Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Regierung startet Offensive zur Verteidigung des Irak-Kriegs -
Powell: An Informationen über Massenvernichtungswaffen war nichts
frisiert. Angehörige von getöteten US-Soldaten demonstrieren
gegen Irak-Krieg
Mo.15.03.04 - Knapp ein Jahr nach Beginn des Irak-Kriegs am 20. März hat die
US-Regierung mit einer Medienoffensive zur Verteidigung der Invasion
begonnen. Außenminister Colin Powell, die nationale
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Pentagonchef Donald Rumsfeld
sagten in Talkshows, die Welt sei ohne Saddam Hussein sicherer.
Den mehr als 560 getöteten US-Soldaten stünden über 25
Millionen Iraker gegenüber, die vom Regime Saddam Husseins befreit
seien, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Sonntag
(Ortszeit) im Fernsehsender CNN. Und noch immer könnten in Irak
Massenvernichtungswaffen gefunden werden. Mit deren Existenz hatte
US-Präsident George W. Bush den Krieg in erster Linie
begründet, bislang wurden jedoch keine entdeckt.
1.200 Inspektoren seien weiterhin an der Suche nach solchen Waffen im
Einsatz, sagte Rumsfeld. Und selbst wenn keine gefunden werden sollten,
"sind wir mit den besten Informationen die wir hatten vor die Welt
getreten. Nichts war frisiert", erklärte Außenminister Colin
Powell im Sender ABC.
Gemeinsam mit Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice verwies
Rumsfeld im Frühstücksfernsehen zudem auf die Fortschritte in
Irak - die Arbeit in Schulen und Krankenhäusern, die
Übergangsverfassung und den Aufbau der Wirtschaft des Landes.
Für Dienstag sind weitere Interviews führender
Kabinettsmitglieder geplant. Präsident George W. Bush selbst will
am Donnerstag und Freitag zwei größere Reden zum Thema Irak
halten.
Hunderte Menschen haben derweil in den USA gegen den Irak-Krieg
demonstriert, darunter zahlreiche Angehörige von in Irak
getöteten oder noch in Irak eingesetzten US-Soldaten. Die
Demonstranten zogen am Sonntag im einem Marsch "zu Ehren unserer
gefallenen Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter" vor
einen Luftwaffenstützpunkt in Dover im nordöstlichen
Bundesstaat Delaware. Nach Dover werden die Leichen von in Irak
getöteten US-Soldaten ausgeflogen. Die US-Regierung lässt
jedoch kaum Kameras auf das Gelände, um Bilder von aus Flugzeugen
geladenen Särgen zu vermeiden.
Der Krieg begann in der Nacht vom 19. zum 20. März vergangenen
Jahres; die meisten der bislang in Irak getöteten US-Soldaten
starben nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai.
(Quellen: dpa, afp)
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Proteste der Friedensbewegung zum Jahrestag des Irakkriegs
Die Friedensbewegung hat für den 20. März, den Jahrestag des
Kriegsbeginns in Irak, weltweit Proteste angekündigt. Wie der
Bundesausschuss Friedensratschlag, eine Dachorganisation der
Friedensbewegung, am Freitag in Kassel mitteilte, sollen in Deutschland
in über 70 Städten unter dem Motto «Wir wider-setzen
uns» Mahnwachen, Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden.
Dabei soll auf die von Krieg und Gewalt gekennzeichnete Lage im Irak
aufmerksam gemacht werden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0403130.htm#04031301
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.friedensratschlag.de
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Nahost-Konflikt
Elf Tote bei Doppel-Anschlag in Israel - Palästinensische
Autonomiebehörde verurteilt Anschläge - Israel sagt nach
Anschlag Gipfeltreffen mit Kureia ab - Israelische Hubschrauber
beschiessen Gaza - Kabinett kritisiert Scharons Plan für
Gazastreifen - Seit Beginn der Intifada im September 2000 wurden mehr
als 3800 Menschen getötet - Behörden im Gazastreifen nehmen
140 Palästinenser als Kollaborateure fest
Mo.15.03.04 - Bei einem doppelten Selbstmordanschlag sind im Hafen der israelischen
Küstenstadt Aschdod am Sonntag mindestens elf Menschen
getötet worden. Etwa 20 weitere Menschen erlitten zum Teil
lebensgefährliche Verletzungen, wie Behörden mitteilten.
Nur wenige Stunden nach den Attentaten haben israelische
Kampfhubschrauber in der Nacht auf Montag Gaza beschossen. In drei
Gegenden der Stadt seien Raketen eingeschlagen, berichteten Anwohner.
Getroffen worden seien zwei Werkstätten. Berichte über
Verletzte lagen zunächst nicht vor.
Die Anschläge warfen in Israel viele Fragen auf: Es war der erste
Selbstmordanschlag an einem strategischen Ort und erstmals seit Beginn
der neuen Unruhen vor mehr als drei Jahren stammten die Attentäter
aus dem Gazastreifen.
Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die
Selbstmordanschläge verurteilt. Solche Attentate schadeten
höheren Interessen der Palästinenser, erklärte der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia in Ramallah. Israel
entschuldige damit seine Militäroffensiven und den Bau der
umstrittenen Sperranlage auf palästinensischem Land.
Zu den Anschlägen bekannten sich die
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die der Fatah-Bewegung des
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat nahe stehen, und
die radikale Organisation Hamas. Die beiden 17-jährigen
Attentäter hätten Rache genommen für den Tod
palästinensischer Kämpfer bei jüngsten israelischen
Angriffen, hieß es in einer Erklärung.
Israel sagte ein geplantes Treffen von Ministerpräsident Ariel
Scharon mit dem palästinensischen Regierungschef Ahmed Kureia
ab. Scharon und Kureia wollten am Dienstag zu ihrer ersten
Begegnung zusammenkommen. Berater beider Regierungschefs hatten sich
noch am Sonntag getroffen, um Einzelheiten zu besprechen.
Den Angaben der Behörden zufolge gelang es einem der
palästinensischen Attentäter, am Sonntag auf das
Hafengelände vorzudringen und dort seinen Sprengsatz zu
zünden. Der zweite Angreifer sei am Eingang angehalten worden und
habe dann die Bombe zur Explosion gebracht. Nach den Explosionen brach
ein Feuer aus. Die neun Opfer des Anschlages seien Beschäftigte
des Hafens, hieß es. Die Täter kamen aus dem Gazastreifen.
Die israelischen Sicherheitskräften bemühten sich noch
herauszufinden, wie die beiden jugendlichen Selbstmordattentäter
in die Hafenstadt gelangen konnten.
Israelische Soldaten hatten bislang immer verhindern können, dass
Attentäter aus dem Gazastreifen nach Israel eindringen. Alle
vorangegangen Angreifer kamen aus dem Westjordanland, wo die Grenze zu
Israel länger und durchlässiger ist. In israelischen
Polizeikreisen wurde auch vermutet, dass ein so genannter
"Mega-Anschlag" geplant war. Ziel des Anschlags seien
möglicherweise Lagertanks für Chemikalien gewesen, hieß
es.
Vor dem Anschlag in Aschdod konnten israelische Soldaten im
Gazastreifen offenbar zwei Anschläge verhindern. An dem Grenzwall
zwischen Israel und dem Gazastreifen wurden am Samstagmorgen zwei
Männer erschossen, die nach Armeeangaben in die rund 100 Meter
breite militärische Sperrzone entlang des Zauns vorgedrungen
waren. Sie sollen einen Angriff auf den auf israelischer Seite
gelegenen Kibbuz Nahal Os geplant haben. Nahe der jüdischen
Siedlung Netzarim töteten Soldaten am Sonntag drei weitere
Palästinenser, die Sprengstoff am Körper getragen haben
sollen.
Der Fortgang des Friedensprozesses ist jetzt noch unklar. Ein
israelischer Regierungsberater hatte schon vor den Anschlägen
bekräftigt, Israel werde seine Rückzugspläne aus den
palästinensischen Gebieten und die einseitige Grenzziehung
weiterverfolgen, sollte das Gipfeltreffen im Sande verlaufen. Scharon
hatte im vergangenen Monat angekündigt, Israel werde sich
weitgehend aus dem Gazastreifen zurückziehen und die meisten
Siedlungen dort auflösen.
Der israelische Ministerpräsident ist unterdessen im Kabinett mit
seinem Plan für einen Rückzug aus dem Gazastreifen auf
massiven Widerstand gestoßen. Er sei ganz grundsätzlich
gegen jede einseitige Initiative, sagte der israelische
Außenminister Silvan Schalom im öffentlichen Rundfunk.
Sollte Scharon sein Vorhaben der Regierung zur Abstimmung vorlegen,
werde er vermutlich scheitern.
Der Ministerpräsident müsse jedoch unbedingt für den
Zusammenhalt des Regierungsbündnisses bis zum Ende der
Legislaturperiode im Oktober 2006 sorgen, sagte Schalom.
Auch Finanzminister Benjamin Netanjahu halte Scharons Plan für
"problematisch und kompliziert", berichteten die israelischen Medien.
Ihm sei nicht ersichtlich, inwiefern das Vorhaben zur Sicherheit
Israels beitragen könne. Bei einem Treffen mit drei US-Gesandten
soll Netanjahu am Freitag Bedenken geäußert haben, der
Gazastreifen könne sich nach einem Abzug der Armee in einen Hort
der radikalen Hamas-Bewegung sowie des Terrornetzwerkes El Kaida
verwandeln. Scharon will am heutigen Montag dem israelischen Parlament
seinen Rückzugsplan für den Gazastreifen vorstellen.
Seit Beginn der Intifada im September 2000 wurden damit 3833 Menschen
getötet, unter ihnen 2879 Palästinenser und 886 Israelis.
Nicht mitgezähöt sind die Opfer der jüngsten
Anschläge in Aschdod.
