahm unterdessen in Bagdad ein führendes
Mitglied der militanten Gruppe Ansar el Islam fest. Ajub el Afghani sei
den Besatzungstruppen übergeben worden, berichtete ein kurdischer
Sicherheitsbeamter in Kirkuk.
In der Nähe der nordirakischen Stadt Mossul griffen
US-Streitkräfte ein nicht näher genanntes Ziel mit
Mörsergranaten an. Dabei wurde nach Militärangaben eine
Zivilperson irrtümlich getötet.
Schiitische Politiker wandten sich unterdessen erneut gegen das
Bundesstaatsgebot in der am Montag unterzeichneten
Übergangsverfassung. Großayatollah Mohammed Taki el Modaresi
warnte vor einer Aufteilung Iraks, die zu einem Bürgerkrieg
führen könnte. SCIRI-Führer Abdel Asis el Hakim sagte,
der von einem nicht demokratisch legitimierten Organ verfasste Text
greife in den Gestaltungsrahmen eines künftigen Parlaments ein.
Die italienische Abgeordnetenkammer hat am Mittwochabend die Gelder
für eine Fortsetzung des Irak-Einsatzes der Streitkräfte
bewilligt. Der Antrag, der eine Verlängerung aller italienischen
Auslandseinsätze bis zum 30. Juni vorsieht, wurde mit 281 gegen 64
Stimmen angenommen. Im Februar hatte bereits der Senat zugestimmt.
Italien hat 3.000 Soldaten in Irak stationiert, die beim Wiederaufbau
des Landes helfen sollen. Bei einem Bombenanschlag auf eine
italienische Kaserne im Süden Iraks wurden im November 19
Italiener getötet.
Polen will in diesem Jahr mit dem schrittweisen Rückzug seiner
Truppen in Irak beginnen. Der Abbau werde in Etappen geschehen und mit
der Stabilisierung der Lage und der Stärkung der irakischen
Streitkräfte einhergehen, sagte der stellvertretende polnische
Verteidigungsminister Janusz Zemke am Mittwoch der Nachrichtenagentur
AFP während eines Besuchs des polnischen kontrollierten Sektors in
Irak. Ein polnischer Armeesprecher sagte, es sei vorgesehen, dass im
kommenden Januar zehn Prozent weniger Soldaten in Irak stationiert
seien und dann die Zahlen weiter reduziert würden. Warschau halte
jedoch an seinem Einsatz in Irak fest, betonte er.
Das Deutsche Rote Kreuz will mit seinen Helfern in den Irak
zurückkehren, sobald es die Sicherheitslage erlaubt. "Aber als
neutrale Hilfsorganisation können wir das nicht unter
militärischem Schutz machen, wie er uns von den USA angeboten
worden ist", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der in Dresden
erscheinenden "Sächsischen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Das Rote
Kreuz müsse das Symbol für Neutralität,
Unabhängigkeit und Menschlichkeit bleiben. Obwohl die Helfer
aufgrund der Gefährdung zurück gezogen worden seien, sei das
DRK noch an drei Projekten im Irak beteiligt - an Ausbildungszentren
für Minenopfer und Krankenhäusern.
Das US-Verteidigungsministerium hat am Mittwoch aus einem Etat von
insgesamt fünf Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) sieben
Aufträge an britische und US-Firmen für die Koordinierung von
Wiederaufbauprojekten im kriegszerstörten Irak vergeben. Wie das
Pentagon erklärte, sollen in den kommenden Tagen zehn weitere
Aufträge folgen. Dabei gehe es um die Bereiche öffentliche
Arbeiten und Wasser, Verkehr und Kommunikation, Sicherheit und Justiz,
Bau-, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie Elektrik.
(Quellen: afp, ap, ddp)
Kerry und Bush umwerben Arbeiter
Do.11.03.04 - Nach vier weiteren Vorwahlsiegen hat sich der demokratische
Präsidentschaftsbewerber John Kerry bemüht, die
Unterstützung des einstigen Rivalen Howard Dean im Wahlkampf gegen
George W. Bush zu bekommen. Auf Kerrys Programm standen am Mittwoch
Treffen mit Gewerkschaftern in Chicago und anschließend ein
Treffen mit Dean in Washington. Präsident Bush warb unterdessen in
Ohio um Arbeiterstimmen.
Kerry gewann am Dienstag die Abstimmungen in den Südstaaten
Florida, Texas, Mississippi und Louisiana mit großen Mehrheiten.
Für den Nominierungsparteitag im Juli hat er jetzt 1.954 von 2.162
erforderlichen Delegiertenstimmen auf seiner Seite. Auf dem zweiten
Platz liegt John Edwards mit 531 Stimmen, der das Rennen bereits
aufgegeben hat und als Kandidat für das Amt des
Vizepräsidenten im Gespräch ist.
Bush erreichte die Nominierungsmehrheit für den republikanischen
Parteitag bereits am Dienstag. Nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP hat er inzwischen 1.255 Delegierte hinter sich.
In einem vorab veröffentlichten Text seiner Rede in Ohio
räumte Bush ein, dass die US-Wirtschaft vor Herausforderungen
stehe. «Wir wissen, wie wir sie bestehen werden», sagte er
dem Text zufolge. «Wir werden weiterhin die besten Produkte
herstellen und sie in Amerika und der Welt verkaufen.» Seine
Regierung werde sicher stellen, dass amerikanische Arbeiter die
Ausbildung und Fähigkeiten bekommen, um Erfolg in den Jobs der
Zukunft zu haben. Amerika werde die führende Wirtschaftsnation
bleiben, «weil Amerika der beste Ort in der Welt bleiben wird, um
Geschäfte zu machen».
Kerry sagte, entgegen Bushs Slogan von einer zuverlässigen
Führung sei Bushs Amtszeit von einer «eigensinnigen
Führung» geprägt. Er habe keine Bilanz vorzuweisen, er
müsse vor den Ergebnissen seiner Politik weglaufen. Er sei zu
einer monatlichen Debatte mit Bush bereit. Bei dem Treffen mit
Gewerkschaftsvertretern sagte Kerry, er werde die Bürger mit einem
Jahreseinkommen von mehr als 200.000 Dollar aufrufen, so viel Steuern
wie unter Bushs Vorgänger Bill Clinton zu zahlen. Für die
mittleren Einkommensschichten wolle er dagegen die von Präsident
Bush beschlossenen Steuersenkungen beibehalten oder diese Gruppen sogar
erst einbeziehen. Die Familien mittlerer Einkommensgruppen zahlten
unter Bush mehr, erklärte Kerry. Er warf dem Präsidenten vor,
den Arbeiterfamilien tausende Dollar zu nehmen.
(Quelle: ap)
Fünf britische Ex-Guantanamo-Häftlinge auf freiem Fuss -
Brite aus Guantánamo wirft USA 'grausame Behandlung' vor
Do.11.03.04 - Nach seiner Entlassung aus dem umstrittenen US- Gefangenenlager
Guantánamo hat ein Brite den USA grausame Behandlung der
Häftlinge vorgeworfen. Jamal Udeen verlangte nach seiner
Rückkehr, dass sich Washington für die von ihm "erduldete
Ungerechtigkeit verantworten» müsse. Udeen war bei seiner
Ankunft auf einem Flugplatz bei London zunächst vernommen, dann
aber ohne Auflagen freigelassen worden. Vier andere entlassene
Guantánamo- Häftlinge mit britischem Pass waren
zunächst erneut festgenommen worden. Inzwischen sie auf freiem
Fuss. Wie die britische Polizei mitteilte, wurden die vier Männer
nach längeren Vernehmungen am Mittwochabend freigelassen. Gegen
sie liege nichts vor, hiess es.
Die Männer hatten zwei Jahre in dem Lager Guantanamo auf Kuba
verbracht. Sie waren wegen Verdachts auf Verwicklung in Terrorakte
inhaftiert worden, hatten aber stets ihre Unschuld beteuert.
Vier Briten werden weiterhin auf dem US-Militärstützpunkt in
Kuba festgehalten. Gegen sie sollte nur dann ein Prozess eröffnet
werden, wenn ihnen ein Anwalt und die Möglichkeit zur Berufung
garantiert werde, sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair.
