Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Schiiten protestieren gegen US-Besatzer in Bagdad +++ In der Nacht zum
Samstag zwei US-Soldaten bei Bombenexplosion getötet - Zahl der
seit Kriegsbeginn in Irak getöteten US-Soldaten auf 558 gestiegen
+++ Sprengstoffanschlag setzt Öl-Pipeline im Irak in Brand +++
Exil-Iraker aus Deutschland kehren in Heimat zurück
Sa.13.03.04 - Der Widerstand der Schiiten gegen die Besatzungsmächte in Irak
ebbt nicht ab. Mehr als 1.000 Schiiten demonstrierten am Freitag in
Bagdad für den sofortigen Abzug der US-Truppen. Sie riefen
"Tötet Amerika" und "Ja zum Islam" und warfen Steine auf
gepanzerte Fahrzeuge der US-Streitkräfte. Angaben über
Verletzte lagen zunächst nicht vor.
Bei einem Bombenanschlag im irakischen Tikrit sind in der Nacht zum
Samstag zwei US-Soldaten getötet und vier verletzt worden. Wie die
Militärführung mitteilte, waren die Soldaten gegen 05.00 Uhr
auf Streife in der Innenstadt Tikrits, als auf der Straße ein
Sprengsatz detonierte und ihr Fahrzeug zerstörte. Die Verletzten
wurden in ein Krankenhaus nördlich der Stadt gebracht. Tikrit ist
die Heimatstadt des früheren irakischen Staatschefs Saddam Hussein.
Militärsprecher Tim Crowe sagte, unmittelbar vor der Explosion sei
Gewehrfeuer zu hören gewesen, offenbar, um die Soldaten
abzulenken. Nach dem Vorfall durchsuchten etwa 50 Soldaten die Stadt,
um Spuren zu den Tätern zu finden.
Mit dem jüngsten Anschlag stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn vor
einem Jahr in Irak getöteten US-Soldaten auf 558. Erst am
Donnerstag waren zwei US-Soldaten bei der Detonation einer Bombe bei
Habbinija im so genannten sunnitischen Dreieck ums Leben gekommen.
Unbekannte haben im Irak einen Sprengsatz an einer wichtigen
Öl-Pipeline gezündet. Die Explosion hat westlich von Tikrit
ein großes Feuer entfacht. Polizisten und Feuerwehrleute
versuchen, den Brand zu löschen. Die Pipeline verbindet die
Ölfelder von Kirkuk im Norden des Landes mit dem zentralen
El-Daura-Elektrizitätswerk in Bagdad. Im Westen des Irak kamen
zwei US-Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag von Aufständischen
ums Leben. Sie fuhren mit ihrem gepanzerten Fahrzeug auf eine selbst
gebastelte Bombe.
Trotz der angespannten Sicherheitslage in Irak sind im vergangenen Jahr
nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM)
mehr als 300 Exil-Iraker aus Deutschland in ihre Heimat
zurückgekehrt. "Das ist wirklich viel für die aktuelle
Situation", sagte der Leiter des IOM-Verbindungsbüros in
Deutschland, Bernd Hemmingway. Unter den Irakern gebe es ein
überdurchschnittliches Interesse, den Neuanfang in der Heimat zu
wagen.
"Die Menschen setzen große Hoffnungen in die Veränderungen
und wollen ihren Anteil daran leisten", sagte Hemmingway in Berlin. Die
IOM bietet Flüchtlingen gemeinsam mit deutschen Regierungsstellen
finanzielle und organisatorische Hilfe bei der Rückreise und dem
Wiederanfang in Irak. Laut Hemmingway wollen viele der Iraker, die
jetzt ihre Rückkehr planen, sich möglichst früh wieder
beruflich in ihrem Herkunftsland positionieren. Es seien Menschen aus
allen Berufsgruppen vom Universitätsabsolventen bis zum
Hilfsarbeiter.
Die IOM setzt wegen der unsicheren Lage bisher noch nicht wieder
ausländische Mitarbeiter in Irak ein. Allerdings beurteilt laut
Hemmingway die einheimische Bevölkerung die Sicherheitslage zum
Teil weniger prekär. Diese Einschätzung müsse nicht
für Einheimische gelten. Viele Exil-Iraker pflegten intensive
Kontakte zu Verwandten und Freunden in der Heimat und hätten
deshalb ein sehr realistisches Bild der Lage: "Sie wissen haargenau,
auf was sie sich bei ihrer Rückkehr einlassen."
Nach Angaben des Nürnberger Bundesamtes für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge lebten Ende 2003 noch gut 83.800
Iraker in Deutschland. Genaue Rückkehrerzahlen hat die
Behörde bisher nicht.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Proteste der Friedensbewegung zum Jahrestag des Irakkriegs
Sa.13.03.04 - Die Friedensbewegung hat für den 20. März, den Jahrestag des
Kriegsbeginns in Irak, weltweit Proteste angekündigt. Wie der
Bundesausschuss Friedensratschlag, eine Dachorganisation der
Friedensbewegung, am Freitag in Kassel mitteilte, sollen in Deutschland
in über 70 Städten unter dem Motto «Wir wider-setzen
uns» Mahnwachen, Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden.
Dabei soll auf die von Krieg und Gewalt gekennzeichnete Lage im Irak
aufmerksam gemacht werden.
Der Krieg sei völkerrechtswidrig gewesen, eine angebliche
Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen habe es nicht
gegeben. Daher fordert der Bundesausschuss Friedensratschlag den Abzug
der Besatzungstruppen aus Irak und eine Aufsicht der Vereinten Nationen
über bald zu organisierende Wahlen. Außerdem sollen die USA
und Großbritannien verpflichtet werden, für die Kosten der
Kriegsschäden aufzukommen. Die Kontrolle über die irakischen
Ölquellen müsse einer gewählten Regierung
übertragen werden, hieß es.
Die geplanten Proteste der Friedensbewegung zielen auch auf den
israelisch-palästinensischen Konflikt. Allein in den letzten drei
Jahren seien dabei 3.500 Tote und mehr als 45.000 Verletzte zum Opfer
gefallen, hieße es. Die Friedensbewegung fordert daher eine
Beendigung der israelischen Besatzung, die Gründung eines
palästinensischen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt und die
endgültige Anerkennung der israelischen Grenzen durch die
arabischen Staaten.
(Quelle: ap)
Friedensratschlag:
http://www.friedensratschlag.de
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Menschenrechtler verschärfen Kritik an deutscher Regierung -
'Denken in Kriegslogik' sei erkennbar
Sa.13.03.04 - Menschenrechtsorganisationen haben ihre Kritik an der Haltung der
rot-grünen Bundesregierung in der Sicherheitspolitik sowie beim
Zuwanderungsrecht verschärft. Trotz der deutschen Haltung im
Irak-Konflikt werde in der Innen- und Außenpolitik zunehmend ein
"Denken in Kriegslogik" erkennbar, sagte die Generalsekretärin der
deutschen Sektion von amnesty international, Barbara Lochbihler, am
Donnerstagabend in Berlin.
In der Bundeswehr gebe es bei Auslandseinsätzen erste Anzeichen
eines mangelnden Menschenrechtsbewusstseins, erklärte Lochbihler.
Zu sagen, "wir sind ein starker Staat und schicken unser Militär",
reiche nicht aus. Bei einer Veranstaltung zum zehnjährigen
Bestehen des "Forums Menschenrechte" warf sie der Regierung vor, bei
ihrem Engagement für Menschenrechte auf UN-Ebene und
gegenüber Großmächten wie Russland oder China hinter
den eigenen Versprechungen zurückzubleiben.
Die Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl" kritisierte, Deutschland
sei "von einer uneingeschränkten Achtung der Menschenrechte weit
entfernt". Die Selbstverständlichkeit, mit der beim
Zuwanderungsgesetz die Ausweisung von Ausländern allein auf Grund
eines Terrorismusverdachts erwogen werde, zeige zudem "Einbrüche
in das Rechtssystem", sagte "Pro Asyl"-Sprecher Günter Burkhardt.
