Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Neunundzwanzig Tote nach Autobombenanschlag in Bagdad. Angriffe auf die
Besatzungtruppen in Irak reissen nicht ab. Annan bittet internationale
Gemeinschaft um mehr Hilfe für Stabilität in Irak. Zapatero
hält an Truppenabzug aus Irak fest. Blair nennt Nachgeben in
Irakfrage naiv. Irakischer Verwaltungsrat bittet UN um Rückkehr
nach Irak. US-Bürger ein Jahr nach dem Golfkrieg geteilter
Meinung. US-Demokraten: 237 irreführende Irak-Aussagen der
Regierung.
Do.18.03.04 - Bei der Explosion einer mutmaßlichen Autobombe vor einem Hotel in
der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Mittwochabend mindestens
29 Menschen getötet worden. Das vierstöckige Hotel
«Dschabal Lubnan» (Englisch etwa: «Mount
Lebanon«, oder deutsch: «Libanon-Gebirge») im
Stadtteil Karrade wurde schwer beschädigt. Bei den Opfern handelt
es sich nach Angaben von Augenzeugen vor allem um Libanesen, Jordanier
und andere Araber. In dem Appartementhotel, in dem arabische
Mitarbeiter ausländischer Medien untergebracht waren, sollen nach
Angaben des US-Nachrichtensenders CNN auch Geschäftsleute aus den
USA und Großbritannien gewohnt haben. Rund 45 Menschen waren bei
dem Anschlag verletzt worden. Unter den Verletzten seien auch mehrere
amerikanische Zivilisten, berichtete El Dschasira unter Berufung auf
die US-Armee.Viele Opfer wurden unter brennenden Trümmern
begraben. US-Major David Gercken sagte der Nachrichtenagentur AFP,
Bulldozer und Kräne würden zum Unglücksort gebracht, um
damit nach den Verschütteten unter den Trümmern zu suchen.
Um das Hotel herum bot sich ein Bild der Verwüstung. Durch die
Detonation der Autobombe wurden einige umliegende Gebäude
zerstört, sagten Augenzeugen. Dort, wo mutmaßlich das mit
Sprengstoff vollgepackte Fahrzeug explodierte, entstand ein breiter und
tiefer Krater.
Augenzeugen hatten berichtet, dass ein mit Sprengstoff beladenes Auto
vor dem Hotel im Stadtzentrum abgestellt wurde. Nach US-Angaben war es
mit etwa 500 Kilogramm Sprengstoff gefüllt. Das kleine Hotel war
im Gegensatz zu großen Hotels der Stadt nicht mit meterhohen
Betonwänden und Stacheldraht gesichert gewesen.
Ein Mitglied des provisorischen Regierungsrats, Adnan Padschadschi,
sagte CNN, die Täter wollten mit dem Anschlag vermutlich für
«Chaos» sorgen. Eine Kollegin aus dem Regierungsrat, die
turkmenische Politikerin Songul Chapouk, sagte in einem Interview mit
El Dschasira, die USA seien mit schuldig an den Anschlägen im
Irak, da sie die Grenzen des Landes nicht gegen das Eindringen von
Extremisten schützen. Die Explosion ereignete sich nur wenige Tage
vor dem ersten Jahrestag des Kriegsbeginns im Irak am 20. März
vergangenen Jahres.
Nach dem verheerenden Anschlag in Bagdad hat UN-Generalsekretär
Kofi Annan die internationale Staatengemeinschaft gebeten, sich noch
stärker als bisher um einem Frieden in Irak zu bemühen. Die
sich häufenden brutalen Attacken in Bagdad bedeuteten eine
Tragödie, sagte Annan am Donnerstag dem japanischen Sender NHK.
Die Angriffe machten nicht nur die Bemühungen um Stabilität
in Irak zunichte, sie störten auch das Leben der irakischen
Bevölkerung. Er hoffe, dass durch die Zusammenarbeit aller Staaten
"ein Minimum an Stabilität" nach Irak gebracht werden könne,
sagte Annan in New York.
Zuvor hatte der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat Annan
um die Entsendung eines neuen UN-Teams gebeten, das dem Rat bei der
Zusammenstellung einer neuen irakischen Übergangsregierung helfen
soll. Die USA wollen die Machtbefugnisse am 30. Juni an die Iraker
abgeben, bis Ende Januar 2005 sollen dann allgemeine Wahlen
stattfinden. Dafür bat der irakischen Regierungsrat die Vereinten
Nationen um technische und logistische Hilfe.
Trotz Appellen der Alliierten will der designierte spanische
Ministerpräsident José Luis Zapatero am angekündigten
Truppenrückzug aus Irak festhalten. Der Terrorismus könne
nicht mit Bomben bekämpft werden, sagte Zapatero am Mittwoch im
spanischen Radio: Mmit Einsätzen nach der Art von 'Angst und
Schrecken', mit Raketen - das bekämpft nicht den Terrorismus, das
löst nur mehr Radikalismus aus", sagte Zapatero. "Der Weg, gegen
den Terrorismus zu kämpfen, ist der Weg des Gesetzes, mit
internationalem Recht.. Diese Haltung werde er den USA und
Großbritannien erläutern. Die USA hatten ihre
Angriffsstrategie im Irak im vergangenen Jahr "Angst und Schrecken"
genannt und den Krieg gemeinsam mit Großbritannien ohne
ausdrückliche Unterstützung der UN geführt.
«Die Besatzung ist ein Fiasko», sagte Zapatero weiter. Es
habe seit dem Ende des Krieges fast mehr Tote gegeben als während
der Invasion, «und die Vereinten Nationen haben immer noch nicht
die Kontrolle übernommen».
Auf die Frage, wie er reagieren würde, falls US-Präsident
George W. Bush ihn persönlich zum Umdenken auffordern sollte,
antwortete Zapatero: «Ich werde Herrn Bush zuhören, aber
meine Haltung steht fest.»
Spanien hat derzeit 1.300 Soldaten in Irak stationiert. Die Regierung
des scheidenden Ministerpräsidenten José Maria Aznar hatte
den Einmarsch unterstützt. Sie unterlag jedoch bei der Wahl am
vergangenen Wochenende Zapateros Sozialisten. Zapatero hatte bereits im
Wahlkampf einen Abzug der spanischen Truppen aus Irak angekündigt.
Der britische Premierminister Tony Blair hat den Gedanken als
«hoffnungslos naiv» bezeichnet, ein Nachgeben in der
Irakfrage könnte die Terrorgefahr durch islamische Extremisten
verringern. In seiner Rede im Londoner Unterhaus ging Blair am Mittwoch
nicht direkt auf die Ankündigung des designierten spanischen
Ministerpräsidenten ein, die spanischen Truppen aus Irak
abzuziehen, wenn der Einsatz nicht unter die Kontrolle der Vereinten
Nationen gestellt werde.
«Tatsache ist, dass diese Leute weiter machen werden»,
sagte Blair über die Terroristen, die vor den Anschlägen in
Madrid auch Ziele in Kenia, Tansania, Indonesien, der Türkei,
Saudia-Arabien, Jemen, Jordanien, Tunesien, Pakistan und Marokko
angegriffen haben. «Es ist ein Krieg. Es ist ein Krieg gegen
unseren Lebensstil, gegen unsere Demokratie, unsere Freiheit.» Um
ihn zu gewinnen, müssten die Anstrengungen verdoppelt werden.
«Die beste Art, dies für die gesamte internationale
Gemeinschaft zu tun, ist standhaft zu bleiben», sagte Blair
weiter. Er lobte ausdrücklich den polnischen
Ministerpräsidenten Leszek Miller für dessen Erklärung,
ein Rückzug aus Irak würde den Terroristen einen Sieg
bescheren. Polen befehligt eine internationale Brigade in Irak.
Über das Drohpotenzial des Iraks haben US-Präsident George W.
Bush und vier seiner engsten Mitarbeiter einer Zählung der
oppositionellen Demokraten zufolge 237 irreführende Aussagen
gemacht.
In einem Bericht für den Kongress listen die Demokraten
außer Zitaten von Bush zahlreiche Stellungnahmen seines
Stellvertreters Dick Cheney, von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld,
Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza
Rice auf. Irreführend sei, dass in den Zitaten mit Sicherheit von
Massenvernichtungswaffen die Rede sei oder Zweifel der Geheimdienste an
der Existenz nicht erwähnt würden, heißt es in dem am
Dienstag veröffentlichten Bericht.
