Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneunundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Armee gibt Kontrolle in Irak Ende Juni nicht sofort ab +++ Drei
US-Soldaten in Irak getötet +++ Anschlag auf sunnitischen
Geistlichen in Bagdad +++ US-Zivilverwalter Bremer warnt vor Zunahme
der Anschläge in Irak +++ US-Journalistin unter Spionageverdacht
für den Irak festgenommen
Fr.12.03.04 - Nach der für Ende Juni geplanten Machtübergabe in Irak werden
die US-Truppen nicht sofort die komplette Kontrolle über die
Sicherheit des Landes abgeben. "Wir werden die Kontrolle nicht
übergeben, bevor die irakischen Sicherheitstruppen bereit sind",
sagte US-General Ricardo Sanchez am Donnerstag in Bagdad. Die
verbündeten Besatzungstruppen würden die Iraker so lange wie
nötig bei der Ausrüstung und Beratung sowie beim Training und
Kommando unterstützen.
Zwei US-Soldaten sind bei einem Anschlag in Irak getötet worden.
Wie die Militärführung am heutigen Freitag in Bagdad
mitteilte, fuhren sie am Donnerstag in der Nähe von Habbinija im
so genannten sunnitischen Dreieck mit ihrem Fahrzeug auf eine
handgefertigte Bombe. Ein dritter Soldat wurde verletzt. Das
sunnitische Dreieck gilt als Zentrum des Widerstands gegen die
US-Besatzungstruppen.
Mit dem jüngsten Anschlag stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn vor
einem Jahr in Irak getöteten US-Soldaten auf 556.
Ein sunnitischer Geistlicher ist nach eigenen Angaben nur knapp einem
Mordanschlag in Bagdad entgangen. Mehrere Bewaffnete seien am
Donnerstag neben seinem Wagen vorgefahren und hätten das Feuer
eröffnet, berichtete Nasem Chalaf, der an Kopf und Hand verletzt
wurde. Sein Sohn und sein Schwiegersohn seien erschossen worden. "Wer
auch immer mich töten wollte, versucht, Gewalt zwischen den
religiösen Gruppen anzustacheln", erklärte Chalaf. Vor
einigen Tagen habe ein Mitglied einer militanten schiitischen Gruppe
ihm mit dem Tod gedroht.
In Falludscha detonierte ein Sprengsatz am Straßenrand, als ein
Militärkonvoi mit 50 Fahrzeugen durch die Stadt fuhr. Die
Explosion tötete einen Iraker und verletzte zwei weitere.
In Basra im Süden des Landes wurden am Mittwochabend zwei
Irakerinnen getötet, die in einer Wäscherei für die
Besatzungstruppen arbeiteten. Die beiden Schwestern waren auf dem
Heimweg, als Bewaffnete ihr Taxi anhielten und sie erschossen, wie ein
Militärsprecher am Donnerstag mitteilte. Der Hintergrund der Tat
war zunächst unklar.
Nach einem tödlichen Überfall auf zwei Mitarbeiter der
US-Zivilverwaltung am Mittwoch nahmen Beamte der Bundespolizei FBI am
Donnerstag Ermittlungen in der Region Hillah auf. Die beiden Amerikaner
und ihr irakischer Dolmetscher sollen von als Polizisten verkleideten
Angreifern erschossen worden sein. Polnische Soldaten verhafteten die
mutmaßlichen Täter, die mit den Leichen der Amerikaner in
deren Auto unterwegs waren.
Der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, hat derweil vor einer
Zunahme von Anschlägen im Vorfeld der Übergabe der
Souveränität an die Iraker am 30. Juni gewarnt. Je näher
der Termin rücke, desto größer werde die
"terroristische Bedrohung", sagte Bremer am Donnerstag in Ramadi
westlich von Bagdad. "Denn die Terroristen wissen, wenn einmal die
Demokratie realisiert ist, gibt es keinen Grund mehr für
Anschläge." Dies habe auch der wegen mehrerer Anschläge in
Irak gesuchte Jordanier Abu Musab al-Zarqawi in einem Brief
ausgedrückt. Die Terroristen hätten dem irakischen Volk keine
Alternative zu bieten, sagte Bremer.
Eine amerikanische Journalistin ist wegen Spionage für den Irak
festgenommen worden. Susan Lindauer soll 10 000 Dollar vom irakischen
Geheimdienst erhalten haben, berichteten US- Medien. Lindauer hatte
zeitweise als Pressesprecherin für Kongressabgeordnete gearbeitet.
Die Behörden werfen ihr Verschwörung, Spionage und
Geldannahme von einem terroristischen Regime vor. Sie soll von 1999 bis
2002 mehrfach in der irakischen Mission bei den Vereinten Nationen in
New York und 2002 im Irak gewesen sein.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Hans Blix resümiert
Hans Blix, Chef der UN-Waffeninspektion im Irak (Unmovic), hielt auf
Einladung des Potsdamer Einstein Forums am 17. Februar 2004 einen
Vortrag, aus dem Le Monde diplomatique (Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite
7) zentrale Aussagen dokumentiert:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0030.nf/text
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Nach Freilassung britischer Guantanamo-Häftlinge steigt Druck auf
USA
Fr.12.03.04 - Nachdem die britischen Behörden fünf zurückgekehrte
Häftlinge aus Guantanamo ohne Auflagen auf freien Fuß
gesetzt haben, steigt der Druck auf Washington, weitere Ausländer
aus dem umstrittenen Militärgefängnis zu entlassen.
Menschenrechtsgruppen und Angehörige der rund 660 Insassen
forderten bei den Vereinten Nationen eine Auflösung des Lagers auf
Kuba. «Guantanamo bedeutet die totale Verweigerung der
Menschenrechte», sagte der britische Schauspieler und
Mitgründer der Guantanamo Human Rights Comission, Corin Redgrave,
am Mittwochabend.
Die fünf Briten waren am Dienstag in London eingetroffen. Ein Mann
wurde sofort auf freien Fuß gesetzt, die übrigen vier erst
nach längeren Vernehmungen am Mittwochabend. Gegen sie liege
nichts vor, hieß es anschließend. Die US-Streitkräfte
hatten die Männer vor zwei Jahren wegen Verdachts auf Verwicklung
in Terrorakte inhaftiert und bis zum Montag in dem Lager festgehalten.
«Was ihnen angetan wurde, ist tragisch und beklagenswert»,
sagte der Vorsitzende der Zentralmoschee von Birmingham, Mohammed
Naseem, vor dem Haus eines der Freigelassenen. «Es erinnert mich
an die Zeit von Stalin und Hitler, als Menschen an unbekannte Orte
verschleppt wurden.» Nach den Worten von Steven Watt, einem
britischen Anwalt von Guantanamo-Häftlingen und einem Mitglied des
Center for Constitutional Law in Washington, haben die Freilassungen
das Lager als «kompletten Schwachsinn» entlarvt. Die
US-Regierung stehe nun in der Schuld der Freigelassenen.
Der Anwalt Robert Lizar, der einen der fünf Briten vertritt,
sprach von einer «grausamen, unmenschlichen und
entwürdigenden» Behandlung seines Mandanten. Dieser fordere
eine Entschuldigung der US-Behörden.
Noch herrscht Unklarheit, warum sich die nun Freigelassenen
während des Krieges in Afghanistan aufhielten. Noch weitere vier
Briten werden auf dem Militärstützpunkt in Kuba festgehalten.
Gegen sie sollte nur dann ein Prozess eröffnet werden, wenn ihnen
ein Anwalt und die Möglichkeit zur Berufung garantiert werde,
sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair am Mittwoch.
Die US-Regierung betrachtet die Guantanamo-Häftlinge als
feindliche Kämpfer und lehnt es ab, ihnen einen Rechtsbeistand zu
gewähren. Den Inhaftierten werden Verbindungen zu den afghanischen
Taliban oder zum Terrornetzwerk El Kaida vorgeworfen.