Dass zudem eine rot-grüne Bundesregierung auf EU-Ebene die
Einstufung von Russland und Weißrussland als so genannte sichere
Drittstaaten betreibe, hätte er nicht erwartet.
Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth
(Grüne), wies insbesondere Lochbihlers Vorwürfe als
"schlichtweg falsch" zurück. Dabei verwies sie darauf, dass die
Bundesregierung nichtmilitärische Maßnahmen der
Konfliktprävention unterstütze. Für die Kritik
Burkhardts signalisierte sie Verständnis. Zur Durchsetzung der
ursprünglichen Ziele des Zuwanderungsgesetzes hoffe sie nun auf
verstärkten öffentlichen Druck.
Die nach den Anschlägen vom 11. September beschlossenen
Anti-Terror-Gesetze der Bundesregierung "gehören auf den
Prüfstand", forderte der frühere Bundesinnenminister Gerhard
Baum (FDP). Auch dürfe es für Staaten, die zu den schwersten
Menschenrechtsverletzern gehören, keinen "Terrorismusrabatt"
geben, nur weil sie sich dem Anti-Terror-Kampf angeschlossen haben,
unterstrich der ehemalige UN-Sonderberichterstatter zum Sudan.
"Ich kann diese drei Worte ,Kampf gegen Terror' nicht mehr hören",
sagte die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestages,
Christa Nickels (Grüne). Viele Maßnahmen hätten genau
das Gegenteil bewirkt. Dem 1994 gegründeten "Forum Menschenrechte"
gehören mittlerweile über 40 Organisationen an, darunter
amnesty international, Pro Asyl, Brot für die Welt, Misereor und
die Deutsche Welthungerhilfe.
(Quelle: epd)
Nahost-Konflikt
Vorbereitungen für israelischen Rückzug aus Gazastreifen -USA
loten Chancen und Risiken von israelischen Rückzugsplänen aus
- Palästinensische Arbeiter verhindern Angriff auf israelische
Grenzposten
Sa.13.03.04 - Die diplomatischen Vorbereitungen für einen israelischen
Rückzug aus dem Gazastreifen laufen auf Hochtouren. Eine hohe
US-Delegation pendelte am Freitag zwischen Israel und Ramallah, um
Details des israelischen Plans sowie die Haltung der Palästinenser
dazu in Erfahrung zu bringen. Ägypten erklärte sich bereit,
Gespräche zwischen allen palästinensischen Akteuren über
die künftige Kontrolle des Gazastreifens zu vermitteln.
Israel deutete zudem Verhandlungsbereitschaft über die Zukunft des
Westjordanlandes für den Fall an, dass die Lage im Gazastreifen
nach einem Rückzug ruhig bleibe. Dies sagte Nabil Abu Rdeneh aus
dem Beraterstab des palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat am Freitag. Dem vorläufigen Entwurf zufolge will Israel bis
auf drei alle 21 Siedlungen im Gazastreifen sowie wahrscheinlich 24 von
150 Siedlungen im Westjordanland aufgeben.
Ein weitgehender Rückzug aus dem Westjordanland sei höchstens
gegen US-Garantien möglich, verlautete aus israelischen
Regierungskreisen. So müsse die von Israel gezogenen Grenze von
Washington anerkannt werden. Die Pläne von Ministerpräsident
Ariel Scharon sollen bei dessen für Dienstag geplantem Treffen mit
seinem palästinensischen Kollegen Ahmed Kureia zur Sprache kommen.
Die US-Gesandten unter Leitung von Unterstaatssekretär William
Burns sprachen bereits am Donnerstag zunächst drei Stunden mit
Scharon und seinen Beratern, ohne sich auf eine Position zu den
Plänen festzulegen. Die israelischen Schritte müssten in
Einklang mit der so genannten Road Map stehen und auf die Schaffung
eines palästinensischen Staates hinauslaufen, sagte David
Satterfield aus dem US-Team. Nach den Worten des israelischen
Aussenministers Silvan Schaloms will Israel von den USA volle
Rückendeckung für den Abzug, nicht nur «ein
Kopfnicken», wie er im Militärradio sagte.
Bei einem Treffen mit den palästinensischen Kabinettsministern
Sajeb Erakat und Salam Fajjad gaben die US-Gesandten mit Details
über die Pläne Scharons bekannt, wie Erakat anschliessend
sagte. «Wir haben betont, dass Scharons Massnahmen dem
internationalen Friedensplan neuen Schwung geben müssen»,
sagte er.
An den von Kairo vermittelten Gesprächen über die
Sicherheitslage im Gazastreifen sollen neben der Autonomiebehörde
auch Vertreter islamischer Untergrundgruppen teilnehmen, wie
Arafat-Berater Rdeneh mitteilte. «Der Dialog wird sich auf die
Auswirkungen eines israelischen Truppenabzuges konzentrieren und wie
die Palästinenser den Gazastreifen regieren können.» Am
Donnerstag hatte Kairo angekündigt, die Grenze zum Gazastreifen
für den Fall des israelischen Rückzuges stärker sichern
zu wollen.
Palästinensische Arbeiter verhinderten offenbar einen Angriff auf
israelische Grenzposten. Die Palästinenser, die am Kontrollpunkt
Eres im Gazastreifen angestanden seien, hätten zwei Bewaffnete
geschlagen und abgedrängt, berichteten die israelischen
Streitkräfte am Freitag. Damit hätten sie die mutmasslichen
Angreifer von den Grenzsoldaten abgehalten. Der Zwischenfall ereignete
sich bereits im Januar, wenige Tage nach einem tödlichen Anschlag
auf israelische Soldaten am Kontrollpunkt Eres.
(Quelle: ap)
Konferenz über Reformen in arabischer Welt
Sa.13.03.04 - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat am Freitag
zum ersten Mal in seiner 23-jährigen Amtszeit eine Konferenz von
Nichtregierungsorganisationen (NGO) über Reformen in der
arabischen Welt eröffnet. Die dreitägige Veranstaltung in der
Bibliothek von Alexandria sucht Antworten auf die US-Initiative
für den Nahen und Mittleren Osten.
Washington will damit demokratische Reformen und eine wirtschaftliche
Öffnung arabischer und moslemischer Länder erzielen. Mubarak
hat sie wiederholt kritisiert. Er lehnt von außen initiierte
Reformen ab. Die Konferenz von Wissenschaftlern, Geschäftsleuten
und NGO-Vertretern ist eine Premiere in der Region.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
UNO kritisiert Einschränkung von Rechten
in der arabischen Welt
Auch Defizite bei der Bildung bemängelt: Machtstrukturen in
arabischen Ländern unterbänden das aktive Denken, sie
"erlöschen die Flamme des Lernens und ersticken den Antrieb zur
Innovation", heißt in einem UN-Bericht +++ Voraussetzung für eine Wissensgesellschaft sei die
Garantie der Grundfreiheiten
Di.21.10.03 - Viele arabische Regierungen haben nach Einschätzung der Vereinten
Nationen im Zuge des von den USA geführten Kampfes gegen den
internationalen Terrorismus die bürgerlichen und politischen
Freiheiten in ihren Ländern deutlich eingeschränkt. Das
Vorgehen der USA habe einigen Machthabern in der arabischen Welt als
Rechtfertigung für die Verabschiedung von Gesetzen zur
Einschränkung von Rechten gedient, heißt es in dem zweiten
Bericht zur menschlichen Entwicklung in der arabischen Welt, den das
UN-Entwicklungsprogramm am Montag vorstellte.
Schwerpunktthema des Berichts sind Fragen der Bildung vor dem
Hintergrund der politischen Verhältnisse in den arabischen
Ländern. "Man braucht Freiheit für den Erwerb von Bildung",
betonte der Hauptautor der Studie, Nader Fergani. Der Bericht
bemängelt einen "Mangel an rationaler Politik, die die
grundlegenden Werte und den institutionalisierten Rahmen vorgibt, um
eine Wissensgesellschaft zu fördern". Ursachen für die
wachsende Wissenskluft seien dabei keineswegs die arabische Kultur und
Religion, die grundsätzlich Bildung förderten, sagte Fargany.