In Guantanamo werden insgesamt 640 Menschen festgehalten. Ihnen werden
Verbindungen zu den afghanischen Taliban oder zum Terrornetzwerk El
Kaida vorgeworfen. Die USA betrachten sie als feindliche Kämpfer
und lehnen es ab, ihnen die Möglichkeit auf einen Rechtsbeistand
zu geben.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Neuer Ausschuss soll Haftdauer von Guantanamo-Häftlingen
prüfen
Sa.14.02.04 - ... Rumsfeld: Guantánamo-Gefangene werden noch jahrelang festgehalten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021402
Auf ewig Guantanamo?
Mehr im "tagesspiegel" vom 14.02.04 unter:
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/14.02.2004/975826.asp
Architektur der Rechtslosigkeit
Guantanamo ist dank seines exterritorialen Status zum Inbegriff eines
rechtlosen Raums geworden.(telepolis, 28.01.04). Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/16636/1.html
http://www.taz.de/pt/2004/01/16/a0006.nf/text
US-Militärjuristen prangern Umgang mit Gefangenen auf Guantanamo an
Mo.01.12.03 - Admiral Don Guter, der als oberster Jurist der Navy Dienst getan hatte,
bis er letztes Jahr in Pension ging, hat sich mit seinem
Vorgänger, Admiral John Hutson, und einem Rechtsexperten der
US-Army für Gefangenenfragen, Exgeneral David Brahms,
zusammengetan, um die Bush-Regierung wegen der Gefangenenbehandlung auf
Guantanamo zum Umdenken zu zwingen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_a
US-Gericht krisisiert Haftbedingungen in Guantánamo
Fr.19.12.03 - Inhaftierung auf unbestimmte Zeit widerspreche amerikanischen Idealen.
Richter: Guantanamo-Gefangene haben Anspruch auf US-Justizsystem... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312190.htm#03121902
Amnesty ruft UN-Menschenrechtskommission zu Reformen auf
Do.11.03.04 - Amnesty International (AI) ruft die UN-Menschenrechtskommission zu
Reformen auf. Falls dieses Organ nicht schnell und wirksam handle,
werde es bedeutungslos. Die zu untersuchenden Länder müssten
künftig objektiv ausgewählt und die Umsetzung der
Empfehlungen besser überwacht werden werden, forderte
AI-Generalsekretärin Irene Khan am Mittwoch in Genf.
Die Kommission sei das wichtigste Menschenrechtsorgan innerhalb der
Vereinten Nationen und müsse Menschenrechte durchsetzen und
Verletzungen anklagen. Stattdessen habe die Kommission immer wieder
eigennützig und aus falscher politischer Rücksichtnahme die
Augen vor Menschenrechtsverletzungen verschlossen und es den
Tätern ermöglicht, straflos davonzukommen. Länder wie
Algerien, China, Indonesien, Saudi-Arabien, Russland oder Simbabwe mit
einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz seien einer ernsthaften
Untersuchung entgangen. Die skandalöse Lage der Gefangenen der USA
in Guantanamo Bay auf Kuba stünden nicht einmal auf der Agenda der
Kommission.
Laut AI ignoriert die Kommission viel zu oft die Erkenntnisse und
Empfehlungen der eigenen Berichterstatter und Experten. Viel zu oft
setzten Mitglieder Resolutionen und Entscheide der Kommission nicht um
und unterminierten so die Glaubwürdigkeit und die Wirksamkeit des
UN-Organs. Khan forderte deshalb die Kommission auf, sich selbst zu
reformieren. Ein wirksameres System sei notwendig für die Auswahl
der zu untersuchenden Länder und die Kontrolle bei der Umsetzung
der Empfehlungen.
Am Montag, 15. März, beginnt die 60. Sitzung der
UN-Menschenrechtskommission in Genf. Innerhalb von sechs Wochen wird
die Menschenrechtslage in rund 20 Ländern behandelt. AI forderte
die Kommission auf, ihr Augenmerk vor allem auf Haiti und Irak zu
richten. Eingehend zu untersuchen sei auch die Lage in Nepal und in
Sudan.
(Quelle: ap)
Afghanische Stammesführer prangern Misshandlung durch US-Armee an
Do.11.03.04 - In Afghanistan haben rund 250 Stammesführer aus dem Südosten
des Landes den US-Streitkräften Misshandlungen und Übergriffe
gegen die dortige Zivilbevölkerung vorgeworfen. Die Abordnung traf
am Mittwoch in der Hauptstadt Kabul ein, um die Regierung um
Unterstützung zu bitten, wie ein AFP-Reporter berichtete.
Vorausgegangen war ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch, in dem den US-Streitkräften in Afghanistan
Misshandlungen und Folter von Gefangenen sowie willkürliche
Festnahmen vorgeworfen werden.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Foltervorwürfe gegen US-Truppen in Afghanistan
Mo.08.03.04 - Die US-Streitkräfte in Afghanistan sehen sich mit schweren
Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen konfrontiert. Die
Organisation Human Rights Watch sprach am Montag in Kabul von
Verhaftungen ohne Rechtsgrundlage und Hinweisen auf Folterungen. Es
gebe glaubwürdige und übereinstimmende Beschuldigungen, dass
Gefangene geschlagen, mit Ketten gefesselt oder mit Schlafentzug
gequält würden, heißt es in einem 50-seitigen Bericht.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403080.htm#04030803
NATO-Oberbefehlshaber dringt auf Truppen für Afghanistan - Angriff
auf US-Stützpunkt in Afghanistan - Deutschland will Finanzhilfe
für Afghanistan ausweiten
Do.11.03.04 - NATO-Oberbefehlshaber James Jones hat eine schnelle Ausweitung der
Afghanistan-Mission angemahnt. Er drängte am Mittwoch noch
zögerliche Verbündete, Truppen und Ausrüstung zur
Verfügung zu stellen. Am Donnerstag sollen Vertreter des
Bündnisses zusammenkommen, um über eine Verstärkung des
Einsatzes zu beraten.
Die Vereinten Nationen hatten die NATO bereits im Oktober zu einer
Ausweitung des Einsatzes in die Provinzen hinein aufgerufen. Die
Umsetzung der Pläne verzögert sich jedoch; lediglich
Deutschland hat rund 200 Soldaten nach Kundus entsandt. Jones zeigte
sich zuversichtlich, dass die NATO ihre Mission bis Ende Juni auf die
nördlichen Provinzen ausdehnen werde.
Im Osten Afghanistans griffen Aufständische einen
US-Stützpunkt mit Raketen und Maschinengewehren an. Soldaten und
Rebellen hätten sich daraufhin ein Feuergefecht geliefert, bei dem
ein Unbeteiligter getötet worden sei, berichtete
US-Militärsprecher Bryan Hilferty am Mittwoch. Mindestens
zwölf Männer hätten den Stützpunkt Nangalam in der
Provinz Kunar, rund 170 Kilometer östlich der Hauptstadt Kabul, am
Dienstag angegriffen.
In Nangalam sind rund 100 US-Marineinfanteristen und Mitglieder von
Spezialeinheiten stationiert. In der Umgebung sei später Blut
entdeckt worden, was darauf hindeute, dass Angreifer verletzt worden
seien, sagte Hilferty weiter. Opfer unter den US-Soldaten habe es nicht
gegeben. Eine afghanische Zivilperson geriet nach Angaben des
Militärsprechers ins Kreuzfeuer und erlag später im
Krankenhaus ihren Verletzungen.
Kunar ist die nördlichste der afghanischen Provinzen entlang der
Grenze zu Pakistan. In der südlich gelegenen Provinz Kandahar
wurden am Mittwoch Raketen auf einen US-Stützpunkt am Flughafen
abgefeuert. Ein Sprecher der Provinzregierung erklärte, die
Raketen seien auf dem Gelände eingeschlagen, hätten jedoch
keinen Schaden angerichtet.
Deutschland will sich bis 2008 mit weiteren rund 320 Millionen Euro am
Wiederaufbau in Afghanistan beteiligen. Eine entsprechende Zusage wolle
die Bundesregierung auf der Afghanistan-Konferenz Ende März in
Berlin machen, wie Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
(SPD) der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe) sagte.
