Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Spanien verlässt Irak-Koalition: Designierter
Ministerpräsident Zapatero will Truppen aus Irak abziehen. USA
erwägen neue Irak-Resolution zur Beschwichtigung Spaniens.
Gewalt in Irak ebbt nicht ab: Drei US-Zivilisten wurden bei bewaffneten Angriffen
getötet. Attentate auch auf irakische Politiker. Iraker wollen
laut Umfrage 'starken Führer' statt Demokratie.
US-Friedensaktivisten demonstrieren in Washington für Ende des
Irak-Einsatzes
Di.16.03.04 - Nach dem überraschenden Wahlsieg der Sozialisten vollzieht Spanien
eine Kehrtwende in der Irak-Politik. Der designierte
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero
erklärte am Montag, er stehe zu seiner Zusage, die spanischen
Truppen aus Irak abzuziehen.
Die militärische Intervention sei ein politischer Fehler gewesen,
sagte Zapatero. Ein konkretes Datum für den Abzug der 1.300
Soldaten wollte er noch nicht nennen. Zapatero hatte bereits zuvor
erklärt, sein vorrangigstes Ziel sei die Bekämpfung des
Terrors.
Im Wahlkampf hatte der Sozialist versprochen, die Truppen
möglichst bald aus dem Irak abzuberufen, sofern sie nicht einem
Mandat der Vereinten Nationen unterstellt würden. Zapatero hatte
den Krieg im Irak stets abgelehnt und als illegal bezeichnet.
Die US-Regierung erwägt derweil eine neue UN-Resolution zu Irak,
um die designierte spanische Regierung von einem Abzug ihrer Soldaten
aus dem besetzten arabischen Land abzuhalten. Im Zusammenhang mit der
für Ende Juni geplanten Machtübergabe an eine irakische
Übergangsregierung sei "eine neue Resolution möglich", sagte
US-Außenamtssprecher Adam Ereli am Montag in Washington. Er gehe
nicht davon aus, dass der von den spanischen Sozialisten
angekündigte Truppenabzug bereits beschlossene Sache sei: "Mal
sehen, wie sich die Dinge entwickeln." Die neue spanische Regierung
müsse sich erst formieren und ihre Politik ausformulieren, sagte
Ereli.
Die italienische Regierung hat Zapatero gebeten, seine Haltung in der
Irak-Politik zu überdenken und die spanischen Truppen in Irak zu
belassen. "Spanien sollte weiterhin im Geist des europäischen
Miteinanders und der europäisch-amerikanischen Verbundenheit
handeln", sagte Italiens Außenminister Franco Frattini am Montag
bei einem Besuch in Bukarest. Spanien solle seine Soldaten in Irak
lassen, "bis die Alliierten eine Übergabe der Verantwortung an die
irakische Führung beschließen".
Auch der irakische Übergangsminister Mohammed Dschassem Chodajji
hat Spanien um den Verbleib seiner Soldaten in Irak gebeten. "Wir
hoffen, dass die spanischen Truppen in Irak bleiben, bis die Lage
stabiler ist", sagte der für Auswanderung zuständige Minister
am Montag bei einem Besuch in Lissabon der portugiesischen
Nachrichtenagentur Lusa. Spanien und Irak teilten "gemeinsame
Interessen", und für die Sicherheit und Stabilität in Irak
sei die Zusammenarbeit mit befreundeten Ländern "das Wichtigste".
Spanien könne sich keine Verweigerung der Loyalität erlauben,
warnte der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski. Die neue
spanische Regierung müsse eine "gewisse Glaubwürdigkeit als
Bündnispartner" berücksichtigen. Ähnlich
äußerte sich Polens Ministerpräsident Leszek Miller.
Unterdessen ebbt die blutige Gewalt in Irak nicht ab In der
nordirakischen Stadt Mossul sind am Montag drei amerikanische
Zivilpersonen von Schüssen getötet worden. Nach
US-Militärangaben wurden zwei weitere Amerikaner verletzt. Die
Opfer hätten für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet,
erklärte ein Militärsprecher. Das Auto der Amerikaner sei im
Osten von Mossul beschossen worden.
Unbekannte haben am Montag den obersten Vertreter der arabischen
Minderheit in der nordirakischen Vielvölkerstadt Kirkuk
getötet. Ein Attentatsversuch auf den Vorsitzenden der
Turkmenischen Front, die ihren Sitz ebenfalls in Kirkuk hat, misslang.
Der Repräsentant der Araber in der Provinzverwaltung von Kirkuk,
Akar Nisal el Sumeida, wurde am Morgen auf seinem Weg zur Arbeit im
Auto erschossen. Mit ihm starb nach Angaben der Polizei einer seiner
Leibwächter. Ein zweiter Leibwächter wurde verletzt. El
Sumeida hatte sich gegen kurdische Pläne ausgesprochen, wonach
Kirkuk künftig Teil des nordirakischen kurdischen Autonomiegebiets
sein soll.
Nach Angaben der Parteiführung der Turkmenischen Front
verübten Unbekannte in der Nacht zum Montag bei Chalis einen
Sprengstoffanschlag auf einen Konvoi, in dem Parteichef Faruk
Abderrahman von Bagdad nach Kirkuk unterwegs war. Zwei Leibwächter
seien schwer verletzt worden. In Kirkuk gibt es seit dem Zerfall des
Regimes Auseinandersetzungen zwischen kurdischen, arabischen und
turkmenischen Gruppen. Sie ringen um die Kontrolle der an
Ölvorkommen reichen Stadt, die die Kurden als Herz ihres
Autonomiegebiets betrachten.
Ebenfalls am Montag fiel in Kirkuk ein schiitischer Kommunalpolitiker
einem Mordanschlag zum Opfer.
Nach Angaben von Polizeichef Torhan Jussif wurde Stadtrat Aggar el
Tawil auf dem Weg zur wöchentlichen Sitzung des Stadtparlaments
aus einem Auto heraus erschossen. Er sei mehrfach in den Kopf getroffen
worden. Auch ein Leibwächter Tawils sei getötet worden. Die
Attentäter seien entkommen. Tawil war für seine offenen Worte
und Diskussionsbeiträge im Stadtrat bekannt.
In Mossul feuerten Angreifer am Montagmorgen mehrere
Mörsergranaten auf eine Polizeiwache. Die Geschosse verfehlten ihr
Ziel, beschädigten aber einige geparkte Autos. Außerdem
wurde eine Zivilperson leicht verletzt.
Im Westirak wurden bei Anschlägen in Falludscha und Ramadi mehrere
US-Soldaten verletzt. Augenzeugen sprachen von Todesopfern. Dies
bestätigte die US-Armee zunächst nicht.
Knapp ein Jahr nach dem Sturz Saddam Husseins ist eine Mehrheit der
Iraker für einen "starken Führer" statt für die
Demokratie. Das ist das Ergebnis einer Umfrage internationaler
Fernsehsender, darunter der ARD. Für einen Alleinherrscher
sprachen sich 47 Prozent der Iraker aus, nur 28 Prozent für die
Demokratie. 10 Prozent wollen eine religiöse Führung des
Landes. Bei der letzten Umfrage im Herbst 2003 lag die Demokratie noch
deutlich vorn.
Mit einem Protestmarsch demonstrierten am Montag in Washington mehr als
100 Friedensaktivisten für ein Ende des Irak-Einsatzes. Die Route
der Kriegsgegner führte von einem Armeekrankenhaus, in dem viele
beim Einsatz in Irak Verwundete behandelt werden, zum neun Kilometer
entfernten Weißen Haus. Am Sonntag versammelten sich mehr als 250
Friedensaktivisten beim Luftwaffenstützpunkt Dover im Staat
Delaware. Auf dessen Militärfriedhof sind mehr als 550 Soldaten
bestattet, die während des Irak-Kriegs ums Leben kamen.
Der Krieg begann in der Nacht vom 19. zum 20. März vergangenen
Jahres. Die meisten der bislang in Irak getöteten US-Soldaten
starben nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai.
(Quellen: afp, dpa, ap)
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Proteste der Friedensbewegung zum Jahrestag des Irakkriegs
Die Friedensbewegung hat für den 20. März, den Jahrestag des
Kriegsbeginns in Irak, weltweit Proteste angekündigt. Wie der
Bundesausschuss Friedensratschlag, eine Dachorganisation der
Friedensbewegung, am Freitag in Kassel mitteilte, sollen in Deutschland
in über 70 Städten unter dem Motto «Wir wider-setzen
uns» Mahnwachen, Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden.
Dabei soll auf die von Krieg und Gewalt gekennzeichnete Lage im Irak
aufmerksam gemacht werden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0403130.htm#04031301
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.friedensratschlag.de
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Prodi gibt USA Mitschuld an Erstarken des Terrorismus
US-Regierung
verfolge im Kampf gegen den Terrorismus den falschen Weg
Di.16.03.04 - Ein Jahr nach Beginn des Irak-Kriegs hat EU-Kommissionspräsident
Romano Prodi den USA eine Mitverantwortung für das Erstarken des
internationalen Terrorismus zugewiesen. "Egal ob in Irak oder
außerhalb Iraks, der Terrorismus, den dieser Krieg eigentlich
eindämmen sollte, ist heute sehr viel mächtiger als vor einem
Jahr".
Die italienische Tageszeitung «La Stampa» zitierte Prodi am
Montag mit den Worten, für eine erfolgreiche Bekämpfung des
Terrors bedürfe es Diplomatie und Politik und nicht nur den
Einsatz von Militär. "Diese schrecklichen Tage haben uns gezeigt,
dass das amerikanische Rezept nicht richtig war", erklärte Prodi
unter Bezug auf die jüngsten Anschläge von Madrid. "Am
Samstag jährt sich der Beginn des Irak-Kriegs, und die
terroristische Bedrohung ist unendlich viel größer als
vorher." Europa wende andere Instrumente an: die Mittel der Politik und
nicht lediglich Stärke, die wiederum neue Angst erwecke. Er habe
aber den Eindruck, dass sich die USA allmählich wieder Europa
annäherten, zitierte die Zeitung Prodi.
Prodi fügte hinzu, dass innerhalb der Brüsseler Kommission
diskutiert werde, ob die EU einen Kommissar für
Terrorbekämpfung berufen solle. Prodi gilt als möglicher
Spitzenkandidat der italienischen Linksopposition für die
Parlamentswahl 2006.