Vielmehr unterbänden die Machtstrukturen das aktive Denken, sie
"erlöschen die Flamme des Lernens und ersticken den Antrieb zur
Innovation", heißt es in dem Bericht....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310210.htm#03102104
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Afghanistan: Verschiebung der Wahlen im Gespräch - Mehr als 3 000
afghanische Soldaten desertierten
Sa.13.03.04 - In Afghanistan machen Desertionen von sich reden – und das im Vorfeld
der Juni-Wahlen, eines Prestigetermins für die
NATO-Besatzungstruppen. Experten gehen davon aus, daß für
einen abgesicherten Verlauf des Urnengangs eine 10 000 Mann starke
Armee und eine 20 000 Mann starke Polizeitruppe benötigt
würden. Mehr als 3000 Soldaten aber haben nach der Ausbildung
durch US-amerikanische, französische und britische Kräfte das
Weite gesucht. Eine ähnlich hohe Rate wird nach Ende der
Trainingsprogramme für Polizisten erwartet.
In den Reihen der in Afghanistan im Einsatz befindlichen NATO-Truppen
ist schon die Rede von einer möglichen Verschiebung der Wahlen auf
August. Daß mehr Kräfte zu ihrer Sicherung nötig sind,
davon scheint auch der afghanische Übergangspräsident Hamid
Karsai auszugehen. Er hat Mitte der Woche von den
Nordatlantikpaktstaaten ein größeres Truppenaufgebot
"erbeten". "Selbstverständlich wären eine größere
Armee und Polizei der Sicherheitslage zuträglich", meinte der
UN-Afghanistanbeauftragte Jean Arnault. James Ingalls vom
»California Institute of Technology« und
Gründungsdirektor der unabhängigen Afghanischen
Frauen-Mission macht in letzter Konsequenz die USA für die
Desertionen verantwortlich. Die Moral bei der Afghanischen National
Armee (ANA) leide unter den Erfolgen der Taliban und der Tatsache,
daß die wirkliche Macht nicht bei der Zentralregierung, sondern
bei den von den USA unterstützen Warlords liege. Aus ihren Reihen
stamme die entscheidende Figur, Verteidigungsminister Mohammed Fahim,
während Karsai als Marionette wahrgenommen werde. Nach Ingalls
Einschätzung ist der Aufbau einer regulären afghanischen
Armee nichts anderes als eine Geste, die die US-amerikanischen
Fähigkeiten zum sogenannten Nation building unter Beweis stellen
soll.
(Quelle: ips/jw)
Iran setzt IAEA-Inspektionen für sechs Wochen aus
Sa.13.03.04 - Iran hat am Freitag überraschend sämtliche Kontrollen der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in den Nuklearanlagen
des Landes für sechs Wochen ausgesetzt. Iranische Vertreter bei
der IAEA in Wien spielten die Bedeutung dieses Schritts herunter.
Diplomaten erklärten aber, diese Pause könne es der
Behörde unmöglich machen, wie geplant bis Juni eine
Einschätzung zur Art des iranischen Atomprogramms in der
Vergangenheit und heute vorzulegen.
Das IAEA-Direktorium der Behörde berät derzeit über die
Frage, in welcher Form die Regierung in Teheran für ihre mangelnde
Kooperation mit der IAEA gerügt werden soll. Iran hat in den
vergangenen Tagen bereits mehrfach angedeutet, dass seine
Zusammenarbeit mit der IAEA gefährdet werde sei, sollte die
Rüge zu stark ausfallen. Sein Atomprogramm nutzt Teheran nach
eigenen Angaben nur zur Energiegewinnung, besonders die USA bezweifeln
dies. Sie werfen der Regierung in Teheran vor, nach Atomwaffen zu
streben.
(Quelle: ap)
China blockiert Internetseiten der Deutschen Welle
Sa.13.03.04 - In China werden zur Zeit die Internetseiten der Deutschen Welle (DW)
blockiert. Das bestätigte ein Sprecher des deutschen
Auslandssenders am Freitag in Bonn.
Nach den Recherchen seien mindestens acht Städte betroffen. Einen
genauen Überblick über das Ausmaß insgesamt gebe es
nicht. Die Deutsche Welle beobachte die Entwicklung. Die
deutsch-chinesische Parlamentariergruppe im
nordrhein-westfälischen Landtag appellierte an die Führung in
Peking, den Zugang zum DW-Internetangebot wieder zu ermöglichen.
Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen dauert die Blockade
schon seit Beginn der diesjährigen Plenartagung des
Volkskongresses in Peking am 5. März. In keiner Sprache ließ
sich die Webseite der Deutschen Welle am Freitag von Peking aus
aufrufen. Die Organisation beklagte «wachsende Zensur» in
China. Die Führung in Peking drehe «die Schraube im
Internet» weiter an. Die Düsseldorfer Parlamentariergruppe
kritisierte, die Beschränkung der Informationsfreiheit sei
unvereinbar mit dem Weg Chinas hin zu einer freiheitlichen
Bürgergesellschaft.
Routinemäßig blockiert China Zehntausende von Webseiten,
darunter die britische BBC oder Reporter ohne Grenzen selbst und
Amnesty International. Die DW, die auch chinesisch-sprachige
Informationen anbietet, war schon einmal längere Zeit gesperrt.
Der deutschen Seite waren damals politische Gründe genannt worden,
doch endete die Blockade schließlich.
(Quelle: dpa)
Solana fordert größere Anstrengungen zur Versöhnung in
Ruanda
Sa.13.03.04 - EU-Chefdiplomat Javier Solana hat Ruandas Regierung aufgefordert, sich
verstärkt um Demokratie und Versöhnung zu bemühen. Der
zehnte Jahrestag des Völkermordes in dem zentralafrikanischen Land
biete dazu eine einzigartige Gelegenheit, sagte er nach einem Treffen
mit dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame am Mittwochabend in
Brüssel.
Im politischen Dialog zwischen der EU und Ruanda werde es um die
Pressefreiheit, die Menschenrechte und die Einbeziehung der
Zivilgesellschaft gehen, so Solana. Er ermutigte Kagame, die
Beziehungen zur Demokratischen Republik Kongo zu normalisieren.
Kagame hält sich derzeit zu einem Staatsbesuch in Belgien auf, das
bis 1962 Kolonialmacht in Ruanda war. Der Besuch wird begleitet von
neuen Vorwürfen, wonach Kagame selbst den Abschuss des Flugzeuges
mit dem damaligen ruandischen Staatspräsidenten Juvenal
Habyarimana an Bord angeordnet habe. Wenige Stunden nach dem Abschuss
am 6. April 1994 brachen monatelange Massaker aus. Innerhalb von 100
Tagen wurden mindestens 800.000 Menschen getötet, vor allem
Angehörige der Tutsi-Minderheit und gemäßigte Hutu.
(Quelle: epd)
Völkermord in Ruanda - Chronik unterlassener Hilfeleistungen
Eine Million Tote in hundert Tagen - und niemand will etwas geahnt
haben? Dabei wussten alle, die sich für die politischen
Verhältnisse in Ruanda seit der Unabhängigkeit 1962
interessierten, dass das Land ein brodelnder Kessel war. Schon 1959
hatten Hutu im Zuge des so genannten Bahutu-Aufstands mehr als 300.000
Tutsi vertrieben, und zwar mit Unterstützung der belgischen
Kolonialmacht, die sich auf die Seite der ethnischen Mehrheit
geschlagen hatte. Im Oktober 1990 begann die Patriotische Front Ruandas
(RPF) von Uganda aus ihren Kampf gegen das Regime in Kigali. Die RPF
war zwei Jahre zuvor von der zweiten - englisch alphabetisierten -
Generation der Exil-Tutsi gegründet worden. Jeder Angriff, den die
RPF über die Grenze hinweg unternahm, löste automatisch
Massaker an den in Ruanda verbliebenen Tutsi aus....