Die Bundesregierung hat sich dem Bericht zufolge bisher mit 80
Millionen Euro am Wiederaufbau Afghanistans beteiligt und ist damit
nach den USA und Japan die drittgrößte Gebernation. Die
jetzt von der Entwicklungsministerin in Aussicht gestellten Mittel
entsprächen der Fortsetzung der bisherigen Hilfen. Im
Entwicklungsministerium sei zu hören gewesen, dass auch die USA
und Japan sowie Großbritannien bereit seien, Aufbaugelder im
bisherigen Umfang zur Verfügung zu stellen. Dies würde
bedeuten, dass die afghanische Regierung mit etwa neun Milliarden
Dollar bis zum Jahr 2008 rechnen kann.
Wie die Zeitung weiter berichtet, reicht die Summe zum Aufbau des
zerstörten Landes allerdings nicht aus. Nach Ansicht des
afghanischen Finanzministers Aschraf Ghani seien in den nächsten
sieben Jahren etwa 27,5 Milliarden Dollar notwendig. Mit dem Geld der
Bundesregierung sollen nach Angaben von Wieczorek-Zeul unter anderem
Investitionen und Handel gefördert sowie die Infrastruktur
erneuert werden. Finanziert würden zudem Fortbildungen und
Programme zugunsten afghanischer Frauen.
(Quellen: ap, ddp)
Nahost-Konflikt
Israelisches Kommando tötet vier Palästinenser +++
Israelisch- palästinensischer Gipfel angeblich für Dienstag
angesetzt +++ Palästinensischer Ministerpräsident Kureia
appelliert an internationale Gemeinschaft bei Wiederaufnahme des
Friedensprozesses zu helfen
Do.11.03.04 - Ein israelisches Kommando hat am Mittwoch im Westjordanland vier
bewaffnete Palästinenser getötet. Das berichteten
palästinensische Augenzeugen in der Stadt Dschenin. Es habe sich
offenbar um eine genau geplante Aktion gehandelt; bei den Toten handele
es sich um Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Die vier
Männer seien in einer Schiesserei getötet worden, in der ihr
Auto von Gewehrkugeln durchsiebt worden sei. Das israelische Kommando
habe sich sofort zurückgezogen. Ein israelischer
Militärsprecher teilte mit, Soldaten seien in Dschenin
eingerückt, um militante Palästinenser zu verhaften. Sie
hätten auf vier bewaffnete Personen geschossen, die auf sie
gezielt hätten.
Am Mittwochabend haben israelische Soldaten im Westjordanland einen
Palästinenser erschossen. Der Mann sei getötet worden, als
Soldaten im Flüchtlingslager El Arrub das Feuer auf eine Gruppe
Steine werfender Palästinenser eröffnet hätten, teilten
palästinensische Ärzte mit. Die israelische Armee
erklärte, Soldaten hätten einen Mann getötet, der zuvor
einen Brandsatz auf sie geworfen habe.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia planen angeblich
für den kommenden Dienstag ihr erstes Gipfeltreffen. Der Termin
sei allerdings noch unsicher, erklärten Berater beider Seiten am
Mittwoch. Entscheidend werde ein Vorbereitungstreffen am Sonntag sein.
Der geplante israelische Truppenabzug aus dem Gazastreifen dürfte
Medienberichten zufolge der Schwerpunkt des geplanten Gipfeltreffens
zwischen Scharon und Kureia sein. Um dieses Thema ging es offenbar auch
bei einem Gespräch des ägyptischen Geheimdienstchefs Omar
Suleiman mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat
am Mittwoch. Kairo befürchtet, dass nach dem Abzug der
israelischen Truppen ein Machtvakuum im Gazastreifen entstehen
könnte, der an die ägyptische Sinai-Halbinsel angrenzt. Am
Donnerstag wollte der israelische Außenminister Silvan Schalom
mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zusammentreffen.
Bezüglich der umstrittenen Sperranlage um das Westjordanland
kündigte ein israelischer Regierungsberater unterdessen weitere
Änderungen an. Die Regierung werde darauf verzichten, das
Palästinensergebiet von allen Seiten zu umzäunen, sagte
Scharons Beauftragter für die Sperranlage, Dany Tirza. Zwischen
dem Nachbarstaat Jordanien und dem Westjordanland werde Israel keine
Barriere errichten, weil dies den diplomatischen Beziehungen schaden
könnte. Zudem solle bei Jerusalem eine 2,3 Kilometer weite
Lücke in der Sperranlage offen bleiben, weil sonst die
jüdische Siedlung Maale Adumin von der Hauptstadt abgetrennt
würde.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia hat am
Mittwoch an die internationale Gemeinschaft appelliert, bei der
Wiederaufnahme des Friedensprozesses zu helfen. Kureia wies
während eines Besuchs in Oslo gleichzeitig Berichte über ein
Gipfeltreffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon zurück. Ein Datum stehe noch nicht fest, sagte Kureia.
Zunächst sollten sich die Delegationen beider Seiten treffen und
eine Agenda festlegen.
In einer Rede im Nobel-Institut zweifelte Kureia an den Absichten der
israelischen Regierung in Bezug auf den angekündigten Rückzug
aus dem Gazastreifen. Kureia bemängelte, Scharons Regierung habe
keinen langfristigen Plan für die Zeit nach dem Rückzug. Das
so genannte Quartett aus USA, Russland, den UN und der EU müsse
jetzt wieder aktiv werden. So müssten internationale Beobachter
entsandt werden, um sicherzustellen, dass der Abzug der jüdischen
Siedler in Einklang mit getroffenen Vereinbarungen erfolge, sagte
Kureia weiter. Ohne solche Abkommen könnte ein totales Chaos
ausbrechen.
Neuer palästinensischer Parlamentspräsident wird ein enger
Verbündeter Arafats. Das palästinensische Parlament
wählte am Mittwoch mit großer Mehrheit Ruhdi Fatuh, ein
Mitglied von Arafats Fatah-Partei, zu seinem Vorsitzenden. Nach Angaben
von Kabinettsminister Kadura Fares ist Fatuh liberaler als sein
Vorgänger Rafik Natche.
(Quellen: ap)
Schweizer Friedensstiftung fordert weitere konstruktive Vorschläge
für Nahost-Politik
Do.11.03.04 - In der Schweiz braucht es laut der Schweizer Friedensstiftung
swisspeace nach der Lancierung der Genfer Initiative weitere
konstruktive Vorschläge für eine Nahost-Politik. Dies
forderte swisspeace-Direktor Laurent Goetschel am Mittwoch an einer
Konferenz in Bern. In der Schweiz müssten zivilgesellschaftliche
Kräfte, namentlich die palästinensische und jüdische
Diaspora, konkrete Vorschläge in die Diskussion um
friedensfördernde Massnahmen einbringen. An der Konferenz mit dem
Titel «Die Genfer Initiative und die Rolle der Schweiz»
nahmen neben Vertretern von palästinensischen und jüdischen
Organisationen, Nichtregierungsorganisationen sowie der
Bundesverwaltung auch Daniel Levy und Ghaith al Omari teil, welche an
der Ausarbeitung des Friedensdokuments beteiligt waren. Laut Mitteilung
brachten sie zum Ausdruck, dass trotz der zum Teil harsch
geführten Kritik am Genfer Dokument die Diskussion um einen neuen
Friedensprozess neue Dynamik erhielt. Die Schweiz könne den
weiteren Prozess zu einem Frieden in Israel und Palästina nach der
Lancierung der Genfer Initiative sinnvoll unterstützen.
(Quelle: ap)
Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative
im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401210.htm#040121_h
In zwei Jahren mehr als 1.200 Minen-Opfer in Äthiopien
Do.11.03.04 - Landminen in Äthiopien haben in den vergangenen beiden Jahren mehr
als 1.200 Menschen getötet oder verstümmelt. Dies geht aus
einem Bericht hervor, den die norwegische Organisation People's Aid am
Mittwoch vorstellte. Über zwei Millionen Menschen sind in dem
afrikanischen Land durch Minen und andere nicht explodierte Kampfmittel
gefährdet.
«Jeder dieser zwei Millionen Menschen könnte von Landminen
oder anderen Kampfmitteln verletzt oder getötet werden»,
sagte Adam Combs, der die Studie für People's Aid leitete.
