Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihunderteinundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Vier Menschen sterben bei Anschlägen im Irak, darunter drei
US-Soldaten. Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten
US-Soldaten steigt auf 560. Koalitionstruppen in Irak
verschärfen Kontrollen an Grenze zu Iran. Tausende Menschen
demonstrieren in Manchester gegen Irak-Krieg. Jahrestag des
Kriegsbeginns am 20. März: US-Friedensaktivisten kündigen
Marsch auf Washington an
So.14.03.04 - Bei mehreren Anschlägen im Irak sind am Samstag mindestens vier
Menschen ums Leben gekommen, darunter drei US-Soldaten. In der
Hauptstadt Bagdad wurde ein Mitglied der schiitischen Dawa-Partei, Said
Haidar, bei einem Bombenattentat getötet.
Nach Angaben von Augenzeugen explodierte der Sprengsatz in seinem
Laden. Haidar ist außerdem ein Verwandter des Dawa-
Parteisprechers und Mitglieds des provisorischen Regierungsrats Ibrahim
el Dschafari.
In Tikrit, der Heimatstadt des gestürzten irakischen Machthabers
Saddam Hussein, starben zwei US-Soldaten, als ein Sprengsatz in der
Innenstadt explodierte. Ihr in Deutschland stationiertes Regiment war
vor kurzem nach Irak geschickt worden und übernahm erst am Samstag
die Kontrolle in Tikrit. Wie der arabische Fernsehsender El Dschasira
berichtete, wurden außerdem vier Soldaten verletzt. Die Soldaten
seien auf Patrouille gewesen.
Nach dem Anschlag durchsuchten etwa 100 Soldaten die Stadt nach den
Tätern. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Ein dritter US-Soldat wurde bei einem Angriff in der Stadt Ramadi (100
Kilometer westlich von Bagdad) getötet, als aus einem
vorbeifahrenden Fahrzeug eine Handgranate auf eine US-Patrouille
geschleudert wurde, berichteten Augenzeugen. Drei weitere Soldaten
wurden dabei verletzt.
Mit den jüngsten Opfern stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn vor
einem Jahr in Irak getöteten US-Soldaten auf 560.
Bei der Explosion einer weiteren Bombe in der Stadt Bakuba (60
Kilometer nordöstlich von Bagdad) wurden drei Iraker verletzt.
Nach Angaben von Augenzeugen kurz zuvor eine amerikanische
Militärstreife vorbeigefahren.
Eine gewaltige Explosion, die in Bagdad für Unruhe sorgte, war von
US-Soldaten kontrolliert ausgelöst worden, teilte die
US-geführte Zivilverwaltung später mit.
Zur Abwehr ausländischer Extremisten hat die US-geführte
Koalition in Irak die Verschärfung der Kontrollen an der Grenze zu
Iran angekündigt. Die Zahl von 8000 Grenzsoldaten werde
verdoppelt, erklärte der Chef der US-Zivilverwaltung, Paul Bremer,
am Samstag in Bagdad. Zudem werde die Zahl der Kontrollposten von etwa
15 auf drei reduziert. Einreisende aus Iran können demnach
künftig nur noch in den Ortschaften Munsirijah, Surbatijah und
Schalamschah die Grenze überqueren. Mit dieser "ersten Stufe" von
Maßnahmen solle verhindert werden, dass weiter bewaffnete
Ausländer unerkannt nach Irak einreisten, teilte Bremer mit.
Die US-Regierung sandte unterdessen einen ranghohen Beamten des
Weißen Hauses nach Bagdad. Robert Blackwell soll nach Angaben aus
Washington bei der Bildung einer Übergangsregierung helfen.
Zum Frühjahrs-Parteitag der regierenden britischen Labour-Partei
haben in Manchester mehrere tausend Menschen gegen den Irak-Krieg
demonstriert. Unter den Augen dutzender Polizisten zogen die
Demonstranten am Samstag friedlich durch die nordwestenglische Stadt.
In Anlehnung an die Entmachtung des irakischen Staatschefs Saddam
Hussein brachten die Teilnehmer eine Puppe mit den Zügen des
britischen Premierministers Tony Blair zu Fall. In einer Petition
forderten die Organisatoren eine unabhängige Untersuchung
über die Gründe der britischen Beteiligung am Irak-Krieg.
Friedensaktivisten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten
kündigten für den ersten Jahrestag des Kriegsbeginns am 20.
März einen Marsch auf Washington an. Die Demonstrationen in der
Hauptstadt selbst sollten an einem Militärkrankenhaus beginnen, wo
die Leichen von Kriegsopfern aufgebahrt wurden und wo Verwundete immer
noch behandelt werden. Nach Angaben der im US-Staat Delaware
ansässigen Gruppe Pacem in Terris geht es den Organisatoren darum,
den Menschen die grausame Realität des Krieges vor Augen zu
führen.
(Quelle: afp, dpa, ap)
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Protestveranstaltungen zum Jahrestag des US-Angriffs
auf Irak am 20.03.04:
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.friedensratschlag.de
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Neue US-Offensive gegen Terroristen in Afghanistan
So.14.03.04 - Die US-Streitkräfte in Afghanistan haben eine neue Offensive gegen
mutmaßliche Stützpunkte von Terroristen im Süden und
Osten des Landes gestartet. Es gehe darum, die Infrastruktur von
Taliban und El Kaida ein für alle Mal zu zerschlagen,
erklärte Oberstleutnant Bryan Hilferty am Samstag in Kabul. Im
benachbarten Pakistan kündigten die Sicherheitskräfte eine
neue Militäroperation im Grenzgebiet zu Afghanistan an, wo
Gebirgsstämme Terroristen - darunter womöglich El-Kaida-Chef
Osama bin Laden - Unterschlupf gewähren sollen.
Die Operation «Mountain Storm» (Gebirgssturm) begann laut
Hilferty schon am vergangenen Sonntag und involviert sämtliche
13.500 Soldaten der von den USA angeführten Koalitionstruppen in
Afghanistan. Patrouillen und Razzien würden intensiviert, ferner
würden im kleineren Umfang Luftangriffe geflogen, sagte der
Militärsprecher, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Nach
afghanischen Angaben griffen US-Kampfflugzeuge am Donnerstag einen
Lieferwagen mit zwölf mutmaßlichen Taliban-Kämpfern an.
Diese seien alle getötet worden.
Hilferty zeigte sich zuversichtlich, dass letztlich auch Bin Laden und
Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar gefasst werden. Es gehe bei dem
jüngsten Einsatz jedoch «um mehr als nur eine Person».
Bin Laden und sein ranghöchster Stellvertreter Aiman el Sawahri
werden im bergigen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan
vermutet. Rund 70.000 pakistanische Soldaten sind bei der Suche nach
ihnen sowie anderen El-Kaida- und Taliban-Kämpfern im Einsatz.
Unbestätigten Berichten zufolge soll die Elitetruppe, die im
vergangenen Jahr den irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein
gefasst hatte, derzeit in Afghanistan nach Bin Laden fahnden. Das
Pentagon wollte diese Angaben nicht kommentieren.
(Quellen: ap, afp)
Deutschland will Daten von Flugzeugreisenden an die USA weitergeben
So.14.03.04 - Das Berliner Innenministerium bestätigte am Samstag einen Bericht
des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», wonach die in einem
EU-Abkommen vorgesehene Praxis der Weitergabe von Flugdaten an die USA
mit den deutschen Datenschutzbestimmungen vereinbar sei. Den Angaben
zufolge setzte sich Innenminister Otto Schily (SPD) über massive
Bedenken des Bundesjustizministeriums und des
Bundesdatenschutzbeauftragten hinweg.
Fachleute des Justizministeriums hatten laut «Spiegel»
bemängelt, das Vertragswerk sei bedenklich, weil es die Rechte von
Fluggästen nicht ausreichend berücksichtige. Zudem sei
unklar, was mit den nach Amerika übermittelten Daten geschehe und
wann diese wieder gelöscht würden. Das federführende
Innenressort habe sich dennoch für die Datenübermittlung
entschieden.
Verschiedene europäische Länder wie Frankreich erklärten
dem Bericht zufolge im Gegensatz zu Deutschland, in dieser Form sei das
Abkommen nicht unterschriftsreif. Auch das EU-Parlament habe sich gegen
eine Ratifizierung der Vorlage ausgesprochen. Die Verhandlungen in
Brüssel gingen diese Woche in die entscheidende Phase.
Die US-Regierung sammelt zur Terrorismusabwehr bereits seit einiger
Zeit möglichst umfassende Informationen über Touristen und
Geschäftsleute, die per Flugzeug einreisen. Darunter sind auch
Angaben zu Kreditkarten, persönlichen Essenswünschen oder
Details über den Familienstand.
Schily will nach einem Bericht des Münchner Magazins
«Focus» zwei Verfassungsschutz-Büros an den deutschen
Botschaften in Washington und Paris einrichten. Darüber sei es
Kompetenzrangeleien zwischen Ministerien gekommen, hieß es. Das
Innenministerium teilte mit, zu Angelegenheiten der Sicherheitsdienste
und internen Vorgängen werde grundsätzlich keine Stellung
genommen.