Im kommenden Monat wird sich der Oberste Gerichtshof der USA mit
Stellungnahmen von Anwälten nichtamerikanischer Häftlinge
befassen. Es geht um die Frage, ob die Betroffenen bei amerikanischen
Gerichten gegen ihre Inhaftierung klagen können. US-Justizminister
John Ashcroft verteidigte die Guantanamo-Praxis als «wichtigen
Bestandteil des Krieges gegen den Terrorismus» und forderte den
Obersten Gerichtshof auf, den Anträgen nicht statt zu geben.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Guantanamo" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403110.htm#040311_a
Nahost-Konflikt
Israels Sicherheitsrat gibt Rückzugsempfehlungen für
Westjordanland - Arafat begrüßt israelische
Rückzugspläne - FAO beklagt unsichere Versorgungslage der
Palästinenser
Fr.12.03.04 - Der Nationale Sicherheitsrat in Israel hat die Möglichkeiten
für einen Rückzug aus dem Westjordanland abgesteckt. Als
Empfehlung an Ministerpräsident Ariel Scharon habe das Gremium die
Räumung von lediglich bis zu 24 der rund 150 Siedlungen genannt,
bestätigte ein Regierungsbeamter am Donnerstag einen Bericht der
Zeitung «Maariv». Ein weitgehender Rückzug stehe zwar
ebenfalls zur Debatte, sei aber höchstens unter US-Garantien
möglich.
«Je grösser die Umstrukturierung, desto mehr Engagement
erwarten wir von den Vereinigten Staaten», erklärte der
Regierungsbeamte. Im Falle einer umfangreichen Räumung würde
sich Israel um US-Zusicherungen für den Weiterbestand der grossen
Siedlungen bemühen. Im Gazastreifen ist die Räumung nahezu
aller Siedlungen vorgesehen; dies deckt sich mit den Empfehlungen des
Nationalen Sicherheitsrats. Zugleich rät das Gremium laut
«Maariv» von einer Zerstörung der Siedlungen und von
einem Rückzug aus der Sicherheitszone zwischen Gazastreifen und
Ägypten ab.
Der palästinensische Präsident Jassir Arafat begrüsste
am Donnerstag den israelischen Plan zum Rückzug aus den meisten
Siedlungen im Gazastreifen, beharrte jedoch auf entsprechenden
Schritten im Westjordanland. Zugleich forderte er Israel auf, die
für kommendes Jahr geplante Umsetzung mit der
palästinensischen Seite zu koordinieren und dabei den
internationalen Friedensplan zu berücksichtigen. «Wir
begrüssen jeden israelischen Rückzug von unserem Land»,
sagte Arafat auf einer Sitzung des palästinensischen
Legislativrates in Ramallah. «Ich meine damit den Gazastreifen
und das Westjordanland.»
Die letztliche Entscheidung der israelischen Regierung hänge von
den Reaktionen Ägyptens, Jordaniens und den USA ab, erklärte
der Gewährsmann in Jerusalem. Aussenminister Silvan Schalom warb
am Donnerstag in Kairo bei einem Gespräch mit dem ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak um Rückendeckung für einen
einseitigen Rückzug.
Die Palästinenser fordern Hilfe aus Ägypten, um ein Chaos
infolge eines Truppenabzugs zu vermeiden. Die Entsendung von
ägyptischen Soldaten schloss Mubarak am Donnerstag jedoch aus.
Auch Aussenminister Ahmed Maher erklärte, eine
Truppenstationierung sei nie in Erwägung gezogen worden.
Ägypten hat nach palästinensischen Angaben jedoch
signalisiert, die Autonomiebehörde bei der Neuorganisation und
Ausbildung von Sicherheitskräften zu unterstützen. Israel
fordert von Ägypten eine Verschärfung der Grenzkontrollen zum
Gazastreifen, um mögliche Schmuggelrouten für Waffen zu
blockieren.
Eine US-Delegation traf am Donnerstag in Jerusalem ein, um die
Vereinbarkeit von Scharons Vorhaben mit dem internationalen
Friedensplan für Nahost auszuloten. Es war die zweite Reise
innerhalb weniger Wochen.
Der Oberste Gerichtshof in Israel verlängerte unterdessen ein
Bauverbot für einen 25 Kilometer langen Abschnitt der umstrittenen
Sperranlage zum Westjordanland bis kommende Woche. Auf Antrag einer
Menschenrechtsgruppe hatte das Gericht vor zwei Wochen den Zaunbau um
acht palästinensische Dörfer nordwestlich von Jerusalem auf
Eis gelegt.
In Gaza wurden tausende Polizisten vor einem Gerichtsgebäude
eingesetzt, in dem ein Prozess gegen vier mutmassliche Vergewaltiger
begann. Hunderte Demonstranten forderten die Exekution der vier
Taxifahrer, die eine 16-Jährige aus einem Flüchtlingslager
nahe Gaza sexuell misshandelt und getötet haben sollen. Die Leiche
der jungen Frau war in einem Mülleimer entdeckt worden.
40 Prozent der Palästinenser im Westjordanland und Gazastreifen
haben einem UN-Bericht zufolge keinen regelmässigen und
ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln. Weiteren 30 Prozent der
insgesamt 3,5 Millionen palästinensischen Bewohnern drohe das
gleiche Schicksal, wenn der gewaltsame Konflikt mit Israel anhalte,
berichtete die UN-Welternährungsorganisation (FAO) am Donnerstag
in Rom.
Nicht Nahrungsmittelmangel sei das grundlegende Problem, sondern die
fehlende Möglichkeit für viele Palästinenser,
ausreichend gesundes Essen zu erwerben. Verantwortlich dafür seien
die sinkenden Realeinkommen, steigende Arbeitslosigkeit sowie die
israelischen Sicherheitsmassnahmen mit Blockaden und Sperrstunden.
Die UN sammelten die Daten zwischen Februar und Juli 2003 im Auftrag
der Palästinensischen Autonomiebehörde. Jüngere weitere
Studien stützen das Ergebnis, erklärte die FAO. Sie empfahl
die Schaffung von Arbeitsplätzen, den Wiederaufbau der
Infrastruktur und Entschädigungsprogramme für Bauern und
Fischer.
(Quelle: ap)
Wahrheit und Wahrnehmung - Die besetzten Gebiete der israelischen
Gesellschaft
Seit über zehn Jahren berichtet Amira Hass für die
israelische Zeitung "Haaretz" aus dem Westjordanland und dem
Gaza-Streifen. Sie ist für ihre kompromisslosen kritischen
Beiträge in aller Welt bekannt. Sie selbst lebt in Ramallah, also
unter den Menschen, über deren gefährdetes Leben sie
berichtet. Angesichts der politischen Entwicklung stellte sie sich -
und damit ihren Lesern - vor zwei Wochen eine Frage, die sie nicht nur
als Journalistin berührt: Wie kann man in der israelischen
Gesellschaft die Neigung, wegzusehen, die für die Spirale von
Terror und Gegenterror mit verantwortlich ist, durchbrechen?...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 2:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0018.nf/text
Scharon produziert die nächste Generation von
Selbstmordattentätern...
sagt Schaul Arieli. Der Grenzzaun, den Israel derzeit baut, soll mehr
Sicherheit bringen. Doch er wird genau das Gegenteil bewirken...
Mehr in der "tageszeitung" vom 12.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0269.nf/text
Schaul Arieli, 44, befehligte als Colonel Mitte der 90er den
Rückzug der israelischen Armee aus Gaza. 2001 assistierte er Ehud
Barak bei den Verhandlungen in Camp David und Taba. Er ist heute eine
zentrale Figur der Genfer Initiative.
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'Ärzte ohne Grenzen' besorgt über Ernährungslage im
West-Sudan
Fr.12.03.04 - "Ärzte ohne Grenzen" hat sich besorgt über die
Ernährungslage der Menschen in der Region Darfur im Westen des
Sudan geäußert. Es sei zu befürchten, dass sich die
Situation durch anhaltende Gewalt und mangelnde internationale Hilfe
weiter zuspitze, erklärte die Organisation am Mittwoch in Berlin.
