Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertachtundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen in Irak. Italiens
Europaminister: Irakkrieg war 'vielleicht Fehler'. Polens
Staatspräsident Kwasniewski fühlt sich von den USA und
Großbritannien über irakische Waffen getäuscht.
Australien ruft zur Fortsetzung des Irak-Einsatzes auf. Annan will
möglichst schnell ein UN-Team nach Irak schicken.
US-Außenminister Colin Powell in Bagdad. Bush: Die Welt ist durch
den Irak-Krieg ein 'besserer Ort' geworden. Anschläge auf Besatzer
und Zivilisten in Irak halten an. Britischer Parlamentsausschuss
rügt Verhalten der Regierung bei Untersuchung zu Irak-Krieg. Am
Samstag jährt sich erstmals der Beginn des Irak-Kriegs am 20.
März 2003.
Fr.19.03.04 - Amnesty International (AI) hat zum ersten Jahrestag des Irak-Krieges
auf schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in Irak hingewiesen.
Täglich würden immer noch Iraker umgebracht, kritisierte die
Menschenrechtsorganisation am Donnerstag. Vermutlich seien über
10.000 irakische Zivilpersonen seit Ende März 2003 als direkte
Folge der militärischen Intervention getötet worden, entweder
im Krieg oder während der anschließenden Besatzung. Die Zahl
sei eine Schätzung, weil die Behörden nicht Willens oder
unfähig seien, eine Liste der Toten zu erstellen. Zahlreiche
Zivilpersonen seien offenbar auch wegen übermäßigem
Gewalteinsatz der US-Truppen gestorben. Bis zum heutigen Tag seien zu
diesen Fällen keine unabhängigen Untersuchungen
durchgeführt worden.
In Italien, einem der treuesten Verbündeten von US-Präsident
George Bush, hat erstmals ein Mitglied der Regierung öffentlich
Zweifel an der Richtigkeit des Irakkriegs geäußert. "Der
Krieg war vielleicht ein Fehler. Möglicherweise hätte er noch
verhindert werden können. Auf jeden Fall war er nicht die beste
Lösung", sagte der christdemokratische Europaminister Rocco
Buttiglione der Zeitung "Il Messagero" (Donnerstagsausgabe). Dem
Terrorismus könne nicht nur mit Waffen begegnet werden. Notwendig
sei eine wirkliche Friedenspolitik mit kulturellem Austausch,
interreligiösem Dialog und Entwicklungshilfe. Außerdem
müsse die UNO eine stärkere Rolle in Irak spielen.
Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski hat erstmals
öffentlich Kritik an den USA und Großbritannien
bezüglich der angeblichen Bedrohung durch irakische
Massenvernichtungswaffen vor dem Irak-Krieg geäußert. Ohne
die beiden Staaten beim Namen zu nennen sagte Kwasniewski am Donnerstag
einer Gruppe europäischer Journalisten, er fühle sich nicht
wohl angesichts der Tatsache, «dass wir bei den Informationen
über Massenvernichtungswaffen getäuscht wurden».
Er denke aber, dass heute Irak ohne den gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein ein besseres Land sei. Eine Abschrift
der Äußerungen Kwasniewskis wurden vom Pressebüro des
Präsidenten veröffentlicht.
Zuvor hatte Kwasniewski hat am Donnerstag bereits angedeutet, dass die
polnischen Truppen früher als bislang geplant aus Irak abgezogen
werden könnten. Alles deute darauf hin, dass der Abzug nach dem
erfolgreichen Abschluss der Stabilisierungsmission beginnen könne.
«Das könnte meiner Ansicht nach schon bald sein, Anfang
2005», sagte Kwasniewski im polnischen Rundfunk.
Die polnische Regierung ist mit ihrem Engagement in Irak unter Druck
geraten, seit die spanischen Sozialisten nach ihrem Wahlsieg den
baldigen Abzug der spanischen Truppen angekündigt haben.
Kwasniewski hatte zuvor erklärt, der Abzug der polnischen Truppen
könne frühestens Mitte 2005 beginnen. Polen befehligt eine
multinationale Truppe in Irak, zu der auch die spanischen Soldaten
gehören.
Angesichts der wachsenden Kritik am Irak-Einsatz der USA hat Australien
an die Mitglieder der einstigen Kriegskoalition appelliert, sich jetzt
nicht aus Irak zurückzuziehen. Es gelte, dem Terror die Stirn zu
bieten, sagte Außenminister Alexander Downer am Freitag in einer
Erklärung zum ersten Jahrestag des Kriegsbeginns. Internationale
Unterstützung zur Stabilisierung Iraks sei heute notwendiger denn
je.
«Es ist jetzt nicht an der Zeit, dass sich die internationale
Staatengemeinschaft den Drohungen von Terroristen beugt und das
irakische Volk im Stich lässt», sagte Downer.
Australien ist im Irak-Konflikt nach wie vor einer der engsten
Verbündeten der USA und Großbritanniens. 2.000 australische
Soldaten beteiligten sich seinerzeit am Krieg, rund 850 sind auch jetzt
noch in Irak im Einsatz.
Deutschlands Außenminister Joschka Fischer mahnte am Donnerstag
zu «großer Vorsicht» bei Überlegungen zu einem
eventuellen NATO-Einsatz im Irak. Angesichts des bereits umfangreichen
Engagements der NATO auf dem Balkan sowie in Afghanistan dürfe das
Militärbündnis nicht überfrachtet werden, sagte Fischer
nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in New
York. Berichte über eine mögliche neue Irak-Resolution des
Sicherheitsrates, die es Spanien ermöglichen könnte, seine
Truppen im Irak zu belassen, bezeichnete Fischer als «reine
Spekulation». «Das ist vor allen Dingen eine Diskussion,
die in Spanien geführt werden muss.»
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat unterdessen die Entsendung eines
neuen Expertenteams der Vereinten Nationen nach Irak in Aussicht
gestellt. Er reagiere damit auf eine entsprechende Bitte des irakischen
Regierungsrats, sagte Annan am Donnerstagabend in New York. Der von den
USA eingesetzte Rat hatte zuvor in einem Schreiben an den
Weltsicherheitsrat um Hilfe bei der Vorbereitung der irakischen
Machtübernahme bis hin zu freien Wahlen gebeten.
Annan erklärte, er wolle seinen Irak-Beauftragten Lakhdar Brahimi
bitten mit einem Expertenteam nach Irak zurückzukehren. Die
Mission werde so bald wie möglich in die Wege geleitet. Einen
Zeitplan nannte der UN-Generalsekretär nicht. Zuvor hatte auch
schon der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, die Vereinten
Nationen darum gebeten, möglichst bald ein weiteres Team nach Irak
zu entsenden.
Nach der für den 30. Juni geplanten Machtübergabe in Irak
sind für Ende 2004 oder Anfang 2005 Parlamentswahlen vorgesehen.
Im Oktober hatte Annan die UN-Mitarbeiter nach einem Anschlag auf das
UN-Hauptquartier in Bagdad, bei dem 22 Menschen getötet worden
waren, abgezogen.
US-Außenminister Colin Powell ist am Freitagmorgen
überraschend in Bagdad eingetroffen. Das berichtete ein
Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP, der Powell begleitete. Powell
will Gespräche mit irakischen Regierungsvertretern führen. Am
Samstag jährt sich erstmals der Beginn des Irak-Kriegs am 20.
März 2003.
Zwei Tage vor dem ersten Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak hat
US-Präsident George W. Bush erneut betont, dass die
Militäraktion der Sicherheit der Vereinigten Staaten genützt
habe. Die Welt sei seit dem Sturz des irakischen Machthabers Saddam
Hussein "besser dran, und das amerikanische Volk ist sicherer", sagte
Bush am Donnerstag in einer Rede vor US-Truppen in Fort Campbell im
US-Bundesstaat Kentucky.
Bush warnte den Westen vor Beschwichtigungspolitik. «Es gibt
für keine Nation Sicherheit in einer Welt, die von der Gnade
dieser Verbrecher abhängt», sagte Bush.
Laut Bush gibt es für die zivilisierte Welt nur einen Weg zur
Sicherheit: den gemeinsamen Kampf gegen den Feind, bis er geschlagen
sei. Die USA müssten den Gefahren begegnen, bevor sie sich
realisieren, sagte Bush in seiner Rechtfertigung des Irakkriegs. Dies
gelte auch für die Zukunft. Der Krieg sei schon wegen der
Gräueltaten des Regimes von Saddam Hussein gerechtfertigt gewesen.