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 22-23:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0078.nf/text
Blick ins Archiv:
UN-Kommandeur sieht internationale Mitschuld am Völkermord in
Ruanda
Fr.23.01.04 - Der frühere Kommandeur der UN-Truppen in Ruanda hat der
internationalen Gemeinschaft eine Mitschuld am Völkermord in dem
ostafrikanischen Land zugewiesen. General Romeo Dallaire erklärte
am Donnerstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, das
Wegschauen der Welt sei für den Tod von mehr als einer halben
Million Tutsi und moderater Hutu mitverantwortlich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401230.htm#04012306
Medienvertreter in Ruanda wegen Völkermord verurteilt
Do.04.12.03 - ... UN-Kriegsverbrechertribunal: Der Leiter eines Radiosenders und der
Herausgeber einer Zeitung hätten die Macht der Medien
für die Zerstörung von Menschenrechten eingesetzt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312040.htm#03120410
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UNICEF: Kinder auf Haiti von Hunger und Krankheiten bedroht - Latortue
als Ministerpräsident vereidigt
Sa.13.03.04 - Rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Haiti brauchen nach
Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF
dringend humanitäre Hilfe. «Viele sind seit langer Zeit
unzureichend ernährt und besonders von Infektionskrankheiten
bedroht», berichtete UNICEF am Freitag in Köln. Die
Hilfsorganisation bereitet deshalb eine Impfkampagne vor und beschafft
dazu Impfstoffe gegen die gefährlichsten Kinderkrankheiten
für mehr als 600.000 Kinder.
UNICEF-Mitarbeiter berichteten aus Cap Haitien, dass die meisten
einfachen Familien sich keine Nahrungsmittel mehr kaufen könnten.
Ein Brot auf dem Markt koste bis zu einem Viertel des Monatseinkommens
einer armen Familie. Die meisten Schulen, in denen Kinder normalerweise
am Tag eine sichere Mahlzeit erhielten, seien seit Wochen geschlossen.
Vielfach seien die Gebäude und die dort lagernden Vorräte
geplündert worden.
Haiti hat unterdessen einen neuen Ministerpräsidenten: Gerard Latortue ist am
Freitag in Port-au-Prince vereidigt worden. Der 69-jährige
versprach, dem Blutvergießen so rasch wie möglich ein Ende
zu machen. «Dies ist ein Anlass zur Hoffnung für alle
Haitianer», sagte er vor den etwa 200 Menschen, die an der
Zeremonie teilnahmen. Er kündigte an, umgehend eine Regierung der
nationalen Einheit zu bilden.
Der langjährige UN-Diplomat und Wirtschaftsberater versprach, die
Verfassung zu respektieren und der Korruption ein Ende zu setzen.
«Ich werde mich darum kümmern, dass jeder Dollar, der uns
für Entwicklungshilfeprojekte gegeben wird, sinnvoll verwendet
wird», sagte er. Die Vereidigung fand unter scharfen
Sicherheitsvorkehrungen statt.
Vor der Zeremonie hatte sich Latortue mit Vertretern der Partei des
gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide, Lavalas,
getroffen. Dort kündigte er an, binnen sechs bis acht Monaten
Parlamentswahlen organisieren zu wollen. Zugleich kritisierte er die
Entscheidung der Regierung Jamaikas, Aristide die Einreise zu erlauben.
Die Nachricht, dass Aristide aus dem afrikanischen Exil in die
Karibikregion zurückkehre, habe zu einer Verschärfung der
Spannungen in Port-au-Prince geführt.
Aristide und seine Frau wollen Anfang nächster Woche nach Jamaika
reisen, offiziell, um dort ihre Töchter zu besuchen. Aber es wird
spekuliert, dass er von dort aus seine Rückkehr nach Haiti
vorbereiten könnte. Der vor knapp zwei Wochen von Rebellen aus
Haiti vertriebene Aristide betrachtet sich weiterhin als
rechtmäßiger Präsident Haitis.
(Quellen: )
UNICEF bittet dringend um Spenden für die Kinder in Haiti auf das
Spendenkonto 300.000, Sozialbank Köln (BLZ 370 205 00), Stichwort:
Haiti
http://www.unicef.de
Spanien trauert um Opfer der Anschläge von Madrid
Noch keine eindeutige Spur zu Tätern - Millionen gehen gegen Terror und
Gewalt auf die Straße
Sa.13.03.04 - Mehr als acht Millionen Spanier haben landesweit gegen Terror und
Gewalt demonstriert. Allein in der Hauptstadt Madrid, dem Schauplatz
der Anschläge mit fast 200 Toten, versammelten sich am Abend mehr
als zwei Millionen Menschen. Derweil tauchten weitere Hinweise auf
einen möglichen radikalislamischen Hintergrund der Tat auf. Die
baskische Untergrundorganisation ETA wies "jede Verantwortung" für
die Anschläge von sich.
Die Demonstration stand unter dem Motto "An der Seite der Opfer, mit
der Verfassung, für die Ausrottung des Terrorismus".
Stadtpräfekt Francisco Javier Ansuategui sprach von 2,3 Millionen
Teilnehmern, die auch strömender Regen nicht abhielt.
An der Spitze des Zuges gingen neben dem spanischen
Ministerpräsidenten José María Aznar auch
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne),
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sowie die Regierungschefs
Italiens und Frankreichs, Silvio Berlusconi und Jean-Pierre Raffarin.
Bereits am Mittag hatten die Spanier mit einer Schweigeminute der Opfer
gedacht.
In vielen anderen spanischen Städten fanden parallel
Protestkundgebungen statt. In Barcelona gingen nach Angaben der
Stadtverwaltung 1,2 Millionen Menschen auf die Straße. In der
baskischen Stadt Vitoria fand ein Protestmarsch mit rund 150.000
Teilnehmern statt, der von Spaniens Justizminister José
María Michvila und seinem französischen Kollegen Dominique
Perben angeführt wurde. Auch Bilbao und Valencia erlebten
Großkundgebungen. In Berlin zog ein Protestzug vom Brandenburger
Tor zur spanischen Botschaft.
Einen Tag nach den verheerenden Bombenanschlägen in Madrid hat die
baskische Separatisten-Organisation ETA am Freitag Medienberichten
zufolge jede Verantwortung dafür bestritten.
"Uns hat eine Nachricht der ETA erreicht, in der sie erklärt,
nichts mit den Anschlägen zu tun zu haben", sagte ein Sprecher des
baskischen Fernsehsenders ETB am Abend. Noch wenige Minuten zuvor hatte
die spanische Regierung die ETA als Hauptverdächtigen bezeichnet.
Innenminister Angel Acebes erklärte dabei allerdings, die
Ermittlungen nach der Serie von Anschlägen, bei denen
annähernd 200 Menschen in der spanischen Hauptstadt starben und
fast 1500 verletzt wurden, gingen weiter in alle Richtungen. Am
Vorabend war ein angebliches Bekennerschreiben einer Untergruppe der
radikal-islamischen El Kaida aufgetaucht. Die Finanzmärkte
reagierten am Freitag kaum auf die ETA-Erklärung, deren Echtheit
zunächst nicht offiziell bestätigt werden konnte.
Auch die baskische Zeitung "Gara" teilte auf ihrer Website mit, ein
Anrufer habe sich im Namen der ETA gemeldet und erklärt, die von
der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte ETA habe mit der
Bombenserie am Donnerstag nichts zu tun. Die Zeitung war wie der
TV-Sender ETB in der Vergangenheit bereits als Sprachrohr der ETA
benutzt worden.
An den Finanzmärkten wurde das ETA-Dementi gelassen aufgenommen.
"Die Nachricht kam für den Markt nicht wirklich
überraschend", sagte Björn Fromkorth, Händler beim
Broker Lang und Schwarz. "Im Tagesverlauf hatten sich die Hinweise
verdichtet, dass es sich möglicherweise nicht um einen
ETA-Anschlag gehandelt haben könnte". Am Vorabend hatten die
angeblich zur El Kaida gehörenden Abu Hafs el Masri-Brigaden
erklärt, die Bomben seien ein Racheakt für die
Unterstützung Spaniens des von den USA geführten Irak-Kriegs.