Die Behörden im Gazastreifen haben 140 Palästinenser wegen
Kollaboration mit Israel festgenommen und mehrere Todesstrafen
verhängt. Die Palästinenser hätten Israel Informationen
über Anführer militanter Organisationen gegeben und damit
auch bei israelischen Angriffen zur gezielten Tötung geholfen. Das
teilten Vertreter palästinensischer Polizeibehörden mit. Von
zehn Todesurteilen seien bereits drei vollstreckt worden.
Ein Gericht in Gaza sprach unterdessen vier Palästinenser wegen
Mangels an Beweisen frei, die wegen eines tödlichen
Bombenanschlags auf einen amerikanischen Fahrzeugkonvoi angeklagt
waren. Bei der Explosion einer etwa 75 Kilogramm schweren Bombe waren
am 15. Oktober vergangenen Jahres drei US-Leibwächter getötet
und ein vierter schwer verletzt worden.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Buber-Rosenzweig-Medaille für Stardirigent Barenboim
Mo.15.03.04 - Bad Nauheim - Bei der Eröffnung der «Woche der
Brüderlichkeit» hat der Dirigent Daniel Barenboim den Staat
Israel zu größerer Versöhnungsbereitschaft und
politischen Zugeständnissen gegenüber den Palästinensern
aufgefordert.
Für viele Menschen sei es schwer zu verstehen, «warum die
Juden einen Staat haben und die Nicht-Juden nicht», sagte der
Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper am Sonntag in Bad Nauheim
(Hessen) in seiner Dankesrede für die ihm verliehene
Buber-Rosenzweig-Medaille. Barenboim, der in Argentinien geboren wurde
und die israelische Staatsangehörigkeit besitzt, wurde für
seinen Beitrag zur Verständigung zwischen Juden und Arabern geehrt.
Bis zur Gründung Israels 1948 seien «wir alle»
Palästinenser gewesen, sagte Barenboim (61) und fügte hinzu:
«Das dürfen wir nicht vergessen.» Seitdem jedoch habe
sich ein Konflikt entwickelt, «der beide Seiten von innen
frisst». Weil Gewalt auf der ganzen Welt inakzeptabel sei, habe
er vor fünf Jahren den «West-Östlichen Diwan»
gegründet - ein Orchester, in dem junge israelische und arabische
Musiker gemeinsam spielen. «Das ist die größte Freude,
die ich als Musiker, als Mensch und als Israeli haben kann.» Erst
wenn das Orchester jedoch in all den Ländern auftreten dürfe,
aus dem seine Musiker stammen, seien wirklich Gegensätze
überwunden.
Mit der Buber-Rosenzweig-Medaille werden seit 1968
Persönlichkeiten, Institutionen und Initiativen geehrt, die sich
um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht
haben. Die Auszeichnung erinnert an die jüdischen Philosophen
Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Frühere
Preisträger waren Bundespräsident Rau, sein Vorvorgänger
Richard von Weizsäcker, Bundesaußenminister Joschka Fischer
(Grüne), der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt und die
Ehefrau des ermordeten israelischen Premierministers Izchak Rabin, Lea
Rabin.
(Quelle: dpa)
Wirtschaftskonferenz zwischen Nord- und Südkorea gestrichen
Mo.15.03.04 - Wegen Kritik an seiner politischen Situation nach der vorläufigen
Amtsenthebung von Präsident Roh Moo Hyun hat Südkorea
Wirtschaftsgespräche mit Pjöngjang abgesagt. Unter Hinweis
auf die angeblich instabile Lage in dem Nachbarland hatte Nordkorea
eine Verlegung der Verhandlungen ins eigene Land gefordert. Das
für Vereinigungsfragen zuständige Ministerium in Seoul sagte
die Gespräche daraufhin am Montag ganz ab.
Die vorübergehende Amtsenthebung Rohs sei eine politische
Rebellion, die von einer Hand voll «Wunderdoktoren» ins
Leben gerufen sei, berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur
KCNA am Sonntagabend. In einer ersten Reaktion hatte Pjöngjang die
USA für die Staatskrise in Südkorea verantwortlich gemacht.
Roh war am Freitag auf Betreiben der Opposition wegen
Verstößen gegen das Wahlgesetz bis auf weiteres seines Amtes
enthoben worden.
Die regelmäßig stattfindenden Konferenzen über
Wirtschaftsfragen wurden bei einem Gipfeltreffen vor vier Jahren
zwischen dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il und Rohs
Vorgänger Kim Dae Jung ins Leben gerufen.
(Quelle: ap)
China verankert Schutz von Privateigentum in der Verfassung
Mo.15.03.04 - In einer historischen Entscheidung hat China am Sonntag den Schutz des
Privateigentums in der Verfassung verankert. Der in Peking tagende
Volkskongress machte die formelle Abschaffung privaten Eigentums nach
der kommunistischen Revolution von 1949 offiziell rückgängig
und brachte damit die Verfassung der Volksrepublik mit den
ökonomischen Reformen der vergangenen 25 Jahre in Einklang. In
einer weiteren Verfassungsänderung bekennt sich der Staat
grundsätzlich zur Achtung der Menschenrechte.