Mit der Beseitigung dieses «tollwütigen Mannes» und
eines «der brutalsten Regime in der Geschichte» hätten
die Terroristen einen wichtigen Verbündeten verloren. Die
jüngsten Terroranschläge stellten die Entschlossenheit der
USA und ihrer Verbündeten auf die Probe. «Sie werden sehen,
dass wir standhaft bleiben», betonte Bush.
Kurz vor dem ersten Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak halten die
Anschläge auf Besatzungstruppen und Zivilisten an. Bei der
Explosion einer Autobombe vor einem Hotel im südirakischen Basra
kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Bei Mörserangriffen
wurden ein Iraker und zwei US-Soldaten getötet. Unbekannte
erschossen drei Mitarbeiter eines US-gesponserten irakischen
Fernsehsenders. Beim Versuch, eine wichtige Brücke in die Luft zu
jagen, starben zwei Iraker.
Mindestens drei weitere Menschen wurden bei dem Anschlag in Basra
verletzt. Nach der Bombenexplosion wurde ein Verdächtiger von
einer wütenden Menschenmenge gelyncht. Der Mann sei zu Tode
geprügelt worden, sagte ein Krankenhaussprecher.
Bei einem Angriff in der Gegend von Baakuba wurden drei Angestellte
eines von den USA finanzierten irakischen Fernsehsenders getötet.
Zwei bewaffnete Männer hätten auf den Bus geschossen, in
denen das Fernsehteam unterwegs war, hieß es.
Bei einem Mörserangriff auf das Rathaus der Stadt Falludscha wurde
ein Iraker getötet. Bei einem Angriff mit Mörsergeschossen in
Westirak wurde am Mittwoch ein US-Marineinfanterist getötet. Bei
einem ähnlichen Angriff nördlich von Bagdad starb ein
weiterer US-Soldat.
Zwei Iraker starben, als sie eine Brücke über den Fluss Sab
sprengen wollten. Der Polizei zufolge wird die im Kurdengebiet gelegene
Brücke häufig von Konvois der US-Armee befahren.
Bei dem am Mittwochabend in Bagdad verübten Bombenanschlag
handelte es sich nach Angaben der US-Armee um ein Selbstmordattentat.
Die Autobombe war in unmittelbarer Nähe eines vorwiegend von
arabischen und westlichen Geschäftsleuten besuchten Hotels
explodiert. Die US-Armee korrigierte die Zahl der Toten nach unten auf
sieben. Die irakische Polizei habe sieben Tote und 37 Verletzte
gezählt.
Keine Bestätigung seitens des US- Militärs gab es für
einen angeblichen Hubschrauber-Abschuss in der Nähe von Falludscha.
Ein britischer Parlamentsausschuss hat derweil der Regierung
vorgeworfen, ihn bei der Überprüfung der Begründung
für den Irak-Krieg behindert zu haben. In einem am Donnerstag
vorgestellten Bericht forderte der Ausschuss für
Außenpolitik das Parlament auf zu erwägen, wie die Regierung
künftig zu einer besseren Zusammenarbeit gezwungen werden
könne. Das Parlamentsgremium hatte im vergangenen Jahr untersucht,
ob die angenommene Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen in Irak
möglicherweise absichtsvoll übertrieben worden war.
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass Premierminister Tony Blair
und andere ranghohe Regierungsvertreter eine Aussage vor dem Ausschuss
verweigerten. Außerdem habe die Regierung Dokumente über
angeblich in Irak vorhandene Massenvernichtungswaffen
zurückgehalten. Die Befugnisse des Ausschusses, Dokumente
einzusehen und Personen vorzuladen, hätten gegenüber der
Regierung nicht durchgesetzt werden können, hieß es in dem
Bericht. Das Parlament müsse nun über geeignete Rechtsmittel
nachdenken, falls ein Minister sich weigere vor dem Ausschuss zu
erscheinen.
In einem Bericht vom vergangenen Jahr hatte der Ausschuss die Regierung
von dem Vorwurf entlastet, im September 2002 ein Geheimdienstdossier
über Waffen in Irak aufgebauscht zu haben. Ferner hatte er
Behauptungen für unbegründet erklärt, Blairs Büro
habe Zusätze in den Bericht eingefügt, wonach Irak chemische
und biologische Waffen mit einer Vorwarnzeit von nur 45 Minuten
abfeuern könne. Diesen Vorwurf hatte die staatliche
Rundfunkanstalt BBC erhoben, die später den Waffenexperten David
Kelly als Quelle benannte. Vermutlich in Zusammenhang mit dieser
Affäre nahm sich Kelly im vergangenen Jahr das Leben.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Greenpeace: Bush soll in den USA Massenvernichtungswaffen beseitigen
Fr.19.03.04 - Anlässlich des ersten Jahrestages des Irak-Krieges hat die
Umweltschutzorganisation Greenpeace zur weltweiten Abrüstung von
Massenvernichtungswaffen aufgerufen. Bei einer Demonstration am
Donnerstag vor der amerikanischen Botschaft in Berlin wiesen die
Aktivisten darauf hin, dass in den USA insgesamt 10.000
Atomsprengköpfe lagerten. US-Präsident George W. Bush solle
mit der Beseitigung von Massenvernichtungswaffen dort beginnen, wo sie
tatsächlich zu finden seien: in den USA selbst, erklärten die
Umweltschützer.
Nach Angaben von Greenpeace lagern die Vereinigten Staaten
Atomsprengköpfe mit der Sprengkraft von 100.000 Hiroshima-Bomben.
Hinzu kämen mehrere tausend Tonnen chemischer Kampfstoffe und
Biowaffen. Damit würden die Vereinigten Staaten gegen
internationales Recht verstoßen. Sowohl der Besitz von Atomwaffen
als auch die Wiederaufnahme von Atomtests seien nach geltendem Recht
illegal.
Bei der Protestaktion in Berlin bauten die Aktivisten eine acht Meter
hohe Nachbildung der Freiheitsstatue vor der Botschaft auf. In der Hand
der Statue befand sich eine Karte der USA, auf der die Produktions- und
Lagerstätten atomarer, chemischer und biologischer
Massenvernichtungswaffen eingezeichnet waren.
Mehr unter:
http://www.greenpeace.de/
Zahlreiche Demos zum Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak geplant
Do.18.03.04 - Zum Jahrestag des Kriegsbeginns in Irak am kommenden Samstag planen
Globalisierungskritiker zahlreiche Protestaktionen. Wie das Netzwerk
Attac am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte, soll es am 20.
März in 50 deutschen Städten zu Mahnwachen, Kundgebungen und
Demonstrationen von Friedensinitiativen kommen.
Größte Aktion soll eine Demonstration zur US-Airbase in
Ramstein sein, zu der der Verein Internationale Ärzte für die
Verhütung des Atomkriegs aufgerufen hat und zu der so prominente
Redner wie der Schauspieler Peter Ustinov oder der frühere
SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine erwartet werden.
«Alle angeblichen Gründe für den Angriff auf Irak waren
Lügen und Propaganda. Es gibt für diesen Krieg keine
Rechtfertigung,» erklärte Attac-Sprecherin Barbara Fuchs zur
Begründung der Proteste. Die Forderungen der
Globalisierungskritiker nach freien Wahlen und dem Ende der Besatzung
hat laut Attac-Sprecherin Barbara Fuchs «durch den Abzug der
spanischen Truppen und ähnliche Überlegungen in Polen neue
Aktualität erhalten».
Im Irak-Krieg sieht Fuchs ein Paradebeispiel für einen
Angriffskrieg aus macht- und wirtschaftspolitischen Interessen.
«Die wirtschaftliche Kontrolle des Irak war einer der Gründe
für diesen Krieg», erklärte Barbara Fuchs.
Quelle: ap
Mehr unter:
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.friedensratschlag.de
Demonstrationszug zum amerikanischen Luftwaffenstandort Ramstein:
http://www.ippnw.de/ramstein/
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Pakistan setzt Angriffe gegen El-Kaida-Stellungen fort - Zwei
US-Soldaten bei Kämpfen in Afghanistan getötet
Fr.19.03.04 - Pakistanische Streitkräfte greifen weiter mutmaßliche
Stellungen von El-Kaida-Kämpfern an der Grenze zu Afghanistan an.
In dem Gebiet soll die Nummer zwei der Terrororganisation, Eiman el
Sawahiri, zusammen mit rund 200 Gefolgsleuten eingekesselt sein,
berichtet CNN und beruft sich auf pakistanische Geheimdienstkreise.