Bush und seine Regierung hatten den Irak-Krieg mit der Bedrohung
begründet, die das Land unter seinem Präsidenten Saddam
Hussein darstelle. Seit die US-Truppen vor einem Jahr in den Irak
einmarschiert sind, wurden in dem Land aber keine
Massenvernichtungswaffen gefunden. Die Demokraten haben den Irak-Krieg
zu einem zentralen Thema ihres Wahlkampfs um die Präsidentschaft
gemacht. Die Wahl findet im November statt.
161 der irreführenden Erklärungen wurden dem Bericht zufolge
vor der Invasion im Irak abgegeben, weitere 76 während des Krieges
mit dem Ziel, die Kampfhandlungen zu rechtfertigen. Begonnen habe alles
mit einer Aussage Cheneys am 17. März 2002, ein Jahr vor
Kriegsbeginn: "Wir wissen, dass sie biologische und chemische Waffen
haben."
"Bereits vor Kriegsbeginn haben der Präsident und seine Berater
wiederholt behauptet, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen, die die
Sicherheit der USA gefährden. Das Fehlen dieser Waffen wirft die
Frage auf, ob der Präsident und seine Berater die Bedrohung durch
den Irak offen und ehrlich dargestellt haben," heißt es in dem
Papier weiter.
Ein Sprecher des US-Regierung sagte, ihm liege der Bericht nicht vor,
deshalb könne er ihn auch nicht kommentieren. "Der Präsident
und seine Mitarbeiter sprechen aufrichtig zum amerikanischen Volk und
der Welt. Ihre Aussagen entsprechen exakt dem Stand ihrer
Informationen."
Nach einer neuen Umfrage stehen nur noch knapp die Hälfte der
US-Bürger hinter dem Irak-Kurs der Regierung. 47 Prozent in einer
am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Annenberg-Instituts
erklärten, sie seien mit dem Vorgehen Bushs in Irak einverstanden.
49 Prozent antworteten ablehnend. Befragt wurden 2.575 Personen
zwischen dem 1. und 15. März.
Auf die Frage, ob die jetzige Lage in Irak den Krieg wert gewesen sei,
waren die Ja- und Nein-Stimmen laut Annenberg etwa gleich verteilt. In
einer ebenfalls am Mittwoch vorgestellten CNN/USA-Today/Gallup-Umfrage
antworteten die Befragten zu 55 Prozent mit Ja, zum 37 Prozent mit
Nein. An der Erhebung nahmen Anfang März 1.005 Personen teil.
In der Annenberg-Umfrage war etwa ein Drittel der US-Bürger der
Ansicht, die USA sollten ihre Ausgaben in Irak konstant halten, knapp
zehn Prozent sprachen sich für eine Erhöhung des Budgets aus.
Mehr als die Hälfte der Befragten forderten hingegen Abstriche
oder erklärten, dass Washington überhaupt kein Geld mehr
für Irak ausgeben solle.
Derweil reissen die Angriffe auf die Besatzungtruppen in Irak nicht ab.
Zwei US-Soldaten in Irak sind bei einem Anschlag mit
Mörsergeschossen auf ihren Stützpunkt unweit von Bagdad
getötet worden. Sechs weitere Soldaten wurden verwundet, wie die
US-Streitkräfte am heutigen Donnerstag mitteilten. Demnach
erfolgte der Angriff am Mittwoch auf das Hauptquartier des 13.
Armeekorps für Logistik in der Stadt Balad. Ein US-Soldat sei
sofort tot gewesen, der zweite sei später in einem Feldlazarett
gestorben. Zwei der Verwundeten befänden sich noch im Krankenhaus.
Bei Raketenangriffen in Bagdad sind in der Nacht zum Mittwoch drei
irakische Kinder und ein Erwachsener getötet worden. Insgesamt
drei Raketen seien auf die Stadt gefeuert worden, sagte ein US-Offizier
der Nachchrichtenagentur AFP. Fünf weitere Menschen seien bei den
Angriffen verletzt worden. Der Tod des Erwachsenen im Stadtteil Karch
war zuvor bereits von der US-Armee bekannt gegeben worden.
(Quellen: dpa, afp, ap, rtr)
Misstrauen gegen USA wächst
Do.18.03.04 - Ein Jahr nach dem amerikanisch-geführten Krieg gegen den Irak ist
nach den Ergebnissen einer weltweiten Umfrage das Misstrauen gegen die
USA gewachsen.
Die am Mittwoch in Paris von der Zeitung «International Herald
Tribune» veröffentlichte Umfrage des unabhängigen
US-Instituts Pew Research Center war Ende März und Anfang Februar
durchgeführt worden. Das Institut hatte insgesamt mehr als 7500
Menschen in neun Ländern befragt und dabei auch registriert, dass
Wut und Empörung in muslimischen Staaten angesichts der Irak-
Politik Washingtons weiter besonders groß sind.
Nicht nur in Frankreich und Deutschland, die gegen den Krieg waren,
sondern auch in Großbritannien sehen die Befragten die USA jetzt
in einem ungünstigeren Licht als vor einem Jahr. Nur noch 58
Prozent der Briten, 12 weniger als bei einer Befragung im Mai 2003,
haben allgemein eine positive Meinung von den USA. In Deutschland fiel
diese Einschätzung von 45 auf 38 Prozent, in Frankreich von 43 zu
37 Prozent. Großbritannien war mit den USA in den Krieg gezogen.
Das Misstrauen gegen die USA wegen des Irakkrieges ist in den drei
Ländern noch größer. 82 Prozent der Deutschen, 78
Prozent der Franzosen sowie 58 der Briten gaben an, Washington nicht zu
trauen.
Wut und Abneigung sind nach der Umfrage in den Ländern Jordanien.
Pakistan und Marokko so stark, dass die jeweilige Mehrheit meint,
Anschläge im Irak auf Amerikaner oder andere Gruppen aus dem
Westen seien gerechtfertigt. In allen neun Ländern gaben die
Befragten mit großer Mehrheit an, die Amerikaner und die Briten
hätten gelogen oder seien von ihren Geheimdiensten falsch
informiert worden, als es um die Frage der angeblichen
Massenvernichtungswaffen im Irak ging. Die durch den Irakkrieg
geschlagenen Wunden «verheilen nicht», sagte der Direktor
des in Washington ansässigen Instituts, Andrew Kohut.
Quelle: dpa
Mehr bei telepolis (17.03.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16984/1.html
Zahlreiche Demos zum Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak geplant
Do.18.03.04 - Zum Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak am kommenden Samstag planen
Globalisierungskritiker zahlreiche Protestaktionen. Wie das Netzwerk
Attac am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte, soll es am 20.
März in 50 deutschen Städten zu Mahnwachen, Kundgebungen und
Demonstrationen von Friedensinitiativen kommen.
Größte Aktion soll eine Demonstration zur US-Airbase in
Ramstein sein, zu der der Verein Internationale Ärzte für die
Verhütung des Atomkriegs aufgerufen hat und zu der so prominente
Redner wie der Schauspieler Peter Ustinov oder der frühere
SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine erwartet werden.
«Alle angeblichen Gründe für den Angriff auf Irak waren
Lügen und Propaganda. Es gibt für diesen Krieg keine
Rechtfertigung,» erklärte Attac-Sprecherin Barbara Fuchs zur
Begründung der Proteste. Die Forderungen der
Globalisierungskritiker nach freien Wahlen und dem Ende der Besatzung
hat laut Attac-Sprecherin Barbara Fuchs «durch den Abzug der
spanischen Truppen und ähnliche Überlegungen in Polen neue
Aktualität erhalten».
Im Irak-Krieg sieht Fuchs ein Paradebeispiel für einen
Angriffskrieg aus macht- und wirtschaftspolitischen Interessen.
«Die wirtschaftliche Kontrolle des Irak war einer der Gründe
für diesen Krieg», erklärte Barbara Fuchs.
Quelle: ap
Mehr unter:
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.friedensratschlag.de
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Karsai deutet Verschiebung von Wahlen an - USA wollen Finanzhilfe
für Afghanistan verdoppeln
Do.18.03.04 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat eine Verschiebung der
für Juni geplanten Wahlen angedeutet. Selbst wenn die von den
Vereinten Nationen im Mai geplante Kampagne zur
Wählerregistrierung erfolgreich sein sollte, gäbe es noch
erhebliche logistische und sicherheitstechnische Probleme zu
lösen, sagte er am Mittwoch nach Gesprächen mit
US-Außenminister Colin Powell in Kabul. Bisher seien nur 1,4
Millionen der 10,5 Millionen Wahlberechtigten registriert worden. Die
UN-Kampagne solle weitere 8 Millionen erfassen.