In einer bereits im Juni 2003 beschlossenen Vereinbarung wurde laut
Bericht die designierte Verfassungsschutz-Bürochefin in Washington
formell dem BND-Kontingent zugeordnet. Besetzt sei das Büro in
Washington noch nicht.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Rote, gelbe und grüne Passagiere
Die Datensammlungen über den Flugverkehr sollen nach dem Willen
der US-Regierung noch weiter ausgedeht werden. Passagiere werden je
nach "Gefährdungsgrad" eingestuft.... Mehr in der "tageszeitung" vom 13.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/13/a0116.nf/text
EU zu Austausch von Flugpassagierdaten mit den USA bereit
Mi.17.12.03 - Im Streit um den Austausch von Luftverkehrsdaten haben die USA und die
EU-Kommission eine Einigung erzielt. Damit soll der von den USA
angeführte Kampf gegen den Terror unterstützt werden... Mehr unter:
http://home.tonline.de/home/boa-archiv2/k0312170.htm#03121712
Bye, bye, Democracy - Terror, Internationales Recht und die Grenzen der
Demokratie
"Die Bush-Regierung wird dies so benutzen, wie die Nazis den
Reichstagsbrand benutzten." - dies war, so der US-amerikanische
Philosoph Richard Rorty, sein erster Gedanke, als er am 11. September
2001 die Nachrichten hörte. Und alle seine Befürchtungen
hätten sich bewahrheitet. Wenn der "Krieg gegen den Terror" noch
lange so weitergehe wie in den letzten zweieinhalb Jahren,
erklärte Rorty, könnten die westlichen Demokratien daran
zugrunde gehen. Mit der Umwälzung der Völkerrechtsordnung und
des bis dahin bestehenden unausgesprochenen Handlungskonsenses seit dem
11.September 2001 beschäftigte sich jetzt eine hochkarätig
besetzte internationale Tagung am Potsdamer Einstein-Forum zum Thema
"Terror, Internationales Recht und die Grenzen der Demokratie". Dort
ging es gleichermaßen um die gegenwärtige Umwälzung des
etablierten Völker- und Kriegsrechts, als auch um deren Folgen
für die innere Verfassung des Westens....
Mehr bei telepolis (13.03.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/konf/16942/1.html
Weil der Terrorismus sich gegen wehrlose Zivilisten richtet, ist diese
Art des Kampfes besonders abscheulich, und kein noch so berechtigtes
Anliegen kann das legitimieren. Die Anschläge vom 11. September
2001 und die jüngsten Attentate in Casablanca, Riad, Istanbul,
Moskau, Haifa und Jerusalem können nur Abscheu erregen - ebenso
wie der als Gegenmaßnahme inszenierte "Staatsterrorismus" mancher
Regierungen:
Unter dem Eindruck der Anschläge des 11. September beeilten sich
zahlreiche Länder, neue Gesetze zu verabschieden, die bestimmte
Organisationen verbieten, die bürgerlichen Freiheitsrechte
einschränken und den Schutz vor Grundrechtsverletzungen
aufweichen, wie amnesty international schon in seinem Jahresbericht
2002 beklagte.
Dabei gingen die USA mit schlechtem Beispiel voran. Bereits am 26.
Oktober 2001 verabschiedete der US-Kongress den so genannten Patriot
Act (Provide Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct
Terrorism). Dieses Gesetz verleiht Polizei und Geheimdiensten
Sonderbefugnisse und stellt damit das Habeas-Corpus-Prinzip in Frage,
das die persönlichen Freiheitsrechte gegenüber den
staatlichen Strafverfolgungsbehörden garantiert. Der Patriot Act
erlaubt es, Verdächtige in Isolationshaft zu nehmen - wobei
insbesondere Ausländer auf unbestimmte Zeit festgehalten werden
können. Hausdurchsuchungen, Lauschangriffe und Verletzungen des
Postgeheimnisses (betrifft auch E-Mails) bedürfen zuvor nicht mehr
der richterlichen Genehmigungspflicht.
Dieser Sicherheitswahn wurde ins Extrem getrieben, als
US-Präsident George W. Bush mit dem Erlass vom 13. November 2001
militärische Sondergerichte für ausländische Angeklagte
installierte. Kurz darauf wurde in der US-Basis Guantánamo Bay
auf Kuba ein Hochsicherheitsgefängnis eingerichtet.
Am 5. Januar dieses Jahres schließlich trat das Programm "US
Visit" in Kraft, das alle einreisenden Ausländer nötigt,
ihren rechten und linken Zeigefingerabdruck digital einlesen und ihr
Gesicht fotografieren zu lassen.
Dieses für Friedenszeiten einzigartige Arsenal von
Sondermaßnahmen, das eines autoritären Staates würdig
ist, wurde in anderen Ländern alsbald nachgeahmt....
Aus: Ignacio Ramonet - "Nachahmungstäter", Le Monde diplomatique
Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 1:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0006.nf/text
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Nahost-Konflikt
Israelische Truppen erschiessen zwei Palästinenser an Grenze bei
Gaza
So.14.03.04 - An der Grenze zum Gazastreifen haben israelische Soldaten am Samstag
zwei Palästinenser erschossen. Die beiden bewaffneten Männer
seien in die rund 100 Meter breite militärische Sperrzone entlang
des Zauns vorgedrungen, erklärten die Streitkräfte. Sie seien
mit Gewehren, Granaten und einer Rohrbombe ausgerüstet gewesen und
hätten offenbar den Kibbuz Nahel Os angreifen wollen.
Der Zwischenfall ereignete sich den Angaben zufolge im Grenzgebiet
zwischen der Stadt Gaza und Nahal Os. Der militärische Flügel
der radikalislamischen Hamas-Bewegung erklärte in einem Telefax an
die Nachrichtenagentur AP, die beiden Palästinenser seien zu einer
gezielten Aktion in die Region entsandt worden und hätten mit den
Soldaten gekämpft, bevor sie erschossen worden seien.
Eine Palästinenserin, die wegen Beihilfe zu Anschlägen
verurteilt und aus dem Westjordanland in den Gazastreifen deportiert
wurde, darf nach israelischen Angaben am Sonntag in ihre Heimat
zurückkehren. Ein israelischer Berufungsausschuss hatte Anfang
März die Strafe der 29-Jährigen um sechs Monate verkürzt
und damit den Weg für die Heimkehr freigemacht.
Israel will seine Rückzugspläne aus den
palästinensischen Gebieten und eine einseitige Grenzziehung
weiterverfolgen, sollte das für Dienstag geplante Gipfeltreffen
zwischen Ministerpräsident Ariel Scharon und seinem
palästinensischen Kollegen Ahmed Kureia dem internationalen
Friedensplan nicht zu neuem Schwung verhelfen. Dies bekräftigte
Scharon-Berater Asaaf Schariv am Samstag. Bei dem Treffen wird nach
palästinensischen Angaben auch die Einsetzung von Ausschüssen
angestrebt, die einen Zeitplan und die Modalitäten für einen
israelischen Truppenrückzug hinter die Linien von 2000 erarbeiten
sollen.
(Quelle: ap)
Bis zu 70 Tote bei Ausschreitungen von Kurden und Polizei in Syrien
So.14.03.04 - In Syrien haben offenbar ethnisch motivierte Unruhen mindestens zehn
Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) sollen bis zu 70 Menschen getötet
worden sein.
Ein Streit in einem Fußballstadion zwischen Anhängern eines
überwiegend kurdischen und eines arabischen Clubs eskalierte am
Freitag, bei einer anschließenden Massenpanik wurden neun
Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Beisetzung dreier
kurdischer Opfer wurde am Samstag von Ausschreitungen hunderter Kurden
begleitet, mindestens eine Person kam ums Leben.
Die aufgebrachte Menge zog durch die Stadt Kamischli, rund 780
Kilometer nordöstlich von Damaskus, und verwüstete laut
Augenzeugen Geschäfte und Behördengebäude. Der
Fernsehsender El Arabija zeigte ein Bild von Kamischli, auf dem dichter
Rauch zu sehen war, der aus dem Zentrum aufstieg. Der Brandherd war
nicht zu erkennen. Journalisten wurden am Betreten der Stadt gehindert.
Die Polizei feuerte Warnschüsse ab, um die Randalierer zu
zerstreuen. Ein Kommunalpolitiker berichtete, die Polizisten
hätten mehrere Personen erschossen. Die Krankenhäuser der
Stadt bestätigten jedoch insgesamt nur einen Toten und 17
Verletzte. Die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtete am
Samstag unter Berufung auf Telefonate mit Augenzeugen, syrische Truppen
hätten die Region im Dreiländereck von Syrien, Irak und der
Türkei hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen In der
Stadt Kamischli hätten syrische Panzer offenbar auf kurdische
Zivilisten geschossen. Es habe insgesamt möglicherweise bis zu 70
Tote gegeben. In Aleppo und Damaskus seien kurdische Studenten aus
Protest gegen die Gewalt auf die Straße gegangen. Dabei seien zwei
Demonstranten ums Leben gekommen.
Die Auseinandersetzungen beim Fußballspiel am Freitag
entzündeten sich nach Augenzeugenberichten an dem Ausruf
«Lang lebe Saddam Hussein» von Anhängern des
arabisch-syrischen Fußballvereins El Futuwa. Fans des
überwiegend syrisch-kurdischen Vereins El Dschihad hätten den
Namen Massud Barsanis zurückgerufen, eines führenden
kurdischen Politikers in Irak.