Auch US-Spezialeinheiten stehen angeblich für die Operation
bereit. In der Gebirgsregion gibt es seit Tagen Gefechte zwischen
pakistanischen Kräften und El-Kaida-Kämpfern.
Bei einem Feuergefecht sind in Afghanistan zwei US-Soldaten
getötet worden. Zwei weitere Soldaten der US-Armee seien bei den
Kämpfen in der Zentralprovinz Urusgan am Donnerstag verletzt
worden, sagte ein Armeesprecher. Die Soldaten hätten feindliches
Feuer erwidert und mindestens fünf gegnerische Kämpfer
getötet sowie mehrere weitere verletzt, teilte das
US-Zentralkommando mit. Die verletzten US-Soldaten seien zur
Luftwaffenbasis in Kandahar gebracht worden. Zu dem Gefecht war es den
Angaben zufolge während einer Patrouille in der Ortschaft Tarin
Kowt gekommen.
(Quellen: dpa, ap)
Indien testet neue Rakete mit nuklearer Kapazität
Fr.19.03.04 - Indien hat am heutigen Freitag eine neue Rakete getestet, die mit
nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann. Es handelt sich
um eine erweiterte Version der Flugabwehrrakete vom Typ
«Prithvi», deren Reichweite etwa 200 Kilometer
beträgt, wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete. Damit
könnte auch die pakistanische Hauptstadt Islamabad erreicht
werden. Die Rakete wurde von der Abschussrampe in Chandipur an der
indischen Ostküste gestartet. Ob das Nachbarland Pakistan
über den Test zuvor informiert wurde, blieb zunächst unklar.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Geheimtreffen zwischen Israels Premier Scharon und Jordaniens
König Abdullah. Oberstes Gericht verhängt Baustopp für
Teilstück der Sperranlage. Israel billigt verletztem
Palästinenser hohe Entschädigung zu.
Fr.19.03.04 - Der jordanische König Abdullah und Israels Premier Ariel Scharon
haben sich zu Geheimgesprächen getroffen. Das berichtet die
israelische Zeitung «Haaretz». Die Unterredung auf Scharons
Ranch habe mehrere Stunden gedauert. Beide könnten über
mögliche Auswirkungen von Scharons Plans eines einseitigen
israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands
gesprochen hätten. Zwischen Israel und Jordanien gibt es
Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Fragen des Nahkonflikts.
Das Oberste Gericht Israels hat unterdessen einen Baustopp für ein
Teilstück der umstrittenen Sperranlage zum Westjordanland
verhängt. Das Gericht habe mit seiner Entscheidung auf eine
Eingabe von palästinensischen und israelischen Gegnern des Walls
reagiert, erklärte deren Anwalt Mohammed Dahla am Donnerstag. Die
Antragsteller machen geltend, dass die Sperranlage das Leben von 30.000
Palästinensern in der Gegend entscheidend erschweren würde.
Israel will mit dem Bau der Anlage nach eigenen Angaben weitere
Selbstmordanschläge verhindern.
Anwalt Dahla erklärte, er habe einen Bericht einer Gruppe
früherer israelischer Militärangehöriger eingereicht, in
dem der Verlauf des Walls in Frage gestellt wird. Darin heisse es, die
Route gehe über Sicherheitserwägungen hinaus, ein anderer
Verlauf könne für den Schutz von Israelis ebenso effektiv
sein. Mit seiner Entscheidung vom Mittwoch habe das Gericht die Armee
aufgefordert, zu dem Bericht Stellung zu nehmen. Es verlängerte
einen bereits am 29. Februar verhängten befristeten Baustopp bis
zum Eingang einer solchen Stellungnahme. Eine weitere Anhörung sei
nicht angesetzt worden, erklärte Dahla.
Der Anwalt sprach von einem Sieg. Das Gericht habe offensichtlich
Zweifel an der Darstellung der Armee, dass es bei dem Sperrwall nur um
Sicherheit gehe.
Der Baustopp betrifft eine Region um acht palästinensische
Dörfer nordwestlich von Jerusalem. Rund 30 Bewohner der nahe
gelegenen israelischen Ortschaft Mevasseret Zion haben sich der Eingabe
angeschlossen.
Die Sperranlage reicht teilweise weit auf palästinensisches
Gebiet, zahlreiche Nachbargemeinden im Westjordanland wurden
voneinander abgeschnitten. Viele Bauern können nicht mehr auf ihre
Felder gelangen, Kinder müssen auf dem Weg zur Schule grosse
Umwege in Kauf nehmen. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen wird
das Leben von etwa einem Drittel der Palästinenser im
Westjordanland von der Anlage beeinträchtigt. Die israelische
Regierung macht geltend, dass seit Errichtung des Walls die Anzahl der
Selbstmordanschläge deutlich zurückgegangen sei.
Vor dem Obersten Gericht sind weitere Klagen gegen den Wall
anhängig. Am Mittwoch verhängte das Gericht auch einen
vorübergehenden Baustopp für einen Abschnitt nahe der
palästinensischen Dörfer Deir Kiddis und Ni'lin nahe der
israelischen Stadt Modiin. Dies erklärte die Vereinigung für
Bürgerrechte in Israel, die die Klage eingereicht hatte.
Israel hat einem von israelischen Soldaten verletzten
Palästinenser eine Entschädigung in Höhe von einer
halben Million Euro zugebilligt. Mohammed Dschuda war im Oktober 2000
in den ersten Tagen der zweiten Intifada bei blutigen
Zusammenstößen am Jerusalemer Tempelberg von einer
Kautschukkugel im Nacken getroffen worden, wie Justizmitarbeiter am
Donnerstag mitteilten. Der zu dem Zeitpunkt 16-Jährige ist seitdem
gelähmt. In einer am Mittwochabend zwischen Israel und seiner
Familie erzielten Einigung wurde Dschuda eine Entschädigung von
umgerechnet 447.000 Euro zugestanden, seine Familie erhält ferner
90.000 Euro. Der Staat Israel wies in dem Abkommen, dessen Kopie der
Nachrichtenagentur AFP vorlag, ausdrücklich jede Verantwortung
für die Verletzung Dschudas zurück.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Mehr als 60 Tote bei Kämpfen zwischen Ugandern und Sudanesen
Fr.19.03.04 - Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen ugandischen
Dorfbewohnern und sudanesischen Viehdieben sind nach örtlichen
Angaben mehr als 60 Menschen getötet worden. Ein Vertreter des
Bezirkes Kotido im Nordosten Ugandas sagte der Nachrichtenagentur AFP
am Donnerstag, Viehdiebe vom sudanesischen Stamm der Toposa hätten
dem ugandischen Stamm der Jie 160 Rinder gestohlen; daraufhin
hätten die Jie die Toposa am Samstag angegriffen. Die genaue Zahl
der Toten stehe noch nicht fest, da vermutlich noch Leichen im Busch
lägen, sagte Bezirksvertreter Lokwi Adome weiter. Ein
örtlicher Militärsprecher bestätigte die Kämpfe,
machte aber keine Angaben zur Zahl der Toten.
(Quelle: afp)
Konflikt zwischen Serben und Albanern greift um sich
Mindestens zweiundzwanzig Tote bei Gewaltexessen. UN-Sicherheitsrat fordert Gewaltverzicht.
UN-Mitarbeiter aus umkämpfter Kosovo-Stadt Mitrovica evakuiert.
NATO verstärkt wegen Unruhen Truppen im Kosovo
Fr.19.03.04 - Ein fast vergessener Krisenherd meldet sich in der Welt zurück:
Gerüchte um zu Tode gehetzte Kinder haben im Kosovo und in Serbien
pogromartige Gewaltexzesse ausgelöst. Bei den
Zusammenstößen wurden mindestens 22 Menschen getötet, 500 Menschen
wurden verletzt. Die UN-Polizei habe 61 Verletzte, die NATO
geführte internationale Schutztruppe KFOR 17 verwundete Soldaten
zu beklagen. Mehrere christliche Klöster und die beiden einzigen
Moscheen in Serbien brannten nieder. Die NATO hat zusätzliche
Truppen in Marsch gesetzt.
Nach den schwersten ethnischen Unruhen im Kosovo seit fünf Jahren
hielten die Spannungen am Donnerstag unvermindert an.