Die Verfassungsänderungen wurden zum Abschluss der
zehntägigen parlamentarischen Beratungen mit
überwältigender Mehrheit angenommen. Nur zehn der 2.904
Delegierten stimmten dagegen, 17 enthielten sich. Die neuen
Verfassungsklauseln lauten: «Rechtmäßig erworbenes
Privateigentum soll nicht verletzt werden», und: «Der Staat
respektiert und schützt die Menschenrechte.» Definiert
werden letztere allerdings nicht. Bislang fielen darunter vor allem das
Recht auf Nahrung und Wohnraum. Kritik an der Unterdrückung
politischer und religiöser Aktivitäten hat die Partei stets
zurückgewiesen.
Im Einklang mit dem Schutz des Privateigentums wurden zudem Unternehmer
offiziell dazu eingeladen, der Kommunistischen Partei beizutreten.
Damit wurde ein wichtiger Reformvorschlag des früheren
Staatspräsidenten Jiang Zemin umgesetzt. Die jährlichen
Beratungen des Volkskongresses dienen in erster Linie dazu, bereits
gefällte Entscheidungen der Kommunistischen Partei abzusegnen.
An den vorausgegangenen Sitzungstagen hatte der Volkskongress unter
anderem eine Erhöhung der Militärausgaben und eine
verstärkte Förderung ländlicher Regionen beschlossen.
Bei der Eröffnung der Parlamentssitzung am 5. März hatte
Ministerpräsident Wen Jiabao die Verbesserung des Lebensstandards
der Bauern zu einem der wichtigsten Ziele seiner Regierung
erklärt. Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 9,1
Prozent gewachsen, doch der Aufschwung konzentrierte sich auf die
wohlhabenden Großstädte an der Küste.
Regierungschef Wen sagte nach dem Kongress in einem seiner seltenen
Pressegespräche, die Regierung werde darauf achten, dass die
Konjunktur sich nicht überhitze. Das Experiment mit dem
Kapitalismus sei ein ebenso harter Test wie die Sars-Epidemie und
dürfe keinesfalls außer Kontrolle geraten.
Rückschläge in der Wirtschaft seien zu verhindern, um
Stabilität zu bewahren. Im politischen Bereich besteht China laut
Wen weiterhin darauf, dass Taiwan Teil der Volksrepublik sei und dies
auch bleiben werde.
(Quelle: ap)
In Georgien bahnen sich neue Unruhen an - Präsident Saakaschwili
Einreise in abtrünnige Provinz Adscharien verweigert
Mo.15.03.04 - In Georgien bahnt sich ein massiver Konflikt zwischen Präsident
Michail Saakaschwili und dem Führer der abtrünnigen Region
Adscharien an. Die georgische Armee wurde in erhöhte
Alarmbereitschaft versetzt, nachdem adscharische Sicherheitskräfte
Saakaschwili am Vorabend die Einreise in die Region verwehrt hatten.
Der Luftraum über Adscharien wurde für alle
nicht-militärischen Flüge gesperrt, wie das georgische
Militär mitteilte.
Der Führer Adschariens, Aslan Abaschidse, sagte bei einem Besuch
in Moskau, der Präsident habe ihm am Telefon mit dem Abschuss
seines Flugzeugs gedroht, sollte er nach Adscharien zurückkehren.
Der Chef des georgischen Sicherheitsrates, Wano Merabischwili, sagte in
einem Fernseh-Interview, Saakaschwili sei an der Grenze zu Adscharien
umgekehrt, "um ein Blutvergießen zu vermeiden". An den
Straßen seien Granatenwerfer und Panzer aufgestellt gewesen, und
Saakaschwili sei mit Warnschüssen am Weiterfahren gehindert
worden. Saakaschwili erklärte, dem Präsidenten müsse es
erlaubt sein, sich frei zu bewegen. Die mit Adschariens Führung
verbündete russische Regierung warnte er, ihre in der georgischen
Region stationierten Truppen einzusetzen: "Jede Bewegung des russischen
Militärs könnte ein Blutbad auslösen."
Saakaschwili versprach, sich für eine friedliche Lösung
einzusetzen. Der russische Außenamtssprecher Alexander Jakowenko
warf dem georgischen Präsidenten vor, den Einsatz
militärischer Gewalt gegen Adscharien vorzubereiten. "Georgiens
Behörden müssen erkennen, dass derartige provokante Aktionen
die schlimmsten und unvorhersehbarsten Folgen haben könnten",
zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Sprecher.
Die Abaschidse-treuen Behörden teilten in der Hauptstadt des
halbautonomen Adscharien, Batumi, bereits seit einigen Tagen Waffen an
die Bevölkerung aus. Saakaschwili wollte nach Angaben seiner
Regierung in Adscharien eine Wahlkampftour unternehmen. Ende März
wird in Georgien ein neues Parlament gewählt.
Die adscharischen Behörden hatten bereits einige Tage nach
Saakaschwilis Wahl zum Präsidenten Anfang Januar den
Ausnahmezustand verhängt. Der georgische Präsident gilt als
Gegner Abaschidses, der auf die Eigenständigkeit seiner Region
pocht.