(Quellen: ap, afp)
Sicherheitsexperten: Politische Folgen in Spanien ermutigen Islamisten
Di.16.03.04 - Der Machtwechsel nach den Anschlägen in Spanien und der
angekündigte Truppenabzug des Landes aus dem Irak ermutigt nach
Einschätzung von Sicherheitsexperten Moslem-Extremisten zu
weiteren Attentaten.
Sollten sich die Hinweise auf eine Täterschaft der Islamisten
erhärten, sei es radikalen Moslems zum ersten Mal gelungen, mit
Anschlägen auf Zivilisten eine westliche Regierung zu Fall zu
bringen, sagten die Experten am Montag. "Sie werden annehmen, etwas
ganz Außergewöhnliches erreicht zu haben", sagte David
Claridge, Direktor des Londoner Janusian Security Risk Management, am
Montag. "Dies wird ihnen bei der Planung künftiger Anschläge
eine Menge Auftrieb geben".
Drei Tage nach den verheerenden Anschlägen in Madrid hatten die
Wähler die konservative Regierung für ihren Schulterschluss
mit den USA im Irak-Krieg abgestraft und die Gegner des Einsatzes, die
oppositionellen Sozialisten, zum Sieger gemacht. Diese kündigten
umgehend den Abzug der rund 1300 spanischen Soldaten aus dem Irak an.
Die spanische Regierung zu Fall zu bringen, war den Experten zufolge
das explizite Ziel der Attentäter. Im Dezember sei auf
Internetseiten von Anhängern des Moslem-Extremisten Osama bin
Laden das Buch "Irak el Dschihad" aufgetaucht. Darin werde
ausführlich darüber diskutiert, wie mit Anschlägen die
Opposition der Spanier zum Irak-Krieg verstärkt und für das
Ziel eines Regierungswechsels genutzt werden könne.
Ausdrücklich werde dabei auf die Parlamentswahlen im März
hingewiesen, sagte Claridge. "Wir gehen davon aus, dass sich die
spanische Regierung nicht mehr als zwei oder drei Anschläge
leisten kann, bis sie sich wegen des öffentlichen Drucks
zurückziehen muss", heißt es in dem Buch. Noch eine Woche
vor der Wahl hatte die regierende Volkspartei Umfragen zufolge einen
deutlich Vorsprung unter den spanischen Wählern.
Inzwischen konzentrieren sich die Ermittlungen Zeitungsberichten
zufolge auf eine Islamisten-Gruppe in Marokko, die Verbindungen zur El
Kaida von Osama bin Laden haben soll.
Auch Paul Wilkinson vom Centre for the Study of Terrorism and Political
Violence an der St. Andrews University in Schottland teilt Claridges
Einschätzung: "Sie haben ganz offensichtlich intensiv darüber
nachgedacht, wie sie in Spanien massive politische Auswirkungen
erreichen können", sagte er. "Dies zeigt, dass diese
unbarmherzigen und sehr durchdacht vorgehenden Terroristen von der
neuen Art des Terrorismus - der El Kaida - sorgfältig planen, wie
sie die Folgen strategisch maximieren können."
(Quelle: rtr)
Die Bomben von Madrid haben ganz Europa getroffen. Die Reaktion darauf
kann nur sein, an Rechtsstaat und Demokratie festzuhalten und die
Integration der EU zu fördern...
meint Michael Braun in der "tageszeitung" vom 16.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/16/a0179.nf/text
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Deutsche Regierung hält an internationalen Einsätzen fest
Die Bundesregierung sieht nach den Anschlägen von Madrid keinen
Grund, ihr internationales Engagement zur Terrorbekämpfung etwa in
Afghanistan in Frage zu stellen. Die Ankündigung des
sozialistischen Wahlsiegers in Spanien, Jose Luis Rodriguez Zapatero,
die spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen, wurde irritiert
aufgenommen.
Di.16.03.04 - Regierungssprecher Bela Anda sagte am Montag zur Frage, ob Deutschland
sein internationales Engagement angesichts des möglichen
islamistischen Hintergrunds der Anschläge überprüfe:
"Diese Überlegungen gibt es nicht." Die Bundeswehr beteiligt sich
am internationalen Kampf gegen Terrorismus und stellt Truppen in
Afghanistan, die erneute Aktivitäten islamischer Extremisten
verhindern sollen. In einer Bekennerbotschaft einer islamistischen
Organisation wurden die Anschläge als Antwort auf den Einsatz
Spaniens im Irak und in Afghanistan bezeichnet. Die Anschläge und
die spanische Unterstützung des Irak-Kriegs gelten als wichtige
Faktoren für den Ausgang der spanischen Wahlen.
Ein Rückzug Deutschlands von seinem Engagement etwa in Afghanistan
wäre das völlig falsche Signal, hieß es in Berliner
Regierungskreisen. Man müsse im Gegenteil die internationalen
Bemühungen im Kampf gegen Terrorismus fortsetzen und zeigen, dass
Anschläge wie in Madrid an der Entschlossenheit nichts
änderten. Die Regierungen der am Anti-Terror-Kampf beteiligten
Staaten müssten diese Entschlossenheit deutlich machen. Nur so
könne man Zweifeln und Sorgen über den Einsatz gegen
Terrorismus entgegentreten, die möglicherweise als Folge von
Anschlägen wie in Madrid in der Bevölkerung aufkommen
könnten.
Nun müsse überlegt werden, ob und wie man etwa die deutschen
Truppe in den Auslandseinsätzen gegen die möglicherweise
größere Bedrohung durch Anschläge noch besser
schützen könne.
Zapateros Ankündigung zum Truppenrückzug wollte Anda nicht
bewerten. "Wir haben die Entscheidung in Spanien gar nicht zu
kommentieren, das ist eine souveräne Entscheidung des spanischen
Wahlsiegers", sagte er. Zapatero hatte nach seinem Wahlsieg vom Sonntag
angekündigt, die 1300 im Irak stationierten Soldaten abzuziehen.
Zapateros Ankündigung wurde in Berlin mit Irritation aufgenommen,
da sie ein Nachgeben gegenüber den Terroristen signalisieren
könne. "Wir haben es mit einer totalitären Bedrohung zu tun",
sagte der sicherheitspolitische Experte der Stiftung Wissenschaft und
Politik, Oliver Thränert. "Der darf man auf keinen Fall mit
Appeasement begegnen." Auch andere Außenpolitiker kritisierten
Zapateros Vorgehen. Er sende damit das völlig falsche Signal aus,
hieß es im Regierungslager.
Zugleich bezweifelten Außenpolitiker in Berlin, dass hinter
seinen Aussagen ein konkreter Plan stehe, der über seine Aussagen
aus dem Wahlkampf hinausgehe. Möglicherweise habe er nur seine
bisherigen Aussagen zugespitzt.
(Quelle: )
Bin Laden entkam französischen Truppen angeblich mehrmals nur
knapp - Pakistanische Truppen starten neuen Einsatz gegen Taliban-Kämpfer
Di.16.03.04 - Pakistanische Truppen haben hat im Grenzland zu Afghanistan eine neue
Offensive gegen mutmaßliche Taliban- und El-Kaida-Kämpfer
begonnen. Pakistanische Paramilitärs lieferten sich am
Dienstagmorgen nahe Azam Warzak Feuergefechte mit örtlichen
Stammeskriegern, wie ein Geheimdienstsprecher sagte. Die Stammeskrieger
werden verdächtigt, flüchtigen El-Kaida- und
Taliban-Kämpfern aus Afghanistan Unterschlupf zu gewähren.
Ein Militärsprehcer bestätigte, die Paramilitärs des
Frontier Corps hätten einen "Sucheinsatz" gestartet.
Der Moslem-Extremist Osama bin Laden ist nach französischen
Militär-Angaben mehrmals nur knapp einer Gefangennahme im
afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet entgangen. Derzeit fahnden rund
200 französische Soldaten gemeinsam mit US-Truppen in der Region
nach Kämpfern der radikal-islamischen Taliban und der El Kaida Bin
Ladens.
"Unsere Männer waren nicht sehr weit weg. Offenbar ist er bei
mehreren Gelegenheiten durch das sehr eng geknüpfte Netz
geschlüpft", sagte der Stabschef der französischen
Streitkräfte, Henri Bentegeat am Montag dem Rundfunksender "Europe
1". Auf welchen Zeitraum er sich dabei bezog, sagte der General nicht.
Bentegeat schien sich sicher zu sein, dass sich Bin Laden derzeit in
Afghanistan aufhält. "Das Gelände in Afghanistan ist
äußerst günstig für eine Flucht. Überall gibt
es unterirdische Verbindungen", sagte der Stabschef.
Seiner Einschätzung nach ist es möglich, dass El Kaida an den
Anschlägen in Madrid beteiligt war, bei denen am Donnerstag 200
Menschen getötet wurden. Die deutlichsten Indizien für eine
Täterschaft El Kaidas seien die minutiöse Vorbereitung der
Bombenanschläge auf die Pendlerzüge, sagte Bentegeat.
Aber auch eine Gefangennahme Bin Ladens würde zunächst nichts
an der Bedrohung durch Moslem-Extremisten ändern, sagte der
General. "Wenn wir einen Anführer fangen, werden andere
nachfolgen." Der islamische Extremismus breite sich vom Nahen Osten
aus. "Es ist ein Phänomen, dass wir Schritt für Schritt in
Afrika beobachten", vor allem in Ländern südlich der Sahara.
(Quellen: afp, rtr)
USA lassen 26 weitere Guantánamo-Gefangene frei
Di.16.03.04 - Die USA wollen 26 weitere Häftlinge aus dem Gefangenenlager
Guantánamo freigelassen. Die 23 Afghanen und drei Pakistaner
würden in ihre Heimatländer ausgeflogen, teilte das
US-Verteidigungsministerium am Montag mit.Weitere Einzelheiten sollten
erst nach ihrer Ankunft bekannt gegeben werden.
In den vergangenen Monaten wurden bereits rund 100 Häftlinge
freigelassen oder an ihre Heimatstaaten überstellt, erst
vergangene Woche kehrten fünf Briten nach Hause zurück. Auf
dem US-Marinestützpunkt werden etwa 650 Terrorverdächtige aus
rund 40 Ländern festgehalten. Menschenrechtsgruppen haben ihre
Haftbedingungen wiederholt heftig kritisiert.
