Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneunundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
EU-Kommissionspräsident Prodi: Irak-Krieg hat Anti-Terror-Kampf
nicht genützt. NATO- Generalsekretär gegen Abzug von
Besatzungstruppen aus Irak. Ein Jahr nach Beginn des Irak-Kriegs ist
kein Ende des Aufstands gegen die amerikanischen Besatzungstruppen
absehbar. US-Hauptquartier in Bagdad mit Raketen angegriffen.
Zwei US-Soldaten bei Anschlag in Falludschah getötet. Vermisster
französischer Kameramann Nérac angeblich von US-Armee
getötet. Mehrheit der Amerikaner von Richtigkeit des Irak-Kriegs
überzeugt.
Mo.22.03.04 - EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat den US-geführten
Krieg in Irak als kontraproduktiv für den Kampf gegen den
Terrorismus bezeichnet. Es sei "klar", dass der Krieg die Lage bei der
Terrorismusbekämpfung nicht verbessert habe, sagte Prodi in einem
am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News.
Dennoch müssten Europa und die USA ihre Differenzen über den
Irak-Krieg hinter sich bringen. Prodi mahnte, Terrorismus und der
Irak-Krieg dürften nicht durcheinander gebracht werden, ansonsten
drohe ein "Desaster".
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat sich derweil gegen
einen Abzug von Besatzungstruppen aus Irak ausgesprochen. Es sei kein
guter Zeitpunkt für einen Truppenrückzug, sagte De Hoop
Scheffer am Sonntag in Budapest. Er halte es nicht für
ausgeschlossen, dass nach der für Ende Juni geplanten
Machtübergabe an eine souveräne irakische Führung die
NATO auf Basis einer neuen UN-Resolution um einen Beitrag zu einer
Stabilisierungstruppe gebeten werde. Eine mögliche Aufgabe der
NATO in Irak könnte sein, im Rahmen einer Kommandostruktur
Verantwortung zu übernehmen, sagte De Hoop Scheffer weiter.
Ein Jahr nach Beginn des Irak-Kriegs ist kein Ende des Aufstands gegen
die amerikanischen Besatzungstruppen absehbar. In Bagdad wurde am
Sonntag das Hauptquartier der US-Streitkräfte mit Raketen
angegriffen. Zwei Geschosse verfehlten ihr Ziel und schlugen in einem
nahe gelegenen Wohnviertel ein. Dabei kamen nach Angaben des
Krankenhauses zwei Bewohner ums Leben, fünf wurden verletzt.
Mehrere Autos und Geschäfte wurden beschädigt.
In dem Gebäude wurden alle Personen angewiesen, sich in
Schutzbunker zu begeben. Die Rakete, die auf dem Gelände der
Streitkräfte einschlug, richtete nach Militärangaben geringen
Schaden an. Ein Soldat wurde durch Glassplitter verletzt. Bei einem
Raketenangriff wurden am Samstagabend in Falludschah zwei US-Soldaten
getötet und sechs verletzt. In Samarra wurde ein US-Soldat bei
einer Schießübung getötet. Offenbar handelte es sich um
einen Unfall, erklärte eine Militärsprecherin.
In Kirkuk im Norden des Landes eröffneten Unbekannte in einem
turkmenischem Jugendzentrum das Feuer. Dort feierten Kurden gerade das
kurdische Neujahrsfest. Ein Mensch wurde getötet, vier weitere
wurden verletzt, wie aus Kreisen des Krankenhauses verlautete. In
Mossul wurde am Samstag das Büro der Patriotischen Union
Kurdistans (PUK) mit Mörsergranaten beschossen. Nach irakischen
Polizeiangaben verfehlten die Geschosse ihr Ziel. In einer nahe
gelegenen Straße wurde ein Fahrer getötet.
Der irakische Außenminister Hoschiar Sebari sagte am Sonntag vor
der Presse in der jordanischen Hauptstadt Amman: «Alle
Selbstmordattentate und Anschläge mit Autobomben im Irak sind das
Werk extremistischer muslimischer Gruppen, die aus dem Ausland gekommen
sind.» Er forderte Jordanien und andere Nachbarstaaten auf, den
Irakern zu helfen, indem sie die Grenzen besser sichern. Sein
jordanischer Kollege Marwan el Muaschir kündigte an, ein irakisch-
jordanisches Gremium werde demnächst über gemeinsame
«Sicherheitsprobleme» beraten.
Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski besuchte am
Sonntag überraschend die Truppen des Landes in Irak. Er
erklärte, ein möglicher Rückzug der spanischen Truppen
werde kaum Auswirkungen auf die Irak-Mission haben. Die
Angehörigen der Irak-Koalition planten derzeit eine langsame
Reduzierung ihrer Soldaten, während die irakischen
Sicherheitskräfte mehr und mehr Verantwortung übernähmen.
Der seit einem Jahr in Irak vermisste französische Kameramann und
sein libanesischer Übersetzer sind einem Pressebericht zufolge von
der US-Armee getötet worden. Fred Nérac und Hussein Osman
seien durch von Panzern oder Hubschraubern aus abgegebene Schüsse
gestorben, berichtete die britische Zeitung "Daily Mirror" am Montag
unter Berufung auf neue Zeugenaussagen. Der private Fernsehsender ITN,
für den die beiden Männer arbeiteten, machte neue Zeugen
ausfindig. Die fünf irakischen Soldaten und mehrere Zivilisten
kommen in einem Beitrag zu Wort, den der Sender am Montagabend, dem
Jahrestag des Verschwindens, ausstrahlen wollte.
Ein Jahr nach dem Einmarsch im Irak ist die Mehrheit der Amerikaner
davon überzeugt, dass der Irak-Krieg eine gute Sache war. In einer
Umfrage der Zeitschrift «Newsweek» meinten 57 Prozent der
Befragten, dass die US-Regierung richtig gehandelt habe. 55 Prozent
waren aber auch überzeugt, dass die US-Regierung Berichte
über Massenvernichtungswaffen falsch analysiert und interpretiert
habe.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Afghanischer Minister bei Attentat getötet
Bei anschließenden Kämpfen 100 Tote im westafghanischen
Herat. Außenstelle der deutschen Botschaft in Herat evakuiert
Mo.22.03.04 - Ein tödliches Attentat auf Luftfahrtminister Mirwais Sadik hat in
der westafghanischen Stadt Herat schwere Kämpfe mit etwa 100 Toten
ausgelöst. Bei anschließenden Gefechten zwischen Milizen
Khans und Soldaten der afghanischen Armee wurden nach Angaben eines
örtlichen Regierungsvertreters rund 100 Menschen getötet.
Ein Regierungsvertreter sagte, noch immer würden Opfer der
Kämpfe in ein Krankenhaus gebracht, so dass eine genaue Opferzahl
noch nicht angegeben werden könne. Nach Angaben eines
örtlichen Journalisten konzentrierten sich die Kämpfe auf den
Norden der rund 600 Kilometer westlich von Kabul gelegenen Stadt um das
Hauptquartier der 17. Division der Regierungsarmee.
Bei den schweren Kämpfen in Herat ist die Außenstelle der
deutschen Botschaft evakuiert worden. Die deutschen Diplomaten seien
bei den Auseinandersetzungen nicht zu Schaden gekommen, hieß es
aus diplomatischen Kreisen. Die US-Botschaft in Kabul teilte mit, die
Deutschen seien von US-Soldaten auf das Gelände des dortigen
Wiederaufbauteams gebracht worden.
Nach Angaben eines Mitarbeiters einer Nicht-Regierungsorganisation
lieferten sich die Milizen des Gouverneurs und Soldaten der 17.
Division schwere Kämpfe. "Überall in der Stadt" lägen
Leichen, er könne Panzer und Maschinengewehrfeuer hören. Ein
Bewohner Herats, Rafik Schahir, berichtete ebenfalls von schweren
Gefechten. Er sprach von einer "Rebellion" gegen den Gouverneur.
Der Regierungsvertreter bestätigte auch einen Attentatsversuch
gegen Khan. Über das Schicksal des einflussreichen Gouverneurs und
Vater Sadiks gab es zunächst widersprüchliche Angaben.
Präsidentensprecher Chalik Achmad dementierte Angaben über
ein Attentat auf Khan. Der Gouverneur befinde sich in Kabul in
Sicherheit. Dagegen sagte ein Sprecher Khans, der Gouverneur befinde
sich in Herat.
Nach einem Bericht des Fernsehsenders Kabul TV wurden Sadik und drei
weitere Menschen getötet, als ihr Fahrzeug in Herat mit einer
Granate beschossen wurde. Zunächst war unklar, wer hinter dem
Anschlag steckt. Sadik ist bereits das dritte Regierungsmitglied, das
seit dem Ende der Taliban-Herrschaft einem Anschlag zum Opfer fiel.