El-Futuwa-Fans hätten anschließend Steine auf Spieler und
Anhänger von El Dschihad geschleudert, berichtete ein Augenzeuge.
Als die Attackierten daraufhin von der Haupttribüne flüchten
wollten, brach die Panik aus. «Einige wurden von Steinen
getroffen, fielen hin und wurden niedergetrampelt», sagte der
Anwalt Ibrahim Hussein.
Vor dem Stadion kam es zu einem weiteren Vorfall: El-Dschihad-Fans
umringten eine Gruppe El-Futuwa-Anhänger und griffen sie an, um
sich zu rächen. Die Polizei brachte die Gruppen schließlich
mit Warnschüssen auseinander. Das Spiel wurde wegen der Unruhen
abgesagt.
(Quellen: ap, afp)
Abermals blutige Stammeskämpfe in Somalia
So.14.03.04 - Bei neuen Kämpfen rivalisierender Stämme um Land und
Wasserstellen in Zentralsomalia sind fast 40 Menschen getötet
worden, wie ein Krankenhausmitarbeiter am Samstag mitteilte. Die
Zusammenstöße zwischen den Mareehan und den Dir begannen am
Donnerstag in den Dörfern Dhegafiin und Wahara Adeeys 300
Kilometer von der Hauptstadt Mogadischu entfernt. Nach Angaben von
Axmed Mohamed Mahd, einem Krankenhausarzt in der nahe gelegenen Stadt
Dhuusa Mareeb, wurden bei den Kämpfen mindestens 38 Menschen
getötet und mehr als 20 verletzt.
Die Clans hätten sich mit Panzerfäusten, Mörsergranaten
und auf Pickups montierten Luftabwehrgeschützen beschossen, sagte
er. Hunderte Dorfbewohner seien aus ihren Häusern geflohen, von
denen Dutzende von den Kämpfern niedergebrannt worden seien.
Es war bereits der zweite derartige Vorfall im März. Zu Beginn des
Monats waren bei Kämpfen zwischen den Saleemaan und den Duduble 48
Menschen getötet worden. Derzeit verhandeln Milizenführer und
Stammesvertreter im benachbarten Kenia über einen Friedensvertrag.
Ziel ist die Installierung einer Zentralregierung für Somalia, das
seit dem Sturz von Diktator Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 im Chaos zu
versinken droht.
(Quelle: ap)
Zwei Millionen Menschen demonstrieren gegen Präsidenten Taiwans
So.14.03.04 - Eine Woche vor der Wahl in Taiwan sind am Samstag zwei Millionen
Menschen durch die Straßen des Landes gezogen, um für die
Abwahl von Präsident Chen Shui Bian zu protestieren. Eine
gewaltige Menschenmenge kam vor dem Sitz des Präsidenten in der
Hauptstadt Taipeh zusammen und rief: «Ersetzt den
Präsidenten. Bewahrt Taiwan.» Die Demonstranten blockierten
zahlreiche Straßen, über dem Menschenmeer schwebten riesige
blaue Luftballons mit der Aufschrift «Ablösung». Der
Oppositionskandidat Lien Chan hatte zu dem Protest aufgerufen um seine
Chancen bei der Präsidentenwahl am kommenden Samstag zu steigern.
In Fernsehansprachen versuchten Amtsinhaber Chen und sein
Herausforderer Lien jeweils mit scharfen Äußerungen
gegenüber China ihre Wähler zu mobilisieren. Chen sagte:
«Die Demokratie in Taiwan darf nicht von Raketen aus China
angegriffen werden. Unsere Demokratie darf nicht von der chinesischen
Diktatur geschlagen werden.» Lien erklärte, er würde es
als Präsident niemals zu lassen, dass der kommunistische Nachbar
die demokratische Insel schluckt.
China und Taiwan trennten sich, als die Kommunisten 1949 die Macht auf
dem chinesischen Festland ergriffen. Peking besteht auf eine
Wiedervereinigung und droht Taipeh für den Fall der Weigerung mit
einem Krieg. China hat direkt an der Küste zu Taiwan 500
Kurzstreckenraketen stationiert.
(Quelle: ap)
Kerry überspringt Nominierungshürde für
US-Präsidentschaftskandidatur
So.14.03.04 - Die Nominierung von John Kerry zum Präsidentschaftskandidaten der
US-Demokraten ist gesichert: Der Senator aus Massachusetts konnte nach
einer Zählung der Nachrichtenagentur AP bis zum Samstag 2.162
Delegierte hinter sich bringen - diese Zahl an Stimmen ist beim
Parteitag im Juli in Boston für die Nominierung nötig. Der
Sieg Kerrys stand indes schon vor dem Überspringen der
Zahlenhürde fest, nachdem sein Hauptkonkurrent John Edwards vor
rund einer Woche aus dem Rennen ausgestiegen war.
(Quelle: ap)
Rekorddefizit in US-Leistungsbilanz - Dollar könnte auf
längere Sicht weiter unter Druck geraten
So.14.03.04 - Die USA haben im vergangenen Jahr ein Rekorddefizit in ihrer
Leistungsbilanz von mehr als einer halben Billion Dollar verzeichnet.
Volkswirte werteten die am Freitag vom Handelsministerium vorgelegten
Daten als Hinweis darauf, dass der Dollar auf längere Sicht weiter
unter Druck geraten könnte. Das hohe Leistungsbilanzdefizit gilt
als einer der Hauptgründe für die Schwäche der
US-Währung, die 2003 zum Euro rund ein Fünftel an Wert
verloren hat. Hintergrund sind Befürchtungen, die USA könnten
mit der Finanzierung des wachsenden Fehlbetrags Schwierigkeiten
bekommen. Das Augenmerk der Devisenmärkte richtete sich am Freitag
allerdings vor allem auf die Entwicklung im vierten Quartal, in dem
sich das Defizit überraschend verringerte. Eine nennenswerte
unmittelbare Reaktion darauf zeigte der Dollar jedoch nicht. Die
US-Aktienkurse zogen an.
Der Fehlbetrag stieg 2003 auf rund 542 Milliarden Dollar von 481
Milliarden Dollar im Vorjahr, wie das US-Handelsministerium in
Washington mitteilte. Die Leistungsbilanz ist die umfassendste
Messgröße für den Handel einer Volkswirtschaft mit dem
Ausland. Sie berücksichtigt neben dem Austausch von Waren und
Dienstleistungen auch staatliche Transferleistungen wie
Entwicklungshilfe und die finanzielle Unterstützung im Ausland
lebender US-Bürger.
Da die USA weitaus mehr Waren und Dienstleistungen importieren als
exportieren, ist die weltgrößte Volkswirtschaft auf
Kapitalflüsse aus dem Ausland angewiesen. Gehen diese deutlich
zurück, könnte sich dies dämpfend auf das
Wirtschaftswachstum der Konjunkturlokomotive USA auswirken und den
Dollar zusätzlich unter Druck bringen.
Im Schlussquartal 2003 verringerte sich das Defizit in der
US-Leistungsbilanz unerwartet. Der Fehlbetrag fiel auf 127,5 Milliarden
Dollar von revidiert 135,3 Milliarden Dollar im Vorquartal. Analysten
hatten demgegenüber im Schnitt mit einem leichten Anstieg auf
136,5 Milliarden Dollar gerechnet.
"Es ist immer noch ein sehr hohes Defizit", kommentierte Volkswirt Gary
Thayer von A.G. Edwards & Sons die Daten. "Das zeigt, dass das
Verlangen der Amerikaner nach ausländischen Produkten die
Auslandsnachfrage nach amerikanischen Gütern und Dienstleistungen
immer noch deutlich übersteigt. Und das zeigt wiederum, dass wir
immer noch ungelöste Probleme haben, was den Wert des Dollar
angeht. Der Dollar dürfte für eine weitere Abwertung
anfällig bleiben."
Vor allem in Europa wird das starke Ungleichgewicht im Handels- und
Kapitalverkehr, das sich im hohen US-Leistungsbilanzdefizit
widerspiegelt, als eines der Hauptrisiken für den erhofften
weltweiten Aufschwung betrachtet. Die USA dagegen sehen in dem
Fehlbetrag keine Gefahr, weil die Bereitschaft ausländischer
Anleger, sich in Dollar-Investitionen zu engagieren, ungebrochen sei.
(Quelle: rtr)
USA wollen angeblich Atomarsenal in Europa verkleinern
So.14.03.04 - Die Vereinigten Staaten wollen angeblich ihr Atomwaffenarsenal in
Europa erheblich verkleinern. Das Hamburger Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel» meldete am Samstag vorab,
NATO-Oberbefehlshaber James Jones habe vergangene Woche von einer
«signifikanten Reduzierung» gesprochen. Der General habe
diese Bemerkung «eher beiläufig» während eines
Treffens mit belgischen Senatoren in Brüssel gemacht. Die
Bundesregierung erklärte, sie könne sich dazu nicht
äußern.