(Quelle: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Nach Freilassung britischer Guantanamo-Häftlinge steigt Druck auf
USA
Fr.12.03.04 - Nachdem die britischen Behörden fünf zurückgekehrte
Häftlinge aus Guantanamo ohne Auflagen auf freien Fuß
gesetzt haben, steigt der Druck auf Washington, weitere Ausländer
aus dem umstrittenen Militärgefängnis zu entlassen.
Menschenrechtsgruppen und Angehörige der rund 660 Insassen
forderten bei den Vereinten Nationen eine Auflösung des Lagers auf
Kuba. «Guantanamo bedeutet die totale Verweigerung der
Menschenrechte», sagte der britische Schauspieler und
Mitgründer der Guantanamo Human Rights Comission, Corin Redgrave,
am Mittwochabend... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403120.htm#04031201
Mehr zum Thema "Guantanamo" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403110.htm#040311_a
Bush und Kerry in Umfragen fast gleich auf
Di.16.03.04 - US-Präsident George W. Bush und sein designierter demokratischer
Herausforderer John Kerry liegen in der Wählergunst nahezu gleich
auf. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des
amerikanischen Fernsehsenders CBS und der «New York Times»
hervor. Mit 46 Prozent Zustimmung der Befragten lag Bush drei
Prozentpunkte vor Kerry, vor zwei Wochen führte dagegen der
demokratische Politiker mit 47 Prozent knapp vor Bush (46 Prozent).
Sobald der unabhängige Kandidat Ralph Nader in die Fragen
einbezogen wurde, zeigte sich jedoch ein klarer Vorteil für Bush
ab: Für den derzeitigen Präsidenten sprachen sich in diesem
Fall 46 Prozent aus, Kerry kam auf 38 Prozent.
Ein wunder Punkt ist für Kerry der Umfrage zufolge die Frage nach
seiner Glaubwürdigkeit. Nur rund ein Drittel der Befragten
erklärten, der Politiker sage ihrer Meinung nach was er wirklich
denke. Bush musste vor allem bei seiner Entscheidungsfähigkeit in
Wirtschaftsfragen Minuspunkte hinnehmen: Rund 60 Prozent zogen seine
Kompetenz auf diesem Gebiet in Zweifel. Mehr als die Hälfte, 53
Prozent, erklärten dagegen, Bush könne gut mit
internationalen Krisen umgehen. Für Kerry fand das nur jeder
Dritte (33 Prozent).
Befragt wurden 1.286 Erwachsene, darunter 984 Wahlberechtigte. Die
Fehlerquote wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
USA werfen Palästinenserführung nach Anschlägen
Untätigkeit vor. Israels Militär will harte Vergeltung
für Selbstmordanschläge. Angeblich sollen Anführer
militanter palästinenischer Gruppen getötet werden. Scharon
lehnt weitere Friedensgespräche mit Palästinensern ab
Di.16.03.04 - Die US-Regierung hat den palästinensischen Doppelanschlag vom
Sonntag im israelischen Hafen Aschdod in scharfer Form verurteilt.
Zugleich warf sie der Palästinenserführung Untätigkeit
im Kampf gegen den Terror vor. Es gebe keinerlei Entschuldigung
für die Gewalt am Wochenende, sagte ein US-
Außenamtssprecher in Washington. Es sei an der
palästinensischen Führung, unverzüglich
glaubwürdige Schritte zur Beendigung des Terros zu unternehmen.
Bei einem Vorstoß nach Gaza hat die israelische Armee unterdessen
ein Schulgebäude gesprengt. Das in der Nacht zum Dienstag
zerstörte Gebäude habe im Süden der Stadt an einer
Straße gelegen, die zu einer jüdischen Siedlung führte,
berichteten palästinensische Sicherheitsleute. Zudem hätten
israelische Panzer eine benachbarte Straße verwüstet. Bei
einem anschließenden Schusswechsel mit palästinensischen
Sicherheitskräften seien zwei Polizisten verletzt worden.
Israelische Militärsprecher sagten, von dem Schulgebäude aus
hätten Palästinenser in der Vergangenheit auf
Militärkonvois und jüdische Siedler geschossen.
Israelische Militärchefs haben sich derweil für eine harte
Vergeltung für die jüngsten palästinensischen
Selbstmordanschläge ausgesprochen. Hochrangige Armeechefs
forderten bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Schaul Mofas eine
Antwort "von außergewöhnlichem Ausmaß", berichtete das
israelische Armeeradio am Montagabend. Der Druck auf die
palästinensischen Extremisten müsse erhöht werden. Zu
den vorgeschlagenen Maßnahmen gehörten Schritte, "die die
Palästinensergebiete lange nicht mehr erlebt" hätten. Die
Aktionen sollten sowohl in ihrem Ausmaß wie in ihrer Dauer
außergewöhnlich sein. Die Vorschläge sollten am
Dienstagmorgen dem israelischen Sicherheitskabinett vorgelegt werden,
berichtete der Armeerundfunk weiter.
Als Reaktion auf zwei Selbstmordanschläge in der Hafenstadt
Aschdod am Sonntag will Israel Sicherheitskreisen zufolge Anführer
militanter Palästinenser-Gruppen töten.
"Es wird gezielte Tötungen und andere Maßnahmen geben. Der
Zeitplan hängt von Geheimdienstinformationen ab", hieß es am
Montag in den Sicherheitskreisen. "Die Ziele werden von der Spitze
abwärts gewählt". Auch ein Angriff auf den geistlichen
Führer der Untergrundorganisation Hamas, Scheich Ahmed Jassin, sei
nicht ausgeschlossen.
Der israelische Minister Jisrael Katz forderte nach den Anschlägen
erneut die Ausweisung von Palästinenser-Präsident Jassir
Arafat, was die USA allerdings ablehnen.
Israel hat bereits mehrfach Hamas-Anführer getötet oder
verletzt. Der an den Rollstuhl gefesselte Jassin war bereits im
September bei einem israelischen Luftangriff auf Gaza verletzt worden,
wo er sich mit anderen Hamas-Anführern getroffen hatte. Im
gleichen Monat versuchte Israel auch, Mahmud a-Sahar zu töten. Bei
einem Luftangriff auf sein Haus starben sein Sohn und ein
Leibwächter. Ein weiteres Führungsmitglied der Hamas, Ismail
Abu Schanab, kam bei einem Luftangriff auf Gaza im August ums Leben.
Der Hamas-Anführer Abdel Asis El Rantissi wurde im Juni bei einem
israelischen Hubschrauber-Angriff auf seinen Wagen in Gaza verwundet.
Unter dem Eindruck der Selbstmordanschläge in der israelischen
Hafenstadt Aschdod hat Ministerpräsident Ariel Scharon am Montag
Friedensverhandlungen mit den Palästinensern ausgeschlossen. Diese
unternähmen nichts, um Anschläge auf Israelis zu unterbinden,
sagte Scharon vor der Knesset. Ein für Dienstag geplantes Treffen
Scharons mit dem palästinensischen Regierungschef Ahmed Kureia
hatte Israel in einer ersten Reaktion auf die Selbstmordanschläge
bereits abgesagt. Der Fortgang des Friedensprozesses bleibt damit
unklar.
Scharon sagte vor dem Parlament, Israel habe keinen echten
palästinensischen Verhandlungspartner für
Friedensgespräche. «Deshalb wird Israel, auch im politischen
Bereich, nach eigenem Verständnis allein handeln müssen. Es
wird in dieser Lage eindeutig keine politischen Verhandlungen
geben.» Er werde seine Schritte mit den USA koordinieren,
fügte er hinzu. Die Anschläge von Aschdod, bei denen am
Sonntag zehn Israelis und die beiden Attentäter getötet
wurden, zeigten erneut, dass es keinen palästinensischen
Führer mit dem Mut und der Fähigkeit gebe, gegen den
Terrorismus vorzugehen, sagte Scharon.
Ein israelischer Regierungsberater hatte schon vor den Anschlägen
bekräftigt, Israel werde seine Rückzugspläne aus den
palästinensischen Gebieten und die einseitige Grenzziehung
weiterverfolgen, sollte das Gipfeltreffen im Sande verlaufen. Scharon
hatte im vergangenen Monat angekündigt, Israel werde sich
weitgehend aus dem Gazastreifen zurückziehen und die meisten
Siedlungen dort auflösen. Vor der Knesset nannte Scharon keine
Einzelheiten der geplanten einseitigen Schritte. Die Pläne seien
noch nicht abgeschlossen, sagte er. Das Parlament billigte die
Erklärung Scharons mit der knappen Mehrheit von 46 zu 45 Stimmen.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat nannte die
Erklärung Scharons eine «schwerwiegende Entwicklung»,
die nichts zu einer Wiederbelebung des Friedensprozesses beitrage.
Erakat verurteilte die Anschläge im Namen der
Autonomiebehörde und bedauerte die Absage des Treffens der
Regierungschefs. US-Außenamtssprecher Adam Ereli sagte, die
US-Regierung befürworte zwar ein Treffen Scharons mit Kureia, doch
müssten die jüngsten Ereignisse berücksichtigt werden.
Die Palästinenser müssten glaubwürdige Schritte
unternehmen, die Gewalt zu beenden.
In der Nacht zum Montag beschossen israelische Kampfhubschrauber die
Stadt Gaza. Nach Militärangaben galten die Angriffe in der Nacht
zwei Waffenwerkstätten der radikalen Hamas-Bewegung. Über
eine mögliche größere militärische
Vergeltungsaktion soll nach der Rückkehr des
Verteidigungsministers Schaul Mofas von einem Besuch in den USA am
Dienstag beraten werden, wie aus israelischen Sicherheitskreisen
verlautete. Die Polizei verstärkte unterdessen die Kontrollen in
Häfen sowie auf Flughäfen und Bahnhöfen. Der
Grenzübergang Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen wurde
geschlossen. Der Schritt sollte auch auf das Westjordanland ausgedehnt
werden.
Militante Palästinenser beschossen am Montagmorgen im Gazastreifen
einen mit jüdischen Siedlern besetzten Bus mit einer Panzerfaust.
Dabei wurde offenbar niemand verletzt. Am Kontrollpunkt Huwwara im
Westjordanland nahmen Soldaten nach Armeeangaben einen
Zehnjährigen fest, der eine Bombe nach Israel schmuggeln wollte.