Eine in dem Schreiben zudem enthaltene neue Drohung gegen die USA hatte
an den Märkten Terrorängste verstärkt und zu
kräftigen Kursverlusten an der Wall Street geführt.
Die Ermittlungen nach der Bombenserie in Madrid liefen derweil weiter
auf Hochtouren. Im Rundfunk wurde gemeldet, die von den
Attentätern verwendeten Zünder seien nicht typisch für
die ETA, die bisher Aluminium-Zünder benutzt habe. Bei den Bomben,
die mit Hilfe der Weckeinrichtungen von Mobiltelefonen gezündet
wurden, seien Kupfer-Zündkapseln verwendet worden, berichtete der
Sender Cadena Ser unter Berufung auf Sicherheitskreise. Eine Bombe, die
in einem Rucksack versteckt war, hatte die Polizei entschärfen
können. Demgegenüber blieb das Innenministerium dabei, die
ETA stehe im Verdacht ganz vorn. Minister Acebes untermauerte dies mit
dem Hinweis, der von den Attentätern verwendete Plastiksprengstoff
sei dem ähnlich, der von der ETA in der Vergangenheit bei
Bombenanschlägen verwendet worden sei.
Bei den Bombenanschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid am
Donnerstagmorgen wurden mindestens199 Menschen getötet, unter ihnen
ein sechseinhalb Monate altes Baby. Mehr als 1460 Menschen wurden
verletzt. Rund 60 von ihnen befanden sich in ernstem oder gar
lebensgefährlichem Zustand. Die Opfer stammten aus elf
Ländern, sagte Aznar. Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes
zufolge waren keine Deutschen darunter.
Wegen des Verdachts auf eine Täterschaft von El Kaida
verschärften neben Spanien auch andere Verbündete der USA im
Irak-Krieg ihre Sicherheitsvorkehrungen. US-Heimatschutzminister Tom
Ridge warnte, das mutmaßliche El-Kaida-Bekennerschreiben
könne ein Vorbote für schwere Anschläge auch auf die USA
sein. In dem Schreiben drohte die islamistische Gruppierung, ein neuer
Anschlag auf die USA sei schon "zu 90 Prozent" vorbereitet.
(Quellen: afp, rtr)
Griechenland beantragt NATO-Hilfe für Sicherheit der Olympischen Spiele
Sa.13.03.04 - Athen hat als Reaktion auf die Terroranschläge in Spanien
am Freitag die NATO um Hilfe bei der Sicherung der Olympischen Spiele
gebeten. Zuvor hatte es mehrere Sondersitzungen der Militär- und
Sicherheitschefs des Landes gegeben. «Wir wollen zusätzliche
Überwachungsmaßnahmen haben», erklärte
Verteidigungsminister Spilios Spiliotopoulos.
Die NATO wurde gebeten, Luft- und Seeaufklärung zur Abwehr
chemischer, biologischer und nuklearer Vorfälle zur Verfügung
zu stellen. Bereits jetzt ist während der Olympischen Spiele vom
13. bis 29. August der Einsatz von mehr als 50.000 Polizisten und
Soldaten geplant.
(Quelle: ap)
Nach den Anschlägen von Madrid neue Sicherheitsdebatte in
Deutschland - Union dringt weiter auf Bundeswehreinsatz im Inland
Sa.13.03.04 - Nach den blutigen Anschlägen von Madrid dringt die Union
verstärkt auf einen Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr im
Inneren. «Wenn es nach der CDU/CSU ginge, dann würden
Bundeswehrsoldaten auch innerhalb Deutschlands Aufgaben
übernehmen», sagte Bayerns Innenminister Günther
Beckstein (CSU) am Freitag. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und
die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnten die Forderung nach wie vor
ab.
Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber (CSU), sprach
sich für eine Grundgesetzänderung aus. «Zum Schutz der
Bevölkerung muss die Bundeswehr eingesetzt werden, wenn es keine
andere Möglichkeit gibt», sagte auch der Vorsitzende der
deutsch-spanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Büttner (CDU).
Schily wies darauf hin, dass man die Bundeswehr bei
Katastrophenfällen schon jetzt einsetzen könne: «Wir
wollen die Bundeswehr nicht zu einer Hilfspolizei machen.» Die
Armee sei für solche Einsätze «weder ausgebildet noch
ausgerüstet». Er habe «auch den Eindruck, dass die FDP
das so sieht».
Der SPD-Sicherheitsexperte Hans-Joachim Hacker nannte die
Unions-Forderung «überflüssig». «Wenn die
Bundeswehr im Bereich der Abwehr oder Bekämpfung von
Terrormaßnahmen benötigt wird, kann sie nach geltendem Recht
unter dem Aspekt der Amtshilfe in Anspruch genommen werden»,
sagte er. Gleichzeitig warnte er vor einem übertriebenen
Bedrohungsszenario.
Auch die GdP lehnte die Unions-Forderung ab. Die Gewerkschaft forderte
die Bundesregierung aber auf, die Terrorismusbekämpfung
unverzüglich zu verstärken. «Unabhängig davon, wer
die Urheber der Bombenanschläge sind, ob ETA oder Al-Qaida, der
Anschlag in Spanien zeigt, dass die Zivilbevölkerung
europäischer Staaten extrem gefährdet ist», sagte
GdP-Chef Konrad Freiberg.
Unterdessen ist weiter unklar, wer hinter den Anschlägen steckt.
Innenminister Schily sieht die Verantwortung bei der baskischen
Terrororganisation ETA. «Alle Argumente sprechen nach meiner
Überzeugung für einen ETA-Anschlag», sagte Schily.
Für Deutschland gebe es «keine veränderte
Sicherheitslage». Auch nach Erkenntnissen des
Bundesnachrichtendienstes soll die ETA für die Anschläge
verantwortlich sein.
Vielerorts in Deutschland war am Freitag Trauerbeflaggung angeordnet.
Bundestag und Bundesrat begannen ihre Sitzungen mit einer
Schweigeminute. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte,
zum ersten Mal habe eine terroristische Attacke dieses Ausmaßes
ein Land der Europäischen Union getroffen. «Der Terrorismus
rückt näher», mahnte Thierse und fügte hinzu,
dieser Anschlag sollte «ganz Europa treffen».
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) reiste am Freitag nach
Madrid, um an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen.
(Quelle: ddp)
Abhören durch den Zoll verfassungswidrig
Sa.13.03.04 - Die Befugnisse des Zolls zum Aufspüren von Waffenschmugglern
müssen nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes bis
Ende dieses Jahres neu geregelt werden. Die Erlaubnis zum Öffnen
von Postsendungen und zum Abhören von Telefongesprächen durch
das Zollkriminalamt verstoße gegen das Grundgesetz.
Die 1992 eingeführten und später noch erweiterten Befugnisse
seien zu unklar geregelt und verstießen deshalb gegen das Post-
und Fernmeldegeheimnis, stellten die Richter in ihrem am Freitag
veröffentlichten Beschluss fest. Die Bundesregierung müsse
die Regelungen bis Jahresende neu fassen und genauer eingrenzen,
forderten sie. Mit der Erlaubnis sollten die Beamten Straftaten nach
dem Außenwirtschafts- und dem Kriegswaffenkontrollgesetz - wie
etwa Waffenschmuggel - verhindern. (Az.: 1 BvF 3/92)
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hatte bereits vor zwölf
Jahren gegen die Regelung geklagt. Nach den entsprechenden Paragrafen
im Außenwirtschaftsgesetz dürfen die Kriminalisten des Zolls
Postsendungen öffnen und Telefonate abhören, wenn sie den
Verdacht haben, dass Verstöße gegen das
Außenwirtschafts- und das Kriegswaffenkontrollgesetz geplant
werden. Dies muss von einem Richter oder vom Bundesfinanzminister
angeordnet werden.