«Ihr Alltagsleben wird auf verschiedenste Weisen von Minen
behindert.» Die am stärksten betroffenen Regionen sind der
Norden des Landes an der Grenze zu Eritrea sowie der Osten nahe der
somalischen Grenze. Äthiopische Regierungsbehörden
unterstützten People's Aid bei der Durchführung der
zweijährigen Studie.
Äthiopien führte bis Dezember 2000 einen Krieg gegen Eritrea,
in dem die Grenzregion von beiden Seiten vermint wurde. 1977 kam es zu
einem militärischen Konflikt mit Somalia, das den Osten des Landes
angegriffen hatte. Seit italienische Truppen den afrikanischen Staat
1935 besetzten, sind dort mehr als 16.000 Menschen Minenexplosionen zum
Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
UNICEF: Weltweit jährlich bis zu 20.000 Minen-Tote - USA wollen
weiter Anti-Personen-Minen verwenden
Sa.28.02.04 - Trotz weltweiter Ächtung von Antipersonenminen werden nach Angaben
des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF weiterhin jedes Jahr zwischen 15.000
und 20.000 Menschen bei Minenexplosionen verletzt oder getötet -
nahezu ein Drittel davon Kinder... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402280.htm#04022803
Iran will Urananreicherung langfristig fortsetzen
Do.11.03.04 - Iran will sein Nuklearprogramm nach Beendigung des Konflikts mit der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wieder aufnehmen. Die
Anreicherung von Uran sei nur vorübergehend ausgesetzt, sagte
Außenminister Kamal Charrasi am Mittwoch. Das Atomprogramm ist
nach Angaben Teherans ausschließlich für friedliche Zwecke
bestimmt, die IAEA hegt aber Zweifel an dieser Darstellung. Am Sitz der
Behörde in Wien unterzeichnete Libyen ein Zusatzprotokoll zum
Atomwaffensperrvertrag, das unangekündigte Kontrollen der
libyschen Nuklearanlagen ermöglicht.
Der Gouverneursrat der IAEA verabschiedete einstimmig eine Resolution,
in der Libyen für die Aufgabe seines über Jahre geheim
gehaltenen Atomwaffenprogramms gelobt wird. Zu Iran legten die USA,
Deutschland, Frankreich und Großbritannien einen
Resolutionsentwurf vor, auf den sich die vier Staaten nach schwierigen
Verhandlungen am Dienstagabend geeinigt hatten. In dem Kompromisspapier
wird zwar die Öffnung der iranischen Nuklearanlagen für
ausländische Kontrolleure gelobt, gleichzeitig aber gerügt,
dass Teheran nach wie vor Teile seines Atomprogramms geheim halte. Die
USA hatten ursprünglich eine klare Verurteilung Irans wegen
mangelnder Zusammenarbeit gewünscht.
Obwohl der Entwurf von den Europäern entschärft wurde,
erklärte der iranische Botschafter bei der IAEA, die USA
hätten «zu viel Druck» ausgeübt. Vor der Debatte
im Gouverneursrat beschuldigte er Washington, mit den Vorwürfen
gegen Teheran von ihren Schwierigkeiten in Irak ablenken zu wollen.
Deshalb wollten sie nicht akzeptieren, dass Iran «nie etwas mit
einem Atomwaffenprogramm zu tun gehabt» hätte, sagte Pirus
Husseini. «Die Amerikaner haben in Irak versagt, und offenbar
fällt es ihnen schwer, eine weitere Niederlage zu
akzeptieren.»
In Teheran warnte Außenminister Charrasi Deutschland, Frankreich
und Großbritannien davor, auf die härtere Linie der USA
einzuschwenken. In diesem Fall werde Iran ihnen die Zusammenarbeit
aufkündigen. Die Außenminister der drei Länder hatten
Teheran im Oktober vergangenen Jahres zu ersten Zugeständnissen
bewegen können. Ihre Mission wurde als beispielhaft für eine
gemeinsame europäische Außenpolitik gewertet.
Der iranische Verteidigungsminister Ali Schamchani bestätigte
unterdessen, dass Teile der zur Urananreicherung Zentrifugen von der
iranischen Rüstungsindustrie hergestellt wurden. Dies bedeute
jedoch nicht, dass das Atomprogramm militärischen Zwecken diene.
Schließlich würden auch Satellitenschüsseln von
Rüstungsbetrieben produziert. Schamchani wies erneut den Verdacht
zurück, dass Iran auch Zentrifugen zur Herstellung
waffenfähigen Urans besitze oder entwickle.
Kontrolleure der IAEA hatten in Iran vor einem Monat von der Regierung
nicht deklarierte Zentrifugenmodelle entdeckt. Dass Iran die Existenz
dieser Entwürfe verschwiegen habe, gebe Anlass zu
«großer Sorge», schrieben die Experten in einem
Bericht.
Die IAEA will in Iran so lange Kontrollen durchführen, bis alle
noch offenen Fragen über das Atomprogramm des Landes geklärt
sind. Wie lange dies dauern wird, hängt nach den Worten von
IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei in erster Linie von der
Kooperationsbereitschaft Teherans ab. Die iranische Regierung hatte die
UN-Behörde am Sonntag aufgefordert, ihre Überwachung
möglichst bald zu beenden.
(Quelle: ap)
Haitis neuer Regierungschef aus US-Exil heimgekehrt - Latortue soll
Einheitsregierung bilden
Do.11.03.04 - Einen Tag nach seiner Berufung zum neuen Ministerpräsidenten
Haitis ist der ehemalige Außenminister und UN-Diplomat Gerard
Latortue aus dem Exil im US-Staat Florida in seine Heimat
zurückgekehrt. Bei der Ankunft auf dem Flughafen der Hauptstadt
Port-au-Prince wurde er am Mittwoch von Mitgliedern des «Rats der
Weisen» begrüßt, der ihn am Dienstag zum Nachfolger
des bisherigen Regierungschefs Yvon Neptune berufen hatte.
Neptune hatte nach der Vertreibung von Präsident Jean-Bertrand
Aristide sein Amt niedergelegt. Als seine erste Aufgabe nannte Latortue
die Aussöhnung zwischen Gegnern und Anhängern Aristides. Der
neue Ministerpräsident soll mit Unterstützung des Weisenrates
bis Samstag eine neue Regierung der nationalen Einheit bilden, die
Neuwahlen vorbereiten soll. Enttäuscht über die Berufung
Latortues äußerten sich die Rebellen, deren Aufstand am 29.
Februar zum Sturz Aristides führte. Sie hätten General Herard
Abraham den Vorzug gegeben, sagte der ehemalige Oberst Himler Rebu.
Der 69-Jährige Latortue, der zuletzt in Florida lebte, appellierte
an seine Landsleute, unabhängig von sozialer Herkunft oder
politischer Denkweise "mit ihren Kompetenzen, ihrer Aufrichtigkeit und
Integrität" am Aufbau des Landes mitzuwirken. Nach seinen Worten
sollten die "ausländischen Truppen so kurz wie möglich im
Land bleiben". Derzeit würden sie aber wegen der prekären
Sicherheitslage und der schwachen haitianischen Polizei benötigt,
sagte der frühere Außenminister und langjährige
UN-Diplomat, der 1963 unter der Diktatur von François Duvalier
ins Exil ging.
Der Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, Peter
DeShazo, sagte, die Gewalt in Haiti sei das "direkte Ergebnis" der von
Aristide angeordneten "Bewaffnung von Banden und Schlägergruppen".
Der Chef der 2500 Mann starken multinationalen Truppe in Haiti,
US-Oberst Mark Gurganus, teilte mit, seine Soldaten hätten nach
illegalen Waffen Ausschau gehalten, aber bislang noch keine
eingesammelt.
Die Streitkräfte des Nachbarlandes Dominikanische Republik
kündigten eine Verstärkung ihres Einsatzes an der Grenze an.
Dies habe Staatspräsident Hipolito Mejía aufgrund von
Berichten angeordnet, wonach die haitianischen Rebellen mehr als 3000
Gefangene befreiten, sagte Armeechef José Miguel Soto
Jiménez.