Der zündbereite Sprengsatz sei in seinem Schulranzen gefunden
worden. Der Junge sei von einem Erwachsenen angeheuert worden,
erklärte ein Armeesprecher im Rundfunk. Das Kind werde nach einem
Verhör wieder freigelassen.
(Quelle: afp, ap, rtr)
Haitis gestürzter Präsident Aristide in die Karibik
zurückgekehrt - Nachfolger Latortue legt Beziehungen zu Jamaika
auf Eis - Erstmals US-Soldat in Haiti angeschossen
Di.16.03.04 - Zwei Wochen nach seiner Flucht ins afrikanische Exil ist der
gestürzte haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide am
Montag in die Karibik zurückgekehrt. Die USA reagierten mit
Besorgnis auf die Entwicklung. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
äußerte die Befürchtung, Aristides Anwesenheit im
Nachbarstaat Jamaika könnte die Lage komplizieren. Der
haitianische Ministerpräsident Gerard Latortue sagte, allein die
Nachricht von seiner Rückkehr in die Karibik habe zu einer
Verschärfung der Spannungen in Port-au-Prince geführt. In der
Hauptstadt wurde unterdessen ein US-Marineinfanterist angeschossen.
Aristide traf aus seinem Exil in der Zentralafrikanischen Republik
kommend in Jamaika ein. Offiziell will er dort mit seinen beiden
Töchtern zusammentreffen und nach einem Land suchen, das der
Familie endgültig Asyl gewährt. Es wurden jedoch
Spekulationen laut, er könnte von Jamaika aus seine Rückkehr
ins nur 160 Kilometer entfernte Haiti vorbereiten.
Ministerpräsident Latortue berief den haitianischen Botschafter in
Jamaika ab und legte die diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarstaat
damit auf Eis. Er kündigte an, die Haltung seines Landes zur 15
Mitglieder zählenden Karibischen Gemeinschaft zu
überprüfen, deren Vorsitz derzeit der jamaikanische
Ministerpräsident Percival James Patterson inne hat. Die
Gemeinschaft hat eine internationale Untersuchung der Umstände von
Aristides Abreise gefordert.
Vor seinem Abflug aus Bangui deutete der Expräsident an, dass er
den Gedanken an eine Rückkehr noch nicht aufgegeben habe:
«Im Moment höre ich zu, was mein Volk sagt. Je mehr wir ihm
zuhören, umso besser werden wir wissen, was zur rechten Zeit zu
tun ist», sagte Aristide. «Wir müssen alles tun, was
wir können, um für Frieden zu sorgen.»
Der US-Soldat wurde am Sonntagabend in Belair, einer Hochburg von
Aristide-Anhängern, angeschossen und am Arm verletzt. Das teilte
ein Militärsprecher am Montag mit. Es sei die erste Verwundung
eines US-Soldaten beim Haiti-Einsatz gewesen. US-Soldaten wurden in der
vergangenen Woche mehrfach angegriffen und haben mindestens sechs
Haitianer erschossen. Anhänger Aristides betrachten sie als
Besatzungstruppe.
Am Sonntag wurden mindestens sechs Anhänger Aristides
festgenommen, darunter zwei ehemalige Funktionäre: Harold Severe,
früher stellvertretender Bürgermeister von Port-au-Prince,
und Jacques Nazaire, ehemaliger Sicherheitschef des Nationalpalastes.
Sie würden krimineller Machenschaften verdächtigt, sagte der
Oppositionspolitiker Evans Paul.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
UNICEF: Kinder auf Haiti von Hunger und Krankheiten bedroht
Sa.13.03.04 - Rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Haiti brauchen nach
Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF
dringend humanitäre Hilfe. «Viele sind seit langer Zeit
unzureichend ernährt und besonders von Infektionskrankheiten
bedroht», berichtete UNICEF am Freitag in Köln... Mehr unter
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#04031308
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_f
Oberstes Gericht Venezuelas stützt Chavez-Gegner
Di.16.03.04 - Das Oberste Gericht Venezuelas hat den Gegnern von Präsident Hugo
Chavez Auftrieb gegeben, die mit einer Petition eine Volksabstimmung
über dessen Amtsenthebung erreichen wollen. Das Gericht entschied
am Montag in Caracas, dass die Wahlkommission 870.000 beanstandete
Unterschriften nicht für ungültig erklären darf. Damit
wären genügend Unterschriften vorhanden, um ein Referendum zu
beantragen.
Die Regierung legte sofort Berufung gegen die Entscheidung ein. Der
Fall geht damit von der für Wahlen zuständigen Kammer des
Obersten Gerichts zu der für Verfassungsfragen zuständigen.
Die Opposition gegen Chavez hat ihr Ziel, die tatsächliche
Ansetzung eines Referendums, deshalb noch nicht erreicht.
Die Chavez-Gegner hatten der Wahlkommission mehr als drei Millionen
Unterschriften für ihre Amtsenthebungs-Petition vorgelegt. Die
Kommission entschied, dass 870.000 Unterschriften überprüft
werden müssten und machte die Ansetzung eines Referendums davon
abhängig, dass die beanstandeten Unterschriften von den
Unterzeichnern bestätigt werden. 400.000 Unterschriften wurden
vollständig aberkannt.
Für ein Referendum sind 2,4 Millionen Unterschriften erforderlich.
Mit den 870.000 vom Obersten Gericht erstinstanzlich anerkannten
Unterschriften wäre die Mindestzahl wieder um 300.000
übertroffen. Das Gericht legte fest, dass die Unterschriften
gültig sind, solange sich kein Unterzeichner melde und
erkläre, er habe nicht selbst unterschrieben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Venezuelas Präsident Chavez wirft USA Umsturzpläne vor
Mo.08.03.04 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat den USA vorgeworfen,
nach dem Vorbild Haitis einen Sturz seiner Regierung zu planen. Der
Staatschef machte die US-Regierung am Sonntag in seiner
wöchentlichen Fernsehansprache für die Entmachtung des
haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide verantwortlich.
Für den Fall, dass die USA ähnliche Pläne für
Venezuela verfolgten, werde er die Öllieferungen einstellen und
einen «hundertjährigen Krieg» beginnen, sagte Chavez.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0403080.htm#04030811
Hunderttausende demonstrieren gegen Absage der Volksabstimmung
So.07.03.04 - Hunderttausende Venezolaner haben am Samstag gegen die Entscheidung der
Wahlkommission demonstriert, die Petition für ein
Abwahl-Referendum gegen Präsident Hugo Chavez für
ungültig zu erklären. Die Demonstranten strömten in der
Hauptstadt Caracas in Sternmärschen in das Stadtzentrum. Sie
kündigten, weiter für die Absetzung von Chavez kämpfen
zu wollen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403070.htm#04030708
Krise in Venezuela treibt Ölpreise weiter hoch
Sa.06.03.04 - Die zugespitzte politische Lage im Förderland Venezuela und die
bevorstehende Produktionsdrosselung der Opec haben die Ölpreise am
Freitag auf ein Ein-Jahres-Hoch getrieben. In den USA treffen die
Raffinerien bereits Vorbereitungen auf Lieferunterbrechungen aus
Venezuela, obwohl das Land versichert, dass es dazu nicht kommen wird.
Die Regierung in Washington hat sich bereits "extrem besorgt" über
die kräftig anziehenden Benzinpreise geäußert... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030613
Mehr zum Thema "Venezuela" unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv3/k0403020.htm#040301_e
http://home.t-online.e/home/boa-archiv3/k0403010.htm#04030105
http://www.jungewelt.de/2004/03-04/005.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-05/006.php
UN-Sicherheitsrat friert weltweite Guthaben des liberianischen
Ex-Präsidenten Taylors ein
Di.16.03.04 - Der UN-Sicherheitsrat hat sämtliche Guthaben des liberianischen
Ex-Präsidenten Charles Taylor weltweit eingefroren. Eine
entsprechende Anweisung erließ der Rat am Freitag (Ortszeit) in
New York an alle Regierungen. Taylor und seiner Familie wurde
außerdem untersagt, "unrechtmäßige Gelder und
Besitztümer" zu nutzen, um den Friedensprozess im westlichen
Afrika zu sabotieren.
Ausgenommen von der Resolution sind nach Angaben der UN nur Ausgaben
zur Deckung grundsätzlicher Lebenshaltungskosten wie Nahrung,
Miete, Medikamente, Steuern und Versicherung. Taylor, der vor dem
UN-Tribunal wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen angeklagt ist,
darf nach einer früheren UN-Resolution Nigeria nicht verlassen, wo
er sich im Exil befindet.
(Quelle: epd)
Weltbank: Billiger Kaffee bedroht Millionen Existenzen
Di.16.03.04 - Stark gesunkene Kaffeepreise bedrohen nach Einschätzung der
Weltbank die Existenz von Millionen Kleinbauern in Entwicklungs- und
Schwellenländern. Die Einkommen der dort lebenden 20 bis 25
Millionen Kaffeebauern seien in vielen Fällen so stark gesunken,
dass die Betroffenen in extremer Armut leben müssten, sagte der
Weltbank-Agrarexperte Kevin Cleaver. Die Bauern würden von den
örtlichen Aufkäufern gezwungen, Minimalpreise für ihren
Kaffee zu akzeptieren. "Es ist eine echte Krise."
In einer Studie der Weltbank über Angebot und Nachfrage bei Kaffee
heißt es, im Erntejahr 2003/2004 werde die Kaffeeproduktion
voraussichtlich von 123,3 Millionen Säcken auf nur noch 106
Millionen Säcke sinken. Trotz der Angebotsverknappung rechnet die
Organisation nur mit einem langsamen Wiederanstieg der Preise, die sich
vor kurzem noch auf einem 100-Jahres-Tief befunden hatten.
Demnach wird der Preis für den Sack Arabica-Bohnen von 68 Dollar
(55,50 Euro) in diesem Jahr auf 72 Dollar 2005 steigen, bei der Sorte
Robusta geht die Weltbank von einer Erhöhung von 38 auf 40 Dollar
aus. Allerdings sei davon auszugehen, dass dieser Preisanstieg nur
vorübergehend sein werde.
(Quelle: afp)
Mehr zum Thema in der Süddeutschen Zeitung vom 15.03.04:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/463/28435/
Georgiens Präsident Saakaschwili verhängt Handelsbeschränkungen
gegen abtrünnige Provinz Adscharien
Di.16.03.04 - Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat am Montag
Handelsbeschränkungen gegen die nach Unabhängigkeit strebende
autonome Republik Adscharien verhängt. Zuvor war ein Ultimatum
verstrichen, mit dem Saakaschwili die vollständige Rückkehr
der Region in den georgischen Verbund verlangt hatte. Der adscharische
Gouverneur Aslan Abaschidse verhängte den Ausnahmezustand und ein
Ausgehverbot.