Die daraus gewonnenen Daten dürfen nach dem bisherigen Recht auch
anderen Behörden zur Verfügung gestellt werden, wenn es zur
Aufklärung der gleichen Straftaten notwendig ist. Hier müsse
der Gesetzgeber regeln, welche Voraussetzungen für die Weitergabe
der Erkenntnisse vorliegen müssen, forderte das oberste deutsche
Gericht.
Die Verfassungsrichter rügten, die Vorschriften seien nicht aus
sich heraus verständlich. Die Befugnisse der Behörden seien
nur im Zusammenhang mit etlichen anderen Gesetzen erkennbar. "Gerade in
Eilfällen besteht eine gesteigerte Gefahr von Fehlentscheidungen
der Verwaltung und der eingeschalteten Gerichte", hieß es in der
Urteilsbegründung. Das im Grundgesetz garantierte
Fernmeldegeheimnis schützt die private Kommunikation, um die freie
Entfaltung der Persönlichkeit und die Menschenwürde zu
gewährleisten. In dieses Grundrecht darf der Staat allerdings
eingreifen, um Straftaten zu verhindern.
Die Regelung, die mehrfach verlängert worden und zuletzt bis Ende
2004 befristet war, sei bis zu ihrem Auslaufen noch hinnehmbar,
bestimmte der Senat. Bei einer Neuregelung müsse der Bund auch die
Grundsätze des Urteils zum so genannten Großen Lauschangriff
beachten. Vor gut einer Woche hatte das Gericht das Abhören in
Wohnungen zur Verfolgung schwerer Straftaten für verfassungswidrig
erklärt.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Lauschangriff im Wesentlichen verfassungswidrig
Do.04.03.04 - Der große Lauschangriff wird deutlich entschärft. Das
Bundesverfassungsgericht erklärte die akustische
Wohnraumüberwachung am Mittwoch für teilweise
grundgesetzwidrig und verlangte eine Änderung der gesetzlichen
Regeln bis Mitte 2005. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)
kündigte eine Umsetzung des Urteils an, will aber nicht ganz auf
den Lauschangriff verzichten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030415
Stichwort: Großer Lauschangriff
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307020.htm#030702_f
Hessen und Bayern dringen auf Ausweitung der Telefonüberwachung
Sa.13.03.04 - Die gesetzlichen Möglichkeiten zur Überwachung von
Telefongesprächen sollen nach dem Willen von Hessen und Bayern
ausgeweitet werden. Über eine entsprechende Gesetzesinitiative
beider Länder beriet am Freitag erstmals der Bundesrat in Berlin.
Danach soll eine Telefonüberwachung auch bei gewerbs- oder
bandenmäßiger Fälschung von Zahlungskarten und Schecks,
besonders schweren Betrugsfällen sowie bei Korruptionsdelikten und
bei Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und allen
Formen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des schweren
Menschenhandels angeordnet werden können.
Justizminister Christean Wagner (CDU) betonte, die Initiative von
Hessen und Bayern schließe Gesetzeslücken bei der
Telefonüberwachung von Kriminellen. Das Abhören von
Telefonaten sei gerade für die Verfolgung der Organisierten
Kriminalität unentbehrlich. Im Bereich der Kinderpornographie oder
des Menschenhandels gebe es immer noch Straftaten, die als Anlass
für eine Anordnung zur Telefon-Überwachung nicht ausreichen.
Dies sei nicht hinnehmbar.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
Die Zahl der Telefonüberwachungen hat sich im Zeitraum von 1996
bis 2001 um 80 % erhöht
Auf der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der
Länder Ende September 2003 in Leipzig hatten die
Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder eine
Entschließung verfasst, in der sie ihrerseits dringend
"Konsequenzen aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts über
Rechtswirklichkeit und Effizienz der Überwachung der
Telekommunikation" fordern... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0310160.htm#031016_s
Neues Gesetz zur Telekommunikation verabschiedet
Sa.13.03.04 - Der Bundestag hat am Freitag ein neues Telekommunikationsgesetz (TKG)
verabschiedet. Wegen Bedenken des von der Union dominierten Bundesrats
gehen allerdings alle Beteiligten davon aus, dass das Gesetz in das
Vermittlungsverfahren gehen wird.
Wirtschafts-Staatsekretär Ditmar Staffelt (SPD) sagte im
Bundestag, Ziele seien mehr Wettbewerb in der Branche, eine angemessene
Regulierung dort, wo sie geboten sei, und letztlich die Stärkung
des Telekommunikationsstandortes Deutschland. "Das Ergebnis dieses
Diskussionsprozesses kann sich sehr wohl sehen lassen", sagte Staffelt.
Dagegen kritisierte die CDU-Expertin Martina Krogmann: "Herausgekommen
ist ein unausgegorenes Gesetz, das den Wettbewerb behindert. Und
deshalb lehnen wir es ab." Ihr FDP-Kollege Rainer Funke sprach von
einem unbefriedigenden Gesetz mit vielen Schwächen. Dagegen
befürwortete Michaele Hustedt von den Grünen den Entwurf im
Grundsatz trotz Vorbehalten in Einzelpunkten.
Mit der TKG-Novelle entsteht ein neuer Ordnungsrahmen für die
deutsche Telekommunikation, die 2003 mit über 220.000
Beschäftigten deutlich über 60 Milliarden Euro umgesetzt
hatte. Wegen ihrer Bedeutung für viele andere Sektoren hat die
Branche eine hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Mit dem neuen TKG
sollen mit großem Verzug auch entsprechende EU-Richtlinien
umgesetzt. Einige Unionsländer haben bereits ihren Widerstand
gegen das Vorhaben im Bundesrat angekündigt. Dennoch soll das
Gesetz noch vor der Sommerpause endgültig verabschiedet werden.
Staffelt betonte, mit dem neuen TKG werde der Wettbewerb zu Lasten des
Marktführers Deutsche Telekom weiter gefördert. Die
Regulierungsbehörde erhalte mehr Ermessensspielraum und wirksame
Sanktionsinstrumente, um einen Missbrauch starker Marktpositionen zu
vermeiden. Zugleich werde Überregulierung vermieden. Auch Hustedt
wertete das Gesetz positiv, bedauerte aber, dass sich ihre Partei in
einigen Bereichen nicht habe durchsetzen können.
Krogmann nannte den Gesetzentwurf mittelmäßig. Er schaffe
nicht die notwendigen klaren Regeln für den Wettbewerb. Für
mittlere und neue Unternehmen werde kein ausreichender Rechtsschutz
geschaffen. Die Sanktionsmechanismen bei Missbräuchen seien
ungenügend. Die Marktmacht der Telekom bei den Anschlüssen
werde durch die neuen Regelungen zum Wiederverkauf nicht gelockert.
Hier habe die Regierung offenbar als Anteilseigner der Telekom deren
Interessen stärker im Auge gehabt. Der FDP-Abgeordnete Funke
bezweifelte zudem die Europatauglichkeit des neuen TKG.
Ein zentraler Punkt des neuen TKG ist die Verbesserung der
Zugangsmöglichkeiten für Wettbewerber zum Netz der Telekom.
Die Konkurrenten kritisieren jedoch, das sei nicht ausreichend
gelungen. Bemängelt wird, dass sie kein eigenes Antragsrecht
haben, um bei Streitfällen den Regulierer einzuschalten.
Das Gesetz verpflichtet zudem marktdominierende Firmen, beim Angebot
neuer Endkundenprodukte die erforderlichen Vorleistungen zeitgleich
auch den Wettbewerbern zum Weiterverkauf zur Verfügung zu stellen.
Geregelt wird weiter, dass das dominierende Unternehmen seinen
Konkurrenten Anschlüsse zum Weiterverkauf zur Verfügung
stellen muss, allerdings nur in Verbindung mit entsprechenden
Verbindungsminuten, was Opposition und Branche kritisieren. Ein
Verbandsklagerecht für die Verbände der
Verbraucherschützer ist im Gesetz enthalten.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Datenschützer warnen vor Gefahr für Telefongeheimnis
Do.27.11.03 - ... Entwurf für ein neues Telekommunikationsgesetz bringe gravierende
Verschlechterungen des Datenschutzes... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311270.htm#03112727
Bundestag beschließt Rahmengesetz zu Emissionshandel
Sa.13.03.04 - Auch in Deutschland soll ab 2005 der Emissionshandel möglich sein.