Bei Impfungen in dem Gebiet sei bei zahlreichen Kindern
Unterernährung festgestellt worden.
In Darfur bekämpfen sich seit Anfang vergangenen Jahres Rebellen
und Regierungstruppen. Nach UN-Schätzungen wurden in der Region
rund 700.000 Menschen vertrieben, mehr als 120.000 flohen in das
Nachbarland Tschad.
Die Einwohnerzahl in vielen Orten Darfurs ist laut "Ärzte ohne
Grenzen" durch die Fluchtwelle bis auf das Vierfache angewachsen. Die
Vertriebenen seien nicht in Lagern untergebracht, sondern lebten im
Freien oder in Schul- oder Bürogebäuden. Die Mittel der
Gemeinden zur Versorgung der Menschen würden zunehmend knapp.
"Ärzte ohne Grenzen" forderte mehr humanitäre
Unterstützung für die Menschen, um eine massive Zunahme von
Unterernährung zu vermeiden.
(Quelle: epd)
Südkoreas Präsident des Amtes enthoben
Fr.12.03.04 - Das südkoreanische Parlament hat am Freitag mit großer
Mehrheit für die Amtsenthebung von Präsident Roh Moo Hyun
gestimmt. Dafür sprachen sich 193 Abgeordnete aus, dagegen zwei.
Damit erreichte der Antrag der Opposition die notwendige
Zwei-Drittel-Mehrheit. Zunächst werden die Funktionen des
Präsidenten nur ausgesetzt; das Verfassungsgericht wird
endgültig entscheiden, ob Roh abgesetzt wird. Ihm wird
Verstoß gegen das Wahlgesetz vorgeworfen. Die Geschäfte
übernimmt kommissarisch Ministerpräsident Goh Kun.
Das Verfassungsgericht hat jetzt 180 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob
die Vorwürfe gegen Roh gerechtfertigt sind. Er wird beschuldigt,
seinen Wahlkampf im Jahr 2002 teilweise über illegale Spenden
finanziert zu haben. Außerdem hatte er öffentlich dazu
aufgerufen, der ihm nahe stehenden Uri-Partei bei der Parlamentswahl am
15. April «überwältigende Unterstützung» zu
geben. Öffentliche Parteinahme ist Regierungsvertretern in
Südkorea aber nicht gestattet.
Vor der Abstimmung war es im Parlament zu dramatischen Szenen gekommen.
Anhängers Rohs hatten mehrere Tage lang das Podium besetzt
gehalten, um das Votum zu verhindern. Sie wurden schließlich mit
Gewalt herausgedrängt und des Saals verwiesen. Am Donnerstag hatte
sich vor dem Parlamentsgebäude in Seoul sogar ein Anhänger
des Präsidenten in Brand gesetzt. Er überlebte schwer
verletzt.
Die Abstimmung musste bis Freitag erfolgen, andernfalls wäre der
Oppositionsantrag auf Amtsenthebung automatisch verfallen. Es wäre
der erste Antrag auf ein Amtsenthebungsverfahren in der Geschichte
Südkoreas.
(Quelle: ap)
Sieben russische Soldaten und ein Polizist in Tschetschenien
getötet
Fr.12.03.04 - Bei neuen Gefechten mit Rebellen sind in der russischen
Kaukasusrepublik Tschetschenien sieben russische Soldaten und ein
tschetschenischer Polizist getötet worden. Das teilte am
Donnerstag die von Moskau gestützte Regierung mit. Mindestens vier
Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Die Opfer wurden den
Angaben zufolge bei 19 Zwischenfällen in den vorangegangenen 24
Stunden registriert. Erst am vergangenen Samstag waren bei Kämpfen
mit Rebellen fünf Soldaten getötet worden. Über Opfer
auf Seiten der Aufständischen wurde nichts bekannt.
Unterdessen soll sich der tschetschenische Widerstandskämpfer
Boris Aidamirow mit zehn seiner Leute den Regierungsbehörden
gestellt haben. Dies erfuhr die russische Nachrichtenagentur Interfax
von Rasman Kadyrow, dem Sohn des kremltreuen tschetschenischen
Präsidenten Achmed Kadyrow. Aidamirow gilt als enger Vertrauter
des Rebellenführers Aslan Maschadow. Am vergangenen Montag hatte
sich bereits der frühere Verteidigungsminister Tschetscheniens,
Magomed Chambijew, den Behörden gestellt.
Russische Truppen waren im September 1999 in die nach
Unabhängigkeit strebenden Kaukasusrepublik einmarschiert und
hatten eine neue Regierung eingesetzt. Im vergangenen Jahr bot die
Regierung den Rebellen eine Amnestie an, bisher haben allerdings nicht
viele Widerstandskämpfer von dem Angebot Gebrauch gemacht.
(Quelle: ap)
Bosnischer Serbe Cesic von UN-Tribunal zu 18 Jahren verurteilt
Fr.12.03.04 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den bosnischen Serben
Ranko Cesic am Donnerstag wegen Kriegsverbrechen gegen moslemische
Zivilisten zu 18 Jahren Haft verurteilt. Der Ex-Polizist bekannte sich
schuldig, in dem Konzentrationslager Luka bei Brcko während des
Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 Moslems getötet und misshandelt zu
haben. Auch gab er zu, in einer Sporthalle gefangen gehaltene
Zivilisten in Brcko getötet zu haben. Insgesamt räumte er
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in zwölf
Fällen ein, darunter Mord, Misshandlung und Vergewaltigung.
(Quelle: afp)
Fast 200 Tote und 1.250 Verletzte bei Anschlägen in Madrid
Hinweise auf islamistischen Hintergrund - El Kaida bekennt sich
offenbar zu Anschlag - Madrid bleibt bei ETA-Urheberschaft für
Anschläge - Alle Wahlkampfveranstaltungen in Spanien abgesagt -
UN-Sicherheitsrat und Annan verurteilen Madrider Anschläge -
Börsen reagieren mit kräftigen Kursstürzen
Fr.12.03.04 - Nach den verheerenden Anschlägen in Madrid mit mindestens 192
Toten und rund 1.250 Verletzten sind erste Hinweise auf eine
mögliche Verwicklung des Terrornetzwerks El Kaida aufgetaucht. Die
arabische Zeitung «El Kuds el Arabi» berichtete am
Donnerstagabend von einem Bekennerschreiben im Namen der El Kaida. Die
spanische Regierung machte zunächst die baskische
Untergrundorganisation ETA verantwortlich, erklärte aber
später, es gebe auch andere Spuren. Im morgendlichen Berufsverkehr
waren zehn Bomben in vier Zügen explodiert.
Die Polizei habe einen Lieferwagen mit Zündern sichergestellt, in
dem sich auch ein auf Arabisch besprochenes Tonband mit Koranversen
befunden habe, berichtete das Innenministerium am Abend. Der Wagen sei
in Alcala de Henares am Rande Madrids gefunden worden, wo nach
Bahnangaben drei der vier betroffenen Züge abfuhren. Der vierte
Zug passierte ebenfalls den Ort. Die ETA gelte weiterhin als
Hauptverdächtige, andere Möglichkeiten würden aber in
Betracht gezogen, betonte Innenminister Angel Acebes.
Die in London erscheinende arabischsprachige Zeitung "El Kuds el Arabi"
hatte das angeblich von der El Kaida stammende Schreiben erhalten, in
dem es heißt: "Wir haben erfolgreich das Herz des
Kreuzfahrer-Europas infiltriert und einen der Stützpunkte der
Kreuzfahrerallianz getroffen." Damit seien «alte Rechnungen mit
Spanien» beglichen worden, einem «Verbündeten Amerikas
in dessen Krieg gegen den Islam», hieß es laut dem Bericht.
Die Anschläge wurden als "Operation Todeszüge" bezeichnet.