Mehrere zehntausend Albaner und Serben demonstrierten erneut im Kosovo
und in Belgrad gegen die jeweils andere Volksgruppe. Wegen der blutigen
Zusammenstöße setzte die NATO für die Friedenstruppe
KFOR 400 zusätzliche Soldaten aus Bosnien in die Krisenprovinz in
Marsch. Großbritannien schickt zunächst dafür
zusätzlich 200 Soldaten ins Kosovo. London sagte insgesamt bis zu
750 Mann zu. In New York wollte der UN-Sicherheitsrat am Abend
über die Lage im Kosovo beraten.
In der Kosovo-Regionalhauptstadt Pristina versammelten sich
Zehntausende und riefen nach der aufgelösten albanischen
Untergrundarmee UCK. In der Kosovo-Stadt Pec marschierten ebenfalls
tausende Albaner durch die Straßen. In Belgrad skandierten
Tausende von nationalistischen Serben Aufforderungen zum Mord an
Albanern. Ausländische Botschaften wurden mit Steinen beworfen,
die kroatischen Vertretungen evakuiert.
In der geteilten Stadt Kosovoska Mitrovica durchbrachen Albaner erneut
eine Sperre der UN-Polizei und drangen in serbische Stadtteile vor.
Erst der Einsatz der internationalen Schutztruppe KFOR konnte die
aufgebrachten Demonstranten zerstreuen.
Albaner hatten am Mittwoch Dutzende serbischer Häuser angesteckt
und Fahrzeuge der internationalen Friedenstruppe zerstört. Es
seien auch historische Kirchenbauten in Mitleidenschaft gezogen worden,
erklärte die Serbisch-Orthodoxe Kirche. Im Gegenzug hatten
randalierende serbische Extremisten die letzten Moscheen in Belgrad und
der Industriestadt Nis demoliert.
Serbiens Regierungschef Vojislav Kostunica verlangte erneut Autonomie
für die Kosovo-Serben. Er bezeichnete die Ausschreitungen als
«versuchten Pogrom» und «organisierte ethnische
Säuberung». Im Namen seiner Regierung rief er zu friedlichen
Protesten gegen den «albanischen Terror» im Kosovo auf und
verurteilte zugleich die Angriffe auf islamische und albanische
Einrichtungen in Serbien.
Die serbische Polizei entlang der Grenzen zum Kosovo wurde in
höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Armee von
Serbien-Montenegro forderte den UN-Sicherheitsrat auf, die Entsendung
von Truppen in die abtrünnige Provinz zu erlauben. Die fast
ausschließlich von Albanern bewohnte Provinz wird seit 1999 von
den UN verwaltet. Die Albaner verlangen die Unabhängigkeit von
Belgrad. Belgrad besteht unter Hinweis auf die Geschichte darauf, dass
die Provinz ein Teil Serbiens bleibt.
Angesichts der blutigen Unruhen im Kosovo hat der UN-Sicherheitsrat
Serben und Albaner zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Die Gewalt
müsse "unverzüglich" gestoppt werden, erklärte der
Sicherheitsrat im Anschluss an eine Dringlichkeitssitzung am
Donnerstagabend. Die Kosovo-Friedenstruppe KFOR brachte das UN-Personal
aus der Stadt Kosovska Mitrovica in Sicherheit. Von der zwischen Serben
und Albanern geteilten Stadt waren die Unruhen ausgegangen.
Den Rädelsführern müsse klar sein, dass Angriffe auf
internationale Vertreter in der Region ein "Angriff auf die
internationale Gemeinschaft als Ganze" sei, hieß es in der
Erklärung des Sicherheitsrates weiter. Die Bevölkerung des
Kosovo müsse ihre Konflikte mit "friedlichen Mitteln" austragen.
Nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan machen die
jüngsten Ereignisse die "Anfälligkeit der Strukturen und der
Verhältnisse" im Kosovo offenkundig.
Der Europarat und die NATO forderten ein sofortiges Ende der Gewalt im
Kosovo. In Brüssel kamen die Botschafter der NATO-Staaten im
Nordatlantikrat zu Beratungen über die neue Krise zusammen.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Das vorläufige Ergebnis der NATO-Besatzungspolitik: Albanische
Separatisten machen Jagd auf die Serben...
Mehr bei telepolis (19.03.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16998/1.html
Stichwort: Kosovo
Das Kosovo im Süden des früheren Jugoslawiens ist mit 10 600
Quadratkilometern halb so groß wie Hessen. Seit Jahren bestimmt
der Konflikt zwischen der albanischen Mehrheit und den Serben die Lage.
Etwa 1,9 Millionen Menschen leben in der Region. Fast 90 Prozent sind
muslimische Albaner, der Rest zumeist christliche Serben. Nach dem
Krieg der NATO gegen Jugoslawien 1999 waren Hunderttausende vertriebene
Albaner in ihre verwüstete Heimat zurückgekehrt und hatten
eine Fluchtwelle der im Kosovo heimischen Serben ausgelöst. Diese
leben vor allem im Norden und sind auf den Schutz der von dem deutschen
General Holger Kammerhoff kommandierten NATO-Schutztruppe KFOR
angewiesen.
Trotz jahrelanger internationaler Hilfe ist die wirtschaftliche Lage im
Kosovo desolat. Etwa die Hälfte der Menschen hat keine
regelmäßige Arbeit. Die anderen leben hauptsächlich von
der Landwirtschaft in den fruchtbaren Tälern des bergigen Landes,
von Kleinhandel und Forstwirtschaft.
Über den künftigen Status des Kosovo ist noch nicht
entschieden. De facto ist die Provinz seit der Einsetzung der
UN-Verwaltung UNMIC und der KFOR 1999 ein Protektorat der Vereinten
Nationen. Völkerrechtlich gehört sie zu Serbien und
Montenegro. Die albanische Führung unter Präsident Ibrahim
Rugova dringt auf Unabhängigkeit.
Der historische Hintergrund um das Kosovo ist ähnlich verworren
wie das jahrhundertelange Verhältnis Frankreichs und Deutschlands
um Elsaß-Lothringen. Auf dem Amselfeld, dem Kosovo Polje, wurden
1389 die Serben von den Türken vernichtend geschlagen. Seit diesem
Schreckenstag, am selben Tag wurde 525 Jahre später
Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen,
betrachten die Serben das Amselfeld als ureigensten Besitz und heiligen
Quelle: dpa, 18.03.04
Blick ins Archiv:
Der humanitäre Krieg und das bislang gescheiterte Nation-Building:
Erinnert sich noch jemand an den Kosovo? ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402170.htm#040217_h
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Georgien hebt Sanktionen gegen Adscharien auf
Fr.19.03.04 - Im Streit zwischen der georgischen Zentralregierung und der nach
Unabhängigkeit strebenden Republik Adscharien zeichnet sich eine
Entspannung ab. Nach einem Treffen mit dem adscharischen Gouverneur
Aslan Abaschidse kündigte der georgische Präsident Michail
Saakaschwili am Donnerstag ein Ende der Sanktionen gegen die Provinz
an. Die Handelssperren sollten ab Mitternacht aufgehoben werden,
erklärte Saakaschwili in der adscharischen Hauptstadt Batumi.
Weiter will Georgien einen Sondergesandten für Adscharien
ernennen. Zudem hätten sich beide Seiten bei den Gesprächen
in Batumi auf ein Zollbüro der Zentralregierung an der Grenze
zwischen Adscharien und der Türkei verständigt, erklärte
Saakaschwili. Die meisten Probleme seien gelöst worden, sagte er
der Nachrichtenagentur Interfax.
Die Beziehungen hatten sich am Sonntag verschlechtert, nachdem dem
georgischen Präsidenten die Einreise nach Adscharien verweigert
worden war. Abaschidse ließ ein Ultimatum verstreichen, in dem
Saakaschwili die vollständige Rückkehr der Region in den
georgischen Verbund verlangt hatte. Georgien verhängte daraufhin
Handelsbeschränkungen gegen Adscharien - darunter eine Blockade
von Schiffen im Schwarzen Meer - und versetzte seine Streitkräfte
in Alarmbereitschaft.
(Quelle: ap)
Bulgarien macht Nato-Beitritt perfekt
Fr.19.03.04 - Das bulgarische Parlament hat am Donnerstag den NATO-Beitrittsvertrag
ratifiziert. Die mit 226 zu vier Stimmen getroffene Entscheidung
markiere einen «Wendepunkt in der bulgarischen Geschichte»,
sagte Präsident Georgi Parwanow. Bulgarien wird im Mai zusammen
mit sechs weiteren ehemaligen Ostblock-Staaten der NATO beitreten.