Das Ultimatum war bis Montagabend 19.30 Uhr befristet. Der Konflikt war
am Sonntag wieder aufgebrochen, als Saakaschwili nach eigener
Darstellung die Einreise in das Gebiet verweigert wurde. Der
Präsident wollte dort für die georgische Parlamentswahl am
28. März werben. Er bildete daraufhin in Poti ein Krisenzentrum
und forderte Abaschidse auf, die Zentralregierung in Tiflis
anzuerkennen und paramilitärische Truppen aufzulösen. Nach
Ablauf der Frist sagte Saakaschwili in Tiflis, er habe Maßnahmen
verhängt, um Kontrolle über den Seehafen der adscharischen
Hauptstadt Batumi zu erhalten. Die Maßnahmen seien befristeter
Natur, bis sich die Lage wieder normalisiert habe.
Abaschidse sagte im adscharischen Fernsehsender, er habe mit
Saakaschwili ein «sehr schwieriges Gespräch» am Sonntag
per Telefon gehabt. «Er hat einfach gesagt, was er will und
wollte nicht zuhören. Ich erinnerte ihn mehrfach daran, dass ich
älter als er sei. Er entschuldigte sich und redete auf dieselbe
Art weiter», sagte er. Saakaschwili habe die Kontrolle über
die Zollbehörden in Adscharien verlangt, das an die Türkei
grenzt, sowie über den Hafen von Batumi.
Saakaschwili hat die Einigung des Kaukasuslandes zu einer seiner
wichtigsten Aufgaben nach seiner Wahl im Januar erklärt. Die
zunehmenden Spannungen weckten Erinnerungen an frühere
Bürgerkriege in der autonomen Republik Abchasien und dem autonomen
Gebiet Südossetien Anfang der 90er Jahre. Am Sonntag ließ er
die Streitkräfte in die höchste Alarmstufe versetzen. Bei der
Krisensitzung in Poti sagte der georgische Staatssicherheitsminister
Surab Adeischwili, in Adscharien seien bewaffnete Formationen mit mehr
als 1.000 Mann gebildet worden. An Zivilpersonen seien Waffen verteilt
worden. Am Grenzfluss trafen am Montag Bewaffnete in Tarnkleidung ein,
wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.
US-Außenamtssprecher Adam Ereli sagte, Außenminister Colin
Powell habe Saakaschwili in einem Telefonat aufgefordert, die Lage
nicht eskalieren zu lassen. Der Vorsitzende der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der bulgarische
Außenminister Solomon Passi, traf am Montag mit Saakaschwili
zusammen. Er rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Nach einem
Bericht der russischen Nachrichtenagentur ITAR-Tass kündigte die
OSZE einen Abzug ihrer Beobachter aus Adscharien an, die die
Vorbereitungen zur Parlamentswahl Ende März verfolgten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
In Georgien bahnen sich neue Unruhen an...
Mo.15.03.04 - In Georgien bahnt sich ein massiver Konflikt zwischen Präsident
Michail Saakaschwili und dem Führer der abtrünnigen Region
Adscharien an. Die georgische Armee wurde in erhöhte
Alarmbereitschaft versetzt, nachdem adscharische Sicherheitskräfte
Saakaschwili am Vorabend die Einreise in die Region verwehrt hatten.
Der Luftraum über Adscharien wurde für alle
nicht-militärischen Flüge gesperrt, wie das georgische
Militär mitteilte... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403150.htm#04031505
US-Verteidigungsminister trifft georgische Übergangsregierung in
Tiflis
Sa.06.12.03 - Rumsfeld fordert den Abzug russischer Truppen aus Georgien +++ Der
amerikanische Verteidigungsminister besuchte in Georgien einen
ehemaligen Militärstützpunkt der sowjetischen
Streitkräfte, auf dem heute US-Soldaten georgische Truppen
für den Anti-Terror-Kampf ausbilden.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312060.htm#03120609
 
Russlands Außenminister Iwanow wirft USA Verwicklung in
Rücktritt Schewardnadses vor
Auch der Finanzmagnat und Milliardär George Soros soll eine Rolle
gespielt haben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312070.htm#03120714
Mehr zum Thema "Georgien" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312070.htm#031207ev
OSZE: Wahl in Russland war undemokratisch
Di.16.03.04 - Einen Tag nach dem Wahltriumph des russischen Präsidenten Wladimir
Putin hat die OSZE die Abstimmung als undemokratisch kritisiert. Auch
US-Außenminister Colin Powell äußerte Bedenken.
"Insgesamt hat der Wahlvorgang nicht angemessen die Prinzipien
widergespiegelt, die für eine gesunde, demokratische Wahl
nötig sind", kritisierte der Chef der OSZE-Wahlbeobachter in
Russland, Julian Peel Yates, am Montag. Er bemängelte auch das
Verhalten der staatlich kontrollierten Medien im Wahlkampf.
"Unabdingbare Elemente wie eine lebhafte politische Auseinandersetzung
und ein echter Pluralismus fehlten". Auch Powell kritisierte, das
Präsidialamt habe Putins Konkurrenten einen angemessenen Zugang zu
den Medien vorenthalten. Die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit (OSZE) hatte bereits die russische Parlamentswahl im
Dezember als unfair und parteiisch zu Gunsten Putins bezeichnet.
Auf die Kritik aus den USA reagierte Putin mit einem Verweis auf die
US-Präsidentenwahl vor vier Jahren. "Auch viele sogenannte
entwickelte Demokratien haben Probleme mit ihren eigenen demokratischen
Regeln und Wahlen. Vor vier Jahren haben wir sehr erstaunt beobachtet,
wie das amerikanische Wahlsystem mit einigen Pannen zu kämpfen
hatte", sagte Putin. Er erinnerte damit an die US-Präsidentenwahl
2000, als George W. Bush sich gegen seinen Konkurrenten Al Gore nur
nach einer Reihe von Gerichtsurteilen über die Gültigkeit von
Stimmzetteln im entscheidenden Bundesstaat Florida durchsetzen konnte.
Nach Auszählung fast aller Stimmzettel kam Putin am Montag auf
einen Stimmanteil von 71 Prozent und schlug damit seinen
aussichtsreichsten Konkurrenten, den Kommunisten Nikolai Charitonow mit
13,8 Prozent weit ab. Liberale Kritiker werfen dem früheren
KGB-Agenten Putin einen autokratischen Regierungsstil vor. Sie
betrachten es als eine Gefahr für die Demokratie, dass über
den Krieg in Tschetschenien in russischen Medien praktisch nicht
berichtet wird und immer mehr Mitglieder des staatlichen
Sicherheitsapparats in hohe Ämter befördert werden.
Putin kündigte nach seinem Wahlsieg an, in den kommenden vier
Jahren den Lebensstandard der Russen verbessern zu wollen. Zugleich
räumte der 51-Jährige Versäumnisse in seiner ersten
Amtszeit ein. "Was wir getan haben, hat den Russen keinen Wohlstand
gebracht. Wir sehen erst die Morgendämmerung dieses Wohlstandes",
sagte er. In den nächsten vier Jahren solle seine Politik
greifbare Ergebnisse bringen für die russische Bevölkerung,
von der ein Viertel in Armut lebt. Die Märkte reagierten kaum auf
Putins weithin erwartete Wiederwahl.
Er wolle Russland weiter modernisieren, sich für ein stabiles
Wirtschaftswachstum und den Erhalt der Pressefreiheit einsetzen,
kündigte Putin an. "Ich verspreche Ihnen, dass alle demokratischen
Fortschritte unseres Volkes ohne jeden Zweifel erhalten und garantiert
werden." Viele Russen halten dem als entschlossen und diszipliniert
geltenden Putin zu Gute, in den vergangenen turbulenten Jahren für
politische und wirtschaftliche Stabilität gesorgt zu haben.
Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft begrüßte die
Wiederwahl Putins. Sein Vorsitzender Klaus Mangold erklärte in
Berlin: "Die Wiederwahl Wladimir Putins ist ein weiterer Meilenstein
für politische Stabilität und die Fortsetzung des
Reformprozesses". Die neue Regierung unter Ministerpräsident
Michail Fradkow und dem reformorientierten Wirtschaftsminister German
Gref lasse erwarten, dass das Land an einer Fortsetzung der
Reformpolitik arbeite und die Privatisierung fortsetze.
(Quelle: rtr)
Europa gedenkt der Toten des Terroranschlags von Madrid - Zahl der
Todesopfer stieg auf 201 - Immer mehr Hinweise führen die
Ermittler auf die Spur der El Kaida
Di.16.03.04 - In ganz Europa ist am Mittag mit drei Schweigeminuten der 200
Todesopfer und fast 1500 Verletzten der Anschläge von Madrid
gedacht worden. In mehreren deutschen Städten hielten
öffentliche Verkehrsmittel um 12.00 Uhr für eine Minute an,
in vielen Schulen wurde der Unterricht unterbrochen. In Berlin
versammelten sich etwa hundert Menschen vor der spanischen Botschaft.
Auch Mitarbeiter von Ministerien und Behörden gedachten der Toten.
In Brüssel hielt EU-Kommissionspräsident Romano Prodi mit
mehreren hundert Beamten der Europäischen Union in stillem
Gedenken inne.
Die Bundestagsfraktion der Grünen unterbrach ihre Sitzung ebenso
wie die Bundespressekonferenz. In Dresden läuteten die Glocken der
Frauenkirche, die 1945 durch alliierte Bomben zerstört wurde. Auch
Mitarbeiter der Deutschen Börse in Frankfurt am Main gedachten der
Opfer der Anschläge. Der Handel wurde jedoch nicht ausgesetzt.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte die Menschen in Deutschland
aufgerufen, dem Vorschlag des amtierenden irischen
EU-Ratspräsidenten Bertie Ahern zu folgen und sich um 12.00 Uhr
mit drei Schweigeminuten der Staatstrauer in Spanien
anzuschließen.
