Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Rückendeckung für Forderung nach neuer Irak-Resolution.
Schiitischer Großajatollah Sistani lehnt Zusammenarbeit mit
UN-Experten bei Organisation der Wahlen in Irak ab. Erneut
US-Soldaten in Irak von Aufständischen getötet
Fr.26.03.04 - Die spanische Forderung nach einer neuen UN-Resolution für Irak
kann im Sicherheitsrat offenbar mit einer breiten Unterstützung
rechnen. Bei einer Reihe von Treffen signalisierten die USA,
Frankreich, Großbritannien und Deutschland dem künftigen
Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero ihre Zustimmung für
eine neue UN-Debatte, wie ein Sprecher der Spanischen Sozialistischen
Arbeiterpartei (PSOE) am Mittwochabend mitteilte.
Zapatero traf am Rande der Trauerfeier für die Terroropfer von
Madrid mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques
Chirac, dem britischen Premierminister Tony Blair,
US-Außenminister Colin Powell, dem polnischen
Ministerpräsidenten Leszek Miller und mit Bundeskanzler Gerhard
Schröder zusammen. Vor allem Chirac und Schröder hätten
ihre Unterstützung für Zapatero deutlich gemacht, sagte
Miguel Angel Moratinos, der möglicherweise das Amt des
Außenministers im neuen spanischen Kabinett übernimmt. Aber
auch Großbritannien und die USA hätten ihre Bereitschaft zur
Diskussion bei den Vereinten Nationen erklärt. Zapatero hat einen
Abzug der spanischen Truppen aus Irak angekündigt, sollten die
Soldaten nicht bis zum Juli unter UN-Mandat gestellt werden.
Schröder verteidigte am Donnerstag im Bundestag die Pläne
Zapateros gegen Vorwürfe, ein Rückzug der Truppen sei eine
Bestätigung für die Terroristen. In seiner
Regierungserklärung vor dem Bundestag sprach Schröder von
«schlimmen Diffamierungen» und wies entschieden die
Darstellung zurück, die Spanier hätten «vor dem
Terrorismus Reißaus genommen und sich in eine
'Beschwichtigungspolitik' geflüchtet». Führende
US-Politiker hatten den geplanten Rückzug der spanischen Truppen
einen «großen Sieg für El Kaida» genannt.
Spanien hat rund 1.300 Soldaten in Irak stationiert; Zapatero hatte den
Kriegskurs der bisherigen konservativen Regierung nicht
unterstützt.
Großajatollah Ali al-Sistani will mit den UN-Experten nicht
zusammenarbeiten, die im Irak bei der Bildung einer
Übergangsregierung und der Organisation von Wahlen helfen sollen.
Das teilte ein Sprecher des schiitischen Geistlichen am Donnerstag in
Nadschaf mit. Der provisorische Regierungsrat begrüßte
dagegen die Entscheidung der Vereinten Nationen, die Iraker bei der
für Ende Juni geplanten Machtübergabe zu unterstützen.
"Al-Sistani wird die Arbeit des UN-Teams boykottieren, das den Irak
demnächst besuchen soll, um bei der Bildung einer provisorischen
irakischen Regierung zu helfen, es sei denn, die Weltorganisation lehnt
die Übergangsverfassung doch noch ab", sagte al-Sistanis Sprecher
weiter.
Al-Sistani befürchte, dass mit der Unterzeichnung der
Übergangsverfassung Fakten geschaffen werden sollten, die sich bei
der Formulierung der endgültigen Verfassung nicht mehr
rückgängig machen lassen und zu einer Spaltung des Landes
führen könnten. US-Zivilverwalter Paul Bremer hat
angekündigt, über die endgültige Verfassung werde
spätestens am 15. Oktober 2005 landesweit abgestimmt.
Rund hundert Tage vor dem geplanten Machtwechsel in Irak sind dort
erneut US-Soldaten von Aufständischen getötet worden. Bei der
Explosion einer Bombe in der Nähe von Bakuba, nördlich von
Bagdad, kam am Donnerstag nach Militärangaben ein Soldat ums
Leben, zwei wurden verletzt. Am Vorabend überfielen Rebellen eine
Militärpatrouille bei Tadschi, etwa 20 Kilometer nördlich von
Bagdad. Dabei kamen ein Soldat und drei Rebellen ums Leben.
In Falludscha sind drei US-Soldaten getötet worden. Sie starben,
als ihr Wagen beschossen wurde. Augenzeugen berichten, eine
raketengetriebene Panzerfaust habe das Fahrzeug vollständig
zerstört. Ein vierter amerikanischer Soldat soll bei dem Angriff
verwundet worden sein. Amerikanisches Militär hat das Gelände
unmittelbar nach dem Anschlag abgeriegelt.
Am 30. Juni soll eine irakische Übergangsregierung die
US-Zivilverwaltung ablösen, die militärische Besetzung Iraks
soll aber weiter andauern.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Clanchefs lassen Ultimatum der pakistanischen Armee verstreichen.
Streitkräfte kesseln El-Kaida-Kämpfer ein. El-Kaida-Vize ruft
angeblich zu Sturz Musharrafs auf
Fr.26.03.04 - Der arabische Fernsehsender El Dschasira hat ein angebliches Tonband
von El-Kaida-Vize Eiman el Sawahiri ausgestrahlt. Darauf ruft der
Stellvertreter von Osama bin Laden die pakistanische Armee dazu auf,
Präsident Pervez Musharraf zu stürzen und nicht weiter im
Grenzgebiet zu Afghanistan gegen die El Kaida zu kämpfen.
Die pakistanische Armee hat derweil die Einkesselung von etwa 500
mutmaßlichen Taliban- und El-Kaida-Kämpfern im Distrikt
Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan fortgesetzt. Ein
Ultimatum der Armee an örtliche Clanchefs, die Kämpfer
auszuliefern und 14 Geiseln - zwölf pakistanische Soldaten und
zwei örtliche Beamte - freizulassen, ließen diese erneut
verstreichen.
In der Distrikthauptstadt Wana berieten etwa 1500 Clanmitglieder und
Stammesälteste in einer Ratsversammlung (Dschirga) über das
weitere Vorgehen und die Bedingungen für einen Waffenstillstand.
Ein Armeesprecher sagte, das Militär werde zunächst nicht zur
Offensive übergehen.
Eine Vermittlungsmission unter Führung von Stammesältesten
bemühte sich seit Montag, in Verhandlungen mit dem von Islamabad
als "Komplizen der Terroristen" angesehenen Jargulchel-Clan eine
Einigung herbeizuführen. Ein hochrangiges Mitglied der
pakistanischen Sicherheitskräfte schloss nicht aus, dass einigen
der eingekesselten Kämpfer mittlerweile die Flucht gelungen sein
könnte. In den vergangenen Tagen war in der Nähe der beiden
südlich von Wana eingekesselten Ortschaften ein Tunnelsystem
entdeckt worden.
Die pakistanische Armee hatte in der vergangenen Woche eine
Großoffensive gegen mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder in der
Grenzregion zu Afghanistan gestartet. Nach ersten Erfolgsmeldungen
über die Einkesselung eines hochrangigen El-Kaida-Mitglieds wurden
die Äußerungen der pakistanischen Behörden zunehmend
vorsichtiger. US-Medien hatten zunächst sogar berichtet,
El-Kaida-Vize Aiman el Sawahiri befinde sich unter den
Eingeschlossenen. Die pakistanische Armee wies dies als Spekulation
zurück. Bei den Kämpfen wurden seit dem 16. März
mindestens 33 Soldaten getötet, weitere 16 wurden als vermisst
gemeldet.
(Quelle: afp, dpa)
Karsai will Wahlen auf September verschieben - Afghanistan hofft auf
rund neun Milliarden Dollar Unterstützung
Fr.26.03.04 - Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat eine Verschiebung der
für Juni geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf
September angekündigt. Karsai gab seine Entscheidung bei einem
Treffen mit ausländischen Botschaftern am Mittwoch in Kabul
bekannt, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr.
Der Präsident hatte bereits mehrfach durchblicken lassen, dass er
wegen logistischer und organisatorischer Probleme eine Verschiebung der
Wahlen erwäge.
Offiziell wollte Karsai seine Entscheidung kurz vor oder während
der Afghanistan-Konferenz bekannt geben, die Mitte kommender Woche in
Berlin beginnt, hieß es in Kabul weiter. Nach Einschätzung
afghanischer Behörden und internationaler Beobachter hinken die
Vorbereitungen für die Wahl hinter dem Zeitplan her.
Eines der größten Hindernisse ist Erfassung der
Wahlberechtigten. Bislang sind nur rund 1,5 Millionen Wahlberechtigte
in die Verzeichnisse eingetragen. Ingesamt gibt es etwa zehn Millionen
Wahlberechtigte. Nach UN-Angaben sind unter den bereits Registrierten
nur 445.000 Frauen, was einem Anteil von 28 Prozent entspreche. Bislang
werden Wahlberechtigte nur in den acht größten Städten
registriert. Das zweite große Problem ist die Sicherheitslage.
Besonders das Wiedererstarken der Taliban in der Grenzregion zu
Pakistan erschwert dort die Vorbereitungen.
Zudem fehlt Geld zur Finanzierung der Abstimmungen. Für die beiden
Urnengänge sind 46 Millionen Dollar (37,7 Millionen Euro)
veranschlagt, die allerdings bislang nicht zusammengekommen sind.