Präsident Hamid Karsai berief eine Krisensitzung ein. Er
äußerte sich "zutiefst schockiert" über das Attentat
auf den Luftfahrtminister.
(Quellen: afp, dpa)
Pakistan erklärt Waffenstillstand bei Kampf im Grenzgebiet
Mo.22.03.04 - Die pakistanische Armee hat einen Waffenstillstand bei ihrer Offensive
gegen mutmaßliche El-Kaida-Kämpfer ausgerufen, damit
Stammesführer Verhandlungen über eine Kapitulation der
Extremisten führen können.
"Die Regierung hat 22 Passierscheine an eine Gruppe von
Stammesführern ausgestellt, mit denen sie in das abgesperrte
Gebiet kommen", sagte Brigadegeneral Mahmood Shah. "Sie werden dort
morgen mit einer weißen Flagge hingehen." Die Extremisten
müssten aufgeben, und gefangene Soldaten müssten freigelassen
werden, sagte Shah. "Es gibt keine andere Option." Während des
Waffenstillstandes werde die Armee keine schwere Artillerie oder
Kampfhubschrauber einsetzen. "So lange sie nicht auf uns feuern,
schießen wir nicht auf sie."
An dem Einsatz in dem gebirgigen Grenzgebiet zu Afghanistan, sind 5000
pakistanische Soldaten beteiligt. Die Armee hat erklärt, es sei
bloß der erste Schritt bei dem Versuch, ausländische
Extremisten aus der Region zu vertreiben und El-Kaida-Chef Osama bin
Laden zu fassen. Auf der anderen Seite der Grenze haben US-Truppen ihre
Suche nach El-Kaida-Kämpfern ebenfalls verstärkt.
(Quelle: rtr)
Pakistanisches «Doppelspiel»?
Bisher keine «durchschlagenden Erfolge» bei Suche nach Bin
Laden
Spielt Pakistan bei der Jagd nach den Spitzen der Terrororganisation
Al-Qaida ein «Doppelspiel»? Diese heikle Frage wurde von
Kreisen der amerikanischen Geheimdienste am Wochenende in Washington
gestellt. Grund für die brisanten Überlegungen ist, dass
trotz der groß angelegten Frühlingsoffensive pakistanischer
Truppen im Grenzgebiet zu Afghanistan der Chef von Al-Qaida, Osama Bin
Laden, und sein Stellvertreter Aiman Al Zawahiri bisher weiter
«schemenhafte Figuren» geblieben sind.
Alle Meldungen über eine Festnahme von Zawahiri, der «Nummer
zwei» der Al-Qaida, erwiesen sich als Flop. Zawahiri,
ägytischer Mediziner und Leibarzt von Bin Laden, wird als der
eigentliche «Kopf» von Al-Qaida angesehen. Er wird der
«Terror-Doktor» genannt. Bin Laden gilt schon immer als der
«spirituelle Führer» von Al-Qaida. Innenpolitisch
stehe Pakistan «derart unter Druck der Islamisten, dass es sich
eine Festnahme Bin Ladens und Zawahiris nicht leisten kann»,
sagte ein CIA-Vertreter der Nachrichtenagentur ddp.
Tausende pakistanische Soldaten und Spezialeinheiten der Amerikaner
sind seit Wochen bei der Operation «Mountain Storm»
(Gebirgssturm) Osama Bin Laden und Zawahiri im
afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf den Fersen. Die beiden sollen
sich nach den Vermutungen in getrennten Gruppen im Toba-Kakar-Gebirge
im Nordwesten Pakistans verstecken.
Das großräumige Terrain am Hindukusch zählt zu den
unwirtlichsten und am schwersten zugänglichen Gegenden der Welt.
Es bietet viele Höhlen und abgeschlossene Täler. Das
Entscheidende ist jedoch, dass seit Jahrhunderten die moslemischen
Stämme der Region abgeschottet und von außen so gut wie
unzugänglich leben. Sie stehen auf Seiten der Al-Qaida und sorgen
nach den Befürchtungen der CIA dafür, «dass wir Bin
Laden und seine Gefolgsleute nicht schnappen können»,
schilderte der CIA-Mann.
Nach seinen Angaben befindet sich der pakistanische Präsident
Pervez Musharraf in einer für ihn geradezu
«lebensbedrohenden Zwickmühle». Er hat schon
zahlreiche Attentate heil überstanden. Die Bevölkerung
Pakistans ist zu 99 Prozent moslemisch und steht den Amerikanern
äußerst ablehnend gegenüber. Musharraf hat sich zwar
offiziell im Kampf gegen die Terroristen auf die Seite Washingtons
geschlagen, kann sich aber nicht auf seine Armee und seinen
Geheimdienst hundertprozentig verlassen.
Aus der CIA war auch in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu
hören, dass «Teile des pakistanischen Geheimdienstes und der
Streitkräfte mit Al-Qaida und den Taliban von jeher
paktieren». Musharraf müsse, wenn eine Festnahme Bin Ladens
oder Zawahiris tatsächlich gelingen sollte, mit einer
«Rebellion» seiner Offiziere rechnen. Trotz seiner
Beteuerungen, die Terroristen seien «eingekreist», werde
Musharraf ihnen immer wieder insgeheim ein «Schlupfloch»
lassen, aus dem sie entwischen können. «Ein
Teufelskreis», meinte der CIA-Angehörige.
Dass die USA mit Pakistan, das sie gerade wieder vollmundig als einen
«wichtigen Verbündeten» bezeichnet haben, beim
Anti-Terror-Kampf nicht zufrieden sind, hatte erst jüngst der
stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz
bekräftigt. In einem Interview bezeichnete er das Vorgehen
Musharrafs gegen Al-Qaida so: Es sei «ein bisschen wie drei
Schritte vorwärts und jeweils wieder einen Schritt
zurück».
Bei der jetzigen Jagd nach Osama Bin Laden sind deutsche Elite-Soldaten
nicht, wie im Dezember 2001 bei der Erstürmung der Bergfeste Tora
Bora in Afghanistan, dabei. Das war aus Bundeswehrkreisen in Berlin zu
erfahren.
Quelle: ddp, 21.03.04
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Bedrohliche Eskalation im Nahost-Konflikt
Israel tötet Hamas-Gründer Jassin bei Luftangriff - Scharon
ordnete Tötung persönlich an. Hamas droht blutige
Rache. Washington ruft zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Sechs Tote
bei Gaza-Vorstoß. Mehrheit der israelischen Regierung für
Rückzug aus Gazastreifen
Mo.22.03.04 - Im Nahen Osten droht eine dramatische Eskalation der Gewalt: In den
frühen Morgenstunden wurde der geistliche Führer und
Gründer der Hamas-Organisation, Scheich Ahmed Jassin, bei einem
israelischen Luftangriff in Gaza getötet. Hamas drohte Israel
umgehend blutige Rache an. Israel, das Jassin für zahlreiche
Terroranschläge verantwortlich gemacht hat, riegelte die Grenzen
zum Gazastreifen und zum Westjordanland ab.
Auch die mit der Hamas rivalisierenden Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden
kündigten Rache an. «Tod den Söhnen Sions. Die
Vergeltung wird in den nächsten Stunden kommen», heißt
es in einem Fax, das die militante Organisation der Nachrichtenagentur
AP schickte. In der Stadt Gaza strömten zehntausende
Palästinenser bei Bekanntwerden der Nachricht auf die
Straßen und riefen nach Rache.
Der israelische Regierungschef Ariel Scharon hat den tödlichen
Angriff auf Jassin, persönlich überwacht. Scharon habe die
Tötung auch selbst angeordnet, berichtete der israelische Rundfunk
am Montagmorgen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Seev Boim
sagte im Rundfunk, Jassin habe "den Tod verdient für alle
terroristischen Anschläge der Hamas".
Nach Augenzeugenberichten hatten Kampfhubschrauber drei Raketen auf
Jassin und seine beiden Leibwächter gefeuert, als sie im
Morgengrauen eine Moschee verließen. Alle drei seien auf der
Stelle tot gewesen. Bei dem Angriff wurden nach Krankenhausangaben auch
ein Passant getötet und und 17 weitere Menschen verwundet.
Die Hamas-Führung kündigte dem israelischen Regierungschef
Ariel Scharon Vergeltung an: «Scharon hat die Pforten der
Hölle geöffnet. Nichts wird uns daran hindern, ihm den Kopf
abzuschlagen.»
Der querschnittsgelähmte Jassin, der 1987 Hamas gegründet
hatte, ist der ranghöchste militante Palästinenser, der bei
den seit über drei Jahren andauernden
israelisch-palästinensischen Kämpfen getötet wurde. Er
befand sich mehrere Jahre lang in israelischer Haft; 1994 wurde er dann
auf freien Fuß gesetzt.