(Quelle: ap, afp)
Intellektuelle protestieren gegen spanische Regierung
Do.11.03.04 - Vier Tage vor der Parlamentswahl haben hunderte spanische
Intellektuelle gegen die Politik der amtierenden Regierung von
Ministerpräsident José Maria Aznar protestiert. Insgesamt
334 Schriftsteller und andere Künstler erklärten in einer
gemeinsamen Stellungnahme, es sei Zeit für eine neue
Regierungsmehrheit, die nicht auf «Angst, Drohungen und
Beleidigungen» zurückgreife.
Die Politik der Regierung habe zu einer tiefen Spaltung der
Gesellschaft geführt, sowohl zwischen den Bürgern als auch
zwischen den Regionen, hieß es weiter. Keine Regierung zuvor habe
so viel «verbale Gewalt» hervorgerufen. Die Erklärung
unter dem Titel «Richtungswechsel» wurde unter anderen
unterschrieben von dem Autor Manuel Rivas und der Schauspielerin Pilar
Bardem.
Erst am Montag hatten 30 spanische Regisseure einen gemeinsamen
Dokumentarfilm mit dem Titel «Es gibt ein Motiv»
vorgestellt. In kurzen Sequenzen verwiesen sie darin auf die steigenden
Immobilienpreise, häusliche Gewalt, den Krieg in Irak und die
Folgen des Untergangs des Öltankers «Prestige». Die
regierende Volkspartei (PP) bewirbt sich bei der Wahl am Sonntag um
eine dritte Amtszeit. Sie liegt in den Umfragen klar vor den
oppositionellen Sozialisten.
(Quelle: ap)
UN-Experte wirft Spanien Misshandlung von ETA-Anhängern vor
Do.11.03.04 - Mutmaßlichen ETA-Extremisten und deren Anhängern drohen
einem UN-Beobachter zufolge in spanischer Haft immer wieder
Misshandlungen und Folter. Das spanische Recht enthalte zwar
Vorkehrungen gegen Misshandlungen, bei der Umsetzung gebe es aber
offenbar Mängel, heißt es in einem Bericht des
UN-Menschenrechtsexperten Theo van Boven. Der Niederländer
veröffentlichte den 23-seitigen Bericht vor der Sitzung der
UN-Menschenrechtkommission ab dem kommenden Montag. Spanien wies die
Vorwürfe zurück.
Der Bericht enthalte zahlreiche faktische Fehler, erklärte die
Regierung in Madrid. Van Boven stütze seine Informationen zudem
häufig auf Medienberichte oder ungenannte Quellen. Die spanische
Regierung hat Misshandlungsvorwürfe von mutmaßlichen
ETA-Anhängern wiederholt als Taktik der baskischen
Untergrundorganisation zurückgewiesen, mit der sie die
Behörden diskreditieren wolle. Van Boven kritisierte in seinem
Bericht auch die Gewalt der ETA, der seit 1968 mehr als 800 Menschen
zum Opfer fielen.
(Quelle: ap)
E I L M E L D U N G:
Mehr als 170 Tote bei Anschlagsserie in Madrid
Entsetzen und Trauer - Spaniens Innenminister verdächtigt
ETA als Urheber der Terrorakte - Politischer Arm der
Separatistenorganisation macht dagegen arabische Extremisten für
die Anschlagserie verantwortlich
Do.11.03.04 - 15:11 Uhr - Die verheerendste Anschlagsserie in der Geschichte der EU
hat drei Tage vor der spanischen Parlamentswahl Madrid
erschüttert. Mindestens 173 Menschen wurden getötet und
über 600 verletzt, als im morgendlichen Berufsverkehr zehn Bomben
in Zügen und Bahnhöfen der spanischen Hauptstadt
explodierten. Drei weitere Sprengsätze wurden von der Polizei
kontrolliert zur Explosion gebracht. Innenminister Angel Acebes machte
die baskische Separatistenorganisation ETA für den Terrorakt
verantwortlich.
«Die ETA hatte ein Massaker in Spanien geplant. Leider hat sie
heute ihr Ziel erreicht», sagte Acebes nach einer Sondersitzung
des Kabinetts. Er verwies darauf, dass die Polizei erst an Weihnachten
einen Bombenanschlag auf den Bahnhof Chamartin vereitelt hatte.
Am Donnerstag explodierten zwei Bomben in einem Pendlerzug kurz vor der
Einfahrt in den Bahnhof Atocha, einem der wichtigsten
Verkehrsknotenpunkte Madrids. «Es ist völlig klar, dass ETA
einen großen Anschlag plante. Das einzige, was sich geändert
hat, ist der Bahnhof», sagte der Innenminister.
Der politische Arm der Separatistenorganisation machte dagegen
arabische Extremisten für die Anschlagserie verantwortlich. Zur
Begründung sagte Arnold Otegi, Vorsitzender der verbotenen
baskischen Partei Herri Batasuna, dass ETA in der Vergangenheit stets
mit Telefonanrufen vor Anschlägen gewarnt habe. Vor den
Bombenexplosionen am Donnerstag ging nach Angaben des Innenministeriums
aber keine Warnung ein. «Wegen des Modus Operandi und der hohen
Opferzahl glaube ich, dass es eine Zelle aus dem arabischen Widerstand
gewesen sein könnte», zitierte die spanische
Nachrichtenagentur Efe den Batasuna-Chef. Der bislang schwerste
Anschlag der ETA kostete 1987 in Barcelona 21 Menschen das Leben.
Im Bahnhof Atocha bot sich nach Berichten von Rettungskräften ein
furchtbares Bild. «Auf den Bahnsteigen lagen überall
Körper, Beine und Arme», sagte ein Sanitäter. Auch an
zwei weiteren Bahnhöfen detonierten Sprengsätze. Die
Krankenhäuser riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf.
Weltweit löste der Terrorakt Entsetzen und eine Welle von
Beileidsbekundungen aus. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in
Berlin, es sei für jeden normal denkenden Menschen einfach
völlig unmöglich, diese Anschläge in vollem Umfang zu
begreifen. «Dieses Ausmaß an Terror hat es in Europa in der
letzten Zeit nicht gegeben», sagte der Kanzler.
Bundespräsident Johannes Rau erklärte in einem
Beileidstelegramm an den spanischen König Juan Carlos: «Der
Tod vieler unschuldiger Menschen bei einem hinterhältigen Anschlag
macht mich fassungslos.»
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse informierte während
einer laufenden Parlamentsdebatte die Abgeordneten über die
Anschlagserie in Madrid. Im Namen aller Bundestagsmitglieder
äußerte auch er Entsetzen und Abscheu. Er sprach dem
spanischen Volk sowie dem Parlament des Landes Betroffenheit und
Mitgefühl aus.
Innenminister Otto Schily versicherte seinem spanischen Kollegen Angel
Acebes Paniagua in einem Brief die Solidarität der
Bundesregierung. Sie werde Spanien auch weiterhin entschlossen im Kampf
gegen den Terror unterstützen. Die brutalen Mordtaten bewiesen,
dass die Terroristen vor keiner Grausamkeit zurückschreckten.
«Das spanische Volk wird sich aber von gewissenlosen Verbrechern
nicht einschüchtern lassen», schrieb Schily.
Das Europäische Parlament legte eine Schweigeminute für die
Opfer ein. Der Parlamentspräsident Pat Cox sprach zum Auftakt der
Sitzung in Straßburg vom bislang «schlimmsten Akt des
Terrors in einem Mitgliedstaat der EU» und von einer
«Kriegserklärung gegen die Demokratie». Der amtierende
EU-Ratspräsident und irische Regierungschef Bertie Ahern
erklärte, kein politisches Ziel könne die Bluttat
rechtfertigen.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi verurteilte die
Anschläge von Madrid als «perversen Akt von
Terroristen». Die gesamte internationale Gemeinschaft sei
gefordert, «sich zu mobilisieren und dies auszumerzen».
«Alle Menschen in Europa stehen Spanien bei. Wir alle sind Opfer
dieses Angriffs», fügte Prodi hinzu. Er ordnete an, alle
EU-Fahnen an Kommissionsgebäuden in Europa auf Halbmast zu setzen.
Ferner rief er zu einem Schweigemarsch im Brüsseler Europaviertel
zum Gedenken an die Opfer auf.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte, die NATO sei
nach wie vor entschlossen, den Terrorismus zu bekämpfen. Dies habe
er Außenministerin Palacio in einem Telefongespräch
versichert. «Unsere Solidarität mit Spanien ist
standhaft.» Den Familien der Opfer habe er sein Mitgefühl
ausgedrückt.