Kandidaten für die Präsidentschaftswahl gibt es bereits zwei:
Neben Amtsinhaber Hamid Karsai will ein Mudschaheddin-Führer
namens Haddschi Mohammed Mohakik ins Rennen gehen.
Sollten am Ende der Berliner Konferenz in der kommenden Woche 80
Prozent der gewünschten insgesamt 11,8 Milliarden Dollar (9,7
Milliarden Euro) gesichert sein, wäre das ein "großer
Erfolg", erklärte der afghanische Finanzminister Aschraf Ghani.
Bislang stünden Finanzhilfen in Höhe von vier Milliarden
Dollar für das Haushaltsjahr von März 2004 bis März 2005
fest.
In einem Dossier mit dem Titel "Die Zukunft Afghanistans sichern"
schätzt die Regierung in Kabul den Finanzbedarf für den
Wiederaufbau auf insgesamt 27,5 Milliarden Dollar für die
kommenden sieben Jahre.
(Quelle: )
Bush: Keine Vorwarnung vor Anschlägen am 11. September 2001
Fr.26.03.04 - US-Präsident George W. Bush hat erneut Vorwürfe
zurückgewiesen, er habe vor den Anschlägen am 11. September
2001 die von der Extremisten-Organisation El Kaida ausgehende Gefahr
unterschätzt.
"Wenn ich gewusst hätte, dass der Feind zum Anschlag gegen Amerika
Flugzeuge einsetzt, hätte ich alle Ressourcen, alle Mittel und
alle Macht der Regierung benutzt, um die Menschen in Amerika zu
schützen", sagte Bush am Donnerstag auf einer
Wahlkampfveranstaltung in Nashua im Bundesstaat New Hampshire. Bushs
ehemaliger Terror-Experte Richard Clarke hatte zuvor vor einem
Ausschuss zur Untersuchung der Anschläge gesagt, Bush habe die
Bedrohung durch El Kaida nicht ausreichend ernst genommen und ihre
Bedeutung im Vergleich zu der Regierung seines Vorgängers Bill
Clinton niedriger eingeschätzt.
Die Vorwürfe Clarkes treffen den Kern von Bushs Wahlkampf, da der
US-Präsident gegen seinen demokratischen Herausforderer John Kerry
in erster Linie auf seine Rolle in der Bekämpfung des Terrorismus
setzt.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
USA verhindern im Weltsicherheitsrat Verurteilung Israels wegen der
Tötung Jassins. Hamas-Führer in Gaza untergetaucht. In
Videobotschaft droht die Hamas Israel nochmals blutige Rache an.
Israel: Keine Pläne zur gezielten Tötung Arafats. Drei
Palästinenser im Gazastreifen erschossen. 70 prominente
Palästinenser fordern Ende des Blutvergießens. Amnesty
International verurteilt Einsatz palästinensischer
Minderjähriger als Selbstmordattentäter
Fr.26.03.04 - Die USA haben im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen die
Verurteilung Israels wegen der Tötung von Hamas-Gründer
Scheich Ahmed Jassin gestimmt und mit ihrem Veto eine entsprechende
Resolution verhindert. Dem von Algerien eingebrachten Antrag stimmten
elf der 15 Sicherheitsratsmitglieder zu, drei enthielten sich.
Die USA hatten im Sicherheitsrat gefordert, die Resolution müsse
auch die Gewalttaten der Hamas und anderer militanter Gruppen
verurteilen und sie beim Namen nennen. Algerien lehnte dies ab. Der
Sicherheitsrat trage nichts zu einer friedlichen Lösung bei, wenn
er die Handlungen der einen Seite verurteile und die der anderen Seite
ignoriere, erklärte der amerikanische UN-Botschafter John
Negroponte. Es war das 79. Veto der USA im Sinne Israels.
Im Sicherheitsrat stimmten China, Russland, Frankreich, die
Philippinen, Angola, Chile, Pakistan, Spanien, Algerien, Benin und
Brasilien für den Antrag. Grossbritannien, Deutschland und
Rumänien enthielten sich. Die UN-Menschenrechtskommission hatte
den Angriff auf Jassin am Mittwoch mit 31 gegen zwei Stimmen verurteilt.
Jassin war am Montag bei einem israelischen Raketenangriff getötet
worden. Israel warnte, auch alle anderen Führer der Hamas
könnten zum Ziel von Angriffen werden. Die Hamas ist für
Dutzende Anschläge während des dreieinhalbjährigen
Aufstands der Palästinenser verantwortlich. Israel will mit der
gezielten Tötung der Hamas-Führer nach eigenen Angaben die
Gewalt beenden. Kritiker sehen darin aber einen Verstoss gegen
internationales Recht. Zudem schüre es nur die Verbitterung der
Palästinenser.
Israelische erschossen am Donnerstagabend bei einem Gefecht im
Gazastreifen drei Palästinenser. Die drei, bei denen es sich um
Hamas-Mitglieder gehandelt haben soll, hatten zuvor eine israelische
Siedlung beschossen. Israelische Panzer und Planierraupen drangen
danach auf palästinensisches Gebiet vor.
Die israelische Regierung hat nach eigenen Angaben keine Pläne zur
gezielten Tötung von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat. "Arafat ist kein Ziel", sagte der israelische Minister für
öffentliche Sicherheit, Zahi Hanegbi, am Donnerstag bei (Ortszeit)
einem Besuch in Mexiko-Stadt vor Journalisten. Israel sei dennoch
"frustriert" darüber, dass Arafat noch immer im Amt sei. Er hoffe,
dass die Mitglieder der Autonomiebehörde Arafat von einem
Rücktritt überzeugen könnten, damit die
palästinensischen Sicherheitsmechanismen verbessert werden
könnten, fügte Hanegbi hinzu.
Die Hamas-Führung im Gazastreifen tauchte unterdessen nach drei
Tagen der Trauer für Jassin unter. Nach Angaben
palästinensischer Journalisten waren am Donnerstag weder Jassins
Nachfolger Abdel Asis Rantisi noch andere Führungsmitglieder mehr
telefonisch erreichbar.
Nach der Liquidierung Jassins am Montag hatten die Hamas-Führer an
den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen, weil sie überzeugt waren,
dass Israel nicht versuchen werde, sie inmitten einer großen
Menschenmenge zu liquidieren. Israel hatte nach einem
Selbstmordanschlag in Aschdod, bei dem zwei Palästinenser zehn
Israelis mit in den Tod gerissen hatten, die Tötung der gesamten
Hamas-Führung im Gazastreifen beschlossen. Vor einem Abzug Israels
aus dem Gazastreifen solle die Hamas-Führung dort
«ausradiert» werden, hieß es.
In einer Videobotschaft drohte die Hamas Israel nochmals blutige Rache
für die Tötung Jassins an. Es werde eine
«welterschütternde Reaktion» geben, hiess es auf dem
dem Band, das beim arabischen Sender El Arabija einging. Der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon werde es bereuen, an
die Tötung weiterer Hamas-Führer auch nur zu denken, sagte
ein maskierter Mann auf dem Video. Bereits am Mittwoch hatte die Hamas
erklärt, Jassin mit einem Anschlag auf Scharon rächen zu
wollen.
Rund 70 bekannte Palästinenser haben die Extremistengruppen am
Donnerstag aufgerufen, keine Rache für die Tötung des
Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin zu nehmen.
In einer halbseitigen Anzeige in der palästinensischen Zeitung
«Al Ajam» forderten Politiker und Intellektuelle eine
Abkehr vom bewaffneten Kampf, weil dieser den Bestrebungen des
palästinensischen Volkes nach Unabhängigkeit nur schade.
Die Unterzeichner des Aufrufs, darunter die international bekannte
Abgeordnete Hanan Aschrawi, sprachen sich für eine «kluge
Intifada» aus, mit der die Palästinenser mit friedlichen,
politischen Mitteln für ihre Ziele kämpfen sollten. Der
palästinensische Politiker Siad Abu Sajad sagte dem israelischen
Rundfunk, beide Seiten in dem Konflikt müssten «Vernunft
annehmen und wieder Friedensverhandlungen aufnehmen».
Israelische Medien berichteten am Donnerstag, Scharon wolle neben dem
Gazastreifen auch sechs Siedlungen im nördlichen Westjordanland
räumen. Scharons Kanzleichef Dov Weissglass habe dies am Vorabend
in Washington bei einem Treffen mit der Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice vorgeschlagen.
Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International
verurteilte unterdessen den Einsatz palästinensischer
Minderjähriger als Selbstmordattentäter. Ein 14-jähriger
Junge aus Nablus war am Vortag mit einem Sprengstoffgürtel an
einer Straßensperre im Westjordanland angehalten worden. Nachdem
er sich ergeben hatte, konnte der Sprengsatz mithilfe eines
ferngesteuerten Roboters kontrolliert gezündet werden.
(Quellen: dpa, ap)
Britischer Premier in Libyen - Blair: Gaddafi will mit uns den
Terrorismus bekämpfen
Fr.26.03.04 - Libyen will im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mit dem
Westen zusammenarbeiten. Dies erklärte der britische Premier Tony
Blair nach einem als historisch bezeichneten Treffen mit dem libyschen
Revolutionsführer Muammar el Gaddafi in Tripolis.