Spanien gehörte zu den engsten Verbündeten der USA im
Irak-Krieg.
Die Zeitung hatte bereits früher ähnliche Briefe von
derselben Brigade erhalten, in der diese sich im Namen von El Kaida zu
den Anschlägen auf zwei Synagogen im November in der Türkei
und zu dem Anschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad im August
bekannte. In US-Regierungskreisen hieß es zu der Gruppe: "Sie
sind nicht die Stimme El Kaidas, auch wenn sie es vorgeben."
"El Kuds el Arabi" meldete, das angebliche Bekennerschreiben enthalte
eine eindeutige Drohung an die Adresse der USA, dass die Vorbereitungen
für einen schweren Anschlag kurz vor dem Abschluss stünden.
"Wir bringen den Moslems der Welt die gute Nachricht, dass die
erwarteten Schläge 'Winde des schwarzen Todes' gegen Amerika in
ihrer abschließenden Phase sind ... zu 90 Prozent fertig und, so
Gott will, nahe sind", heißt es darin.
Das «Todeskommando» der Brigade habe «einen der
Pfeiler der Kreuzzug-Allianz» getroffen. Damit seien «alte
Rechnungen mit Spanien» beglichen worden, einem
«Verbündeten Amerikas in dessen Krieg gegen den
Islam», hieß es laut dem Bericht. Spanien war enger
Verbündeter der USA im Irak-Krieg.
Die Bombenserie in Madrid begann gegen 07.30 Uhr in einem Pendlerzug
kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Atocha. Weitere Explosionen
erschütterten Züge und Bahnsteige an den Bahnhöfen El
Pozo und Santa Eugenia. Am schlimmsten betroffen war ein
Doppeldecker-Zug in El Pozo. Dort fanden Rettungskräfte mehr als
70 Leichen. «Es war ein Bahnsteig des Todes», sagte Juan
Redondo von der Feuerwehr.
«Das ist Massenmord», sagte Ministerpräsident
José Maria Aznar. Nach Regierungsangaben stimmte der verwendete
Sprengstoff mit der in der Vergangenheit von der ETA benutzten Sorte
überein. Der politische Arm der Separatistenorganisation machte
hingegen arabische Extremisten für die Anschlagsserie
verantwortlich. Zur Begründung sagte Arnold Otegi, Vorsitzender
der verbotenen baskischen Partei Herri Batasuna, dass die ETA in der
Vergangenheit stets mit Telefonanrufen vor Anschlägen gewarnt
habe. Er verwies zudem auf die hohe Opferzahl. Der bislang schwerste
Anschlag der ETA kostete 1987 in Barcelona 21 Menschen das Leben.
Der Anschlag erschütterte Spanien drei Tage vor den
Parlamentswahlen. Der scheidende konservative Ministerpräsident
Jose Maria Aznar hat die Bevölkerung für Freitag zu
Massendemonstrationen gegen die Urheber der Anschläge aufgerufen.
In der baskischen Regionalhauptstadt Vitoria gingen am Donnerstag Abend
Tausende auf die Straße, um gegen die Anschläge zu
demonstrieren. Der Wahlkampf in Spanien wurde ausgesetzt und eine
dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Schulen, Museen und auch die
Zentralbank werden am heutigen Freitag geschlossen bleiben. In Spaniens
Nachbarland Frankreich wird ab Freitag eine erhöhte
Sicherheitsstufe unter anderem für den öffentlichen Verkehr
gelten. Als Reaktion auf die Anschläge in Madrid lässt die
US-Regierung unterdessen die Sicherheit des US-Bahnsystems
überprüfen.
Weltweit löste der Terrorakt Entsetzen und eine Welle von
Beileidsbekundungen aus, die europäischen Börsen reagierten
mit kräftigen Kursstürzen. Die Nachricht von dem
Bekennerschreiben der El Kaida hatte die Furcht der Investoren vor
weiteren Terrorakten am Donnerstag verstärkt und auch die
US-Aktienmärkte erneut auf Talfahrt geschickt. Die US-Börsen
sackten um mehr als ein Prozent ab und schlossen somit am vierten Tag
in Folge mit Verlusten. Der Weltsicherheitsrat und
UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilten die
Bombenanschläge aufs schärfste. Der Sicherheitsrat rief alle
Länder auf, zusammenzuarbeiten im Bemühen, die
Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Tötung von
Unschuldigen könne durch nichts gerechtfertigt werden, sagte Annan.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in Berlin, es sei für
jeden normal denkenden Menschen einfach völlig unmöglich,
diese Anschläge in vollem Umfang zu begreifen. US-Präsident
George W. Bush rief Aznar an, um ihm sein Mitgefühl zu
übermitteln.
Das Europäische Parlament legte eine Schweigeminute für die
Opfer ein. Der Parlamentspräsident Pat Cox sprach zum Auftakt der
Sitzung in Straßburg vom bislang «schlimmsten Akt des
Terrors in einem Mitgliedstaat der EU» und von einer
«Kriegserklärung gegen die Demokratie».
(Quellen: ap, rtr)
Starker Euro - Institut IfW senkt Konjunkturprognose
für Deutschland auf 1,6 Prozent - Privater Konsum stagniert
Fr.12.03.04 - Der starke Euro schlägt nach Einschätzung des Kieler
Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in diesem Jahr merklich auf das
Wirtschaftswachstum in Deutschland und der Euro-Zone durch.
Für Deutschland senkte das IfW nach Angaben vom Donnerstag seine
Wachstumsprognose für 2004 auf 1,6 Prozent von bisher 1,8 Prozent.
"Der Grund dafür ist die Euro-Aufwertung", sagte
IfW-Konjunkturexperte Alfred Boss der Nachrichtenagentur Reuters.
Für die Euro-Zone nahm das IfW seine Prognose auf 1,7 Prozent von
bisher 2,1 Prozent zurück. Damit setzte sich die Serie von
Prognosesenkungen führender Forschungsinstitute vor ihrem
gemeinsamen Frühjahrsgutachten Ende April fort.
Die IfW-Forscher stellten in ihrer vierteljährlichen
Euroland-Prognose fest, zwar habe sich insgesamt die Wirtschaft im
Währungsgebiet schon aus ihrer Stagnation gelöst. "Allerdings
kann von einem Aufschwung nicht die Rede sein", hieß es.
Dem IfW zufolge wird sich das deutsche BIP-Wachstum - anders als in den
anderen Ländern der Euro-Zone, außer Griechenland - 2005
wieder auf 1,2 Prozent abschwächen. Boss sagte, der Grund
dafür seien die zusätzlichen Arbeitstage in diesem Jahr, die
allein für 0,6 Prozentpunkte des Anstiegs des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich seien und 2005 nicht mehr
zur Verfügung stünden. Die Wirtschaft in der Euro-Zone
dürfte dem IfW zufolge 2005 um zwei Prozent zum Vorjahr
expandieren.
Schlusslicht beim Wachstum in der Euro-Zone wird dem IfW zufolge in
diesem Jahr Portugal sein mit einem Plus von lediglich 0,7 Prozent.
Auch in den Niederlanden (plus 0,8 Prozent), Italien (plus 1,0 Prozent)
und Frankreich (plus 1,5 Prozent) dürfte das Wachstum
schwächer sein als hierzulande. Mit 5,2 Prozent sollte die
griechische Wirtschaft 2004 am stärksten wachsen, gefolgt von
Irland (plus 3,0 Prozent), Spanien (plus 2,8 Prozent) und Belgien mit
einem Plus von 2,2 Prozent.
Seine offizielle Deutschland-Prognose veröffentlicht das IfW am
Montag, Eckdaten waren aber bereits in der Euroland-Prognose enthalten.
Im Dezember war das IfW noch von einem Euro-Kurs von 1,20 Dollar im
Schnitt 2004 ausgegangen. Boss sagte: "Diese Annahme wird deutlich nach
oben korrigiert." Der Euro hatte im vergangenen Jahr zum Dollar gut 20
Prozent an Wert gewonnen. Nach einem Allzeithoch Mitte Februar bei
knapp 1,30 Dollar hatte er jedoch wieder rund sieben Cent zum Dollar
abgegeben.