«Jetzt erhält unser Land endlich das geo-strategische
Gewicht, nach dem es seit Jahren strebt», erklärte Parwanow.
Er machte deutlich, dass der NATO-Beitritt neben einem Mehr an
Sicherheit auch gestiegene Verantwortung mit sich bringe. Das
südosteuropäische Land hatte zuletzt an friedenssichernden
Einsätzen in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan teilgenommen.
Gegenwärtig sind 500 bulgarische Soldaten in Irak im Einsatz.
(Quelle: ap)
Denktasch-Absage stellt Zypern-Verhandlungen in Frage
Fr.19.03.04 - Eine Absage von Rauf Denktasch, dem Volksgruppenführer der
türkischen Zyprer, gefährdet die zweite Phase der
Verhandlungen über die Vereinigung Zyperns. Denktasch
kündigte am Donnerstag an, er werde nicht an den Gesprächen
teilnehmen, die für kommende Woche im schweizerischen
Bürgenstock angesetzt sind. Auch der Führer der griechischen
Zyprer, Tassos Papadopoulos, stellte daraufhin sein Kommen in Frage.
Zusagen kamen indessen vom türkischen Präsidenten Recep
Tayyip Erdogan und dem kürzlich gewählten griechischen
Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis.
Denktasch begründete seine Absage mit fehlenden Einigungschancen.
«Wenn ich in die Schweiz fahre, gebe ich meinem Volk das falsche
Signal», sagte der Politiker, der den derzeit diskutierten
UN-Friedensplan ablehnt. Er wolle stattdessen seinen Sohn Serdar zu den
Verhandlungen schicken, der Außenminister in der
türkisch-zyprischen Regierung ist. Denktasch stieß damit auf
scharfe Kritik des türkischen Regierungschefs Erdogan. «Eine
solch gewagte Haltung bringt uns nicht weiter. Wir sind an einem Punkt
angekommen, an dem wir ernsthaft nachdenken müssen», sagte
Erdogan am Donnerstag. Auch der türkisch-zyprische
Ministerpräsident Mehmet Ali Talat, der zu den Verhandlungen in
die Schweiz reisen will, kritisierte die Entscheidung Denktaschs. Er
hoffe, dieser werde seine Entschluss noch einmal überdenken, sagte
Talat.
Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey zeigte sich in
einer Pressekonferenz in Bern stolz, dass die Schweiz Gastgeberland
für die zweite Verhandlungsphase ist. UN-Generalsekretär Kofi
Annan habe bei der Regierung in Bern angefragt, ob die Schweiz
Gastgeber sein wolle. Die Regierung sei stolz, beim Friedensprozess
mithelfen zu können, sagte die Ministerin. Zur Absage Denktaschs
wollte sie sich nicht äußern.
Nach dem UN-Plan sollen Griechenland und die Türkei eingeschaltet
werden, wenn die griechischen und die türkischen Zyprer nicht bis
zum 22. März die noch offenen Fragen zur Wiedervereinigung der
Mittelmeerinsel geklärt haben. Scheitern auch diese
Gespräche, kann UN-Generalsekretär Annan die strittigen
Punkte entscheiden. Anschließend soll der Plan zur
Wiedervereinigung dann in beiden Inselteilen am 20. April in Referenden
zur Abstimmung gestellt werden. Nur bei einer Wiedervereinigung Zyperns
können beide Inselteile am 1. Mai gemeinsam der Europäischen
Union beitreten.
(Quelle: ap)
Polen zeigt im EU-Verfassungsstreit Kompromissbereitschaft
Fr.19.03.04 - Nach Spanien hat sich auch Polen einer Zeitung zufolge im Streit um die
EU-Verfassung kompromissbereit gezeigt. Im Dezember waren die
Gespräche über eine Verfassung an diesen zwei Staaten
gescheitert.
Polens Präsident Aleksander Kwasniewski sagte der "Financial Times
Deutschland" (Freitagausgabe) laut Vorabbericht, die von der irischen
EU-Ratspräsidentschaft vorgeschlagene neue Gewichtung der
doppelten Mehrheit sei "eine wichtige und interessante Idee, über
die man nachdenken sollte." Im Dezember hatten Polen und Spanien auf
das Stimmensystem des Nizza- Vertrages beharrt, das ihnen jeweils fast
so viele Stimmen wie dem doppelt so großen Deutschland gibt.
"Vor dem Brüsseler Gipfel war kein Raum für Kompromisse",
sagte Kwasniewski dem Blatt. "Aber jetzt gibt es eine neue Situation."
Zu dem geplanten Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder
kommende Woche in Warschau sagte er: "Das kann entscheidend sein
für die Wiederaufnahme der Verhandlungen." Schröder hatte
sich am Dienstag zuversichtlich geäußert, dass sich die
Europäische Union (EU) noch im ersten Halbjahr auf eine Verfassung
einigt. Bei ihrem Gipfel am 25./26. März wollen die Staats- und
Regierungschefs der EU in Brüssel klären, ob und wie sie die
Verfassungsgespräche wieder in Gang bringen können.
Irland hat mehrere Kompromissvorschläge zu der strittigen
Stimmengewichtung für die meisten Abstimmungen im EU- Ministerrat
lanciert. Statt 50 Prozent der Staaten und zugleich 60 Prozent der
EU-Bevölkerung sieht einer der Vorschläge vor, beide für
eine Mehrheit nötigen Quoren auf 55 Prozent festzulegen. Dies
würde verhindern, dass die drei größten Staaten -
Deutschland, Frankreich und Großbritannien - eine Entscheidung
blockieren könnten.
Mit dem Regierungswechsel in Spanien waren die Hoffnungen auf einen
Kompromiss im Streit um die Verfassung der erweiterten Union gestiegen.
Der Wahlsieger Jose Luis Rodriguez Zapatero hat erkennen lassen, dass
er das Prinzip der doppelten Mehrheit akzeptieren will. Zapateros
Vorgänger Jose Maria Aznar hatte im Verfassungsstreit dagegen
stärker nationale Interessen vertreten.
(Quelle: rtr)
EU will Berichterstattung über Gipfel einschränken
Fr.19.03.04 - Die EU-Ratspräsidentschaft will nach Angaben des ARD-Studios in
Brüssel die Fernseh-Berichterstattung über das Gipfeltreffen
Ende nächster Woche einschränken. Das Generalsekretariat des
EU-Ministerrats und die amtierende irische Präsidentschaft wollen
danach die sonst üblichen Aufnahmen unabhängiger
Fernsehsender vom Beginn der Arbeitssitzungen im Tagungsraum
unterbinden, wie ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause mitteilte.
Statt eigener Aufnahmen sollen die Fernsehstationen mit EU-Bildern
versorgt werden. Damit wolle die EU bestimmen, «welche Art von
Bildern von diesem Gipfel gesendet werden», sagte Krause. Dies
sei «ein eindeutiger Eingriff in die Pressefreiheit». Zudem
stehe das geplante Vorgehen «in klarem Widerspruch zu all den
sattsam bekannten Sonntagsreden, in die europäische Politik mehr
Transparenz zu bringen».
Den Angaben zufolge teilten Rat und Präsidentschaft ihren Plan am
Donnerstag dem ständigen Ausschuss der EU-Botschafter mit.
Begründet habe die Präsidentschaft ihre Ankündigung mit
Platzmangel im Sitzungssaal. Mehrere Botschafter, darunter auch der
deutsche, hätten umgehend ihre Bedenken geäußert.
Im Dezember war ein ähnlicher Vorstoß der damaligen
italienischen Ratspräsidentschaft am Widerspruch der Botschafter
gescheitert. Zugelassen wurden letztlich im Gipfelraum jeweils ein
Kamerateam aus jedem Mitgliedstaat. Dies sei «eine Regel, mit der
wir leben können, die aber auch das absolute Minimum des
Zulässigen darstellt», sagte Krause.
(Quelle: ap)
Protest in EU-Parlament gegen Passagierdaten-Austausch mit USA
Fr.19.03.04 - Im EU-Parlament ist entschiedener Widerstand gegen die Weitergabe von
Fluggastdaten an die USA laut geworden.
Der Bürgerrechtsausschuss des Parlaments wies am Donnerstag in
Brüssel die von der EU-Kommission ausgehandelte Vereinbarung zum
Datenaustausch mit großer Mehrheit zurück. "Die Vereinbarung
mit den Vereinigten Staaten schützt die EU-Bürger nicht
ausreichend", sagte die niederländische Liberale Johanna
Boogerd-Quaak als federführende Abgeordnete. Der Vorschlag sieht
vor, Daten wie Kreditkarten- und Telefonnummern von USA-Reisenden an
die US-Behörden weiterzugeben. Die US-Regierung gibt an, diese
Informationen zum Erkennen mutmaßlicher Terroristen zu
benötigen.