«Wenn das von den Vereinten Nationen rechtzeitig geleistet wird,
wird die afghanische Regierung alles daran setzen, Wahlen im Juni, Juli
oder August abzuhalten», sagte Karsai. Es sei noch nicht
entschieden, ob Präsidenten- und Parlamentswahl gleichzeitig
abgehalten werden. UN-Vertreter haben erklärt, wegen der
Ungewissheit über die Grenzen von Wahlbezirken, die erforderliche
Registrierung hunderter Kandidaten und noch höherer
Sicherheitsmaßnahmen sei eine Parlamentswahl schwieriger
abzuhalten.
US-Außenminister Colin Powell hat Afghanistan bei seinem
Kurzbesuch in Kabul die Verdopplung der US-Finanzhilfen für dieses
Jahr zugesagt. Washington wolle seine bislang geplante
Unterstützung um eine Milliarde Dollar auf 2,2 Milliarden Dollar
(1,8 Milliarden Euro) aufstocken, sagte Powell nach einem Treffen mit
dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul.
Mit der Aufstockung der Finanzhilfen wollten die USA laut Powell
signalisieren, dass ihr Engagement in Afghanistan langfristig angelegt
ist. Seit seinem letzten Afghanistan-Besuch im Januar 2002 habe es
"viel Fortschritt" gegeben, lobte der Minister. Offiziell solle die
Hilfszusage aus Washington auf der Berliner Afghanistan-Konferenz Ende
März bekannt gegeben werden. Der afghanische Finanzminister
Aschraf Ghani hatte den Finanzbedarf seines Landes kürzlich auf
27,5 Milliarden Dollar für die kommenden sieben Jahre beziffert.
Bei einem Besuch in einem Wählerregistrierungsbüro rief der
Außenminister besonders die afghanischen Frauen auf, sich in die
Wählerlisten für die auf Juni angesetzten Wahlen einzutragen.
Von den bislang registrierten Wahlwilligen sind nur 28 Prozent Frauen.
Die Teilnahme von Frauen an den anstehenden Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen sei "eine Übung in Demokratie", sagte
der US-Außenminister. Während der 2001 durch eine
US-geführte Invasion beendeten Herrschaft der radikalislamischen
Taliban waren die Frauen von jeglicher Teilhabe am öffentlichen
Leben ausgeschlossen.
Aus Afghanistan kommend traf Powell zu einem eintägigen Besuch in
der pakistanischen Haupstadt Islamabad ein. Bei Gesprächen mit dem
pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf soll die Zusammenarbeit der
USA und Pakistans bei der Terrorbekämpfung zur Sprache kommen.
Auch die Verbreitung pakistanischer Atomtechnologie an Staaten wie
Iran, Libyen oder Nordkorea sollte Thema sein.
(Quellen: ap, afp)
FBI schlägt transatlantische Geheimdienstzusammenarbeit vor
Do.18.03.04 - Die US-Bundespolizei FBI hat vorgeschlagen, für den
Anti-Terror-Kampf nach dem Vorbild der NATO eine transatlantische
Geheimdienstallianz einzurichten. Es hätten bereits Agenten
anderer Staaten beim FBI mitgearbeitet, aber bei Fragen, die mit
Sicherheit oder Informationsautausch zusammenhingen, könne eine
Zentrale nach dem Vorbild der NATO hilfreich sein, sagte FBI-Direktor
Robert Mueller am Mittwoch vor einem Ausschuss des
Repräsentantenhauses in Washington. Europäische Behörden
hätten bereits Interesse an der Idee bekundet, allerdings auch
betont, dass sie derzeit noch an der Arbeit im Gefüge der
europäischen Polizeibehörde Europol festhielten, sagte
Mueller.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
UNO für internationale Präsenz im Gazastreifen. Sechs Tote
bei israelischen Raketenangriffen im Gazastreifen.
Zusammenstöße zwischen palästinensischen Polizisten und
Mitgliedern der Hamas-Bewegung.
Do.18.03.04 - Der UN-Koordinator für den Nahen Osten, Terje Roed-Larsen,
plädiert für die Zeit nach einem israelischen Truppenabzug
für eine internationale Präsenz der Vereinten Nationen im
Gazastreifen. Damit sollten "Chaos und Anarchie" nach einem
Truppenabzug verhindert werden, sagte Roed-Larsen am Mittwoch in Kairo.
Im Namen des Nahost-Quartetts aus UNO, EU, USA und Russland bot der
UN-Diplomat Hilfe für einen Abzug israelischer Soldaten aus dem
Palästinensergebiet an. Zugleich bekräftigte er, der Abzug
müsse in Abstimmung mit der Palästinenserführung und
gemäß den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates sowie dem
Friedensplan des Nahost-Quartetts erfolgen.
Nach der Ankündigung einer großen Offensive gegen militante
Palästinenser hat Israel im Gazastreifen sechs Palästinenser
mit Raketenangriffen getötet.
Der Militäreinsatz konzentrierte sich am Mittwoch auf Rafah im
Süden des Gazastreifens, wo binnen weniger Stunden bei zwei
Raketenangriffen insgesamt vier Palästinenser getötet wurden.
Neun weitere Menschen hätten zum Teil schwere Verletzungen
erlitten, teilten Palästinenser mit. Eine Rakete sei inmitten
einer Gruppe von Menschen explodierte. Zum Auftakt des neuen
Großeinsatzes hatte die Luftwaffe am Dienstagabend in der Stadt
Gaza zwei Mitglieder der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad
liquidiert.
In mehreren Ortschaften im Gazastreifen verbarrikadierten sich am
Mittwoch militante Palästinenser und deponierten nach
palästinensischen Angaben Sprengsätze an den Einfahrten. Die
radikale Fatah-Splittergruppe Al-Aksa-Brigaden rief die
Autonomiebehörde dazu auf, Waffen an die Zivilbevölkerung zu
verteilen, damit diese sich verteidigen könne. Zahlreiche
Einwohner des Gazastreifens reagierten in Erwartung weiterer
Militärschläge mit Hamsterkäufen.
Palästinenserpräsident Jassir Arafat warf Israel am Mittwoch
vor, es wolle den Gazastreifen vor einem geplanten Abzug
«zerstören». Er nannte die neuen
Militäreinsätze vor Journalisten in Ramallah «ein
großes Verbrechen». Ihr Ziel sei eine bewusste Eskalation
der Lage in den Palästinensergebieten.
Israel hatte nach den Selbstmordattentaten vom Sonntag im Hafen von
Aschdod, bei denen zehn Israelis getötet wurden und zwei
Attentäter ums Leben kamen, einen großen Militärschlag
im Gazastreifen angekündigt. Dabei sollten Führer radikaler
Palästinensergruppen getötet werden, berichteten Medien.
Eine Armeesprecherin sprach hingegen von einem Routineeinsatz in Rafah,
der auf unterirdische Tunnel abgezielte, die den Palästinensern
zum Waffenschmuggel dienten. Während der Aktion hätten die
Soldaten mehrere Palästinenser entdeckt, die versuchten,
Sprengsätze zu legen. Daraufhin sei aus Kampfhubschraubern auf sie
geschossen worden.
Die israelischen Truppen haben sich am Mittwochabend aus Rafah
zurückgezogen.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon beriet unterdessen
mit Verteidigungsminister Schaul Mofas und Militärs über den
geplanten Abzug aus dem Gazastreifen. Nach israelischen Medienberichten
zeichnete sich dabei als Plan eine vollständige Räumung der
jüdischen Siedlungen im Gazastreifen ab. Die Armee solle entlang
der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten, dem so genannten
Philadelphi-Streifen, verbleiben.
Bei Zusammenstößen zwischen palästinensischen
Polizisten und Mitgliedern der radikalen Hamas-Bewegung wurde in
Gaza-Stadt ein Beamter getötet. Nach Angaben aus
Sicherheitskreisen wurden 17 weitere Personen verletzt. Die
Konfrontationen begannen, als Polizisten in einem Auto der Hamas-Leute
eine Rakete entdeckt hatten.
(Quellen: afp, dpa)
IAEA-Chef spricht von voller Kooperation Irans im Atomstreit
Do.18.03.04 - IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hat am Mittwoch bei einem
Treffen mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus den
Streit um die internationalen Atomkontrollen in Iran erörtert.
Nach der Unterredung sagte ElBaradei, Irak kooperiere wieder voll mit
den UN-Atominspekteuren. Er bezog sich damit auf die Ankündigung
Irans vom Dienstag, nun doch noch in diesem Montag Kontrollen der IAEA
zuzulassen.