Auch das Hamburgische Welt-Wirtschaftsarchiv (HWWA) hatte wegen der
Euro-Stärke seine Deutschland-Prognose für 2004 auf 1,5
Prozent gesenkt, ebenso das IWH in Halle. Das Berliner DIW nahm seine
Prognose für das erste Quartal 2004 auf plus 0,1 von plus 0,4
Prozent zurück. Das Frühjahrsgutachten der führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute wird am 27. April veröffentlicht.
Während der private Konsum in der Euro-Zone noch schwach sei,
hätten die Anlageinvestitionen erstmals seit zweieinhalb Jahren
wieder zugenommen, schrieben die IfW-Forscher. Spürbare Anregungen
seien aus dem Ausland gekommen. So hätten die Exporte infolge des
kräftigen Aufschwungs in der übrigen Welt deutlich zugelegt,
wenn auch die Euro-Stärke den Exportanstieg dämpfe.
Für die konjunkturelle Expansion in diesem Jahr dürften dem
IfW zufolge auch die niedrigen Leitzinsen in der Euro-Zone
verantwortlich sein, die im Prognosezeitraum wohl unverändert
bleiben dürften. Dabei sprachen sich die Kieler Forscher gegen
eine Zinssenkung und Devisenmarkt-Intervention der Europäischen
Zentralbank (EZB) aus, um dem Anstieg des Euro entgegen zu wirken. Im
längerfristigen Vergleich seien die Zinsen mit 2,0 Prozent bereits
außergewöhnlich niedrig und der Euro nicht ungewöhnlich
hoch.
Für das im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen moderate
BIP-Wachstum in diesem und im nächsten Jahr machte das IfW eine
Verringerung des - inflationsfreien - Potenzialwachstums verantwortlich
sowie eine nicht nachhaltige Finanzpolitik, besonders in den
großen Volkswirtschaften. Hohe Budgetdefizite und sich
zuspitzende Probleme bei den Sozialversicherungen ließen
erwarten, dass die Abgabenbelastung zunehme. "Von daher sind die
Einkommensaussichten der privaten Haushalte gedrückt und die
Konsumausgaben werden vergleichsweise wenig steigen."
(Quelle: rtr)
Beschränkter Arbeitsmarktzugang für EU-Beitrittstaaten
Fr.12.03.04 - Deutschland soll bis zu sieben Jahre nach der EU- Erweiterung vor
billigen Arbeitskräften aus Osteuropa geschützt werden. Ein
entsprechende Gesetz beschloss der Bundestag am Abend einstimmig. Damit
kann unter anderem die freie Arbeitsplatzwahl für Personen aus den
Beitrittsländern während einer Übergangszeit
eingeschränkt werden. Eine entsprechende Regelung des
Beitrittsvertrags wird damit umgesetzt.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Ungarn sperrt Arbeitsmarkt für heutige EU-Bürger
Fr.05.03.04 - Ungarn wird Arbeitnehmern aus den heutigen EU-Staaten die gleichen
Beschränkungen beim Zugang zum eigenen Arbeitsmarkt auferlegen wie
diese für Ungarn im jeweiligen EU-Land gelten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030515
EU-Erweiterung: Österreich schottet seinen Arbeitsmarkt ab
Do.26.02.04 - Im Vorfeld der EU-Erweiterung hat Österreich den Zugang für
den Arbeitsmarkt beschränkt... Mehr unter:
http://home.t-online.de/ home/boa-archiv3/k0402260.htm#04022611
Schweden gegen sofortige Freizügigkeit für neue EU-Staaten
Mi.04.02.04 - Schweden will nach dem Beitritt der zehn neuen EU-Mitglieder die
Freizügigkeit für Arbeitnehmer noch mindestens zwei Jahre
lang beschränken. Diese Ankündigung stellt eine Kehrtwende
der Regierung dar, die bislang für volle Freizügigkeit von
Anfang an eingetreten war... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#04020410
Den Haag will Arbeitsmarkt für neue EU-Bürger zunächst
schließen
Sa.14.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Staaten sollen in den Niederlanden
zunächst nur dann eine Arbeit aufnehmen dürfen, wenn die
Stelle nicht mit einem Niederländer besetzt werden kann... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402140.htm#04021414
London knüpft Freizügigkeit für neue EU-Staaten an
Bedingungen
Di.24.02.04 - Bürger aus den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten sollen in
Großbritannien für mindestens zwei Jahre nur eine bedingte
Arbeitserlaubnis erhalten. Zunächst haben sie auch keinen Anspruch
auf Sozialleistungen... Mehr unter:
http://home.t-online.deome/boa-archiv3/k0402240.htm#04022415
Tausende Jobs bei Siemens gefährdet
Fr.12.03.04 - An den Siemens-Standorten in Bocholt und Kamp-Lintfort sind Tausende
von Arbeitsplätzen bedroht.
Die Firmenleitung habe die Belegschaftsvertretung darüber
informiert, dass «unter den gegebenen Bedingungen der
Kostenstrukturen eigentlich 2000 Arbeitsplätze ins Ausland
verlagert werden müssten», sagte ein Siemens-Sprecher der
Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit Angaben der IG Metall.
Auch beim Autozulieferer Siemens VDO Automotive fürchten die
Beschäftigten um ihre Jobs. Nach einem Bericht der
«Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» will der Konzern sein
gesamtes Tarifgefüge auf den Prüfstand stellen.
In Kamp-Lintfort werden Handys produziert, in Bocholt schnurlose
Festnetz-Telefone. An beiden Standorten sind nach Angaben der
Gewerkschaft 5000 Menschen beschäftigt. Hintergrund der
Überlegungen sei, Stellen etwa aus der Produktion von
Mobiltelefonen nach Ungarn zu verlegen.
Es sei Ziel des Unternehmens, möglichst viele Arbeitsplätze
nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen, sagte der Siemens-Sprecher.
«Es geht um die langfristige Sicherung der Standorte.» Die
Kostenstrukturen seien derzeit international nicht
wettbewerbsfähig. Erste Gespräche zwischen Firmenleitung und
Arbeitnehmervertretern seien aufgenommen worden. «Es ist das
erklärte Ziel, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu
sichern.»
Bei Siemens VDO Automotive forderten der Gesamtbetriebsrat und die IG
Metall Verhandlungen über die Sicherung der Standorte in
Deutschland. Wegen der vom Unternehmen angepeilten Ergebnisverbesserung
von 150 bis 200 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr sei zu
befürchten, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins
Ausland beschleunigt werde, sagte der Gesamtbetriebsratsbetreuer und
Darmstädter IG-Metall- Bevollmächtigte Günter Lorenz in
Frankfurt. Eine Gewinnsteigerung zu Lasten der Beschäftigten
würden Betriebsrat und IG Metall nicht mitmachen.
Siemens VDO Automotive ist nach eigenen Angaben der weltweit
führende Automobilzulieferer für Elektronik, Elektrik und
Mechatronik. In Deutschland gibt es 40 Standorte mit rund 20 000
Beschäftigten.
Dem «WAZ»-Bericht zufolge ist sogar ein Austritt von
Siemens aus dem Arbeitgeberverband möglich. Hintergrund sei
Unzufriedenheit über die Höhe der Arbeitskosten generell. Der
Siemens-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.