Während der einstündigen Begegnung in einem Zelt am Stadtrand
habe Gaddafi klargestellt, dass sein Verzicht auf die Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen «unwiderruflich» sei. Gaddafi
wolle eine Ära neuer Beziehungen zum Westen aufbauen, sagte Blair.
Gaddafi (61), dem in der Vergangenheit wiederholt Unterstützung
terroristischer Organisationen vorgeworfen worden war, sei jetzt davon
überzeugt, dass eine gute Zukunft für sein Land nur durch
Zusammenarbeit mit dem Westen garantiert werden könne, sagte
Blair. Er habe die Notwendigkeit des «gemeinsamen Kampfes gegen
El Kaida und gegen den Extremismus und Terrorismus anerkannt, der nicht
nur die westliche, sondern auch die arabische Welt bedroht»,
sagte Blair. Zwar werde es noch eine Zeit dauern, bis das notwendige
Vertrauen aufgebaut worden sei, «aber wir haben heute einen guten
Anfang gemacht».
Der Besuch Blairs fand in enger Abstimmung mit Washington statt. Der
Nahost-Gesandte des US-Außenministeriums, Wiliam Burns, war
Anfang der Woche als erster ranghoher Regierungsvertreter nach Libyen
gereist. Auf bilateraler Ebene kündigte Blair eine verstärkte
militärische Zusammenarbeit mit Libyen an. Außerdem wollten
der britische Außenminister Jack Straw und sein libyscher
Amtskollege Abdurrahman Shalgham einen «neuen Dialog»
über außen-und sicherheitspolitische Fragen aufnehmen.
Bei dem Treffens besiegelten Blair und Gaddafi das Ende der fast zwei
Jahrzehnte währenden diplomatischen Isolation Libyens mit einem
«symbolischen Handschlag». Zu seinem nicht unumstrittenen
Besuch in Tripolis sagte Blair, die Welt habe sich seit den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 verändert. Wenn
Libyen zur Aufgabe von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen bereit
sei, müsse darauf eine «angemessene Antwort» gegeben
werden. Blair sprach von einem «Signal für die gesamte
arabische Welt.»
Die Begegnung zwischen Blair und Gaddafi brachte schon am Donnerstag
direkte politische und wirtschaftliche Resultate: Der Ölkonzern
Shell gab die Unterzeichnung einer langfristigen Vereinbarung über
die Öl-und Gasförderung in Libyen bekannt. Der
«potenzielle Wert» der Vereinbarung mit der staatlichen
libyschen Ölgesellschaft wurde in London auf 550 Millionen Pfund
(820 Mio Euro) beziffert. In die Gasförderung an der Küste
Libyens sollten zunächst 110 Millionen Pfund investiert werden.
Auch der Rüstungskonzern BEA Systems werde in Kürze mit
Libyen einen Vertrag über die Lieferung von Kampfflugzeugen
schließen, hieß es.
Blair sagte Libyen die Ausbildung von Militärkräften an der
britischen Elite-Universität Sandhurst zu. Auch solle die
Zusammenarbeit im Bildungsbereich verstärkt werden. Blair ist seit
der Unabhängigkeit Libyens 1951 der erste britische
Premierminister, der Libyen besucht.
(Quelle: dpa)
Übergangsregierung für die Elfenbeinküste geplatzt -
Tote bei neuen Unruhen
Fr.26.03.04 - Nach blutigen Zusammenstößen in der Elfenbeinküste
haben Rebellen und Opposition ihren Rückzug aus der Regierung der
Nationalen Einheit erklärt
Bei den Auseinandersetzungen zwischen Gegnern von Präsident
Laurent Gbagbo und der Armee in Elfenbeinküste sind nach
Armeeangaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Nach
Oppositionsangaben kamen mindestens 30 Menschen ums Leben.
Regierungssoldaten und Oppositionsanhänger, die trotz eines
Demonstrationsverbots an einem Marsch in die Wirtschaftsmetropole
Abidjan teilnahmen, lieferten sich Straßenschlachten, wie ein
Verantwortlicher der Oppositionspartei Republikanische
Sammlungsbewegung (RDR) sagte.
Wegen der blutigen Auseinandersetzungen traten die RDR und eine
Formation der früheren Rebellen aus der Regierung unter
Präsident Laurent Gbagbo aus. Die Mitglieder der Neuen
Streitkräfte (FN) würden sich nicht länger an der
Regierungsarbeit beteiligen, sagte ein Sprecher des FN-Vorsitzenden
Guilaume Soro, der zugleich als Kommunikationsminister in der
ivorischen Regierung fungiert. Dies sei bei einem Treffen von
Vertretern der Ex-Rebellenbewegung in Bouaké beschlossen worden.
Zuvor hatte bereits die Demokratische Partei von Ex-Präsident
Henri Konan Bedié angekündigt, nicht mehr mit Gbagbos
Regierung zusammenzuarbeiten.
In Elfenbeinküste kommt es seit Beginn des Rebellenaufstands im
September 2002 immer wieder zu Unruhen. Ein Waffenstillstandabkommen im
Juli vergangenen Jahres beendete zwar die schwersten Kämpfe, die
Situation bleibt jedoch angespannt.
Präsident Gbagbo hatte jegliche Demonstration bis zum 30. April
verboten; bis zum 15. April ist die Armee beauftragt, dieses Verbot
auch durchzusetzen. Zwei Parteien, die Demokratische Partei von
Ex-Präsident Henri Konan Bedié und die Republikanische
Sammlungsbewegung von Gbagbos Gegenspieler Alassane Outtara, hatten am
Mittwochabend dennoch zu einem "friedlichen Marsch" in Abidjan
aufgerufen. Sie werfen Gbagbo vor, die Umsetzung des Friedensabkommens
vom Januar vergangenen Jahres zu blockieren.
Die Armee verstärkte daraufhin am Morgen ihre Präsenz in
Abidjan, vor allem rund um die Verwaltungsgebäude.
Kampfhubschrauber überflogen die Stadt. Die Auslandssender RFI
Afrique und BBC Africa waren nicht mehr zu empfangen. Die
französische FLuggesellschaft Air France strich den täglichen
Flug nach Abidjan.
Die frühere Kolonialmacht Frankreich, die mehrere tausend Soldaten
in Elfenbeinküste stationiert hat, rief alle Parteien zur
Zurückhaltung auf. Das Friedensabkommen vom Januar 2003 war auf
Druck Frankreichs zustandegekommen.
(Quelle: afp)
Südafrika gewährt entmachtetem haitianischen Präsidenten
Asyl - Karibikgipfel fordert Untersuchung der Putschvorwürfe
Aristides
Fr.26.03.04 - Der entmachtete haitianische Präsident Jean Bertrand Aristide
erhält Asyl in Südafrika. Aristide könne sich nach der
südafrikanischen Parlamentswahl am 14. April dauerhaft dort
niederlassen, hieß es am Donnerstag in Diplomatenkreisen am Rande
einer Konferenz der Gemeinschaft der Karibischen Staaten (Caricom) in
dem Karibik-Staat St. Kitts und Nevis. Auf Bitten der Caricom hatte
sich am Montag Nigeria bereit erklärt, den entmachteten Staatschef
vorübergehend aufzunehmen.
Die Staaten der Karibischen Gemeinschaft haben die Vereinten Nationen
am Donnerstag aufgefordert, die Vorwürfe des gestürzten
haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide gegen die USA zu
untersuchen. Aristide wirft den USA vor, den Putsch gegen ihn initiiert
und ihn zur Flucht gezwungen zu haben. Die Karibikstaaten beraten
weiter, unter welchen Umständen und ob sie überhaupt die neue
haitische Regierung anerkennen sollen.
Aristide lebt seit dem 15. März in Jamaika im Exil. Die USA und
die von ihnen unterstützte haitianische Regierung haben dagegen
protestiert. Die Karibikstaaten seien immer noch empört und
unzufrieden über die Art und Weise wie Aristide abgesetzt worden
sei, sagte der Ministerpräsident von St. Kitts und Nevis, Denzil
Douglas, der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten dies auch dem
UN-Gesandten Reginald Dumas deutlich gemacht. «Wir bringen diesen
Fall vor die UN-Vollversammlung», sagte Douglas. Im
Sicherheitsrat könnten die USA und Frankreich jeden Vorschlag mit
ihrem Veto blockieren. In der Vollversammlung können die 15
Staaten der Karibischen Gemeinschaft wohl auf die Unterstützung
der Afrikanischen Union zählen.
Verärgert sind die Karibikstaaten auch über den neuen
haitianischen Ministerpräsidenten Gerard Latortue, weil dieser die
am Sturz Aristides beteiligten Rebellen als
«Freiheitskämpfer» bezeichnet hatte. Unter ihnen sind
auch verurteilte Mörder, die Anhänger Aristides getötet
haben. Latortue wurde auch nicht zu dem zweitägigen Gipfel
eingeladen.
Die Lage im Norden Haitis verschlechtert sich unterdessen nach Angaben
von Hilfsorganisationen täglich. Viele Orte dort hätten wegen
der unsicheren Lage schon seit Wochen nicht mehr mit Lebensmitteln
versorgt werden können. Babys sind nach Angaben von Ärzten
die ersten Opfer. Zehn sollen in diesem Monat bereits wegen
Unernährung und Flüssigkeitsmangel gestorben sein.