Die Abgeordneten riefen die EU-Kommission auf, die Vereinbarung
nachzubessern und wollen Ende März eine Resolution des gesamten
EU-Parlaments erreichen. Das Parlament hat in dieser Frage kein
Mitentscheidungsrecht. Doch eine entschiedene Erklärung der
Abgeordneten lasse sich nicht leicht ignorieren, hieß es in
EU-Kreisen. Ein Kommissionssprecher sagte lediglich, die Kommission
werde nach der Abstimmung im Plenum entscheiden, wie sie reagiere.
Die Vereinbarung mit den USA würde es Fluggesellschaften aus der
EU erlauben, bis zu 34 Informationen über jeden ihrer
USA-Passagiere an die US-Behörden weiter zu geben. In den
Verhandlungen mit der EU haben die USA zwar angekündigt, die
sensibelsten Daten, die auf Hautfarbe, Religion oder Gesundheitsangaben
hinweisen, schnell zu löschen. Die übrigen Angaben sollen
aber bis zu dreieinhalb Jahre gespeichert werden. Auch
EU-Datenschutzbeauftragte haben das Abkommen kritisiert.
(Quelle: rtr)
Die Fahndung nach den Attentätern von Madrid kommt voran
Polizei nimmt fünf weitere Verdächtige fest.
Spanische Regierung weist Vorwurf der Manipulation zurück. Zahl
der Toten nach Anschlag in Madrid auf 202 gestiegen. US-Politiker
nennen Rückzug Spaniens aus Irak 'Sieg für El Kaida'.
Fr.19.03.04 - Während die Fahndung nach den Attentätern von Madrid offenbar
weiter vorankommt und die spanische Polizei die Festnahme weiterer
Verdächtiger melden kann, hält auch die Debatte um die Folgen
der Terroranschläge an. Führende US-Politiker kritisierte die
Ankündigungen der spanischen Regierung zum Rückzug der
Truppen aus Irak als «großen Sieg für El Kaida».
Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht im internationalen
Terrorismus eine Gefahr für den wirtschaftlichen Aufschwung.
Die spanische Polizei berichtete am Donnerstag über fünf
weitere Festnahmen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11.
März, womit sich jetzt insgesamt elf Personen in Haft befinden.
Drei der fünf letzten Festnahmen erfolgten in Alcala de Henares,
einer Kleinstadt bei Madrid, in der vor einer Woche ein Lieferwagen mit
Zündern und einem Arabisch besprochenen Tonband gefunden wurde.
Auch die vier Züge, die Ziel der Anschläge waren, hatten den
Ort passiert. Ein vierter Verdächtiger wurde in Nordspanien
verhaftet. Er soll direkt an den Anschlägen beteiligt und auch in
die Attentate von Casablanca vom Mai vergangenen Jahres verwickelt
gewesen sein.
In der internationalen Politik hält weiter die Debatte um die
Ankündigung des künftigen spanischen Ministerpräsidenten
Jose Luis Rodriguez Zapatero an, der die spanischen Truppen sobald wie
möglich aus Irak abziehen will. Der Vorsitzende des
US-Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordnete Dennis
Hastert, warf Spanien vor, mit der Entscheidung für den
Regierungswechsel den Terroristen in gewissem Sinne entgegen gekommen
zu sein. Und der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des
Repräsentantenhauses, Henry Hyde, sagte: «Die Wahl in
Spanien war ein großer Sieg für El Kaida.»
Von spanischen Politikern wurden diese Vorwürfe
zurückgewiesen. Der Sozialist Jesus Caldera, der als Minister in
der künftigen Regierung im Gespräch ist, erklärt, der
geplante Abzug habe «nichts mit Improvisation zu tun und sei noch
weniger eine Konsequenz» aus den Anschlägen vom 11.
März. Ein spanischer Rückzug führe vielmehr dazu, dass
«das Völkerrecht wieder voll respektiert wird» und
dass die Vereinten Nationen die Kontrolle in Irak übernehmen.
Eine Extremistengruppe, die sich zu dem Blutbad bekannt hatte,
kündigte unterdessen neue Anschläge in den USA oder einem der
mit Washington verbündeten Staaten an. Genannt wurden in einer
Erklärung der Brigade von Abu Hafs el Masri die Länder
Italien, Großbritannien, Japan, Australien und Saudi-Arabien.
Laut dem bayerischen Innenminister Günther Beckstein zählte
auch Deutschland zu den potenziellen Zielen islamistischer Terroristen.
Schröder forderte, es dürfe kein Zögern beim Kampf gegen
den Terror geben. Die positive konjunkturelle Entwicklung werde nur
dann zu halten sein, wenn externe Schocks verhindert würden.
Eine Woche nach den Anschlägen Madrid hat die spanische Regierung
Vorwürfe der Presse- Manipulation zurückgewiesen. «Die
Regierung hat nicht gelogen, sie hat nicht manipuliert, und sie hat
keine Informationen zurückgehalten.» Das erklärte
Regierungssprecher Eduardo Zaplana am Donnerstag in Madrid.
Die spanische Regierung will anhand von Geheimdienstpapieren
nachweisen, dass sie die Öffentlichkeit nach bestem Wissen und
Gewissen unterrichtet habe. Dazu gab das Kabinett Unterlagen des
Geheimdiensts CNI für die Öffentlichkeit frei. Aus den
Papieren gehe hervor, dass der CNI mehrere Stunden nach den
Anschlägen von einer Täterschaft der baskischen
Terror-Organisation ETA ausgegangen sei, betonte Innenminister Angel
Acebes.
Der Regierung von Ministerpräsident José María Aznar
war unter anderem vorgeworfen worden, wider besseren Wissens die ETA
für die Attentate verantwortlich gemacht und die Presse
systematisch manipuliert zu haben. Aznar hatte persönlich die
Chefredakteure großer Zeitungen angerufen und erklärt, es
bestehe kein Zweifel, dass die ETA hinter den Attentaten stecke.
Der Regierungssprecher erklärte, diese Anrufe seien eine
«Übung der Transparenz» gewesen. Die Vorwürfe
bezeichnete er als «Verleumdungskampagne»: «Wir
werden es nicht akzeptieren, als Lügner hingestellt zu
werden.»
Unterdessen hat sich eine Woche nach dem Anschlag in Madrid die Zahl
der Toten auf 202 erhöht. Wie die Behörden mitteilten, erlag
am Donnerstag eine 22-jährige Peruanerin ihren Verletzungen.
(Quellen: dpa, ap)
Deutschland
Schily will Stärkung des BKA für Kampf gegen Terrorismus -
Beckstein befürwortet stärkere Sicherheitsvollmachten des
Bundes
Fr.19.03.04 - Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) will eine Stärkung des
Bundeskriminalamtes für den Kampf gegen den Terrorismus.
«Das BKA sollte stärker im präventiven Bereich
Befugnisse haben», sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-
Sendung «Berlin Mitte». Dies sei auch im Interesse der
Landeskriminalämter. Er habe den Eindruck, sich in dieser Frage
mit den Länder-Innenministern auch einigen zu können. Bisher
darf das BKA nicht vorbeugend ermitteln.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) befürwortet
stärkere Sicherheitsvollmachten des Bundes. Für Polizei und
Geheimdienste forderte er eine «zentrale Koordination durch
Bundesbehörden». Beckstein sagte der «Financial Times
Deutschland» (Freitagausgabe): «Es muss zentral darauf
hingewiesen werden, welche gefährlichen Organisationen in
Deutschland sind.» Auch müsse zentral eingegriffen werden,
wenn es in den einzelnen Bundesländern Schwachpunkte gebe oder
Unterlagen nicht weiter gegeben würden. Diese Aufgabe müsse
durch Bundesämter übernommen werden.
Beckstein wandte sich aber dagegen, den Verfassungsschutz in einer
Bundesbehörde zu konzentrieren. «Ich bin sehr skeptisch,
dass eine große zentrale Behörde effizienter arbeitet als
viele dezentrale Behörden. Mein Ziel sind dezentrale
Behörden, die allerdings einem vollständigen
Informationsaustausch und einer engen Koordination unterliegen»,
sagte er.