(Quelle: dpa)
Arbeitsvermittler Maatwerk kassierte bei Arbeitsämtern offenbar
dreifach ab
Fr.12.03.04 - Der mittlerweile insolvente Arbeitsvermittler Maatwerk hat bei der
Bundesagentur für Arbeit (BA) offenbar monatelang zu hohe
Fallpauschalen für Leiharbeiter kassiert. Wie das ARD-Magazin
«Kontraste» am Donnerstagabend berichtete, nutzte die
Personal-Service-Agentur Maatwerk ein fehlerhaftes Vertragswerk
rücksichtslos zu ihren Gunsten aus. Danach hatten sich die
regionalen Arbeitsämter verpflichtet, für jeden Mitarbeiter
pro Monat einen pauschalen Zuschuss in Höhe von durchschnittlich
rund 1100 Euro an Maatwerk zu zahlen, selbst wenn dieser nur wenige
Tage bei der Agentur beschäftigt war.
Nach Angaben des Magazins stellte Maatwerk in vielen Fällen
planmäßig Mitarbeiter am letzten Tag des Monats ein,
beschäftigte sie nur vier Wochen lang, um ihnen am ersten Tag des
Folgemonats wieder zu kündigen. So habe die Agentur bei den
Arbeitsämtern dreifach abkassiert. Darüber hinaus habe der
Arbeitsvermittler Einstellungen und Kündigungen nach Quoten
vorgenommen, um möglichst viele Zuschüsse einstreichen zu
können.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
Insolvenz des Arbeitsvermittlers Maatwerk - Bundesregierung hält
trotzdem an Personal-Service-Agenturen fest
Mi.18.02.04 - Trotz der Pleite des wichtigen Arbeitsvermittlers Maatwerk hält
die Bundesregierung an den Personal-Service-Agenturen (PSA) zur
Vermittlung von Arbeitslosen fest. Forderungen der Grünen und der Zeitarbeitsbranche nach
Änderungen bei der Vergabepraxis wiesen die Bundesagentur für
Arbeit (BA) und das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag
zurück. Union und FDP bezeichneten das Gesamtkonzept dagegen als
gescheitert. Die deutsche Tochterfirma des niederländischen
Arbeitsvermittlers Maatwerk hatte am Montag Insolvenz angemeldet.
Maatwerk beschäftigt derzeit fast jeden Dritten der bundesweit
etwa 32.000 PSA-Beschäftigten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402180.htm#04021821
DGB-Chef kritisiert Unions-Pläne zu Arbeitsmarktreformen
Fr.12.03.04 - DGB-Chef Michael Sommer hat die Pläne der Union zu Reformen des
Arbeitsmarktes als eine «radikale Umverteilungspolitik von unten
nach oben» kritisiert. Die Vorschläge seien ein
«Programm zur Enteignung von Millionen Familien», sagte
Sommer der «Berliner Zeitung» (Freitagausgabe).
Die Union habe einen «Anschlag gegen Beschäftigte,
Arbeitslose und ihre Familien» vor. So eine Politik möge
vielleicht Investmentbankern und strammen Konservativen gefallen.
«Sie verstößt aber brutal gegen das Gemeinwohl, von
dem Politik sich leiten lassen sollte», sagte Sommer.
(Quelle: ap)
Bundestag stimmt Absenkung des Rentenniveaus zu
Fr.12.03.04 - Der Bundestag hat mit rot-grüner Mehrheit der SPD-intern
umstrittenen Rentenreform zugestimmt, mit der das Rentenniveau
langfristig deutlich abgesenkt wird.
Für den Entwurf stimmten am Donnerstag 302 Abgeordnete , dagegen
stimmten 291, ein Abgeordneter enthielt sich. Von den 303 anwesenden
Abgeordneten der rot-grünen Koalition stimmten bis auf einen alle
für die Reform; der reformskeptische Sozialexperte Ottmar
Schreiner enthielt sich. Alle anwesenden Abgeordneten der Opposition
stimmten geschlossen dagegen. Gegenstimmen aus der Koalition gab es
nicht. In der voran gegangenen Debatte hatte die Opposition die Reform
als ungerecht und nicht tragfähig attackiert. Das Gesetz kommt nun
in den unionsdominierten Bundesrat, dessen möglichen Einspruch
Rot-Grün im Bundestag mit Kanzlermehrheit zurückweisen
könnte.
Mit dem Gesetz wird ein Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt, der den
Anstieg der Renten dämpfen soll. Das Rentenniveau soll bis zum
Jahr 2020 aber nicht unter 46 Prozent eines durchschnittlichen
Nettolohns vor Steuern und bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen.
Kritiker aus der SPD hatten ein höheres Niveau gefordert. Sie
setzten durch, dass die Regierung ab dem Jahr 2008 Maßnahmen
vorschlagen muss, wie ein Absinken des Niveaus auf weniger als 46
Prozent verhindern werden könnte. Dadurch hatte sich die
Koalitionsführung offenbar die Zustimmung der meisten Skeptiker in
den eigenen Reihen gesichert.
Die SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk sagte der Nachrichtenagentur
Reuters vor der Abstimmung, sie und die meisten Kritiker würden
trotz Bedenken für die Reform stimmen. In ihrer Erklärung zur
Abstimmung heißt es, sie stimmten vor allem deshalb zu, weil
für sinnvolle Alternativen derzeit die Mehrheiten fehlten. Laut
Bundestagspräsidium gaben zur Abstimmung 25 Abgeordnete eine
schriftliche Erklärung ab. Damit begründen Abgeordnete in der
Regel, warum sie einem Gesetz trotz Bedenken zustimmen.
Die Regierung will mit der Rentenreform sicherstellen, dass der
Beitragssatz zur Rentenversicherung von derzeit 19,5 Prozent bis zum
Jahr 2030 22 Prozent nicht übersteigt. Dazu wird schrittweise auch
die Altersgrenze von derzeit 60 auf 63 Jahre heraufgesetzt, ab der
Arbeitslose und Beschäftigte in Altersteilzeit vorzeitig in Rente
gehen können.
Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Horst Seehofer (CSU),
kritisierte, in dem Gesetzentwurf zeige sich die völlig verfehlte
Rentenpolitik der Koalition, die damit das Vertrauen der
Bevölkerung beschädige. "Weil diese Rentenreform eine reine
Farce ist, gibt es keine gemeinsame Rentenreform und deswegen lehnen
wir das ab", sagte er. Wie die Reform vor drei Jahren sei auch der neue
Ansatz in sich widersprüchlich, unverständlich und ungerecht:
"Diese Reform ist weder familienpolitisch, noch generationspolitisch
gerecht, und sie ist auch nicht solidarisch." Die Koalition wolle sie
aus machtpolitischen Gründen schnell durchsetzen und nehme in
Kauf, das Vertrauen der Bevölkerung in die Rentenpolitik zu
beschädigen.
Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Gudrun Schaich-Walch warf der
Union vor, sich nicht auf ein eigenes Konzept einigen zu können.
Die Rentenreform sichere ein vernünftiges Versorgungsniveau durch
die gesetzliche Rentenversicherung. "Wir haben das Umlagesystem sicher
gemacht." Bei der Überprüfung der Rentenentwicklung im Jahr
2008 müsse auch über die Frage des Renteneinstiegsalters
diskutiert werden. Auch Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) bezeichnete
die Reform als wichtigen Baustein der sozial ausgewogenen Reformen, mit
denen die sozialen Sicherungssysteme erhalten würden.
Das Gesetz soll nach Angaben des Sozialministeriums im Frühsommer
in Kraft treten. Der genaue Termin hänge davon ab, ob der
Bundesrat Einspruch erhebe und der Entwurf damit zur erneuten
Abstimmung in den Bundestag zurückkomme, wo dann die
Kanzlermehrheit von 302 Stimmen erforderlich wäre. SPD und
Grüne verfügen zusammen über 306 Stimmen.
(Quelle: rtr)
SPD-Spitze erwägt Maßnahmen gegen mögliche neue linke
Protestpartei
Fr.12.03.04 - Die geplante Gründung einer linken Protestpartei sorgt in der
SPD-Spitze für Unruhe. Der designierte SPD-Vorsitzende Franz
Müntefering und sein voraussichtlicher Generalsekretär Klaus
Uwe Benneter seien darüber im Gespräch, erfuhr die
Nachrichtenagentur ddp am Donnerstag aus Parteikreisen. Es würden
«Maßnahmen angedacht», hieß es weiter. Der
parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm
Schmidt, fügte mit Blick auf möglicherweise beteiligte
SPD-Mitglieder hinzu: «Sie können davon ausgehen, dass
Sanktionen in Vorbereitung sind.»