Da der General, der auch Oberkommandierender der US-Truppen in Europa
ist, Einzelheiten nicht genannt habe, bleibt laut «Spiegel»
offen, ob auch Atomstandorte in Deutschland betroffen seien. Die
Bundeswehr hält in Büchel bei Cochem an der Mosel eine
Staffel Tornado-Kampfjets für Nukleareinsätze bereit; die
Atombomben befinden sich jedoch in der Obhut der Amerikaner. Auch im
Fliegerhorst Nörvenich bei Köln und im US-Stützpunkt
Ramstein gibt es Lagerbunker für nukleare Waffen.
Nach der amerikanisch-sowjetischen Initiative zum Abbau von Atomwaffen
in Europa hatten die USA Anfang der neunziger Jahre Tausende nukleare
Minen, Artilleriegranaten, Bomben, Marschflugkörper und Raketen
abgezogen, berichtete das Magazin. Die Vorratshaltung werde von
Fachleuten auf knapp 200 atomare Fliegerbomben geschätzt.
(Quelle: ap)
Zahl der Toten nach Anschlägen in Madrid auf 200 gestiegen
Fünf Verdächtige nach Anschlägen in Madrid gefasst -
Angebliche Video-Botschaft El Kaidas zu Anschlägen entdeckt -
Norwegische Terrorismusexperten finden im Internet Hinweise auf
El-Kaida-Beteiligung an Terror in Madrid - Volkswirt:
El-Kaida-Täterschaft würde Weltwirtschaft schaden - Zeitung:
Spaniens Botschafter sollten auf ETA verweisen - Proteste gegen
spanische Regierung in mehreren Städten
So.14.03.04 - Die Zahl der Toten nach den Bombenanschlägen in Madrid hat sich
auf 200 erhöht. Ein Mann erlag im Krankenhaus seinen schweren
Verletzungen.
Am Vorabend der Parlamentswahl in Spanien haben sich die Hinweise auf
einen islamistischen Hintergrund der Terroranschläge von Madrid
verdichtet. Zwei Tage nach den Bombenanschlägen ist ein Video
aufgetaucht. Darin übernehme ein arabisch sprechender Mann im Namen
von El Kaida die Verantwortung für die Attentate, teilte
Innenminister Angel Acebes mit. Das Blutbad sei die Antwort auf
Spaniens Unterstützung für den Irak-Krieg, heiße es in
der Botschaft. Zudem werde mit neuen Anschlägen gedroht. Unklar
ist, ob die Botschaft wirklich El Kaida zugerechnet werden kann.
Acebes gab unterdessen die Festnahme von drei Marokkanern und zwei
Indern bekannt. Noch könne aber nichts ausgeschlossen werden. Der
Innenminster hatte zuvor noch die baskische Untergrundorganisation ETA
als Hauptverdächtige für die Attacken genannt.
Die Festnahmen erfolgten laut Acebes im Zusammenhang mit dem Verkauf
eines Handys, das angeblich als Zünder für eine nicht
explodierte Bombe dienen sollte. Das Telefon befand sich in einem mit
Sprengstoff präparierten Rucksack, der nach den
Terroranschlägen gefunden worden war. Zwei Spanier, die nicht
festgenommen worden seien, würden ebenfalls verhört.
Acebes schloss nicht aus, dass die Festgenommenen in Verbindung mit
einer marokkanischen Extremistengruppe stehen könnten, für
eine derartige Schlussfolgerung sei es allerdings noch zu früh. Es
handle sich jedoch um die vielversprechendste Spur.
Der private spanische Radiosender Cadena SER zitierte einen spanischen
Geheimdienstvertreter mit den Worten, zu "99 Prozent" seien bei den
Attentaten Islamisten am Werk gewesen. Vermutlich habe eine Gruppe von
zehn bis 15 Radikalen die Tat verübt, die das Land bereits wieder
verlassen habe. Ob es um das Terrornetzwerk El Kaida gehe, müsse
noch geklärt werden, weil die Organisation "mehr als hundert
andere Organisationen oder Zellen zählt, die dahinter stecken
können".
Bereits kurz nach den Anschlägen waren die Ermittler auf mehrere
Hinweise gestoßen, die auf einen möglichen
radikalislamischen Hintergrund der Attentatsserie hindeuteten. So wurde
bei Madrid ein Lieferwagen mit Zündern und einer Kassette mit
Koranversen entdeckt.
Norwegische Terrorismusexperten haben derweil im Internet ein Dokument
entdeckt, das eine Beteiligung von El Kaida an den
Bombenanschlägen in Madrid nahe legt. In dem Text, der vergangenes
Jahr auf einer arabischen Webseite veröffentlicht wurde, wird
Spanien wegen der Parlamentswahl als geeignetes Ziel für
Anschläge genannt, um die US-geführte Irakkriegskoalition zu
erschüttern.
«Wir müssen den größten Nutzen aus der Nähe
des Wahltermins in Spanien im kommenden März ziehen»,
zitierte die norwegische Tageszeitung «VG» am Samstag aus
dem Dokument. «Spanien hält maximal zwei oder drei
Anschläge aus, bevor es sich aus Irak zurückzieht.»
Thomas Hegghammer vom Norwegischen Forschungszentrum für
Verteidigung sagte der Zeitung, zunächst hätten die
Wissenschaftler vermutet, in dem 42 Seiten langen Text gehe es um
geplante Attacken gegen Koalitionsstreitkräfte in Irak.
«Aber die Hervorhebung der Wahl in Spanien lässt die Angaben
angesichts der Anschläge in Madrid in einem neuen Licht
erscheinen.» Die staatliche Forschungseinrichtung bestätigte
den Zeitungsbericht auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP.
Der anonyme Autor des Dokumentes kenne sich in der spanischen Politik
gut aus, sagte der Wissenschaftler Brynjar Lia zu «VG».
«Wir können nicht mit Sicherheit sagen, das der Text von El
Kaida stammt. Wir haben aber auch keinen Grund, an seiner Echtheit zu
zweifeln.» In dem Dokument wird davon ausgegangen, dass ein durch
Terror erzwungener Rückzug Spaniens aus der Kriegskoalition diese
zum Zusammenbruch bringen würde.
In Deutschland hat der Chefvolkswirt der Allianz , Michael Heise, vor
gravierenden Auswirkungen für die Weltwirtschaft gewarnt, falls die
Extremisten-Organisation El Kaida tatsächlich hinter den
Anschlägen von Madrid stecken sollte.
Der Zeitung "Bild am Sonntag" sagte Heise, die Unternehmen würden
dann bei Investitionen noch zurückhaltender sein. Vor allem
Verkehr und Tourismus wären negativ betroffen. "Die gerade in
Deutschland sehr schwache Aufwärtsentwicklung könnte im Keim
erstickt werden", befürchtet Heise.
Wenige Stunden nach den Anschlägen in Madrid am Donnerstag hat die
Regierung einem Zeitungsbericht zufolge die Botschafter des Landes
angewiesen, die Tat der baskischen Untergrundgruppe ETA zur Last zu
legen.
Die Frage, wer hinter den Anschlägen steht, ist von großer
Bedeutung für die Parlamentswahl am heutigen Sonntag, bei der die
konservative Regierung als Favorit gilt.
"Sie sollten jede Möglichkeit nutzen, um die Verantwortung der ETA
für diese brutalen Anschläge zu bestätigen, um dabei zu
helfen, jede Art von Zweifel zu zerstreuen, die interessierte Parteien
möglicherweise verbreiten wollen", zitierte die Zeitung "El Pais"
am Samstag aus einem Vermerk der Außenministerin Ana Palacio. Von
der Regierung gab es dazu zunächst keinen Kommentar. Sie hatte
unmittelbar nach den Anschlägen am Donnerstagmorgen, bei denen
rund 200 Menschen getötet wurden, die separatistische ETA für
die Tat verantwortlich gemacht.
Dem Blatt zufolge verschickte Palacio ihre Anweisung am
Donnerstagnachmittag. Sie verweist darin auf Aussagen des
Innenministers Angel Acebes. "Der Innenminister hat die Verantwortung
der ETA bestätigt. Dies ist durch die Art des Vorgehens ebenso
bestätigt worden wie durch andere Informationen, die aus
verständlichen Gründen bislang nicht veröffentlicht
worden sind."
Die Zeitung steht den oppositionellen Sozialisten nahe, die vor der
Wahl am Sonntag in Umfragen hinter der Volkspartei des
Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar zurückliegen.
Politischen Experten zufolge könnte eine Täterschaft der ETA
der Volkspartei Stimmen zuführen, da die Regierung einen harten
Kurs gegen die Organisation geführt hat. Sollten jedoch
Moslemextremisten wie El Kaida dahinter stehen, könnte dies als
Reaktion für die Irak-Politik Aznars betrachtet werden. Gegen den
Willen einer Mehrheit im Volke hatte sich Aznar an die Seite der USA
gestellt und den Krieg gegen den Irak unterstützt.
In mehreren spanischen Städten ist es am Samstagabend zu Protesten
gegen die Regierung des noch amtierenden Ministerpräsidenten Jose
Maria Aznar gekommen. Die Demonstranten warfen ihr vor, nicht die
Wahrheit über den Stand der Ermittlungen nach den
Terroranschlägen von Madrid zu sagen. In Madrid versammelten sich
rund 5.000 Menschen vor der Zentrale der konservativen Volkspartei. In
Barcelona zogen rund 1.000 Demonstranten durch die Straßen. 8.000
waren es in der baskischen Stadt Bilbao. Proteste wurden auch aus
weiteren Städten gemeldet.