(Quelle: ap)
Italienische Gewerkschaften planen Generalstreik gegen Rentenreform
Do.11.03.04 - Aus Protest gegen die geplante Reform des italienischen Rentensystems
haben die drei größten Gewerkschaften des Landes am Mittwoch
einen Generalstreik angekündigt. Für den 26. März wurde
eine vierstündige Arbeitsniederlegung angesetzt, um die Regierung
von ihren Plänen abzubringen. Danach soll das Renteneintrittsalter
im Jahr 2008 von 57 auf 60 Jahre heraufgesetzt werden.
Die Reform wurde nach früheren Protesten bereits entschärft:
Ursprünglich sollten Männer erst mit 65 Jahren in den
Ruhestand gehen dürfen, die Zahl der Beitragsjahre für eine
Rente ohne Abzüge sollte außerdem von 35 auf 40 erhöht
werden.
Das bisherige Rentensystem verursacht gewaltige Kosten und trägt
erheblich zur Staatsverschuldung Italiens bei, die zu den höchsten
in der EU zählt. Die Gewerkschaften werfen der Regierung jedoch
vor, sie wolle an den Renten sparen, um die Steuern senken zu
können. Hinter dem Streikaufruf stehen die Gewerkschaften CGIL,
CISL und UIL mit insgesamt 11,2 Millionen Mitgliedern, rund die
Hälfte davon Rentner. Während seiner ersten Amtszeit war
Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach heftigen Protesten 1994
von seinen Rentenreformplänen wieder abgerückt.
(Quelle: ap)
Offenbar Bewegung in Verhandlungen über EU-Verfassung
Do.11.03.04 - Im Streit über eine EU-Verfassung ist Deutschland offenbar zu
einem Kompromiss bei der Frage der Stimmverteilung im Europäischen
Rat bereit. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete am
Mittwoch von «Gedankenspielen» in Berlin, wonach die
Schwellenwerte für die so genannte doppelte Mehrheit geändert
werden könnten.
Vor allem Polen und Spanien stemmten sich auf dem gescheiterten
Brüsseler Gipfel gegen den Vorschlag des EU-Konvents zum
künftigen Abstimmungsmodus, wonach 50 Prozent der Mitgliedstaaten
mit 60 Prozent der Bevölkerung einer Entscheidung im Rat zustimmen
müssen.
Nun sei im Gespräch, beide Werte auf 55 Prozent festzulegen,
schrieb die Zeitung. Dann müssten sich in der auf 25 Staaten
erweiterten EU 14 statt 13 Staaten einig sein, was die Bedenken in
Madrid und Warschau etwas entkräften könnte. Bei der
Bevölkerungszahl könnte Berlin argumentieren, dass eine
55-Prozent-Regelung auch die Sperrmöglichkeiten der großen
EU-Mitglieder verringere.
Die französische Regierung betonte, es sei Sache der irischen
Ratspräsidentschaft, Vorschläge zu machen. Paris werde diese
dann «in einem konstruktiven Geist» prüfen. Man sei
wie Deutschland daran interessiert, schnell zu einer Einigung über
die Verfassung zu kommen, möglichst bis zum Sommer, erklärte
das Außenministerium.
(Quelle: ap)
Vorschlag des EU-Konvents für eine europäische Verfassung:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
Lech Walesa träumt von den 'Vereinigten Staaten von Europa'
Do.11.03.04 - Kurz vor dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai träumt der ehemalige
polnische Präsident Lech Walesa von den "Vereinigten Staaten von
Europa". Um sicherzugehen, dass sein Land auch in der EU bleibe, wolle
er im nächsten Jahr wieder als Präsident kandidieren, sagte
der 60-jährige Friedensnobelpreisträger der Zeitschrift
"Bunte" in ihrer aktuellen Ausgabe. In dem Interview bezeichnete Walesa
sich selbst als "politischen Zehnkämpfer": "Man kann mich
umbringen, aber nicht besiegen.".
(Quelle: afp)
Kasten 1:
Poland Watch'-Interview mit Michael Albert zum Konzept eines
partizipativen Wirtschaftssystems (Parecon)
Poland Watch: Die Folgen der sogenannten 'Globalisierung' - die wohl
eher ein 'Übereinkommen für Investorenrechte' ist -, sind in
Polen überdeutlich sichtbar. So traf Hundai vor einigen Tagen die
Entscheidung, mehrere neue Werke in der Slowakei zu bauen - und nicht
in Polen - aus dem einfachen Grund, weil die Löhne in der Slowakei
niedriger sind und die Gewerkschaften weniger zu sagen haben. Was
würden Sie den Menschen in Polen raten, die etwas gegen diese Art
des "Globalisierungs"-Prozesses tun wollen, Menschen, die nicht die
Möglichkeit haben, an WSFs oder ähnlichen Events
teilzunehmen? Gibt es überhaupt eine Chance auf Wandel, wenn in
anderen Ländern der Region die neoliberalen Reformen so schnell
umgesetzt werden?
Michael Albert: Wenn ich ehrlich bin, kann ich keinen Rat geben, wie
die Leute in Polen sich am besten organisieren. Der Kontext, mit dem
ich mich auskenne, unterscheidet sich sehr stark vom Kontext hier. Was
ist strategisch am sinnvollsten? Immer eine sehr kontextabhängige
Frage. Andererseits gibt es Dinge, die praktisch universell sind. Ganz
entscheidend ist jedenfalls, dass man sich auf möglichst breiter
Basis auf Themen verständigt, für die die Bewegung eintreten
soll. Und anschließend ist sehr entscheidend, dass die gemeinsame
Linie möglichst Verbreitung findet. Gemeinsames Engagement ist
wichtig, die Leute müssen bereit sein, Organisationsarbeit zu
leisten, zu agitieren und natürlich zu demonstrieren, um die
sozialen Kosten für die Eliten hochzutreiben, damit sie sich den
Forderungen beugen. Ansonsten bin ich überfragt - etwa in der
Frage, welche Forderungen Sinn machen, sobald die Bewegung steht und in
der Lage ist, auf Wandel zu drängen, oder wie man Verbindungen
zwischen polnischen Bewegungen und Bewegungen in anderen Ländern
der Region herstellt, wie man das am besten bewerkstelligt.
Poland Watch: Sie und Robin Hahnel haben ein partizipatives
Wirtschaftssystem (Parecon) entworfen, ein ökonomische System,
basierend auf Werten wie Gerechtigkeit, Solidarität,
Selbstverwaltung, Entlohnung für Einsatz und Opferbereitschaft
(sacrifice). Können Sie uns die Grundideen von Parecon
erläutern? Wie hat man sich den Übergang zu Parecon
vorzustellen? Wie könnte das für Polen aussehen?
Michael Albert: Also in Kürze - das Wirtschaftssystem, das wir
vorschlagen, Parecon, basiert auf mehreren definierenden
Schlüsselinstitutionen: (1) Es gibt Arbeiter- und
Konsumentenräte sowie Räte-Föderationen. Innerhalb der
Räte bzw. der Räte-Föderationen finden
Entscheidungsprozesse statt. Diese und ihre Methodik zielen darauf ab,
jedem/jeder Beteiligten den Entscheidungseinfluss zu geben, der
seiner/ihrer Betroffenheit von der Entscheidung proportional
entspricht....
Mehr in ZNet vom 05.03.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1033
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=41&ItemID=5087
Siehe auch : 'Parecon - Life after Capitalism' - ein neues Buch, in dem
Michael Albert seine Vorstellungen ausführlich darlegt.
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Verheugen: Öffentlichkeit zu wenig auf Erweiterung vorbereitet
Do.11.03.04 - EU-Kommissar Günter Verheugen hat den Regierungen der alten
EU-Staaten vorgeworfen, die Öffentlichkeit zu wenig auf die
anstehende Ost-Erweiterung der EU vorbereitet zu haben. Erst jetzt
komme eine breite Debatte darüber in Gang, sagte der für
Erweiterung zuständige Kommissar am Mittwoch vor dem
Europaparlament in Straßburg. Dies sei "spät, viel zu
spät". So sei es nicht verwunderlich, dass nun "alle Ängste
und Besorgnisse" hochkämen. "Die politischen Eliten in den
Mitgliedsländern hätten mehr tun müssen, um diese
große historische Bewegung deutlich zu machen", bemängelte
Verheugen.