(Quelle: afp)
Russland: Putin siegt mit mehr als 70 Prozent
Weist Kritik an Präsidentenwahl zurück und kündigt nach
Wahlsieg Fortsetzung seiner Politik an - Putin verspricht, weiteres
Wirtschaftswachstum sicher zu stellen und die Zivilgesellschaft sowie
die Medienfreiheit zu stärken - Opposition spricht von
Wahlbetrug
Mo.15.03.04 - Bei der Präsidentenwahl in Russland hat Wladimir Putin mit mehr
als 70 Prozent den erwartet hohen Sieg errungen. Nach Auszählung
von fast allen Stimmen entfielen 71,1 Prozent auf den Amtsinhaber,
teilte die Wahlkommission in Moskau mit. Als Zweitplatzierter kam der
Kommunist Nikolai Charitonow auf 13,8 Prozent.
Nach seinem erwartungsgemäß klaren Sieg hat der russische
Präsident Wladimir Putin am heutigen Montag Kritik an der
Präsidentschaftswahl zurückgewiesen. Putin kündigte an,
seine bisherige Politik fortzuführen.
«Ich verspreche Ihnen, dass ich die nächsten vier Jahre in
gleicher Weise weiter arbeiten werde», sagte er. Er werde ein
weiteres Wirtschaftswachstum sicher stellen und die Zivilgesellschaft
sowie die Medienfreiheit stärken. «Alle demokratischen
Errungenschaften werden garantiert», betonte Putin.
Von Seiten der Opposition wurden unterdessen Vorwürfe des
Wahlbetrugs laut. Die Behörden hätten ihre Macht missbraucht,
um Wähler unter Druck zu setzen und die Wahl zu manipulieren,
sagte der nationalistische Politiker Sergej Glasjew der
Nachrichtenagentur AP. Die unabhängige Beobachtergruppe VOICE
berichtete von zahlreichen Verstößen vor allem in der
Provinz.
In der Provinz Tschetschenien hätten unter starken
Sicherheitsvorkehrungen fast 90 Prozent der Wahlberechtigten ihre
Stimme abgegeben, gaben Wahlbehörden an. Dabei hätten knapp
93 Prozent für Putin gestimmt. In der Hauptstadt Grosny waren
jedoch nur wenige Menschen bei der Stimmabgabe zu sehen.
Auch US-Außenminister Colin Powell äußerte sich
besorgt. Die Regierung habe die Oppositionskandidaten daran gehindert,
sich voll am Wahlprozess zu beteiligen, sagte Powell. Putin
erklärte dazu, Russland werde «den kritischen
Äußerungen zuhören, sie analysieren und wenn wir
glauben, es gibt etwas zu überdenken, werden wir entsprechende
Schlüsse ziehen».
Die Wahlbeteiligung lag nach vorläufigen Angaben bei 64,3 Prozent.
Rund 110 Millionen Bürger der Russischen Föderation waren in
der elf Zeitzonen umfassenden Wahl aufgerufen, über eine zweite
Amtszeit Putins zu entschieden. Putin wurde von seinem
Amtsvorgänger Boris Jelzin am 31. Dezember 1999 als Präsident
berufen. In der anschließenden Wahl siegte er bei einer
Wahlbeteiligung von 68 Prozent mit einem Stimmenanteil von gut 52
Prozent.
(Quellen: dpa, ap)
Erdrutschsieg für spanische Sozialisten
Die Informationspolitik zu den möglichen Hintergründen der
Terroranschläge in Madrid dürfte die regierende konservative
Volkspartei den Wahlsieg gekostet haben - Künftiger
sozialistischer Ministerpräsident Zapatero: Kampf gegen den
Terror sei das erste Ziel seiner Regierung - Erhärtende Hinweise auf El Kaida
als Urheber der Anschläge von Madrid: Möglicherweise von Mitgliedern der gleichen
radikalislamischen Gruppe verübt wie die Anschläge von
Casablanca
Mo.15.03.04 - Drei Tage nach den Terroranschlägen von Madrid haben laut
vorläufigem amtlichen Endergebnis bei der Parlamentswahl 42,6
Prozent der Spanier für die Sozialistische Partei (PSOE) von
José Luis Rodriguez Zapatero gestimmt. Die bisher mit absoluter
Mehrheit regierende konservative Volkspartei (PP) sackte auf 37,7
Prozent der Stimmen. Zapatero sagte dem "Terrorismus in jeglicher Form"
den Kampf an. Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge von
Mitgliedern der gleichen radikalislamischen Gruppe verübt wurden
wie die Anschläge von Casablanca im vergangenen Mai.
Der Kampf gegen den Terror sei das erste Ziel seiner Regierung, sagte
der künftige Ministerpräsident nach seinem
überraschenden Wahlsieg. Vor Parteifreunden in der Zentrale der
PSOE hielt Zapatero eine Schweigeminute für die Opfer der
Terroranschläge ein. Seine Gedanken in diesem Augenblick seien
"bei den Familien, die in den Wartesälen der Krankenhäuser
auf Nachrichten von ihren Lieben warten", sagte der Sozialistenchef.