(Quellen: ap, afp)
Menschrechtler beklagen Umtriebe bewaffneter Banden in Haiti.
Demokratie ausgehebelt
Über drei Wochen nach dem Sturz von Präsident Jean Bertrand
Aristide herrschen in Haiti weiterhin Chaos und Unsicherheit. Statt
einer Beruhigung der Lage habe das Gefühl von Unsicherheit im
ganzen Land sogar noch zugenommen, berichtete Joanne Mariner, die das
Karibikland im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch Anfang dieser Woche besucht hatte. Das Hauptproblem sieht die
Organisation in den bewaffneten Banden, die insbesondere im Norden des
Landes allgegenwärtig sind: »Diese Rebellen sind dort, und
sie sind nach wie vor bewaffnet«, kritisierte Mariner, die die
illegale Verhaftung von 16 Journalisten und mehreren
Aristide-Anhängern publik machte. »Zwar ist die
internationale Friedenstruppe seit drei Monaten im Land, aber sie hat
bislang nicht für Ordnung gesorgt. Außerdem gibt es keine
sichtbaren Polizeikräfte«, resümierte die
Menschenrechtlerin.
Offenbar haben die 2 600 Soldaten der UN-Truppe auch gar nicht vor, die
Banden zu entwaffnen. Aus dem Hauptquartier der von den USA
geführten multinationalen Truppe verlautete, daß die
Entwaffnung nicht zu ihrem Auftrag gehört: »In Haiti gibt es
sehr viele Waffen, und es ist nicht unsere Mission, die Rebellen zu
entwaffnen«, sagte General Ronald Colemann vor Journalisten.
Auch die neue Regierung Haitis, die nach dem umstrittenen Abgang von
Aristide mittels verfassungsmäßig höchst
fragwürdiger Methoden ins Amt gelangte, ließ den blumigen
Ankündigungen einer breiten nationalen Versöhnung keine Taten
folgen. Premier Gerard Latortue, nach 15 Jahren Abwesenheit gerade aus
Miami nach Haiti zurückgekehrt, zeigte bei einem Auftritt in der
Rebellenhochburg Gonaives seine Sympathie für die brutalen Banden:
»Viele hielten die bewaffneten Rebellen für Banditen. Aber
das Gegenteil ist der Fall, sie sind Freiheitskämpfer«, rief
Latortue am Wochenende in die Menschenmenge. Zudem dankte er den
Rebellen dafür, daß sie »den Diktator Aristide«
gestürzt hätten....
Aus "junge Welt" vom 26.03.04
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2004/03-26/005.php
Blick ins Archiv:
UNICEF: Kinder auf Haiti von Hunger und Krankheiten bedroht
Sa.13.03.04 - Rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Haiti brauchen nach
Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF
dringend humanitäre Hilfe. «Viele sind seit langer Zeit
unzureichend ernährt und besonders von Infektionskrankheiten
bedroht», berichtete UNICEF am Freitag in Köln... Mehr unter
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403130.htm#04031308
Jean-Bertrand Aristide will gegen die USA und Frankreich klagen. Der
geschasste Präsident Haitis bekommt dabei Unterstützung aus
Afrika und der Karibik...
Mehr bei telepolis (12.03.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16945/1.html
Haiti steht wiederum in Flammen..
Jedoch begreift fast niemand, dass das heutige Chaos von Washington produziert
wurde – willentlich, zynisch und zielstrebig... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.orgne.de/home/boa-archiv3/k0403050.htm#040305_a
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1031
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Kuba weist Berichte über Misshandlung von Häftlingen
zurück
Fr.26.03.04 - Kuba hat Berichte über Misshandlungen politischer Gefangener
zurückgewiesen. Als Reaktion auf entsprechende Vorwürfe von
Menschenrechtsgruppen zeigte das kubanische Außenministerium am
Donnerstag in einer Pressekonferenz Videoaufnahmen, auf denen
Familienangehörige von 75 Regimekritikern deren gute Behandlung
bestätigen. Die Häftlinge würden respektvoll behandelt,
betonte der kubanische Außenminister Felipe Perez Roque.
Menschenrechtsorganisationen und Angehörige einiger Häftlinge
hatten zuvor kritisiert, den Gefangenen werde medizinische Versorgung
verweigert. In ihren Zellen herrschten unhygienische Bedingungen, und
sie erhielten zu wenig und qualitativ schlechtes Essen. Einige sollen
zudem geschlagen worden sein. Die 74 Männer und eine Frau wurden
im März vergangenen Jahres inhaftiert und zu Gefängnisstrafen
zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt. Eine der Interviewten
erklärte, sie sei von dem Kamerateam nicht darüber informiert
worden, wofür ihre Aussage verwendet werden sollte.
(Quelle: ap)
Kolumbien: Milizen benutzen Zivilisten als Schutzschild gegen
Luftangriff
Fr.26.03.04 - Eine Gruppe rechter Milizionäre hat im Norden Kolumbiens
Zivilisten als Schutzschild vor einem Angriff der kolumbianischen
Luftwaffe benutzt. Das Kampfflugzeug habe deshalb seinen Angriff
abgebrochen, erklärte der kolumbianische Heereschef General Martin
Orlando Carreno am Donnerstag. Bei einem anschließenden Gefecht
wurden aber 14 Milizionäre und ein Soldat getötet.
Der Angriff galt einem Lager mit rund 150 Mann der Miliz Central
Bolivar Bloc (BCB), der zweitgrößten rechten Gruppe in
Kolumbien, in der Nähe der Stadt El Arenal rund 360 Kilometer
nördlich von Bogota. Diese kämpft in der Region gegen die
linke Rebellengruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN). Die
BCB-Kämpfer hätten in dem ölreichen Gebiet Zivilisten
getötet, Vieh gestohlen und Menschen vertrieben.
(Quelle: ap)
Serbien-Montenegro kritisiert deutsche Kosovo-Politik - Europarat:
Drahtzieher der Gewalt im Kosovo müssen vor Gericht
Fr.26.03.04 - Die Regierung von Serbien-Montenegro hat der Bundesrepublik
vorgeworfen, für die serbische Provinz Kosovo Unabhängigkeit
anzustreben. Außenminister Goran Svilanovic sagte dem Radiosender
B-92 am Donnerstag: «Deutschland betreibt eine Politik, die eine
Unabhängigkeit des Kosovo begünstigt.» In diesem
Bestreben stehe die Bundesrepublik unter den westlichen Staaten
allerdings «nicht alleine» da.
Die Diskussion um die Zukunft der serbischen Provinz Kosovo, die seit
1999 von UN und NATO verwaltet wird, hat durch die blutigen Unruhen der
vergangenen Woche an Brisanz gewonnen. Internationale Beobachter
machten albanische Extremisten für die Ausschreitungen
verantwortlich, die 28 Menschen das Leben kosteten. Die albanische
Bevölkerungsmehrheit im Kosovo strebt die Unabhängigkeit von
Serbien an, nach dem Willen der Serben soll die Provinz dagegen Teil
von Serbien-Montenegro bleiben.
Unterdessen hat sich der Europarat dafür ausgesprochen, die
Drahtzieher der jüngsten Gewalttaten im Kosovo vor Gericht zu
stellen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung
des Staatenbundes wird die "ethnisch motivierte Gewalt" scharf
verurteilt, der in den vergangenen Tagen insbesondere Kosovo-Serben zum
Opfer gefallen seien. Die Führung der Kosovo-Albaner müsse
ihre "Verantwortung übernehmen" und "zusammen mit Vertretern der
internationalen Gemeinschaft für die vollständige Einhaltung
der Menschenrechte sorgen". Der Europarat erwarte von beiden Seiten den
Verzicht auf "provozierende Aktionen".
(Quelle: ap, afp)
UN-Beauftragter fordert 'umfassende Einigung über Zypern
Fr.26.03.04 - Der Zypern-Beauftragte der Vereinten Nationen hat bei den Verhandlungen
über eine Wiedervereinigung der Insel eine "umfassende Einigung"
gefordert. Bis Ende des Monats dürften Griechenland, die
Türkei und die beiden zyprischen Volksgruppen "nicht nur einen
Minimal-Text" ausarbeiten, sagte der UN-Beauftragte Alvaro de Soto am
Donnerstag im schweizerischen Bürgenstock. "Damit ist es nicht
getan. Wir brauchen eine umfassende Einigung, die alles löst."
Gleichzeitig deutete er an, dass er bis zum Eintreffen des
türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem
griechischen Regierungschef Kostas Karamanlis Ende der Woche keinen
Durchbruch erwarte: Die beiden Ministerpräsidenten hätten
noch "eine Menge zu tun", sagte de Soto.
"Wir sind einer Lösung heute näher als je zuvor in 30
Jahren", betonte der Zypern-Beauftragte am zweiten Tag der
Gespräche vor Journalisten. Verhandlungsteilnehmer sprachen von
einem kaum greifbaren Fortschritt bei den Gesprächen. Falls die
Verhandlungen in der Hotelanlage bei Luzern am Vierwaldstätter See
scheitern, schaltet sich UN-Generalsekretär Kofi Annan ein. Am 20.
April sollen dann beide Volksgruppen in getrennten Referenden über
seinen Vorschlag für eine Konföderation nach Schweizer
Vorbild abstimmen. Bei einer Zustimmung der Bevölkerung kann am 1.