(Quelle: afp)
Opel-Chef warnt vor Risiken für den deutschen Arbeitsmarkt durch
die EU-Osterweiterung
Do.11.03.04 - Opel-Chef Carl-Peter Forster hat vor erheblichen Risiken für den
deutschen Arbeitsmarkt durch die EU-Osterweiterung gewarnt. «Man
scheint den Druck, der durch die EU-Erweiterung aus Osteuropa kommen
wird, nicht ernst zu nehmen», sagte Forster der «Berliner
Zeitung» (Donnerstagausgabe). Es gebe «gewaltige
Risiken», zumal für ein Land wie Deutschland, das in der
Mitte Europas liege und ein absolutes Hochlohnland sei. Forster
betonte: «Immer mehr Unternehmen werden sich fragen, ob sie es
sich erlauben können, noch in Deutschland zu produzieren oder ob
sie nicht in ein billigeres osteuropäisches Land
übersiedeln.» Das könnte den deutschen Arbeitsmarkt
erschüttern. Wenn Deutschland nicht massiv gegensteuere, werde
sich die Abwanderung von Industriearbeitsplätzen verstärken.
(Quelle: ddp)
Restriktive Kreditvergabe droht Aufschwung zu gefährden
Do.11.03.04 - Die deutschen Unternehmen sehen sich angesichts der vorsichtigen
Kreditvergabepraxis der Banken vor anhaltend großen
Finanzierungsproblemen, die den beginnenden Aufschwung in Deutschland
beeinträchtigen könnten.
Eine Umfrage unter rund 4600 Firmen aus 24 Branchen, die von der
KfW-Gruppe und einer Reihe von Wirtschaftsverbänden am Mittwoch in
Berlin vorgelegt wurde, ergab, dass die Kreditaufnahme für gut 43
Prozent der Firmen im vergangenen Jahr erneut schwieriger wurde.
Kleinere Unternehmen seien davon weit härter als große
betroffen. Von ihnen habe jedes Zweite über Probleme bei der
Kreditaufnahme geklagt. Rund zwölf Prozent der Firmen seien
Kreditanträge für Investitionen abgelehnt worden. Auch
Kündigungen von Geschäftsbeziehungen mit Mittelstandskunden
durch die Kunden seien nicht selten. Industrieverbandspräsident
Michael Rogowski warnte: "Wird den mittelständischen Unternehmen
der Boden unter den Füßen weggezogen, hätte dies
gravierende Auswirkungen auf unsere sowieso schon niedrigen
Wachstumserwartungen".
KfW-Chef Hans Reich erklärte: "Die Finanzprobleme der Unternehmen
sind dramatisch". Sie spiegelten den Strukturwandel im Finanzsektor
wieder, der sich mit hoher Geschwindigkeit fortsetze. Inzwischen gebe
es aber Indizien dafür, dass viele Banken die Potenziale des
Geschäfts mit den über 3,3 Millionen Kunden im Mittelstand
wieder deutlicher sähen und ihre Strategie anpassten.
Rogowski forderte: "Die Banken müssen bei der Stange bleiben". Er
kritisierte, oft genug sei es nicht die Bonitätsbewertung eines
Kunden, die zu negativen Kreditentscheidungen führe, sondern die
geschäftspolitische Strategie der Banken selbst. Nur über
bessere Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft könne es
die Investitionen geben, die für einen Aufschwung unverzichtbar
seien, mahnten Reich und Rogowski.
Die mittelständische Wirtschaft ist von der Zurückhaltung der
Banken im Kreditgeschäft der Umfrage zufolge erheblich härter
betroffen als die großen Unternehmen. Die letztgenannten
spürten die veränderten Bedingungen am Finanzmarkt eher durch
schärfere Transparenz- und Informationsanforderungen.
Ungeachtet dessen haben sich die Unternehmen der Studie zufolge aber
Schritt und Schritt, wenn auch nicht im erforderlichen Maße, den
veränderten Bedingungen angepasst. Die Unternehmen gingen
zunehmend selbstverständlicher mit dem Rating, der
Bonitätseinschätzung der Firmen, um. Zudem hätten die
Anstrengungen zugenommen, die Eigenkapitalbasis zu verbessern.
Andererseits wüssten immer noch nur die Hälfte der
Betroffenen über ihre eigene Bonitätseinstufung Bescheid.
Reich forderte die Unternehmen dazu auf, ihre Finanzierungsinstrumente
zu diversifizieren und dabei neue Instrumente der KfW zu nutzen. Die
Kreditfinanzierung könne nicht mehr das alleinige
Finanzierungsrückgrat der Firmen sein. Sie müssten
Instrumente und Programme für Beteiligungskapital,
Nachrangdarlehen und anderes nutzen.
(Quelle: rtr)
Union will Kündigungsschutz angeblich doch lockern
Do.11.03.04 - Entgegen dem Beschluss des Präsidiums von CDU/CSU will die
Unionsfraktion laut der Zeitung "Die Welt" den Kündigungsschutz
deutlich lockern. Dies gehe aus dem Antrag hervor, den die
Unionsfraktion am Dienstagabend verabschiedet habe und in Kürze in
den Bundestag einbringen wolle. Darin werde gefordert, "das
Kündigungsschutzgesetz für Neueinstellungen bei Unternehmen,
die weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen, auszusetzen".
Laut Fraktionsbeschluss sollen demnach auch alle Beschäftigten
zwischen Abfindung und Kündigungsschutz wählen können,
laut Präsidium nur die ab 50 Jahren.
Als "unmögliches Wirrwarr", kritisierte ein hochrangiger
Unionspolitiker den Vorgang gegenüber der Zeitung: "Das
Präsidium verabschiedet mit Getöse Regelungen, die schon zwei
Tage später keinen Bestand mehr haben."
(Quelle: afp)
SPD-Arbeitnehmerflügel will Gegenentwurf zu 'Agenda 2010'
Do.11.03.04 - In der SPD bahnt sich eine neue Zerreißprobe um die Reformpolitik
der Bundesregierung an. Der Arbeitnehmerflügel der Partei geht auf
Konfrontationskurs zur Berliner Parteispitze. Bei ihrem Bundeskongress
am Wochenende in Erfurt werde die Arbeitsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen (AfA) einen Leitantrag verabschieden, der sich wie
ein Gegenentwurf zur «Agenda 2010» von Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) lese, sagte AfA-Chef Ottmar Schreiber der
«Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe). Er fügte
hinzu: «Unsere Botschaft ist, dass wir einen Kurswechsel
brauchen.»
«Das gilt für die Beschäftigungspolitik, die erkennbar
bisher nicht greift, und das gilt auch für die Neugestaltung der
sozialen Sicherungssysteme», sagte Schreiner. Den Leitantrag
für den AfA-Bundeskongress habe die gesamte Spitze der
Arbeitsgemeinschaft einstimmig verabschiedet. «Keine Politik ist
alternativlos», heiße es in diesem Antrag. In der
Arbeitnehmerschaft, «die traditionell immer die Basis
sozialdemokratischer Mehrheitsfähigkeit bildete, herrscht
Verunsicherung und Enttäuschung über die Politik der
SPD». Vor allem in der Steuerpolitik, der Arbeitsmarktpolitik und
bei der Reform der sozialen Sicherungssysteme fordere der
Arbeitnehmerflügel einen Strategiewechsel. So schlage er vor, die
Erbschaftsteuer zu erhöhen, die Vermögensteuer wieder
einzuführen und höhere Abgaben für Unternehmen und
Spitzenverdiener zu beschließen.
(Quelle: ddp)
Planungen für linke Protestpartei werden konkreter
Do.11.03.04 - Angesichts der weiter schwachen Umfragewerte für die SPD nehmen
die Planungen für eine neue linke Protestpartei langsam konkrete
Formen an: Rund 30 aktive und ehemalige Mitglieder von SPD, Grünen
und PDS, sowie Vertreter von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen
kamen laut Teilnehmerberichten vergangenen Freitag in Berlin zu einem
Treffen zusammen. Konkrete Beschlüsse wurden aber offenbar nicht
gefasst.