Israel hatte im vergangenen September versucht, Jassin zu töten.
Bei der Bombardierung seines Hauses wurde der Scheich aber nur leicht
verletzt. Der israelische Verteidigungsminister Sejev Boim
erklärte in einem Rundfunkinterview: «Ich habe seit langem
gesagt, dass Jassin ein Ziel zum Töten ist. Er war nicht
immun.»
Der palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia warf Israel vor,
die Gewalt bewusst zu eskalieren. «Das ist eines der
größten Verbrechen, das die israelische Regierung begangen
hat», sagte er. Kabinettsminister Sajeb Erakat verurteilte den
tödlichen Angriff und erklärte, die Tat gieße nur neues
Öl ins Feuer.
Die israelische Offensive in dem Gebiet zwischen Israel und
Ägypten dauert bereits seit einer Woche an. Sie erfolgte als
Reaktion auf ein palästinensisches Selbstmordattentat am 14.
März in der Hafenstadt Aschdod, bei dem zehn Israelis getötet
wurden.
Nach der Tötung des Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin haben
die USA die Konfliktparteien zu Ruhe aufgerufen. Alle müssten
jetzt "Zurückhaltung zeigen", sagte ein Vertreter des
Außenministeriums am Montag in Washington. Die US-Regierung stehe
sowohl in Kontakt mit der israelischen als auch mit der
palästinensischen Regierung.
Bei einem Vorstoß israelischer Soldaten im südlichen
Gazastreifen sind am Sonntag mindestens sechs Palästinenser ums
Leben gekommen. Nach palästinensischen Angaben gab es heftige
Feuergefechte, nachdem israelische Panzer mit Unterstützung von
Kampfhubschraubern am frühen Morgen in ein Dorf bei Chan Junis
eingedrungen waren.
Dabei wurden vier Dorfbewohner erschossen, darunter drei Mitglieder der
radikal-islamischen Hamas-Bewegung. Menschen erlitten nach
Krankenhausangaben Verletzungen. Ein weiterer Hamas-Aktivist und seine
Frau starben bei der Explosion eines Sprengsatzes, den der Mann in der
Nähe eines der einrückenden israelischen Panzer zündete,
wie Hamas in einem Flugblatt bestätigte.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon kann bei dem
geplanten einseitigen Abzug aus dem Gazastreifen wohl auf die
Zustimmung der Mehrheit der Minister in seiner Regierung zählen.
Scharon legte den Plan am Sonntag den Ministern seiner Likud-Partei
vor.
Auf der Sitzung wurde nach Angaben von Teilnehmern deutlich, dass
sieben oder acht Likud-Minister gegen den Plan sind oder ihn nur unter
gewissen Bedingungen unterstützen wollen. Im gesamten Kabinett
aber dürfte sich damit nach Ansicht politischer Beobachter eine
knappe Mehrheit für den einseitigen Rückzug aus dem
Gazastreifen ergeben. Einige Minister der Likud-Partei wollen ihre
Zustimmung offenbar von israelischen Sicherheitsgarantien abhängig
machen. Im Parlament dürfte es Scharon mit seinen Plänen
deutlich einfacher haben, denn dort hat die oppositionelle
Arbeitspartei ihre Unterstützung zugesagt.
Der israelische Finanzminister Benjamin Netanjahu warnte während
der Sitzung, ein Abzug ohne Bedingungen könnte von
palästinensischer Seite als «Belohnung für den
Terror» ausgelegt werden und ähnlich wie der israelische
Abzug aus Süd-Libanon im Jahre 2000 zu einer zusätzlichen
Eskalation der Gewalt beitragen.
Bei einem Protest gegen die umstrittene Sperranlage im Westjordanland
wurden unterdessen Dutzende zumeist palästinensischer
Demonstranten verletzt. Die Armee setzte nach Augenzeugenberichten
nord-westlich von Jerusalem Tränengas und mit Hartgummi ummantelte
Geschosse gegen die Demonstranten ein, von denen einige Steine warfen.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Achtundachzig Festnahmen nach antiisraelischer Demonstration in Stockholm
Mo.22.03.04 - Polizisten und antiisraelische Demonstranten haben sich in der
schwedischen Hauptstadt Stockholm am Sonntagabend eine Strassenschlacht
geliefert. 88 Personen wurden festgenommen, wie die schwedische
Nachrichtenagentur TT berichtete. Mehrere hunderte Demonstranten, von
denen einige palästinensische Fahnen schwenkten, waren vor einem
Veranstaltungslokal aufgezogen, in dem eine jüdische Organisation
ein Israel-Festival abhielt. Die Demonstranten warfen Flaschen und
Feuerwerkskörper auf die Polizisten, die das Gebäude
schützten. Ausserdem gingen die Scheiben eines israelischen
Reiseveranstalters zu Bruch. Laut Polizei gab es zunächst keine
Berichte über Verletzte.
(Quelle: ap)
Kurssturz nach umstrittenem Wahlausgang in Taiwan - Alarmbereitschaft
für Chinas Armee wegen Taiwan-Krise
Mo.22.03.04 - Mit einem Kurssturz von fast sieben Prozent hat die Börse in
Taipeh am Montag auf den umstrittenen Ausgang der Präsidentenwahl
in Taiwan reagiert. Der maßgebliche Aktienindex fiel in den
ersten Handelsminuten um 6,65 Prozent. Auch die Landeswährung
Taiwan Dollar geriet unter Druck, doch kam es nach Informationen aus
Händlerkreisen bald zu einer Intervention der Zentralbank, die ein
weiteres Abrutschen zu verhindern versuchte.
Bei der Wahl am Samstag wurde Amtsinhaber Chen Shui-bian mit knapper
Mehrheit bestätigt. Die Opposition will das Ergebnis jedoch
anfechten und forderte eine Neuauszählung der Stimmen. Das
höchste Gericht des Landes ließ am Sonntag alle Wahlurnen
versiegeln. Chen erhielt bei der Wahl am Samstag 50,1 Prozent der
Stimmen, Herausforderer Lien Chan kam auf 49,9 Prozent. Der Vorsprung
betrug lediglich 30.000 Stimmen.
Wegen der Krise um die Präsidentenwahl in Taiwan hat China einem
Zeitungsbericht zufolge die Armee in Kampfbereitschaft versetzt.
Die in Hongkong erscheinende "South China Morning Post" berichtete am
Montag, Chinas Präsident Hu Jintao könnte den Notstand
über Taiwan verhängen und so den Weg für ein
militärisches Eingreifen freimachen. Die chinesische Regierung
habe am Samstag angeordnet, Regierungsstellen in Peking und in den
Provinzen Fujian, Guangdong und Zhejiang personell zu verstärken.
Im Falle einer Militärintervention würden diese Provinzen
Stützpunkte für Raketenangriffe sein, berichtete die Zeitung
unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Kreise. Experten seien
jedoch der Ansicht, dass es keine Zeichen für einen unmittelbar
bevorstehenden Angriff gebe.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und strebt eine
Wiedervereinigung notfalls auch mit militärischen Mitteln an.
Chinas Taiwan-Amt hatte am Sonntag erklärt, es verfolge die Lage
auf der Insel genau.
(Quellen: ap, rtr)
Bis zu 500 Rebellen in Nepal bei Kämpfen getötet
Mo.22.03.04 - Bei einem der schwersten Kämpfe zwischen maoistischen Rebellen und
Regierungstruppen in Nepal seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands
vor sieben Monaten sind am Wochenende mindestens 18 Polizisten und
Soldaten getötet worden. Ein Armeesprecher erklärte,
vermutlich seien auch mindestens 500 Rebellen ums Leben gekommen.
"Wir glauben, dass mehr als 500 Rebellen bei den Gefechten gestorben
sind", sagte ein Armeesprecher am Sonntag. Eine Erklärung der
Rebellen lag zunächst nicht vor, eine unabhängige
Bestätigung gab es ebenfalls nicht.
Die Aufständischen hatten am Samstag in der Gebirgsstadt Beni 280
Kilometer westlich der Hauptstadt Kathmandu ein Gefängnis, eine
Polizeiwache und ein Verwaltungsgebäude angegriffen. Im Verlauf
des Angriffs brachten die Rebellen den Funkturm zum Einsturz. Der
Kontakt zur Außenwelt war damit unterbrochen. Die Armee entsandte
Hubschrauber und Soldaten zur Verstärkung. Erst nach
zwölfstündigen Gefechten wurden die Rebellen von den
Regierungstruppen in die Flucht geschlagen.
Die maoistischen Rebellen kämpfen seit 1996 für den Sturz der
Monarchie in dem Himalaya-Land. Der Guerillakrieg kostete bisher mehr
als 8.500 Menschen das Leben. Die Kämpfe haben seit August wieder
zugenommen, nachdem die Rebellen einen Waffenstillstand
aufkündigten.