Mai ganz Zypern der EU beitreten.
(Quelle: )
EU will sich bis Mitte Juni auf Verfassung einigen
Fr.26.03.04 - Die Europäische Union (EU) will die Verhandlungen über die
geplante EU-Verfassung wieder aufnehmen und spätestens Mitte Juni
mit einer Einigung abschließen.
Irlands Ministerpräsident Bertie Ahern, der zur Zeit die
EU-Ratspräsidentschaft inne hat, sagte am Donnerstagabend in
Brüssel: "Ich habe die Kollegen gebeten, sich auf einen Zeitrahmen
zum Abschluss (der Verfassung) zu verpflichten. Sie haben sich auf
einen Zeitrahmen bis Mitte Juni geeinigt." Ahern und andere
EU-Politiker machten deutlich, dass sie eine Einigung möglichst
vor der Europawahl am 13. Juni suchen. Nach Aherns Einschätzung
sollte die Einigung auf Basis des von Deutschland geforderten
Abstimmungsverfahrens geschehen. Polen und Spanien, die dies lange
blockierten, hatten zuletzt Kompromissbereitschaft gezeigt. Nach
Angaben von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi wurden diese
inhaltlichen Fragen aber nicht beraten.
Mit der Entscheidung zur Wiederaufnahme der Gespräche über
die Verfassung reagierte die EU auf die Bewegung, die in den
vergangenen Wochen in die festgefahrene Debatte gekommen war.
Einzelheiten dazu nannte Ahern nicht. Irland, das noch bis Ende Juni
die Präsidentschaft inne hat, sucht seit dem Scheitern der
Gespräche im vergangenen Dezember nach Kompromissen. Polen und
Spanien hatten die im Verfassungsentwurf vorgesehene Neuregelung
für die Abstimmungen abgelehnt, weil sie damit Einfluss verlieren
würden. Sie sieht vor, dass zu einer Entscheidung die Hälfte
der EU-Staaten nötig ist, die mindestens 60 Prozent der
EU-Bevölkerung repräsentieren. Diese so genannte doppelte
Mehrheit hatten Deutschland und andere EU-Staaten gefordert.
In den vergangenen Tagen war deutlich geworden, dass Polen das Prinzip
der doppelten Mehrheit nicht mehr ablehnt. Anfang der Woche hatten
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Polens Ministerpräsident
Leszek Miller einen Kompromiss auf Basis dieses Prinzips in Aussicht
gestellt. Irland hatte sondiert, ob ein Kompromiss in veränderten
Quoren für die beiden Mehrheiten liegen könnte. So war von
einer Angleichung beider Quoren auf 55 Prozent die Rede, aber auch von
Quoren von 50 und 62 Prozent.
Ahern ging nicht im einzelnen auf die Kompromiss-Signale ein, sagte
aber: "Alle haben heute abend klar gemacht, dass sie sich in Richtung
dieser Kompromisse bewegen würden." Mit Blick auf die noch
bestehenden Unterschiede unter den EU-Mitgliedern sagte er: "Es liegt
immer noch viel Arbeit vor uns." Alle Regierungschefs hätten aber
den Willen zur Einigung gezeigt. "Jeder versteht, dass es Kompromisse
geben muss." Der Präsident des Europaparlaments, Pat Cox, sprach
von einem Durchbruch auf dem Weg zu einer Verfassung.
Zum weiteren Verfahren auf dem Weg zu einer Einigung äußerte
sich Ahern zurückhaltend. "Sobald es sinnvoll ist, werden wir die
formale Wiederaufnahme der Gespräche arrangieren." Ob es für
diese Beratungen einen Sondergipfel der Regierungschefs, der
Außenminister oder einzelne Gespräche geben werde, sei
seiner Einschätzung überlassen worden. Neben dem
Abstimmungsverfahren seien andere Fragen wie die Größe der
künftigen EU-Kommission zu klären. Er sei der Auffassung,
dass das Abstimmungsverfahren auf Basis der doppelten Mehrheit geregelt
werden solle.
Ahern, Prodi und Cox sprachen sich wie zuvor andere EU-Politiker
dafür aus, die Einigung möglichst früher zu erreichen
als Mitte Juni. "Je früher, desto besser", sagte Ahern. In dieser
Frage hatten sich zuvor am Rande des Gipfels unterschiedliche
Positionen gezeigt. Während Belgien und Dänemark für
eine Einigung vor der Europawahl eintraten, schloss Italiens
Ministerpräsident Silvio Berlusconi dies aus. Mit der geplanten
Verfassung, die eine Reform auch der EU-Institutionen vorsieht, will
die EU auch nach ihrer Erweiterung von 15 auf 25 Mitglieder
handlungsfähig bleiben. Der Verfassung müssen die jetzigen
und künftigen EU-Mitglieder zustimmen.
(Quelle: rtr)
EU-Gipfel beschließt Aktionsplan gegen Terrorismus
Fr.26.03.04 - Zwei Wochen nach den Anschlägen von Madrid haben die EU-Staats-
und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel einen
Aktionsplan gegen den Terrorismus beschlossen. Darin ist der Posten
eines Sonderkoordinators enthalten. Den Posten soll der frühere
Europaabgeordnete und niederländische Staatsminister für
Inneres, Gijs de Vries, erhalten. Der Gipfel bekannte sich auch zur
Beistandsklausel aus dem EU-Verfassungsentwurf, die im Falle eines
Terrorangriffs die gegenseitige Unterstützung auch mit
militärischen Mitteln vorsieht. Beim zweiten großen
Gipfelthema, der Verfassung, zeigte sich Polen kompromissbereit.
Die Staats- und Regierungschefs beschlossen, den 11. März
künftig als Gedenktag für die Terroropfer in Europa zu
begehen. Der Terrorismusbeauftragte soll künftig die
unterschiedlichen Maßnahmen der demnächst 25 EU-Staaten
aufeinander abstimmen. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana
wurde beauftragt, bis Juni einen Vorschlag für eine
Geheimdienst-Schaltstelle vorzulegen, wo Informationen
zusammenfließen sollen. Die EU müsse sicher sein, dass
alles, was zum Schutz vor dem Terrorismus getan werden könne, auch
getan werde, sagte der irische Premierminister und amtierende
Ratspräsident Bertie Ahern.
Bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA
hatte die EU ein Sieben-Punkte-Programm gegen den Terrorismus
beschlossen. Viele der geplanten Maßnahmen wie der EU-weite
Haftbefehl wurden jedoch noch nicht umgesetzt. Nun soll dafür eine
Frist bis Ende Juni gesetzt werden. Zu den fünf Ländern, die
den Haftbefehl noch nicht in nationales Recht umgesetzt haben,
gehört auch Deutschland. Die britische
Bürgerrechtsorganisation Statewatch kritisierte den Aktionsplan,
der zu einer "Generalüberwachung" der Bevölkerung führe.
(Quelle: ap)
Italienischer Senat billigt Verfassungsänderung - Stellung
Berlusconis wird deutlich gestärkt
Fr.26.03.04 - Unter heftigem Protest der Opposition hat der italienische Senat am
Donnerstag eine Verfassungsänderung gebilligt, die die Stellung
von Ministerpräsident Silvio Berlusconi deutlich stärkt.
Berlusconi soll demnach das Parlament auflösen können, ein
Recht, das bislang dem Staatspräsidenten zusteht. Zudem soll der
Regierungschef künftig gewählt statt von Präsidenten
ernannt und anschließend in einer Vertrauensabstimmung
bestätigt werden.
Der Gesetzentwurf sieht außerdem eine Stärkung
föderalistischer Strukturen vor. Die Entscheidungskompetenz
für Gesundheits- und Schulangelegenheiten sowie für
Regelungen der örtlichen Polizei soll von der Regierung in Rom auf
die einzelnen Regionen verlagert werden. Berlusconis Koalitionspartner,
die rechtsgerichtete Lega Nord, hatte in den vergangenen Monaten
mehrfach mit einem Ausstieg aus der Regierung gedroht, sollten diese
Reformen nicht angenommen werden.
Geplant ist in der Verfassungsänderung auch eine Verkleinerung von
Parlament und Senat. Der Gesetzentwurf wurde mit 156 zu 110 Stimmen
angenommen, ein Abgeordneter enthielt sich. Die Vorlage wird nun dem
Parlament vorgelegt.
(Quelle: ap)
Italiens Abgeordnetenhaus billigt umstrittenes Mediengesetz
Berlusconis Medien-Imperium kann nun ungehindert weiter expandieren
Fr.26.03.04 - Italiens Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch das umstrittene Mediengesetz
der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi im dritten
Anlauf gebilligt. Abschließend muss nun der Senat über das
Vorhaben entscheiden. Dies könnte bereits im kommenden Monat der
Fall sein.
Das Gesetz war bereits Gegenstand heftiger politischer
Auseinandersetzungen. Kritiker werfen Berlusconi vor, er wolle damit
seine Medienimperium ausweiten. Die Regierung dagegen spricht von
notwendigen Änderungen, um die heimische Medienindustrie für
den Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten zu stärken.