Der Bundestag beschloss mit den Stimmen von SPD und Grünen die
rechtlichen Grundlagen für den Handel mit Verschmutzungsrechten.
Dieser soll dazu beitragen, dass Deutschland gemäß dem
Klima-Protokoll von Kyoto seine Treibhausgasemissionen bis 2010 um 21
Prozent gegenüber 1990 verringert. Mit dem Gesetz wird eine
entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt.
Am Handel mit Verschmutzungsrechten sollen sich künftig rund 2300
Anlagen in Deutschland beteiligen. Wer wieviel Schadstoffe
ausstoßen darf, ist derzeit aber zwischen Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) umstritten. Während Trittin eine jährliche
Minderung der Kohlendioxidemissionen festschreiben will, fordert die
Wirtschaft eine "bedarfsgerechte Ausstattung". Clement will Nachteile
für die Kohle verhindern.
Die Entscheidung muss bis Ende März gefallen sein und nach
Brüssel gemeldet werden. Dieser Zeitplan solle auch eingehalten
werden, bekräftigte eine Sprecherin Clements. Es gehe aber
"Gründlichkeit vor Schnelligkeit".
(Quelle: afp)
Das Gesetz zum Emissionshandel
Mit dem am Freitag vom Bundestag beschlossenen
«Treibhausgas- Emissionshandelsgesetz» (TEHG) werden in
Deutschland die rechtlichen und institutionellen Voraussetzungen
für den von der EU geplanten CO2-Emissionshandel geschaffen. Damit
will die Europäische Union eine Reduzierung der
klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen erreichen.
Energieintensiven Anlagen der Stromwirtschaft und der Industrie werden
Zertifikate zugeteilt, die zum Ausstoß einer bestimmten CO2-Menge
berechtigen.
Mit diesen Zertifikaten können die Unternehmen ab Anfang 2005
untereinander handeln. Bei zu starkem C02-Ausstoß müssen
Zertifikate entsprechend hinzugekauft werden, während Unternehmen
mit Emissionsminderungen Rechte verkaufen können.
Das TEHG enthält die Grundlinien des Handelssystems und regelt die
Fragen der Zuteilung und des Austauschs der Emissionsberechtigungen
sowie die Sanktionen bei Überschreitung des zulässigen
CO2-Ausstoßes.
Bis Ende dieses Monats muss Deutschland bei der EU-Kommission seinen
nationalen Allokationsplan vorlegen, in dem die Aufteilung der
Zertifikate auf die Unternehmen festgelegt wird. Dabei soll die
Zuteilung der Emissionsrechte nach dem Willen des
Bundesumweltministeriums auf der Basis der Selbstverpflichtung der
deutschen Wirtschaft von 2001 zum Klimaschutz stattfinden.
Quelle: ddp, 12.03.04
Blick ins Archiv:
EU-Kommission mahnt strenge Vergabe von Emissionsrechten an
Fr.05.03.04 - Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat die nationalen
Regierungen vor einer zu großzügigen Verteilung von
Emissionsrechten zum Ausstoß von Treibhausgasen an Industrie und
Energiewirtschaft gewarnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030517
Stillstand auf dem Weg zum Klimaschutz
Do.04.03.04 - Auf dem Weg zu Deutschlands Klimaschutzzielen herrscht praktisch
Stillstand. Wegen des kalten Wetters stieg der energiebedingte
Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid 2003 gegenüber dem
Vorjahr um 0,4 Prozent an, wie das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin berichtete. Ohne die
Wettereinflüsse kommt man laut DIW rechnerisch auf eine
Verminderung um 0,6 Prozent. Angesichts der Wirtschaftsflaute sei dies
wenig. Der Ausstoß von Kohlendioxid liegt damit den Angaben zufolge
temperaturbereinigt um 17 Prozent unter dem Wert von 1990. Die
Bundesregierung hatte jedoch versprochen, bereits im kommenden Jahr um
25 Prozent darunter zu liegen. Die Regierung hat dieses Ziel seit
längerem nicht mehr erwähnt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#04030413
Mehr zum Thema "Klimawandel und Emissionshandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403040.htm#040304ah
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Ein Jahr 'Agenda 2010' - Umsetzung als 'mangelhaft' bewertet
Sa.13.03.04 - Ein Jahr nach der Agenda-2010-Rede von Bundeskanzler Gerhard
Schröder hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
der Regierung ein eher schlechtes Zeugnis für die Reformpolitik
ausgestellt. Die bisherige Umsetzung der Agenda sei "ausreichend bis
mangelhaft", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem
"Handelsblatt" vom Freitag. Die Regierung selbst zog hingegen eine
positive Bilanz.
Zimmermann kritisierte, der Agenda habe von Anfang an die
"visionäre Komponente" gefehlt. "Die Unternehmen sind durch die
bisher umgesetzten Reformen nicht ermutigt worden, an die Zukunft
Deutschlands zu glauben." Probleme gebe es vor allem bei der
Umgestaltung der Bundesagentur für Arbeit. Die
Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie die
Vermittlung von Langzeitarbeitslosen seien "hoffnungslos stecken
geblieben". Die Opposition habe daran "verheerend mitgewirkt".
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zieht eine vernichtende
Zwischenbilanz der rot-grünen Reformpolitik. "Die Maßnahmen
der Bundesregierung schaffen nicht mehr Wachstum und
Beschäftigung, sondern bewirken das Gegenteil", kritisierte
DGB-Vorstand Heinz Putzhammer die auswirkungen der Agenda 2010 im
Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.
Nach Einschätzung des Gewerkschafters sind die schlechten
Arbeitsmarktdaten auch auf die verfehlte Reformpolitik der
rot-grünen Koalition zurückzuführen. Putzhammer betonte,
die Menschen seien verunsichert. Daher sei es nicht verwunderlich, dass
auch die Wirtschaft nicht in Schwung komme.
Zwar seien einzelne Punkte der Agenda 2010 von den Gewerkschaften
durchaus unterstützt worden. Dies gelte etwa für die
Neugestaltung des Handwerksrechtes. Der Großteil der
Reformvorhaben gehe aber zu Lasten der "kleinen Leute". Dies gelte
für Eingriffe in die Tarifautonomie ebenso wie für die
Lockerung des Kündigungsschutzes.
Putzhammer sagte, es sei "alberne Behauptung", dass durch die
Neuerungen der Bundesregierung Wachstumsimpulse gesetzt würden.
Der Gewerkschafter betonte: "Das ist Sozialabbau, und den
bekämpfen wir." In Zukunft müssten Investitionen in Bildung
und Forschung die Grundlage für mehr Wachstum und
Beschäftigung sein, nicht Einschnitte in die Rechte der
Arbeitnehmer.
Die Regierung lobte die Agenda 2010: "Dieses umfassendste
Reformprogramm, das in Deutschland je durchgesetzt wurde und das
national wie international große Anerkennung findet, zeigt, dass
sich unser Land in die richtige Richtung bewegt." Die Regierung habe
die Grundlage gelegt, dass Deutschland allen auch künftig ein
Leben in Wohlstand und sozialer Sicherheit biete.
Schröder hatte am 14. März 2003 in einer
Regierungserklärung im Bundestag umfassende Reformen des
Arbeitsmarkts und der Sozialsysteme angekündigt.