Iran hatte am Samstag als Reaktion auf eine kritische Resolution des
Direktoriums der Internationalen Atomenergiebehörde alle weiteren
Inspektionen seiner Atomanalagen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der
iranische Chefunterhändler für Atomangelegenheiten, Hassan
Rowhani, sagte nun am Dienstag in Tokio, die Kontrollen könnten
Ende des Monats und ohne Bedingungen wieder aufgenommen werden.
Er bestätigte damit auch Angaben von ElBaradei, der erklärt
hatte, die Inspekteure würden am 27. März wieder nach Iran
reisen. Die USA werfen Iran vor, nach Atomwaffen zu streben, was die
Regierung in Teheran aber bestreitet.
(Quelle: ap)
Nordkorea droht wegen US-Manöver mit Stärkung atomarer
Abschreckung - Laut UNICEF 70 000 Kinder in Nordkorea von Hungertod
bedroht
Do.18.03.04 - Angesichts des in der kommenden Woche beginnenden
amerikanisch-südkoreanischen Manövers hat der kommunistische
Norden erneut mit einer «Stärkung der nuklearen Abschreckung
zur Selbstverteidigung» gedroht. Mit diesem Begriff umschreibt
Pjöngjang sein Atomwaffenprogramm. In einer Meldung der amtlichen
nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA vom Mittwoch hieß es
weiter, die jüngsten Gespräche über die Atomfrage
hätten zudem keine Abkehr von der US-Haltung gebracht, dass
Nordkorea als Vorleistung dieses Programm zu beenden habe. Die USA und
Südkorea halten jedes Jahr eine gemeinsame
Militärübungen ab.
In Nordkorea sind laut UNICEF 70 000 Kleinkinder vom Hungertod bedroht
und brauchen dringend Hilfe. Rund 42 Prozent aller Kinder unter sieben
Jahren seien chronisch unterernährt, teilte das UN-Kinderhilfswerk
in Köln mit. Die internationale Hilfe seit 1997 habe die
Bedingungen trotz Isolation Nordkoreas verbessert. Bisher hätten
rund 60 000 stark unterernährte Kinder Zusatznahrung bekommen. Die
Lage verschlechtere sich aber bei der Wasser- und Nahrungsversorgung.
Einige Landesteile blieben für Helfer gesperrt.
(Quellen: dpa, ap)
Neues haitianisches Kabinett vereidigt
Do.18.03.04 - Zweieinhalb Wochen nach dem Sturz des haitianischen Präsidenten
Jean-Bertrand Aristide ist am Mittwoch das neue Kabinett von
Ministerpräsident Gerard Latortue vereidigt worden. Die Zeremonie
fand im Nationalpalast in der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Unter
den 13 Ministern ist kein Anhänger der Lavalas-Partei des
früheren Staatschefs. Dies stieß bei einigen haitianischen
Politikern auf Kritik.
Der neue Regierungschef betonte, dass es sich nur um eine
Übergangsregierung handele. Zugleich entschuldigte er sich
für Fehlverhalten früherer Regierungen. Aristide, der nach
mehrwöchigen Unruhen auf internationalen Druck am 29. Februar aus
Haiti geflüchtet war, hält sich derzeit im benachbarten
Jamaika auf.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Haitis gestürzter Präsident Aristide in die Karibik
zurückgekehrt - Nachfolger Latortue legt Beziehungen zu Jamaika
auf Eis - Erstmals US-Soldat in Haiti angeschossen
Di.16.03.04 - Zwei Wochen nach seiner Flucht ins afrikanische Exil ist der
gestürzte haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide am
Montag in die Karibik zurückgekehrt. Die USA reagierten mit
Besorgnis auf die Entwicklung. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
äußerte die Befürchtung, Aristides Anwesenheit im
Nachbarstaat Jamaika könnte die Lage komplizieren.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403160.htm#04031608
UNICEF: Kinder auf Haiti von Hunger und Krankheiten bedroht
Sa.13.03.04 - Rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Haiti brauchen nach
Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF
dringend humanitäre Hilfe. «Viele sind seit langer Zeit
unzureichend ernährt und besonders von Infektionskrankheiten
bedroht», berichtete UNICEF am Freitag in Köln... Mehr unter
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#04031308
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_f
Fast 5.000 Sklavenarbeiter in Brasilien befreit
Do.18.03.04 - Die brasilianische Regierung hat im vergangenen Jahr fast 5.000
Sklavenarbeiter befreit. Dies seien mehr als doppelt so viele wie im
Jahr davor, teilte das Arbeitsministerium in Brasilia am Mittwoch mit.
Demnach arbeiteten die 4.995 Befreiten zumeist in ländlichen
Gegenden. Da sie den Grundbesitzern Geld schuldeten, wurden sie wie
Leibeigene gehalten. Viele Arbeitgeber legen es nach Ansicht von
Menschenrechtsorganisationen gezielt darauf an, ihre Beschäftigten
in dieses Abhängigkeitsverhältnis zu drängen. Sie
verlangten häufig so überhöhte Preise für Lebens-
und Transportmittel oder Werkzeuge, dass mittellose Arbeiter schnell in
die Schuldenfalle gerieten. Nach den Schätzungen einer
katholischen Hilfsgruppe sind 15.000 bis 25.000 Arbeiter davon
betroffen. Ein Parlamentsausschuss prüft zurzeit die
Möglichkeit, die entsprechenden Grundbesitzer zu enteignen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Moderne Sklaven erwirtschaften rund zwölf Milliarden Euro
Sa.23.08.03 - Mit Sklavenarbeit werden auch heute noch Milliardenbeträge
verdient. Das berichtet das Magazin "National Geographic Deutschland"
in seiner Septemberausgabe, wie es am Freitag mitteilte. Weltweit leben
demnach immer noch rund 27 Millionen Männer, Frauen und Kinder in
Sklaverei und erwirtschaften etwa 13 Milliarden Dollar (11,9 Milliarden
Euro). Häufigste Art der Leibeigenschaft ist demnach die
Schuldsklaverei.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308230.htm#03082307
|
Rebellenführer der FARC in Kolumbien gefasst
Do.18.03.04 - Einer der ranghöchsten Rebellenführer in Kolumbien ist
festgenommen worden. Es handelt sich um Luis Hipolito Ospina von den
linksgerichteten Revolutionären Streitkräften Kolumbiens
(FARC), wie der Chef der Geheimpolizei, Jorge Noguera, am Mittwoch
mitteilte. Ospina soll Jugendliche rekrutiert haben, um sie später
in Selbstmordanschlägen gegen Präsident Alvaro Uribe und
andere Regierungsmitglieder einzusetzen. Der Rebellenführer soll
sich zum Islam bekennen und deshalb auch den Beinamen «Der
Muslim» tragen. Die FARC hat schon mehrfach Anschläge auf
Uribe verübt. Ein Mörserangriff während der
Amtseinführung des Präsidenten im August 2002 kostete 21
Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
UN-Gesandter prangert Journalistenmorde in Kolumbien an
Sa.28.02.04 - Die Vereinten Nationen haben Kolumbien vorgeworfen, Morde gegen
Journalisten nicht aggressiv genug aufzuklären. Ambeyi Ligabo, ein
für Pressefreiheit zuständiger UN-Beamter, sagte am Freitag
in Bogota, im vergangenen Jahr seien in dem südamerikanischen Land
sieben Journalisten ermordet worden und in keinem einzigen Fall sei
auch nur ein Verdächtiger festgenommen worden. «... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402280.htm#04022810
Mehr zum Thema "Kolumbien" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402280.htm#040228_d
Schwere Unruhen in Serbien und im Kosovo
Mindestens zehn Tote - Extremisten zünden Moscheen in Serbien und
serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster im Kosovo an
Do.18.03.04 - Serbien und das Kosovo werden von schweren Unruhen erschüttert.
Auslöser war der Tod zweier albanischer Kinder im Kosovo. Sie
waren ertrunken, nachdem sie angeblich von Serben gehetzt worden waren.
Die UN-Mission sprach allerdings von einem Unfall. Dennoch führte
der Vorfall im Kosovo zu Ausschreitungen, bei denen nach inoffiziellen
Berichten 15 Menschen getötet wurden. Daraufhin kam es in den
serbischen Städten Belgrad und Nis zu Unruhen.