(Quellen: ap, rtr)
Konservativer Kandidat Saca siegt bei Wahl in El Salvador
Mo.22.03.04 - Aus der Präsidentenwahl in El Salvador ist der Kandidat der
rechtskonservativen Regierungspartei ARENA, Tony Saca, offenkundig als
klarer Sieger hervorgegangen. Nach der Auszählung von 48 Prozent
aller Stimmen lag der von der US-Regierung unterstützte
Medienunternehmer bei knapp 60 Prozent. Sein Hauptrivale, der ehemalige
Guerillakämpfer Schafik Handal von der linksgerichteten Nationalen
Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN), kam demnach auf rund 33 Prozent.
«Die Salvadorianer haben entschieden, dass ich neuer
Präsident werde», sagte der 39 Jahre alte Saca. Die
Präsidenten von Guatemala und Nicaragua, Oscar Berger und Enrique
Bolanos, gratulierten Saca telefonisch zum Sieg.
Die National-Republikanischen Allianz (ARENA) hat seit 1989
durchgängig den Präsidenten des mittelamerikanischen Staates
gestellt. Die FMLN ist dagegen stärkste politische Kraft im
Parlament und stellt seit Jahren den Bürgermeister der Hauptstadt
El Salvador. Für einen Wahlsieg benötigt einer der Kandidaten
mindestens 50 Prozent der abgegebenen Stimmen, andernfalls findet am 2.
Mai eine Stichwahl statt.
(Quelle: ap)
Belgrad will nach Unruhen im Kosovo engeres Verhältnis zur Nato
Mo.22.03.04 - Nach den neu aufgeflammten Unruhen im Kosovo bemüht sich die
Regierung von Serbien-Montenegro um engere Beziehungen zur NATO. Der
oberste Verteidigungsrat in Belgrad sprach sich am Wochenende für
den sofortigen Beitritt zum NATO-Programm «Partnerschaft für
den Frieden» aus. Dies wäre ein Beitrag zur Lösung der
Krise im Kosovo und zur Stabilisierung der Lage auf dem Balkan,
erklärte das Gremium. Das mehrheitlich von Albanern bewohnte
Kosovo gehört zu Serbien, steht aber seit der militärischen
Intervention der NATO von 1999 unter internationaler Verwaltung.
Die NATO-Truppen im Kosovo verstärkten ihre Präsenz in der
Provinz. Ihr Augenmerk galt am Sonntag besonders der Beisetzung von
zwei albanischen Kindern in Cabra, 40 Kilometer nördlich der
Provinzhauptstadt Pristina. Der Tod der Kinder war Auslöser
von Übergriffen auf Serben. Bei den schlimmsten Ausschreitungen
seit fünf Jahren kamen 28 Menschen ums Leben, rund 600 wurden
verletzt.
Tausende Trauernde haben am Sonntag Abschied von den zwei Kindern
genommen, NATO-Soldaten begleiteten die Beerdigung mit hohem
Sicherheitsaufgebot.
An der Beisetzung nahmen rund 7.000 Menschen teil. NATO-Truppen
richteten auf der Zufahrtstraße nach Cabra, 40 Kilometer
nördlich der Provinzhauptstadt Pristina, alle zehn Kilometer eine
Kontrollstelle ein. Italienische Soldaten postierten Schützenpanzer
auf einem Berg am Dorfrand, Hubschrauber patrouillierten über der
Gegend. Beim Abschied von seinem Neffen Egzon sagte der 67-jährige
Fali Deliu: «Leider hat ihr Tod noch mehr Tote ins Kosovo
gebracht, und das hat unser Leid noch größer gemacht.»
Der kosovo-albanische Ministerpräsident Bajram Rexhepi sprach den
Eltern der ertrunkenen Kindersein Beileid aus.
Ohne näher auf den Hintergrund ihres Todes einzugehen, bezeichnete
Rexhepi die beiden Jungen als "Märtyrer" und hob die
"beispielhafte Würde" ihrer Eltern hervor. Einem Gerücht
zufolge sollen Serben am Dienstag drei Kinder in den Fluss Ibar in der
zwischen Albanern und Serben geteilten Stadt Kosovska Mitrovica
getrieben haben, wo die neun bis zwölf Jahre alten Jungen
ertranken. Das dritte Kind wurde bislang nicht gefunden.
Die ursprünglich für Freitag geplante Beisetzung der beiden
Jungen war wegen der anhaltenden Unruhen verschoben worden, bei denen
nach Angaben der UNO mehr als 600 Menschen verletzt wurden.
Kosovo-Albaner zündeten in mindestens sieben serbischen
Ortschaften Häuser an und brannten 25 serbisch-orthodoxe Kirchen
nieder. Mehr als 3600 Menschen wurden laut UNO in die Flucht getrieben,
die meisten von ihnen Kosovo-Serben.
In Serbien trauerte die Bevölkerung am Sonntag um die zahlreichen
serbischen Opfer der Ausschreitungen. Landesweit waren die Flaggen auf
Halbmast gesetzt. Kosovo rief für (den morgigen) Montag einen
nationalen Trauertag aus.
Die Regierung in Belgrad bat um Spenden für die rund 3.600
Menschen, die durch die Unruhen obdachlos wurden. 2.500 von ihnen sind
nach UN-Angaben Serben. Hilfsorganisationen stellten den Opfern
umgerechnet rund 430.000 Euro zur Verfügung, 30 Lastwagen mit
Hilfsgütern waren bereits in den Süden der Provinz unterwegs.
«Wir können hier nur 1.000 Menschen unterbringen»,
sagte ein Vertreter des serbischen Stadtteils von Kosovska Mitrovica.
«Wir brauchen dringend Hilfe.»
(Quellen: ap, afp)
Fünf Jahre nach dem Beginn des Kosovokrieges sind wieder Menschen
auf der Flucht, werden Kirchen und Häuser abgebrannt. Von
albanischer Seite aus orchestrierte Übergriffe auf Serben waren
wohl organisiert und wurden von der UN-Friedenstruppe nicht verhindert.
Auch besonnene Kosovo-Albaner sind entsetzt...
Seit die Nato 1999 in das Kosovo einmarschiert ist, sind rund 100.000
Serben geflüchtet. Über 1.300 wurden getötet oder gelten
als vermisst. Über einhundert serbisch-orthodoxe
Heiligenstätten und eine unbekannte Anzahl von serbischen
Häusern wurden zerstört...
Mehr in der "tageszeitung" vom 22.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/22/a0183.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/03/22/a0186.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/03/22/a0196.nf/text
Blick ins Archiv:
UNO: Mehr als 3600 Menschen im Kosovo auf der Flucht
So.21.03.04 - Neue Proteste gegen albanische Regierung. Kosovo-Regierung richtet nach
Unruhen Entschädigungsfonds ein. Struck: KFOR muss länger als
geplant im Kosovo bleiben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403210.htm#04032105
Schwere Unruhen in Serbien und im Kosovo
Do.18.03.04 - Mindestens zehn Tote - Extremisten zünden Moscheen in Serbien und
serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster im Kosovo an.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403180.htm#04031809
Konflikt zwischen Serben und Albanern greift um sich
Fr.19.03.04 - Mindestens zweiundzwanzig Tote bei Gewaltexessen. UN-Sicherheitsrat fordert Gewaltverzicht.
UN-Mitarbeiter aus umkämpfter Kosovo-Stadt Mitrovica evakuiert.
NATO verstärkt wegen Unruhen Truppen im Kosovo.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403190.htm#04031905
Lage im Kosovo bleibt angespannt
Sa.20.03.04 - Fischer und Solana 'sehr besorgt' über Entwicklung im Kosovo.
Russland verurteilt die erneute Gewalt im Kosovo.
NATO-Generalsekretär dämpft Erwartungen an Truppen -
Deutschland schickt weitere 600 Soldaten. Serben demonstrieren für
Kosovo-Landsleute. Westlicher Diplomat: Albaner wollen die Serben
vertreiben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#04032007
Hilfsorganisationen besorgt über Lage im Kosovo und in Irak
Sa.20.03.04 - Hilfsorganisationen in Deutschland betrachten die angespannte
Sicherheitslage im Kosovo und in Irak mit zunehmender Sorge... Angesichts
der blutigen Unruhen im Kosovo forderte die
Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl das Bundesamt für die
Anerkennung ausländischer Flüchtlinge auf, eingeleitete
Widerrufsverfahren gegen nach Deutschland geflohenen Kosovo-Albaner
sofort zu beenden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#04032008
Mehr zum Kosovo-Konflikt unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403190.htm#040319_c
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Neue spanische Regierung lehnt Dialog mit ETA ab
Mo.22.03.04 - Spaniens künftige sozialdemokratische Regierung hat ein
Dialogangebot der baskischen Untergrundorganisation ETA über ein
Ende der Gewalt zurückgewiesen. Da es sich um die Erklärung
einer "Terrorgruppe" handele, "schenken wir ihr keinen Glauben", sagte
eine Sprecherin der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) in Madrid.