Ein erster Entwurf war bereits im vergangenen Jahr vom Parlament
gebilligt worden. Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi hatte
aber sein Veto eingelegt und von den Abgeordneten Nachbesserungen
verlangt, weil das Gesetz in der vorgelegten Form Vormachtstellungen in
der Medienbranche unterstütze. Nach einem zweiten Anlauf wurde
eine Abstimmung verschoben, um angesichts koalitionsinterner
Streitigkeiten einer Niederlage im Parlament zu entgehen. "Nach einem
Boxenstopp haben wir den Grand Prix im Abgeordnetenhaus gewonnen",
sagte nun Kommunikationsminister Maurizio Gasparri, dessen Namen das
Gesetz trägt. Die Regierungskoalition setzte sich mit 311 zu 246
Stimmen durch. Das Gasparri-Gesetz "verschlimmert das größte
Krebsgeschwür: die übermäßige Machtkonzentration
in den Händen einer Person", kritisierte Piero Fassino, Chef der
führenden Oppositionspartei Demokratische Linke.
Das Gesetz sieht vor, dass Kartellregeln für den Besitz von
Medienunternehmen auf den gesamten Sektor ausgeweitet werden. Bislang
gelten sie nur für Teilbereiche wie Verlagswesen und
Fernsehsender. Die Änderung führt dazu, dass die
Expansionsmöglichkeiten von Medienunternehmen erweitert werden.
Damit könnten die von der Berlusconi-Familienholding Fininvest
kontrollierten Firmen - Italiens führende Sendergruppe Mediaset,
der Mondadori-Verlag und die Film-Produktions- und
Vertriebsgesellschaft Medusa - sich um neue Geschäftsbereiche
verstärken. Kraft seines Amtes als Ministerpräsident und
seiner Unternehmertätigkeit hat Berlusconi Einfluss auf 95 Prozent
der italienischen Fernsehlandschaft.
(Quelle: rtr)
Italiener protestieren mit Generalstreik gegen Rentenreform
Fr.26.03.04 - Aus Protest gegen die geplante Rentenreform der Regierung und die
stagnierende Wirtschaft wollen am heutigen Freitag Millionen von
Italienern zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in einen
Generalstreik treten.
Angestellte und Arbeiter haben einen vierstündigen Ausstand
angekündigt, der alle Wirtschaftsbereiche lahm legen soll. Eine
Ausnahme bildet der Luftverkehr, dessen Mitarbeiter am 5. April
streiken wollen. Schulen, Postämter und Banken werden den ganzen
Tag geschlossen bleiben, weil Lehrer, Schaltermitarbeiter und
Bankangestellte an mehr als 50 Demonstrationen gegen die Politik der
rechtskonservativen Regierung unter Ministerpräsident Silvio
Berlusconi teilnehmen. Neben den Einsparungen im Rentensystem
kritisieren die Gewerkschaften, dass Lohnerhöhungen von der
Inflation aufgezehrt werden und die Wirtschaft nicht in Schwung kommt.
"Wir müssen die De-Industralisierung des Landes stoppen", forderte
der Chef der Gewerkschaft Cisl, Savino Pezzotta.
Die Rentenreform soll zu Einsparungen im Volumen von 0,7 Prozent des
italienischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) führen und gilt damit
als Schlüssel für eine Reduzierung des Schuldenbergs sowie
des hohen Haushaltsdefizits des Landes. In beiden Punkten steht Italien
in der Kritik seiner Partner innerhalb der Europäischen Union (EU).
Im Oktober waren ebenfalls Millionen von Italienern einem Aufruf der
drei größten Gewerkschaften des Landes gefolgt und hatten
gestreikt. Die Regierung milderte daraufhin ihre Rentenreform ab, aus
Sicht der Gewerkschaften aber nicht ausreichend. Vor einem Jahr
richtete sich ein Generalstreik gegen die Arbeitsmarktreformen der seit
2001 regierenden Konservativen. Berlusconis erste Regierung
stürzte 1994 über Proteste gegen Rentenreformen.
(Quelle: rtr)
Schweden will Embryo-Klonen für Forschung erlauben
Fr.26.03.04 - Die schwedische Regierung will das Klonen menschlicher Embryos zu
Forschungszwecken erlauben. Am Montag soll dem Parlament ein
entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt werden, wie die Regierung
mitteilte. Danach sollen aber gleichzeitig eine konkrete medizinische
Anwendung des Forschungsklonens sowie das Klonen von Menschen bis auf
weiteres verboten bleiben.
Beim therapeutischen Klonen wird der Embryo im Gegensatz zum
reproduktioven Klonen nicht in eine Gebärmutter eingesetzt,
sondern zerstört, um seine Stammzellen zu entnehmen. Aus diesen
Stammzellen hoffen Wissenschaftler eines Tages individuell auf
Patienten zugeschnittenes Gewebe züchten zu können, um damit
ohne Abstoßungsreaktionen etwa Herz- oder Nervenleiden zu heilen.
Schweden gilt als führend in der Stammzellforschung.
Wie die Regierung weiter ankündigte, soll in dem Entwurf ferner
eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen werden, um mit der
Forschung an befruchteten menschlichen Einzellen neue und effiziente
Behandlungsmethoden für bislang unheilbare Krankheiten zu
entwickeln. Bedingung für jede Forschung dieser Art aber sei die
Genehmigung einer Ethikkommission. In Schweden ist die Forschung an
künstlich befruchteten Embryonen seit 1991 erlaubt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Therapeutisches Klonen: Kontroverse Diskussion unter
Theologieprofessoren
Di.17.02.04 - ... Der Heidelberger Alttestamentler Manfred
Oeming verteidigte in einem Beitrag für die Berliner "Welt am
Sonntag" das therapeutische Klonen gegen die Kritik der beiden
großen Kirchen. "Die intensive Erforschung der Möglichkeiten
gentechnischer Therapien ist ein religiöses Gebot", schreibt der
Ordinarius für alttestamentliche Theologie...
Der Tübinger Bioethiker Dietmar Mieth warnte dagegen am Sonntag im
ZDF vor falschen Hoffnungen auf neue Heilungschancen durch die Forschung
mit embryonalen menschlichen Stammzellen. "Es wird immer von Heilen
gesprochen, aber es handelt sich in Wirklichkeit um Forschungsklonen,
also um Grundlagenforschung", sagte der katholische Moraltheologe... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402170.htm#04021718
Mehr zum Thema "Klonen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402170.htm#040217xx
Terror-Spur der Anschläge von Madrid führt nach
Fr.26.03.04 - Die Terroranschläge von Madrid sind womöglich auch in
Deutschland geplant worden. Einer der mutmaßlichen Täter der
Sprengstoffanschläge soll Medienberichten zufolge in den
vergangenen Monaten in Darmstadt gewohnt haben. Polizei und
Staatsanwaltschaft durchsuchten am Donnerstagabend die Darmstädter
Wohnung eines Verdächtigen, der am Mittwoch in Spanien
festgenommen worden war. Dabei solle es sich um einen 1975 geborenen
Mann handeln, der vermutlich aus Marokko stammt, berichtet die
«Süddeutsche Zeitung» (Freitagausgabe) unter Berufung
auf Berliner Sicherheitskreise.
Der Verdächtige schrieb sich danach im Wintersemester 2003 an der
Universität Darmstadt im Fach Elektrotechnik ein und bezog in der
hessischen Stadt eine Wohnung. Inzwischen habe Generalbundesanwalt Kay
Nehm die Ermittlungen übernommen.
Wie das Blatt weiter berichtet, wollten die Sicherheitsexperten
Meldungen nicht bestätigen, wonach die Madrider Attentate
möglicherweise von Deutschland aus geplant wurden. Auch Angaben,
in Hessen hätten drei Tatverdächtige gewohnt, seien nicht
bestätigt worden. Dies gelte auch für Berichte, wonach der
Mann aus Darmstadt den deutschen Sicherheitsbehörden bereits seit
langem als Extremist bekannt gewesen sein soll.
Nach Angaben des spanischen Außenministeriums wurden am Mittwoch
drei und am Donnerstag zwei Tatverdächtige in Madrid und Toledo
festgenommen. Dabei handele es sich um Personen marokkanischer und
syrischer Abstammung. Zwei Personen sollen sich zeitweilig in
Deutschland aufgehalten haben. Insgesamt nahm die spanische Polizei im
Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. März 19
Verdächtige fest. Gegen elf wurde Haftbefehl erlassen.
(Quelle: ddp)
Deutschland
Union will Grundgesetzänderung für Bundeswehreinsatz im
Inneren
Fr.26.03.04 - Die Bundeswehr soll nach dem Willen der Union künftig zur Abwehr
terroristischer Gefahren auch im Inneren eingesetzt werden können.
Ein entsprechender Antrag der CDU/CSU-Fraktion auf
Grundgesetzänderung stand am Donnerstag auf der Tagesordnung des
Bundestages. Die Koalition lehnte den Vorstoß erneut ab.
Die innen- und der verteidigungspolitischen Sprecher der
Unions-Bundestagsfraktion, Hartmut Koschyk und Christian Schmidt (beide
CSU) bezeichneten die geforderten Änderungen im Grundgesetz als
nötig, damit Deutschland auf neue Bedrohungen vor allem durch
terroristische Angriffe vorbereitet sei. Anders als von der
Bundesregierung dargestellt, reiche das vorgelegte
Luftsicherheitsgesetz nicht aus, betonten die Unionspolitiker.