Extremisten griffen die islamischen Gotteshäuser in Belgrad und in
der Industriestadt Nis an. Die 500 Jahre alte einzige Moschee Belgrads
brannte nieder. Laut Augenzeugen hat die Regierung zu wenig Polizei
eingesetzt. So hätten hunderte Randalierer die beiden historischen
Gebäude zerstören können. Die Angriffe seien die
Reaktion auf Übergriffe albanischer Extremisten im Kosovo,
heißt es. Dabei wurden in der Nacht zum Donnertsag mehrere
Kirchen und Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche angezündet
worden, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen. Das berichtete
die Nachrichtenagentur Beta unter Berufung auf die serbisch-orthodoxe
Kirche im Kosovo. In Brand gesteckt wurden demnach alle
serbisch-orthodoxen Gebäude in Prizren: die Kirchen Bogorodica
Ljeviska, Sveti Georg und Sveti Spas sowie das Kloster Sveti
Arhandjeli. Auf das Kloster Visoki Decani im Westen des Kosovo seien
Granaten gefeuert worden. Dutzende weitere serbisch-orthodoxe
Einrichtungen seien in anderen Teiles des Kosovo angezündet
worden.
Bei den schwersten ethnischen Unruhen zwischen Albanern und Serben seit
drei Jahren sind in der geteilten Kosovo-Stadt Kosovska Mitrovica
mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Bei den Todesopfern
handelte es sich um acht Kosovo-Albaner und zwei Serben, wie
Krankenhausmitarbeiter und UN-Vertreter mitteilten. Mehr als 250
Menschen wurden verletzt, auch zwölf französische
KFOR-Soldaten wurden verwundet.
Über Kosovska Mitrovica wurde nach UN-Angaben eine Ausgangssperre
verhängt. Soldaten der multinationalen Kosovo-Truppe KFOR und
UN-Polizisten versuchten in Kosovska Mitrovica nach KFOR-Angaben
vergeblich, die Unruhen mit Tränengas und Gummigeschossen zu
beenden. "Wir haben nicht genügend Personal", sagte
KFOR-Sprecherin Angela Joseph.
Mehrere der verletzten französischen KFOR-Soldaten erlitten einem
Sprecher zufolge Verletzungen durch Granaten und Steine. Nach Angaben
der UN-Polizei wurden die Provinzgrenzen nach den schwersten Unruhen
seit 2001 geschlossen. Am Vorabend der gewaltsamen Auseinandersetzungen
waren drei albanischstämmige Kinder in Kosovska Mitrovica
ertrunken. Der kosovoalbanischen Presse zufolge sollen sie von einer
Gruppe von Serben in den Ibar gestoßen worden sein, der durch das
Zentrum der geteilten Stadt fließt.
In Caglavica bei Pristina gingen mehrere hundert Albaner auf eine
Straßensperre los, mit der Serben gegen einen Angriff auf einen
serbischen 19-Jährigen demonstrieren wollten, berichtete ein
B92-Korrespondent. Der junge Mann sei am Montagabend von Unbekannten
beschossen und verwundet worden. In Caglavica hätten die Albaner
auch UN-Polizisten und NATO-Soldaten angegriffen. Ein AFP-Fotograf
berichtete von fliehenden Frauen und Kindern.
Einem UN-Sprecher zufolge waren am Abend rund 3000 Menschen unterwegs
nach Caglavica, um sich mit den dort lebenden Albanern zu
verbünden. Nach Angaben von Kosovo-Serben war zudem rund ein
Dutzend Busse mit bewaffneten Kosovo-Albanern unterwegs von Drenica in
Zentralkosovo in Richtung Kosovska Mitrovica, um "die Serben
anzugreifen".
UN-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer rief Serben und Albaner
zur Zurückhaltung auf und verurteilte die Unruhen. Der Chef der
UN-Mission im Kosovo, Harri Holkeri, sprach von einem "schwarzen Tag"
für die Provinz.
Serbiens Ministerpräsident Vojislav Kostunica und der
albanischstämmige Regierungschef des Kosovo, Bajram Rexhepi,
riefen ihrerseits UNO und NATO auf, für Ruhe zu sorgen. Das
Kosovo, offiziell Provinz Serbien-Montenegros, steht seit dem Ende des
Kosovokriegs 1999 unter UN-Verwaltung. Etwa 20.000 KFOR-Soldaten sind
dort stationiert. Das größte Kontingent stellt die
Bundeswehr mit etwa 3200 Frauen und Männern.
(Quellen: dpa, afp)
20 Jahre Haft für serbischen Kriegsverbrecher
Do.18.03.04 - Wegen der Ermordung von 14 albanischen Zivilisten im Kosovo-Krieg ist
am Mittwoch in Belgrad ein serbischer Polizist zu 20 Jahren Haft
verurteilt worden. Sasa Cvjetan war Mitglied der berüchtigten
Polizeieinheit «Skorpione». Er wies die Vorwürfe
zurück, er habe im März 1999 in der Ortschaft Produjevo 14
albanische Frauen, Kinder und ältere Menschen erschossen.
Richterin Biljana Sinanovic erklärte, Cvjetan habe ein
«monströses Verbrechen» begangen, schließlich
seien unter den Opfern Kinder im Alter zwischen zwei und 14 Jahren.
Cvjetans Anwalt kündigte Berufung gegen das Urteil an.
Im Verfahren hatte der Polizist Goran Stoparic berichtet, wie
Mitglieder seiner Polizeieinheit, darunter Cvjetan, Zivilisten
erschossen hatten. Seine Einheit habe vier Tage nach Beginn der
NATO-Luftangriffe Produjevo eingenommen, sagte Stoparic. Er habe
gesehen, wie Cvjetan und fünf weitere serbische Polizisten eine
Gruppe Albaner in einen Hinterhof geführt habe. Danach habe er
Schüsse gehört. Die Staatsanwaltschaft hatte die
Höchststrafe von 20 Jahren Haft gefordert, weil der Angeklagte
gezielt Zivilisten getötet habe.
Insgesamt wurden während der Gefechte im Kosovo 1998 und 1999 etwa
10.000 Albaner getötet. Die serbischen Behörden haben ein
Sondergericht zur Ahndung von Kriegsverbrechen eingerichtet, das sich
mit Vorfällen im Kosovo, in Bosnien und Kroatien beschäftigt.
(Quelle: ap)
Spanien setzt Armee zum Anti-Terror-Schutz im Inland ein
Polizei konzentriert Fahndung nach den Attentätern von Madrid auf
eine Gruppe von 20 Marokkanern, die Verbindung zur El Kaida haben
sollen. El Kaida erklärt angeblich Waffenstillstand in Spanien.
Aznar wegen Medienmanipulation in Bedrängnis
Do.18.03.04 - Als Reaktion auf die Anschläge in Madrid will Spanien seine
Anti-Terror-Maßnahmen verstärken und die Armee zum Schutz
besonders gefährdeter Objekte einsetzen.
"Wir müssen dauerhaft neue Maßnahmen ergreifen - in der
Vorbeugung, Ermittlung und Information -, durch die wir effektiver den
Terrorismus bekämpfen können...zu Hause und international",
sagte der scheidende Innenminister Angel Acebes am Mittwoch. Die
Ermittlungen zu den Anschlägen mit 201 Toten vom Donnerstag
vergangener Woche seien in einer entscheidende Phase, sagte der
Minister weiter, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Die Polizei
konzentriert ihre Fahndung nach den Attentätern Presseberichten
zufolge auf eine Gruppe von 20 Marokkanern, die Verbindung zur
Extremistenorganisation El Kaida haben sollen.
Der designierte Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero
habe den Anti-Teror-Maßnahmen zugestimmt, sagte Acebes auf einer
Pressekonferenz in der spanischen Hauptstadt. Hierzu gehörte ein
verstärkter Schutz von Schlüsseleinrichtungen wie etwa
Flughäfen. Die Streitkräfte sollten an den Grenzen sowie
für Patrouillen zu Lande, zu Wasser und in der Luft eingesetzt
werden.
"Die Ermittlungen gehen voran, aber es ist eine entscheidende Phase, so
dass jede Information darüber hinderlich wäre", sagte der
Minister zu Suche nach den Attentätern von Madrid. Die Polizei
richte ihr Augenmerk unter anderem auf "internationale Verbindungen".
Die Zeitung "El Pais" hatte unter Berufung auf Polizeikreise berichtet,
die Attentäter hätten vermutlich Verbindungen zur
marokkanischen Islamischen Kampfgruppe, die von der El Kaida Osama bin
Ladens finanziert werde. Die USA haben diese Gruppe im April des
vergangenen Jahres auf ihre Liste terroristischer Organisationen
gesetzt. Sie soll Ende der 90er Jahre entstanden sein und ihre
Mitglieder teilweise in Afghanistan ausgebildet haben.