Die ETA hatte den designierten Regierungschef José Luis
Rodríguez Zapatero in einer von der baskischen Zeitung "Gara"
veröffentlichten Erklärung zu "starken und mutigen Gesten"
aufgefordert. Zugleich bekräftigte die Organisation ihren Willen
zur "Fortsetzung des Kampfs" für ein unabhängiges Baskenland.
Die ETA sei bereit, im Dialog nach einer Lösung für die seit
36 Jahren währende Gewalt zu suchen, hieß es in der
Erklärung. Vergangenen Sonntag hatte der PSOE-Vorsitzende Zapatero
überraschend deutlich die Parlamentswahl gegen die bislang
regierende konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident
José María Aznar gewonnen. Dieser hatte tagelang die ETA
für die Anschläge in Madrid vom 11. März mit 202 Toten
verantwortlich gemacht und einen radikalislamischen Hintergrund
zurückgewiesen. Die Untergrundorganisation hatte zweimal
bestritten, mit den Attentagen zu tun zu haben. Aznar wurde
beschuldigt, die Medienberichterstattung systematisch manipuliert und
Journalisten wider besseres Wissen überredet zu haben, die ETA als
mutmaßliche Täterin zu nennen.
Im Februar hatte die ETA einen Waffenstillstand für die autonome
nordostspanische Region Katalonien erklärt. Vorausgegangen war ein
Treffen des Chef der linksnationalistischen katalonischen Partei
Esquerra Republicana de Catalunya (ERC), Josep Lluís
Carod-Ravira, mit ETA-Führern in Frankreich.
Die Untergrundorganisation kämpft seit 1968 gewaltsam für die
Unabhängigkeit des Baskenlandes. Bei Anschlägen wurden
seitdem mehr als 800 Menschen getötet.
(Quelle: afp)
Regionalwahlen in Frankreich - Herbe Schlappe für konservatives
Regierungslager von Präsident Chirac
Mo.22.03.04 - Die regierenden französischen Konservativen haben bei den
Regionalwahlen am Sonntag eine Wahlschlappe erlitten.
Die gemäßigte Linke legte Prognosen zufolge auf 40 Prozent
der Stimmen zu, während die regierenden Mitte-rechts-Parteien auf
weniger als 34 Prozent abrutschten. Die rechtsradikale Nationale Front
erzielte mit gut 17 Prozent eines ihrer besten Ergebnisse. Die Wahl
galt als wichtiger Stimmungstest für Präsident Jacques
Chirac, dessen Popularität angesichts hoher Arbeitslosigkeit und
staatlicher Einsparungen auf den niedrigsten Stand seit seiner
Wiederwahl 2002 gefallen ist.
Raffarin verteidigte am Wahlabend die umstrittenen Reformen. Die
Regierung habe angesichts der Wirtschaftslage mit Mut und
Entschlossenheit handeln müssen. "Wir werden die Entscheidungen
fällen, die wir für unsere Zukunft brauchen, für die
Zukunft unseres Landes." Die Botschaft der Wähler sei jedoch
angekommen. "Ich werde sie berücksichtigen", sagte Raffarin, ohne
sich jedoch zu konkreten Schritten zu äußern.
Alain Juppe, Chef von Chiracs UMP, sagte, das Wahlergebnis "zeigt die
Schwierigkeit, Reformen umzusetzen, deren Vorteile nicht sofort
sichtbar sind." In einer Umfrage der Zeitung "Le Monde" hatten vor der
Wahl 70 Prozent der Befragten angegeben, sie wollten ihrer
Unzufriedenheit mit der Regierung bei der Stimmabgabe Ausdruck
verleihen.
Die linken Parteien feierten ihren Wahlerfolg. "Das Volk hat sich klar
geäußert. Sie haben die Regierung für ihre Politik
bestraft", sagte Sozialisten-Chef Francois Hollande.
Beim zweiten Wahlgang in einer Woche könnten die Konservativen
indes wieder Boden gutmachen. Sollte die Regierung jedoch auch dann
eine Schlappe erleiden, halten Politik-Experten eine Ablösung
Raffarins für möglich. Die Regierung könnte zudem ihre
Politik der Privatisierung, Deregulierung und Einsparungen
überdenken, insbesondere in politisch schwierigen Bereichen wie
dem Gesundheitswesen.
Vor sechs Jahren hatten die Konservativen die Wahlen in 14 Regionen,
die Linke in elf gewonnen. Die Regionen in Frankreich haben weniger
Einfluss und Kompetenzen als die Bundesländer in Deutschland. Ihre
Zuständigkeit betrifft vor allem regionale Angelegenheiten in den
Bereichen Erziehung, Transport, Tourismus, Umwelt und Kulturpolitik.
Eine Ausweitung ihrer Zuständigkeiten, vor allem im
wirtschaftlichen Bereich, ist für 2005 geplant.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Erste Teileinigung im Zuwanderungsstreit - Schily signalisiert erneut
Bereitschaft, die Abschiebung von Ausländern zu erleichtern -
Ausweisung bei Verdacht?
Mo.22.03.04 - Bei den Verhandlungen über das Zuwanderungsgesetz haben Koalition
und Union in wichtigen Teilbereichen eine Einigung erzielt.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
sagte nach den fünfstündigen Gesprächen am Sonntag in
Berlin, bei der Regelung der Arbeitsmigration habe man sich
abschließend verständigt. Lösungsvorschläge seien
auch beim Spätaussiedler-Zuzug und der Frage des Nachzugs von
Kindern ausländischer Eltern erarbeitet worden.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zeigte sich erfreut von dem
Ergebnis der Gesprächsrunde und sagte: "Ich glaube, dass wir
erhebliche Fortschritte in Richtung Kompromiss gemacht haben."
Die Vorschläge, die am Sonntag von der siebenköpfigen Gruppe
erarbeitet worden sind, sollen am kommenden Mittwoch der großen
Arbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses zum Zuwanderungsgesetz
vorgelegt werden. Dort sollen dann auch die Sicherheitsfragen
erörtert werden, bei denen noch keine Einigung erzielt worden ist.
Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sieht die Einigung in der
Kleingruppe vor, dass das Punktesystem für den Zuzug von
Erwerbskräften aus dem Gesetz gestrichen wird. Dies war eine
zentrale Forderung der Union. Mit dem Punktesystem sollten
Erwerbskräfte in die Bundesrepublik geholt werden können,
auch wenn sie keine Aussicht auf einen konkreten Arbeitsplatz haben.
Grünen-Verhandlungsführer Volker Beck beklagte, die Union
habe beim Punkt Arbeitsmigration weiter gehende Regelungen verhindert.
Zwei Verhandlungsteilnehmer berichteten, der Nachzug von Kindern solle
weiter bis zu einem Alter von 16 Jahren möglich sein und nicht wie
im Zuwanderungsgesetz vorgesehen lediglich bis zum 12. Lebensjahr. Ein
anderer Teilnehmer sagte allerdings, über den Punkt müsse am
Mittwoch noch einmal beraten werden. Offen geblieben ist in der Runde
am Sonntag erneut, wer die Kosten für die geplanten
Integrationskurse für Zuwanderer tragen soll.
Das besonders umstrittene Thema Verschärfung von Sicherheitsregeln
soll nun auch in der großen Arbeitsgruppe des
Vermittlungsausschusses am Mittwoch beraten werden. Schily
signalisierte erneut, er sei bereit, die Abschiebung von
Ausländern zu erleichtern, die eine Gefahr für die Sicherheit
der Bundesrepublik darstellen. Die Union verlangt, dass Ausländern
schon dann des Landes verwiesen werden können, wenn der Verdacht
besteht, dass sie sich an terroristischen Aktivitäten beteiligen.
Die Union knüpft eine Gesamteinigung über das
Zuwanderungsgesetz an Zugeständnisse in diesem Punkt. Insbesondere
die Grünen lehnen aber eine Ausweisung auf bloßen Verdacht
hin ab.
(Quelle: rtr)
SPD-Sonderparteitag in Berlin
Schröder tritt mit Reformbekenntnis als SPD-Vorsitzender ab -
Müntefering mit 95 Prozent zum neuen SPD-Chef gewählt - SPD
setzt sich Ziele für Deutschland 2010
Mo.22.03.04 - Mit einem klaren Vertrauensbeweis der Basis im Rücken will der
neue SPD-Vorsitzende Franz Müntefering seine Partei aus der
schwersten Krise seit Kriegsende führen und vor einer Spaltung
bewahren. Für den 64-Jährigen stimmten am Sonntag 95,11
Prozent der knapp 500 Delegierten des Sonderparteitages in Berlin. Es
ist das beste Ergebnis bei der Wahl eines SPD-Chefs seit 13 Jahren.