Die Bundeswehr müsse daher eine originäre Zuständigkeit
auch für die Abwehr von Gefahren von See her bekommen. So sollen
künftig militärische Schiffe unzulässige
Waffenlieferungen kontrollieren sowie terroristische Bedrohungen von
See her abwehren können. Zudem soll die Bundeswehr im Falle einer
terroristischen Bedrohung zur Unterstützung der Polizei für
den Schutz ziviler Objekte herangezogen werden können.
Schließlich will die Union im Grundgesetz festgeschrieben sehen,
dass die Bundeswehr zur Verhinderung besonders schwerer
Unglücksfälle oder Katastrophen eingesetzt werden darf. Damit
sollen spezifischen Fähigkeiten der Bundeswehr, etwa in der
ABC-Abwehr, zur Abwehr drohender Anschläge herangezogen werden
können.
Die SPD lehnte es ab, die Bundeswehr «de facto zum
Lückenbüßer von Polizei und Bundesgrenzschutz» zu
machen. Würde sich die Unions-Fraktion durchsetzen, der Bundeswehr
weitgehende Polizeibefugnisse zu übertragen, hätte dies
«die Aufhebung der vom Grundgesetz gezogenen Trennlinien zwischen
äußerer und innerer Sicherheit zur Folge», warnten die
stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Gernot Erler und
Hans-Joachim Hacker. Schon jetzt könne die Bundeswehr in
Katastrophefällen Hilfe leisten.
(Quelle: ddp)
CDU-Innenexperte fordert neue Anti-Terror-Behörde
Fr.26.03.04 - Eine neue zentrale Bundesbehörde soll nach dem Willen der Union
künftig für die Terrorismus-Bekämpfung zuständig
sein. Das neue Amt soll die bisher auf 37 verschiedene Bundes- und
Landesbehörden verteilten Zuständigkeiten bündeln, sagte
der Unions-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger (CDU) der
«Bild»-Zeitung (Freitagausgabe). Der Innenexperte forderte:
«Die Terrorismus-Bekämpfung muss unter ein Dach!»
In der Zeitung warnte der CDU-Politiker vor einer neuen Form des
«Mega-Terrorismus». Keine denkbare Bedrohung könne
ausgeklammert werden. Hierzu gehöre insbesondere auch der Angriff
auf ein Atomkraftwerk in Deutschland. Binninger erinnerte daran, dass
Atomkraftwerke das ursprüngliche Ziel der Attentäter des 11.
September gewesen seien.
(Quelle: ddp)
Ethikrat kritisiert sicherheitspolitische Forderungen
Fr.26.03.04 - Der Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Spiros Simitis, warnt vor
einem Abdriften Deutschlands in eine "totalitäre Gesellschaft". In
einem Interview mit der Frankfurter Rundschau für die
Freitagsausgabe sagte Simitis zum Ruf nach einer Verschärfung der
Gesetze und einem verstärkten Datenaustausch zwischen den
Sicherheitsbehörden: "Sie können nicht in einer
demokratischen Gesellschaft den Knopf, so wie es jetzt in Deutschland
und Europa versucht wird, immer nur weiterdrehen. Wenn man das tut,
führt das dazu, ob man will oder nicht, dass man in einer
totalitären Gesellschaft landet."
Die Gesellschaft sei "am Grundbestand unserer verfassungsrechtlichen
Vorgaben angelangt". Zu Forderungen nach einem ungehinderten
Informationsaustausch zwischen Geheimdiensten und Polizei sagte
Simitis, es bedürfe laut Bundesverfassungsgericht einer "scharfen
Trennung zwischen den Sicherheitsbehörden und den Daten, die diese
erheben". Simitis beklagte, auf EU-Ebene würden Maßnahmen
ohne die Diskussion über die notwendigen Begrenzungen des
Datenflusses befürwortet. Die EU sei jedoch verpflichtet, den
Datenschutz zu beachten. Fehlten diese Begrenzungen, so Simitis, drohe
"grenzenlose Manipulation". Der rot-grünen Regierung und dem
Bundestag warf Simitis vor, es immer häufiger zu versäumen,
bei Gesetzesänderungen "den Bezug zur Verfassung herzustellen".
Günther Beckstein hält es in einem Beitrag für die
Frankfurter Rundschau dagegen für "richtig und längst
überfällig", dass "Polizei und Geheimdienste sich europaweit
nicht länger gegeneinander im Kampf gegen den Terrorismus
abschotten". Verfassungsrechtliche Bedenken dagegen ergäben sich
laut Beckstein "weder aus dem Trennungsgebot von Polizei und Diensten,
noch aus dem Gesichtspunkt des Rechts auf informationelle
Selbstbestimmung". Allerdings wandte sich Beckstein dagegen, "ein
deutsches FBI oder ein Moloch-Bundesamt für Verfassungsschutz" zu
bilden.
Quelle: heise-online:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46020
Zentralrat der Muslime kritisiert EKD-Vorsitzenden
Fr.26.03.04 - Die Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zum
Kampf gegen den Terrorismus sind auf deutliche Kritik beim Zentralrat
der Muslime in Deutschland gestoßen. Mit Blick auf die Forderung
Hubers, die Muslime in Deutschland müssten dem Terrorismus eine
klare Absage erteilen, sagte der Zentralratsvorsitzende Nadeem Elyas
der "Westdeutschen Zeitung": "Die Muslime haben das zur Genüge
getan." Terror und Gewalt seien mit dem muslimischen Glauben nicht
vereinbar.
Kritik für seine Forderung nach einem harten Anti-Terror-Kurs bei
der Zuwanderung erntete Huber auch von Seiten der ökumenischen
Netzwerks "Initiative Kirche von unten" (IKVU). Es stünde Huber
eher an, auf Defizite bei den menschenrechtlichen Standards
hinzuweisen, erklärte eine IKVU-Sprecherin am Donnerstag in Berlin.
In einem Gespräch mit der "Berliner Zeitung" hatte der Vorsitzende
der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) für die Ausweisung
terrorverdächtiger Ausländer plädiert. "Es kann nicht
sein, dass jemand, bei dem man absolut plausibel machen kann, dass er
im Lande ist, um Straftaten zu verüben, dafür auch noch ein
Aufenthaltsgenehmigung bekommt", sagte er. Jede andere Handlungsweise
würde den Eindruck erwecken, "wir würden uns gegen den
Terrorismus nicht zur Wehr setzen".
Die Freiheitsrechte sieht der EKD-Ratsvorsitzende durch einen harten
Anti-Terror-Kurs nicht gefährdet. "Bisher habe ich in der
Bundesrepublik nicht das Gefühl, dass Maßlosigkeit an dieser
Stelle geherrscht hätte", sagte er.
Huber sprach sich auch gegen eine raschen EU-Beitritt der Türkei
aus. Zunächst sollten die Folgen der Osterweiterung verkraftet
werden, sagte er. Zudem müsse die Türkei mehr Respekt vor der
christlichen Prägung Europas zeigen. "Wer EU-Mitglied werden will,
sollte nicht abfällig behaupten, Europa sei kein christlicher
Club", sagte er. Die IKVU erklärte dazu, Bischof Huber
befürworte einen "Weg der Abschottung und Isolation". Gerade in
der Türkei könnte islamistischen Ideologien durch eine
Einbindung in die europäische Gemeinschaft der Boden entzogen
werden.
(Quelle: afp)
Regierungserklärung: Schröder will Deutschland zurück an die Weltspitze führen
Fr.26.03.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder will Deutschland mit seiner
Reformpolitik zurück an die Weltspitze führen. Ein Jahr nach
dem Start der Agenda 2010 zog er am Donnerstag im Bundestag eine
positive Bilanz. Forderungen nach einem Reformstopp erteilte
Schröder eine klare Absage.
Um die Bundesrepublik «ökonomisch, ökologisch und
sozial» wieder zu einem weltweit führenden Staat zu machen,
seien weitere Anstrengungen nötig, sagte Schröder in einer
Regierungserklärung. «Wir sind noch längst nicht am
Ende unseres Weges.» Neue Projekte kündigte er nicht an. Der
Kanzler schlug lediglich vor, die Eigenheimzulage abzuschaffen und das
Geld - jährlich knapp fünf Milliarden Euro - in Forschung und
Bildung zu stecken.
Schröder forderte die Opposition auf, seinem Plan im Bundesrat
zuzustimmen. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer betonte, ohne
gleichzeitige Steuersenkungen werde die Union die Bauhilfe nicht
antasten. Bei den Reformverhandlungen im Dezember war die Zulage
halbiert worden. Der Kanzler begrüßte den Vorschlag der
Bundesbank, den Milliarden-Erlös aus dem Verkauf deutscher
Goldreserven in einen Bildungsfonds zu stecken.
Auf drastische Einschnitte ins soziale Netz, die über die
Pläne der Agenda 2010 hinausgehen, will Schröder verzichten.
«Deutschlands Weg zu neuer Stärke führt über die
Verteidigung, nicht über die Abschaffung der sozialen
Gerechtigkeit.» Trotz «Fehlern im Detail» habe das
Reformprogramm dazu geführt, dass Deutschland heute «um
einiges besser» dastehe und das Sozialsystem im Grundsatz
erhalten werde. Die Wirtschaft wachse 2004 erstmals seit drei Jahren
wieder, am Arbeitsmarkt sei Besserung in Sicht.