"El Mundo" gab die Zahl der gesuchten Marokkaner mit 20 an. Auch diese
Zeitung berief sich auf Polizeikreise. Nach den Gesuchten fahnde
Marokko auch wegen der Anschläge in Casablanca im Mai des
vergangenen Jahres. Damals starben 45 Menschen, darunter zwölf
Selbstmordattentäter.
Die Madrider Attentäter sollen 15 bis 20 Tage lang die
Bahnhöfe der spanischen Hauptstadt sowie die Fahrpläne
studiert haben. Zwei Gruppen zu jeweils drei Mann hätten dann die
Bomben platziert, die in vier Zügen explodierten, berichtete die
Zeitung "La Vanguardia".
Die spanische Polizei hat bereits drei Marokkaner wegen der
Anschläge auf die Madrider Vorortzüge verhaftet. Einer von
ihnen, Jamal Zougam, soll nach Informationen der Zeitung "ABC" damit
geprahlt haben, einer militanten moslemischen Gruppe anzugehören.
Die Zeitung zitiert einen Nachbarn mit den Worten, Zougam habe sich mit
anderen in einer Moschee getroffen, mit Kampfsport beschäftigt und
Tonbänder angehört, auf denen zum Dschihad, dem "Heiligen
Krieg", aufgerufen worden sei. Die Moschee war dem Zeitungsbericht
zufolge schon ein Jahr vor dem Anschlägen vom 11. September 2001
geschlossen worden. Die jungen Männer hätten sich dort aber
trotzdem getroffen, sagte der Nachbar. Sie seien durch die Fenster
eingestiegen.
Zougam soll Zeitungsberichten zufolge Kontakte zu einigen jener
Männer gehabt haben, die wegen der Selbstmordanschläge in
Casablanca im Gefängnis sitzen. "El Mundo" berichtete unter
Berufung auf marokkanische Geheimdienstkreise, Zougam habe enge
Verbindungen zu Sala Eddin Benyaich gehabt, der wegen der
Anschläge inhaftiert sei.
Die Extremistengruppe, die sich zu den Terroranschlägen von Madrid
bekannt hat, hat unterdessen einen Waffenstillstand in Spanien
ausgerufen. Man wolle der neuen sozialistischen Regierung Zeit geben,
die spanischen Truppen aus Irak abzuziehen, hieß es in einer
Erklärung der Brigade von Abu Hafs el Masri, die am Donnerstag in
der arabischen Zeitung «El Hajat» erschien. Zugleich wird
in der Erklärung den "Lakaien" der USA mit ähnlichen
Anschlägen wie denen in Madrid gedroht. Aufgeführt werden
Japan, Italien, Großbritannien, Saudi-Arabien, Australien und
Pakistan. Nach Angaben des Blattes ist die Stellungnahme der Gruppe vom
15. März datiert.
Die marokkanischen Behörden sind indessen der Ansicht, die
Terrorgruppe Ansar el Islam könnte für die Anschläge in
Madrid verantwortlich sein. Diese Organisation ist auch in Irak aktiv.
Nach neuen Vorwürfen über eine systematische Manipulation der
Medien nach den Anschlägen von Madrid gerät die scheidende
Regierung von Spaniens Ministerpräsident José María
Aznar immer mehr in Bedrängnis.
Journalisten der Nachrichtenagentur EFE sprachen am Dienstagabend von
"Zensur" und berichteten, sie hätten auf Anweisung der
Chefredaktion Hinweise auf islamistische Täter zurückhalten
müssen. Belegschaftsvertreter von EFE forderten den Rücktritt
von Nachrichtenchef Miguel Platón, weil er eine objektive
Berichterstattung über die Ermittlungen unterbunden habe. Er habe
der Agentur "ein System der Manipulation und Zensur" auferlegt,
hieß es in einer Erklärung. Dies habe darauf abgezielt, der
konservativen Regierung Aznars zur Wiederwahl zu verhelfen.
Der Chef des Madrider Vereins der Auslandskorrespondenten, Steven
Adolf, warf der Regierung vor, ausländische Journalisten mutwillig
in die Irre geführt zu haben. Am Abend des Anschlagstags
hätten "mehrere offiziell akkreditierte Korrespondenten einen
Anruf vom Informationsministerium erhalten mit der Bitte, in ihren
Artikeln ausdrücklich zu erwähnen, dass die (baskische
Untergrundorganisation) ETA die Taten beging".
(Quellen: afp, rtr, ap)
Zentralrat der Muslime beklagt Benachteiligung durch die Politik
- Nadeem Elyas: Terrorismus hat mit Islam nichts zu tun
Do.18.03.04 - Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem
Elyas, hat sich vom islamistischen Terrorismus ausdrücklich
distanziert. Die Terroristen El Kaidas verfolgten selbst definierte
Ziele und hätten eine selbst zusammengezimmerte Ideologie, sagte
Elyas am Dienstag in Hannover: "Das hat mit dem Islam nicht das
Geringste zu tun." Die Attentäter bedrohten vielmehr auch die
Muslime selbst.
Vor der großen Mehrheit der Muslime brauche sich die deutsche
Gesellschaft nicht zu fürchten, sagte der Zentralrats-Vorsitzende.
Die Muslime in Europa hätten bereits angefangen, eine
europäische Identität auszubilden. Allerdings wollten sie
nicht auf das Kopftuch und auf geschächtetes Fleisch verzichten.
Elyas äußerte sich anlässlich der Vorstellung eines
neuen Buches des CDU-Bundestagsabgeordneten Friedbert Pflüger. Es
trägt den Titel "Ein neuer Weltkrieg? Die islamistischen
Herausforderungen des Westens".
Der Zentralrats-Vorsitzende der Muslime in Deutschland beklagt eine
zunehmende Benachteiligung von Muslimen in Deutschland. Elyas sagte
der «Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe), derzeit erlebe
er nur, «das Gesetzespakete schnell verabschiedet werden, aus
denen sich Sanktionen und Benachteiligungen für uns
ergeben». Da die Politik parallel nicht für
«vertrauensbildende Maßnahmen» sorge, bestehe die
«Gefahr, dass die breite Masse der Muslime dadurch ihr Vertrauen
in den Staat verliert».
Vertrauen bildend wäre aus Sicht von Elyas, dass die islamische
Lebensweise, solange sie mit dem Gesetz vereinbar sei, auch akzeptiert
werde. Tatsächlich erlebe er aber das Gegenteil in Bezug auf das
Kopftuch- oder das Schächt-Urteil. «Die Politik setzt alles
daran, Dinge zu verhindern, die als verfassungskonform erklärt
wurden», sagte der Zentralrats-Vorsitzende. Hinzu kämen
Vorschläge wie jene zur Video-Überwachung von Moscheen, die
«völlig überzogen» seien und bewirkten, dass sich
die Mehrheit der friedfertigen Muslime «angefeindet vom
Staat» fühle.
(Quellen: epd, ddp)
Blick ins Archiv:
Wird der Antisemitismus durch den neuen Antiislamismus abgelöst?
Die These, der Antisemitismus sei durch einen neuen Antiislamismus
abgelöst worden, ist nicht belegbar und verantwortungslos. Sie
verschleiert die wahren Gefährdungslagen, meinen Michael Kiefer
und Eberhard Seidel in der "tageszeitung" vom 20.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/20/a0192.nf/text
Die theoretischen Grundlagen für einen islamischen
Fundamentalismus wurden Mitte des 20. Jahrhunderts gelegt.
Einer seiner Vordenker war der muslimische Inder Sayyid Abu-l-Ala Maududi...
Mehr in der "tageszeitung" vom 24.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/24/a0268.nf/text
Massiver Widerstand gegen Zentralisierung des Verfassungsschutzes
Do.18.03.04 - Die Forderung nach einer Zentralisierung des Verfassungsschutzes ist
bei den Ländern auf massiven Widerstand gestoßen. Mehrere
Innenminister wandten sich am Mittwoch gegen Bestrebungen der
Bundespolitik, kleinere Landesämter für Verfassungsschutz zu
fusionieren.
Die unionsregierten Länder Bayern, Niedersachsen, Hessen, Sachsen
und Sachsen-Anhalt sprachen sich ebenso für die Beibehaltung der
föderalen Struktur aus wie das von Rot-Grün regierte
Nordrhein-Westfalen und die rot-rote Landesregierung in
Mecklenburg-Vorpommern. Gesprächsbereit zeigten sich lediglich
Bremen und Berlin.
Für die Zusammenlegung von Verfassungsschutzämtern hatten
zuvor Bundespolitiker von SPD, Grünen und CDU plädiert. Im
Gespräch ist ein Modell, nach dem die Zahl der Landesbehörden
von 16 auf sieben verringert werden soll. Nur die
Verfassungsschutzämter in Bayern, Baden-Württemberg und
Nordrhein-Westfalen würden danach selbstständig bleiben. Eine
Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz befasst sich derzeit unter
Leitung von Bundesinnenminister Otto Schily mit dem Thema
Verfassungsschutzreform.