Müntefering trat die Nachfolge von Bundeskanzler Gerhard
Schröder an, der nach fünf Jahren vom Parteivorsitz
zurücktrat. Beide riefen zur Geschlossenheit auf. Sie machten
klar, dass sie trotz teils scharfer Kritik aus den eigenen Reihen am
Reformkurs festhalten. «Was beschlossen ist, wird nicht
verändert», sagte der Kanzler. Ebenso wie Müntefering,
der zugleich Fraktionschef ist, warnte Schröder die Reformgegner
vor der Gründung einer Partei links von der SPD. Niemand
dürfe sich «in die populistischen Büsche
schlagen», betonte der neue SPD-Vorsitzende. Er bot aber den
Kritikern - auch in den Gewerkschaften - Gespräche an.
Die Sozialdemokraten wollen gegen Gründer linker Protestparteien
scharf vorgehen. «Das Land muss erfahren: Es gibt nur eine
SPD», hieß es in einem Parteitagsbeschluss. Schröder
erklärte, statt ihre Kräfte aufzuteilen und den Konservativen
in die Hände zu spielen, solle die SPD für ihre
traditionellen Werte wie soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit
eintreten. «Lasst uns nicht vergessen, dass gerecht zu sein immer
auch heißt, an die zu denken, die morgen in Wohlstand leben
wollen. Sie haben eine faire Chance verdient - und die müssen wir
ihnen heute verschaffen.»
Neuer Generalsekretär und Nachfolger von Olaf Scholz ist - auf
Vorschlag Münteferings - der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe
Benneter. Für ihn plädierten 78,74 Prozent der Delegierten.
Für Müntefering votierten 448 Delegierte, 22 waren gegen ihn.
Müntefering übertraf damit klar das beste Ergebnis
Schröders (88,58 Prozent). In den 90er Jahren war nur Björn
Engholm besser, der 1991 auf 96,6 Prozent kam.
In seiner Abschiedsrede als SPD-Chef dankte Schröder in für
ihn ungewöhnlich emotionaler Form der Basis und seiner Frau Doris
für die Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren.
Mit tränenerstickter Stimmer sagte der Kanzler, er habe das Amt
«in verdammt schwierigen Zeiten» ausgeübt,
«gestützt auf die, die ich liebe und die mich lieben».
«Ich war stolz darauf, Vorsitzender dieser größten
ältesten demokratischen Partei Deutschlands sein zu
dürfen.» Er gestand offen ein: «Ich war für viele
kein leichter Vorsitzender.»
Schröder wurde vier Minuten lang mit stehenden Ovationen gefeiert.
Noch mehr Beifall erhielt Müntefering, der die Herzen der
Delegierten mit einer kämpferischen Ansprache eroberte. Er sagte:
«Wir müssen den Kapitalismus zivilisieren. Wirtschaft ist
für den Menschen da und nicht umgekehrt.» Trotz des
SPD-Stimmungstiefs in bisher nicht gekanntem Ausmaß zeigte sich
Schröder zuversichtlich für die anstehenden Wahlen.
In einem innovationspolitischen Manifest hat die SPD am Sonntag auf
ihrem Sonderparteitag ihre Werte und Ziele für Deutschland
im Jahr 2010 festgeschrieben. Ein zentraler Punkt des in Berlin
gefassten Beschluss ist der erklärte Wille der Sozialdemokraten zu
handeln. Sie wollten Deutschland nicht neu erfinden, heißt es in
dem Papier. «Aber wir müssen konsequent Veränderungen
herbeiführen, damit unser Land sicher in eine gute Zukunft gehen
kann.»
Als Maßnahmen zur Erhaltung von sozialer Gerechtigkeit auf hohem
Wohlstandsniveau erwähnt die SPD eine Reform der Erbschaftsteuer
und ein Gesetz zur Ausbildungsplatzsicherung. «Wir arbeiten am
Ziel einer soliden Bürgerversicherung», heißt es in
dem Manifest, das mit der Worten schließt: «Fortschritt ist
möglich.»
Sechs Ziele wollen die Sozialdemokraten in Deutschland bis 2010
erreichen: Weltspitze bei der Bildung, soziale Sicherheit,
Gleichstellung von Frauen und Männern, starke Wirtschaft und
Arbeit für alle, neue Jobs durch die stärkere Verbindung von
Arbeit und Umwelt sowie einen Spitzenplatz in Europa beim Wohlstand.<
(Quelle: ap)
SPD-Rebellen drohen weiter mit Linkspartei
Mo.22.03.04 - Die sieben SPD-Rebellen, die mit der Gründung einer neuen
Linkspartei drohen, bleiben auch nach dem Wechsel an der Parteispitze
auf Konfrontationskurs. Alles, was sie gehört hätten, sei
«Hochglanzlack, der die Risse in der Partei nicht abdecken
kann», sagte der Sprecher der Gruppe, der Fürther
IG-Metall-Chef Thomas Händel, der «Financial Times
Deutschland» (Montagausgabe). Er forderte die SPD-Spitze auf,
Gesundheits- und Rentenreform zurückzunehmen. Andernfalls
würden er und seine Mitstreiter die Gründung einer neuen
Partei vorantreiben.
«Ich habe in den Reden von Franz Müntefering und Klaus-Uwe
Benneter kein Indiz erkennen können, das uns von unserem Weg
abbringen könnte», sagte Händel. Jetzt müssten
«ganz schnell Signale kommen», etwa durch die
Rücknahme der Praxisgebühr oder durch einen Stopp der
Rentenreform. Die aktuelle Reformpolitik sei nicht «sozial,
sondern asozial».
(Quelle: ddp)
Der Sozialkahlschlag: Perspektiven von oben – Gegenperspektiven von
unten
Seit der berüchtigten »Agenda 2010« der
SPD-Grünen-Regierung wird auch in Deutschland der Sozialstaat
unwiderruflich geschleift. In allen seinen Funktionsbereichen findet
eine pausenlos zugreifende und arbeitsteilig abgestimmte Demontage
statt. Der Sozialkahlschlag konzentriert sich auf die
Arbeitsmärkte, das Gesundheitswesen, den Bildungssektor, die
Altersrenten und die Migrationspolitik....
Mehr in "junge Welt", die in ihrer Ausgabe vom 19.03.04 und
20.03.04 eine Rede von Karl Heinz Roth
veröffentlichte, die der Bremer Sozialhistoriker auf der
Aktionskonferenz des Bremer Bündnisses gegen Sozialkahlschlag am
20. Februar gehalten hat:
http://www.jungewelt.de/2004/03-19/003.php
http://www.jungewelt.de/2004/03-20/004.php
Blick ins Archiv:
Politologe Korte sieht kurzfristig gute Chancen für Linkspartei
Mi.17.03.04 - Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte
hätte eine neugegründete Linkspartei gute Aussichten, bei den
anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen in diesem Jahr den Sprung in
die Parlamente zu schaffen. Eine Protestpartei, die jetzt das Thema
soziale Gerechtigkeit glaubwürdig besetze, könne damit
kurzfristig punkten, sagte Korte am Mittwoch der Nachrichtenagentur ddp... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403170.htm#04031717
Mehr zum Thema "Abspaltung von der SPD - Linkspartei-Inititiativen":
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403170.htm#040317_i
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Arbeitgeberpräsident Hundt verlangt weitergehende Reformen
Mo.22.03.04 - Die Arbeitgeber haben den neuen SPD-Chef Franz Müntefering
aufgefordert, mit seiner Partei rasch weitere Reformen in der
Sozialpolitik anzugehen. «Der neue SPD-Vorsitzende muss jetzt
seine Partei dafür gewinnen, weitere und vor allem weiter gehende
Reformen in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik anzupacken»,
sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der «Berliner
Zeitung» (Montagausgabe).
Hundt forderte noch für dieses Jahr eine zusätzliche Agenda
mit weiteren Reformen der Rentenversicherung sowie verbesserten
Bedingungen für die betriebliche Altersvorsorge. Darüber
hinaus seien weiter gehende Strukturreformen der Krankenversicherung
und eine umfassende Reform der Pflegeversicherung notwendig. Hundt
betonte, dass gleichzeitig die Bundesagentur für Arbeit auf ihre
Kernaufgaben zurückgeführt werden müsse.