Auch die Mitarbeiter des NATO-Hauptquartiers in Brüsssel leisteten
Aherns Appell Folge. In Straßburg verharrten mehr als 1500
Mitarbeiter des Europarats und des europäischen Parlaments drei
Minuten in stillem Gedenken an die Opfer der verheerenden
Bombenanschläge. In Paris und anderen französischen
Städten erklangen um 12.00 Uhr Kirchenglocken und Sirenen. Der
französische Präsident Jacques Chirac legte im Hof der
spanischen Botschaft ein Trauergebinde nieder.
In Großbritannien und Irland hielten Zehntausende Menschen in
schweigendem Gedenken inne. Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehsender
setzten vorübergehend ihr Programm aus. In Italien hielten
Mitarbeiter von Behörden, öffentlichen Einrichtungen und
Unternehmen ebenfalls drei Schweigeminuten ein. In Griechenland, das
der mitteleuropäischen Zeit eine Stunde voraus ist, erfolgten die
Gedenkminuten versehentlich eine Stunde später.
Der bulgarische Präsident Georgi Parwanow nahm in Sofia an einem
Gedenkgottesdient für die Opfer teil. Die meisten Sender
unterbrachen ihr Programm. Auch in Kroatien und Serbien-Montenegro gab
es Trauerbekundungen.
Nach den Terroranschlägen von Madrid führen unterdessen immer
mehr Hinweise die Ermittler auf die Spur der El Kaida.
Die spanische Zeitung «El País» berichtete am Montag
unter Berufung auf das Innenministerium, drei festgenommene Marokkaner
hätten Verbindungen zum Chef einer mutmaßlichen spanischen
El-Kaida-Zelle. Weiter hieß es, die Bombenserie in der spanischen
Hauptstadt am Donnerstag und die Anschläge in der marokkanischen
Stadt Casablanca vom Mai seien wahrscheinlich von derselben Gruppe
verübt worden. Die Zahl der Todesopfer nach der Bombenserie stieg
unterdessen nach Angaben des Innenministeriums auf 201.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Mehr als 170 Tote bei Anschlagsserie in Madrid
Do.11.03.04 - Entsetzen und Trauer - Spaniens Innenminister verdächtigt
ETA als Urheber der Terrorakte - Politischer Arm der
Separatistenorganisation macht dagegen arabische Extremisten für
die Anschlagserie verantwortlich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403110.htm#04031122
Fast 200 Tote und 1.250 Verletzte bei Anschlägen in Madrid
Fr.12.03.04 - Hinweise auf islamistischen Hintergrund - El Kaida bekennt sich
offenbar zu Anschlag - Madrid bleibt bei ETA-Urheberschaft für
Anschläge - Alle Wahlkampfveranstaltungen in Spanien abgesagt -
UN-Sicherheitsrat und Annan verurteilen Madrider Anschläge -
Börsen reagieren mit kräftigen Kursstürzen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403120.htm#04031207
Spanien trauert um Opfer der Anschläge von Madrid
Sa.13.03.04 - Noch keine eindeutige Spur zu Tätern - Millionen gehen gegen Terror und
Gewalt auf die Straße...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#04031309
Zahl der Toten nach Anschlägen in Madrid auf 200 gestiegen
So.14.03.04 - Fünf Verdächtige nach Anschlägen in Madrid gefasst -
Angebliche Video-Botschaft El Kaidas zu Anschlägen entdeckt -
Norwegische Terrorismusexperten finden im Internet Hinweise auf
El-Kaida-Beteiligung an Terror in Madrid - Volkswirt:
El-Kaida-Täterschaft würde Weltwirtschaft schaden - Zeitung:
Spaniens Botschafter sollten auf ETA verweisen - Proteste gegen
spanische Regierung in mehreren Städten
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403140.htm#04031410
Erdrutschsieg für spanische Sozialisten
Mo.15.03.04 - Die Informationspolitik zu den möglichen Hintergründen der
Terroranschläge in Madrid dürfte die regierende konservative
Volkspartei den Wahlsieg gekostet haben - Künftiger
sozialistischer Ministerpräsident Zapatero: Kampf gegen den
Terror sei das erste Ziel seiner Regierung - Erhärtende Hinweise auf El Kaida
als Urheber der Anschläge von Madrid: Möglicherweise von Mitgliedern der gleichen
radikalislamischen Gruppe verübt wie die Anschläge von
Casablanca... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403150.htm#04031507
Nach Machtwechsel in Madrid neue Chancen für EU-Verfassung
Di.16.03.04 - Der Regierungswechsel in Spanien hat die Chancen für eine baldige
Verabschiedung einer EU-Verfassung verbessert. Spanien wolle seine
bisherige Blockadehaltung bei den Verhandlungen aufgeben, sagte der
Vorsitzende der SPE-Fraktion im Europäischen Parlament, Enrique
Baron-Crespo. Kanzler Gerhard Schröder sagte, damit könne es
leichter werden, «dem Prinzip der doppelten Mehrheit eine
Einstimmigkeit zu verschaffen». Vor allem Spanien und Polen haben
bislang eine Einigung in der Verfassungsfrage vereitelt.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Bürger aus 25 Nationen können an Europawahl
teilnehmen
Di.16.03.04 - An der Wahl zum Europaparlament am 13. Juni können erstmals auch
Bürger der zehn EU-Beitrittsstaaten teilnehmen. Wie der
Bundeswahlleiter am Montag in Wiesbaden mitteilte, können damit
Wahlberechtigte aus insgesamt 25 Nationen auch in der Bundesrepublik
ihre Stimme abgeben. Voraussetzung für nichtdeutsche
Wahlberechtigte ist den Angaben zufolge, dass sie seit mindestens drei
Monaten hier ihren Wohnsitz haben und in einem deutschen
Wählerverzeichnis geführt werden. Ihr Heimatland muss zudem
wie vorgesehen zum 1. Mai der EU beigetreten sein.
Nichtdeutsche Bürger der Europäischen Union können laut
Bundeswahlleiter aber auch die Abgeordneten ihres Herkunftslandes
wählen. Dazu müssen sie sich an die zuständigen Stellen
bei Konsulaten oder Botschaften wenden. Falls sie von der vorherigen
Wahl zum Europaparlament 1999 noch in eine deutsche Wählerliste
eingetragen sind, müssen sie sich bis spätestens 23. Mai
davon streichen lassen. Umgekehrt müssen nichtdeutsche
EU-Bürger, die in Deutschland ihre Stimme abgeben wollen, bis
spätestens 9. Mai in eine deutsche Wählerliste eingetragen
sein. Die dazu notwendigen Unterlagen sind bei den Wahlämtern der
Gemeinden sowie beim Bundeswahlleiter im Internet im Bereich
«Service für Unionsbürger» zum Download
erhältlich.
Die Wahlberechtigten - deutsche und nichtdeutsche - erhalten den
Angaben zufolge von ihrer Gemeindebehörde bis spätestens 23.
Mai ein Wahlbenachrichtigung, in der auch vermerkt ist, in welchem
Wahllokal sie am 13. Juni ihre Stimme abgeben können.
(Quelle: ap)
Mehr Informationen unter:
http://www.bundeswahlleiter.de/
DGB fordert Harmonisierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa
Di.16.03.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert aus Anlass der
bevorstehenden EU-Erweiterung eine umfassende Harmonisierung der
Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa. «Wir müssen den
für alle Volkswirtschaften ruinösen Wettlauf um immer
niedrigere Steuern, Abgaben und Einkommen verhindern», sagte
DGB-Chef Michael Sommer dem Düsseldorfer
«Handelsblatt» (Dienstagausgabe). Das bedeute:
«Harmonisierung der Steuer- und Abgabensysteme, eine dem
Produktivitätsfortschritt angemessene Angleichung der Einkommen -
und zwar nicht auf dem niedrigsten Niveau.»
Trotz Sorge in den Gewerkschaften vor wachsendem Konkurrenzdruck aus
dem Osten will der DGB aber zum Tag der Arbeit am 1. Mai seine
Unterstützung für die EU-Osterweiterung demonstrieren. Sommer
sagte: «Die Integration Europas ist nach dem Ende des
Steinzeit-Kommunismus die zweite herausragende historische
Entwicklung.» Dies soll auch das Motto der traditionellen
DGB-Kundgebung zum 1. Mai transportieren. Es lautet: «Unser
Europa. Frei, gleich, gerecht.»
(Quelle: ddp)
Nach Islamisten-Hinweis: Länder verschärfen Schutzvorkehrungen
Di.16.03.04 - Nach den Hinweisen auf einen islamistischen Hintergrund der
Bombenanschläge von Madrid haben mehrere Bundesländer ihre
Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Die Innenministerien von Hessen und Nordrhein-Westfalen erklärten
am Montag, vor allem an spanischen Einrichtungen sei der Schutz
nochmals hochgefahren worden. Die niedersächsische Landesregierung
will die Polizeipräsenz auf der am Donnerstag beginnenden
Computermesse CeBIT in Hannover erhöhen. Die Innenminister der
Europäischen Union (EU) werden voraussichtlich am kommenden Montag
zu einer Sondersitzung zusammen kommen. Bundesinnenminister Otto Schily
(SPD) hatte das Treffen angeregt, nachdem sich die Hinweise auf einen
islamistischen Hintergrund der Anschläge in Madrid verdichtet
hatten. In deutschen Sicherheitskreisen hieß es, die Drahtzieher
seien zu 90 Prozent Moslem-Extremisten. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) warnte CDU/CSU davor, die Anschläge für
parteitaktische Vorschläge zu nutzen.
"Wir haben nach den Anschlägen punktuell die
Sicherheitsvorkehrungen in Hessen verstärkt, insbesondere bei
spanischen Einrichtungen", sagte ein Sprecher des hessischen
Innenministeriums. In Nordrhein-Westfalen hieß es, erhöhten
Schutz gebe es für israelische Einrichtungen und Gebäude
solcher Staaten, die sich am Irak-Krieg beteiligt hätten. Das
bayerische Innenministerium erklärte, die Sicherheitsvorkehrungen
bei spanischen Einrichtungen, Flughäfen und in der Umgebung von
Bahnhöfen seien bereits am Freitag verschärft worden. Bayern
habe von Anfang an daran gezweifelt, dass die baskische
Separatistenorganisation ETA hinter den Anschlägen in Spanien
stecken könnte, und habe daher früh die
Sicherheitsmaßnahmen erhöht.