«Wir lehnen es strikt ab, die Landesämter zu
zentralisieren», sagte der nordrhein-westfälische
Innenminister Fritz Behrens (SPD) der «Financial Times
Deutschland». «Es sollte bei der grundgesetzlichen
Aufteilung bleiben.» Bayerns Innenminister Günther Beckstein
(CSU) sagte im Bayerischen Rundfunk, kleinere Ämter seien
wirksamer als eine zentrale Bürokratie. Auch Hessens Innenminister
Volker Bouffier (CDU) sprach sich in einem Interview des Hessischen
Rundfunks für eine Beibehaltung der Landesämter aus. Denkbar
sei aber eine Art Informationspool an zentraler Stelle, bei dem alle
Landesämter Ergebnisse abliefern und abrufen könnten.
Auch Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen
lehnten Fusionspläne ab. Bremen zeigte sich dagegen offen. Ein
Sprecher von Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) sagte der AP, wenn
mehrere norddeutsche Ämter zusammengelegt werden sollten,
wäre Bremen auf jeden Fall gesprächsbereit.
Berlins Innensenator Erhart Körting befürwortete eine
stärkere Zentralfunktion des Bundesamtes für
Verfassungsschutz. «Wir haben im Bereich der Spionageabwehr
bereits eine besondere Koordinierung durch den Bund. Ich bin der
Meinung, dass das erst recht für die Terrorismusbekämpfung
gelten muss.»
Unterstützt wurden die Fusionsbestrebungen von Kanzleramtschef
Frank-Walter Steinmeier. «Wenn es bei den Ländern
Bereitschaft gibt, Kompetenzen beim Verfassungsschutz abzugeben, ist
das ein diskutabler Vorschlag.» Der stellvertretende
CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers bekräftigte seine
Forderung, alle 16 Landesämter für Verfassungsschutz ganz
aufzulösen. «Es muss um die Zweckmäßigkeit gehen.
Es ist an der Zeit, das mal organisatorisch neu zu gestalten»,
sagte er.
Die FDP meldete sich unterdessen in der Diskussion um den Einsatz der
Bundeswehr im Inneren mit der Forderung nach einer Nationalgarde zu
Wort. Nach den Vorstellungen der Bundestagsfraktion sollen rund 5.000
aktive Soldaten und bis zu 50.000 Reservisten künftig in den
Ländern für Katastrophenschutz oder militärischen
Objektschutz zur Verfügung stehen. Auf keinen Fall solle die Garde
aber polizeiliche Aufgaben wahrnehmen, sagte FDP-Verteidigungsexperte
Günther Nolting. Die von der Union geforderte Ausweitung der
Bundeswehrkompetenzen durch eine Grundgesetzänderung lehnen die
Liberalen ab.
(Quelle: ap)
Bombardier streicht 1500 Stellen in Deutschland
Do.18.03.04 - Der weltgrößte Bahntechnik-Konzern Bombardier Transportation
aus Kanada will in Deutschland rund 1500 Stellen streichen und mit
weiterem weltweiten Arbeitsplatzabbau aus der Verlustzone kommen. Die
Bundesregierung will sich zusammen mit der Landesregierung von
Sachsen-Anhalt um Ersatzarbeitsplätze für das Werk in
Ammendorf bemühen, das mit knapp 800 Mitarbeiter geschlossen
werden soll.
In diesem und im nächsten Jahr sollten in Europa insgesamt sieben
der 35 Bahnwerke mit insgesamt 6600 Stellen geschlossen werde, teilte
Bombardier am Mittwoch in Montreal mit. Im Geschäftsfeld
Bahntechnik wird damit fast jede fünfte Stelle gestrichen.
Regierungssprecher Bela Anda sagte, die Bundesregierung bedauere die
Schließung des Bahntechnikwerks in Ammendorf bei Halle. Für
den Erhalt des schon vor zwei Jahren von Schließung bedrohten
Werkes hatte sich damals Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
persönlich eingesetzt. Die Bundesregierung sei bereit, gemeinsam
mit der Landesregierung an einem Regionalkonzept zu arbeiten mit dem
Ziel, Ersatzarbeitsplätze zu schaffen, sagte Anda. Die IG Metall
warf Bombardier dreisten Wortbruch vor. Aus einer Vereinbarung aus dem
Jahr 2002 zur Standortsicherung sei keine Zusage eingehalten worden.
Bombardier erklärte, keines der vom Schließungsbeschluss
betroffenen Werke habe Aufträge für das kommende Jahr. Das
Unternehmen erwarte sich nun jährliche Einsparungen von 600
Millionen kanadischen Dollar (367 Millionen Euro). In dem am 31. Januar
abgeschlossenen vierten Quartal sei durch Umstrukturierung und
Arbeitsplatzabbau ein Verlust von 448 Millionen kanadischen Dollar
(rund 335,77 Millionen Euro) oder 26 Cent je Aktie entstanden. Darin
seien Belastungen aus der Umstrukturierung von 457 Millionen Dollar
berücksichtigt. Bereits vor einem Jahr hatte Bombardier einen
Quartalsverlust von einer Milliarde kanadischen Dollar ausgewiesen.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in
Deutschland, Michael Clausecker, sagte, man könne nicht von einem
generellen Trend im Fahrzeugbau in Deutschland sprechen. Bombardier
habe nach der Übernahme von Adtranz im Jahr 2001
Überkapazitäten aufgebaut.
Neben der Schließung des Werks Ammendorf sollen auch Stellen im
Werk Hennigsdorf bei Berlin gestrichen werden. Allerdings soll die
Beschäftigtenzahl hier bei rund 2000 bleiben, derzeit sind dort
etwa 2100 Menschen beschäftigt.
(Quelle: rtr)
Handwerk setzte 2003 weniger um und baute weiter Stellen ab
Do.18.03.04 - Das kriselnde deutsche Handwerk hat im vergangenen Jahr erneut weniger
umgesetzt und Stellen abgebaut.
Die Branche habe 2003 einen Umsatzrückgang von 3,1 Prozent
verbucht nach fast fünf Prozent im Jahr davor, teilte das
Statistische Bundesamt am Mittwoch nach vorläufigen Berechnungen
mit. Zugleich seien bei den selbstständigen Handwerksbetrieben gut
fünf Prozent weniger Mitarbeiter beschäftigt gewesen.
Am stärksten betroffen war das Bekleidungs-, Textil- und
Ledergewerbe, wo gut zehn Prozent der Beschäftigten ihren
Arbeitsplatz verloren. Den geringsten Stellenabbau mit knapp drei
Prozent verzeichneten die Gewerbe für Gesundheits- und
Körperpflege sowie chemische Reinigungen. Auch beim Umsatz
entwickelte sich dieser Bereich günstiger und verzeichnete als
einzige der sieben Gewerbegruppen des Handwerks einen Umsatzzuwachs von
fast zwei Prozent.
Das statistische Bundesamt ermittelte die Daten durch eine
Stichprobenerhebung bei rund 50.000 Handwerksbetrieben und
veröffentlicht keine absolute Zahlen.
(Quelle: rtr)
Milliardengewinne für deutsche Großkonzerne
Während die Spitzenverbände des deutschen Kapitals, aktuell
verstärkt durch den designierten neuen Bundespräsidenten
Horst Köhler, nicht müde werden, weitere tiefe Einschnitte in
die soziale Daseinsvorsorge und forcierte Umverteilungsschritte
zugunsten der Wirtschaft zu fordern, sonnen sich die Lokomotiven des
Exportweltmeisters Deutschland im Glanz ihrer Geschäftsergebnisse
und beglücken ihre Aktionäre mit deftigen
Dividensteigerungen...
Mehr bei "junge Welt" vom 18.03.04:
http://www.jungewelt.de/2004/03-18/003.php
|
Wissenschaftlicher Beirat für globale Energiewende - Experten
fordern zehnmal mehr Geld für erneuerbare Energien
Do.18.03.04 - Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale
Umweltveränderungen hat sich in einem Gutachten für den einen
langfristigen Ausbau der erneuerbaren Energien eingesetzt. Der
Vorsitzende des Beirats, Hartmut Graßl, sagte am Mittwoch in
Berlin, die Menschheit müsse endlich beginnen, das Energiesystem
nachhaltig zu gestalten. Er forderte eine Verlagerung des Schwerpunkts
von fossiler und nuklearer auf erneuerbare Energien. Die Umweltexperten
fordern eine Verzehnfachung der Ausgaben für die Forschung an
erneuerbaren Energien in den kommenden zehn Jahren. Das Gutachten soll
als ein Eckpunktepapier für die im Juni stattfindende
internationale Konferenz «Renewables2004» dienen.