Zapateros Sozialisten verbesserten ihr Ergebnis gegenüber der Wahl
2000 um mehr als acht Prozentpunkte; ihr fehlen bei 164 Mandaten jedoch
zwölf Abgeordnetensitze zur absoluten Mehrheit. Die
Wahlbeteiligung lag bei 77 Prozent.
Der PP-Spitzenkandidat Mariano Rajoy räumte seine Niederlage ein
und gratulierte Zapatero zum Wahlsieg. Der Urnengang habe ganz unter
dem Zeichen der schrecklichen Attentate drei Tage zuvor gestanden,
sagte er.
Vor allem ihre Informationspolitik zu den möglichen
Hintergründen der Terroranschläge dürfte die PP den
Wahlsieg gekostet haben. Trotz zahlreicher Hinweise auf einen
radikalislamischen Zusammenhang hielt sie hartnäckig an der These
festhielt, die Bombenanschläge seien eine Tat der baskischen
Untergrundorganisation ETA. Viele Spanier werteten jedoch die
Bombenanschläge als eine Quittung für Spaniens
Unterstützung für den Irak-Krieg.
Laut der Zeitung "El Pais" hat einer der drei in Spanien festgenommenen
Marokkaner Verbindungen zu in Marokko und Spanien wegen der
Casablanca-Anschläge inhaftierten Verdächtigen. Er habe zudem
Verbindungen zu einer spanischen Zelle der Terrororganisation El Kaida
unter Imad Eddin Barakat Jarkas alias Abu Dahdah, der in Spanien wegen
Beteiligung an der Vorbereitung der Anschläge vom 11. September
angeklagt ist. Laut "El Pais" gilt Sugam als früherer
Afghanistan-Kämpfer und Mitglied einer von zwei radikalislamischen
El-Kaida-nahen Zellen in Marokko, die an dem Casablanca-Anschlag
beteiligt gewesen sei.
Bei den Selbstmordanschlägen auf jüdische Ziele und ein
spanisches Restaurant in Casablanca kamen im Mai vergangenen Jahres 45
Menschen ums Leben, unter ihnen zwölf Täter. Die
Behörden machten dafür eine islamistische Organisation namens
Salafia Jihadia verantwortlich, die zum Terrornetzwerk El Kaida
gehören soll.
(Quelle: afp, ap)
Angst vor islamistischem Terror in Europa wächst
Mo.15.03.04 - In Europa wächst wegen sich erhärtender Hinweise auf El Kaida
als Urheber der blutigen Anschläge von Madrid die Angst vor
islamistischem Terror. Ein «Militärsprecher der El Kaida
für Europa» übernahm am Wochenende die Verantwortung
für die Anschläge, die als Antwort auf die spanische
Unterstützung der USA bezeichnet wurden. Fünf
Verdächtige aus Indien und Marokko wurden festgenommen. Die
Bundesregierung befürchtet eine «neue Qualität der
Bedrohung» für Europa und sprach sich für eine
Eilkonferenz der EU-Innenminister aus.
In Berlin trat das deutsche Sicherheitskabinett unter Vorsitz von
Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen. Innenminister Otto Schily
forderte anschließend schnellstmöglich eine Eilkonferenz der
EU-Innenminister. Es sei nötig, die Lage und Konsequenzen im
europäischen Rahmen zu erörtern. Sollten sich die Hinweise
auf islamistische Täter verstärken, ergebe sich eine neue
Sicherheitseinschätzung für ganz Europa.
Ihm mache Sorgen, dass sich die Anschläge gegen «weiche
Ziele» gerichtet hätten, sagte Schily. In Madrid waren
Pendlerzüge mit vielen hundert Reisenden betroffen. Schily
kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften mit
Schleierfahndung und stärkeren Kontrollen auf Bahnhöfen und
an Grenzen an. Er wandte sich aber zunächst gegen die Aussetzung
des Schengener Abkommens zum Verzicht auf Grenzkontrollen.
(Quelle: ap)
Schröder, Verhofstadt und Rasmussen fordern angeblich mehr
Freiheit für Unternehmen in Europa
Mo.15.03.04 - Deutschland, Belgien und Dänemark haben in einem gemeinsamen Brief
an die EU-Spitze angeblich mehr Freiheit für Unternehmen in Europa
gefordert. Vorschriften, die Firmen aus der EU im Wettbewerb mit
anderen Unternehmen behindern, müssten abgebaut werden, zitiert
die «Financial Times Deutschland» (Montagausgabe) aus dem
Schreiben von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), des belgischen
Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt und Dänemarks
Regierungschef Anders Fogh Rasmussen. Die Mitgliedsstaaten ebenso wie
die EU seien «Meister im Erfinden von Vorschriften, die zumeist
in bester Absicht entworfen werden». Viele dieser Vorschriften
erstickten aber «insbesondere in ihrer Kombination unsere
Unternehmen und benachteiligen sie im internationalen
Wettbewerb», heiße es in dem Brief, der an
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sowie den
Ratspräsidenten, Irlands Ministerpräsidenten Bertie Ahern,
gerichtet sei.