Wie aus Parteikreisen weiter verlautete, soll die mögliche
Gründung einer Linkspartei den sozialdemokratischen
Arbeitnehmerflügel (AfA) bei seinem Kongress am Wochenende in
Erfurt beschäftigen. Bei der Sitzung des Parteivorstandes am
Montag in Berlin stünden die Bestrebungen ebenfalls auf der
Tagesordnung.
Am 5. März hatten sich nach Darstellung der
Parteigründungsinitiatoren in Berlin rund 30 ehemalige Mitglieder
von SPD, Grünen und PDS, Gewerkschafter und Mitglieder der
globalisierungskritischen Organisation «Attac» getroffen.
Diese hielten eine «soziale wahlpolitische Alternative zur
gegenwärtig herrschenden Regierungspolitik in Bund und
Ländern für notwendig», heißt es auf der Homepage
der Initiatoren (www.wahlalternative.de). Ein nächstes
größeres Treffen werde für Juni vorbereitet.
Die Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles, sagte, sie halte es
für eine «schwere Fehleinschätzung» von
«historischer Dimension», wenn nennenswerte Teile der
Gewerkschaften sich von einer Spaltung des SPD-Potenzials die Chance zu
einer linkeren Politik erwarteten. Der Chef der Jungsozialisten (Jusos)
in der SPD, Niels Annen, betonte, die Gründungsbestrebungen
zeigten ein «Krisensymptom» an. Er verwies auf frühere
Warnungen an seine Partei, «den Unmut und die drohende
Entfremdung zwischen SPD und Gewerkschaften sehr ernst zu nehmen».
Schmidt wie Annen hielten die Gründungspläne für wenig
aussichtsreich. «So etwas ist bisher immer gescheitert»,
sagte der Juso-chef. Gleichwohl mahnte er an, den Dialog mit linken
Gewerkschaftern zu intensivieren.
Innerhalb der Gewerkschaften ist die für die Zeit nach der
Europawahl am 13. Juni anvisierte Parteigründung umstritten. Der
Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske,
erläuterte, er habe aus der Presse erfahren, dass Mitglieder von
ver.di offenbar über eine Parteigründung nachdächten.
Aus seiner Sicht sei die Mobilisierung der Gewerkschaftsproteste zum
Aktionstag am 3. April der richtige Weg, Einfluss auf den Reformkurs
der Bundesregierung zu nehmen. IG-Metall-Vorstandsmitglied Kirsten
Rölke sagte: «Wir brauchen keinen rückwärts
gewandten Populismus, sondern neue Lösungsstrategien.»
Nach Informationen der Wochenzeitung «Die Zeit» hatte zu
dem Initiatorentreffen am 5. März der Gewerkschaftssekretär
beim ver.di-Bundesvorstand, Ralf Krämer, in das Haus des Berliner
DGB-Landesverbandes eingeladen. In einem von Krämer verfassten
14-seitigen Papier heißt es, das Potenzial für eine linke
Protestpartei liege «bundesweit bei über 20 Prozent».
Ein Vorbild dafür sei der Erfolg des Rechtspopulisten Ronald
Schill in Hamburg 2002. Annen sagte, der Bezug auf Schill sei
«bezeichnend». Schill sei es nicht um Problemlösung,
sondern um propagandistische Vereinfachung gegangen.
(Quelle: ddp)
Homepage Initiative Linke Protestpartei:
http://www.wahlalternative.de
Kritik an Rüstungsexportbericht 2002 der Bundesregierung
Fr.12.03.04 - Friedens- und Menschenrechtsorganisationen haben den
Rüstungsexportbericht 2002 der Bundesregierung scharf kritisiert.
Neben mangelnder Transparenz bemängeln die Organisationen vor
allem die ihres Erachtens "fragwürdige Genehmigungspraxis". Die
Einhaltung von Menschenrechten und Gewaltprävention spielten als
Kriterien für die Exportentscheidung offenbar keine Rolle,
heißt es in einer gemeinsamen Erklärung zu dem gestern im
Bundestag vorgestellten Bericht. So werde beispielsweise verschleiert,
"was genau sich hinter den Sammelausfuhrgenehmigungen im Gesamtwert von
rund 2,5 Milliarden Euro verbirgt". Ferner belege der Bericht, dass
immer noch an problematische Staaten geliefert werde. Aus
menschenrechtlicher Sicht völlig unverständlich seien etwa
genehmigte Exporte von Kleinwaffen oder Waffenteilen nach Ägypten,
Mexiko, Saudi-Arabien und Thailand. Auf Kritik stieß auch die
Genehmigung von Lieferungen von Panzermotorenteilen und Munition
für 160 Millionen Euro nach Israel.
(Quelle: epd)
IPPNW fordert Abzug von US-Kernwaffen aus Deutschland
Fr.12.03.04 - Die Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges
(IPPNW) fordert den Abzug aller US-Kernwaffen aus Deutschland.
Insgesamt lagerten in Ramstein und in Büchel in der Eifel 65
Kernsprengköpfe mit der Sprengkraft von 150 Hiroshima-Bomben,
sagte IPPNW-Sprecher Jens-Peter Steffen sagte der «Berliner
Zeitung» (Freitagausgabe). Mit einer Protestaktion unter
Beteiligung prominenter Unterstützer wie Sir Peter Ustinov, Senta
Berger oder Manfred Krug wolle man am 20. März in Ramstein der
Forderung an die Bundesregierung Nachdruck verleihen. Zudem solle auf
die Gefahren der amerikanischen «Vorreiterrolle» bei der
Entwicklung neuer Atomwaffen und von Szenarien für deren Einsatz
hingewiesen werden.
Steffen kritisierte zugleich die Einbindung von Bundeswehr-Soldaten in
die atomare Strategie. "Deutsche Soldaten werden an Dummies dieser
Waffen für den so genannten Verteidigungsfall trainiert, sagte er.
Das sei ein Verstoß gegen internationale
Rüstungskontrollverträge. Darüber hinaus seien deutsche
Soldaten in die entsprechenden Strukturen der NATO eingebunden.
(Quelle: ddp)
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Frankfurter Flughafen steigert Passagierzahlen kräftig -
Ferienziele in die Ferne gefragt
Fr.12.03.04 - Der Frankfurter Flughafen hat im Februar einen deutlichen Anstieg der
Passagierzahlen verzeichnet und damit den Aufwärtstrend der
vergangenen Monate fortgesetzt.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat seien neun Prozent mehr Fluggäste
gezählt worden, teilte die im MDax gelistete Betreibergesellschaft
des Flughafens Fraport am Freitag mit. Insgesamt seien rund 3,6
Millionen Passagiere über Frankfurt abgeflogen oder angekommen.
Das Frachtaufkommen auf Deutschlands größtem Flughafen
erhöhte sich den Angaben zufolge im Februar um 12,2 Prozent auf
137.505 Tonnen.
Im Januar hatte der Flughafen bei Passagieren und Fracht den
stärksten Monat seit Bestehen des Airports erlebt. Die
Passagierzahlen waren im ersten Monat des Jahres um 2,3 Prozent auf 3,6
Millionen gestiegen. Das Frachtaufkommen hatte sich um 3,6 Prozent auf
114.817 Tonnen verbessert.
Auch ohne den zusätzlichen Tag im Februar wegen des Schaltjahres
2004 hätte es einen deutlichen Zuwachs gegeben, hieß es. Vor
allem Ziele nach Fern- und Nahost sowie Nordamerika brachten dem
Flughafen zweistellige Wachstumsraten. Aber auch Urlaubsregionen wie
Sri Lanka, die Dominikanische Republik und Mexiko waren stark gefragt.