Schily hatte am Sonntag angekündigt, den Schutz von Bahnhöfen
zu verschärfen und Grenzkontrollen zu verstärken. Sein
Sprecher sagte am Montag, auf der von Schily vorgeschlagenen
Sonderkonferenz der EU-Innenminister könne darüber gesprochen
werden, wie der Informationsaustausch innerhalb der EU verstärkt
werden könne. Die Konferenz werde möglicherweise am 22.
März statt finden, der Termin müsse aber noch von der
irischen Ratspräsidentschaft abgestimmt werden.
Bei den Anschlägen auf voll besetzte Züge am vergangenen
Donnerstag in Madrid waren 200 Menschen getötet und rund 1500
verletzt worden. Zuletzt hatten sich die Hinweise verdichtet, dass
islamische Extremisten die Attentäter sein könnten und nicht
die ETA, die spanische Behörden zunächst als
Hauptverdächtige genannt hatten. In deutschen Sicherheitskreisen
hieß es, inzwischen gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass
Moslem-Extremisten hinter den Anschlägen steckten. "Die
Wahrscheinlichkeit liegt bei 90 zu 10", hieß es. Es sei aber noch
unklar, ob die radikal-islamische El Kaida verantwortlich sei oder
selbstständig agierende Attentäter.
Das Auswärtige Amt verwies erneut auf das Anschlagsrisiko in
Europa. "Die Bombenanschläge in Madrid vom 11. März, denen
mindestens 200 Personen zum Opfer gefallen sind, haben gezeigt, dass
auch Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Ziel schwerster
terroristischer Attentate sein können", heißt es in dem am
Montag aktualisierten weltweiten Sicherheitshinweis. Das Ministerium
weist seit November 2002 auf das Risiko von Anschlägen hin. Im
bislang gültigen Hinweis vom 5. Februar hieß es, es gebe
weltweit Hinweise auf geplante Attentate, die auch gegen die USA,
Mitgliedsstaaten der EU und den internationalen Verkehr nicht
ausgeschlossen werden könnten.
Bundeskanzler Schröder wies erneut die Forderung der Union nach
einem Einsatz der Bundeswehr im Inland zurück. Die Anschläge
sollten nicht für parteitaktische Spiele genutzt werden, sagte er.
Die Polizei und der Bundesgrenzschutz seien für ihre Aufgaben gut
aufgestellt.
(Quelle: rtr)
Schily geht in Sicherheitsfragen auf Union zu -
Der Bundesinnenminister
will härteres Ausländerrecht
Di.16.03.04 - Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) will in den Verhandlungen
über das Zuwanderungsgesetz auch die Weichen für eine
Verschärfung des Ausländerrechts stellen, Details aber in
einem getrennten Verfahren regeln.
Schilys Sprecher Rainer Lingenthal sagte am Montag, der Minister habe
darauf hingewiesen, "dass er es für notwendig hält, die
Tatbestände über die Ausweisung und die Einreise von
Ausländern, die im Verdacht stehen, einen extremistischen
Hintergrund zu haben, zu verschärfen". Damit kam Schily einer
Forderung der Union entgegen. Diese beharrte aber darauf, bereits
konkrete Vereinbarungen in den Zuwanderungverhandlungen zu treffen.
"Das ist ein untrennbarer Bestandteil der Gesamtverhandlungen", sagte
CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach der Nachrichtenagentur Reuters. Die
Grünen zeigten sich skeptisch, dass überhaupt Handlungsbedarf
besteht.
Die Union hatte nach den Bombenanschlägen in Madrid ihre Forderung
bekräftigt, Ausländer schon beim Verdacht terroristischer
Tätigkeiten auszuweisen. Sie will derartige Sicherheitsaspekte in
den Zuwanderungsverhandlungen regeln, was die Koalition bisher
abgelehnt hat. Wenn Rot-Grün bei dieser Haltung bleibe, werde eine
Einigung schwierig, sagte Bosbach: "Dann drohen die Gespräche zu
scheitern." Die Verhandlungen über das Zuwanderungsgesetz sollen
am Sonntag fortgesetzt werden.
Über die genaue Formulierung der Verschärfung der
Tatbestände für eine Ausweisung oder Verweigerung der
Einreise werde man sich noch unterhalten müssen, sagte Schilys
Sprecher. Der Minister habe sich dagegen ausgesprochen, dies im Rahmen
der Zuwanderungsverhandlungen zu machen. Es sei jedoch möglich,
dass man sich über die Sache einige, dies dann aber in einem
anderen Gesetzgebungsverfahren regele. "Inhaltliche Einigung,
getrenntes Verfahren", sagte Schilys Sprecher.
Grünen-Verhandlungsführer Volker Beck äußerte sich
zurückhaltend auf die Frage, ob Handlungsbedarf besteht. Nach
seiner Kenntnis könne man einen Ausländer, der aktiv in
terroristische Strukturen eingebunden sei, nach geltendem Recht
ausweisen beziehungsweise an der Einreise hindern, sagte Beck Reuters.
"Für uns ist klar: Wenn es da eine Sicherheitslücke gibt,
dann schließen wir die. Aber das muss erstmal nachgewiesen sein,
dass es die gibt." Das sei Sache der Exekutive. Für die
Grünen sei entscheidend, dass man der Person die Verstrickung in
terroristische Strukturen nachweisen könne, sagte Beck weiter:
"Dann kann die Sanktion erfolgen."
Der Verhandlungsführer der Unions-Fraktion, Bosbach, beharrte
darauf, dass konkrete Vereinbarungen mit der Koalition zu
Sicherheitsaspekten notwendig seien. "Wir wollen wissen, ob die
Koalition bereit ist zu Verschärfungen im Ausländerrecht zur
Erhöhung der Sicherheit, und wenn ja, an welchen Stellen und in
welchem Umfang." Bloße Zusagen Schilys reichten nicht aus. Die
von Schily in Aussicht gestellte Grundsatzeinigung müsse sehr
konkret sein. "Und da frage ich Herrn Schily, wenn wir eine Einigung
haben, wieso schreiben wir sie nicht ins Gesetzblatt?"
Konkret hieße dies nach Bosbachs Worten, dass Ausländern die
Einreise verweigert werden müsse, wenn Sicherheitsbedenken
bestünden und diese nicht ausgeräumt werden könnten.
"Das nächste ist, die Möglichkeit zu schaffen, extremistische
Ausländer auszuweisen, auch wenn sie nicht strafrechtlich belangt
worden sind", forderte Bosbach. So gebe es eine erhebliche Zahl so
genannter Gefährder, die eine Gefahr für die Sicherheit
seien, sich aber nicht strafbar gemacht hätten. Sie seien etwa in
einer verbotenen extremistischen Vereinigung tätig gewesen oder
hätten sich um Kauf von Sprengstoff bemüht. "Das muss
ausreichen, ihn auszuweisen und abzuschieben."
Hohe Ausweisungshürden gebe es vor allem bei Ausländern mit
so genanntem verfestigten Aufenthaltsstatus, etwa bei anerkannten
Asylbewerbern oder Ausländern, die mit einer Deutschen verheiratet
seien, sagte Bosbach. Deren Ausweisung sei nur aus schwerwiegenden
Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung möglich.
Zudem müsse das Strafmaß von derzeit drei Jahren, ab dem
nach einer Verurteilung wegen einer Straftat die Regelausweisung
verfügt werde, verringert werden. "Wir fordern, das Strafmaß
auf ein Jahr ohne Bewährung abzusenken."
(Quelle: rtr)
Bundesausländerbeirat warnt vor 'Abschiebung auf Verdacht'
Di.16.03.04 - Der Bundesausländerbeirat hat davor gewarnt, in das
Zuwanderungsgesetz eine Regelung aufzunehmen, wonach Nichtdeutsche bei
Terrorismusverdacht ausgewiesen werden können. «Einen
Rechtsakt auf Grund eines Verdachts zu erlassen, wäre eine
gefährliche Abweichung von unserer über Jahrhunderte
gewachsenen rechtsstaatlichen Ordnung», kritisierte der
Vorsitzende des Gremiums, Memet Kilic, am Montag in Mainz. Die
freiheitlich demokratische Grundordnung Deutschlands sei das beste
Mittel zur Bekämpfung des Terrors.
Kilic kritisierte, schon jetzt enthalte der Entwurf für ein
Zuwanderungsgesetz eine Vielzahl restriktiver Normen. Die Forderung der
Union nach einer «Abschiebung auf Verdacht» sei
unerträglicher Populismus. Die furchtbaren Anschläge von
Madrid dürften nicht auf diese Weise missbraucht werden.
(Quelle: ap)
Stichwort: Zuwanderungsgesetz
http.//www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401170.htm#04011719
Wulff fordert Video-Überwachung im Umfeld von Moscheen
Di.16.03.04 - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff will
öffentliche Plätze und gefährdete Einrichtungen
überwachen. Auch der Video-Einsatz im Umfeld von Moscheen und
islamistischer Zentren sei denkbar. Das erklärte der CDU-Politiker
der «Nordwest-Zeitung». Grund für Wulffs Vorstoß
sind die Anschläge von Madrid. Auch Bund und Länder wollen
ihre Zusammenarbeit enger vernetzen. Innenminister Otto Schily hat
darüber bereits am Montag mit vier seiner Kollegen aus den
Ländern beraten.
(Quelle: dpa)
Innenausschuss des Berliner Landesparlaments beschließt Aus
für Schleierfahndung
Di.16.03.04 - Trotz des Terroranschlags in Madrid wird Berlin künftig auf
verdachtsunabhängige Kontrollen von Bürgern verzichten. Eine
entsprechende Änderung des Polizeigesetzes wurde am Montag mit den
Stimmen von SPD, PDS, Grünen und FDP im parlamentarischen
Innenausschuss beschlossen. Die CDU kritisierte die Abschaffung der so
genannten Schleierfahndung. Die 1999 eingeführte Regelung bietet
der Polizei die Möglichkeit, zur Abwehr grenzüberschreitender
Kriminalität Bürger ohne jeglichen Anlass oder Verdacht zu
überprüfen.
Zuvor hatte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die
Gesetzesänderung nochmals verteidigt. Das Instrument diene der
Vorbeugung grenzüberschreitender Kriminalität und habe
«nichts mit der Terrorismusbekämpfung zu tun», sagte
der SPD-Politiker vor dem Ausschuss. Da Berlin keine Staatsgrenzen
habe, sei es für die Stadt «verzichtbar». Zugleich
betonte Körting, die Sinnhaftigkeit der Schleierfahndung auf
Bundesebene nicht in Frage zu stellen. Er warf der CDU vor, die
«schrecklichen Ereignisse von Madrid» zu missbrauchen, um
die Debatte mit «unzulässigen Argumenten zu belasten».