Die Opposition bescheinigte Schröder Mutlosigkeit und verlangte
seinen Rücktritt. CDU-Chefin Angela Merkel erklärte, der
Kanzler lebe «in einer irrealen Welt», weshalb sie für
Neuwahlen plädiere. «Zweitbeste Lösung» wäre
eine Zusammenarbeit zwischen Opposition und Koalition. Die Union sei zu
einer «nationalen Kraftanstrengung» bereit.
FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle meinte, Schröder habe
«die Agenda 2010 zu Grabe getragen».
Gewerkschaften und Wirtschaft forderten Schröder zu
Kurskorrekturen auf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund beklagte erneut
eine soziale Schieflage. Die Arbeitgeber gehen die Reformen und die
Einschnitte im Sozialsystem nicht weit genug.
In der SPD wird bis heute über die Umsetzung der Agenda 2010
gestritten, was zum Wechsel an der Parteispitze führte. Der neue
SPD-Vorsitzende Franz Müntefering wies Forderungen nach einer
Reformpause zurück. Schröder habe die «volle
Unterstützung» der SPD-Fraktion.
(Quelle: ap)
Enttäuschung über Kanzlerrede - Gewerkschaften warnen
Rot-Grün vor «Weiter so» - Wirtschaft vermisst weitere
Reformschritte
Fr.26.03.04 - Die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) zum Fortgang der Reformen ist bei Arbeitgebern und Gewerkschaften
überwiegend auf Ablehnung gestoßen. Führende
Gewerkschafter warnten die Bundesregierung vor einem «Weiter
so» in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Wirtschaftsvertreter
warfen dem Kanzler hingegen Mutlosigkeit vor. Allgemein
begrüßt wurde aber die Ankündigung des Kanzlers, die
Investitionen in Bildung und Forschung zu verstärken.
DGB-Chef Michael Sommer sagte, die Bewertung des Kanzlers über die
sozialpolitischen Reformen seien «falsch». Die soziale
Schieflage im Land sei nicht zu übersehen. Hier müsse es im
laufenden Jahr noch zu Korrekturen kommen. Sommer warnte, ein
«Weiter so» dürfe es nicht geben. Dies würden die
Gewerkschaften auch auf dem Aktionstag am 3. April klarmachen. Als
«goldrichtig» lobte Sommer aber die Absicht der Regierung,
die Bildungsausgaben zu erhöhen. Auch das Bekenntnis des Kanzlers
zu einer Ausbildungsplatzumlage begrüßte Sommer.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters kritisierte: «Es sind keine
Indizien für einen Kurswechsel erkennbar.» Der Kanzler habe
die Chance für eine Neuausrichtung der Wirtschafts- und
Sozialpolitik vertan und damit die Hoffnungen vieler Arbeitnehmer
enttäuscht. Peters hob allerdings die Aussagen Schröders zur
Beibehaltung der Mitbestimmung hervor.
Die Baugewerkschaft IG BAU hielt der Regierung eine «einseitige
Wirtschaftspolitik auf Kosten der Baubranche» vor. Beim Vorschlag
zur Abschaffung der Eigenheimzulage dränge sich der Verdacht auf,
dass allein die Baubranche, die in den vergangenen Jahren 600 000
Arbeitsplätze abgebaut habe, für Streichungen herhalten
müsse, klagte IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel.
Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria
Stange, sagte, die Ankündigung, den Bildungsbereich zu
stärken sei «okay». Den Worten müssten aber Taten
folgen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zeigte sich
«enttäuscht», dass Schröder keine weiteren
Reformen der Sozialversicherungssysteme, des Arbeitsmarktes und des
Arbeitsrechts angekündigt habe. Hundt unterstrich aber auch, zu
Recht fordere der Kanzler eine Verbesserung der Situation von Familien
mit Kindern. Es müsse auch mehr für Forschung und Bildung
getan werden.
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft erklärte, die
Bilanz der Agenda 2010 falle «durchwachsen» aus. Die
Reformen gingen zwar in die richtige Richtung, reichten aber nicht aus,
sagte Verbandspräsident Mario Ohoven. Die Gewerkschaften
hätten den Reformmotor «mittlerweile nahezu
abgewürgt», fügte Ohoven hinzu. (Quellen: Alle in
Pressemitteilungen)
(Quelle: ddp)
Arbeiter und Angestellte im Landesdienst müssen länger
arbeiten
Fr.26.03.04 - Neu eingestellte Angestellte und Arbeiter des öffentlichen
Dienstes der westlichen Bundesländer werden ab 1. Mai länger
als 38,5 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Das hat die Konferenz
der Länder-Ministerpräsidenten unter Leitung des bayerischen
Regierungschefs Edmund Stoiber am Donnerstag in Berlin beschlossen.
Laut Stoiber wird der Tarifvertrag über die Arbeitszeit im Westen
am (morgigen) Freitag zum 30. April gekündigt. Wegen der
Nachwirkung bleibt dies ohne Auswirkung auf bestehende
Arbeitsverhältnisse.
Bundesinnenminister Otto Schily bedauerte den Schritt der Länder.
Schily verwies auf die laufenden Gespräche mit den Gewerkschaften
über eine Tarifreform. Er kündigte an, in der nächsten
Tarifrunde zu Beginn des Jahres 2005 die Verlängerung der
Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden in die Lohnverhandlungen einzubeziehen.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) reagierte mit
Unverständnis. Die Länder verspielten damit die einmalige
Chance, ein einheitliches und attraktives Tarifsystem für den
öffentlichen Dienst zu schaffen, erklärte
ver.di-Vorstandsmitglied Kurt Martin in Berlin.
Ausgesprochen werden soll die Kündigung vom niedersächsischen
Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), der Vorsitzender der
Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) ist. Nach Angaben von Stoiber
wurde der Beschluss bei zwei Enthaltungen - Mecklenburg-Vorpommern und
das aus der TdL ausgeschiedene Land Berlin - gefasst. Als Motiv auch
für SPD-geführte Länder, dem Beschluss zuzustimmen,
nannte Stoiber den Erhalt der TdL. Anderenfalls hätten weitere
Länder die Tarifgemeinschaft verlassen.
Der Beschluss ermögliche den Ländern eine Anpassung der
Arbeitszeit der Arbeiter und Angestellten an die der Beamten, sagte
Stoiber. Er sei zudem ein Signal für die Arbeitszeitpolitik in
ganz Deutschland.
Der FPD-Politiker Max Stadler nannte den Beschluss einen Fehler. Damit
werde der Grundsatz der bundeseinheitlichen Besoldung von Beamten zu
Grabe getragen. Die FDP trete für eine einheitliche Grundbesoldung
und für die Möglichkeit ein, den einzelnen Dienstherren
großen Spielraum für leistungsbezogene Bezahlungselemente
einzuräumen.
Für Arbeiter und Angestellte des öffentlichen Dienstes gilt
im Westen bislang die 38,5-Stunden-Woche. Für ihre Beamten haben
die Länder die Arbeitszeit bereits auf 42 Stunden erhöht. Die
Tarifgemeinschaft der Länder will die Wochenarbeitszeit auch
für Arbeitnehmer grundsätzlich auf 42 Stunden anheben. Der
Versuch, mit der Gewerkschaft ver.di zu einer gütlichen Einigung
zu kommen, war gescheitert. Solange ver.di keinen neuen Tarifvertrag
unterschreibt, kann die Arbeitgeberseite allerdings nur bei
Neueinstellungen von der 38,5-Stunden-Woche abweichen.
(Quelle: ap)
Agarministerkonferenz beginnt mit Kundgebung gegen Gentechnik
Fr.26.03.04 - Rund 400 Menschen haben am Donnerstag in Osnabrück am Rande der
Agrarministerkonferenz gegen den Einsatz von Gentechnik in der
Landwirtschaft demonstriert. Das Bündnis für gentechnikfreie
Landwirtschaft in Niedersachsen, Bremen und Hamburg forderte strenge
Gentechnikgesetze. Sie verlangten, dass nicht nur Landwirte, sondern
auch Saatguthersteller für mögliche Schäden haften
müssen.
Unterstützt von 40 Landwirten mit Traktoren zogen die
Demonstrationsteilnehmer zum Tagungshotel, in dem zuvor die
zweitägige Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern
begann. Für die Nacht war zudem eine Mahnwache von Eierproduzenten
gegen das Käfighaltungsverbot geplant.
Die Agrarminister beraten in Osnabrück unter anderem über die
Agrarreform, die Milchpreise und die Käfighaltung. Am
Freitagmittag wollen sie ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit
vorstellen.
(Quelle: ddp)
Bauernverband ruft zu dreitägigem Milchstreik auf
Fr.26.03.04 - Angesichts des Verfalls der Milchpreise ruft der bayerische
Bauernverband zu einem dreitägigen Milchstreik ab Montag auf. Die
Bauern sollen in der Zeit keine Milch mehr an die Molkereien liefern.
Im Durchschnitt würden in Bayern derzeit knapp 28 Cent pro Liter
Milch bezahlt, das seien über 16 Prozent weniger als vor drei
Jahren. Die Niedrigpreispolitik der Discounter treibe die Bauern in den
Ruin. Der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaften in Bayern, Josef
Andres, sagte am Donnerstag: «Der Milchpreis ist ein
Skandal.» Es sei nicht möglich, Milch immer günstiger
zu produzieren.
(Quelle: ddp)