«Jedes weitere Zuwarten und Verzögern der dringend
notwendigen Reformen verschärft noch mehr den
Anpassungsprozess», sagte Hundt. Rückschritte in Form von
Reformstopp, Reformverwässerung oder Reformumkehr könne sich
Deutschland nicht leisten.
(Quelle: ddp)
DIHK-Chef rät zur Verlagerung der Produktion ins Ausland -
Softwareproduktion künftig zu Billiglöhnen: Hewlett Packard
verlagert zahlreiche Arbeitsplätze in Schwellenländer
Mo.22.03.04 - Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK), Ludwig Georg Braun, hat den Unternehmen in Deutschland geraten,
verstärkt Chancen einer Produktionsverlagerung ins Ausland zu
nutzen.
"Ich empfehle den Unternehmen, nicht auf eine bessere Politik zu
warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die
zum Beispiel in der Osterweiterung liegen", sagte Braun der Zeitung
"Der Tagesspiegel" (Montagausgabe) einer Vorabmeldung zufolge. Damit
würden auch Arbeitsplätze und Lehrstellen in Deutschland
gesichert. Derzeit werde hier zu Lande kaum Geld verdient. "Wenn die
Konzerne eine Teilbilanz für Deutschland vorlegen würden,
dann könnte man sehen, dass in Deutschland vielfach kaum Geld
verdient wird. Der Gewinn kommt zumeist aus dem Ausland", sagte Braun
weiter.
Der Politik warf er als Versäumnis vor, dass sie die Deutschen
nicht frühzeitig auf Reformen eingestellt habe. Zudem gebe es in
der Bundesregierung ein "grundlegend falsches Verständnis von
Wirtschaft". Zu den herausragenden Aufgaben der Politik gehöre es,
Vertrauen zu schaffen. Dies bräuchten die Bürger, um zu
konsumieren, und die Wirtschaft brauche es, um zu investieren. "Das
geht aber nicht, wenn permanent Gesetze oder Regelungen verändert
werden", sagte der Verbandschef.
Die IT-Branche in den Industrieländern wird in den nächsten
Jahren die Produktion von Software-Bestandteilen und Dienstleistungen
verstärkt in Billiglohnländer verlagern. Dies werde auch
zulasten der Arbeitsplätze in Deutschland gehen, sagte Jörg
Menno Harms, Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom, gestern
auf der weltgrößten Computermesse Cebit in Hannover.
Harms, der Deutschland-Chef von Hewlett Packard (HP) ist, fügte
hinzu, dass vor allem Programmierung und Kodierung aus
Kostengründen nach Osteuropa gegeben werden. Wenn diese Arbeit
dort zu einem Zehntel der hiesigen Kosten gemacht werden könne,
"dann halten wir das nicht lange aus". Vor allem Indien, Korea, China,
Rumänien, Russland und das Baltikum seien für die
Softwarebranche interessant. "Überall dort gibt es bestens
ausgebildete Ingenieure und Informatiker, die hoch motiviert und
geradezu hungrig auf Wohlstand sind. Und sie machen das - noch - zu
Löhnen, die um den Faktor 10 unter unseren liegen." Einen
ähnlichen Trend werde es auch bei Dienstleistung geben - so bei
Callcentern oder Abrechnungen.
"HP hat Reisekostenabrechnungen nach Bangalore und Barcelona
ausgelagert. Die Daten werden übers Netz eingegeben." Ähnlich
läuft die Auftragsverarbeitung. Die Personalkosten seien so auf
ein Fünftel gesunken.
(Quellen: rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Continental strebt weitere Verlagerungen in Billiglohnländer an
Mo.15.03.04 - Der Reifenhersteller und Automobilzulieferer Continental will nach den
Worten von Vorstandschef Manfred Wennemer weitere Teile seiner
Produktion in Niedriglohnländer verlagern.
Damit wolle Conti gestiegene Rohstoffkosten abfedern und die
Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz aus Asien und
Südamerika erhöhen.
"Wir haben sicherlich mit einer Verlagerung von 50 bis 60 Prozent
unserer europäischen Reifenproduktion in Niedrigkostenländer
noch nicht die Obergrenze erreicht und werden uns hier noch signifikant
steigern", kündigte Wennemer in einem am Samstag vorab... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403150.htm#04031510
Siemens lagert Software-Entwicklung in Billiglohnländer aus
15.000 Programmier-Jobs in Westeuropa und den USA betroffen...
Mehr bei futurezone (16.02.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=215492&tmp=53100
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
Sa.13.12.03 - Siemens wird im Zuge der EU-Osterweiterung in großem Stil
Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern. In einigen Jahren
könne etwa ein Drittel der Software-Entwicklung von Siemens an
Niedriglohnstandorten geleistet werden, sagte Siemens-Zentralvorstand
Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland".
Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken
Marktwachstum in Osteuropa zu profitieren. .. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#03121317
Tausende Jobs bei Siemens gefährdet
Fr.12.03.04 - An den Siemens-Standorten in Bocholt und Kamp-Lintfort sind Tausende
von Arbeitsplätzen bedroht. Die Firmenleitung habe die Belegschaftsvertretung darüber
informiert, dass «unter den gegebenen Bedingungen der
Kostenstrukturen eigentlich 2000 Arbeitsplätze ins Ausland
verlagert werden müssten», sagte ein Siemens-Sprecher der
Nachrichtenagentur dpa. Er bestätigte damit Angaben der IG Metall.
Auch beim Autozulieferer Siemens VDO Automotive fürchten die
Beschäftigten um ihre Jobs... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403120.htm#04031210
IG Metall will gegen Siemens-Verlagerungspläne kämpfen
So.14.03.04 - Die IG Metall hat massiven Widerstand gegen die drohende Verlagerung
mehrerer tausend Siemens-Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen
angedroht und eine Bestandsgarantie für die betroffenen Werke
gefordert. Auch die rot-grüne Landesregierung sprach sich am Freitag
dafür aus, nichts unversucht zu lassen, um die Arbeitsplätze
zu retten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403140.htm#04031418
Streit um den Emissionshandel - BASF droht mit Investitionsverzicht in
Deutschland
Mo.22.03.04 - Der Chemiekonzern BASF droht im Streit um den Emissionshandel mit einem
Verzicht auf Investitionen in Deutschland.
"Das ist Ideologie, die unserer Wettbewerbsposition erheblich schaden
wird", sagte BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht in einem
Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung" mit Blick auf
die Position von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne).
Setze sich Trittin durch, bedeute dies, dass sich BASF "jede
Investition in Deutschland genau überlegen" werde. "Dass wir ganz
genau durchrechnen, welche Zusatzkosten auf uns zu kommen - und
notfalls auf Investitionen verzichten", sagte Hambrecht weiter. Trittin
fordert von den am Emissionshandel beteiligten Firmen eine weitere
deutliche Senkung ihrer Emissionen. Der Emissionshandel, der EU-weit
zum 1. Januar 2005 startet, soll den Abgas-Ausstoß in Industrie
und Energiewirtschaft senken.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Streit um Emissionsrechtehandel geht weiter - Clement lässt
Kompromiss platzen - Trittin gibt Industrie Schuld am Streit um
Emissionshandel
Do.18.03.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat einen von
Staatssekretären vorbereiteten Kompromiss zum geplanten Handel mit
Klimaschutz-Zertifikaten gestoppt und so Koalitionskrach mit den
Grünen riskiert... Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht die
Gründe für den Streit mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) um den Emissionshandel zur Verringerung
umweltschädlicher Abgase in der Haltung der Industrie... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403180.htm#04031817
Mehr zum Thema "Emissionshandel, Klimaschutz etc." unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_i
Treibhausgas nimmt in der Atmosphäre rasant zu
Mo.22.03.04 - Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre stieg im vergangenen Jahr
besonders stark. Das ermittelten amerikanische Forscher am
Observatorium Mauna Loa auf Hawaii. Die Gründe dafür
müssten noch geklärt werden, sagte Russell Schnell,
stellvertretender Direktor der US-Behörde für Meeres- und
Klimaforschung (NOAA), zu der das Observatorium gehört. Die
Kohlendioxidmessung auf dem 3.342 Meter hoch gelegenem Observatorium
Mauna Loa ergab am Freitag einen Wert von 379 ppm (parts per million,
Teilchen pro 1 Million Teilchen) - im Vergleich zu 376 ppm ein Jahr
zuvor. Mit drei Teilchen ist der Anstieg im vergangenen Jahr deutlich
höher ausgefallen als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre
von 1,8 ppm. Vor rund 50 Jahren, als die Messungen begannen, betrug der
Anstieg sogar nur 1 ppm.