Hinter den Protesten steht die Befürchtung, dass die Regierung aus
politischen Gründen verschweigen könnte, dass Islamisten die
Täter seien können. Damit würde auch wieder die
höchst unpopuläre Entscheidung von Aznar, den Irak-Krieg der
USA zu unterstützen, zum Thema der Wahl. Muslimische Extremisten
hatten danach mit Vergeltung gedroht. Auf Transparenten in Madrid
hieß es: «Aznar, wegen dir müssen wir alle dafür
bezahlen» oder «Bush und Aznar tragen die Schuld».
(Quellen: dpa, afp, ap, rtr)
Terroranschläge in Madrid - Die Frage der Täterschaft hat
sich in der spanischen Innenpolitik schnell zu einem Streitpunkt
entwickelt
Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrum für
Transatlantische Sicherheit, äußert sich in einem
Telepolis-Gespräch (14.03.04) zu den politischen Auswirkungen der
Terroranschläge in Madrid und das Dilemma der Regierung von
José Maria Aznar:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16956/1.html
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Griechische Marine rettet 54 Flüchtlinge
So.14.03.04 - Die griechische Marine hat in der Nacht zum Samstag 54 Flüchtlinge
gerettet. Die dem Nahen Osten stammenden Menschen waren an Bord eines
Kleinfrachters nahe der griechischen Insel Kreta in Seenot geraten. Die
Behörden seien per Mobiltelefon von einem der Flüchtlinge
alarmiert worden, berichtete der griechische Rundfunk.
(Quelle: dpa)
Flucht in die Europäische Union - Die neuen Grenzen des Asyls
Am 17. Februar hat das niederländische Parlament mit großer
Mehrheit die Entscheidung bestätigt, 26 000 Ausländer, deren
Nationalität mangels Ausweisen nicht zu ermitteln ist, auszuweisen
- auch in so gefährliche Gebiete wie Tschetschenien, Afghanistan
oder Somalia. Allenthalben in Europa stellen die Regierungen das
Asylrecht in Frage und versuchen, gegenüber den
Ursprungsländern und so genannten Drittländern eine Art
"Rücknahmepflicht" durchzusetzen. Inzwischen scheint alles
möglich: Flüchtlingscamps in Afrika, die im Auftrag der EU
betrieben werden, und Asylbewerberzentren, die auf Plattformen vor der
Küste ausgesuchter Länder eingerichtet werden. Die
Gründe liegen auf der Hand: Immer mehr Menschen drängen aus
ärmeren Ländern in die reichere Welt, die alarmistisch
reagiert und allüberall Missbrauch und Betrug wittert.
An den Grenzen Europas wird kaum mehr zwischen Flüchtlingen und
Migranten unterschieden. Flüchtlinge - also Menschen, die aus
politischen Gründen ihr Land verlassen - werden behandelt wie
Migranten, also Menschen, die ihrem Land wegen der wirtschaftlichen
Lage den Rücken kehren. Da die Staaten dazu neigen, sich immer
ängstlicher und hysterischer vor ungewollten Einwanderern zu
schützen, wächst die Gefahr, dass das Asylrecht Stück
für Stück auf dem Altar der selektiven Einwanderungskontrolle
geopfert wird. Dabei ist das Recht auf Asyl durch die Genfer Konvention
von 1951 verbrieft, während die Regelung genereller
Einwanderungsfragen im freien Ermessen der Regierungen liegt.
Hintergrund der jüngsten Entwicklung ist der erklärte Wille
der EU-Länder, das Recht auf Asyl für das eigene Territorium
in Frage zu stellen, um das Asylrecht insgesamt aus den Angeln heben zu
können.
Die wachsende Ungleichheit zwischen den Ländern in puncto
Wohlstand, Demokratie und öffentlicher Sicherheit schürt in
Europa die Angst vor einem unkontrollierten "Ausländerzustrom".
Neueren Datums ist die Einsicht, manchmal auch nur die Behauptung, dass
die politischen Bemühungen zur Integration der Migranten
gescheitert sind.
Diese "Belagerungsängste"( )veranlassen( )die Regierenden, alle
legalen Zuwanderungsmöglichkeiten für Menschen versperren zu
wollen, die aus unerträglichen Lebensumständen zu fliehen
versuchen. Viele der als "Asylschmarotzer" Titulierten setzen ihr Leben
aufs Spiel, um nach Europa zu gelangen, womit sie die Vorstellung von
der kaum zu kontrollierenden "Ausländerschwemme" unabsichtlich
bestätigen. Vor diesem Hintergrund fallen die
ausländerfeindlichen Wahlkampfparolen auf fruchtbaren Boden: Jeder
Ausländer, ob Flüchtling oder nicht, sei eine Gefahr, und es
wäre nachgerade hirnverbrannt, ihn hereinlassen zu wollen...
Aus: Alain Morice - "Flucht in die Europäische Union", Le Monde
diplomatique Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 1,16-17:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0007.nf/text
Alain Morice: Anthropologe, Forschungseinheit "Migration und
Gesellschaft" (Urmis) am Forschungszentrum CNRS, Paris.
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Deutschland
Union dringt auf verschärfte Abschieberegelungen im
Zuwanderungsgesetz - Stoiber: Sofortige Ausweisung bei
Terrorismusverdacht
So.14.03.04 - Die Sicherheitsbelange rücken im Streit um das Zuwanderungsgesetz
immer stärker in den Vordergrund. Die Union will eine Abschiebung
von Ausländern schon bei Verdacht auf terroristische
Betätigung oder Unterstützung solcher Bestrebungen unbedingt
durchsetzen. Die FDP stellte sich am Samstag grundsätzlich hinter
solche Forderungen, will dies aber möglicherweise in einem eigenen
Gesetz regeln.
Für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund
Stoiber gehört beides zusammen. Vor dem Hintergrund der
Terroranschläge in Madrid sei es geradezu «unverzichtbar, in
einem Zuwanderungskompromiss auch die wichtigsten Sicherheitsfragen in
Bezug auf gefährliche Ausländer zu klären»,
betonte er: «Wir fordern sofortige Ausweisung bei
Terrorismusverdacht und bei politischen Extremisten.» Wenn es um
die Sicherheitsinteressen gehe, müsse der Staat handeln
können, «auch ohne vorherige Verurteilung von
Verdächtigen».
Die Grünen warnten hingegen davor, die Terroranschläge in
Madrid politisch instrumentalisieren zu wollen. Aus den bisherigen
Erkenntnissen ergebe sich keine Notwendigkeit zur Änderung der
Gesetzgebung und der Sicherheitsstrategien zur Verhinderung von
Terroranschlägen, sagte der Parlamentarische
Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck. Schon
nach heutigem Recht könnten Personen abgeschoben werden, die
nachweislich mit Terrorismus zu tun hätten.
Die von der Union aufgeworfenen Sicherheitsfragen in Zusammenhang mit
dem Ausländerrecht sollten außerhalb des
Zuwanderungsgesetzes erörtert und nicht durch ein Junktim
miteinander verknüpft werden, sagte Beck. Dies wäre nach
Ansicht des FDP-Unterhändlers Max Stadler sinnvoll.
«Möglicherweise empfiehlt es sich auch, solche
rechtsstaatlich schwierigen Fragen in einem eigenen
Gesetzgebungsverfahren zu behandeln und nicht im Vermittlungsausschuss
zum Zuwanderungsgesetz», sagte er.
Für Beck spielt auch die Zeitfrage eine Rolle. Wenn der
Vermittlungsausschuss das Zuwanderungsgesetz bis 31. März fertig
stellen wolle, könne dieses Thema nicht mehr aufgenommen werden.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
hatte jedoch nach der jüngsten Vermittlungsrunde vom Freitag klar
gestellt, dass ohne eine Lösung solcher Fragen die Union keinen
Kompromiss zur Zuwanderung mittragen werden. Insofern sei alles noch
«offen».
(Quelle: ddp)
Eichel macht sich Sorgen um Binnennachfrage in Deutschland
So.14.03.04 - Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat sich besorgt über die
Binnennachfrage in Deutschland gezeigt.
"Im Moment läuft der Export trotz des starken Euro gut", sagte
Eichel in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sorge macht mir die
Binnennachfrage. Das ist vor allem eine Frage der Stimmung im Lande."
Weiter sagte er: "Die Psychologie kann ein Wachstumshemmnis sein, und
sie kann ein Wachstumsmotor sein. In Deutschland ist die Gefahr
groß, dass sie ein schweres Wachstumshemmnis bleibt."
Eichel sagte zudem, die Regierung werde das Tempo ihrer Reformen nicht
drosseln. "Allerdings werden wir nicht wieder so viel auf einmal machen
wie im letzten Jahr. Die Menge der Veränderungen war 2003 unser
Problem. Das hat die Bevölkerung teilweise verunsichert. Daran
tragen wir heute noch."
Der Reformkurs von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) war in den
vergangenen Monaten wiederholt auch aus der eigenen Partei als sozial
unausgewogen kritisiert worden. Daraufhin war spekuliert worden, die
Partei könnte das Reformtempo drosseln.