Dennoch hat einer der Initiatoren, der Gewerkschaftssekretär beim
ver.di-Bundesvorstand, Ralf Krämer, laut einem
«Zeit»-Bericht schon eine Strategie für die
Bundestagswahl in zweieinhalb Jahren entwickelt: Nach dem Vorbild des
Erfolgs der ehemaligen Schill-Partei bei der Hamburg-Wahl 2001 sollen
vor allem Nichtwähler mobilisiert werden, zitierte das Blatt aus
einem Papier Krämers in einer Vorabmeldung vom Mittwoch.
Ronald Schill, der nach seiner Niederlage bei der Wahl vor eineinhalb
Wochen nunmehr nach Südamerika auswandern will, hatte damals auf
Anhieb fast 20 Prozent der Stimmen eingefangen. Folgerichtig und
selbstbewusst schätzt Krämer das Potenzial einer neuen
Linkspartei auf bundesweit 20 Prozent.
Krämer, früherer Juso-Landeschef in Nordrhein-Westfalen,
schrieb in einem Strategiepapier, wenn SPD und Grüne nach rechts
rückten, Sozialleistungen gestrichen würden und zugleich die
Westausdehnung der PDS gescheitert sei, dann müsse es Raum geben
für eine linke Protestpartei. Dem 14-seitigen Papier des
ver.di-Vertreters zufolge geht es den Initiatoren aber nicht um eine
«neue explizit linkssozialistische Partei». Wichtig sei,
dass die Propaganda populär, klar und einfach sein solle - wie bei
der ehemaligen Schill-Partei.
Der Weg zur Gründung einer Partei sei aber noch weit, sagte der
Wirtschaftswissenschaftler Axel Troost, einer der Organisatoren des
Gesprächs im Haus des Berliner DGB, auf AP-Anfrage. Troost ist
Geschäftsführer der Arbeitsgruppe «Alternative
Wirtschaftspolitik», einem Zusammenschluss von Wissenschaftlern
aus Universitäten, Forschungsinstituten und Gewerkschaftern.
Troost bezeichnete das Treffen am Freitag als einen «ersten
Gedankenaustausch». Man sei sich zwar einig, dass eine sozial-
und wirtschaftspolitische Wahlalternative für die Bundestagswahl
2006 gegründet werden müsse, es sei aber noch nicht
abschließend geklärt, ob dies in Form einer Partei geschehen
solle. Sollte aber eine Partei gegründet werden, müssten
Doppelmitgliedschaften in anderen Parteien möglich sein, sagte
Troost.
Auf der noch spärlich bestückten Homepage der Initiative
heißt es, zunächst sollten ein bundesweites Netzwerk zur
Diskussion einer Wahlalternative geschaffen und die regionalen
Aktivitäten zusammengeführt werden. Ein nächstes und
größeres Treffen ist für Juni geplant.
Ein Sprecher von Attac stellte unterdessen klar, seine Organisation
werde sich nicht an einer Parteigründung beteiligen. Die
Initiative für die neue Partei stehe auch nicht im Zusammenhang
mit einem dreitägigen Kongress in Berlin, bei dem Mitte Mai
Gewerkschaften, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und soziale Bewegungen
gemeinsame alternative Politikansätze zur gegenwärtigen
Regierungspolitik entwickeln wollen, sagte der Sprecher.
(Quelle: ap)
Homepage Initiative Linke Protestpartei:
http://www.wahlalternative.de
Große Ohren - CIA lauscht auch in Deutschland
«Echelon» dringt durch dickste Mauern - Ein Diplomat:
«Alles wird abgehört»
Do.11.03.04 - Das Thema wird nur mit spitzen Fingern angefasst. Mit einem knappen
«Ja» antwortete in Washington ein CIA-Vertreter auf die
Frage, ob der US-Geheimdienst mit seinen «großen
Ohren» mitunter auch deutsche Politiker, Wirtschaftler oder
Forscher belauscht. Ansonsten: «No comment.» Offiziell
findet so etwas nicht statt. Es ist in Berlin jedoch kein Geheimnis,
dass gerade Politiker von Fachleuten ständig überprüfen
lassen, ob sie «bespitzelt» werden.
George Orwells «Big Brother» beherrsche mehr denn je die
Welt, sagte ein deutscher Geheimdienstmann der Nachrichtenagentur ddp
am Dienstag in Berlin. Die Kontrolle über die industrielle und die
Informationstechnologie sei der «Schlüssel zur Macht im 21.
Jahrhundert». Es werde dabei auch nicht davor
zurückgeschreckt, «Freunde auszuspähen, wenn es zum
Beispiel der eigenen Wirtschaft nützt». Mit von der Partie
sind auch die Russen mit ihren ausgetüftelten
«Himmelslauschern» und anderen «Einrichtungen».
Das heikle Thema kam gerade erst wieder hoch, nachdem sich die
frühere britische Entwicklungsministerin Clare Short
«geoutet» hatte. Danach sind Lauschangriffe bei den
Vereinten Nationen in New York offenbar eine «stets geübte
Praxis». Short brachte es an den Tag: Der britische
Auslandsnachrichtendienst MI6 und auch die CIA hätten sich
hinreißen lassen, sogar den höchsten UN-Repräsentanten
Kofi Annan vor dem Irak-Krieg systematisch abzuhören, hieß
es.
Die früheren Chef-Waffeninspekteure der UN für den Irak,
Richard Butler und Hans Blix, zeigten sich «angewidert»,
dass sie von «Freunden» ausspioniert worden seien. Die Rede
ist vom «UN-Gate». «Ich gehe davon aus, dass die
Amerikaner grundsätzlich zu jeder Minute alles
abhören», sagte ein bei den UN akkreditierter Botschafter
aus Europa.
Bei den Stichworten «abhören, belauschen» fällt
der Hinweis auf das Legenden umwobene elektronische
Überwachungssystem «Echelon», das von den Vereinigten
Staaten zusammen mit Großbritannien, Kanada, Australien und
Neuseeland betrieben wird. «Echelon war und ist im Fall UN
dabei», versicherte ein Nachrichtendienstmann. Das globale
Spionagenetzwerk arbeitet unter der Regie des US-Geheimdienstes
National Security Agency - NSA. «Echelon» ist High-Tech
pur. Ein Netz von Horcheinrichtungen «tastet» weltweit den
Daten- und Kommunikationsverkehr ab: Telefon, Fax, Telex, E-Mail,
Internet, Satelliten, Funk und Unterseekabel.
Die Stichwortcomputer der Echelon-Spezialisten können nach
Darstellung von Insidern nicht nur nach verdächtigen
Schlüsselwörtern suchen, die über die Kommunikationswege
laufen. Sie können darüber hinaus die elektronische Post nach
ganzen Themenkomplexen abscannen. «Wo wir hin wollen, kommen wir
hin. Entfernungen, noch so dicke Mauern oder Abschottungen spielen
heutzutage für uns keine Rolle mehr», schilderte der
CIA-Vertreter. Es gebe gegen «Echelon» absolut keinen
Schutz. Allein die NSA in Maryland soll weit über 100 000
Mitarbeiter haben.
Auch in Deutschland hat die NSA schon seit langem einen streng
abgeschirmten Stützpunkt im bayerischen Bad Aibling. Noch nicht
einmal Angehörige des Bundesnachrichtendienstes (BND) haben
Zutritt. Die leistungsfähigen Abhörantennen sind durch
weiße Kunststoffhüllen, die wie riesige Golfbälle
aussehen, vor Wettereinflüssen und neugierigen Blicken
geschützt.
Am 30. September dieses Jahres ziehen sich allerdings die Amerikaner
aus Bayern zurück. Ein Teil der Anlage werde von «deutschen
Stellen» übernommen, erfuhr ddp. «Ja, wir gehen, weil
wir mittlerweile über wesentlich bessere technische
Möglichkeiten verfügen», ließ ein NSA-Experte
wissen. «Wir passen uns der modernen Technik an, die weiter
über Satelliten ausgebaut wurde.» Das unterliege
«höchster Geheimhaltung».
(Quelle: ddp)
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
|
Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html