Zu den Ursachen dieses rascheren Anstiegs gibt es bislang nur
Spekulationen. Einige Forscher verweisen auf das große
Wirtschaftswachstum in China und Indien: In beiden Ländern werde
viel fossiler Brennstoff verbrannt, wodurch Kohlendioxid entstehe,
erklärte der NOAA-Wissenschaftler Pieter Tans. Allerdings
fürchten viele Klimaforscher, wie der Klimatologe Ralph Keeling,
inzwischen auch Rückkopplungseffekte. So fördert die
Erwärmung selbst wieder die Freisetzung von Kohlendioxid, das
bisher in Boden und Meeren gebunden war.
(Quelle: ap/taz)
Blick ins Archiv:
Forscher warnen vor neuem Massensterben von Tier- und Pflanzenarten
Fr.19.03.04 - Die Welt steht womöglich am Beginn ihres sechsten großen
Massensterbens. Diesen Schluss ziehen zwei britische Forschergruppen
aus der Analyse umfassender Datensammlungen über den Rückgang
der Tier- und Pflanzenarten in Großbritannien... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403190.htm#04031917
Billigeren Strom durch erneuerbare Energien möglich
2050 könnten zwei Drittel aus Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und
Erdwärme kommen
Mo.22.03.04 - Bis 2050 könnten zwei Drittel des Stroms und die Hälfte der
Wärme in Deutschland aus erneuerbaren Energien kommen. Das ist das
Ergebnis einer umfassenden Studie über den Ausbau der
Energiegewinnung aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme,
deren Ergebnisse Umweltminister Jürgen Trittin am Donnerstag in
Berlin vorstellte. Der Grünen-Politiker nannte es
«erstaunlich und erfreulich», dass in etwa 20 Jahren Strom
aus erneuerbaren Energien billiger sein könnte als Atom- oder
Kohlestrom.
Der Leiter des Projektteams für die Studie, Joachim Nitsch vom
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart,
erklärte, der Ausbau der erneuerbaren Energien spare nach seinen
Berechnungen im Jahr 2050 mindestens 75 Prozent der
Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 2000 ein. «Es gibt
keine Wundertechnologie, die diesen Fortschritt bewirken kann»,
betonte Nitsch. Voraussetzung für eine zukunftsfähige
Versorgung sei auch eine deutliche Effizienzsteigerung bei der Nutzung
fossiler Energien. Auch sei es nötig, Weichen rechtzeitig zu
stellen. Für die Umstrukturierung des Kraftwerkparks müssten
bis 2020 Vorleistungen von rund vier Milliarden Euro pro Jahr erbracht
werden.
Trittin sagte, langfristig sei der Ausbau der erneuerbaren Energien
auch aus volkswirtschaftlicher Sicht einer Strategie vorzuziehen, die
überwiegend auf fossile Energien setzt. «Die Studie belegt,
dass weder Umweltschutz noch Wirtschaftlichkeit gegen die erneuerbaren
Energien ausgespielt werden können.»
Die Bundesregierung will den Anteil dieser Energieformen im
Strombereich bis 2010 auf mindestens 12,5 Prozent und bis 2020 auf
mindestens 20 Prozent erhöhen. Heute liegt der Anteil der
erneuerbaren Energien bei fast 8 Prozent im Strom- und bei 4,2 Prozent
im Wärmebereich.
(Quelle: ap)
Internationaler Tag des Wassers
Sauberes Trinkwasser nicht in allen Ländern
selbstverständlich - Hilfswerke verlangen internationale
Wasserkonvention
Mo.22.03.04 - Aus Anlass des heutigen internationalen Tages des Wassers fordert die
Schweizer Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke eine verbindliche
internationale Wasserkonvention. Sie soll den Zugang aller zu sauberem
Trinkwasser als Menschenrecht garantieren und Wasser als
öffentliches Gut schützen.
Der «Internationale Tag des Wassers» wurde auf der
UNO-Vollversammlung am 22. Dezember 1992 ins Leben gerufen, um die
internationale Gemeinschaft auf die gravierenden Probleme und den
Handlungsbedarf bei der nachhaltigen Wasserversorgung hinzuweisen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke ist daran, ein internationales
Netz von NGOs aufzubauen, das sich weltweit für eine
Wasserkonvention einsetzt. Angesichts der Tatsache, dass noch
immer 1,4 Milliarden Menschen über kein sauberes Trinkwasser
verfügten, täglich 6000 Kinder an den Folgen verschmutzten
Wasser sterben würden und gleichzeitig Wasser immer mehr zum
Spielball von wirtschaftlichen Interessen werde, sei ein
völkerrechtlicher Schutz dringend notwendig, schreibt die
Arbeitsgemeinschaft. Wie jene zum Schutz des Klimas oder der
Biodiversität müsse eine Wasser-Konvention im Rahmen der Uno
erarbeitet und mit konkreten Aktionsplänen ausgestattet werden.
Die Konvention soll den Zugang aller Menschen zu sauberem Trinkwasser
zur obersten Priorität erklären und Wasser als
öffentliches Gut vor dem Zugriff der Konzerne schützen.
Deutschland hat nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Gas- und
Wasserwirtschaft (BGW) im internationalen Vergleich bei der
Wasserversorgung einen Spitzenplatz. Der jährliche Vorrat wird auf
182 Milliarden Kubikmeter Grund-, Oberflächen- und Quellwasser
veranschlagt. Rund 6700 Wasserversorger fördern davon pro Jahr
etwa drei Prozent oder 5,4 Milliarden Kubikmeter. Der Verbrauch der
deutschen Haushalte liegt bei durchschnittlich 128 Liter pro Einwohner
und Tag.
Davon entfallen nur vier Prozent auf Essen und Trinken. Der
größte Anteil kommt auf Baden, Duschen und Körperpflege
mit 36 Prozent, die Toilettenspülung mit 27 Prozent und
Wäschewaschen mit 12 Prozent. Der Rest wird bei der Raumreinigung,
der Autopflege, beim Geschirrspülen, im Garten und bei
Tätigkeiten im Kleingewerbe verbraucht.
Das deutsche Trinkwasser ist für seine Spitzenqualität
anerkannt. Im Bundesdurchschnitt muss der Verbraucher für 1000
Liter Trinkwasser etwa 1,72 Euro bezahlen, unabhängig davon, ob
die aktuelle Nachfrage wie im vergangenen Sommer hoch ist oder auch
niedrig. Für Versorgungssicherheit und -qualität oder
Erneuerung von Versorgungsanlagen und Rohrnetzen werden nach
BGW-Angaben jährlich gut 2,3 Milliarden Euro investiert.
(Quelle: ots, ddp)
Hintergrundpapier "Warum es eine internationale Wasserkonvention
braucht":
http://www.swisscoalition.ch/deutsch/files/T_WrWn.pdf
Blick ins Archiv:
Prognose für das Jahr 2050: Sieben Milliarden Menschen
werden unter Trinkwasserknappheit leiden
Mi.05.03.03 - Das Washingtoner International Food Policy
Research Institute (IFPRI) warnt vor einer weltweiten Wasserkrise.
Aufgrund des rasanten Bevölkerungs- wachstums werde der Wasserverbrauch in 20
Jahren um mindestens 50 Prozent gestiegen sein... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303050.htm#03030516
Das schwarze Gold ist ein zentrales Objekt der Begierde im Irak-Krieg. Doch schon seit Jahren zeichnet
sich ein anderer Rohstoff ab, der ein mindestens ebenso großes Konfliktpotenzial
besitzt: Wasser, sauberes Trinkwasser. .. Mehr unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/14434/1.html
Israel schließt mit Türkei 'Wasser-gegen-Waffen'-Vertrag ab
Di.06.01.04 - Israel hat mit der Türkei laut einem Zeitungsbericht einen Vertrag
zur langfristigen Lieferung von Wasser aus Anatolien abgeschlossen. Im
Gegenzug werde Israel das NATO-Land mit Panzern und
Luftwaffentechnologie ausstatten, berichtete die britische Tageszeitung
"Guardian" in ihrer Dienstagsausgabe. Dies sehe ein Abkommen vor, das
Israels Regierungschef Ariel Scharon und der türkische
Energieminister Zeki Cakan am Montag in Jerusalem unterzeichnet
hätten. Die Türkei wird demnach eine Flotte von Riesentankern
aufstellen, mit denen über einen Zeitraum von 20 Jahren
jährlich 50 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Fluss Manavgat
über das Mittelmeer nach Israel transportiert werden sollen. (Quelle: afp)
Hans Rudolf Zeller
Konzert zum 70. Geburtstag
eigene Werke und Beiträge von künstlerischen Weggefährten
und befreundeten Kollegen
mit
Hans Rudolf Zeller | Heinz-Klaus Metzger | Rainer Riehn
Loise Ingebos | Jörg Burkhard | Edith Rom | Stephan Wunderlich
Samstag, 10. April - 20 Uhr
München, Gasteig, Kleiner Konzertsaal
Eintritt frei
|
Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
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