(Quelle: rtr)
SPD entschärft offenbar Pläne zur Bürgerversicherung -
«Spiegel»: Freibetrag von 1.500 Euro soll kleine und
mittlere Einkommen schonen
So.14.03.04 - Die SPD will offenbar wegen innerparteilichen Widerstands gegen die
Gesundheitsreform ihre Pläne für die Bürgerversicherung
entschärfen. Dies geht nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins
«Der Spiegel» aus einem Modell hervor, das eine von der
Parteispitze eingesetzte Arbeitsgruppe entwickelte. Der Plan sehe vor,
dass neben Löhnen und Gehältern künftig auch Zinsen,
Mieteinnahmen und Aktiengewinne mit einem eigenen Krankenkassenbeitrag
belegt werden sollten.
Dies soll den Angaben zufolge allerdings nur gelten, sofern die
Kapitaleinkünfte 1.500 Euro im Monat überstiegen. Mit diesem
Freibetrag wolle die SPD verhindern, dass Klein- und Normalsparer
belastet würden, meldete der «Spiegel». Auch kleinere
Betriebsrenten und Direktversicherungen, für die Versicherte seit
Jahresbeginn den vollen Beitragssatz zahlen müssten, würden
dem Modell zufolge von der Berechnung ausgenommen.
Deutlich mehr als bislang müssten dagegen Versicherte mit
größeren Vermögen zahlen. Ihre Kapitaleinkünfte
sollten bis zu einer Summe von 4.000 Euro mit Kassenbeiträgen
belegt werden. Der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach,
der das Konzept für die SPD-Arbeitsgruppe berechnet habe,
kalkuliere mit zusätzlichen Einnahmen von etwa 20 Milliarden Euro.
Das Geld sollten die Krankenkassen nutzen, den Beitragssatz auf
Löhne und Gehälter von derzeit gut 14 Prozent auf unter
zwölf Prozent zu drücken.
Die Einführung der geplanten elektronischen Gesundheitskarte soll
nach einem «Focus»-Bericht Gesamtkosten von 1,3 bis 1,5
Milliarden Euro verursachen. Das Magazin berichtete, die entsprechenden
Ergebnisse einer neuen Machbarkeitsstudie im Auftrag der
Spitzenverbände der Krankenkassen würden offiziell kommende
Woche vorgelegt. Die Investition solle sich innerhalb kurzer Zeit
bezahlt machen. Bereits jetzt müssten die Kassen für die
Speicherung und Kontrolle von Rezepten jedes Jahr etwa 500 Millionen
Euro ausgeben. Die Ausgabe der Karte an die 72 Millionen gesetzlich
Krankenversicherten soll im Jahr 2006 beginnen.
(Quelle: ap)
Hunderttausende Rentner sollen vor Steuernachzahlungen bewahrt werden
So.14.03.04 - Die Bundesregierung will Hunderttausende Rentner vor
Steuernachzahlungen bewahren. Nach Einschätzung der Deutschen
Steuer-Gewerkschaft wären 300.000 bis 400.000 Rentner kommendes
Jahr betroffen, wie der Vorsitzende Dieter Ondracek dem
«Focus» sagte. «Das Problem ist uns bekannt. Deshalb
prüfen wir den Erlass einer Steueramnestie», erklärte
eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums am Samstag.
Grund für die nachträglichen Forderungen der Finanzämter
ist die Rentenreform, mit der die umfassende steuerliche Erfassung der
Altersbezüge ab 2005 beginnt. Deshalb würden kommendes Jahr
dem Fiskus neben 1,3 Millionen neu steuerpflichtigen Rentnern auch
viele Ruheständler bekannt, die heute trotz hoher
Gesamteinkünfte keine Steuern zahlten, berichtete Ondracek.
«Wir müssen in diesen Fällen Steuern für die
letzten zehn Jahre nachfordern. Da bekommt mancher einen
Riesenschreck.»
Künftig müssen gesetzliche und private Rentenversicherer ihre
Auszahlungen die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA)
melden, wo sie zentral erfasst werden. Dadurch werden mit Sicherheit
zahlreiche Rentner bekannt, die wegen ihres hohen Einkommens eigentlich
schon heute Steuer abführen müssten, aber dies nicht tun,
vielfach auch aus Unwissenheit. Ondracek forderte eine Steueramnestie
für Rentner. «Der Gesetzgeber muss klarstellen, dass wir
Bagatellfälle mit weniger als 5.000 Euro Steuerpflicht pro Jahr
nicht rückwirkend verfolgen müssen», sagte er laut
«Focus».
(Quelle: ap)
Erfurt: Bundeskongress der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer
Designierter SPD-Vorsitzender wirbt für engen Schulterschluss
zwischen seiner Partei und Gewerkschaften - Müntefering: Soziale Gerechtigkeit
auf hohem Niveau sichern
- Sozialdemokrat Klaus Schüller aus Thüringen: Agenda 2010
ist «Kriegserklärung an die Opfer der Krise» - DGB-Chef nennt
Unions-Reformpläne «asozial»
So.14.03.04 - Der designierte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat die
Entschlossenheit seiner Partei zur Umsetzung der «Agenda
2010» bekräftigt. Es sei Ziel der SPD, soziale Gerechtigkeit
auf hohem Niveau zu sichern, sagte Müntefering am Samstag auf dem
Bundeskongress der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer (AfA)
in Erfurt. Allerdings müsse eine politische Debatte darüber
geführt werden, wie das gelingen könne. Zuvor hatte DGB-Chef
Michael Sommer die Bundesregierung zu einem Kurswechsel aufgefordert
und in scharfen Worten die Union angegriffen.
Müntefering warb in Erfurt für einen engen Schulterschluss
zwischen SPD und Gewerkschaften. Dies sei aber eine Angelegenheit
beider Seiten. Bestrebungen nach Gründung einer neuen Linkspartei
erteilte Müntefering eine klare Absage. Er sei sicher, dass eine
solche Neugründung keinen Erfolg haben werde. «Wer da
mitmacht, scheidet automatisch aus der SPD aus», fügte er
hinzu.
In der Debatte kritisierten Redner die «Agenda 2010» von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) scharf. So bezeichnete der
Thüringer Sozialdemokrat Klaus Schüller die Agenda als
«Kriegserklärung an die Opfer der Krise». Er wolle
keine andere Regierung, sondern eine andere Politik. Das «Weiter
so» werde die SPD in Thüringen den Wahlsieg kosten. Der
Delegierte Klaus-Dieter Woll warf Müntefering und dem
SPD-Bundesvorstand vor, viel zu weit von den Menschen entfernt zu sein.
Manchmal habe er das Gefühl, er sei Mitglied der falschen Partei.
«Wir wollen aber keine andere Partei, wir wollen unsere SPD
wiederhaben», sagte Woll.
DGB-Chef Sommer verlangte von der Bundesregierung einen Politikwechsel.
«Dieses Land muss umsteuern. Wir brauchen sozial gerechte
Reformen für mehr Beschäftigung und mehr Wachstum»,
sagte er. Die mit der »Agenda 2010" angestoßene
«Deformation» habe «wenig mit Solidarität und
noch weniger mit Gerechtigkeit zu tun, schon gar nicht mit sozialer
Gerechtigkeit».
In scharfen Worten griff Sommer die Union an. Deren Reformpläne
seien «asozial». Zugleich warnte der Gewerkschafter die
Bundesregierung und die rot-grüne Koalition, bei weiteren
Reformvorhaben der Opposition nachzugeben. Die in der vergangenen Woche
vorgelegten Unions-Pläne seien «eine Kampfansage an die
Pfeiler des Sozialstaates», ein «Anschlag auf die soziale
Demokratie in Deutschland» und der Abschied von der sozialen
Marktwirtschaft. «Merkel 2010 entpuppt sich als Agenda 1890, ich
weiß nur nicht ob vor oder nach Aufhebung der
Sozialistengesetze» sagte Sommer weiter.
Die rund 300 Delegierten bestätigten am Samstag den bisherigen
Bundesvorsitzenden Ottmar Schreiner mit großer Mehrheit in seinem
Amt. Schreiner, der die AfA seit März 2000 führt, erhielt 293
von 313 abgegebenen Stimmen (93,6 Prozent).
(Quelle: ddp)
Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA):
http://afa.spd.de/
Ein Jahr 'Agenda 2010' - Wichtige Änderungen im Überblick
Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am 14. März 2003
vorgestellte «Agenda 2010» ist ein umfassendes Programm zur
Reform des Arbeitsmarktes, zum Umbau der Sozialsysteme und für
mehr Wirtschaftswachstum. Zur Agenda gehören Einschränkungen
beim Arbeitslosengeld, eine Lockerung des Kündigungsschutzes,
Einschnitte im Gesundheitswesen und ein späteres
Renteneintrittsalter. Zu dem Reformpaket zählen aber auch die
Schaffung von Ich-AGs und Minijobs, Steuersenkungen, eine Erneuerung
des Handwerksrechtes oder eine verstärkte Förderung des
Mittelstandes.
Weite Teile der Reformen wurden am 19. Dezember 2003 von Bundestag und
Bundesrat beschlossen und traten zum 1. Januar 2004 in Kraft. Durch die
Steuerentlastungen in Höhe von 15 Milliarden Euro erhofft sich die
Bundesregierung einen kräftigen Konjunkturimpuls. So sanken zu
Jahresbeginn der Spitzensteuersatz von 48,5 auf 45 Prozent sowie der
Eingangssteuersatz von 19,9 auf 16 Prozent.