Die drei Regierungschef kritisieren dem Blatt zufolge besonders die
EU-Kommission, der sie einen Hang zur Überregulierung vorwerfen.
«Beim Abbau von Marktbarrieren muss nicht immer alles
harmonisiert werden», betonten Schröder, Verhofstadt und
Rasmussen. Die EU solle auf die «bewährten
Instrumente» wie Mindeststandards und gegenseitige Anerkennung
setzen. Nötig sei ein europäischen Aktionsplan zum Abbau von
Überregulierung und Bürokratie.
(Quelle: ddp)
Continental strebt weitere Verlagerungen in Billiglohnländer an
Mo.15.03.04 - Der Reifenhersteller und Automobilzulieferer Continental will nach den
Worten von Vorstandschef Manfred Wennemer weitere Teile seiner
Produktion in Niedriglohnländer verlagern.
Damit wolle Conti gestiegene Rohstoffkosten abfedern und die
Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz aus Asien und
Südamerika erhöhen.
"Wir haben sicherlich mit einer Verlagerung von 50 bis 60 Prozent
unserer europäischen Reifenproduktion in Niedrigkostenländer
noch nicht die Obergrenze erreicht und werden uns hier noch signifikant
steigern", kündigte Wennemer in einem am Samstag vorab
veröffentlichten Interview der "Automobilwoche" an. Als Grund
nannte der Manager die hohen Rohstoffkosten, "die innerhalb der letzten
18 Monate etwa um 30 Prozent gestiegen sind".
"Diese Zusatzkosten müssen wir über die Automobilhersteller
und den Handel leider an den Endverbraucher weitergeben", sagte
Wennemer und fügte hinzu: "Außerdem sind wir auf Grund des
derzeit sehr starken Euro wachsender Konkurrenz aus China, Japan und
Südamerika ausgesetzt. Das erhöht den Druck auf uns, die
Produktivität weiter zu steigern."
Conti hatte sich erst vergangene Woche mit der Gewerkschaft IG BCE auf
ein umfangreiches Paket zur Kostensenkung in seinem Werk am Stammsitz
in Hannover geeinigt. Damit verbunden sei eine Verlängerung der
wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde auf 38,5 Wochenstunden
für etwa 750 Beschäftigte in der Reifenproduktion, hatte ein
Gewerkschaftssprecher am Freitag gesagt. Die ursprünglich von
Conti angestrebte Rückkehr zur 40-Stunden-Woche sei vom Tisch.
Auch falle der befürchtete Arbeitsplatzabbau niedriger aus. Im
Rahmen der bis zum Jahr 2006 angelegten Maßnahmen zur Optimierung
der Produktionsabläufe in dem Werk könnten bis zu 180 Stellen
wegfallen, hatte der IG-BCE-Sprecher gesagt. Ursprünglich habe
Conti über 400 Stellen streichen wollen.
Conti hatte eine Einigung mit der Gewerkschaft bis Mitte März
verlangt; andernfalls sollten die geplanten Investitionen im Ausland
getätigt werden. In den vergangenen Jahren hat Conti
kontinuierlich große Teile der Reifenproduktion aus Westeuropa an
Niedriglohnstandorte in Osteuropa verlagert und dort moderne Werke
aufgebaut. Dies ist Teil der Strategie von Konzernchef Wennemer, der
Conti von der schwachen Autokonjunktur abgekoppelt hat und beim Gewinn
auf Rekordkurs fährt.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Siemens lagert Software-Entwicklung in Billiglohnländer aus
15.000 Programmier-Jobs in Westeuropa und den USA betroffen...
Mehr bei futurezone (16.02.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=215492&tmp=53100
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
Sa.13.12.03 - Siemens wird im Zuge der EU-Osterweiterung in großem Stil
Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern. In einigen Jahren
könne etwa ein Drittel der Software-Entwicklung von Siemens an
Niedriglohnstandorten geleistet werden, sagte Siemens-Zentralvorstand
Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland".
Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken
Marktwachstum in Osteuropa zu profitieren. .. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#03121317
Tausende Jobs bei Siemens gefährdet
Fr.12.03.04 - An den Siemens-Standorten in Bocholt und Kamp-Lintfort sind Tausende
von Arbeitsplätzen bedroht. Die Firmenleitung habe die Belegschaftsvertretung darüber
informiert, dass «unter den gegebenen Bedingungen der
Kostenstrukturen eigentlich 2000 Arbeitsplätze ins Ausland
verlagert werden müssten», sagte ein Siemens-Sprecher der
Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit Angaben der IG Metall.
Auch beim Autozulieferer Siemens VDO Automotive fürchten die
Beschäftigten um ihre Jobs... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403120.htm#04031210
IG Metall will gegen Siemens-Verlagerungspläne kämpfen
So.14.03.04 - Die IG Metall hat massiven Widerstand gegen die drohende Verlagerung
mehrerer tausend Siemens-Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen
angedroht und eine Bestandsgarantie für die betroffenen Werke
gefordert. Auch die rot-grüne Landesregierung sprach sich am Freitag
dafür aus, nichts unversucht zu lassen, um die Arbeitsplätze
zu retten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403140.htm#04031418
SPD-Spitze trotz Kritik des Arbeitnehmerflügels auf Reformkurs
Mo.15.03.04 - Gegen den Widerspruch des Arbeitnehmerflügels will die SPD-Spitze
die Partei auf Reformkurs halten. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
erteilte Forderungen nach einer «Rolle rückwärts»
eine Absage. Beim Bundeskongress der Arbeitsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen bezeichnete er die Reformen als notwendig, um die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Zugleich räumte
Clement eine gewisse Schieflage bei der «Agenda 2010» ein.