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte den
Einsatz der Bundeswehr im Inneren. «Wir wollen eine klare
gesetzliche Grundlage auf der Basis der Änderung des
Grundgesetzes», sagte er im ZDF. Dabei geht es nach den Worten
Schönbohms nicht darum, die Bundeswehr zur
«Hilfspolizei» zu machen. Vielmehr sollten der Truppe
Aufgaben übertragen werden, die sie wahrnehmen könne, um
dadurch Polizeikräfte freizusetzen für Aufgaben, für die
sie besser geeignet sei.
Schily warnte vor einer solchen Grundgesetzänderung. Wenn man da
eine Tür öffne, sei man sehr schnell bei
Bundeswehreinsätzen bei irgendwelchen Demonstrationen, sagte er.
Die derzeitige Gesetzeslage reicht nach seiner Ansicht aus, um im
Ernstfall die Bundeswehr unter Leitung der Polizei einzubeziehen.
(Quelle: ddp)
99 Prozent Unschuldige im Visier
Datenschützer: «Mit jedem weiteren Anschlag in Europa
wächst die Bereitschaft, Grundrechte über den Haufen zu
werfen und der Ausweitung von Polizeibefugnissen zuzustimmen.»
Seit den Terroranschlägen in Madrid wächst auch in
Deutschland das Gefühl der Bedrohung. Schon debattieren Politiker
über neue Sicherheitspakete; manche fordern forsch die
Videoüberwachung öffentlicher Plätze oder den Einsatz
von Militär im Inland. Zu Gunsten größerer Sicherheit
zeigen sich laut einer aktuellen Umfrage auch viele Bürger offen
für die Beschneidung von Datenschutz und Bürgerrechten. Doch
Experten warnen vor Überreaktionen.
Drei von vier befragten Deutschen würden etwa die vermehrte
Videoüberwachung öffentlicher Plätze und Straßen
akzeptieren. Gut 60 Prozent hätten laut der Emnid-Umfrage nichts
gegen mehr verdachtsunabhängige Polizeikontrollen. Und fast 90
Prozent der 1.000 Befragten würden den Fingerabdruck im Ausweis
akzeptieren.
Dies alles zeigt aus Sicht von Thilo Weichert vom Datenschutzzentrum
Schleswig-Holstein, «dass die Menschen zurzeit aus Furcht und
Hilflosigkeit bereit sind, im Kampf gegen Terrorismus persönliche
Opfer zu bringen». Doch bringe die Installation von Kameras etwa
an Moscheen wenig. «Sicherheit wird dabei nur vorgegaukelt, denn
die Täter weichen ins Verborgene aus, das Risiko von Fehlalarmen
steigt und es kommen 99,9 Prozent Unschuldige ins Visier.» Wenn
nicht zugleich kurzfristig Sicherheitskräfte parat stünden,
könne Videoüberwachung Anschläge nicht verhindern,
sondern höchstens rekonstruieren helfen, erläutert er im
AP-Interview.
Den selbst ernannten Sicherheitspolitikern steht Weichert mit Skepsis
gegenüber - und erinnert zum Beispiel an die nach dem 11.
September 2001 «mit großem Brimborium»
eingeführte Rasterfahndung nach so genannten Terrorschläfern.
«Da fällt die Bilanz katastrophal aus, das hat nichts
gebracht.» Doch seien gerade Ausländer in der Folge
«grandios verunsichert» worden, berichtet er. «Zu uns
kamen Menschen, die sich permanent bespitzelt fühlen, mit
teilweise traumatischen Folgen.»
In die Zukunft blickt der Datenschützer daher mit Unbehagen.
«Ich fürchte, mit jedem weiteren Anschlag in Europa
wächst die Bereitschaft, Grundrechte über den Haufen zu
werfen und der Ausweitung von Polizeibefugnissen zuzustimmen.»
Diese Stimmung könnten manche
«Law-and-Order-Politiker» ausnutzen. Wahrscheinliche Folge
wären kopfloser Aktionismus und ein Klima der Angst, meint
Weichert. «Damit würde man im Endeffekt den Terroristen in
die Hände spielen.»
Der Gießener Psychoanalytiker und Sozialforscher Horst-Eberhard
Richter glaubt hingegen, dass sich das aktuelle
Unsicherheitsgefühl in der deutschen Bevölkerung nicht lange
halten wird - vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren Anschlägen
in Europa. Im AP-Gespräch äußerte er aber die Sorge,
dass sich Medien und Politik zu sehr auf Fragen der Sicherheit und
Gefahrenabwehr konzentrieren.
Gerade Konservative riefen nach Anschlägen wie denen von Madrid
oft nach mehr Polizei, Militär und noch strengeren Gesetzen,
bedauerte der 80-jährige Mitbegründer der deutschen Sektion
der Internationalen Ärzte für die Verhütung des
Atomkriegs (IPPNW). «Eigentlich müsste die Politik aber mehr
dafür tun, die Antriebskräfte des Terrorismus zu
schwächen», forderte er. «Dazu braucht die Mehrheit
der Terrorgegner in den islamischen Ländern mehr
Unterstützung - auch für ihre kulturelle Selbstachtung.»
Zudem dürfe das Verhältnis zu den Millionen in Deutschland
lebenden Muslimen nicht durch unbegründete
«Beunruhigungspropaganda» zerstört werden. Aus den
Ereignissen in Madrid und dem Machtwechsel in Spanien nach der Wahl
kann die deutsche Politik aus Richters Sicht etwas lernen,
«nämlich, dass die Bevölkerungsmehrheit den
Zusammenhang zwischen der Kriegswilligkeit von Regierungen und dem
Terror erkennt».
Quelle: ap, 18.03.04
Auf dem Weg in einen modernen Polizeistaat?
Terroranschläge beschleunigen, aber verursachen nicht den Trend zu
einer schärferen Sicherheitspolitik, sagt Rechtsexperte Fredrik
Roggan im Telepolis-Gespräch (18.04.04):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16994/1.html
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Nächste Generation des Personalausweises soll Chip enthalten
Fr.19.03.04 - Die nächste Generation des Personalausweises soll einen Chip
enthalten. Das kündigte Bundesinnenminister Otto Schily am
Donnerstag auf der Cebit in Hannover an. Der neue Personalausweis soll
durch Integration des Chips sicherer werden und neue
Anwendungsmöglichkeiten erschließen.
«Bei der nächsten Generation des Personalausweises werden
wir die Fälschungssicherheit noch einmal verbessern und
zusätzliche Funktionen anbieten, zum Beispiel die einer
elektronischen Bürgerkarte», sagte der SPD-Politiker. Mit
Hilfe der in einem Chip gespeicherten Identifizierungsinformationen
werde eine sichere Authentisierung bei Internet-Geschäften
möglich sein. Damit ließen sich persönliche Daten
schützen und Online-Geschäfte verlässlicher abwickeln.
Offen ist, wann der neue Personalausweises eingeführt wird. Der
Zeitpunkt hängt laut Innenminister von den Beratungen innerhalb
der EU über die Einführung von Biometrie in den
europäischen Pässen ab.
(Quelle: ap)
Reformdebatte in der SPD hält vor Sonderparteitag weiter an
Fr.19.03.04 - Der Streit über den Kurs der SPD und die Debatte um eine neue
Linkspartei hält auch wenige Tage vor dem SPD-Sonderparteitag an,
bei dem Bundeskanzler Gerhard Schröder den Parteivorsitz an Franz
Müntefering abgeben wird.
Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis
(SPD) verteidigte am Donnerstag ihr Steuerkonzept, das stärkere
Belastungen für Besserverdienende vorsieht. Für den linken
Parteiflügel forderte der frühere Abgeordnete Detlev von
Larcher einen Kurswechsel der SPD, der sonst mit der geplanten neuen
Linkspartei akute Gefahr drohe. Diese könnte nach Meinung des
rheinland-pfälzischen Regierungschefs Kurt Beck der Union in die
Hände spielen. Zudem drohten interne Debatten über die
geplante Ausbildungsplatzumlage und den Emissionshandel den Parteitag
am Sonntag zu belasten.
Angesichts des anhaltenden parteiinternen Streits soll der Parteitag in
Berlin die SPD wieder auf die Linie der Parteiführung und der
Regierung einschwören. Die SPD-Spitze hat Abstriche an den
Reformen von Schröders "Agenda 2010" zwar ausgeschlossen. Sie will
Kritikern aber durch Bekenntnisse zur Ausbildungsumlage,
Erbschaftssteuer und Bürgerversicherung und durch ein Bekenntnis
zum stärkeren Dialog mit den Gewerkschaften entgegenkommen.