(Quellen: ddp, ap)
Blick ins Archiv:
Die sog. 'Reformrede' des Kanzlers vom 14.03.03
Das ganze sozialpolitische Gemetzel in seinem "Projekt 2010" sei nötig,
befand der Kanzler, weil Deutschland mit "einer Wachstumsschwäche zu kämpfen"
habe, die auch "strukturelle" Ursachen hat... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303150.htm#030315_o
Zahl der Armen wird wegen Agenda 2010 steigen
Sa.10.05.03 - Die Zahl der Armen in Deutschland könnte in Folge der rot-grünen
Sozialreformen nach Ansicht von Experten drastisch steigen. Sollte die Agenda
2010 "mit ihrer sozialen Schieflage" Wirklichkeit werden, gebe es statt bisher acht
künftig 15 Millionen Menschen, die als arm angesehen werden müssten, sagte der
Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Paul Saatkamp der Chemitzer "Freien
Presse" (Samstagausgabe). Es gehöre zum Prinzip der Reformpläne, "die sozial
Schwachen zu belasten, um die Reichen zu entlasten"... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305100.htm#03051008
Agenda 2010:
http://www.agenda2010.de/
Nationale Armutskonferenz
Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der
Freien Wohlfahrtspflege, bundesweit tätiger Fachverbände und Selbsthilfeorganisationen und
des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Konferenz gründete sich im Herbst 1991 als
deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerkes... Mehr unter::
http://www.nationale-armutskonferenz.de/
SPD-Arbeitnehmerflügel tagt in Erfurt - AfA-Vorsitzender Schreiner
attackiert neoliberale Konzepte
Sa.13.03.04 - Der Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels, Ottmar Schreiner, hat
vor weiteren Eingriffen in Arbeitnehmerrechte gewarnt. Es gebe nicht
ein einziges Beispiel dafür, dass dies zu mehr Beschäftigung
geführt habe, sagte Schreiner am Freitag in Erfurt vor rund 300
Delegierten der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA).
1996 habe die Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl unter anderem bei
der Lohnfortzahlung Eingriffe in diese Rechte vorgenommen und
erklärt, dass dadurch zusätzlich 500.000 Menschen in Lohn und
Brot kämen. Im Jahr darauf habe es jedoch rund 500.000 Arbeitslose
mehr gegeben. «Die neoliberale Konzeption ist kein Teil der
Lösung des Problems, sie ist das Problem selbst», betonte
der AfA-Vorsitzende. Von einer Gefährdung des
Wirtschaftsstandortes Deutschland hätten schon damals diejenigen
gesprochen, die gegen die Abschaffung der Kinderarbeit gewesen seien.
Die Globalisierung, mit der manche harten Eingriffe begründet
würden, sei kein Schicksalsprozess, der sich der politischen
Gestaltung entziehe, sagte Schreiner und warnte vor einem Weg «in
amerikanische Beschäftigungsverhältnisse» in der
Bundesrepublik.
Zudem drang Schreiner in der «Thüringer Allgemeinen»
(Samstagausgabe) auf eine Erhöhung der Investitionsquote. Um
überhaupt auf den europäischen Durchschnitt zu kommen,
müssten weitere 20 Milliarden vor allem in den Kommunen investiert
werden. Zur Finanzierung schlägt er das Heranziehen der
großen Vermögen und Einkommen vor. Seine Partei müsse
die Kraft haben, trotz der großen Reformwiderstände,
dafür Konzepte durchzusetzen.
Zu der dreitägigen Veranstaltung unter dem Motto
«Solidarisch und gerecht! Den Wandel sozial gestalten»
werden unter anderem der designierte Parteivorsitzende Franz
Müntefering, Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, und
DGB-Chef Michael Sommer erwartet.
Die rund 300 Delegierten der Arbeitsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen (AfA) wollenin Erfurt vor allem über die
Reformagenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder debattieren.
Beobachter sehen den AfA-Kongress als Stimmungsbarometer für
Schröders Nachfolger als Parteivorsitzender, Franz
Müntefering. Er wird am heutigen Samstag erwartet. Dann stehen
neben einer Rede von DGB-Chef Sommer auch die Wahlen des Vorsitzenden,
der drei stellvertretenden Vorsitzenden und der 25 Beisitzer des
AfA-Bundesvorstandes an. Für Sonntag hat sich Bundesminister
Clement angekündigt.
Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thüringen,
Christoph Matschie, warnte unterdessen vor einem Kurswechsel seiner
Partei. Die SPD müsse sorgfältiger arbeiten und den Sinn der
Reformen besser erklären, sagte Matschie im Deutschlandradio
Berlin. Viele Entscheidungen seien nur im Kompromiss mit der Union im
Bundesrat möglich gewesen. Das Steuerkonzept der CDU belaste vor
allem Familien und Geringverdiener. Die habe SPD «allemal das
sozialere Konzept für die notwendigen Veränderungen in diesem
Land», sagte Matschie.
(Quellen: )
Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA):
http://afa.spd.de/
IG-Metall-Vorstände rufen zur Gründung einer neuen
Links-Partei auf
Sa.13.03.04 - Hohe Funktionsträger der IG Metall rufen aus Unzufriedenheit mit
der SPD zur Gründung einer neuen Links-Partei auf. Die SPD habe
«sich zur Hauptakteurin des Sozialabbaus und der Umverteilung von
unten nach oben entwickelt» und sei zum «Kanzlerwahlverein
mutiert», zitiert die Zeitung «Die Welt»
(Samstagausgabe) aus einem Aufruf «Arbeit & soziale
Gerechtigkeit». Das Dokument sei von zwei
IG-Metall-Vorstandsmitglieder und mehreren 1. Bevollmächtigten der
Gewerkschaft initiiert worden. Die Erstunterzeichner träten nach
eigenen Angaben «für ein Bündnis mit allen politischen
Kräften und Personen ein, die sich für die Erhaltung und den
Ausbau des Sozialstaats und für ein sozial gerecht finanziertes
Gemeinwesen einsetzen». In dem Aufruf heiße es weiter:
«Aus diesem Bündnis könnte eine bei der nächsten
Bundestagswahl wählbare soziale Alternative entstehen. Diese
mögliche Entwicklung schließen wir ausdrücklich
ein.»
Bei den Initiatoren des Aufrufes handelt es sich nach Angaben des
Blattes um Gerd Lobodda (Nürnberg), Günther Schachner
(Weilheim), Peter Vetter (Kempten), Klaus Ernst (Schweinfurt) und
Thomas Händel (Fürth). Diese Initiatoren seien alle 1.
Bevollmächtigte der IG Metall und damit hochrangige Angestellte
der Gewerkschaft. Lobodda und Schachner seien darüber hinaus auch
Mitglieder des IG-Metall-Bundesvorstandes. Beide gelten als enge
Weggefährten von IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Nach eigenen
Angaben seien mit einer Ausnahme alle Erstunterzeichner Mitglieder der
SPD. Sie gehörten der Partei zwischen 30 und 43 Jahren an.
(Quelle: ddp)
Homepage Initiative Linke Protestpartei:
http://www.wahlalternative.de
Schülervertretungen der Länder schließen sich zusammen
Sa.13.03.04 - Die Schülervertretungen der Länder schließen sich
zusammen. Am heutigen Samstag soll in Saarbrücken die
«Konferenz der Landesschülervertretungen der
Länder» (KLLD) gegründet werden. Damit solle ein
Pendant zur Kultusministerkonferenz und dem Bundeselternrat geschaffen
werden, sagte der Vorsitzende der gastgebenden
Landesschülervertretung des Saarlandes, Johannes Hensler, im
ddp-Interview. Am Wochenende nehmen seinen Angaben zufolge etwa zehn
Landesschülervertretungen an der Gründung teil. Der Beitritt
der übrigen solle möglichst bald folgen. Ein Vorsitzender
werde deshalb bei diesem Gründungstreffen voraussichtlich noch
nicht gewählt werden.
Die ersten Themen, zu denen Positionen erarbeitet werden sollten, seien
Bildungsstandards, Kopftuchverbot und Ganztagsangebote, sagte Hensler.
Die Beschlüsse würden, wie in der Kultusministerkonferenz,
einstimmig erfolgen. Mit dieser Struktur soll die KLLD aus Sicht
Henslers besser funktionieren als die bestehende
Bundesschülervertretung (BSV). In dieser habe es häufig
Streit über Beschlüsse gegeben, die von einigen Delegierten
bei Abwesenheit anderer gefasst worden seien.
(Quelle: ddp)