Zugleich verwies Körting darauf, dass die Regelung seit 1999 in
Berlin nur acht Mal angewendet worden sei, ohne den erhofften Erfolg zu
erzielen. Außerdem gebe es im Berliner Polizeigesetz Vorschriften
zur Terrorismusbekämpfung. Diese würden es erlauben, bei
Verdacht einer entsprechenden Straftat die Identität von Personen
festzustellen. Auch Kontrollstellen könnten danach in der Stadt
eingerichtet werden, um derartige Delikte zu verhindern. Der bestehende
Paragraph 21 werde nun um einen Passus ergänzt, der die
Durchsuchung verdächtiger Personen gestatte. Damit werde
vermieden, dass diese Vorschrift mit der Streichung der
Schleierfahndung wegfalle.
(Quelle: ddp)
Linkspartei-Initiatoren gehen vor dem SPD-Sonderparteitag an die
Öffentlichkeit - SPD leitet gegen sechs Parteimitglieder Verfahren
ein, das zum Parteiausschluss führen kann
Di.16.03.04 - Die Initiatoren einer neuen Linkspartei wollen ihren Konfrontationskurs
gegenüber der SPD verschärfen. Das berichtet die
«Welt». Zwei Tage vor deren Berliner Sonderparteitag wollen
sie demnach am Freitag an die Öffentlichkeit gehen. Bei einer
Pressekonferenz in Nürnberg wollen die sieben Erstunterzeichner
des Aufrufs «Arbeit & soziale Gerechtigkeit» ihre Ideen
präsentieren. Die SPD hat all ihren Mitgliedern den
Parteiausschluss angedroht, die sich an der Initiative beteiligen.
Zu den nun eingeleiteten Schiedsverfahren und damit drohenden
Parteiausschlüssen sagte der IG-Metall-Funktionär Peter
Vetter dem «Handelsblatt» (Dienstagausgabe): «Der
Gedanke, jetzt erst Recht zu handeln, liegt jedenfalls nahe.»
Der Mitbegründer der Initiative und Gewerkschaftssekretär
sagte, bei vielen Parteimitgliedern, die bisher innerhalb der SPD
für eine Kurskorrektur gekämpft hätten, werde das
Vorgehen der Parteispitze die Neigung zum Austritt
vergrößern. Vetter, nach eigenen Angaben seit 43 Jahren
SPD-Mitglied, bedauerte die Einleitung des Schiedsverfahrens.
«Ich wollte weder aus der SPD austreten noch ausgeschlossen
werden. Aber wenn es die Partei so will, dann müssen wir unseren
Weg jetzt eben weitergehen und andere Formen der politischen
Einflussnahme suchen», sagte er. Das Verhalten der
SPD-Führung sei Ausdruck hoher Nervosität, sagte er weiter.
Die Initiative habe nicht zum Austritt aus der SPD aufgerufen.
Wie die Tageszeitung «Die Welt» berichtete, wollen zwei
IG-Metall-Vorstände und drei weitere hochrangige Funktionäre
unmittelbar vor dem SPD-Parteitag am Freitag, 19. März, in
Nürnberg eine Pressekonferenz einberufen. Insgesamt sieben
Erstunterzeichner wollen demnach ihren Aufruf «Arbeit und soziale
Gerechtigkeit» vorstellen und mit der SPD als
«Kanzlerwahlverein» abrechnen. Zudem wollen sie die Chancen
der Neugründung einer neuen Linkspartei erörtern.
Laut «Welt» werden die Erstunterzeichner voraussichtlich
auch weitere Personen präsentieren, die den Aufruf
unterstützen. Bei den Initiatoren der Pressekonferenz handelt es
sich um die IG-Metall-Vorstände Gerd Lobboda und Günther
Schachner. Weitere Beteiligte werden die Ersten Bevollmächtigten
der IG Metall Klaus Ernst, Thomas Händel und Peter Vetter und der
Hamburger Professor Herbert Schui von der Hochschule für
Wirtschaft und Politik sein.
Der Parteivorstand hatte am Montag in Berlin Sofortmaßnahmen
gegen sechs der Initiatoren beschlossen. Der scheidende
SPD-Vorsitzende, Bundeskanzler Gerhard Schröder, erklärte, so
lange die Schiedsverfahren in den Bezirken liefen, ruhe die
Mitgliedschaft der Betroffenen in der Partei. Ein halbes Dutzend
bayerischer Metaller hatte eine «Initiative für Arbeit und
soziale Gerechtigkeit» aus der Taufe gehoben.
Der PDS-Europaabgeordnete André Brie rechnet nach eigenen Worten
fest mit der Bildung einer neuen Linkspartei. «Eine solche
Entwicklung liegt in der Luft», sagte er der Chemnitzer
«Freien Presse». Das Vorhaben hätte aber nur gemeinsam
mit der PDS eine Chance; eine völlige Neugründung würde
scheitern.
(Quellen: ap, dpa)
Droht der Sozialdemokratischen Partei eine Spaltung?
Zwei Gruppen arbeiten zur Zeit daran, eine politische Initiative zu
organisieren. Beide wollen sich links von der SPD positionieren...
Mehr bei telepolis vom 15.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/mein/16964/1.html
Initiative Arbeit & soziale Gerechtigkeit
Die Initiative Arbeit & soziale Gerechtigkeit ist ein informeller
Zusammenschluss von hochrangigen Funktionären und
Vorstandsmitgliedern der IG Metall, mehrheitlich aus Bayern. Zur ihr
gehören unter anderem die Vorstandsmitglieder Gerd Lobodda,
Günther Schachner, Peter Vetter (Kempten), Klaus Ernst
(Schweinfurt) und Thomas Händel (Fürth).
Mehr unter:
http://www.initiative-asg.de
Wahlpolitische Alternative
Die Wahlpolitische Alternative besteht aus einem Bündnis linker
Gewerkschaftler, Intellektuellen und enttäuschten
Parteimitgliedern der SPD, den Grünen und der PDS.
Mehr unter:
http://www.wahlalternative.de
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Umweltschützer warnen vor Folgen des Gentechnikgesetzes
Di.16.03.04 - Umweltschutzorganisationen fordern striktere Vorschriften für den
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland. Der
Deutsche Naturschutzring (DNR) und der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) verlangten am Montag entsprechende
Änderungen am rot-grünen Entwurf zur Novellierung des
Gentechnikgesetzes. Der vorliegende Gesetzentwurf des
Verbraucherschutzministeriums verkenne das
«Sicherheitsbedürfnis von Verbrauchern, Landwirten und
Natur», kritisierte DNR-Präsident Hubert Weinzierl.
Die Regierung habe dem Druck der Gentechnik-Industrie nicht
standgehalten, monierte Weinzierl. Auch BUND-Agrarexperte Hubert Weiger
bescheinigte dem Entwurf «massive Defizite». Nach einem
alternativen Gesetzentwurf der Umweltverbände sollten bestimmte
gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps oder Sonnenblumen
überhaupt nicht freigesetzt werden.
Eine Ausbreitung der gentechnisch veränderten Pflanzen könnte
ansonsten nicht verhindert werden, da Bienen die gentechnisch
veränderten Pollen über viele Kilometer auch in
gentechnikfreie Anbaugebiete brächten. Im Regierungsentwurf sei
das «Bienen-Problem» nicht erkannt worden, kritisieren die
Umweltschützer.
Sie fordern zudem einen Sicherheitsabstand von bis zu fünf
Kilometern zwischen gentechnisch veränderten Anbaugebieten und
Biotopen, gentechnikfreien Zonen oder Bienenständen. Rund um ein
Feld mit gentechnisch veränderten Pflanzen sollte überdies
ein Gürtel aus so genannten «Mantelsaaten» angepflanzt
werden.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
Erlaubnis für Aussaat von Gen-Mais
Do.26.02.04 - Deutsche Landwirte dürfen in diesem Jahr 25,5 Tonnen gentechnisch
veränderten Mais aussäen. Das Bundessortenamt hat nach
eigenen Angaben den Anbau von sechs verschiedenen Sorten genehmigt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#04022615
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226dk
Gibt es einen zehnten Planeten vor unserer Haustür?
Di.16.03.04 - US-Astronomen haben nach Angaben der NASA den fernsten derzeit
bekannten Himmelskörper unseres Sonnensystems entdeckt.
Das nach der Inuit-Meeresgöttin Sedna benannte Objekt ist
Medienberichten zufolge drei Mal weiter von der Sonne entfernt als der
neunte Planet des Systems, Pluto. Mit einem geschätzten
Durchmesser von 1100 bis 2300 Kilometern ist Sedna ähnlich
groß wie Pluto und wurde bereits als zehnter Planet gehandelt.
Die NASA sprach allerdings zunächst lediglich von einem
«mysteriösen Objekt».
In den vergangenen Jahren waren Astronomen bereits auf zwei
ähnliche Objekte am Rande unseres Sonnensystems gestoßen,
den 1700 Kilometer großen «2004 DW» und den 1250
Kilometer großen Quaoar. Das neue Objekt mit der
wissenschaftlichen Bezeichnung «2003 VB16» wurde erstmals
im November 2003 mit Hilfe des Mount-Palomar-Observatoriums in
Kalifornien entdeckt und dann unter anderem mit dem Weltraumteleskop
Spitzer untersucht. Sedna ist demnach derzeit etwa 90 Mal weiter von
der Sonne entfernt als die Erde und kann sich auf seiner Bahn noch zehn
Mal weiter von unserem Zentralgestirn entfernen.
Der Berliner Planetenforscher Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt blieb bei der Frage nach dem zehnten
Planeten abwartend. «Das ist eine Definitionsfrage, keine
wissenschaftliche», erläuterte Kührt. «Es gibt
auch viele Astronomen, die nicht einmal Pluto als Planeten
ansehen.» Die Grenze zwischen Planeten und den Objekten des so
genannten Kuiper-Gürtels sei fließend. Der Kuiper-
Gürtel in 4,5 bis 7,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der
Sonne besteht aus schätzungsweise mindestens 70 000 Objekten mit
einem Durchmesser von mehr als 100 Kilometern und gilt auch als
Ursprung zahlreicher Kometen
(Quelle: dpa)