Mehrere führende Funktionäre der IG Metall und der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben für eine neue Linkspartei
geworben. Gegen mehrere Initiatoren aus der IG Metall, die am Freitag
ihre Pläne vorstellen woll, läuft deshalb ein
Ausschlussverfahren aus der SPD.
Von Larcher nannte die Parteigründungspläne in der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" einen Irrweg, der angesichts der sozialen
Defizite der Reformagenda aber nicht überraschend sei. Beck warnte
am Donnerstag im "Handelsblatt" erneut, eine solche Partei könne
die SPD Stimmen kosten und so die Union stärken.
Simonis verteidigte im WDR ihr am Dienstag vorgelegtes Steuerkonzept,
das eine Senkung des Eingangssteuersatzes sowie eine Erhöhung der
Mehrwert- und Erbschaftssteuer vorsieht. "Es ist der Versuch, (dass)
durch eine gewisse Umverteilung auch diejenigen mit rangenommen werden,
die bis jetzt ein bisschen besser davon gekommen waren. Also Hinweis:
Erbschaftssteuer."
Die stärkere Belastung großer Vermögen durch eine
höhere Erbschaftssteuer oder eine neue Vermögenssteuer ist
eine seit Jahren erhobene Forderung des linken SPD-Flügels. Im
Leitantrag der SPD-Spitze für den Parteitag wird als
Entgegenkommen an die Kritiker vom linken Flügel die beim
Parteitag im November 2003 beschlossene Reform der Erbschaftssteuer
bekräftigt.
Zur Ausbildungsplatzumlage, die ebenfalls große symbolische
Bedeutung für die Reformkritiker hat, wollte das Bildungsressort
nach eigenen Angaben am Freitag einen Entwurf für das geplante
Gesetz vorlegen. Allerdings lehnen selbst SPD-geführte Länder
und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement die Umlage ab.
Müntefering, der sich als Befürworter des Gesetzes stark
exponiert hat, kann jedoch auf einen Beschluss des Bochumer Parteitags
zu ihrer Einführung verweisen.
Strittig ist auch Clements Vorgehen beim Emissionshandel. In der SPD
wird sein Kurs kritisiert, im Streit mit Umweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) stärker den Schutz der Industrie vor
Belastungen zu betonen als umweltpolitischen Belange. Clement ist als
Exponent der Reformagenda in der SPD grundsätzlich umstritten, was
sich beim Bochumer Parteitag in einem mit 56,7 Prozent niedrigen Votum
als Parteivize zeigte.
Beim Parteitag am Sonntag stehen nur die Wahl Münteferings zum
Parteichef und des designierten Generalsekretärs Klaus Uwe
Benneter an. Weitere Wahlen oder konkrete inhaltliche Beschlüsse
sind nicht geplant. Für Müntefering wird eine große
Mehrheit erwartet. Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel soll
Schröders knapp fünfjährige Arbeit als Parteichef
würdigen. Müntefering dürfte in seiner Rede die
Notwendigkeit der Reformen betonen und zugleich versuchen, die Kritiker
in den eigenen Reihen und in den Gewerkschaften einzubinden.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Politologe Korte sieht kurzfristig gute Chancen für Linkspartei
Mi.17.03.04 - Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte
hätte eine neugegründete Linkspartei gute Aussichten, bei den
anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen in diesem Jahr den Sprung in
die Parlamente zu schaffen. Eine Protestpartei, die jetzt das Thema
soziale Gerechtigkeit glaubwürdig besetze, könne damit
kurzfristig punkten, sagte Korte am Mittwoch der Nachrichtenagentur ddp... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403170.htm#04031717
Mehr zum Thema "Abspaltung von der SPD/Linkspartei" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403170.htm#040317_i
Verbraucherschützer kritisieren Gesundheitsreform
Fr.19.03.04 - Drei Monate nach dem Start der Gesundheitsreform haben
Verbraucherschützer eine kritische Zwischenbilanz der gesetzlichen
Neuregelungen gezogen. Der Gesundheitsexperte des Bundesverbandes der
Verbraucherzentralen, Thomas Isenberg, sagte der «Berliner
Zeitung» (Freitagausgabe), die Patienten würden durch die
Reform erheblich belastet. «Die meisten Krankenkassen werden ihre
Beitragssätze wegen ihrer hohen Überschuldung nicht so weit
senken, dass die Patienten unterm Strich entlastet werden»,
zitierte das Blatt Isenberg.
(Quelle: ap)
Der Sozialkahlschlag: Perspektiven von oben – Gegenperspektiven von
unten
Seit der berüchtigten »Agenda 2010« der
SPD-Grünen-Regierung wird auch in Deutschland der Sozialstaat
unwiderruflich geschleift. In allen seinen Funktionsbereichen findet
eine pausenlos zugreifende und arbeitsteilig abgestimmte Demontage
statt. Der Sozialkahlschlag konzentriert sich auf die
Arbeitsmärkte, das Gesundheitswesen, den Bildungssektor, die
Altersrenten und die Migrationspolitik....
Mehr in "junge Welt", die in ihrer heutigen (19.03.04) und
morgigen (20.03.04) Ausgabe eine Rede von Karl Heinz Roth
veröffentlicht, die der Bremer Sozialhistoriker auf der
Aktionskonferenz des Bremer Bündnisses gegen Sozialkahlschlag am
20. Februar gehalten hat:
http://www.jungewelt.de/2004/03-19/003.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-20/004.php
|
Forscher warnen vor neuem Massensterben von Tier- und Pflanzenarten
Die Welt steht womöglich am Beginn ihres sechsten großen
Massensterbens. Diesen Schluss ziehen zwei britische Forschergruppen
aus der Analyse umfassender Datensammlungen über den Rückgang
der Tier- und Pflanzenarten in Großbritannien.
Fr.19.03.04 - Ihre Berichte stehen im Fachjournal «Science». Grundlage
ist ein Mosaik aus rund 15 Millionen Informationen über die
Verbreitung hunderter Vogel-, Pflanzen- und Schmetterlingsarten.
Das Team um Jeremy Thomas vom Winfrith Technology Centre in Dorchester
untersuchte die Verbreitung dieser drei Gruppen im Laufe der
vergangenen rund 40 Jahre. In allen Fällen zeigte sich ein
Rückgang der Artenvielfalt. Bei Schmetterlingen gab es die
größten Verluste. Sie verschwanden aus 13 Prozent ihrer
angestammten Lebensräume, schreiben Thomas und seine Kollegen.
«Wenn Insekten anderswo auf der Welt ähnlich empfindlich
sind, dann haben die Aussterberaten von Pflanzen und Tieren eine
bislang nicht gekannte Entsprechung im Insektenreich. Das stärkt
die Annahme, dass die Natur das sechste große Massensterben ihrer
Geschichte erlebt», schreiben die Forscher. In den
zurückliegenden 440 Millionen Jahren gab es auf der Erde fünf
große Massensterben, in denen der Planet jeweils bis zu 50
Prozent seiner Arten einbüßte.
«Diese Ergebnisse überraschen mich überhaupt
nicht», kommentierte Artenschutzexperte Volker Homes von der
Umweltstiftung WWF in Frankfurt am Main. «Die Arbeiten sind ein
weiterer Baustein für die Legitimierung der Umweltbewegung und der
Diskussion, die über den Artenschwund geführt wird.»
Die Daten aus Großbritannien seien so gut wie vermutlich
nirgendwo sonst auf der Welt. Ein katastrophales Artensterben wie in
den vergangenen Erdzeitaltern leitet Homes jedoch aus den
«Science»-Studien nicht ab.
In der zweiten Untersuchung belegt ein Team um Carly Stevens von der
Open University in Milton Keynes, dass der Eintrag von Stickstoff mit
Düngern und aus Industrieabgasen viele Pflanzenarten verschwinden
lässt, weil Stickstoff liebende Arten unter diesem Umständen
besser wachsen und sich durchsetzen.
Auch nach Ansicht der Weltnaturschutzunion IUCN schrumpft die
Artenvielfalt Besorgnis erregend. Die Organisation hatte Ende 2003
insgesamt 1092 Tier- und Pflanzenarten mehr in die obersten drei der
neun Gefährdungsstufen der Roten Liste der bedrohten Arten
eingeordnet als im Vorjahr. In diesen drei Stufen finden sich insgesamt
12 259 Arten.
(Quelle: dpa)