Forschungsministerin Edelgard Bulmahn begrüßte den
interdisziplinären Ansatz des Gutachtens. Die SPD-Ministerin
verwies darauf, dass die Bundesregierung schon längst die
Weichenstellung hin zu erneuerbaren Energien vorgenommen habe und
Forschungsvorhaben auf Nachhaltigkeit und Effizienz prüfe.
Umweltminister Jürgen Trittin plädierte dafür, die
Vorreiterrolle Europas zu festigen. Dafür würden
ambitionierte Ziele über das Jahr 2010 hinaus gebraucht,
«wie wir es in Deutschland mit dem 20-Prozent-Ziel für 2010
im Erneuerbare Energien Gesetz umgesetzt haben», sagte Trittin.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul betonte die wichtige
Rolle erneuerbarer Energien bei der Armutsbekämpfung.
Wenn der bisherige Weg fortgesetzt werde, den zunehmenden Energiebedarf
vor allem mit fossilen Energieträgern zu decken, würde das
einen Klimawandel mit hohen Folgekosten auslösen, sagte
Graßl. Es sei auch volkswirtschaftlich nicht zu verantworten. Er
sah die Gefahr, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich sowie
zwischen Ländern mit Öl- oder Kohlevorkommen einerseits und
rohstoffarmen Staaten andererseits weiter ausdehnt.
Der Beirat forderte weiter, jeder Mensch solle Zugang zu moderner
Energie haben. Graßl plädierte für die Verabschiedung
einer Weltenergiecharta mit den Grundsätzen einer globalen
Energiewende. Bei der UN solle ein Koordinationsprogramm zur
Weltenergieforschung angesiedelt werden. Europa müsse seine Rolle
ausbauen und innerhalb der Mitgliedsländer verbindliche Ziel
für erneuerbare Energien festlegen.
Bei der Konferenz «Renewables 2004» wird sich den Angaben
zufolge eine kleine Gruppe von Ländern treffen, die schneller
vorankommen wollten als die Vereinten Nationen. «Wir sehen in
dieser Konferenz einen Ausweg aus den häufig schleppenden
Konventionen der UN zur Umwelt», sagte Graßl.
Die internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien
«Renewables 2004» war von Bundeskanzler Gerhard
Schröder(SPD) auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung
im September 2002 in Johannesburg angekündigt worden und wird
Anfang Juni von der Bundesregierung in Bonn veranstaltet. Sie soll dem
globalen Ausbau der Erneuerbaren Energien weitere Impulse verleihen. Im
laufenden Jahr liegen die Ausgaben für die Forschung an
Erneuerbaren Energien nach Angaben des Bundesforschungsministeriums bei
74 Millionen Euro.
(Quelle: ap, ddp)
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale
Umweltveränderungen:
http://www.wbgu.de/
Internationale Konferenz für Erneuerbare Energien
«Renewables 2004»:
http://www.wbgu.de; www.renewables2004.de
Streit um Emissionsrechtehandel geht weiter - Clement lässt
Kompromiss platzen - Trittin gibt Industrie Schuld am Streit um
Emissionshandel
Do.18.03.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat einen von
Staatssekretären vorbereiteten Kompromiss zum geplanten Handel mit
Klimaschutz-Zertifikaten gestoppt und so Koalitionskrach mit den
Grünen riskiert.
Forderungen des kleinen Regierungspartners reichten bis zur Einberufung
einer Koalitionsrunde. Sprecher der Regierung gaben vor der
Bundespressekonferenz zu, dass man sich noch nicht einig sei.
Regierungssprecher Bela Anda betonte aber nach einer erneuten
Sondierungsrunde der seit langem streitenden Minister Clement und
Jürgen Trittin (Umwelt/Grüne) den festen Willen, bis zum 31.
März die «noch offenen Lücken» in der Sache zu
schließen.
Bis zum Monatsende wolle das Kabinett eine Entscheidung über die
Aufteilung von Abgas-Zertifikaten auf die Unternehmen fällen und
diese fristgerecht nach Brüssel melden, sagte Anda. Auch stellte
er klar, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) jetzt nicht an
eine Intervention denke. Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier leiste
hervorragende Arbeit. «Es ist nicht die Aufgabe des Kanzlers,
sich hier einzubringen.» Immerhin bewege man sich aufeinander zu.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht die
Gründe für den Streit mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) um den Emissionshandel zur Verringerung
umweltschädlicher Abgase in der Haltung der Industrie.
"Wolfgang Clement und ich werden uns einigen können", sagte der
Trittin der Zeitung "Die Welt" vom Donnerstag. "Das eigentliche Problem
gibt es mit der Industrie." Die Unternehmen insgesamt verlangten mehr
Verschmutzungsrechte als die Regierung ausgeben dürfe, wenn sie an
den Klimaschutzzielen von Kyoto festhalten wolle. Das Umwelt- und das
Wirtschaftsministerium stimmten darin überein, die
Klimaschutzverpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll zu erfüllen.
Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann sprach in der
«Welt» von einem «Amoklauf» Clements zu Gunsten
der Kohleindustrie, die energiepolitische Sprecherin der Grünen
forderte in dem Blatt die Einberufung einer Koalitionsrunde, um eine
Zerreißprobe von Rot-Grün zu verhindern. Die
Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sagte der
Nachrichtenagentur dpa: «Das wichtigste ist, sich sehr schnell
zusammen zu setzen, um die Streitigkeiten beizulegen und Erfolg
für den Klimaschutz melden zu können.»
Der Umweltpolitiker Reinhard Loske, einer ihrer Stellvertreter,
erklärte: «Wir sehen mit großer Sorge, dass
Wirtschaftsminister Clement sich offenbar von einer
verantwortungsvollen Klimapolitik verabschieden möchte.»
Clements Sprecherin Andrea Weinert stellte in Abrede, dass sich die
Staatssekretäre für Wirtschaft und Umwelt, Georg Wilhelm
Adamowitsch und Rainer Baake, am Vorabend unter Leitung von Steinmeier
auf einen Kompromiss verständigt hätten. Sie erklärte,
«dass sich weder gestern Abend noch heute Morgen eine Einigung
ergeben hat». Davon könne man erst sprechen, wenn alle
Einzelheiten festliegen.
Dagegen wurde aus gut unterrichteten Koalitionskreisen bestätigt,
dass sich die Runde am Vorabend «weitgehend einig war». Am
Vormittag habe Clement dann diese Kompromissvorschläge der
Staatssekretäre rigide vom Tisch gewischt, obwohl sie von
Steinmeier mitgetragen worden seien.
Danach müssten die energieintensiven Unternehmen in der ersten
Phase des Emissionshandels 2005 bis 2007 ihren
Kohlendioxid-Ausstoß von jetzt 505 Millionen Tonnen auf nur auf
499 Millionen reduzieren. Trittin hatte einen Abbau auf 488 Millionen
Tonnen verlangt. Clement, so heißt es den Kreisen zufolge, habe
selbst dies in Bausch und Bogen abgelehnt - immer mit dem Argument, die
Wirtschaft dürfe nicht gerade in konjunkturell labiler Situation
mit überzogenen Emissionsabbau- Pflichten belastet werden. Ferner
ging es in dem Kompromiss um Regelungen zur Übertragung von
CO2-Abgasverschmutzungsrechten von alten auf moderne und effiziente
Kraftwerksanlagen.
Die Umweltschutzorganisation WWF sprach von einem
«skandalösen Verhalten» von Clement. Deutschland stehe
beim Klimaschutz am Scheideweg, sagte die WWF-Expertin Regine
Günther der dpa. Die FDP-Umweltpolitikerin Birgit Homburger
forderte die Regierung auf, ihr «Chaos zu beenden» und dem
Parlament jetzt Lösungen vorzulegen.
Beim Emissionshandel von 2005 an werden Verschmutzungszertifikate
zunächst kostenlos ausgegeben. Wer seinen damit verbrieften Rahmen
zum Ausstoß von Kohlendioxid nicht ganz ausschöpft, kann die
überschüssigen Papiere an solche Betriebe verkaufen, die bei
großen CO2-Mengen mit ihren Zertifikaten nicht auskommen.
(Quellen: dpa, rtr)
Mehr zum Thema "Emissionshandel, Klimaschutz etc." unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_i