Mit der Neuordnung des Handwerksrechtes wurde der Meisterzwang in 53
von 94 Handwerksberufen abgeschafft. Nach der früher gültigen
Handwerksordnung war der Meisterbrief die Voraussetzung für die
Gründung oder Übernahme eines Handwerksbetriebes. Diese
Regelung gilt nur noch für gefahrgeneigte und ausbildungsintensive
Bereiche. Auch das Inhaberprinzip, wonach der Besitzer eines
Handwerksbetriebes selbst Meister sein muss, ist gefallen. Dadurch
sollen Existenzgründungen erleichtert und Arbeitsplätze
gesichert werden.
Zur Flexibilierung des Arbeitsmarktes gehört das neue
Kündigungsschutzrecht mit seiner eingeschränkten
Sozialauswahl. Zudem greift es jetzt erst in Unternehmen mit zehn und
mehr Beschäftigten, allerdings nur für
Beschäftigungsverhältnisse ab dem 1. Januar 2004.
Existenzgründer erhalten die Möglichkeit, befristete
Arbeitsverträge ohne zusätzlichen Befristungsgrund bis zur
Dauer von vier Jahren abzuschließen.
Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wurde auf zwölf Monate
begrenzt. Nur Arbeitslose, die älter als 55 Jahre sind, haben ein
Anrecht auf den Bezug von bis zu 18 Monaten. Das neue Arbeitslosengeld
II wird zum 1. Januar 2005 eingeführt. Damit wird das
Nebeneinander von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe beendet und die
staatlichen Beihilfen auf das Niveau der Sozialhilfe abgesenkt.
Zum 1. Januar 2004 trat das «Gesetz zur Modernisierung der
Gesetzlichen Krankenversicherung» in Kraft, das höhere
Eigenleistungen der Versicherten vorsieht und vor allem durch die zehn
Euro Praxisgebühr pro Quartal umstritten ist. Ziel ist es, die
Kassen allein in diesem Jahr um zehn Milliarden Euro zu entlasten und
damit die Beiträge stabil zu halten.
Zum Jahreswechsel wurde auch der Umbau der Arbeitsämter zu
modernen Dienstleistungsbetrieben eingeleitet. Die Vermittlung und
Betreuung von Arbeitslosen findet nun in so genannten Job-Centern
statt, die doppelte Zuständigkeit von Arbeits- und
Sozialämtern ist aufgehoben. Zudem werden flächendeckend
Personal-Service-Agenturen (PSA) eingerichtet, um Arbeitslose
zügig in in Zeitarbeit zu vermitteln.
Quelle: ddp, 13.03.04
Blick ins Archiv:
Die sog. 'Reformrede' des Kanzlers vom 14.03.03
Das ganze sozialpolitische Gemetzel in seinem "Projekt 2010" sei nötig,
befand der Kanzler, weil Deutschland mit "einer Wachstumsschwäche zu kämpfen"
habe, die auch "strukturelle" Ursachen hat... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303150.htm#030315_o
Zahl der Armen wird wegen Agenda 2010 steigen
Sa.10.05.03 - Die Zahl der Armen in Deutschland könnte in Folge der rot-grünen
Sozialreformen nach Ansicht von Experten drastisch steigen. Sollte die Agenda
2010 "mit ihrer sozialen Schieflage" Wirklichkeit werden, gebe es statt bisher acht
künftig 15 Millionen Menschen, die als arm angesehen werden müssten, sagte der
Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Paul Saatkamp der Chemitzer "Freien
Presse" (Samstagausgabe). Es gehöre zum Prinzip der Reformpläne, "die sozial
Schwachen zu belasten, um die Reichen zu entlasten"... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305100.htm#03051008
Agenda 2010:
http://www.agenda2010.de/
Nationale Armutskonferenz
Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der
Freien Wohlfahrtspflege, bundesweit tätiger Fachverbände und Selbsthilfeorganisationen und
des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Konferenz gründete sich im Herbst 1991 als
deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerkes... Mehr unter::
http://www.nationale-armutskonferenz.de/
Ein Jahr 'Agenda 2010' - Umsetzung als 'mangelhaft' bewertet
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#04031317
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SPD-Arbeitnehmerflügel warnt vor Linkspartei-Gründung -
Müntefering droht Initiatoren von neuer Linkspartei mit Ausschluss
So.14.03.04 - Der Arbeitnehmerflügel der SPD erteilt Plänen zur
Gründung einer neuen Linkspartei eine klare Absage. In einer am
Samstag auf dem Bundeskongress der SPD-Arbeitsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen (AfA) angenommen Entschließung forderten die
Delegierten die SPD-Mitglieder auf, «alle Möglichkeiten zu
nutzen, um die Gründung zu verhindern».
Spaltung diene nicht Arbeitnehmern oder Gewerkschaftern, sondern nur
Unternehmern und konservativen sowie wirtschaftsliberalen Parteien,
heißt es in dem Antrag. Die SPD sei indes die Partei, die
über 140 Jahre die Interessen der Arbeitnehmer vertreten habe und
auch in Zukunft vertreten werde.
Die SPD-Führung hat angesichts der möglichen Gründung
einer neuen Linkspartei Abweichlern aus den eigenen Reihen mit
Parteiausschluss gedroht. Wer sich an den Bestrebungen beteilige,
scheide «automatisch aus der SPD aus», warnte der
designierte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering am Samstag vor rund
300 Delegierten der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen
(AfA) in Erfurt. Der scheidende Generalsekretär Olaf Scholz
forderte alle Parteiebenen zu Wachsamkeit auf.
Müntefering sagte auf dem Kongress des Arbeitnehmerflügels
der SPD, er hoffe, dass es nur um einen «schlimmen
Ausrutscher» gehe. Wenn die Bestrebungen aber auf eine
populistische Vereinigung hinausliefen, die auf das ziele, was Menschen
sich so wünschen könnten, ohne hinzusehen, was möglich
und nötig sei, dann wäre das verantwortungslos.
Auch der scheidende Generalsekretär Scholz drohte in einem vom
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zitierten und auf den 11.
März datierten Schreiben, wer sich an den Aktivitäten
beteilige, schließe sich selbst aus der SPD aus. Scholz rief die
Kreis-, Bezirks- und Landesfunktionäre auf, Abweichler zu melden.
Zu den Parteibildungsbestrebungen zählen dem Brief zufolge auch
«Aktivitäten einer Initiative Arbeit & soziale
Gerechtigkeit, die zur nächsten Bundestagswahl antreten will und
SPD-Mitglieder zum Parteiaustritt auffordert».
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische
Ministerpräsident Kurt Beck sagte auf einem Landesparteitag in
Mainz, eine neue Linkspartei könne vielleicht für ein oder
zwei Wahlen einen Erfolg der SPD verhindern, werde aber auf die
politischen Inhalte keinen Einfluss ausüben. Der stellvertretende
Vorsitzende des SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, nannte die
Abspaltungstendenzen «beunruhigend» und befürchtet
«eine Art Schill-Partei von links», die für ganz
Deutschland eine Herausforderung darstellen würde.
Die von Scholz erwähnte Gruppierung nennt sich nach einem Bericht
der «Bild»-Zeitung «Arbeit, Gerechtigkeit und Frieden
- die soziale Alternative» und rekrutiert sich vor allem aus
enttäuschten Gewerkschaftern, denen die Sozialkürzungen der
Bundesregierung zu weit gehen. Es kursiere unter Mitgliedern von ver.di
und IG Metall bereits ein Strategiepapier mit dem Titel «Für
eine wahlpolitische Alternative 2006». Die Verfasser rechneten
mit einem bundesweiten Wählerpotenzial von 20 Prozent.
Zu den Initiatoren der «Sozialen Alternative» zählen
nach Informationen der Tageszeitung «Die Welt» auch hohe
Funktionäre der IG Metall. Die Zeitung weist aber
ausdrücklich darauf hin, dass die Gruppierung nicht identisch mit
einem losen Bündnis von Intellektuellen aus Gewerkschaften, PDS,
SPD und Grünen sei, die ebenfalls über die Gründung
einer neuen Partei nachdächten.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters und der Vorsitzende der IG Bergbau,
Chemie, Energie (BCE), Hubertus Schmoldt, sprachen sich
nachdrücklich gegen eine neue Partei aus. Der PDS-Vorsitzende
Lothar Bisky bot den Initiatoren indessen in der «Berliner
Zeitung» an, mit der PDS zusammenzuarbeiten.
(Quelle: ddp, ap)
IG Metall will gegen Siemens-Verlagerungspläne kämpfen
So.14.03.04 - Die IG Metall hat massiven Widerstand gegen die drohende Verlagerung
mehrerer tausend Siemens-Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen
angedroht und eine Bestandsgarantie für die betroffenen Werke
gefordert.
Auch die rot-grüne Landesregierung sprach sich am Freitag
dafür aus, nichts unversucht zu lassen, um die Arbeitsplätze
zu retten.