Die Regierung bemühe sich über die Steuerpolitik, das
auszugleichen.
(Quelle: dpa)
Datenschutzbeauftragter greift private Krankenversicherer an -
Streit um ärztliche Schweigepflicht
Mo.15.03.04 - Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, greift
die privaten Krankenversicherer an. Grund ist eine Klausel in allen
privaten Krankenversicherungsverträgen, mit denen Patienten ihre
Ärzte pauschal und zeitlich unbefristet von der Schweigepflicht
gegenüber der Versicherung entbinden. «Das ist aus meiner
Sicht absolut unzulässig», sagte Schaar der «Bild am
Sonntag». Der Patient wisse nicht, «welche Daten wann und
von welchem Arzt an die Versicherung weitergegeben werden. Die
Vertragsklausel sei »dringend reformbedürftig«.
Betroffen seien 15,6 Millionen Bundesbürger, die neben der
gesetzlichen Krankenversicherung auch eine private
Krankenzusatzversicherung zum Beispiel für Zahnbehandlung,
Chefarztbehandlung und Sehhilfen abgeschlossen hätten oder rein
privat versichert seien. Sie alle hätten einen
»Freibrief« für die Datenweitergabe vom Arzt an den
Versicherer unterschreiben müssen, sagte Schaar. Bis heute
verlangten die Anbieter von neuen Kunden, ihre Ärzte von der
Schweigepflicht zu entbinden.
Die Versicherer verteidigten ihr Vorgehen. »Wenn sich bei der
Überprüfung einer Arztrechnung Ungereimtheiten ergeben, muss
der Versicherer für eine zügige Kostenerstattung an den
Patienten das Recht haben, beim Arzt nachzufragen«, sagte der
Geschäftsführer beim Verband der privaten Krankenversicherung
(PKV), Christian Weber, dem Blatt. Die generelle Entbindung von der
Schweigepflicht sei »zwingend notwendig", sagte auch der
Datenschutzexperte beim Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV), Ulrich Strack.
(Quelle: ddp)
Beckstein fordert Ausweitung der DNA-Analyse
Mo.15.03.04 - Innenminister Günther Beckstein (CSU) fordert die Ausweitung der
DNA-Analyse. Die Methode müsse «Standard bei
erkennungsdienstlichen Behandlungen von Straftätern werden»,
sagte Beckstein am Sonntag in München. Sie habe sich in kurzer
Zeit «allseits unbestritten als wahre Erfolgsgeschichte der
modernen Verbrechensbekämpfung» entwickelt und dürfe
nicht auf «wenige Deliktbereiche» beschränkt bleiben.
Beckstein fügte hinzu, dass bei «einigen führenden
sozialdemokratischen Landespolitikern» ein Umdenken zu beobachten
sei. Er hoffe, dass dadurch der politische Druck auf die
Bundesregierung zunehmen werde, ihre «bislang negative
Haltung» gegenüber der DNA-Analyse aufzugeben.
Die zunehmende Zahl gespeicherter DNA-Muster führte zur
Aufklärung «zum Teil spektakulärer und weit
zurückliegender Verbrechen». Mit 65 000 Mustern stammten
über ein Fünftel aller 336 000 Datensätze in der
deutschen DNA-Analyse-Datei aus Bayern. Bei der Fahndung wurden in den
vergangenen sechs Jahren 1812 Datenbanktreffer erzielt und 1464
Täterhinweise gezogen. In 348 Fällen sei es der Polizei im
Freistaat gelungen, «Tatzusammenhänge» herzustellen.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
SPD-Innenminister will DNA-Tests für alle Strafverdächtigen
So.04.01.04 - Nach zahlreichen Unionspolitikern hat sich jetzt auch ein
führender SPD-Politiker für die Ausweitung von DNA-Tests in
der Verbrechensbekämpfung ausgesprochen. Der
schleswig-holsteinische Innenminister Klaus Buß schlug im
«Spiegel» vor, dass die Polizei von jeder Person, die sie
erkennungsdienstlich behandele, einen genetischen Fingerabdruck nehmen
könne.... Mehr unter:
http://hohme.t-online.de/home/boa-archiv2/k0401040.htm#04010416
Datenschutzbeauftragter warnt vor stärkerem Einsatz von DNA-Analyse
Do.08.01.04 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat vor einem
verstärkten Einsatz von DNA-Analysen bei Ermittlungen der Polizei
gewarnt. Der "genetische Fingerabdruck" sei ein tiefer Eingriff in das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung, sagte Schaar am Dienstag in
Berlin... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401080.htm#04010860