Insgesamt wurden im Februar 35.999 Starts und Landungen in Frankfurt
gezählt. Der Flughafen ist mit 48,8 Millionen Passagieren 2003 die
verkehrsreichste Drehscheibe in Kontinental-Europa.
Die Deutsche Lufthansa, die größte Fluggesellschaft am
Frankfurter Flughafen, hatte im Februar ebenfalls ihren
Aufwärtstrend fortgesetzt. Die Fluggesellschaft steigerte die
Passagierzahlen, die Auslastung der Maschinen und auch das
Frachtaufkommen.
(Quelle: rtr)
Klimabelastung durch Flugverkehr bisher deutlich unterschätzt
Der Flugverkehr schädigt das Klima doppelt so stark wie bislang
angenommen. Das ist das alarmierende Ergebnis einer Studie im Auftrag
der Europäischen Kommission. Sie ließ Forscher von zehn
renommierten europäischen Forschungszentren drei Jahre lang den
Einfluss der Fliegerei auf das Klima untersuchen - darunter auch das
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die ETH
Zürich.
Die Experten mussten feststellen, dass die Wolkenbildung viel
kritischer ist als vermutet. Dabei handelt es sich nicht nur um die
weithin sichtbaren Kondensstreifen, sondern um Schleierwolken in einer
Reisehöhe von gut acht Kilometern. Sie spielen beim
Treibhauseffekt eine fünfmal so große Rolle wie das
Kohlendioxid, heißt es in der unveröffentlichten Studie,
deren Zusammenfassung der "tageszeitung" vorliegt. Dazu kommt die
aufheizende Wirkung von Stickoxiden und Wasserdampf aus den Triebwerken.
Grund für die Wolkenbildung sind Schwefel- und Rußpartikel,
die von den Triebwerken ausgestoßen werden. An ihnen kondensiert
die Feuchtigkeit aus der Luft. Die entstehende Wolke wirkt dann wie das
Glasdach eines Treibhauses: Zwar kommen die Sonnenstrahlen hinein, doch
wird die Abstrahlung der Erdwärme ins Weltall gebremst...
Mehr in der "tageszeitung" vom 12.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0200.nf/text
Amazonas-Regenwald nimmt weniger CO2 auf
Fr.12.03.04 - Wissenschaftler aus Brasilien und vom Smithsonian Tropical Institute [http://www.stri.org]
haben Zeichen dafür entdeckt, dass der Amazonas-Regenwald nicht
mehr die volle Menge CO2 absorbiert wie noch vor wenigen Jahrzehnten.
Darüber hinaus haben die Experten auch Veränderungen im
Wachstum und beim Absterben von Bäumen festgestellt, berichtet das
Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com .
In der 20-jährigen Studie wurden insgesamt 14.000 Bäume in
einem Gebiet von mehr als 300 Quadratkilometer markiert und vermessen,
um ihre Wachstumsrate zu untersuchen. Diese untersuchten Bäume
standen nicht in einer Umgebung, in der menschlich Aktivitäten wie
Einschlag oder Brandrodungen vorhanden waren. "Dass sich die
Wachstumsdynamik im Regenwald immer wieder verändert, ist nichts
Neues", so Studienleiter William Laurance vom Smithsonian Tropical
Institute. Pflanzenwachstum braucht CO2 und die Wissenschaftler
spekulieren damit, dass durch die großen Mengen von CO2 durch die
Emissionen der Pflanzenwuchs geradezu explodiert sei. Der
unberührte Amazonas-Regenwald "verschlingt" auf diese Art
große Mengen des Treibhausgases CO2. Allerdings sind die Forscher
einem offensichtlich umgekehrten Trend auf die Spur gekommen, denn
große schnell wachsende Bäume aus den unteren Schichten des
Regenwaldes nehmen auf Kosten kleinerer Gewächse zu, und dies sei
auf die steigenden CO2-Werte in der Atmosphäre
zurückzuführen.
Mehr CO2 führt auch zur Überdüngung der Wälder. Das
kann nach Ansicht von Laurance ein Hinweis auf einen fundamentalen
Wandel in der gesamten Waldökologie sein. Die Konkurrenz im
schneller wachsenden Wald um Licht, Wasser und Nährstoffe aus dem
Boden hat sich verschärft. Das wird nach Angaben der Experten auch
Auswirkungen auf andere Lebewesen im Regenwald haben. "Tropische
Regenwälder sind bekannt für ihre spezialisierten Arten. Wenn
sich die Vegetation nur leicht verändert, werden damit auch Tiere,
die sich von den Pflanzen ernähren und sie bestäuben,
betroffen", so Laurance. Ein Wandel in der Zusammensetzung der
Regenwälder könnte dann zu einer Umkehr der CO2-Produktion
führen. Denn die Bäume, die schneller wachsen, nehmen weniger
Kohlenstoff auf.
Quelle: pte
Blick ins Archiv:
Maulkorb für britischen Regierungsberater
Wissenschaftler kritisierte US-Umweltpolitik. 'Klimaveränderungen
bedrohlicher als Terrorismus'
Ein britischer Regierungsberater hat einem Pressebericht zufolge nach
kritischen Äußerungen zur US-Klimapolitik ein
Interview-Verbot erhalten. Wie die britische Tageszeitung The
Independent am Montag berichtete, hatte der Wissenschaftler David King
in einem Beitrag für das Fachblatt Science geschrieben, die
Klimaveränderungen stellten seines Erachtens ein
größeres Problem dar als die Bedrohung durch den
Terrorismus. Daraufhin erhielt King dem Independent zufolge einen Brief
vom Privatsekretär des britischen Premiers Anthony Blair, in dem
er aufgefordert wurde, der britischen und der US-Presse sowie dem
britischen Rundfunksender »Radio 4« keine Interviews mehr
zu geben. Zur Begründung hieß es, »diese Art von
Diskussion hilft uns nicht bei der Erreichung unserer
längerfristigen Ziele im Vorfeld der
G8-Präsidentschaft«.
Aus "junge Welt" vom 09.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-09/009.php
Klimaforscher küren Sommer 2003 zum heißesten seit 500 Jahren
Fr.05.03.04 - Europa ist 2003 von dem heißesten Sommer der vergangenen 500
Jahre in den Schwitzkasten genommen worden. Zu diesem Ergebnis kommen
Klimaforscher der Universität Bern in einem Beitrag für die
jüngste Ausgabe der US-Wissenschaftszeitschrift.
Klimamodelle ließen die Vermutung zu, dass vom Jahr 2070 an vor
allem wegen des Treibhauseffektes jeder zweite Sommer mindestens
genauso warm wie oder sogar noch heißer als der des vergangenen
Jahres werde. Der kühlste Sommer seit dem Jahr 1500 sei 1902
registriert worden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030516
EU-Kommission mahnt strenge Vergabe von Emissionsrechten an
Fr.05.03.04 - Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat die nationalen
Regierungen vor einer zu großzügigen Verteilung von
Emissionsrechten zum Ausstoß von Treibhausgasen an Industrie und
Energiewirtschaft gewarnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030517
Stillstand auf dem Weg zum Klimaschutz
Do.04.03.04 - Auf dem Weg zu Deutschlands Klimaschutzzielen herrscht praktisch
Stillstand. Wegen des kalten Wetters stieg der energiebedingte
Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,4 Prozent an, wie das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin berichtete. Ohne die
Wettereinflüsse kommt man laut DIW rechnerisch auf eine
Verminderung um 0,6 Prozent. Angesichts der Wirtschaftsflaute sei dies
wenig. Der Ausstoß von Kohlendioxid liegt damit den Angaben zufolge
temperaturbereinigt um 17 Prozent unter dem Wert von 1990. Die
Bundesregierung hatte jedoch versprochen, bereits im kommenden Jahr um
25 Prozent darunter zu liegen. Die Regierung hat dieses Ziel seit
längerem nicht mehr erwähnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030413
Mehr zum Thema "Klimawandel und Emissionshandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304ah
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