"Mit allen Mitteln will die IG Metall um den Erhalt von 2000
Arbeitsplätzen bei Siemens in Bocholt und Kamp-Lintfort
kämpfen", teilte die Gewerkschaft in Düsseldorf mit.
Bezirkschef Peter Gasse ergänzte: "So kann Siemens nicht mit den
Menschen, ihren Familien und ganzen Regionen umgehen." Die IG Metall
fordere ein wirtschaftlich tragfähiges und sozial vertretbares
Konzept zur langfristigen Arbeitsplatzsicherung.
In den Konflikt hat sich mittlerweile auch der
nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister und SPD-Landeschef
Harald Schartau eingeschaltet. "Es gibt Gespräche mit dem Vorstand
des Unternehmens in München", erklärte er. "Wir gehen davon
aus, dass vor einer Verlagerungsentscheidung alle Möglichkeiten
ausgeschöpft werden, die Arbeitsplätze hier am Standort zu
erhalten."
Siemens hatte am Vortag erklärt, um international
wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten die Kosten in den beiden
Werken, die schnurlose Telefone und Handys produzieren, gesenkt werden.
"Wir glauben, dass das möglich ist", hatte es in einem Schreiben
der Betriebsleitung, das Reuters vorliegt, geheißen. "Allerdings
droht bei einem Scheitern der Gespräche der Verlust von
Arbeitsplätzen in Deutschland."
Derzeit liegen Siemens zufolge bei beiden Standorten alleine die
Personalkosten mehr als 30 Prozent über Weltmarktniveau. Die IG
Metall hatte am Vormittag noch von bis zu 3000 gefährdeten Stellen
gesprochen. Nach Konzernangaben arbeiten in Bocholt und Kamp-Lintfort
etwa 4500 Menschen.
Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen werden Standorte in Ungarn und
anderen osteuropäischen Ländern sowie Asien für eine
Verlagerung erwogen. Ein Siemens-Sprecher hatte am Donnerstag gesagt,
es gebe keine konkreten Pläne. Der Konzern sei
gesprächsbereit: "Es gibt ein klares Bekenntnis, dass wir für
Vorschläge offen sind und eine einvernehmliche Lösung
anstreben."
Insgesamt beschäftigt Siemens in Deutschland nach früheren
Angaben rund 170.000 Menschen, was etwa 40 Prozent der gesamten
Belegschaft entspricht. Allerdings erlösen die Münchener im
Inland nur noch gut ein Fünftel ihres Geschäfts, weshalb
Konzernchef Heinrich von Pierer bereits die Verlagerung von Stellen ins
Ausland angekündigt hat. Erst kürzlich hatte der
Vorstandschef angesichts der Höhe von Steuern und Abgaben in
Deutschland sowie der unflexiblen Arbeitszeitregelungen zudem mit dem
Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag gedroht.
(Quelle: rtr)
Peters kritisiert erneut Höhe der Vorstandsgehälter
So.14.03.04 - Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat erneut die Höhe
der Vorstandsgehälter in Deutschland kritisiert. Der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte Peters, die
elf Millionen Euro, die Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Jahr
kassiere, seien «mit absoluter Sicherheit zu hoch». Selbst
bei drei Millionen Euro habe er Schwierigkeiten, sagte der
Gewerkschaftschef.
In dem selben Interview setzte sich Peter dafür ein, feindliche
Übernahmen von Firmen durch andere Unternehmen gesetzlich zu
erschweren. Vor allem dürfe die Entscheidung über eine
feindliche Übernahme nicht allein den Eigentümern, also den
Aktionären, überlassen bleiben. Stattdessen müssten auch
die Belegschaft und das Management ein Mitbestimmungsrecht haben. Als
Modell nannte Peters das VW-Gesetz, welches dem Land Niedersachsen ein
Veto-Recht bei Übernahmeversuchen zugestehe.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
60 Prozent mehr Gehalt für Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Mi.10.03.04 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat im vergangenen Jahr fast 60
Prozent mehr verdient als 2002: Nach Angaben aus Frankfurter
Bankenkreisen kletterten die Bezüge für 2003 auf elf
Millionen Euro, 3,1 Millionen mehr als im Vorjahr... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403100.htm#040310_h
Hundt will Arbeitslosengeldzahlung für über 55-Jährige
verkürzen
So.14.03.04 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt fordert von der Bundesregierung
weitere Maßnahmen, um ältere Menschen länger am
Erwerbsleben teilhaben zu lassen. So müsse nicht nur die
Möglichkeit, ältere Arbeitnehmer für einen befristeten
Zeitraum einstellen zu können, ausgeweitet werden, sagte Hundt der
«Welt am Sonntag». Um den Anreiz zur Arbeitsaufnahme zu
erhöhen, sollte auch die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld für
über 55-Jährige auf maximal zwölf Monate begrenzt werden.
Den Neuregelungen zufolge können Arbeitnehmer, die das 55.
Lebensjahr vollendet haben, Arbeitslosengeld bis zu einer Dauer von 18
Monaten beanspruchen. Durch eine Übergangsregelung gilt dies ab
dem 1. Februar 2006. Wenn innerhalb dieses Übergangszeitraumes ein
Arbeitgeber über 54-jährige entlässt, ist er
verpflichtet, das Arbeitslosengeld ans Arbeitsamt zurückzuzahlen.
Auch nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, ist die Politik erneut
gefordert. Viel zu lange sei versucht worden, die Probleme auf dem
Arbeitsmarkt durch Frühverrentung zu lösen, «und die
Unternehmen haben das begierig aufgenommen». Zugleich sprach sich
der Ökonom für eine Bezahlung nach Leistung und nicht nach
dem Alter aus.
(Quelle: ddp)
2.000 Menschen demonstrierten in Bochum gegen Rechtsextremismus -
Demonstration in Berlin gegen NPD-Zentrale
So.14.03.04 - Rund 2.000 Menschen haben am Samstag in Bochum gegen Rechtsextremismus
und für den Neubau einer Synagoge demonstriert. Anlass für
die Kundgebungen war ein von der NPD angekündigter Aufmarsch, der
aber am Freitag vom Bundesverfassungsgericht verboten worden war.
Während der Demonstrationen kam es zu kleineren
Zwischenfällen. Unter anderem nahm die Polizei eigenen Angaben
zufolge vier Rechtsextreme in Gewahrsam, die sich unter die
Demonstranten gemischt hatten.
Am Vormittag zogen laut Polizei rund 1.500 Menschen durch die Bochumer
Innenstadt, die Veranstalter schätzten die Zahl auf 2.000. Vor
allem zahlreiche Jugendliche folgten dem Aufruf von rund 60
Gruppierungen und demonstrierten unter dem Motto «Wiederaufbau
der Synagoge unterstützen, Neonazi-Aufmarsch verhindern».
Auf einer Kundgebung mit rund 300 Menschen am Bauplatz der neuen
Synagoge warb Bochums Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber
(SPD) für den Bau des Gotteshauses und sagte, mit der
Demonstration solle ein Signal für Toleranz gesetzt werden. Auch
Bundestagsvizepräsident Norbert Lammers (CDU) setzte sich in einer
Ansprache für die Synagoge ein.
Bei der Demonstration am Vormittag kam es zu kleineren
Zwischenfällen, wie die Polizei berichtete. Unter anderem warfen
zwei jugendliche Demonstranten Eier und einen Knallkörper auf
Polizisten. Mehrere andere Demonstranten verhinderten einen Abtransport
der zwei mutmaßlichen Eierwerfer zunächst, indem sie den
Polizeiwagen einkreisten.
Rund 400 bis 500 überwiegend jugendliche Demonstranten haben am
Samstag in Berlin gegen die NPD-Bundeszentrale in Köpenick
demonstriert. Aufgerufen hatten mehrere linksgerichtete Gruppen und
Antifa-Gruppierungen. Unter dem Motto «Weg mit der NPD-Zentrale
und dem Abschiebeknast» hatte der Aufzug am Nachmittag am
S-Bahnhof Köpenick begonnen. Die Polizei sprach von einem
«friedlichen Verlauf», es habe lediglich eine Festnahme
wegen Vermummung gegeben. Die Protestveranstaltung sollte am
frühen Samstagabend am Gebäude des Abschiebegewahrsams in
Grünau enden.
(Quellen: ap, ddp)
125. Geburtstag von Albert Einstein
Mit Relativitätstheorie
begann Zeitalter der neuen Physik
So.14.03.04 - Albert Einstein würde am heutigen Sonntag 125 Jahre alt, Grund
für einen Festakt mit Bundespräsident Johannes Rau in Ulm.
Einstein gilt als größter deutsche Naturwissenschaftler
aller Zeiten und laut TIME als größte Persönlichkeit
des 20. Jahrhunderts. Bekannt ist der Wissenschaftler vielen durch
seine 'rausgestreckte Zunge, gewürdigt aber wird er für eine
der größten Denkleistungen des 20. Jahrhunderts: die
Relativitätstheorie. Mit ihr revolutionierte der in Ulm geborene
Wissenschaftler das Verständnis von Raum und Zeit....
Mehr bei heise-online (14.03.04) unter:
ttp://www.heise.de/newsticker/meldung/45520
Albert Einstein im Internet:
http://www.einstein-website.de
http://www.albert-einstein.org
http://foia.fbi.gov/einstein.htm
http://www.einstein.ulm.de
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
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Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html